Feb 042011
 

oder

Spiele 2 gegen 2 oder 1 gegen 2

Vorwort

RauchBOMBE im Gästeblock gefunden. Na dann hat das Boulevard ja wenigstens was zu schreiben. Dazu von meiner Seite nur folgende Anmerkungen: Wer glaubt, dass beim Derby von braun-weißer Seite nicht gezündelt wird, der glaubt auch das Mubarak ein Demokrat ist. Ich finde es schade, weil ich irgendwie diese Automatismen wie Derby auswärts = muss gezündelt werden doof finde und man ja nicht alles mitmachen muss, was andere machen, aber ich befürchte beinah, dass es genügend Leute gibt, die das anders sehen, so dass natürlich irgendein Pyrokram im Stadion sein wird. Ob nun diese Rauchteile von wirklich harten Szenegängern der braun-weißen versteckt wurden, lasse ich mal bewusst offen. Und ob sie nun wirklich bombig waren, weiß auch niemand, die Polizei neigt da ja mal zu Übertreibungen. Das man ein Stadion aber vor einem Derby unbewacht und für alle zugänglich lässt, auf diese Idee kommt auch nur der Rautenverein.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Man kann das ganze noch in zwei Teile teilen, denn einmal gab es immer wieder Derbys der beiden zweiten Mannschaften gegeneinander, aber auch Derbys unserer ersten Mannschaft gegen die 2. Mannschaft des Lokalrivalens. Die sich wahrscheinlich auch nicht haben träumen lassen, dass ihr Plakat „Wir sind dann mal Bundesliga gucken“ auch für uns innerhalb von 4 Jahren Wahrheit wird.

Zu Beginn wurden die Spiele der zweiten Mannschaften selbst noch an der Sternschanze und der Hagenbeckstraße ausgetragen. Bei einem Spiel an der Sternschanze soll nach derem Gründungsmythos auch CFHH gegründet worden sein. Eine Story, die man weder nachprüfen kann, noch nachprüfen will. Außer kleineren Scharmützeln passierte an der Gewaltfront wenig.

Pyrotechnik war zu diesem Zeitpunkt noch mehr oder minder geduldet und so wurde zweimal am Millerntor auch von Heimseite richtig gefakelt. Der größte Lappen am Zaun damals: Chaoten Reinbek. Man haben sich die Zeiten geändert.

Irgendwann waren wir dann mal an der Hagenbeckstraße zur Gast. Sportlich meine ich, dass wir ein bedeutungsloses Spiel in den letzten Sekunden verloren haben. Auf den Rängen war schon aggressives rumgeprolle angesagt und ein eigentlich noch leeres Stadion wurde von der Polizei als „ausverkauft“ erklärt. Nach dem Spiel passierte dann etwas, was man schlichtweg nur als geplanten Überfall deuten kann. Irgendwelche Rauten Vollidioten hatten einen Bengalo in den Kabinentrakt geworfen, damit die Polizei abgelenkt und sind dann frontal in die weggehenden braun-weißen gerannt. Und das waren nicht irgendwelche Kinder, sondern 100 kg Kampfmaschinen. Von vorne erklang nur der Ruf „Rette sich wer kann“ und alles rannte durcheinander, erst die damals schon vorhandenen Hauer unserer Seite brachten wieder Ordnung in das ganze und blieben stehen. Und dann war auch relativ schnell die Polizei vor Ort. Ich will nicht sagen, dass bei uns alles Engel sind und ich habe auch im Zusammenhang mit dem Derby genügend Scheiße von unserer Seite erlebt, aber einen geplanten und gut strukturierten Angriff auf abrückende, sich friedlich verhaltene Fans in dieser Massivität habe ich bei den braun-weißen noch nicht erlebt. Und hoffe es auch nie zu erleben.

Danach war eigentlich immer Millerntor und Volkspark angesagt und auch die Fröhlichkeit war aus den Gesängen gewichen. Zu Beginn gab es noch sehr kreative gegenseitige Beschimpfungen und ich erinnere mich an ein Derby der zweiten Mannschaften, wo wir eigentlich 90 Minuten nur am Lachen waren, weil auf jede Beschimpfung relativ kreativ geantwortet wurde. Und der Ruf „Eure Eltern gehen zum …“ nur trocken von jemandem mit „Ja, stimmt“ kommentiert wurde und dann mit einem – politisch vollkommen unkorrektem – „Eure Eltern schaffen für uns an“ beantwortet wurde. Ich behaupte mal, dass sich bei diesen Spielen in unseren Gesängen nur sehr selten ein „Scheiß“ und schon gar kein „Tod und Hass“ wiederfand. Ja, die Zeiten haben sich geändert.

Und so musste auch die 1. von uns mehrfach gegen die 2. des Lokalrivalens spielen. Die Heimspiele waren immer von ganz netten Choreos geprägt, so wurden gegen den Lokalrivalen die Wappenwendedoppelhalter gezeigt und die Dschungelchoreo gemacht. Das der Affe, der da nach der unerreichbaren Mentalitätsbanane greift, ein Burberry Cap trägt und diese Hoolicoolicaps nicht einmal 10 Jahre später auch in unsere Kurve anzutreffen sind, kann man nur als späten Sieg der Anpassung an den schlechten Normalzustand in Deutschland werten.

In der Rautenarena brannten dann nach einem Spiel die Sitze und das ganze führte zu einem ordentlichen Aufruhr in unserer Szene, denn nicht etwa nur die Täter bekamen Stadionverbot, nein auch unser damaliger Vorsänger durfte als Rätselführer (Originalwortlaut des Schreibens) erstmal draußen bleiben. Es dauerte gut ein halbes Jahr bis dieses Stadionverbot aufgehoben wurde. Der damalige Täter saß gepflegte 5 Jahre Stadionverbot ab.

Sportlich habe ich diese ganzen Spiele verdrängt. Es gab eigentlich nur zwei Highlights: Ein Sieg im Elfmeterschießen im Oddsetpokal, der mir deshalb in Erinnerung geblieben ist, weil in diesem Elferschießen Hollerieth eigentlich bei jedem Elfer ungefähr auf der Linie des 5m Raumes heraus kam um den Ball abzuwehren (und dies bevor der Ball getreten war), aber dabei nicht einmal zurückgepfiffen wurde. Das andere ist das 4-0 in der vorletzten Regionalligasaison das Spiel des großen Schweigers Dinzey und des Timo Schulz, der u.a. ein Tor mit einer Traumvorlage vorbereitete.

Das letzte Spiel in dieser Serie endete 0-0 in unserer Aufstiegssaison. Damals vor gut 27.000 Zuschauern von denen die große Mehrheit eher braun-weiß war. Die Karten wurden plötzlich in den letzten Tagen vor dem Spiel nachgefragt, als dieses Spiel als Nichtsicherheitsspiel deklariert wurde und damit Vollbier im Stadion ausgeschenkt wurde. Das zeigt schon die absurde Alkoholabhängigkeit in braun-weißen Kreisen. Ich erinnere immer drei Storys von diesem Tag. 1. Es war ein Wochenspieltag und mit uns in der Bahn saßen drei Typen, die für sich eine Kiste Bier und eine Flasche Korn mitführten. Wohlgemerkt: Wochenspieltag! 2. Wir standen natürlich nicht auf unseren Sitzplätzen, sondern hatten uns einfach einen genommen. Folge: Die eigentlichen Besitzer des Platzes erschienen. Und zwar 10 Minuten nach Anpfiff. Als sie meinten, dies seien ihre Plätze haben wir sie halt vor uns stehen lassen. Zwei Minuten später fragten die ernsthaft, warum denn alle stehen würden, dies sei doch ein Sitzplatz. Weitere zwei Minuten später gingen sie neues Bier holen und kamen nicht wieder. 3. Sako spielte und zeigte seine Schnelligkeit. Kommentiert wurde das nur mit „Man hat der einen langen…“ *langekunstpause* „Schritt“ Ja, das ist schon wieder nicht politisch korrekt.

Ich hoffe, dass ich es nie wieder erleben muss, dass meine erste Mannschaft gegen deren zweiter Mannschaft spielt. Damit endet unser Rückblick durch die Derbys seit 1986. Wenn ich morgen Zeit finde, dann gibt es morgen noch die Wünsche für 2011. Die garantiert unerfüllt bleiben. Ich wünsche mir insbesondere, dass beide Fangruppen ihre Idioten im Griff haben und es zu keiner Gewalt gegen den jeweils anderen kommt. Ein frommer Wunsch, ich weiß, aber vielleicht sollten alle mal ein bisschen zurückschalten und begreifen, dass man sich nicht mehr politisch unterscheidet und eine Abgrenzung und Ausgrenzung in einem linken politischen Denken auch dann lächerlich ist, wenn man sie über Vereinsfarben vornimmt.

Zuguterletzt noch etwas lustiges. In der Stadionordnung des Lokalrivalens ist das Mitbringen von Leitern ausdrücklich verboten. Auf braun-weißer Seite hatte man daher konkret Sorgen, ob man denn seinen Geschäftsstellenleiter, seinen Organisationsleiter und andere Leitern mitbringen kann und falls nicht, wo man diese denn verstauen konnte. Der Forenuser Gregor fragte also beim Lokalrivalen nach und bekam folgende Antwort:

„Sehr geehrter Herr XXX,

danke für Ihre Anfrage, auf die wir gerne eingehen möchten.

Natürlich ist uns nicht entgangen, dass das Thema „Mitnahme von Leitern“ die Fans des FC St. Pauli offenbar zu bewegen scheint. Um ehrlich zu sein, sind bisher zum heutigen Tage noch keine vergleichbaren Anfragen bei uns eingegangen. Somit können wir Ihnen leider nicht mitteilen, ob und wo Sie eine Leiter verwahren können.

Ihrer E-Mail Mail entnehme ich, dass Sie offenbar des Öfteren Leitern mit sich führen. Daher sind wir für Hinweise, wo Sie diese bei Heimspielen des FC St. Pauli oder anderen Auswärtsspielen abgeben natürlich dankbar.

Mit freundlichen Grüßen

Man lernt: Es gibt noch Rauten mit Humor. Das ganze trug im Forum dann noch lustige Blüten, hier ein paar Ausschnitte:

Hoch im Norden schrieb:


Merkwürdig … ohne Leiter gehe ich garnicht aus dem Haus.
Für einen Yuppie ist so ne Karriereleiter doch unverzichtbar. Was ist bloß aus dem H$V geworden.
Ich kann die doch nicht an meinen Porsche anlehnen. Nachher kommt die weg!
[…]“

Gregor fragte besorgt:

„Humor hin oder her, aber soll ich jetzt meine Leiter einfach irgendwo abstellen?“

Bandsalat schlug daraufhin vor:

„nimm doch einfach 2 halbleiter mit. die finden sie bestimmt nicht. und im stadion einfach zuisammensetzen“

Jack.lives.here schien etwas genervt von der Problematik und schlug vor:


also damit das leidige thema mal n ende hat…
ums stadion herum gibts ne menge fahrradständer, einfach n schloss mit bringen und gut ist.“

Das konnte Gregor aber auch noch nicht ganz beruhigen, er zeigte ganz neue Probleme auf:

„ Aber dann muss ich ja mein Rad mit reinnehmen, ist das denn erlaubt?“

Die Ausgesperrten Leitern mit uns!

Ich hoffe nur, dass nicht am Ende Helmut, Michael, Sven und Christian mit einem Vorhängeschloss um den Hals das Derby vom Fahrradständer aus verfolgen müssen.