Feb 282011
 

oder

Transparenz!

Vorwort

Bevor ich mich dem Spieltag an sich in einem getrennten Beitrag unter die Lupe nehme, möchte ich wieder einige Sachen vor die Klammer ziehen. Und zwar die Kartenvergabepraxis unseres Vereines. Denn darauf läuft es alles hinaus.

Gästefans im Heimbereich

Um es mal deutlich zu sagen: Ich lehne jegliches Revierdenken ab, ich hasse es, wenn man nur in seiner Suppe rumsteht und ich finde den freundschaftlichen, fachsimpelnden Kontakt zu Fans anderer Vereine sehr anregend. Ich finde es auch nicht schlimm, wenn die neben mir Jubeln. Das ist für mich erstmal nicht provozierend. Wir hatten das Vergnügen am Samstag z.B. mit vier 96ern rumzustehen und die waren nett, kompetent, man hat sich viel Spaß gewünscht, gealbert und die konnten auch Insiderwissen mitbringen und waren auch sehr interessiert. Das mag ich! Und ich will es nicht missen, daher will ich eigentlich kein absolutes Verbot von Gästefans im Heimbereich. Das jetzt sofort viel „aber“ kommt, ist traurig.

Ich finde es nicht okay, jemanden eine zu drücken, weil er da den Affen gibt, wie es auch erneut am Samstag der Fall war. Ich bitte nur zu bedenken, dass es zwischen geplantem Hooliganismus und einer Affekttat schon Unterschiede gibt. Ich tue mich da sehr schwer beides gleich zu verurteilen. Und wenn solche Provokationen passieren, dann kann ich die Reaktion erwarten, auch wenn ich sie nicht gut finde. Auch aus Schutz von eventuell zu emotional reagierenden Menschen ist hier dringender Handlungsbedarf angesagt.

Ich hasse es, wenn irgendwelche Nasen im Heimbereich den Hoolicooli machen, weil sie sich bewusst sind, dass nix passiert, da entweder sie mit unserem Hippietum rechnen oder wissen, dass Ordner in der Nähe sind. So ein Ausnutzen angeblicher Schwäche hasse ich. Als bestes Beispiel nenne ich hier die Frankfurter, die auf der Haupttribüne fröhlichst am rumprollen waren. Und auch Hannoveraner haben sich wohl in dieser Rubrik sehr hervorgetan. Wobei die – mehrfach berichtete – Inaktivität unserer Ordner wieder ein Fragezeichen in Richtung unserer Organisation aufwirft. Denn eines muss klar sein: Wenn ein Gastfan sich im Heimbereich aufspielt, dann hat er zu gehen. Und dabei lege ich andere Maßstäbe an, als wenn er im Gastbereich rumhängt.

Liegt hier noch die Kritik an dem Verhalten der Gästefans, muss sich auch unser Verein Kritik anhören. Im Forum schrieb Sven etwas davon, dass der Gast auch ca. 30 höherwertige Karten bekommt, die in H1 liegen. Diese seien für Spielerfrauen etc. vorgesehen und das entspräche den Regularien. An die wir uns erstmal halten müssen. Soviel ist klar.

Wenn wir jetzt erstmal diese 30 Karten betrachten, so muss man doch immer wieder feststellen, dass anscheinend die meisten davon ihre gute Kinderstube vergessen. Ich begreife auch nicht, warum man dann nicht wenigstens diese 30 Karten zusammenhängend verkauft, was anscheinend (!) nicht der Fall ist, denn die Gästefans bilden nie einen geschlossenen Block in H1.

Hinzu kommt natürlich folgende Absurdität: Es gibt auf der einen Seite keinen Alkohol, außer der Haupt, aber da mischt sich alles. Und das bei einem angeblichen Risikospiel? Weil die Problemfans da so selten sind? Wenn Gastfans plötzlich nicht mehr selten sind, dann sind auch Problemfans darunter.

Und es sind eben nicht nur 30. Und da muss man dann doch die Frage stellen: Woher bekommen diese Leute die Karte? Und warum ist gerade bei uns dieses Problem so massiv? Klar man muss erstmal unten anfangen, nämlich bei den Leuten, die über Ebay als Vereinsmitglied Karten verkaufen. Ich weiß nicht, ob der Verein hier alles tut, was getan werden kann, dafür fehlen mir Detailkenntnisse. Sven ist in diesem Thema ja wirklich sehr engagiert, so dass ich denke, dass zumindest er alles tut, was er persönlich tun kann. Nur jeder, der als Vereinsmitglied so etwas tut, dem sollen a. die Finger abfaulen und b. muss er bei erwischen gut bestraft werden. Wer so etwas macht, bereichert sich an seinem Verein und das mag ich gar nicht.

Ich tue mir trotzdem schwer damit, dies als einzige Quelle von Karten zu nehmen. Dafür sind mir das zu viele und dafür wird auch zu häufig was von „hab ich direkt beim Kartencenter / bei meinem Verein gekauft“ berichtet. Und hier muss unser Verein auch in die Pflicht genommen werden, Karten wirklich nur bei einer Berechtigung und im Rahmen der selbst aufgestellten Regeln abzugeben.

Und wenn es alles nicht hilft, dann muss man wohl oder übel über drei ganz eklige Sachen nachdenken. 1. eine elektronische Zugangskontrolle 2. Verbot von Gästefans im Heimbereich (was wir dann auswärts ständig genauso kassieren würden) und/oder 3. eine Personalisierung der Tickets. Letzteres ist ein absoluter Horror, da muss wohl niemand drüber reden, aber wenn es so weiter geht, müssen wir wohl in diesen sauren Apfel beißen.

Und nun kommt der Aufreger schlechthin: Es kotzt mich an, dass die Kartenvergabepolitik unseres Vereines so intransparent ist. Es kann doch nicht sein, dass man nun in einem Forenbeitrag erfährt, dass ungefähr 30 Karten H 1 Gästekarten sind. Warum ist so etwas nicht offiziell und transparent? Warum weiß bis heute keiner, wie genau die Zahlen von Karten sind, die in den Vorverkauf gehen? Um mal nur die beiden Hauptfragen zu klären. Diese beiden Fragen und viele andere muss unser Ticketing dringend beantworten! So transparent und lobenswert die Informationen bei den Auswärtskarten ist, so schwach und intransparent ist sie bei den Heimkarten. Und gerade die Auswärtskarten zeigt doch, dass es geht. Verteilungsschlüssel kann man letztendlich immer diskutieren, aber wer diesen geheim hält, der hat meistens was zu verbergen. Und liebes Kartencenter: Bitte nicht wieder die Mär von 15.000 Dauerkarten verkaufen. Anlügen geht noch weniger.

Nebenbei ein Thema, wo man das Kartencenter per Antrag auf der nächsten JHV wirklich sehr gut zu zwingen könnte.

Kinderblock

Ein noch nicht ganz geklärtes Thema ist, wie es sein kann, dass im Rabaukenblock massiv Kinder aus Hannover saßen. Vorab: Ich finde es gar nicht schlimm, wenn hier ein gewisses Kontingent für Kiddes der nahen Vereine bereit liegt. Ähnlich wie unsere U18 Fahrten ist so etwas auch im Sinne von Kennen und Kennenlernen vollkommen legitim. Wenn es denn transparent ist!

Nur zwei Dinge gehen gar nicht:

In Hamburg was von „ausverkauft“ und „nur für Rabaukenmitglieder“ erzählen (ich kann die Forenbeiträge nur glauben, denn sie klingen nicht nach Schmu) und dann plötzlich so massiv Karten an Gästekinder abgeben. Da werden die falschen Prioritäten gesetzt! Und es kann eben nicht sein, dass zwar H96 einen Satz Kinder da hinschicken kann, aber Bergedorf 85 nicht. Das kann es nicht sein! Da verärgert man sich seinen eigenen Nachwuchs und das ist eine Todsünde. Wie schon gesagt: Nix dagegen, wenn so etwas mal gemacht wird, aber dann eben auch mit heimischen Vereinen und nicht nur mit irgendwelchen Gastvereinen. Und transparent! Mal ganz davon ab, dass ich es unerträglich finde, dass der Verein eine Zusammenarbeit mit der St. Pauli Bande (Kinderfanclub des FCSR) laut Statement des FCSR abgelehnt hat. Peinlich, dein Name sei St. Pauli.

Ebenso kann es nicht sein, dass Kinder anscheinend von betrunkenen Erwachsenen und nicht pädagogisch betreut da auftauchen. Natürlich muss man da zuerst die Betrunkenen selber in die Pflicht nehmen, aber auch unser Verein hat da eine Aufgabe, denn das einrichten eines Kinderblockes alleine reicht nicht. Es muss auch mit entsprechenden Angeboten und Kontrollen angereichert sein. Ich weiß nicht, wie weit dies gemacht wird, aber hier muss man nach solchen Vorfällen das Konzept definitiv hinterfragen.

Der Gästeblock an sich

Lieber Sven, ich finde unsere Haltung (fast) alle Choreos erstmal zu erlauben eigentlich sehr lobenswert. Aber in der heutigen Landschaft, wo eigentlich klar ist, dass Vereine wie Hannover eine Choreo nur zur Deckung für ein besseres zündeln nutzen, muss man diese mir sehr sympathische Haltung wohl überdenken. Ich befürchte beinah auch, dass die Strafe „dann eben das nächste mal nix mit rein“ einfach nicht schnell genug wirkt. Leider. Fußballfans neigen dazu ein sehr kurzes Gedächtnis zu haben und leider meinen viele ja auch, dass eine Kollektivstrafe nicht gerechtfertigt ist. Finde ich bei einem so planhaften zündeln wie jetzt erneut von Hannover nicht.

Auch die üblichen Geldstrafen für die Vereine nützen ja anscheinend nix. Vielleicht sollte man es mit folgender Strafe versuchen: Wer zündelt, der darf zum nächsten Auswärtsspiel keine Fans mitbringen. Egal, ob die Karten schon verkauft sind oder nicht. Klar, ist eine krasse Strafe, aber sie ist konkret, folgt auf den Fuße und tut weh. Natürlich kann man hier wie sehr diskutieren, ob Strafandrohung überhaupt irgendwas bringt.

Ich sage euch ganz ehrlich: Ich würde mir immer noch eine Legalisierungslösung wünschen, aber so wird das nix. Ich würde „Raucherblöcke“ sowohl zu Hause, wie auch Auswärts mit entsprechenden Markierungen und entsprechenden Sicherheitsvorrichtungen voll Bombe finden. Und dann wäre ich sehr dafür, dass auch angemessene Produkte von Weco und anderen hergestellt werden. Besser als dieses italienische Zeug oder irgendein Stoff Marke Eigenbau. So könnte man aus meiner Sicht das Risiko sehr minimieren. Klar: Versicherungstechnische Fragen wären auch zu klären, aber ich denke das geht alles. Wenn mal alle die Füße stillhalten würden.

Hinzu kommt folgendes: Wie bescheuert war bitte die Hannoverzündelei? Wenn ich in ungefähr der 3. Reihe von unten zündel und das Teil an einer Stange in der Hand halte, dann muss ich mich nicht wundern, dass ein Ordner mich doch sieht und rausfischen will. Umso absurder war erneut der Zeitpunkt des gezündels, irgendwann vollkommen unmotiviert in der Halbzeit, als die Choreo noch nicht einmal richtig ausgerollt war.

Und wenn man dann sieht, dass da irgendein Jugendlicher (so sah der zumindest aus; zur Erklärung für mich alle Leute bis zur vollen Strafmündigkeit (21 Jahre)) rausgezogen wird, dann muss man auch mal die Erwachsenen einer solchen Gruppe in die Pflicht nehmen. Ist euch eigentlich klar, welcher Strafverfolgung ihr da so einen Jugendlichen aussetzt? Ist euch eigentlich klar, wie viel Ärger der in seinem weiteren Leben bekommt? Vielleicht will der noch mal in öffentlichen Dienst? Das kann er gepflegt vergessen, wenn er Pech hat. Und das kann es nicht sein! Für ein bisschen Qualm diese persönlichen Folgen? Ne, das kann es nicht sein. Da kann ich noch so für Pyro sein, aber ich muss eben Vorteile und Nachteile abwägen und dies auch nicht auf irgendeinen (im Notfall unterwürfigen) Jugendlichen abwälzen.

Die Südkurve

Ich bin von Anbeginn der Südkurvenregelung ein Kritiker dieser Regelung gewesen. Ich habe bereits von Anbeginn an Bauchschmerzen gehabt und diese Bauchschmerzen haben sich leider in der letzten Kartenvergabe bewahrheitet. Leider! Ich bin immer positiv neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen und man kann so etwas auch wohlwollend kritisch sehen und so war meine Haltung.

Nun ist laut Südkurvenflyer das Konzept an sich Historie und es wird wieder das hausbackene Konzept des Vorkaufsrecht angewandt.

Ich sage euch ganz ehrlich: Ich weiß keine gute Lösung des Problems Südkurve. Ich kenne keine vernünftige Lösung, außer die sofortige Erweiterung des Stadions auf 50.000 Besucher. Dann haben wir definitiv kein Kartenproblem mehr.

Dies war wahrscheinlich die einzige Lösung, die man auch bei allen durchsetzen konnte. Und wenn man dem Südkurvenflyer glauben schenken mag, ist das wohl sehr breit abgesprochen, was ich okay finde. Und trotzdem ist es keine gute Lösung und die Zusammensetzung der Kurve geht eben nicht klar (Wortlaut des Südkurvenflyers). Und zwar aus einem einfachen Grund: Selbst wenn da nur ein Vordrängler nun auf ewig (und was anderes ist es nicht) drinsteht, ist das einer zuviel. Und egal, wer dadurch keine Dauerkarte hat, es ist einer zu viel. Jeder, der nicht nach den Regeln gespielt hat, ist einer zuviel. Und der wird jetzt nachträglich belohnt. Und das schmeckt mir gar nicht und geht eben nicht okay. Und dies gilt trotz der Härtefallregelung, die halt auch nicht jeden Fall berücksichtigen konnte, der moralisch vielleicht eine Dauerkarte verdient hat. Wobei das natürlich ein schwieriger und sehr grauer Maßstab ist.

Ich weiß leider auch keine überzeugende Lösung dieses Problems, kritisiere daher weniger die Lösung an sich, sondern den Wortlaut des Textes. Denn was man auch sagen muss: Die Idee, der immer neuen Durchmischung ist damit (leider) Geschichte und diese Niederlage kann man auch unumwunden zugeben.

Was ich bei vielen (nicht allen) Kritikern schon seit Anbeginn vermisse, ist ein sich kontinuierliches Einmischen. Ich kann nicht jedes Jahr wie der Hase vor der Schlange verharren, mich nicht bewegen und dann nach der Entscheidung plötzlich explodieren. Wie schon vielfach geschrieben: Gerade in einer selbstverwalteten Kurve ist mitmachen Pflicht. Die ganze Kartenverteilung ist nicht gottgegeben und nichts in diesem Verein ist in Stein gemeißelt.

Ähnlich wie zu den Wahlen letztens geschrieben: Wer nicht in einem System mitarbeiten will, der muss sich auch nicht wundern, wenn das System seine Interessen nicht berücksichtigt. Natürlich eckt man am Anfang an, macht vieles falsch und bekommt auch mal (zu Unrecht) Feuer von den Etablierten, aber wie man mit Engagement viel Einfluss und ernstgenommen werden gewinnen kann, zeigen Beispiele wie die Oldtras oder früher die Basis nun doch wirklich.

Ich glaube die Aufforderung sich zumindest in einem Fanclub zu organisieren (ist nun mal die kleinste und einfachste Einheit im braun-weißen Universum) stand in meinen Texten schon seit Jahren. Sie bleibt auch jetzt bestehen.

Aus meiner Sicht ist aber auch der Verein gefordert. U.a. muss nun endlich mal eine transparente Ansage kommen, wie viele Dauerkarten es wirklich gibt. Und dann muss man beginnen freiwerdende Dauerkarten (und die gibt es) auf eine Warteliste weiterzuleiten. Und diese Warteliste sollte klar nach Prioritäten wie z.B. Dauer der Vereinsmitgliedschaft abgearbeitet werden. Was nicht geht ist eine schleichende und geheime Umwandlung von Dauerkarten in (teurere) Einzeltickets und Saisonpakete. Das ist eine Schweinerei sondergleichens und muss unterbleiben. Hier ist Transparenz und Einbindung aller Mitglieder gefragt.

Klar muss dann aber auch sein: Leben ist kein Ponyhof, daher werden Leute auch teurere Sitzplatz DKs erstmal fressen müssen und Bezugsgruppen sich trennen müssen. Ein Tauschtool sollte der Verein hier ebenso anbieten.

Abschließend noch folgendes: Auch wenn das Südkurvenkonzept grandios gescheitert ist, weil es eben u.a. nicht erstligatauglich ist, so will ich doch folgendes feststellen: Mir ist ein Engagement was auch mal nicht zu Ende gedacht ist, immer lieber als ein Nichtengagement und ein Warten, was andere machen. Daher der ständige Appell: Werdet aktiv, bringt euch ein, dies geht nirgendwo besser als in diesem Verein.

Und dann war da noch…

…Das Internet und seine Rezeption von Sachen. Ich denke die meisten werden den offenen Brief (Sekundärquelle Bildblog) der Band „Wir sind Helden“ an die Bildzeitung und die Reaktionen im Internet gesehen. Der Brief ist verlinkt, die Reaktionen fasse ich mal wie folgt zusammen: Das ganze verbreitete sich wie ein Lauffeuer bei Twitter und anderen sozialen Netzwerken, die Homepage von „Wir sind Helden“ ging in die Knie und auch die Page des Bildblogs war zwischenzeitlich gut überlaufen. Erst überwog Zustimmung, dann wurde der Band vorgeworfen doch nur billige PR für ihre neue Single machen zu wollen. Dazu folgende Anmerkungen:

Frau Holofernes wiederholt hier nur eine Meinung, die sich bereits im Dezember 2007 mit ähnlich Worten geäußert hat und zwar als Bildbloggerin für einen Tag (Der Beitrag ist auch bereits oben verlinkt.). Damals nebenbei ohne internetiale (Kunstwort zu „mediale“) Aufregungswelle. Vielleicht auch, weil soziale Netzwerke, ihre Potentierungsfunktion aber auch ihre plakativ machende Art damals noch relativ unbekannt waren.

Alleine deswegen erscheint es mir absurd hier eine billige PR zu vermuten.

Bereits vor Jahren hatte ich mal in einem Beitrag geschrieben, dass die Band „Wir sind Helden“ sehr viel politischer ist, als ihr Publikum. Was auch daran liegt, dass Fr. Holofernes umständliche und verstecke politische Anspielungen dem „A.C.A.B.“ anderer politischer Bands vorzieht. Das ist Stil und das mag man mögen oder nicht. Ebenso wie man den verspielten Pop der Band mögen mag oder nicht. Nur wenn man dies bedenkt, dann ist eine klare politische Aussage gegen das mächtigste Blatt dieser Republik garantiert keine billige PR insbesondere in dem mit der Musik angesprochenen Kundenkreis.

Hinzu kommt: Wer hält die Aussagen denn bitte für falsch? Wichtig ist doch nicht, warum man etwas sagt, sondern dass man es sagt. Oder spricht hier jemand Musikbands das Recht zur politischen Äußerung ab? Das ich dieser Meinung nicht bin, sollte klar sein. Daher finde ich auch nicht, dass es falsch ist eine solche Anfrage und die Antwort zu veröffentlichen. Das ist vollkommen okay. Denn eine stille Ablehnung käme eben einem Verbot der öffentlichen Äußerung einer politischen Meinung gleich und das unterstütze ich nie und nimmer. Dazu kann ich immer nur auf die göttlichen Dead Kennedys verweisen und ihrem Beitrag zu diesem Thema.

Und noch etwas spricht stark gegen billige PR: Das ganze fiel mit der Veröffentlichung einer Single aus dem aktuellen Album zusammen. Wer weiß, wie wenig Aufmerksamkeit und wie wenig Geld mit einer Single zu erzielen ist, der wird alleine deswegen schon die billige PR verneinen. Und das eine solche Anfrage natürlich gestellt wird, wenn eine Band aktiv ist, ist doch auch logisch. Niemand stellt eine solche Anfrage, wenn die Band (wie auch schon bei denen passiert) eine kreative Pause einlegt.

Abschließend noch folgendes: Ich fand die Rezeption in den sozialen Netzwerken sehr typisch: es wird eine sehr plakative Meinung geäußert, dies fällt sofort auf breite und euphorische Zustimmung und nach einer gewissen Zeit kommt die genauso plakative Gegenmeinung. Eine Analyse, eine tiefere Wertung und auch eine differenzierte Betrachtung findet nicht statt. Nebenbei alles Sachen, welche die meisten Leute wohl insbesondere in der Bild und anderen Drecksblättern vermissen werden. Ich warne davor, dass man sich im Internet genauso verhält, dass man Leute abfeiert, die alles schwarz/weiß und plakativ sehen. So einfach ist das Leben nicht. Ich biete hier keine Lösung für die Welt an, ich stelle meine Meinung dar. Oder um es mit einer anderen politischen Band zu sagen: „a righteous student came and asked me to reflect he judged my lifestyle was politically incorrectI don’t believe in self important folks who preach no Bad Religion song can make your life complete prepare for rejection you’ll get no direction from me.

Und hier versteckt sich auch eine Kritik an dem offenen Brief, die ich gelten lassen würde.

Abschließender Hinweis: Ich mag sehr ungern Fremdinhalte im Netz verlinken, da ich keinen Einfluss darauf habe, ob und wie lange die verfügbar sind. Daher bin ich bei so etwas immer etwas zurückhaltend.

Feb 232011
 

oder

Eine Nachbetrachtung zur Bürgerschaftswahl

Vorworte

Liebe Leser, so in der Mitte der Woche kann man doch mal so fröhlich was schreiben. Und ich will ja auch die Menschen ohne Passwort ein bisschen amüsieren diese Woche. Und so kann ich doch einfach mal was zu Politik schreiben.

Imagetransfer

Kommen wir aber erstmal allgemein zu den Ergebnissen der Hamburg Wahl. Paukenschlag umschreibt dieses Ergebnis nur unzureichend. Das man mit fünf Parteien in einem Parlament eine absolute Mehrheit erreichen kann und dies auch noch links der angeblichen Mitte, hätten wohl viele Leute nicht mehr für möglich gehalten. Gerade bei der GAL war dieser Glaube nicht vorhanden. Olaf Scholz hat es mit einem extrem unpolitischem Wahlkampf geschafft. Denn ganz ehrlich: Ist euch eine konkrete Forderung des Olaf S. im Ohr geblieben? Vielleicht die mit den Kita Gebühren und das wird wahrscheinlich auch die sein, die er nicht erfüllen kann, weil kein Geld da ist.

Warum er diesen unpolitischen Wahlkampf gemacht hat? Insgesamt ist der Handlungsspielraum eines Landesvaters extrem begrenzt. Er soll bald ausgeglichene Haushalte vorlegen, hat einen Personalkörper, der eigentlich schon jegliche Einnahmen auffrisst und dazu schon eine schöne Zinsbelastung. Okay, dann spart man halt am Personal, sagt da der unbedarfte Bürger. Nur guckt euch mal den Personalkörper eines Bundeslandes an. Der besteht aus Finanzbeamten, Lehrern und Polizisten. Erstere braucht ein Land (der Bürger eher nicht ;-)), die in der Mitte will niemand einsparen und bei der Polizei? Ja, also mir fallen da sofort mindestens zwei Stellen ein, die man sparen kann, aber ob die den Kohl fett machen?

Dann hat konkret der Hamburger Bürgermeister noch schöne Klötze am Bein, die z.B. Elbphilharmonie und viel zu viele Theater heißen. Ja, ich bin da sehr skeptisch, was Kulturförderung angeht. Wenn Betriebe Millionen verschlingen, deren Karten trotzdem eigentlich nicht unter 50 Euro zu bekommen sind, dann empfinde ich das als Missverhältnis und als sehr problematisch. Kulturförderung gerne, aber nicht für irgendwelche reichen Leute, denen es im Endeffekt egal ist, ob sie 50 oder 100 Euro für die Karte zahlen. Trotzdem kann ich das jetzt hier ganz entspannt schreiben, denn ich muss mich nicht mit den Feuilleton des Hamburger Abendblattes auseinandersetzen. Und der damit verbundenen Lobbymacht des Kulturbetriebes. Und spätestens, wenn die Kulturförderung eigentlich nur dort versickert und weder in kleinen Clubs, noch in kleinen Theatern, dann finde ich das sehr bedenklich. Insbesondere, wenn die Alternative irgendwann Kita-Gebühr oder Opernsubvention ist.

Tja und so gehen viele Politiker eben nicht mehr mit Forderungen in den Wahlkampf, sondern als Landesvater, der mit Politik eigentlich nix zu tun hat. Das hat von Beust perfekt verstanden, hat auch in seiner Regierungszeit es vermieden mit Politik in Berührung zu kommen und ist so 10 Jahre an der Macht geblieben. Ob und inwieweit Olaf Scholz nun einen ähnlichen Kurs fährt, kann ich nicht beurteilen. Wünschen tue ich es mir für meine Heimatstadt nicht, denn die Probleme wie Wohnungsnot, Aufteilung der Stadt in zwei Klassen, Gentrifizierung etc etc. bleiben und werden durch Nichthandeln nicht besser. Eher wünsche ich mir unpopuläre Entscheidungen und zwar nicht zu knapp. Eine der ersten wäre für mich ein sofortiger Baustopp bei der Elbphilarmonie und die Umwandlung des Gebäudes in ein Mahnmal für öffentliche Fehlplanung. Und das meine ich so, wie ich es schreibe.

Leider meinen 41 Prozent meiner Mitbürger, dass sie nicht wählen müssen. Das ist traurig und ich weigere mich langsam dies auf „Politikverdrossenheit“ oder „schweres Wahlrecht“ zu schieben. Das sind Alibiausreden und nicht anderes als der Ausdruck einer „bedient mich“ Mentalität und einer „wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“ Haltung in unserer Gesellschaft. Natürlich gibt es Menschen, die aus einer kompletten politischen Überzeugung und einer Ablehnung dieses Systems nicht wählen gehen, aber das ist eher die Minderheit dieser 41 %.

Und man muss nicht an der Legitimation der neuen Regierung zweifeln, weil es 41 % Nichtwähler gibt. Wer sich außerhalb eines solchen Vorganges stellt, der wird eben mitregiert. Und das im Notfall immer von den Falschen. Und wer wirklich gesellschaftliche Veränderungen will, der muss sich engagieren. So läuft eine Gesellschaft, die von unten nach oben aufgebaut ist. So läuft nebenbei jede Gesellschaft.

Das Wahlsystem? Ja, das ist nicht bequem. Man muss sich damit mal befassen. Aber bitte Leute: Das zugeschickte Infoblatt war innerhalb von 10 Minuten zu erfassen und die Möglichkeiten waren sehr gut und sehr deutlich erklärt. Und wenn ich mir wirklich unsicher bin, dann kann ich immer noch im Notfall von meinen Trickserei-Möglichkeiten keinen Gebrauch machen und wähle mit jeweils 5 Stimmen die Listen. Und dazu sollte jeder in der Lage gewesen sein. Aber dazu musste man eben mal lesen. Muss man nebenbei bei dem zwei Stimmen Bundestagswahlsystem auch, wenn man seine Stimmen richtig einschätzen will. Und davon lebt jede Gesellschaft, jede Gesellschaftsutopie: Das man bereit ist mitzumachen, sich einzubringen und nicht nur zu konsumieren.

Kommen wir nun zu St. Pauli und der Wahl. Das Stadtteilergebnis ist schon traditionell sehr gegen den Trend in der Stadt und auch diesmal hat die CDU gerade einmal 5,5 % der Stimmen in diesem Stadtteil geholt. Bemerkenswert: Es gibt 159 Stimmen (was ja ungleich Wähler ist in diesem Wahlsystem) für die NPD. Das sind 159 Stimmen zu viel.

Ein Phänomen ist die Piratenpartei, die anscheinend viele junge Leute anspricht, aber nicht genügend um über die 5 Prozent Hürde zu springen. Auf St. Pauli ist sie mit 10 % dabei. Ob dies eine Basis ist, auf der sie in Richtung 5 Prozent marschiert oder ob sie bei 2 % verharrt? Die Zeit wird es zeigen. Viele Forderungen der Piraten sprechen mich an, viele stoßen mich ab.

Während dies alles noch nicht die Zeilen wert wäre, die ich hier gerade beschreibe, ist ein anderes Phänomen schon mehr eine Erwähnung wert: Die GAL feiert bei uns im Ballsaal, im Willy Brand Haus wird der Totenkopf geschwenkt und auch bei der Linken sind braun-weiße Klamotten (bzw. Totenköpfe zu sehen) zu sehen. Was merken wir daraus? Wir sind in diesen Kreisen anscheinend voll angesagt. Und so entsteht ein für mich problematischer Imagetransfer. Wenn schon in der Tagesschau erwähnt wird, dass da der Totenkopf von uns weht, dann ist das beachtenswert. Immerhin scheinen wir nur links der Mitte hip zu sein, denn Fr. Suding (auch „die Öljacke“ genannt) kam glücklicherweise nicht im Totenkopf. Oder passend zu ihr: In der tollen Upsolut Regenjacke.

Ich mag das alles nicht. Ich will insoweit einen unpolitischen Fußball. Mit Parteien in Verbindung gebracht zu werden, egal wie, schmeckt mir nicht. Das schmeckte mir schon nicht, als Cornelius noch mit Totenkopf über GAL Partys wandelte und das schmeckt mir jetzt noch weniger. Natürlich ist es kein Zufall, dass die GAL bei uns feiert, ist doch Cornelius Parteigänger dieser Partei, aber fragwürdig ist es schon, wenn diese Partei ein Image nutzt, was von Fans geschaffen wurde und unter ihrer Regierungszeit genau diese Fans von Polizeieinsätzen grundlos zusammengeknüppelt werden und die Partei sich nicht einen Millimeter bewegt. Tja, immerhin ist deren machtpolitisches Kalkül nicht aufgegangen und sie können jetzt ausprobieren, ob Müntefering denn Recht hatte, als er sagte: „Opposition ist Mist.“ Gerade dieses machtpolitische Kalkül macht die GAL so unsympathisch. Das bin ich von der FDP gewohnt, aber nicht von denen. Oder wie schrieb so schön jemand auf Twitter? „Niemand siegt am Millerntor gilt auch für die GAL“.

Und nein, dies ist kein Plädoyer für den unpolitischen Fußball, wie er von vielen Leuten gefordert wird. Nein, ich will Politik, ich will politische Forderungen, ich will auch mal Radikalität und ich will insbesondere keine Nazis, Rassisten, Sexisten und anderes Pack in meinem Stadion. Und das ist alles durch und durch politisch. Aber es ist gesellschaftspolitisch und nicht parteipolitisch mit seinen Machtansprüchen. Das schmeckt mir in meinem anarchistischen Verein nicht.

Das dies nicht ganz widerspruchsfrei ist, sollte auch klar sein. Aber ganz ehrlich: Ich bin kein schwarz/weiß auf 140 Zeichen die Welt erklären könnender Internetschreibling. Das überlasse ich Menschen, die glauben die Welt ist schwarz und weiß.

Das ich nicht auf St. Pauli lebe, sollte bekannt sein. Ich lebe in einer Gegend, wo die CDU eigentlich immer mehr Stimmen bekommt, als die SPD. Aber diesmal nicht. Selbst in meinem Wahllokal und damit in meiner Nachbarschaft hatte die SPD knapp 25 Prozent mehr als die CDU. Ich glaube das man besser das „Stammwähler nicht mobilisiert“ nicht umschreiben kann. Insbesondere da in meinem Wahllokal gerade mal 51 % der Wähler zur Wahl gegangen sind. Traditionell liegt diese Quote bei uns weit über 60 %.

Was sonst noch war…

… Bastian Oczipka, dem an dieser Stelle gute Besserung und ein schnell heilender Knöchel gewünscht wird. Ich hoffe, dass er wieder zu alter Stärke kommt. Dann steht ihm der Weg zur Nationalmannschaft und leider auch zu Vereinen, die viel mehr als wir bezahlen offen. Schade für uns, aber toll für einen sehr talentierten Fußballer.

… Die Polizei Paderborn, die einen Pfefferspray und Schlagstockeinsatz gegen Aachener Fans mit folgenden Worten (Zitat laut Pressemitteilung der Piratenpartei Aachen) begründete:

„Der Einsatzleiter der Polizei in Paderborn, Jürgen Siebel, rechtfertigte
den Einsatz mit dem Verweis auf Banner, die über die sogenannten
Wellenbrecher hingen. „Die Aachener Fans hatten an Wellenbrechern
Banner aufgehängt, dadurch war unsere Videoüberwachung erschwert. Wir
haben mehrfach auf die Fans eingewirkt, die Banner einzurollen. Auch
über einen Fanbeauftragten. Das hat alles nicht gefruchtet““

Noch Fragen? Ich nicht. Wenn man so etwas liest, dann muss man sich wirklich fragen, ob der noch alle Sinne beisammen hat. Nicht nur, dass man im weiteren Verlauf lesen kann, dass dieses Aufhängen wohl mit den Ordnern abgesprochen war. Nein selbst wenn man davon ausgeht, dass es ganz brutal verboten war, kann man hier nicht einmal mehr von einer Unverhältnismäßigkeit oder einer Fehleinschätzung ausgehen. Hier wird aus Lust am Prügeln und aus Machtgeilheit vorsätzlich agiert. Alles andere, als eine sofortige Absetzung des Hr. Siebel und eine strafrechtliche Verantwortung wegen schwerer Körperverletzung verbietet sich als Reaktion. Als nächstes springt die Polizei in einen Nichtraucherblock, weil da einer geraucht hat, oder was?

… der Hinweis auf einen Artikel des Lichterkarussell Bloggers, der sich von selbst erklärt. Wenn ich den noch weiter verlinke, muss der mir bald Werbekostenzuschüsse bezahlen. 😉

… Dr. von und zu Guttenberg. Ja, immer noch Doktor, denn einfach so zurückgeben kann man so einen Doktor nicht. Nun ganz ehrlich Leute: Ich finde das nun weniger sehr aufregenswert, dass der seine Doktorarbeit abgeschrieben hat, als dass sie von der Uni Bayreuth so bewertet wurde. Ich hatte früher mal ein Buch, wo sich mit der Qualität von Doktorarbeiten von Politikern (u.a. Kohl, Vogel etc.) auseinandergesetzt wird und man insgesamt zu dem Ergebnis kam, dass das ziemliche Dünnbrettbohrerei sei. Klar ist es das und dies ist der eigentliche Skandal. Denn alle diese Leute waren damals schon aufstrebende Politiker und ihr glaubt doch nicht, dass von wohlwollenden Professoren und Universitäten so jemanden ein Stein in den Weg gelegt wird. Ganz im Gegenteil: Da wird eben mal ein bisschen geschummelt. Man will doch nicht als derjenige dastehen, der dem aufstrebenden Politiktalent den Doktor verwehrt hat. Dieses Klima zu durchbrechen und eine echte Leistungsgesellschaft (FDP Forderung) zu schaffen, das müsste der eigentliche Skandal sein. Das Guttenberg ungefähr überall seine Biografie geschönt hat, wo es passte, das ist nebenbei erwähnt. Ich erinnere nur an die Geschäftsführung der Familienunternehmen. Das ist nun einer zum googlen.

Feb 172011
 

oder

Die Zündeldiskussion

Vorwort

Bevor ich in einem gesonderten Artikel meiner Freude, meinen Erlebnissen und den ganzen lustigen Geschichten dieses Tages Platz bieten möchte, möchte ich das negative vor die Klammer ziehen und die Zündeldiskussion führen.

Was tun?

Fakt ist: Es ist in unseren Blöcken massiv gezündelt worden und dies relativ unmotiviert mitten im Spiel. Ich vermute mal, dass man um 19:10 zündeln wollte, aber das ist eine Vermutung. Und zwar einmal in der USP Ecke und einmal in der RGK Ecke. Das soll jetzt keine Kollektivverantwortung dieser Gruppen herstellen, das ist erstmal nur eine örtliche Beschreibung. Ob und inwieweit die Verursacher in deren Reihen zu suchen sind, mag ich nicht spekulieren, will ich nicht spekulieren und es ist auch egal, ob oder ob nicht. Fakt ist: So ein massiver Raucheinsatz wird mit mehren Leuten abgesprochen gewesen sein, Einzeltäter (im Sinne von einer Person) werden das eher nicht sein.

Ich will auch nicht die normale Schiene von „sieht gut aus“ versus „ist verboten und gefährlich“ fahren. Diese Argumentationsschiene ist ausgelutscht und bringt uns alle nicht weiter. Ich will vielleicht mal den Blick auf einen anderen Ansatz der Überlegung lenken. Ich weiß nicht, ob man damit die Verursacher erreicht oder auch nicht. Was wir als Szene viel mehr überlegen müssen, ist wie gehen wir mit den Verursachern, wenn man sie denn mal beobachtet hat um?

Ich persönlich halte nix von Denunziantentum und ich halte nix von Sachen über die Polizei regeln. Ich halte auch nix davon sich im Stadion gegenseitig an die Gurgel zu gehen oder in eine Diskussion zu verfallen. All dies bringt nix und ist eher Scheiße. Ich halte aber sehr viel davon das Gehirn auch solcher Leute anzusprechen und ihnen mal klar zu machen, welche Verantwortung sie eigentlich übernehmen. Und dann sollten sie mal ganz stark überlegen, ob sie wirklich bereit sind diese Verantwortung zu tragen.

Vorab aber noch zwei Absätze: Ich finde die Ausrede „Aber ist doch Derby“ nur bedingt tragend. Wenn dies der einzige Zündelfall gewesen wäre, dann hätte ich noch gesagt „okay, dann ist das bei DIESEM EINEN Spiel halt so.“ Da dies aber bereits der dritte oder vierte Fall in dieser Saison war, verfängt dieses Argument nicht. Mal ganz davon ab, dass für mich beim Derby nicht andere Regeln greifen wie bei einem Spiel in Hoffenheim.

Das „sieht gut aus“ muss man für diesen konkreten Fall auch mal deutlich verneinen. Im Intro unter den Fahnen, ja da hätte es gut ausgesehen, da bin ich ehrlich. So aber ohne irgendwas mitten im Spiel und ohne Bezug zum Spiel: Ne, das sieht nicht einmal besonders gut aus.

Und dann kommen wir zu der Verantwortung der Verursacher: Es war beinah abzusehen, dass eine sehr nervöse Polizei so reagiert, wie sie reagierte. Das sie ohne Rücksicht auf Verluste in einen überfüllten Block knüppelt und Pfeffer sprüht. Das sie u.a. einen Vorsänger mit Pfeffer vom Zaun holte und auch auf Jugendliche und Frauen einknüppelte. Man hat letzte Woche schon gesehen, wie die Polizei wieder aggressiver auf Gefackel reagiert und daher kann mir keiner sagen, dass so etwas nicht mit in die Überlegungen eingeflossen sein muss.

Und wenn nicht, dann sollte es jedem nun klar sein, wie die Polizei reagiert und was passieren kann. Und dann sollte man dringen darüber nachdenken, ob ich die Verantwortung dafür übernehmen will, dass irgendwelche wilden Kampfmaschinen 1.500 Leute gefährden.

Und um es mal deutlich zu sagen: Ich halte so einen Polizeieinsatz weder für wünschenswert, angemessen oder sinnvoll. Da kann soviel passieren und das ist einfach nicht die richtige Lösung. Nur Aktion und Reaktion muss hier ebenso deutlich benannt werden. Das ist ja kein Blitz aus heiterem Himmel.

Gestern schwirrten doch Berichte über Verletzte durch den Raum und ich kann verstehen, dass viele Leute unten in dieser Situation nicht weiter Fußball gucken wollten. Ich hoffe, dass es den Verletzten soweit wieder gut geht und das trotzdem alle irgendwie noch den Derbysieg ein bisschen genießen konnten. Ein Schatten ist natürlich drauf.

Und noch etwas müssen die Verursacher bedenken: Sie stellen sich hier gegen eine Mehrheit von Leuten, die aus unterschiedlichsten Gründen Gezündel ablehnen. Und ich als alter Demokrat finde es nicht gut. Nicht einmal in der aktiven Fanszene wird es einen Konsens darüber geben, ob man zündeln darf oder nicht. Ich weiß, dass wir früher dies nur gemacht haben, wenn ein Konsens bestand. Das war damals in Aachen und da haben es alle gewusst und alle sozusagen genehmigt. Und so lange dieser Konsens nicht da ist, würde ich es nicht machen.

Von den Folgen Geldstrafe, Auswärtsverbot, schlechte Presse, nächstes mal keine Choreo, will ich gar nicht sprechen, aber auch dies sollten die Verursacher bedenken, denn sie schaden dem Verein damit. Und ob eine Gruppe von 10 bis 200 Leuten diese Verantwortung tragen kann und sollte insbesondere gegen eine Mehrheit (dazu später), das ist das Thema. Und nochmal: Ich mache keine Gruppe, die Transparente an den Zaun hängt kollektiv verantwortlich. Das alleine deswegen schon, weil mir Gruppenstrukturen und Gruppenmitgliedschaften viel zu unklar sind. Wenn sie es waren, müssen sie es erstmal und zuerst intern aufarbeiten.

Ich will aber auch mal folgendes sagen: Gezündelt wird auch, weil sich die Presse drauf stürzt, weil die Aufmerksamkeit des Stadionsprechers noch drauf gelenkt wird, weil sofort unzählige Kameras blitzen (im dunklen sehr gut zu sehen). Wenn man diese Öffentlichkeit gar nicht herstellen würde, würde man auch viel gegen gezündel tun. Denn Kontrollen und so bringen gar nix, so genau kann man 57.000 Zuschauer nicht kontrollieren. Ändern tut man nur etwas, wenn man die Einstellung der Verursacher ändert. Ja, ich weiß, dass dieses schwer ist.

Ach ja: Und mit Beschimpfungen oder interner Gewalt erreicht man gar nix, außer Ärger. Auch in solchen Situationen müssen wir zusammen stehen und dieses Problem gemeinsam, zusammen und in ruhiger Art lösen. Klar gibt es irgendwann auch eine Schwelle, wo man den Grundkonsens kündigen muss und wo man den Verursachern auch deutlich machen muss, dass sie irgendwann eben doch der Polizei bzw. unserem Verein genannt werden. Nur dann mit Vorwarnung und als allerletztes Mittel. Und soweit sind wir noch lange nicht.

Und nein, ich habe kein Patentrezept. Ich denke wir stehen am Anfang der Diskussion, denn im Gegensatz zu vielen anderen Szenen waren wir bis zu dieser Saison frei von regelmäßigen Zündeleien.

Und wie ihr vielleicht gemerkt habt, habe ich das Wort „Täter“ bewusst vermieden.

Geschützt: Mit dem falschen Fuß

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Feb 152011
 

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Feb 102011
 

oder

Derby überstrahlt alles

Präskriptum

Liebe Leser, immerhin die Internetseite http://www.blablameter.de findet meine Texte gut, denn im Bullshitindex bin ich doch relativ weit unten. Der „Ratlos“ Text kam nur auf ein 0,11. Alle Leser dieses Artikels möchte ich noch einmal bitte auf die kleine Ergänzung hinweisen, bevor ich hier zum Ultrahasser gemacht werde, was ich nun prinzipiell nicht bin. Ich bin eher ein wohlwollender aber kritischer Begleiter dieses Phänomens und ich bleibe dabei: Die Jugend hat immer den Freibrief der Unvernunft.

Nur wenn das deutsche Strafgesetz diese Unvernunft in schwerste Straftatbestände einordnet, dann muss man eben bewusst und vorsichtig handeln. Und das ist kein Verraten der Kultur, kein sich beugen dem System, es ist einfach kluges und taktisches Handeln. Mal ganz davon ab, dass ich Gewalt gegen Personen absolut für nicht hinnehmbar finde, egal in welcher gesellschaftlichen Utopie man gerne leben würde.

Zocken wir doch ein bisschen…

Wenn sich ein Magazin Fakt nennt, dann erwartet man eigentlich Fakten. Das Fakt diese nicht liefert und lieber keine Namen nennt, zeigt schon wie dünn die Story ist. Der Verein tut dann eigentlich genau das richtige, er nennt die Fakten und nimmt damit der Spekulation die Grundlage. Bisher ist nicht bewiesen, dass überhaupt ein Spiel unseres Vereines verschoben wurde (also im anderen Sinne als dem von Helmut Schulte benutzten). Es gibt Verdachtsmomente und ein Spieler behauptet viel. Aber ein Beweis ist das nicht. Und bis zum Beweis gilt in Deutschland außerhalb der Boulevardmedien immer noch etwas sehr schönes, nämlich die Unschuldsvermutung.

Natürlich kann man jetzt eine Wahrscheinlichkeitsrechnung anstellen, wie wahrscheinlich es denn ist, dass unsere aktuellen Spieler noch in den Verdacht kommen an diesen (versuchten) Mauscheleien beteiligt gewesen zu sein. Dagegen spricht insbesondere eine Sache: Staatsanwaltschaften neigen nicht dazu Menschen als Zeugen zu vernehmen, wenn es nahe liegt, dass diese Beschuldigte in diesem Verfahren werden könnten. Man darf nicht vergessen, dass ein Zeuge die Wahrheit sagen MUSS und Aussagen MUSS. Ein Beschuldigter jedoch muss weder noch. (Zumindest im deutschen Rechtsdenken). Würde man einen also erst als Zeugen, dann als Beschuldigten führen und dies von Anfang an im Sinn haben, dann läuft man sehr schnell in Verwertungsverbote.

Kurz: Solange hier nicht irgendwelche tolle neuen Fakten auf den Tisch kommen, bleibt es ein Sturm im Wasserglas, der ärgerlich ist, der aber unseren aktuellen Kader nicht betrifft.

… oder wollen wir Karten spielen?

Unser Verein hat sein Einzelkartenverkaufssystem auf die Neuzeit umgestellt. Sprich: Man muss nicht mehr in der Schlange stehen, sondern kann Online und/oder telefonisch bestellen. Letzten Freitag hatten wir den ersten Praxis Test, der erstmal zu einem Zusammenbruch der Datenbank führte. So führten Onlinebestellungen erstmal ins Nichts und selbst bei Bestätigungsmails sollen Bestellungen teilweise nicht wirklich in die Bearbeitung gelangt sein.

Sollte an diesen zahlreichen Berichten nur irgendwas dran sein, dann kann man nur den Kopf schütteln. Ein Unternehmen wie Ticketonline muss sein System doch eigentlich soweit getestet haben, dass es solche Anstürme verkraften kann. Und jetzt bitte nicht die „überrascht“ Platte auflegen, denn wenn für dieses Produkt bei ekeligstem Wetter stundenlang angestanden wird, dann kann man sich einen entsprechenden Andrang vorstellen.

Aber auch andersherum ging es. Ein mir bekannter St. Paulifan bekam keine Bestätigungsmail, versuchte es noch mal telefonisch, bekam dort die Auskunft, dass seine Onlinebestellung, sollte sie denn eingegangen sein, automatisch storniert werde und bekam an Ende natürlich zwei Karten. Das ist natürlich ärgerlich und erst nach vielem hin- und her konnte er die zurück geben, was aufgrund der speziellen Kartenart (Sitzplatz ermäßigt) das einfachste für ihn ist.

Ich will noch kein abschließendes Urteil geben, aber der erste Start war schon einmal schlecht. Und wenn ein Onlinesystem zusammenbricht, dann überfordert man sehr schnell die ärmsten Damen und Herren am Telefon, die bereits nach 20 Minuten nur noch folgendes Orginalzitat auf Lager hatten: „Ich kann nicht mehr“. Verständlich, wenn man wahrscheinlich nur genervte Kunden hat.

No Borders No Nations!

Wie ihr vielleicht über die Jahre gemerkt habt, nähere ich mich der Flüchtlings-, Abschiebe- und Asylthematik nur sehr vorsichtig. Ich halte das für ein Thema, welches sehr schwierig in der schriftlichen Kommunikation ist und wo man schnell in die Ecke des Utopisten oder Rassisten (nicht auf einer Stufe) gestellt wird. Ich habe dazu eine Meinung, aber die würde diesen Bericht sprengen. Das ich kein Freund der grundsätzlichen Organisation von Menschen in Nationen, Völkern etc. bin, das steht noch auf einem ganz anderen Blatt (und ist wahrscheinlich eine absolute Mindermeinung).

Ebenso ist es immer problematisch sich Einzelschicksale herauszupicken und die problematische Grundpraxis nicht zu diskutieren, aber auch dafür fehlt mir die Zeit. Nur soviel: Die Flüchtlingsthematik kann man so lange nicht befriedigend lösen, so lange man es aus taktischen Überlegungen zulässt, dass Diktatoren aus Armutsländern Milliardenvermögen abziehen und in die eigene Tasche wirtschaften. Ägypten ist ja eher noch eines der reichen unter den armen Ländern, aber man stelle sich mal vor, die 70 Milliarden (!!!) die Hr. Mubarak angehäuft haben soll, wären dem Land produktiv zugute gekommen. Man mag nebenbei viel gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung haben, aber dadurch, dass sich niemand 30 Jahre in diesem System an der Macht hält, ist eine persönliche Bereicherung in diesem Umfang ausgeschlossen.

Dies alles vorausgeschickt, möchte ich trotzdem auf den Fall von Samir hinweisen und eure Unterstützung einfordern. Details gibt es bei stpauli.nu. Dort verbreitet der geschätzte Kollege ring2 auch Updates zu dem Thema. U.a. liegt der Fall nun dem Hamburger Petitionsausschuss vor, so dass erstmal eine Duldung erreicht ist, die aber natürlich auf wackeligsten Füssen steht. Ein Hinweis: Im Petitionsausschuss (förmlich richtig: Eingabenausschuss) der Hamburger Bürgerschaft sitzen insgesamt 22 Parlamentarier. Es ist Wahlkampf: Sucht euch den euch genehmen heraus und fragt ihn doch mal, wie er sich denn bei einer Wiederwahl in dieser Frage verhalten wird. Denn viele der Parlamentarier, die da nun sitzen, werden auch nach der Wahl der sitzen. Und nach der Wahl steht da relativ schnell wieder eine Liste von 22 Namen, die man ja mal freundlich fragen kann. Freundlich hier nebenbei wirklich und echt gemeint, denn unsachgemäße oder unfreundliche Anfragen bringen in solchen Fällen gar nix.

Und zuletzt noch ein kleines bisschen Werbung

Ein Mittwitterer sucht Ebooknutzer für ein Interview im Rahmen seiner Magisterarbeit. Belesene Nerds an die Front, sage ich mal. Kontakt kann über mich hergestellt werden, wenn jemand bereit ist.

Feb 082011
 

Liebe Leser,

bevor das (nochmehr) Leute in den falschen Hals bekommen: Ich befürworte nicht die Anwendung der §§ 129, 129a auf Ultragruppen. Ich bin auch kein Freund dieser Paragraphen oder halte Ultras für Terroristen. Das ist alles nicht Sinn dieses Absatzes.

Ich will nur folgendes verdeutlichen: Man muss sich nicht wundern, wenn Repressionsapparate irgendwann alle ihnen in die Wiege gelegten Mittel nutzen. Und jeder, der sich mal mit linker Politik beschäftigt hat, weiß wie weitgehend diese Paragraphen benutzt werden, um Hausdurchsuchungen etc. zu rechtfertigen. Momorulez machte deswegen vollkommen zu Recht die unglaubliche politische Problematik dieser Normen in seinem Kommentar deutlich.

Ich verlange von niemandem, dass er sich Normkonform verhält, nur sollte jeder wissen, gegen welche Norm er verstößt und welche Folge dies für ihn und insbesondere auch für seine soziale Bezugsgruppe haben kann. Und gerade dieser Schritt fehlt mir bei den meisten Ultragruppen und ihren Mitgliedern, wo zuviel mit „Kultur“ oder „gehört dazu“ gerechtfertigt wird, ohne auf die Folgen zu blicken. Wenn man dieses Risiko bewusst eingehen will: Gerne!

Der Autor

Feb 072011
 

oder

So geht es nicht weiter

Vorwort

Liebe Leser, ihr kennt diese Berichte, ihr wisst, dass sie eher Therapie sind, als dass sie wirklich leserorientiert sind. Normalerweise schreibe ich mir hier Frust von der Seele und dann ist auch wieder gut. Aber dieses Wochenende lässt mich ratlos zurück. Nein, weniger ratlos über die eigentliche Spielabsage, die es natürlich auch zu beleuchten gibt und mit der ich gleich anfangen werde. Ratlos über die Menge an Gewalt und die einfach grenzenlose Gewalt, die einige Leute im Umfeld eines solchen Spieles ausüben.

Mehr Grass

Wir stellen erstmal folgendes fest: Der Rasen war erst in der Nacht zum Samstag endgültig im Stadion angebracht worden und nach all dem, was man aus der Presse erfahren kann, soll so ein Rollrasen am besten 72 Stunden zum Anwachsen haben. Diese Frist war definitiv nicht einzuhalten und das ist erstmal Fakt.

Fakt ist auch, dass mein Wetterprogramm auf dem Rechner seit mehr als einer Woche für Freitag und Samstag Regen ansagte. Sonntag sollte erst trocken bleiben, wurde dann immer nasser. Der Fakt, dass es im Februar in Hamburg mal ordentlich regnen kann, sollte jedem bekannt sein. Klar, die genaue Regenmenge kann niemand vorhersagen.

Fakt ist auch, dass die Alster vollkommen über die Ufer getreten war, was für eine sehr starke Regenmenge spricht. Und auch der Golfplatz bei mir in der Gegend hatte doch einige Pfützen. Fakt ist auch, dass in Schleswig Holstein und Niedersachsen mehrere Spiele dem Wetter zum Opfer gefallen sind. Fakt ist aber auch, dass es eher Hamburger Wetter war, als nun ein Platz- oder Starkregen. Nix, was nun wirklich viel Wasser innerhalb von wenig Zeit produziert.

Ebenso ist aber auch Fakt, dass sowohl auf dem Edmund Plambek Sportplatz (so ca. 15 Straßenkilometer entfernt), als auch auf den Plätzen an der Hagenbeckstraße (so zwischen 4 und 5 Straßenkilometer entfernt) gespielt werden konnte an diesem Wochenende. In einem Fall sogar Bundesligafußball. Die Presse berichtet nebenbei in beiden Fällen von zwar tiefen, aber gut zu bespielenden Plätzen. Dieser Fakt widerspricht ein bisschen der Aussage, dass auch ohne Rasenverlegung eine Absage notwendig gewesen wäre. Klar, jeder Platz ist anders, aber bemerkenswert ist es schon, dass nahezu alle Spiele in HH stattfinden können, nur das Bundesligaspiel nicht. Und jeder weiß, wie zimperlich Platzwärte in unteren Ligen sind. Mal ganz davon ab, dass die Rauten am Sonntag auf ihren Trainingsplätzen problemlos trainieren konnten.

Jeder mag diese Fakten werten, wie er mag. Ich bin nicht ganz unparteiisch, ich wage aber auch zu bezweifeln, dass es die Spielkommission der DFL ist, die nach meinen Informationen einem gewissen Holger H. aus Hamburg unterstellt ist. Der zwar seine Jugend bei uns verbracht hat, sich dann aber zu einem St. Pauli Hasser schlechthin entwickelt hat.

Ja, ihr bekommt meine Wertung. Wie schon gesagt, ich bin nicht unparteiisch, aber für mich gibt es nur eine Entscheidung: Wer das Risiko einer so kurzfristigen Rasenverlegung eingeht, der muss auch dafür haften, wenn es schief geht. Und das heißt nix anderes als drei Punkte für uns.

Exkurs

Mir geht dieses ganze kurzfristige getausche der Rasenflächen im Winter sowieso auf den Sack. Als ich mit Fußballgucken angefangen hat, da hat man auf schneebedeckten Plätzen gespielt, da waren die Plätze immer mehr Äcker als Rasen im Winter. Und das ging auch. Nur jetzt beschwert man sich selbst schon über unseren jetzigen (!!!) Rasen, der im Gegensatz zu früher ein Teppich ist. Und da wird der Rasen der Rauten gegen die Eintracht als „unmöglich“ bezeichnet. Leute, bitte guckt euch mal Videos im Internet an. Das ist ein Teppich gegen das was früher in Stadien rumlag.

´

Exkurs Ende

Und nun kommen wir wieder zu der Verantwortung des Lokalrivalens. Wenn man den Rasen tauschen will, dann hatte man vom 21.1. bis zum 6.2. Zeit. Wenn ich zu Beginn dieser Frist nicht das Wetter für einen Tausch habe, dann gibt es kein risikoarmes tauschen mehr. Und dann muss ich eben auf das tauschen verzichten oder aus meiner Sicht das Risiko des kurzfristigen Tausches tragen. Wer meint, dass er 72 Stunden vor so einem Spiel mit den Arbeiten beginnen kann und diese eigentlich nur dann zu einem guten Ergebnis führen, wenn das Wetter erschreckend gut für einen Februar ist, der handelt schlichtweg grob fahrlässig und muss aus meiner Sicht haften.

Nein, natürlich wird die DFL so nicht urteilen. Sie wird von höherer Gewalt reden und die oben benannten Fakten außer acht lassen bzw. anders werten. Das mag unter der jetzigen Rechtslage ja gerade noch vertretbar sein, aber eines ist nun unbedingt notwendig: Klare Regeln für den Rasentausch. Meinetwegen eine klare Haftung für einen Spielausfall, wenn man nicht 7 Tage vor der Partie fertig ist mit dem Tausch. Sonst wird es noch mehr Wildwuchs geben und irgendwann tauschen sie den Rasen 10 Stunden vor Anpfiff.

Spannend finde ich nebenbei die Aussage meines Freundes Krägel. Zitat 1: „Kein Rasen kann diese Regenmenge aufnehmen“ Nachweislich falsch, wie die oben genannten Beispiele stattfindender Spiele belegen. Zitat 2: „80 Liter alleine am Freitag“. Hmm… ich finde hier gerade nur Daten von einer Wetterstation des Gymnasiums Ohmoor, zugegeben nicht direkt neben dem Volkspark, aber die hat 10 Liter für den 4.2. (Freitag) und 18 Liter für den Samstag aufgezeichnet. 25 Liter für den Sonntag. Ich vermute mal, dass die Messung jeweils einen Tag verzögert ist, so lese ich wenigstens deren Internetseite. (Ein Lokalrivalenblog schreibt was von 52,5 Litern, das ist grob die gleiche Zahl). Das mag nicht repräsentativ für das gesamte Hamburger Stadtgebiet sein, aber komisch ist es schon, oder? Zitat 3: „Die Drainage nimmt 5 Liter pro Stunde, wie die Norm es vorsieht“. Mal ganz davon ab, dass ich diesen Wert bezweifele, denn das wäre eine sehr gute Drainage. 5 mal 24 wären 120. Wenn denn 80 Liter am Freitag gefallen wären, wo wäre dann das Problem?

(Bitte: was nicht verheimlicht werden soll: Das ist der durchschnittliche Februarniederschlag an drei Tagen. Das soll auch deutlich gesagt werden. Nur so ist das nun mal mit Durchschnitten, steht man mit einem Bein in kochendem Wasser, mit dem anderen in Eiswasser, dann steht man durchschnittlich sehr mollig. Und fühlt sich doch beschissen.)

Keine wirklich gute Figur machte auch unser Freund Veh, denn der berühmte Glashaus und Steine Spruch, den hatte er wohl noch nicht gehört.

Viel Kritik wurde an der Pressekonferenz unseres Präsidiums geäußert, die sich sehr defensiv gegenüber dem Lokalrivalen geäußert haben, aber auch deutlich klar gemacht haben, dass ein Spiel bei uns hätte stattfinden können. Also das man sich auf ein Abendspiel im Volkspark freuen kann, das hat unser Präsident nun wirklich exklusiv und das sehe ich als absoluten Kritikpunkt. Den gefahrenen Schmusekurs finde ich in Sachen Ausfall erstmal schön gemein, denn so hat sich der Hr. Veh dann endlich blamiert. Ob in Sachen Randale nicht ganz anders gehandelt werden müsse, das lasse ich jetzt mal hier offen.

Einen wirklichen Vorteil hat keine der beiden Mannschaften von dieser Absage, hier eine Verschwörungstheorie anzusetzen erscheint aus meiner Sicht unsinnig. Für beide steht dann irgendwann eine dämliche englische Woche auf dem Programm und beide Mannschaften haben dadurch Nachteile gegenüber ihren Konkurrenten um einen Abstiegsplatz bzw. Uefacup Platz. Einziger Vorteil: Der Lokalrivale muss nicht am 6.2. gegen uns spielen, ein Datum, was bei einem Sieg wahrscheinlich zum Feiertag für braun-weiße geworden wäre.

Und wie habe ich das alles erlebt? Ja, ich saß Samstag Abend auf dem Sofa, so im Dröhnmodus, als bei dem eher uninteressanten Spiel Gladbach – Stuttgart die Meldung durchlief, dass das Hamburger Derby ausfiele. Was nun folgte ist nur mit Chaos zu beschreiben. Schritt 1: Zweite Quelle suchen, die schnell mit mopo.de gefunden war. Schritt 2: Beide offiziellen Internetseiten besuchen, die eine war down (unsere), die andere vermeldete nix. Schritt 3: SMS an alle: „Sky und mopo.de melden Ausfall für morgen. Zu starke Niederschläge ist angeblich der Grund.“ Schritt 4: Reaktionen im Internet scannen (ich Nerd): Und da wurde es dann sehr lustig. Verlinkung von „Green Green Gras of home“ (Tom Jones) und einige sehr schöne Sprüche: „Mehr Hass? Mehr Grass!“ (User unregistriert im Forum); „Ist der neue Rasen für den Volkspark mit dem Fax geschickt worden?“ (Twitteraccount zeitonlinesport) „Wir haben euch was mitgebracht! Grass! Grass! Grass!“ (User forstwirt im Forum) „In Europa kennt euch jeder Greenkeeper“ (User ZMB im Forum) „Muss Westermann jetzt bei Asa nackt den Rasen mähen?“ (Twitteraccount Jeky)

Auch Verlinkungen von Videobeiträgen auf der Rautenseite „Der Derbyrasen ist da“ sorgten für Heiterkeit.

Eines noch: Wenn mir jemand gesagt hätte, dass wir irgendwann mal professioneller und weitsichtiger handeln würden als die Rauten, dann hätte ich den für verrückt erklärt. Aber wir waren letztes Jahr auch in der Situation den Rasen tauschen zu müssen. Und was haben wir da gemacht? Wir haben das ein Heimspiel herausgezögert, weil das ganze uns zu riskant erschient. Wir haben es mit einem 0-0 gegen den FSV Frankfurt bezahlt, aber wir haben das Spiel problemlos durchführen können und dann bei besserem Wetter den Rasen tauschen können. Mein Verein weitsichtig, professionell, vorsichtig und vorausschauend? Selten.

Und nun? Als Nachholtermin wird der 16.02.11 gehandelt, die Uhrzeit wird auf 18:30 eingenordet. Das dies natürlich einfach nur beschissen wäre, muss wohl niemandem erzählt werden. Eine gemeinsame Anreise würde aufgrund von beruflichen Verpflichtungen der meisten Leute ausfallen, der Volkspark wäre dunkel und die Orks der Rauten hätten ein einfaches Spiel. Ich persönlich wäre ja für eine andere Lösung (und die meine ich Todernst): Spiel am 25.04.11 um 15:30 (in einer ersten Version stand hier 25.05., was natürlich falsch ist, danke Michi für den Korrekturhinweis). Das ist Ostermontag. Und dann eben die beiden Spiele des 31. Spieltages am Gründonnerstag. Kleine Änderung im Spielplan mit großer Sicherheitswirkung. Und wenn ich den Rahmenkalender richtig verstehe, dann hemmen da auch keine Länderspielwochen oder ähnliches. DFB Pokal und solche Veranstaltungen finden ja schon länger ohne Hamburger Beteiligung statt.

Ratlos

Liebe Rautenfans, ja jetzt seid ihr an der Reihe. Ihr solltet jetzt mal kleinere Brötchen backen. Und bevor ihr immer auf die Gutmenschen des Stadtteilvereines, die ja nur ein Modellabel mit Fußball sind zeigt, solltet ihr endlich mal in den eigenen Reihen aufräumen. Mal ganz davon ab, dass dieser Stadtteilverein mit einem Modellabel und Fußball einen Rasen verlegen kann.

Bevor ich jetzt in eine Bewertung gehe, hau ich erstmal die Stellungnahme von Ballkult und die Pressemitteilung der Polizei hier rein. Dann gibt es dazu viele Anmerkungen:

Lassen wir mal Ballkult den Vortritt:

Fankneipe Jolly Roger Ziel von Angriffen

Wir stellen fest:

Am 05.02. gegen 22.00 Uhr griffen bis zu 200 Personen das Jolly Roger in der Budapester Straße an. Zuvor lief diese Gruppe unbehelligt vom Hans-Albers-Platz über Reeperbahn und Hein-Hoyer-Straße. Der Angriff konnte von vielen Menschen abgewehrt werden. Die Polizei erschien erst etliche Minuten später und ging zunächst mit Schlagstöcken gegen St. Pauli-Fans vor dem Jolly Roger vor. Hierbei wurden einige Gäste leicht verletzt.

Noch mehrfach in der Nacht wiederholte sich das Szenario, hier war die Polizei aber früher vor Ort. Im Gebiet zwischen Paulinenplatz und Reeperbahn kam es über Stunden zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und HSV-Fans. Hierbei wurden Autos und Scheiben von Lokalen in Mitleidenschaft gezogen. Zu keiner Zeit haben größere Gruppen von St. Pauli-Fans das Jolly Roger verlassen.

Um ca. 2.00 Uhr wollte eine Gruppe von 4 Menschen vom Paulinenplatz zum Jolly Roger gehen. In der Paulinenstraße wurden sie von behelmten Polizisten ohne Grund und ohne Vorwarnung angegangen und in einen Hauseingang gestoßen. Ein junger Mann wurde in Gewahrsam genommen. Eine junge Frau wurde von der Polizei zu Boden gestoßen. Hierbei wurden ihr beide Unterarme gebrochen. Die Aufforderung, einen Rettungswagen zu rufen, wurde zunächst ignoriert und ihr stattdessen geraten, sich ein Taxi zu rufen. Der später doch noch eintreffende Rettungswagen brachte die Frau ins Krankenhaus St. Georg, wo sie sich auch am heutigen Sonntag Nachmittag noch befindet und auf die notwendige Operation wartet. Der in Gewahrsam genommene Mann wurde am Morgen zeitgleich mit 4 HSV-Fans entlasssen. Ein Grund für die Maßnahme wurde bis jetzt nicht genannt. Die Betroffenen beraten derzeit rechtliche Schritte gegen die Polizei wegen Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung.

Um so entsetzter sind wir angesichts der Tatsache, dass noch in der Nacht auf der homepage einer großen Tageszeitung unter Berufung auf eine Polizeisprecherin zu lesen war, Gruppen von St. Pauli-Fans wären den ganzen Abend randalierend durch St. Pauli gezogen.

Wir fragen uns:

Wie kann es angehen, dass es einer großen Gruppe Angreifer gelingt, 700 Meter unter den Augen der Polizei in Richtung Jolly Roger zu laufen, um einen Angriff zu starten? Wir erinnern daran, dass dies auch bereits nach dem Derby-Hinspiel geschah.

Ist die Polizei Hamburg so unfähig oder steckt politischer Wille dahinter? Soll kurz vor der Wahl noch ein bisschen auf der Klaviatur der inneren Sicherheit gespielt werden? Warum werden offensichtlich gezielte Falschmeldungen gestreut, um St. Pauli-Fans zu diskreditieren?

Warum taucht der schlimme Vorfall mit der verletzten Frau in keinem Polizeibericht auf?

Für uns heißt dies, dass der Schutz unserer Läden und Einrichtungen nach wie vor selbst organisiert werden muss und wird.

Wir bedanken uns bei den vielen Menschen, die sich in der vergangenen Nacht solidarisch und angesichts der Provokationen der HSV-Einzeller besonnen verhalten haben.
Wir wünschen der verletzten Frau eine baldige und vollständige Genesung.

Wir fordern eine Aufklärung des erneuten polizeilichen Fehlverhaltens. An letzteres glauben wir allerdings nicht mehr, da nach dem Polizeiüberfall auf das Jolly Roger im Juli 2009 (!) immer noch kein Polizist zur Rechenschaft gezogen wurde.

Unser Mitgefühl gilt auch all den vielen Fans, die aus anderen Städten und Ländern (die weiteste Anreise hatten 2 Fans aus Australien) umsonst angereist sind und nun wie auch der FC St. Pauli auf den entstandenen Kosten sitzen bleiben, weil der „Weltclub“ vom Stadtrand es nicht auf die Kette bekommt, einen bespielbaren Rasen zu präsentieren.

Wir haben Euch was mitgebracht: Gras! Gras! Gras!

Jolly Roger/BallKult e.V.
Hamburg St. Pauli, den 06.02.2011

Und dann die Polizei:

POL-HH: 110206-5. Ausschreitungen von Fußballfans in Hmb.-St. Pauli

Hamburg (ots) – Zeit: 05.02.11, ab 22:10 Uhr

Ort: Hmb.-St. Pauli

Nachdem das für heute geplante Fußball Bundesligaspiel zwischen dem Hamburger SV und dem FC St. Pauli aufgrund der starken andauernden Regenfälle abgesagt worden war, kam es gestern Abend zu Auseinandersetzungen zwischen Fangruppen.

Gegen 22:10 Uhr sammelten sich um Bereich der Reeperbahn bis zu 150 Fans des HSV und gingen zum Fan-Lokal des FC St. Pauli. Dort kam es zu körperlichen Auseinandersetzungen, die von Polizeibeamten beendet wurden. Im Anschluss verteilten sich die Anhänger des HSV in den angrenzenden Straßen.

Ab 23:30 Uhr sammelten sich erneut bis zu 200 HSV- Anhänger im Bereich der Reeperbahn und des Hans-Albers-Platzes, begingen Sachbeschädigungen an den dortigen Lokalen und versuchten wiederum das Fan-Lokal des FC St. Pauli zu erreichen.

Um 23:44 Uhr schlugen Unbekannte mehrere Scheiben einer Bankfiliale in der Osterstraße ein. Zeugen beobachteten 10 Personen, die im Anschluss in Richtung Emilienstraße flüchteten.

Um 00:40 Uhr beschädigten ca. 50 Personen mit Baustellengittern einen in der Seilerstraße abgestellten Funkstreifenwagen. 19 Personen, die verdächtigt werden, an der Sachbeschädigung beteiligt gewesen zu sein, wurden in der kleinen Seilerstraße in Gewahrsam genommen.

Ab 01:10 Uhr wurden Polizeibeamte und Einsatzfahrzeuge im Bereich der Gerhardstraße insbesondere vor Fan-Lokalen mehrfach mit pyrotechnischen Gegenständen und Flaschen beworfen. Die Polizeibeamten setzten daraufhin Pfefferspray ein und räumten die Straße, wobei die Beamten weiterhin mit Flaschen beworfen wurden.

In der Herbertstaße/Davidstraße nahmen Polizeibeamte eine Person vorläufig fest, die einen Polizisten mit Pfefferspray angegriffen hatte.Ab 02:10 Uhr beruhigte sich die Lage deutlich. Insgesamt wurden 45 Personen in Gewahrsam genommen und eine Person vorläufig festgenommen.

Vier Beamte wurden im Verlauf des Einsatzes leicht verletzt. Insgesamt waren 554 Beamte an dem Einsatz beteiligt.

Wer sich auf St. Pauli nicht so auskennt, dem sei zur Verdeutlichung noch kurz klar gemacht, dass in der Gerhardstraße der „Sportpub Tankstelle“ liegt. Das meint die Polizei mit „Fan-Lokalen“, denn die restlichen Kneipen dieser Straße haben so aber gar keinen Fußballbezug, auch wenn da garantiert auch mal Lokalrivalenfans einen trinken, aber auch braun-weiße gehen da mal einen Saufen.

Nun meine Anmerkungen zu diesem Thema:

Richtig ist, dass man weder Polizeiquellen, noch Fanquellen unkritisch glauben soll. Wenn sich beide aber so entsprechen, dann spricht vieles dafür, dass es so wohl auch wahr.

Eine Auseinandersetzung zwischen Fangruppierungen ist etwas anderes als ein geplanter Überfall auf ein Lokal. Das mal in das Stammbuch der Hamburger Presse geschrieben. Hier geht es nicht um eine von beiden Seiten gewollte Auseinandersetzung oder ein „faires Ding“ wo alle wussten, was passiert, sondern hier wird gezielt eine Kneipe ausspioniert und dann überfallen. Die kriminelle Energie ist eine viel höhere. Hier noch verharmlosend von „Auseinandersetzungen“ zu sprechen finde ich unerträglich.

Natürlich gibt es auf beiden Seiten Leute, die Auseinandersetzungen wollen. Das leugnet auch niemand und das verurteile ich auch bei uns auf das schärfste. Fakt ist aber, dass hier die Rautenfans vor unsere Kneipe gekommen sind und wären sie dies nicht, wäre eine Auseinandersetzung nicht entstanden. Damit verliert das Argument „Idioten gibt es auf beiden Seiten“ seine Kraft und dient nur noch zur Relativierung der eigenen Idiotie.

Gruppen wie Poptown und CFHH sollten jetzt nicht die Unschuldsengel mimen. Wenn man zu einem „Einsingen“ auf dem Hans Albers Platz einlädt und bereits beim Hinspiel nicht mit den Geistern zurecht kam, die man rief, dann gibt es dafür nur zwei Erklärungen: 1. Man hat es genauso gewollt. 2. Man ist schreiend doof. Welche Erklärung besser passt, kann sich nun jeder selbst aussuchen.

Es ist erschreckend, wie dämlich die Hamburger Polizei agiert. Da wird zwar am Ende von 554 Beamten im Einsatz gesprochen, aber die einfache Lösung, nämlich einfach 20 Polizisten vors Jolly zu stellen, auf diese Idee kommt niemand. Es ist auch erstaunlich, dass die angeblich so szenekundigen Beamten 1 und 1 nicht zusammen zählen können. Wie kann es bitte sein, dass die unbehelligt losgehen können? Wo ist da die immer wieder gerühmte Videoüberwachung? Und wo sind die angeblich szenekundigen?

Augenzeugen sprachen auch davon, dass zu Beginn des Abends nicht eine einzige Wanne am Hans Albers Platz präsent war. Später dann wohl eine.

Sowieso hatten sich die Lokalrivalen richtiges Pack eingeladen. Rangers z.B. was nicht nur in den Zeitungen stand, sondern auch von Augenzeugen bestätigt wurde. Wie dieses nationalistische und bigotte Pack zu den angeblichen Antidiskriminierungsaktivitäten? Und sollten wirklich noch Roter Stern Belgrad anwesend gewesen sein, dann muss man sich echt fragen, ob die noch ganz echt sind.

Bedauerlich, dass erneut jemand Unbeteiligtes von der Polizei verletzt wurde, eine Sache, die einfach scheiße ist. Man kann hier echt nur hoffen, dass die Polizei endlich mal eine vernünftige Überprüfung eigener Einsätze beginnt. Dieser Zustand ist einfach unerträglich. Gute Besserung an die Betroffene und eine hoffentlich baldige Gesundung.

Und wie weiter?

Erstmal bleibt festzuhalten, dass Ultragruppen in Deutschland sich nicht über Repressionen beschweren sollen. Wenn ihre „Einsingen“, ihre Märsche, ihre Sonderzüge immer wieder zu Straftaten genutzt werden, dann wird auch die dämlichste Polizei irgendwann mal ins Strafgesetzbuch gucken und solche Klassiker wie § 129 und § 129a StGB kommen. Passen nicht? Leute, blauäugig seid ihr, wenn ihr das behauptet, ich zitiere mal den Anfang: „Wer eine Vereinigung gründet, deren Zwecke oder deren Tätigkeit darauf gerichtet sind, Straftaten zu begehen, oder wer sich an einer solchen
Vereinigung als Mitglied beteiligt, für sie um Mitglieder oder Unterstützer wirbt oder sie unterstützt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ Klar steht in Abs. 2, dass das nicht anzuwenden ist, wenn das nur von untergeordneter Bedeutung der Betätigung ist. Tja liebe Ultragruppen, welche Bedeutung hat für euch Bengalos abbrennen, Kneipen überfallen, Schals ziehen? Nur eine untergeordnete? Hofft mal, dass die Polizei das noch lange glaubt, sonst wird das nicht sehr fröhlich. Ich sehe diese untergeordnete Bedeutung bei vielen Gruppen nicht mehr, wenn ich lese, wie breit z.B. über Schalräubereien berichtet wird.

Zur Zeit haben wir es aber mit einer unfähigen Polizei(leitung) zu tun, die nix begreift und daher muss man die Frage stellen, wie man sich schützt. Die Kneipe zu bewaffnen hilft nicht wirklich weiter, wie die Durchsuchung am Sonntag gezeigt hat. Da wird dann von der Polizei im Handumdrehen das Opfer zum Täter gemacht. Mal ganz davon ab, dass eine Gewaltspirale sich ganz schwer stoppen lässt, wenn sie erstmal im Gang ist. Und sich dann irgendwann mit Messern gegenseitig abzustechen, ist irgendwie auch keine Lösung.

Gestern waren die Diskussionen doch von einer gewissen Ratlosigkeit geprägt. Einer plädiert für größere Wehrbereitschaft, der nächste sagt „macht den Laden doch dicht an diesen Tagen“ und ganz viele Zwischenmeinungen gab es auch noch. Fakt ist: So kann es nicht weiter gehen.

Und hier sind insbesondere auch die „vernünftigen“ Fans des Lokalrivalens gefragt. Mit dem Finger auf andere zu zeigen hilft nicht weiter. Es muss in den eigenen Reihen geräumt werden. Und zwar dringend. Und wenn man gemeinsam zum „einsingen“ geht und „We shall overcome“ singt. Nein, dies ist jetzt nicht ernst gemeint.

Ein kleiner Hinweis noch zu Torben T. und seinen Rauchbomben. Was man an diesem Fall sieht ist, dass man für ein bisschen Feuer und ein bisschen Kick ganz schön sein Leben ruinieren kann. Neben einem Stadionverbot und einem Strafverfahren wird der durch die U-Haft wahrscheinlich auch Lehrstelle etc. verlieren und in einem persönlichen Führungszeugnis macht sich eine solche Vorstrafe auch nicht wirklich gut. Und ja, die U-Haft ist nicht maßlos übertrieben, wie sie auf den ersten Blick erscheint, denn die einschlägigen Normen im Sprengstoffgesetz sind derbst hart. Dies mag man de lege ferenda (vom Standpunkt des zukünftigen Rechts) für falsch halten, ist de lege lata (vom Standpunkt des jetzigen Rechts) aber nun mal Gesetz. Und das alles für einen kleinen Kick beim Fußball? Ich weiß nicht.

Und nächste Woche heißt es dann: „Und wir schmeißen Stein auf Stein, auf die Elf vom Niederrhein…“, nein ich freue mich auf die Borussia, a. weil die einen ordentlichen Support am Start haben b. weil ich viele sehr nette Borussen kenne und c. weil es kribbeln ohne zuviel Stress verspricht.

Feb 052011
 

oder

Ist das Leben ein Wunschkonzert?

Ich wünsche mir:

– das alles friedlich bleibt. Das alle Leute begreifen, dass ein anderer Schal ein anderer Schal ist und kein Opfer zum draufhauen. Bei allen Sprüchen.

– das es stimmungsvoll wird. Beschimpfungen gerne, auch mal unter der Gürtellinie. Ist nicht meines, ist aber auch kein Weltuntergang, aber immer an das eben geschriebene denken. Idealbild: DEG – Köln früher, man beschimpfte sich im Stadion auf übelste, aber zwischen den Gruppen kein Zaun, kein Ordner, weil es eben nur verbal auf die Fresse gab.

– das wir einen lauten, bunten und kräftigen Marsch hinbekommen.

– das unsere Choreo gut aussieht und zwar ohne Pyro und ohne geklauten Kram.

– das sich die Mannschaft nicht in die Hosen macht. Nicht wie sonst in Derbys, wo braun-weiß traditionell gar nicht auf dem Platz steht (auch gegen Werder, 96 und Rostock immer wieder).

– das Timo Schulz zum Kader gehört

– Rausgehen, Warmmachen, Weghauen

Und ich erträume mir:

– einen 2-1 Torschütze 91. Minute: Timo Schulz

Bleibt alle besonnen, friedlich, lasst euch nicht von eigenen Idioten mitreißen oder von Lokalrivalenorks provozieren. Bleibt friedlich, aber auch wehrhaft. Niemand muss sich verprügeln lassen.

PS: Mordor kommt nebenbei nicht von mir, sondern aus dem PFYC Umfeld. Lustig, dass selbst Thees Ulmann das für Spiegel Online benutzt. Aber immer noch besser, als ständig von Stellingen zu sprechen, denn das Volksparkstadion liegt nun mal in Bahrenfeld. Mit Stellingen (Kreis Eimsbüttel) hat dieser Ort im Kreis Altona nix zu tun. Nicht mal die nächste Bahnstation ist das (Dies ist Eidelstedt).