Jan 312011
 

oder

18.11.1986 / Lokalrivale – FC St. Pauli 6-0

Vorwort

Wie bereits erwähnt soll nun jeden Tag ein Blick auf Derbyspiele veröffentlicht werden, die ich besucht habe. Dabei bitte ich zu bedenken, dass ich aus der Erinnerung schreibe, so dass Details garantiert falsch sein können. Auch habe ich – außer den Terminen und Ergebnissen – keine Recherche betrieben, so dass nicht alles richtig sein mag. Einige Spiele fasse ich auch zusammen, weil sie einfach als Serie zusammen gehören.

Mein erstes Mal

Im Achtelfinale des DFB Pokals wurde damals der kleine FC gegen den großen Lokalrivalen gezogen. Eine Umzugsdiskussion oder so gab es damals nicht, da der Lokalrivale auch nominell das Heimrecht hatte. Heute undenkbar, damals aber wahr: Das Spiel war nicht annähernd ausverkauft und dies obwohl damals Stehplätze und Spottpreise noch die Regel waren. Der unpolitische, 13 jährige Steppke aus der Vorstadt war mit seinem Vater und seiner Schwester (und bei der letzteren bin ich mir nicht einmal sicher) angereist. Meine Mutter hat den Volkspark in den ganzen Derbyzeiten genau einmal betreten. Das aber zu einem späteren Zeitpunkt.

Wir standen in der Ostkurve, die von einem kleinen braun-weißen Stimmungsblock in dem Block über dem Eingangstor und sonst einer Durchmischung von Lokalrivalenfans und braun-weißen bestand. Vor uns eine Lokalrivalenkutte mit den damals so üblichen Druckgaströten. Und das lustige dabei? Aggressivität oder Auseinandersetzungen habe ich an diesem Tag nicht erlebt. Ich weiß nicht, ob was passiert ist, aber an diesem Tag war keine Aggression zu spüren und der kleine versprengte Haufen, der nur St. Paulifan war, blieb ohne Beschimpfungen oder anderes im Stadion.

Das Spiel verloren Ippig-Wenzel-Gronau-Demuth-Kock-Studer-Beermann-Dahms-Bargfrede-Klaus-Golke mit 6-0 gegen Hain-Kaltz-Jakobs-Plessers-Kroth-Gründel-Jusufi-von Heesen-Okonski-Kastl-Schmöller. Auf beiden Seiten also Spieler, die ihrem Verein bereits vorher oder noch den Stempel aufdrücken sollten. Dirk Zander und Franz Gerber waren bei uns noch als Einwechselspieler mit von der Partei. Bei den Rauten unter anderem auch ein Dietmar Beiersdorfer.

Ich erinnere mich noch an einen verschossenen Elfmeter und daran, dass wir etwas früher gegangen sind. Und das erstaunliche war: Man war mit der Leistung der Mannschaft absolut zufrieden. Immerhin waren wir Aufsteiger in die 2. Liga und die Rauten waren die Übermannschaft mit einem Traumtrainer.

Dieser Abstand sollte nicht so bleiben und auch die Unschuldigkeit sollten die Derbys in den nächsten Jahren verlieren. Aber davon berichte ich dann morgen.

Ach ja: Wer heute die MoPo gelesen hat, findet im Sportteil auch einen Kommentar von Sven Töllner, der an Sexismus nicht zu überbieten ist. Schon traurig, dass dieses Giftblatt so einen Scheiß abdruckt.

Jan 282011
 

oder

Erinnern für die Zukunft

Der 27.01. …

…ist der „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“, ein Tag, der seit dem 27.01.1996 offiziell in Deutschland begangen wird. Traurig genug, dass erst 51 Jahre nach dem Ende der unfassbaren Verbrechen der Nazis dieser Tag zum Gedenktag wurde. Noch trauriger, dass er nicht ein „Feier“tag ist, sondern ein ganz normaler Arbeitstag. Aus meiner Sicht wäre für diesen Tag wirklich ein Tag angemessen, an dem das öffentliche Leben absolut ruht.

Seit zwei Jahren gedenkt auch der FC St. Pauli bzw. Gruppen und Organisationen in und um diesem Verein den Opfern des Nationalsozialismus. Letztes Jahr mit einer stationären Veranstaltung, die insbesondere an schlechtem Wetter litt, dieses Jahr mit einem Stadtteilrundgang.

An vier Stationen und abschließend am Stadion wurden einzelne Schicksale von Verfolgten und ermordeten Menschen erläutert und auch Örtlichkeiten erläutert. Leider ohne akustische Verstärkung, so dass die Sprecher nicht alle gut zu verstehen waren. Das ist aber das einzige Manko an einer ansonsten sehr gelungenen Veranstaltung, an der u.a. auch viele Mitglieder des Aufsichtsrates, ein Präsidiumsmitglied und einige Spieler teilnahmen. Insgesamt würde ich von ca. 100 Teilnehmern ausgehen, was für die Logistik
(Lautstärke) beinah schon etwas viel war, für mich aber immer noch erschreckend wenig.

Wie nun gedenkt man den Opfern des Nationalsozialismus? Ich denke, dass „Erinnern für die Zukunft“ es richtig zusammenfasst. Unsere Generation wird die erste sein, die ohne lebende Opfer und ohne lebende Täter auf dieser Erde wandeln wird. Die Gefahr, dass ein Schlussstrich gezogen wird, dass die Taten der Nazis in die „Geschichte“ relativiert werden, wird damit immer größer. Und dies darf nicht passieren! Man muss sich immer der Singularität des maschinellen Massenmordes an Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen, Zeugen Jehovas und unzähligen anderen Minderheiten und Oppositionellen klar sein. Ein Grund, warum ich so extrem allergisch auf den Historikerstreit reagiere. Im Namen des deutschen Volkes sind Verbrechen begangen worden, die nie relativiert werden dürfen. Und es ist unsere Aufgabe, dies deutlich zu machen.

Mich nebenbei beeindruckt das – umstrittene – Video, wie ein Überlebender des Mordens in Auschwitz zu „I will survive“ tanzt. Man kann das absolut geschmacklos finden, immerhin handelt es sich um den Ort, an dem am meisten Juden in der Geschichte sinnlos gemordet worden sind. Ich sehe aber einen anderen Aspekt: Nämlich deutlich zu machen, dass die Nazis besiegt wurden, dass ihre kranke Idee, das Judentum und andere auszurotten und sich als „Herrenrasse“ zu stilisieren, für immer gescheitert ist. Das dies so ist, bleibt und immer sein wird, das muss unsere Aufgabe als aktive Antifaschisten sein.

Vielen Dank an alle, die „Erinnern für die Zukunft“ auch im zweiten Jahr zu einem beeindruckenden Termin gemacht haben.

Übergang

Oha, und nun soll ich mich wieder um einen Fußballclub kümmern? Schwierig, aber natürlich ist so etwas ein Todschlagargument, denn dass es viel wichtigere Dinge auf der Welt gibt als einen Stadtteilfußballclub, sollte jedem klar sein.

Das ist keine Richtigstellung

Ja, unser lieber Freund Meeske. Geschäftsführer und damit leitender Angestellter. Und hier sollte man die Betonung auf „leitender“ legen. Ja, unser Freund Meeske taucht bei einer Veranstaltung zum Thema Stadionnamen-Sponsoring auf. Stellt sich da doch schon mal folgende Frage: Was will er da? Das Symposium heißt immerhin: „Die Vermarktung von Namensrechten im nationalen und internationalen Recht“. Ich habe immer gedacht, wir wollen dieses Spiel nicht mitspielen, dann würde mich ja nicht interessieren, wie das nun im nationalen und internationalen Recht aussieht.

Diesen Gedanken bitte mal festhalten! Spiegel Online zitiert unseren Freund dann wie folgt:

„Der FC St. Pauli will sein Stadion nicht umbenennen. Zumindest nicht sofort, wie Geschäftsleiter Michael Meeske sagt. 2008 stimmten die Mitglieder gegen einen Namensverkauf, die Vereinsführung stoppte Gespräche mit Unternehmen. Aber natürlich werde verinsintern weiter über einen Verkauf diskutiert, so Meeske. „Noch haben wir nicht zwingend den ökonomischen Druck.““

Noch am gleichen Tage erschien folgender als „Richtigstellung“ gekennzeichneter Text auf der Homepage unseres geliebten Vereines:

„Hierzu stellt FC St. Pauli-Geschäftsführer Michael Meeske klar: „Spätestens seit dem Beschluss der Mitgliederversammlung 2007 haben wir keinen Gedanken daran verschwendet, den Namen des Millerntor-Stadion zu verkaufen. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. In dieser Sache haben die Mitglieder das letzte Wort.““

Dazu stelle ich folgendes fest: 1. Das ist schlichtweg eine Lüge, denn wenn man keinen Gedanken daran verschwendet, dann sollte man seine Zeit auch nicht auf solchen Symposien verschwenden. Die Teilnahme sieht eher danach aus, dass man bereit sein will, wenn die Mitglieder umgestimmt sind. Sprich: Man verschwendet sehr konkrete Gedanken an einen Verkauf des Stadionnamens. 2. Das ganze ist kein Dementi, denn das die Mitglieder das letzte Wort haben, sagt nix darüber aus, ob oder ob man nicht den Namen verkaufen will. 3. Das ganze ist der übliche „Testballon und zurückrudern“. Mal sehen, wie stark der Widerstand ist. Mal sehen, wann man die JHV mit den „wirtschaftlichen Zwängen“, der „Notwendigkeit im Profifußball“ und dem „wir wollen doch alle den maximalen sportlichen Erfolg“ überzeugen kann.

Daher hier noch mal: Es ist kein Luxus, auf einen Sponsor zu verzichten, es ist nicht ein Gut, was zur wirtschaftlichen Disposition steht, wenn die wirtschaftlichen Zwänge zu groß werden. Nein, es ist die unverkäufliche Identität, auch wenn die Zeiten schlecht und die Konkurrenz zu groß ist. Nicht alles ist irgendwann verkäuflich, das muss die Quintessenz der Jolly Rouge Kampagne sein. Und sollte es irgendwann eine gegenteilige Mehrheit in diesem Verein geben, dann kann ich nur sagen: Es ist nicht mein Verein.

Ich will nicht verheimlichen, dass ich mal etwas anderer Meinung bin und ich bis heute jeden Business Seat, jede Loge und Dauersponsorenberieselung schlimmer finde als einen verkauften Stadionnamen. Aber wir haben definitiv nicht mehr die entweder/oder-Wahl, sondern nur noch die sowohl-als-auch-Wahl. Und da ist der Stadionname das letzte Symbol, der letzte Kern der unverkäuflichen Identität. Und das ist bei unseren Offiziellen nicht angekommen.

Nächste Woche

Mache ich mal ein Blog-(argh)-Projekt: Meine Derbys: Erinnerungen an 15 Jahre Volkspark. Ich werde versuchen, historisch jeden Tag ein oder mehrere Derbys zusammenzufassen und meine Erinnerungen preis zu geben. Mal sehen, ob es euch gefällt und wie es wird.

Und noch ein bisschen Werbung

Kein Sprint 2011 hat begonnen. Guckt mal auf die Seite, nun werden regelmäßig Teilnehmer vorgestellt, die nach persönlichen Sponsoren suchen.

Geschützt: AAAAARRRRGGGHHH

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Jan 242011
 

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Jan 212011
 

oder

Und nun?

Kommerz light, geht das?

Ja liebe Leser, ihr seht mich ein bisschen ratlos. Ich finde es schwer
eine abschließende Bewertung von den öffentlichen Stellungnahmen
vorzunehmen. Zuviel ist im Fluß und auch ich weiß nicht, ob ich damit
endgültig leben kann, weil eben so viel schief gelaufen ist und doch nicht
korrigiert wird. Natürlich sind Dinge davon erklärbar und teilweise kann ich
Erklärungen auch verstehen. Ich will daher mal versuchen mit einigen
Vorworten, mit einigen Bemerkungen zu Einzelpunkten ein Fazit zu ziehen.

Aufschlag

Natürlich leben wir beim FC in einer Insel der Glückseeligkeit, weil
solche Proteste wie gegen Freiburg nicht mit einigen Totschlagargumenten
abgebügelt werden und man sich schon auf Führungsebene darüber Gedanken
macht. Zwar versuchte die Hamburger Morgenpost eine mehr als peinliche
Kampagne gegen die Forderungen zu starten und zauberte irgendwelche
Ehemaligen und Sponsoren aus dem Hut, die sich instrumentalisieren lassen.
Unschön natürlich, dass da auch noch der Hebel Fanräume benutzt wurde, aber
das lässt sich wohl nicht ändern. Die anderen Hamburger Medien glänzten zwar
nicht gerade durch sehr gute Berichterstattung, aber es wurde keine Kampagne
gefahren, wie sie bei anderen Vereinen (Hallo Hr. Nachbar aus dem Volkspark)
bei Fanforderungen über Wochen von oben mit Uhren und anderen Geschenken
belohnt wurden.

Natürlich ist der Kommerz in vielen anderen Arenen viel schlimmer. Auch
dies ist absolut nicht zu bestreiten. Jeder, der das Vergnügen hatte in
letzter Zeit in solchen Orten wie München oder Gelsenkirchen zum Fußball zu
gehen, der wird das bestätigen.

Beides ist aber aus mehreren Argumenten kein Argument. Zum einen ist
diese Insel der Glückseeligen so etwas wie der Kern unseres Vereines und
daher eine überlebensnotwendige Sache. Oder wie schrieb so schön jemand?
„Niemand braucht einen Lokalrivalen light“. Und zum anderen ist das
Argument, dass es irgendwo anders viel schlimmer ist, kein Argument Kritik
am eigenen System zu äußern.

In England wird gerade versucht die Idee der Vereine im Besitz von Fans
zu diskreditieren. In einem englischen Blatt ist ein Artikel erschienen, wo
das ganze lächerlich gemacht wird und behauptet wird, dass dies nicht ginge.
Natürlich spricht der Erfolg von Modellen wie AFC Wimbledon und FCUM gegen
solche Hetzartikel. Und in einem Artikel wurde zu Recht folgendes angemerkt:
In Deutschland sind prinzipiell alle Vereine im Besitz der Fans, denn es
gilt die 50 plus 1 Regelung.

Und dies müssen sich alle Leute endlich mal klar machen: Wir haben eine
riesige Chance, aber auch eine riesige Verantwortung dadurch, dass unsere
Wirtschaftsunternehmen Basisdemokratisch organisiert sind. Gerade beim FC
St. Pauli.

Ich diskutierte letztens per PN im Forum mit einem hochgeschätzen User
über die Frage der AOMV. Er sah eher das Risiko einer emotionsgeladenen HV,
die dann Murks baut. Ich sehe eher die Chance, das ganze auf einer breiten
Basis zu diskutieren und dann basisdemokratisch Entscheidungen zu treffen.
Ich sehe auch das Risiko, ich erinnere immer an die Corny vs. Aufsichtsrat
JHV. Ich denke aber, da es sich hier um eine Sachfrage handelt, sollte eine
relativ sachliche Diskussion möglich sein. Und wir haben beim Thema
Ehrenpräsident Corny ja gerade eine Diskussion gehabt, die trotz des sehr
emotionalen und persönlichen Themas doch relativ ruhige Bahnen angenommen
hat.

Daher wäre ich immer noch dafür eine AOMV vorzubereiten und
durchzuführen. Meinetwegen selbst mit einem Fankongress 2 vorher als
Vorbereitung. Klar ist das teuer, aufwendig und nervig. Aber ich denke, dass
wir dann den FC, wie wir ihn alle lieben, auf eine breite Basis stellen
können und gemeinsam einen Weg finden können, mit dem zumindest eine
Mehrheit leben kann. Ob dieser Weg dann vernünftig ist, das ist aus meiner
Sicht zweitrangig. Es geht nicht darum, ob zuviel Sozialromantik Bundesliga
verhindert oder zuwenig den Verein verändert. Es geht darum einen
gemeinsamen, am besten breit getragenen Weg für unseren Verein zu finden.
Unter Abwägung aller Argumente. Ich weiß, dass ich gerade träume.

Einzelne Punkte

Ich denke, dass der Punkt „Audiovisuelle Werbung während Spiele“
unstreitig ist, wenn ich unseren Präsidenten richtig verstehe.
„Durchgerutscht“ sei dies und ganz ehrlich: Wem noch nie etwas durch
gerutscht ist, der werfe nun bitte den ersten Stein. Es passt nicht zu uns,
sagte der Präsident und da kann man ihm wohl nur Recht geben.

Der Präsident sprach weiterhin davon, dass man die Werte des Vereines
leben solle. Und da spricht die Stellungnahme des StFA Bände, der folgendes
schreibt:

„Die intensive Diskussion hat uns verdeutlicht, dass der aktuelle
Konflikt zwischen Vereinsführung und Fans sich nicht an einzelnen Sachfragen
festmachen lässt, sondern sich auf einer anderen Ebene bewegt: Für Teile der
Vereinsführung ist der FC St. Pauli ein Wirtschaftsunternehmen, eine
\“Marke\“ und ein Hobby. Für viele Fans im Stadion ist der Verein jedoch
weit mehr als dies: nämlich ein Stück ihres Lebens und ihres Lebensinhaltes
und somit keine rationale, sondern eine Herzensangelegenheit.“

Ich gehe selbst noch weiter: Ich behaupte mal, selbst unter den Fans
wird man Leute finden, denen es um 11 Menschen auf dem Platz, ein Bierchen
und einen netten Samstagnachmittag geht. „Für viele Fans…“ ist der FC aber
mehr. Und das muss man halt bedenken und dies ist der Kern des ganzen
Streites. Ich mache das mal an zwei Schlagwörtern deutlich, die ich schon
mal brachte: 1. „Der FC St. Pauli ist schuld, das ich so bin“ 2. „Wer es
nicht fühlt, der kann es nicht verstehen.“ Beides ist für mich (!) wahr.

Und es gibt keinen wirkliche saubere Trennlinie z.B. zwischen
organisierten und unorganisierten, zwischen Jung- und Alt, zwischen
Sitzplatz und Stehplatz, nicht einmal zwischen Loge und Stehplatz. Nein,
hier gibt es sehr viel grau und sehr viele persönliche Meinungen. Mal ganz
davon ab, dass alle genannten Abgrenzungen entweder künstlich, bequem zum
verstecken oder einfach an Äußerlichkeiten festgemacht sind. Und nun aus
dieser Mischung eine Leitlinie zu machen, in der sich die meisten wieder
finden und die auch noch verbindlich genug ist, dass sie selbst exekutierend
ist, das ist die Kunst. Sind wir solche Künstler? Ich weiß es nicht. Und ich
beneide das Präsidium nicht um seine Aufgabe hier nun leitend, moderierend
und exekutierend tätig zu werden.

Der Präsident sprach dann davon, dass man Business Seats nicht
zurückbauen werde und könne. Man wolle lieber die nichtverkauften Plätze als
Business Seat light zu einem Business Seat light Preis verkaufen. Das dies
nicht befriedigt, ist jedem klar. Auch gerade weil niemand mal sagt, warum
man nicht „könne“. Darum hat man sich schon in der JHV gedrückt, da drückt
man sich jetzt wieder drum. Das finde ich schade und wenn man von mündigen
Mitgliedern ausgeht, dann muss man sie auch mündig behandeln.

Wobei 60 Euro bei Bier am Platz? Hmm… das könnte für einige Gegengerade
Leute sich schon beinah lohnen. 😉

Der StFA schreibt weiter: „Seitens des Präsidiums wurde angekündigt, ab
sofort eine Gruppe aus Vereinsverantwortlichen zu installieren, welche alle
neuen Werbemaßnahmen bereits im Vorfeld kritisch überprüfen soll.“

Wer sieht den Webfehler in einer solchen Ethik Kommission (Bezeichnung
stammt nicht von mir)? Richtig „Vereinsverantwortliche“ steht da. Von
Externen, Fans etc. ist da nicht die Rede. Und ganz ehrlich: Bei
Vereinsverantwortlichen muss man immer die Angst haben, dass sie ihre eigene
Ethik haben und/oder die (eigene) Geldbörse die Ethik bestimmt. Dieser
Webfehler könnte dafür sorgen, dass die Idee Konflikte schon im Vorfeld und
vor ihrer Veröffentlichung aus der Welt zu schaffen verfehlt wird.

Es bleibt Susis Showbar. Der Kritikpunkt der meisten, nämlich dass eine
Vorstellung während des Spieles stattfindet, ist vom Tisch und einem
Kiezladen per se eine Loge zu verbieten, wird von unseren Leitlinien (aus
meiner Sicht leider) nicht gedeckt sein. Bleibt die Frage, ob ein
bekleideter Tanz für einen Stripschuppen sexistisch ist. Und ob man dort
einen Konsens findet, wage ich zu bezweifeln. Für mich (!) ist das Sexismus
pur und da helfen auch bekleidet und freiwillig als Argument nicht. Daher
bleibt ein SEHR bitterer Beigeschmack für mich. Der mehr oder minder
sexuelle Tanz an einem öffentlichen Ort, der von Minderjährigen betreten
wird, bleibt für mich doch sehr problematisch. Und da hilft es nicht, dass
eine Loge nur bedingt einsehbar ist. Da muss man schon über einen großen
Schatten springen.

Fazit

Bisher sind vieles natürlich nur Lippenbekenntnisse, denn es ist keine
Werbebande abgebaut, keine Aktion offensiv zurückgefahren worden. Es ist
viel versprochen, aber ob sich was ändert, weiß niemand. Es geht nicht um
einzelne Sachen, es wird einfach darum gehen, gibt es bei uns weiterhin
erste Klasse und zweite Klasse Kunden. Beispiele: Die ehemaligen
Sprecherkabinen mussten sofort weg, bis ein Sponsor kam. Business Seat
Kunden haben ihren eigenen Eingang mit eigenem Sicherheitsdienst und werden
nicht mehr oder minder entwürdigend abgetastet. Warum eigentlich? Wird es so
etwas weiter geben? Wie wird es insbesondere bei neuen Aktionen? Das ist die
entscheidende Frage. Was ist eigentlich, wenn Susis Vertrag ausläuft und
wenn sich das „können“ bei den Business Seats eventuell zeitlich überholt?
Darauf wird es ankommen um das große und ganze. Und da hat sich bisher wenig
geändert und vieles muss sich ändern. Jeder wird einen anderen Punkt haben,
der ihn mehr stört, einen anderen weniger, aber die Grundrichtung muss für
eine Mehrheit stimmen. Und das tat sie eben nicht mehr.

Jan 172011
 

oder

Und nun?

Packungsbeilage

Liebe Leser, sich jetzt viel mit den Geschehnissen des Samstag
auseinander zu setzen, knicke ich mir jetzt einfach mal an dieser Stelle.
Das haben Leute wie Pathos und Jeky genügend getan, da muss ich nicht noch
in schlechteren Worten noch mal das gleiche schreiben. Natürlich ist es
schön, dass so viele bei den Protesten mitgemacht haben. Was ich schade
finde ist nicht, dass einige Leute anderer Meinung sind, was ich viel
trauriger dabei finde, ist, dass sie anderer Meinung sind, weil sie nicht
über den Tellerrand blicken. Aussagen wie „Ich will doch nur Fußball gucken“
beenden jede Diskussion. Insbesondere weil man dann eigentlich nur fragen
kann: „Warum guckst du den genau hier?“ und das würde schon wieder frech
klingen. Oder die Leute mit den Totschlagargumenten. Aber dazu komme ich
später.

Auf’m Platz

Schnell lässt sich auch das sportliche abhandeln: Wir haben gegen Cisse
2-2 gespielt. Nicht nur, dass der Kerl auf der Linie das potentielle 3-1
verhindert, nein er schlägt auch im Gegenzug zu. Das unsere Abwehr bei
langen in die Mitte geschlagenen Bällen ständig dämlich aussieht ist eine
Problem, was es dringend abzustellen gilt. Das ist eigentlich der am
einfachsten zu verteidigende Ball im ganzen Fußball. Ein Wort noch zu
Zambrano: Ich halte den für einen der talentiertesten Innenverteidiger, die
wir seit langem im Verein hatten. Aber zu einer guten Leistung gehören bei
einem Innenverteidiger nun mal 90 Minuten OHNE Fehler. Und die liefert er
leider beinah nie ab. Aus meiner Sicht bei ihm ein mentales Problem, denn es
sind dann auch nicht „naja“ Fehler, sondern einfach amateurhaftes Gestümper,
die ihm immer wieder die Leistung kaputt macht. So war er auch wieder bei
beiden Gegentoren mit auf der Schuldigenliste und das ist ärgerlich. Das
Ralle sich bei dem 2-2 mehr als dämlich anstellt, sei auch erwähnt. Ich fand
es aber gut, dass unser Trainer nicht die abgrenzende und distanzierende
Floskel „individueller Fehler“ nutzte, sondern immer noch von „wir haben uns
dämlich angestellt“ sprach.

Trotz des Punkte sehe ich nun etwas schwärzer, was den Klassenerhalt
angeht. Möchten wir diesen Schaffen, dann müssen wir aus meiner Sicht von
den ersten 6 Heimspielen 5 gewinnen. Da wir das erste schon einmal nicht
gewonnen haben, stehen wir nun erheblich unter Zugzwang. Oder müssen
überraschende Punkte auswärts holen. Und das sehe ich weder in Hoffenheim,
noch an der Müllverbrennungsanlage. Und dann stehen wir gegen Köln schon mit
dem Rücken zur Wand und haben gegen Gladbach ein do or die Spiel. Keine
beruhigende Vorstellung.

Und es hilft nicht, wenn unsere Torproduktion wieder anläuft, wenn
unsere Abwehr nun das schwimmen bekommt.

Neben dem Platz

Forderungen doof?

Kommen wir nun zu dem Thema des Wochenendes: Die Jolly Rouge Kampagne.
Ich denke inhaltlich ist vieles gesagt und viele Leute haben mitgemacht.
Viele Leute immer mit der allgemeinen Distanzierung, dass man ja nicht alle
Forderungen mittrage, wobei die wenigsten davon eigentlich sagen können,
welche der Forderung, sie denn nicht mittragen. Klar, weil eigentlich die
meisten Forderungen sehr easy zu erfüllen sind. Keine weiteren Werbeflächen?
Keine Werbung in den vom Fankongress beschlossenen Zeitfenstern? Keine
audiovisuelle Werbung in den 90 Minuten? Keine Lippenbekenntnisse des
Präsidiums? Wer dies nicht unterschreiben will, schreie nun bitte hier.
Okay, niemand? Das sind aber 5 von 7 Forderungen und damit rechnerisch 71 %.
Ja, dann gibt es da noch zwei: Rückbau von Business Seats. Ja, schwierig,
weiß jeder, denke ich. Aber wer will das nicht? Es ist sehr schmerzhaft
ständig leere Plätze in einem angeblich ausverkauftem Stadion zu sehen.

Klar muss sein: Es geht hier nicht um die Menschen auf den Seats. Die
Leute wollen ihren Spaß haben und sollen es auch in den allgemeinen Grenzen
haben. Es geht eher um die Seats, die keine Menschen haben.

Das die Leute auch sich langsam eingrooven, das konnte man Samstag auf
der Süd sehen, wo auch USP mal über ihren ideologischen Schatten gesprungen
sind und die Leute brutal zum mitmachen aufgefordert haben. Hat bei einer
Mehrheit gut geklappt und der Wechselgesang zu diesem Zeitpunkt war ungefähr
das lauteste, was ich am Millerntor neu bisher erlebt habe.

Nebenbei: Ganz große Geste von USP genau bei diesem Spiel die Leute
bewusst und offensiv mit einzubeziehen. Und das direkt nach dem die
Forderung „Keine Business Seats in der Süd“ am Zaun hing.

Aus meiner Sicht ist bei dem Rückbau der Business Seats eher das
Zeitfenster die Frage, als das ob. Natürlich wird man ein Stadion
finanzieren müssen (wobei bisher ja komplett unklar ist, wie zur Zeit unsere
Finanzierung läuft, da hält ja lieber jeder in Verantwortung das Maul =>
siehe JHV Bericht), aber eine Ewigkeitsgarantie darf es für diese Plätze
nicht geben.

Das es falsch ist, sich auf den Beschluss der letzten JHV zu berufen,
erwähne ich jetzt nur mal ganz kurz, denn aus meiner Sicht muss man die
Gründe für diesen Beschluss sehr stark mit einbeziehen und darf nicht
vergessen, dass dieser eher an einer miesen Begründung und einem anderen
Zeitpunkt gescheitert ist, als an seinem Inhalt. Siehe auch hierzu den JHV
Bericht. Und dies übersieht Gernot Stenger ganz stark in seinem Interview.
Der sich nebenbei in einem anderen Punkt verrennt, denn Drohungen und
Beleidigungen kann ich in den Forderungen nur bedingt sehen. Klar, es wird
mit Protest gedroht, aber ist das nun eine böse Drohung? Ne nicht wirklich,
oder? Der Jurist würde daraus ja auch keine Nötigung konstruieren, weil es
eben eine rechtlich zulässige Drohung ist. Im Gegensatz zu „dann gibt es auf
Fresse“.

Okay, wer möchte Business Seats in der jetzigen Menge ewig behalten?
Bitte die Hand heben! Oh, sind schon wieder relativ wenige, so dass die
meisten eben gerade 6 von 7 Forderungen unterschrieben haben.

Bleibt die Showbarloge und da bleibe ich bei dem, was ich letztens
geschrieben habe: Sie ist ein, wenn nicht DAS Symbol und ab und zumal
brauche ich Symbole. Und wirklich Geld kostet uns so eine Loge auch nicht.
Klar kann man sich formaljuristisch auf den gültigen Vertrag berufen, aber
müssen tut man dies auch nicht. Ich finde die Formulierung bei den
Sozialromantikern nebenbei absolut an der Sache vorbei, denn es geht nicht
um Kündigung, es geht um eine wie auch immer geartete Vertragsauflösung. Und
wenn uns das mal Geld kostet, dann ist das so. Man muss für Fehler auch mal
bezahlen, selbst wenn man sie nicht persönlich begangen hat.

Wie weiter?

Und bei dieser Frage beginnt nun mein Kater. Wir haben uns alle an dem
Rot berauscht, wir merken gerade, dass „United we stand“ mehr sein kann, als
eine Floskel. Intern ergeben sich Allianzen und auch Gesprächskanäle, die
hoffentlich erhalten bleiben und die endlich zu einem gegenseitigen Respekt
und Dialog führen. Ich hoffe dies bleibt erhalten, wenn man mal nicht einer
Meinung ist. Ein Beispiel: Der Vorwortschreiberling der Gazzetta schwor,
dass er nie wieder was gegen das Forum schreibt, wenn der Protest im
angekündigten Maße stattfinde. Er sollte sich in schlechteren Zeiten dran
erinnern. 😉

Trotzdem: Wir haben außer einer roten Explosion nix erreicht. Was ist,
wenn die oberen Zehntausend den Protest als kreativ loben, ihn als „gehört
dazu“ labeln, aber nix ändern? Das deutet unser Geschäftsführer ja schon in
der 11 Freunde an, er müsse ja nicht beliebt sein. Seid ihr bereit den
nächsten Schritt zu gehen? Welche Möglichkeiten haben wir eigentlich? Auf
dem gleichen Level weiter protestieren? Wie lange halten wir das durch?
Militanter werden? Und dabei meine ich nun weniger „militant“ im engeren
Sinne, als z.B. ein Spiel nicht zu besuchen (um mal das historisch belastete
Wort „Boykott“ zu vermeiden). Ich gehe davon aus, dass da schon sehr viel
weniger Einigkeit besteht. Ich sehe daher nur einen Ausweg und auch da habe
ich Fragen.

Der Ausweg heißt für mich AOMV. Ja, da ist es das Unwort. Denn eine AOMV
kann beschlissen, kann Entscheidungen schnell und formal bindend bringen.
Ich will jetzt ausdrücklich nicht personelle Änderungen fordern, aber wenn
ein Hr. Meeske da unbeliebt ist, dann ist das mehr als unangenehm.

Wenn man jedoch versucht eine AOMV einzuberufen. dann werden sie kommen,
die Totschlagargumente:

Totschlagargument 1: Wir haben kein Geld dafür das CCH zu mieten oder
eine AOMV zu organisieren. Blödsinn, wir haben unzählige an Räumlichkeiten
in unserem Stadion und dann muss es eben auch mal unbequem gehen. Und das
die nun auf Jahre ständig ausverkauft sind, wage ich ganz stark zu
bezweifeln. Und mal ganz davon ab: Hier geht es um derbst wichtige
Entscheidungen für den Verein und das oberste Entscheidungsgremium ist zu
teuer? Nein, das ist ein Demokratieverständnis, welches ich nicht teile.
Hinterhofzimmer sind schön und gut, aber ich bevorzuge eine
(vereins-)öffentliche Auseinandersetzung in dem Gremium in das es gehört.
Und dies gilt selbst dann, wenn man sich in den Hinterzimmern annähert.

Ich kann das „kein Geld“ Argument auch immer nur noch bedingt hören,
wenn mir mein Präsident im November erzählt, wie finanziell gesund wir doch
sind.

Totschlagargument 2: Dann tritt das Präsidium zurück und ein anderen
haben wir ja nicht. Äh? Bitte? Muss ich nicht weiter erläutern, oder? Mal
ganz davon ab: Mir geht es um die Sache, nicht um Personen. Mir ist es
wumpe, ob da Meeske, Stenger, Spieß, Orth; Corny oder Hans Albers das Sagen
haben. Es geht darum, dass in einem Punkt unser Verein in die falsche
Richtung rennt. Das heißt ja noch lange nicht, dass alles andere mies läuft.

Totschlagargument 3: Wir müssen das alles machen, damit wir in Liga 1
mitspielen können. Erstmal ist das nicht bewiesen, geschweige denn
beweisbar. Es ist schon alleine deswegen ein Leerargument. Natürlich müssen
wir das alles und viel mehr machen, wenn wir unbedingt dauernd im UEFA Cup
mitspielen wollen. Dann hätten wir am besten die 20 Mio für unser Stadion
gespart und hätten den Rauten einen Umbau ihres Stadions finanziert und
wären da auch eingezogen. Da haben wir viel mehr Einnahmen am Spieltag, viel
mehr Platz und alles rockt richtig. Ja, höre ich hier „1860“? Richtig. Als
Nr. 2 der Stadt dürfen wir nicht in Großmannsucht kommen oder in
Träumereien. Wir müssen uns anders positionieren, wenn wir DAUERHAFT
erfolgreich sein wollen. Sonst ist es ganz schnell vorbei und wir spielen
vor 9.000 Leuten im leeren Millerntor.

Totschlagargument 4: Das ganze kann bis zur nächsten JHV warten. Nein,
kann es nicht. Bis dahin sind Fakten geschaffen, bis dahin müssen wir uns
über den Bautermin 2012 ernsthaft Gedanken gemacht haben und bis dahin
müssen Entscheidungen getroffen sein, die eventuell nicht rückgängig gemacht
werden können.

Und nun daher meine Frage: Seid ihr bereit dies auszuhalten? Oder ist
der Protest mit ein bisschen rote Fahne schwenken für euch beendet? Wenn
letzteres der Fall ist, dann kann man relativ schnell wieder zur
Vermarktungsnormalität über gehen und der FC St. Pauli ist aus meiner Sicht
verloren.

Es ist nebenbei bezeichnend, dass einige Vereinsvertreter der zweiten
Ebene eine AOMV doch gar nicht als notwendig empfinden und das nicht so hoch
aufhängen wollen. Ich empfehle da einfach nur „One by One“ ein Lied einer
englischen Anarchopopband mit einem extrem komplizierten Namen.

Und dann war da noch…

… unsere Stadionsprechercrew, die Knut verloren hat, so zumindest die
offizielle Ankündigung in der Stadionzeitung, die auch verkündet, dass
Rainers Ära eher endlich ist. Bei „gesundheitlichen Gründen“ hoffe ich
erstmal, dass es sich nur um altersbedingte Zipperlein handelt und er
vielleicht keine Lust mehr hat, sich zügige Sprecherkabinen anzutun. Egal
was, es geht eine Ära langsam zu Ende, denn es wird vielen wie mir gehen,
sie haben noch nie einen anderen Hauptsprecher am Millerntor erlebt, als
Rainer. Und das Rainer so etwas wie eine Integrationsfigur am Millerntor
ist, würden wahrscheinlich auch sehr viele unterschreiben.

Daggi wird sich ihren eigenen Platz in der Geschichte erarbeiten müssen.
Was ich nur nicht hoffe ist, dass dieser Platz nun auf den Vermarktungsmarkt
getrieben wird und der Medienpartner seinen eigenen Marktschreier da
platzieren will. Ich hoffe es nicht, aber ich befürchte es sehr stark. Und
Maren und AC als Stadionsprecher, das lässt bei mir die Nackenhaare 20 Meter
hoch stehen.

Jan 122011
 

oder

Hat das Modell St. Pauli noch Zukunft?

Vorwort

Liebe Leser, ich neige nicht dazu zwei oder dreimal die Woche in die
Tasten zu greifen. Das liegt schon alleine daran, dass ich entgegen aller
Behauptungen auch andere Hobbys als Fußball habe und auch gerne mal laufe,
lese oder einfach nur Musik höre. Ich schreibe nur über diese, weil ich
irgendwie kein „ich gehe dann mal scheißen“ Schreiberling bin. Diese Seite
ist Themenbezogen und hat nur gelegentliche Ausflüge in die Musik oder ins
Laufen. Aber diese Woche bricht die Welt des FC aus allen Fugen und darüber
hinaus habe ich noch ein Thema vergessen, welches ich ansprechen wollte.

Vermietung des Millerntores

Wie ihr vielleicht der Hamburger Morgenpost entnommen habt, ist eine
Silvesterparty in den Hallen unseres Stadions ins Chaos gemündet und war
wohl auch mit falschen Versprechungen beworben worden. Nun ist dies bei
Silvesterpartys eher die Regel, als die Ausnahme, aber leider gibt es hier
ein Problem: Wir haben mit dieser Party zwar null zu tun, aber es gibt einen
Imagetransfer. Denn obwohl dies normal ist und obwohl dies häufig genug
Hamburger Zeitungen höchsten eine Seite an einem Tag wert ist, machte die
MoPo diesmal damit eine Woche Schlagzeilen und Auflage. Warum wohl? Richtig,
weil das ganze in unserem Spielzimmer stattfand.

Der Veranstalter hatte das ganze auch mit „im St. Paulistadion“
beworben, einfach weil unsere Heimstätte trotz Umbaus als „Kult“ gilt und
natürlich Kieznah ist. Seien wir ehrlich: In der Raute würde niemand so eine
Party veranstalten. Hier findet ein Imagetransfer statt und dies nicht nur
positiv, denn genügend – uninformierte – Geister werden dem FC die Schuld
geben oder auch ihren Frust an dem FC auslassen.

Nur da ist natürlich das Problem unseres Neubaus. Wir haben uns bei der
Finanzierung anscheinend stark der Fremdvermietung verschrieben und diese
erfolgt nun. Ich könnte mir vorstellen, dass man schon mit 100 plus einem
großen X Vermietungen plant und diese nun auch erreichen will/muss. Und da
will man natürlich auch die Chance nutzen Silvester zu vermieten. Ich wage
aber zu bezweifeln, dass es einen seriösen Partyveranstalter gibt, der
Silvester noch veranstaltet. Denn seitdem ich das verfolge gehen die großen
Silvesterpartys in Hamburg regelmäßig schief. Dies ist auch der Grund, warum
z.B. Hamburger Radiosender so etwas nicht mehr durchführen. Ja und da ist er
wieder der Zielkonflikt zwischen Kommerz und Ideal.

Nur muss unser Verein eben aufpassen, dass er nicht zu häufig mit
schlechten Schlagzeilen in Verbindung kommt. Denn dann findet ein
Imagetransfer in die falsche Richtung statt. Und daher sollte man sich
wirklich überlegen, ob es der kommerzielle Erfolg wert ist, an irgendwelche
Partyveranstalter zu vermieten.

Es folgte natürlich gleich die nächste zweifelhafte Vermietung, denn
auch Olaf Scholz beehrt unseren Ballsaal. Nun sollte jeder wissen, dass mir
die deutsche Sozialdemokratie parteipolitisch noch am nächsten steht und ich
ein großer Freund der freiheitlich demokratischen Grundordnung bin, obwohl
ich auch genügend kritisiere. Trotzdem ist so etwas natürlich bedenklich,
denn auch hier findet der Imagetransfer extrem statt und wird von Scholz
auch genutzt werden, der natürlich mit einem solchen Veranstaltungsort hipp
und cool wirken will, Adjektive, die man mit so nicht in Verbindung bringt.

Spannend auch, dass das ganze als „Kleiner Ballsaal“ beworben wird. Ich
wusste bisher nicht, dass wir einen kleinen und einen großen Ballsaal haben.
Ich dachte immer, die benennen sich durch ihre Tribüne. Aber man lernt nie
aus.

Und eines darf man nicht vergessen: Hat man erstmal das parteipolitische
Fass aufgemacht, dann hat man irgendwann auch die anderen Vögel des
demokratischen Spektrums in seinen Hallen. Denn auch mit Hr. Ahlhaus
verbindet man nicht gerade hipp und cool. Auch der könnte auf die Idee
kommen, diesen Imagetransfer zu nutzen.

Klar, als privater Vermieter kann man immer nein sagen, aber ob dies
schon im Gehirn unserer Raumvermarktung angekommen ist, weiß ich nicht. Und
vor einer Sache habe ich ehrlich gesagt Angst: Das irgendwann Faschos bei
uns als Geburtstagsfeier getarnt sich einmieten und in unseren Räumen
Kategorie C spielt. Ich hoffe, die Verantwortlichen haben solche Gefahren
auf dem Schirm. Ich möchte nicht vor meinem eigenen Stadion demonstrieren
müssen.

Modell St. Pauli am Ende? United we fall, divided we stand!

Unser Präsidium will weiterhin in der Sozialromantikerfrage Philosoph
bleiben, was man entweder als klug oder doof beurteilen kann, was ich aber
an dieser Stelle nicht bewerten will, weil ich es schwierig finde, schweigen
für oder gegen Jemanden zu verwenden. Da bin ich zuviel Jurist, für den
Schweigen immer erstmal neutral ist. Ich weiß auch nicht, inwieweit Leute
wie Schulte nun vorgeschoben werden. Nur was der junge Mann abgibt, ist
blauäugig und fahrlässig oder absichtlich gefährlich für das Modell St.
Pauli.

Modell St. Pauli? Man lese meine beiden letzten Einträge, ich denke, ich
habe dort erklärt, was die Besonderheit dieses Vereines ausmacht. Falls das
jemand nicht versteht, dann kann ich ihm nur eine alte Ultratapete zitieren:
„Wer es nicht fühlt, der kann es nicht verstehen.“ Wenn wir jetzt aber mal
davon ausgehen, dass ich in der Grundtendenz die Besonderheit dieses
Fußballclubs und den Grund für seine Beliebtheit, sein
Alleinstellungsmerkmal beschrieben habe, dann hat Hr. Schulte das entweder
nicht durchschaut, was sein gutes Recht ist und begreift fahrlässig gar
nicht, was er da sagt oder aber er will dieses Alleinstellungsmerkmal ganz
absichtlich zerstören.

Egal, was man nun sagt, er bringt das Todschlagargument gegen alle
Faninteressen: Es gefährdet den sportlichen Erfolg. Und das ärgert mich.
Denn nicht die Fans gefährden den sportlichen Erfolg und der sportliche
Erfolg war NIE Alleinstellungsmerkmal und Vermarktungsargument dieses
Vereines, sondern den sportlichen Erfolg, die Vermarktungschance auf Dauer
opfern die, die jetzt wie die Heuschrecken versuchen den letzten Tropfen
Kult kurzfristig aus dem Separee zu melken.

Hr. Schulte kann sicher sein, dass NOCH jeder im Stadion seine Stimme
für die Mannschaft und für einen ordentlichen Support erheben wird. Er kann
aber sich dann nicht mehr sicher sein, wenn er meint, dass dies sozusagen
die einzige Pflicht und das einzige Recht dieser ist.

Und Hr. Schulte sollte ENDLICH begreifen, dass es keinen Widerspruch
gegen Faninteressen und kommerziellen Interessen gibt. Dieser ist künstlich
und mit dem Todschlagargument „nur so sportlicher Erfolg“ wird versucht
viele Menschen aufzubringen. Er darf nicht vergessen: Nach der langfristigen
Zielsetzung des Präsidiums „Top 25“ werden wir nicht immer „sportlichen
Erfolg“ haben und daher müssen wir unseren Markenkern, unser
Alleinstellungsmerkmal dringend auch in Phasen erhalten, wo wir uns nicht
vorstellen können wieder in Liga 2 zu spielen. Sonst sind wir dort nämlich
sehr schnell ein ganz normaler Verein unter 18 anderen und dann gibt es ganz
schnell keinen kommerziellen Erfolg mehr. Ich weiß, ich wiederhole mich.

Hinzu kommt, dass sein Appell im Unterton genau eine Spaltung versucht,
nämlich zwischen den angeblich Ewiggestrigen, die den Erfolg nicht wollen
bzw. gefährden und den richtigen, über alles toleranten und guten Fans. Er
gießt also fröhlich Öl ins Feuer. Ein ganz gefährliches Spiel. Denn
mitnichten sollen diese Worte eine Einheit und einen Respekt allen gegenüber
ausdrücken.

Daher geht es Samstag genau um diesen Markenkern, konkret: Wollen wir
Pauli, Party, Kiez und das x-tausendste „Event“ in dieser Stadt sein oder
wollen wir langfristig etwas besonderes, etwas einzigartiges, etwas mit
einem unverkäuflichem Kern sein? Diese Frage kann sich jeder stellen, bevor
er Samstag das Stadion betritt und eine rote Fahne, ein rotes Kleidungsstück
und/oder eine rote Pappe in die Hand nimmt.

Meine Antwort ist klar und ich werde meinen (unbedeutenden) Teil nur so
lange zum sportlichen Erfolg beitragen, so lange ich der Meinung bin, dass
der Kern lebt, der Kern nicht auf dem Altar „sportlicher Erfolg“ geopfert
ist und so lange wir St. Paul sind. Sonst kann man nur den Weg der Spaltung
gehen und sehen, wer längerfristig mehr Erfolg hat. Das Event Pauli oder der
AFC St. Pauli mit seinem Kern. Ich würde an ihrer Stelle keine Wette
annehmen, Hr. Schulte.

Aber mit einem gehe ich trotzdem Konform: Vom Anpfiff bis Halbzeitpfiff
und von „We’re coming back“ bis Schlusspfiff, da wird Freiburg
niedergebrüllt von einem Publikum, welches in seinen Vereinsfarben gekleidet
ist. Aber davor und danach wird genügend Zeit sein Hr. Schulte und anderen
zu sagen, dass er irrt. Zumindest in meinem Traum.

Und um nun mal etwas fröhliches zu schreiben…

Wollte ich euch die Twitter Reaktion auf meine Beurteilung der Blogs nicht vorenthalten. Ich hoffe, ich habe die Tweets in der richtigen Reihenfolge, was bei diesem Medium nicht sicher ist:

momorulez@
@magischerfcblog Wer ist denn von den Genannten politisch radikal oder gar plakativ? 😉 Danke für die Analyse!

KiezkickerDe@
@magischerfcblog Der letzte Satz gefällt mir. :o)

magischerfcblog@
@momorulez ein bisschen geheimnisvoll muss ich doch bleiben, sonst bin ich doch nicht mehr interessant. 😉

magischerfcblog@
@KiezkickerDe der letzte Satz gefällt dir? Gute Ausbeute bei gut 1.000 Sätzen im Bericht 🙂

ring2@
@momorulez du bist radikal, @jeky emotional und @ring2 plakativ

ring2@
@momorulez oder @jeky moralradikal ich emotionalplakativ und du radikalplakativ

ring2@
@magischerfcblog stimme Dir weitgehend zu. p.s. die Blog-Debatte vs Journalismus ist aber durch 😉

Fischblog retweeted von ring2@
Verdacht: Eine ernsthafte Kommunismus-Debatte wird deswegen so reflexhaft unterbunden, weil ihr erstes Opfer das Wort „alternativlos“ wäre.

ring2@
@magischerfcblog du Blogger, du 😉

momorulez@
@ring2 Emotional bin ich aber auch, und plakativ auch manchmal – meint er uns alle mit allem?

magischerfcblog@
@momorulez @ring2 vielleicht auch alle ein bisschen? 🙂

momorulez@
Ich radikalisiere mich heute mal wieder emotional und mache dann Wildfremden plakative Liebeserklärungen!

Jeky@
@momorulez Bedaure gerade, dass wir uns kennen *g*

magischerfcblog@
@ring2 die debatte mag nebenbei durch sein, aber das hat man bei kommunismus vs kapitalismus auch gesagt 😉

(Das ganze ist jetzt gekürzt, aber ich wollte euch diese Wortspielereien nicht vorenthalten. Und danke an die vier, die ich jetzt mal einfach so zitiere)

Jan 102011
 

oder

Was nun?

Vorwort

Liebe Leser, ich habe nach langem Ringen mit mir selbst beschlossen,
dass ich die Berichte nur teilweise mit Passwörtern ausstatten werden.
Die Reiseberichte (und das ist hier auf der Seite die Überzahl) werden
weiterhin aus Personenschützgründen mit Passwörtern erscheinen.
Einträge, die eher nicht spielbezogen sind und das Unrecht der Welt im
Allgemeinen und im braun-weißen Besonderen beschreiben, erscheinen ohne
Passwort. Die Trennung wird mir nicht immer gelingen, so dass das auch
mal nicht passt mit dem Passwort, aber ich denke das überleben alle
Nutzer.

Diesen Beitrag mache ich jetzt mal ohne Passwort, weil ich zwar beim
Wintercup in Düsseldorf weiltee, aber da ich mal den Einsiedler gemacht
habe und vollkommen alleine an und abgereist bin, gibt es nichts zu
berichten. Und von einem dämlichen Vorbereitungsturnier sollte man
sowieso nix berichten. (Ja, das wollte ich schreiben und dann kam doch alles anders. Aber das wird ein eigener Bericht, der später veröffentlicht wird.

Daher setzen wir uns doch mal mit ganz vielen Stürmen im Wasserglas
auseinander, die in letzter Zeit so durch die Welt geistern. Ob und wie
diese noch Auswirkungen haben auf dies, was außerhalb dieser
Parallelwelt Internet passiert, das wird sich zeigen. Und genau dies
wird auch mehrfach die Frage in diesem Bericht sein.

Parallelwelt Internet ist ein sehr schönes Stichwort. Ich twittere
seit neustem. Während ich mich immer noch weigere Facebook beizutreten,
alleine schon, weil das jeder macht, habe ich mir mal einen
Twitteraccount zugelegt. Was mir auffällt: Man liest viele spannende
Dinge und einiges ist auch informativ. Was aber auch auffällt: Viele
Leute halten das Medium Twitter für unglaublich wichtig. Mal ganz
ehrlich: Ist auf dieser Welt schon einmal irgendetwas extrem wichtiges
in 140 Zeichen gesagt worden? Seien wir ehrlich: Nein. Der Höhepunkt
dieser Überschätzung eines Kommunikationsmediums ist es spätestens, wenn
ein Freak schreibt, dass Journalistenschüler Glück bräuchten, weil sie
weder Twitteraccount hätten, noch Bloggen würden. Und auf eine
Nachfrage, warum dies denn so sei, twittert der doch wirklich, dass es
erstaunlich sei, dass man Journalistenschüler werden wolle, aber aus
eigenem Antrieb nichts journalistisches mache. Mal ganz ehrlich: Bloggen
und insbesondere Twittern haben mit Journalismus soviel zu tun, wie
Fußballtapeten malen mit Kunst.

Ich weigere mich ja immer aus falscher Eitelkeit meine Berichte als
„bloggen“ zu bezeichnen, auch weil ich es für ein überflüssiges
Kunstwort halte, denn Berichte oder Internetseite sind doch schöne Worte
oder? Aber gehen wir mal davon aus, dass ich blogge. Dann tue ich dies
selbst sehr gerne. Nur mit Journalismus im Sinne einer Recherche, einer
Meinung, die auf Faktensammlung und einem Versuch der Objektivierung und
Abwägung beruht, damit hat das schreiben im Internet eigentlich nie
etwas zu tun. Und das übliche Twittern nun wirklich auch nicht.

Wenn man nun bei Twitter ist, dann lernt man doch noch einige
Internetschreiblinge kennen, die nicht zu den klassischen und im Forum
verlinkten gehören. Seien dies nun Jeky, Ring2, Momo Rulez oder andere.
Die können sehr gut schreiben (viel besser als ich meistens), auch wenn ich mit keinem der genannten immer
und überall einer Meinung bin. Teilweise driften sie mir politisch viel
zu doll ins Radikale und ins Plakative ab, teilweise sind sie mir viel
zu verbohrt in einigen Fragen oder schießen emotional über das Ziel
hinaus (und wenn ich das sage, dann soll das was heißen), aber lesen im
Sinne von Meinungsbildung kann man sie alle. Und schreiben können sie
auch alle. Dazu findet bei allen immer wieder echte Perlen. Verlinken
tue ich die nun nicht, finden tut ihr sie von ganz alleine. Spätestens
bei Twitter. Und nun gebe ich zu, dass diese zwei Absätze keinen
wirklichen Nennwert haben, aber eines schaffen sie: Sie benutzen nur
einmal zweimal ein Wort, welches auf „Blog“ beruht. Geht doch.

So nun aber ab zu den Themen.

Jolly Rouge

Die Petition der Sozialromantiker hat schon gut 3500 Unterschriften
und dies obwohl wir z.B. noch kein Heimspiel hatten. Nun sollte
eigentlich jeder Mensch, der eine Zeitung aufschlagen kann und/oder
einen Internetanschluss hat etwas von dem Protest mitbekommen haben,
aber anscheinend gibt es auch solche Leute. Inhaltlich ist mit dem
letzten Bericht alles gesagt. Was soll ich da noch ausführen?

Erneut will ich nicht einzelne Forderungen der Sozialromantiker
diskutieren, denn eines ist klar, einer findet Kindermalen echt scheiße
(ich auch), der nächste findet Grafitti scheiße (ich nicht) und der
übernächste findet graues Beton absolut cool (naja, wird eher die
Minderheit sein). Ich denke an solchen Punkten würde ein Kompromiss
nicht scheitern. Ich sage es mal so: Kein Sozialromantiker würde etwas
gegen eine fette bunte stadtteilbezogene Zeichnung sagen, die keine
Kindermalerei ist. Das ist auch nicht wichtig.

Wichtig ist folgendes: Bisher haben wir nur einen Sturm im
Wasserglas Internet. Wenn jetzt beim nächsten Heimspiel nix sicht- und
hörbares passiert, wenn nicht breit im Stadion protestiert wird, sei es
durch Plakate, sei es durch Gesänge, sei es durch was auch immer, dann
wird sich nix ändern. Glücklicherweise sind Leute auf die Idee gekommen
einen Totenkopf auf rotem Grund als Protestsymbol zu kreieren.

Für mich heißt das folgendes: JEDE(R) (oh Gott, ich gender), DER DEN
PROTEST UNTERSTÜTZEN WILL, SOLLTE IRGENDWAS ROTES AM SAMSTAG SICHTBAR
DABEI HABEN!

Wer also wirklich protestieren will, der sollte mehr tun, als die
vorbereitete rote Pappe kurz hochzuhalten. Rote Mützen sind nicht teuer,
im Notfall lässt sich auch die Weihnachtsmütze zweckentfremnden.
Totenkopf drauf (am besten in Kinderform ;-)) und dann ab dafür. Ne rote
Flagge oder ein roter Doppelhalter ist nebenbei auch richtig fett.

Vollkommen offtopic: Wollt ihr mal einen komplett aussagelosen
Ticker lesen? Dann sucht mal den BBC Ticker für die Blue Square Premium.
Hier mal ein aktueller Ausschnitt aus dem Ticker AFC Wimbledon gegen
Darlington: „27:17 A cross is delivered by Ryan Jackson. 24:15 Free kick awarded for an unfair challenge on Sammy Moore by Jamie
Chandler. Free kick taken by Chris Bush. 23:36 The referee blows for
offside. Seb Brown takes the free kick.22:39
Free kick awarded for a foul by Sammy Moore on Jamie Chandler. Paul
Arnison takes the direct free kick.“ So geht das die ganze Zeit. Sorry
für den Einschub, aber der läuft hier im Hintergrund. Da weiß man
wirklich nicht, ob eine Truppe besser ist oder ob es irgendwie spannend
ist. (Nachtrag: da das Spiel 0-0 ausgegangen ist, schien sich die Spannung in engsten Grenzen zu halten.)

So back zu unserem Sturm im Wasserglas. Wisst ihr, was das komplett
absurde ist? Betrachtet Fußball doch mal voll als Kapitalist. Ihr habt
hier eine Branche, in der man mit sehr kleinen Renditen und einem hohen
Risiko arbeitet. Wir sind im langweiligen Mittelfeld tätig und haben
einen Gorilla der Branche in unserem lokalen Markt. Der Gorilla kommt
zwar in die Jahre, aber zieht uns definitiv Sponsoren, Öffentlichkeit,
alles weg. Warum aber kann der FC überleben? Und warum hat er überhaupt
eine Marktstellung? Ja, weil er ein Alleinstellungsmerkmal hat. Nämlich
das des „anderen Klubs“ und Alleinstellungsmerkmale sind in einer
solchen Branche, wo es sonst nur der sportliche Erfolg zählt eigentlich
Gold wert. Und wenn man dies begreift, dann wäre eine Umsetzung der
Ideen der Sozialromantiker ein Kracher. Überlegt mal, wie fett über so
etwas bundesweit berichtet werden würde? Umsonst Werbung ganz gezielt
auf die Vermarktungsmöglichkeiten beim FC. Da kannst du diese – meistens
noch ziemlich dämlichen – Werbeflyer der Vermarktung einfach
einstampfen. Man muss es eben nur richtig umsetzen. Man darf den Kult
nicht totreiten, aber er ist eben sehr viel wert. Und genau deswegen
wäre ein Eingehen auf die Forderungen der Sozialromantiker schlichtweg
eines: Eine Win-Win Situation. Irgendwer sprach davon, dass das der Unterschied zwischen der Heuschrecke (Totreiten) und einem nachhaltigen substanzbewahrenden Wachstum (Sozialromantiker) ist. Wie richtig, wenn man in solchen Kategorien denken mag.

Nebenbei: Daher ist natürlich die PSD Bank Bande ein eher schlechtes
Beispiel, weil dieser Sponsor auch Faninteressen bedacht hat und
immerhin für Fanräume eine Markfünfzig locker macht. Das ist das Jack
Daniels Prinzip und das hätte auch bei blau.de funktionieren können.

Zur Dokumentation hier noch mal der Aufruf der Sozialromantiker:

Sozialromantiker dieser Welt,

wir kommen unserem ersten Heimspiel immer näher. Wir sind aufgeregt und
gespannt was von der Macht des Millerntores noch übrig ist. Unsere
Forderungen haben weit mehr als 3000 Fans unterschrieben und das gibt
uns die Gewissheit, dass es sich lohnt diesen Kampf wirklich und wahrhaftig anzugehen. Wisst ihr noch wie das damals beim Millerntaler war? Fühlt ihr noch was wir damals bewegen konnten? Und jetzt fragen wir
euch, was glaubt ihr wieviel Fans damals unterschrieben haben?

Es waren weniger als heute!

Lasst uns diesen Kampf um unseren Club gemeinsam führen. Jeder auf seine Weise. Jeder mit seinen Gefühlen. Jeder mit seinen Mitteln. Aber lasst uns kämpfen! Und sei es das letzte Mal! Dieser Verein ist es Wert!

Es bleibt noch eine gute Woche bis zum ersten Heimspiel, dann gilt es
-dann wird sich zeigen, was wir noch im Stande sind zu leisten. Wir
glauben an euch, an eure Kreativität, eure Willenskraft und eure
Leidenschaft.

Wie aus dem Nichts ist ein Symbol entstanden für unseren Kampf um
St.Pauli. Der Jolly Rouge.
Ein schwarzer Totenkopf auf rotem Grund. Vor 500 Jahren ein Zeichen der
Überlegenheit, der Macht und der Renitenz. Das soll ab heute unsere
Flagge sein. Diese Flagge soll im Kampf um unseren Verein an unsere
Seite wehen, unter dieser Flagge wollen wir uns einen und versammeln, um
für das einzustehen was Sankt Pauli für jeden Einzelnen von uns
ausmacht. Bis St.Pauli wieder ein Zuhause ist.

Malt Tapeten!

Macht Banner!

Baut Doppelhalter!

Beschriftet Papptafeln!

Denkt euch Chants aus!

Kreiert Aufkleber!

Startet Aktionen in und um das Stadion!

Trefft euch mit Freunden und werdet kreativ!

Solidarisiert euch unter dem Jolly Rouge.

Zeigt euren Protest mit roten Mützen, Jacken, Shirts, Fahnen, Pappen.

Keine Gefangenen!

Wir zählen auf euch. Am 15.1.2011!

Eure Sozialromantiker

Aufruf Ende

Wettskandal beim FC?

Also unser aller Rene will eine Menge Geld bekommen haben, aber dann
Spiele nicht manipuliert haben. Insgesamt 6 Seiten und viele
Vorabschlagzeilen hat der Stern mit dem Interview gefüllt. Dazu will ich
mal folgendes feststellen: 1. Die Aussage an sich klingt für mich nicht
wirklich insgesamt glaubhaft. Einem Stürmer Unsummen von Geld zu zahlen,
erscheint auf den ersten Blick unsinnig, weil er nicht so direkt auf ein
Spiel einwirken kann, wie z.B. ein Innenverteidiger oder ein Torhüter.
Auch als Multiplikator erscheint Rene Schnitzler nur bedingt geeignet zu
sein, man bedenke, dass er neu war und dass er schon in seinen
vorherigen Stationen nicht gerade als Führungsspieler bekannt war. Ohne
jetzt bewerten zu wollen, ob an der Story was dran ist: Aber ein Spieler
wie Thomas Cichon würde sich viel eher anbieten. Aber noch mal: Ich kann
nicht beurteilen, was an dieser Story dran ist. Weiterhin merkt der
Übersteiger-Blog an, dass man bei dem Mainz Spiel nun wirklich kein Geld
zahlen musste um da eine Wette mit zwei Toren Unterschied zu gewinnen.
Jetzt ist es aber wohl so, dass diese Wettmafia nicht zwingend den
großen Underdog besticht und eine fette Quote haben will, sondern eher
einen Favoritensieg absichert und eben durch den hohen
Absatz auf ihr Geld kommt.

2. Grundsätzlich erscheinen mir die gesamten Zeugen auch nicht sehr
glaubwürdig. Man darf folgendes nicht vergessen: Hier spricht ein
Spieler mit einem eher schwierigen Hintergrund, der seine Karriere
selber zerstört hat und der dringend Aufmerksamkeit braucht und im
Notfall auch Geld braucht. Und da verkauft sich so ein Interview
natürlich deutlich besser, wenn man das aufbauscht und mindestens zwei
Leute mit reinzieht. Und natürlich am besten einen mit Namen. Hain hat
keine Möglichkeit seine Unschuld zu beweisen (dies ist juristisch
nebenbei unmöglich) und steht nun richtig beschissen dar. Und da kann der noch so häufig in dem Interview betonen, dass Hain nicht manipuliert hat. Alleine in die Nähe von so etwas gerückt zu werden, ist schlichtweg brutal.

Weitere zwei Spieler sollen mit Schnitzler bei Paul gewesen sein.
Wollen wir mal ins Blaue hinein vermuten? Nein, wollen wir nicht, denn
dies will doch der Stern und damit am besten noch drei bis vier Artikel
in anderen Gruner und Jahr Zeitungen befeuern.

Neben Schnitzler hat sich noch ein zweiter ehemaliger Profi zu
seiner Spielsucht bekannt. Dieser äußert sich nun auch auf SpON und gibt
dem Verein eine gewisse Mitschuld. So krass will ich das nicht sehen,
ich weiß auch nicht, inwieweit die Spielsuchten der Spieler im Verein
bekannt waren, aber man muss ganz klar sagen: Der Verein, ach Quatsch,
der Sport an sich geht viel zu leichtsinnig mit Sponsoren um, deren
Produkt Suchtpotential haben. Das gilt nicht nur für Plätze an der Sonne
oder Pokerspiele (was nebenbei natürlich ein Glückspiel ist, wer etwas
anderes behauptet ist schlichtweg naiv), sondern insbesondere auch bei
Bier. Astra als Kult auf St. Pauli? Ich möchte nicht wissen, wieviele
problematische Alkoholkonsumenten dies schon hervor gebracht hat. Das in
Deutschland ja sowieso eine unsinnige Unterscheidung zwischen den
einzelnen Suchtprodukten gemacht wird, sei hier nur mal am Rande
angemerkt. Da wird Glückspiel verteufelt, Haschisch auch, aber Alkohol
geht ab.

Jede Sucht, auch und insbesondere die Spielsucht, ist komplett
zersetzend, fürchterlich und für den Betroffenen unglaublich scheiße.
Wörter wie „Schuld“ oder eine Kategorisierung „Täter und Opfer“ (Guten Morgen, liebe MoPo) passen hier gar nicht, niemand ist an
seiner Sucht wirklich schuld, ein Täter aus seiner Sucht ist nicht von ungefähr vermindert oder gar nicht schuldfähig im juristischen Sinne. Und das die Gesellschaft, insbesondere der
Sport mit Schwächen und mit Krankheiten unglaublich schlecht umgeht,
wissen wir spätestens seit der Depressionsdiskussion.

Insgesamt sollte man hier seine Aufgeregtheit doch stark
zurückfahren, denn so lange das ganze so stark im Dunklen liegt und so
lange sich halbseidene Geschöpfe wie Ante S als ganz große
Wahrheitsfinder aufspielen, so lange sollte man sich auf eine der
wichtigsten juristischen Vermutungen zurückziehen: Die
Unschuldsvermutung. Und diese wird dann schwierig, wenn man pauschal Spieler, ein System oder Vereine verurteilt.

Der Rechtsstreit mit Upsolut

Der FC hat in erster Instanz verloren. Das muss man so zur Kenntnis
nehmen, ebenso muss man zur Kenntnis nehmen, dass wahrscheinlich erst in
der zweiten oder dritten Instanz eine endgültige Klärung der Rechtslage
erfolgen wird.

Ich finde es schwierig eine endgültige Beurteilung der Rechtslage
abzugeben, da wir alle die genauen Vertragsdetails des Vertrages nicht
kennen. Was mich dabei immer wundert ist, dass man sich vor öffentlichen
Gerichten trifft und es anscheinend nicht geschafft hat eine
Schiedsgerichtsklausel aufzunehmen.

Was man aber sehen muss ist, dass wir es hier nicht mit einer
schwarz/weiß Situation zu tun haben. Weder ist Upsolut die Reinkarnation
des Bösen, die den Verein ausnimmt, noch ist Upsolut ganz toll und der
Verein doof. Ich halte es für Unsinnig nun aus moralischen Gründen
Produkte von Upsolut nicht mehr zu kaufen. Das ist Quatsch. Wenn man
einen moralisch bedenklichen Aspekt bei Produkten sucht, dann findet man
diesen ebenso bei Fanräume oder USP Produkten. Und es ist ja nun auch
nicht so, dass der Verein 0 Euro mit dem Merch macht. Ob und wie man
mehr raus holen könnte, steht auf einem anderen Blatt. Nur das haben wir
uns vor Jahren verbockt, da wir uns immer wieder in die Miesen
manövriert haben und unter Weisener z.B. nicht darauf geachtet haben
Rechte bei uns zu behalten. Diese Fehler zu korrigieren ist sehr
schwierig und langwirig. In unserem Fall wahrscheinlich 30 Jahre.

Nur ganz ehrlich: Aufregen kann ich mich darüber irgendwie nicht.
Der Vertrag mit Upsolut ist schlichtweg Folge eines vereinseigenen
Mißmanagements und das wird man nun durchstehen müssen.

Auf der anderen Seite finde ich es auch legitim Verträge juristisch prüfen zu lassen. Gerade wenn man zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Amt und Würden war, hat man jede moralische Rechtfertigung so etwas prüfen zu lassen, denn der Vertrag begrenzt natürlich in der Handlungsfreiheit. Ab von der Upsolutsache: Daher sollte sich jedes Präsidium sehr lange überlegen, ob und wie es langfristig Rechte aus der Hand gibt. Denn auch Ticketing, Catering etc. sind langfristig vertickt worden und begrenzen unsere Handlungsfreiheit.

Ich finde es gibt ganz andere Gründe sich die schönen Sachen von USP
oder Fanladen zu kaufen und nicht die Sachen von Upsolut. Und das nennt
Preis-Leistungsverhältnis.

Die Stanibrandrede

Unser Trainer hat in einer Gesprächsrunde richtig Dampf gegeben und sich bei dem Thema Neuverpflichtung in Rage geredet. Nun finde ich es schwierig Stanislawski zu interpretieren, denn ähnlich wie damals seine Reset-Rede kann auch diese Rede als Weckruf an den Kader gemeint sein. Was ich nicht hoffe ist, dass diese Rede Ausfluss eines internen Machtkampfes im sportlichen Bereich ist. Ich sehe eine sportliche Kompetenz im Präsidium immer als problematisch an, wie bereits mal erwähnt. Und ich bin froh, dass wir ein Verein sind, in dem nur sehr wenig ehemalige Spieler und nur sehr wenig ehemalige Funktionäre ständig in der Presse und/oder im Verein mitreden. Ein Blick in den Volkspark (oder nach Gladbach und Köln) zeigt, dass das auch ganz anders ausgehen kann und einen Verein langfristig so zersetzen kann, dass er sein Potential nicht ausspielt. Diese Kakophonie funktioniert nur bei Bayern.

Hoffen wir also auf einen Sturm im Wasserglas, der eher die Spekulationen aus der Presse nehmen sollte, als intern einen Machtkampf zu eröffnen.

Bedenkt auch mal folgendes: Wir sind Aufsteiger! Wir sind 15.! Wir haben 2 Punkte Vorsprung! Also alles im Lot. Gerade wenn man mal die nächsten 6 Heimspiele betrachtet. Davon 4 gewinnen, dann sind wir aber richtig gut im Geschäft.

So und nun schreibe ich einen Reisebericht