Dez 272010
 

oder

das Scheppern hatte ich erst später erwartet

Vorwort

Ich neige eigentlich dazu zwischen den Jahren nichts zu schreiben und auch den Hallenfußball eher beiläufig zur Kenntnis zu nehmen. Aufgrund des eigenartigen Termines für den Schweinske/Ratsherren/wieauchimmer Cup (nebenbei erstaunlich, wie selbstverständlich man hier ein Namenssponsoring hinnimmt), werde ich den auch eher beiläufig und auch nicht vollständig besuchen. Aber die Sozialromantiker treiben zum Schreiben an. Und man muss sich mehr als sonst die Frage stellen: Quo vadis, St. Pauli?

Es wird weh tun

Ich versuche es mal in Thesen. Ob und wie diese wirklich stimmen, das mag jeder für sich selbst bestimmen. Wie es mir üblich ist, fange ich bei Adam und Eva an. Ich versuche die Thesen auch zu belegen, aber das ist natürlich nicht immer wirklich überzeugend. Daher kann jeder einzelne überlegen, ob und wie er mir folgen möchte. Ich beginne mit der Zäsur im Jahre 2003.

1. Ohne die Retterkampagne gäbe es diesen Verein als Profiverein nicht mehr.

Da wird mir niemand wohl so wirklich widersprechen mögen. Ob und wie wir uns in Liga 4 oder 5 gefangen hätten, ist schwer zu prognostizieren, aber ich denke, dass wir nicht in Liga 1 gespielt hätten.

2. Diese Retterkampagne hat CL getragen.

Hier würden vielleicht einige schon aufschreien, aber ich denke wenn man 3. liest, dann stimmt dies.

3. die – wie auch immer zu definierende – aktive Fanszene hat die Retterkampagne ebenso getragen.

Wenn ich sehe, wer damals Retter Shirts bei nasser Kälte auf der Reeperbahn verkauft hat, wer damals schon gespendet hat (z.B. damals auf unser inoffizielles Konto), wenn ich sehe wer jetzt den Aufruf der Sozialromantiker unterschrieben hat, dann lese ich da viele Namen doppelt.

4. Schon die Retterkampagne war eine Totalvermarktung und die haben wir alle akzeptiert

Eine Totalvermarktung war es und vieles inklusive dem Verkauf von Shirts bei McDonalds wurde mit sehr wenig Widerstand akzeptiert. Nur bedenkt mal bitte folgendes: Damals agierten wir aus der Position einer absoluten Schwäche hinaus. Nun sind wir stark, wir sind laut Präsidium „finanziell gesund“ (eine Sichtweise, die ausdrücklich nicht meine ist) und wir spielen 1. Liga. Sprich: Hatten wir damals eine Wahl? Haben wir sie heute?

5. Trotz Fankongress: Zwischen Retterkampagne und heute hat es nie einen Konsens in der Frage der Vermarktung gegeben.

Dem ist wohl so. Leitlinien? Da fängt wahrscheinlich schon der Streit an, welche Qualität diese haben. Die Vermarktung (und vielleicht auch die Vorstandsetage?) wird sie für grobe Linien halten, viele andere werden sie für eine Art Grundgesetz der Vermarktung halten. Ein Webfehler der Leitlinien ist, dass niemand eine Art Auslegungsgremium vorgesehen hat und ein ständigen Dialog, der zu einem Konsens führen könnte. Geredet wird immer erst dann, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Man sehe sich eben genau die bei den Sozialromantikern genannten Beispiele an. Vieles davon wäre so nie an die empörte Öffentlichkeit gekommen, wenn man sich in einem Dialog befunden hätte.

Schimpft ihr auch immer auf den Caterer? Ja, ich auch mal gerne. Und was beim Festival alles schief gelaufen ist, das geht auf keine Kuhhaut. Aber wisst ihr, was da ganz still und heimlich stattfindet? Dieser Dialog hinter den Kulissen. Da wird eben auch mal diskutiert bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist. Und da wird auch mal ein „Nein“ als „Nein“ akzeptiert.

6. Wir müssen nicht alles mitmachen

Da werden viele widersprechen, weil die Aussagen wie „Wenn man in der 1. Liga spielen will, dann muss man alle Vermarktungen mitmachen.“ „Nur Logen und Business Seats versprechen die Einnahmen für den Stadionbau.“ wie in Stein gemeißelt erscheinen. Nur niemand überprüft diese einfachen Wahrheiten mal bis ins Letzte. Und niemand sieht auch, dass diese einfachen Wahrheiten dazu genutzt wurden, Übertreibungen durchzusetzen.

Zur Verdeutlichung folgende Informationen: Das nach Kapazität größte deutsche Stadion hat 11 Logen (mit gerade einmal 162 Plätzen!!) und insgesamt 3.500 Business Seats (Zahlen laut Stadionwelt.de). Der Neubau in München hat 106 Logen mit 1374 Plätzen und 2.200 Business Seats (laut deren eigener Seite). Wieviele haben wir? Komischerweise gibt es nirgendwo eine wirkliche Anzahl online. Aus mehreren Quellen kann man irgendwas um die 3.000 Business Seats und irgendwas um die 60 Logen a 12 Plätze schätzen. Aber wirklich belastbar sind diese Zahlen nicht. (Ich habe mich jetzt mal bewusst auf öffentliche Informationen gestützt.)

Was dieses Beispiel verdeutlicht? Im größten deutschen Stadion sind nicht einmal 5 % aller Plätze „VIP“ Plätze und auch in München sind es nicht einmal 5 %. Bei uns sind es aber gut 15 %. Und selbst nach dem Vollausbau bleiben wir deutlich über 10 %.

Nun ist es aber so: Bei dem Thema Logen und Business Seats diskutieren wir eine Diskussion, die viel zu spät kommt und wo man einfach vielen Leuten sagen muss: Ihr habt die Mahner immer für doof gehalten. Niemand wollte hören, dass neue Tribünen sich ihr Publikum erfinden. Niemand wollte hören, dass dies den Charakter des Stadions erheblich verändert. Niemand hat ernsthaft diskutiert (und zwar vor Baubeginn), wie der Sitzplan der Haupt aussieht. Die Fanvertreter sind öffentlich gescholten worden, als sie aus der Lenkungsgruppe auszogen. Warum? Weil bei St. Pauli jeder mitreden will, aber niemand seinen eigenen Leuten vertraut. Peinlich genug. Und das man nun unbedingt 15 % „VIP“ Plätze haben muss um das Stadion zu finanzieren und die Tribünen zu bauen, halte ich immer noch für ausgesprochenen Unsinn. Man müsste dann fragen, wie die – nebenbei viel größeren und teureren – Stadionprojekte mit 5 % „VIP“ Plätzen finanziert sind.

Muss man denn wirklich alles in Liga 1 mitmachen? Ich kann es nicht abschließend beantworten, denn bisher hat es niemand wirklich versucht. In Dortmund verzichtet man weitesgehend auf Logen, in Bremen auf den Verkauf des Stadionnamens. Dafür haben beide andere Grauen eingeführt, die ich hier lieber nicht kommentieren möchte. Nun kommt aber die nächste These:

7. Wir vermarkten nur bedingt den sportlichen Erfolg.

Könntet ihr euch vorstellen, dass der SC Freiburg es schaffen würden 15 % seiner Stadionkapazität als „VIP“ Plätze zu veräußern? Oder Mainz 05? Oder Energie Cottbus? Oder der VfL Bochum? Arminia Bielefeld? Oder der 1.FCK? Ich nicht. Und dabei darf man nie vergessen, dass es sich um Vereine handelt, die außer dem VfL in ihrer Region (sic!) eine Alleinstellung haben, was eher „Handwerker“ und Mittelständler an sie bindet. Trotzdem kann man sich weder bei Freiburg 3.000 VIPs vorstellen, noch bei Armina Bielefeld. Und schon gar nicht in Liga 2. Bei uns ist dies – und da lehn ich mich jetzt mal aus dem Fenster – auch in Liga 2 denkbar.

Dabei sind wir sportlich alle ungefähr auf einer Höhe. Nur mit der Kontinuität der Zuschauerzahlen sind wir es nicht. Selbst Vereine wie Mainz und Kaiserslautern haben in Liga 2. einen Einbruch und dies nicht auf den Stehplätzen. Wir hingegen hatten einen solchen erst in Liga 3 und nach dem Aufstieg gab es eigentlich kein Spiel, wo wirklich nennenswert Karten liegen geblieben sind. Klar blieb mal ein Platz frei, bzw. bleiben jetzt Plätze frei, was aber aus meiner Sicht auch viel an falscher Öffentlichkeit und auch an falscher Verkaufspolitik liegt.

Und ja, ich wage jetzt die These, dies würde auch für unsere 15 % „VIP“ Plätze gelten. Ich wage die These, dass diese auch in Liga 2 gut nachgefragt wären. Und warum? Weil St. Pauli eben nicht den sportlichen Erfolg vermarktet. Nein, es vermarktet den „Kult“ (Unwort 1), es vermarktet den „anderen Verein“ (Unwort 2).

8. Dieses anders sein ist ein Verdienst der – wie auch immer zu definierenden – aktiven Fanszene

Noch so ein Unwort. „Aktive Fanszene“, alleine schon weil sie so facettenreich ist, wie sie widersprüchlich ist. Sie wird in wenigen Fragen einen Konsens finden, sie reicht von Ultra bis Oldtra (wobei die gleichnamigen Gruppen keinen Widerspruch bilden). Nur eines ist ihr gemein: Sie ist in Deutschland einzigartig. Sei dies in ihrer Diskussionskultur, in ihrem Respekt untereinander, sei es in ihren politischen Werten oder sei es in ihrer Verbundenheit zum Verein (ha, ich habe das Wort „Treue“ vermieden). Auch hier viele Diskussionen im einzelnen, aber Leute, ich habe lieber Leute, die Abschiebeknäste in drastischer Sprache zum Thema machen, als Leute, die ihren beschissenen unpolitischen Nihilismus nach außen tragen und meinen, dass Hauptsache doch der Fußball sei. Nein, ist es nicht. Politik ist einfach das, was uns alle angeht. Fußball ist ein netter Zeitvertreib.

Und genau dies ist eine der Erkenntnisse, die den FC St. Pauli besonders macht, sie macht vieles aus, was hier entstanden ist und prägt den besonderen Verein. Ja, das tut manchmal weh und wer jemals linke Politik betrieben hat, der weiß um die Diskussion im Detail, der weiß um die vielen Schattierungen und um die Widersprüchlichkeit. Glaubt ihr denn, dass in einem unpolitischen Verein, einer Allerweltsszene sich immer wieder neue Leute jeglichen Alters gefunden hätten um die Plätze im Stadion zu füllen?

9. Wer die aktive Fanszene in guten Zeiten nicht braucht, wird sie in schlechten Zeiten nicht haben.

Und genau aus der letzten These kommt eine Forderung, die ich hier ebenso als These untermauere. Man muss diese Leute ernst nehmen. Klar nerven sie, klar sind sie Sand im Getriebe, klar gehen sie auch zu weit. Aber sie sind Herz und Seele dieses Vereines. Sie sind dies, was wir da vermarkten. Sie haben selbst die Symbole geschaffen, die wir vermarkten. Und wenn man sie jetzt nicht ernst nimmt, dann sind sie weg.

Und dies wäre der finanzielle Untergang des FC. Das IOC macht es auf eine ganz andere Weise vor. Gerade weil sie eben nicht jede Fläche vermarkten, weil sie Vermarktung auf gewissen Ebenen vollkommen ausschließen sind andere Vermarktungsprodukte umso attraktiver und ein Markenkern bleibt erhalten. Ich blende dabei nicht die ganzen bedenklichen Praktiken des IOC aus und sehe sie auch nur bedingt als Vorbild, aber einige Ansätze lassen sich ohne weiteres übertragen.

10. Wir brauchen ein Vermarktungskonzept, welches auf drei Säulen beruht

Säule a: Es muss mit der aktiven Fanszene abgesprochen werden und muss von ihr akzeptiert sein. Es muss der Besonderheit dieser Szene Rechnung tragen.

Säule b: Es muss die notwendigen Einnahmen generieren.

Säule c: Es muss innovative, kreative und exklusive Vermarktungsformen bereit halten und nicht nur leere Floskeln. Sprich: Nicht Separee statt Loge ist kreativ, sondern eigene Formen des Marketings. Insbesondere neue Formen der Vermarktung müssen dringend und überzeugend genutzt werden.

11. und dies muss mehr sein als bloße Lippenbekenntnisse

Ja, die Zeiten von Pseudohinterhofvereinbarungen, die man dann wieder dehnt und zerreißt ist vorbei. Das ganze kann nur funktionieren, wenn man JETZT und SOFORT auf dieses Level kommt. Und dann auch endlich mal ein „Nein“ als „Nein“ akzeptiert und nicht versucht um dieses nein herum zu kommen.

12. Es benötigt ein Symbol

Revolutionen und auch Änderungen bedürfen immer eines Symbols. Nicht immer kann dieses Symbol wirklich etwas dafür, nicht immer ist das Symbol gut gewählt. Nur wir haben hier eines, welches sich sehr gut eignen würde um ein „Hierher und nicht weiter“ deutlich zu machen. Ja, es geht um die Loge von Susis Showbar. Nein, es geht mir nicht darum, ob und wie die Leitlinien verletzt werden, es geht nicht darum, ob nun angezogener Strip gerade noch okay ist oder nicht. Da gibt es 20.000 Meinungen unter 20.000 Fans. Und das ist auch okay so.

Es geht aber darum, dass hier exemplarisch der Graubereich eröffnet wird, dass hier exemplarisch an die Grenzen gegangen wird und diese exemplarisch gedehnt werden. Und genau hier muss nicht der Graubereich toleriert werden, sondern der klare Weißbereich wieder erlangt werden. Meinetwegen kann man Susis Showbar finanziell entschädigen, meinetwegen können die eine Loge ohne Tanz und Puffgestaltung behalten, aber so geht es nicht weiter. So im Graubereich gibt es nur eines:

Susi oder ich

Hier muss das Präsidium handeln, wenn es nicht von JHVs oder AOMV zu ganz anderen Handlungen gezwungen werden möchte. Ich weise hier ausdrücklich auf die Mehrheitsverhältnisse bei der letzten JHV hin und ich bezweifele, dass diese sehr anders auf den nächsten sein werden. Und ob ein Antrag Business Seats zurückzubauen noch einmal so schlecht begründet wird, wage ich zu bezweifeln. Und ob noch mal die aktive Fanszene ihre Füße still hält, weil sie die Finanzierungssorgen eben doch sieht, bezweifele ich auch.

Die Forderungen der Sozialromantiker

Man kann sich über jede der Forderungen unterhalten, ich weise aber mal auf eines hin: Die Zeit der Verhandlungen ist alleine deswegen vorbei, weil die Vermarktung (und das Präsidium?) bisher noch nie auf irgendetwas von sich aus verzichtet hat, von sich aus Kompromisse angeboten hat, wo auch sie ihren Sockel wieder in Richtung Mitte verschieben (um mal im Bild der Sozialromantiker zu bleiben). Nur wenn dies geschieht, nur dann werden auch die Sozialromantiker und auch ich zu Kompromissen bereit sein.

Und noch einige Schlussworte.

Dringend muss der Verein an seiner Außendarstellung feilen. Es kann nicht sein, dass Aussagen wie die von Hr. Schulte unkommentiert in der Öffentlichkeit stehen bleiben. Sei es zur entzogenen Dauerkarte, sei es zu dem Thema „motzen auf die Business Seats“. Gleiches gilt für die hagelnden Stadionverbote des Christian B. oder die entspannte Haltung zu Stangentanz des Michael M.

Auch hier gilt: Es kann mal weh tun. Klar ist eine Geschlossenheit nach außen sehr viel wert, aber irgendwann gibt es immer Grenzen.

Und noch etwas: Ich finde sowohl die handelnden Personen im Präsidium, als auch in der Vermarktung sehr sympathisch. Warum? Ich will euch ein Beispiel geben. Die Herren Vierkant und Meeske haben es bis heute nicht nötig auch nur „Hallo“ zu sagen, wenn man sie trifft, obwohl ich auch mit diesen Herren schon genug zu tun hatte. Hr. Littmann hatte dies nie nötig. Stefan Orth blieb letztens vor einem Spiel gut 10 Minuten bei mir und Mirijam stehen, schnackte auch mit ihr, obwohl er sie nicht kannte, war freundlich und kam von sich aus zu mir und gab mir (und ihr) die Hand. Das nenne ich freundlichen und respektvollen Umgang. Und dann ist bei mir auch eine Grundsympathie für den Menschen vorhanden. (Ähnlich geht es mir z.B. mit Thomas Wegmann) Umso mehr will ich nicht, dass wir auf zwei Seiten eines Zaunes, einer Trennwand stehen, sondern ich will, dass man einen Kompromiss findet, der diesen Zaun, der diese Trennwand, diesen Graben (Unwort) überwindet und der genau zu dem führt, was vor Jahren einmal Motto der Passanten war:

„United we stand, divided we fall“

Und noch etwas: Noch bin ich nicht dabei den AFC St. Pauli zu gründen, aber ich bin knapp davor. Und dann rollen wir eben die Kreisklasse auf. Und dann mit Fußball, wie er uns gefällt, dreckig, laut, unbequem und unkommerziell.

Ohne Passwort veröffentlicht, weil es Zeit ist die Maske fallen zu lassen. Diskussion immer erwünscht, aber nicht anonym und nicht im Forum. webmaster at magischerfcpunktde ist da die bessere Alternative.

Dez 232010
 

Auch wenn ich aus Zeitgründen heute keine abschließende Bewertung vornehmen kann und mir einige der Formulierungen und Forderungen nicht 100 % gefallen, so möchte ich doch jeden Besucher dieses Blogs auf die Seite der Sozialromantiker Iniative lenken und die dort vorliegende Unterschriftenliste.

Findet ihr hier.

Ich werde über die Weihnachtsfeiertage an einem umfangreichen Text arbeiten, der meine Bedenken formuliert, der vielleicht auch versucht Wege nach vorne zu finden und der vielleicht auch den einen oder anderen überzeugt.

Frohes Fest allen Lesern.

Dez 202010
 

… was alle anderen geschrieben haben.
Liebe Leser, ich sehe keinen Sinn darin einen Bericht über das Spiel am Samstag zu verfassen. Für mich ist der FC St. Pauli wie ich ihn anfeuere gestorben. Warum? Das kann man bei Pathos nachlesen und zwar hier.

Der FC St. Pauli hat endgültig seine Seele verloren und ist ein Allerweltsfußballclub geworden, der Zuschauer nur noch durch sportlichen Erfolg beigeistern wird können. Folgerichtig sind ca. 70 % der neugebauten Sitzplätze (und nicht nur der Haupttribüne) vor Abpfiff gegangen. Ich mache denen überhaupt keinen Vorwurf, sie können nicht verstehen, dass den Affen in der Süd und auf der Gegengerade der Verein mal mehr bedeutete und eigene Regeln hatte, die u.a. besagten, dass man bis zum Ende bleibt, egal wie das Spiel ausgeht.

Sollte es zu einem Abstieg kommen, halte ich Spiele vor unter 10.000 Zuschauer für sehr schnell denkbar.

Für mich ist die sine qua no eines Engagements auf ehrenamtlicher Basis entfallen und daher bin ich froh, dass ich bereits vorher im friedlichen Abschied aus dem Viva Kollektiv genommen habe.  Es erspart den Menschen, die im Notfall gar nix dafür kommen nur eine sehr wütende Mail.

Auch das Feigenblatt Fanräume sollte sich schnellstens überlegen, ob der Fakt, dass Fans auch noch so bescheuert sind Geld für einen solchen Raum zu sammeln, anstatt vom Verein zu fordern, dass dieser es zahlt, nicht endgültig seine Geschäftsgrundlage verloren hat. Denn so wie man von den oberen 10.000 verarscht wird, muss man denen nicht auch noch das „anders sein“ das „non established“ liefern.

Ich für meinen Teil befinde mich ab jetzt in der Fundamentalopposition.

Einen anderen Blick auf die ganzen Vorgänge gibt es noch hier (um mal den Ring2 Blog zu empfehlen).

Da ohne eigenen Inhalt auch ohne Passwort erschienen.

Geschützt: Win Ugly

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Dez 042010
 

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Dez 022010
 

oder

Der JHV ihr zweiter Teil

Gebrauchsanweisung

Vielleicht habt ihr es nach dem ersten Teil vergessen, also noch mal die allgemeinen Hinweise zur Nutzung dieses Berichtes. Diesmal in Kurzform: 1. Druckt ihn aus! 2. Klammer = Meinung 3. Rest Wahrnehmung, unterstützt durch eine Mitschrift, aber nicht immer wahr. 4. Ohne Passwort, aber kein Bock auf Forum. Daher 5. Fragen, Anregungen Kritik: webmaster@magischerfc.de

Das Vorspiel

Nach Sonntag habe ich mich gefragt, ob es eigentlich so etwas wie taktische Vereinsmitglieder gibt. So nach dem Prinzip: „Was interessiert mich das ganze Gelaber am Sonntag, ich will Montag nur an der einzigen wirklichen Wahl teilnehmen, die es in so einem Fußballverein gibt. Die geringere Anzahl der Teilnehmer sagte mir: Gibt es nicht oder nur sehr wenige. (Nebenbei: Eigentlich schon bitter genug, dass man gerade mal den Aufsichtsrat wählen im Sinne von Auswählen kann.)

Die Eröffnung

Stefan Orth (SO; erneut gilt: Schreibweisen nach bestem Wissen und Gewissen, jeder, der mehrfach auftaucht bekommt ein Kürzel.) begrüßte alle Anwesenden und erklärte, dass man heute den AR wählen wolle und Ehrungen vornehmen wolle. Er wolle es aber nicht verpassen, dem AR am Ende seiner Amtszeit für die konstruktive und unterstützende Zusammenarbeit zu danken.

Es übernahm Felix Wanke (FW) und erklärte, dass es sich um eine neue JHV handeln würde, daher müsse man noch mal alle Formalien abhandeln, wie Frist, Beschlussfähigkeit etc. (Ich habe mir nix aufgeschrieben, dass SO wieder FW als Versammlungsleiter vorschlug, aber ich meine auch diese Formalie wurde abgehandelt.) Die Presse sollte wieder alles ausstellen und auch die Tagesordnung war schnell zugestimmt.

Die Vorstellungen der einzelnen Aufsichtsratskandidaten

(Wiederholungen mag ich nicht. Trotzdem sind sie hier nahezu unvermeidlich. Also wundert euch nicht, wenn ihr jetzt grob 13 mal das gleiche lest. Sowieso erstaunlich, dass sich gerade mal 13 Kandidaten gefunden haben, davon erneut keine einzige Frau. Noch erstaunlicher, dass sich nicht ein A,B, oder C Promi angesprochen fühlt sich zum AR wählen zu lassen. Das sieht beim Lokalrivalen ja ganz anders aus.)

Frank Belchhaus

Es begann Frank Belchhaus, der erklärte, dass er 46 Jahre alt sei, in Hamburg wohne und Vertriebsleiter bei Hinz & Kuntz sei. Er sei seit 1998 Stadionbesucher und seit 2006 AFM Mitglied. Er habe aufgrund seiner Liebe und Verbundenheit zum Verein den Willen mitzuwirken. Der Umbruch im Verein, in dem der Verein zur Zeit stecke, reize ihn. Er fühle sich der Satzung und den Leitlinien verpflichtet. Die Tätigkeit des AR sei dort definiert. Den Umgang miteinander würden die Leitlinien regeln. Nach Satzung sei man zur Überwachung, zur Kontrolle und zur Mitwirkung verpflichtet. Die Leitlinien sprechen von Toleranz, Respekt, Vielfältigkeit. Diese Kultur der Fans teile er. Man müsse aber auch die 1. Mannschaft und die Sporttreibenden als Teil dieser Vielfältigkeit sehen. Die Marke FC St. Pauli sei dann eine Gesamtheit des Ganzen. (Das klingt jetzt bekloppt und ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn hier richtig aufgeschrieben habe.)

Der Verein habe auch eine politische und gesellschaftliche Verantwortung. Für ihn sei das selbstverständlich und dies müsse weiter ausgebaut werden, um auch die Konflikte und Abgründe als Chance zu sehen.

Was sei gut, was könne man besser machen? Die wirtschaftliche Situation sei gut, aber man müsse die Marke weiter ausbauen ohne den Kern zu schädigen. Wie behaupte man sich in der DFL, wie werde man seiner Verantwortung gerecht? Man müsse die engagierten Fangruppen einbinden und die Themen in einem ehrlichen Dialog ansprechen. Er sei durch seine Teamfähigkeit, die er aus seinem Beruf habe sehr dafür geeignet. Er müsse in dieser gemeinnützigen GmbH weiterhin Etats planen und kontrollieren und die Bilanzen erstellen und abschließen. Er wolle diese Zukunft mit diskutieren, ihm läge der FC am Herzen und hoffe gewählt zu werden.

(Einen Kandidaten nur aufgrund einer solchen 5 Minuten Rede zu beurteilen ist nahezu unmöglich. Das Wort Marke wird mir bei ihm in der Rede zu zentral benutzt. Auch gerade weil es zu ihm als Menschen und von seinem beruflichen Hintergrund her nicht passt. Ansonsten muss ich hier schon einen Kritikpunkt äußern, der für alle Kandidaten zutrifft, die nicht vorher in Amt und Würden waren: Wenn ich so einen Job haben will, dann muss ich gegen ein Gremium, welches wiedergewählt werden will auch mal die Ochsentour machen, sprich in den Abteilungen bei Fangruppen etc. Werbung für sich machen. Dies hat wohl keiner der Kandidaten gemacht. Das ist schwach und dann muss ich mich auch nicht über eine Nichtwahl wundern. Den Frank Belchhaus hätte ich gerne mal auf Herz und Niere geprüft, denn aufgrund seiner H&K Berufstätigkeit könnte ich mir schon vorstellen, dass der zu uns passt. So etwas ist dann irgendwie auch eine Chance, die ungenutzt verstreicht.)

Dann kam der unvermeidliche Geschäftsordnungsantrag zur Redezeitbegrenzung. Erst waren 5 Minuten gestellt, dann kam es zu Chaos, dann wurden noch 3 Minuten gestellt. Kommentar der vor uns sitzenden Redaktionsmitglieder des Übersteigers: „30 Sekunden! Und rappen!“ Hätten wir mal als Antrag stellen sollen. 200 Stimmen für 5 Minuten 153 dagegen machten das ganze zu fünf Minuten. Kommentar von hinter mir: „Wenn die morgen in Köln solche Probleme hätten, dann würden die sich freuen.“

(Auch hier wieder der berühmte rote Faden des Jahres: Parteitagsregie. Dieser Antrag kam nicht überraschend und darauf muss man von Seiten der Versammlungsleitung vorbereitet sein. Entweder in dem man sagt „Wir hatten uns sowieso auf X Minuten geeinigt.“ und dies dann auch getan hat, oder in dem man klar sagt, dass man nicht nach dem ersten Menschen eine Zeitbegrenzung einführen kann. Viel unfairer geht es nicht.)

Michael Burmester

Es habe in den ganzen Jahren im Aufsichtsrat auch als Vorsitzender viel gelernt. Er habe auch gelernt, wie man es nicht mache. Er sei in harten Zeiten im Aufsichtsrat gewesen und man sei durch viel Arbeit und viele richtige Entscheidungen auf die Sonnenseite gekommen. Die Entwicklung sei jedoch noch nicht abgeschlossen. Man müsse die Risiken beachten und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Bei aller Mut dürfe man die Risiken nicht übersehen, sondern müsse sie sehend umgehen. Man müsse im Bereich des notwendigen Kommerzes auch Begehrlichkeiten abwehren. Man müsse Toleranz und Respekt leben und alle und insbesondere die Fans in Entscheidungen einbeziehen. Menschen würden immer noch zu viele Mauern und zuwenig Brücken bauen. (Den Satz kann man sich tätowieren, so wahr ist der.)

Man müsse gemeinsam und geschlossen auftreten, denn ein echtes Team sei immer mehr als die einzelnen Personen. Die Entscheidungen des AR seien nicht immer populär, aber doch notwendig gewesen. Man habe – bis auf einmal – seine Kritik immer nur intern geäußert. Er würde das gerne fortführen. Seine Leidenschaft und sein Herz sei dafür immer noch so groß wie vor 9 Jahren.

J. fragte dann, ob es nicht Zeit sei zurückzutreten, so wie das doch auch Cornelius Littmann (CL) gemacht habe. Man müsse sich auch Fragen, wie man denn mit dem Hintergrund der Abriss Affäre das Schweigen des Aufsichtsrates zu der Ehrenpräsidentschaft zu verstehen habe.

Burmester antwortete, dass man nicht geschwiegen habe, da sei im Bericht zu Stellung bezogen worden. Bei der Abriss Affäre (ich nehme diesen Begriff jetzt zur Verdeutlichung, damit ist keine inhaltliche Wertung verbunden) hätten zwei Parteien gegenüber gestanden, die Mitgliederversammlung damals habe den richtigen Weg gewiesen. Man habe gestern auch die Verdienste von CL gewürdigt. Das Fazit sei dann eben doch positiv gewesen. (Auch wenn der Fragensteller in seiner verbitterten Art nervte und später auch noch kommentierte ohne Fragen zu stellen, was eine Todsünde ist. Diese Frage war absolut legitim, wenn sie denn in der richtigen Art gestellt worden wäre.)

Uwe Doll

Er sei erst drei Jahre dabei und werde auch nur drei Minuten reden, so dass man wieder etwas aufholen werde. Es sei gesagt worden, dass Fußball keine Sozialutopie sei. Dem müsse er widersprechen. Wenn dem so gewesen wäre, dann hätte es keine Retteraktion gegeben und man hätte vor 2.000 und nicht vor 20.000 Menschen in der Regionalliga gespielt. Daran gelte es zu erinnern, weil die Fallhöhe schwindelerregend geworden sei. Man müsse nun den Blick auf das wesentliche gerichtet werden.

Er höre häufig, dass früher alles besser gewesen sei. Naja, da sei Helmut Schulte noch Trainer, Schorsch Volkert Manager gewesen, der Ball sei noch aus Leder gewesen und auf dem Rasen habe man Wumbo und die Miss DDR bewundern können, wobei letztere mit „Ausziehen, Ausziehen“ Rufen bedacht worden sei. Da sei man dann doch ein gutes Stück weg von diesem Kommerzialisierungszirkus. (Oh wenn er gewusst hätte, wie er diese Worte nur ein paar Tage später fressen würde. Ich sage nur Susis Showbar.)

(Nur mal kurz: Da sieht man a. wie verarscht man vom Präsidium wird, b. das natürlich alles möglich ist und das c. das Pauli-willigeFrauen-Sex-Kiez-Ding gnadenlos für die männliche Kundschaft durchgezogen wird.)

Trotzdem habe man mehr Umsatz als damals. Und er setze sich dafür ein, dass man ähnlich wie das IOC (hier hielt ungefähr jeder die Luft an, denn das ist ja bei Antikommerzialisierung ungefähr das schlechteste Beispiel) das Stadion frei von Werbung mache. Er wolle seine Position weiterhin dazu nutzen, dass man sich gegen das Splitting der Spieltage stärker einsetze und sich dort mit Vereinen, die ähnlich denken vernetze. Dies sei aber nicht alles, man müsse für mehr günstige Karten arbeiten. Unangepasste müssten mehr Raum haben. Die Stadionordnung dürfe nicht zu einer Klosterordnung werden. Man dürfe das Herz von St. Pauli nicht nur an Spieltagen besingen.

(Für seine Verhältnisse eine sehr kämpferische Rede.)

Tay Eich

Er sei 2002 Aufsichtsratsmitglied. Er habe damals gesagt, dass seine Bewerbung ligaunabhängig sei und dies gelte auch jetzt noch. Worauf komme es jetzt an? Es gäbe zwei wichtige Punkte. Zum einen die Tribüne, dabei sei es wichtig, eine Fanbeteiligung herzustellen. Weiterhin dürfe die Belastung durch die Finanzierung nicht zu groß werden. Man müsse die Umgestaltung als FC überleben. Der FC stehe für Fußball pur, so wie man ihn als kleinen Jungen erlebt habe und sich in ihn verliebt habe. (Aufgrund der Susi Showvbar Geschichte klingen solche Sätze wie der blanke Hohn) Es gebe Veranstaltungen, wo uns Entscheidnugen nun abgenommen seien. Durch die Umgestaltung des Stadions sei man schon sehr gebunden. Man müsse ein Konzept für die nächsten 20 Jahren finden, wo der Kern des FC berührt wird und der FC nicht Sklave seines Stadions wird.

Man dürfe nicht der Logik verfallen, wo die Finanzierung Tabellenplätzen abhängt und man diese Tabellenplätze als gegeben ansieht, wie es bei Bielefeld oder 1860 der Fall war. Dies müsse man überlegen, wenn man nun weiter plant. Man habe nun 20 Millionen Verbindlichkeiten auf der Uhr, dann 30, dann 40 Millionen, die dann auch getilgt werden müssten.

Man dürfe auch nicht vergessen, dass sich Banken 3 bis 5 fach absichern würden und man habe nun schon sehr viel weggeben. Es dürfe nicht irgendwann so sein, dass man den Stadionnamen verkaufen müsse um das Stadion zu finanzieren.

Er sei bei Hannover 96 gewesen und habe dort die Fans in der Kurve bemitleidet, die gegen eine volle Dauerbeschallung und Dauerbespassung in einer riesigen Lautstärke ansingen mussten. So etwas wolle er nie am Millerntor haben.

In der Fragerunde wurde dann noch mal auf dem Prozess von damals rumgeritten. Aber ohne wirklich neue Erkenntnisse.

(Seien wir ehrlich: Tay Eich kommt immer so etwas von oben herab rüber und seine öffentlichen Auftritte waren nicht immer von Eleganz gekrönt. Aus meiner Sicht bringt er trotzdem eine nicht ganz unwichtige Fachkompetenz mit.)

Jens Feldhusen

Er wolle sich vorstellen, er habe bisher keine Funktion, er fühle sich dem FC aber schon seit Jahren verbunden und wolle sich jetzt mehr einbringen. Er sei aufgewachsen in Hamburg und wohne nun in Sevetal. Sein Großvater habe ihn zum ersten Mal mitgenommen, dafür sei er ihm immer noch dankbar.

Seit dem Tiefpunkt 2003 sei der Verein im Umbruch und sei professioneller geworden. Dies sei auch gut so. Man habe immer davon geträumt, dass man ein neues Stadion haben wolle und dies sei nun halb verwirklicht. Das ganze habe sich aber auch verselbstständigt und es bestünde die Gefahr, dass Mitglieder und Fans abgehängt werden. Die Leitlinien würden das Lebensgefühl richtig wiedergeben, es sei ihm wichtig, dass man bei aller Professionalisierung darauf achte, dass man die Ideale nicht unterbuttere. St. Pauli solle ein Verein für alle bleiben und keine Werbeveranstaltung wie im Volkspark, sondern Fußball für Fans. Man müsse die einzigartigen Werte erhalten. Dafür müsse man sich immer wieder selber darauf hinweisen, sonst würde man eines Tages erkennen, dass man bereits ein Verein wie jeder andere auch sei.

Er sei im Messeevent Bereich tätig und qualifiziere sich auch deswegen für die Aufgabe. Auch in seinem Job müsse er schnell Entscheidungen mit Blick auf das Wesentliche. Er würde sich freuen mit Rat und Tag einbringen zu können.

Roger Hasenbein

Er spare sich persönliche Dinge wegen der Zeitbegrenzung. Er habe in den vergangenen Jahren in verschiedenen Gremien für den FC gearbeitet. Es sei ihm dabei darum gegangen, die Interessen der Fanszene zu vertreten und auch die Belange der sporttreibenden Abteilungen hervorzuheben und nicht nur den Profibereich zu hypen. Der AR sei dabei kein Geheimbund, Transparenz könne geschaffen werden, Ansprechbarkeit mit Fans sei nötig. Es werde viel von dem anderen Verein gesprochen. Es müsse das besonderedurchgesetzt werden und zwar legal und für und mit den Fans.

In der Fragerunde wurde danach gefragt, wie man mehr Leute einbeziehen könne, denn in der Versammlung sässen ja gerade mal 3 bis 4 Prozent der Mitglieder. Roger meinte, dass dies sehr enttäuschend, es sei ein allgemeines Problem, er könne aber nur dafür werben, sich einzubringen, wo wenn nicht hier. Denn hier würden doch die Grundsätze des Vereines entschieden und es läge den Mitgliedern, nur so sei es möglich, entscheidend seien Taten und nicht blumige Worte „hier heute Abend“.

(Tja und dann kommt bei der nächsten Krise wieder der Mob, hat nie am Vereinsleben teilgenommen und will wieder alles nach dem, was in der Presse steht. Schade, aber wenn Roger ein Patentrezept dagegen findet, dann wähl ich ihn zum König. Ansonsten: Kurze Rede, viele Stimmen.)

Jens Kauerauf

Er habe eine Dauerkarte Stehplatz, sei 42 und Diplom Volkswirt, er habe Schulte mit Bananen beworfen, Hoeness mit Pfennigen, er habe sich eine LDK gekauft, er möchte nun was zurück geben. Der FC habe ihn geprägt und er würde gerne was zurückgeben. Er habe lange im Sponsoringbereich u.a. im Zusammenhang mit dem BvB gearbeitet. Er bringe also die Expertise mit.

Vermarktung sei eine Stärke und auch eine Gefahr. Man habe 19 Millionen Sympathisanten, aber diese hätten den Verein nicht gegründet und seine Werte begründet. Dies hätten die Mitglieder und man müsse sich bewusst machen, wie stark man sei, wenn man solidarisch handeln würde und alle bei Entscheidungen mitnehmen würde.

Es sei hammer enttäuschend nun leere Sitze zu sehen, weil die Business Seats nicht ausverkauft seien. Man müsse mehr Plätze haben, die keine Business Seats sind. Die Stimmung leide unter den vielen Business Seats, man sehe auch, dass die Vermarktung mit ihrem Latein am Ende sei, wie man daran sehe, dass nun die Sitze für 99 Euro angeboten würden. Man müsse sich auch fragen, warum man nicht dann 120 Euro genommen hätte und dann den Überschuss an Fanräume oder den Fanladen gespendet hat. Dies klinge populistisch, sei aber für ihn der richtige Weg. (Naja es ist auch populistisch und so ein Aufschlag ist auch immer problematisch, da dann der Eingang ins Stadion immer mehr durch Reichtum reglementiert wird.)

Warum solle man so etwas nicht machen? Ideen gäbe es viele , aber einer Idee stehe er sehr skeptisch gegenüber, nämlich der des TÜVs (gemeint ist die Zertifizierung) . Man müsse fragen, was das Spaß koste, denn man könne das Geld wahrscheinlich besser anlegen. Wenn man für 30 Leute einen TÜV beauftragen wolle, dann habe man bisher sehr viel falsch gemacht. Daher müsse man sehr kritisch fragen, was der Spaß koste. (Er nannte noch eine Zahl, die ich mir nicht aufgeschrieben habe und die auch direkt vom Präsidium dementiert wurde. Ich kann das ganze nicht abschließend beurteilen, aber was auffällt: Wenn ich so etwas kritisiere, dann sollte ich ungefähr einen Plan haben, wieviele Leute beim FC arbeiten und das sind dann doch deutlich mehr als 30. Ich schätze mit allen Trainern etc. kommen wir wahrscheinlich in den 3 stelligen Bereich.)

Christoph Kröger (Doktoren gibbet hier nicht)

Er habe 2002 den Fanclubsprecherrat mit gegründet und sei dann in den Aufsichtsrat gewechselt, in dem er seit 2003 sitze und zwar als stellvertretender Vorsitzender. In diesen Jahren sei ganz viel passiert. Man sei ganz unten gewesen und nun sei man über die Sanierung in die Bundesliga gekommen und sei ein gesunder Verein. Man habe sich einen eigenen Weg erarbeitet und sei im Viertel verwurzelt. Dies habe man mit viel Schweiß und Tränen erreicht und sich dabei auch mal gestritten. Man habe sich zusammengerauft und dann gezielt zusammengearbeitet für unseren Verein. Mit diesem müsse es vorwärts gehen, damit es unser Club bleibt und man nicht einen Besitzer bekäme. Man könne Partner haben, aber immer in der Lage sein, selber zu bestimmen, wen man als Partner nehme.

Es sei dringend Zeit sich auf den ideelen Bereich zu konzentrieren, man müsse die Leitlinien leben und dafür Verantwortung übernehmen. Man müsse näher ran an die Fans. Er wolle für seinen Fußball und seine Ideale erstreiten, definieren und erhalten. Er wolle sich weiter an diesem Balanceakt beteiligen.

Christoph Luchs

(Die Damen hinter mir meinten, der sähe aus wie Mirko Slomka, aber diese Beurteilung erfolgte aus ca. 50 Metern)

Er sei 44 Jahre, Jurist und sei in der Verwaltung der freien und Hansestadt Hamburg angestellt. Er sei Mitglied des FC seit 2003 und habe seit 2004 eine Dauerkarte. Seine Frau sei da cleverer gewesen, die habe schon 15 Jahre länger eine. Er habe aktiv Fußball in der Kreisklasse gespielt, sei aber dort eher das Modell Timo Schulz gewesen. Aber dies passe nicht zum FC und mit 11 Technikern könne man nicht gewinnen. Er sei ein Newcomer, käme nicht aus einer Funktion, aber er habe Lust darauf Verantwortung zu übernehmen. Er sei der Meinung, dass es auch im Aufsichtsrat die Mischung mache, zwischen neuen Kandidaten und alten Hasen. Die neuen Kandidaten könnten dann einen neuen Blick auf die Sachen werfen und seien auch nicht in irgendwelchen Scharmützeln verwickelt gewesen.

Inhaltlich könne er sich seinen Vorrednern anschließen. Er habe drei Punkte besonders im Fokus. 1. Kommunikation, Dialog mit den relevanten Gruppen verstärken und bei Entscheidungen frühzeitig reden.

2. Man sollte an gewissen Dingen festhalten, so sei der Stadionname nicht zu verkaufen.

3. Man sollte wenn möglich den Profibereich nicht ausgliedern, sondern den im Verein behalten, außer es sei unbedingt notwendig.

Er habe 15 Jahre Berufserfahrung auch in Führungsverantwortung und mit Gremienerfahrung, er bringe dies mit uns seinen gesunden Menschenverstand. (Das haben Juristen nicht)

Sein Herz gehöre zu St. Pauli und er wolle ein Ohr für Fans und Mitglieder sein. Der Aufsichtsrat sei kein Abnickverein, aber auch nicht aus prinzip dagegen, sondern müsse kritisch konstruktiv agieren. Man müsse offen und transparent handeln.

Georg Möller

Er merke, dass inhaltlich seine Positionen schon von anderen Leuten genannt wurden. Er merke auch langsam, dass er ein alter Sack werde, er würde nun gerne dem Verein etwas zurückgeben. Viertel und Verein seien für ihn immer Orientierung und Halt gewesen.

Er komme aus der APO Bewegung. Er bekämpfe die drei deutschen Devisen „Das haben wir schon immer so gemacht, das haben wir noch nie so gemacht, da könne ja jeder kommen.“ Er wolle, dass die Straße nicht nur ein Werbegag sei, sondern er bringe die Straße auch in den Aufsichtsrat. Er wolle das Scharnier zur Basis sein und rege regelmäßige Informationstermine an, bei Auswärtsspielen auch mal auswärts.

Charity und Marketing seien wichtige Themen. Hoeness mache ja auch Charity, weil es eben im Marketing was bringe. Marketing dürfe aber nicht über dem Verein stehen. Man müsse zwar professionell, aber nicht kommerziell werden. Man müsse klären, was sei machbar, was sei erlaubt. Man müsse realistisch sein und das unmögliche versuchen. Sehen, verstehen, handeln müsse das Motto sein und man müsse wie in schweren Zeiten, auch in guten Zeiten entsprechend arbeiten.

(Was vielleicht schon hier deutlich wird: Es erzählt jeder das gleiche. Der ist mir wenigstens mit seinem Spruch von der Straße im Gedächnis geblieben.)

Alexander Müller Elsner

Er sei 50 Jahre alt, verheiratet und habe eine 14 Jährige Tochter. Die sei auch fußballbegeistert. Er sei es seit 17 Jahren und werde es auch lebenslang bleiben. Er hoffe nicht zu langweilen, aber es sei eine Ehre hier zu stehen und eine Ehre zu kandidieren. Er kandidiere nun zum zweiten Mal, weil er der Auffassung sei, dass man sich engagieren müsse. (Und er muss sich hier natürlich fragen lassen, wo er denn in den letzten 4 Jahren mit seinem Engagement war. Und da muss man eben zwischen der Position als Sponsor (absolut löblich) und ehrenamtlichen Aktivitäten auch ohne Wahlamt unterscheiden.)

Er habe kein Wahlprogramm, es ginge hier um eine Kontrollfunktion nach der Satzung und nicht um mehr oder weniger. Er wolle die Interessen der Mitglieder und der Fans einbringen. Fußball sei ein Geschäft, dies müsse man akzeptieren, man könne sich diesem nicht entziehen, wenn man im Profigeschäft spielen wolle. Man müsse dafür sorgen, dass man die Identität wahre, dass man nicht unsicher werde, ob es wirklich der andere Verein sei. Dies sei die Aufgabe

Er bringe 16 Jahre Erfahrung als Unternehmer und eine ausgeprägte soziale Ader mit. Er sei entscheidungsfreudig und biete Verstand und die notwendige Ernsthaftigkeit.

(Ich habe nebenbei soweit wie möglich die Bitte um die Stimmen und die Liebe zum Verein am Ende gekürzt. Das formulieren alle beinah gleich. Was ich bei Müller-Elsner nicht verstehe ist, dass der die vier Jahre zwischen den beiden Wahlen nicht zu ein bisschen Wahlkampf genutzt hat. Der hätte dann garantiert eine Chance auf mehr Stimmen gehabt.)

Markus Schulz

(Auf die Rede hatte wahrscheinlich jeder im Saal gewartet)

Er sei 44 Jahre alt , verheiratet und einen Sohn. Er habe in der F Jugend beim FC Fußball gespielt, sei nun Mitglied in der Bowlingabteilung, stehe in Block 3 der Gegengerade und sei bis vor kurzem im Vorstand gewesen und für die Finanzenverantwortlich. (Bei mir fiel eigentlich hier schon alle Klappen. In Block 3 stehen wird für alle hinter ihm sitzenden etwas schwierig. Zugegeben ist die Blockbenennung der Gegengerade nicht gerade einfach, aber als ehemaliges Präsidiumsmitglied kann man wissen, dass die Stehblöcke DEF sind und die Sitzblöcke 1 bis 8)

Er sei für die Finanzen verantwortlich gewesen, habe diese mitgeprägt und sei auch der Meinung einen guten Job gemacht zu haben. Er habe die Vermarktungsrichtlinien miteingeführt. Er glaube, dass man ein gutes und starkes Präsidium habe, welches aber auch einen guten und starken Aufsichtsrat brauche. Die Fehler habe man das letzte mal in guten Zeiten gemacht. Es gebe genügend Chancen, aber auch genügend Risiken. In der Vermarktung, in der Finanzierung des Stadions und der Kollaustraße, man werde nicht immer erste Liga in der Zeit der Finanzierungen spielen. Man brauche dann ein gutes Präsidium und einen Aufsichtsrat, der sich kompetent einbringen kann.

(Das habt ihr bisher bei allen gehört. Ich glaube das ist auch so ein bisschen das Problem gewesen, dass beinah kein Kandidat eigene Akzente setzen konnte.)

Er müsse aber noch auf die beiden Rs eingehen. Rücktritt und Rache. (Na endlich wird es mal spannend an diesem Montag abend)

Er habe zum Rücktritt erst was sagen wollen, wenn die Wahlen vorbei sind, darum sei er auch vom Präsidium gebeten worden. Es habe bei der internen Abstimmung, wer denn Präsident werden solle, zwei Kandidaten gegeben und die Abstimmung sei 3-1 ausgegangen für Stefan Orth. Dies sei Demokratie und in Ordnung. Um dann keine Risse von innen zu schaffen, sei es besser gewesen zurückzutreten. Da er die Präsidentenwahl nicht belasten wollte, habe er auch die Schnauze gehalten. Das sei eine gute Lösung und nun beendet. (Ja, soweit kann man ihm folgen, aber genau, die Frage die nun brennt ist: Ja und warum wirst du nun Aufsichtsrat? Oder: Warum dieses klare Votum des Restpräsidiums?)

Rache: Wenn, dann hätte er ja gleich an die Medien gehen können. (Das ist eine mitgesprochene Drohung in dem Sinne von „Ich kenn jede Leiche im Keller und das geht auch jetzt noch.“) Wenn man seine Vita kenne, dann wisse man, dass das ganze auch sein Baby sei und er wolle, dass das positive anhalte und nicht in den Keller gehe. (Und auch hier wieder die Frage, die auf der Hand liegt: Ja, warum dann der Rücktritt? Und zwar zweimal? When the going get’s tough, the tough get’s going. Und das meint nicht nach Hause in den Schmollwinkel.)

Und nun kommt’s: Niemanden in der Versammlung interessierten diese Fragen. Beifall, Abgang, fertig.

Lars Sörensen

Er sei Diplom Finanzwirt und Steuerberater, komme also aus der Steuerecke. Er sei seit 1998 Mitglied der Fußballabteilung und von 2001 bis 2007 Kassenprüfer gewesen. Da habe er sich schon immer mit Markus ärgern müssen. Seit 2007 sei er Aufsichtsrat und für die Kontrolle der Finanzen zuständig. Er habe die Erkenntnis gewinnen müssen, dass man nur dann eine Zukunft habe, wenn man grundsolide wirtschafte. Man habe immer dann die Fehler gemacht, wenn es einem gut ginge. Bei aller Euphorie über sportlichen Erfolg müsse man sich immer wieder der Wirklichkeit stellen und sich fragen, wie man Kollaustraße und den eventuell noch kommenden Gegengeradeumbau zahlen solle. Woher bekäme man diese Mittel? Wie könne man investieren. Vieles würde sich rapide durch einen Abstieg ändern. (Da lesen sie wieder die Bielefeld Angst)

Man habe sich finanziell entwickelt, aber man sei noch lange nicht liquiditätsunabhängig finanziert. Man dürfe sich nicht verkaufen. Man müsse langfristig planen, sowohl für die Profis, wie auch für die Abteilungen. Ein Schwerpunkt müsse dabei die Spielstätten sein. Um dies alles zu leisten müsse das Berichtswesen ausgebaut worden. Eine konsolidierte Bilanz, monatliches Reporting seien ein guter Weg, aber bis das alles perfekt sei, sei es noch lang.

(Sie lasen jetzt die Statements von 13 Kandidaten. Mal ganz ehrlich: So vier Wochen später: Wäre euch noch eine der Reden wirklich im Kopf geblieben? Nein, es wurde eigentlich prinzipiell 13 mal das gleiche gesagt. Erstaunlich oder? Natürlich ist unser Aufsichtsrat ein Kontrollorgan mit wenig kreativer Macht, aber dass auch die Newcomer nicht versuchen auf eine ganz andere Karte zu setzen, ist schon erstaunlich.)

Die Anwesenheit

414 Mitglieder, 403 stimmberechtigte. (Peinlich, oder?)

Die Ehrungen

Ich spare mir hier die einzelnen Namen aufzuzählen, die für ihre Mitgliedsjahre geehrt wurden. Ausnahmen möchte ich machen für Günter Peine und Kuddel Kuhnert, die beide 80 Jahre Mitglied im FC sind. Beide sind 90 Jahre alt und gerade Günter Peine ist fit wie ein Turnschuh. Beide haben sich ehrenamtlich engagiert in diesem Verein (Günter deutlich mehr, aber das sei bitte keine Wertung) und beide seien hiermit mit den besten Wünschen versehen.

Günter Peine trug noch ein Gedicht vor, was zu folgender Feststellung führte: Er hätte bei 30 Sekunden und gerappt alle Chancen gehabt.

Dann gab es noch Ehrungen, die von besonderen Leistungen außerhalb des sportlichen Bereichs abhängen: Wolf, Benny Adrion, Bodo, Sven Gronau, Uwe Doll seien hier nur mal genannt. (Ich finde die Ehrung von Wolf richtig, aber sind eigentlich Reiner und Kollegen schon mal geehrt worden?)

Ingeborg Schnell und Familie Rittmeier wurden noch geehrt, wobei letztere einen Auswärtsreisegutschein bekamen. „Nach Stellingen“ war der Kommentar vom Übersteiger.

Die sportlichen Ehrungen hatten als Highlight Michael Meeske für den Gewinn seiner Altersklasse bei den Cyclassics (immerhin das kann er). Und die Julius Leber Gesamtschule für den Gewinn der deutschen Schulmeisterschaften. Die anderen spar ich mir, auch wenn das alles beachtliche Leistungen sind. Ihr seid alle St. Pauli!

Und abschließend: Das Ergebnis

422 abgegebene Stimmen

4 ungültig

Roger Hasenbein: 267

Michael Burmester 254

Lars Sörensen 211

Uwe Doll 177

Christoph Kröger 172

Marcus Schulz 166

Tay Eich 154

(Und um dann mal den Abstand zu dokumentieren, auch noch die anderen Kandidaten.)

Lucks 75

Müller Elsner 64

Kauerauf 64

Möller 33

Feldhusen 13

Belchhaus 12

Das nenn ich mal einen ordentlichen Abstand. 79 Stimmen zwischen dem letzten gewähltem und dem ersten nicht gewählten sind schlichtweg krass viel. Da kann man nur draus schließen, dass der Aufsichtsrat aus Sicht der anwesenden Mitglieder soviel nicht falsch gemacht hat. Und wenn selbst so eine prominente Bewerbung wie MS nur 166 Stimmen erhält, dann ist das schon deutlich.

Fazit?

Drei Wochen nach der eigentlichen Versammlung bin ich dann auch endlich mit der Aufarbeitung fertig. Der Blog und insbesondere die Fotoseite hat erheblich darunter gelitten. Ab nächste Woche mache ich mich daran, dies alles aufzuarbeiten. Ich wünsche allen Lesern eine geruhsame Vorweihnachtszeit und wir lesen uns spätestens zur nächsten JHV wieder.

Viva St. Pauli!