Mrz 302019
 

Hallo Loide!

Die Redaktion dieses Presserzeugnisses im nicht herkömmlichen Sinne versteht sich als Kollektiv, aber die Einleitung wurde durch ein einzelnes Mitglied verfasst, welches diesen Artikel unbedingt mit einer schlechten Analogie beginnen wollte, also here we go:

Ein Besuch des Millerntors ist wie der der Schule früher. Eigentlich würde man lieber hinter der Sporthalle Bier trinken und Gras rauchen oder ganz zuhause bleiben, aber irgendwo versteht man es doch als individuelle Pflicht und geht häufiger hin, als es der eigenen Gesundheit vielleicht gut täte. Und an machen Tagen hat man ein besonders schlechtes Gefühl, weil man am Vorabend lesen musste, dass morgen eine Mathearbeit ansteht. Und während man sich im Klassenzimmer sitzend gerade fragt, warum man überhaupt jemals Stochastik lernen sollte, erfährt man, dass der Lehrer krank ist, es wird keine Klausur geben und der Tag ist gerettet.

So ein schlechter Tag schien jedenfalls der vergangene Freitag zu werden. Nach der Stellungnahme des Vereins zu den kommenden Einschränkungen für die Südkurve hatte niemand recht Lust, sich Richtung Stadion zu begeben. Und wenn dann vor dem Spiel ein übereifriger Sponsor noch Astra Weizen feilbietet, weiß man auch nicht mehr so genau, was hoffnungsloser ist: Die Perspektive auf dieses Spiel oder der Versuch der Brauerei mit Herz und Anker, Kellerbier auf den Markt zu werfen. Aber es sollte doch in Teilen ein guter Tag werden. Im Zentrum des Interesses stand selbstredend die Reaktion der Südkurve auf die Kontroversen der vergangenen Wochen. 

Die Aktion mit den roten Sturmhauben und dem „Pyro ist für ein rotes Tuch“-Banner war ein gut gewähltes Stilmittel, denken wir. Auch die Solidaritätsbekundungen auf Nord und Gegengerade sprechen möglicherweise dafür, dass sich die Wogen etwas glätten. Schön, dass irgendwer auf der GG mit einem “Gegen Kollektivstrafen”-Banner auch mal die “Verantwortlichen” daran erinnern, dass wir wissen, warum wir hier stehen. 

Quelle: Privat

Der Verein selbst machte seine komplett verfehlte Rhetorik in der Stellungnahme zumindest ein kleines bisschen wieder gut durch die Erklärung der Solidarität mit der Ida-Ehre-Schule vor dem Spiel. Der öffentliche, von rechts erzeugte Druck gegen die Schule kann bestenfalls noch als absurd bezeichnen werden. Die Rolle von MOPO, Abendblatt und sonstigen Medien ist einmal mehr ein erschreckendes Beispiel für des Fehlen jeder kritischen medialen Öffentlichkeit in der Hamburger Lokalpolitik. 

Sportlich kann diese Saison als aufgegeben bezeichnet werden. Einen so auftretenden Gegner sollte man eigentlich an die Wand spielen und mit 5:0 vom Platz gehen. Dass wir der sportlichen Leitung in den letzten Wochen nicht viel Kompetenz zutrauen, sollte kein Geheimnis sein. Dass das Verlieren und schlechte sportliche Leistungen immer noch als USP (haha) des Vereins verstanden werden, ist zunehmend nervig. Klar, sind die sportlichen Resultate nicht das Wichtigste, wir wollten eigentlich mal für Werte stehen und würden den Verein auch lieber als Vorfeldorganisation der Kommunistischen Partei sehen. Aber dieses Fixieren auf das Verlieren als Teil der Identität ist extrem ungeil. Irgendwann wollen wir auch mal nach vorne und nicht nur zurück. 

Aber wie gesagt, die Saison ist gelaufen, Aufstieg könnt ihr knicken, wollt ihr ja eh alle nicht. Trotzdem war es ein schöner Abend und wir blicken mit deutlich mehr Zuversicht auf den FCSP als noch am vorherigen Tag. Aber denkt dran, der Mathelehrer ist nur krank gewesen, die Klausur wird noch stattfinden. Probleme werden noch auszudiskutieren sein. (Fuck yeah, Literaturnobelpreis ist entschieden dank dieser Analogie!)

Neulesende und Kommentierende

Da uns das Hamburger Abendblatt gerade als “beliebtes Blog” bezeichnet hat und die letzten Artikel auch ziemlich viele Neuleser hatten, hier ein sehr herzliches Willkommen. Wer wir sind, findet ihr hier. Wir freuen uns, wenn ihr uns lest, und wir freuen uns, von euch zu lesen. 

Leider muss hier mal ein allgemeines “aber” folgen. Wir haben eine Kommentarfunktion und freuen uns über eure Meinungen, muss ja nicht unsere sein. Aber mal ganz ehrlich: Wir schreiben über ein Thema drei ausführliche Berichte mit tausenden Argumenten und einen Rant und euer Kommentar ist “aber die Ultras sind doof, da ist Schlimmes passiert, da muss nun alles bestraft werden”? Und damit meint ihr, jemanden mit anderer Meinung zu überzeugen? Oder einen konstruktiven Dialog im FCSP zu fördern? Nun ja. Wäre vielleicht cooler, dann einmal um den Block zu rennen, noch mal nachzudenken und vielleicht die Welt dann anders zu sehen. 

Unser Blogsenior verehrt bekanntermaßen so eine Altherren-Punkband und wir hatten hier früher ein Textschnipsel stehen, der immer noch gilt für uns, für euch, für alle: 

“A righteous student came and asked me to reflect
He judged my lifestyle was politically incorrect
I don’t believe in self important folks who preach
No Bad Religion song can make your life complete” 

Und zu guter Letzt: Unser Blog, unsere Regeln. Wenn ihr hier was schreibt, behalten wir uns das Recht vor, es zu kommentieren, zu löschen oder zu ignorieren. “Warum kommentiert ihr hier denn alles”, fragte letztens ein Kommentator. Weil wir es können. Ganz einfach. 

Auf dem Platz

Bereits nach dem Derby hatten wir mehr Kampf und Einsatz auf allen Ebenen gefordert. Und das ging gestern definitiv in die richtige Richtung, auch wenn uns nicht ganz klar ist, was der taktische Ansatz war und warum wir bei 4 Punkten auf den Tabellendritten nicht auf Sieg spielen. Gut, gestern konnte man nicht wissen, dass der unbedeutende Hamburger Verein und Berlin heute erneut Federn lassen würden. Wir rechnen lieber nicht aus, wo wir ohne die verlorenen 5 Punkte der letzten beiden Spiele gegen Abstiegskandidaten stehen würden.
Zu klären bleibt auch, warum Flum und Allagui in dieser ausgedünnten Kadersituation keine Einsatzzeiten mehr bekommen. Wir erinnern: Gewählter Kapitän und sein Stellvertreter, die in einer schwierigen Phase dann nicht auf dem Platz stehen. 

Offensivstatistiken aller Spieler in der bisherigen Saison. Berechnungsgrundlage: kicker.de

Und warum wir bei einem Spiel gegen den Tabellensiebzehnten, der während des gesamten Spiels keinen Schuss aufs Tor abgibt, dann nicht offensiv umstellen, weiß auch nur der Trainer. Kauczinski hat die Kritik der letzten Wochen scheinbar auch ernst genommen: Seine Hände bleiben nicht mehr in den Hosentaschen, sondern sind jetzt hinterm Rücken verschränkt. Wir merken schon: Da müssen wir noch präzisieren, was wir uns wünschen.
Carstens spielt erstmals als rechter Verteidiger und man sah recht deutlich, dass das nicht seine angestammte und erlernte Position ist. Wir würden uns allerdings auch mal wünschen, dass er sich mal auf einer stabilisieren kann, statt dauernd auf den Positionen durch die Gegend geschoben zu werden. Warum Park – mit dem man vorzeitig bis 2022 verlängert hatte – nicht mal mehr im Kader ist, ist uns ebenso ein Rätsel.

Es bleibt allerdings auch ein Problem, dass die in Frage kommenden offensiven Einwechselspieler in 2384 Spielminuten bisher an 9 Toren beteiligt waren. Und ohne Allagui (der gestern eben nicht zum Zug kam), ist es dann noch 1 Torbeteiligung in 1213 (knapp vorbei, sorry) Minuten.

Vergleich von Toren und Torschüssen je Spiel vor und nach Winterpause. Berechnungsgrundlage: kicker.de

Insgesamt spricht der Einbruch im Offensivspiel seit der Winterpause seine ganz eigene Sprache. Waren es in der Hinrunde im Schnitt 1.67 Tore pro Spiel, sind es jetzt gerade mal noch 0.89 pro Spiel. 
Alex Meier hat dabei 5 der 8 Tore seit der Winterpause selbst erzielt, dabei keinen Assistent gegeben. Henk hatte vor der Winterpause 6 Tore gemacht, dafür aber auch noch 5 Assists selbst gegeben. Es scheint der Vorlagengeber zu fehlen, zumal die Zahl der Schüsse pro Spiel verhältnismäßig viel weniger abgerutscht ist. Und dass Alex Meier eher selbst Tore macht statt diese anderen aufzulegen, wissen sogar wir.

Nach dem Spiel

Wir begossen die Emotionen der letzten Tage und Wochen mit Weinbar-Wein und Fanräume-Bier an Schmalzkuchen, planten Auswärtstouren nach Heidenheim und Dresden und herzten liebe Menschen. Teilweise ging es dann noch weiter ins Viertel, wo an Hamburger Jukeboxes neue Kontributoren für die Playlisten des Todes gefunden wurden und wir außerdem die letzten 10 Jahre Musikgeschichte mit “Zaz ist die französische Rammstein” zusammenfassten.
Fußball könnte so schön sein. Wenn da bloß der Fußball nicht wäre. 

  2 Responses to “Titel sind überbewertet”

  1. […] Links: – Zaphod Beebleblox: Alles schon gesehen, nur mit Toren isses schöner– Magischer FC: Titel sind überbewertet […]

  2. „Aber wie gesagt, die Saison ist gelaufen, Aufstieg könnt ihr knicken, wollt ihr ja eh alle nicht.“

    Ich habe zugegebenermaßen nach dieser Sequenz aufgehört zu lesen. Nun bin ich keinesfalls jemand der sich einen Aufstieg wünscht. Aber durch das Unentschieden von Freitag trennen St. Pauli und den Relegationsplatz nur drei Punkte und ein schlechteres Torverhältnis. Wundert mich auch 😉

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