Mrz 172019
 

Nicht eine mutlose Mannschaft hat dieses Spiel verloren, sondern dieses Banner!

Wirre Welt

Ja liebe Lesende, solche Logiken haben wir nach dem sportlichen Offenbarungseid in Sandhausen lesen müssen. Und “die Ultras” sind sowieso immer Schuld.

Das ist so absurd, dass man eigentlich gar nicht mehr ernsthaft dagegen argumentieren kann. Aber nun gut, lebt ihr weiter in eurer Zerrwelt, wir leben ganz gut in unserer.

Wir führten Gespräche, wir trafen liebe Menschen, natürlich war das Derby Thema. Komisch: In unserer Zerrwelt kann man unterschiedlicher Meinung sein und trotzdem ruhig miteinander an Lösungen arbeiten.

Lieber mit den Ultras

Wir wollten zu unseren Ultras, andere wollten unbedingt weg von unseren Ultras. Wir sind lieber solidarisch, auch wenn es mal was zu meckern gibt, ihr kennt uns. Insgesamt blieb es im Block aber auch ganz entspannt und selbst nach dem 4-0 blieb gab es untereinander nur sehr wenig stress. Liegt vielleicht aber auch daran, dass die “ich stehe seit 1910 Jahren hier und deswegen habe ich die Weisheit mit Löffeln gefressen”-Menschen eher selten nach Sandhausen fahren.

Wir sahen einen Gästeblock, der versuchte einer vollkommen saft- und kraftlosen Mannschaft mit allen Mitteln den Rücken zu stärken. Einen Vorsänger, der sowohl vor dem Spiel, als auch in der Halbzeit noch mal Engagement einforderte, weil man gemeinsam doch noch viel erreichen könnte. Und der kurz vor Schluss zu einem ruhigen Verlassen des Blocks aufforderte. Was die meisten auch machten. Anderen war während des Spiels nach Anfeuern zu Mute, wieder anderen nach Unmutsbekundung. Alles okay, so lange es im Rahmen bleibt. Nicht im Rahmen sind konkrete Drohungen gegen Spieler (Stichwort “Kopf ab”Geste) und Würfe mit Bechern, die es nach dem Spiel. Das geht gar nicht.

Wir sahen zwar ein Plakat zum Derby, welches den Auftritt kritisierte. Was auch wieder so ein bisschen Standard ist, aber seien wir ehrlich ““mutlos” ist a) eine realistische Einschätzung und b) nun auch keine Sache von der jemand beleidigt fühlen sollte. Insofern vollkommen okay, egal ob man den Inhalt nun teilt oder nicht. Außer man lebt auf einem ganz komischen Planeten. Und wie immer: Die Ultras müssen ja nun nicht Plakate malen, die euch gefallen.

Der Stürmer-Vergleich gegen die Mopo ist dagegen unterirdisch. Ja, die MoPo ist Scheisse (auch wenn sie nach dem Attentat in Christchurch zuletzt ein vernünftiges Cover hatte – aber auch ein blindes Huhn findet ja ab und zu mal ein Korn) und das kann man gar nicht oft genug äußern. Aber so ein Vergleich ist immer eine Relativierung des Originals und das ist nie sinnvoll. Selbst wenn es wie hier eine Replik auf einen total bescheuerten Nazivergleich in der Mopo ist. Man muss nicht alles reproduzieren. (Für die, die es nicht gelesen haben: Der Artikel ist seit einigen Tagen vom Online-Auftritt verschwunden.)

Auf dem Platz

Wir sahen auf dem Platz eine grausige Vorstellung. Eine Analyse in einer Grafik:

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Es ist erschreckend, wie stark unsere Mannschaft in der Rückrunde abgebaut hat. Kommt euch das bekannt vor?

Ja weil es ein Thema seit Jahren ist, bzw. sein sollte. Immer wieder gehen Halbserien komplett in die Hose oder auf gute Halbserien (definieren wir sie mal als 28 Punkte oder mehr) folgen höchstens mittelmäßige Halbserien. Konstant waren wir in den wenigsten Jahren.

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So auch in der jetzt laufenden Saison. Hinrunde 31 Punkte (1,82 Punkte pro Spiel). Rückrunde zur Zeit auf einem Kurs 22 Punkte (1,3 Punkte pro Spiel).

Und nein, das ist nicht alles “Glück” und nun “Pech”; das ist mit dem Einbruch in den Leistungswerten absolut zu erklären – das einzige wo wir einigermaßen konstant blieben sind die Zweikampfwerte. Da wo wir die Form der Hinrunde finden (Paderborn) gewinnen wir auch weiterhin.
Und noch auffälliger wird es, wenn ihr euch mal die Schlüsselspieler in der Tabelle anschaut. Der Leistungsabfall bei diesen ist erschreckend. Und da sollten Formaufbau, Motivation, Inhalte im Training grundlegend hinterfragt werden.

Nur mal so: Hätten wir in der Rückrunde bisher einen Schnitt von 1,5 Punkten pro Spiel, hätten wir 2 Punkte mehr, mit 1,8 4 Punkte mehr. Man muss Spiele gegen Aue, Darmstadt und Sandhausen nicht verschenken. Und der FCSP muss sich langsam in Ingolstadt entschuldigen.

Ein Trainer, der nach einem solchem Spiel die Verunsicherung anspricht und meint, er habe keine gestandene Spitzenmannschaft macht es sich zu einfach. Es ist seine ureigene Aufgabe, nach so einem Rückschlag die Mannschaft einzufangen und auf das nächste Spiel zu fokussieren. Und vor dem Spiel wurde noch behauptet man habe sich darauf eingestellt. Davon war leider gar nichts zu sehen.
Und es war noch nie unser Stil jetzt auf einzelne Spieler zu zeigen. Das ist kein individuelles sondern ein kollektives Problem. Auf das die Verantwortlichen in der Länderspielpause (No Borders, No Nations!) hoffentlich eine gute Antwort finden.

Was sahen wir noch?

Der örtliche “Veteranen”-Fanclub, der ohne Witz einen Che Kopf auf seiner „vor dem Spiel auf dem Platz schwenken” Fahne hat.

Ein Vereinslied mit sinngemäß folgenden Zeilen:
„Unsere Farben sind schwarz weiß, darauf sind wir heiss, es sind die Farben der Nation das ist bei uns schon Tradition“

Egal welche Nation hier gemeint ist (Preußen?), keine Tradition in die man sich stellen sollte, wenn ihr uns fragt.

  5 Responses to “Die Fa.. äh Ultras sind schuld!”

  1. Kann ich alles so unterschreiben, danke für den Beitrag!

    Als Ergänzung zu den letzten Absätzen noch: Ich fand auch dieses Sandhausener „Syndikat 1916“ äußerst suspekt. Der Typ, der die Syndikatsfahne vor dem Spiel auf dem Platz geschwenkt hat, hatte ein fettes eisernes Kreuz auf seiner schwarzen Bomberjacke. In dem Kreuz stand etwas, kann aber nicht mehr genau sagen, was. Ich glaube, 1916 (also klarer Bezug zum Verein und zum Fanclub), aber ohne Gewähr. Ich kenne die Szene in Sandhausen überhaupt nicht, war gestern das 1. Mal dabei, deshalb weiß ich das überhaupt nicht einzuordnen in Bezug auf rechts/nur rechts wirkend, aber gut fand ich’s nicht.

  2. Mieser Auftritt des Teams, das mal vorneweg. Glücklicherweise geht es ja nur um Fußball und wir sind ja immer noch auf Platz 4.
    Eine Bitte an Euch hier und alle die anderen Blogs. Hört doch endlich mal auf, an jeder Ecke einen Fan-Disput herbeizuschreiben. Wisst ihr was: ich stehe in der Tat seit 1989 im Stadion, habe die Weisheit seitdem ebenso wenig mit Löffeln genossen wie ihr oder USP und fahre in der Tat eher selten nach Sandhaufen.
    Können wir jetzt mal bitte wieder zu einem miteinander kommen? Kein „echter Fan“ (oha, weit aus dem Fenster jetzt) hat etwas gegen unsere Ultras, anders herum erwarte ich die gleiche Toleranz. Ich maule ja nu auch nicht ständig herum, weil mir „die Ultras“ zu lange das gleiche Lied singen oder was auch immer.
    Vielleicht finden wir ja zunächst mal einen Konsens darüber, was gar nicht geht, egal ob am Millerntor oder auswärts. Zum Beispiel Becherwürfe auf das eigene Team, zum Beispiel vermummte Kiddie-Hooligans zu Hause.
    Kriegen wir das mal hin? Und dann sprechen wir gerne am 04.04. auch über alles weitere.
    Dann sprechen wir gerne darüber, dass es im Stadion verschiedene Arten von Fans gibt, die (fast) alle ihre Daseinsberechtigung haben.
    Und darüber, wie wir die Saison wieder rumreißen, sprechen wir lautstark beim nächsten Heimspiel. Forza und so!

  3. Ich habe mich in Sandhausen tierisch über das ‚mutlos‘-Plakat aufgeregt. Warum ihr mir daraus jetzt eine Ultra-Antipathie oder eine verwirrte Weltsicht herbeischreiben wollt verstehe ich nicht ganz.

    Klar müssen mir die Plakate von USP nicht gefallen. Aber ich darf dennoch meine Meinung dazu äußern und auch wenn das Plakat nicht beleidigend war, so war es aus meiner Sicht nicht gerade motivationsfördernd der Mannschaft sowas beim Aufwärmen unter die Nase zu halten.

    Was den Support angeht: Aux Armes ging wie immer in Sandhausen in die Hose, aber sonst fand ich es in der ersten Halbzeit auch gut. Inklusive Wechselgesang.
    Der Vorsänger hat hier einen guten Job gemacht.

    Dass USP den Support eingestellt hat fand ich schade, konnte ich aber nachvollziehen.

  4. Moin zusammen. Sehr guter Artikel. Ich war in Sandhausen. Von Ratzeburg schon ein Ritt. Leider hatte ich nur eine Karte für den Block B2. In der Halbzeit habe ich mich dann in den B1 schleichen können, um einfach diese besondere Stimmung mitzuerleben. Und so ähnlich ist es am Millerntor. Bekomme leider nur mit viel Glück mal ne Karte und erlebe dann auf der GG das teilweise, emotionslose Fussballgeschaue.
    Ich habe das Gefühl (ist mein persönliches empfinden), dass es irgendwie zeitgemäß und in ist, Pauli Fan zu sein. Jeder wie er es mag, nur schade ist, dass Fans, die es anders leben, nicht ins Stadion kommen, weil es einfach keine Karten gibt.
    Und zu en Ultras noch ein Wort. Sie fahren nach Sandhausen, schreien sich in der ersten Halbzeit die Seele aus dem Leib (die Unterstützung von B2 und B3 war definitiv nicht vorhanden) und das, obwohl die Mannschaft gruselig Fussball spielt. Zu Beginn der zweiten Hälfte sollte das Team nochmal angefeuert werden und müssen promt das 3:0 ertragen. Enttäuscht und das mehr als verständlich, sank die Unterstützung gegen 0. Nur dann kommen einige komische Menschen auf die Idee, eben diese Jungs mir Bierbechern zu beschmeissen. Was stimmt mit denen nicht. Ohne diese Jungs wäre überhaupt keine Stimmung und daran sollten alle einmal denken. In diesem Sinn. Bis Freitag in einer Woche, falls ich ne Karte bekomme.

  5. Danke für den guten und treffenden Beitrag!
    Ein Hinweis sei mir bitte gestattet: das Auftreten einiger, nicht weniger Ultras im Block ggü. anderen Unterstützern des magischen FC könnte durchaus mal kritisch hinterfragt werden.
    Ich bin ein starker Unterstützer der Ultras und gebe sowohl zuhause in der Süd als auch meistens Auswärts immer alles für unseren Verein. Aber das, teilweise überhebliche Auftreten der Ultras ggü. „normalen“ Fans. Wir alle haben doch ein Ziel … und da fände ich einen besseren Zusammenhalt im Block hilfreich.
    Also bitte einfach mal miteinander reden, nicht einfach dumm anmachen, nur weil man gerade nur „normaler“ Fan ist.
    Bitte nicht falsch verstehen, ich unterstütze nach wie vor die super Arbeit der Ultras, aber der ggs. Respekt bleibt gerade etwas auf der Strecke.

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