Nov 302018
 

Das Ergebnis vorweg

Liebe Lesenden, schweigt! Schweigt 45 Minuten, brüllt 45 Minuten. In dieser Reihenfolge. Trinkt die ersten 45 Minuten schweigend ein leckeres Bi äh ein Astra und in den zweiten 45 Minuten wollen wir einen Roar sehen, der den Bunker zum Wackeln bringt!

Unsere Gründe lest ihr jetzt:

Es ist was faul im Staat FIFA

Liebe Millerntorgänger, es sind Zeiten, in denen vieles schief läuft im Fußball. Sei es nun Footballleaks, sei es der Umgang mit Fans durch die Polizei oder sei es die Halsstarre vieler Funktionäre. Wir lassen da nun mal Details, das kann man überall nachlesen.

Nun hat ein bundesweites Bündnis zu einem Stimmungsboykott für 45 Minuten am kommenden Spieltag aufgerufen und dies explizit wegen der abstrusen Anstosszeiten. Hier der Aufruf, wie ihn Ultras Dynamo (heutiger Gegner, deswegen die verlinkt. No love lost.) Veröffentlicht hat.

Nun wissen wir, dass es für jeden ein anderes Argument gibt, dass die Anstoßzeiten doch eigentlich ganz super sind und auch Fernsehzuschauer sind halt echte Fans und die haben gerade Montags um 14 Uhr die meiste Zeit. Ja, wir kennen diese ganzen Argumente. Aber seien wir ehrlich: Wir sind Menschen, die im Stadion stehen, die gerne auch mal auswärts fahren und die genervt sind, wenn ein Spiel in Bochum zwei Urlaubstage kostet. Und ganz ehrlich: Wir sind auch genervt, wenn wir das im Fernsehen schauen, von einem gelangweilten und uninformierten Kommentator mit Opta Unfunfacts (und nicht noch schlimmerem) genervt werden und unser Verein von dem Montagsspiel nicht einmal Reichweite hat, weil auch dieses nur bei fucking Sky läuft. Da kannst du nicht einmal Image oder neue Fans gewinnen, denn bei der Präsentation, die Sky anbietet, musst du sowieso schon im Schutzprogramm „Unzucht mit Abhängigen“ sein, um das zu ertragen.

Kurz: Es gibt gerade für einen Zweitligisten echt nicht viel zu gewinnen durch zersplitterte Spieltage. Hinzu kommt die Idee der DFL, gerne auch mal 28 Tage vorher festzustellen, dass unser Spiel in Sandhausen geil für den Montagsmarkt ist.

Egoisten

Spart uns bitte diese „uns stört das aber nicht“ Beiträge, weil ihr direkt neben dem Heimstadion wohnt, nie auswärts fahrt, direkt nach einem Fußballspiel wie ein Teddybär schlaft und am nächsten Morgen erst um 14 Uhr in eurer Kreativagentur sein müsst. Wir sind da Egoisten und protestieren, weil wir unsere eigenen Interessen durchsetzen wollen. Vielleicht könnt ihr ja überlegen, ob ihr nicht auch solidarisch sein wollt. Oder es ganz evtl. auch eure Interessen sind? Denn wer weiß, wo die DFL stoppt. In unteren Ligen war zwischenzeitlich Mittwoch 14 Uhr eine beliebte Anstoßzeit – und denkt dran, da müsst ihr dann auch mal in der Kreativagentur auftauchen. Oder wie wäre es mit sonntags 10:45? Weil man vielleicht doch eine Zeitzone gefunden hat, wo FCSP – Sandhausen ein Straßenfeger ist? Man muss diese schleichende Zersplitterung nicht hinnehmen, nur weil eigentlich jeder jetzige Termin Scheiße ist. Und glaubt uns, mit Einführung eines dritten Europapokals wird das nicht besser.

… aber die Ultras

Wir müssen – mal wieder – ein beliebtes Missverständnis über die Macher dieses Kunstwerkes namens magischerfc.de aus der Welt räumen. Nun noch einmal zum mitschreiben: Wir. sind. keine. Ultras!!* Meistens treiben wir uns in der Gegengerade rum. Wir kennen viele unserer (!) Ultras, finden so grob 90 % was unsere (!) Ultras machen eigentlich sehr schnafte, aber wir sind einfach keine Ultras.

*Man kann über die Definition “Ultra” lange streiten. Hier ist sie eng gemeint. Wenn euch die Definition des Begriffes genauer interessiert, dann hört einfach die Millernton Folge mit den beiden USP Vertretern.

Das musste mal kurz gesagt werden.

An Ultras kann man sich reiben. Gerade an Gruppen, die sich in Deutschland Ultra nennen. Es gibt genügend Vereine, bei denen sich hinter dem Banner Ultra einfach nur ein Haufen von (setzen sie hier ein Schimpfwort nach Wahl ein) versammelt. Deswegen hat sich USP ganz zu Recht nicht an diesen Bündnissen beteiligt. Jedoch: Das heißt ja nicht, dass man nicht für seine Sache protestieren kann.

Supportdiskussion in a nutshell

Fangesänge können, müssen aber nix bringen, können selbst ins Gegenteil umkippen. Und würden sie einen großen positiven Effekt haben, dann wäre Wolfsburg schon lange abgestiegen.

Vielmehr sind sie eher ein soziales gemeinsames Erleben, was a. Spaß macht und b. die eigenen Reihen (der Fans) stärkt. „Hörst du die ganze Kurve singen“ = „geil wir alle gemeinsam, als Brüder & Schwestern, wir haben was bewegt!“. Ratet mal, warum man gesungen hat, wenn man in den Krieg gezogen ist.

Wenn man das unter a. und b. gesagte mal überdenkt, dann ist es die freie Entscheidung eines jeden Stadionbesuchers, sich am Gesang zu beteiligen, wenn er sich zu dieser Gemeinschaft zugehörig fühlt. Und wenn der Ultra an sich kein Spaß am Singen hat, weil er gerade mal wieder am Montag nach Sandhausen muss, um sein Hobby ausüben, dann muss ich ihn deswegen nicht beschimpfen, liebes Forum. Ich kann das einfach mal so hinnehmen. Ultras sind keine bezahlten Cheerleader. Ultras sind Menschen, Menschen die ihre Interessen durchsetzen. Und außer ihr seid Innenminister, solltet ihr das legitim finden, denn dies ist eine Grundfeste unserer Demokratie. Ich kann für meine Interessen demonstrieren. Oder eben auch mal schweigen, wenn das für meinen Zweck zielführender ist.

Ob ich dann unbedingt an diesem Spieltag voll meinen eigenen Support aufdrehen muss, den ich sonst nie zeige, sei mal dahin gestellt. Aber die fünf Leute, die dieser Meinung sind, können das gerne machen. Siehe oben. Nur bitte wundert euch dann nicht, dass Effekt b. eher nicht eintritt mit dem Rest das Stadions.

Schweigen als Protest

Seien wir ehrlich. Es ist doof auf Support zu verzichten. Man glaubt ja immer, dies würde der Mannschaft helfen und man will ihr ja auch helfen. Und natürlich macht so ein kräftiges Aux Armes auch viel des Erlebnis Millerntor aus. Und natürlich ist es auch ein Vehikel für die gefühlte Hilflosigkeit, dass wir keinen Einluss auf den Spielverlauf nehmen können.

Hierzu kann man sich – wie bei eigentlich jeder Protestform – um die Wirksamkeit sehr streiten. Protest ist immer der Versuch, Aufmerksamkeit zu generieren. Google definiert Protest wie folgt: „das deutliche Ausdrücken, dass man mit etwas nicht einverstanden ist und eine Änderung verlangt“ und gibt als Beispiel „energischer/stummer/wütender/zorniger Protest“ ·

Ist das Schweigen nun das wirksamste und vielleicht auch mildeste Mittel? Ja, da kann man sich die Köpfe heiß reden und optimal ist das alles nicht. In einer Welt in der eine bundesweite Fandemo aber von Medien mit keinem Wort erwähnt wird, ist die Reaktion auf das Schweigen schon sehr breit. Aufmerksamkeit erhalten. Jeder Trainer lässt sich dann mit „schadet der Mannschaft“ zitieren, was eine sehr spannende Umdrehung von zahlendem Kunden und bezahltem Entertainer ist. Aber da werden die Vereinsoberen schon versucht haben den richtigen Spin in die Worte zu legen.

Lob insoweit an Kaucze, der sich wie folgt zitieren lässt:

„Ich verstehe die Fans. Sie wollen Anstoßzeiten, die für sie Sinn machen. Das wird uns zwar treffen, aber irgendwie muss man ja seine Kritik äußern.“

Proteste nerven! Und das müssen sie auch, solange weiterhin so viel im Staate FIFA faul ist.

Und eines dürft ihr auch nicht vergessen: Demos, Proteste, Kundgebungen und auch Streiks behindern, sie nerven, sie sind für den reibungslosen Alltag und das reibungslose Erlebnis doof. Aber reibungslose Verwertung ist nur für den Kapitalismus ein Wert, für demokratisches Zusammenleben und für eine offene Kultur sind sie unvermeidbar.

Und am Ende hat der Fanladen sowieso immer Recht!

  One Response to “Schweigt ihr Narren!”

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