Nov 282018
 

Der deutsche Werberat ist nun wirklich nicht bekannt dafür, sich nachhaltig und konsistent gegen sexistische Werbung einzusetzen. Aber das ist ein anderes Thema für einen eigenen Roman.
Eben jener Werberat hat am 19. November unserem Sponsoring-Partner MediaMarkt die rote Karte gezeigt (Link: https://www.horizont.net/marketing/nachrichten/maennertage-werberat-zeigt-media-markt-motiv-die-rote-karte-171159), aufgrund von “gesellschaftlich inakzeptabler” Werbung. Es ist erstaunlicherweise aber auch einfach immer noch nicht ok, Frauen einfach so anzufassen.

Klar, mit solchen Unternehmen würden der FC St. Pauli doch nie zusammenarbeiten, sollen “Sponsoren und Wirtschaftspartner des FC St. Pauli und deren Produkte […] in Einklang mit der gesellschaftlichen und vereinspolitischen Verantwortung des Clubs stehen“ (Auszug aus den Leitlinien).
Nun ja. MediaMarkt ist seit August 2018 Kapitänspartner des Vereins), bisher haben wir von dieser Kooperation (glücklicherweise?) nicht viel mitbekommen – irgendwann war da mal ne Werbebande. Aber da ist uns Congstar jetzt stärker in Erinnerung geblieben. Bis heute.
Jubelte uns die Facebook-Timeline doch die neue “Sabbel Nicht” Kampagne unter. Wir sind nun keine Werbeprofis. Besonders kreativ ist es aber nun wirklich nicht, das Interview ohne Worte vom SZ Magazin einfach so zu kopieren und mit Fussballcontent aufzuhübschen. Uns spricht das nun echt nicht an, wir sind wahrscheinlich auch einfach nicht Zielgruppe für sowas. Es soll ja auch Leute geben, die die Hornbach-Werbung witzig finden, kennen wir natürlich nicht persönlich.

Diese Doppelmoral in Bezug auf Kooperation mit Unternehmen und anderen Institutionen geht uns wirklich auf die Nerven. Man könnte sogar soweit gehen, dass die Verantwortlichen für diese Kooperationen die durchaus existenten Leitlinien immer wieder bewusst weit auslegen.
Ist dies doch nun das dritte Mal dieses Jahr, dass eine solche Kooperation einen ziemlich schalen Beigeschmack hat. Astra, immer wieder durch sexistische und rassistische Werbung auffallend, The Boss Hoss, mit Menschen, die nicht Antisemiten genannt werden wollen, kooperierend und ein “ziemlich” veraltetes Geschlechterbild auf die Bühne tragend. Und nun eben MediaMarkt.
Ganz ehrlich, da helfen dann auch keine tollen Broschüren mit PinkStinks, die genau solche Werbung eigentlich minimieren sollen. An anderer Stelle würde man da von Greenwashing sprechen.

Sponsoring funktioniert vor allem über positive Assoziationen. MediaMarkt sponsort St. Pauli und lädt damit das eigene Image positiv auf, beim nächsten Fernseherkauf hofft man dann, dass der FCSP-Supporter*in zu MediaMarkt statt zur Konkurrenz geht. Das Image wirkt aber natürlich darüber hinaus – durch die Kooperation werden auch anderen Handlungen des Unternehmens direkt und indirekt die Absolution erteilt – wieder durch das positive Image des “kultigen Kiezclubs”. (Jaja, wir spenden die 5€ ins Phrasenschwein bei nächster Gelegenheit.)
Vielleicht sind wir einfach etwas simpel gestrickt. Aber uns will nicht in den Kopf, wie man mit einem Kooperationspartner zusammenarbeiten kann, der sich vor nicht mal 4 Wochen mit Werbung hervortut, die so tut, als sei es ok, Frauen einfach so anzufassen, wenn man an anderer Stelle aktiv gegen sexuelle Belästigung Position bezieht. Wir zitieren aus der Vivavom Darmstadt-Spiel:
Während der Saisoneröffnung gegen Stoke City (28.7.) ist es auf der Gegengeraden zu einer sexuellen Belästigung gekommen, die wir nicht unkommentiert lassen wollen! Eine Supporterin des FC St. Pauli wurde aus der umstehenden Masse heraus angefasst und erfuhr bei ihrer Ansage anschließend keine Solidarität – im Gegenteil: Sie wurde belächelt. Das kann und darf nicht sein! Nicht am Millerntor und auch sonst nirgendwo! Leute, wenn Ihr etwas seht, schaltet Euch ein, unterstützt die Betroffenen und macht Ansagen! Anna schildert ihre Erlebnisse und gibt eine richtige und wichtige Handlungsanweisung für Betroffene und Zeugen.”

Wir sind mittlerweile etwas ratlos, beim 3. Mal ist es nämlich kein Ausrutscher mehr. Vielleicht ist es an der Zeit für Regeln, die weniger Interpretationsspielraum lassen.

Kleine Anmerkung in eigener Sache

Unser UA Artikel wird gerne als “Pro UA” verstanden. Und das könnte dazu führen, dass man uns Doppelmoral vorwirft.

Dies greift jedoch zu kurz und wir empfehlen den Artikel noch mal zu lesen. UA ist nicht kritikfrei, kluge Kritik notwendig und UA trifft auch nicht die Leitlinien.

Unser Artikel hat einen anderen Gedanken. Man muss auch annähernd richtig kritisieren. Sonst wird das nichts. Oder nehmen wir einen etwas hinkenden Vergleich. Nur weil man nicht bei der “Merkel muss weg” Demo mit macht, findet man Angela Merkel sofort toll. Ganz im Gegenteil.

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