Sep 172018
 

Anfahrt

Aue. Im schönen Sachsen gelegen. Menschen versammeln sich in den frühen Morgenstunden, um diverse Gefährte zu besteigen, um ins Erzgebirge zu fahren und unsere Jungs bei ihrem Auswärtsspiel zu begleiten. Auch in unserem Pöbelbus sammeln sich mehr oder minder ausgeschlafene und gut gelaunte Menschen, um den Weg anzutreten.

Eine Playlist die nur Hits enthält und eine freie Bahn bringt sie zügig voran. Die Stimmung ist gut, was zu dem in der Überschrift zitierten Ausspruch führt. Routinehalt in Allertal, ein paar Baustellen und ganz viel Autobahn später sind wir in Chemnitz. Halt, falsch abgebogen? Nein, wir sammeln noch eine Mitfahrerin auf. Und vermissen ab jetzt unseren fränkischen Touch, der leider kurzfristig passen musste. Ein kleines Herzchen sei nach Franken geschickt.

Wir sind VIEL ZU FRÜH in Aue. Man hat das Parkplatzkonzept geändert und setzt auch in An- und Abreise nicht mehr auf eine hundertprozentige Fantrennung. Das ist erstmal angesichts der grundsätzlich sehr entspannten Aue-Fans auch erstmal okay. Die örtlichen Ordner muss man nicht sympathisch finden, aber insgesamt verhalten sie sich uns gegenüber korrekt. Was wir nicht verheimlichen wollen: Informierte Menschen konnten da schon einzelne Ordner rechtsradikalen Strukturen zuordnen. Umso wichtiger die im Gästeblock gezeigte Choreo.

Was man von der Polizei nur uns gegenüber behaupten kann. Wir werden nach dem Spiel noch Zeuge, wie ein älterer Herr (mindestens 50 und erkennbarer Aue-Fan) mit einem Polizisten ins Gespräch kommt, vielleicht auch etwas lebhafter, aber aus unserer nahen Perspektive null aggressiv in Richtung des Polizisten. Dieser hat diverse Kollegen in der Nähe. Er will den Herren dann anhalten, warum auch immer. Und anstatt seine Kollegen dazu zu rufen, kurz den Weg zu versperren und alles easy zu regeln, latzt er den einfach um. Einfach so. Mit Schwung. Von seitlich hinten. Der hätte weder weglaufen können (machte nicht gerade einen sportlichen Eindruck), noch wurde er in Richtung Polizist auch nur einen Millimeter körperlich. Der so ziemlich grundlos Umgehauene fällt mit Schwung um, knallt auf den Hinterkopf und bleibt erstmal bewusstlos liegen.

Immerhin wird er dann von anderen Polizisten und Sanitätern versorgt, um etwas später uns wieder zu begegnen. Auf dem Heimweg. Ohne Polizei. Man muss sich schon fragen, was denn so wichtig gewesen ist, den so umzuhauen, wenn er kurze Zeit später alleine nach Hause gegen darf. Uns fällt nix ein.

Stadion

Der Bau ist fertig, der Gästeblock ist okay geworden, die Sicht ist halbwegs gut und der Spruch „Grubenlampe Arbeitsschuh Wismut Aue, ich und du.“ findet sich auch im neuen Stadion. Und ist ja irgendwie rührig. Trotzdem sollte man mit diesen Berufungen auf irgendwelche Bergarbeitertraditionen immer eher vorsichtig sein, weil hier ein krankmachender und gefährlicher Job und eine Industrie, die starke Umweltschäden hinterlassen hat, schon ziemlich verklärt wird. Siehe Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Wismut_(Unternehmen).

Der berühmte Nudeltopf ist immer noch erhältlich. Und der ist halt in der Stadionversorgung in Deutschland relativ weit oben. Das heißt nicht, dass ihr nun hier kulinarische Hochgenüsse erwarten müsst. Seine positive Wahrnehmung basiert auch auf dem Dreck, der anderswo als Stadionessen angeboten wird. Es gibt nebenbei auch Sekt im Gästeblock in Aue. Stellten wir auch erst diesmal fest und ist ja auch mal was besonderes.

Hätten sie nun noch Klopapier auf den Klos, könnte man beinah von einem sehr angenehmen Gästeblockerlebnis sprechen.

Im Gegensatz zu letztem Jahr sind auch die Kontrollen entspannter und auch mal mit einem flotten Spruch auf den Lippen. Warum eigentlich nicht immer so?

Wir haben Probleme

Wir sind erneut da angelangt, wo wir nicht hin wollten. Im Abstiegskampf. Eine absolut indiskutable Leistung gegen einen Gegner, der vor diesem Spieltag drei Tore in einen Punkt umgewandelt hat, spricht Bände.

Es fehlt bei uns an allem. An Aggressivität, an Laufbereitschaft und an mentaler Einstellung zu so einem Spiel. Auch an fußballerischer Klasse. Es ist erschreckend, wie schnell sich diese Mannschaft anscheinend zurücklehnt und es schleifen lässt. Wo in Magdeburg und gegen Darmstadt noch Konzentration und Laufbereitschaft vorherrschten, tropfen hier Bälle im Mittelfeld hin und her und niemand geht die entscheidenden fünf Schritte, um einfach mal den Ball zu erobern oder zumindest den Auer sofort zu stören. Wir machen das jetzt ausdrücklich nicht an einzelnen Spielern fest, aber in der Zentrale funktioniert nix.

Hinzu kommt eine Viererkette, die schlecht sortiert ist, die riesige Lücken zeigt und die mit einem schnellen Dribbling sofort überwunden ist. Denn Zweikämpfe gewinnen wir defensiv nicht. Es kommt jeder durch.

So fallen eigentlich alle drei Tore. Natürlich ist das 2-1 ein richtig schöner Schlag, aber wenn wir ehrlich sind, könnte der sich auch noch eine Zigarette drehen und anzünden, es wäre immer noch kein FCSPler in seiner Nähe. Soviel Platz hast du nicht mal in einem Trainingsspiel, wenn der Trainer vorher ansagt „lasst die Offensiven mal ein bisschen zaubern“.

Das ist alles kein neues Problem und trotz Umstellungen, neuem Spielermaterial und zwei Wochen Pause, in der man hätte üben können, hat es sich eher verschlechtert als verbessert. Und während man sich bei Union und Köln noch mit der „hohen Qualität des Gegners“ in die eigene Tasche lügen kann, wird dies bei Aue unmöglich.

Wir sehen zur Zeit nicht, wie wir die Blutung stoppen können, und das Programm in den nächsten Wochen macht die ganze Mission nicht einfacher. Nun eine kurze Trainingswoche bis zum nächsten Spiel in Ingolstadt, dann eine englische Woche und dann ein Spiel gegen einen Lokalrivalen, dessen einer Stürmer gerade mit verbundenen Augen und dem falschen Fuß alles trifft.

Hoffnung sieht anders aus. Ingolstadt hat gerade sechs Dinger in Bochum bekommen und ist verunsichert? Kurz mal den Duden unter „Aufbaugegner“ aufgeschlagen, da ist das Wappen des FC St. Pauli abgebildet.

Wir lassen uns natürlich gerne positiv überraschen, aber zur Zeit sieht es richtig Scheiße aus.

Zurück

Zurück geht es ein bisschen anders um Leipzig herum und mit der noch im Bau befindlichen A 72. Die nebenbei durch ein ehemaliges Tagebaugebiet fährt. Welche hässlichen Löcher ein Tagebau hinterlässt und wie stark Schäden auch Jahrzehnte später sichtbar sind, kann hier jeder bewundern. Und eigentlich müsste man jeden RWE-Manager dort langfristig aussetzen. Ein Tagebau ist eine der beschissensten Ideen überhaupt.

Ansonsten ist bei Hannover ein riesiger Stau, sodass wir auch noch die Blitzer des Landkreises Uelzen kennenlernen, aber irgendwann hat uns Hamburg wieder und ein schöner Tag in angenehmer Begleitung geht zu Ende. Wäre da nur nicht immer dieser Fußball.

  One Response to “Dein Hirn ist am Morgen witziger”

  1. dies ist kein pro tagebau.

    aber löcher kann man sinnvoll nutzen:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Leipziger_Neuseenland

    war jetzt zwei mal dort, und ich bin begeistert.

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