Mai 282018
 

 

Vorwort

Der Bereich für aktive sportliche Betätigungen in diesem Blog führt ein Schattendasein. Was auch daran liegt, dass er sich an teilgenommenen Veranstaltungen orientiert und in einer Vorbereitung auf einen Triathlon kommt man leider nicht dazu viele Veranstaltungen mitzunehmen. Und da wir nur einen aktiven Sportler haben, der sich zu Veranstaltungen begibt, ist die Füllung dieser Rubrik selten. Aber dafür umso herzlicher.

Premiere

So war die Teilnahme am diesjährigen Rennsteiglauf mein erster offizieller Wettkampf dieses Jahr. Nun werdet ihr zu Recht fragen, ob es sich lohnt über 400 KM für einen Halbmarathon zu fahren, aber jeder der schon mal am Rennsteig war, der wird euch bestätigen, dass es sich lohnt. Und dies sei auch schon das vorweg genommene Fazit dieses Berichtes.

Vorspiel

Die Anfahrt am Freitagmorgen war problemlos. Das Navi schickt einen über hessische Landstraßen durch das Werratal, was vielleicht schneller ist, vielleicht auch nicht, aber allemal ist es sehr hübsch. In Thüringen angelangt freut man sich erstmal über die sehr schönen Ortsnamen, die es da so gibt. „Ohrdruf“ ist ein Beispiel. Und wenn man sich dem Mittelgebirge des Thüringer Waldes nähert, wird es immer hübscher. Ziel und Übernachtungsort für mich war Oberhof. Wer Wintersport verfolgt, der wird diesen Ortsnamen schon einige Male gehört haben, denn gefühlt jeder Thüringer Olympiasieger ist entweder hier oder in einem der Nachbarorte geboren.

In Oberhof wurde dann auch der Rest der Gang angetroffen. Neben der @sielaeuftde noch Menschen ohne Twitter, die wir zum größten Teil von der berühmten misslungenen Teilnahme am NY Marathon kennen. Eine herzliche Gang, die einem so ein Wochenende sehr lustig macht.

Prägend für das Wochenende war die ungefähr erste Forderung von @sielaeuftde nach meiner Ankunft „ich will eine Bratwurst“. Thüringen das Land der Bratwürste und so gab es erstmal um 12:30 eine gepflegte Bratwurst aufs Brötchen.

Was ist eigentlich Rennsteiglauf?

Die Startnummern sind im jeweiligen Startort abzuholen. Ja, es gibt mehrere, denn wie in der Ex-DDR sehr beliebt handelt es sich auch hier um einen Point to Point Lauf. Etwas vereinfacht könnte man sagen, dass man sich aus zwei Richtungen auf Schmiedefeld zu bewegt. Die Halbmarathonläufer und die Supermarathonläufer (73,5 KM) von links, die Marathonläufer von rechts.

„Der Rennsteig ist ein 170 km langer Kammweg“ behauptet Wikipedia. Und auf diesem Kammweg haben 1973 vier verrückte Läufer dem Pädagogen Johann Christoph Friedrich GutsMuths gedenken wollen und sind auf dem Rennsteig 100 km gelaufen. Aus dieser Schnapsidee entwickelte sich dann über die Jahrzehnte das heutige Laufspektakel.

Herr GutsMuths war in der Turnbewegung tätig und einer der „Gründungsväter“ dieser Bewegung. Der Wikipedia Eintrag ist eher eindimensional, eine gewisse Vorsicht bei der Verherrlichung der „Turnväter“ ist wohl angebracht. Bis heute gibt er dem Lauf seinen Namen.

Spektakel ist die richtige Bezeichnung, denn an der Veranstaltung mit ihren unterschiedlichen Strecken nehmen insgesamt um die 16.000 Leute (Finisherzahl 2017) teil.

Die Abholung in Oberhof für den Halbmarathon verlief trotz insgesamt 8.000 Meldungen problemlos und schnell.

Der Rest des Vortages

Nebenan bei Sport Luck (Inhaber Frank Luck, Olympiasieger in Lillehammer und Nagano) war danach Merchkauf angesagt. In der heutigen Zeit, wo man für eigentlich jedes normale Baumwollshirt schon 30 Euro bezahlt, sind Preise von 20 Euro für ein Funktionsshirt sehr angenehm. Ich musste zugreifen.

Als Hotel hatte ich das „Treff Hotel Oberhof“ gebucht. Dies erwies sich Betonbunker im sozialistischen Stil. Hübsch ist was anderes, aber dafür waren die Zimmer gut, das Personal nett und die Betten bequem.

Die Klosparty haben wir geschwänzt und nach einem Abendessen in einem Restaurant vor Ort, war auch schnell Bettruhe angesagt.

Rennsteiglauftag

Denn früh klingelte der Wecker, kurzes Frühstück, die @sielaeuftde kurz verabschiedet, die sich mit dem Bus zum Marathonstart auf machte und dann mit der Halbmarathongang zum Start gegangen.

Seinen Beutel schmeißt man unsortiert in LKW, nur um ihn erstaunlicherweise am Ende sortiert auf einer Wiese vorzufinden. Respekt an die Menschen, die in ca. 2 Stunden aus 8.000 Beuteln eine Reihenfolge herstellen.

Bei der Abgabe auch den Thüringer Blitz aka Lauffreund Sven getroffen. Ich denke, dass ihr seinen Bericht hier nachlesen könnt.

In die Startaufstellung einsortiert, die nach folgendem Prinzip funktioniert: Du bist das erste Mal dabei? Dann startest du hinten. Du bist schon mehrfach dabei? Wir ordnen dich nach deiner Zeit der Vorjahre ein, die du hier gelaufen bist. Sowieso wird mehrfache Teilnahme sehr honoriert und hoch gehalten. Dazu aber später noch mehr.

Und dann begann die Musikbeschallung. Und ich kann euch sagen, dass ich für Leute, die entweder Mallepartyhits und deutschen Schlager mögen, oder hart im Nehmen sind. Dazu noch das Rennsteiglied.

Gut, dass Sven da perfekt textsicher ist. So kommt man als Tourist mit Mitschunkeln aus.

Mehrfache Teilnahme

Das ganze ist ein Lauf der Freaks und Freaks, die hier über 30 Mal mitgelaufen sind, gibt es unzählige. Man hat das dann auch auf seinem Shirt stehen und der Moderator am Start und im Ziel honoriert dies ausführlich. Das ganze macht sympathisch, denn da kommt der 80 jährige mit der 41. Teilnahme ins Ziel des Halbmarathons nach 3:50 und wird im Endeffekt genauso ausführlich gewürdigt, wie der Sieger des Supermarathons. Oder man führt seine ganzen Startnummern der Jahre mit. Oder den Originalfischerhut vom 12. Rennsteiglauf (1985) oder oder oder. Unfassbar. Und dann steht man da im Ziel und an einem läuft ein Teilnehmer auf der Marathonstrecke vorbei, der folgendes auf dem Shirt stehen hat „Jahrgang 37, 37. Teilnahme“. Und der kommt nach einer Zeit von 5:30 ins Marathonziel. Was für Freaks.

Los geht es

Der Startschuss wird vom Innenminister gegeben, der auch mitläuft und auf die Frage wer denn noch aus der Regierung mitlaufe sagt, dass er dies gar nicht wisse und ein Innenminister ja auch nicht alles wissen müsse. ACH? Seit wann das denn? 😉

Die Marathonläufer werden ziemlich zeitgleich von Bodo Ramelow auf den Weg geschickt und diese Dichte an politischer Prominenz zeigt auch, welche Bedeutung dieser Lauf für Thüringen hat.

Ich setzte mich in Gang und hab gedacht, dass die ersten KM ob der Konstruktion der Startaufstellung eher hektisches Überholen sein wird. Aber siehe da: Es lief extrem entspannt ab. Wenn jemand schneller war und überholen wollte, dann frage er entweder ruhig nach oder wartete auf eine entsprechende Lücke. Trotz 8.000 Teilnehmern und trotz einer schnellen Einbiegung auf schmale Wanderwege wurde es nie hektisch, keiner drängelte und alles lief entspannt an.

Der Rennsteig ist nicht gerade flach. Keine Ahnung, wieviel Höhenmeter es insgesamt gibt, aber es sind einige. Ich hatte mir vorgenommen unter 3 Stunden ins Ziel zu kommen und mich an den Anstiegen nicht zu übernehmen. Und so beginnt das Hin- und Her des Laufs. Einige sind schneller rauf, andere schneller runter, die Positionen wechseln munter. Eine Läuferin schätzte, dass wir uns am Ende ungefähr 10 mal überholt hatten und ich kann ihr nicht widersprechen.

Ich lief bei gleichmäßigen Puls und hatte trotzdem einen KM bei 9:46 und einen bei 5:44 (lustiger weise KM 19). Das sagt wohl alles über das Gelände aus. Entschädigt wird man aber durch tolle Ausblicke und ganz viel Natur.

Was für mich Stadtläufer ungewohnt ist und auch nicht ohne Gefahr sind die diversen Rinnen und Wurzeln auf den Wegen. Leider hat es hier einige Teilnehmer ganz ordentlich abgepackt und einige blutige Knie oder blutige Stirne sah man im Ziel. Auf der Marathondistanz war einmal selbst der Rettungshubschrauber von Nöten. Hoffen wir mal, dass sich alle Unfallopfer auf dem Weg zur Besserung befinden. Aber auch hier: Kein hektisches weiterlaufen, kein ignorieren des Gestürzten. Sofort blieben Leute stehen, halfen ihm und kümmerten sich um ihn. Und der Rest unterbrach sein Rennen und machte Platz.

Mein Zeit Ziel verschob sich ab km 13 immer weiter nach vorne. Da es beinah durchgängig Bergab ging und ich noch viele Körner übrig hatte, gab ich nun Gas, überholte sehr viele Teilnehmer und ballerte mehrere KM in einer 6er Pace in den Waldboden. Ein ziemlich giftiger Anstieg bei KM 16 war mir vorher angekündigt worden und wenn man weiß was passiert, dann nimmt man den ganz elegant mit.

Bei 2:41:25 offiziell blieb die Uhr stehen und mit dieser Zeit kann ich sehr gut leben. Schnell war meine Gang wieder eingesammelt und die Wartezeit auf unsere Marathonläufer vertrieben wir uns mit Bratwurst, Bier und rumliegen. Und da man nach so einem Lauf nicht sehr viel braucht, waren wir auch schnell gut angetrunken.

Die Party

Irgendwann hatten wir dann alle im Ziel und nach Dusche und Abendessen fanden wir uns auf der Party in Oberhof wieder. Und was da zu einer Mischung von Partyhits, Schlager und Rennsteiglied abgeht, ist nicht in Worte zu fassen. Da tanzen Leute mit einer Supermarathonmedaille ausgelassen auf den Tischen und das Rennsteiglied wird mitgebrüllt.

Es ist eine komplette Parallelwelt in der alle durchdrehen. Nur über die Qualität der Lieder darf man nicht nachdenken, da war u.a. auch „Hamburg meine Perle“ bei.

Wiedersehen

18.05.2019 ist der nächste Rennsteiglauf und ich würde sagen, dass die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Starts sehr hoch ist. Das macht in seiner entspannten Atmosphäre doch sehr viel Spaß.

 

Jetzt aber erstmal

Nach Madison im Bundestaat Wisconsin wo am 10.06. der Ironman 70.3 für mich auf dem Programm steht. Ich werde berichten.

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