Apr 232018
 

 

Zum Spiel

Man muss vielleicht nicht viel zum Spiel sagen. Es läuft nichts zusammen und in den entscheidenden Szenen hat der Fußballgott auch etwas gegen uns. Verliefe das Spiel anders, wenn nicht gleich der erste Schuss des Gastgebers säße? Oder wenn der Torwächter von denen nicht brillant retten würde Aber da wir es nie hinbekommen, wirklich mal 90 Minuten konstant und konzentriert zu spielen, ist die Niederlage komplett verdient.

Die beiden Roten Karten sind auch aus der Kategorie „darfst du dich nicht wundern“. Mal eine allgemeine Anmerkung zu der zweiten Roten Karte: Es ist eine allgemeine Sucht im Fußball, dass Spieler bei Fouls so tun, als ob sie gleich sterben. Erste Diagnose beim Regensburger: „Da wird eine Wohnung frei.“ Nur das Wunderwasser des Physios kann Schlimmeres verhindern. Und man kann nicht mal den Spielern einen Vorwurf machen. Immer wieder hat man den Eindruck, dass die Schiedsrichter von den Saltos beeindruckt sind. Aber wenn man mal genau hinsieht, dann ist es meistens so, dass die Spieler, die sich wirklich verletzen, einfach nur hinfallen und liegen bleiben. Und nicht noch drei Saltos und vier Schreie von sich geben. Ändert nichts daran, dass die Rote Karte zumindest vertretbar ist, weil Cenk da in einer Mischung aus Frust und Übermotivation rein geht, die sich gewaschen hat.

Und als wäre all dies nicht genug, ist es ja auch noch so, dass wir uns alle Tore selber einschenken. Besonders übel das 2-0 und 3-0. Beim 2-0 macht Buballa einen Jahrhundertfehler und beim 3-0 gucken viele Offensive aus sicherer Entfernung zu, wie Kalla das „wie verteidige ich zwei Spieler gleichzeitig?“-Rätsel versucht zu lösen. Dieses Rätsel ist alleine unlösbar. Und all diese Situationen entstehen nicht dadurch, dass Regensburg nun tollen Tempofußball spielt, der den Gegner auch zu Fehlern zwingt.

Das Stadion ist neu gebaut, an der Autobahn, irgendwie 08/15, der Gästeblock in die Ecke gequetscht und eng. Für die Gästeautos besteht ein eigener Käfig (!) und die Ordnerinnen überschreiten in aller Seelenruhe sämtliche intimen Grenzen beim Abtasten. Es ist zum Kotzen.

 

Gute Sicht gibt es nicht

Nach dem Spiel

Nach dem Spiel kommt es mehr oder minder zu einem Plenum zwischen dem, was wir jetzt mal als „Ultrà-Szene“ umschreiben möchten, und den am Zaun verharrenden Spielern. Buballa, Flum und Schnecke gehen dann auch noch direkt an den Block und diskutieren mit einzelnen Leuten, während der Rest der Mannschaft inklusive Trainer- und Betreuerteam vor dem Zaun verharrt.

Von unserer Perspektive läuft das ganze ganz gesittet ab. Wir zumindest erleben da keine „wüsten Beschimpfungen“, die von einigen Zeitungen herbeigeschrieben werden. Und wenn dann waren das ganz einzelne Personen. Wir wissen aber nicht, was wie genau besprochen wird.

Als wir dies auf den diversen Kanälen mit einer deutlichen „Respekt dafür an die Mannschaft“ Nachricht teilen, bekommen wir neben vielen positiven Rückmeldungen auch viele „Interessiert mich nicht“-, ‚“Bedeutet nix“-, „Sollen lieber besser spielen“- oder „Haben keinen Respekt verdient“-Nachrichten.

Unser Senior geht nun gut 30 Jahre zu diesem Chaotenverein. Er hat genügend Spieler gesehen, die mehr oder minder desinteressiert abgestiegen sind. Spieler, die mitgereiste Fans nach so einem Spiel mit dem Arsch nicht angesehen haben. Alleine deswegen bedeutet es ihm was. Und er hat eine ähnliche Situation wie in Regensburg mal in der dritten Liga gesehen, als sich Eger und ein bekannter Fan in der Nachspieldiskussion selbst richtig in die Haare bekamen. Direkt danach drehte sich das Blatt und wir siegten u. a. in Wiesbaden. Insofern: Vielleicht ist dies der Wendepunkt?

Fußballspieler sind Arbeitnehmer. Und MÜSSEN auch wie Arbeitnehmer denken. Und kein Arbeitnehmer der Welt schlägt sofort in einen neuen Vertrag ein, wenn der Arbeitgeber sagt „du bekommst nun eine deutlich uninteressante Position zu weniger Geld“. Das mal so am Rande.

Und Fußballspieler sind keine Maschinen. Man stellt sie nicht an. Sie sind Menschen, junge, unerfahrene Menschen. Die im Hochleistungssport ein derbes Ego brauchen. Und dies einfach nicht haben zur Zeit. Siehe die Szene von Buballa. Wenn der das normale Ego hat, dann lässt er entweder den Regensburger aussteigen und dribbelt nach vorne oder er ballert das Ding über das Tribünendach. Und wenn ihn irgendwer für letzteres kritisiert, dann zuckt er mit den Schultern und sagt „Digga, halt die Fresse, ich bin der Geilste.“ Zur Zeit denkt aber aber „bloss kein Fehler, bloss kein Fehler“ und macht gerade deswegen den Fehler.

Ja, dieser Kader hat Fehler. Ja, unsere Verantwortlichen haben Fehler gemacht. Nein, dieser Trainer scheint nicht der Beste zu sein. ABER! Es ist das, was wir jetzt für drei und vielleicht fünf Spiele haben. Nein, wir glauben nicht, dass nun eine panische Trainerentlassung irgendetwas fundamental ändert.

Und daher

Es gibt zwei Arten, mit dieser Situation umzugehen. Möglichkeit A wäre, dass wir nun 11 Kreuze auf den Trainingsplatz stellen, die Mannschaft schon beim Auflaufen auspfeifen, sie mit „Scheiss Millionäre“ beschimpfen und am besten noch mit „Wenn ihr absteigt, schlagen wir euch tot“ verabschieden.

Wir wollen keinen verurteilen, wer der Meinung ist, dass dies seine Reaktion als Fan ist.

Unsere ist es nicht. Und wahrscheinlich ist es auch nicht die, die zum FCSP, seiner Tradition und seinen Fans passt.

Unsere ist eher die, die ein Verein vom Weserdeich in einer ähnlichen Situation gemacht hat. In Bremen half man sich über die eigene Verzweiflung mit einer „Green White Wonderwall“ (bei Sport1 etwas detaillierter nachlesbar.  ).

Vielleicht sollten wir beim FCSP das auch versuchen? Kritiker werden nun sagen „das wäre dann ja geklaut“, aber erstmal gilt immer „lieber gut geklaut als schlecht selber gemacht“ und der kleine Weserverein hat ja auch genügend Melodien bei uns geklaut.

Wir wissen nicht, wann und wie unsere Spieler zu den beiden nun ausstehenden Heimspielen reisen, wir wissen nicht, ob das eine Idee ist, die Leute gut finden. Wir sind auch nicht die Institution, die Massen organisieren und mobilisieren kann. Wir regen es an.

Wir wissen aber eines ganz genau: Wir haben nun zwei Heimspiele, diese sind super wichtig, wir haben bisher nichts gerissen bei Heimspielen und die Lethargie im Stadion ist bis in den Volkspark spürbar. Das müssen wir aufreißen und einen neuen Impuls setzen.

Daher: Hände aus den Taschen, Mund auf, brüllen, singen, tanzen, positive Stimmung verbreiten. Auch wenn es nicht sofort läuft. Das gilt für dich, lieber GG-Steher, für dich lieber Süd-am-Rand-Steher, für dich lieber Haupt-Sitzer und für dich lieber Nord-Gucker. Wir schaffen das. Gemeinsam. Ohne irgendein leeres Marketinghashtag, ohne von oben verbreiteten Optimismus. Dieser Verein hat schon immer seine besten Momente gehabt, wenn von unten der Antrieb kam.

Lasst uns Fans die Mauer sein, an der Fürth und Bielefeld abprallen! Lass uns die Hände sein, die unsere Spieler tragen! Lass uns über alle Spektren, Tribünen, Lebensumstände und Frustlevel eine positive Stütze sein.

Aux Armes!

 

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  6 Responses to “Wie man damit umgehen kann”

  1. Moin,

    Mein Blick auf die Fans, auf uns.

    ich muss mal ganz ehrliche Worte raus lassen. Ich stand schon in der GG als so mancher Süd Fan noch in die Windeln schiffte. Die Stimmung war immer super und Vorbrüller oder Trommler brauchten wir nicht.
    Ich will nichts schlecht machen und Support muss sein, mir fällt jedoch auf, dass es aus der Süd seit einigen Jahren fast ausschließlich mantraartigen SingSang gibt. Ich bin mir nicht sicher wer da in Trance gesungen werden soll, aber denkt doch bitte mal darüber nach, ob MeditationsSingSang dem Team hilft.

    Vor allem auswärts scheinen die meisten Ultras mehr damit zu tun zu haben, sich selbst zu feiern. Ein „Ultra?“ hat mit vollgepisster Hose die Spieler bepöbelt, das war kein schöner Anblick. Die Fahnen: Was soll denn ein am Spiel interessierter Fan sehen können, wenn er nur auf Fahnen schaut. Auch die müssen sein, aber doch bitte nicht ständig. Die Spieler haben nichts von den Fahnen, die gucken zum Ball. Und wenn sich die Fans des ‚magischen‘ St.Pauli mehr dafür interessieren, wie sie im TV zu sehen sind, dann ist das nicht mehr meins.
    Und ja, viele Fans schauen sich das Spiel an und wollen eben in den richtigen Momenten supporten, wenn dies aber immer wieder durch TranceGetrommel gedämpft wird ist das auch nicht gut.

    Alle Fans in allen Kurven sind gleich gut oder eben gleich schlecht. Wenn sich aber der Mittelblock der Süd immer hervorhebt, den anderen mangelnden Support anlastet und durchgehend mehr mit sich als mit dem Spiel beschäftigt ist, muss das eben mal gesagt werden.

    Ja, die alten Zeiten, in denen aus jeder Ecke des Stadions ein anderes Lied angestimmt wurde, und dann auch von allen mitgetragen wurden sind vorbei, liegt das evtl. auch ein bisschen daran, dass sich die Süd etwas zu wichtig nimmt und mit GesangsEinheitsbrei alles andere runterdrückt? Schon zu den alten GG Zeiten gab es einen kleinen Graben zwischen der damaligen ‚Singing Area‘ und dem Rest der GG. Immer wieder wurden Gesangsansätze der GG oder Nord, von der ‚Singing Area‘ übersungen. Mit Fertigstellung der Süd zog die ‚Singing Area‘ eben in den Mittelblock und heute denken viele Fans aus der GG und Nord, die nehmen sich zu wichtig, dort drüben in der Süd.

    Ich will keinem zu nahe treten und ich denke dass wir alle mit meiner Kritik konstruktiv umgehen können, oder etwa nicht?

    Forza

  2. Moin, @Matthias ich weiß ja nicht, ich weiß ja nicht. Ich steh Mitte Gegengerade und wenn man sich da mal so umsieht oder versucht ein Lied (mit) anzustimmen oder einfach mal Richtung Spielfeld brüllen will, wird man von einigen der umstehenden einfach komisch angeguckt. „Lass ma.“

    Weil der zweiwöchentliche Smalltalk bei (zu viel!) Bier scheinbar viel wichtiger ist, als das auf dem Rasen.
    Weil „Du bist auch so’n Ultra“, wenn man versucht zum singen zu bewegen.
    Weil „die spielen Scheiße, die feuere ich nicht an“ (Originalzitat)
    Weil „Ich hab bezahlt – unterhaltet mich!“

    Aber ok, wahrscheinlich sind „die Ultras“ schuld. Und der Dauersingsang. Und das lala. Das man mitte Gegengerade jetzt auch nicht so ultra(sic!)laut hört, also bestimmt nicht so laut, dass man nichts eigenes anstimmen könnte.

    Aber klar, ok, die Ultras sind natürlich ne willkommene Ausr… Begründung, wenn man gesammelt das Maul nicht aufbekommt. Außer zum pöbeln oder am Ende kurz YNWA singen. Was ich teilweise echt schon eher hämisch wahrnehme, weil…na ja. Doch. Wenn man sich so umguckt: Bei viel zu vielen hat sich doch lange die „die auf dem Rasen/wir auf dem Rängen“ breitgemacht. Teilend. Nicht einend.

    Witzigerweise krieg ich gar nicht mit, wie wichtig „Die Ultras“ sich nehmen, wenn ich mit Fußballgucken und supporten beschäftigt bin.

    Aber is ok, das Trancegetrommel aus der Süd macht mich wohl einfach auch sehr sehr müde.

  3. Mal unabhängig vom langweiligen Ultra-Bashing, nur zu diesem Teil:

    „Schon zu den alten GG Zeiten gab es einen kleinen Graben zwischen der damaligen ‚Singing Area‘ und dem Rest der GG. Immer wieder wurden Gesangsansätze der GG oder Nord, von der ‚Singing Area‘ übersungen. Mit Fertigstellung der Süd zog die ‚Singing Area‘ eben in den Mittelblock.“

    Das würde ich mal als historisch etwas unkorrekt bezeichnen.
    Die „Singing Area“ war ja eine Folge der schlechten Stimmung, die zu dem Zeitpunkt (1997) seit langem herrschte. Als dann die in diesem Beitrag hauptsächlich behandelten Ultras als Gruppe entstanden (2002) fanden sich diese in der GG unterhalb der „Singing Area“ zusammen und sind dann später in die Süd gewechselt.
    Die „Singing Area“ als solches ist personell in vielerlei Hinsicht noch identisch mit der Anfangszeit. Wenn auch sicher deutlich leiser…

  4. Ich sage jetzt mal etwas aus der Süd-Sicht.Wir stehen immer gleich rechts von den Ultras und gehören zu denen,die auch mit supporten. Wenn wir hören,dass etwas von der GG kommt,dann stimmen wir da mit ein,egal,was gerade links von uns gemacht wird und meistens klappt es auch,dass dann alle mit machen.Von der Nord bekommen wir z.b gar nichts mit(auch wenn der Gästeblock leise ist).
    Sollte es bei uns im Stadion lieber so sein,dass die Gästefans 90 Minuten ihre Mannschaft supporten und wir dafür nur gefühlt 3 mal Sankt Pauli rufen?
    Ich finde,wenn ich schon auf der Süd stehe,dann sollte ich auch wenigstens mal ab und zu mit machen(das wird nämlich bemängelt)und nicht mehr Zeit mit der neuen App auf meinem Handy beschäftigt bzw am dauerquatschen mit meinem Nachbarn über das vergangene WE bin.
    Anstatt jetzt die Fans mal alle zusammen halten,wird sich jetzt noch gegenseitig angegriffen(damit meine ich jetzt nicht euch beide,aber in anderen Gruppen geht da mächtig die Post ab).
    Man kann doch sehen,dass es die Mannschaft nicht kalt lässt,wenn wir alle laut sind,also lasst uns es doch einfach mal probieren,dass wir zeigen,dass alle zusammen stehen.
    Wir sehen uns Samstag im Stadion….Forza

  5. Danke für die kleine historische Korrektur zur ‚Singing Area‘.

    Es freut mich das wir hier konstruktiv mit dem Thema ‚Support‘ umgehen können. Ultra Bashing ist nicht mein Ansinnen, eher dass sich auch dort damit auseinandergesetzt wird, dass auch auf allen anderen Tribünen Fans stehen und sitzen, die mit vollem Herzblut dabei sind.

    Danke und Forza

  6. @Uli
    Ich bin noch relativ jung und steh dafür schon etwas länger in der Nord (10 Jahre). Dass ihr uns drüben nicht hört liegt leider daran, dass die Stimmung in den letzten Jahren katastrophal geworden ist. Gefühlt sind sehr sehr viele Touristen und Event Fans dazu gekommen. Dagegen hab ich erstmal nichts aber diese Entwicklung hat leider dazu geführt, dass man wie von @curi0us beschrieben, oft dumm angeguckt wird wenn man singt. So macht support natürlich keinen Spaß und die Stimmung ist demotivierend für diejenigen die Bock haben die Mannschaft zu unterstützen. Dazu kommen im Zweifelsfall noch laute Gästefans und leider in letzter Zeit Versuche von Nord Support die Leute zum singen zu animieren. Das heißt Trommel und 20-30 Leute die irgendwas vor sich hin singen. Das Konzept funktioniert in der Nordkurve leider nicht. Ätzende Situation für die mir grade leider auch keine Lösung einfällt.

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