Feb 132018
 

 

Montagspiele sind nicht so wirklich eine Erfindung aus dem Paradies, gerade dann nicht, wenn es sich um einen nasskalten Februarmontag handelt.

Beinah zeitgleich zu dem Spiel hatte eine krude Mischung jeglicher Sorte von Rechtsextremen/Nazis/Aluhüten etc. pp zu einer „Merkel muss weg“-Demo aufgerufen, was viele FCSP-Fans noch zu einem kleinen Zwischenhalt animierte. Bevor wir selbst vorzeitig in Richtung Millerntor aufbrechen mussten, ist die Situation am Jungfernstieg absolut unübersichtlich. Die Polizei ohne erkennbares Einsatzkonzept, ein paar verstreute Nazis und dazwischen jede Menge Antifas. In diesem Chaos sich zu einer Demonstration zusammenzufinden, ist quasi unmöglich und zu dieser ist es dann auch nur im kleinem Umfang gekommen während andere Rechtsextreme in den sozialen Medien ihr Leid klagen, dass ein Durchkommen zu den Kameraden unmöglich sei. Mit Sicherheit ist dieser Abend also kein Erfolgserlebnis für die nationale Sache. Mit ruhigerem Gewissen und besserer Laune können wir uns dem Fußball zuwenden.

 

Geil eine Trommel

Im Fanladen ist an diesem Spieltagabend trotzdem schnell Hochbetrieb und es entwickelt sich folgender Dialog zwischen einem unserer Schreiberlinge und mehreren Leuten aus dem Supportblock.

Erster Ansprechpartner? Der schönste Bart des Millernton:

„Hey, ich will die Trommel zurück. Macht mal was!“

„Ne, also das ist nicht unser Ding, das hat immer die Alte Schule gemacht und die waren zu genervt. Frag die mal.“

Zweiter Ansprechpartner. Die schönsten bunten Haare Bremens (oder so). Getroffen im Fahnenlager:

„Du bist doch Alte Schule?“

„Ja!“

„Ich will die Trommel zurück!“

„Das ist ein Supportblock-Ding, wir haben damit nix zu tun.“

„Das sagt man im Fahnenlager anders.“

„Hm, ja weiß nicht, frag mal G. Oh da steht ja G.“

„Hier ich will die Trommel zurück.“

„Ich hab da nix mit zu tun. Ich stehe schon unten. Nee.“

Ergebnis dieses Dialogs? Die Trommel im Supportblock ist zurück. Und das können wir nur unterstützen, bejubeln und uns drüber freuen. Wer anderer Meinung ist, der treffe uns bitte zu einem 3 gegen 3 am 22.06.2018. (Details am Ende des Berichtes)

 

Viel Scheisse auf den Rängen

Auch begünstigt durch bayrische Winterferien füllt Nürnberg den Gästeblock doch ganz ordentlich. Man muss diese Fanszene allerdings echt nicht sympathisch finden. Schon vor dem Spiel wird da mit Fahnenstangen nach Ordnern geschlagen, ohne dass vorher ein Grund erkennbar ist, und die „unpolitische“ Südstaatenflagge ist als Doppelhalter auch am Start.

Das die schon historisch Dreck und nun auch noch immer mehr ein weltweites Symbol für Rassisten und Faschisten ist, scheint in den Hirnen von Nürnberg nicht angekommen zu sein. Und dies obwohl wir auf Nachfrage erfahren können, dass dies denen auch schon mehrfach kommuniziert wird. So langsam kann man sich dann in Nürnberg auch nicht mehr mit „das ist aber voll unpolitisch ‚der Süden'“ herausreden.

Gut, dass Klaus (Stadionsprecher) nach dem Spiel sinngemäß sagt, dass man dieses Symbol für Rassismus doch lieber zu Hause lassen solle. In Gedanken ergänzen wir, dass man die Sache vielleicht mal grundsätzlich überdenken kann.

Wir wissen ja auch, dass man liebgewonnene Symbole nur schweren Herzens wieder aufgibt, aber hier trotzdem ein Vorschlag zur Güte, Ultras Nürnberg: 1848/1849 flohen viele (potenziell) Verfolgte und Unterdrückte aus Bayern und anderen deutschen Staaten in die USA und zeichneten sich kurz darauf im Bürgerkrieg als überzeugte Demokraten und Republikaner auf Seiten der Nordstaaten aus. Unter diesen Leuten war garantiert auch der eine oder andere aus Nürnberg. Nehmt euch doch die zum Vorbild. Klar ist das weit vom Fußball weg, aber das sind die Südstaaten eben auch. Und im Gegensatz dazu hat diese Idee tatsächlich einen Bezug zu eurer Stadt und ihrer Geschichte, die euch doch so wichtig ist. Obendrauf reproduziert ihr keinen Rassismus und das wäre doch auch was.

Aber so ein bisschen müssen wir aufpassen, dass wir nicht den Balken in unserem Auge übersehen, während wir auf den Splitter in anderen Augen deuten:

Liebe Gegengerade. Wir haben ein Diskriminierungsproblem. Nun ist das keine neue Erkenntnis, aber anscheinend ist sie mal wieder in Vergessenheit geraten. Wir reproduzieren jetzt mal beide Beispiele um deutlich zu machen, wie heftig das ist, daher kleine Warnung vorab.

Park wird als „Schlitzauge39″ bezeichnet, dem Team wird unterstellt, es spiele „Mädchenfußball“. Leute! Es kann nicht sein, dass sich immer nur einzelne gute Menschen darüber aufregen und gerade die jeweiligen Kumpels regungslos daneben stehen und am besten den Scheißkerl noch verteidigen. Das geht genauso wenig klar wie die Aussage an sich. Das Problem ist auch, dass der Einschreitende dann häufig genug eine Massenschlägerei risikieren muss, weil irgendwelche Trottel ihren Kumpel verteidigen.

Ach ja, wir gehen davon aus, dass wir nicht erklären müssen, wie scheiße solche Aussagen sind.

Durchatmen

Auf dem Platz zeigt Park eine absolut famose Leistung. Was der Junge immer als Brandaustreter leistet, wenn er irgendwo rein geworfen wird, ist aller Ehren wert.

Genauso würde uns mal interessieren, wie viele echte Zweikämpfe Avevor so gewinnt. Machen wir uns nichts vor: Die meisten Zweikämpfe sind eher Drei- oder Vierkämpfe, weil ein weiterer Spieler Wege zustellt und dadurch erst den Zweikampf ermöglicht. Wenn es wirklich 1 gegen 1 geht, dann hat der Verteidiger eher eine 50-Prozent als eine 75-Prozent-Chance. Avevor rangiert da schon seit Wochen bei ca. 95 Prozent. Ja, der Junge ist kein feiner Techniker und ein „moderner“ Verteidiger, der dann auch noch locker aus dem Fußgelenk das Spiel aufbaut, wird er auch nicht mehr. Aber egal. Diese Fähigkeit und seine Schnelligkeit sind gerade Gold wert.

Letztes individuelles Lob ist für Neudecker reserviert. In unserer Offensive läuft vieles nicht rund. Insbesondere wirken die Laufwege überhaupt nicht aufeinander abgestimmt, was in Spiel 2 der Saison okay wäre, in Spiel 23 echt problematisch. Auch hat man häufig das Gefühl, dass der jeweils ballbekommende Spieler erstmal überlegen muss, was er eigentlich jetzt mit dem Gerät machen will. Nicht so bei Neudecker. Auch bei ihm klappt nicht alles, aber man hat immer das Gefühl, dass der schon 20 Sekunden vorher genau weiß, was er nun mit dem Ball anstellen will, der da gleich zu ihm kommt. Schulle nannte das im Millernton-Podcast mal „Vororientierung“ und das ist Neudeckers große Stärke.

Die erste Halbzeit verläuft sehr zäh und da könnten wir uns auch nicht über ein Nürnberger Tor beschweren. In der zweiten Halbzeit zeigen unsere Jungs ein wirklich gutes Spiel, haben viele Chancen und aussichtsreiche Bälle, aber scheitern an Pech, Torhüter und auch eigenem Unvermögen. Aber sonst stimmt der Einsatz und es ist auch häufig genug so etwas wie Fußball zu sehen. Darauf lässt sich aufbauen.

ABER: Die Jungs müssen konstant werden, so etwas auch aufrufen können, wenn der Gegner Heidenheim heißt und der Gästeblock leer ist oder das Stadion ein erweiterter Dorfplatz. Man lebt eben nicht nur von den Highlights.

Und es ist schon ärgerlich am Ende dem Aufsteiger Nürnberg vier Punkte abzuringen und trotzdem nicht annähernd was mit dem Aufstieg zu tun zu haben.

Ach ja – Party!

Wir feiern Geburtstag. Und zwar am 22.06.2018 in den Fanräumen. Geboten wird eine Lesung der besten Texte, Musik unserer Hausband (Link) und danach Disco. Vielleicht auch noch ein paar Überraschungen. Tragt es auch in den Kalender ein. Oder in eurer Facebook.

Der Eintritt ist frei, ggf. sammeln wir Spenden.

  One Response to “Ein halbes gutes 0-0”

  1. Wie fast immer ein guter und spannender Bericht. Eine kleine Anmerkung habe ich noch: Ich finde gerade in der ersten Halbzeit darf die defensive Arbeit positiv erwähnt werden. (Ja, trotz der Grosschance mit dem Innenpfosten-Kopfball) Ausser einer Szene haben wir da verdammt wenig vom Tabellenzweiten zugelassen und hatten schon da ein Chancenplus. Leider funktioniert unser Spiel fast ausschliesslich gegen Gegner die selbst aktiv sein wollen und wir das Spiel nicht machen müssen.

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