Okt 302017
 

Liebe Leidensgenossen und Leidensgenossinnen,

viele von uns sind nicht erst seit gestern Fans des FCSP und haben dementsprechend deutlich Schlimmeres gesehen als das Spiel am vergangenen Freitag gegen Erzgebirge Aue. Dennoch frustriert die Autoren diese Begegnung in der Retrospektive besonders und raubt ihnen beinahe die Lust, sich mit dem Spiel erneut detailliert auseinanderzusetzen.

Es sind nun zwölf Begegnungen gespielt, aus denen der FCSP 19 Punkte gewinnen konnte. Das reicht (warum auch immer) für Platz 5 mit vielleicht nicht großartigen, aber durchaus soliden Chancen, noch auf die Aufstiegsplätze zu gucken. Zusätzlich hemmt uns natürlich großes Verletzungspech. Ein Super-GAU ist die Spielzeit 17/18 bisher nicht, aber trotzdem sind Partien wie die am Freitagabend Indikatoren dafür, dass etwas nicht stimmt und wir uns für die kommenden Monate eher die Plätze in der Tabellenmitte nochmal anschauen sollten. Wer so spielt, ist im Aufstiegskampf einfach nicht konkurrenzfähig. Es ist aber erstaunlich, dass man miit sechs Punkten zu Hause immer noch in Sichtweite von Platz 3 steht. Vielleicht hat der Fußballgott aber auch Großes vor und hat uns zum Relegationsderby vorgesehen? Und wahrscheinlich können nur wir den Dino beenden.

Ernsthaft, Aue macht über die kompletten 90 Minuten nichts und trotzdem ist es nicht möglich, zu Hause gegen einen solchen Gegner zu bestehen? Ihn so oft vors eigene Tor zu lassen? Nur so selten gefährlich zu werden? Selbst Dudziaks Treffer lässt sich letztlich auch auf einen Abwehrfehler der Sachsen zurückführen. Ja klar, hier und da sieht das Spiel ganz mal ganz gut aus und Ansätze im Gegenpressing gibt es auch; aber mit so was reicht es völlig verdient nur für einen Punkt und damit bleibt man eben kein Spitzenteam in Liga 2. Was auffällt: Wenig Aktionen werden mit wirklichem Tempo gefahren. Und wenn, dann ist es meistens Zander, der richtig mit Schwung in die Abwehr des Gegners geht – und dann meistens auch Gefahr heraufbeschwört. Fehlt da die Regeneration? Sind die Verletzungen ausschlaggebend? Man kann es nicht nicht sagen.

MagischerFC St. Pauli Erzgebirge Aue Oktober 2017

Was man jedoch trainieren kann, sind Standards. Und das wir nun schon wieder ein Tor nach einer Ecke bekommen, ist nicht nur ärgerlich, sondern ein Systemfehler. Denn man darf Folgendes nicht vergessen: Nur knapp über ein Prozent aller Ecken überhaupt im Fußball führen zu Toren. Oder anders ausgedrückt: Jede 100. Ecke ist ein Tor. Da darf man sich nicht schon vier Gegentore diese Saison gefangen haben. Und das sind ja nun keine Messi-Ecken, die da herein segeln, sondern biedere Zweitligakost. Gerade bei unseren eigentlich kopfballstarken Verteidigern darf dies nicht passieren.

Zurück zum Thema „Spitzenteam in Liga 2“: Will man das denn überhaupt sein? Ja! Wir spielen jetzt seit Menschengedenken in dieser organisierten Langeweile, die man hierzulande zweite Bundesliga nennt. Es wird Zeit, dass wir nach oben kommen, dass wir eine „winning culture“ etablieren und uns die Wochenenden nicht mehr von solchen Spielen versauen lassen. Woher kommt überhaupt diese unsägliche Gedanken, dass wir immer nur gegen den Abstieg spielen? Klar, bezeichnend für den FCSP ist, dass sportlicher Erfolg nicht an erster Stelle steht; aber warum denn die Möglichkeiten negieren, die man gerade hat? Schlechte Zeiten kommen wieder früh genug. Nutzen wir doch mal unsere Möglichkeiten!

Und sonst so?

Stimmung auf der Gegengerade anfangs durchschnittlich (also fast gut), nach dem Gegentreffer selbstredend unterirdisch. Supportblock mit schöner Blockfahne. An dieser Stelle: Happy Birthday, liebe Alte Schule. Ihr habt in euren zehn Jahren viel bewegt, macht einfach weiter so.

Aue ist gefühlt nicht anwesend. Dafür die halbe GdP hinter der Nordkurve. Warum auch immer. Die Masse wünscht sich wohl „Antifa Hooligans“ zu Beginn der zweiten Hälfte zurück. Ist irgendwie auch cooler. Sorry, Slime.

Ein großes Herz an die beiden Elektro-Zigaretten-Raucher in der Süd. Immer perfekt zum Anfang von „Magisches St. Pauli siege heute hier für uns..“ blasen sie eine große Rauchwolke in den Himmel. Den Himmel haben wir heute übrigens schön, was mal wieder zu einem Millerntor-gefluteten Instagram führt.

Samstag geht es weiter gegen Union. Lasst uns im Bergedorf Berlins drei Punkte holen und oben dran bleiben! Wir sollten und brauchen keine Angst vor dem Gewinnen haben. Immer weiter, Sankt Pauli!

Eines noch zum Schluss: In der Pressekonferenz vor dem Spiel wurde davon berichtet, dass Sobiech unter Kopfweh leidet. Da gehen bei jedem, der auch nur annähernd die ganze Kopfverletzungsgeschichte in der NFL verfolgt hat, sofort die Alarmglocken an. Gerade bei einem Spieler, der bereits eine Gehirnerschütterung diese Saison hatte. Und man muss sich erneut fragen, warum es im Fußball – anders als in allen US Sportarten – kein vorgeschriebenes Testprotokoll gibt, wenn Spieler im Verdacht stehen, Kopfverletzungen und insbesondere Gehirnerschütterungen zu haben. Bei aller Liebe zu den Vereinen erscheint es uns nicht wirklich sicher, dass diese immer wirklich verantwortlich mit ihren Spielern umgehen. Ein neutrales, fest einzuhaltenes Procedere mit geschulten, neutralen Ärzten ist im Fußball längst überfällig.

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  One Response to “Weit unter soll”

  1. Ganz viel Liebe!

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