Aug 092017
 

FCSP vs. SGD

Der erste Heimspieltag der Saison bringt es leider so mit sich, dass die Vorfreude und die Erwartungen sehr hoch sind. Um so schlimmer ist dann der Abend, wenn sie getrübt werden. Und bescheidene Momente gibt es leider mehr als ausreichend.

Zunächst aber sind wir heiß wie Frittenfett. Das Internet kribbelt gewaltig vor dem ersten Heimspiel, auch wenn die Sommerpause gar nicht lang war. Vor dem Stadion werden eifrig noch die vielen guten Menschen begrüßt, die man nun ein paar Wochen nicht zu sehen bekam. Und ein schnelles Freibier aus den Fanräumen will auch noch getrunken werden. Ganz viel Liebe für zehn großartige Jahre und auf viele weitere!

Die Anstoßzeit

Der Ärger über die Montagsspiele ist ein alter Hut, klar. Aber durch den visuellen Boykott mangelt es immer wieder an Atmosphäre und es fehlen natürlich viele der Menschen, die einen längeren Anreiseweg haben. Und natürlich ist 20:30 Uhr eine denkbare ungünstige Anstoßzeit für Auswärtsfans, von denen aber sowieso nicht viele da sind, denn…

Der Gästeanhang

… boykottiert das Spiel zum größten Teil. Der DFB und Dynamo Dresden haben sich darauf verständigt, dass Fans des Vereins auswärts nur sogenannte Voucher-Tickets erwerben können, also personalisierte Karten, die nur vor Ort abgeholt werden können. Auch wenn die Dresdner Fanszene ihren Boykott nicht großartig nach außen kommuniziert haben, fehlen an diesem Montag alle bekannten Zaunsfahnen (sic!). Und auch deswegen geht ein Stück Atmosphäre flöten. Es pöbelt sich viel schöner, wenn auch zurückgepöbelt wird.

Sportlich

Wir wollen nicht darüber reden. Vollkommen unnötig, aus so einem Spiel nur einen Punkt mitzunehmen.

Aber wir sind natürlich Optimisten und möchten daher noch ein paar positive Dinge hervorheben:

  • Am Ende des Tages sind zehn Fässer Freibier in den Fanräumen leer. Vielen Dank, Hoschis, auch für den tapfersten Einsatz am Tresen!
  • Da der politische Druck auf die Rote Flora nicht gerade weniger wird und der Oberbürgermeister im großen Abendblatt-Interview nochmals mit drastischen Worten Konsequenzen angekündigt hat, hat die Fanszene sich einmal mehr optisch positioniert und signalisiert Unterstützung für die Flora.
  • Hey, ganz ehrlich. Es ist das erste von 17 Heimspielen. Es kommen noch viele weitere und ab jetzt gewinnen immer wir. So einfach ist das!
MagischerFC St. Pauli vs. Dynamo Dresden August 2017

Keine Diskussion!

Am Ende freuen wir uns, dass die Saison wieder losgegangen ist. Fußball und der FCSP macht trotzdem immer noch Spaß, wir sind ja keine Masochisten. Dienstagmorgen sich zur Arbeit zu schieben und einen vollen Tag durchzuhalten, macht nach einem Montagspiel weniger Spaß.

Was sonst noch war

Warum niemand mit der Polizei redet?

Bereits Samstag Abend kam es – wohl vor der Saisonauftaktfahrt von USP – zu einem unschönen Ereignis, welches durch eine Pressemeldung der Polizei nun an die Öffentlichkeit kommt.

Wir können und wollen gar nicht den Wahrheitsgehalt dieser Polizeimeldung beleuchten. Wir nehmen ihn jetzt einfach mal an. U, S und P (fiktive Namen) im Alter von 43, 47 und 51 sind also auf dem Weg zur Schiffsparty, als 20 gut vorbereitete Leute auf sie warten und ihnen einen auf die Fresse hauen. Sind es nur wir, die dies aus dieser Pressemittelung filtern und eine etwas andere Formulierung benutzen? Ohne, dass wir U, S und P nun kennen, würden wir angesichts der genannten Altersangaben davon ausgehen, dass es sich nicht gerade um sportliche Jungs handelt, die nun eine Boxerei suchten, oder? Wir denken, da interpretiert man nicht zuviel in den Sachverhalt ein.

Und ein „faires Ding“ – wie das in sportlichen Kreisen so immer heißt, ist drei Partygänger gegen 20 gut vorbereitete Leute auch nicht gerade. Oder?

Trotzdem spricht die Polizei hier nicht von „Schlägerei“ oder „Angriff“ oder nutzt andere Begriffe, wo man klar einen Täter und ein Opfer hat. Sondern sie spricht von einer „Auseinandersetzung unter Fußballfans“. Auseinandersetzung ist per definitionem zunächst mal ein kontrovers geführtes Gespräch, mit Worten ausgetragener heftiger Streit oder ein mit Gewalt ausgetragener Konflikt. In diese Interpretation ist also eine Gegenseitigkeit und eine scheinbare Augenhöhe eingebaut. Sprich: Hier wird mit diesem kleinen Kniff ganz bewusst aus einem klaren Täter-Opfer-Sachverhalt ein „ihr wolltet es doch grundsätzlich auch“ gemacht.

Da muss man sich dann als Polizei auch nicht wundern, dass die Opfer ihre Personalien nicht wirklich gerne angegeben haben. Bei der Deutung wandern die wahrscheinlich noch in irgendeine interne „Gewalttäter“-Datei.

Diese Überfälle sind nebenbei Scheiße, werden von allen Fußballfanszenen begangen und haben aus unserer Sicht nix mit Ultra, Fan oder Fußball zu tun, sondern sind eher was für Feiglinge. Also egal wer so etwas macht: In die Ecke und schämen.

Die Hetze gegen die „Ultras“

Die Blöd hat eine neue Lieblingsbeschäftigung. Hetze gegen Ultras. Das passt in unsere Zeit und auch in unsere Zeit, wo Begriffe wie Gefährder offen als Grund genannt werden, warum komplett unbescholtene Menschen überwacht und mit staatlicher Gewalt eingedeckt werden, wenn sie nur irgendwie nicht in die immer enger werdende Norm der „Mehrheitsgesellschaft“ passen. Der Begriff des Gefährders wird immer mehr erweitert und Maßnahmen gegen den im strafrechtlichen Sinne unschuldigen und unvorbelasteten Menschen durchgeführt, die bis zur Abschiebung in ein Krisengebiet gehen können. Krass oder?

Nun, das Gleiche nur im kleinen Rahmen „Fußball“ macht man nun mit den Ultras. Man stempelt sie als „Gefährder“ ab, man panikt in Panikzeitungen rum, sodass jeder Normalbürger zwar noch nie einen Ultra gesehen hat, aber ihn schon in der Schublade „Schwerverbrecher“ abgespeichert hat und macht dann Maßnahmen, ohne dass es die Mehrheit interessiert. Da ist der Fußball schon lange gerne auch Testfeld für andere gesellschaftliche Phänomene.

Dazu wird dann noch einem Profi auf Seite 1 in der Vierbuchstabenzeitung das Wort im Mund umgedreht (Sein Dementi kann man dann am nächsten Tag am besten noch mit einem „Der wird doch von den Ultras unter Druck gesetzt, da seht ihr welche Macht die haben!“ entwertet. Nachtrag: prompt twittert Herr Reichelt von dieser Zeitung auf Nachfrage des Bildblog beinah wortwörtlich diese Räuberpistole. Bewusst nicht verlinkt.) und schon kann die Repressionsschiene rattern.

Worum es hier geht, ist, dass man Fanbeteiligung in Vereinen (eine Idee, die u. a. Ultras mitgebracht haben) und Nutzung von verfassungsgemäßen Rechten in einem demokratisch zu organisierenden e. V. diskreditieren möchte. Vierbuchstabenzeitung, DFB, H96 und viele mehr stehen ja auf eine gelenkte Demokratie der Marke Putin im Fußball, wo der starke Mann mit 100 Prozent „gewählt“ wird. Und ist dies gefährdet, dann erzählt man halt, dass alle, die dagegen sind, sowieso nur Randalefreunde sind. Funktioniert erstaunlich gut. Leider.

Es schrieben noch

Der Übersteiger trauert den Saisonzielen hinterher

Knotensusi überlegt bei einem guten Frühstückshonig Vereinsmitglied zu werden

Kiezkicker erklärt sein Problem mit den Werbebanden

Nicer Senf Nr. 40

Zaphod sieht Luft nach oben

Grönis Gefühle schwanken in Halbzeiten und Bildern

Ultras Dynamo zum Vouchersystem

Und vielleicht schreibt der Hanseator auch noch was?

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  2 Responses to “And justice … not for all”

  1. Das hat zwar schon was von Nötigung, aber ich will mal nicht so sein. 🙂
    Danke nochmal fürs Mitnehmen.

  2. […] Weitere Berichte: Stefan Groenveld – Zwischen Aaargh und ist ok so.. Übersteiger-Blog: 2.Spieltag (H) – SG Dynamo Dresden Magischer FC: And justice … not for all […]

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