Mrz 302017
 
Wir glauben, wir müssen nicht viele Worte über die Situation in der Türkei verlieren. Eine Quasi-Diktatur will nun auch noch die letzten kleinen Fitzelchen Demokratie abschaffen und jeder der irgendwie was dagegen hat, ist ein Terrorist und wird wegen irgendwelcher fadenscheinigen Begründungen verhaftet und/oder angeklagt. 
 
Und sollte er dann auch noch irgendwie das Wort „Kurden“ in den Mund genommen haben oder irgendwie auf deren Schicksal hingewiesen haben, dann ist er noch mal Terrorist. 
 
All diese Menschen verdienen Solidarität und viel mehr Druck auf die Herrschenden in der Türkei. Der Fußball hat es immerhin geschafft, Belek diesen Winter zu meiden und es ist zu hoffen, dass noch viel mehr Druck aufgebaut wird. 
 
Auch wenn das heißt, dass unsere Bundeskanzlerin in Naziuniform in irgendwelchen türkischen Blättchen abgedruckt wird. Nebenbei mal ehrlich liebes antideutsche 😉 Boulevard: Das Ding hat so einen Bart. Und so ein Godwin disqualifiziert euch eigentlich von jeder Diskussion. 
 
Stellvertretend für all diese Menschen sei unser Ex-Spieler Deniz Naki genannt, der sich Anfang April erneut vor einem türkischen Gericht verantworten muss. Im ersten Prozess wurde er durch die letzten Zuckungen eines Rechtsstaates freigesprochen. Was ihm vorgeworfen wird? Könnt ihr hier nachlesen.
 
Es ist nicht nur der Fakt, dass Deniz international in den kurdischen Communitys bekannt und beliebt ist, der ihn zum Ziel für die (höchstwahrscheinlich staatlich motivierte) Verfolgung macht. Deniz ist – so der verlinkte Beitrag des WDR – einer der besten Spieler des einzigen relevanten kurdischen Vereins im Profi-Fußball Amedspor. Sein Anwalt vermutet, dass die Ermittlungen gegen Deniz auch als Angriff auf den Club zu verstehen seien, dessen Aufstieg in die zweite türkische Liga man offenbar nicht gerne sehen würde. So gibt es eine ganze Reihe weiterer repressiver Maßnahmen, beispielsweise eine drakonische Geldstrafe wegen politischer Gesänge im Stadion und ein generelles Auswärtsfahrverbot für die Fans. Der Fall Amedpsor und Deniz Naki zeigt uns dieser Tage auf eine sehr unschöne Art und Weise erneut, wie hochpolitisch der Fußball ist.
 
Wir haben Deniz als unangepassten Spieler kennen und lieben gelernt. Wir begrüßen, dass er – bei allem Risiko für sich selbst – sich weder im Fußball noch im Leben die Schnauze verbieten lässt. Deniz, bleib stark, hold your head up high und wir sind solidarisch bei dir. Das ist das wenige was wir tun können um die Welt zu ändern. 
 
In diesem Sinne möchten wir gerne eine ganz praktische Bitte an euch richten: Bis zum nächsten Heimspiel ist noch etwas Zeit. Holt Pinsel, Farbe und Tapeten aus den Kellern, teilt einen oder mehrere Beiträge über Deniz‘ Situation online, macht auf das Thema aufmerksam. Jan van Aken, Hamburger Bundestagsabgeordneter der Linken, der beim ersten Prozess dabei war, mutmaßte, dass das mediale Interesse und die Anwesenheit von drei deutschen PolitikerInnen (zwei davon aus HH) maßgeblich für den ersten Freispruch verantwortlich waren. Wenn wir auf St. Pauli und darüber hinaus es wieder schaffen, eine Öffentlichkeit für das Thema herzustellen, können wir Deniz ganz pragmatisch helfen. Ob wir das schaffen, scheint angesichts der U-Haft für Deniz Yücel trotz des Einsatzes diverser Institutionen und Organisationen mindestens fraglich, aber lasst es uns zumindest versuchen! Die erste Verhandlung hat gezeigt, dass Solidarität wirken kann.
 

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  One Response to “An Deniz denken”

  1. […] Einsatz und deine Solidarität gegenüber den Opfern des Krieges, nicht ins Gefängnis gehen musst. Genauer haben wir hier darüber geschrieben. (function($){ var options = {"info_link":"http://heise.de/-1333879","txt_help":"Wenn Sie diese […]

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