Aug 092016
 

Stuttgart. Eine Stadt mit wenig Platz und vielen Unternehmungen.

Das kann nur zu einer gewissen Enge führen. Wenn man dann noch eine Baustelle der Größe Stuttgart 21 hat, dann wird das schnell zu einem sehr engen Chaos. Nein, wir wollen jetzt hier nicht über die Sinnhaftigkeit von Bauprojekten diskutieren, aber zurzeit ist selbst der S-Bahn-Verkehr in Stuttgart staugeplagt.

Ja, S-Bahn, denn unsere Auswärtsdelegation nutzt diesmal den Flieger. Um dann festzustellen, dass immerhin alle 20 Minuten eine S-Bahn vom Flughafen in die City geht. Dafür aber immerhin direkt in Richtung Stadion. Wir müssen aber noch die Guten und die Alten aufsammeln und fahren dann ein Stück U-Bahn, um dann einmal ums Stadion herum zu müssen. Der direkte Weg in den Gästeblock ist dann auch noch verbaut, setzt man doch heutzutage auf „strikte Fantrennung“. Was schlichtweg Bullenscheiße ist, wenn alle Leute auf den Zuwegen sowieso – nebenbei friedlich – nebeneinander her laufen. Oder der Assikram halt nach dem Spiel in der Stadt passiert. Das eine Käfighaltung nun deeskalierend oder gastfreundlich sein soll, das glauben wahrscheinlich nicht einmal die größten Freunde von Betonmonumentalbauten. Der Gästebereich im Stuttgarter Neckarstadion (seit neustem nach der Tochter eines deutschen Ingenieurs benannt), ist aber genau so gestaltet. Beton, Metallsichtblenden und Stachel. Sehr einladend.

Ach was meckern wir, wenn die Fanladen-Bus-Crew entweder Mietwagen auf eigene Kosten buchen musste oder der liegengebliebene Bus dann immerhin zur zweiten Halbzeit vor Ort war.

Der Gästeblock im Inneren …

… ist dann ganz okay. Nicht super toll, alleine schon weil mit diesen unsäglichen Klappsitzen an Hühnerstangen ausgestattet; aber man hat eine ordentliche Sicht und ist auch nicht zu weit weg. Die Zugänge und der „Vorraum“ hingegen ist beklemmend und betonig. Muss irgendwie nicht sein.

Was auffällt ist die Uniformität der Stuttgarter Anhänger. Und das ist jetzt gar nicht negativ gemeint. Eine Quote von gut 90 % aller Zuschauer erscheint mit weißen Trikot mit Brustring. Ob das nun genau zu diesem Spiel aufgerufen war oder da einfach Standard ist, keine Ahnung, aber es ergibt ein schon sehr beeindruckendes Bild.

Der Gästeblock gut gefüllt und insgesamt 60.000 vermeldete Zuschauer sind eine sehr ordentliche Kullisse für ein Montagabendzweitligaspiel (jemand Bock auf Galgenraten?). Wobei die Nennung von Zuschauerzahlen mit vier Nullen am Ende irgendwie witzlos ist. Das ist dann so grob aufgerundet (von abgerundet wird hier wohl keiner sprechen), dass der Informationsgehalt äußerst gering ist.

Zum Spiel

Ja, das ist nett anzusehen, wenn zwei Mannschaften in hohem Tempo Fehlpässe austauschen. Und es ist nett anzusehen, wenn die Gastmannschaft das Konzept der zweiten Liga verlässt und mal versucht, ein bisschen mitzuspielen und das Ganze relativ offensiv zu lösen. Nur ob dies ein wirklich Erfolg versprechendes Konzept ist, da bleiben dann doch Zweifel. In Liga 2 ist „kompakt, kompakt, kompakt“ in den letzten Jahren ein beinah durchgängiger Erfolgsgarant gewesen. Und dies geht beiden Mannschaften doch deutlich ab. Hinzu kommt eine beidseitige Ballunsicherheit. Viele Pässe, die nicht mal wirklich in einer Bedrängnis geschlagen werden, landen beim Gegner. Was normalerweise in Liga 2 tödlich ist. Diesmal erstmal nicht, weil die jeweils andere Mannschaft es schnell nachmacht.

Als dann unsere Jungs endlich mal nicht den Ball verlieren, sondern präzise und schnell durchspielten, steht es nach einer Killerflanke von Fafa auch 0-1. Soweit so gut. Man will nun das Tempo nicht herausnehmen und wenn der Pfosten 10 Millimeter weiter links wäre, dann würde dieser Mut (dieser Wahnsinn?) mit dem 0-2 belohnt. So geht schon zum Ende der ersten Halbzeit der Druck verloren und Stuttgart hat auch seine Chancen.

Halbzeit zwo

… um dann immer unsicherer zu werden. Und eigentlich hat der FCSP das Ding im Sack, nur damit er dann genau in die typische Falle in der zweiten Liga rennen soll. Zu offensiv stehen, ein schneller Antritt eines einzelnen Spielers, einmal nicht konsequent mitgegangen und drauf gegangen und schon steht es 1-1. Und dies erwächst direkt aus dem Ballverlust am gegnerischen Strafraum. Das darf einfach nicht passieren. Ganz dummes Ding.

Und danach findet die Mannschaft einfach nicht in eine Ordnung. Offensiv weitermachen? Defensiv werden? Zwei Stürmer raus, zwei rein, macht es nicht besser. Im Gegenteil. Nun ist alles in Unordnung anstatt in Ordnung. Im Stadion denkt man noch, dass der Wechsel okay sei, hatten Fafa und Aziz doch vorne malocht wie die Bekloppten. Rückblickend findet hier aber der Bruch statt. Stuttgart nun mit Oberwasser und mehr Kraft. Der Siegtreffer fällt spät, glücklich, aber eben auch nicht ganz unverdient, weil Stuttgart halt bis zur letzten Sekunde anrennt.

Was uns Sorgen macht …

… ist die fehlende Kompaktheit/Ordnung, wie ihr das auch immer nennen wollt. Genau das war unsere Stärke letzte Saison. Diverse Zu-Null-Spiele von Skyman drücken das deutlich aus. Und die fehlte diesmal, gerade in Halbzeit zwei. Auch wenn Buchti viel wegfängt, hat Stuttgart immer wieder viel zu viel Platz. Und auch wenn wir uns jetzt wiederholen: Genau diese fehlende Ordnung ist in Liga 2 ein absolutes Genickbruchding.

Punkt wäre drin gewesen, aber dann muss man eben die Kompaktheit 90 Minuten haben und auf deutlich weniger Ballverluste kommen. Und wenn man mal einen Ball verliert, dann muss schnell zurück gearbeitet werden. Das fehlt. Und das wird gegen eine Mannschaft, die nicht jeden gewonnenen Ball sofort verstolpert, noch mehr gefragt sein. Zwingend einfacher wird es gegen Braunschweig nicht. Ach ja: Ein, zwei Spieler im defensiven Bereich sehen echt teilweise richtig alt aus bei den Gegentoren. Aber hey, die sind das Ende von Fehlerketten, und wenn sie einen riesigen Tag haben, dann retten sie das cool. Haben sie aber diesmal nicht.

Nun ja, es ging zurück in die Betonwüste und zu unserem Schlafplatz. Danke Paupi. Danke, dass es dich und dein Sofa gibt!

Heute noch mit Präsident und Aufsichtsratsvorsitzende in einer Maschine zurück geflogen und nun schon fertig mit dem Bericht.

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  One Response to “Strategie gegen Architektur”

  1. […] war gegen jede Erwartung und trotz der verlorenen drei Punkte eigentlich ganz ausbaufähig. Es gibt berufenere Kommentatoren als ich und auf diese verlinke ich hier auch sehr […]

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