Feb 292016
 

Unsereins fährt ja nicht mehr so häufig mit dem Fanladen-Bus auswärts. Man wird dann ja doch äl bequemer und nach gut 15 Jahren regelmäßigem Auswärtsfahren hat man auch schon alles gesehen.

Aber ab und zumal muss man dann doch mal wieder ran. Und so wird es Bus 1 und mit einer entspannten sozialen Bezugsgruppe geht es in Richtung Duisburg.

Man kann ja das Engagement der Ufftas immer nur wieder loben. Aber wie man auf die Idee kommen kann, nach Duisburg noch eine Stunde eher los zu fahren, erschließt sich uns nicht. So hübsch ist es da irgendwie nicht. Aber das muss dieses brennende Feuer der Jugend sein.

Alles wie immer? Nein, wir lassen die A 7 wirklich mal A 7 sein und fahren nicht über Allertal. Ja klar, würde kein vernünftiger Mensch machen, um nach Duisburg zu kommen; aber unterschätzt nicht diese Magnetwirkung, die Allertal auf Busfahrer hat.

Also die A 1 runter. Wir in dem überbuchten Bus, der am Ende vier Plätze frei hat, während der andere Bus, obwohl nicht zu voll, am Ende zu wenig Sitzplätze hat. Weil er auch nicht der andere Bus, sondern der Bus der Skinheads ist. Was dann zu einem Bustausch auf der Raststätte führt. Denn heutzutage haben Skins solche Gedanken wie „Was ist mit der Versicherung, wenn was passiert?“. Nimmt da jemand die Worte „alt“ und „spießig“ in den Mund? Wir nicht, denn die Mädels und Jungs wissen immer noch, wie man eine Busparty schmeißt. Ach ja, die haben dieses Jahr 20-Jähriges und schmeißen eine fette Party. Wird garantiert super.

Zivilisiert ins Ruhrgebiet

Alles ruhig im Bus, da auch nur eine CD an Bord, sodass wir sabbelnd dahin gleiten. Nur der Chefstatistiker hat eine extrem kurze Lunte. Leute, der ist immer knapp davor, die Rentner umzuboxen.

Wie zivilisiert dieser Bus ist, zeigt sich, dass der berühmte „LAUTER“-Brüller von hinten nach der Befolgung dieser Anweisung mit einem „DANKE“ vervollständigt wird.

In Duisburg dann noch eine kleine Stadtrundfahrt, weil Navi und Anfahrtsempfehlung des Vereines nicht wirklich zusammen kommen wollen, aber auch dies wird von Stefan und dem echt angenehmen Busfahrer elegant und cool gelöst. Und wir sind sowieso viel zu früh.

Der Gästeblock ist nicht wirklich eine Perle. Der Zugang in ihn eine gepflegte Frechheit (enger Tunnel) und die Sicht eher so naja. Aber wer will schon Fußball sehen? Die Sicht wird nicht dadurch besser, dass jeder noch irgendwo sein Banner aufhängen möchte. Das wird man aus Fußballfans nicht mehr herausbekommen. Nun gut. Die Tore kann man beinah noch sehen und lieber bei vielen Hamburger Gesichtern stehen als bei irgendwelchen Paulis. Sorry, zu viel erlebt. Gerade in Duisburg.

Fußballkultur ist ja immer ein schwieriges Wort. Häufig genug meinen Leute bei dem Erhalt von Fußballkultur nur, dass sie sich möglichst straffrei möglichst derbst daneben benehmen können. Das ist nun wirklich keine Kultur, die in einer guten Tradition steht. (Ihr merkt, wir werfen hier mit problematischen Begriffen um uns.) Der Zebratwist hingegen, der ist erhaltenswertes Fußballkulturgut. Und so ist auch der gesamte Gästeblock am Twisten, als diese Perle der Fußballmusikgeschichte eingespielt wird. Wahrscheinlich gibt es auch irgendwelche Gästefans, die da noch pfeifen und eskalieren; aber bei uns war die Aussage dazu: „Ich habe versprochen nicht laut mitzusingen.“

Duisburger Fans? Och nee.

Ansonsten kann man über Duisburg bzw. seine Fans immer nur wieder den Kopf schütteln. Viele vernünftige Leute, aber eben auch ganz viel rechtes Volk, die offen ihre Fahnen aufhängen können. „Neudorfer Aktionsfront“ z. B. hängt im Oberrang. (Befragt Google, falls ihr es genauer wissen wollt). Da wird man dann als Fan auch mal mit einem zünftigen „Wasch dich mal du Zeckenf…“ begrüßt. Steht für Dienstag im Kalender, danke.

Puh, was Ewald da auf den Rasen stellte, ist die Ersatzaufstellung der Ersatzaufstellung. Das wir bisher in 50 Prozent unserer Spiele zu Null gespielt haben, liegt ja auch an einer sehr überragenden Saison unserer beiden Innenverteidiger. Die an diesem Tag beide nicht anwesend sind. Ihre „natürlichen“ Ersatzleute nur leider auch nicht. Maier, Kalla, Sobiech, Ziereis, Nehrig, Gonther gar nicht dabei, Sobota nur so mit halber Fitness? Seien wir ehrlich, aus diesen sieben Namen kann man eine sehr ordentliche Zweitligamannschaft machen.

Nun denn, so kommt Keller zu seinem Zweitligadebut und Dudziak musste wahrscheinlich erstmal Google bemühen, um zu sehen wie man Außenverteidiger spielt.

Die Kette hält

Das Bemerkenswerte: Die zusammengewürfelte Viererkette hält, lässt wenig zu, putzt die Fehler des Anderen aus und Hornschuh – Keller stehen Ziereis – Sobiech in nahezu nix nach. Das ist schon bemerkenswert. Gerade Keller gefällt mit seinem abgeklärten Spiel.

Und dann gibt es da ja noch im Mittelfeld diesen letzten Punk (zumindest von der Frisur), der irgendwie immer seinen Fuß dazwischen hat. Ratsche ist eigentlich der einzige Spieler, der von Anbeginn auf Betriebstemperatur ist. Und der das ganze Spiel über immer wieder den Fuß dazwischen hat.

Auswärtssieg! 󾌵󾭞 Super Mannschaftsleistung!#Teamspirit #Johnny #Verhoek #Ratsche #12 #11

Posted by Marc Rzatkowski on Sonntag, 28. Februar 2016

Machen wir uns nix vor, die erste Halbzeit hat nix, aber auch gar nix mit Fußball zu tun. Da siehst du auf jedem Kreisklassenplatz in Deutschland besseren Fußball als das, was da angeboten wird. Gingendie beiden Torhüter ein Bierchen trinken, es würde trotzdem mit einem 0-0 in die Halbzeit gehen.

In der Halbzeit dann ein Auftritt der örtlichen Cheerleader. Nun gibt es ja so einen Reflex bei Fußballfans, immer über Cheerleader zu meckern. Den will zumindest unsereiner gar nicht unterstützen, denn das ist ja grundsätzlich auch eine Sportart, in der viel Herzblut und viel Trainingsschweiß der Ausübenden liegt. Dass sie nicht zu Fußball passt und was von Fleischbeschau hat, sei nur am Rande erwähnt. Nur was die Ausübenden da darbieten, ist eher unterstes Niveau dieser Sportart. Passt sich also der ersten Halbzeit nahtlos an.

Ein Auswärtsblock mit Abwechslung

Widmen wir uns doch an dieser Stelle dem gut gefüllten Auswärtsblock. Der ist – gemessen an der eher zähen Kost auf dem Spielfeld – von Beginn an in ganz ordentlicher Singlaune, steigert sich dann natürlich, als er so etwas wie Fußball zu sehen bekommt. Unsere Vorsänger gehen einmal das ganze Arsenal durch, sodass auch die Freunde der Abwechslung auf ihre Kosten kommen.

Was in solchen Blöcken immer stört, ist die Gruppe von zehn Leuten, die meint, sie bekäme zehn Minuten vor Anpfiff noch einen lockeren Platz für zehn Leute, und zu diesem Zwecke sich dann in einen vollen Block drängelt, Leuten den Platz nimmt und Leute zum dauernden Anlehnen missbraucht. Natürlich strunzvoll und dem Hinweis, dass man auf dem Platz bis eben noch stand nicht wirklich aufgeschlossen. Bzw. das dann mit einem Hinweis auf „Spießertum“ diskretieren. Das man u. a. mehrere Mädels von ihren Plätzen verdrängt, kann man wohl nur als Mackertum deuten. Nun ja, die dürfen sich was anhören und ziehen dann weiter.

Kommen wir zu Halbzeit 2. Es wird besser. Machen wir das doch an Verhoek fest. In Halbzeit 1 gar nicht auf dem Platz, wirft er sich nun rein und kommt immer besser ins Spiel. Wir gewinnen so etwas wie eine Feldüberlegenheit und folgerichtig führt einer der wenigen zu Ende gespielten Angriffe zum 1-0. Was dann folgt, ist nicht wirklich souverän. Abwehrschlacht gegen den Tabellenletzten möchte man wirklich nicht spielen oder auch nur sehen. Und gegen ein Team, was mehr Qualitäten hat, wäre das auch eng geworden. Nur wenn man als Angreifer vollkommen frei im Strafraum den Ball nicht annehmen und verwerten kann, sondern ihn lieber zurück in den Verkehr legt, dann sagt das schon vieles über die Qualität aus.

Man verstehe uns nicht falsch. Duisburg rennt um sein Leben, sodass man als Fan dieser Truppe nahezu nix vorwerfen kann. Außer, dass sie einfach nicht die Qualität für Liga 2 hat. Trotz dieses Dauerdrucks muss Skyman nur einen einzigen Ball entschärfen.

Erst die fünfte Gelbe für Buchti?

Der Schiedsrichter ist nun garantiert keiner, der die Heimmannschaft benachteiligt. Lautes Erstaunen bei uns, als Buchti ohne Scherz erst seine fünte gelbe Karte in dieser Saison abholt. Nicht nur, dass es eher ein Zweikampf der Marke „super harmlos“ ist. Nein, Buchtmann? 23. Spieltag? Fünf gelbe Karten? Wow. Das ist für jemanden, der gefühlt in jedem Spiel eine abholt, wenig. Er wird uns trotzdem gegen Braunschweig fehlen. Vielleicht kann er die Zeit ja nutzen, um mit Meggi eine Vertragsverlängerung klar zu machen.

Womit wir wieder bei Verhoek sind. Ja, auch wir lästern ab und zumal über die eher gebrauchten Auftritte von ihm im braun-weißen Dress. Aber nach all der auch privaten Scheiße, die der Junge in letzter Zeit erlebt hat, sei ihm das Tor von ganzem Herzen gegönnt. Wenn man sieht, wie alle Spieler und Funktionäre den Jungen nach dem Tor herzen, dann zeigt sich auch, dass der kein Unsympath sein kann.

Das bis dahin extremes Nägelkauen angesagt ist, ist ein kleiner Minuspunkt beim Spielerlebnis. Aber gewonnen ist gewonnen und wir bleiben dran an den Plätzen, die dazu berechtigen, nächstes Jahr unverdient in Gelsenkirchen zu gewinnen und anschließend Europa unsicher zu machen. So wird das dann auch.

Kommt doch mal vor den Block!

Schade, dass die Mannschaft sich nach dem Spiel nicht wirklich vor den Gästeblock traut. Jungs, wir beißen nicht. Da kann man auch mal zum Hände abklatschen kommen. Ewald mag wieder nicht gefeiert werden, was wahrscheinlich dazu führt, dass er noch mehr gefeiert wird. Das war nebenbei sein 40. Ligaspiel für den FCSP (der Chefstatistiker hat das wie alle folgenden Statistiken für uns rausgesucht). Auf den meisten seiner Stationen hat er 60 Spiele nicht erreicht.

Nun also Englische Woche. Das letzte Mal neun Punkte in einer englischen Woche? Saison 08/09 an den Spieltagen 9 bis 11. Wiesbaden, Duisburg und Nürnberg waren damals die Gegner. Wird also mal wieder Zeit. Ach ja, 0 Punkte gab es das letzte Mal in der Saison 12/13 an den Spieltagen 6 bis 8. FSV Frankfurt, Aalen, Regensburg standen uns hier gegenüber.

Nun gut, wir sammeln uns an den Bussen und irgendwann geht es dann auch los. In den Stau. Und es dauert und dauert und dauert. Wenn alle zur Autobahn links abbiegen müssen und vier Fahrzeuge pro Ampelphase rüber kommen, dann kann so etwas schon mal richtig Zeit in Anspruch nehmen.

Wir alten Säcke vertrieben uns die Zeit mit den besten Anekdoten aus 30 Jahren FCSP. Aber immer wenn jemand sagt „Du solltest ein Buch schreiben.“ stellen wir fest, dass das sowieso keiner lesen will.

Es geht in die Englische Woche

Gut ist auch, dass man ja das meiste an Sprüchen und skurrilen Szenen vergisst. Nur, dass der Busfahrer bei einer Pause im Dunklen verschwidnet, macht uns kurz Sorgen. Auch die Erklärung, dass er gleich aus dem Wald mit einem Reh für das Abendessen wieder kommt, beruhigt nur bedingt. Aber ansonsten ein sehr angenehmer Busfahrer, ohne Witze, mit kurzen knappen Ansagen und doch ohne Gefühl, dass er hier der Herrscher über Leben und Tod sei.

Heute Morgen dann aber doch das Gefühl: „Du bist zu alt für den Scheiß.“ Aber irgendwie auch mit dem Gefühl, dass Auswärts doch schon irgendwie großartig ist. Hoffentlich auch nächste Woche in Heidenheim.
Stellen sich nur noch zwei Fragen:

Bleibt Ewald auch diesmal bei „Never chance a winning team“?

und

Wann wird sich die DFL bequemen, mal Spieltage anzusetzen? Im schlechtesten Fall könnte Effe schon in zwölf Tagen im Millerntor einlaufen. Angeblich soll Dienstag terminiert werden, aber wer weiß das schon. Dazu fällt einem wirklich nichts mehr zu ein. (Stand 09:00 am 29.02.)

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  4 Responses to “Zebrastreifen am Horizont”

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