Aug 312015
 

Was für ein Unterschied. Letzte Woche noch WM-Stadion, Bundesliga-Ambiente und ein hochklassiges Spiel zweier Aufstiegskandidaten. Diese Woche Bezirksportanlagen-Feeling, Zweitliga-Tristess und Mittelmaß.

Damit könnte man jetzt den Spielbericht eigentlich schon beenden, aber das wäre ja irgendwie auch albern.

Fangen wir also in einem kalten dunklen Hamburg an, wo sich mehrere Gestalten auf unterschiedlichsten Wegen nach Frankfurt machen. Niedersachen begrüßt uns mit nebligen Feldern, einem schönen Sonnenaufgang und Regen. Die angekündigten 35 Grad will da noch niemand so wirklich wahrhaben.

Bis man kurz vor Frankfurt Pause macht und aus dem klimatisierten Gefährt steigt. Okay. Sommerfußball.

Schnell ein Parkplatz an der Eissporthalle gefunden (Warum genau sind wir jetzt eigentlich nicht Eishockeyfans?) und zum Eingang der Gästefans geschleppt. USP hat zu „alle in Rot“ aufgerufen, was definitiv zu kurzfristig war, denn selbst im informierten Teil der Fanszene ist die Rotquote doch eher bei 70 Prozent. Die Idee ist gut, der Anlass auch, aber das nächste mal ein bisschen früher.

Ansonsten finden sich ganz viele Umlandfans im Gästeblock ein. Und das ist leider in einer solchen Geballtheit nicht unproblematisch. Ja, es kommen sehr viele sehr tolle Menschen aus aller Dialekte Länder zu Spielen des FCSP. Wir trafen wieder ganz Tolle vor Ort. Aber leider finden sich auch Leute ein, die Anmerkungen über „ausländisch klingende“ Namen machen müssen oder die Aufstellung des FSV Frankfurt mit einem „Arschloch“ begleiten müssen, aber ansonsten teilweise 90 Minuten nicht das Maul aufbekommen.

Das ist schade. Für mehr coole Menschen aus allen Himmelsrichtungen, für weniger „Ich gehe ja sonst zur Eintracht und denke, ich kann mich hier so benehmen wie da,“ (Verkürzung eines mitgehörten Dialogs).

Wir trollen uns in die Ecke des Blocks, was angesichts des Wetters die richtige Entscheidung ist, da schattig. Für das Erlebnis Fußball ist es echt abträglich; denn Support, Emotion oder Begleitung des Geschehen des Rasens finden außerhalb unserer Gruppe eher nicht statt.

Der Mittelblock zeigt zu rotem Shirt, rote Plakate und ein bisschen Pyro. Die Diskussion darüber kann man garantiert im Forum nachlesen. Da werden die seit zehn Jahren bekannten Argumente ausgetauscht. Verhindern wird man es auch mit noch mehr Sicherheit, noch mehr Gefummel am Einlass und noch längeren Schlangen garantiert nicht. Positiv: Der Wind sorgt für einen guten Abzug, sodass selbst der Schiedsrichter anpfeifft, obwohl es noch qualmt. Wir hörten, dass dies sein erstes Spiel in Liga 2 war und das hat er gut gemacht. Klar, längere Nachspielzeit wäre okay. Aber sich beim ersten Mal vielleicht auch so ein bisschen an die normalen drei Minuten halten, das ist schon okay. Wahrscheinlich wird er jedoch für den Anpfiff, während es noch raucht, beim DFB eine schlechte Note bekommen.

FSV Frankfurt St. Pauli 2015

Smoky Business

Bleiben wir in der Beurteilung des Spieles realistisch: Wir sind noch kein Spitzenteam, welches konstant jede Woche einen Gegner an die Wand spielen kann. Wir haben ein Problem, uns von WM-Stadion (voll) auf Bezirkssportanlage (gut gefüllt) umzustellen. Ist auch nur menschlich. Jeder, der schon mal selber Sport gemacht hat, weiß, dass Publikum einem einen Kick geben kann.

Trotz dieser Faktoren sind wir nah dran an etwas zählbarem, was für uns spricht. Frankfurt mit wirklich nur einem gefährlichen Schuß auf das Tor, der ist dann halt drin. Und wir sind in der Chancenverwertung auch einfach nicht kalt genug.

Lienen sprach vorher davon, dass wir immer volle Pulle geben müssen, um zu gewinnen. Und daran hapert es halt heute. Ist nicht schlimm, passiert, die Jungs werden daraus lernen und irgendwann auch so weit sein, dass sie nicht nur im WM-Stadion das Maximum abrufen können, sondern auch auf kleinen ruhigen Plätzen. Das ist eine Entwicklung.

Ist das nun der Warnschuss zum richtigen Zeitpunkt? Oder das Ende des Höhenfluges? Das wird die Zeit zeigen. In die Pause geht es mit einem guten Gefühl, Platz 1 oder 2 zu übernehmen wäre natürlich sehr lecker gewesen. Aber so ist es Platz 4 und nach einem Drittel der Hinrunde (ja nix mit „zählt doch alles noch nix“) haben wir nach unten schon mal ein gutes Polster und nach oben die Nase ausgestreckt. Man gucke nebenbei mal auf die Tabelle nach dem fünften Spieltag der letzten Saison. Da findet man schon Mannschaften oben, die am Ende oben standen, und Mannschaften unten, die am Ende unten standen. Ein Trendwechsel ist eher die Ausnahme. Das sollte uns ein gutes Gefühl für die weiteren 29 Spiele geben.

Schnell weg da, ab nach Hamburg. Nix mehr passiert. Alles entspannt.

Unseren Weg nicht mehr mitgehen will Halstenberg. Ganz ehrlich: Spielerbeschimpfung sollte nicht unser Style sein und irgendwelche „Söldner“-Sprüche sind aber so etwas von 80er, dass sie sich selber verbieten. Man kann eine Meinung über Leipzig haben, man kann eine Meinung darüber haben, ob das wirklich gut für den Spieler ist, aber wenn er will, dann soll er.

Und für uns ist das bei einer behaupteten Ablöse von drei Millionen und einem grob geschätzten Etat von 15 Millionen ein ordentlicher Schluck aus der Pulle. Wenn ein Spieler ein Fünftel des Gesamtetat finanziert und nur noch diese Saison Vertrag hat, dann wird es schwer, nein zu sagen.

Insofern: Danke Halste für zwei Jahre guten Fußball, danke für die Traumtore, danke für das Verteidigen und dir alles Gute. Und Leipzig danke für die Kohle. Euer Logo drucken wir trotzdem nicht ab. So Bätsch.

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  4 Responses to “Kniet nieder ihr Bänker, St. Pauli ist zu Gast”

  1. […] von den Anderen, guggst du hier: Kleiner Tod Magischer FC Der Übersteiger Metalust & Subdiskurse Reloaded Aux Armes Grenzenlos Sankt Pauli USP Sankt […]

  2. […] FCUM A.D.: “33 degrees” – Bilder bei auxarmes – Bericht MagischerFC: “Kient nieder, Ihr Bänker…” – Vor dem Spiel-Gespräch mit Michael und Franziska beim AFM-Radio. – Der […]

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