Okt 282013
 

Ihr Lieben,

nein, Zählbares kam am Freitagabend auf dem Rasen nicht zustande. Dafür konnten wir an anderer Stelle an diesem Wochenende enorme Zahlen präsentieren. Fußball ist zwar immer noch wichtig, rückte jedoch spätestens mit dem Abpfiff am Freitag weit in den Hintergrund.

Tjoa, Sandhausen. Das mit dem Entlausen klappte nicht ganz so, wie wir uns das vorgenommen hatten. Es gibt immer so Spiele, wo der bekloppte Ball nicht ins Tor will; das war so eines. Am Ende wogen die Enttäuschung über den unzureichenden Abschluss und die Erleichterung, dass wir uns nicht wie so oft früher noch ein Ding in der 92. einfangen, etwa gleich.

Unsere Jungs wollen, aber sie verkrampfen bei solchen Spielen. Und dann sieht man richtig die Nervösität und das Zu-viel-auf-einmal-Wollen. Als ob der Blick auf die Tabelle lähmt. Vielleicht sollte unser Trainer den Blick auf die Tabelle verbieten. Aber von dem grandiosen Tempofußball, den unsere Mannen in Fürth teilweise entwickelten, waren wir diesmal meilenweit entfernt. Und so holst du gegen einen Gegner, der gefühlt in 90 Minuten keine Torchance hat, eben nur einen Punkt.

Aber will man sich wirklich ärgern? Akut am Wochenende schon, aber wenn man sich das Ganze heute am Montag ansieht, dann ist es wieder ein Schritt in der Entwicklung dieser jungen, hungrigen und auch guten Mannschaft.

Ein paar Ärgernisse blieben jedoch auch am Freitag. So ist die Südkurve an der Ecke Richtung Gegengerade einfach ein echter Schlafwagen. Wenn man schon mehr oder weniger dafür belächelt wird, in der Fankurve laut zu singen, sagt das genug. Sei es die hohe Touri-Dichte dort oder was auch immer, der Roar – so er denn durchs Stadion geht – versandet im östlichen Block B ganz schön.

Sowieso ist die Koordination Süd-GG ein leidiges Thema. Wenn – wie am Freitag – ständig elegant aneinander vorbei gesungen wird, dann ist das dem Roar nicht förderlich. Wir von unserer Perspektive mögen da niemandem eine „Schuld“ geben oder Absicht unterstellen, wie es viele Leute taten (und dann natürlich sofort auf USP zeigten). Wir denken, hier müssen alle Seiten am Zuhören und Aufnehmen arbeiten. Gut, wildes Durcheinandersingen ist ja schon ein Fortschritt gegenüber einem „einer singt, der Rest schweigt“, aber perfekt ist es noch lange nicht.

Unschön auch, dass vor unseren Augen wieder zwei Becher flogen. Welcher Satan die Werfer diesmal geritten hat, wissen wir nicht. Zwei durchnässte Vereinsmitarbeiter an der Bande und wahrscheinlich deutliche Worte in den Block waren die Folge. Leute, lasst es einfach, das kann doch nicht so schwer sein!
Drehen wir mal die Perspektive. Pure Begeisterung hinterließ am Freitagabend die Masse an Choreos, Transpis und Bannern anlässlich des Geburtstages des Aktionsbündnisses gegen Homophobie und Sexismus. Wenn die Mannschaft dann mit der „Wie kann man nur hassen, dass Menschen sich lieben“-Tapete über den Platz läuft und Tschauner Regenbogen-Handschuhe trägt, dann wissen wir einfach noch einmal so gut, warum wir hier stehen. Gänsehaut, ganz groß!

Mannschaft mit Plakat <3 Mannschaft mit Plakat <3[/caption]

Gleiches gilt für die Solidaritätsaktionen für Lampedusa in Hamburg und die deutliche Front gegen den unbarmherzigen Senat. Angefangen bei mehreren Zaunfahnen, weiter mit Sprechchören und zahlreichen Transpis und schließlich der Gipfel in der größten Nach-Abpfiff-Demonstration seit den Hafenstraßenprotesten vor mehr als 20 Jahren. Danke, Sankt Pauli, danke, Hamburg! Rund 10.000 Menschen machten deutlich, dass die Politik der Stadtväter fehlgeleitet ist. Das gibt wirklich Auftrieb. Es blieb dabei bemerkenswert friedlich, wohl auch, weil die Cops die Masse unterschätzt hatten uns sich dementsprechend kleinlaut zurückhielten. Warum nicht öfter so eine Taktik der Unsichtbarkeit? Kommt doch gut an.

Der Sonnabend stand dann ganz im Zeichen des Internationalen Flüchtlingsgipfels St. Pauli in den Fanräumen. Im geselligen Rahmen tauschten sich die anwesenden Gruppen von USP Antirazzista, Yorkshire St. Pauli und Pafras (Positive Action for Refugees and Asylum Seekers) aus England, der United Glasgow FC, Lampedusa in Hamburg und Lampedusa in Glinde aus. Neben den interessanten Vorträgen über die Arbeit der verschiedenen Gruppen war das Highlight ein Spiel der Schotten gegen den FC Lampedusa an der Feldstraße, das der United Glasgow FC für sich entscheiden konnte.

Im Anschluss zogen wir nach kurzer Stärkung in den Fanräumen weiter zum FC St. Pauli Handball, der sein Heimspiel in der Hölle an der Budapester Straße gegen Alt-Duvenstedt bestritt. Wow, im Trikot mit dem Aufdruck „Lampedusa ist überall“ aufzulaufen, zeigt einmal mehr, was für eine arschcoole Handballabteilung wir haben. Dass das Spiel dann auch noch 27:22 für die Braunweißen ausging, gefiel natürlich. Wir hatten mächtig Spaß mit den „8. Damen (ungeschlagen)“, die im feinsten Zwirn in der Halle Präsenz zeigten: Quatschköppe! Die Weinmesse hat euch einfach nicht gutgetan.

Der Abend klang dann im Jolly aus, wo wir uns weiter prächtig mit den Gästen aus Glasgow und Yorkshire amüsierten. Cheers to you great guys from the island! Unbezahlbar waren die Gesichter all jener, die sich vom brandgefährlichen Ostblock eine Essacher Luft aufschwatzen ließen. Man munkelt, mancher würde lieber sein primäres Geschlechtsteil opfern, als noch einen von diesem vorzüglichen Schnaps zu trinken. Wir blieben lieber bei Bier und „Gehängtem“ aus dem Otzentreff, alt wurden wir aber an diesem Abend nicht mehr.

So amüsant und inspirierend das Wochenende zumindest für die Nicht-Marathon-Fraktion von uns war, so sehr müssen wir weiter wachsam bleiben, was die Lage der Lampedusa-Gruppe anbelangt. Vorübergehend ausgesetzte Polizeikontrollen und fortgesetzte Verhandlungen mit dem Signal sind kein Grund zur Beruhigung, es bleibt eine vertrackte Lage. Daher noch einmal der Aufruf: Seid aufmerksam, informiert euch über Solidaritäts- und Protestaktionen und geht zu den angekündigten Demos. Weiter geht es am Mittwoch um 16.30 Uhr am Steindamm und, sofern ihr nicht auf dem Betzenberg seid, vor allem am kommenden Sonnabend um 14 Uhr am Hauptbahnhof. Da sein, viele sein, laut sein!

Es schrieben bisher noch…

Gröni knipste ein buntes Millerntor

Bilder auch bei der Mafia.

Beim Ostblock grüßt man die Hippies ohne Deo

Carpe Diem Sandhausen berichtet von der schwarz-weißen Seite (der junge Mann der für die twittert ist ein sehr netter, nebenbei)

Metalust verliebt sich in seine alte Liebe neu…

Im Handball herrscht noch der gepflegte Hass auf uns… (heult doch!)

Der Übersteiger fasst das Wochenende zusammen.

Mut*Herz*Verstand* fragt sich angesichts der Lampedusa HH Geschichte, wer den Scheiß erfunden hat.

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  One Response to “Das. war. viel.”

  1. […] Demo und ein herzliches Dankeschön Fotos und Bericht von Stefan Groenveld Magischer FC – Das war viel Blocknachbarn Sankt Pauli – Welcome […]

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