Jul 182013
 

Liebe Leser,

es ist üblich, dass Fußballvereinen Geld unter anderem damit verdienen, dass sie auf ihrer Brust ein mehr oder minder hässliches Firmenlogo spazieren tragen.

Man mag das nicht toll finden, aber auch unser Verein macht dieses kapitalistische Spiel mit und geht dort auf Gewinnmaximierung. Wir alle wollen zweite Liga spielen und das geht ohne den Verkauf von umfangreichen Werberechten nicht. Man munkelt so etwas von ein bis zwei Millionen, die es kostet bei uns auf dem Trikot sein Logo anbringen zu dürfen. Und die wird man wohl auch verdienen müssen, um in Liga zwei zu spielen.

Bei dieser Summe scheiden beinah alle Sponsoren aus, die man auch nur annähernd noch als politisch korrekt (und das ist hier mal nicht als Schimpfwort gemeint) bezeichnen kann. Anders formuliert: Leider können das Jolly, Pincmacabre und Co. das nötige Kleingeld nicht lockermachen. Zwischenzeitliche Ausnahmen wie die Deutsche Fernsehlotterie, die vielleicht mit ganz vielen Abzügen noch so gerade eben als politisch korrekt durchgehen würde, laufen unter „Ausnahmen bestätigen die Regel“.

Nun also ein Produkt aus dem Hause Coca-Cola. Der Aufschrei ist groß. Coca-Cola, „The Evil“. Nun muss man nur bei Wikipedia gucken und findet genügend Beispiele dafür, dass sich Coca-Cola verhält, wie sich ein multinationaler Konzern nun einmal verhält. Und genau das muss man sich eben mal vor Augen führen: Coca-Cola ist nicht das personifizierte Böse. Coca-Cola ist nicht besser oder schlechter als alle anderen Kapitalisten. Es war nur cleverer als Pepsi.

Die Kritik an Coca-Cola ist lauter und deutlicher vernehmbar, zum einen, weil der Konzern das Sinnbild des Amerikanismus ist (und da ist er wieder, der reflexartige Antiamerikanismus) und weil Coca-Cola unschlagbar erfolgreich ist. Aber googelt mal „Dacia Arbeitsbedingungen“ oder auch „Carlsberg Arbeitsbedingungen“. Meint ihr, das seien Engel? Oder vergesst nicht: Unser Vermarkter gehört zu einem Rüstungskonzern!
Nein, liebe Leser, sind es eben nicht. Natürlich kann man noch ein Ranking der Verwerflichkeiten aufstellen, aber seien wir ehrlich: Dann wird es schwierig mit den Sponsoren.

Das Logo, das nun unsere Trikots ziert, ist sauhässlich. Sind aber fast alle Logos, wenn uns jemand fragt.
Insofern: Bleibt lieber kapitalismuskritisch als (nur) Coca-Cola-kritisch.

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  19 Responses to “Sponsoren sind Kapitalismus”

  1. Nur mal so: Ich (@headnutHH) finde es mehr als bedenklich, wie viele Leute hier „der Mord von“ schreiben. Ja, dies wird CC vorgeworfen. Nur auch für böse amerikanische Firmen gilt die Unschuldsvermutung bevor sie von einem Gericht rechtskräftig verurteilt sind. Und dies fehlt mir hier. Jaja, jetzt kommt was von „alles gekauft“ und „Weltverschwörung“ aber das – sorry – ist mir viel zu einfach.

  2. Wenn man die Merchandise-rechte hätte, gäbe es soooooo viel mehr-einnahmen, dass man getrost auf einen Trikotsponsor verzichten könnte. Und dann hätte man noch die oben erwähnten Zusatzeinnahmen der mehr verkauften werbefreien Trikots. Ich würde mir dann auch mal eins kaufen, mein letztes ist 15 Jahre alt, da hat der Verein auf Kindertrikots noch keine Werbung raufgeklatscht!

    Und Coca Cola ist schon sehr peinlich für St. Pauli. Den Mord von unzähligen! Gewerkschaftern, linken Aktivisten und Ureinwohnern in Südamerika, Asien und überall zu unterstützen, mhhh, wer das verteidigt, den verstehe ich nicht, da ist ja sogar Vattenfall besser…

  3. Guter Artikel!

  4. […] der EdHardy-Fans glücklich machen dürfte.  Ich will den Deal gar nicht groß bewerten, der MagischeFC-Blog hat sich bereits dran versucht und ich kann mich da inhaltlich sehr gut wiederfinden. Zur […]

  5. @ich & P.: Das Internet hat gesprochen! Und sowieso: Was wollt Ihr eigentlich für Belege? Coca Cola IST Darth Vader. Kann man alles googlen.

    Wenn man mal die Ironie weglässt, kann einem bei so einer Argumentation schon übel werden. Wie anschlussfähig so eine Kapitalismuskritik für reaktionäre Tendenzen ist, wird klar, wenn man mal nachgekuckt wird, wer eigentlich mit Kampagnen gegen Coca Cola in Deutschland angefangen hat. Tipp: es war vor dem zweiten Weltkrieg.

  6. Bei manchen Beiträgen oben fragt man sich schon wie die Schreiber morgens bis zum Arbeitsplatz kommen, umzingelt vom Kapitalismus. Doch während wir von einer schöneren Welt träumen, gibt es bereits Licht am Ende des Tunnels: http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/neutronenstern-kollision-schleudert-gold-ins-all-a-911787.html Man muss es nur noch aufsammeln.

  7. vielen dank für euer statement!

  8. Was für ein Blödsinn. Arbeitsbedingungen können schon überall scheiße sein, auch gerne bei Kik und Dacia oder sonstwas Großem. Sind allesamt sicherlich alles andere als menschenwürdig. Schon richtig, schon richtig. Aber Coca Cola sind Mörder. Ich meine nicht nur übertragen, ich meine nicht nur sprichwörtlich, ich meine WIRKLICH buchstäblich Mörder. Frag Dich mal, was da regelmäßig mit ihren Gewerkschaftsvorstehenden passiert. Sollte man vllt mal googeln, bevor man sich darüber auslässt, dass alle ‚ausgerechnet‘ über Coca Cola herziehen. Und das ist nur ein Punkt. Ich empfehle die bekannte Doku zum Thema. Gibt’s auf Youtube und NuoViso.

    Frdl, Grüße…

  9. dont fight the player – fight the game!

  10. @kopfnuss: ich gebe Dir in allen Punkten recht, bleibe jedoch bei meiner Magenverstimmung. In meinem subjektiven „Bösartigkeitsranking“ ist Coca-Cola wesentlich weiter vorne als die Fersehlotterie.

  11. @Entnervt: die Marketing-Rechte gehören uns komplett, UFA ist „nur“ ein Dienstleister. Oder meinst Du die Merch-Rechte? Auch da würde ich bezweifeln, daß man sponsorfrei so viel mehr verkaufen könnte, daß sich das lohnt. Zusätzliche 50.000 bis 100.000 Stück und das auch noch jedes Jahr wären schon verdammt sportlich.

  12. Entschuldigt meine Naivität aber ich differenziere doch noch zwischen miesen Arbeitsbedingungen und Mord an Arbeitern, die sich dagegen auflehnen. Deshalb geht Coca Cola für mich gar nicht und ist mir als St.Pauli Fan absolut peinlich!!!

  13. Danke.Alleine schon wenn man sich die Kommentare unter dem Trikot Foto auf der offiziellen Facebook Seite ansieht kommt man aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus.

  14. Amen.

    Wenn man sich mal eine Liste anfertigen würde, der Unternehmen in .de die ein Werbebudget > 2 Mio haben, wird es eh eng. Auf Markenebene gibt’s da viele, aber die gehören fast alle zu Konzernen. Und dann sind wir bei FMCG halt ganz schnell bei Procter, Nestle, Coca Cola, KJS oder Mars. Und Brown-Forman (Jack Daniels) oder Carlsberg (Astra) sind nur unwesentlich kleiner und „charmanter“. Renault-Nissan (Dacia) ist mir auch zu undurchschaubar. Wen hatten wir noch? Ach so, Fernsehlotterie. Da steckt die ARD dahinter, die wiederrum mit der Ex-GEZ auch alles aber nicht sympathisch sind…
    Congstar war T-Com. Sind die schnafte? Nee, oder?

    Wie auch immer. Danke. Guter Beitrag.

  15. Schöner Artikel! Zum Glück ist es nicht Vattenfall geworden, denn das ginge nun mal gar nicht. Man kann über Coca Cola denken was man will, schlimmer ging es in jedem Fall. Und wie oben richtig angemerkt, wir alle wollen gern 2. Liga (oder auch mal wieder noch besser) sehen, von daher muss man bei diesem Spielchen leider mitmachen.
    Würden uns die Marketing-Rechte komplett gehören, könnte man aber wirklich mal über ein Trikot ohne Sponsor nachdenken. Denn so ein Trikot verkauft sich im Normalfall doch wesentlich besser und man könnte Verluste aus dem NICHT-Sponsoren-Verkauf ausgleichen. Aber alles Zukunftsmusik!
    Ich kann damit ganz gut leben und habe mir gleich mal eine Coca Cola gekauft 😉

  16. Was mich an der ganzen Sache fast (!) genauso doll stört wie Coca-Cola (eine der klassischen Kapitalismusmarken, nicht mehr oder weniger scheiße als so manch andere halt auch) ist, dass jetzt der Aufschrei wieder groß ist. Coca Cola macht seit 2 oder 3 Jahre den Getränkeausschank im Millerntor, ist (ich meine sogar mit Relentless) seit 1-2 Jahren ein nicht unbedingt unerheblicher Sponsor, aber wenn sie auf dem Trikot stehen, dann wird die Bild verlinkt und alle rasten aus. Ich werd mir das Trikot auch nicht holen, weil ich einfach für niemanden Werbebande spiele. Coca-Cola ist alles andere als geil, aber das trifft auf viele andere auch zu. Und diese Empörung auf Abruf finde ich auch komisch. Trotzdem, morgen 3 Punkte, scheißegal wer aufm Trikot steht. Voran Sankt Pauli!

  17. Hans: Erstmal in unserer Satzung findest du da nix zu. Sorry. Das wir Fans anders denken, richtig klar. Aber lass mal die Satzung da raus.

    Ist er denn wirklich böser als ein Waffenkonzern? Und wenn ja, wie definiere ich dieses Böse? Oder böser als ein Autokonzern? Und wenn ja, was macht ihn böser und was nicht? Ich habe da meine Zweifel, dass man da eine wirklich objektivierbare „Bösigkeitstabelle“ aufstellen kann. Natürlich kann und muss man auch Coca-Cola kritisieren. Man muss es halt nur im richtigen Kontext tun.

    Ist Google weniger böse? Oder Gazprom? Ich halte das für eine sehr schwierige und meines Erachtens nicht sinnvolle Diskussion.

    Es grüßt der @headnutHH

  18. aber es ist eben coca-cola. einer der größten konzerne weltweit. und wenn ich bitte kapitalismuskritisch bleiben soll/darf, dann wäre mir eben ein sponsor, der nicht zu den „bösesten“ der welt gehört, lieber. ich finde den sponsor als einen riesen griff ins klo und mal wieder ein schlag ins gesicht der entscheidungsträgerInnen an die fans und die satzung des FCSP.

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