Feb 252013
 

oder

Dauergrinsen

Vorwort

Liebe Leser, Montag in Hamburger Arztpraxen: Guten Tag, Herr Doktor, ich bekomme meine Mundwinkel nicht mehr hoch. – Oh, das ist eine weit verbreitete Krankheit unter schwarz-weiß-blauen Fans, ich verschreibe ihnen einen Vereinswechsel. Die braun-weißen lassen sich alle gerade wegen Dauergrinsen behandeln.

Zutaten für einen magischen Abend

Liebe Leser, es gibt ihn noch, diesen Millerntor-Zaubertrank. Leider kennt niemand den Druiden, der ihn mixt, und leider sind auch die Zutaten nicht bekannt. Irgendwie spielt „Hamburger Wetter“ gerne mal eine Rolle, aber auch nicht immer. Eine sehr wichtige Zutat scheint Flutlicht zu sein. Der Zaubertrank wird anscheinend von Domkarussellen gerührt, denn bei Dom erscheint er am häufigsten am Millerntor.

Aber vorher weiß man nie, ob der Trank erscheint, und so musste man die sich häufenden Verletzungsmeldungen mit Sorge betrachten. Es blieb eine „Notelf“. Trotzdem am Tag des Spieles merkte man, dass der Zaubertrank am brauen ist. Steigende Nervösität und Hibbeligkeit waren die Folge. Und wer sich nach 12 Uhr noch auf etwas Anderes als den Roar konzentrieren konnte, der hatte Valium genommen.

Die Magie des Trankes wird auch durch den Roar ausgelöst. Nichts gegen die nimmermüden Bemühungen der Süd, den Löffel durch den Kessel zu ziehen, aber wenn die Gegengerade nicht mitbrüllt, dann bleibt der Löffel in dem zähflüssigen Gebräu gerne mal stecken. Wenn aber die launische und faule Gegengerade mal kräftig mitrührt, wie an diesem Freitag, dann wird das Gebräu plötzlich flüssig und trinkbar.

Nein, seien wir ehrlich. Am Freitag war das nicht ein Löffel, es waren unzählige Löffel und häufig genug sang Block 1 etwas anderes als Block 2, während die Süd das dritte Lied anstimmte und die Nord das vierte. Die Gegengerade von einem Prinzen wachgeküsst, so laut wie seit Jahrhunderten nicht mehr. Der Chormeister mag sich hier wundern, der Fanfreund will doch genau das. Lieber lautes Chaos, als ruhige Ordnung. Klar, so ein zwei Wechselgesänge gingen deswegen fehl. Aber ganz ehrlich, liebe Freunde: „Druff geschissen“. So laut, so emotional und so sangesfreudig, so muss unser Stadion sein, dann wird der Zaubertrank schnell gemixt.

Aber die Magie des FCSP ist ja nicht auf einen Zaubertrank beschränkt. Es sind diese vielen lieben Menschen, die diesen Verein so besonders machen, wenn man so will, zu dem gallischen Dorf machen. Man haut sich zwar auch mal, aber am Ende sitzen alle wieder beim Festmahl und feiern miteinander. Und etwas zu feiern gab es.

Denn Fanräume hat nun alle Verträge unterschrieben und ein Traum steht direkt vor der Tür. Ja, immer noch sind viele kleine Fragen zu klären, bevor wir alle da einziehen, und es liegt noch sehr viel Arbeit vor den Aktivisten, aber es wird. Und wir werden St. Pauli leben können. In unseren Räumen. Die unser Freiraum sind. Um beim Bild des gallischen Dorfes zu bleiben: Unser Festplatz steht knapp vor der Fertigstellung.

Nun kommen also unsere elf Helden auf den Platz und riechen dieses leckere Gebräu. Und trotz der wohl einmaligen Aufstellung (Schindler hat als Profi wahrscheinlich noch nie in einer Vierkette gestanden) spielten sie den Tabellenvierten an die Wand. Nicht immer mit schönem Kombinationfußball, sondern mit Herz und Leidenschaft. Sozusagen der letzten fehlenden Zutat im Zaubertrank.

Ginzcek machte dann den Vollstrecker, wobei insbesondere das 2:0 seine ganze Willenskraft zeigte. Was für ein Wahnsinnstor. Neben dem Tageshelden kann man noch Kalla herausheben, der wohl allen Zweifelern gezeigt hat, dass er eben doch Zweitligatauglich ist – wenn auch nicht zwingend auf der Außenbahn. Und bereits in der Hinrunde klappte das ja sehr gut mit Kalla als Kapitän, sodass es gar nicht verwunderte, dass Fronze zu dieser Lösung zurückkehrte.

Wenn man unseren Jungs etwas vorwerfen will diese Saison, dann ist es fehlende Konstanz. Einigen Mannschaften aus dem oberen Tabellenbereich liefern wir einen großen Kampf und holen auch entsprechend Punkte. Und mit Mannschaften von unten tun wir uns schwer. Die Jungs können sozusagen nur das große Fest, nicht den Alltag. Wenn man dies irgendwann abstellt, dann müsste man auch nicht sorgenvoll nach unten gucken, sondern könnte nur nach oben schauen.

Nach dem Spiel befand sich das Viertel im Rausch. Keine Droge der Welt, kein Zaubertrank kann so viele Menschen in eine so gelöste Stimmung versetzen wie ein wichtiger Heimsieg am Freitagabend. Man sah niemanden, der mit irgendwas unzufrieden war. Und auch eine kleine Essensuche quer durchs Viertel änderte nix an der großartigen Laune von allen.

Und dann kam der Montag. Und mit ihm der Arzttermin gegen den Muskelkater in der Kiefermuskelatur vom Dauergrinsen. Macht es noch einmal, Jungs.

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  3 Responses to “Ein strahlender Abend”

  1. Quote us as much as you like. 🙂

  2. […] Vielleicht schießen unsere Jungs noch einen glücklichen Ausgleich, aber insgesamt bleibt der Tag unbefriedigend und wir haben den Tabellenletzten mal wieder motiviert. Vielleicht selbst zum späteren Klassenerhalt. Die Magie vergangener Tage scheint unerreichbar zu sein. […]

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