Nov 172012
 

oder

Was ist von den Anträgen zu halten?

Vorwort

Liebe Leser, die JHV steht vor der Tür und auch wir wollen uns an einer Kommentierung der eingegangenen Anträge versuchen. Die hochgeschätzten Lichterkarussell-Kollegen haben dies schon sehr ausführlich getan, aber a) können wir das noch viel ausführlicher und b) sind wir nicht immer einer Meinung. Hinzu kommt, dass die Kollegen zeitlich so gebloggt haben, dass sie die Stellungnahme von Dr. Gernot Stenger nicht mit einbauen konnten. Wir warnen vor: Das wird nun kein einfacher Stoff. Daher legt euch eine Satzung bereit, denn eine Satzung ist immer gut, wenn man eine JHV vorbereitet. Und noch viel wichtiger: Nehmt euch eine Tasse Tee und einen bequemen Sitzplatz.

Vorab

Technisches: Wir werden die Anträge in der Reihenfolge behandeln, wie sie in der Übersicht des Vereines vorhanden sind. Das ist keine Bewertung. Auf einen erneuten Abdruck haben wir verzichtet. Wir werden jeden Antrag mit einer von uns versehenen Überschrift hier im Text kennzeichnen. Diese Überschrift ist bitte keine Wertung und nicht amtlich, sondern von uns flapsig erdacht.

Wir werden euch keine abschließende Wahlempfehlung geben. Wir werden euch klar sagen, was wir von den Anträgen halten und auch warum. Aber niemand soll das Denken einstellen. Argumente haben immer zwei Seiten und was den einen überzeugt, das findet der Andere banal. Seht also die ganzen Ausführungen als Denkanstoß! Fragen, Anmerkungen und andere Meinungen gerne in den Kommentaren.

Der „Stolpersteinantrag“

Der Antrag zielt auf die Entfernung der beiden „Gedenksteine“ von Thorsten Vierkant und Wolfgang Helbig ab. Dass die Intention grundsätzlich richtig ist, hatten wir bereits mal erwähnt. Der Antrag hat jedoch einige kleine Mängel, die wir kurz anreißen wollen. Mangel Nr. 1 ist, dass ggf. das Mosaik, welches genauso eine nicht abgestimmte Ehrung ist, legitimiert wird. Nun soll es gerüchteweise bereits entfernt worden sein bzw. sowieso entfernt werden, sodass dieser Mangel eventuell gar keiner ist. (Sorry, haben vor Ort nicht nachgeguckt). Jedoch: Grundsätzlich halten wir eine Erweiterung sinnvoll dahin gehend, dass hier niemand irgendwelche Tafeln, Steine, Plaketten what ever bekommen soll, wenn diese nicht von der Mitgliederversammlung beschlossen worden sind und seine Leistungen nicht über „Ich erfülle meine Lohnarbeit“ hinaus gehen. Natürlich kommt bei diesen konkreten Steinen noch dieser Ekelfaktor der respektlosen Ähnlichkeit zu den „Stolpersteine“ hinzu, aber auch grundsätzlich sind diese selbstbeweihräuchernden Schattenehrungen uns ein Dorn im Auge.

Mangel Nr. 2 ist da schon eventuell ernster. Die MV kann viel beschließen und wird hoffentlich diesen Antrag auch verabschieden, nur hat der Verein als e.V. weder diese Steine gelegt, noch kann er sie entfernen. Denn die Steine liegen – vermuten wir mal ganz stark – auf dem Gelände, welches im Eigentum der MSB steht. Wir als e.V. sind halt „nur“ noch Mieter dieser Liegenschaft. Zwar ist die MSB eine Gesellschaft im mehrheitlichen Eigentum des e.V., aber eben doch eine andere Rechtspersönlichkeit. Der Antrag müsste also das Präsidium verpflichten, seine Gesellschaftsrechte in der MSB einzusetzen, um dort einen Beschluss herbeizuführen, dass die Steine entfernt werden. Nur so wäre er zu 100 Prozent verpflichtend für das Präsidium. Okay, ob sich das Ministerium nun einer breiten Zustimmung mit diesem formalen Argument widersetzen würde, wagen auch wir mal ganz deutlich zu bezweifeln. Wenn wir uns richtig erinnern, hatte der damalige Stadionnamenantrag nebenbei auch diesen „Mangel“.

Mangel Nr. 3 hat dann nix mit dem Antrag zu tun, sondern mit der MSB. Wie die Öffentlichkeit spätestens seit der St. Pauli-Anleihe weiß, gelten für Beschlüsse dieser Gesellschaft die Einstimmigkeit ALLER Gesellschafter. Und die sind neben dem e.V. noch zwei andere Gesellschafter. Wenn die sich querstellen, weil sie z.B. Todde richtig dufte finden, dann ist Aus die Maus.

Nun denn. Schön wäre es allemal, wenn diese Steine bald Geschichte sind.

Mehr Plätze für Menschen mit Behinderung

Um es kurz vorab zu sagen: Dem Antrag ist zuzustimmen. Eine Gegenargumentation verbietet sich schlichtweg.

Der Antrag an sich ist trotzdem ein Skandal. Der Skandal ist, dass er gestellt werden musste. Es ist eben immer einfacher, in Sonntagsreden von Integration, Inklusion, Diskriminierungsfreiheit zu reden, als sie auch wirklich zu leben – insbesondere dann zu leben, wenn finanzielle Interessen oder Machtfragen im Wege stehen. Trotzdem gibt auch dieser Antrag Grund zum Meckern. Wenn die Zahlen stimmen (und davon gehen wir mal aus), dann hätte man 300 sogenannte Rollstuhlfahrerplätze schaffen müssen und eben das müsste auch der Antrag fordern. Er ist schlichtweg zu zaghaft. Ein Zurückbleiben des FCSPs hinter gesetzlichen Forderungen ist nicht tolerierbar. Da sind die geforderten 180 uns einfach zu lieb.

Abwahlantrag Dr. Gernot Stenger

Liebe Leser, nun wird es unangenehm und wir müssen hier versuchen, sehr ruhig zu bleiben. Polemik, Angriffe unter der Gürtellinie oder Argumentationen in Hauptsätzen bringen uns nicht weiter. Personalentscheidungen aus Abwahlanträgen sind immer unangenehm und es gibt deutlich angenehmere Diskussionspunkte als diesen.

Daher nehmt das Folgende auch als Diskussionsgrundlage, redet mit eurer Bezugsgruppe und findet eure eigene Meinung. Trefft eine überlegte Entscheidung!

Wir gehen nicht davon aus, dass ein 75-prozentiges Quorum erreicht wird. Entscheidend wird es trotzdem sein, wie das Abstimmungsergebnis und die Diskussion verläuft. Ein Vizepräsident den z.B. 61 % der Anwesenden abwählen wollen, ist erheblich beschädigt.

Noch eine weitere Vorbemerkung ist nötig. Es ist immer wieder beachtlich, wie wenig unser Präsidium anscheinend JHVs vorbereitet oder seine Optionen überlegt. Eine Parteitagsregie oder eine Taktik scheint nie festgelegt zu werden, auch hier nicht. Und so wählt Stenger in seiner Verteidigung die schwächste von insgesamt vier uns eingefallenen Varianten. Spielen wir sie doch mal durch:

Variante 1: „Was stört es den Baum, wenn die Sau sich dran kratzt“

Ich sage nix. Meine Kollegen loben mich als super, verständig und als den Fanversteher schlichthin. Vorteil dieser Variante: Ich gehe auf den Inhalt nicht ein und kann mich selber nicht blamieren. Das ist bei Gernot Stenger, der nicht so der brilliante Redner ist und gerne auch mal ein bisschen zu schnell die Fassung verliert, gar nicht schlecht. Riesiger Vorteil für das Präsidium: Wir wirken geschlossen! Denn die Frage sei erlaubt: Warum äußert sich Stenger und nicht „das Präsidium“ zu diesem Antrag? Der gemeine Geist könnte hier eine Absetzbewegung des restlichen Präsidiums sehen. Gerade bei einem Präsidium, welches immer betont hat, als Team aufzutreten, ist das bemerkenswert.

Exkurs: Ist seine Erwiderung eigentlich erlaubt?

In der Satzung ist die Möglichkeit einer schriftlichen Stellungnahme bei § 13 Abs. 6 nicht vorgesehen. Bei § 23 Abs. 2 schon. Und wenn man den so ein bisschen analog liest, dann ist eine Stellungnahme wohl zulässig und auch im Sinne einer Waffengleichheit (immerhin ist der Antrag auch auf der HP) okay.

Variante 2: Die Vorwärtsverteidigung

Das hätte wahrscheinlich Corny gemacht. Alles zugeben, seine Kritiker irgendwie einbinden, Besserung geloben, das Ganze brillant rhetorisch verpacken und den Beifall der Versammlung sicher haben. Vorteil: Es wirkt reumütig, es wirkt lernfähig und es kann sehr überzeugend erscheinen. Nachteil: Dafür muss man rhetorisch top sein. Das ist in diesem Präsidium aber niemand, Stenger schon gar nicht. Gegangen wäre es nebenbei trotzdem, denn, wenn man das noch damit paart, was man alles für die Fans gemacht hat, dann hätten wohl viele Leute sich enthalten im Sinne von „letzte Mahnung“, aber ich hätte eine Mehrheit für mich bekommen.

Bei aller Kritik an Corny L. in solchen Fragen ist er ungeschlagen. Alleine deswegen waren seine Reden immer ein Musterbeispiel, wie man so eine Versammlung mit Reden lenkt.

Variante 3: Ich mache es formal

Liebe Leser, was haben wir euch geschrieben? Dass die Absetzung eines Präsidiumsmitglied unter zwei, wir wiederholen ZWEI Voraussetzungen möglich ist. 75 Prozent Zustimmung UND ein wichtiger Grund. Und nun lest euch mal den Antrag durch. In der Begründung wird weder behauptet, dass ein wichtiger Grund vorliegt, noch wird dieser begründet. Kleine Zwischenanmerkung: Satz klingt ein bisschen doppelt, aber etwas zu behaupten und zu begründen ist pur juristisch gedacht zwei verschiedene Dinge. Wichtiger Grund ist und bleibt eine feststehende juristische Wendung. Ein solcher liegt vor, wenn dem kündigenden Teil unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls und unter Abwägung der beiderseitigen Interessen die Fortsetzung des Vertragsverhältnisses bis zur vereinbarten Beendigung oder bis zum Ablauf einer Kündigungsfrist nicht zugemutet werden kann. (Ersetze kündigenden durch Abwählenden). Dies wird in dem Antrag mit keinem Wort behauptet oder begründet. Man könnte sich jetzt ohne weiteres auf den Standpunkt stellen, dass dieser Antrag so schlichtweg unzulässig ist, weil er die Voraussetzungen der Satzung nicht beachtet.

Vorteil: Wirkt super juristisch, klug und überlegen. Und man muss sich inhaltlich nicht äußern. Nachteil: Klingt natürlich auch sehr steif.

In dem Antrag wird auch davon gesprochen, dass er gegenüber Fans gelogen habe und sich gegenüber Fans unmöglich verhalten hat. Da Fan ungleich Vereinsmitglied ist (jaja große Schnittmenge) und man sich immer fragen muss, ob die Zusammenarbeit für den Verein und seine Mitglieder sofort nicht mehr zumutbar ist, geht der Antrag auch hier zumindest sprachlich am Kern vorbei.

Variante 4: Ich gehe alleine auf den Inhalt ein

…und eröffne die Schlammschlacht. Diesen Weg hat Gernot Stenger gewählt. Schlammschlachten haben stets einen ganz großen Nachteil: Es bleibt immer etwas hängen. Man kann so etwas natürlich gewinnen, aber das Risiko ist groß, dass man sehr beschädigt aus so einer Sache hervor geht.

Insbesondere bleibt dann etwas hängen, wenn Stellungnahmen sich widersprechen und Fragen aufwerfen. Man lese sich mal Stellungnahme Stenger nun durch und dann die Stellungnahme des Präsidiums zum Thema „Sicheres Stadionerlebnis“. In der Stellungnahme liest man kein Wort von einer Diskussion im Präsidium, kein Wort von einer Ablehnung durch das Präsidium. Nun sagt Stenger: „weshalb wir diesen Umstand anschließend im Präsidium diskutiert und daraufhin beschlossen haben, die DFL fristgemäß darauf hinzuweisen, dass das Papier, bzw. das weitere Vorgehen zwingend zu modifizieren ist.“ Das ist doch ein bisschen was anderes, oder? Warum war dann das Treffen mit allen Fangruppen notwendig? Warum ist das so komisch mit „lehnen mehrheitlich ab“ formuliert?

Warum dieses Rumreiten auf „habe es nicht zustimmungsfähig genannt“? Wenn man so ein Papier mit erarbeitet hat und sich nicht vor der Veröffentlichung (oder direkt danach) davon selbsttätig distanziert, dann muss der Beobachter davon ausgehen, dass man es zumindest als Kompromiss noch tragfähig gehalten hat. Vielleicht nicht die Wunschvorstellung, aber das sind Kompromisse nie.

Was wäre auch so schlimm daran, wenn man es mal so bezeichnet hat? Wir müssen in diesem Verein nicht ständig einer Meinung sein und wir müssen auch nicht ein Präsidium haben, welches sich wie ein Fähnchen im Wind verhält und uns gegenüber Hü, dem DFB gegenüber Hott erzählt. Ein Präsidium kann gerne eine Meinungsführerschaft beanspruchen. Wenn es dann kompromissbereit und -fähig ist, dann finden wir das super.

Aber eigentlich sind all diese Fragen ja sehr einfach beweisbar. Stenger kann uns dann ja auf der JHV das Vorstandsprotokoll präsentieren, in dem die Diskussion des Präsidiums und ein Ablehnungsbeschluss formuliert ist. Wohlgemerkt vor dem Treffen mit unseren Fanvertretern. Die ganze Diskussion findet doch heute schriftlich statt und da gibt es doch garantiert auch ganz viele E-Mails, wo er sich deutlich distanziert hat. Soweit wir es wissen gehen diese Protokolle auch an den Aufsichtsrat, sodass es auch spannend sein wird, ob und was er zu diesem Thema sagt. Nebenbei: Eine Geheimhaltungspflicht würde er aus unserer Sicht damit nicht verletzten, immerhin muss er sich ja verteidigen können.

Den Vorwurf, die Unwahrheit im Bezug auf den Kicker-Artikel gesagt zu haben, entkräftet Stenger nun auch nicht wirklich. Eher wird hier ein Wortklauberei-Wettbewerb begonnen. Er sagt vielleicht die Wahrheit, wenn man es formal auf den Kicker-Artikel bezieht. Nur lese man mal die Artikel vom 21.09 und vom 24.09. Und dann frage man sich, wieviel davon nicht im endgültigen Papier steht. Die Unterschiede sind eher marginal.

Sich hier in Haarspalterei zu verlieren, zeigt auch dem letzten Menschen, dass eben doch gelogen wird. Und das geschieht ganz ohne Not, denn er hätte auch ohne weiteres den Fanvertretern sagen können „Ja, kenn ich, haben wir so beschlossen, ist da und da nicht meine Meinung und nun kommt ihr…“ und er könnte auch jetzt sagen „Sorry, hatte ich keine Eier bzw. hatte das Gefühl noch schweigen zu müssen, war eine Notlüge“. Beide Lösungen wären nebenbei vollkommen legitim. Nur jetzt auf einem „Ich habe aber Recht“ zu bestehen, lässt doch auch den Letzten fragen, was er eigentlich verbergen will?

Insgesamt kommt Stenger in der ganzen Krisenbewältigung führungsschwach und unsicher rüber. Etwas, das ihn einfach beschädigt. Ob das Ganze wirklich ein wichtiger Grund ist, um ihn vorzeitig aus dem Amt zu jagen? Das, liebe Leser, könnt ihr mal in eurem Herzen wiegen.

Wichtig ist doch, dass man aus dieser Krise lernt. Lernt, dass es ganz neue Konzepte und Strategien braucht, um mit Fans umzugehen. Und dass man nicht immer irgendwelche Konzepte fertig den Fans vorstellen, sondern sie daran mal vom weißen Blatt Papier an beteiligen sollte. Das gilt doch auch für z.B. die Strafen des DFB. Hier mal eine vereinsinterne AG einzusetzen, die sich den Umgang mit diesen Strafen überlegt, die vielleicht auch dem DFB hilft, dort ein Maß zu finden, wäre etwas Tolles.

Eher unglücklich wäre es bereits gescheiterte Modelle, wie z.B. das Frankfurter Modell (Wir spenden Betrag X an euch, an die Krebshilfe an wen auch immer und ziehen erhaltene Strafen davon ab. Spatzen behaupten, dass so etwas doch immer mal wieder bei uns auch überlegt wird.) zur Diskussion zu stellen, die insbesondere eines beinhalten: Die sofortige Akzeptanz von Strafen und die Weiterreichung an Unschuldige bzw. Schwächere. Vielleicht muss man auch einfach mal als Verein akzeptieren, dass ein Betrag X an Strafen dazu gehört, gerade, wenn er für Kassenrollen und Comics bezahlt wird. Wenn man schon nicht die Eier hat, dem DFB die Stirn zu bieten.

Ach ja: Und das Wöckener Argument aus „Pommes braun-weiss“ ist Blödsinn. Er sagte „mensch Leute, ihr habt hier den Falschen, die anderen haben noch weniger für Fans getan“. Mag so sein. Aber nun ist individuell gegen Stenger ein Abwahlantrag gestellt. Und nur bei ihm müssen wir entscheiden, ob ein wichtiger Grund vorliegt. Ob dieser bei den anderen noch viel mehr vorliegt, ist eher nebensächlich. Sie stehen nicht zur Debatte.

Kein Verkauf an Zweitvermarkter

Das niemand solche Scheiße wie Viagogo oder wie diese ganzen Abzocker und Gewinnoptimierer heißen haben will, versteht sich hoffentlich von selbst. Die Frage bei dem Antrag ist nur: Kommt er nicht etwa zu spät, weil wir die Rechte an unserem Ticketverkauf schon lange verkauft haben? Immerhin haben wir ja schon so einen Abzocker da drin, der für keinen Service viel Versandgebühr verlangt. Fragt mal die Leute, die vor Besetzzeichen oder zusammenkrachenden Servern sitzen, wenn sie Karten bestellen.

Leider wäre dieser Antrag durch Haarspalterei immer zu umgehen. Wahrscheinlich wäre es hier noch zielführend gewesen, dem Verein per Antrag die Zusammenarbeit mit einigen namentlich genannten Firmen ausdrücklich zu verbieten.

Keine Zustimmung für zukünftige Sicherheitspakete, ohne vorher zu fragen

Na wenn das von Sandra und Gregor kommt, dann muss es gut sein.

Okay, das ist jetzt keine Bewertung dieses Antrages. Liebe Leser, wir haben ein Demokratiedefizit. Ein Demokratiedefizit in der Vertretung der Fans. Unser einzig wirklich demokratisch legitimiertes Gremium, welches Fanclubinteressen vertritt, ist der Fanclubsprecherrat. Nun ist das in der Praxis kein wirkliches Problem, weil im Ständigen Fanausschuss keine ständigen Grabenkämpfe passieren. Aber wirklich demokratisch sind diese Strukturen nicht.

Wenn man nun eine Entscheidungskompetenz aus den Vereinsgremien in solche Gremien verlagert, dann sollte man daran arbeiten.

Sonst ergibt das natürlich vollkommen Sinn. Man sollte den Rat der Betroffenen ernstnehmen, man sollte das Fanprojekt hören. Dafür sind die da und das sollte „der etwas andere Verein“ bzw. sein Präsidium von ganz alleine machen.

Keine zusätzlichen exklusiven Plätze

Davon haben wir definitiv auf lange Zeit genügend, verkaufen sich zur Zeit auch eher schlecht (wie die leeren Plätze mehr als deutlich beweisen, da braucht man keine „80 % verkauft“ Sonntagsreden). Der Antrag hat aus unserer Sicht natürlich einen ganz konkreten Fall im Auge: unsere geliebte Nordpol-Loge.

Aufschlüsselung der Versandkosten

Ach Juliane (Antragsstellerin), so viel Mühe, so eine lange genaue und gute Begründung für ein Auskunftsersuchen? Klar machen die da fett Gewinn! Wer das nicht glaubt, der glaubt auch, dass Google nur unser Bestes will. Die Frage ist eher: Wer macht den Gewinn? Und da zweifeln wir mal spontan, dass es der e.V. ist. Diesen Gewinn wird eher der Ticketdienstleister einstreichen. Und hier ist auch die Quelle allen Übels. Die Zusammenarbeit mit irgendwelchen Ticketdienstleistern ist einfach Dreck. Warum wohl verabschieden sich immer mehr Musikbands von solchen Dienstleistern?

Der Antrag müsste viel weiter gehen. Er müsste fordern, dass der FC alle seine vertraglichen Rechte geltend macht um die Versandkostenpauschale auf ein angemessenes Maß (höchstens 1,50€) zu senken und der FC die Zusammenarbeit mit jeglichen Ticketdienstleistern so schnell wie möglich beendet.

Polizeiwache-Antrag

Liebe Leser, unserem Präsidium so etwas wie Absicht zu unterstellen, wäre einfach zu weit hergeholt. Unser Vereinsführung hat es bisher nie geschafft, eine JHV so vorzubereiten, dass seine Anträge durchdacht und zustimmungsfähig sind. Das ist einfach eine dauernde Form des Desinteresses und der handwerklichen Überforderung. Gefühlt hat unser Präsidium eigentlich auch jeden Antrag verloren, den es gestellt hat. Und auch dieser Antrag ist eigentlich nicht zustimmungsfähig und doch muss man ihm wohl zustimmen, um diese unsägliche Goliathwache zu verhindern und das Museum zu ermöglichen.

Erstmal führt der Antrag dazu, dass mal wieder wir, die Fans und Mitglieder dieses Vereines, für Versäumnisse und Fehler des Präsidiums haftbar gemacht werden und diese bezahlen können. Wieder einmal wird bei der breiten Masse das Geld eingesammelt und die Funktionsträger für ihre Fehler nicht zur Verantwortung gezogen. Das ist mehr als bitter.

Klar – und das führten wir an dieser Stelle auch schon mal aus – auch uns Fans trifft eine Mitschuld, weil die meisten von uns dieses Problem erst sehr spät zur absoluten Priorität gemacht haben. Insofern kann man jetzt einmal die Faust in der Tasche ballen, sich ärgern und danach diesen Punkt übergehen.

Ein anderer Punkt ist da viel gefährlicher und unangenehmer. Im Antrag findet sich folgender Passus: „die dann benötigte Refinanzierung von bis zu EUR 150.000 pro Jahr bei einer Laufzeit von 10 Jahren, über eine Erhöhung der Verwaltungskostenpauschale um EUR 43.300 sowie eine entsprechende Ticketpreisanpassung in Höhe des Differenzbetrages umzulegen. Die genaue Höhe und die exakte Verteilung werden dann mit den relevanten Gremien abgestimmt, sobald eine verbindliche Kalkulation vorliegt.“

Da bleiben einfach zu viele Fragen offen. Es wird eine Summe von 150.000 genannt, ohne dass auch nur annähernd eine Kalkulationsgrundlage vorhanden ist. Und den geschätzten Summen aus dem Hause Meeske traut eigentlich niemand mehr. Zwischen 43.300 und 150.000 bleibt doch eine erhebliche Lücke. Wie hoch soll denn die „entsprechende“ Ticketanpassung sein? Und wird diese Höhe eigentlich kontrolliert bzw. angepasst, wenn sich rausstellt, dass das Museum ein Publikumsmagnet und Gewinnbringer ist? Und wer sind die „relevanten“ Gremien? In unserem Verein sind für die Änderung höchstwahrscheinlich nur Präsidium und eventuell der Aufsichtsrat notwendig. Wer ist da neben relevant? Niemand?

Hier gibt man also dem Präsidium eventuell einen Freibrief zur Erhöhung von Mitgliedsbeitrag und Kartenpreis, ohne eine Rechenschaft über die Verwendung zu bekommen, ohne zu wissen, wer das Korrektiv ist, und ohne zu wissen, ob diese Erhöhungen bei Nichtbenutzung auch nach unten angepasst werden. Wenn man bedenkt, dass bei uns in letzter Zeit die Ticketpreise jährlich deutlich höher als die Inflationsrate gestiegen sind, dann ist das mit sehr viel Bauchschmerzen verbunden und mit sehr viel Kopfschütteln.

Und doch muss man wohl zustimmen. Denn der Traum von der Sichtachse Fanräume / Museum und damit einem sehr lebendigem Zentrum des FCSP der soll hier nicht enden.

Satzungsanträge

Wir verweisen hier mal vollinhaltlich auf die Lichterkarussell-Kollegen, sonst schlafen noch unsere letzten Leser ein.

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  8 Responses to “Haarspalterei”

  1. […] Wie dem auch sei, es gibt weitere Themen, die diese JHV zu einer spannenden Angelegenheit machen. Nachzulesen beim Lichterkarussel und Magischer FC Blog […]

  2. […] Noch mal: Wir wollen das Verhalten von Dr. Gernot Stenger gegenüber der DFL nicht bewerten und ob dies nun ein “wichtiger Grund” im Sinne der Satzung ist, das soll doch bitte mal jeder ganz genau in seinem Herzen abwiegen. Nur was uns erstaunt ist, wie schlecht das Krisenmanagement ist. Wir verweisen hier doch noch mal bitte auf die Ausführungen im vorletzten Artikel. […]

  3. […] (subjektive, logisch) Beurteilung aller Anträge ist bereits beim Lichterkarussell und beim MagischenFC nachzulesen, daher beschränke ich mich mal auf die Anträge, wo ich eine ergänzende oder andere […]

  4. Zu Wöckener:

    Es ist nicht wegen des konkreten Abwahlantrags gegen GS nicht die Frage, ob andere im Präsidium noch weniger für Fans getan haben. Er ist, und deshalb richtet sich dieser Antrag auch gegen ihn, der Vizepräsident mit dem „Kompetenzbereich“ Fans. Und hier leistet er seine Arbeit nicht so gut, wie er es sollte.

    Danke für eure Sicht der Dinge.

  5. Noch zur Ergänzung: Für mich wäre ein JHV-Beschluss nebst Rausreißen der Dinger ähnlich schlechter Stil wie die ursprüngliche Ehrung. Da könnten wir uns m.E. besonnener und angemessener verhalten.

  6. Schöner Beitrag. Ich freu mich schon auf den JHV-Bericht.

    Das mit den „Stolpersteinen“ sehe ich eigentlich ähnlich wie du. Was für mich allerdings zu kurz kommt: Das Rausreißen dieser Dinge hat schon auch eine eigene Qualität. Das bedeutet eben mehr als eine bloße Herstellung des status quo ante. Mit anderen Worten: Eine Ehrung mag, zumal in dieser Form, falsch gewesen sein, nur ist m.E. die Frage, ob sie – einmal vorgenommen – durch einen Akt der Entehrung nicht quasi überkompensiert wird. Das Kind ist in den Brunnen gefallen und den Status vor der Ehrung wird man eben, so oder so, nicht mehr erreichen können.

  7. Juristisch sauber: Ja klar. Gute Frage. Das Wort Haarspalterei kommt da schon bewusst häufiger vor. Wir wollten einfach auch auf die vielen juristischen Fallstricke hinweisen.

    Und was auch klar ist: Gute mündliche Begründungen können eine schlechte schriftliche Begründung immer ersetzen.

  8. Sehr schöner und heiß ersehnter Beitrag. 🙂

    Der „Logen-Antrag“ dürfte sich halb erledigt haben, da Nordpol seinen Vertrag anscheinend nicht verlängert hat.

    Generell kann man sich natürlich fragen, wie juristisch sauber Anträge formuliert sein müssen/sollten. Einerseits müssten sie perfekt sein, schon als Schutz von nicht anwesenden Mitgliedern. Andererseits muss jedes Mitglied seine Interessen wahrnehmen können, ohne einen inhaltlich ggf. weitestgehend simplen Antrag bis aufs Komma von einem Juristen formulieren lassen zu müssen.

    Zum Präsidiums-Antrag: hier muss auf der JHV eine mündliche Aussage gefordert werden, wen man denn nun als „relevant“ ansieht und wer kontrollieren/mitreden darf. Das hat natürlich nicht die Bindung, wie sie eine Berücksichtigung in der Beauftragung bieten würde, aber immerhin etwas, auf das man sich berufen kann.

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