Jan 112012
 

Liebe Leser,

ich musste diese Idee einfach vom lebendem Laster klauen. Und als Hommage habe ich dann beschlossen mich auch einfach zwischen seine Ausgaben zu setzen. Ich hoffe auf ein baldiges Erscheinen der Nr. 17, Herr Kollege.

Ja, alles dreht sich natürlich um die Ereignisse vom Freitag der letzten Woche. In der „bürgerlichen“ Presse ist so unsäglich viel Mist geschrieben worden, das hier zu verlinken wäre Verschwendung von Bytes. Ich will nicht verheimlichen, dass es auch bei der Hamburger Presse einige wirklich gute Leute gibt, die auch noch wissen, was Recherche und eigene Meinung heißt. Erschreckenderweise arbeiten davon einige auch noch beim Springerverlag.

Nur leider haben nicht diese besonnenen und intelligenten Stimmen die Berichterstattung geprägt, sondern die Stammtischparolen eines Sportressortleiters. Dieser und viele anderen erhitzen sich an folgendem Spruch von Sven Brux:

„Man muss sich doch mal die Realität anschauen. Wenn es irgendwo Konfrontationen gibt, sagen wir mal mit Rechtsradikalen oder rechts gerichteteten Hooligans. Der FC St. Pauli wird landauf, landab gerühmt für dieses „gegen Rechts sein“ und sich gegen so etwas gerademachen. Ja, meine Güte, dann muss das in der Realität auch mal umgesetzt werden. Also wenn irgend so ein Nazi meint, er könnte im St. Pauli-Block derartige Sprüche loslassen, dann muss der auch das Gefühl haben, dass ihm das gesundheitlich nicht ganz gut tut.“

Stellen wir doch mal dagegen, was Fr. Lieberknecht am 02.12.11 zu diesem Thema gesagt hat:

„“Die Verharmlosung des Rechtsextremismus beginnt bereits dann, wenn man im privaten oder beruflichen Bereich extremistische, ausländerfeindliche oder antisemitische Äußerungen einfach stehen lässt, ohne aktiv zu widersprechen. Es ist die Aufgaben aller Demokraten, über alle Parteigrenzen hinweg, sich der Herausforderung durch den Rechtsextremismus zu stellen und damit dem gewaltbereiten Spektrum den Nährboden zu entziehen. Wir brauchen eine Kultur des Hinsehens. Wir alle sind gefordert klarzustellen, dass Extremisten in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Rechtsextremismus ist eine Schande für unser Land. Wir müssen ihn ächten, denn die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Und genau da ist doch das Problem, was die CDU hat, sie erklärt niemandem, was denn ein „aktives widersprechen“ sein soll. Oder um es mit publikative.org (das zitiere ich jetzt noch ein zweimal mehr, dieses Machwerk) zu sprechen: „aber die gehen nicht weg, wenn man sie lieb drum bittet.“. Und nun sagt einer mal, wie die Realität ist: Wenn du dich aktiv gegen Nazis einsetzt, dann wird das auch mal körperlich. Der Nazihooligan der Marke Bodybuilderkreuz wird nicht Demokrat, weil du ihm einen Mate Tee einschenkst und ihn diskutierst. Und so bekommst du auch keinen Fanblock Nazifrei. Umso schlimmer, dass immer noch ständig genau dieses Aufbegehren von Fans gegen Nazis in ihren Stadien als unpolitische Konflikte umgedeutet werden.

Umso schlimmer, dass selbst bei Vereinen wie der Fortuna Fandachverbände anscheinend nicht die Eier haben sich entsprechend deutlich zu positionieren. Respekt vor den Hypers2001, die es tun.

Noch cooler finde ich nebenbei in diesem Zusammenhang die Fortuna Metalheads, denn das ist mal ein klares Statement:

„Es geht nicht um Politik in der Kurve. Es geht darum dass für Nazis kein Platz bei Fortuna ist. Hier ist Konsequenz gefragt, auch wenn sie weh tut.“

Das nenne ich mal im positiven Sinne unpolitisch.

Und genau diese Konsequenz hat die CDU nicht, nein sie diffamiert lieber Leute, die sich gerade machen verunglimpft:

„Ich erwarte, dass der FC St.Pauli seinen so genannten Sicherheitsbeauftragten Herrn Brux umgehend ablöst. Wer wie er öffentlich Gewalt rechtfertigt, kann kein Gesprächspartner auf Augenhöhe sein.”

Tja, Herr Voet van Vormizeele, wer wie sie öffentlich Antifaschisten diskreditiert, kann kein Gesprächspartner auf Augenhöhe sein, wenn es darum geht Morde aufzuklären und terroristische Strukturen von Nazis zu beenden. Nein, er ist Teil des Problems.

Und wenn wir gerade bei Politik bin. Ich habe ja immer Bauchschmerzen bei Solidarität von linker Opposition, denn zu parteipolitischen Zwecken mag ich auch nicht gebraucht werden. Auf die Antwort auf diese Anfrage bin ich trotzdem gespannt.

Und wegen des fotografierten Hitlergruss hat auch ein Linksparteimitglied Anzeige erstattet. Ob dies nun wirklich ein Hitlergruss ist, werden die Ermittlungen zeigen müssen, denn ein Standbild, was eventuell eine Bewegung zeigt, kann dies auch verfälschen. Nein, ich verteidige nicht den Typen auf dem Bild, aber ich habe auch schon Fotos von braun-weißen gemacht, die genauso aussehen. Aber die Polizei hat ja umfassend gefilmt, so dass sich das bestens aufklären lassen wird, oder? 😉

Aber kommen wir zurück zu den Journalisten, ja es gibt löbliche Ausnahmen und das selbst auf so Allerwelts Portalen wie sportal.de. Daniel Raecke, das ist für mich Journalismus. Egal, ob man nun zu 100 % zustimmt oder nicht, dieser Kommentar ist journalistische Arbeit. Die Betonung liegt auf Arbeit, denn Polizeimitteilungen abzuschreiben und Stammtischparolen zu produzieren, dass ist keine Arbeit.

Aber man kann als Journalist nicht nur Stammtischparolen dreschen, nein, man kann auch einfach Statements eines Herrn Lehmann abschreiben und nicht hinterfragen. Laut Abendblatt haben wir nämlich „den Stadtteil in Angst und Schrecken versetzt“ so zumindest Leitender Polizeidirektor Kuno Lehmann. Nur zur Info: Das ist A16, das ist ein sehr stattliches Gehalt.

Nun weiß ich natürlich nicht welchen Stadtteil er meint und ich habe nur den Marsch begleitet, der ca. 500 Fans gemeinsam zur Halle brachte. Angst und Schrecken? Ich habe ca. 80 Fotos vom Marsch gemacht, als ich diesen Marsch begleitet habe. Angst und Schrecken sehe ich auf keinem. Natürlich lügen Fotos und natürlich können die marodierenden Horden anders durch den Stadtteil gezogen sein. Nur warum die Polizei dann diesen Marsch massiv begleitet und warum sie noch Zeit hat das in meinen Augen – ehrlich gesagt – geringe Vergehen eines abgebrannten römischen Feuers zu ahnden, das ist mir ein Rästel. Als Beispiel sei hier ein Foto veröffentlicht:

Man beachte insbesondere die drei Zivilisten links mittig, die sich panisch entfernen.

Und ansonsten auf den Übersteiger verwiesen, der feststellt, dass die Polizei irgendwann von der Erde fällt.

Was ich aber an diesem Marsch nicht gesehen habe, sind Journalisten. Und hier zitiere ich publikative.org zum zweiten Mal:

„Liebe Kollegen, es ist an der Zeit, dass Ihr dahin geht, wo es nach Pfefferspray riecht.“ Oh liebe Journalisten, ich kann euch beruhigen, keine Angst. Kein Pfefferspray, es war nur eisig kalt.

Nebenbei: Die Schmeißfliegen des Polizeifernsehens (diejenige, die immer vor dem Rettungswagen an Unfallstellen sind) waren nicht bei dem Marsch, das spricht eher für einen Polizeifunk ohne Horrormeldungen.

Tja und Herr Lehmann geht ja noch weiter: „Ab 17.57 Uhr hätten alle Lager aufeinander eingedroschen.“ Okay, was um 17:57 war, weiß ich nicht, aber um 18:03 sah es wie folgt in der Halle aus:

Kenner werden oben an die Wand gelehnt unsere sogenannten „szenekundigen Beamten“ entdecken. Nach der Schilderung von Herrn Lehmann drosch man 6 Minuten vorher noch aufeinander ein, nur um jetzt lässig an der Wand zu lehnen (oben), seinen Lappen aufzuhängen (Mitte) und locker rumzustehen (Vordergrund). Ich will ja gar nicht verheimlichen, dass es kurz vorher eine kurze Rangelei zwischen Ordnern und Leuten gegeben hat, aber sorry „alle Lager aufeinander eingedroschen“ ist etwas anderes. Und so dämlich diese Rangelei war, so schnell war sie auch ohne viel Polizei (und ohne Knüppel und Pfeffer) wieder beendet.


Erneut sei auf den Übersteiger verwiesen.

Nebenbei liebe Polizeiführung: Wer seine Aussage bei jedem Realitätscheck umstellen muss, der ist schlichtweg nur eines. Unglaubwürdig.

In die Haare schmieren müssen wir uns nun unser Fanclubturnier, denn der Fanclubsprecherrat hat dieses abgesagt. So trifft die Sperrung der Halle laut Abendblatt das C-Jugend Turnier des SC Sperbers. Bekanntermaßen ein Turnier, welches Alsterdorf schon Wochen vorher in „Angst und Schrecken“ versetzt. Die gefährlichen Duelle zwischen Barmbek und Alsterdorf und die anschließenden Straßenschlachten sind bekannt. Um es mal deutlich zu sagen: Herr Neumann, sie können uns nicht einen auswischen, wir machen unser Turnier wann und wo es uns passt und wenn es sein muss, dann brechen wir in ihre Scheißhalle ein (nein machen wir nicht), aber ähnlich wie ihre wildgewordenen Polizisten treffen sie unzählige Unschuldige.

Nebenbei lieber FC St. Pauli: Spätestens jetzt sollte auf eurer To Do Liste folgende Punkte stehen: Eigene Sporthalle kaufen/bauen und eigenes Hallenfußballturnier veranstalten. Ich hätte da ja eine voll krasse Idee, aber die erzähl ich euch mal beim Bier, nicht hier.

Aber wir müssen noch was zu der Stellungnahme des FC sagen. Mir ist sie ein bisschen zu positiv, was erstmal okay ist, denn als Gegenreaktion kann man auch mal einseitig sein. Nur auch hier fasst es publikative.org richtig zusammen:

„Der Grat zwischen Selbstverteidigung gegen Neonazis und Bock auf Boxen ist schmal“ Und die Stellungnahme ist für uns Auftrag und Verpflichtung zugleich: Wir müssen darauf achten, dass dieser Grad nicht überschritten wird. Nicht jede Hauerei darf umgedeutet werden als Verteidigung gegen Nazis und nicht jeder Vollidiot, der ein „Stolz ein Deutscher“-Reichsadler-Shirt trägt darf zu einer Massenschlägerei führen.

Aber hier wird es Samstag erste Diskussionsansätz geben, da bin ich sicher. Es wird ein langer, steiniger, schwieriger Weg, aber hier gilt bei allen Differenzen noch folgendes:

Wir (alle) sind St. Pauli. Ob es nun noch Präsident, Ultra oder Säufer ist, die Grundsolidarität muss da sein und vielleicht hat der ganze Scheiß eine gute Seite: Nun muss auch der Letzte gelernt haben, dass eher Fans als Polizei und sie abschreibende Journalisten zu glauben ist. Nun ist es an uns in dieser Grundsolidarität unseren Umgang mit eigener Gewalt zu finden, unser Verhältnis zur Polizei zufriedenstellend zu definieren und uns für den nächsten Angriff irgendwelcher Faschisten zu wappnen.

Und was kann man sonst so über Alsterdorf lesen?


Neunzehnhundertzehnblog läuft mir irgendwann noch den Rang als Differenzierer ab.

Die Mafia hatte sich dann auch irgendwann vom samstäglichen Umtrunk erholt. Ich lade mich hiermit nebenbei schon einmal fest zu eurer 5 Jahresfeier ein.

Ich kann ja nicht so mit linken Spinnern, die alles auf das System herunterbrechen und dabei 300 Schachtelsätze und 500 Fremdwörter brauchen. Aber a. sind sie mir immer noch 1.000.000 lieber als irgendwelche Panikmache a la Blödzeitung (wann kommt der nächste Tote und so, um dann noch den falschen als Letzten zu bezeichnen, weil der wirklich letzte nicht in den Kram passt) und b. ist die Antwort vom 11.01.12. 11:34 einfach alleine die ganzen verquarzten Sätze vorher wert. Willkommen zurück in meiner Linkliste.

Auch die Sitzblogade ist viel zu lange meiner Linkliste fern gewesen.

Schlecht schreiben kann ich gut, ich habe aber auch auf Radio Corax bewiesen, dass ich gut reden schlecht kann. Ein (leider etwas abgehakt abgeschnittener) Mitschnitt der Sendung findet ihr im Internet.


Wer mehr so der visuelle Typ ist, der kann die PK auch sehen.

Abschließend will ich aber noch einmal publikative.org zitieren, die einfach vollkommen richtig die enttäuschte Liebe der bürgerlichen Medien zusammenfasst:

„Jetzt rächt sich die in Fankreisen bereits oft parodierte und eindimensionale Darstellung des FC St. Pauli als “Kultverein”, wohl die inhaltsleerste Umschreibung, die in den vergangenen 20 Jahren erschaffen worden ist. Von der Realiät, die eigentlich zu beschreiben wäre, ist all das mittlerweile vollkommen entkoppelt: Stattdessen drischt man medial auf Pappkameraden ein, die man selbst erfunden hat. Waren die „Pauli-Piraten“ seit Ende der 1980er Jahre allesamt tanzende, kreative und stets gutgelaunte Alternativ-Freaks, ist nun vom Krawall-Club die Rede, bei dem paramilitärisch gedrillte Ultras die Marschrichtung vorgäben.“

Nun kommen wir zu folgender Frage:

„Wenn Theo Zwanziger korrupt wäre, dürfte er dann im Amt bleiben?“ So ungefähr fragt der DFB repräsentativ nach Pyro, bekommt dann (knapp) das gewünschte Ergebnis und ist glücklich. Nur ist das eine riesige Meldung wert? Und was wäre denn bei einer 60 % Zustimmung zu einer neutrale Frage so schlimm gewesen? Welche Zacke wäre unseren Oberen aus der Krone gebrochen? Das ist die große Frage. Natürlich muss es wieder ein Blogger sein, der einfach mal zum Telefon greift. Die hochbezahlten Redaktionen, die drucken lieber automatisiert die DPA Meldung ab. Ach ja, wer sich für den Köpeniker Stadtteilverein interessiert, der kann diesen Blog absolut in seine Linkliste packen.

Print Friendly

Flattr this!

  2 Responses to “Links der Woche Nr. 16a”

  1. […] magischeFC-Blog hat mir mit seiner Hommage an die Rubrik „Links der Woche“ des „Es lebe das Laster“-Blogs diese Idee […]

  2. Kann es eigentlich sein, dass die Polizei ein viel größeres Problem mit ihren Angestellten hat, als die Vereine mit ihren Fans? Das ist ja widerlich.

 Leave a Reply

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

(required)

(required)

Blue Captcha Image
Refresh

*