Aug 222011
 

oder

Zu den Stadionbaumodellen für die Gegengerade

Vorwort

Liebe Leser, in diesem Verein bleibt nichts geheim. Das ist wahrscheinlich ein Sprichwort, was in jedem Verein gilt. Und so sind auch die Überlegungen zur Gegengerade vorzeitig dem Abendblatt bekannt geworden und so hatte auch ich das Vergnügen, am Freitag kurz und freundlich mit Lutz vom Abendblatt zu telefonieren. Viel mehr als den Stand bei Fanräume wollte ich ihm aber nicht mitteilen. Ich finde es aber immer wieder lustig, wenn beim Abendblatt nach einer unliebsamen Story behauptet wird, dass dies ja nur Spekulation eines uninformierten Reporters sei. Ich glaube, ich habe noch nie einen so gut informierten Journalisten gesehen wie Wöckener. Das sei mal ein Lob, denn das ist doch die Hauptaufgabe eines Journalisten. Nebenbei: Das ist auch der Grund, warum ich nicht viel von einer ständigen Liveberichterstattung von irgendwelchen Kriegen halte. Das hektische Weiterverbreiten von Gerüchten über wackelige Amateuraufnahmen, die nicht überprüfbar sind, das ist für mich kein Journalismus, sondern nur Sensationsgeilheit. „Je schneller, je besser“ kann weder für Journalismus, noch für einen Blog (ich trenne das jetzt bewusst) die Maßregel sein.

Und daher habe ich mich entschieden, diesen Artikel auch erst am Montag, den 22.08.2011 um 20 Uhr zu veröffentlichen. Wie ihr euch vorstellen könnt, hat er einen früheren Redaktionsschluss, weil ich um diese Zeit natürlich im Stadion stehe. Letzte Revision des Artikels ist Montag ca. 13 Uhr gewesen. Ich bin aber als Fanräumemitstreiter und auch als Vivamitstreiter natürlich vorab im Bilde gewesen und ich möchte vermeiden, dass ich hier irgendetwas zu früh nach außen bringe, was andere Leute nicht hätten sehen können.

Meine Meinung

Vorbemerkung

Wir führen hier in weiten Teilen eine Geschmacksdiskussion. Solche Diskussionen sind insofern etwas schwierig, als dass ich niemanden mit wirklich sachlichen Argumenten von meinem Geschmack überzeugen kann. Wenn jemand Tomaten nicht mag, dann kann ich ihn argumentativ nicht davon überzeugen, diese doch zu mögen. Eltern wissen dies wahrscheinlich, denn der Satz „Iss das, das ist gesund.“ ist in seiner Wirkungslosigkeit den meisten Eltern bekannt.

Daher ist es aus meiner Sicht sehr hilfreich, sich mal von der Geschmacksdiskussion frei zu machen und mal die technischen Fakten zu vergleichen und dort die Vor- und Nachteile zu erörtern. Leider habe ich hier teilweise ein Informationsdefizit, denn ich habe zwar alle Bilder gesehen, ich weiß aber nicht, inwieweit Übersteiger und/oder Viva noch technische Details veröffentlichen. Mir ist dies sehr viel wichtiger als die Optik einer Tribüne.

Bei der Geschmacksfrage muss man Folgendes bedenken: Hier spricht ein Stadionnostalgiker. Dieser Satz beinhaltet ein Problem mit JEDEM Neubau und das muss man bei meiner Bewertung wissen. Denn in der Nostalgie ist immer auch eine Ablehnung des Fortschrittes mit drin. Und das ist immer auch eine Sackgasse. Denn so sehr die Gegengerade in der jetzigen Form meine Heimat ist, so sehr ich mich NIE an einen Neubau gewöhnen werde, so sehr muss man auch den Fakten in die Augen sehen. Und da sieht man eine Stahlrohrtribüne, die mit den Worten „verrottet“ noch freundlich umschrieben ist. Man sieht unüberdachte Stehplätze mit Sand, die bei Regen zu einer Matschwüste werden und man sieht Bierstände, denen ständig der Strom fehlt, weil auch die ganze Infrastruktur verrottet ist. Renovierung, Rekonstruktion ist ein schönes Stichwort, aber sie wäre so oder so immer ein notwendiger Neubau. Ja, ich schließe mich meinem Kollegen an, mir gefällt auch die Asynchronität des Stadions, ich würde auch sehr gerne warten, bis die neuen Teile „dreckig“ sind. „Benutzt“ ist vielleicht das bessere Wort. Bis sie ihr Eigenleben entwickelt haben. Aber ich befürchte: So lange hält die Gegengerade nicht mehr und so lange ist das Fenster der Baumöglichkeit wahrscheinlich auch nicht offen.

Daher werden wir alle uns einem Neubau stellen müssen, so schmerzhaft dies ist. Die Schmerzen können durch Ideen wie Fanräume abgemildert werden, aber sie werden nicht verschwinden. Es werden auch liebgewordene Gewohnheiten verschwinden durch Fanräume: Mein Wohnzimmer zieht um, denndie Adresse Brigittenstraße 3 ist für mich Teil meines Lebens geworden in den letzten 9 Jahren.

Das Procedere

Ich persönlich finde es richtig und gut, dass man zwei Entwürfe an die Öffentlichkeit gibt und zu einer Diskussion auffordert. Ich sehe darin keinen Krach, ich sehe darin auch keine verhärteten Fronten. Ich denke man sollte wirklich Vorteile von Entwurf a und b diskutieren, eventuell auch Kompromisse finden, auch wenn dies bei solchen Projekten schwierig ist, aber aus der Diskussion allemal etwas für die weitere Detailplanung mitnehmen. Dies ist bei Südtribüne und Haupttribüne absolut versäumt worden und die Unzufriedenheit ist daher groß. Unzufriedene wird es immer geben, aber wenigstens hat man eine Diskussion, eine Findungsphase versucht und das finde ich sehr gut.

Es gibt aber zwei Störfaktoren in einer solchen Diskussion, die jeder Diskutant bedenken sollte: 1. Wir diskutieren hier nicht unter gleichen Voraussetzungen. Jeder kennt die Macht von Bildern und während wir von der Welle ein dreidimensionales Bild haben, haben wir von dem anderen Modell nur trockene Zeichnungen. Ihr merkt schon: „Welle“ da ist auch schon ein Schlagwort, da ist die emotionale, die schwarz und weisse Betrachtung vorgezeichnet. (Na, wer kommt jetzt zuerst mit dem ähnlich klingenden Buch?) Das andere Modell kommt unemotional daher und man kann sich an ihm nicht so reiben, wie an dem anderen. Wichtig ist aus meiner Sicht dieses Reiben in Emotionen sehr stark auszuschalten und wirklich mit Überlegung an die Modelle zu gehen. 2. Das Boulevard wird mitspielen wollen und Worte wie „Chaos“ „unfrieden“ „Zoff“ „unprofessionell“ werden diese Diskussion begleiten, weil auch Leute das Boulevard in diese Richtung benutzen werden um ihre Interessen durchzusetzen, es gilt dabei sich von diesen Worten, diesen Ideen frei zu machen. Nicht jede Diskussion, jede öffentliche Überlegung ist unprofessionell, Zoff oder Chaos.

Ab vom Geschmack / Faktencheck

(Ich werde einen Ergänzungsartikel am Dienstag oder Mittwoch zu Pap äh zu Internet bringen, falls sich dies lohnt. Ich weise dann hier darauf hin. Die meisten Fakten stammen so aus dem Hamburger Abendblatt, es sei daher ein Wahrheitsvorbehalt angebracht.)

Beide Entwürfe sollen 10.000 Stehplätze und ungefähr 13.000 Plätze insgesamt haben. Das ist erstmal wichtig, richtig und wichtig und ach ja WICHTIG. Unklar und doch sehr entscheidend ist, wie in der Nord weiter gebaut wird. Sollte dies nämlich eine reine Sitzplatztribüne werden, dann würden keine neuen freien Stehplätze entstehen, die z.B. Jugend anziehen würden. Sollten dort Stehplätze entstehen, dann bleibt wieder die Frage, ob es in diesem Stadion genügend billige (!!!) Sitzplätze geben wird, die ein Überwechseln von Leuten auf die Sitzplätze ermöglicht. Hier ein Gleichgewicht zu schaffen wird noch eine der großen Aufgaben. Denn bisher haben wir nur teuer geschaffen. Und das nicht zu knapp.

Der klassische Entwurf wird sich von der Höhe und der Optik einfügen. Der Wellen-Entwurf hat 5 m mehr. Das wird dann schon eine Geschmacksfrage, aber insbesondere wenn das Ganze in dunkler Optik gebaut ist, dann steht da ein riesiger Klotz und das auf der Hauptpostkartenansicht des Stadions! Denn wir bauen jetzt unsere Schokoladenseite, dies ist nicht die Süd, die von der Straße eher nur kurz zu sehen ist, dies ist die Gegengerade.

Und etwas sehr wichtiges: Was kostet der Scheiß? ((c) Kermit) Und da findet sich im Abendblatt ein sehr spannender Satz: „Bei der schwarzen Welle werden Mehrkosten von bis zu vier Millionen Euro erwartet, was den Gesamtpreis auf 13 Millionen Euro in die Höhe schrauben könnte.“ Zwischen den Zeilen wird da also erwähnt, dass Klassisch 9 Millionen kostet. Wenn man bedenkt, dass diese Tribüne mal bei 4 Millionen angefangen hat, dann sich auf 6 Millionen gesteigert hat (das war so die Zahl, die letztes Jahr noch durch den Raum geisterte), dann auch mal einen Stopp bei 8 Millionen eingelegt hat, dann sind 9 Millionen wahrscheinlich nur der Zwischenschritt zu 10 Millionen und innerhalb von 5 Jahren Planung eine doch erhebliche Kostensteigerung.

Und damit kann man die ganze Diskussion im Endeffekt beenden. Wir sind nicht in der finanziellen Position uns Luxus leisten zu können. Und das meine ich ernst. Wenn man unsere letztjährige Bilanz mit einer Verschuldung von 20 Millionen (versteckt in Tochtergesellschaften) sieht, dann kann man nur sagen, dass Träumereien sehr schön sind, aber eben nicht bezahlbar sind. Natürlich muss man nicht alles 08/15 bauen, aber wenn man über eine Kostensteigerung von 40 % redet, dann muss man eigentlich nicht weiter reden.

Der klassische Entwurf ist so klassisch, dass er – wenn man das Abendblatt liest – machbar, relativ genehmigt und schnell realisierbar wäre. Das ist, wenn man ein Fenster von noch 9 Monaten bis zum Baubeginn hat, ein sehr großer Vorteil. Die Welle hingegen müsste zumindest in Details noch durch eine Genehmigung. Zu bedenken ist, dass wir nicht wirklich flexibel sind bei der Frage, wann wir bauen. Es gibt aufgrund der Masse Mensch, die auf dieser Tribüne steht nur die Möglichkeit einer kompletten Fertigstellung in einer WM/EM Sommerpause. Das muss man wissen. Daher ist ein Experiment in der Machbarkeit hier natürlich sehr schwierig und problematisch.

Die Welle würde Stehplätze in Ränge verlegen, eine Sache, die es in Deutschland so nicht wirklich häufig gibt und wo wahrscheinlich eine Behörde sofort die Fluchtwegfrage aufwerfen würde. Jedoch: Wenn man solche Ideen wie Business-Stehplätze (man lese bitte im Forum nach, was da für eine Idee hintersteckt, bevor das Geschrei los geht) wirklich mal ernsthaft angehen will, dann sind solche getrennten Blöcke natürlich sehr reizvoll. Bierbecherwürfe, Absturzsicherung (!!!) und Fluchtwege sind Stichworte, die ich hier nicht wirklich gelöst sehe.

Geschmacksfrage

Puh, ich finde das schwierig. Ich persönlich habe immer dann ein Problem, wenn im Zusammenhang mit meinem Verein die Stichworte Kiez, Hafen, einzigartig, Kult, schrill etc. immer schwierig. Nein, nicht weil sie falsch wären, sie sind richtig und wenn man sie richtig verstehen würde, würde uns bei jedem Stichwort ein „mehr davon“ sehr gut tun. Nur leider sehe ich immer wieder, was das Image des etwas anderen Verein anzieht. Und das ist leider nicht das Publikum, was passen würde. „Warum darf ich denn hier nicht Fotze sagen? Das ist doch Pauli, kultig, Kiez, schrill und überhaupt…“ Wer hat diese Argumentation so noch nicht gehört? Ich leider schon zu häufig, um nicht sofort bei der Nennung dieser Begriffe re- flexartig zusammen zu zucken.

Trotzdem würde ich mir etwas wünschen, was nicht 08/15 Beton ist. Ich würde es mir aber von unten wünschen. Wenn ich „Kult“ „Einzigartigkeit“ „Schrillheit“ von oben durch eine Designagentur bauen lasse, dann wird es keinem dieser Begriffe gerecht. Denn entstehen tun diese Begriffe durch die Bewohner, die Menschen auf der Tribüne.

Und genau in diesem Spannungsbogen befinde ich mich bei der Geschmacksfrage. Was mich weniger interessiert ist, ob sich da nun jemand ein Denkmal baut. So sehr ich es sonst mit „Wir sind Helden“ halte, da bin ich nun nicht so ihrer Meinung. Auch kann ich eine Diskussion über Macht oder Ohnmacht von Bauwerken immer nur bedingt führen, wir sprechen hier immer noch über ein Stadion, was keinen Machtanspruch politischer Art dokumentiert (anders als z.B. das Berliner Olympiastadion)

Für mich ist das eine reine Geschmacksfrage. Und da muss ich sagen: Von den ganzen durchgeknallten Entwürfen, die ich bisher gesehen habe, trifft die Welle meinen Geschmack am meisten. Mir gefällt das, wenn man weg käme von dem schwarzen Granit (bzw. der Optik) hin zu einer bunten Außenfassade. Am besten im Chaos der Kurve selber gestaltet (Fliesenwand mäßig). Mir gefällt auch der Gedanke der Oberrangstehplätze. Mir gefällt der Gedanke von Fahnen und ganz viel Konfetti von oben, was im Wind tanzt und sich schön über das ganze Spielfeld verteilt. Mir gefällt der Gedanke von Plakaten, die da hängen und von Wechselgesängen, die direkt am Spielfeld entstehen. Macht einfach mal die Augen zu und stellt euch diese Tribüne gefüllt und in voller Emotion vor. Und plötzlich sieht man nicht mehr den dunklen Klotz. Zumindest mir geht es so. Mir gefällt der Gedanke der Bierbecherwürfe gar nicht. 😉

Und ja, ich kann auch mit einer Normgegengerade leben, schwer, ich mag meinen Wellenbrecher, aber ich werde es überleben. Wenn Platz für uns ist, für unsere Kultur, für unseren Lärm und für unsere Weiterentwicklung.

Umso mehr würde mich eine offene, sachliche, respektvolle, aber auch emotionale Diskussion freuen. Schreibt an den FC, gebt ihm Argumente zum Nachdenken und freut euch auf unser neues Zuhause. Und weint um einen liebgewordenen Haufen Schrott. Alte Gegengerade, ich werde dich vermissen. Jeden Tag, jede Stunde, die du nicht mehr existierst. 25 Jahre warst du das, was viele Menschen nie finden. Heimat.

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  6 Responses to “Die Welle”

  1. hmm,
    zum thema Welle bin ich noch nicht ganz sicher, auf der einen Seite verstehe ich die Argumente, des besonderen und der einzigartigkeit des #fcsp, auch die verbindung zur Welle und Seefahrt kann ich mir vorstellen.
    Aber irgendwie kann ich mir nicht vorstellen das dies in den Stadtteil passt.
    Der Verein ist Teil des Stadtteils und sollte auch in diesen passen.
    Die neue Gegengerade wäre jedoch eine weitere Tourismusattraktion in Hamburg, wie die Elbphilharmonie, Kreuzfahrtschiffe, tanzende Türme, usw.
    Aber vielleicht ist das auch die Entwicklung die Sankt Pauli anstrebt, vom schmuddelig, rockig, gemütlichen Viertel zum neuen, sauberen Latte Macchiato / Macbook In-Viertel …
    Im Bereich Stadionführungen würde die Welle sicherlich eine weitere Einnahmequelle mit sich bringen.

  2. […] Weitaus neutraler werden die Argumente im Blog Magischer FC ausgetauscht: http://www.magischerfc.de/wordpress/?p=5848. Ebenfalls sehr ausführlich lesen sich die Gedanken im Blog Lichterkarussell […]

  3. Ich habe mir die konkurrierenden Entwürfe der neuen Gegengerade angesehen und das Interview mit Michael Meeske gelesen.

    Respekt dafür, dass der Verein beide Entwürfe vorstellt und die Fans um ein Feedback bittet!
    Chapeau! Das ist vorbildlich und führt -hoffentlich- zu einer noch stärkeren inneren Verbundenheit zwischen Verein und Fans.

    Zu den Entwürfen:
    Ich finde, dass die Süd- und die Haupttribüne ein ansprechendes Bild abgeben. Ich habe bereits auf beiden Tribünen Spiele verfolgt.
    Die Sicht ist durchweg gut. Der optische Eindruck ist sicherlich auch OK, aber auch nicht wirklich aufregend.
    Besonders hervorzuheben ist allenfalls die Außenansicht der Südtribüne, mit ihrer Klinkerfassade.

    Dem Bedarf des Vereins wurde mehr, dem der Fans wurde weniger entsprochen.
    Es gab heftige Kritik seitens der Fans, an der Tribünengestaltung der Gegengerade (besonders an den vielen Business-Seats und den Logen).

    Ansonsten sind beide Neubauten vielleicht nicht ganz so unpersönlich, wie andernorts, aber sie sind auch kein architektonisches Highlight, bieten keine besondere Identifikationsmöglichkeit mit dem Verein, kein „Alleinstellungsmerkmal“ welches unser Millerntor von anderen Stadien abheben könnte.
    Der Entwurf der Firma ar.te.plan ist eine dementsprechend eine konsequente Fortführung des bisherigen Designs. In sich stimmig und funktionell.
    So weit, so gut?
    Im direkten Vergleich mit dem Gegenentwurf erscheint das architektonisch aber geradezu bieder und ängstlich zurückgenommen.
    Vermutlich werden sich mehr Menschen für die Fortführung des Bisherigen aussprechen. Aber auch bei denen ist Herzrasen und Leidenschaft nicht zu befürchten, wenn sie die von ar.te.plan vorgestellte Tribüne anschauen, oder? Die ist eben wie ein VW Golf: Solide. Funktional. Gesichts- und Konturlos. Langweilig.

    Dem gegenüber die Welle:
    Viel spektakulärer! Die Welle ruft Gefühle hervor! Sie läßt kaum einen Betrachter wirklich unberührt! Aber sie polarisiert sicherlich auch, verleitet zu Diskussionen…
    Sollte gute Architektur nicht genau das leisten?
    Eine Welle ist Sinnbild von Unbändigkeit, von Kraft und Naturgewalt! Aber auch von Stetigkeit, Wiederkehr und Dynamik!
    Um beim Vergleich mit dem VW Golf „im Bild“ zu bleiben:
    Diese Welle ist für mich Ferrari: Leidenschaft! Dynamik! Laut! Und auch etwas unvernünftig!

    Die Assoziation mit Wasser, dem Hafen und den „Freibeutern der Liga“ stellt sich m. E. bei der Betrachtung schnell ein.
    Diese Tribüne könnte wirklich Steingewordener Ausdruck der (vom Marketing so gern beschworenen) Andersartigkeit des Fc St. Pauli sein!
    Ein bestechenderes Alleinstellungsmerkmal, welches noch dazu, in so vielfältiger Weise, assoziative Verknüpfungen mit dem Fc St. Pauli herzustellen vermag, ist kaum vorstellbar!
    Die Idee eine „Welle“ als Gegengerade und die Art der Positionierungen der Zuschauer sind vermutlich erheblich teurer, als der Entwurf der Firma ar.te.plan, aber die (Außen-) Wirkung, das Design, der Anblick vom Innenraum aus und die größere Zuschauerzahl sprechen m. E. eindeutig für diesen Entwurf!

    Zu versch. Sicherheitsbedenken ist zu sagen, dass diese bereits bedacht sind! Es wird in den Rängen Vorrichtungen geben (Fangnetze) um Unfälle und Becherwürfe zu verhindern OHNE die Sicht zu beeinträchtigen!

    Eine Anregung hätte ich aber:
    Um eine stilistische Verbindung mit den 3 anderen Tribünen (Süd, Nord und Haupt) herzustellen, würde ich mir wünschen, die Betonbauteile mit jenem rotem Klinker zu verblenden, welcher bisher schon bei den anderen Tribünen verwendet wurde.

    Fazit:
    Der Fc St. Pauli hat die einmalige Chance, hier nicht ein Allerweltsstadion zu bauen, sondern die Verantwortlichen sollten bedenken, dass sie dem Verein mit dieser „Welle“ als SOLITÄR ein markantes Gesicht geben, und ein Statement des irgendwie immer noch „anderen Vereins“ setzen würden!
    WENN dieses Architektur-Highlight finanziert (und nur dann!) und gebaut werden kann, dann sollte der Fc St. Pauli diese Welle realisieren. Auch wenn es nicht für den gleichen Preis zu haben ist! So ist das eben mit VW und Ferrari… Aber leisten können muß man es sich!

    Dieses Bauwerk wäre auch Städtebaulich ein mutiges Juwel an dieser hervorgehobenen Position Hamburg-St. Paulis!

    Allerdings befürchte ich, dass eine Realisierung letztlich an der Finanzierung scheitern wird. Oder am fehlenden Mut. Mindestens!

    Ich bin sehr gespannt!

    Grüße aus Ottensen

    Ulrich

  4. […] ÜS-Verkauf ging wie von selbst, dies war aber nach der “Steilvorlage” des Abendblatts vom Samstag auch kaum anders zu erwarten. Wer keinen ÜS ergattern konnte, findet hier den Artikel von Mathes zu den Planungen der neuen Gegengerade. Weitere Infos und/oder Sichtweisen gibt es auch beim Magischen FC. […]

  5. Noch was ergänzendes, nachdem ich große Teile der Forumsdebatte gelesen habe. Leute, bitte lasst das auf euch wirken, drückt doch mal für einen Augenblick diese Gedanken à la Marketing-Gedöns, Designerkram, Elbphilarmonie, etc. weg (das mit dem Operettenvergleich fand ich sogar eher witzig, bin zwar kein Operngänger, aber die Vorstellung, dass ich da viel Zeit verbringe und das dass unsere ureigene „Operette“ werden könnte, find ich, schlicht und ergreifend, gut). Es geht doch nicht darum, was von außen auf einen einströmen tut, sodern ob man es mag, diesen Zweispalt in einem durch das von außen Eingetragene überwindet, indem man sich auf sich zurück besinnt. Und wenn ich mir die Macher dahinter so angucke, die da sagen, sie sind St. Paulianer, Gegengeradenfans, dann löst sich die Skepsis dahinter doch in Wohlgefallen auf, oder?

    Klar, ich bin, wie man lesen kann, auch Pro-Welle, aber ich nehme es, wie es kommt, und werde nicht trauern, wenn es anders kommen sollte (vielleicht ein bisschen). 🙂

    St. Pauli, Du bist schon verrückt, herrlich verrückt. Das Leben an sich und speziell mit Dir ist schon eine Wonne…

    Nils

  6. Hey Norbert, genau das ist esd, was Du zum Schluß schreibst. Man kann nur hoffen, dass man sachlich bleibt, dass man eine Diskussion führt, die nicht ausrartet im „Schlechtmachen“. Machbarkeit, klar, das ist das Schlagwort, unter dem die ganze Diskussion stehen sollte.

    Mich hats gleich geflasht und dabei ist doch völlig Latte (mir zumindestens), in welchen Kontext man das stellt. Designerkram, Elbphilarmonie die Zweite, SChwanzvergleich (las ich), Egomatik, etc. blablabla. Klar, dem muss man sich auch stellen. aber vergessen wir das Ganze mal, weil es tatsächlich ganz hinten anzusiedeln ist. Gefällt es uns, können wir uns damit identifizieren? Passt es zu uns? Ich meine ja, das ist schon ein irres Ding. Wenn sich die Details wie Berandung (also Fangzäune, Zäune im allgemeinen, Ballustraden, Fluchtwege, und und und), Platz für Innenräumlichkeiten und finanzielle Machbarkeit klären lassen, so klären lassen, dass das wahre Bild, welches sich nach der Fertigstellung ergeben könnte, schon vorher vor uns aufsteigt, dann ja dann…

    Aber, und das ist auch zu bedenken, sollte man einer anderen Bauweise nicht das Wasser abgraben. Auch hier sind viele kleine Details möglich, um der Tribüne einen eigenen Charme zu verleihen. Unseren Charme. Was auch immer das genau heißen mag. Es wird sich zeigen, entwickeln, es wird kommen, so oder so. Die alte Heimat wird nicht mehr sein, wird in unseren Herzen bleiben, doch meine Vorfreude ist die eines kleinen Kindes, welches in der Nacht vor der Urlaubsreise ganz kribbelig, ja aufgekratzt ist…

    Liebe Grüße
    Nils

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