Apr 032019
 

Der Verein hat seine Veranstaltung am Donnerstag mit einem deutlich anderen Inhalt belegt, als zu dem Zeitpunkt als wir das erste Mal auf die Veranstaltung hinwiesen und will nun die Aufarbeitung des Derbys in den Mittelpunkt stellen. 

Wir werden wohl hingehen, haben aber doch starkes Bauchweh bei dem Einladungstext und dem Übergewicht der Redner aus der offiziellen Einladung. Zwar soll das keine Podiumsdiskussion sein, aber „vorne oben“ sitzt hat schon räumlich eine erhöhte Stellung in einer Diskussion – und framed die Diskussion allein schon dadurch, dass er zuerst das Wort erhält, insbesondere als offiziell eingeladene Person. Wenn man eine wirklich offene Diskussion will, dann sollte man hier nicht nur seine eigene Sichtweise präsentieren. Und alle Liebe für Fanladen Justus, aber er alleine als Gegenpol (siehe später) ist dürftig und wirkt schnell wie ein Feigenblatt. 

Wir finden eine Diskussion über Werte und über Gewalt prinzipiell richtig, ab hier stimmen die Prämissen einfach nicht: Wenn sich die Verantwortlichen des Vereins nach dem Derby offensichtlich einem Handlungsdruck ausgesetzt sehen, der sie u.a. bereits zu dieser absurd geschriebenen Stellungnahme letzte Woche veranlasste, sollte man nicht davon ausgehen, dass hier “Werte” neu justiert werden sollen oder dass das Präsidium sich wirklich Anregungen für die kommenden Monate von Teilnehmer*innen dieser Veranstaltung einholen will. Es ist eine PR-Maßnahme. Die Wirkung nach außen ist “wir nehmen das ernst” und nach innen ist es nicht mehr als ein “we hear you” an diejenigen, die an dieser “Diskussion” interessiert sind.

Erstaunlich ist auch der Zeitpunkt an dem man “Werte” für sich entdeckt. Wenn es Werte in diesem Verein gibt, dann sollten die doch in den demokratisch verabschiedeten Leitlinien zu finden sein. Ups! Die haben Vermarktung und auch Präsidium immer sehr frei ausgelegt. Nutzt mal die Suche hier im Blog. Ihr werdet merken wie häufig gerade diese Menschen an die Einhaltung der Leitlinien erinnert werden mussten. Siehe z.B. Hot Pink, siehe Astra, siehe Entgleisungen von Vermarktungspartnern, siehe aber auch sexualisierte Übergriffe im Stadion.
Hörten wir da ein „Statement zu den Werten” von unserem Präsidenten? Nein! Siehe auch die Stellungnahme von vergangener Woche, die in Wortwahl und Inhalt nicht den Geist der Leitlinie und Werten unseres Vereins trug. 
Zumal das Thema Übergriffe auch während der Veranstaltung im Januar mehrfach zur Sprache kam. Sichtbar passiert von offizieller Seite (außer der Versendung eines Protokolls an die Anwesenden): Nichts. Handlungsdruck scheinbar nicht vorhanden.

Und nun als Hüter der Werte darüber ein Statement abgeben wollen? Hmmm. Wir wissen nicht so recht. Da wäre der FCSR oder der Ehrenrat besser. Warum ist eigentlich der FCSR nicht offiziell auf das Podium eingeladen? Der vertritt irgendwas um die 500 Fanclubs mit irgendwas um die 3000 bis 5000 Fans. Und ist demokratisch legitimiert. Außerdem soll es im FCSR auch weibliche Mitglieder geben. Hätte man auch gleich noch das männlich besetzte Podium aufbrechen können. 

Wir sind nicht unbedingt davon überzeugt, dass die Vereinsoberen sich als besonders guter Gesprächspartner hervorgetan haben, wenn es um Verletzungen dieses Konsens ging. Eine moralische Deutungshoheit haben sie nicht und es ist interessant zu beobachten, wann sie “Werte” bedroht sehen und wann eben nicht.

Nein, das macht eine Diskussion über Leitlinien und deren Einhaltung nicht unsinnig, vielmehr ist sie dringend erforderlich, aber nicht “von oben” herab, und sowieso nicht, wenn man sie für sich selbst gerne schön weit auslegt – wie es eben gerade passt. Wenn wir sehr pessimistisch wären, würden wir schreiben, dass sich hier die autoritäre Rhetorik der Stellungnahme fortsetzen wird, aber das bleibt wohl noch zu sehen.

Auch fragen wir uns, was Svens “Sicht zum Derby Stellung nehmen” auf einer Diskussionsveranstaltung anderes soll, als dem ganzen ein Framing zu geben, aus dem man nicht mehr ausbrechen kann. Nix gegen den alten Punker Sven, aber ganz geheim würde er wahrscheinlich auch zugeben, dass der Job als “Leiter Veranstaltungen und Sicherheit” eine gewisse Sichtweise fördert. 

Immerhin soll Justus aus Sicht des Fanladens “einordnen”. Das ist als Gegenpol garantiert gut, aber auch hier wäre ein Fanvertreter und ein 50/50 auf dem Podium sehr viel besser, als ein 1/3 zu 2/3. 

Ihr seht, wir haben Bauchweh. Aber als Pessimist hat man ja eine gute Eigenschaft: Man kann positiv überrascht werden. Hoffen wir im Sinne unserer Werte beim FCSP auf eine solche Überraschung.