Mrz 132019
 

Vorwort

Am Ende fanden wir alle das nun folgende nicht perfekt. Wahrscheinlich weil es die perfekten Worte nicht gibt. Aber hier sind unsere besten Worte:

Wir müssen reden. Alle. Wir müssen uns über Selbstverständnis unterhalten. Wir müssen uns über Führungsanspruch unterhalten. Wir müssen alles in Frage stellen. Wir müssen Strukturen erneuern, neu denken und neue Aktive gewinnen.

Und mit diesen Sätzen meinen wir nur die Geschehnisse auf der Gegengerade. Dass es noch ganz andere Probleme gibt, lest ihr nun.

Was dieser Artikel nicht macht

Sich mit unseren Gästen auseinander setzen. Vieles, was die machen ist unverständlich, unsympathisch und wirr. Aber hey, sollen die selber klären und wir haben gerade eigene Probleme.

Auf dem Platz

Es war Derby. Gemerkt hat man das nicht. Hatte unserer Mannschaft jemand Valium ins Frühstück getan? So eine emotionslose, planlose und unmotivierte Mannschaft hat man sehr lange nicht auf dem Rasen des Millerntors gesehen.

Viel zu einfach schenkt man das Spiel her, nimmt den Fans die Freude über acht Jahre Derbysiegertum und das vor den Augen der 2011er Mannschaft. Das tut weh.

Und ganz ehrlich: Man kann gegen eine Mannschaft wie die aus dem Volkspark verlieren, man kann Derbys verlieren. Aber nicht so. Spätestens nach dem Jubelsprint von Lassoga in seine Kurve muss da jemand hin und dem die Meinung geigen. Ich muss giftiger sein, ich muss kantiger sein, ich muss – wenn ich denn eine defensive Taktik fahren möchte – dem Gegner die Lust am Fußballspielen nehmen und auch Hektik reinbringen. Dazu gehört es auch, dass man mal am Rande der Legalität arbeitet. Nur wir bekommen es hin, in einem solchen Spiel keine einzige Karte zu kassieren. Wenn ich so ein Spiel in Trainingsintensität spielen will, dann gewinnt immer die Mannschaft mit der besseren fußballerischen Anlage und das ist nun mal der Nachbar.
Und wenn der meiste Trashtalk während des Spiels von einem Ersatzspieler beim Aufwärmen kommt (in Richtung Pollersbeck), dann ist das schon sehr, sehr schräg.

Klar kann man die Gegengerade zu mehr Support auffordern, aber dann muss ich danach auch Aggression liefern.

Wir wissen, dass Laufleistung im Fußball nicht alles ist, aber es ist schon erschreckend, wenn man das mit den anderen Spielen vergleicht. Wir haben uns mal die gemittelte Laufleistung der Spieler über 90 Minuten in den Spielen dieser Saison angeguckt – aufgeteilt nach Spielergebnis (g, u, v) und insgesamt. Und dann mal die beiden Derbyspiele daneben gestellt:
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Jeder Spieler ist weniger gelaufen als im Durchschnitt dieser Saison und die auf dem Rasen stehenden Spieler haben im Hinspiel im Schnitt 1,5 km mehr gemacht. Und nein, diesen Unterschied kann man mit keiner Taktik der Welt erklären. Vor allem nicht, wenn Brych seine gelben Karten auch in der Kabine hätte lassen können, weil es auch hier keine Reaktion auf den Spielverlauf gibt.
Hinzu kommt, dass unsere Mannschaft sich viel zu doll von den Rängen beeinflussen lässt, Himmelmann in der ersten Pyro-Unterbrechung schon sichtbar irritiert. In der zweiten Halbzeit ist sofort die Luft raus, als es zu einer kurzen Unterbrechung kommt. Dass es hitzig auf den Rängen werden würde, hätte klar sein müssen (wenn auch vielleicht nicht in diesem Ausmaß) und man muss die Jungs auf so etwas vorbereiten. Sportpsychologin allez.
Eine ganze Reihe der Spieler, die auf dem Platz stehen, haben in den vergangenen Wochen ihren Vertrag verlängert und dabei betont, wie wohl sie sich hier fühlen und wie sehr sie sich mit dem FCSP identifizieren. Das hätten wir in diesem Spiel gerne auch auf dem Platz gesehen.

Stattdessen legen sechs (!) Spieler die schlechteste individuelle Saisonleistung hin und vier weitere schrammen ganz knapp dran vorbei.
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(Berechnungsgrundlage: WhoScored-Noten)
Regelmäßige Leser*innen wissen, dass wir als Kollektiv nicht alle Kauczinski-Fans sind. Und an diesem Sonntag sehen wir uns darin mal wieder bestätigt. Hauptsache, die Hände sind in den Hosentaschen gut warm, während der Gegner uns gerade ein 0:3 einschenkt. Im eigenen Stadion. Beim Derby.
Für uns ist der kein Trainer, der eine Mannschaft taktisch auf wichtige Spiele einstellen kann, der eine Mannschaft während des Spiels mitreißen und motivieren kann. Und damit kein Trainer für die richtig großen, wichtigen Spiele. Und dazu gehört dann auch seine KSC-Historie, gerade gegen den HSV.
(Und nein, wir sind nicht bei jedem Training, bei der Kabinenansprache o. ä. dabei. Wir können nur das bewerten, was wir sehen. Und das ist in letzter Zeit nicht das, was wir auf der Trainerbank gerne sehen würden.)
Und wir lassen uns hier sehr gerne vom Gegenteil überzeugen.

Neben dem Platz Teil 1 / Danke

Kommen wir zu einer der wenigen schönen Dinge, die wir über diesen Spieltag schreiben können: Danke an alle Aktiven, die Stunden an Nähmaschinen gesessen haben, um wirklich hübsche Blockfahnen und Choreos vorzubereiten. Leider wird dies nicht die bleibende Erinnerung sein. Ihr wisst, wer ihr seid, ganz viel Liebe für euch.

Neben dem Platz Teil 2 / Gegengerade

Wir fangen einfach mal mit der Gegengerade an, nicht weil das nun irgendeine Wertung sein soll, sondern weil irgendwer ja anfangen muss und wir selbst heute zu drei Vierteln hier stehen. Überhaupt ist Aufrechnen zwischen Tribünen alberner Kram. Nach diesem Spiel hat jeder was von der eigenen Traverse zu kehren.

Die Gegengerade muss sich fragen, was sie eigentlich sein will. Will sie eine stehende Haupttribüne sein? Also eher passiv ein Spiel begleiten und vielleicht mal, wenn es gut läuft, mitmachen? Beansprucht sie eine Führungsrolle? Wenn ja, warum („ich steh hier seit 1910 Jahren“ ist ein sehr schwaches Argument) und wie soll die ausgefüllt werden?

Natürlich ist das sehr allgemein formuliert, denn es gibt weder die/den „normale*n Gegengeradensteher*in“, noch ist die Gegengerade homogen. Nur das an diesem Tag ist echt enttäuschend. Wie kann man in der Mehrheit der Besucher*innen von Beginn an einem Derby emotional null teilnehmen? Wir hatten gefordert, dass es brennt, dass die Volksparker*innen sich einscheißen müssen … dies gelingt nicht annähernd. Mal ehrlich: Niemand verlangt von euch Dauerlala oder so, aber wenn auf so ein perfektes Feindbild wie Lassoga überhaupt nicht reagiert wird, dann ist etwas kaputt. Da ist ja die Haupt emotionaler unterwegs.

Ein naives Mitglied des Redaktionskollektivs wagte vor dem Spiel noch die Hoffnung zu äußern, dass es vielleicht der langweilige und beliebige Spielbetrieb des deutschen (Zweitliga-)Fußballs ist, der das durchschnitliche Gegengeradenpublikum am Samstag- oder Sonntagmittag nicht motivieren kann, sich am Support zu beteiligen. Aber was soll dann bei einem solchen Spiel die Ausrede sein? Kein Alkoholausschank?

Es schwingt in der GG ja immer noch so ein Herabblicken auf die Süd mit, was so null gerechtfertigt ist. Wenn ich mir so etwas leisten will, dann sollte ich den Support, den Verein, das ganze Stadionerlebnis prägen. Zur Zeit stehen da 12.000 zum größten Teil passive Konsument*innen.

Und aus dieser Perspektive heraus wirkt die verbale Kritik an den rot Vermummten in der Süd auch albern und wird schnell zu einem Autoritarismus, der durch nichts gerechtfertigt ist. Alles, was den langweiligen, friedlichen Konsens aus Bier, Schnack und Fußballgucken stört, wird als Angriff wahrgenommen und da plötzlich kann man Emotion. Das ist schon ist schon ziemlich linkes bürgerliches Spießertum. In Hamburg nennt man das „Sparkassenputzer*in“. Liebe Leute, die Gegengerade muss anders sein. Sie sollte nicht die SPD/MoPo des FCSP sein. Dies gilt insbesondere, wenn man doch auch auf der GG lautstark „Antifa Hooligan“ gefordert hat, denn wie schrieb jemand ein bisschen überspitzt in dieses Internet? „Jetzt kommen da mal Antifa-Hooligans und dann ist es auch wieder nicht recht.“ Das ist nicht ganz unsere Meinung, aber wir kommen dazu noch. Niemand will hier das Geschehen auf der Süd rechtfertigen.

Wir wurden gefragt, wie eine richtige Reaktion der GG auf das Geschehen in der Süd aussehen sollte und könnte. Gute Frage! Am Spieltag ist das immer schwierig, emotionale Antworten auf überraschende Ereignisse überlegt man sich meistens nicht lange im Voraus. Aber mal ehrlich: Es gibt ganz viele Gründe, warum man erstmal in der GG kehren sollte, bevor man den Zeigefinger Richtung Süd hebt.

Vielleicht ist Durchatmen und Ignorieren die beste Reaktion. So schlimm wie die drei Buchstaben, die dieses Blog nie schreibt, ist aber dort niemand, das möchten wir einfach nicht rufen. Und ja, wir können Unmut verstehen. Aber der FCSP-Fan an sich war immer darauf stolz, bei der Emotion auch immer das Hirn eingeschaltet zu lassen. Und natürlich hat MillernTon-Maik auch recht, wenn er folgendes schreibt:

Aber dann sollten wir bitteschön auch die Fresse halten, wenn es um andere Tribünen und deren Umgang mit dem Derby geht. Das kann man dann gerne nach dem Spiel oder irgendwann thematisieren, aber doch nicht während der Nachbar noch im Stadion ist und sich eins feixt. Haben wir gar keine Selbstachtung mehr?

Zumal die Pfiffe noch mal einsetzen, als ein großer Teil der Süd die Mannschaft nach dem Spiel besingt, sich sichtbar hinter sie stellt. Wie scheiße kann man sein, dass man in dieser Situation dann tatsächlich die eigenen Fans auspfeift. Und damit indirekt dann halt auch gleich die ganze Mannschaft.

Dass auch noch von sexistischen und antisemitischen Beleidigungen berichtet wurde, rundet das Bild ab. Sankt Pauli, was geht denn hier bitte? (Nachtrag 16:33 weil das vielleicht missverständlich ist: wir sprechen hier von einzelnen Rufenden!)

Wie die Reaktionen ab heute aussehen sollten?

Wir haben da Ideen: Intern? Vernetzen! Aktive unterstützen, eigene Bequemlichkeiten räumen! Du hast Bock auf 90 Minuten Alarm? Ab zum Supportblock! Wir brauchen wieder Spieltagsflyer, Infoveranstaltungen, Vernetzungstreffen, Aktive. Und ja da sind auch wir alten Säcke mit zwei Kindern und einem Haus am Stadtrand gefragt. Das ist natürlich Klischee.

Extern bzw. Reaktion auf die Süd? Support your favourite Südgruppe! So gut wie jede*r GGler*in kennt Südmenschen, jeder hat schon mal Gruppen kennengelernt. Unterstützt die! Fragt, ob man helfen kann, gebt Rückendeckung! Die werden dies und eine Schulter zum Ausweinen brauchen. Da liegt nämlich auch ganz viel Arbeit vor denen. Klar, man ist nie 100 Prozent einer Meinung. Sowohl die Haltungen auf der Süd als auch die auf der GG lassen sich bestenfalls als Spektrum begreifen. Aber das ist egal. Solidarität ist eine Waffe.

Wie das konkret aussehen kann? An Veranstaltungen teilnehmen! Der Supportblock hat einen Stammtisch, der Verein macht eine breitere Diskussion, haltet die Augen und Ohren offen. Organisiert euch in euren Bezugsgruppen, redet drüber, nutzt Institutionen wie den Fanladen etc. pp. Ärger muss zu Reaktionen führen. Wir können als Fanszene intern alles ausdiskutieren. Den Diskurs von MoPo, Bild und Co bestimmen zu lassen und dann über Social Media den eigenen Ärger zu verbreiten, ist ja … suboptimal. Wir einnern an dieser Stelle auch gerne daran, dass Diskurse nicht fair sind. Law-and-order-Politiker, die Polizei und ihre Interessenvertreter und andere werden versuchen, politisches Kapital daraus zu schlagen, bereitwillig unterstützt durch die Hamburger Massenmedien. Diese kollektive Erregung sollten wir keinesfalls unterstützen.

Neben dem Platz Teil 3 / Südkurve

Bei diesem Spiel wird öffentlich deutlich, was aufmerksame Menschen schon etwas länger mitbekommen haben, was nun aber nicht mehr zuzukitten ist. Wir haben einen Bruch innerhalb der Süd und eine Gruppe, die hier unbedingt ihr Ding durchziehen will.

Seit Jahren diskutieren wir die Frage, ob es eigentlich einen Grundkonsens beim FCSP gibt und ob jeder macht, was er will. Letzteres ist zur Zeit wohl zumindest für diese ominöse Gruppe der Modus Operandi.

USP will dem in mehreren Szeneorganen formulierten Selbstverständnis nach einen Führungsanspruch in der Süd haben und wenn wir ehrlich sind, es wäre uns lieb, wenn dies alle akzeptieren und USP den damit durchsetzen kann. Klar, die sind auch nicht perfekt und man findet in dem langen MillernTon-Interview viele Punkte, denen man widersprechen kann. Aber Ultrà Sankt Pauli steht halt doch für eine Mentalität, die anders ist als plumpes Deutschultramackertum. Im Deutschultramackertum gibt es eine Liste von Dingen, die man unbedingt in einem Derby abhaken muss und das hat diese andere Gruppe getan. Wir wiederholen da inhaltlich nun nicht alle Geschehnisse. Siehe den Artikel vom Derbytag. Das ist vorhersehbar, langweilig, null ein „anders sein“ und auch nicht „Antifa Hooligan“, wie wir das verstehen. Daher halten wir es für wichtig, diesen Führungsanspruch als USP wieder zu gewinnen, inhaltlich zu unterfüttern und alles Notwendige dafür zu tun. Auch von jedem Dritten.

Und neben dieser Deutschultramackertum-Liste gab es ja auch diverse andere nicht tolerierbare Fehlverhaltungen. Eigene Leute angreifen, wegschubsen, sich mit eigenen Leuten hauen, Dinge in der Kurve anzünden undsoweiter. Das geht gar nicht. Auch auf den Zaun zu springen, die eigene Choreo dabei zu beschädigen und da den Obermacker zu miemen, ist a) etwas lächerlich, wenn schon die eigene Kurve nur genervt mit den Augen rollt, anstatt dadurch heiß zu werden, und b) Mackerklischee pur, da natürlich nur die Kerle (zumindest so weit wir das sehen konnten) da den Hampelmann machen.

Nun ist die Frage, wie man diese Menschen wieder einfängt oder im schlimmsten Fall ausgrenzt. „Das sind keine Fans“, „Das sind keine St. Paulianer“, „Die sind sonst nie da“. Ja, haben wir alles schon gelesen. Auch die Forderung nach Stadionverboten, Polizei in der Kurve, Südkurvensperrung etc. pp. Das ist die andere Liste nach Derbys. Die Liste der bürgerlich Empörten. Das dies ebenso reflexhaft wie wirkungslos ist, wissen wahrscheinlich selbst diejenigen, die dieser Forderungen aufstellen, aber es täuscht Aktivismus vor. Und das ist sehr populär. Gleiches gilt auch für Vereinsstellungnahmen, auch wenn die beim FCSP besser klingen als anderswo. Besser ist hier aber ungleich gut.

Ach ja, für die nun notwendigen internen Gespräche raten wir euch, liebe Vereinsverantwortliche, was wir schon Corny geraten haben: Zu dem entsprechenden Treffen gehen, sich auf eine Kiste stellen, einmal “Das war richtig große Scheiße und ich bin sauer” in die Runde brüllen, von der Kiste herunter steigen und dann sagen: “Okay, und wie verhindern wir das nun in der Zukunft? Lasst uns reden!”

Wir müssen uns alle an die eigene Nase fassen. Denn das sind Fans, unsere Fans. Warum haben wir diese Leute nicht von “unserem Weg” überzeugen können? Und warum bekamen/bekommen wir jetzt keinen Gesprächsfaden aufgebaut?

Natürlich fällt USP die Disstapete in Richtung Poptown (“Das Vermächtnis von PT98: Nachwuchs? Choreo? Die Kurve? Außer Messer nichts im Griff gehabt”) mit dem Verhalten dieser Leute richtig auf die Füße, aber sie stellt doch die richtige Frage: Warum schaffen es Ultragruppen nicht, ihren Nachwuchs in den Griff zu bekommen? Ist Adrenalin so ein geiler Kickfaktor?

Und klar, Jugend (und es waren unserer Beobachtung nach junge Menschen) testet Grenzen aus, verbrennt sich die Finger und wird daraus hoffentlich klüger. Viele von uns waren selber so. Aber das heißt ja nicht, dass man die nicht wieder einfangen kann und muss. Und vielleicht auch vor dem großen Knall diese Ausrede zu häufig verwendet hat. Nun ist das Kind im Brunnen, holen wir es wieder raus.

Was ist los in Ultraland?

Und dabei ist noch gar nicht die Frage gestellt, wie sich linke Ultragruppen, Antifagruppen etc. in den letzten Jahren entwickelt haben. Ohne es in irgendeiner Art und Weise belegen zu können, vermitteln die letzten Jahre doch den Eindruck, dass es einen Trend zu mehr Gewaltbejahung, mehr Agressivität gibt. Klar, die Umstände ändern sich und damit auch die eigene Hemmschwelle für die Akzeptanz von Gewalt. Auch wenn diese (vermeintliche) Wandlung linker Jungendkulturen parallel läuft, ist es doch eine Sache, die jetzt hier nicht ausdiskutiert werden kann.

Erstmal muss man reden. Wir sind keine Freunde davon, sowas mit Faust oder Polizei zu klären.
Polizei: Führt immer noch zu falschen Solidarisierungen und auf St. Pauli klärt man das unter sich. Und Polizei ist sowieso doof.
Faust: Ja, dies ist leider ab und zu ein Mittel, um legitime Ansprüche zu untermauern. Wer dies negiert, der lügt sich im Fankurvenkontext in die Tasche. Aber das kann nur Ultima Ratio sein und ist nix für dieses Hippieblog.

Und wir müssen auch in der Süd wieder mehr Leute in aktive Strukturen einbinden und aktiv inhaltliche Arbeit machen. “Was wollen wir als Süd sein?” ist eine wirklich berechtigte Frage. Das Kurvenkonzept muss überarbeitet werden, die inhaltliche Arbeit an “Ultrà St. Pauli Style” muss intensiviert werden. Die letzte Basch war ein Anfang, es muss so weiter gehen. Die angekündigte Überprüfung der Kartenvergaberegularien bietet hier eine Chance. Und da ist auch die schmerzhafte Frage nach den eigenen Grenzen zu stellen. Und die Frage, ob ich eigentlich jede*n, der*die auf der Straße was hermacht, haben möchte? Fußballfans neigen dazu, bei solchen Leuten übertolerant zu sein, weil man diese ja bei riskanten Spielen sehr gut brauchen kann. Wollen wir alles mit machen, was uns Ultradeutschland so vorlebt? Dies wird nicht immer einfach werden. Die Diskussion beginnt jetzt.

Neben dem Platz Teil 4 / Die restliche Scheiße

Viele weitere beschissene Dinge sind passiert. Beim Einlass Süd kam es zu einem Blogsturm (Gemeint ist natürlich Blocksturm und das ist eher der normale Begriff als eine Messung der realen Intensität egal wie es ist nicht toll) und einer anschließenden Kesselung von Leuten, die damit gar nix zu tun hatten (noch weniger toll) durch Polizei, die schon den Tonfa locker hatten. Nicht gerade schön.

In der Süd fanden sich auch viele Leute, die null Plan von Regeln und Gebräuchen hatten und anscheinend das erste Mal da waren. Wenn du zum ersten Mal in einem Stadion bist, und dir irgendwer sagt, dass fotografieren doof ist, dann hälst du dich dran und argumentierst nicht noch blöd. Du gehst in das Wohnzimmer anderer Leute, da ist ein bisschen Demut angebracht. Und wenn du das nicht verstehst, ist der Satz “Ah okay, danke für den Hinweis, sehe ich gar nicht als Problem, aber wenn du sagst, das ist hier die Regel dann ist das so.” gar nicht so schwierig zu sagen.

Was lernen wir bitte ab jetzt beim FCSP? Als Spieler, Offizielle*r oder was auch immer vor Derbys immer folgende Sätze zu sagen “Das ist der große … wir sind klarer Außenseiter, die sind ganz toll” oder so ähnlich. Kampfansagen resultieren historisch in 0-4 Niederlagen. Looking at you, Oke and Meggle.

Und noch zu lesen

FCSR