Feb 202019
 

Seit einigen Tagen geistert der Aufruf an die Fanclubs, diese mögen ihre Tickets für Dresden doch “unseren Frauen” zur Verfügung stellen, durch das Internet. (<= Link ist für eure Information!) 

Uns erreichte dieser Aufruf bisher nicht direkt, wir wollen aber trotzdem kurz Stellung beziehen. Da dieser bisher unkommentiert verbreitet wurde, ist uns dies besonders wichtig.

Wir glauben nicht, dass dieser Frauenblock auch nur ansatzweise Sinn ergibt und unterstützen diese Idee nicht. Das liegt auch daran, dass die ominöse Facebook-Gruppe bisher ein Festival der schlechten, klischeebehafteten und Patriarchat unterstützenden Ideen (Perücke, Blasorchester, Kittelschürzen) war.

Wir fanden die Dresdener Plakate natürlich auch scheiße. Aber das ist in unserer Wahrnehmung nun nicht eine “neue Dimension” und hat entsprechende Historie. Und ja, diese Monothematik finden wir auch eher zum Gähnen. Nur weil die Medien dieses Stöckchen breiter als sonst aufgegriffen haben – an dem Spieltag war ja sowieso einiges los – müssen wir ja nicht in dieser übereifrigen Art und Weise mit entsprechendem Aktionismus starten.

In der Erzählung um Stimmungsboykott, Notarzteinsatz auf der Nord, zerstörten Toiletten im Gästebereich und Abhitlern fand halt auch das Transpi seinen Platz und wurde mehr als “normalerweise” durch die (sozialen) Medien getragen. Umso absurder, dass sich nun Menschen berufen fühlen, da zu antworten, denen das alles noch gepflegt am Arsch vorbei gegangen ist, als der Adressat noch mit “USP-Frauen” benannt war. Da waren es ja halt nur die Ultras und die sind ja bekanntlich selber schuld. 

Wir vertrauen im übrigen auch auf die Adressaten, dass sie da eine angemessene Reaktion hinbekommen. Stichwort: “Stellt Euch endlich unserer Gier.” Eine halbgare Idee mit Kittelschürzen oder ähnlichem wäre für „die Dresdener“ nur ein gefundenes Fressen und würde die eher anheizen als zum Schweigen bringen. Und jetzt mal ehrlich: Wirklich niemand in der Ideengeschichte des Feminismus hätte diese Aktion jemals als antisexistisch aufgenommen.

Daher: Kommt nach Dresden wie geplant. Und lasst uns gerne in der aktiven Fanszene darüber diskutieren, was angemessene Reaktionen sind. Aber lasst bitte auch den eigentlichen Adressaten Raum zum Antworten. Solche Diskussionen sollten jedoch eher nicht (halb-) öffentlich passieren, denn auch ein „Überraschungseffekt“ ist bei solchen Dingen immer wichtig.

Es ist einfach so, wenn man aus dem Nix kommt, eine Facebook-Gruppe macht, sich jeglicher (konstruktiver) Kritik verschließt, dann muss man sich nicht wundern, dass sich Menschen, die schon 2003 in Dresden mit Steinen und Hitlergrüßen eingedeckt wurden, sich ein bisschen verarscht vorkommen und einen nicht als Heilsbringer empfangen. Wir haben über Jahre insbesondere auswärts gewisse Handlungsweisen und ein gewisses Auftreten miteinander vereinbart und da kann man nun nicht einfach mit Kittelschürzen und Perücken kommen und meinen, man könne da ein Vakuum besetzen. Das gibt es nämlich nicht. Ja, das klingt alles ein bisschen nach „wir waren zuerst da“, aber so funktionieren Kurven halt auch. Respekt muss man sich da erarbeiten. 

Umso mehr kann man die Initiatorinnen nur auffordern, von ihrem hohen Ross herunter zu kommen, Kritik anzunehmen und mit vorhandenen Strukturen zu reden. Eine Möglichkeit dafür wäre nebenbei der Tag für Vielfalt und Inklusion gewesen, der im Januar stattfand. Leider glänzten dort die Initiatorinnen mit Abwesenheit. Nicht nur diese, aber das soll Thema eines eigenen Berichtes sein. Der auch noch auf unserer „zu schreiben“ Liste steht.

Noch was

Eine begrüßenswerte Reaktion auf solche sexistische Scheiße ist natürlich immer die verstärkte Einbindung und Sichtbarmachung von Frauen in Fanszenen. Sei es überregional durch Aktionen wie die „Fan.tastic Females“-Ausstellung, sei es lokal beim FCSP. Und da können z. B. Frauen*touren Hemmungen abbauen und Frauen* das Erlebnis „Auswärts“ näher bringen. Und nirgendwo kann sich Frau* besser vernetzen als auf einem Ritt zu einem Auswärtsspiel. Aber doch bitte nicht so! 
Und wir wünschen uns auch, dass alle Empörten mit der gleichen Kraft gegen übergriffiges Verhalten in den eigenen Reihen angehen. Aber den Finger auf andere zu zeigen, ist natürlich immer einfacher.

Und noch etwas persönliches vom Blogsenior

Ich versuche ja immer das Gute im Menschen zu sehen und nicht jeder Internetaktionismus ist gleich zu verdammen. Es ärgert mich aber doch sehr, wenn die Möglichkeiten des Internets (z. B. leichte Vernetzung, leichter Austausch) zu nix wirklich Konstruktivem führen und man es eigentlich alles in die Tonne treten kann. 

Letztes Beispiel: Da wird irgendwo eine Petition gegen Under Armour gestartet, es unterschreiben drölfmillionen Menschen, aber im Verein, da wo er geprägt wird, kommt nix davon an. Warum nicht? Das ist einfach Dreck! Man kann/sollte/müsste diese Anliegen real auf einer JHV diskutieren. Nur so kann man was ändern oder verstehen, dass man falsch liegt. Nein, lieber halbgar in die Öffentlichkeit blasen und dann rumheulen, dass der Adressat sein Verhalten nicht ändert. 

Gleiches gilt hier wieder. Man kapselt sich ab, das Motto ist „wer nicht für uns ist, ist gegen uns“ und so verpufft alles. Nach der Perücken-Tour nach Dresden geht man wieder in sein Privatleben und lässt die aktive Fanszene die Suppe auslöffeln? Und wenn das nächste Mal da wieder “USP Frauen” draufsteht, ist es wieder okay, weil “aber die Ultras”? Oder wie soll das funktionieren? 

Und nein, ich stempele solche Leute ungern sofort als „für immer gestorben“ ab. Dafür hab ich schon zu viele Menschen gesehen, die zuerst ganz wirre Ideen hatten und dann irgendwann diese Fanszene über Jahre geprägt haben. In einem positivem Sinne. Aber da muss jetzt was kommen. Das ist Holschuld. 2019 muss eine aktive Fanszene nicht über jedes Stöckchen springen. Denn wir sind St. Pauli. Ihr könntet es werden. Aber nicht so. 

Feb 182019
 

Fußball ist manchmal richtig Scheißekacke.

Es beginnt eigentlich alles so gut. Ein Februartag so scheißefreundlich, als wolle er etwas verkaufen, was niemand braucht. Beschwippst vom fantastischen Wetter schwingen wir uns auf die heiligen Stufen und haben uns fest vorgenommen, eine unschöne Serie zu durchbrechen. Zehn Jahre nun nicht mehr zuhause gegen Aue gewonnen, das muss doch mal zu knacken sein. Wäre auch wieder an der Zeit für einen Sieg, um da oben in der Zweitligatabelle ein Ausrufezeichen zu setzen …

Aber: nee

Wir wissen nicht so wirklich, was da los ist 2019 bei unseren Ballkünstlern. Welch Schatten der Hinrunde! Eine frühe Führung (nach grauenvollem Bock, der nur mit viel Glück noch nicht zum Rückstand führte) hält keine zwanzig Minuten und dann gelingt fast nix mehr. Aue kann schalten und walten, wie es beliebt, von uns nur wenige verzweifelte Lebenszeichen. Das 1-2 in Halbzeit zwo lässt nicht lange auf sich warten und was dann noch an Gegenwehr folgt, reicht alles nicht. Ein nicht gegebener Treffer in der Schlussphase (warum, wissen wir nicht) nützt auch herzlich wenig. Schiedsrichterpech ist ein gewisser Faktor heute, aber ihr wisst ja, wie sehr uns derlei Ausflüchte weiterbringen.

Weil wir Kuschelhippies sind, fangen wir auch bei diesem Spiel nicht an, einen Sündenbock zu suchen*. Und das griffe auch zu kurz. Einzelne Spieler könnten mal eine Pause vertragen und Verletzungsausfälle sind eine ernste Sache – aber mit denen haben andere Teams auch zu kämpfen. Wenn Cheftrainer über weite Strecken der zweiten Halbzeit aber mit versteinerter Miene am Spielfeldrand steht und von seiner Körpersprache her sagt “Mir ist alles egal”, dann wundern wir uns über undynamisches Auftreten der Jungs in Braunweiß nicht so sehr.

Das Taktische analysiert besser als wir es können: http://millernton.de/2019/02/17/karma-is-a-bitch/

In our humble opinion ist damit aber noch nicht alles gesagt. Zu Recht wird erwähnt, dass der Hochscheidt nicht in athletischer Topform ist, trotzdem läuft er jedem Spieler von uns weg, wirkt dynamischer und schneller. Ein riesiger Unterschied zur Hinserie ist auch, dass wir nicht mehr bis zur letzten Sekunde auf athletischer Höhe sind. Das war die riesige Stärke in der Hinrunde. Nun ist wieder dieses “stehend KO nach 50 Minuten” zu sehen, was uns schon mehrfach Halbserien gekostet hat. Hier müssen anscheinend Methoden und Trainingsinhalte hinterfragt werden. Und das macht keine große Hoffnung auf den Rest der Saison.

Insgesamt sollten wir vor Scham im Schmutz kriechen. Dieses fucking Aue hat weniger Einwohner als Poppenbüttel und wir holen gegen die in beiden Spielen keine Punkte. Das geht gar nicht.

*Liebe Menschen, die in unserer Hörweite stehen: Lasst endlich das Allagui-Bashing! Warum zum Teufel schießt ihr euch seit Anbeginn seiner Zeit eigentlich auf ihn ein? Klar das ist ein Junge, der eher die feine Klinge führt und damit nicht ins Millerntor-Klischee der Kampfsau passt und der eben auch mal Hacke Spitze versucht, was wenn es nicht klappt eben auch mal doof aussieht, aber das ist alles kein Grund ständig ihn zu bepöbeln.

Schwingen da vielleicht rassistische Klischees vom südländischen Stürmer mit, der zu lässig ist? Ihr solltet das mal hinterfragen und euch hinterfragen.

Mehr Alarm macht jemand anderes

Der Busfahrer (!) von Aue provoziert rund um den Abpfiff von der Bank aus die Gegengerade und erntet nicht nur Pfiffe, sondern auch so manchen Bierbecher. Wer so einen Mist abzieht, kann gerne mal Stadionverbot bekommen. Also der Busfahrer. Auf die Stellungnahme bei Groeni weisen wir hin. Er schildert es dort natürlich anders.

Nebenbei sind geworfene Becher aber auch keine geile Sache und ziehen im Ernstfall miese Konsequenzen nach sich. Also lasst das, selbst wenn der Furzkopp von Aue eimerweise Scheiße übergezogen verdient hätte. Derlei Impulsivität sollten wir lieber rechtzeitig in Gesänge investieren, liebe Gegengerade. Dies gilt nebenbei auch für die Würfe in Richtung Mr. sterbender Schwan, dann wieder von den Toten auferstanden. Lasst den Mist einfach.

Auch sonst der FC Erzgebirge heute voller Unsympathen. Zeitspiel ab der 60. Minute und mimimi galore. Leider honoriert Schiri Badstübner derlei Verhalten auch noch. Aber der Unparteiische ist wie erwähnt ohnehin bestensfalls ein Fähnchen im Wind.

Und jetzt?

Ach, wenn wir das wüssten. Die beiden vergangenen Spiele sahen beide aus wie Klassenunterschiede und jedes Mal war der FCSP in der Rolle des niedrigklassigen Vereins. So läuft das nicht, wenn man oben dran bleiben will. Womöglich wäre etwas mehr Mut bei den Aufstellungen jetzt angebracht, denn ganz ehrlich: Was haben wir denn zu verlieren?

Entweder wir lassen uns jetzt Spiel für Spiel die Hütte voll schießen und kommen am Ende auf einen beknackten elften Platz oder so. Mit dem Absteig werden wir wohl beim schlechtesten Willen nichts mehr zu tun haben.

Oder es wird ein neuer Funke entzündet und mit neuem Feuer verbrennen wir die Rasenplätze dieser zweiten Liga, machen die Rauten rund und feiern in Fürth ein fulminantes 4:1 und den zweiten Tabellenplatz. Wir wären für letzteres, nech.

Ey Basch

Danke für die Erwähnung und die lobenden Worte. Auch schön, dass mal wieder Meinung im Blatt gemacht wird. Da muss man nicht immer einer Meinung sein, aber das will man doch vom Ultrà-Zentralorgan. Und besser als nur Hopperberichte ist es sowieso.

Eine kleine Sache missfällt dann aber doch. Ein Bericht endet mit der Formulierung “deine treue Garde”. Das finden wir irgendwie unpassend. Da gibt es doch einen besseren Spruch für die besten Ultras dieser Stadt.

Feb 092019
 

Ein Wintermärchen

Köln. Die Stadt und der Dom sind so stark miteinander verbunden, wie wahrscheinlich kein anderes Bauwerk mit einer Millionenstadt.

Als wir vorschlagen, diesen Freitag auch zu nutzen, dieses Bauwerk einzuebnen, gefällt das nicht allen Lesenden.

Dabei bewegen wir uns dabei doch nur in einer direkten Tradition Heinrich Heines, der prophezeite, dass der Dom nie fertig werden würde, und vorschlug, doch einen Pferdestall daraus zu machen.

Nun behaupten Historiker, dass der Dom seit 1880 fertiggestellt sei und Heine Unrecht gehabt habe. Aber die Existenz eines Dombaumeisters, der in Köln ungefähr die Stellung eines Bürgermeisters hat und wahrscheinlich weniger korrupt ist (der Kölsche Klüngel, wie die Kölner diese Unart romantisieren), widerlegen die Fertigstellungsthese.

Und sowieso ist Heine in die bayerische Walhalla aufgenommen, was ihn ja wohl über alle Zweifel erhaben lässt.

Womit wir bei der lustigen Verklärung Heines sind, denn so hat auch Köln sein Heine-Gymnasium.

So wie kommen wir jetzt zum Fußball?

Baustellen

Vielleicht, weil Baustellen ein gutes Stichwort ist. Durch diese schlängeln wir uns gen Köln. Playlist ““Nur Hits”? Klar! Gute Laune? Klar! Veteranen überholen? Klar!

Pinkelpause? Pinkelpause! Irgendwo im Bergischen. Kleiner Rasthof. Stehen da so zehn leicht nach Stress aussehende Jungs im allerfeinsten Nazi-Hool-Outfit. Inklusive Holland-Hardcore-Aufdruck auf einer Klamotte. Google findet jetzt beim Schreiben ein gleichnamiges Gabberfascho-Forum.

Kurz: Keine Jungs zum Biertrinken und wir fahren lieber weiter. So ein 10 gegen 2 ist nix für uns. Wir sind ja nicht die Veteranen.

Örtliche Getränke

In Köln staut es sich. Wir haben Zeit, touren durch die Stadt und gucken. Das Hotel ist nah dem Stadion und es gibt für Ticketinhaber ein Kölsch aufs Haus. Testen wir das Zeug doch mal. Ergebnis: Nix für Jever-Liebhaber, aber so vom Fass, kühl und frisch, geht das gut runter. Der spätere Test aus der Flasche fällt da negativer aus. Aus der Pullle geht Pils besser. Als Pils-Alternativen bietet das Hotel nebenbei Bitburger und Astra (!).

Fußweg

Ab zum Stadion. In unserem Beobachtungskreis läuft alles fröhlich durcheinander, alle sind entspannt und wir kommen schnell zum Gästeblock. Dort das übliche Hallo.

Nicht verheimlichen wollen wir, dass es außerhalb unseres Beobachtungskreise nicht immer nur entspannt zugeht. Im Internet finden sich von aggressivem Polizei-Auftreten. Haben wir nicht mit bekommen, können wir nix drüber sagen. Auch untereinander sind uns unschöne Dinge zugetragen worden.

Drinnen

Die Kontrollen sind entspannt, die Abtastenden sind freundlich. Der Block bietet viel Platz, auch wenn sich wieder alles unten ballt. Aber man kommt durchgängig rein und raus, wie wir aufgrund des Kölsch ausgiebig testen.

Stimmung

Im Gästeblock ist gut Alarm. Das beweisen die doch beeindruckten Gesichter im Nebenblock. Und wenn die Sitzplätze im Gästeblock mit einsteigen und das tun sie regelmäßig, dann wird es richtig laut. Guter Auftritt, was bei einem Highlight-Spiel aber auch nicht schwer ist.

Spiel

Machen wir es kurz: Die waren besser, die haben verdient gewonnen, die sind (noch!) nicht unser Niveau. Schnelligkeit und Präzision, wie man es sonst in Liga zwei selten sieht.

Dagegen unsere Rumpftruppe, der unser Mannschaftsbaumeister ein 3-5-2 verordnet hat. Köln weiß aber mit seiner Schnelligkeit die Lücken über außen immer wieder nutzen und Schnecke sieht da nicht immer gut aus. Kein wirklicher Vorwurf an unseren 12. Mann und Fußballgott, die sind da schon sehr gut, die Kölner, und da wird es sehr schwierig.

Auch Jackson hat seine Vorrundenform (noch!) nicht gefunden. Dies gepaart mit vielen Ausfällen macht es unmöglich zu gewinnen.

Kaucze sprach von “perfekten Tag haben” und den haben wir leider nicht. Zwar haben wir in vielen Szenen das notwendige Glück, geben die Tore 1 bis 3 aber letzlich zu einfach ab. Standards dürfen nicht zu Toren führen. Und unser Di-Mo-Fr vs. Kölns Do-Fr tut das Übrige. Die sind auch frischer.

Noch ein Wort zu Svend: Der macht seine Sache gut. Ja er lässt einige Bälle noch ein bisschen nervös abprallen, aber für ein Debüt unter diesen Umständen ist es sehr ordentlich und der Junge zeigt sehr gute Ansätze. Viermal hinter sich greifen zu müssen, wird der Leistung nicht wirklich gerecht.

Fazit? Fazit!

Es ist ganz einfach: Über dieses Spiel sollten wir uns nicht ärgern. Über Darmstadt und auch über Union schon. Wir müssen die anderen 39 noch zu vergebenden Punkte holen und dann werden wir halt 2. nach Köln.

St. Pauli ist die einzige Möglichkeit und unser Tag wird kommen. Diese Saison.

PS: Das letzte Kölsch war schlecht.

Feb 052019
 

oder

Eigentlich war der Sieg doch nie in Gefahr

Einleitung

Puh, was für ein Spiel. Klar, wir sind das gewohnt und das macht den FCSP und das Millerntor ja schon seit Jahrzehnten aus. Aber das geht aufs Herz. Gut, dass wir kein Feldversuch für die gesundheitlichen Risiken des Fußballguckens sind, denn 107 Kardiologen hätten nach diesem Abend wahrscheinlich ein Verbot gefordert.

Reinleitung

Montagabend. Es bleibt ein doofer Termin. Das merkt man auch daran, dass trotz einer „Ausverkauft“-Meldung und trotz eines Spitzenspiels Karten ungenutzt bleiben. Aber vielleicht ist es ganz gut, dass nicht alle Karteninhaber ihren Weg an das Millerntor finden, denn der Zugang zum Stadion gestaltet sich heute schwierig. Ein Eingang der GG fällt komplett weg, ein weiterer ist verkleinert. Klar, da kann der FCSP nix für, denn Grund sind diese unendlichen Bauarbeiten auf dem Heiligengeistfeld, aber es ist einfach doof. Die Planung dieser Maßnahmen sollte man echt mal hinterfragen, denn gefühlt werden nun die gleichen Teile zum ungefähr vierten Mal aufgerissen.

Auch der gerade asphaltierte Weg vor dem Fanladen hat nun schon einen großen Flicken. Alles nicht so sinnvoll. Die Stadt Hamburg sollte sich fragen, ob vielleicht “zwei Jahre keine Veranstaltung auf dem HGF und das alles in einem Rutsch fertig machen” die bessere Lösung gewesen wäre. Und den Schlagermove bitte nie wieder.

Hinzu kommt das leidige Thema „weibliche Abtastordnerinnen“. Diesmal gibt es einen Mangel in der Süd. Kurzfristige Krankheit wird als Grund genannt. Und das kann höhere Gewalt sein. Wenn das nicht alles sowieso schon immer wie auf Kante genäht wirken würde von der Personalstärke. Der Dienstleister und damit auch der FCSP sollten sich hier mal in Ruhe zusammen setzen.

Feinleitung

Unser Trainer stellt um. In unserem Kollektiv ist daher vor dem Spiel Diskussionsbedarf. Flum rein? Zander raus? Man kann das unterschiedlich sehen. Und wir sehen es unterschiedlich. Aber wir sind nicht der Trainer, der hat zum einen auch die Trainingseindrücke und wird zum anderen dafür bezahlt und gefeuert.

Polytheismus am Millerntor in Reinform? Als bei den Unionern unzählige und auch bei uns zwei vermeintliche Fußballgötter angesagt werden, drängt sich die Vermutung auf, dass hier vieler übersinnlicher Wesen gehuldigt würde. Aber: “Der Fußball-Gott auf St. Pauli ist Schnecke”, soll der neue alte Götze laut einem unbedeutenden Käseblatt gesagt haben. Word.

Beinleitung

Das Spiel ist nervös. Beide Mannschaften wissen, worum es geht. Viele Ballverluste. 59 % Passquote am Ende beim FCSP. Aus einem munteren Hin und Her ergeben sich nicht wirklich Torschüsse. Vielleicht welche für die Statistik, aber die beiden Torhüter sind über weite Strecken mehr oder minder beschäftigungslos oder machen sich per Fehlpass selber Arbeit. Beide nebenbei in Kurz/Kurz, hoffentlich ist das nicht zu kalt. Am Ende schießen wir drei Mal aufs Tor und drei Mal folgt Torjubel am Millerntor. Auf Kante genäht, aber das hatten wir ja schon.

Dann spielt Sami den nächsten Fehlpass, der Ball prallt aber von seinem Gegenspieler wieder zurück zu ihm und da dies mit dem Passspiel so gar nicht funktioniert, denkt er sich: „Donner ich ihn halt rein.“ Gesagt, getan. Es ist der 4.2.2019 und das Tor des Monats Februar ist wohl geschossen.

Der Berliner Torhüter muss sich dabei auch ziemlich dumm vorkommen. Den sieht er lange auf sich zu kommen und der Ball ist trotzdem unhaltbar.

Vor der Halbzeit noch (Konter-)Chancen für den FCSP, der nun plötzlich mehr vom Spiel hat.

Nach der Halbzeit wirkt Meier komplett platt. Zwei Bälle rollen an ihm vorbei, weil sein Radius doch klein wird. Kein Vorwurf, der Junge kann noch nicht (oder nicht mehr?) im vollen Saft sein. Auswechseln? Einen frischen Mann für die Offensive bringen? Ihr seid der Trainer. Das ist eine schwierige Entscheidung. Denn Meier besitzt eben dieses besondere Etwas, das einen Torjäger auszeichnet. Und Kaucze entscheidet sich für „lass den mal drauf“. Die richtige Entscheidung, denn nach einer Ecke ist Meier da und es steht 2-0.

Wir haben ja so einen jungen Mann bei uns stehen, der eigene Ecken hasst und immer pöbelt, dass er kein Eckentraining will und die sowieso nix einbringt. Der kurze Kommentar in die gerade getretene Ecke zu ihm ist nur „Jetzt Tor“ und 0,5 Sekunden später liegen alle jubelnd auf ihm.

Eigentlich ist nun alles vorbereitet für einen lauschigen Montagabendsieg, aber Union will da nicht so ganz mitspielen. Innerhalb von gefühlten 10 Sekunden holen wir uns die kurz vor Schluss wieder ins Spiel zurück und es steht 2-2. Unkonzentriert, Fehlerhaft und viel zu hektisch agieren unsere Jungs nach dem 2-1. Und das ist nun das zweite Mal in 6 Tagen, dass wir uns ab der 80. Minute noch jeweils 2 Gegentore einfangen, die man sich nicht fangen muss, wenn man konzentriert verteidigt.

Das Millerntor zieht nun ein langes Gesicht. Jeder sucht seine Art des Verarbeitens, still werden, motzen, jetzt erst recht brüllen. Innerlich sich mit dem Unentschieden arrangieren. Der großen Tabellenchance hinterher trauern.

Dann läuft Buchti in den Strafraum, eigentlich ohne Gefahr, aber Abdullahi (der nebenbei auch mal bei uns auf der Transfergerüchteliste stand) geht so etwas von dusselig da rein, dass man Elfmeter pfeifen muss.

Und nun kommen wir zurück zu dem „Sollte man Meier auswechseln?“. Nein, sollte man nicht. Er legt sich den Ball hin, zählt nicht mal seine Schritte ab oder geht nach dem üblichen hin- und her noch mal hin, wie es sonst alle Schützen machen. Latscht da rum, wartet auf die Freigabe, kurzer Anlauf und sicher den Torhüter verladen. Sehr herzig auch, dass Knoll wohl eigentlicher Schütze ist, aber so ein bisschen extra rumhumpelt, um Meier zu signalisieren, dass dies sein Ding ist.

Deswegen hat man den geholt und deswegen lässt man ihn auch stehend K.O. auf dem Platz.

Der Rest ist Jubel. Leider (oder zum Glück) ist Montagabend, da müssen sogar die jüngeren Rock’n’Roller unter uns irgendwann einigermaßen früh die Segel streichen. Die Stimmung nach solchen denkwürdigen Spielen ist immer ein Verweilen rund um die Fanräume wert.

Singleitung

Puh, Gegengerade. Wir mögen dich ja eigentlich. Aber irgendwie musst du immer einen riesigen Brand haben, um mal in Singlaune zu kommen. Das ist teilweise schon extrem emotionslos. Niemand verlangt “90 Minuten singen und hüpfen”, aber wenn selbst das “Aux Armes” auf unserer Höhe ziemlich dünn und danach das Geschehen auf dem Platz mehr oder minder egal ist, dann ist was falsch.

Aus unserer Perspektive sind auch die Randbereiche der Süd echt schon mal aktiver gewesen. Mittig geht immer noch alles, aber es wird schnell dünner. Und damit auch noch weniger Funken für eine träge GG.

PS: Wir wollen eine Supportblocktrommel zurück.

Sonderlei(s)tung

Für Schnecke, der diese Saison vier Mal gespielt hat und uns damit bisher 12 Punkte beschert hat. Oder anders gesagt: Mit Schnecke gilt #fcspunschlagbar
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Für Florian Carstens, der ein richtig souveränes Spiel gemacht hat. Und aktuell unser bester Innenverteidiger ist. Das Kollektiv diskutierte intensiv die Verpflichtung von Hoogma in Bezug auf Carstens. Nach gestern kann man wiederholt nur sagen: Mit dieser Leistung wäre es fatal, Carstens rauszunehmen. Und trotzdem war die Verpflichtung gut. Wie schnell sich da doch einer verletzen kann, zeigte der Schreckmoment als Avevor behandelt werden musste.
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Steigleitung

Wollen wir aufsteigen? Aber natürlich wollen wir das. Nicht in 1, 2 Jahren. Nein jetzt. Das Argument “aber lass die Mannschaft sich doch noch ein zwei Jahre festigen” ist ein Nichtargument. 1. War der gleiche Kern an Mannschaft bereits unter Ewald mal 4. und seitdem sind Jahre des Wachsens vergangen. 2. Gibt es kein Warten im Fußball und wir würden heulen, wenn unsere Jungs sich den Traum Bundesliga in Augsburg oder anderen langweiligen Orten erfüllen müssten.

Nein, eine Welt geht nicht unter, sollte es nicht klappen. Wir haben ja gerade mal eine Wahrscheinlichkeit von 18 %. Aber wir sollten die Möglichkeit beim Schopfe packen. Gründe? Diverse. Sei es Geld, sei es die Chance Bayern zu besiegen, sei es die kleine Wahrscheinlichkeit mal in einer höheren Liga als der lokale Rivale zu spielen. Stellt euch das mal so ein Jahr vor. Und den Klassenerhalt schaffen wir schon irgendwie.

Und noch etwas: Der FCSP gehört nach Europa und dies geht nur in der Bundesliga. Kommt uns jetzt nicht mit Pokal. Darüberhinaus gibt es da so einen Plan. 2030 die Champions League zu gewinnen. Der ist schon fest abgesprochen. Und damit viele Grüße nach Ingolstadt.