Dez 032018
 

In unserem Artikel von heute Morgen haben wir behauptet, dass der Verein in seinem Spiel Live twittern nicht auf die Geschehnisse in der Nord eingegangen ist.

Dies ist definitiv nicht der Fall, in diversen Tweets ist der Verein drauf eingegangen. Dies ist uns aus unerklärlichen Gründen bei der Twittersuche durch gerutscht.

Danke für den Hinweis, Christoph und Sorry an dich und dein Team. Im Gegensatz zu unserer Behauptung habt ihr so gehandelt wie wir es uns vorstellen.

Dez 032018
 

Vorwort

Wir sind uns als Redaktionskollektiv in der groben Linie meistens schnell einig. Trotzdem ringen auch wir häufig genug um die richtigen Worte und Gedanken zu einem Thema. Und diese sind nach dem Geschehen am Samstag immer noch schwer zu finden.

Betroffenheit ist etwas sehr indivduelles, so ist der Mensch nun mal gestrickt. Deswegen kann ein Herzinfakt in einem Stadion einem sehr viel nähergehen als das selbe Ereignis nur 100 Meter weiter auf dem Dom. Selbst ein Geschehen im Umlauf das Stadions hätte wahrscheinlich keine solche Reaktion ausgelöst. Ist nun mal so, müssen wir hier nicht vertiefen.

Immerhin soll der Betroffene stabil sein und wir wünschen an dieser Stelle schnelle und vollständige Genesung. Da er nun in hoffentlich guten Händen ist, wollen wir uns nochmal dem Spiel bzw. dem Drumherum widmen.

Lob, wo Lob notwendig ist

Aus unserer Sicht haben Ordner, Sanitäter und Zuschauer in der Nordkurve gut reagiert. Garantiert kann man das auch alles noch verbessern und optimieren, aber aus unserer Warte sah das alles schon sehr professionell und überlegt aus. Danke dafür an alle Beteiligten. Und da auch mal ein Lob an den Verein, dass die Ordner anscheinend entsprechend geschult sind, in einer solchen Situation gut zu reagieren.

Weiterhin ist die breite Solidarität im Stadion herauszuheben. Es dauert immer ein bisschen, bis man sich auf ein Vorgehen geeinigt hat, aber dann klappte das mit dem Beenden des Supports schon sehr gut. Die Leute, die das nicht begriffen haben, sollten sich fragen, warum sie den aktiven Gruppen nicht zutrauen, Gründe zu haben, zu schweigen. Insbesondere auch in der Süd – von wo aus man das Geschehen in der Nord die ganze Halbzeit direkt im Blickfeld hatte. Und den paar Leuten, die auch nach entsprechenden Infos nun meinten, dies seien ihnen doch alles egal „Hauptsache Pauli Party“, sei ein freundliches „Fickt euch!“ zugeworfen. Nach allen uns vorliegenden Informationen hat auch Dresden versucht den Support einzustellen, obwohl die wohl nur sehr bruchstückhafte Informationen hatten. Aber die bekommen gleich noch einen eigenen Absatz.

Der Verein möchte das Geschehen noch aufarbeiten und das ist immer notwendig. Man kann sich immer fragen, ob man noch etwas besser oder anders machen kann oder sollte. Wir hatten unseren Stadionsprechern ein paar Fragen gestellt, die wollten mit dem Hinweis auf die aus ihrer Sicht notwendige Aufarbeitung nicht antworten, was vollkommen okay ist.

Ein paar Fragen beschäftigten uns

Bei den folgenden Themen machen wir ein paar Fässer auf. Bevor es den Vorwurf hagelt, wir würden seltsame Schwerpunkte setzen, möchten wir klar sagen, dass alles “Was wäre, wenn” allenfalls nur ein Bruchteil von der Bedeutung hat, ein Menschenleben zu retten. Wenn körperliche Unversehrtheit auf dem Spiel steht, ist es nicht einmal zweitrangig, alle Fragen sofort zu beantworten. Und dennoch kann eine entsprechende Informationspolitik nicht nur dem Verständnis, sondern auch vielleicht in ganz elementarer Hinsicht helfen, zum Beispiel wenn es um Handlungsanweisungen geht.

ACHTUNG!!! Der folgende Absatz ist inhaltlich falsch! Siehe Korrektur und Entschuldigung hier. Wir haben ihn nur zur Transparenz drinnen gelassen!

Wir haben mal geguckt, wie der Verein z. B. auf die Unfälle im Gästeblock gegen Union und 1860 in den letzten Jahren reagiert hat. Zumindest in einem Fall wurde auch damals zwischenzeitlich der Support eingestellt. Auf Twitter aber vom Verein auch damals während des Spiels nichts dazu. Wir bleiben dabei: Eine Information für die Welt wäre auch während des Spieles wünschenswert. Das wäre auch ein Mehrwert gegenüber einem Kicker-Liveticker, der es echt schafft, den Vorfall mit keinem Wort zu erwähnen. Der Spielbericht auf kicker.de schweigt sich dazu auch aus. Aber auch andere Vereine ignorieren in ihrer Liveberichterstattung solche Vorgänge, so weit wir es überprüfen können. Das ist schade, denn irgendeine Information, warum es plötzlich so leise ist, wäre halt ein echter Vorteil zu Sky und Kicker.

Wir fragten gestern auch, ob der Schiedsrichter hätte abbrechen oder unterbrechen sollen. Und in einer idealen Welt wäre das immer noch unsere Wunschvorstellung. Unser Lieblingsschiedsrichter wies zu Recht darauf hin, dass man dann einem Unparteiischen natürlich sehr viel Verantwortung auferlegt, weil dieser die Situation schon deswegen nicht richtig erfassen kann, weil er sich auf den Platz konzentrieren muss und nicht auf die Ränge achten kann. In das Bild passen auch Spielerstimmen, die von dem Geschehen in der Nord nichts mitbekommen haben. Er meinte, dass im Amateurbereich immer die Faustformel gelte „Wenn was passiert ist und eine Mannschaft drum bittet, dann bricht man ab. Gegner im Amateurbereich widerspricht nicht.“

Davon ausgehend haben wir mal beim DFB gesucht, was der dazu so sagt. Und es gibt wirklich einen sehr ausführlichen Lehrbrief zum Thema Abbruch. Da geht es natürlich eher um Sachen wie Wetter oder Dinge auf dem Platz, aber auch der gestrige Fall ist mehr oder minder geregelt. In diesem Lehrbrief heisst es unter „Regeltechnische und andere Möglichkeiten“ abbrechen könne man aber auch, wenn ein „Todesfall im Umfeld des Spiels (Spieler, Offizielle, Zuschauer)“ vorläge. Zum Glück hatten wir keinen Todesfall, aber wir denken schon, dass man das analog sehen muss, wenn ein Mensch zwischen Leben und Tod schwebt.

Nur wenn ihr den weiteren Text des Lehrbriefes lest, dann wird sehr viel auf den Schiedsrichter abgewälzt. Und sehr wenig klar und endgültig geregelt. Darüber hinaus muss er alle „zumutbaren Mittel“ zur Fortführung ausschöpfen und sich nach einem Abbruch auch noch nachträglich ggf. vom Sportgericht belehren lassen. Zitat: „Doch nicht selten kommt es vor, dass das Sportgericht dem Schiedsrichter nach einem Spielabbruch dennoch anlastet, nicht alle zumutbaren Mittel eingesetzt zu haben, das Spiel ordnungsgemäß fortzuführen.“ Das Sportgericht als nachträgliches Schweinchen Schlau. Mal Hand auf Herz, hättet ihr als Aytekin abgebrochen, um dann von den herzlosen Richtern am DFB Sportgericht sinngemäß zu hören, dass der ja noch zuckte und du da weiter spielen lassen musst? Wenn du den Lehrbrief gelesen hast als Schiedsrichter, dann brichst du nur ab, wenn es gar nicht mehr geht.

Ja, das ist eine unmenschliche „The show must go on“-Haltung und der DFB sollte hier dringend eine Reform überlegen. Denn so wie es geregelt ist, käme kein Schiedsrichterbetreuer (der nebenbei vor dem Spiel zum Ehrenmitglied gemacht wurde und ein echt toller Kerl bei uns ist) auf die Idee, zum 4. Offiziellen zu gehen und zu sagen: „Du, wäre es nicht vielleicht besser, wenn wir alle mal einen Tee trinken gehen, bis wir wissen, ob das dem wieder gut geht?“

Man muss bei der Wertung auch mal daran denken, dass an anderer Stelle ein Spiel mit ähnlicher Gesundheitslage abgebrochen wurde. Aber da war’s halt auch der Trainer.

Vielleicht sollten wir für die Zukunft aber auch einfach immer eine Tibet-Fahne bereithalten. Da werden Spiele dann ganz schnell man unterbrochen. Nachweis per Welt-Link, müsst ihr nicht klicken.

FCSP: Schreibt euch das mal für die nächsten Tagungen als Thema auf.

Durchsagen: Wir würden uns so etwas wünschen, haben aber ja schon erwähnt, dass unsere Stadionsprecher da sich besprechen möchten. Das finden wir gut, auch wenn wir hoffen, diese Situation nie wieder zu haben.

Und unabhängig von allen DFB-Regularien diesbezüglich, wollen wir auch eigentlich in einem Verein Mitglied sein, dessen offiziell gewählte Vertreter in einer solchen Situation zum 4. Schiedsrichter gehen und sagen: “Digga, da findet ein Notarzteinsatz vor den Augen aller statt. Wir spielen nicht weiter, bis die Person nicht bestmöglichst versorgt und außerhalb des Stadions stabilisiert ist.” Und ja, wir nehmen im absolut schlimmsten Fall die 0:3-Wertung auch mit. Und auch ja: Da muss es klare Regelungen im Verein geben, was die genauen Fälle sind, in denen wir sowas dann vornehmen. Sonnabend war aus unserer Sicht solch ein Fall. Kann von uns aus dann auch ein Arzt sein, der über ein Triage-System die Gefahr für den einzelnen beurteilt. Die sind ja auch genau für sowas ausgebildet.

Ein Aspekt, der letztendlich natürlich auch in Betracht gezogen werden müsste ist, dass es zum Zeitpunkt des Unglücks schon Unruhe im Gästeblock gab. Man will es ja gar nicht sagen, aber es könnte echt Rübennasen geben, die einen eventuellen Abbruch als Startsignal für Randale verstehen. Schlimm, dass man über so etwas nachdenken muss. Womit wir bei Dresden sind.

Dresden

Vorweg: Es gibt sie, die korrekten Dresdener, die wirklich unzufrieden sind mit ihrer Fanszene. Wir kennen solche Leute. Diesen Leuten kann man nur den Rücken stärken und Bier (kein Astra!) ausgeben. Leider ist es immer noch eine kleine Minderheit und die meisten Dynamo-Menschen glänzen durch Scheiße oder durch zumindest Ignoranz gegenüber Scheiße. Wir müssen das Plakat nicht noch mal zitieren, aber es ist sexistischer Dreck. Es steht in einer Reihe von Plakaten, die sich an den “USP-Frauen” abarbeiten, dies sollte man zumindest wissen. Wenn einem der Inhalt alleine noch nicht zum Motzen reicht, muss man sich als Dresden auch mal fragen, ob man sich sein Dissplakat nicht schenkt, wenn man gerade noch den Support wegen einer lebensbedrohlicher Situation unterbricht. Das ist ähnlich wie beim DFB, man muss unbedingt sein Programm abspulen, egal was ist oder war.

Dass Gröni noch ein Abhitlern abfotografiert hat, passt ins Bild. Liebe Nebenstehende, den kann man dann auch mal den Arm wieder runter hauen. Am besten der Person einmal schön ins Gesicht. Dass es wehtut.

In das Programm von Dresden gehört es wohl auch, regelmäßig Toiletten zu zerstören. Man muss schon sehr behämmert sein, seine eigene hygenische Situation mutwillig zu verschlechtern. Scheinen einige Leute bei Dresden zu sein. Und dafür, dass dann die Plastikbecher in Ermangelung hygienischer Entsorgungsmöglichkeiten umfunktioniert wurden und wohl auch als Wurfgeschoss benutzt wurden, fehlen uns die Worte. Bzw. wäre alles, was wir schreiben wollen, justiziabel.

Und da kommt die Hamburger Polizei ins Spiel. Klar kann man da verstehen, dass Polizei dann auch mal in eine Menschenmenge geht. Nach Augenzeugenberichten wurden dann alle Umstehenden, egal ob Täter, Opfer oder beides nicht, mit Schlagstöcken und Pfeffer belegt. Wenn man dann genug vom Tag hatte und nach Hause wollte, ließ die Polizei dies auch nicht zu. Dass dieses „wir knüppeln in eine unübersichtliche Situation erstmal rein, bevor wir Fragen stellen“ a) Wildwestmethoden sind b) nix mit sinnvoller Polizeiarbeit zu tun haben und c) Standardprogramm der Hamburger Polizei sind, ist auch zu verurteilen, selbst wenn Dynamo betroffen ist.

Aus dem bisher Gesagten muss man auch die Becherwürfe bewerten, die auch zumindest in die Nähe des Patienten und der Sanitäter gingen, aber wahrscheinlich doch eher der gerade parallel loslaufenden Polizei galten. Zumindest erscheint diese Kausalität angesichts des eingestellten Supports und der Vorgeschichte im Umlauf für wahrscheinlicher. Aber absolut können wir es natürlich nicht sagen. Aber selbst bei Dresden wollen wir hier mal gezielte Würfe auf eine Krankentrage für unwahrscheinlich halten. Dass dann aber wohl trotzdem einiges in direktem Umfeld der Sanitäter landete, zeigt, dass Brot halt doch weiter denken kann als Teile der Dresdener Fanszene und wie unsinnig Becherwürfe sind. Höchst unwahrscheinlich, dass die Werfenden nicht hätten sehen können, was sich in Richtung ihrer Würfe auch abspielt. Möge sie der Blitz beim Scheißen treffen.

Dresden hat heute eine relativ inhaltsleeren Stellungnahme herausgegeben, was okay ist, denn auch die dürfen das erstmal in Ruhe klären. Was euch jetzt jedoch auf die Füße fällt, liebe Dynamos, und womit ihr euch jede Nachfrage nach einer Stellungnahme verdient habt ist, dass ihr bei dem „Groszeltern“ Plakat nur ein paar Stunden für große Töne gebraucht habt. Auch da hätte euch Ruhe gut zu Gesicht gestanden. Aufgeregtheit, wenn aus eurer Sicht jemand was falsch macht, und laid back, wenn man selber Mist gebaut hat, ist Doppelmoral.

Ach ja, Dresden und auch viele andere Vereine in Liga zwei (FCSP eingeschlossen), fangt endlich an eure Facebook-Seiten vernünftig und zeitnah zu moderieren. Klar, ihr wollt alle kein Geld für Social Media ausgeben, habt aber alle gelesen, dass man so etwas braucht. Aber was man unter dem Eintrag von Dresden vom heutigen Tage lesen kann, geht auf keine Kuhhaut. Was für ein Dreck. Nur ein Highlight: „Wer Verbrechen an seinen Landsleuten verherrlicht, der ist gut bedient mit zerbrochenem Porzellan.“ Das stand da zumindest zwischenzeitlich als “Top-Kommentar”, und auch am Abend weiterhin durch den Verein umkommentiert. Dazu hat Neonschwarz eine sehr passende Zeile in dem Lied „2015“:
„Seehofer, Söder – mit euch will ich bestimmt kein „Wir“ bilden“

Mit Nazis und Gesichtsrevisionisten sind wir garantiert keine Landsleute, kein Wir. (Wir sind sowieso keine „Landsleute“, No borders, no nations, Digga.)

Und an alle, die jetzt lebenslange/bundesweite Stadionverbote für alle Dresdener oder auch nur deren Ultras fordern: Was nehmt ihr eigentlich? Und wo kriegen wir das her?

Die gleiche Frage stellt sich auch an die Gründer der sagenhaften Facebook-Gruppe, die den-DD Gästeblock für unsere Frauen will. “Unsere Frauen.” Jo, klar. Wir sahen auf dem Schulterblatt gestern viele Graffitis. Wollt ihr die vielleicht mal wieder wegputzen? Wir verstehen die Intention, aber wünschen uns dann ein wenig mehr Reflektion darüber, ob so eine Kurve für “unsere” Frauen die richtige Reaktion ist. Stichwort Besitzansprüche und Instrumentalisierung und so.

Nach dem Spiel kam es noch zu weiterem Gerenne, bei denen auch unsere Rollstuhlfahrenden durch „Friendly Fire“ in Mitleidenschaft gezogen wurden. Auch hier muss man sich fragen, warum Dresden da unbedingt noch rumrockern musste, bei der ganzen Vorgeschichte. Und die Heimleute müssen sich immer fragen, ob es wirklich sinnvoll ist, in einem Stadion mit seiner Videoüberwachung und der Gefahr, eigene Leute zu gefährden, eine Gegenaktion zu starten. Auch hier wird eine Aufarbeitung notwendig sein. Und dies ist nicht das erste Mal, dass wir fragen, ob man in solchen Situationen nicht einfach strategischer und schlauer vorgehen muss.

Protest

Allemal bestätigt dieser Spieltag, dass wir als FCSP nicht an bundesweiten Aktionen teilnehmen sollten. Gemeinsame Sache mit solchen Szenen wie Dresden ist selbst dann unerträglich, wenn es mehr zufällig als geplant passiert. Und da gibt es dann auch kein “greater good”.