Nov 302018
 

Das Ergebnis vorweg

Liebe Lesenden, schweigt! Schweigt 45 Minuten, brüllt 45 Minuten. In dieser Reihenfolge. Trinkt die ersten 45 Minuten schweigend ein leckeres Bi äh ein Astra und in den zweiten 45 Minuten wollen wir einen Roar sehen, der den Bunker zum Wackeln bringt!

Unsere Gründe lest ihr jetzt:

Es ist was faul im Staat FIFA

Liebe Millerntorgänger, es sind Zeiten, in denen vieles schief läuft im Fußball. Sei es nun Footballleaks, sei es der Umgang mit Fans durch die Polizei oder sei es die Halsstarre vieler Funktionäre. Wir lassen da nun mal Details, das kann man überall nachlesen.

Nun hat ein bundesweites Bündnis zu einem Stimmungsboykott für 45 Minuten am kommenden Spieltag aufgerufen und dies explizit wegen der abstrusen Anstosszeiten. Hier der Aufruf, wie ihn Ultras Dynamo (heutiger Gegner, deswegen die verlinkt. No love lost.) Veröffentlicht hat.

Nun wissen wir, dass es für jeden ein anderes Argument gibt, dass die Anstoßzeiten doch eigentlich ganz super sind und auch Fernsehzuschauer sind halt echte Fans und die haben gerade Montags um 14 Uhr die meiste Zeit. Ja, wir kennen diese ganzen Argumente. Aber seien wir ehrlich: Wir sind Menschen, die im Stadion stehen, die gerne auch mal auswärts fahren und die genervt sind, wenn ein Spiel in Bochum zwei Urlaubstage kostet. Und ganz ehrlich: Wir sind auch genervt, wenn wir das im Fernsehen schauen, von einem gelangweilten und uninformierten Kommentator mit Opta Unfunfacts (und nicht noch schlimmerem) genervt werden und unser Verein von dem Montagsspiel nicht einmal Reichweite hat, weil auch dieses nur bei fucking Sky läuft. Da kannst du nicht einmal Image oder neue Fans gewinnen, denn bei der Präsentation, die Sky anbietet, musst du sowieso schon im Schutzprogramm „Unzucht mit Abhängigen“ sein, um das zu ertragen.

Kurz: Es gibt gerade für einen Zweitligisten echt nicht viel zu gewinnen durch zersplitterte Spieltage. Hinzu kommt die Idee der DFL, gerne auch mal 28 Tage vorher festzustellen, dass unser Spiel in Sandhausen geil für den Montagsmarkt ist.

Egoisten

Spart uns bitte diese „uns stört das aber nicht“ Beiträge, weil ihr direkt neben dem Heimstadion wohnt, nie auswärts fahrt, direkt nach einem Fußballspiel wie ein Teddybär schlaft und am nächsten Morgen erst um 14 Uhr in eurer Kreativagentur sein müsst. Wir sind da Egoisten und protestieren, weil wir unsere eigenen Interessen durchsetzen wollen. Vielleicht könnt ihr ja überlegen, ob ihr nicht auch solidarisch sein wollt. Oder es ganz evtl. auch eure Interessen sind? Denn wer weiß, wo die DFL stoppt. In unteren Ligen war zwischenzeitlich Mittwoch 14 Uhr eine beliebte Anstoßzeit – und denkt dran, da müsst ihr dann auch mal in der Kreativagentur auftauchen. Oder wie wäre es mit sonntags 10:45? Weil man vielleicht doch eine Zeitzone gefunden hat, wo FCSP – Sandhausen ein Straßenfeger ist? Man muss diese schleichende Zersplitterung nicht hinnehmen, nur weil eigentlich jeder jetzige Termin Scheiße ist. Und glaubt uns, mit Einführung eines dritten Europapokals wird das nicht besser.

… aber die Ultras

Wir müssen – mal wieder – ein beliebtes Missverständnis über die Macher dieses Kunstwerkes namens magischerfc.de aus der Welt räumen. Nun noch einmal zum mitschreiben: Wir. sind. keine. Ultras!!* Meistens treiben wir uns in der Gegengerade rum. Wir kennen viele unserer (!) Ultras, finden so grob 90 % was unsere (!) Ultras machen eigentlich sehr schnafte, aber wir sind einfach keine Ultras.

*Man kann über die Definition “Ultra” lange streiten. Hier ist sie eng gemeint. Wenn euch die Definition des Begriffes genauer interessiert, dann hört einfach die Millernton Folge mit den beiden USP Vertretern.

Das musste mal kurz gesagt werden.

An Ultras kann man sich reiben. Gerade an Gruppen, die sich in Deutschland Ultra nennen. Es gibt genügend Vereine, bei denen sich hinter dem Banner Ultra einfach nur ein Haufen von (setzen sie hier ein Schimpfwort nach Wahl ein) versammelt. Deswegen hat sich USP ganz zu Recht nicht an diesen Bündnissen beteiligt. Jedoch: Das heißt ja nicht, dass man nicht für seine Sache protestieren kann.

Supportdiskussion in a nutshell

Fangesänge können, müssen aber nix bringen, können selbst ins Gegenteil umkippen. Und würden sie einen großen positiven Effekt haben, dann wäre Wolfsburg schon lange abgestiegen.

Vielmehr sind sie eher ein soziales gemeinsames Erleben, was a. Spaß macht und b. die eigenen Reihen (der Fans) stärkt. „Hörst du die ganze Kurve singen“ = „geil wir alle gemeinsam, als Brüder & Schwestern, wir haben was bewegt!“. Ratet mal, warum man gesungen hat, wenn man in den Krieg gezogen ist.

Wenn man das unter a. und b. gesagte mal überdenkt, dann ist es die freie Entscheidung eines jeden Stadionbesuchers, sich am Gesang zu beteiligen, wenn er sich zu dieser Gemeinschaft zugehörig fühlt. Und wenn der Ultra an sich kein Spaß am Singen hat, weil er gerade mal wieder am Montag nach Sandhausen muss, um sein Hobby ausüben, dann muss ich ihn deswegen nicht beschimpfen, liebes Forum. Ich kann das einfach mal so hinnehmen. Ultras sind keine bezahlten Cheerleader. Ultras sind Menschen, Menschen die ihre Interessen durchsetzen. Und außer ihr seid Innenminister, solltet ihr das legitim finden, denn dies ist eine Grundfeste unserer Demokratie. Ich kann für meine Interessen demonstrieren. Oder eben auch mal schweigen, wenn das für meinen Zweck zielführender ist.

Ob ich dann unbedingt an diesem Spieltag voll meinen eigenen Support aufdrehen muss, den ich sonst nie zeige, sei mal dahin gestellt. Aber die fünf Leute, die dieser Meinung sind, können das gerne machen. Siehe oben. Nur bitte wundert euch dann nicht, dass Effekt b. eher nicht eintritt mit dem Rest das Stadions.

Schweigen als Protest

Seien wir ehrlich. Es ist doof auf Support zu verzichten. Man glaubt ja immer, dies würde der Mannschaft helfen und man will ihr ja auch helfen. Und natürlich macht so ein kräftiges Aux Armes auch viel des Erlebnis Millerntor aus. Und natürlich ist es auch ein Vehikel für die gefühlte Hilflosigkeit, dass wir keinen Einluss auf den Spielverlauf nehmen können.

Hierzu kann man sich – wie bei eigentlich jeder Protestform – um die Wirksamkeit sehr streiten. Protest ist immer der Versuch, Aufmerksamkeit zu generieren. Google definiert Protest wie folgt: „das deutliche Ausdrücken, dass man mit etwas nicht einverstanden ist und eine Änderung verlangt“ und gibt als Beispiel „energischer/stummer/wütender/zorniger Protest“ ·

Ist das Schweigen nun das wirksamste und vielleicht auch mildeste Mittel? Ja, da kann man sich die Köpfe heiß reden und optimal ist das alles nicht. In einer Welt in der eine bundesweite Fandemo aber von Medien mit keinem Wort erwähnt wird, ist die Reaktion auf das Schweigen schon sehr breit. Aufmerksamkeit erhalten. Jeder Trainer lässt sich dann mit „schadet der Mannschaft“ zitieren, was eine sehr spannende Umdrehung von zahlendem Kunden und bezahltem Entertainer ist. Aber da werden die Vereinsoberen schon versucht haben den richtigen Spin in die Worte zu legen.

Lob insoweit an Kaucze, der sich wie folgt zitieren lässt:

„Ich verstehe die Fans. Sie wollen Anstoßzeiten, die für sie Sinn machen. Das wird uns zwar treffen, aber irgendwie muss man ja seine Kritik äußern.“

Proteste nerven! Und das müssen sie auch, solange weiterhin so viel im Staate FIFA faul ist.

Und eines dürft ihr auch nicht vergessen: Demos, Proteste, Kundgebungen und auch Streiks behindern, sie nerven, sie sind für den reibungslosen Alltag und das reibungslose Erlebnis doof. Aber reibungslose Verwertung ist nur für den Kapitalismus ein Wert, für demokratisches Zusammenleben und für eine offene Kultur sind sie unvermeidbar.

Und am Ende hat der Fanladen sowieso immer Recht!

Nov 282018
 

Der deutsche Werberat ist nun wirklich nicht bekannt dafür, sich nachhaltig und konsistent gegen sexistische Werbung einzusetzen. Aber das ist ein anderes Thema für einen eigenen Roman.
Eben jener Werberat hat am 19. November unserem Sponsoring-Partner MediaMarkt die rote Karte gezeigt (Link: https://www.horizont.net/marketing/nachrichten/maennertage-werberat-zeigt-media-markt-motiv-die-rote-karte-171159), aufgrund von “gesellschaftlich inakzeptabler” Werbung. Es ist erstaunlicherweise aber auch einfach immer noch nicht ok, Frauen einfach so anzufassen.

Klar, mit solchen Unternehmen würden der FC St. Pauli doch nie zusammenarbeiten, sollen “Sponsoren und Wirtschaftspartner des FC St. Pauli und deren Produkte […] in Einklang mit der gesellschaftlichen und vereinspolitischen Verantwortung des Clubs stehen“ (Auszug aus den Leitlinien).
Nun ja. MediaMarkt ist seit August 2018 Kapitänspartner des Vereins), bisher haben wir von dieser Kooperation (glücklicherweise?) nicht viel mitbekommen – irgendwann war da mal ne Werbebande. Aber da ist uns Congstar jetzt stärker in Erinnerung geblieben. Bis heute.
Jubelte uns die Facebook-Timeline doch die neue “Sabbel Nicht” Kampagne unter. Wir sind nun keine Werbeprofis. Besonders kreativ ist es aber nun wirklich nicht, das Interview ohne Worte vom SZ Magazin einfach so zu kopieren und mit Fussballcontent aufzuhübschen. Uns spricht das nun echt nicht an, wir sind wahrscheinlich auch einfach nicht Zielgruppe für sowas. Es soll ja auch Leute geben, die die Hornbach-Werbung witzig finden, kennen wir natürlich nicht persönlich.

Diese Doppelmoral in Bezug auf Kooperation mit Unternehmen und anderen Institutionen geht uns wirklich auf die Nerven. Man könnte sogar soweit gehen, dass die Verantwortlichen für diese Kooperationen die durchaus existenten Leitlinien immer wieder bewusst weit auslegen.
Ist dies doch nun das dritte Mal dieses Jahr, dass eine solche Kooperation einen ziemlich schalen Beigeschmack hat. Astra, immer wieder durch sexistische und rassistische Werbung auffallend, The Boss Hoss, mit Menschen, die nicht Antisemiten genannt werden wollen, kooperierend und ein “ziemlich” veraltetes Geschlechterbild auf die Bühne tragend. Und nun eben MediaMarkt.
Ganz ehrlich, da helfen dann auch keine tollen Broschüren mit PinkStinks, die genau solche Werbung eigentlich minimieren sollen. An anderer Stelle würde man da von Greenwashing sprechen.

Sponsoring funktioniert vor allem über positive Assoziationen. MediaMarkt sponsort St. Pauli und lädt damit das eigene Image positiv auf, beim nächsten Fernseherkauf hofft man dann, dass der FCSP-Supporter*in zu MediaMarkt statt zur Konkurrenz geht. Das Image wirkt aber natürlich darüber hinaus – durch die Kooperation werden auch anderen Handlungen des Unternehmens direkt und indirekt die Absolution erteilt – wieder durch das positive Image des “kultigen Kiezclubs”. (Jaja, wir spenden die 5€ ins Phrasenschwein bei nächster Gelegenheit.)
Vielleicht sind wir einfach etwas simpel gestrickt. Aber uns will nicht in den Kopf, wie man mit einem Kooperationspartner zusammenarbeiten kann, der sich vor nicht mal 4 Wochen mit Werbung hervortut, die so tut, als sei es ok, Frauen einfach so anzufassen, wenn man an anderer Stelle aktiv gegen sexuelle Belästigung Position bezieht. Wir zitieren aus der Vivavom Darmstadt-Spiel:
Während der Saisoneröffnung gegen Stoke City (28.7.) ist es auf der Gegengeraden zu einer sexuellen Belästigung gekommen, die wir nicht unkommentiert lassen wollen! Eine Supporterin des FC St. Pauli wurde aus der umstehenden Masse heraus angefasst und erfuhr bei ihrer Ansage anschließend keine Solidarität – im Gegenteil: Sie wurde belächelt. Das kann und darf nicht sein! Nicht am Millerntor und auch sonst nirgendwo! Leute, wenn Ihr etwas seht, schaltet Euch ein, unterstützt die Betroffenen und macht Ansagen! Anna schildert ihre Erlebnisse und gibt eine richtige und wichtige Handlungsanweisung für Betroffene und Zeugen.”

Wir sind mittlerweile etwas ratlos, beim 3. Mal ist es nämlich kein Ausrutscher mehr. Vielleicht ist es an der Zeit für Regeln, die weniger Interpretationsspielraum lassen.

Kleine Anmerkung in eigener Sache

Unser UA Artikel wird gerne als “Pro UA” verstanden. Und das könnte dazu führen, dass man uns Doppelmoral vorwirft.

Dies greift jedoch zu kurz und wir empfehlen den Artikel noch mal zu lesen. UA ist nicht kritikfrei, kluge Kritik notwendig und UA trifft auch nicht die Leitlinien.

Unser Artikel hat einen anderen Gedanken. Man muss auch annähernd richtig kritisieren. Sonst wird das nichts. Oder nehmen wir einen etwas hinkenden Vergleich. Nur weil man nicht bei der “Merkel muss weg” Demo mit macht, findet man Angela Merkel sofort toll. Ganz im Gegenteil.

Nov 272018
 

Dem Missionar Bonifatius wird eine Beurteilung über Hessen zugeschrieben, die Hessen als abgelegen und unzivilisiert darstellt. Nun mag das ein bisschen übertrieben sein, denn Missionare wetteiferten darum, wer nun in die dunkelsten Ecken geht, um zu christianisieren, aber eines ist Gewiss. Bonifatius hat nie den heiligen Pauli in Regensburg unterstützen wollen.

717 KM behauptete das Navi als Strecke zwischen unserem Treffpunkt und dem Stadion an der Franz-Joseph-Strauß-Allee. Das ist schon ein ordentlicher Ritt für mittelmäßigen Zweitligafußball.

Wir hatten uns aus diversen Gründen ein Mietfahrzeug geleistet, beim Vermieter noch ein „kostenloses Upgrade“ erhalten und fuhren so einen „Mini SUV“ nach Regensburg.

Die illustre Reisegruppe aus vier Twittermenschen und einem nicht Twittermenschen hatte um 6 Uhr bereits die Themen „Verbrechen der Wehrmacht und ist Beginner hören vergleichbar“, so wie Urlaube in Kambodscha in den 70er Jahren, sowie Kaffeeversorgung im real existierenden Sozialismus der DDR gewidmet.

Diese breite Themenvielfalt und die Playlist mit dem Motto „Heute nur Hits“ sorgten für eine fröhliche Anreise. Nur mit der Verpflegung war etwas gespart worden, so dass die Buletten des #pöbelvolvo immer mehr ersehnt worden, je näher man Regensburg kam.

Regensburg. Sitz der Thurn und Taxis. Und gefühlt am Arsch der Welt. Äh nein, falsch. Wenn man am Arsch der Welt ist, dann noch ca. 200 KM. Das dauert echt bis man da in Ober- Unter- Mittelbayern, -franken, -Pfalz oder was auch immer ist. Diese bayrische Kleinstaaterei begreift ja kein Mensch, der jenseits des Freistaates aufgewachsen ist. Übrigens nicht mal Menschen, die in dem Freistaat aufgewachsen sind.

Knastfeeling

Wir erwähnten schon den Mietwagen. Die Ordner am Eingang des Gästeparkplatzes waren ob des Münchener Kennzeichens mehr als verwirrt und wollten trotz eindeutiger Kleidung von uns Beweise, dass wir St. Paulifans sind. Der Hinweis auf den Mietwagen war letztendlich überzeugender, als braun-weiße Bekleidung. Nicht so wirklich überzeugend war die „Hooligan“ Mütze bei dem einen Ordner mit dem wir sprachen.

Es ist ja nett, wenn man Parkplätze in der Nähe eines Gästeblocks einrichtet. Aber ganz ehrlich: Die müssen nicht aussehen wie ein Knast und man muss auch nicht in diesen Knast noch gefühlt 100 Polizisten stellen. Das ist alles hektisches Sicherheitsdenken, was nur aggressiv macht . Und 4 Euro per Automaten zu kassieren, lässt sich auch noch nur mit „Late Capitalism“ begründen. Denn anstatt halt Tickets per Hand zu verkaufen, stellt man lieber Automaten auf und wer das System nicht gepeilt hat, der bekommt während des Spiel ein kostspieliges Ticket. Diese echt kundenfreundliche Idee hat man nebenbei zwischen unseren beiden Besuchen dieses Jahr eingeführt.

Lob wo Lob gebührt: Immerhin haben sie auf diesem Parkplatz ein Klo.

Immerhin waren nun Curis Buletten im Angebot und es sind ja die kleinen Dinge, die einen Tag wundervoll machen. So in Größe einer Frikadelle an diesem Tag.

Wir mussten noch kurz Tickets dealen und schon begannen wir den Eingang zu überwinden. Die Kontrollen fielen erneut sehr unterschiedlich aus. Von gelangweiltes Halbabtasten bis zu gynäkologische Untersuchung war wieder alles zu beobachten. Nun wissen wir, dass es da Richtlinien, Anweisungen und eigentlich auch Grenzen gibt. Nur anscheinend interessiert das in der Praxis niemanden und dann wird halt auch mal beherzt von Frau zu Frau in den Schritt gegriffen. Sehr unschön und würde die DFL sich um Fans scheren, müsste sie die Vereine hier wirklich mal unter Beobachtung stellen und kontrollierend eingreifen. Aber hey, wen interessieren schon Grundmenschenrechte von auswärtsfahrenden Fußballfans?

Der Gästeblock Steh ist eine Frechheit. Punkt. 35 Euro für einen Sitzplatz im Gästebereich hinter Fangnetz und Tor ist eine weitere Frechheit. Die musikalische Beschallung ist die nächste Frechheit. Das Lightbier die übernächste etc. etc. etc.

Kurz: Es wird im Stadion dazu aufgerufen Online das Spieltagserlebnis zu bewerten. Lieber Jahn, machen wir es kurz: Als Gästefan richtig scheiße. Ja, das ist in vielen Orten so und außer unserer Abhängigkeit zwingt uns niemand, da hin zu fahren, aber hätten wir eine Wahl, würden wir von einem Besuch abraten. Aber bekanntlich haben wir keine Wahl.

Was auch nervt: Wie präsent Turnvater Jahn in der gesamten Präsentation ist. Anstatt sich mit dem eigenen Namensgeber kritisch auseinander zu setzen, seinen Nationalismus und Antisemitismus zu hinterfragen, wird hier selbst das Maskottchen “Jahni” genannt. Puh.

Der Gästeblock zog durchwachsen mit und der Vorsänger zwischen Steh- und Sitzplatz ist ein ziemlich emotionaler Typ, der seine Unzufriedenheit auch deutlich machte. Nun seien wir ehrlich: Das kommt nicht bei jedem gut an, wenn vom Vorsänger auch mal negative Emotion kommt, aber uns gefällt der Junge, der hat Feuer. Behalt dir das!

Auf dem Platz

Gestern erlebte Zehir eine Premiere auf dem Platz. Eine, die gerne noch ein paar Jahre auf sich hätte warten lassen können. Er stand bei einem Gegentor auf dem Platz.

Das Spiel ansonsten ist schnell erzählt, wir versuchten mit 2 Stürmern zu agieren, Regensburg versuchte unseren Aufbau schnell und früh anzulaufen. Wir hatten ob des Systems keine stabile Mitte, null Aufbau aus dem defensiven Mittelfeld und wenn man Jackson zu fußballerisch-spielerischen Aktionen zwingt, dann hat man als unser Gegner schon viel richtig gemacht.

Seien wir mal ehrlich zu uns: Wir waren die deutlich schlechtere Mannschaft, es passte sehr wenig zusammen und wir können sehr viel mehr. Das dann noch individuelle Leiden wie z.B. Unwohlsein bei einzelnen Spielern ein taktisches Reagieren sehr schwierig machte, war da auch nicht gerade hilfreich. Letztendlich spielte Neudecker noch 80 Minuten mit einer schweren Verletzung, was auch weit weg von Optimal ist.

Das schlimme dabei ist: Wir hätten trotzdem locker gewinnen können. Henk macht zwar das komplizierte Ding irgendwie rein, aber als er mit Zeit frei zum Schuss kommt, bolzt er den Torhüter an. Wenn das Ding rein geht, dann ist Regensburg am Ende. So wird der extrem hohe Aufwand, den die gefahren sind und die unzähligen Chancen, die sie herausgespielt und dann teilweise kläglich vergaben letztendlich doch noch belohnt.

Tore in der 87. Minute sind immer ärgerlich, gerade wenn der Ball erst im zweiten Nachschuss versenkt wird. Da wäre irgendwie ein Sieg drin gewesen. Aber hey, schlechter Tag, eine vielleicht nicht ganz perfekte Systemumstellung und wir bekommen trotzdem nicht die Hütte voll? Das ist auch eine Stabilität, die wir lange nicht hatten. Fraktion: Glas halb voll.

Ein Stürmer und das bewährte 4-2-3-1 gefällt uns trotzdem wahrscheinlich besser. Oder wir müssen lernen, wie unsere Innenverteidiger und defensiven Ballschlepper mit einem hohen Anlaufen umgehen. Bisher ist das äußerst gewöhnungsbedürftig und die Mannschaft schafft es nicht, in dieser Formation ruhig und geordnet das Spiel aus dem (defensiven) Mittelfeld aufzubauen.

Wir sind nicht von dem 4-4-2 überzeugt, die Problematik zeigt sich – neben dem fehlenden Spielaufbau in dieser Formation – auch darin, dass sich Henk und Sami quasi auf den Füßen standen.

(Bild von whoscored.com, zeigt die gemittelte Position der Spieler über das Spiel hinweg an.)

Noch ein Wort zu Allagui: Was ist das denn bitte für eine Kampfmaschine geworden? Leider am Ende etwas platt und deswegen auch unkonzentriert, aber der zeigt ja echt unerwartete Leaderqualitäten. Weiter so!

Nov 232018
 

Liebe Leute, wir sind alle im Stress. Und man muss eigentlich auch mal ein Thema so einfach links liegen lassen können. Als überzeugte Zecken haben wir es sowieso nicht so mit Duschgel, sondern singen voller Überzeugung „wir waschen uns nie“.

Aber irgendwie ist dieses Duschgel plötzlich auf so vielen Ebenen ein Spaß, dass wir ihm doch ein paar kurze Zeilen widmen wollen.

Anti-ironische Wortspiele

Der erste Gedanke, als unser Verein das Duschgel bewarb? „Och nö, man muss echt nicht jedes schlechte Wortspiel bringen“.

Geld für „Laut gegen Nazis“ ist auch schön und gut, gerade wenn man bedenkt, dass Roggnroll häufig der Beginn einer Politisierung ist. „Ich habe mehr durch Musik gelernt als durch Bibliotheken“ singt ein Hemmoorer Dorftrubador so schön. Jedoch: „Laut gegen Nazis“ ist nun nicht gerade knallharte Antifa und listet selbst so bürgerliche Organisationen wie die „DFL Stiftung“ als Partner auf. Hätte da nicht eher eine Organisation Empfänger sein können, die durch unsinnige Überprüfungen der Marke „Extremismusklausel“ oder der Marke „Geheimdienstüberwachung“ oder anderem Dünnsinn als „linksradikal“ gelabelt werden, weil sie der CDU mal gesagt haben, wie scheiße eine Rechtsoffenheit in Richtung AfD ist?

Aber dann springen die richtigen an.

Gerade hat man sich in die ewige Nörglerrolle zurückgezogen, da meckert irgendso ein AfD-Schnullernazi. Getroffene Hunde bellen. Wie anstrengend muss das eigentlich sein, sich ständig aufzuregen und über alles hetzen zu wollen? Menschen, ey.

Aber es wird noch geiler. Ja, wir haben Facebook-Kommentare gelesen. Und Leute, Satire ist in der Postmoderne tot. Weil die Leute das ernst meinen. Hier ohne Anspruch auf Vollständigkeit ein „best of“:

Da wird gefragt, ob das nach brennenden Autos und Molotowcocktails riecht? Das ist eigentlich mal eine Geschäftsidee. Der Duft der Revolution! FCSP Vermarktung:Übernehmen Sie! Am besten wäre es natürlich, wenn das dann noch leicht entflammbar wäre. Und wenn Ihr schon dabei seid: Der Astraflaschen-Molli ist auch schon lange als Merchartikel überfällig. Zweidrittel Heizöl, ein Drittel Benzin (Achtung, liebe mitlesenden Behörden: Das war jetzt Satire!).

Auf den Sport konzentrieren sollen wir uns auch mal wieder. Klar, dass wir dann ungefähr die Zuschauerzahlen von Greuther Fürth hätten und einfach nur ein schlechter Fußballverein wären – egal. Und: Ja, liebe „das ist Kapitalismus“-Kritiker, das ist auch zum Geld verdienen da. Hate the game, not the clever player. Nur weil der FCSP sein Image zu einem USP (und wir meinen hier nicht unsere Ultras) gemacht hat, müsst Ihr jetzt nicht rumheulen. Euer Verein hatte da alle Chancen zu. Der FCSP hat sein USP nämlich jahrzehntelang null genutzt.

Bernd P. meint dann, der FCSP sei für ihn gestorben, wie der (setzen Sie hier drei Buchstaben ein) seit 20 Jahren, wenn man Politik und Sport nicht trennen könne. Lieber Bernd, unter welchem Stein hast Du denn gelegen? Nein, wir wollen die Untrennbarkeit von Fußball und Politik nicht wieder durch Katar treiben, aber mal ganz ehrlich, Bernd: Der FCSP ist seit gut 30 Jahren Politik pur (siehe USP).

Ach ja, irgendein Fan wollte nach 30 Jahren auch seine Dauerkarte und alle seine Klamotten verbrennen, wenn der Verein nun so linksradikal ist. Man fragt sich echt, was für Leute das Millerntor bisher betreten haben? Hören die bei Antifa Hooligan immer weg? Leute, wir müssen da lauter mitsingen, bis alle diese Pappnasen weg sind.

Thorsten findet den Kampf gegen Rechts ja ganz okay, aber dass wir mit Linksextremen ins Bett gehen ginge ja gar nicht, da könne man sich ja gleich zur RAF bekennen. Also mal davon ab, dass ein fucking Duschgel für „Laut gegen Nazis“ziemlich weit vom wie auch immer zu definierenden „Linksextremismus“ (googelt „Extremismustheorie“) entfernt ist, beleidige nicht uns und unsere Liebsten, die sind in deinen Augen doch alle linksradikal, Todde. Und ob so ein antisemitischer Haufen wie die RAF wirklich „linksradikal“ genannt werden sollte, schmeißen wir hier jetzt einfach nur mal provokant in die Runde. Es fiel dann übrigens auch der Begriff “Linksfaschismus”. Aber auch wir beißen ja nicht bei jedem Köder an.

Und dann kommt die Juristerei

Nicht wirklich begeistert war die Henkel KGaA, denn deren Marke „Fa“ ist.

Es gibt da zwei Ebenen, die sich nicht wirklich miteinander trennen lassen, die man aber doch bedenken muss.

Bei einem Unternehmen wie Henkel, das sich in der Nazizeit nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat, hinterlässt das Bestehen auf „positive[m] Image“ und „nicht Anti“ nicht gerade einen positiven Beigeschmack. Das ist Streisand-Effekt in Reinform, denn wirklich jeder kann Google anwerfen, die Begriffe “Nazizeit + Henkel” eingeben und erkennen, dass Henkel an vorderster Front als Täter dabei waren.

Der Hausjurist möchte aber noch einen weiteren Aspekt einbringen, der nicht ganz davon zu trennen ist, den man aber in der Motivlage einer Unternehmung immer mit bedenken sollte. Marken sind verdammt viel wert. Ihr kauft ein iPhone insbesondere deswegen für sehr viel Geld, weil da ein Apfel drauf ist und es iPhone heißt. Der eigentliche Warenwert (!) ist ein Bruchteil des Preises, den Ihr zahlt. Das gleiche Produkt unter dem Namen „Quitte“ würdet ihr nicht so bezahlen. Das ist – nebenbei – der Unsinn des Kapitalismus in wenigen Worten erklärt.

Jetzt ist es so, dass deswegen Unternehmen ihre Marken schützen wollen. Wer da mal die Komplexität dieses Themas nachlesen wolle, der lese die Entscheidung des BGH zu einer Taxirufnummer und einem kölnischen Wasser, welches man nicht in Kneipen trinkt.

Ganz grob zusammengefasst sagt dieses Urteil, dass gerade berühmte Marken eine sehr weite Wirkung haben und auch gegen Sachen geschützt werden können, die man vielleicht erst auf den zweiten Blick assoziieren würde.

Nun könnte man ja sagen „Klar, Henkel ist im Recht, aber wo kein Kläger, da ist ja auch kein Richter“. Nur leider ist das ganz so einfach im Markenrecht nicht. Denn wenn man eine Nutzung duldet, dann kann das zu einer Verwirkung führen. Und dies heißt nix anderes, als „ein Markeninhaber seine Rechte wegen bereits begangener oder noch fortdauernder bestimmter Rechtsverletzungshandlungen nach einer langen Zuwartezeit unter Umständen nicht mehr durchsetzen kann.“ (von hier )

Als beratender Jurist könnte man solche Sachen auch zusammenfassen mit „lieber einmal zu viel klagen als einmal zu wenig“. Dafür sind Marken zuviel wert.

Bleibt aber noch eine letzte Frage: Wenn man ein Produkt auf den Markt bringt, dann gehört eigentlich die Frage nach der Markenverletzung durch den Namen zu einer absoluten Standardprüfung. Und sowohl der FCSP (Modelabel) als auch der Partner sind ja keine Amateure auf diesem Gebiet. Wäre eine solche Prüfung nicht erfolgt, dann wäre das grob fahrlässig. Und die Nähe zu „Fa“ liegt ja doch ein bisschen auf der Hand, nech? Gut, wir wissen nicht was da hinter den Kulissen besprochen wurde, denn ab und zumal macht man auch ein „komm, das riskieren wir jetzt, das ist mindestens PR. Und wenn wir das danach Duschmolli nennen, die PR ist trotzdem raus.“

Abgesehen von der nachvollziehbaren juristischen Prüfung und gerade in Anbetracht der eigenen Vergangenheit muss man als Unternehmen nun wirklich nicht über jedes Stöckchen, das einem empörte Wutbürger hinschmeißen, springen. Und vor allem nicht mit solch konfusen Statements, die auch jede AfD-Pressestelle hätte schreiben können. Benannter Wutbürger kommt übrigens lt. Twitterprofil aus Regensburg. Und damit nun endlich zurück zum sportlichen. Darauf sollen wir uns ja eh mehr konzentieren.

Nov 122018
 

Kommunistische Nörgler

Wir sind ja als kommunistisches Propagandamedium und ewige Nörgler bekannt.

Und auch der Spieltag gegen Heidenheim erbrachte Optimierungsbedarf. Sowohl auf dem Feld, als auch daneben.

Unser Gegner

Heidenheim. Kann wahrscheinlich niemand von euch blind auf einer Karte einzeichnen. Und ohne den Zweitligisten würde niemand das Dorf kennen. Man muss dem 1. FC Heidenheim von 2007 (auch wenn sie 1846 behaupten. Was mit dem Namen “FC” schon Bullshit ist) Kontinuität zugute halten. Denn Frank Schmidt ist seit kurz nach der Gründung Trainer der ersten Herren. Stark. Dass Frank Schmidt auch noch gebürtiger Heidenheimer ist, setzt dem ganzen noch die Krone auf. Gerade bei solchen Emporkömmlingen sitzt der Entlassungsknopf ja häufig sehr locker, sodass dies echt bemerkenswert ist. Genauso bemerkenswert ist, dass im Gemeinderat der Stadt Heidenheim die DKP mit einem Sitz vertreten ist.

Kommen wir aber zum Tagesgeschehen

Die Menschen dieses Blogs sind als Kartendealer bekannt und das nimmt auch heute inklusive interner Deals wieder großen Raum ein. Am Ende hat aber jeder die Karte seines Vertrauens.

Im Stadion ist es auf der GG rappelvoll diesmal.

Sowieso GG: Leute, so geht das nicht. Das ist zu lahm, zu leise und zu wenig. Viel zu wenig. Vielleicht finden sich auch mal gefühlt 150 Leute, die den Supportblock wieder auffüllen? Und eine Trommel mitnehmen? Vielleicht sollten wir doch mal eine Vorsängerin probieren? Wir erleben hier doch im Augenblick Spitzenfußball der 2. Bundesliga, zumindest nominell.
In der Süd dafür ist die Stimmung zumindest phasenweise besser als die meisten Heimspiele dieser Saison. Besser, nicht bombastisch, was eigentlich immer der Fall sein sollte. Aber wir wollen auch mal lobend positiv verstärken – mehr davon.

Werbung

Wir spielen im Profifußball und da gehört Werbung dazu. Wir betreiben neben “normaler” Werbung auch unsere “Weltverbesserer”-Kampagne mit der Techniker Krankenkasse, die gerade für “Netz gegen Plastik“ sammelt.

Plastik aus den Meeren zu sammeln ist gut (Infos im Link), weniger Plastik zu nutzen und zu verbrauchen wäre noch viel besser.

Und da ist es dann schon nicht ganz optimal (freundlich formuliert), wenn einem Helfer*innen in EinmalplastikjackenAufkleber aus Plastik in die Hand drücken. Genrell wirkt die Kampagne sehr stark nach Eigenwerbung; wenn man so will, Greenwashing. Sicher sind ein paar Euro für eine gute Sache nicht falsch, aber ein bisschen weniger offensichtliche PR für private Unternehmen wäre schon ganz nett, wenn der FCSP seinen Namen dafür bereitstellt.

Grundsätzlich können wir da auch vor der eigenen Haustür kehren. Dass die elendigen Einwegbecher auf der Gegengerade der Vergangenheit angehören, ist ein guter Anfang, wird aber konterkariert, wenn ein Sponsor vor einem Spiel Einweg-Plastikflaschen verteilt. Wir können übrigens auch mal über anderen Einwegmüll oder den gigantischen Fleischkonsum während der Spiele sprechen. Nein, der Öko-Club sind wir sicher nicht.

Nicht zu optimieren ist die (Nicht-)Werbung von Congstar auf den Werbebanden. “Hey Werbung, mach mal Platz für Vielfalt” und dann ein Regenbogen einmal ganz rum, ist schon echt gut. Da hatte jemand echt eine kreative Idee, die positiv im Kopf bleibt. (Werbung ist natürlich trotzdem kapitalistische Scheiße.)

Dagegen echt lahm sind die immer auf den Gegner bezogenen Spruch von Fritz Kola. Mal ganz davon ab stand der Spruch mit den “Heiden heim schicken” schon vor Jahren genau hier. Aber da war das unser Flachwitzgott umsonst und nicht eine teure Werbeagentur.

Zum Glück hat Media Markt seine “Männer”-Kampagne heute nicht im Stadion geschaltet.

Auf dem Platz

Heidenheim ist eingespielt, definitiv eine der Qualitätsmannschaften der Liga und der Schnatterer ein personifizierter Stachel im Fleisch.

Dass wir da über 90 Minuten echt gut dagegen aussehen, zeigt auch, dass wir echt Qualität haben. Nur die brauchen halt 1,5 Chancen für ein Tor und wir Millionen. Seien es nun Ecken, die echt ungefährlich sind, sei es, dass wir zu kompliziert spielen. Da kann man Dinge echt noch optimieren. Mit Henk haben wir (endlich?) wieder einen richtigen (Mittel-)stürmer. Der bei jedem 5,5. Ballkontakt selbst schießt oder einem Mitspieler den Ball auflegt. Und alle 130 Minuten ein Tor macht und alle 175 Minuten einen Assist abgibt. Oder anders gesagt: Alle 75 Minuten an einem Tor beteiligt ist.

Letztendlich bleibt es beim gerechten Unentschieden. Aber wir sind schon gut unterwegs diese Saison.

In zwei Wochen geht es dann nach Oberbayern, genauer nach Regensburg. Flum hat sich gegen Heidenheim die fünfte Gelbe abgeholt. Alles deutet auf den ersten Profistartelfeinsatz von Ersin Zehir hin, der diese Saison bereits sechs Mal Flum ersetzt hat. Der #Sektionsportwetten legen wir einen 2:0-Tipp nahe – und hoffen natürlich, dass Ersin seine weiße Weste behält.

Sonst so?

Einen eigenen Artikel bekommt in der nächsten Woche der Sicherheitsapperat.

Freitag war das Polizeiorchester im Ballsaal zu Gast. Ganz ehrlich: dDas ist echt unschön. Duddes Schergen sind auch dann unerträglich, wenn sie in ein Horn blasen. Das Ganze war nach unserem Kenntnisstand eine Fremdvermietung und die bekommen als Grenzen Stadionordnung und Leitlinien an die Hand gegeben. Und da sind Polizeiorchester nicht verboten.

Klar kann man da was juristisch konstruieren, aber ausdrücklich wäre deutlicher.

So sehr das in einer klaren Welt wünschenswert wäre, dass kein Polizist unser Stadion in Uniform betritt, so sehr müssen wir uns da wohl immer wieder den faulen Kompromiss “Profifußball” vor Augen führen. Kein richtiges Leben im falschen, nech?

Viva la Bernie? Hintergründe zu den auffälligen grünen Plakaten findet ihr hier.

Nov 112018
 

Ich lernte dich vor ca. 15 Jahren auf dem Geburtstag unseres OL kennen. Düsseldorferin durch und durch.

Und schnell verstanden wir uns, und hatten immer wieder Kontakt. Nicht jeder kam mit deiner Art zurecht. „Kurz“ und „halb“ gab es bei dir nicht. Wenn du dich für etwas interessiertest, dann wolltest du alles wissen. ALLES! Wir Fußball Fans neigen ja dazu, die Stadt zu ignorieren, in die wir fahren. Das war nicht deine Welt. Wenn du nach Duisburg gefahren bist, dann hattest du vorher alle Museen und Sehenswürdigkeiten heraus gesucht und per E-Mail verschickt.

So lebtest du auch den FCSP. Wenn, dann richtig. Mitgliedschaft und Dauerkarte waren für dich eine Selbstverständlichkeit. Und das in Jahren, in denen der FCSP in der Regionalliga um sein Überleben kämpfte. JHV? Dann komm ich aus Düsseldorf, lese vorher den magischenfc.de Bericht vom Vorjahr und war wahrscheinlich besser vorbereitet, als andere anderen. Wir sind ja immer erstaunt, dass überhaupt jemand diese 35 Seiten liest. Aber die vom Vorjahr? Ganz oder gar nicht. Wenn dein Herz irgendwo war, dann mit aller Leidenschaft.

Für Düsseldorf warst du ein wandelndes Lexikon. Das mit einer Meinung und einer Liebe für die Stadt. Mit einem „Kölle Alaaf“ am 11.11. konnte man einen liebevollen Vortrag über Karneval gewinnen. Immer auch mit einem Schalk im Nacken, wie es sich für eine Rheinländerin gehört.

Mit deiner unstillbaren Neugier konntest du auch anecken. Nicht jeder konnte damit umgehen. Und so hattest du auch mal Probleme mit der Welt und mit dir.

Gerade als du die alle halbwegs in den Griff bekommen hattest, deine Neugier wieder richtig blühte, kam der Krebs. Du hattest noch soviel, was du wissen wolltest und erleben wolltest. Dazu kommt es jetzt nicht mehr. Krebs ist ein Arschloch.

Rest in Neugier. Wenn es einen Gott gibt, dann frag ihm Löcher in den Bauch.

Der Blogsenior

Nov 092018
 

 

Samstag ist nicht lange her und die Ereignisse aus Bielefeld sind sicherlich bei Vielen von Euch – bei uns zumindest schon – noch Thema. Wir als Reaktionskollektiv wollen gerne, da uns dieses Thema sehr am Herzen liegt, kurz zusammenfassend dokumentieren, was wir als wichtig erachten und diese Gelegenheit nutzen, danach kurz ein paar Menschen und Institutionen zu danken.

Vorab: Wir als Fanszene des FC Sankt Pauli wollen eine politische Fanszene sein. Daher ist aus unserer Perspektive auch wichtig, die Grenzüberschreitungen der Polizei politisch einzuordnen und nicht wie andere deutsche Ultragruppen Gewaltexzesse der Exekutive aus sich selbst und apolitisch zu erklären.

Es ist kein Geheimnis, dass sich die Polizei und ihre Interessenvertretungen sich weit rechts der „politischen Mitte“ positionieren. Wo sie nur können, überschreiten Sie ihre Befugnisse, brechen Gesetze, ignorieren Gerichtsurteile, schüren Ängste und fordern, mit großen Schritten den Staat und die Gesellschaft autoritär umzubauen.

Ironischerweise entscheidet sie dabei nach eigenem Ermessen selbst, entweder Kilometer weit über die Stränge zu schlagen oder nur zaghaft zu reagieren. Staat und Polizei agieren nicht zwingend, wenn sie angegriffen werden, sie reagieren, wenn sie sich angegriffen fühlen. Diese Prioritätensetzung zeigt sich immer wieder, wenn Nazis, z.B. in Chemnitz, ungestört Menschen jagen können, aber bei jeder noch so kleinen linken Kundgebung drei Hundertschaften bereitstehen.

Die neue Regierung in NRW scheint mit dieser Priorisierung auch keine sonderlichen Probleme zu haben, befürchtet sie beispielsweise doch, dass die Ökos im Hambacher Forst die bürgerliche Mitte dazu bringen könnten, dem Kapitalismus abzuschwören und aus „Sicherheitsbedenken“ deren Kundgebung auf offenem Feld absagt, während man Nazis gerne den Weg freiprügelt.

Es ist wichtig, auch ganz klar zu benennen, dass die Polizeiangriffe auf Linke oder Fußballfans oder eben auch linke Fußballfans in diesem Kontext zu sehen sind. Politisch bleiben, FCSP!

Zunächst möchten wir kurz die verschiedenen Stellungnahmen aus dem Vereinsfeld dokumentieren:

Offizielle Stellungnahme des Vereins und des Fanladens

Stellungnahme Braun-Weiße Hilfe

Stellungnahme USP

Stellungnahme Amnesty International (Themenkoordinationsgruppe Polizei und Menschenrechte)

Besonders die Stellungnahme des Vereins hat uns sehr gefreut. Beim Kiezkieker-Fanzine gibt es eine schöne, kurze Einordnung, was diese bedeutet, wenn man die Entwicklungen des FCSP über Jahrzehnte verfolgt hat.

Wir wollen keine Presseschau folgen lassen, primär weil das bedeuten würde, 50 mal den Polizeibericht zu lesen. Dankenswerterweise gibt es aber immer noch ein paar kritischere Artikel, wie z.B. hier in der taz.

Bedanken möchten wir uns auch bei dem Journalisten Felix Tamsut, der sehr schnell auf Twitter auf die Lage aufmerksam wurde, Informationen gesammelt und sie auf Englisch weitergegeben, sodass unsere internationalen Fans und Gruppen, sich auch schnell ein Bild machen konnten.

Wir hoffen auf eine produktive Aufarbeitung, auf rechtliche Schritte, auf Konsequenzen für die Verantwortlichen innerhalb der Polizei.

Wenn ihr weiterhelfen wollt, kommt heute (9. November!) ins Jolly Roger und trinkt etwas zugunsten der Braun-Weissen Hilfe, die können vermutlichen in den kommenden Wochen jeden Cent gebrauchen.

Falls ihr selbst einmal von (körperlicher) Polizeigewalt betroffen wart, folgt bitte diesem Link und lest euch das mal durch. Im Bereich Polizeigewalt und staatlicher Machtmissbrauch gibt es riesige Forschungslücken und diese zu füllen, ist garantiert ein Schritt in die richtige Richtung.

Zuletzt sei noch kurz angemerkt, dass wir als Blog verschiedene Hilfeangebote von Einzelpersonen erhalten haben. Wir haben diese vertrauensvoll an den Fanladen und die BWH weitergeleitet. Danke auch an Euch!

Nov 072018
 

Einheitsbrei

„Da hätte ich ja auch kandidieren können, ein weiterer alter weißer Mann wäre da gar nicht aufgefallen“, kommentierte unser Blogsenior die am 07.11.2018 veröffentlichte Kandidatenliste für unseren Aufsichtsrat. 12 Kandidaten, davon eine Frau. Durchschnittliches Alter der Kandidaten ist 56, gerade mal zwei Kandidaten sind unter 40 und so etwas wie einen sogenannten Migrationshintergrund* sucht man vergeblich. Auch die Abteilungen sind unfassbar divers, sind immerhin einmal Marathon und einmal Handball dabei. Jeweils bei einem Kandidaten, der nebenbei noch in der AFM oder den Fußballherren ist. Mit dem Ergebnis, dass alle Kandidaten entweder in der AFM oder in den Fußballherren sind.

Puh, bei aller Liebe Freunde, das ist peinlich für uns, für unsere Weltsicht und als Vorbild.

Nicht Gott gegeben

Kandidaten für Ämter fallen nicht vom Himmel. Sie werden bestärkt von Interessenten an einem Ergebnis. Das ist nichts schlimmes und Teil eines demokratischen Prozess. Und natürlich gibt es auch in unserem geliebten Verein Interessengruppen, die sich Kandidaten aussuchen und diese auch moralisch und mit Stimmen unterstützen. Warum denn nicht?

Wenn wir aber der Stachel, das Vorbild, das richtige Leben im falschen Leben sein wollen, dann genügt es nicht nur, dass wir uns von Investoren fern halten und Fans in den Aufsichtsrat wählen.

Dann müssen diese Personen auch diverser besetzt sein. Wo ist z.B. eine Dame aus den Fußballfrauen? Wo ist der Migrationshintergrund? Frauen sind in unserer Mitgliedschaft und in unserer Fanschaft garantiert mit 40 Prozent vertreten. Das muss sich in den Gremien auch widerspiegeln. Da mag Sandra noch so toll sein. Es reicht nicht!

Der Migrationshintergrund wird bei beiden sehr viel geringer sein. Was die Frage aufwirft: Warum eigentlich? Und gerade wenn dies so ist, dann sollten wir doch umso bemühter sein, Kandidaten aus diesem (kleinen) Kreis zu bekommen, um auch auf diese Problematik hinzuweisen.

Hinter die Ohren schreiben!

Alle Hinterzimmerdiplomaten, alle Menschen, die Wahlen in diesem Verein vorbereiten, alle Wähler im Verein schreiben sich ab jetzt bitte das Wort „divers“ hinter die Ohren und fördern ab jetzt bitte Kandidaten, die genau diesem Profil entsprechen, damit wir nicht noch mal so auf die Nase fallen.

Noch was: selbst wenn man von einem “freien Melden” ausginge, gibt es genügend Mechanismen, dass man trotzdem Frauen und andere diverse Gruppen zu einer Bewerbung ermutigt. Ein “es haben sich halt nur weiße Männer gemeldet” ist zu einfach. Zu bequem.

Wenn so etwas selbst die Ärztekammer als Ziel formulieren kann und Maßnahmen ergreift, dann müssen wir das auch können.

Noch viel schlimmer: Selbst der DFB hat so ein Programm.

St. Pauli wir haben da ein riesiges Problem und erkennen es nicht einmal, wie man auf Twitter erkennen kann. (Tweet und die ersten Antworten) .

Aufsichtsratkandidaten beim #fcsp:
11 Kandidaten, 10 Männer. 🤷🏼‍♀️

Läuft ja super!

— Anna-Maria (@amhass) November 7, 2018

PS: Das es auch anders geht, beweist z.B. die Triathlonabteilung unseres FCSP 5 Frauen und 4 Männer im Vorstand. Und da der Platz der Frauenwärtin zur Zeit unbesetzt ist, müsste es theoretisch selbst noch eine mehr sein. Macht die Diversitywärtin zur Zeit mit. So eine Diversityvorständin stünde dem Hauptverein nebenbei auch mal SEHR gut zu Gesicht.

*das der Begriff Migrationshintergrund nicht unproblematisch ist, hatten wir letztens erst erläutert.

Nachtrag 07.11.18 21:49

Woanders sieht das auch nicht besser aus:

Nov 052018
 

 
oder

Warum Petitionen und Under Armour etwas komplexer sind

Petition? Klopapier!

Oliver, wir wollen dir gar nicht absprechen, dass du was bewegen willst. Und bei der inhaltlichen Kritik, die gleich folgt, ist es grundsätzlich begrüßenswert, wenn sich Leute um ihren Verein sorgen, die Richtung vorgeben wollen und mitentscheiden wollen. Nur warum eine Petition bei chance.org? Es gibt Gremien, es gibt Gruppen, es gibt eine Jahreshauptversammlung, bei der jedes Mitglied Anträge stellen kann. Da gehört so etwas hin. Da kann man ernsthaft „Druck“ aufbauen oder Dinge ändern.

Und ganz ehrlich: Was sind 20.000 Unterschriften wert? Nix, wenn sie von irgendwelchen Rübennasen kommen, die im besten Fall Sympathisant sind und im schlechtesten Fall Rautenfan, die mal geil gegen Pauli hetzen wollen. Onlinepetitionen sind das Klopapier des 21. Jahrhunderts. Wenn es dabei bleibt, dann ist das nix wert.

Bevor wir konkret inhaltlich werden

Wir sind der FC St. Pauli. Wir versuchen das richtige Leben im Falschen zu leben. Das ist nicht widerspruchsfrei möglich. Das wollen viele Leute nicht verstehen, suchen jedes Haar in der Suppe, während in ihren eigenen Vereinen nicht Haare, sondern ganze Perücken in der Suppe schwimmen. Dogmen sind cool, wenn man andere kritisieren will, aber sie praktisch leben ist beinah unmöglich. Wer das nicht sieht, der kann zu Altona 93 gehen und dort den puren Fußball sehen. Der von einem Mäzen am Leben gehalten wird.

Das heißt jedoch nicht, dass wir nun Narrenfreiheit haben oder jede Kritik an uns abprallen lassen sollten. Wir müssen jeden Tag unsere Grenzen definieren und überprüfen. Das gilt insbesondere bei der Wahl unserer Partner. So schön es wäre, wenn PinkMacabre die Trikots fertigen und die Kehrwiederbrauerei unser Bier liefern würde, es ist unrealistisch. Leider alleine deswegen schon, weil PinkMacabre leider nicht mehr tätig ist.

Warum aber nun gerade UA?

So muss man auch die Partnerschaft mit Under Armour sehen. Das ist kein Unternehmen, welches unsere Ideale zu 100 % lebt. Wahrscheinlich nicht mal zu 50 %. Es gibt Kritikpunkte, die man offen ansprechen muss und die jeder für sich anders gewichten wird. Sei es nun „Jagd“ oder „Ausrüstung von Militär“ oder oder oder. Man muss aber jeden Kritikpunkt auch mal in einen vernünftigen Kontext setzen und Diskussionslinien erkennen und wissen. Und das lieber Oliver, lässt du komplett außer Acht. Vielleicht wären die drei Stunden Millernton vor dem Schreiben der Petition wirklich gut investierte Zeit gewesen? Erneut: Was nützt mir eine Petition, die schlichtweg weit an der Realität und am Diskussionsstand vorbei geht?

Um diesen zu verstehen, wollen wir zwei Dinge machen. Erstens unsere anderen Partner betrachten und zweitens auf einzelne Argumente eingehen.

Unsere anderen Partner sind keine Engel

Wir haben bis vor kurzem mit Lagardère zusammen gearbeitet, die lange genug gleichzeitig ein riesiger Rüstungskonzern waren. Und hier sprechen wir nicht nur um die Kooperation mit der US-Armee, sondern Geld verdienen mit Diktaturen der Welt. Und bei aller Kritik an den USA: Das war die USA damals nicht und ist sie wahrscheinlich auch heute (noch) nicht.

Oder nehmen wir das coole Astra. Die sexistischen, rassistischen und geschmacklosen Werbungen dieser Marke aufzuzählen, würde Bücher füllen. Und Astra gehört zum Carlsberg-Konzern, der auch nicht gerade für eine faire, nachhaltige Politik steht.

Oder was ist mit Fritz Kola, die ebenfalls schon mehrfach mit zweifelhafter Werbung „glänzten“ und am Markt ganz klar als Verdränger kleiner regionaler Marken auftreten ?

Oder nehmen wir Hummel, die in einer Petition als (Zitat) „regionaler, nachhaltiger, wirtschaftender Sportartikelhersteller“ dargestellt wird. Regional ist eine künstliche Ausgrenzung und absolut kein Argument. Wäre eine Sportartikelmarke, die in einem israelischen Kibbuz schlechter als eine Marke, die in Hamburg von Klaus-Michael Kühne hergestellt wird? Wohl kaum! Nachhaltig? Puh, gerade Hummel ist nun alles, aber nicht nachhaltig wirtschaftend. Vielmehr drückt sich der Konzern in diesem Bereich seit Jahren um eine Aussage, labert was von Karma und hält sich an keine Standards. Das ist das genaue Gegenteil. Und tötet direkt Mensch und Natur. Das ist zwar nicht so schön in Fotos zu packen, wie Jäger, aber bringt auch sicher genug um. UA ist in diesem Bereich nebenbei solides Mittelmaß, wie viele andere Sportartikelhersteller Das ist auch nicht toll, aber eben doch besser als Karma.

Hummel liefert angeblich auch an Nordkorea und seine Armee. Ein bisschen Solidarität mit unseren kommunistischen Brüdern und Schwestern in Nordkorea hat noch nie geschadet.

Wenn man dies so sieht, dann hätte jeder dieser Partner seine eigene Petition verdient. Vielleicht sollte man den ganzen Kapitalismus boykottieren? Hate the game, not the player? Nur dann müssen wir den Weg von Corinthian-Casuals gehen und uns dem Profifußball komplett verweigern. Zitat aus diesem Artikel: „To this day, no one at the club gets paid, with the exception of a part-time physiotherapist, and the club is run entirely by volunteers“. Das ist moralisch garantiert besser, aber führt nicht gerade zu Zweitligafußball.

Oder ist es am Ende die Nationalität des Unternehmens, die gerade hier eine Petition befeuert? Antiamerikanismus geht immer?

Jedoch: Kritik ist bei allen genannten Unternehmen UND auch bei UA notwendig und muss geäußert werden.

Die Argumente, die genannt werden, sind allerdings nicht gut:

Auf die Belieferung von Militär sind wir schon eben bei Lagardère eingegangen. Noch etwas sollte man in diesem Zusammenhang bedenken: Die Wahrnehmung von Militär ist in den USA eine andere. Viele – beinah alle – Unternehmen arbeiten mit dem Militär zusammen und/oder gewähren Mitgliedern der Armee sowie ihren Familien Rabatte. Man kann – und sollte – diese Militärisierung der Gesellschaft hinterfragen, sie ist aber nicht gerade für UA singulär. Sollte man deswegen keine amerikanischen Partner als FCSP haben? Schwierig. Keine Reise in die USA, wo Menschen unsere Ideale zu großen Teilen teilen und sich über Support und Gelegenheit freuen? Wir zweifeln stark. Einen „bei uns ist aber alles cool“-Nationalismus, ist schon angesichts von AfD und Co äußerst fragwürdig. Es ist der perfekte “Running Gag” jeder Gruppenreise in die USA die geläuterten Deutschen zu sehen wie sie sich über die amerikanische Begeisterung für Waffen und Militär auslassen.

Thema Waffenlobby: Hat dafür eigentlich irgendwer eine US-Quelle? Wir sind ziemlich schlecht im Google nutzen, aber eine Suche nach UA in jeder Schreibweise und NRA in jeder Schreibweise findet nichts. Nur in deutschen Texten taucht diese Behauptung immer wieder auf. Komischerweise immer im Zusammenhang mit der Partnerschaft FCSP und UA. Was man auch hier nicht vergessen darf: Bis Februar dieses Jahres haben unfassbar viele US Unternehmen NRA Mitgliedern Vorteile versprochen und/oder Verträge mit der NRA gehabt. Wir hoffen, ihr habt die alle immer boykottiert.

Arbeiten an unserem Weg

Man sollte alle Menschen einladen an unserem Weg mitzuarbeiten. Nur so lange wir Profifußball spielen wollen, wird Dogma nicht gehen. Es wird – auch schmerzhafter – Kompromisse bedürfen, um sich zu behaupten. Zumindest bis wir den Warp-Antrieb erfunden haben und die kommunistische Weltrevolution.

PS: Wundert euch nicht über die Überschrift, wir hatten Spaß auf Slack. Und sie ist sowieso die logische Konsequenz aus diesem Artikel.

Nov 042018
 

 

Wenn das Sportliche zur Nebensache wird

Fußballfans sind keine Waisenkinder und in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht jedermanns Sache.

Auch wird sich im Suff nicht immer an so etwas wie ein Rauchverbot gehalten.

Was genau den Polizeieinsatz in Bielefeld verursacht hat, wissen wir nicht zu 100 Prozent. Augenzeugen sprechen von “Rauchen im Zug” und dann ohne Vorwarnung Pfeffer. Auch eine spätere Weigerung, Personalien abzugeben, wurde laut Augenzeugen mit Pfeffer für alle beantwortet.

Danach wurden gut 300 Bahnfahrer gekesselt und nicht zum Stadion gelassen.

Unverhältnismäßig

Um es mal deutlich zu sagen: Es muss schon verdammt viel vorfallen, damit man auch nur annähernd eine solche Maßnahme als „verhältnismäßig“ bezeichnen könnte. Und wir sprechen hier von Mord und Totschlag. DEUTLICH (!) mehr als Rauchen im Zug allemal.

Wir haben keine Sorge, dass die Polizei in ihrer Pressemitteilung dies herauf beschwören, der deutsche Redaktionsmichel es abschreiben und der deutsche Spießbürger es glauben wird.

Wieder haben die mutigen Polizisten den Bürgerkrieg verhindert. Am Arsch!

Wir haben übrigens trotzdem immer noch die Bombe. Was im Abgang auch so gesanglich kommentiert wurde.

Unsere Waffe heißt Solidarität

Die im Stadion entschlossen sich auf Support zu verzichten, ihrem Unmut über die Polizei kund zu tun und in Solidarität den Block zu verlassen. Danke an das AFM Radio für zeitgenaue Berichterstattung und an Sky Go, wo man dann eine Minute später das Tor sehen konnte.

Auch du, @fcstpauli

Wer es nicht schaffte, sich über die Situation zu informieren, war unsere Social-Media-Truppe. Erst nach dem Spiel gab es Infos auf diesem Kanal.

Ganz ehrlich: Am Arsch! Da stehen Funktionäre unseres Vereins unter der Tribüne, da ist die sportliche Leitung informiert und unsere Social-Media-Truppe schafft nicht einmal, einen “Fans von uns haben anscheinend Schwierigkeiten in der Anreise gehabt, deswegen ist der Gästeblock ungewohnt leise. Wir klären das und melden uns.”-Tweet/Facebook Nachricht.

Und das obwohl Leute von Beginn an nachfragen und um Infos bitten oder eine Solidarisierung fordern. Und im Nachhinein als Begründung für das Schweigen zu dem Thema zu bringen, dass man sich erstmal informieren müsse, ist einfach zu wenig. Schnelle Krisenkommunikation ist in Social-Media-Zeiten eine Notwendigkeit und hier schnell gemacht. Und sowas kann und sollte man in einer ungeklärten Situation auch schreiben, ohne alle Details zu den Vorkommnissen zu haben.

Stattdessen dann noch ein Halbzeit-Tweet, wo noch der tolle Support der mitgereisten Rabauken gefeiert wird.

Wenn ich heile Welt Social Media will, dann gehen wir zum FC Bayern. Oh wait.

 

Die Mannschaft schaffte nach Abpfiff eine spontane Solidarisierung. Danke dafür.

 

Noch was

Es ist uns egal, was da passiert ist. Wenn da jemand Scheiẞe gebaut hat, dann klären wir das. Aber auswärts gilt: Alle oder keiner und unsere Leute gehören zu uns in den Gästeblock.

Das Sportliche

Gewonnen, Tabellenführer für einen Tag. Egal. Diffidati con noi!

PS: mit Dank an @amhass