Okt 292018
 

Eigentlich ist das alles gar nicht so schlecht. Nun, nach einem Dritten der Spielzeit und vielzuvielen lausigen Saisons im Rücken, kleben wir oben dran an der süßen Tor zum Oberhaus. Das ist mehr, als viele von uns für 18/19 erwartet hätten. Und dass wir nun nach fünf Spielen ohne Niederlage nun doch mal wieder erfahren müssen, wie sich verlieren anfühlt, gehört irgendwie dazu. Bitter nur, dass wir gegen die KSV Holstein eines der besseren Spiele unseres FCSPs sehen, was dann durch das fehlende Quentchen Glück gegen uns ausgeht. Ja nun, vielleicht ein rechtzeitiger kleiner Euphoriedämpfer, denken da die Optimisten.

Leicht zerknautscht von einer langen Nacht, die durch die Zeitumstellung noch länger wurde, erreichen wir an diesem frischen bis arschkalten Sonntag Ende Oktober die heiligen Stufen. Das unsägliche Vorprogramm dieses Spieltages, über das wir uns schon an anderer Stelle ausließen, haben wir mal geflissentlich ignoriert. MagischerFC-Leaks: Whiskey haben wir uns am Sonntagmorgen keinen reingestellt. Cool, jedenfalls dass der Auftritt dieser Westentaschencowboys von The BossHoss nicht unwidersprochen bleibt.

Der wahre Norden?

Ihr erinnert euch sicherlich, wie in der vergangenen Saison die Begegnungen zwischen Holstein Kiel und dem FC St. Pauli zu megakrassen Nordderbys hochstilisiert wurden, nech? Fanden wir damals schon lächerlich. Eiche und Sau und so. Jedenfalls ist davon dieses Mal nix mehr übrig geblieben. Vermutlich auch, weil es ein aufregenderes Nordderby in dieser Spielzeit gibt.

Und dennoch möchten die Holsteiner gern feststellen, dass sie “der wahre Norden” seien. Wisst ihr was? Ist uns doch wumpe. Dass der FCSP einen Alleinvertretungsanspruch für den “Norden” angemeldet hätte, ist uns zumindest nicht bekannt. Wir können gönnen, sollen die Kieler halt mit dem leicht abgewandelten Claim ihrer Landesregierung herumwedeln. Und offenbar muss man auch die Landesflagge so ’n bisschen um 90 Grad drehen, um cooler zu wirken.

Magischer FC St. Pauli vs. Holstein Kiel Oktober 2018

KSV Holstein nebelumschlungen

Schön aber: Wir hören einmal “Alerta, Alerta, Antifascista” aus dem Kieler Block und sehen einen “Scheiß Nazis”-Doppelhalter. Sollte selbstverständlich sein, darf dennoch hervorgebogen werden. Sonst hört man aus dem Gästeblock eigentlich nur “Scheiß St. Pauli”, worauf die Heimbereiche wie üblich einstimmen. Wir würden uns freuen, wenn wir auch in anderen, unterstützenden Gesängen mal ähnlich laut wären wie in diesen Momenten, wo es nur darum geht, die Auswärtsfans zu veräppeln.

Verweigerter Flottenbefehl

Tabellenführer mögen wir heute nicht werden. Zu einfach hätten es uns die Wettbewerber der Liga gemacht, mit diesem Spiel in guter Form an dem restlichen Pöbel der Tabelle vorbeizuziehen und Spitzenreiter zu werden. Wenn alle mehr oder weniger für dich spielen, verkackt es sich halt umso schöner. Aber wir wollen hier mal Ehrenrettung betreiben, denn die Partie gegen die KSV ist eine der besseren in dieser Saison unseres FCSPs. Viele Dinge scheinen bei uns besser zu funktionieren als in früheren Spielen, wo wir dafür oft am Ende das Glück des Tüchtigen auf unserer Seite hatten. Nur das Toreschießen verweigern unsere Spieler halt wie vor hundert Jahren die Kieler Matrosen den Flottenbefehl.

An Chancen hätte es wahrlich nicht gemangelt, da fehlt manchmal nur die letzte Konsequenz. Oder eben das notwendige kleine bisschen Glück. Oder ein Schiedsrichterassistent, der erkennt, wenn ein Keeper womöglich den Ball über die eigene Torlinie trägt. Hätte hätte, Fahrradkette. Tore musst du halt machen, nech?

Wir hoffen, dass die Jungs auf dem Platz das mit dem “Mund abwischen, weitermachen” auch kennen und beherzigen. Wie kacke so ein Tag letztlich laufen kann, sieht man wundervoll in einer Szene, wo Mats kurz vor Schluss dem Ball nahe des gegnerischen Strafraumes hinterhersprintet, ausrutscht und frustriert eine Sekunde liegen bleibt. Vi slå armene rundt halsen på deg, kjære Mats!

Werden wir langsam, wenn wir viel zu fressen kriegen?

So ein Spiel, das einigen Frust hinterlässt, dann zu deuten, ist nicht so einfach. Vielleicht ist es ein Stück weit ausgleichende Gerechtigkeit dazu, dass wir sonst in vielen Partien mittelprächtig auftreten und dennoch mit voller Punktzahl vom Feld gehen. Insgesamt schätzen wir unser Team – obwohl es an diesem Tag auch nicht in üblicher Stammformation aufgelaufen war – aber weiterhin ziemlich stark ein und freuen uns auf die nächsten Spiele. Hungrig, schnell und heiß bleiben, Leute.

Okt 252018
 

Der Fußballclub Sankt Pauli hat heute über Social Media und seine Website mitgeteilt, dass er am kommenden Heimspiel gegen Holstein Kiel ein ganz besonderes Schmankerl für seine Fans parat hat. Vor dem Spiel wird die Berliner Band „The BossHoss“ auf dem Harald-Stender-Platz spielen. Das Redaktionskollektiv des MagischerFC-Blogs nimmt diese freudige Abwechslung zum Anlass, die Band vorzustellen und ein kurzes Preview zum kommenden Album „Black Is Beautiful“ (ab dem 26.10. überall erhätlich!) zu verfassen.

Als langjährige Fans von Johnny Cash sind wir natürlich schon vor Jahren auf die sympathischen Jungs mit Südstaaten-Flair aufmerksam geworden. Abgesehen von dem musikalischen Einfallsreichtum und Kreativität stehen die Country-Popmusiker vor allem für ehrliche Texte über männliche Identität und träumerische Phantasien des Wilden Westens.

Toll, diese Ironie, oder? Seien wir mal ehrlich, The BossHoss ist nun nicht gerade so problematisch wie eine beliebige Rechtsrockband, aber es gibt durchaus einige Punkte, die uns veranlassen, diese zumindest zweifelhafte Ansetzung kurz kritisch zu kommentieren, denn wir sind nicht der Ansicht, dass der FCSP der Band eine Bühne bieten sollte – wortwörtlich und im metaphorischen Sinne.

Und dabei reden wir gar nicht von der aggressiven Abwesenheit jedweder ästhetischen Dimension oder einer mangelnden Abgrenzung zur Kulturindustrie des deutschen Privatfernsehens.

Der Autor dieses Textes kannte vor der heutigen Ankündigung des Vereins nur den Namen der Band, doch nach ungelogen maximal 30 Sekunden Internet-Recherche offenbarten sich bereits mehrere problematische Layer, die sich durch weitere Beschäftigung mit der Band leider nur verstärkten.

Zunächst ist das künstlerische Schaffen der Band durchsetzt von einer bestenfalls peinlichen, schlimmstenfalls extrem toxischen Maskulinität, die uns die Haare zu Berge stehen lässt. Dass die Band ihre Texte nicht im Ansatz kritisch reflektiert hat, zeigt sich unter anderem auch an der visuellen Repräsentation von „starken, heroischen“ Männlichkeiten sowie eindeutig sexistischen Darstellungen von Frauen. Wir haben gar keine Lust uns durch das Gesamtwerk der Herren zu arbeiten und an Beispielen und kulturwissenschaftlicher Argumentation diese Probleme aufzuzeigen. Aber ihr werdet es selbst sehen, wenn ihr euch ein Video ansehen solltet.

Wir haben im Blog in den vergangenen Monaten häufiger über ein Sexismus-Problem am Millerntor berichtet und der Verein hat freundlicherweise auf verschiedene Art und Weisen dabei geholfen, Öffentlichkeit für dieses Problem herzustellen. Warum wird dann mit der Einladung dieser Band aktiv gegen eine antisexistische Kultur beim FCSP gewirkt?

Ein kurzer Blick auf die Diskographie und das Wirken der Bandmitglieder im Fernsehen legt noch ein weiteres Problem offen. Nämlich die mannigfaltige und freundliche Kooperation mit Xavier Naidoo, dem Mann der nicht gerne Antisemit genannt wird (auch wir müssen uns rechtlich absichern). Jede Band, jede*r Kulturschaffende*r, der zur gesellschaftlichen Akzeptanz dieses notorischen Verschwörungstheoretikers und Reichsbürger-Freundes beiträgt, ist absolut inakzeptabel im Umfeld unseres Vereins.

Liebe Verantwortlichen beim FCSP, die Idee mit Livemusik vor oder nach den Spielen ist wirklich cool, aber ihr müsst einfach mehr darauf achten, wen ihr euch da ins Boot holt. Auch wenn eine vermeintlich große Bands, die gerade ihr neues Album promotet für lau spielt, lohnt sich ein Backgroundcheck. Und wenn ihr partout Programm haben wollt, es gibt auch im Jahre 2018 immer noch ’ne Menge Bands, die für eine Kiste Bier auftreten.

In Hoffnung auf schnelle Besserung des Rahmenprogramms und eine kritische Aufarbeitung, bis Sonntag!

Okt 232018
 

Vorwort

Da nimmst du Urlaub, willst nach Duisburg, willst dich betrinken, willst feiern, willst eine Woche danach im Bett liegen und dann in Frankfurt Marathon laufen. 

Und dann beim letzten ernsten Lauf legst du dich auf glatter Fahrbahn auf die Fresse und haust dir so den Ellenbogen auf, dass der Schleimbeutel operativ entfernt werden muss. Gips und montäglicher Arztbesuch statt Duisburg und Marathon. So genießt ihr nun einen Gastbericht, der wie üblich nicht zwingend unsere Meinung wiedergibt, den wir aber gerne veröffentlichen, weil die Schreibenden cool sind. Danke dafür. Und Happy Birthday 😉

 

Lest selbst

Aufn Montag im Ruhrgebiet zu spielen, ist ’ne Entscheidung, die man so fällen kann. Macht man sich bloß nicht allzu beliebt mit. Wieso so ein Spiel nicht aufn Freitag gelegt wird, dass unkomplizierteres an- und abreisen möglich ist, wird der geneigte Fußballfan wohl nie verstehen.

Aber kurz auf Anfang.

Duisburg. Umgeben von Bottrop-Boy und der echten Liebe Schalke.

Der Pöbelvolvo

Gutgelaunte Besatzung des Auswärtsgefährts, eine Playlist, die ihresgleichen sucht, vorzügliches Catering – alles wie immer.

Zum Glück sind Fußballfans nicht abergläubisch, sonst wäre das Auslassen der üblichen Route über Allertal ein schlechtes Omen.

Auf der weiteren Fahrt wurde noch diskutiert, welchen Gegenwert eine der Mitfahrerinnen wohl hat – es wird sich auf eine dreibeinige Ziege geeinigt (= süß, aber meckert viel). Außerdem werden die herausragenden Sehenswürdigkeiten bestaunt und wieder mal eine Autobahn-Museen-Denkmäler-Tour geplant. Tuchmuseum, Mittelalterliches wasauchimmer, Betonmuseum, Knödelmuseum und natürlich das schon oft bestaunte Panzermuseum.

Das Stadion Drumherum

Ein architektonischer Traum in Beton und Stickerresten. Wieso Architektinnen von Stadien immer ihre autoritären Sehnsüchte ausleben müssen, wird die Schreiberin dieser Zeilen nicht verstehen. Fanbriefe betonten vorher UN-BE-DINGT den P1 anzufahren – als vorbildliche Auswärtsfahrerinnen taten wir das und wurden mit einem Marsch ums Stadion belohnt, der auch noch etwas davon weg führte, aber so kamen wir in den Genuss eine Wasserski-Anlage im Halbdunkeln zu bepöbeln.

Vorm Eingang noch die üblichen Verdächtigen ge-flausch-tackle-t, nach qualitativ unterschiedlicher Kontrolle durch den traumhaften Betontunnel und Plätze eingenommen.

Auswärtsbericht – Sportlich

Man merkte dem MSV an, dass sie bisher nicht so recht in der Saison angekommen sind. Die Duisburger standen sehr tief und versuchten über die Außen ins Spiel zu kommen. Der FCSP stand hinten an sich sehr sicher. Die Duisburger Offensive schien da keine großen Herausforderungen zu bieten. „Feldüberlegen“ sagt man da wohl…60% Ballbesitz. Offensiv versuchten wir über die flinken Außen (MMD, Miyaichi) nach vorne zu kommen, was auch mehrfach gelang. 
Allein die Qualität der Flanken ließ leider zu wünschen übrig. Keine großen Chancen für uns bis zur Pause. 

Teilweise hätte ein langer Pass über die dann doch aufgerückte Duisburger Abwehr Potential gehabt. Gerade Ryo versuchte häufiger im richtigen Moment steil zu gehen, aber Ziere verpasste den Moment und spielte dann doch lieber hinten herum weiter. 

Nach der Pause verflachte das Spiel etwas. Dazu passt auch, dass Duisburg und der FCSP jeweils 50% Ballbesitz hatten. 

Der MSV kam zu zwei etwas besseren Chancen, eine davon fischte Himmelmann aus Gästeblockperspektive gerade so noch aus dem Winkel. 

In der 60. Minute kam dann Veermann für den glücklosen, aber unermüdlichen, Diamantakos (der große alte Mann dieses Blogs wird zu Recht anmerken, dass seine Zweikampfführung aussieht wie kurz vor ner Kneipenkeilerei), kurz darauf Neudecker für den verletzen Myiaichi. 

Änderte erstmal wenig am schwächerem Offensivspiel. 

Aber dann, 83. Minute, Buchtmann (hatte meiner Meinung nach nen etwas gebrauchten Tag und haderte recht viel mit allem) ging und für ihn kam Allagui.

Ecke, Kopfball, Tor! 1:0 für die Guten!

Danach noch 10 Minuten darauf warten, dass nix passiert. Abpfiff. Alle Glücklich. 

Wenn uns diese Saison was ausmacht, dann die Fähigkeit zum Ende zuzuschlagen. 
Keine Ahnung, wie/warum, aber an sich auch egal. Ich war wirklich die ganze Zeit optimistisch, dass wir noch einen reinmurmeln, sehr komisches Gefühl. Aber toll. 

Die Tabelle lügt nicht und sagt Relegationsplatz 3 und das vorm Lokalrivalen. 

Nächstes Spiel nun also Störche rupfen. (Curi)

 

Im Block

Loide. Ihr fahrt mehr oder weniger weit, um euch das Spiel anzusehen, habt also entweder nix besseres zu tun oder wirklich Bock aufs Spiel. Bekommt dann mal euren Arsch und die Hände hoch und supportet. Das obere Drittel im Stehbereich war gedanklich ganz woanders, so dass zwei der Mitfahrerinnen ihre Stimmen nun auf den Betonstufen des Gästeblocks suchen müssten. Wasn lahmarschiger Haufen ihr manchmal seid.

 

Schöne Tapete von uns.

 

https://twitter.com/Darijouu/status/1054475431137738753

 

Stabile Choreo auf der anderen Seite.

 

https://twitter.com/ultraschoen/status/1054447242134851584

 

Der Rest

Abpfiff, Glückstaumel, Blick auf die Tabelle, breites Grinsen und die Antwort auf die Frage, wieso wir uns den Scheiß immer wieder antun. Genau deshalb.

Dezimierte Anzahl der Mitfahrerinnen, noch ein kurzes Aufstocken der Matevorräte und ab dafür. Die Rückfahrt verläuft ohne Zwischenfällt, die Playlist packt die richtigen Hits aus, Schwertransporter werden weiterhin angepöbelt.

Fazit? Bis zum nächsten Mal.

 

Es schrieben: Curi & Elo.

 

Post Skriptum: Der geneigten Leserin fällt die Wahl der grundsätzlich weiblichen* Form garantiert auf. Aber Männer* sind natürlich mit gemeint. (Anmerkung des Online Stellers: und dann Bottrop-Boy erwähnen?)
 

Okt 172018
 

Du sollst auf Hetze nicht mit Fakten antworten, du sollst auf Hetze nicht mit Fakten antworten. Schreiben wir jetzt 100 Mal an die Tafel und stellen dann doch fest, dass in diesem Bericht auch Fakten einfließen.

Unser Ex-Präsident hat ein Interview gegeben und vorher anscheinend zu häufig der AfD zugehört. Das Interview könnt ihr hier nachlesen.

Das entscheidende Zitat findet ihr bei Elo. 

Ist der Littmann nun endlich von allen guten Geistern verlassen? „Rein deutsche Mannschaft“? Am deutschen Wesen soll die Homophobie genesen? Es schüttelt einen! Gut, dass dieser Mensch mit diesem Verein nur noch als Ex-Präsident in Zusammenhang gebracht wird und gut, dass die JHV sich damals gegen einen „Ehrenpräsidenten“ Littmann ausgesprochen hat. Das ist das große Problem bei der Ehrung von lebenden Menschen. Die haben danach noch ganz viel Zeit, ganz viel Bullshit zu reden.

Als wäre es einfacher, sich im TV Altöttingen zu outen, als beim SV St. Georg! Ja ne, ist klar Corny! Immer wohl gesagt, diese beiden Vereine entsprechen dem Klischee, welches man gerne über die genannten Städte bzw. Stadtteile hat. Da wir beiden Vereinen nicht zu nahe treten wollen, sei betont, dass dem wahrscheinlich nicht so ist.

Aber vielleicht sind diese „nicht deutschen“ Spieler voll das Hindernis? Nehmen wir doch unseren Mats mal als Beispiel, der zu dem gleichen Kinofilm auch eine deutliche Meinung kundgetan hat. Man lese sie auf der offiziellen Homepage nach. Spoiler: Homophob äußert er sich nicht, dabei müsste er das doch als „nicht deutscher“? 

Und dann ist es wieder ganz schnell so, dass „nicht deutsche Spieler“ nur ein Deckmantel ist. Ein Deckmantel um nicht „die Muslime sind schuld“ zu sagen und seine eigene rassistisch, islamophobe Grundannahme zu deutlich werden zu lassen.

Da ist er wieder der „Migrationshintergrund“, der einem Özil auch in der 5. Generation aufgelabelt wird, dem Podolski aber nicht in der 1.

Nun kann man Vorurteile nicht mit Fakten widerlegen, denn das ist für Hetzer wahrscheinlich Fakenews. Nun ist es aber so, dass die Frage der Migranten und ihrer Einstellung zu Homosexuellen schon wissenschaftlich untersucht wurde. Nun können und wollen wir die Qualität dieser Studien nicht werten, aber ein paar interessante Zitate und Erkenntnisse wollen wir dann doch weiter geben:

„ob Migranten homophober seien als autochthone Deutsche, spätestens seit dem Kölner Silvester 2015 politisch heiß diskutiert wird. Küpper hält die Gruppe, die dieses Kriterium zusammenfasst, für „zu heterogen“ weil sie Neueingewanderte und die Enkelinnen von Migranten, europäische, afrikanische und asiatische Wurzeln in einen Topf werfe.“ Gefunden im Tagesspiegel

Projektion von Vorurteilen auf eine angeblich homogene Gruppe. Na toll, Corny.

Homophobie ist ein Problem in unserer Gesellschaft. Unter Deutschen, unter „Migranten“ und überall und insbesondere im Fußball mit seiner Machokultur und seinem öffentlichen Brennglas. Und insbesondere junge Männer sind  homophob, was das Outing in einer Männer(!)fußballmannschaft eben noch schwieriger macht.

Homophobe Ansichten sind laut der Studien prozentual in „migrantischen“ Gruppen weiter verbreitet, als in nicht migrantischen. Wie auch immer man diese definiert. JEDOCH! Das ist kein 90 % aller Migranten vs. 1 % aller Deutschen. Mitnichten. Siehe Tagesspiegel Link, oder siehe queer.de siehe auch den Deutsche Welle Link von eben. Religiosität ist  z.B. eine andere häufig genannte Triebfeder für homophobe Ansichten. Komisch, dass Corny und andere nicht sagt „Outen kannst du dich nur beim Atheisten e.V.“. Warum bloß nur?

Spannendes Zitat noch aus der bei DW.com zitierten Studie:

„Doch die Studie zeigt auch, dass viele Jugendliche offen und tolerant mit dem Thema Homosexualität umgehen. Auch unter den Migranten verbessert sich das Verhältnis zu Homosexuellen, wenn sie sich selbst als Teil der Gesellschaft fühlen und von der Gesellschaft akzeptiert werden.“

Sollten wir noch mal über Akzeptanz für Menschen mit „Migrationshintergrund“ reden, liebe „Deutsche“?

Okt 082018
 

 

Oder

Erzwungenes Glück

Liebe Lesenden,

fragt am Ende der Saison überhaupt jemand, wie diese drei Punkte zustande gekommen sind? Würden wir nicht drauf wetten. Jo, für den Moment wird im Kreise unserer Sportverantwortlichen darüber zu reden sein, warum sich der FCSP gegen ein schwaches Sandhausen über weite Strecken zahm wie Lämmer präsentierte. Wenn da die nächsten Tage ein bisschen Dampf auf dem Trainingsplatz gemacht wird, können wir das natürlich nur begrüßen. Für die Wochenrückschau sagen wir aber nur: Nicht übel, so zehn Punkte aus vier Partien mitzunehmen. Und auch bei einem scheinbar auf (bestenfalls) Unentschieden hinauslaufenden Spiel am Ende doch noch den nötigen Biss zu haben, um den Sieg zu erzwingen. Das hätte es vergangene Saison wohl nicht gegeben.

Zurück zum Anfang

Spiel 1 nach dem Derby. Egal? Alles wie immer? Ja, schön wär’s. Wir haben bereits weit vor Anfang die Befürchtung, dass sich auf Rasen und Rängen jetzt ein Druckabfall in Sachen Kampfgeist zeigen könnte. Das wichtigste Spiel der Hinrunde liegt hinter uns; dass wir uns da nicht ganz billig verkauften, steht außer Frage. Und nun haben wir mit dem SV Sandhausen eine schwarzweiße Maus der zweiten Liga als Gegner. Reality Check.

 

Und so wirkt einiges an diesem Spieltag so, als ob jetzt der Ernst bei der Sache etwas flöten gegangen wäre. Zwar ist das Millerntor trotz Hamburger Herbstferien am Ende doch ausverkauft, aber die Stufen füllen sich nach unserem Eindruck spät. Die Süd singt sich mit dem länger nicht gehörten “Heute knallen wir uns zu / mit Marihuana / Tonnenweise THC / für Sankt Paulianer / Hektoliterweise Bier / für eine Kurve völlig außer Kontrolle” warm. Auch da kann man nach dem glimpflich verlaufenen Derby mal etwas Dampf beziehungsweise Rauch ablassen.

I can’t fucking hear you!

Kauczinski scheint inzwischen so etwas wie seine Startelf gefunden zu haben. Mit Ausnahme von Miyaichi für Şahin keine Veränderung. Sollte passen. Und Sandhausen als Kellerkind der Liga ist nach ein paar schwereren Geschützen der vergangenen Wochen ein machbarer Gegner – also, ihr wisst schon, Leute, da können wir ja fast nur verlieren!

Achja: Die Hymne von Sandhausen kommt offenbar nicht aus dieser einen mittelständischen Fußball-Powerballaden-Schmiede, die für 95 Prozent der deutschen Vereinshymnen verantwortlich ist und bestimmt irgendwo in einem Kaff in der Mitte Deutschlands sitzt. Man gönne sich noch mal Sandhausens Lied mit den glorreichen Zeilen “Unsre Farben sind Schwarz-Weiß / darauf sind wir alle heiß / Es sind die Farben der Nation / die sind bei uns schon Tradition”. Oder vielleicht auch einfach nicht.

Braunweiß nimmt aber erst mal das Heft in die Hand und netzt tatsächlich nach nicht mal zwanzig Minuten. Diamantakos steht dort, wo ein Stürmer stehen muss, drin ist das Ding. Wer unseren FCSP kennt, weiß, jetzt müsste man nachlegen, sonst kann das alles noch völlig in die Binsen gehen. Macht man nicht. Ist ja klar, dass es da irgendwann doch noch mal auf der falschen Seite scheppert, gerade bei einem Standard. Insgesamt möchten wir über Minute 20 bis 85 lieber den Mantel des Schweigens hüllen. Apropos Schweigen: Genau so ideen- und harmlos wie der Kick auf dem Rasen ist in dieser langen Phase auch der Support. Selbst von der Süd sind streckenweise nur die Trommeln, kaum mehr aber eine Stimme zu hören. Uff. Da muss wieder mehr gehen, liebe Lesenden! Gegen Paderborn haben wir tatsächlich mal gesehen, was passieren kann, wenn sich das gegnerische Team bei besonders lauten Heimfans vor Angst beinahe in die Büx kackt. Da müssen wir öfter wieder hin, wenn wir irgendwie Einfluss auf das Geschehen nehmen wollen.

Springen wir aber nun zum Ende des Sandhausen-Spiels. Wie so oft wechselt Kauczinski spät, sehr spät. Heute aber scheint er ein ziemlich gutes Händchen dabei zu haben: Die Einwechslung von Sami Allagui löst bei den meisten Millerntor-Gästen zwar nicht gerade Jubelschreie aus. Doch Sami straft heute alle seine Kritiker Lügen und zeigt in dieser Phase, wo wir uns schon eher auf ein Gegentor als auf einen Lucky Punch einstellen, was er kann, wenn es bei ihm läuft. Und dann macht Buchti auch noch mit einem starken Abschluss eines absurden und schon scheinbar gescheiterten Konter der Deckel drauf. Der Rest ist Jubel.

Wir stellen fest …

… dass die Mannschaft zwar über weite Strecken Fußball zum Vergessen spielt, aber in einem wirklich entscheidenden Moment noch mal den unbedingten Willen zum Sieg zeigt. Das ist verdammt wichtig. Drei Punkte sind von größerer Bedeutung als ein schönes oder auch nur besonders cleveres Spiel. Wir sind hier immer noch in der zweiten Liga, vergessen wir das nicht.

Glas halb voll…

Wir stehen ein Punkt hinter dem Tabellenzweiten. Wir haben 16 Punkte. Wir haben bereits 11 Punkte zu Platz 16.* Wir haben die fünft beste Offensive der zweiten Liga. Wir haben die Plätze 1-3 bereits gespielt. Wir spielen nun gegen die Plätze 18 (Wunder in Köln mal außen vor), 11, 12. Wir haben 4 der ersten 8 gespielt. Wir haben bereits 4 Tore und 4 Vorlagen zu Toren von Einwechselspielern erhalten. Ein Wert, der zeigt, wie viel Qualität wir nachlegen können. Die Kondition stimmt, wir haben relativ wenige Verletzungen. Es bleiben echt gute Spieler (Park z. B.) auf der Tribüne. Das ist gut. Hashtag: Konkurrenzkampf

*Dazu folgende Anmerkung: dieses sehr weit verbreitete Schielen, ob wir schon 40 Punkte haben, nervt. Das kann und sollte eine Selbstverständlichkeit sein, mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Sollte eine Saison anders laufen, kann man gerne das Rechnen anfangen. Aber nicht jetzt. Das ist kontraproduktiv.

Glas halb leer…

Wir spielen keinen konstant guten Fußball über 90 Minuten. Wir haben die zweitmeisten Gegentore bekommen. Nur Ingolstadt und Duisburg haben mehr Tore gefangen. Wir sind sehr abhängig von Avevor und bekommen den nicht ersetzt. Mit ihm: 4 Siege, ein Unentschieden, 3 Gegentore. Ohne ihn: 3 Niederlagen, 12 Gegentore (!!!). Irgendwann ist das Glück der späten Tore aufgebraucht. Auch letzte Saison sind wir 5-1-3 mit 16 Punkten gestartet. Und dann begann der Abstieg. Wir spielen nun beim Tabellenletzten (Wunder in Köln mal außen vor). Hashtag: Aufbaugegner

Okt 012018
 

Verzweifeifelt in der Vorbereitung

Tja, was ist das Derby im Vorfeld hochgeschrieben worden. Die Polizei rechnete mindestens mit einem mittelschwerem Bürgerkrieg und behaupten nun das Sicherheitskonzept sei aufgegangen, die Medien haben ihre Panikrhetorik ebenfalls vergessen und vermuten jetzt eine allgemeine Enttäuschung. Aber man wird ja noch die Frage stellen dürfen, wer hier von was enttäuscht ist. Sportlich, ja meine Güte, who cares?

Mit dem Ergebnis können wir leben. Dass es nicht eskaliert ist? Sicher nicht im Interesse der Sicherheitsbehörden, die jetzt mit ihrem schönen Portal gerade mal ein nach paar Pyromanen fanden können; den Medien fehlt die Schlagzeile, tja nun. Ob man auf Heimseite durch das Ergebnis sehr verzweifelt ist? Sicherlich mehr als in FCSP-Kreisen, nehmen wir an. Der „hanseatische Vorzeigeclub“ könnte seine Vorherrschaft in dieser Stadt zumindest nicht demonstrieren.

Aber rollen wir den Tag doch zeitlich von vorne auf.

Verzweifeifelt in der Anfahrt

Wir waren nach Bahrenfeld auf unterschiedlichen Wegen gelangt und haben uns dann dort gesammelt. Viele auswärtige FCSP Fans haben die Gelegenheit genutzt, dort in der Gegend ihre Fahrzeuge zu parken und insbesondere der örtliche P+R Parkplatz war gut frequentiert. Das hat alles problemlos geklappt.

Der örtliche Bäcker ist traditionell schon immer serviceschwach und verzweifeifelte auch an den jetzt plötzlich ankommenden Menschenmassen sichtlich. Gab anderseits aber Porzellantassen für den stilvollen Kaffee aus.

Irgendwelche Blitzbirnen hatten in der Nacht vor dem Derby im Bahnhof Bahrenfeld und später auch vor dem Gästeeingang Buttersäure (oder Ähnliches) verschüttet. Danke, dass es in dieser Stadt immer weht. Und garantiert auch ein riesiges Dankeschön von dem Kioskbetreiber im Bahnhof Bahrenfeld, denn der hat von dem Gestank nun tagelang gut.

Die anreisenden FCSPler hingegen nur ganz kurz.

Verzweifeifelt durch den Volkspark gehen

Es soll einen Busshuttle gegeben haben. Menschen, die diesen genutzt haben und schnell hin- und weggekommen sind, haben wir nicht getroffen. Die aktiven Gruppen des FCSP und der weltbeste Fanladen hatten zu einer kleinen Frühsportübung „Wanderung durch den Volkspark“ aufgerufen. Und damit man seine Mitwanderer auch gleich von weitem erkennt, hatten unsere Ultras noch weiße Shirts für Alle besorgt.

Das einige junge Herren meinten, aus diesem Design aussteigen zu müssen und anstatt eines braun-weißen „Forza St. Pauli“ lieber dieses Hooligan „H“ als Frontdruck ihrer weißen Shirts nutzen zu müssen, kann man zumindest diskutieren. Die Symbolik, die “Marke” erinnert doch sehr an die Nazi durchsetzte deutsche Hoolszene, auch wenn auf St. Pauli das “h” anders genutzt wird. Stichwort “Rotsport”. Anderes “Branding”?

Es begann der lange Spaziergang. Und wer nun einen Marsch mit vielen Pausen, Pyro, Ufftas, Gebrülle und Gemackere erwartet hätte, der wurde enttäuscht. Es wurde ein ruhiger, sehr entspannter Spaziergang.

Auf dem Rückweg erfuhren wir, dass dies auch so geplant und besprochen war, da man zu 100 % sicher ins Stadion gelangen wollte.

Plan aufgegangen. Dabei waren Gelegenheiten genug da, den Ablauf zu stören oder das ganze hektischer zu machen. Liefen wird doch teilweise ohne Polizei in Sichtweite durch den Volkspark. Wer da also auf irgendeiner Seitenstraße hätte verschwinden wollen, hätte dies machen können.

Die Anwohner genossen ihr Sonntagsspektakel. Von Kindern und Plüschpinguinen wurden wir begeistert gefeiert, Menschen hielten braun-weiße Schals aus den Fenstern und die gelegentlichen Rauten, die wir trafen wurden ignoriert oder noch freundlich gegrüßt.

Aggressionen aus dem Marsch? Null.

Auf dem Rückweg kam es dann auch an der einen Rautenkneipe auf dem Weg zu einer lustigen Gegebenheit. Links in der Kurve stand der Wasserwerfer und sollte die Gruppen trennen. Rechts auf der anderen Seite des Weges saßen 5 Rauten auf ihrer Parkbank, tranken ihr Bier und guckten sich die FCSPler an. Ohne Polizei um sie rum. Ohne irgendwelche Aggression. Nicht mal ein Spruch haben die auf unserer Höhe kassiert. Ob das andersherum auch so entspannt gegangen wäre? Kindern am Rand mit FCSP Schildern wurden noch Shirts geschenkt.

Verzweifeifelt an dem Andrang

Wenn von den insgesamt 5000 FCSPlern im Gästebereich ungefähr 2/3 gleichzeitig ankommen, dann sind Wartezeiten programmiert. Wenn dann aber der Einlass noch schlecht organisiert ist, dann dauert das. Okay, es war genug Zeit und nur der Gestank von unten nervte etwas. Irgendwer meinte noch auf dem Friedhof und hinter dem Kartenhäuschen Pyro zünden zu müssen, aber das war eher auch skurril als gefährlich. Ach ja: In der Schlange des Gästeeingangs lag auch ein Beutel aus dem noch Pyro raus guckte. Entweder irgendwer hatte den verloren, oder aber es war einfach genug drin.

Die Abtastqualitäten waren sehr unterschiedlich. Typ A guckte sich seine Leute eher oberflächlich an, Typ B filzte jeden, als ob er einen Schwerverbrecher vor sich hatte. Das gleiche bei den Damen. Einige beschwerten sich zu Recht über eine gynäkologische Untersuchung, andere wurden vollkommen halbherzig kontrolliert.

Das so etwas letztendlich null nützt und natürlich trotzdem alles Pyro, was man möchte drin ist, macht das ganze noch absurder.

Verzweifeifelt am Blocksystem

Es ist echt nett, dass man uns neben den üblichen 14ern Blöcken noch die 15c und die 13c zur Verfügung gestellt hat. Aber man muss sich dann auch Gedanken machen, wie man all diese Menschen in den Block und wieder aus dem Block bekommt. Und nein, der eine Aufgang reicht dann nicht aus. Eine Entfluchtung, eine Panik, irgendwas hätten wir hier nicht sehen wollen. Das viele Leute aus A nach B gewechselt sind, macht das ganze nicht besser.

Wir haben uns brav in unsere Reihe gestellt und da sich in 14 B der Kern zusammengefunden hatte, hatten wir ganz viel Platz.

Und am Ende bei uns auch gar nicht so schlechte Stimmung. Wir wissen, dass wir hier eine Mindermeinung vertreten und ganz viele Leute sehr doll über den Support des Gästeblocks gemeckert haben und besser geht immer. Jedoch das war schon viel schlimmer bei früheren Derbys. Mal ganz davon ab: Die Dachkonstruktion frisst auch alles, was gesungen wird. Deswegen kommt auch von drüben so gut wie nix an. Und die Sitzplätzblöcke der Rauten neben uns hatten anscheinend Valium ins Bier gemischt bekommen. Kein Geprolle in Richtung Gästeblock, kein Support, nahezu keine Emotionen für die eigene Mannschaft. Dieser „neue“ 22C Block ist jedoch ein Schatten des alten, wirklich motivierten Blocks unter Chosen Few Leitung. Das was da jetzt abgeht, versteckt sich zu Recht in einer dunklen Ecke.

Aber ab der 30. Minute wurde jeder Rückpass mit Seufzen und Pfiffen kommentiert.

Verzweifeifelt an der eigenen Choreo

Derby ist immer auch Choreozeit. Auf Seiten von braun-weiß setzte man auf besagte weiße Shirts, auf braune Plastiktüten, auf ein „FCSP“ vor dem Block und Pyro im Block. Das sieht auf den Fotos alles okay aus, ist solide, ohne nun den Kreativpreis des Jahrhunderts zu gewinnen.

Spruchbänner für die Gegenseite haben wir nur eines mitbekommen und das „[Dreibuchstaben,die in diesem Blog nicht geschrieben werden], Liebe so käuflich wie in der Herbertstraße“ ist aus unserer Sicht doch problematisch. Der Bezug auf Sexarbeit grundsätzlich schwierig und hier auch nicht wirklich gelungen. Liebe wird in der Herbertstraße z.B. nicht wirklich zum Kauf angeboten und Sexarbeit durch diesen Kontext stigmatisiert.

Ob es noch weitere Texte in Richtung Heimkurve gab, wissen wir gerade nicht.

Tief Luft hol

Die Gegenseite präsentierte Bücher voll von Tapeten. „Das war zuviel zu lesen, ich warte auf das Hörbuch“ war nur eine Aussage von vielen zu diesem Thema. Wir wollen nun gar nicht alle auseinander nehmen und vielleicht mag da ja noch ein ganz cooler Insider versteckt gewesen sein, aber insgesamt wirkte es wie „scheiße wir finden keinen Angriffspunkt, also versuchen wir alle angeblichen Widersprüche auf irgendeiner Tapete zu kritisieren, vielleicht haben wir ja mit einer Recht“. Masse ersetzt eben nicht Klasse und das verzweifelte äh oh Entschuldigung das verzweifeifelte Abarbeiten an einem Gegner, den man offensichtlich nicht zu greifen bekommt, ist schon peinlich. Irgendwie wirkt das ganze nach einer ziellosen und verzweifeifelten Suche einer neuen Identität via Abgrenzung gegenüber eines Gegners, den man nicht fassen kann, der immer wenn man meint, dass man ihn gegriffen habe, einem durch die Hände gleitet. Sitzt der Dinoverlust so schwer? Eigene Identität nur über Abgrenzung?

Auch immer lustig: Es wird der FCSP Kosmos für die angebliche Nichteinhaltung politischer Korrektheiten angegriffen, die man selber gar nicht einhalten will. Dazu ist das eigene Lieblingsschimpfwort noch „F…“, was das ganze noch überzeugender macht. Da sind ja FCSP Meckereien von Altona 93 Fans überzeugender.

Im Volkspark gibt man ja sehr viel auf die eigene Tradition. Sei es nun bei Lottos Lied (später dazu mehr) oder eben bei Derbychoreos. Nur liebe Rauten, in Stein gemeißelt werden eigentlich zwei Dinge: Grabsteine oder Denkmäler. Beide Arten der Erinnerung haben gerade in Hamburg eine Grundvoraussetzung: Der jeweils Geehrte ist verstorben oder zumindest uralt und scheintot. Das Grundkonzept der Choreo ist also nicht gerade sehr überzeugend. Mal ganz davon ab: Wie wäre es mal mit einer positiven Message für die eigene Mannschaft? Wenn eure Größe denn so in Stein gemeißelt ist, warum dann immer an der kleinen Zecke abarbeiten?

Das man dann noch an der Rechtschreibung verzweifeifelte* und auch die Ausführung sehr schief und krumm war, setzte dem ganzen dann noch die Krone auf.

*in diesem Internet wird behauptet, dass die Schreibweise Absicht gewesen sei und durch zwei Punkte das “eif” (für Eifersucht) abgetrennt sei. Wir geben das jetzt so mal weiter und mit gutem Willen mögen da auch zwei Punkte erahnen zu sein. Ob das so stimmt? Die „Fanbetreuung“ des Lokalrivalens behauptet via MoPO (!!!) etwas anderes. Nicht unser Problem.

Verzweifeifelt an Lotto

Die Stadionanimation hat Großraumdiscofeeling. Aber das passt in seiner Gesamtheit auch sehr in die Stadt, in der Menschen in ihrer Freizeit sich gerne animieren lassen, im gleichmäßigen Rhythmus zu klatschen und dann Lotto King Karl mitzusingen, der es lustig findet, dass die Lausitz schon fast in Polen liegt. Wir finden das maximal vor dem Hintergrund witzig, dass die deutsche Grenze früher deutlich weiter östlich lag.

Eigentlich wunderten wir uns erst, als wir vermehrt auf Twitter lesen, dass man als FCSP-Fan im Volkspark immer noch antisemitisch, rassistisch, sexistisch beleidigt wird, aber wenn man sich dann doch mal die Hymne in voller Länge zwangsläufig geben muss, erscheint es durchaus folgerichtig bei dieser widerlichen Zelebration ekeliger, kleinbürgerlicher Lokalidentität. Genau das ist Deutschland und ja, das ist auch Hamburg. Daher kann man auf braun-weißer Seite auch gerne mal reflektieren, ob man das Label Hamburg gerne besetzen möchte. Der Volkspark ist ein zehn mal besserer Kristallisationspunkt was diese Stadt ausmacht als das Millerntor. St. Pauli, die Schanze, Wilhelmsburg, die coolen Ecken Altonas, das ist nicht Hamburg allein. Klar, es wäre sehr schön, das Label Hamburg für z.B. die Proteste gegen G20 zu besetzen, aber die Mehrheit hier geht lieber Sparkassen putzen oder Lotto mitsingen.

Verzweifeifelt auf dem Platz

Ja Fußball war auch und wirklich viel passiert ist nicht auf dem Platz. Daher sparen wir uns das beinah vollständig. Wen das interessiert, der sei an den Millernton Blogeintrag verwiesen, Verlinkung am Ende des Textes.

Wenn Cenk in der 92. Minute nicht den Kunstschuss versucht, sondern quer zu Neudecker legt, dann hätte das noch mal sehr interessant werden können, aber sonst gab es auf beiden Seiten nicht DIE Chance um das Spiel zu entscheiden.

Wichtig dabei: In Liga 2 ist der Gast nicht für Entertainment und schönen Fußball zuständig. Wir sind also sehr zufrieden.

Verzweifeifelt im Abgang

Hin ging es wie zurück, man war guten Mutes, es war ein langer Spaziergang, passiert ist nix mehr.

Und bevor sich die Hamburger Polizei was von „aufgegangenem Konzept“ und „Abgeschreckt“ in die Tasche lügt: Dies lag auch am meisten daran, dass niemand irgendwas an diesem Tag geplant hatte oder durchführen wollte. Siehe auch diverse Videos in denen der FCSP-Mob null auf irgendwelche pöbelnden Rauten eingeht.

Letztendlich

Sind wir weiterhin Stadtmeister. Wir sehen uns beim Rückspiel. An dieser Stelle auch noch mal ein Dank an unsere Bezugsgruppe, in der wir uns für alle Fälle zusammen gefunden hatten. Hat alles super geklappt und war angenehm. Danke!

Es verzweifeifelten noch…

… der Millernton am Spiel

… der Kiezkieker am Älterwerden (großartiger Text, absolute Leseempfehlung)

Ian Joy ist immer noch voll dabei. Herzchenaugen bei uns: