Sep 112018
 

Peacige Hippie-Worte vorm Derby

Liebe Leute,
es sind nun keine drei Wochen mehr, bis unser heißgeliebter FCSP die weite Reise in die Vorstadt antritt. Es gibt wohl kaum Sankt Paulianer*innnen, die diesem Ereignis nicht mit Hochspannung entgegenfiebern. (Stadt-)Rivalität ist schließlich das Salz in der Fußballsuppe und gerade als Underdog – der wir nun mal seit jeher sind – ist die Vorfreude besonders groß, wenn die Chance auf einen kleinen Triumph naht. Wir brauchen das sicher nicht weiter auszuführen.

Ihr habt schon sehnsüchtig auf das “Aber” gewartet?

Voilà! Wie schon in einem Blogbeitrag vor wenigen Tagen festgestellt, dreht offenbar die ganze Stadt immer freier, je näher der größte Termin rückt. Seit der letzten Bestandsaufnahme gab es erneute Vorfälle, die uns Sorgen machen, dass es rund um das Derby mehr als ungemütlich werden kann. Da sind über die Strenge schlagende Graffiti und Sticker noch das geringste Problem. Die Rhetorik nimmt grauenhafte Züge an, auch bei Transpis im Stadion. Einige Gruppen scheinen richtig Bock darauf zu haben, das Derby als Kulisse für langersehnte Keilereien zu nutzen.

Und machen wir uns nix vor. Auf der Volksparkseite der Macht mobilisiert man nicht nur verbal schon wieder alles, was Freunde an einer gepflegten Schlägerei hat, und verschiebt Grenzen verbal, per Aufkleber und per Handlungen immer mehr in einer Richtung, die Menschen jeglicher Fancouleur immer stärker gefährden. Beispiel von heute? Bitte schön:

Die werden auch wieder komische Allianzen schmieden. Das Hamburger Derby in seiner Seltenheit wird wieder Leute anziehen, die sonst so gar nicht miteinander können und die im Notfall abends ihre Probleme noch mal kurz im Schanzenpark diskutieren.

Das Dilemma dabei: Wir können – und wollen – die Dynamiken im Volkspark nur bedingt kommentieren. Denn “die da drüben” ändern wir nicht. Ballert uns ruhig zu mit Geschichten, wer wann was wie Schlimmes gemacht und deswegen auf die Fresse verdient habe. Natürlich sind “die anderen” immer mehr Schuld als man selbst. Wissen wir doch.

Du kannst dir ausschließlich an die eigene Nase fassen und vor der eigenen Haustür kehren, wenn es um Deeskalation geht. Ja, das mag alles altbacken, 80er Jahre Pauli-Hippie-Style und konträr zu „wir wollen keine Opfer sein“ klingen, aber ganz ehrlich: Der FCSP und seine Besonderheiten sind auch dadurch geboren, dass wir eben nicht den Zeitgeist, den Druck der Zeit und die äußeren Bedingungen und Bedrohungen zu einer grenzenlosen Aufrüstung genutzt haben. Das heißt nicht, dass man wehrlos die andere Backe hinhalten muss oder sollte.

USP hat das vor Jahren mal vollkommen richtig als Mentalitätsbanane dargestellt und wahrscheinlich trifft es dieses Bild immer noch sehr gut.

Checkt euren Testosteronspiegel

Und da sind wir bei einem entscheidenden Punkt: Natürlich sollte man nicht unvorbereitet, oder naiv in diese Situation gehen. Mit einem „We shall overcome“ wird man einen Hooligan auf Koks nicht überzeugen. Außer ihr singt sehr schief, sehr laut und sehr fürchterlich. Man sollte bereit sein, sich wehren zu können. Aber: Lasst die Kirche im Dorf, haltet Maß bei euren Provokationen. Das Niveau der Gegenseite müssen wir nicht mitspielen. Und wir müssen auch nicht jede Provokation annehmen. Gähnen oder drüber lachen trifft die viel mehr.

Es ist verdammt nochmal nur Fußball!

Daher sollte man versuchen, das Testosteron zurückzufahren. Auch Revierkämpfe um „unser Viertel“ sind nicht progressiv.

Verhalten

Noch etwas zum Verhalten am Spieltag. Diese Tipps sind nicht neu und auch nicht überraschend, Reist am Spieltag nur in größeren Gruppen, guckt, wie z.B. der Fanladen, die Ultras etc. die Anreise (und Abreise) empfehlen. Wenn etwas passiert, dann lauft nicht sinnlos und planlos weg. „Stehen bleiben“ ist eigentlich immer die beste Lösung, insbesondere wenn irgendwie 100 Hools 500 Leute angreifen. Selbst wenn das kampfsportgestählte Kampfmaschinen sind, wäre das bei einer solchen Zahl an Leuten sehr schwer, da etwas auszurichten. Und wenn, dann bekommen 500 halt weniger ab, als 5, die nicht schnell genug waren. Ist so. Bittere Realität halt. Nicht verlassen kann man sich erfahrungsgemäß auf Ordnungsdienst und Polizei. Die ballern im Notfall eher sinnlos mit Pfeffer in alles rein.

Ebenso entscheidend: Die Flasche Korn und den Megajoint vielleicht auch mal zu Hause lassen. Wir haben nichts gegen einen gepflegten Rausch, aber bei einem solchen Spiel helfen klare Sinne und gute Reaktionen. Das Siegbier, den Siegmexikaner trinken wir dann ab ca. 18 Uhr vor dem Jolly.

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