Sep 272018
 

Getränkefragen

Wenn man beim Frühstück merkt, dass man versehentlich koffeinfreien Kaffee gekauft hat, weiß man schon, dass dies eine dieser Tage sein wird, an denen man gegen Paderborn verliert.

Der erzkatholische Süden dieses Nationalstaats (Bayern) bekommt aufgrund des Oktoberfests derzeit riesige internationale mediale Aufmerksamkeit. Der erzkatholische Westen (Paderborn) bekommt aufgrund seiner Zweitligamannschaft immerhin einen Blogpost bei uns. Ihr entscheidet, was wertvoller ist.

Paderborn und Getränke ist eine lange Reihe von Missverständnissen. Die Stadt weckt einen auf, wie koffeinfreier Kaffee und ist auch noch Namenspatron für die „Preiseinstiegsmarke“ (Wikipedia) Paderborner Bier. Über deren Geschmack die Redaktion streitet.

Schneller Umstieg auf Büffelbier und Millerntor.

Wochenspieltage. Immer wieder eine Freude. Abendunterhaltung, Flutlicht, tolle Stimmung. Nicht. Alles kommt spät und gehetzt ins Stadion, die Leute sind gedanklich noch woanders und der SC Paderborn der vereinsgewordene Betablocker.

Schlafwagen

Die Gegengerade begann dementsprechend auch in einem kollektiven Tiefschlaf. Leider hat der Supportblock schon wieder keine Trommel mehr. Wir gucken da einmal böse in die Runde. Oder war das ein Boykott? Den FCSP Fangruppen aus guten Gründen nicht mehr mitmachten. Zwar ist der DFB ein riesiger (setzen sie hier Beleidigungen jeglicher Art ein), aber deutsche Fanszenen haben in vielen Dingen so ihren Kompass verloren, dass leider (!) selbst ein Minimalkonsensbündnis nicht mehr möglich ist. Oder anders formuliert: Würdet ihr heute mit jemandem gemeinsame Sache machen wollen, der euch morgen wieder „jagen“, „abstechen“ und „nie wieder gehen“ sehen will? Wir nicht! Ohne nun in Details gehen zu wollen: Fans haben Macht, aber so lange sie keine Grenzen untereinander finden, werden sie die nicht einsetzen können.

Erstaunlich ist, dass später aus diesem kollektiven Tiefschlaf eines der lautesten „We Love St. Pauli“ wird, die man je gehört hat. Leute halten sich spontan die Ohren zu, weil das wirklich schreiend laut ist.

Ordnung haben

Wir wissen ja, wie schwierig es ist Ordner zu finden, richtig zu schulen und für die Besonderheiten des Millerntors zu sensibilisieren. Und ein richtiges Vermögen möchte auch niemand für deren Dienste bezahlen. Auch ist uns klar, dass die Einteilung der Gegengerade in Blöcke ohne das diese wirklich als Blöcke kontrolliert werden auch mal dazu führen muss, dass Ordner zu einem Menschen sagen „du Sorry, dieser Block ist voll, geh in einen der anderen beiden“. Aber übermotivierte Ordner an einem Mittwoch Abend, an dem auch auf der Gegengerade merklich mehr Platz ist als sonst, die braucht auch niemand. So wurde einem Redaktionsmitglied nach Rückkehr von einer Verpflegungsrunde (Länge 2 Minuten) erstmal der Eingang in den Block verwehrt, weil dieser zu voll sei. Das war an diesem Abend schon eine steile These.

Dies ist ein gutes Stichwort, wenn man an die Hamburger Reiterstaffel denkt. Der Sinn und Zweck ist auch viele Jahre nach ihrer Einführung noch nicht ganz klar. Warum die Pferdchen aber bei einem Spiel gegen Paderborn nicht ihren Hafer auf einer Wiese am Stadtrand knabbern, sondern die drei mitgereisten katholischen Ultras begleiteten, ist wohl niemandem zu vermitteln.

Tore jagen

Ist dies Taktik? Ist dies Unfähigkeit? Ist das Glück? Können? Oder alles ein bisschen? Unsere Jungs überlassen erneut dem Gegner das Spiel, den Raum und die Ruhe im Aufbau. Zweikämpfe? Robustes Abwehrverhalten? Eher Fremdwörter. Folgerichtig fällt auch das 0-1. Welches genau vier Minuten bestand hat. Killerpass in die sprichwörtliche Nahtstelle und Diamantakos nutzt seine Chance und schiebt ihn rein. Sowieso ist unser vorderster Mann ein beständiger Unruheherd. Leider auch für unsere Nerven, denn man hat schon bei einigen Aktionen immer Angst, dass der Junge gleich wieder Frankfurtstyle an den Tag legt. Er guckt bei hohen Bällen auch immer auffällig lange seinen Gegenspieler an und erst dann nach dem Ball. Man hat dabei immer so ein bisschen Angst, dass er ihm beißen möchte.

In der zweiten Halbzeit zeichnet sich ein ähnliches Bild. Paderborn hat den Ball, weiß damit aber nur wenig und immer weniger anzufangen. Wir verteidigen uns. Dies ändert sich auch nicht nach der nummerischen Veränderung auf Paderborner Seite. Auf den Rängen wird es unruhig, man wünscht mehr Vorwärtsgang. Auf dem Platz ist „Sicherheit zuerst, im Notfall dreckigen Punkt mitnehmen“ eher die ausgegebene Devise. Vielleicht will man Paderborn auch locken?

Wenn es Letzteres war, dann hat es brilliant geklappt. Paderborn steht relativ hoch, dann Zehir mit Zuckerpass auf Henk, der vorbei an seinem Gegenspieler und kann das Ding eigentlich schon alleine machen, benötigt aber noch die Hilfe von Neudecker, der nun weiß, dass Pfosten verdammt hart sind. Kurze Schrecksekunde im Jubel, aber als der Junge wieder steht und geht, feiert ihn die Gegengerade lautstark. Was ein Einsatz. Und gewonnen.

Spezialität unserer Jungs diese Saison anscheinend: Späte Tore zum Sieg. Magdeburg, Ingolstadt, Paderborn. Drei Siege wurden in den letzten Minuten des Spiels herausgeschossen. Die goldene Stimme des Millerntons vertritt ja schon immer die Devise, dass man entscheidende Tore nicht zu früh schießen sollte. Anscheinend hören unsere Jungs auf ihn.

Spaß beiseite. Es gibt viele Baustellen. Außenverteidigung, Verteidigung vor der Viererkette, Aufbauspiel etc. aber die Jungs spielen ihre Tore heraus, sie geben nicht auf und sie bleiben bei der Marschroute. Und Fehler stellst du einfacher nach einem 2-1 als nach einem 0-5 ab.

Unterstützung erfahren

Wir müssen ja auf den Spielplan gucken, damit wir wissen wo das nächste Spiel ist, aber das Millerntor macht schon deutlich, dass dieses Spiel ihm wichtig ist. „Auswärtssieg“ Rufe in schallender Lautstärke auf der Gegengerade und eine wirklich schöne Choreo auf der Nord sind Beispiele dafür. Sowieso. Es sollte mehr Choreos nach dem Spiel geben. Rituale aufbrechen, neues versuchen.

Nachspiel laben

Koffeinfreier Kaffee reicht am nächsten Morgen. Heimspielsiege machen wach.

Postskriptum / Hamburger Polizei

Unser Chief Editor sagt ja immer „nicht so lange Berichte“ und jeder JHV Bericht gibt ihm mehr graue Haare. Und eigentlich sollte auch dieser Bericht hier nun enden, aber die Polizei Hamburg gab gestern auch noch eine Derbypressekonferenz. Und kündigte da ein Portal zum hochladen von Beweisvideos und Fotos im Zusammenhang mit dem Derby an, welches man um 18 Uhr am Sonntag freischalten werde (Korrektur: selbst Samstag 18 Uhr, wie uns aufmerksame Leser hinwiesen). Kurz auch Denunziantenportal genannt.

Unser Verein hat das auf der Pressekonferenz gleich kritisiert und dies ist auch gut so. Danke für die ausdrückliche Haltung und danke, dass du Christoph das dort gleich mal ins Mikrophon gesagt hast.

Worum also geht es der Polizei?

Nicht um die Aufklärung von Straftaten. Denn bisher gibt es keine. Um 18 Uhr am Sonntag (Samstag) Abend weiß auch niemand, ob es Straftaten gegeben hat für die es überhaupt eines öffentlichen Fahndungsaufrufes bedarf. Entweder es geschehen gar keine oder die Täter werden mit normalen polizeilichen Mitteln überführt. Kann ja sein? Das diese Überführung nicht möglich ist, ist nebenbei gesetzliche Voraussetzung für solche Denunziantenportale. Aber wen interessiert so etwas schon in Hamburg?

Und auch genügend eigenes Videomaterial wird die Polizei Hamburg an diesem Tag anlegen. Stadien sind ungefähr die am meisten mit Überwachungskameras zugepflasterten Orte der Welt. Die diversen Märsche und Anreisewege werden von mehr Polizeikameras als Hooligans begleitet.

Vorab schon mal einen Aufruf zum hochladen zu starten, ist schon aus all diesen Gründen unverhältnismäßig, absurd und unsinnig.

Wir vermuten, dass es der Polizei Hamburg um etwas ganz anderes geht. Die Polizei Hamburg hat sich da so eine Gesichtserkennungssoftware geleistet. Die muss man nun einsetzen. Und wahrscheinlich will man die auch noch ein bisschen testen. Unsere Vermutung: Die Software ist noch nicht ganz so gut, wenn man ihr verwackelte Handyvideos gibt. Und dann kann man bei so Videos eines Fußballmobs gleich mal gucken, wie verwackelt das Handyvideo so sein darf, wie weit der Schal im Gesicht sein darf. Reichen die biometrischen Passdaten? Oder brauche ich Fotos aus der erkennungsdienstlichen Behandlung vorher? Das sind doch alles ganz tolle Testfelder! Und ich hab Daten aus ED Behandlungen vorliegen, Stichwort „Datei Gewalttäter Sport“. Yeah! Und beschweren wird sich auch keiner von unseren Freunden, denn „aber die Ultras“

Und am Ende des Tages kann man dann neue Gesetze fordern. Z.B. ein österreichisches „Burka“ Verbot, bei dem eher Clowns gejagt werden. Oder wie wäre es mit noch besseren biometrischen Daten im Pass? Oder noch mehr Software? Kriegt ihr alles liebe Polizei! „Datenschutz darf nicht Täterschutz sein!“ Äh doch, genau das. Das nennt man Rechtsstaat. Strafverfolgung wäre auch ganz einfach, hätte jeder Mensch einen GPS Chip implantiert. Was haben sie dagegen? Datenschutz darf nicht Täterschutz sein! Und sie haben doch nix zu verbergen, oder? Doch nicht vor ihrer Polizei? Ihrem Freund und Helfer!

Die Polizei ist das verzogene Kind der Republik, was wirklich zu Weihnachten alles bekommt, was es sich wünscht. Mit Gewaltenteilung, Rechtsstaat oder Demokratie hat das nix mehr zu tun.

Straftaten aufklären? Ja vielleicht. Und natürlich muss man auch für die PK ein paar böse Ultras präsentieren können, die ohne diese Technik mindestens mit Uwe Seelers Fuß Hamburg zerstört hätten. Man hätte die wahrscheinlich auch anders “überführt”, aber hey keine Pressekonferenz ohne Bilder und präsentierte Alltagsgegenstände die gefährlich wirken und der Betonung das die Verhinderung der kurz bevor stehenden Anarchie nur mit diesem Portal möglich war. Der bürgerliche Mob vor seiner Bildzeitung will den Pranger.

Und an die Jungs, die wahrscheinlich wieder ein paar unschuldige Leute zusammengesprayt und geknüppelt haben denkt sowieso keiner. Das sind doch gute Jungs. Die tragen Helme bei ihren Straftaten.

Ergänzend zu dem Thema.

Wichtig aber

Sonntag mal auf das Handyfoto vom Pyro verzichten, sowieso ganz stark darauf achten, dass nicht in Gesichter gefilmt wird und im Notfall kennt ihr Anna und Arthur, ja?

Sep 252018
 

Stark verspätet aufgrund von Krankheit nun unser Text aus Ingolstadt:

Geschichtsstunde

Der Fanclub unseres Seniors hat eine Gründungsgeschichte. Wir schreiben Mai 2009. Der Spielplan sieht es vor, dass der FCSP an einem Donnerstag in Ingolstadt spielen soll, die 2. Mannschaft am Freitag danach in Ohe und die 1. Mannschaft am Sonntag danach in Koblenz. Insgesamt sechs St. Paulianer sehen alle drei Spiele vor Ort. Fünf dieser Mensch gründen im Laufe dieses Wochenendes einen Fanclub. Den Pöbelmob1910. Existiert bis heute. Vier weibliche Wesen, drei männliche. War gestern mit vier Mitgliedern vor Ort.

Aber warum erzählen wir euch das? Um den Pöbelmob berühmt zu machen? Nix läge diesem Low-Key-Fanclub ferner! Nein! Der Grund ist ein anderer: Das Spiel in Ingolstadt erinnerte sehr an gestern. Damals noch im alten Ingolstädter Ground, der FCI bereits abgestiegen, Grottenkick und wir gewinnen durch ein spätes Tor 1-0.

Wie gestern. Und damit könnten wir den Bericht eigentlich schon beenden.

Back to Gegenwart

Aber es gibt immer etwas zu erzählen und wäre es nur, dass der Pöbelmob – wie immer – vier getrennte Anreisen wählt. Das ist sein Fanclub-Credo. Sollten jemals alle Mitglieder gemeinsam zu einem Spiel reisen, würde sich die Welt sofort in einer Unmöglichkeitsblase auflösen.

Vielleicht ist es ein guter Zeitpunkt, festzustellen, dass kein Mitglied des magischerfc.de-Kollektiv Mitglied in dem Fanclub mit sehr ähnlichen Namen ist. Das wird gerne verwechselt. Da das gute Menschen sind, müssen wir uns nicht distanzieren, aber ihr solltet das schon wissen.

Nun aber

Der Verfasser dieser Zeilen sammelt morgens seine Mitfahrerin ein. Nennen wir sie Elo. Denn das ist ihr Name. Vielleicht nicht der Name, der in diesen komischen Karten steht, die man „Ausweis“ nennt, aber ihre Identität ist Elo. Und dabei spielt sie nicht mal Schach. Aber so klug wie ein Schachgroßmeister ist sie schon lange.

Oder kurz: Es ist eine wundervolle Fahrt. Kurz hinter Hannover haben wir unsere Analyse der Frankfurter Fanszene abgeschlossen und in einen Satz gefasst. „Frankfurt ist speziell“. Würde ein SGE-Fan widersprechen?

Kurz hinter Kassel haben wir unsere Wünsche für den 30.09 formuliert: Jeder Block ein Vorsänger und eine Trommel. Hier, USP, bekommt ihr hin, ja? Wie sagt man so schön auf Twitter? Don‘t @ us.

Ach ja: Am 01.10 sind wir alle heiser, ja?

Bei Schweinfurt haben wir die Welt gerettet. Aber das erzählen wir euch bei nächster Gelegenheit.

In Nürnberg sammeln wir Flossi ein. Wie sollen wir sagen? „Flossi? Bist du es? WOW!“ Unsere Lieblingsflosse noch im eleganten Business-Look. Kleid und Killerlippenstift. Später im Block stellen wir schnell fest, dass dieses Outfit „leider“ fürs Derby gesetzt ist. Nein wir sind überhaupt nicht abergläubisch. Gar nicht!

Weisheiten zwischen Nürnberg und Ingolstadt

„Wahlplakat sind schlimm. In Bayern sind sie immer noch schlimmer.“ Who am I to disagree?

Und schon sind wir am Stadion. 5 Euro Parkplatzgebühr? Okay!

Die Ultras sind früh da, packen Biertische und Bänke aus und dekorieren das Ganze auch noch perfekt mit bayrischen Rautendecken. Das Essen wird geschmeckt haben. Wir sind uns sicher.

Etwas neidisch werden sie dabei von einer Polizeieinheit beobachtet. Mal ehrlich: Kümmert euch um wichtige Dinge, aber steht da nicht in Massen bei einem Spiel rum, was 0,0 Prozent Gewaltpotential hat. Schickt das nächste Mal einfach drei schnauzbärtige Dorfpolizisten. Reicht auch.

„Es wird hier auch dann nicht schöner, wenn wir hier stehen bleiben.“ „Aber vielleicht wird es schöner, wenn wir gehen?“

Im Block. Mehr Hass eingesammelt mit Begleitung. Die Bahnfahrer sind da. Noch die beiden Fanräume-Damen gefunden. Und schon stehen wir mit einer guten Gruppe da und es soll eine schöne Mischung aus pöbeln, supporten und lachen werden.

Der Block sowieso gut aufgelegt. Ein paar Anmerkungen jedoch:

Das geschwiegen wird, wenn auf der Gegenseite jemand gestorben ist, ist eine sehr schöne Geste. Allen, die den Verstorbenen kannten, gilt unser Mitgefühl. Ganz viel Kraft euch.

Das S in Aux Armes ist stumm. Lernt das endlich mal. Echt ey.

In den Aufgängen stehen ist scheiße. Gerade wenn genug Platz im Block ist. Dann noch nach dem Spiel da stehen bleiben, ist noch mehr scheiße. Frauen, die dies kritisch anmerken, mit „Fotze“ zu bezeichnen oder zu ihnen zu sagen, dass Frauen deswegen nicht in den Block gehören, schreit nach einem Satz Schellen. Leider hat der Schreiber die Äußerungen nicht mitbekommen. Sonst hätte er das „draußen klären“ nicht als Frage formuliert. Und ja, ich verabscheue Gewalt, aber die rüttelten brutal am Ohrfeigenbaum. Bleibt das nächste Mal einfach weg.

Auf dem Platz

Es folgt der Absatz, den Trashi (schöne Grüße) am liebsten liest.

Es war nicht unterhaltsam. Es war zäh. Es waren zwei Teams mit vollen Hosen. ABER!

Wir machen das zwar passiv, aber sicher. Als Auswärtsteam ist man nicht für das Entertainment zuständig!

Klar, Ingolstadt ist einfach schwach. Sie haben den Plan, unsere Außen zu knacken (gutes Scouting), aber nicht die Mittel, was bei anderen Mannschaften anders sein wird. Daher sollte man das nicht überbewerten.

Gut, dass Jackson wieder da ist. Der ist überall gleichzeitig. Die @amhass führt eine Statistiktabelle und stellte fest, dass er relativ wenig läuft. Er läuft dafür extrem effektiv. Das ist schon top. Wer hätte gedacht, dass er so unersetzbar werden würde?

Unser Tor dann ein echtes Joker-Tor. Zehir sieht die Situation, spekuliert auf Ryos Schnelligkeit, spielt einen richtig schönen Gefühlspass und Ryo nutzt seinen Stürmerinstinkt, indem er ihn einmal auftropfen lässt und ihn am Torhüter vorbei köpft. Stark.

Und es sei Ryo so etwas von gegönnt. Verletzungen über Verletzungen. Seit 2015 im Verein und dies war sein 23. Spiel in der Kampfmannschaft (wie der Österreicher sagen würde). Nun bleibt er bitte gesund und tanzt noch mehrfach so arschcool nach Abpfiff vor dem Gästeblock. Wie wäre es mit einer Wiederholung am 30.09.?

Nach dem Spiel

Ingolstadt entlässt sehr schnell den Trainer. Es ist nie schön, wenn jemand seinen Job verliert. Keine Ahnung was der kann und nicht kann.

Wir trennen uns. Elo will dem Apfelwein in hessischer Variante frönen und Flossi und ich haben Hunger. Und da sind sie wieder. Die Gründe, warum Bayern ein Baggersee werden sollte: Der original bayrische Gasthof begrüßt einen an einem Freitagabend (!) um 21 Uhr (!!!) mit dem Satz: „Wir schließen gerade.” Und die Frage, ob man in dieser Stadt (Greding, direkt an der Autobahn, 7000 Einwohner) noch was essen bekäme, wird mit Schulterzucken beantwortet. Der Italiener in der Innenstadt kann einem immerhin noch Pizza anbieten. Sonst nix. Um 21 Uhr. Die war dann fettig, aber okay.

Danach ist der Tag auch vollständig erzählt.

Währenddessen in Hamburg

Leute überfallen die Choreo-Gruppe der Rauten und ballern die zusammen und zerstören die Choreo, 100 Rauten sammeln sich anschließend zum Boxen? Wir haben kein Plan, was genau passiert ist, aber wenn nicht langsam alle (!!!!) einen Gang zurückschalten, dann kommen (noch mehr) Leute noch ernsthaft zu Schaden. Boxt euch gerne mit Leuten, die Bock drauf haben, aber hört mit diesen Überfall- und Überzahl-Nummern auf!

 

Detaillierter beim Ex-Hobbit im Millerntonblog 

Hinzu kommt, dass dem Flurfunk zufolge die Rauten nun jeden mit Totenkopf umboxen wollen. Super. Irgendeinen Touri vor der Tankstelle zusammenzuschlagen, ist garantiert voll hart und cool. Nicht.

Zumindest am Freitag kommen alle gut nach Hause.

 

Abschließen wollen wir mit dem Reisehinweis für Sonntag. Ja, das ist früh, aber Masse bietet immer Schutz und „alle zusammen“ ist in einer solchen Situation immer ein gutes Mittel. 

 

Sep 172018
 

Anfahrt

Aue. Im schönen Sachsen gelegen. Menschen versammeln sich in den frühen Morgenstunden, um diverse Gefährte zu besteigen, um ins Erzgebirge zu fahren und unsere Jungs bei ihrem Auswärtsspiel zu begleiten. Auch in unserem Pöbelbus sammeln sich mehr oder minder ausgeschlafene und gut gelaunte Menschen, um den Weg anzutreten.

Eine Playlist die nur Hits enthält und eine freie Bahn bringt sie zügig voran. Die Stimmung ist gut, was zu dem in der Überschrift zitierten Ausspruch führt. Routinehalt in Allertal, ein paar Baustellen und ganz viel Autobahn später sind wir in Chemnitz. Halt, falsch abgebogen? Nein, wir sammeln noch eine Mitfahrerin auf. Und vermissen ab jetzt unseren fränkischen Touch, der leider kurzfristig passen musste. Ein kleines Herzchen sei nach Franken geschickt.

Wir sind VIEL ZU FRÜH in Aue. Man hat das Parkplatzkonzept geändert und setzt auch in An- und Abreise nicht mehr auf eine hundertprozentige Fantrennung. Das ist erstmal angesichts der grundsätzlich sehr entspannten Aue-Fans auch erstmal okay. Die örtlichen Ordner muss man nicht sympathisch finden, aber insgesamt verhalten sie sich uns gegenüber korrekt. Was wir nicht verheimlichen wollen: Informierte Menschen konnten da schon einzelne Ordner rechtsradikalen Strukturen zuordnen. Umso wichtiger die im Gästeblock gezeigte Choreo.

Was man von der Polizei nur uns gegenüber behaupten kann. Wir werden nach dem Spiel noch Zeuge, wie ein älterer Herr (mindestens 50 und erkennbarer Aue-Fan) mit einem Polizisten ins Gespräch kommt, vielleicht auch etwas lebhafter, aber aus unserer nahen Perspektive null aggressiv in Richtung des Polizisten. Dieser hat diverse Kollegen in der Nähe. Er will den Herren dann anhalten, warum auch immer. Und anstatt seine Kollegen dazu zu rufen, kurz den Weg zu versperren und alles easy zu regeln, latzt er den einfach um. Einfach so. Mit Schwung. Von seitlich hinten. Der hätte weder weglaufen können (machte nicht gerade einen sportlichen Eindruck), noch wurde er in Richtung Polizist auch nur einen Millimeter körperlich. Der so ziemlich grundlos Umgehauene fällt mit Schwung um, knallt auf den Hinterkopf und bleibt erstmal bewusstlos liegen.

Immerhin wird er dann von anderen Polizisten und Sanitätern versorgt, um etwas später uns wieder zu begegnen. Auf dem Heimweg. Ohne Polizei. Man muss sich schon fragen, was denn so wichtig gewesen ist, den so umzuhauen, wenn er kurze Zeit später alleine nach Hause gegen darf. Uns fällt nix ein.

Stadion

Der Bau ist fertig, der Gästeblock ist okay geworden, die Sicht ist halbwegs gut und der Spruch „Grubenlampe Arbeitsschuh Wismut Aue, ich und du.“ findet sich auch im neuen Stadion. Und ist ja irgendwie rührig. Trotzdem sollte man mit diesen Berufungen auf irgendwelche Bergarbeitertraditionen immer eher vorsichtig sein, weil hier ein krankmachender und gefährlicher Job und eine Industrie, die starke Umweltschäden hinterlassen hat, schon ziemlich verklärt wird. Siehe Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Wismut_(Unternehmen).

Der berühmte Nudeltopf ist immer noch erhältlich. Und der ist halt in der Stadionversorgung in Deutschland relativ weit oben. Das heißt nicht, dass ihr nun hier kulinarische Hochgenüsse erwarten müsst. Seine positive Wahrnehmung basiert auch auf dem Dreck, der anderswo als Stadionessen angeboten wird. Es gibt nebenbei auch Sekt im Gästeblock in Aue. Stellten wir auch erst diesmal fest und ist ja auch mal was besonderes.

Hätten sie nun noch Klopapier auf den Klos, könnte man beinah von einem sehr angenehmen Gästeblockerlebnis sprechen.

Im Gegensatz zu letztem Jahr sind auch die Kontrollen entspannter und auch mal mit einem flotten Spruch auf den Lippen. Warum eigentlich nicht immer so?

Wir haben Probleme

Wir sind erneut da angelangt, wo wir nicht hin wollten. Im Abstiegskampf. Eine absolut indiskutable Leistung gegen einen Gegner, der vor diesem Spieltag drei Tore in einen Punkt umgewandelt hat, spricht Bände.

Es fehlt bei uns an allem. An Aggressivität, an Laufbereitschaft und an mentaler Einstellung zu so einem Spiel. Auch an fußballerischer Klasse. Es ist erschreckend, wie schnell sich diese Mannschaft anscheinend zurücklehnt und es schleifen lässt. Wo in Magdeburg und gegen Darmstadt noch Konzentration und Laufbereitschaft vorherrschten, tropfen hier Bälle im Mittelfeld hin und her und niemand geht die entscheidenden fünf Schritte, um einfach mal den Ball zu erobern oder zumindest den Auer sofort zu stören. Wir machen das jetzt ausdrücklich nicht an einzelnen Spielern fest, aber in der Zentrale funktioniert nix.

Hinzu kommt eine Viererkette, die schlecht sortiert ist, die riesige Lücken zeigt und die mit einem schnellen Dribbling sofort überwunden ist. Denn Zweikämpfe gewinnen wir defensiv nicht. Es kommt jeder durch.

So fallen eigentlich alle drei Tore. Natürlich ist das 2-1 ein richtig schöner Schlag, aber wenn wir ehrlich sind, könnte der sich auch noch eine Zigarette drehen und anzünden, es wäre immer noch kein FCSPler in seiner Nähe. Soviel Platz hast du nicht mal in einem Trainingsspiel, wenn der Trainer vorher ansagt „lasst die Offensiven mal ein bisschen zaubern“.

Das ist alles kein neues Problem und trotz Umstellungen, neuem Spielermaterial und zwei Wochen Pause, in der man hätte üben können, hat es sich eher verschlechtert als verbessert. Und während man sich bei Union und Köln noch mit der „hohen Qualität des Gegners“ in die eigene Tasche lügen kann, wird dies bei Aue unmöglich.

Wir sehen zur Zeit nicht, wie wir die Blutung stoppen können, und das Programm in den nächsten Wochen macht die ganze Mission nicht einfacher. Nun eine kurze Trainingswoche bis zum nächsten Spiel in Ingolstadt, dann eine englische Woche und dann ein Spiel gegen einen Lokalrivalen, dessen einer Stürmer gerade mit verbundenen Augen und dem falschen Fuß alles trifft.

Hoffnung sieht anders aus. Ingolstadt hat gerade sechs Dinger in Bochum bekommen und ist verunsichert? Kurz mal den Duden unter „Aufbaugegner“ aufgeschlagen, da ist das Wappen des FC St. Pauli abgebildet.

Wir lassen uns natürlich gerne positiv überraschen, aber zur Zeit sieht es richtig Scheiße aus.

Zurück

Zurück geht es ein bisschen anders um Leipzig herum und mit der noch im Bau befindlichen A 72. Die nebenbei durch ein ehemaliges Tagebaugebiet fährt. Welche hässlichen Löcher ein Tagebau hinterlässt und wie stark Schäden auch Jahrzehnte später sichtbar sind, kann hier jeder bewundern. Und eigentlich müsste man jeden RWE-Manager dort langfristig aussetzen. Ein Tagebau ist eine der beschissensten Ideen überhaupt.

Ansonsten ist bei Hannover ein riesiger Stau, sodass wir auch noch die Blitzer des Landkreises Uelzen kennenlernen, aber irgendwann hat uns Hamburg wieder und ein schöner Tag in angenehmer Begleitung geht zu Ende. Wäre da nur nicht immer dieser Fußball.

Sep 112018
 

Peacige Hippie-Worte vorm Derby

Liebe Leute,
es sind nun keine drei Wochen mehr, bis unser heißgeliebter FCSP die weite Reise in die Vorstadt antritt. Es gibt wohl kaum Sankt Paulianer*innnen, die diesem Ereignis nicht mit Hochspannung entgegenfiebern. (Stadt-)Rivalität ist schließlich das Salz in der Fußballsuppe und gerade als Underdog – der wir nun mal seit jeher sind – ist die Vorfreude besonders groß, wenn die Chance auf einen kleinen Triumph naht. Wir brauchen das sicher nicht weiter auszuführen.

Ihr habt schon sehnsüchtig auf das “Aber” gewartet?

Voilà! Wie schon in einem Blogbeitrag vor wenigen Tagen festgestellt, dreht offenbar die ganze Stadt immer freier, je näher der größte Termin rückt. Seit der letzten Bestandsaufnahme gab es erneute Vorfälle, die uns Sorgen machen, dass es rund um das Derby mehr als ungemütlich werden kann. Da sind über die Strenge schlagende Graffiti und Sticker noch das geringste Problem. Die Rhetorik nimmt grauenhafte Züge an, auch bei Transpis im Stadion. Einige Gruppen scheinen richtig Bock darauf zu haben, das Derby als Kulisse für langersehnte Keilereien zu nutzen.

Und machen wir uns nix vor. Auf der Volksparkseite der Macht mobilisiert man nicht nur verbal schon wieder alles, was Freunde an einer gepflegten Schlägerei hat, und verschiebt Grenzen verbal, per Aufkleber und per Handlungen immer mehr in einer Richtung, die Menschen jeglicher Fancouleur immer stärker gefährden. Beispiel von heute? Bitte schön:

Die werden auch wieder komische Allianzen schmieden. Das Hamburger Derby in seiner Seltenheit wird wieder Leute anziehen, die sonst so gar nicht miteinander können und die im Notfall abends ihre Probleme noch mal kurz im Schanzenpark diskutieren.

Das Dilemma dabei: Wir können – und wollen – die Dynamiken im Volkspark nur bedingt kommentieren. Denn “die da drüben” ändern wir nicht. Ballert uns ruhig zu mit Geschichten, wer wann was wie Schlimmes gemacht und deswegen auf die Fresse verdient habe. Natürlich sind “die anderen” immer mehr Schuld als man selbst. Wissen wir doch.

Du kannst dir ausschließlich an die eigene Nase fassen und vor der eigenen Haustür kehren, wenn es um Deeskalation geht. Ja, das mag alles altbacken, 80er Jahre Pauli-Hippie-Style und konträr zu „wir wollen keine Opfer sein“ klingen, aber ganz ehrlich: Der FCSP und seine Besonderheiten sind auch dadurch geboren, dass wir eben nicht den Zeitgeist, den Druck der Zeit und die äußeren Bedingungen und Bedrohungen zu einer grenzenlosen Aufrüstung genutzt haben. Das heißt nicht, dass man wehrlos die andere Backe hinhalten muss oder sollte.

USP hat das vor Jahren mal vollkommen richtig als Mentalitätsbanane dargestellt und wahrscheinlich trifft es dieses Bild immer noch sehr gut.

Checkt euren Testosteronspiegel

Und da sind wir bei einem entscheidenden Punkt: Natürlich sollte man nicht unvorbereitet, oder naiv in diese Situation gehen. Mit einem „We shall overcome“ wird man einen Hooligan auf Koks nicht überzeugen. Außer ihr singt sehr schief, sehr laut und sehr fürchterlich. Man sollte bereit sein, sich wehren zu können. Aber: Lasst die Kirche im Dorf, haltet Maß bei euren Provokationen. Das Niveau der Gegenseite müssen wir nicht mitspielen. Und wir müssen auch nicht jede Provokation annehmen. Gähnen oder drüber lachen trifft die viel mehr.

Es ist verdammt nochmal nur Fußball!

Daher sollte man versuchen, das Testosteron zurückzufahren. Auch Revierkämpfe um „unser Viertel“ sind nicht progressiv.

Verhalten

Noch etwas zum Verhalten am Spieltag. Diese Tipps sind nicht neu und auch nicht überraschend, Reist am Spieltag nur in größeren Gruppen, guckt, wie z.B. der Fanladen, die Ultras etc. die Anreise (und Abreise) empfehlen. Wenn etwas passiert, dann lauft nicht sinnlos und planlos weg. „Stehen bleiben“ ist eigentlich immer die beste Lösung, insbesondere wenn irgendwie 100 Hools 500 Leute angreifen. Selbst wenn das kampfsportgestählte Kampfmaschinen sind, wäre das bei einer solchen Zahl an Leuten sehr schwer, da etwas auszurichten. Und wenn, dann bekommen 500 halt weniger ab, als 5, die nicht schnell genug waren. Ist so. Bittere Realität halt. Nicht verlassen kann man sich erfahrungsgemäß auf Ordnungsdienst und Polizei. Die ballern im Notfall eher sinnlos mit Pfeffer in alles rein.

Ebenso entscheidend: Die Flasche Korn und den Megajoint vielleicht auch mal zu Hause lassen. Wir haben nichts gegen einen gepflegten Rausch, aber bei einem solchen Spiel helfen klare Sinne und gute Reaktionen. Das Siegbier, den Siegmexikaner trinken wir dann ab ca. 18 Uhr vor dem Jolly.

Sep 102018
 

Ausrichtung

Wenn man so wie ich, das laufende 1/3 dieses Blogs sich zum Alsterlauf anmeldet, dann kann es aufgrund der Vorbereitung auf den Frankfurt Marathon nur zwei grundsätzliche Ausrichtungen geben.

Ausrichtung 1 ist wahrscheinlich die klassische Trainingsplan Ausrichtung: Tempotest! Voll-gas für 10 KM und mal sehen, was so geht. Hab ich 2015 so gemacht und in meinem -wahrscheinlich bestem- Laufjahr eine 55:51 in den Asphalt gebrannt, meine bis heute (und wahrscheinlich auch ewig) gültige 10 KM Bestzeit. Hatte ich irgendwie so gar keine Lust drauf. Auch weil ich den Frankfurt Marathon einfach nur aus Lust und Laune mitlaufe, ohne wirklich das Ziel einer neuen Bestzeit oder so zu haben. Zu warm war der Sommer, zu selten war Training möglich, ohne sofort zu überhitzen.

Ausrichtung 2 ist, dass man das ganze einfach so just for fun mitläuft und sich ein anderes Ziel sucht. Wie z.B. jemanden bei seinem ersten Volkslauf zu begleiten. Und da die @keersti das erste Mal zu einem Volkslauf gemeldet war, hatte ich auch ein „Opfer“.

Wir trafen uns auf halber Bahn-Strecke und sie musste schnell feststellen, dass ich immer zu früh da bin. Was aber dann gut ist, wenn man -wie ich- trotz einer längeren Suchaktion sei-nen BMS Chip am Tag vorher nicht wieder fand und einen Leihchip organisieren musste. Was schnell und unproblematisch gegen eine Gebühr von 3 Euro zu machen war.

Klopause

Danach war warten auf den Start angesagt, was man sich mit „Dixie Klo macht den Läufer froh, Wasserklo ebenso“ und ein paar Schnacks mit H. und B. vertrieb. Klos sind ja immer wiederkehrendes Thema dieser Laufberichte und da waren endlich mal halbwegs genügend vorhanden. Und Wasserklocontainer sind sowieso ein Plus.

4.500 Starter insgesamt, was so in der üblichen Größe für den Alsterlauf ist. Zum ersten Mal kam ich in das Vergnügen auf der Mönckebergstraße starten zu dürfen und nicht beim parallelen Start „Steinstraße“. Da fühlt man sich ja gleich mehr als Profi.

Wir reihten uns ganz hinten ein, alleine schon, weil wir nicht die typischen, in Viererreihe eine Pace von 8:20 laufenden Hindernisse sein wollten, die sich gerne mal bei dem „Zielzeit 40 Minuten“ Schild hinstellen und wundern, dass die Leute etwas ungehalten überholen.

Debütantenlauf

Die Debütantin war sich nicht wirklich sicher, was sie so leisten konnte und daher war unser Motto das Motto der Veranstaltung: Immer schön sutsche. Für die nicht Norddeutschen unter euch: Sutsche = entspannt, locker

KM 1 nahm uns dann aber doch das Feld mit und so startete das ganze in einer 6:37 Pace. Danach waltete die Vernunft und die Pace pendelte sich irgendwo zwischen 7:30 und 7:45. Aber immer gelaufen, keine Gehpause, kein Einbrechen am Ende.

Die Strecke ist eine klassische Alsterrunde, die ein bisschen gedehnt wird und die über alle Wellen führt, welche die Natur dort in Form von Flusstälern und eiszeitlichen Ablagerungen geschaffen hat. Wer Hamburg für flach hält, wird bei diesem Rennen (oder dem Halbmarathon oder dem Marathon) eines Besseren belehrt.

Der Veranstalter organisiert – mit guten Argumenten – keine Wasserstelle auf der Strecke. Da er dies deutlichst ankündigt, ist das in Ordnung. Ich trug eine Flasche mit mir, aber für zwei war das ein bisschen wenig. Da war dann mal kurz improvisieren an den öffentlichen Wasser-stellen angesagt und so kam es, dass ich mal kurz einen 5:40 km einstreute, um wieder zu unserer Debütantin zu kommen. Tempotest? Bestanden, würde ich sagen.

Das Ziel kam näher, die Laune auch der Debütantin wurde immer besser (zu Beginn war sie noch etwas morgenmuffelig) und ca. 1 KM vor dem Ziel kündigte sie schon mal einen Zielsprint an. Denn ein Geheimnis hat sie: Sie war in ihrer Jugend Mittelstreckenläuferin (800 Meter und so). Und ihr fehlt vielleicht zur Zeit noch der Mut und die Erfahrung eine 10 KM Strecke am oberen Puls zu laufen, aber 400 Meter drückt sie locker in einer 5:20 weg. Ich nicht und so blieb ich im Zielsprint hinter ihr.

Im Ziel dann Medaille, Blumen für die Damen (müssen wir nicht drüber reden, irgendwie eher 4-) und ein reichhaltiges Getränkebüffet. Erdinger Produkte und Hella bis zum Abwinken. Was will das Läuferherz mehr?

Helden

Hatten wir doch eine persönliche Bestzeit gelaufen. 1:15:13 stand am Ende bei mir auf der Uhr und mit dieser Zeit waren wir bei weitem nicht alleine oder die Letzten. Sowieso: Diese Helden hinten im Feld, Menschen mit Trisomie 21, Menschen ohne Seekraft, Menschen, die sich zum ersten Mal an so eine Distanz wagen oder auch Menschen, die einfach nicht schneller sind, als eine 1:15/1:30 sie sind bei jedem Volkslauf meine ganz besonderen Helden. Und das Lächeln im Ziel dieser Menschen ist Gold wert. Danke an jeden Veranstalter (die Laufgesellschaft machte es am Sonntag vor), der die Geduld mit dieser Art Teilnehmer hat und nicht schon die Zielverpflegung zusammen packt oder nicht genügend Medaillen hat.

Ein runder Tag und wenn es mal wieder mit Fußball und anderen sportlichen Ambitionen passt, freue ich mich darauf irgendwann wieder den Alsterlauf bestreiten zu können.

Sep 062018
 

Die soziologische Interpretation „des Fremden“ ist nicht zwingend eine Gute. Einige Menschen hierzulande schätzen das Fremde und würden es gerne näher kennenlernen. Für die gibt es das Nachmittagsprogramm auf 3Sat. Für die meisten Volksgenossen ist das Fremde jedoch etwas Bedrohliches und Unheimliches, was in den meisten Fällen aus der Unkenntnis über den eigentlichen Gegenstand entspringt. Sei es nun der Tod, Spinnen oder was auch immer man sonst in den Geisterbahnen auf dem Heiligengeistfeld findet.

Wenn sich Antifa-Schlagerstars wie Helene Fischer oder die SPD nun also unerwartet gegen „Fremdenfeindlichkeit“ aussprechen, ist der zu schützende Angefeindete immer noch ein Fremder, was dieselben sprachlichen Probleme und unterbewussten Annahmen mitbringt wie eine Minderheit mit einem antiquierten, aber nicht böse gemeinten Namen anzusprechen.

Doch der Pakt mit dem Schlager-Teufel ist ein Notwendiger, befürchten wir. In Zeiten wo ganze ostdeutsche Landstriche in eine Mischung aus einem schlechten Zerrbild der Abwesenheit von Staat und Politik sowie rechter Hegemonie abzurutschen drohen, freut man sich doch fast über die breite antifaschistische Einheitsfront von ganz links bis hin zu Helene Fischer und sogar der SPD.

Uns sei der prosaische Anfang entschuldigt. Schlagen wir den Bogen zum 5. September in Hamburg, wo wir leider den lokalen Helene Fischer-Fanclub nicht auf der Straße gesehen haben, aber dennoch viel „bürgerlichen“ Protest gegen Rechts. Das ist gut. Absurderweise twittert der „Blöd“ Reporter immer noch etwas von „10.000 Linken“. Wenn man sich wieder mal fragt, woher diese paranoide Angst vor „Links“ in diesen Kreisen herkommt, dann wahrscheinlich davon, dass alles, was für eine Selbstverständlichkeit auf die Straße geht, links bzw. linksradikal gelabelt wird.

Wie wir bereits bei Twitter schrieben, wird es innerhalb der Merkel muss weg-Bewegung schwer als Erfolg zu kommunizieren sein mit nicht mal 200 Köpfen 10.000 gegenüber gestanden zu haben. Menge ist Trumpf. Und wenn eine Bewegung mal viel Masse und Rückhalt braucht, dann diese ob der realen Gefahren in vielen deutschen Städten, politisch aber auch ganz akut für Menschen, die nicht in das Gesellschaftssystem der rechten Mobs passen.

Streitbare These? Sicher. Um uns etwas street credibility zu erhalten, erwähnen wir gerne prominent, dass den Nazis ein Banner abhanden gekommen ist und dass man munkelt, einige der besorgten Thor Steinar-Kunden seien nach der Demo noch in geballte Fäuste gelaufen.

Der sonstige Verlauf des Abends war „friedlich“, was erstmal nur die Feststellung einer Tatsache ist und kein Wert an sich. Eine ausführliche Diskussion ob nun friedlich oder militant ersparen wir dem geneigten Leser jetzt hier, denn das sprengt den kurzen gewählten Rahmen. Die Staatsmacht hatte Polizei aus Rheinland-Pfalz (!) aufgeboten und wir sahen insgesamt 7 Wasserwerfer (die Hamburger standen in Reserve etwas abseits). Und wenn man schon 7 Wasserwerfer vor Ort hat, dann muss man die auch mal benutzen. Warum blieb uns komplett unklar, aber irgendwie muss man sich ja rechtfertigen.

Genauso absurd war die Polizeieinheit die ohne Landeskennzeichen (warum?), ohne Einheitenkennzeichnung (warum?) und vermummt (warum?) meinte im Valentinskamp sich noch ein bisschen mit Leuten boxen zu müssen, obwohl es gar keinen Anlass gab. Da musste wohl das Adrenalin raus. Das dies nicht wirklich Sinn einer Staatsmacht sein darf und auch eine komplette Anonymisierung sehr fragwürdig ist, müssen wir niemanden erzählen. Es ist bemerkenswert, dass es von der „Mitte“ immer als selbstverständlich hingenommen wird, dass Polizisten so anonym agieren dürfen. Man stelle sich mal vor, dass man seinen Steuerbescheid ohne Behördenkennzeichnung, Name des Bearbeiters und ohne Kontaktdaten bekäme. Der Aufschrei wäre groß. Und ja, auch da gäbe es ähnliche Argumente der Gefährdung des einzelnen Bediensteten. Die in solchen Verwaltungen keine Waffe haben, keine Nahkampfausbildung, keine Panzerung.

Es ist noch unklar, wann und ob die nächste „Merkel muss weg“ Demo stattfindet. Gut informierte Kreise munkeln etwas von 03.10. Informiert euch und kommt auch das nächste Mal vorbei.

Sep 032018
 

Um es gleich vorweg aus dem Weg zu bringen:

Toxische Maskulinität

Es ist scheiße, irgendwelche Gästefans im Viertel vor oder nach dem Spiel anzugreifen oder zu belästigen. Egal, welcher Verein. Zwar sind solche Vorfälle eher die Ausnahme, denn wir sahen auch ganz viele FCSP-Köln-Kombinationen, die gemütlich ihr Bier zusammen tranken (u. a. im Jolly), aber ein Vorfall ist einer zu viel und dies als „Normalität“ oder „passiert beim Fußball“ abzutun, verbietet sich.

Köln hat sehr viele unsympathische Züge als Fanszene. Sei es das gelebte naziinkludierende Unpolitische, sei es der jahrelange Kleinkrieg der Ultras gegen unsere Ultras, weil man ja angeblich grundlos von St. Pauli angegriffen worden sei. Nun gut, wie schon mal auf diesen Blättern ausgeführt: Wenn man durchs Viertel mit „Scheiß St. Pauli“- und „Kommt doch her, ihr Wi…“-Rufen läuft, dann muss man sich auch nicht wundern, wenn irgendjemand diese Einladung annimmt. So richtig grundlos ist das dann aber nicht. (Nein, soll es gar nicht gutheißen und wir haben schon häufig genug gesagt, was wir von dieser ganzen Machogehabe halten, aber so ein etwas anderer Zungenschlag ist es dann doch.

Absatz 2 rechtfertigt jedoch nicht Absatz 1. Insbesondere, wenn wieder die Täter ihr Handeln wahrscheinlich durch „war doch Fanszene“ oder so legitimieren.

Machogehabe ist sowieso ein gutes Stichwort. Samstagabend meinten die Freunde des Volksparkfußballs, mal ein bisschen durchs Viertel posen zu müssen. Das ganze wurde dann auf ähnliche Weise von FCSP-Seite beantwortet. Dazu nur folgende Klarstellungen:

1. Wenn so etwas passiert, ist es immer falsch, dies irgendwelchen Gruppen zuzuordnen. Wenn ihr im Dunklen nicht 100-prozentig sicher seid, dass da gerade USP, CA, UKW oder wer auch immer an euch vorbei gelaufen ist, dann unterlasst die Namensnennung. Wir behaupten mal, dass niemand 100-prozentig sicher sein kann, denn wie heißt es so schön? In der Nacht sind alle Katzen und Fans grau. Auch die sicher festgestellte Anwesenheit einzelner Menschen bedeutet nicht zwangsläufig die Präsenz einer dazugehörigen Gruppe.

2. Dies war weder ein verabredetes Ding auf dem Beatles-Platz (!!!) noch der „erste Fanstress“ vor dem Derby. Mehr Worte muss man über die Berichterstattung in einschlägigen Postillen nicht verlieren.

3. Es ist nix Gravierendes passiert, es sind keine Kneipenübergriffe oder ähnliches vermeldet worden. Und wir wissen nicht, ob die nur ein bisschen posen wollten, oder schlimmeres im Schilde führten. Jedoch: Es wird nicht die letzte Aktion sein und die sind heiß auf Fahnen, Schals und anderes. Passt also auf euch auf. Bitter, dies zu sagen, aber ist leider so.

Benehmen macht die Musik

Wir halten nix davon, Gästefans absolut in Heimbereichen zu verbieten und wir wollen grundsätzlich die Möglichkeit erhalten, dass jemand seinen Kölner Kumpel einfach mitnimmt und der sich auch in sein Trikot hüllt.

Jedoch macht hier das Benehmen sehr die Musik. Und besoffen den Poser zu machen oder Leuten nach dem Ausgleich fett ins Gesicht zu jubeln, ist kein Benehmen, welches sich in einem Heimbereich ziert. Und man muss sich dann nicht wundern, wenn man eine Ansage bekommt und diese Ansage „noch ein so ein Jubel und du bekommst ein Bier über den Kopf“ ist. Nicht die feine Art, aber das ist dann mal Fußball.

Wichtig ist auf dem Platz

Auf dem Platz kommen wir zu einer 2:0-Führung durch zwei sehr elegante Fehler von Köln. Und anstatt dieses Geschenk anzunehmen, uns einzuigeln und Köln auf den Füßen zu stehen, geben wir die Führung und das Spiel ganz schnell aus der Hand.

Schatten

Dabei machen wir folgende Beobachtungen, die Sorgen machen, selbst wenn man die Kölner Qualitäten anerkennt:

  1. Wir haben ein Außenverteidigerproblem. Buballa wirkt auf uns sympathisch und man wünscht dem Jungen echt nichts Schlechtes. Aber wenn der Junge mit Geschwindigkeit der Gegenseite konfrontiert ist, dann sieht er ganz schnell (sic!) schlecht aus.
  2. Wir sind sehr einfach zu scouten. Wir haben vor der Viererkette einen Bereich, in dem die gegnerischen offensiven Spieler nicht richtig angegangen werden. Soviel Platz haben unsere Offensiven im ersten Teil der gegnerischen Hälfte nie. Mannschaften spielen da immer gezielter den Ball hin und wir bekommen es nicht in den Griff. Unsere zweite Lücke sind Flanken in den Strafraum. Da unsere Torhüter auf der Linie kleben, ziehen Gegner die immer mehr in den 5er. Und das bekommen wir nicht verteidigt. Beide Probleme müssen wir dringend in der Eigenanalyse abstellen.
  3. Unser Aufbau ist zu behäbig und wir dribbeln uns zu oft fest. „Ball und Gegner laufen lassen“ ist bei uns ein Fremdwort. Das war mit Knoll auf der Sechserposition in den ersten beiden Spielen noch etwas anders, dieser brachte auch ein bisschen Stabilität in die oben genannte Schwachzone. Aber sofort, wenn der da raus ist, haben wir gleich zwei riesige Probleme.
  4. Unser Spiel mit hohen Bällen in der Abwehr ist brutal schlecht. Wie häufig sich unsere Abwehrspieler bei hohen Bällen verschätzen, tut beim Zusehen weh.
  5. Wir sind zu brav. Köln ist in jedem Zweikampf mit der Hand, mit dem Ellenbogen, mit der offenen Sohle. Das ist immer an der Grenze zum Foul, aber sorry, da muss man dann irgendwann gegenhalten. Insbesondere bei einem Schiedsrichter, der die Karten vergessen hat. Wir bekommen am Ende eine gelbe Karte dafür *Trommelwirbel*, nach einer Verletzung zu früh auf den Platz zu laufen.
  6. Wir können das Tempo von Mannschaften wie Köln nicht annähernd mitgehen.

1 bis 5 sollte auch innerhalb einer Saison abstellbar sein. 6 macht Sorge, da dies ein wiederkehrendes Problem unserer Mannschaft ist.

Licht

Es gibt aber auch positive Aspekte aus dem Köln-Spiel:

  1. Henk macht ein richtig cooles Stürmertor, kann Bälle echt an sich ziehen wie ein Magnet und ist damit ein ständiger Unruheherd.
  2. Bei aller Beschränktheit: Diese Mannschaft gibt nicht auf. Viele Mannschaften hätten nach einem “2:0 zu 2:4” den Kopf hängen lassen, aber hier wird weiter in den eigenen Grenzen (siehe Punkt 5 und 6 von oben) alles versucht.
  3. Neudecker macht seiner Einwechselung ordentlich Dampf. Endlich mal frischer Wind von der Bank, etwas was in letzter Zeit auch selten zu sehen war.

Ausblick

Wir müssen ganz schnell diese Abwärtsspirale verlassen, defensiv stabiler werden und mal irgendwo schmutzig Punkte mitnehmen. Sonst hängen die Köpfe doch schnell wieder. Dass Avevor nach der Pause wieder zur Verfügung steht, sollte dem ganzen Gebilde wieder mehr Stabilität geben. Das wir keine Alternative zu dieser fußballerisch beschränkten Kampfmaschine haben, spricht aber auch Bände. Und wir hätten es vor zwei Jahren nie für möglich gehalten, dass wir mal schreiben würden, wie unersetzlich Avevor ist. Dies muss man aber auch als absolutes Lob für ihn ansehen.

Nach dem Kick

Nach dem Spiel geht es zur Seebrücke-Demo. Diese ist gut besucht, es werden Teilnehmerzahlen von 10.000 bis 16.000 gemeldet. Dass es immer noch FCSPler gibt, denen das Nachspielbier wichtiger ist als eine derbe wichtige Demo, sei mal als Wasser in den Wein geworfen. Die Veranstalter hatten aber wohl nicht mit so vielen Teilnehmern gerechnet, sodass diese Demo insgesamt ein guter Anfang einer Gegenbewegung gegen den absurden Rechtsruck in diesem Land ist.

Was in diesem Bericht fehlt …

… ist eine Abhandlung zur Absage eines Fußballspieles in Dresden. Und ja, dies ist mehr als nur ein „es ist doch nur ein abgesagtes Fußballspiel, wir haben andere Probleme“. Denn eines der Hauptprobleme unserer Gesellschaft ist doch genau, dass die Polizei immer mehr unter fadenscheinigen Begründungen in unser ganz normales Leben eingreift und meint dies im Detail regeln zu können. So funktioniert aber eine freie Gesellschaft nicht. Und Obrigkeitshörigkeit ist eine der Hauptgrundlagen für Diktaturen.

Wenn wir Zeit finden, schreiben wir in der Länderspielpause (BÄH!) noch was genaueres dazu.