Aug 052018
 

Magdeburg also. Aufsteiger. Euphorisch. Erste Mal in der 2. Liga. Stadion voll und laut.

Es gibt bessere und insbesondere einfachere Spiele zum Auftakt einer Saison. Aber sagen wir es wie es ist: Man muss in einer Saison alle 17 Gegner spielen und keiner davon ist dankbar. Ein Heimspiel wäre mal nett, blieb uns aber erneut verwehrt.

Der Gästemob wählte sehr unterschiedliche Arten der Anfahrt, aber alle waren entspannt, bis man Magdeburg betrat.

Die Bahnfahrer planten ihren Fußweg zu verkürzen (Nachtrag: die Annahme ist wohl falsch, wie uns ortskundige Leute erklärten, können und wollen wir nicht nachprüfen, macht aber auch kein Unterschied) und stiegen eine Station eher aus als empfohlen. Dies rief dann die Ordnungsmacht auf den Plan, die meinte nun erstmal alle Kesseln zu müssen. Es ist immer bemerkenswert wie selbstverständlich das Recht einfach seiner Wege zu gehen außer Kraft gesetzt wird. Und ebenso erstaunlich wie wenig Polizei in der Lage ist, von ihrem Einsatzplan abzuweichen. Und es kommt ja nicht wirklich überraschend, dass Leute auch mal auf die Karte gucken und versuchen ihren Fußweg zu verkürzen.

Ach ja: Shuttle Busse sind schon vor Jahrzehnten erfunden worden.

Dazu wird man noch von der Reiterstaffel getrieben.

Nach dem Spiel durften dann die Bahnfahrer 4 km gehen nur um an einem Bahnhof ohne Versorgungs- oder Entsorgungsmöglichkeiten anzukommen. Und am Ende jammert die Polizei wieder rum, dass niemand sie mag.

Leider kommt es noch „besser“ denn am HBF werden die Bahnfahrer wieder gekesselt, können sich nur über Fanladenmitarbeiter versorgen und dürfen ordentlich Zeit in einem Kessel verbringen.

Dazu werden dann immer noch fröhliche Lügen erzählt, wie der Bürgermeister habe Shuttle verboten (als ob die Polizei nicht so etwas anordnen kann) oder „jetzt könnt ihr durch“ um dann den Kessel aufrecht zu erhalten. Das die nicht vollkommen eskaliert sind, zeigt wie falsch die Annahme einer Gefährlichkeit ist.

Die örtliche Presse vermeldet auch Festnahmen. Können wir gerade nicht verifizieren.

Und auch in Liga 3 hatten die genügend Gästefans, die sollten eigentlich wissen, wie es geht. „Wir sind neu“ ist also keine Ausrede.

Die Busfahrer wurden über Nebenstraßen zum Stadion geleitet, was ja erstmal okay ist, wenn man zB Fanmarsch und Stau vermeiden will. Warum man aber die Busse nicht auf dem eigentlich ausreichend großen Gästeparkplatz parkt, sondern ein ganzes Stück abseits, wird ein Geheimnis der Einsatzplanung bleiben. Ebenso warum man die Busfahrer anfänglich daran hindert zum Gästeparkplatz und Eingang zu gehen. Wohlgemerkt: da war sowieso eine Fantrennung organisiert.

Individuell anreisen? Machen sie sich auf Umwege auf „hier kommen sie nicht durch, ich hab meine Anweisungen“ und lange Fußwege gefasst. Auch dann wird einem die Bewegungsfreiheit ohne wirkliche Gründe genommen. Weil wir es können. Wie einfach wäre das Leben mit einem Shuttlebus?

Aber Sichtachsen versperren? Ne warum denn? Dementsprechend prollten die Magdeburger von ihrer Seite rüber. Klar lagen gut 200 Meter zwischen. Sorgte aber für ein bisschen Lauftraining der heißen Einsatzhundertschaft.

Eingang überwunden, erstaunlich wenig gefilzt worden und erstmal orientiert. Getränkestände? Riesige Schlangen. Beobachter sprachen von 30 Minuten bis man ein Getränk in den Händen hielt. Kann man mal machen bei diesen Temperaturen. Nach dem Spiel waren die Getränke dann auch aus. Wasser aus dem Hahn? Irgendwo eine Möglichkeit sich abzukühlen? Überall Standard. In Magdeburg ähnlich wie Shuttle Busse noch nicht erfunden.

Der Gästeblock der Marke Tortenstück nur mit einem Eingang unten. Fluchtwege wurden nicht freigehalten und alles blieb unten stehen. Folge: unten saueng, oben hätten noch viel mehr Leute rein gepasst.

Der Support auf der Heimseite kann was. Insbesondere schalten sich immer wieder alle vier Seiten des Stadions ein. Trotzdem sollte man nicht vergessen, dass da auch viel Euphorie im Spiel ist. Es ist noch nicht so lange her, da zeigten die letzten wenigen Treuen ihrer Mannschaft mit Pfeilen den Weg zum Tor.

Der Gästeblock hielt aber gut gegen und zeigte einen der besten Auftritte eines FCSP Gästeblock in den letzten Jahren.

Kommen wir zu dem Geschehen auf dem grünen Rasen. 20 Minuten ist Magdeburg am Drücker, hat eine Chance die Himmelmann vereitelt und geht dann durch einen Abwehrfehler der Marke 17/18 in Führung. Aber wer jetzt Flashbacks zu letzter Saison hat, der irrt.

Angeführt von Knoll und Flum im Mittelfeld werden unsere Jungs immer sicherer, werden feldüberlegen und schießen zwar glücklich, aber eben auch verdient den Ausgleich.

Was in Halbzeit 2 gefällt ist, dass unsere Jungs mal die sind, die läuferisch zulegen können. Wie häufig war man in den letzten Saisons froh, wenn der Gegner seine läuferische Überlegenheit nicht noch in späte Tore umsetzt. Jetzt können unsere Jungs immer wieder früh stören und Lücken läuferisch zu machen.

Allagui ist in einem solchen Spiel natürlich nicht die ideale Besetzung als Mittelstürmer, kämpft aber um jeden Ball und wirkt viel beweglicher und engagierter als letzte Saison. Das mit dem Abseits, das sollte ihm noch mal jemand näher bringen.

Als sich alle schon auf ein Unentschieden eingerichtet haben, zeigt Knoll warum wir ihn auf dem Zettel hatten und streichelt einen Freistoß ins Tor.

Vielleicht, liebe Lesende, vielleicht haben wir auf Qualität statt Quantität bei den Neuzugängen gesetzt. Ganz starker Auftritt von Knoll. Aber vergessen wir nicht: Ein Spiel sagt wenig aus.

Noch ein paar Minuten und einen aussichtsreichen Freistoß zittern und schon sind die drei Punkte im Sack.

Der Rest ist Jubel. Bewerten wir so ein erstes Spiel nicht über, auch weil wir nicht wissen, wo sich Magdeburg einordnet. Aber es sind erstmal drei ganz wichtige Punkte für das Gefühl und die Tabelle.

So ging es auf die Rückfahrt. Siehe dazu oben.

Ach ja eines noch: Mann kann sein Shirt an lassen. Auch in einem sonnigen Fußballstadion. Wir wollen ja gar nicht die ganze Diskussion führen, warum wir auf diese Idee kommen. Googelt es selber.

Eine gewisse Situationskomik hat es aber dann doch, wenn dein Fanclub „Module“ heisst, du dahinter hart die Männerbrust in die Sonne hälst. Module und Mull sind halt nicht zu weit voneinander. Und einen Ohrwurm bekommen die Älteren unter uns auch.

PS: Der FC St. Pauli, die Nummer 1 in Hamburg. Wie würde ein ehemaliger Frankfurt Trainer sagen? Stand jetzt.

Produktionsnotiz: Geschrieben auf der Rückfahrt, erwartet also keine Fehlerfreiheit