Aug 302018
 

Die jüngsten rechten Ausschreitungen und das politische Klima in Karl-Marx-Stadt sind aktuell das Top-Thema in vielen deutschen Medien und findet auch in der internationalen Berichterstattung starken Widerhall. (Der Autor dieser Zeilen war sehr irritiert, als in den amerikanischen TV-Nachrichten ein Beitrag zu sehen war.)

Auch wenn wir uns durchaus darüber im Klaren sind, dass wir nicht die dezidierten Experten für dieses Thema sind und wir vermutlich auch nicht die beste Analyse des Geschehenen liefern können, möchten wir trotzdem – nur sehr kurz – den Fokus darauf legen, welche Bedeutung der Fußball in diesem Sachverhalt hat und dass die Vernetzung für die rechten Proteste durch die Gruppen aus dem Umfeld des Chemnitzer FC vorangetrieben wurde.

Wie verschiedene Medien, hier zum Beispiel die bürgerlich-konservative Tageszeitung „taz“, berichten war anfangs die Mobilisierung innerhalb rechter Gruppen aus dem Umfeld des CFC ein wesentlich größerer Faktor als zum Beispiel der Aufruf der lokalen AfD.

Fußball und der geschützte Bereich in denen sich rechte Fanszenen dort bewegen ist ein wesentlicher Mobilisierungs- und Vernetzungsfaktor rechter Szenen in diversen Städten, u. a. in Chemnitz. Spätestens seit HoNaRa oder HoGeSa oder ähnlichen Phänomenen sollte allen klar sein, welche Mobilisierungspotenzial diese Szenen besitzen und wie gefährlich es ist, ihnen die Kurven zu überlassen. Chemnitz zeigt daher erneut den Wert und die Notwendigkeit antifaschistischer Arbeit in den Stadien und den Fanszenen.

Kenner der Materie könnten sich jetzt gelangweilt schlafen legen, denn dass Nazis Kurven als Erlebnispark, als Mobilisierungsstelle und als Bekräftigungsort sehen, sollte eigentlich schon seit Michael Kühnen und Siggi Borchert bekannt sein. Aber anscheinend ist die Welt sehr vergesslich.

Überhaupt, es gibt ja gerne mal die Behauptung, dass die FCSP-Fans 1986 begonnen hätten, den Fußball zu politisieren. Dies ist aus diversen Gründen kompletter Schwachsinn, aber auch, weil zu diesen Zeiten offen faschistische Fangruppen in diversen Kurven tonangebend waren. Wenn man dies nicht als politisch empfindet, dann liegt es vielleicht daran, dass man das politisch ganz cool findet.

Vereine, Politiker, Einzelpersonen, Fangruppen müssen verstehen, dass ihre Kurven Foren sind, in denen mindestens lokale Identitäten verhandelt werden und dabei rechte Agitatoren auftreten. Alle diese Akteure sollten auch begreifen, dass ein „wir sind unpolitisch“ solchen Leuten freie Hand lässt beim Aufbau von Machtbasen und Strukturen. Entscheidend ist nicht, ob sie im Stadion ein rechtsradikales Banner hochhalten können. Entscheidend ist der Zugang zu Jugendlichen, die sich für „wir gegen die“ und Gewalterlebnisse begeistern können. Und es ist soziologisch keine neue Erkenntnis, dass die Stadionkurve dies bietet.

Der Schritt aus einem gesicherten Kurvennetzwerk zu großen international beachteten Ausschreitungen ist dann ein sehr kleiner.

Umso wichtiger ist es, dass die Vereine und Politik endlich begreifen, dass es besser ist, eine Kurve zu haben, die mal Pyro zündet, aber sonst Adorno verehrt, als eine Kurve, die lieb und brav ist, aber privat Hitler liest. Leider beobachten wir häufig genug genau das Gegenteil. Pyro? SKANDAL EINE NEUE DIMENSION DER GEWALT ALLE WEGSPERREN!!! Bisschen abhitlern? Ach, das sind nur besorgte Bürger, verwirrte Jugendliche etc.

Vereine müssen ihrer gesellschaftlichen Rolle sehr klar bewusst werden, sie müssen die Speerspitze einer Anti-Nazi-Bewegung sein. Uns ist auch klar, dass du in einer Stadt wie Chemnitz einen schweren Stand hast. Aber was örtliche Bands vormachen, können örtliche Fußballvereine gut nachmachen. Wehrt euch!

Wir wollen ja gar nicht behaupten, dass Dynamo Dresden als Verein alles richtig macht. Aber die twittern z. B. so etwas als Reaktion auf Chemnitz:

Wir haben nachgeguckt: Der offizielle Account des Chemnitzer FC informiert dafür über Besuche beim Stadtfest und die letzten Spielergebnisse. (Stand zur Veröffentlichung). Andere Vereine verhielten sich wie Dynamo (z.B. gesehen bei Arminia Bielefeld). Kleiner Hinweis: Für eurer Wohlbefinden, lest bloss nie die Kommentare und Antworten auf solche Tweets.

Es kann so einfach sein, sich zu engagieren.

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Aug 282018
 

Kurzes Vorwort

Ihr erinnert euch an den Gastartikel zum Stoke Spiel? Wenn nicht, dann liest ihn jetzt!. Es fließt dann Wasser die Elbe runter und wir können nur zu gut nachvollziehen, wenn man die Worte mit etwas Abstand ergänzen möchte. Auch dafür möchten wir Platz bieten, denn es ist sehr wichtig!

Grundsätzliches ändern

Was man ja auch nicht so bedenkt, bevor man einen Gastbeitrag über Belästigung im Stadion hier veröffentlicht: Verdammt viele Leute lesen diesen Blog. Heißt auch: Verdammt viele Leute, die ich kenne, lesen diesen Blog. (Und: Das ist sehr gut. Weil lest diesen Blog, er ist sehr gut!)

Worauf ich aber hinauswill: Ich wurde ziemlich oft auf meinen Beitrag angesprochen. Und das ist nicht immer einfach. Weil über Belästigung reden jetzt echt kein tolles Gesprächsthema ist. Und auch immer mit Scham zu tun hat. Grundsätzlich gilt für mich trotzdem: Ich rede lieber darüber, als es totzuschweigen. Aufmerksamkeit, darüber diskutieren, Betroffenen zuhören – anders hat sich noch nie irgendwas geändert. Und deshalb glaube ich auch, dass jedes Thematisieren mit guter Intention geschah.

Trotzdem bleibt es bei dem eben Gesagten, es ist nicht immer einfach. Auch mich darauf anzusprechen ist sicher nicht angenehm. Und so werden dann Gespräche exemplarisch mit „Du durftest jetzt also auch die dunkle Seite des Millerntors erleben” begonnen. Ich will es echt noch mal betonen: Ich glaube an die gute Intention. Aber frage mich auch, was dieser Gesprächseinstieg über uns aussagt? Wie viele Fälle von Belästigung im Stadion habt ihr mitbekommen (oder sogar selbst erlebt), dass die Thematisierung “Du auch” ein „normaler“ Gesprächseinstieg ist? Neben diesen zahlreichen persönlichen Gesprächen erreichten mich auch noch weitere private Nachrichten von Personen, die ich nicht persönlich kenne. Ein Beispiel: “Mir ist sowas ähnliches auch schon passiert. Danke, dass du darüber sprichst. Mir hat keiner zugehört.” Ich bin also leider – aber wenig überraschend – nicht alleine mit meinem Erlebnis.

(Bis) zum nächsten (Heim-)Spieltag: Ein Verein, der in seiner Stadionzeitschrift den Gastbeitrag abdruckt und sich klar positioniert. Eine Fanszene, die u. a. ein Transparent mit “Klatschen statt Grabschen” hochhält. Ein Podcast, der das Thema gleich in zwei Episoden anspricht. Ein Fanladen, der den Gastbeitrag über seine Accounts verbreitet. Ein Fanclubsprecherrat, der den Beitrag an alle Fanclubs verschickt. Und zuallererst natürlich ein Blog, der sofort den Gastbeitrag veröffentlicht.

Und trotzdem möchte ich wetten, dass es auch beim Heimspiel gegen Darmstadt wieder weibliche* Fans gab, die sich nicht immer sicher gefühlt haben. Oder noch schlimmer: Die auch belästigt wurden. Ohne dass wir es mitbekommen hätten. Wir müssen uns daher fragen: Tun wir alle also genug, um das Millerntor zu einem sicheren Ort für alle Fans zu machen?

Ja, es gibt ein Aktionsbündnis, das tolle Aktionen durchführt und sich schon lange gegen Sexismus und Homophobie engagiert. Das aber auch dringend neue Mitstreiter*innen sucht. Ja, wir diskutieren in der Fanszene gerade über Awareness-Teams, Spieltagstelefone und andere (sehr wertvolle!) Ideen. Und ja, wir sind damit definitiv dem “Durchschnitt” anderer Fussballvereine voraus. Und trotzdem lassen mich alle Reaktionen vermuten, dass viele weibliche* Besucher*innen Erlebnisse ähnlich zu meinem machen. Trotzdem.

Und hier ist dann auch mal der wirtschaftliche Teil des FCSP gefragt, denn das bisher Genannte sind alles Faniniativen.

Da ist dann nämlich auch mittelgroßer Wirtschaftsbetrieb, der im vergangenen Geschäftsjahr einen hohen sechsstelligen Betrag Überschuss erwirtschaftet hat. Der für Öffentlichkeit sorgt (danke dafür! Auch das ist leider nicht immer die Norm) und den Gastbeitrag in seiner Stadionzeitung abdruckt. Der aber u. a. auch damit Geld verdient, dass wir ins Stadion gehen. Während sich seine weiblichen* Fans nicht immer sicher fühlen (und nicht nur die).

Tut der genug, um das zu ändern? Was sollte er tun? Was könnte er noch tun? Warum haben wir z. B. keine*n hauptberufliche Awareness-Beauftragte*n?

Was kann „von oben“, „von unten“ noch getan werden?

Eins ist sicher: Wenn “Du auch” ein normaler Gesprächseinstieg ist, dann tut er, tun wir alle nicht genug.

Danksagung der Redaktion

Anmerkung des Redaktionskollektiv: Noch mal vielen Dank an @amhass, die auch diese Zeilen verfasst hat. Wir können ihren Text nur dick unterstreichen und unterstützen die genannten Ideen.

Ergänzend wollen wir uns wiederholen: Mischt euch ein! Steht Betroffenen* zur Seite! Hört ihren Sorgen und Nöten zu! Sagt auch mal eurem Kumpel, dass Dinge nicht klar gehen! Dies reicht natürlich nicht aus, wir müssen über Struktuelles reden, wie der Text mehr als deutlich macht, ist aber erstmal etwas was Jede*r tun kann.

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Aug 282018
 

Ach Union. Viele Menschen der aktiven Fanszene meiden dieses Spiel langsam, weil es irgendwie immer doof ist und wir eigentlich auch immer doof da verlieren. Und auch das Jahr 2018 soll da keine Ausnahme von dieser Regel bringen.

Dabei hätte Union eigentlich viele Zutaten für eine angenehme Auswärtsfahrt. Es ist halbwegs nah, der Stadion-DJ spielt Feine Sahne Fischfilet und Neonschwarz und viele Dinge an Union sind ja eigentlich ganz sympathisch. Seien es nun diverse echt gut zu folgende Menschen auf Twitter, sei es ein liebevoller Taktikblog oder sei es der wohl professionellste Vereinspodcast Deutschlands. Die Alte Försterei ist (noch?) eines der schöneren Auswärtsstadien und die ganze Verknüpfung des Vereines mit seinen Fans, sei es nun bei dem berühmten Stadionausbau, sei es bei einer sehr offensiven Verteidigung eben jener Fans oder sei es bei dem Fakt, dass Fans eine der besten Stadionzeitungen machen. Oder sei es der langhaarige Bombenleger, der da auch schon ungefähr seit 100 Jahren den Stadionsprecher macht.

Wir meckern noch

Bevor uns hier jemand Sympathien für Union vorwirft, keine Sorge, wir kommen noch zum meckernden Teil. Aber vor diesen hat der liebe Gott erstmal die Anreise gelegt. Die gestaltet sich insgesamt sehr entspannt, denn wenn es eine Möglichkeit gibt, vernünftig durch Berlin zu kommen, dann ist dies der frühe Sonntagmorgen. Vor Ort dann ein klitzekleines Problem. Denn die Eintrittskarte unseres rasenden Reporters hat die Reise nicht mit angetreten und beschlossen, lieber zu Hause an der Pinnwand bleiben zu wollen. Nun gut, dieses Problem kann mit Hilfe von Skins und Ultras schnell gelöst werden. Danke dafür noch mal.

Der Einlass bei Union ist über die Jahre zwar professioneller geworden und damit nicht mehr reines Chaos, aber es bleibt immer bei dem größten baulichen Problem: Der Zuweg ist viel zu eng. Und natürlich durch einen Kanal begrenzt. Wie das funktionieren soll, wenn die wirklich mal ein größeres Stadion da hinstellen und dann größeren Gästekapazitäten da durchschleusen wollen, ist uns vollkommen unklar. Das ganze Gefilze und so ist professionell und wurde mit einem „Viel Spaß dir“ beendet. Da ist man unfreundlichere Ordner gewöhnt.

Was bei Union im Gästeblock am oberen Ende der Skala ist, ist das Catering für Gästefans. Nein, es gibt nix Besonderes und über die Qualität des Essen kann man auch trefflich streiten. Aber immerhin bekommt man innerhalb einer angemessenen Zeit was zu trinken und die Leute am Zapfhahn wissen, was sie machen. Ja, das ist schon mehr als in den meisten Stadien. Eigentlich ganz schön bitter.

Union ist auch immer ein großes Hallo. Denn einige Gesichter, die früher überall mit hin gefahren sind, haben heutzutage ihren Familiensitz in Berlin. Schön, euch mal wieder zu sehen.

Früher war nicht alles besser …

.. aber es gab mal einen Auswärtsflyer, der z. B. Choreos kommunzierte. Die Ultras haben sehr hübsche Wendepappen vorbereitet, die echt klasse sind. Die Koordination über das Megaphon kommt aber schon bei uns schlichtweg akustisch nicht mehr an, sodass die Wendung wahrscheinlich nicht annähernd synchron erfolgt. Wir wissen ja selber, was für ein Aufwand solche Flyer sind, aber nicht nur bei Choreos sind solche Flyer Gold wert. Auch wenn man Menschen erklären will, dass man kein Bock hat, in ihrer neuen Instagram-Story zu erscheinen.

Wir wissen nicht, ob es am Dach liegt oder irgendein anderer akustischer Trick dazu führt, dass sich bei Union viel Support im Stadion verhallt und nicht richtig Druck erzeugt. Denn obwohl man optisch auf der anderen Seite viele Hände klatschen sieht, kommt im Gästeblock nahezu nie etwas an. Und das liegt nicht daran, dass dieser nun gerade alles in Grund und Boden singt und tanzt. Ganz im Gegenteil, der Auftritt bei Union ist extrem peinlich. Wo in Magdeburg oder Wiesbaden noch die Gästeseite gerockt wird, stehen hier die meisten Leute eher unbeteiligt mit den Händen in der Tasche rum. Leute, das ist doof.

Das Geschehen auf dem Platz fasst erwähnter Taktikblock sehr gut zusammen. Wir können das nicht so schön kühl in Worte fassen, aber insgesamt schlagen wir uns diesmal selbst. Das fängt damit an, dass mit einem zurückgezogenen Knoll der Aufbau nur noch die Hälfte wert ist und man die Defizite von Nehrig wieder sehr deutlich sieht. So wirkt das in den ersten 40 Minuten bei uns zwar sehr stabil, wir lassen keinen einzigen Torschuss zu, aber so richtig was nach vorne bewegen tun wir auch nicht. Und dann beginnt wieder etwas, was uns bereits letzte Saison ständig das Genick gebrochen hat: die Unfähigkeit, ein solches Spiel einfach auf 0:0 zu halten. Die beiden ersten Tore fallen in der Freizeitliga nicht. Das ist einfach nur dämlich und vollkommen unnötig. Beim zweiten Tor verschätzen sich um die fünf Abwehrspieler bei einem simplen Einwurf. Das ist schon echt bitter. Klar, individuelle Fehler passieren. Aber doch nicht ständig. Doof ist, dass insbesondere Nehrig und Ziereis mehrfach echt schlecht aussehen. Wenn wir irgendwie erfolgreich sein wollen diese Saison, dann müssen diese beiden Jungs etwas einbringen. Ziereis steht jedoch zur Zeit vollkommen neben sich und ist so ein Kandidat für eine Pause. Und auch Nehrig hat nicht gerade Werbung in eigener Sache gemacht.

Es gibt aber auch Dinge, die gefallen

So schaffen wir es in Halbzeit 2, doch noch Druck aufzubauen. Und das, obwohl auch das dritte Gegentor in die Rubrik „vermeidbar“ fällt. Trotzdem versuchen die Jungs noch mal was, kommen zu einem glücklichen 1:3 und dann hat Union einen Torhüterreflex und Glück, dass nicht das 2:3 fällt. Das 4:1 fällt dann, als wir alles oder gar nix spielen. Es wird gar nix. Henks Annahme und Drehung vor dem 1:3 ist extrem cool, sein Abschluss würde zwar wahrscheinlich eher die Eckfahne treffen, aber wird ins Tor abgefälscht. Das Tor sollte ihm Auftrieb geben und er zeigt gegen Union wieder weitere Ansätze, wie er als Mittelstürmer, Bandenspieler und Vollstrecker wertvoll sein könnte. Hoffen wir, dass diese Andeutungen sich bestätigen.

Was noch positiv ist, dass sich diese Mannschaft wehrt. Wenn bei irgendwelchen Rudelbildungsnummern letzte Saison da unser Spieler meistens alleine blieb, so sind nun sofort alle da und diskutieren mit. So muss das auch in solchen Situationen sein.

Der Unioner Heimanhang feiert den Sieg mit einem „Sieg“-Stakkato und da sind wir auch schon beim Meckern. Sorry Leute, aber das ist echt Dreck und alle Menschen, die in Hamburg groß geworden sind, können euch sagen, mit welchem Wort die Pause in diesem Gesang früher gefüllt wurde. Da gibt es echt coolere Siegesgesänge. Ebenso fällt auf, dass eine Gruppe von Union anscheinend seit neustem mit den Ottos von Gladbach befreundet ist,die ganz unpolitisch mit SS-Totenkopf posieren. Also wir hätten da irgendwie andere Freunde. Aber es passt in dieses unschöne Unpolitische, was Union trotz vieler politisch fitter Leute schon immer prägt.

Nach dem Spiel also schnell weg. Am Bahnhof soll es noch gescheppert haben, aber wir haben davon nix mit bekommen. Feststellung der Abreise: Zu Union fährt man mit dem Fahrrad.

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Aug 252018
 

Am Donnerstag Abend sammelten sich vor einer Kneipe im Viertel eine ganz ordentliche Menge an Freunden der hässlichen Raute in eindeutiger Absicht. Anlass war ein Konzert von Bands, die in der FCSP-Fanszene angesiedelt sind. Wir möchten hier nicht weiter auf Details eingehen, auch weil wir gerne Faszination-Fankurve-Berichterstattung vermeiden wollen. Aber wir wollen dies doch zum Anlass nehmen, nochmals auf diese Problematik hinzuweisen.

Dazu passend sind derzeit auch die Maler, die es mit den Rauten halten, sehr eindeutig unterwegs. Überhaupt ist es bemerkenswert, wie sich die Fanszene der Rauten in Zeiten des sportlichen Misserfolges sich neue Legitimationsmuster sucht und in eine sehr breit getragene toxische Gewaltkultur umschlägt. Und dies nicht erst seitdem klar ist, dass man wieder in einer Liga spielen würde.

Zuletzt hatten wir das Thema beim Kiel-Hinspiel, wir verweisen da auch noch mal auf unseren Text, insbesondere auf das Ende.

Aussagen wie „das gehört dazu“ und wer sich zur Fanszene bekennt, der muss damit rechnen, sind ungefähr das Dümmste, was wir je gelesen haben. Fanszene ist ein absolut undefinierter Bereich, es gibt keine Möglichkeit eines harten Opt-outs, die Grenzen zieht immer derjenige, der angreift. Mal ganz davon ab, dass dies primitivste maskuline Stammesargumente sind, die echt Steinzeitniveau haben. Diese Argumente werden auch nach diesem Beitrag wieder kommen. Auch von angeblich „emanzipierten“ Leuten, sie sind überholt, langweilig und zeigen nur das eigene Verharren in diesen maskulinen Stammeswelten.Gleiches gilt auch für irgendwelche Kiezaufteilungsargumente, die gerne gebracht werden.

Fanszenen (!) müssen sich ehrlich gesagt fragen, ob sie wirklich auf diesem Niveau öffentlich agieren wollen. Es ist auch widersprüchlich, sich auf der einen Seite als ernstzunehmender Gesprächspartner zu generieren, aber auf der anderen Seite hier im primitivsten Niveau zu verbleiben. Ja, die Gewaltfrage ist und bleibt eine wunde Stelle in allem Agieren von organisierten Fanszenen. Und man darf sich selbst auch die Frage stellen, warum man sich eigentlich so schwer damit tut, Grenzen zu ziehen und auch einzuhalten. Das gilt nebenbei auch für Schmierereien. Es ist eben nicht harmlos, irgendwas mit „jagen“ oder „töten“ oder ähnlichem zu schreiben oder auf Aufkleber zu packen. Ich schaffe damit ein Klima, wo sich Leute genau dazu berufen fühlen. Das ist im politischem Bereich jedem klar, jeder verurteilt geistige Brandstifter. Aber im Fußballbereich gegen den lokalen Rivalen, da geht das immer klar. Doppelmoral, ick hör dir trapsen.

Klar, wir wissen, dass Fußballkultur auch Jugendkultur ist und das zu Jugendkultur auch immer dieses „Mob“-Ding gehört. Das war bei Poppern vs. Rockern so, da sind Musicals drüber geschrieben worden und es ist anscheinend im Menschen stark verwurzelt.

Nur wir leben 2018 und sollten eigentlich weiter sein als 1970 oder 1980. Wir haben ja nix dagegen, wenn jemand sein Adrenalin auf dem Acker abbaut. Da triffst du Gleichgesinnte, da gibt es ein klare Opt-in und Unbeteiligte sind da nicht betroffen. Ja, da ist die Rechtslage eine andere, aber nun gut.

Was jedoch einfach über eine Mob-Nummer hinaus geht ist, wenn du ganz bewusst Überzahlen und Überraschungen triffst, es dir nicht mehr um das „faire Ding“ geht, sondern darum, unterlegene Menschen richtig zu verletzen und zu traumatisieren.

Das ist nebenbei auch nicht „hart“ oder „cool“, wenn man unbedingt eine maskuline Logik (die Bullshit ist) verfolgen will. Das ist feige.

Ja, liebe FCSPler, dies gilt alles auch für uns. Es ist keine richtige Antwort, wenn wir nun losgehen würden und 17-jährigen Lokalrivalenfans den Schal mit 20 Leuten nachts in Pinneberg abziehen würden. Das kann und das sollte nicht unsere Antwort auf diese Scheiße sein. Ja, viele werden die Faust in der Tasche ballen und etwas wie „ich will aber nicht immer nur Opfer sein“ vor sich hin murmeln. Dies können wir auch verstehen. Aber wir müssen da eine andere Lösung finden. Wir sind nicht Allwissend. Wir haben keine perfekte Lösung.

 

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Aug 242018
 

Beim FCSP tut sich doch noch im Kader etwas.

Tschüss Philipp

Erstmal verlässt uns Philipp Heerwagen in Richtung Ingolstadt. Philipp ist garantiert einer der Spieler, der sich mit dem Projekt St. Pauli identifizieren kann und dem man eine Identifizierung auch abnimmt. Menschlich eine echt coole Socke, die u. a. beim Millernton bewiesen hat, dass er nicht nur vom Fußball bis zum Tor denken kann.

Menschlich deswegen ein Verlust, auch wenn wir die sportliche Entscheidung, den Jugendnationaltorhüter langsam mal an höhere Aufgaben heranzuführen, absolut verstehen können. Da Philipp für einen Fußballspieler schon in einem biblischen Alter ist, ist die Entscheidung für die Jugend leider auch nachvollziehbar, wenn beide ungefähr ein ähnliches Leistungsniveau haben.

Das, was einen vielleicht stören kann, ist, dass Philipp in der Halbserie in der er mal regelmäßig spielte, zeigte, dass man sportlich auch sehr gut hätte vertreten können, ihn zur Nr. 1 zu machen. Insbesondere wenn es um das Thema „rauslaufen und mal eine Flanke wegpflücken“ geht.

So aber nun leider die Folge, die dieses Ekelgeschäft Fußball vorschreibt. Und wenn Ingolstadt ihm etwas bieten kann, was wir nicht können, dann ist die Trennung im Einvernehmen der einzige Weg.

Aber nun gut. Die nun gefundene Lösung ist für alle Beteiligten in Ordnung, man trennt sich ohne großen Groll und aus Erfahrungen wissen wir, dass Ingolstadt mit Ex-St. Paulianern halbwegs vernünftig umgeht.

Alles Gute, Philipp, und grüße uns den Ralle.

Hi Korbinian

Dafür neu im Team haben wir Korbinian Müller. Der ist alleine schon für den Vornamen gekauft. Der Verdacht liegt nahe, dass wir ihn nur selten wirklich auf dem Rasen sehen werden, wenn denn nicht ganz viel schief geht in dieser Saison. Immerhin hat er aber die Erfahrung diverser Spiele in der dritten Liga. Wir hoffen trotzdem das Beste und willkommen an Bord, Korbinian.

Henk am Haken

Im Pokalspiel konnte man sich bereits einen neuen Eindruck unseres Sturmbaums Henk Veermann machen. Da machte er eher den Eindruck eines Stürmers, der unbeteiligt wirkt, um dann in seiner Situation zu explodieren. Okay, das Tor war ihm nicht vergönnt, aber seine Gefährlichkeit deutete er schon an. Er wird aber das Problem bekommen, was alle großen und wuchtigen Stürmer in Deutschland bekommen, nämlich dass ungefähr 50 % der Zweikämpfe gegen ihn gepfiffen werden. Das ist traurig und auch unberechtigt, aber die Regel.

Herzlich willkommen Henk und wir hoffen, du wirst trotz des Nachnamens vorab bezahlt. (Für die jüngeren Menschen unter euch: Das ist eine Chris de Burg Referenz.)

Alles Gute, Aziz

Uns verlassen wird Aziz Bouhaddouz. Man Junge, der FCSP ist ja nicht gerade als Stürmerschmiede bekannt, aber in der Rückserie 16/17, da hat man sehen können, dass du ein echter Vollblutstürmer sein kannst. Einer der einfach den Ball über die Linie bekommt. Was halt ein Talent ist, was man nicht an Merkmalen wie Technik, Schnelligkeit oder ähnlichem fest machen kann.

Heimisch ist er trotzdem irgendwie nicht geworden und so ging dieses Talent so schnell, wie es kam. Zu Beginn der Saison 17/18 kam noch Pech hinzu, aber dann ging es mit Leistung und Einsatz rapide bergab. Man hatte nie das Gefühl, dass Aziz mit dem Kopf bei der Sache ist.

Das Talent ist da und man kann für ihn nur hoffen, dass er sich irgendwo mal so wohl fühlt, dass er konstant über Jahre knipst. Ach ja, dass Saudi Arabien neben den allgemeinen Menschenrechtsproblematiken auch noch ganz spezielle Probleme für Fußballprofis bereit halten kann, wirft einem Google aus, wenn man da „Kafala“ oder den Fall des Spielers Zahir Belounis eingibt. Letzterer spielte zwar in Katar, aber das Institut „Kafala“ ist in SA vergleichbar.

Bei uns hat es leider nicht sollen sein. Alles Gute, Aziz!

Geparkt

Und aus der Rubrik „Bleibt uns länger erhalten“ ist noch Yi-Young Park zu vermelden. Der letzte Saison angedeutet hat, wie wertvoll er sein kann. Und der durch seine Flexibilität wahrscheinlich auch diese Saison noch sehr wertvoll werden wird.

Die wahrscheinlich auch dazu führen wird, dass er nie irgendwo wirklich Stammspieler wird. Solche Spieler neigen dazu, der 12. oder 13. Mann in einem Kader zu sein. Das ist nichts für eine Starkarriere, aber für einen Fußballverein unfassbar wichtig.

Er löst in dieser Rolle auch so langsam Schnecke ab, was ein schöner Generationswechsel ist. Sein bisher einziges Tor war auch schon einmal ein ganz richtiges. Schön, dass du da bleibst.

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Aug 222018
 

Gerade kam folgender Aufruf über den Verteiler des Fanclubsprecherrates und wir möchten das mit vollem Herzen unterstützen und euch die Teilnahme nahe legen:

Großdemonstration der SEEBRÜCKE – Hamburg zum sicheren Hafen!

02. September 2018 // Eine halbe Stunde nach Abpfiff des FC St.Pauli-Heimspiels gegen den 1. FC Köln // SÜDKURVENVORPLATZ

Europa wird immer mehr zu einer Festung ausgebaut und schottet sich ab. Für viele Menschen – getrieben von Krieg, Folter, Hunger und Elend – bleibt nur noch der gefährliche Weg über das Mittelmeer, um in Europa Schutz zu suchen. Doch auch hier werden Grenzpatrouillen zur See massiv ausgeweitet, die Geflüchtete davon abhalten sollen auf das europäische Festland zu gelangen. Allein im Juni sind über 600 Menschen ertrunken. Gleichzeitig werden die Schiffe der zivilen Rettungsorganisationen am Auslaufen gehindert und ihre Crews kriminalisiert. Das Sterben im Mittelmeer geht so immer weiter, da viele Refugees auf nicht seetauglichen Schiffen verzweifelt versuchen das europäische Festland zu erreichen. Eine humanitäre Katastrophe, die es zu verhindern gilt!

In Hamburg werden aktuell Holzhäuser für Geflüchtete abgebaut und verkauft, während im Mittelmeer Menschen weiter ertrinken. Hamburg – „Das Tor zu Welt“ – muss ein sicherer Hafen werden! Das bedeutet: Der rot-grüne Senat muss dem Beispiel von Düsseldorf, Bonn und Köln folgen und sich zur Aufnahme weiterer Geflüchteten bereit erklären!

Wir schweigen nicht, zeigen Solidarität und fordern: Stoppt das Sterben im Mittelmeer! Hamburg wird sicherer Hafen für Gerettete!

Nach der Auftaktkundgebung an den Landungsbrücken führt die Route der Großdemonstration über die Budapester Straße, wo es auf Höhe des Millerntorstadions eine Zwischenkundgebung geben wird, so dass alle Fans eine halbe Stunde nach Abpfiff des Heimspiels gegen Köln (ca. 15:45 Uhr) vom Harald-Stender-Platz/Südkurvenvorplatz aus an der Demo teilnehmen können.

Wir rufen alle St.Pauli-Fans auf, sich der Demonstration anzuschließen und dann geht‘s #allezusammen auf zum Rathausmarkt!

Dieser Aufruf wird unterstützt von:
– Fanclubsprecherrat des FC St.Pauli
– G.A.S. St Pauli
– Gleiche Höhe
– Jolly Roger / Ballkult e.V.
Zeckensalon
– und jetzt natürlich auch von uns 🙂

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Aug 202018
 

Normalität

Es ist keine Sensation mehr, wenn der FCSP in der ersten Runde bei einem Verein verliert, der in der dritthöchsten Spielklasse spielt. Es ist eher Routine. Seit 20 Jahren war das Ergebnis immer eine Niederlage. Und es liegt nicht an den fehlenden Gelegenheiten, nein, diverse Male spielte man gegen einen Verein der dritthöchsten Spielklasse.

Und nehmen wir das Ergebnis dieses Freitagabends in Wiesbaden vorweg: Weiterhin sind wir zuletzt in Meppen 1998/1999 bei einem Vertreter der dritthöchsten Spielklasse weiter gekommen.

Dritthöchste Spielklasse? Da auf diesem Level in den letzten 20 Jahren ungefähr alles umgekrempelt wurde, lässt es sich schlecht von „dritter Liga“ oder ähnlichem sprechen.

Anreise

Fußball ist für einen auswärts fahrenden Fan jedoch nicht nur ein Ergebnissport. Wäre dies der Fall, wären nicht 2000 erwartungsfrohe FCSP Fans nach Wiesbaden gepilgert. Zwar gibt es immer auch die irrationale Hoffnung, dass dieses Jahr nun endlich alles anders sein würde, aber seien wir ehrlich: Das ist so wie die Hoffnung, dass Donald plötzlich auch nur einen Hauch an Vernunft und Empathie annehmen würde.

Unsere Reisegruppe hatte den PKW als Anreisemittel gewählt und sich dank eines Fahrers der Marke „ich kenn mich hier aus“ gleich in HH verfahren. Der Fahrer tippt nebenbei gerade diese Zeilen. Man setze hier bitte ein Affen ein, der sich die Augen zuhält.

Alles kein Problem, hatten wir doch Zeit genug und nach Hannover sagte uns Google Maps immer noch eine Ankunft um ca. 19 Uhr voraus. Wir machten schon Witze, dass wir dann bitte genau 19:10 ankommen sollten.

Die Reisegruppe hatte sowieso gute Laune. Bestes Playlistmanagement und ein fröhlicher zusammen gewürfelter Haufen sorgten für beste Stimmung.

Und dann kam Kassel. Und der Unfall. Und Stau. Und noch ein Stau. Und noch eine Baustelle. Und noch eine. Und noch eine. Und so weiter.

Innerhalb von 15 Kilometern veränderte sich die Ankunftszeit von 19:06 auf 20:22. Na super. Die Meisterfrage, die man sich nun stellte, war: Kann man gegen Google Maps aufholen? Ja man kann. Und zwar ordentlich.

Chaos

In Wiesbaden angekommen, war die Parkplatzsuche noch relativ schnell und mit wenig Cha-os erledigt.

Riesiges Chaos dann aber beim Einlass. Hier also die Top Tipps, wenn du als „kleiner Verein“ im Pokal spielst: Erwarte nicht, dass die 2000 Leute, die eine Gästekarte gekauft haben auch kommen. Das wäre ja was vollkommen neues. Wichtig ist, dass du jeden ganz penibel durchsuchst, auch wenn ein riesiger Mob vor dem Eingang steht. St. Pauli Fans sind brutal G E F Ä H R L I C H und dafür bekannt mindestens (!!!!) Motorsägen in den Gästeblock zu schmuggeln. Lass dir Zeit beim durchsuchen, niemand will schnell ins Stadion, wenn der Anpfiff nur noch 30 Minuten weg ist. Wenn etwas unklar ist oder zwei Ordner nicht einer Meinung sind, dann reagiere ja nicht mit ruhiger Ansprache oder mit einem Gespräch mit dem Fanbeauftragten des Gastvereines. Die haben sowieso keine Ahnung. Hektik und möglichst noch die Polizei involvieren, ist immer der richtige Weg. Nicht vergessen: Das sind gefährliche Tiere, diese Gästefans. Und als Ordnungsmacht: Streiche bloß das Wort „deeskalieren“ aus deinem Wortschatz. So ein Gästefan ist schwerkriminell und wird schon irgendwas gemacht haben, was die volle Härte der Ungesetzlichkeit rechtfertigt. Und bedenke, dein Innenminister sagt sowieso, dass du alles richtig gemacht hast und du hast eher freien Urlaub als ein Strafverfahren zu befürchten. (In diesem Zusammenhang auch schöne Grüße nach Magdeburg, wo irgendwelche Polizisten Freitag meinten, die Darmstädter ohne Sinn und Verstand zusammen zu ballern.)

Ändere bloß nicht dein Gästefanblock. Der Käfig, der in einem Gefängnis inhuman wäre, der ist für Fußballfans viel zu gut. Und hey: Du musst Gästefans von anderen Gästefans durch ein Gitter mit Löwengang und Überstiegsschutz trennen. Wo kämen wir denn dahin, wenn man einfach das Tor öffnen würde? Und ganz wichtig: Statte den Überstiegsschutz so aus, dass sich mindestens ein Besoffener daran in der Nähe der Pulsadern aufschneidet, wenn er seinen Kumpel im Nebenblock begrüßen will.

Wer in den letzten beiden Absätzen Sarkasmus oder Ironie findet, der darf sie behalten.

Stimmung

Die Stimmung im Gästeblock war ziemlich gut, die Vorsänger trieben gut an. Das Intro aus Fahnen und Blinkern sah gut aus, wenn man drinnen stand. Nur eine Sache: Wenn Feuerwerk ausgeht und ihr daneben steht, dann ist es richtig da kurz drauf zu treten, damit das nicht noch länger glüht. Nicht richtig ist es, die noch glühenden Reste mit Schwung von eurer Stufe zu schieben. Denn dann bekommen das Leute auf den Fuß, die vielleicht nur Sandalen an haben. Außer einem Schreck und wahrscheinlich einer kleinen Brandstelle ist zum Glück nichts passiert.

Hätte, Hätte, Fahrradkette

Auf dem Platz irgendwie 4-16 Ecken, gefühlt 5 zu 100 Torschüsse und am Ende ein 3-2. Jeweils aus Sicht des Gastgebers. Es war kein schlechtes Spiel unserer Jungs, die genügend Torchancen für zwei Spiele heraus spielten. Aber man muss halt dann auch mal eine rein machen. Und man muss echt nicht die erste Ecke des Gegners fangen. Dabei noch ärgerlicher ist, dass diese nur entstand, weil ein Ball durch den 5er segelte und bei uns den Torhütern anscheinend verboten ist, die Linie zu verlassen. Dadurch wurde der Ball erst eine Ecke. Die man dann aber auch locker klären kann, liebe Abwehr.

Veerman eher unglücklich. Ein Stürmer, der erstmal null am Spiel teilnahm, dann aber vier riesige Dinger auf dem Fuß oder knapp vor dem Fuß hat. Und mindestens eine davon kann er mal machen. Und dann gewinnen wir das Ding nach 90 Minuten. Gut, machen wir es nicht an ihm fest. Er ist neu, der kommt noch.

Was wir nicht verstehen, ist die uns bisher unbekannte Regel, dass ein Torhüter anscheinend seinen Gegenspieler absichtlich verletzen darf, wenn er nur vorher den Ball gespielt hat. Sorry, aber da kann man nicht mehr von „unglücklichen Zusammenprall“ reden, der wollte genau so in Allagui rein springen und den genau so treffen. Jedem Stürmer wäre das abgepfiffen worden, selbst wenn er den Ball vorher berührt hätte. Aber nun gut, siehe letzter Absatz: Chancen machen und dann muss man sich nicht über den Schiedsrichter ärgern.

Ebenso verlor man leider nach dem 3-2 Anschlusstreffer jede Ruhe und Ordnung. Wenn man da etwas sortierter zu Ende spielt, dann ergeben sich vielleicht auch noch Chancen, denn Wiesbaden war garantiert nicht sattelfest hinten drin. Mit unkontrolliert „hoch und weit“ machte man es ihnen dann aber etwas einfach.

Trotzdem wurde der Mannschaft applaudiert und das nicht einmal zu Unrecht. Sie hat alles versucht, was sie an diesem Tag drin hatte.

Sagt das nun irgendwas über den weiteren Verlauf der 2. Liga aus? Eher nicht. Aus Erfahrung kann man sagen, dass wir schon aufgestiegen sind, wenn wir in der 1. Runde gescheitert sind und weit am Ende standen, wenn wir weiter gekommen sind. Es gilt aus dieser Niederlage zu lernen und in der Liga weiter zu machen.

Und vielleicht sollten wir uns ernsthaft überlegen, ob man eigentlich als Zweitligist für den Pokal melden MUSS. Wir können uns sonst diese Spiele echt schenken.

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Aug 172018
 

Es ist gut 30 Jahre her, dass ich mit meiner Schwester von einer erfolgreichen Langspielplattenjagd nach Hause kam. Das gute Stück welches wir in den Händen hielten, war eine LP namens „Suffer“ einer Band, die wir bis dahin nicht kannten.

Wie so häufig hatten wir uns die LP nach der Coverart gekauft. Eine der damaligen Künste war es in einem Bild eine LP für den Käufer spannend zu machen. Leider ausgestorben. „Suffer“ hat eines der wirkmächtigsten Bilder als Cover, die ich bis heute gesehen habe. Der brennende Junge im amerikanischen Vorstadtidyll.

Es folgte ein reinhören auf der eigenen Stereoanlage und 27 Minuten, die mein Leben bis heute prägen. 27 Minuten schnellster, melodischer Punk. Was mich schon damals interessierte und bis heute ein Argument zum Kauf von Musik ist, sind die verbreiteten Texte. Und auch dort hatte die Original LP eine lustige Lösung zu bieten. Das Textheft war das Foto einer Zimmerwand, an die handschriftlich die Texte der Lieder geschrieben waren. Halbwegs leserlich. Nach dem reinhören folgte also das reinlesen.

Während die Musik von Bad Religion garantiert nichts besonderes ist, außer dass es gefühlt immer der gleiche Song ist, was schon wieder besonders ist, so sind es die Texte des Greg Graffin schon. Eine biologisch, wissenschaftliche Sicht auf die Welt, die so gar nicht zu „Punk“ passt. Wo andere Parolen gröhlen, benutzt er Worte wie „ectoplasmic“ in Punktexten.

Und so kaufte ich in den folgenden 30 Jahren beinah jedes Album der Band, war nicht immer musikalisch überzeugt, weil auch die brüllende Wut der Band zwischendurch abhanden gekommen war, aber die Texte waren immer lesenswert.

Ein Auszug aus diesen war hier auch jahrelang auf diesem Blog zu lesen:

“a righteous student came and asked me to reflect
he judged my lifestyle was politically incorrect
I don’t believe in self important folks who preach
no Bad Religion song can make your life complete
prepare for rejection you’ll get no direction from me
you’ll get no direction from me
you’ll get no direction from me”

Immer noch ein Leitmotiv für mich, wenn ich hier schreibe oder mit meinen Mitbloggern ein Thema bearbeite. Ihr werdet unsere Sicht der Dinge lesen. Aber ich will nicht, dass ihr von uns eure Meinung, eure Richtung bekommt. Denkt lieber selber nach, macht euch schlau, nehmt viel klügere Quellen als mich Fußballproll und macht damit euer Leben, euer Wissen komplett. Das heißt nicht, dass ich meinungslos bin, ganz im Gegenteil. Aber Argumente zu hören und zu bewerten macht Spaß. (Das es hier Grenzen gibt, versteht sich von selbst.)

Absurderweise gibt es Leute, die meinen, dass seine Texte unpolitisch seien. Hab ich mal auf diesem Twitter gelesen. Ja klar, wenn politisch nur die platte Parole ist, dann ist das richtig. Sonst nicht. Und das die amerikanische Weltsicht häufig von der europäischen Weltsicht abweicht oder ganz andere Themen einer Behandlung bedürfen, auch dies will vielen Leuten nicht in den Kopf.

Punk Musik ist heutzutage ja nicht mehr die gewählte Ausdrucksform der Jugend. Oder eher nur noch für wenige. Heutzutage halt eine alte Leute Musik, was sich auch auf dem Konzert sehr deutlich zeigte. Da waren doch viele graue Haare zu sehen. Jede Generation sollte ihre musikalische Ausdrucksform haben. Sie sollte ihre Musik haben. Musik ist eine so schöne Einstiegsdroge in das Leben, in eine Weltsicht und auch in Politik. Und ja, genau deswegen sind so Grauzonenbands gefährlich.

Dies alles vorweg geschrieben, ergab sich letztens die Möglichkeit Suffer komplett live anzuhören. Gespielt von der Band in einem besonderen Konzert.

Und wer schon mal auf einen Bad Religion Konzert war, der weiß, wie ein solches abläuft. Die Band ballert in einem Heidentempo ihre Setlist runter, der Saal kocht und Pausen sind überbewertet. Und obwohl es noch ein Tag in der gerade abgeschlossenen Hitzeperiode war, gönnte sich auch diesmal die Band nur wenig Pausen. Der Schweiß floss und auch der grauhaarige Pogomob hielt gut durch.

Als Zugabe dann „Suffer“ in richtiger Reihenfolge, alle Lieder. In 26:23. Mit einer Pause. Da wo meine Schwester und ich die LP umgedreht haben.

Danke Bad Religion, dass ihr mir ohne eine Richtung vorgebt, ohne mir eine Richtung vorgegeben zu haben.

(Der Blogsenior)

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Aug 092018
 

Es ist schon bemerkenswert, wie es eine Firma schafft, ihr Produkt so eng mit einem Profisportverein zu verbinden, wie Astra es mit dem FCSP erreicht hat. In dieser Intensität fallen einem vielleicht nur noch Red Bull und Leipzig oder SAP und Hoffenheim ein (und da sind die finanziellen Abhängigkeiten ja bekanntlich ganz andere).

In der Wahrnehmung vieler gehört Astra Bier zum Stadtteil und auch zu seinem Verein. Astra und Gegengerade, dass klingt fast so stimmig wie Burgund und Weißwein. Und nicht zuletzt muss man Astra als Sponsor zugutehalten, dass über viele Jahre hinweg als Geldgeber eine gewisse Partnerschaft aufgebaut wurde, die für den FCSP nicht ausschließlich von Nachteil war und ist. Wo ist also das Problem?

Es ist ja nicht mal so sehr das Problem, dass Astra geschmacklich irgendwo zwischen Bud Light und Turmbräu Pilsener einzuordnen ist. Oder dass Astra mittlerweile zu einem Konzern mit – vorsichtig formuliert – dubiosen Geschäftspraktiken gehört. Oder dass man bei der Lautstärke der nervigen Werbung riskiert, mit einem Gehörsturz nach Hause zu gehen.

Nein, was Astra Zielscheibe unseres lange aufgestauten Ärgers macht, ist die jahrelange konsequente Weigerung, das eigene Image zu überdenken. Astra wirbt seit Jahren mit sexistischen und neuerdings auch mit rassistischen Inhalten, die absolut indiskutabel sind. Eine gestern (8.8.2018) bei Twitter geteilte neue Plakatkampagne der Marke bringt für uns gerade das Fass zum überlaufen. Nur zur Sicherheit: Indiskutabel heißt, dass ihr uns mit euren „aber ich empfinde das nicht als rassistisch“ Kommentaren vom Hals bleiben könnt. Auch die im Tweet enthaltene Antwort des Social Media Team von Astra ist komplett indiskutabel.

Intern fanden wir vor wenigen Wochen noch positive Worte für die Bereitschaft eigene alte sexistische Werbung für Pink Stinks zur Verfügung zu stellen und Fehler einzugestehen. Die nun wieder diskriminierende Kampagne ist vor dem Hintergrund besonders frustrierend für uns und hinterlässt einen faderen Nachgeschmack als das eigentliche Bier.

Liebe Leute bei Astra, diese Art von Image ist nicht edgy, sexy oder cool. Sie ist einfach nur Scheiße. Ihr mögt den FCSP, ihr seid Sponsor bei Babelsberg und Wutzrock? Großartig! Aber haltet euch an unsere Werte! Auch wenn ihr euren diskriminierenden Content bislang (unseres Wissens nach) nicht ins Stadion getragen habt: Wenn ihr gerne mit dem FCSP assoziiert werden wollt, lasst das sein!

Liebe FCSP-Fans, bitte zieht eure eigenen Schlüsse aus dem vermehrten Fehlverhalten der Marke Astra. Wir werden nicht zum Boykott aufrufen, aber ein wenig kritischeres Verhältnis als die teilweise herrschende Glorifizierung muss hier einfach möglich sein. Der FCSP möchte für Haltung stehen. Und warum diese seitens der Fans immer wieder eingefordert wird, außer bei einem der wichtigsten Sponsoren, ist uns komplett unbegreiflich.

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Aug 082018
 

Wir schreiben das Jahr 2012. Die Gegengerade ist im Bau und es steht das erste Heimspiel an. Vier Tage vor dem Spiel hat der Verein eine Pressemitteilung raus, nach der vielleicht die Plätze nicht nutzbar sind und dann gäbe es nicht für alle Menschen Ersatz. Wer dann nicht ins Stadion käme, der bekomme aber eine Vergünstigung auf die nächste Dauerkarte. Die Pressemitteilung ist leider nicht mehr online verfügbar, aber unser Artikel von heute vor 6 Jahren ist es noch.
Dank unseres coolen Erinnerungsbots auf Twitter, sprang er genau heute ins Auge. Wie passend.


Diesmal führt der Verein vier Tage vor dem ersten Heimspiel eine sogenannte Schosskarte für Kinder zwischen 1 und 6 ein. Diese ist weiterhin kostenlos, muss aber am Spieltag in Person an einem Schalter abgeholt werden. Details siehe Homepage des FCSP.

Vorab: Die Einführung einer solchen Zählkarte ist absolut logisch bei einem elektronischen Einlass-System, ist mit erhöhten Auflagen für Großveranstaltungen vollständig erklärbar und somit nachvollziehbar.

Jedoch! Handwerklich ist das stark verbesserungswürdig!

Kurzfristig

Es ist mal wieder eine viel zu kurzfristige Information. Vier Tage vor einem Spiel die breite Öffentlichkeit zu informieren, ist einfach zu spät. Und solche Themen fallen ja nicht vom Himmel. Und sie betreffen eben doch verdammt viele Leute! Und wenn man – aus welchen Gründen auch immer – erst so spät zu diesem Thema kommt, dann wäre es bei drei Wochen (!) zwischen dem ersten und dem zweiten Heimspiel das einfachste einfach „Hey, wir machen dies ab Heimspiel zwei“ zu sagen. Man hätte den Ordnern auch was Gutes damit getan. Nämlich die Möglichkeit bei diesem Heimspiel jeden mit Kindern zwischen 1 und 6 noch mal anzusprechen und zu sagen „Hey, ab nächstes Mal Karte!“.

Unpraktisch

Die Handhabung ist unpraktisch. Wir alle kennen das Millerntor, die Enge, den Lärm und wir alle kennen Kinder zwischen 1 und 6. Was man da garantiert nicht einfach so mal eben macht ist sich in eine Schlange stellen und ein Ticket abzuholen. Mal ganz davon ab: Wir haben 2018. Etwas nur offline anzubieten ist ungefähr seit dem Jahr 2000 Vergangenheit. Mal ehrlich: Leute in eine Schlange zwingen, das kannst du mit Leuten machen, die sonst kein Ärger haben im Alltag. Familien mit kleinen Kindern gehören dazu definitiv nicht. Sie sollten, nein sie müssen, von unserem Verein auch im Sinne einer Jugend- und Familienförderung, im Sinne einer sozialen Verantwortung auf Rosen gebettet werden. Sie in eine Schlange an jedem Spieltag (!) zu zwängen, wird dieser sozialen Verantwortung nicht gerecht.

Wieder juristisch zumindest zweifelhaft

Die allgemeinen Ticketingbedingungen hat der Verein – soweit uns ersichtlich- nicht angepasst. Wir können und wollen das nun nicht juristisch bis zum Ende durchprüfen, aber man könnte schon an ein Gewohnheitsrecht, an eine geübte Auslegung dieser Bedingungen denken. In denen nämlich ein Zugang bis zum 7. Geburtstag ohne Karte geregelt ist. Und diese nach dem Verkauf der Dauerkarten (und der Einzelkarten für dieses Spiel) zu ändern, geht juristisch schlichtweg nicht. Verträge sind einzuhalten, wie sie geschlossen sind. Und soweit hergeholt ist es nicht, den Einlass von 1 bis 6 jährigen ohne Karte als eine Pflicht des Vereines aus dem geschlossenen Ticketvertrag (mit dem Erziehungsberechtigten) zu konstruieren. Wie wir schon 2012 schrieben: Ticketverträge kommen auch mit Pflichten! Gut, wir haben es nicht zu Ende geprüft und vielleicht würde das ein Gericht anders sehen, aber man kann so etwas viel sauberer lösen. Gerade weil es durch die Schlange, durch den Mehraufwand eben nicht nur eine Lappalie oder eine Förmelei ist. Wenn man das richtig sauber machen will, dann müssen solchen Themen veröffentlicht und in den ATGB verankert sein, bevor man beginnt Karten zu verkaufen! Das sollte der Verein endlich mal lernen. Siehe 2012.

Lösungsvorschläge

Fragt doch rechtzeitig mal nach, holt euch Input von Fanseite. Da gibt es wohlbekannte Institutionen wie Fanladen, FCSR, ständiger Fanausschuss, etc. pp. Die sind ständig erreichbar und sitzen im Notfall genau so nah, dass man das schnell bei einem Kaffee besprechen kann. Der kurzfristig über diese Änderungen informierte Fanladen hat seine Bedenken beim Verein zu Protokoll gegeben, wie er auf unsere Anfrage mitteilte. Es ist erstaunlich, dass sich beim Catering ein „kleiner Dienstweg“ schon vor Jahren entwickelt hat, vieles vorab klärt und Probleme kreativ löst. Nur im Ticketing, da klappt das nicht. Das muss doch gehen! Denn eigentlich sind das doch kommunikative und intelligente Leute da im Kartencenter.

Und bessere Lösungen liegen auf der Hand: Z.B. eine Dauerschosskarte. Unseretwegen gerne gebunden an die Karte eines (oder zweien) Elternteils/Erziehungsberechtigten. Oder mit einer Onlinebestellmöglichkeit. Unseretwegen auch nur in der Woche vor dem Spiel, wenn man denn solche Karten nicht ins Nirvana geben möchte. Die Dauerschosskarten hätten auch noch einen geilen Nebeneffekt: Bedenkt mal wie Stolz Lucas, Lenya und Leni wären, wenn sie ihre eigene (!!!) Dauerkarte hätten. Das ist frühzeitige Kundenbindung, also auch noch ein wirtschaftlich ganz spannender Nebeneffekt. Man wüsste für Vermarktungen z.B. auch, wo Kinder in welchem Alter sind. Aber hey. Jeder möchte Daten sammeln. Nur der FCSP nicht. Letzteres haben wir jetzt natürlich nicht gesagt.

Kann es sein, dass eine Onlinelösung an eventuellen Eventim Gebühren scheitert? Noch ein Grund (ungefähr der 498567564ste) diesen „Partner“ möglichst schnell zu entpartnern. Aber das wäre jetzt ein eigener Artikel.

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