Mai 282018
 

 

Vorwort

Der Bereich für aktive sportliche Betätigungen in diesem Blog führt ein Schattendasein. Was auch daran liegt, dass er sich an teilgenommenen Veranstaltungen orientiert und in einer Vorbereitung auf einen Triathlon kommt man leider nicht dazu viele Veranstaltungen mitzunehmen. Und da wir nur einen aktiven Sportler haben, der sich zu Veranstaltungen begibt, ist die Füllung dieser Rubrik selten. Aber dafür umso herzlicher.

Premiere

So war die Teilnahme am diesjährigen Rennsteiglauf mein erster offizieller Wettkampf dieses Jahr. Nun werdet ihr zu Recht fragen, ob es sich lohnt über 400 KM für einen Halbmarathon zu fahren, aber jeder der schon mal am Rennsteig war, der wird euch bestätigen, dass es sich lohnt. Und dies sei auch schon das vorweg genommene Fazit dieses Berichtes.

Vorspiel

Die Anfahrt am Freitagmorgen war problemlos. Das Navi schickt einen über hessische Landstraßen durch das Werratal, was vielleicht schneller ist, vielleicht auch nicht, aber allemal ist es sehr hübsch. In Thüringen angelangt freut man sich erstmal über die sehr schönen Ortsnamen, die es da so gibt. „Ohrdruf“ ist ein Beispiel. Und wenn man sich dem Mittelgebirge des Thüringer Waldes nähert, wird es immer hübscher. Ziel und Übernachtungsort für mich war Oberhof. Wer Wintersport verfolgt, der wird diesen Ortsnamen schon einige Male gehört haben, denn gefühlt jeder Thüringer Olympiasieger ist entweder hier oder in einem der Nachbarorte geboren.

In Oberhof wurde dann auch der Rest der Gang angetroffen. Neben der @sielaeuftde noch Menschen ohne Twitter, die wir zum größten Teil von der berühmten misslungenen Teilnahme am NY Marathon kennen. Eine herzliche Gang, die einem so ein Wochenende sehr lustig macht.

Prägend für das Wochenende war die ungefähr erste Forderung von @sielaeuftde nach meiner Ankunft „ich will eine Bratwurst“. Thüringen das Land der Bratwürste und so gab es erstmal um 12:30 eine gepflegte Bratwurst aufs Brötchen.

Was ist eigentlich Rennsteiglauf?

Die Startnummern sind im jeweiligen Startort abzuholen. Ja, es gibt mehrere, denn wie in der Ex-DDR sehr beliebt handelt es sich auch hier um einen Point to Point Lauf. Etwas vereinfacht könnte man sagen, dass man sich aus zwei Richtungen auf Schmiedefeld zu bewegt. Die Halbmarathonläufer und die Supermarathonläufer (73,5 KM) von links, die Marathonläufer von rechts.

„Der Rennsteig ist ein 170 km langer Kammweg“ behauptet Wikipedia. Und auf diesem Kammweg haben 1973 vier verrückte Läufer dem Pädagogen Johann Christoph Friedrich GutsMuths gedenken wollen und sind auf dem Rennsteig 100 km gelaufen. Aus dieser Schnapsidee entwickelte sich dann über die Jahrzehnte das heutige Laufspektakel.

Herr GutsMuths war in der Turnbewegung tätig und einer der „Gründungsväter“ dieser Bewegung. Der Wikipedia Eintrag ist eher eindimensional, eine gewisse Vorsicht bei der Verherrlichung der „Turnväter“ ist wohl angebracht. Bis heute gibt er dem Lauf seinen Namen.

Spektakel ist die richtige Bezeichnung, denn an der Veranstaltung mit ihren unterschiedlichen Strecken nehmen insgesamt um die 16.000 Leute (Finisherzahl 2017) teil.

Die Abholung in Oberhof für den Halbmarathon verlief trotz insgesamt 8.000 Meldungen problemlos und schnell.

Der Rest des Vortages

Nebenan bei Sport Luck (Inhaber Frank Luck, Olympiasieger in Lillehammer und Nagano) war danach Merchkauf angesagt. In der heutigen Zeit, wo man für eigentlich jedes normale Baumwollshirt schon 30 Euro bezahlt, sind Preise von 20 Euro für ein Funktionsshirt sehr angenehm. Ich musste zugreifen.

Als Hotel hatte ich das „Treff Hotel Oberhof“ gebucht. Dies erwies sich Betonbunker im sozialistischen Stil. Hübsch ist was anderes, aber dafür waren die Zimmer gut, das Personal nett und die Betten bequem.

Die Klosparty haben wir geschwänzt und nach einem Abendessen in einem Restaurant vor Ort, war auch schnell Bettruhe angesagt.

Rennsteiglauftag

Denn früh klingelte der Wecker, kurzes Frühstück, die @sielaeuftde kurz verabschiedet, die sich mit dem Bus zum Marathonstart auf machte und dann mit der Halbmarathongang zum Start gegangen.

Seinen Beutel schmeißt man unsortiert in LKW, nur um ihn erstaunlicherweise am Ende sortiert auf einer Wiese vorzufinden. Respekt an die Menschen, die in ca. 2 Stunden aus 8.000 Beuteln eine Reihenfolge herstellen.

Bei der Abgabe auch den Thüringer Blitz aka Lauffreund Sven getroffen. Ich denke, dass ihr seinen Bericht hier nachlesen könnt.

In die Startaufstellung einsortiert, die nach folgendem Prinzip funktioniert: Du bist das erste Mal dabei? Dann startest du hinten. Du bist schon mehrfach dabei? Wir ordnen dich nach deiner Zeit der Vorjahre ein, die du hier gelaufen bist. Sowieso wird mehrfache Teilnahme sehr honoriert und hoch gehalten. Dazu aber später noch mehr.

Und dann begann die Musikbeschallung. Und ich kann euch sagen, dass ich für Leute, die entweder Mallepartyhits und deutschen Schlager mögen, oder hart im Nehmen sind. Dazu noch das Rennsteiglied.

Gut, dass Sven da perfekt textsicher ist. So kommt man als Tourist mit Mitschunkeln aus.

Mehrfache Teilnahme

Das ganze ist ein Lauf der Freaks und Freaks, die hier über 30 Mal mitgelaufen sind, gibt es unzählige. Man hat das dann auch auf seinem Shirt stehen und der Moderator am Start und im Ziel honoriert dies ausführlich. Das ganze macht sympathisch, denn da kommt der 80 jährige mit der 41. Teilnahme ins Ziel des Halbmarathons nach 3:50 und wird im Endeffekt genauso ausführlich gewürdigt, wie der Sieger des Supermarathons. Oder man führt seine ganzen Startnummern der Jahre mit. Oder den Originalfischerhut vom 12. Rennsteiglauf (1985) oder oder oder. Unfassbar. Und dann steht man da im Ziel und an einem läuft ein Teilnehmer auf der Marathonstrecke vorbei, der folgendes auf dem Shirt stehen hat „Jahrgang 37, 37. Teilnahme“. Und der kommt nach einer Zeit von 5:30 ins Marathonziel. Was für Freaks.

Los geht es

Der Startschuss wird vom Innenminister gegeben, der auch mitläuft und auf die Frage wer denn noch aus der Regierung mitlaufe sagt, dass er dies gar nicht wisse und ein Innenminister ja auch nicht alles wissen müsse. ACH? Seit wann das denn? 😉

Die Marathonläufer werden ziemlich zeitgleich von Bodo Ramelow auf den Weg geschickt und diese Dichte an politischer Prominenz zeigt auch, welche Bedeutung dieser Lauf für Thüringen hat.

Ich setzte mich in Gang und hab gedacht, dass die ersten KM ob der Konstruktion der Startaufstellung eher hektisches Überholen sein wird. Aber siehe da: Es lief extrem entspannt ab. Wenn jemand schneller war und überholen wollte, dann frage er entweder ruhig nach oder wartete auf eine entsprechende Lücke. Trotz 8.000 Teilnehmern und trotz einer schnellen Einbiegung auf schmale Wanderwege wurde es nie hektisch, keiner drängelte und alles lief entspannt an.

Der Rennsteig ist nicht gerade flach. Keine Ahnung, wieviel Höhenmeter es insgesamt gibt, aber es sind einige. Ich hatte mir vorgenommen unter 3 Stunden ins Ziel zu kommen und mich an den Anstiegen nicht zu übernehmen. Und so beginnt das Hin- und Her des Laufs. Einige sind schneller rauf, andere schneller runter, die Positionen wechseln munter. Eine Läuferin schätzte, dass wir uns am Ende ungefähr 10 mal überholt hatten und ich kann ihr nicht widersprechen.

Ich lief bei gleichmäßigen Puls und hatte trotzdem einen KM bei 9:46 und einen bei 5:44 (lustiger weise KM 19). Das sagt wohl alles über das Gelände aus. Entschädigt wird man aber durch tolle Ausblicke und ganz viel Natur.

Was für mich Stadtläufer ungewohnt ist und auch nicht ohne Gefahr sind die diversen Rinnen und Wurzeln auf den Wegen. Leider hat es hier einige Teilnehmer ganz ordentlich abgepackt und einige blutige Knie oder blutige Stirne sah man im Ziel. Auf der Marathondistanz war einmal selbst der Rettungshubschrauber von Nöten. Hoffen wir mal, dass sich alle Unfallopfer auf dem Weg zur Besserung befinden. Aber auch hier: Kein hektisches weiterlaufen, kein ignorieren des Gestürzten. Sofort blieben Leute stehen, halfen ihm und kümmerten sich um ihn. Und der Rest unterbrach sein Rennen und machte Platz.

Mein Zeit Ziel verschob sich ab km 13 immer weiter nach vorne. Da es beinah durchgängig Bergab ging und ich noch viele Körner übrig hatte, gab ich nun Gas, überholte sehr viele Teilnehmer und ballerte mehrere KM in einer 6er Pace in den Waldboden. Ein ziemlich giftiger Anstieg bei KM 16 war mir vorher angekündigt worden und wenn man weiß was passiert, dann nimmt man den ganz elegant mit.

Bei 2:41:25 offiziell blieb die Uhr stehen und mit dieser Zeit kann ich sehr gut leben. Schnell war meine Gang wieder eingesammelt und die Wartezeit auf unsere Marathonläufer vertrieben wir uns mit Bratwurst, Bier und rumliegen. Und da man nach so einem Lauf nicht sehr viel braucht, waren wir auch schnell gut angetrunken.

Die Party

Irgendwann hatten wir dann alle im Ziel und nach Dusche und Abendessen fanden wir uns auf der Party in Oberhof wieder. Und was da zu einer Mischung von Partyhits, Schlager und Rennsteiglied abgeht, ist nicht in Worte zu fassen. Da tanzen Leute mit einer Supermarathonmedaille ausgelassen auf den Tischen und das Rennsteiglied wird mitgebrüllt.

Es ist eine komplette Parallelwelt in der alle durchdrehen. Nur über die Qualität der Lieder darf man nicht nachdenken, da war u.a. auch „Hamburg meine Perle“ bei.

Wiedersehen

18.05.2019 ist der nächste Rennsteiglauf und ich würde sagen, dass die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Starts sehr hoch ist. Das macht in seiner entspannten Atmosphäre doch sehr viel Spaß.

 

Jetzt aber erstmal

Nach Madison im Bundestaat Wisconsin wo am 10.06. der Ironman 70.3 für mich auf dem Programm steht. Ich werde berichten.

Mai 242018
 

Der hier schreibende Autor des Redaktionskollektivs las vor einiger Zeit Gabriel Kuhns Buch „Die Linke und der Sport“, welches er eigentlich für den Magischer FC-Blog rezensieren wollte (Wenn ihr zusätzlich eine vollständige Rezension wollt, könnt ihr ihm ja gut zusprechen).
Kuhn (ohne genau zu definieren was die „Linke“ eigentlich genau ist) fasst die (selbst-erklärten linken) Diskurse um den Sport zusammen und entwickelt darauf aufbauend die These, dass der Sport weder genuin gut noch schlecht ist, sondern an die Gesellschaft, in dem er betrieben wird, gekoppelt ist; aber das Potenzial hat, positiv oder negativ gesellschaftlich wirkmächtig zu werden.

Kuhn stellt diverse Konflikte und Betätigungsfelder der „Linken“ im Sport vor, sei es der Kampf indigener Gruppen in den USA gegen die Verwendung ihrer Symbole und Namen als Maskottchen oder Gimmick bei Sport-Events, antirassistische Kampagnen im Fußball oder der Einsatz gegen koloniale Kontinuitäten im Cricket.

Diesen und anderen Kampagnen spricht er zu, sich kulturell positiv auszuwirken. Sport ist als integraler gesellschaftlicher Bestandteil immanent politisch und daher ist es gutes Recht, wenn nicht sogar Pflicht bestehende Ärgerlichkeiten anzugehen, Spannungen auch im Sport auszutragen und uns als Vereinsmitglieder, Fans und Schreibende zu engagieren.

Auf einer viel kleineren Ebene werden wir das auch dieses Wochenende am Millerntor erleben können. Über 30 antifaschistische Gruppen aus Europa sowie Mittel- und Nordamerika werden gegeneinander Fußball spielen und ins Gespräch kommen. Auch wenn alle Antifaschismus als Grundverständnis eint, sind die lokalen Probleme divers. Einige kämpfen primär gegen Homophobie und Antisemitismus in ihrem Stadion, andere gründen – frustriert der Entwicklung ihrer Vereine oder Szenen – eigene Clubs oder sogar Ligen, wieder andere müssen sich physisch gegen Nazis verteidigen oder sehen sich durch Sicherheitsbehörden bedroht.
Der Autor dieser kurzen Zeilen freut sich jedenfalls darauf, dieses Wochenende mit Leuten zu sprechen, über die verschiedenen Problematiken im Fußball (und dem damit verbundenen kulturellen und politischem Rahmen) zu lernen und natürlich auch wieder ins Millerntor zurückzukehren (Von wegen! Wir sind doch alle froh, dass Sommerpause ist, oder?)

Wenn ihr das auch wollt, kommt einfach vorbei, trinkt ein Bier gemeinsam, lernt unsere Gäste kennen. Auch wenn die kulturellen und politischen Entwicklungen in vielen Städten und Ländern entmutigend sind, ist es gut zu sehen, dass es überall Menschen gibt, die die Verhältnisse nicht hinnehmen, sondern nach Alternativen suchen und sich für diese einsetzen.

Das vollständige Programm findet ihr hier

Mai 072018
 

Erstmal zum Spiel gegen Bielefeld

Oh je, eigentlich ist ja schon vor dem Spiel alles klar. Meint der Senior des Blogs. Jedem, der ihn nervös anspricht, sagt er nur, dass nichts schief gehen könne, er habe Stutzen an. Die Glücksstutzen des vorherigen Wochenendes. Ungewaschen. Gut, dass wir einer Freiluftsportart beiwohnen. Sowieso versuchen so viele Leute vor dem Stadion unfassbar viele Dinge genau so zu machen wie die Woche davor. Wir sind alles rationale Menschen und natürlich glauben wir überhaupt nicht an höhere Mächte und an Aberglaube. Aber die Glückssocken müssen sein.

15:30 ist eine sehr schöne Anstoßzeit. Klar, wenn man auswärts fährt, dann wird das am Sonntag ganz schön spät, bis man wieder zu Hause ist. Aber besser als dieses „direkt nach dem Aufstehen Fußball spielen“ ist es allemal.

Der späte Anpfiff führt auch zu einer frühen Füllung der Plätze am Millerntor. Die Mannschaft wird wieder schon beim Warmmachen mit Anfeuerungen bedacht. Dazu noch eine Topchoreo auf der Haupt, die von Edelfan N. nahezu alleine durchgezogen wurde. Geiler Typ. Klasse Nummer.

Bielefeld. Auf der einen Seite beeindruckend, wie da echt noch Leute ankommen, die Sinnbild einer alten proletarischen Fußballkultur sind. Wie erzählte ein FCSPLer so schön vor dem Spiel? „Ich saß mit so einer Truppe 50-Jähriger in der Bahn. Freundlich, aber auch alte-Schule-ruppig. Irgendwie verlorene Fußballkultur.“ Anderseits bringt so ein Verein auch so viel unterstes Niveau mit, dass man nur den Kopf schütteln kann. Bielefeld ist nun wirklich kein Gegner, der bei dem geneigten FCSPler Hass auslöst (Ausnahmen bestätigen hier die Regel), und auch die 80er-Jahre-Hoolfreundschaft mit den Volksparkfreunden ist nun auch keine wirklich tragfähige Argumentation, um sich an denen noch abzuarbeiten. Wenn man aber sieht, wie die schon beim Einlauf der Heimmannschaft zum Warmmachen auf Hasslevel 1905 sind, dann fragt man sich echt, was man Sinnvolles alles mit Testosteron machen könnte.

Ansonsten gibt es heute in Bielefeld wohl gut gegarte Hühnerbrust, so viele wie da im Gästeblock in die Sonne gehalten werden. Dieser ganze „Oberkörper frei“-Kram ist sowieso etwas fragwürdig, aber das könnt ihr gerne an anderer Stelle nachlesen.

Auf dem Platz das letzte Aufgebot und das schlägt ichh in einem Kampf- und Krampfspiel wirklich wacker. Natürlich hat Bielefeld gefühlt 99 Prozent Ballbesitz und natürlich ist das letztendliche 1-0 etwas glücklich, aber ähnlich wie gegen Fürth hat man wieder das Gefühl, dass hier eine Mannschaft von 1 bis 11 ihr Glück erzwingen will.

Klar, du kannst so eine Intensität nicht jedes Spiel abrufen. Dafür reiben dich 34 Spiele zu doll auf. Aber wenigstens ein bisschen dieser Intensität hätte vielen Heimspielen eine ganz andere Wendung gegeben. Mal ein Sonderlob an Koglin und Zehir, die nun wirklich nicht viel Spielzeit in der ersten Mannschaft gesehen haben bisher und die beide ihre Sache sehr tapfer machen. Das macht doch Hoffnung, dass die Jungs knapp dran sind am Kader und zumindest von hinten mal Druck machen können. Park hingegen ist diesen kleinen Schritt gegangen und wird immer mehr zur defensiven Allzweckwaffe unseres Vereines. Seine Durchbruchsaison krönte er an diesem Tag mit einem Tor der Marke „arschcool“.

Ach ja, Freiburg und Rest der Welt: Dieser Mats, der kann gar nix. Ihr wollt den am Millerntor lassen, ja? Seufz, viel verletzt der Junge diese Saison, aber was der für ein Potential hat, wenn man ihm die zentrale offensive Position überträgt, das hat er in zwei Spielen wieder einmal unter Beweis stellen können. Einer der größten Fehler dieser Saison war es, dass dies nicht erkannt wurde und er sich irgendwo außen versuchen musste. Nicht seine Stärke.

Wo auch immer du landest, Mats, danke für die Jubelsprünge und für intensive 1 1/2 Saisons. Und falls du keinen Verein findest: Komm gerne noch länger zu uns.

Lasse sitzt jetzt erstmal eine Saison in Köln auf der Bank und dann leihen wir ihn wieder aus, dann machen wir wieder irgendeinen komischen Vertrag und dann spielt er endlich bis zum Ende seiner Karriere bei uns. Und falls es so nicht kommt, dann sei ihm der Erfolg in Köln gegönnt. Kann er gerne mit 96 Punkten aufsteigen. Die 6 anderen bleiben aber bei uns.

Damit ist alles gesagt, der Rest ist Jubel und purzelnde Steine. Und nun können wir nächsten Sonnabend ganz in Ruhe verfolgen, ob sich der lokale Rivale erfolgreich drückt oder nicht.

Das so ein „Stadtderby“ schon jetzt seine unangenehmen Seiten hat, sei nur am Rande erwähnt. Menschen wegen der falschen Schalfarbe aufs Maul zu hauen, wird nie in unseren Kopf kommen.

Was es nun zu tun gibt

Erstmal Frodo im Katzenkostüm im Sonderzug. Liebe Leute, er hat gewettet, er hat verlorengewonnen und wer ihm im Sonderzug doof kommt, der kommt uns doof. Und das mögen wir nicht. Krault ihm lieber die Öhrchen. Danke, liebe Mannschaft, dass das geklappt hat. Gebt ihm eine Mil äh ein Bier aus:

Und dann müssen wir was tun für die neue Saison.

Klar, man kann so einen Fokussierung und so eine Leidenschaft nicht für 34 Spiele durchhalten. Aber sowohl auf Fan- als auch auf Vereinsseite müssen wir wieder mehr Leidenschaft und Fokus entfachen. Der Verein muss es schaffen, klare Vorgaben zu definieren und auch hart durchzusetzen, wenn jemand sich nicht dran hält. Es muss da Zug rein. Jeder, der unseren Präsidenten kennt, weiß, dass er eher ein kooperativ führender Mensch ist. Und das ist ja auch modern und in vielen Zusammenhängen richtig.

Aber im Fußball hast du es halt mit Hochleistungssport und mit extremen Führungsansprüchen zu tun. Gerade bei einer Meute von jungerwachsenen Männern. Hier werden sich auch Oke und der ganze Verein anpassen müssen. Das heißt aber nicht, dass nun Oke hier der Zampano der Marke Kind oder Tönnjes werden sollte. Das ist nicht St. Pauli.

Wir und er müssen hier unseren eigenen Stil entwickeln und auch weiterentwickeln. Denn wie wir schon im JHV-Bericht schrieben: Wir haben hier ein ganz starkes Alleinstellungsmerkmal und gehen bewusst den Weg, den alle anderen nicht gehen. Die uns in zehn Jahren entweder auslachen und wir sie. Etwas dazwischen gibt es nicht. Wir haben 2030 ein Date mit dem Champions-League-Pokal, insofern lass uns die Welt auslachen.

Dazu müssen Prozesse hinterfragt werden, analysiert werden und vielleicht auch radikal geändert werden. Wir müssen uns ganz klar Ziele vornehmen, was wir in einem, in drei und in fünf Jahren für ein Fußball am Millerntor haben wollen. Nein, solche „in drei Jahren steigen wir auf“-Pläne sind Bullshit, aber es muss klar ersichtlich sein, was wir wollen. „Ausbildungsverein“ wäre z. B. ein Stichwort. Und gerade mit einem Jugendjahrgang im B-Jugend-Bereich, die sehr gut sein sollen, müssen wir sehen, ob wir diese in den Herrenbereich überführt bekommen. Wenn wir diesen Weg dann gehen wollen.

Erstmal: Das heißt nicht, dass Personal ausgewechselt werden soll. Und das heißt auch nicht, dass wir nun die unpolitischen Party-Paulis sind, die zwar „gegen Nazis“ sind, aber nur wenn es nicht weh tut, nicht aneckt und bitte auch sonst die Fresse halten. Das kommt nicht in Frage. Der FCSP muss und sollte Fußball mit einer gesellschaftlichen Verantwortung und einem rebellischen Auftreten sein. Der FCSP muss für einen anderen Fußball kämpfen und ihn leben.

Wir werden auch unbequemen externen Rat uns einholen müssen. Nicht über Boulevardzeitungen. Aber intern.

Auch wir Mitglieder und Fans müssen uns ändern.

Da ist dieses unbestimmte „ach zweite Liga reicht ja und wir wollen ja gar nicht aufsteigen und mal sehen“, was auch an der Misere der letzten Jahre schuld ist. Diese Genügsamkeit mit Platz 9 ist nicht zielführend. Da gehören wir nicht hin. Auch nicht in einer zweiten Liga mit Köln und Wolfsburg. Wenn es am Ende Platz 5 wird, dann kann man nichts sagen, aber unser Anspruch sollte und muss Top 23 sein. Dafür werden wir hart arbeiten müssen. Und wir Mitglieder werden mitarbeiten müssen, denn z. B. wählen wir im November einen Aufsichtsrat.

Und wenn ihr, ja ihr liebe Mitglieder, dann irgendwen wählt, der per Boulevardzeitung ein „ich führe Pauli in den sportlichen Erfolg“ wählt, dann kündigen wir euch die Freundschaft.

Und noch mal sei auf den JHV-Bericht verwiesen: Dieser Verein ist ein Mitmachverein, es gibt so viele Dinge, die von unten bewegt werden können. Und es gibt genügend Organisationen, wo ihr alle mitmachen könnt. Seien dies nun Ultras, Fanräume, Museumsvereine oder andere Stellen. Und damit bekommt ihr alle auch genügend Einblicke, um an anderer Stelle zu helfen.

Ebenso muss das lethargische Nichtsupporten und Allagui in Minute 5 Anpöbeln ab jetzt Geschichte sein. Das Millerntor kann dir bei richtiger Stimmung drei bis vier Spiele gewinnen, aber dafür müssen auch wir Fans was machen. Der USP-Vorsänger sagte zu Beginn der Saison immer „wir gewinnen zusammen, wir verlieren zusammen“. Diese Einheit brauchen wir auch auf den Rängen. Nicht jedes Mal dieses Feuer, das geht nicht. Aber ein gewisses Feuer bei Heimspielen.

Klar hat Allagui seine Fehler, aber daran muss er, sein Trainer und alle sportlichen Verantwortlichen mit ihm arbeiten. Wir glauben, er kann das. Aber der Junge kann mit seiner Technik und seiner Lässigkeit in einer spielarmen zweiten Liga noch ein Pfund werden. Das sollten wir auch sehen. Und das geht nur, wenn wir ihn nicht schon runter ziehen, wenn er nur seine Schuhe anzieht.

Wir glauben an den Kader, der bisher feststeht für die nächste Saison. Wir glauben, dass ihr Leistungen der Fürther und Bielefelder Art regelmäßiger umsetzen könnt. Ja, dafür müsst ihr euch auch mehr auf den Arsch setzen und vielleicht auch mal euch richtig anbrüllen, aber ihr könnt das. Und dann wird alles gut. Und wenn Köln und Wolfsburg ihre 90-Mio-Etats nicht gut einsetzen, dann sind wir da und nutzen die Chance aufzusteigen.

Wir als Blogger müssen uns verpflichten, diese Absätze immer wieder in Erinnerung zu bringen und alle an diese Ziele zu erinnern.

So

Wir sehen uns im Sonderzug. Ach ja: Inoffizielles Motto seit gestern „wer sich dran erinnern kann, der war nicht dabei.“

Es schrieben auch

Der Frodo freute sich über eine erfolgreiche Mission Katzenbabys.

Mai 042018
 

Liebe Lesende, wir wollen nicht verspätet vergangenen Samstag rekapitulieren, sondern uns kommendem Sonntag zuwenden. Teil 2 ist angesagt. Noch mal gilt es: Die Mannschaft tragen, dass sie alle Unsicherheiten, Fehler und Wehwehchen vergisst und ein letztes Mal dieses Jahr zeigen kann, was in ihr steckt. Machen wir uns nichts vor. Fortsetzungen von Erfolgsstreifen sind häufig schlechter als das Original. Die Ausnahmen sind selten, dann sind es aber häufig Klassiker, wie z.B. „Der Pate 2“. Und natürlich kann man nicht das Drehbuch des letzten Samstags noch mal verfilmen. Nicht erneut wird man einen Regisseur haben, der jede Blutgrätsche als „Ball gespielt“ beurteilt und auch der Gegner wird ein anderes Kampf- und Spiellevel haben als Fürth.

Aber! Wir lassen uns unseren Film nicht durch Nebendarsteller in schwarz-weiß-blau kaputt machen. Die Hauptdarsteller sind wir. Wir haben gezeigt, dass wir eine Heimmannschaft tragen, dass wir kleine anfängliche Unsicherheiten überbrüllen und Spieler immer wieder aufrütteln können. Lasst uns die Kulisse des Filmes so magisch machen, dass unsere Hauptdarsteller auf dem Platz gar nicht anders können, als ein brillantes Spiel abzuliefern. Und nicht vergessen: Es werden auch Fehler passieren, brenzliche Situationen entstehen. Das ist kein Grund zu nörgeln oder zu verstummen. Es ist die Aufforderung noch lauter und aufbauender zu werden.

Klar, letzter Samstag war schon richtig gut. Immer wieder kam aus ganz vielen Richtungen Lärm, kam Anfeuerung. Aber so ganz zufrieden sind wir noch nicht. Das geht noch lauter und auch etwas koordinierter. Achtet auf eure Nebenleute, die Vorsänger, die Stimmungszentren. Und brüllt.

Oder um es frei nach unserem letzten Aufstiegstrainer zu formulieren:

Rausgehen – Warmtrinken – Wegbrüllen!

P.S.: Wir sind natürlich null abergläubisch, aber mit den Spieltagsritualen haltet ihr es wie letzten Samstag, ja?