Apr 032018
 

 

Das eigentliche Spiel

Fußball ist in erster Linie Unterhaltung. Sandhausen spielt einen grundsätzlichen Ball, der nicht geeignet ist, viel Unterhaltung zu bieten. Defensiv sehr stabil, im Herausspielen aus der Abwehr ohne Fehler, vorne aber ohne irgendeine Durchschlagskraft oder Kreativität. Taktisch super eingestellt, eine homogene Einheit.

Dagegen haben wir keine Mittel. Wäre das nur dieses eine Spiel, so wäre das vielleicht mit einem unangenehmen Gegner ausreichend erklärt, aber es zieht sich leider durch die Saison. Wir treten auf der Stelle. Und könnten aufgrund der komischen Situation in der Liga selbst noch in Abstiegssorgen kommen. Der Platz auf dem wir stehen, sieht nicht so aus und auch die Punktzahl ist eigentlich ausreichend, aber da schon Platz 17 31 Punkte sein Eigen nennt, reicht eine schlechte Phase, um noch mal richtig reinzurutschen.

Das Erstaunliche dabei: Wir sind 5. der Rückrundentabelle. Mit 13:12 Toren.

Konzept?

Trotzdem ist es alles uninspiriert. Ein taktisches Konzept ist nicht erkennbar. „Karo einfach“ oder „Fußball der 90er“ waren Kommentare nach dem Spiel. Leider wird in den – ziemlich aussagslosen – Pressekonferenzen auch nie nachgefragt, was denn die Idee für ein Spiel, für die Mannschaft im Allgemeinen sein soll. Soll das eigentlich offensiv sein? Oder defensiv? Warum schaffen wir es trotz schneller Spieler nicht, ein Kontersystem zu entwickeln? Ist das alles nur Verunsicherung?

Wie ist es zu erklären, dass man gegen Sandhausen erneut den Eindruck hat, dass ab der 70. Minute bei unseren Jungs körperlich nichts mehr geht? Und warum wird dann nicht aggressiver gewechselt? Neudecker und Schneider brachten noch kurze Impulse, aber insgesamt sind diese 85. Minute-Wechsel nur dann sinnvoll, wenn man ein Ergebnis halten will. Sie unterbrechen doch stark den Spielverlauf.

Auch bei einzelnen Spielern seien Fragen erlaubt, ohne in ein Bashing übergehen zu wollen: Letzte Saison ging Aziz in jeden Zweikampf, in jeden Kopfball. Das „Bande auf die Außenspieler“-System der letzten Saison war nur durch seinen unfassbaren Einsatz spielbar. Es war zwar auch nicht gerade die hohe Fußballkunst, aber wenigstens ein System. Zur Zeit geht bei ihm gar nix. Man verstehe uns nicht falsch, ein Stürmer muss nicht jeden Weg gehen, aber der Unterschied ist schon auffällig. Gehemmt? Falsche Anweisungen? Oder ist körperlich irgendwas?

Lieblingsopfer aller im Stadion ist Allagui, aber das ist auch nicht immer fair. Er hat halt seine lässige Spielweise, natürlich produziert das mal Fehler und leider wirkt es immer noch nicht so, als ob er und seine Mitspieler voneinander wissen, was der andere jeweils plant. Immerhin ist er langsam regelmäßig an Toren beteiligt und die große Jubeltraube nach dem Tor spricht auch dafür, dass er in der Mannschaft nicht isoliert oder irgendwas ist. Was er sich aber abgewöhnen muss, ist „Air Allagui“ nach einem Foul zu machen. Egal ob das nun ein Elfmeter war oder nicht, der Absprung war einfach zu theatralisch und wir sind nicht Fortuna Düsseldorf. Und so etwas wird sein Image am Millerntor nicht aufpolieren.

Drei Heimsiege sprechen Bände. Klar kann man heutzutage keinen reinen Kampffußball mehr spielen. Das Spiel, die Ausbildung der Spieler und die Welt haben sich weiter gedreht, aber es fehlt einfach das kleinste Fünkchen, was das Millerntor und die Spieler sich gegenseitig aufstacheln hilft. Und wenn es mal kommt, wie der Ellenbogencheck eines Sandhäusers, dann verpufft das in Lethargie auf dem Platz und auf den Rängen. Wir sind hier auch in einem Teufelskreis gefangen, Routine auf dem Rasen, Routine auf den Rängen. Leider gibt es zur Zeit kein Funken, wie damals Block 1 oder wie damals die Gründung der Ultras. Keine Ahnung, wo der herkommen soll, aber es muss was passieren.

Was machen wir nächste Saison?

Bisher haben wir mit Flum und Waldemar zwei relativ alte Spieler verlängert. Mit Sobiech verlieren wir einen mittelalten Spieler, der Abgang von MMD wirkt wahrscheinlich, auch ein Abgang von Nehrig ist wohl gut möglich. Wie ersetzen wir diese Abgänge? Gibt es eigenproduziertes Talent, was in die Lücken springen kann? Park macht insgesamt eine gute Saison als Feuerwehrmann, auch wenn er gegen Sandhausen mal mies aussah. Kann z.B. er den nächsten Schritt gehen? Und ist das überhaupt unser Konzept? Junge Mannschaft mit ein paar alten Recken, die nicht nur auf, sondern auch neben dem Feld führen sollen?

Weswegen hier auch Schnecke nicht genannt ist. Die ganze Konstruktion klingt nach Teilzeitprofi mit langsamen Übergang in die Zeit nach der aktiven Karriere. Nun kann man so etwas nicht jedem verdienten Recken anbieten, aber wenn es einen Kandidaten für einen solchen Übergang und die weitere Beschäftigung im Verein gibt, dann wäre das Timo Schu.. äh Schnecke. Und sollte er plötzlich seinen dritten Frühling erleben, verdientermaßen die Mannschaft als Kapitän aufs Feld führen und das Derby mit vier Toren ganz alleine entscheiden, dann sagen wir nicht nein.

Und übernächste Saison?

Wir befinden uns im Umbruch. Das klingt komisch, oder? Aber man muss es wohl so sehen. Das Stadion ist gebaut, aber trotzdem sind wir noch lange nicht fertig mit Steinen, die wir brauchen, damit die Beine besser werden. Zu viel Kunstrasentraining, Abschlusstrainings im Stadion (mit entsprechendem Acker dort) und ein Brummerskamp, der eher befriedigend als gut ist, sind ganz große Baustellen. Die sich nicht sofort, aber doch relativ schnell auf das Produkt im Millerntor auswirken. Wir sind wirtschaftlich konsolidiert und müssen hier nun Schritte nach vorne machen.

Und nebenbei eine sportliche Identität entwickeln. Wofür wollen wir stehen? Für Angriffsfußball? Für Ausbildungsverein? Für Aufstiegshoffnung, die nie aufsteigt? Hier bedarf es noch mehr Führung und Vorgabe. Sozusagen eine Vision und eine Zielvorgabe. Man mag Orths „Top 25″ belächeln, aber das war immerhin eine Zielvorgabe light.

Dazu gehört es, auch unser Scouting zu hinterfragen. Denn selbst wenn wir den Schwerpunkt auf Eigenentwicklungen legen (und dazu muss man auch mal die Schneiders dieser Welt zählen), so wird in einem Kader doch immer eine Lücke sein. Und die müssen wir noch viel präziser und besser füllen. Klar, selbst der beste Einkäufer hat im Profifußball eine Erfolgsquote von vielleicht 60 %, aber da müssen wir zumindest nah dran sein. Uns fehlen die Insiderinfos um zu wissen, ob das alles nicht vielleicht unser Scouting leistet und es an anderen Dingen scheitert; z.B. daran, dass Mainz oder Freiburg mehr Geld haben als wir.

Kein Fazit

Wir sind zur Zeit ratlos. Und mit Aue steht der nächste unangenehme und langweilige Gegner ins Haus. Also: Alle hin da und daraus ein Heimspiel machen.