Mrz 052018
 

Düsseldorf ist also das Ziel unserer Reise. Zwar wollen wir die Schuhkastenarena nicht gleich mit Schicksalsberg gleichsetzen und die Anreise per Fanladenbus ist trotz aller Widrigkeiten doch bequemer als der Gang durch Mordor, aber irgendwie hat unsere ganze Tour viele Details, die mit den Abenteuern der Gefährten zu vergleichen sind.

Aber bevor wir zu dem eigentlichen Geschehen dieses Tages kommen, möchten wir mal ganz kurz innehalten und euch alle böse angucken. Unsere Fanladenhoschis sind sauer. Und sie sind sauer auf uns alle, die Busse benutzen. Und haben einen Flyer erstellt, den sie verteilen, wenn man Busse benutzt, den wir gerne abdrucken möchten:

 

Dazu folgende ergänzende Anmerkung: Wir alle nutzen seit mehr als 20 Jahren den sehr bequmen Weg, einen Fanclub zu gründen, dann eine Mail an die Hoschis zu schreiben und dann einen halbwegs vernünftigen Bus vor die Nase gesetzt zu bekommen. Wer jemals versucht hat, einen solchen Bus selber zu organisieren, der weiß, wie viele Nerven man dafür braucht. Und glaubt uns einfach, so Sozialarbeiter haben am lieben langen Tag auch noch andere Dinge zu tun. Insbesondere haben sie andere Dinge zu tun, als Leuten hinter her zu laufen, die sich nicht an die einfachsten Regeln eines vernünftigen Zusammenlebens halten. Und ja, fast jeder trinkt mal einen über den Durst und hat einen miesen Tag und so eine Niederlage ist doof, aber a) lässt man das nicht an den Hoschis aus und b) sind nahezu 99 Prozent der Nutzer des Fanladens als Gruppen unterwegs. Da kann man auch mal in der Gruppe deeskalierend einwirken und sich nicht noch hochschaukeln.

Böser Blick in die Runde und ein riesigen Dank an die Leute vom Fanladen, dass sie das immer wieder organisieren.

Wir haben eine Premiere zu feiern

Zumindest einige von uns fahren schon relativ häufig auswärts, aber dass wirklich alle drei Schreiber mit dem gleichen Gefährt zu einem Spiel fahren, ist uns bisher nicht passiert. Man höre und staune!

Diese Fahrt beginnt dann auch schon mitten in der eiskalten Hamburger Nacht, hat man doch das Füchschen (ja, das sieht komisch aus) aufgetan, um da noch eine gepflegte Stärkung einzunehmen.

Die Fahrt ist von Beginn an vom Thema Lenkzeiten dominiert. So wird gleich mal Dammer Berge als erster Stopp ausgegeben, aber das ist bei einem defekten Busklo schon ein sehr ambitioniertes Ziel. Nebenbei: Busklos sind sehr kälteempfindlich und insofern ist das nicht verwunderlich, dass das bei -7 °C nicht geht. So etwas kann man wissen.

Natürlich klappt es auch nicht und so beginnt eine Serie von sehr gehetzten Stopps. Sonst ist die Fahrt aber sehr angenehm. Wir ganz vorne mit einer Art Live-Podcast für die Umsitzenden, dahinter die Alte Schule und dann der Rest. Die Welt wird betrachtet und ab Münster lebte unser Junior seinen beinahe pathologischen Hass auf NRW aus. Welcher sich bei Ankunft in der Feststellung manifestiert, dass Düsseldorf ja wie Offenbach aussehe. Liebe Lesende, wie heißt es so schön im modernen Englisch? „Don’t @ us for that“

2/3 des Blogs begibt sich dann in besagtes Füchschen, 1/3 in die Uniklinik. Zum Krankenbesuch, denn Krebs ist und bleibt ein Arschloch. Halte durch M. Solifaust!

Hut ab vor der längsten Theke der Welt

Im Füchschen fließt das Altbier in Strömen. Geschätzte 120 Sankt Paulianer sind dem Ruf in das Brauhaus in der Altstadt gefolgt und lassen es sich zu früher Stunde gut gehen. Einen Riesenrespekt und „Danke!“ für unsere Bedienung, die trotz enormem Antrag und so mancher vorwitzigen Kölsch-Bestellung eine ausgeglichene Freundlichkeit und das eine oder andere Späßchen an den Tag legt. Hut ab! Auch die paar Fortunen in der Kneipe verdienen schon fast ein bisschen Anerkennung, dass sie es inmitten des Mike-Krüger-Lieder singenden Haufens aushalten.

Leider prellt Genosse A. die Rühreizeche und muss nun als „Strafzins“ leider die nächsten drei bis dreißig Spiele seine bezaubernde Gattin freistellen und zu uns ins Stadion kommen lassen. Ja, da musst du nun durch! (Betroffener weiß, dass er gemeint ist.)

Danach also zur Schuhschachtel an der Messe

Manche nehmen Shuttle-Busse, wir nehmen die Stadtbahn – in letzterer ist bemerkenswert wenig los. Es hat ja inzwischen Seltenheitswert, dass man sich als Auswärtsfan frei in einer Stadt bewegen „darf“, hier genießen wir es. Es sollte doch so selbstverständlich sein …

Irgendwie ist das alles so stimmungslos da an der Arena. Immerhin hat die Kneipe auf und so können sich dort die von nah und weit angereisten FCSPler sammeln. Neben unserem Tisch zücken erstmal so Freaks stilecht die Skatkarten und dreschen eine Runde. Kann man mal machen.

Vor dem Eingang dann das große Hallo, was auf solchen Fahrten üblich ist, und wäre nicht der Fußball, wäre das alles toll.

Kinder, ist das warm in der Sonne!

Im Gästeblock machen es sich „…aber die Ultras“ mal auf den Sitzplätzen gemütlich. Dazu folgende Überlegungen: 1. Wir finden oben stehende Stimmungszentren grundsätzlich absolut besser. 2. Die haben natürlich alle ein gültiges Ticket gehabt. 3. Das es letztendlich nicht zu einer guten Gästeblockstimmung führt, ist irgendwie auch traurig. Wenn ein Schmähgesang gegen den Nachbarn das einzige ist, was den Gästeblock aus seiner Lethargie weckt, dann ist das wirklich beschämend. Das sollte nicht unsere Art des Supports sein.

Den einen Ring zu vernichten gelingt auf dem Ra… äh dem Viehacker auch nicht. Die ersten Minuten ganz flott, dann das übliche Gegentor nach einer Ecke, welches wieder einmal der Marke „extrem einfach zu verhindern“ ist. Dann eine wirklich gute erste Halbzeit, wo wir bei einer Slapstickeinlage auch noch Pech haben, sonst steht es 1-1. Dann in der zweiten Halbzeit ein ganz schlimmer Einbruch.

MagischerFC-Fortuna-Duesseldorf-vs.-St.-Pauli-Maerz-2018

Warmer Gästeblock mit gutem Blick auf viele leere Sitze

Sowieso fällt auf, dass unsere Spieler in den Themen Kondition und Spritzigkeit vielen Mannschaften in Liga 2 heillos unterlegen sind. Daraus wird der Trainer für die nächste Saison echt seine Schlüsse ziehen müssen.

Düsseldorf also nun hochüberlegen, Himmelmann hält uns noch lange im Spiel, um dann doch ein Ei zu kassieren. Der Anschluss fällt dann viel zu spät, um noch irgendwas zu bewirken. Und selbst wenn der Schiedsrichter noch weitere 30 Sekunden spielen ließe (wie es angezeigt ist), es würde nichts mehr passieren.

Heimweg mit Hindernissen

Schnell nach Hause. Denken alle. Nur leider fehlt ein Businsasse. Nun wollen wir den gar nicht hier zum Bösewicht machen, denn es passiert leider auch mal Mist. Aber in Düsseldorf den Bus nicht zu finden und stattdessen sonst wo hin zu fahren, ist schon eine Nummer, die ein, zwei Lokalrunden nach sich zieht. Egal. Es kostet eine Stunde und so ist die Lenkzeit des Busfahrers im Arsch. Hamburg kann nicht erreicht werden.

Zum Glück findet sich letztendlich ein Weg, der legal ist und organisiert werden kann. Danke Fanladen, danke Busunternehmen. Das sich nach den oben zitierten und verteilten Zetteln Menschen noch dazu berufen fühlen, unsere Fanladenbusbegleitung konfrontativ anzugehen, ist dann schon ein hartes Stück. Ne Leute, das geht gar nicht klar.

Die Stimmung ist erstmal im Eimer, aber irgendwann wacht das Kollektiv magischerfc.de wieder auf (und ihr könnt das hier wörtlich nehmen), greift den Hobbitvergleich erneut auf (sind die nicht mit Adlern zurück geflogen?), will den Senior zu einer nicht mehr existenten Ultragruppe des Volkspark abschieben, stellt noch steilere Thesen auf wie „die Steigerung von NRW ist Leverkusen“, diskutiert, welche Städte Landeshauptstadt wären, würden deutsche Bundesländer ihre Hauptsstädte nach dem gleichen Prinzip wählen, wie US-Bundesstaaten und machen sich Sorgen, ob die Volksparkler in dieser Folge South Park doch endlich mal als gekillt werden. Das Überleben des Dinos ist ja quasi Kenny in andersherum.

Zum Verständnis: Amerikanische Bundesstaaten haben den Hang dazu, irgendein Kaff als Hauptstadt zu haben (z. B. hat Washington nicht Seattle, sondern Olympia als Hauptstadt). Würde man dies auf Bundesländer umlegen, wäre die Hauptstadt von NRW wahrscheinlich Leverkusen. Oder noch irgendwas schlimmeres. Und Schleswig-Holstein hätte vielleicht Malente zur Hauptstadt.

Müde, Kopfweh, keine Punkte und spät erreichen wir Hamburg. Immerhin haben wir die angepeilte Ankunftzeit von 22 Uhr nur knapp verfehlt. Daheim ist es noch immer so kalt, als hätte es diesen Frühlingstag in Düsseldorf nie gegeben. Und es bleibt die Erkenntnis: Vermutlich sind wir (sportlich) doch ein ziemlich gewöhnlicher Zweitligaverein.

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