Mrz 192018
 

In die Region sollte es gehen. Und die ganze Fahrtplanung war spannend und lässt sich in folgendem Tweet gut zusammen fassen:

Am Ende finden sich also sieben Twitterer und zwei Bären in einem schwarzen Mercedes Vito mit verdunkelten Scheiben wieder und fahren nach Kaiserlautern. Das Fahrzeug also schon mal geeignet für eine Hooligan-Tour der besten Sorte.

Aber nicht, ohne vorher eine Musikliste zusammenzustellen, die nach folgenden Regeln funktioniert: Jeder höchstens 20 Lieder und es darf auch wehtun. Die Playlist gibt dem ganzen Projekt dann auch seinen Namen: die Fahrt der Playlist des Todes. Wer sie nachhören will, der kann dies auf Spotify tun.

Eine verpasste Bahn führt zu dem ersten Kreis um ein Stadion an diesem Tag. Es soll nicht der letzte bleiben. Aber dann geht es schnell in Richtung Hannover, sollten wir da doch den letzten Mitfahrer einsammeln. Nennen wir ihn einfach mal Schmölli, denn:

Bis Hannover ist die Bahn trocken, alles läuft gut, unser Mann an der Leine ist überpünktlich da, alles super. Dann jedoch wird es sehr weiß auf der Fahrbahn und es ist kein Salz. Das ist ziemlich unangenehm zu fahren und führt natürlich auch zu Zeitverlusten. Aber in der Hoffnung, dass es besser wird, verlieren wir nicht die Ruhe. Und siehe da, kurz hinter Göttingen wird die Fahrbahn wieder super und bleibt es dann auch bis Kaiserslautern. Die Insassen des Fahrzeugs unterhält sich so lange mit und über Musik.

Kirchheim, Frankfurt, Mannheim. Weltstädte, die wir schnell durchqueren, um rechtzeitig in der Region anzukommen. Noch schnell die warme Leggings angezogen, da wir zwar „Pulloverwetter“ angemeldet haben, aber die Region im Griff von eisigen Wind ist. Ein Mitfahrer philosophiert darüber, dass das hier alles Kartoffelbauern seien. Die Realität, dass wahrscheinlich im Umkreis von 200 KM um Lautern nicht eine Kartoffel angebaut wird, lässt ihn nicht von seinem Rant ablassen. Sowieso eine interessante Frage: Warum sind Kartoffelbauern eigentlich weniger angesehen als Weinbauern?

Kaiserslautern ist eine Kleinstadt – oder kleine Großstadt – , die von einem Stadion überragt wird. Wer die Lage des Betzenberges nicht beeindruckend findet, der hat kein Fußballherz. Alles atmet hier Fußball, auch weil hier einfach sonst nix ist. Parkplatz (natürlich VIP) gefunden und rein in den Block. Nett ist die Verpflegung im Stadion. Es gibt Weinschorle in Bechern mit dem Vereinslied.

Wünsche der zuhause Gebliebenen können wir nicht alle erfüllen. Sorry, uns ist zu kalt, um vor einer Kneipe zu stehen.

Der Block füllt sich spät, ist dann aber gut mit Braun-Weißen bestückt. Und dann eigentlich auch ganz gut aufgelegt. Mehrfach hat das ordentlich Druck und deutlich mehr Wumms als in den Vorjahren. Mal was zur Heimkurve: Ja, früher hat die dich so zusammen geschrien, dass du dich eingenässt hast. Diesen Druck hat sie auch mangels Masse nicht mehr. Jedoch: Die kann immer noch ordentlich laut werden und es ist allemal deutlich schöner, als in einem Heidenheim zu stehen, wo vielleicht 100 Leute versuchen einen leeren Raum zu füllen. 32.000 Zuschauer, die angesagt waren, sind allerdings definitiv nicht da.

Es ist auch irgendwie ein zweischneidiges Schwert, denn auf der einen Seite hat die Region in braun-weißen Kreisen nun nicht wirklich viele Freunde; aber auf der anderen Seite ist es ganz schön bitter, wenn ein Verein, der immer noch 25.000 Zuschauer und mehr anzieht, im Nichts verschwindet und durch das nächste Heidenheim oder Paderborn ersetzt wird, die vielleicht 10.000 Leute ziehen. An guten Tagen. Klar, das ist alles deutlich selber verschuldet und man hätte z. B. sich nie für die WM 2006 bewerben dürfen. Aber irgendwie geht da doch ein Verein, an dem man sich auch aufgrund von Masse reiben kann. Und es kommt das nächste Nichts.

Auf dem Platz?

Das hat mit Fußball sehr wenig zu tun. Wir können uns nicht beschweren, wenn es zur Halbzeit 3-1 für Lautern steht. Das ist ziemlich mies von uns. In der zweiten Halbzeit dann etwas besser, aber diese ständigen Pässe in den Rücken des MItspielers machen einen wahnsinnig. Dann ein echt dummer Einsatz von Callsen-Bracker und Elfmeter plus Rote Karte. Seien wir mal ehrlich:

  1. Allagui hätte da selbst dann nicht getroffen, hätte er ihn laufen lassen.
  2. hätte Allagui schon weiter laufen können, anstatt stehen zu bleiben und zu meckern. Das ist eher so nicht FCSP-Style.

Ach ja, dein Twitterprofil kannst du bei Gelegenheit auch mal entherthan.

Nun denkst du, dass du das beim Tabellenletzten in Überzahl irgendwie nach Hause schaukelst, aber nee nee! Durch einen schnell ausgeführten Freistoß und einem Sekundenschlaf der Abwehr steht es 1-1 und das ist auch gerecht. In der Öffentlichkeit ist das Fazit eher ein unzufriedenes so nach dem Prinzip „Tabellenletzter, Überzahl“, jedoch: Vergesst nie, dass wir am Betzenberg jahrzehntelang nie auch nur einen Punkt gesehen haben. Dies war nun der zehnte in vier Versuchen.

Schnell wieder zum Auto und Abfahrt

Von Lautern-Fans noch mit Lebkuchen beschenkt und Gute-Fahrt-Wünsche mit auf dem Weg. Sehr nett, Danke. (Muss ja nicht immer alles Hass sein.)

Einmal was versucht, dann in eine Sperrung gefahren und dementsprechend noch eine Ehrenrunde gedreht und dann noch die Ehrenacht voll gemacht. Ja, aus Kaiserslautern heraus zu kommen, ist nicht ganz so einfach. Liegt natürlich auch an dem Berg und dass es alles ziemlich eng ist. Aber irgendwann haben wir es geschafft und sind auf der Bahn. Und in der allgemeinen Diskussion über Gott und die Welt wird die These aus der Überschrift aufgestellt.

Wieder Kirchheim, wieder unangenehme Straßenverhältnisse vor Hannover. Unser Mann in Hannover stellt fest, dass er auf einer Raststätte geparkt hat. Aber eine Brücke, die kurzzeitige Ignoranz gegenüber Verkehrsschildern und ein kleine gefahrene Runde bringen ihn zu seinem Fahrzeug und uns in Richtung zu Hause.

Wo wir dann auch schnell ankommen.

Fazit?

PS: Gilt natürlich immer noch.

Auf zum nächsten Mal.

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Mrz 142018
 

Ihr fehlt uns

Wir sind als Blog ja schon ein bisschen älter und unser Gründungsvater schreibt seit gut 20 Jahren irgendwas über den FCSP in dieses Internet. Zur Zeit sind wir beinah konkurrenzlos, wenn man an einen Fußballfan(!)blog den Maßstab anlegt, dass seine Macher zumindest ein bisschen in der aktiven Fanszene des jeweiligen Vereines verwurzelt sein sollten.

Das war früher ™ mal anders. Da hätten wir das nun Folgende gar nicht schreiben müssen, denn so schöne Blogs wie „After changes“, „Dingediedasind“, „Lichterkarussell“ oder „Es lebe das Laster“ hätten schon einen rausgerotzt und wir hätten im nächsten Spielbericht geschrieben „ja, haben Recht, unsere Ultrafreunde, lest das einfach“. Aber leider haben all diese Blogs ihr Schaffen eingestellt, gehen nun wahrscheinlich bürgerlichen Jobs nach und haben ein Leben neben dem Fußball und Bloggen.

Aber wir sind immer noch da. Feiern unseren 10. Geburtstag. UND MÜSSEN JETZT ALL DIESEN SCHEISS ALLEINE KOMMENTIEREN!!!!

Worum geht es eigentlich?

Um die neue Kampagne „50+1 muss bleiben“, die in den letzten Tagen an die Öffentlichkeit gegangen ist. Die Liste der Erstunterzeichner liest sich wie das who is who der aktiven Fanszenen Deutschlands und auch viele gute Gruppen und Bündnisses haben unterschrieben. Aber eben auch der who is who der rechtsradikalen und rechtsoffenen Fangruppen. Und da müssen wir ganz ehrlich sagen „dann halt ohne uns“. Daher hier auch kein Link zur Internetseite, sucht sie euch selbst.

Die Diskussion gab es schon mal beim Pyrotechnik-Bündnis 2010 und eigentlich ist schon damals alles dazu gesagt worden. Von den Deviants Münster. Aber leider haben die ihre Internetseite eingestellt. Gibt es die Gruppe überhaupt noch? Egal, wer also damals schon dabei war, der wird nun eine Wiederholung lesen.

Im Nachfolgenden sprechen wir etwas kurz von Nazis. Wir unterstellen gar nicht mal allen Mitgliedern von allen dieser Gruppen, dass sie knallharte Nazis sind. Einige sind auch einfach nur dumm, ignorant oder gewaltgeile Machos denen alles andere Egal ist. Aber wer sich mit Nazis gemein macht, der soll bitte nicht über fehlende Differenzierung jammern.

Warum nicht?

1. Wie soll denn das konkret aussehen? Diese Frage stellte 2010 „Afterchanges“ schon zu Recht.  Sollen wir nun bei Faschotruppe XYZ anrufen und diskutieren, welche Aktion wir beim gemeinsamen Spiel zeigen? Und danach lassen wir uns wieder als „Zecken“ durch die Stadt jagen und eine Woche später sind die bei Pegida und Co wieder vorne mit dabei? Soviel verbiegen kannst du nicht mal Gummi.

Sowieso, woher kommt eigentlich immer diese deutsche „möglichst breites Bündnis“? Nein, wir müssen nicht alle sofort Freunde werden, weil wir in einem Bündnis sind, aber es gibt Grenzen. Und mit Adolf H. und seinen Freunden sind diese Grenzen weit überschritten.

2. Wer Nazis sich gesellschaftlich beteiligen lässt, der macht sie hoffähig. Und macht sie damit mächtiger. Das ist wie die freiwillige Feuerwehr, der örtliche Sportverein, die Blaskapelle. Erst ist es einer, dann zwei und dann setzen sie unliebsame Personen unter Druck. Dem kann man nur entgegen wirken, wenn man sie isoliert. (Nebenbei mal eine dicke Solifaust nach Appen, ihr macht das komplett richtig. ). Ein „der ist doch hier ganz nett“ gibt es nicht. Die vertretene „Meinung“ ist eben nicht eine von vielen im demokratischen Diskurs.

3. Es gibt auch kein Thema, was so wichtig ist, dass man es mit Nazis in einem Bündnis bearbeiten muss. Sorry, auch wenn wir verstehen können, wie wichtig vielen dieses Anliegen ist und wie sehr sich der Fußball weiter verändern würde, so gibt es eben doch Grenzen, wenn es um Bündnisse geht. Mal ganz davon ab, dass es eben „nur“ Fußball ist und man nicht den Kampf dagegen mit einer erheblichen Aufwertung von Nazigruppen erkaufen kann.

4. Der FCSP steht wie kein zweiter Verein dafür, dass man eben nicht seinen Kopf und seine politische Meinung abgibt, wenn es um Fußball geht. Und das gilt eben auch hier. Fußball ist nicht alles, 50 +1 ist nicht alles.

 

5. Zuletzt folgendes (nochmal)  klar und deutlich: wir sehen da auch Namen vieler korrekter Leute. Die werden vielleicht ihre Gründe haben warum sie trotzdem unterschrieben haben. Oder sie haben in der Eile es nicht überlegt.   Sie sind deswegen trotzdem nicht in einen Topf zu werfen mit den rechten  und rechtsoffenen Gruppen. Nur damit das niemand falsch versteht. 

 

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Mrz 122018
 

Was willst du zu so einem Heimspiel ohne viele Highlights sagen? Ganz ansprechende Leistung auf dem Platz, ganz ansprechende Leistung auf den Rängen. Nichts, was man nun für Jahrzehnte erinnern wird. Eher Hausmannskost. Amtlich, wie sich Bernd bei seinem 250. Zweitligaspiel durchbeißt und trotz einiger Beulen nahezu durchspielt. Nebenbei möge mal jemand seinen Wikipedia-Artikel aktualisieren!

Die Süd mit einer Choreo, die auf die ganzen Verschärfungen in StPO und StGB hinweist und sie thematisiert (für eine Fußballchoreo nebenbei mit viel Tiefgang, gut).
Die Braunschweiger mit einer wirklich hübschen Choreo im Gästeblock, auch wenn sie der nicht einkalkulierte Pfosten im Gästeblock wohl doch noch ein paar Schweißtropfen gekostet haben wird. Insgesamt auch ein sehr lauter, gut aufgelegter Gästeblock. Das komische weiße Gequalme ohne Kontext sorgt dann aber auch für ein paar Lacher. Habemus Papam? Verdammte E-Zigarretten?

MagischerFC-St.-Pauli-vs.-Eintracht-Braunschweig-Maerz-2018.jpg

Viele Nadelstiche

Wasserwerfer und Ziegen

Das die Hamburger Polizei Kiel mit Wasserwerfern und einem riesigen öffentlichen Tamtam fährt und gegen Braunschweig dann eher so die Hälfte an Polizei aufbietet, ist angesichts der sehr unterschiedlichen Potentiale beider Szenen lustig. Wirklich nennenswertes passiert aber nicht, von dem wir was mitbekommen hätten.

Vielleicht liegt es ja auch daran, dass unser persönlicher Ziegenbart nicht nur eine Karikatur in der Süd gezeigt bekommt und mit Sprechchören eingedeckt wird. Laut den berühmten Spatzen, die alles von den Dächern pfeifen, bekommt Ziege auch seinen Marschbefehl. Wir wissen leider nicht wohin, aber Archiv oder Verkehrsordnungswidrigkeiten wäre schon ein guter neuer Job. Ganz ehrlich: Wir haben keine Hoffnung, dass sich im Verhalten der Polizei gegenüber Fußballfans in Hamburg irgendetwas ändert. Aber so ein frisches neues Gesicht ist ja vielleicht auch mal ein neuer Anfang.

Das wirre Getwitter der GdP Hamburg ist unter unserem Niveau, daher kein Kommentar dazu. Wer das lesen will, der bemühe bitte die gängigen Suchmaschinen.

Nach dem Spiel noch ein politisierter Marsch, der von vielleicht 1.000 Leuten angenommen wird. Zeichen setzen ist immer noch wichtig! 

 

Da hat es wohl auch noch Trubel gegeben. Siehe BW Hilfe

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Mrz 062018
 

Montage sind ohnehin keine guten Tage. Wenn sich mittlerweile zum vierten Mal eine unangenehme Mischung aus diversen rechten und neurechten Strömungen zur „Merkel muss weg“-Demonstration trifft, macht das den Tag auch nicht zwingend besser. Dennoch schafft es ein wenig Hoffnung, dass es zum vierten Mal gelungen ist, die Rechten quantitativ zu übertrumpfen und ihre Kundgebung zumindest zu isolieren. Nachfolgend also ein paar Gedanken zum Abend des 05.03.18.

Ein neuer Ort

Nicht der Gänsemarkt, sondern der Dag-Hammarskjöld-Platz hinter dem Dammtor-Bahnhof hat die zweifelhafte Ehre, die rechte Kundgebung zu beherbergen, da die VVN eine eigene Kundgebung am Gänsemarkt angemeldet hat und den Rechten zuvorgekommen ist. Zwar gelingt es so, AfD und Co. in den toten Winkel zwischen einem abgeriegelten Bahnhof, der CCH-Baustelle und Planten un Blomen zu drängen; andererseits kann ihre Kundgebung auf diese Weise ungestört und mit wenig sicht- oder hörbarem (hörbar schon, ergänzt der Ergänzer) Protest abgehalten werden. Makabere Fußnote: Nazis, die unter dem Lessing-Denkmal demonstrieren, kann man vielleicht noch witzig finden. Hinter dem Dammtor aber steht ein Denkmal für deportierte jüdische Kinder im Holocaust. Da vergeht einem das Lachen.

Die Einsatztaktik

Die Hamburger Polizei ist ja nicht gerade für ihr Fingerspitzengefühl bekannt und dieser Eindruck bestätigt sich leider auch hier wieder. Nach eigenen Angaben ca. 1100 Beamte trennen die Lager, womit sie diesmal knapp den Titel der am stärksten vertretenen Partei an die so bezeichnete „Protestklientel (aus dem linken Spektrum)“ (Zitat Polizeitwitter) abtreten muss. So eine Niederlage lässt man natürlich nicht auf sich sitzen und verlautbart über die eigene Gewerkschaft bei Twitter noch am selben Abend, dass personelle Verstärkung dringend gebraucht werde. Das lässt tief blicken. Einen unfreundlichen Umgangston sowie ein rüdes Verhalten Unbeteiligten gegenüber müssen wir ebenfalls miterleben. Abgesehen davon verläuft der Abend übrigens komplett friedlich. Wie schon alle vorher. Ob man dann wirklich vier Wasserwerfer und eine Betreuung von einem Beamten pro Teilnehmer braucht, sei mal sehr stark hinterfragt. Zumindest wenn man nicht in der verdrehten Welt von Polizeigewerkschaften lebt.

Unbeteiligte meint hier nebenbei Leute, die offensichtlich nur mit ihrem Koffer nach Hause wollen. Wird in der Polizeischule eigentlich jeder freundliche Umgangsform abtrainiert? Siehe zum Umgang mit Demo-Teilnehmern den Text von Georg E Moeller auf Facebook. Selbst miterleben können wir auch noch, wie ein Demonstrationsteilnehmer im Dammtor-Bahnhof aufgefordert wird zu gehen, dann mit erhobenen Armen (!) in Richtung Ausgang geht und trotzdem meinen nun einige Bundespolizisten, dass es doch polizeilich unbedingt nötig sei, ihn noch drei bis viermal zu schubsen und zu ziehen.

Die übrigen Akteure

Auf Seite der Nazis finden sich letztlich nach Polizeiangaben 350 Leute ein, andere Schätzungen liegen teilweise deutlich darunter. Obwohl in den sozialen Medien schnell diverse Teilnehmende als Funktionäre von NPD, AfD, Identitärer Bewegung und so weiter ausgemacht sind, hält das die Hamburger Medien nicht davon ab, diese Klientel als „besorgte Bürger“ zu beschreiben. Diese Woche allen voran die Morgenpost. Versteht uns nicht falsch, mit Sicherheit sind dort „Bürgerliche“ anwesend, aber was soll das rechtfertigen? Wer bei den dort kommunizierten rassistischen, antidemokratischen, nationalistischen Inhalten mit NPD-Funktionären zusammen applaudiert, bewegt sich für uns nicht im gesellschaftlichen Minimalkonsens und widerspricht ja selbst der bürgerlichen Selbstdefinition.

Kleiner optimistischer Punkt auch hier: Offenbar hatten einige Teilnehmer einen weiteren Anreiseweg, es wurde demnach nicht nur in Hamburg geworben. Das macht Hoffnung, dass das Mobilisierungspotenzial langsam an seine Grenzen stößt.

Apropos bürgerlich: Die von der Polizei bei Twitter so wunderbar pejorativ als „Protestklientel“ bezeichnete Gegenseite wirkt deutlich bürgerlicher als in den vergangenen Wochen. Auch das ist eine gute Entwicklung, würden wir behaupten. Wenn Rechte es schaffen, immer mehr ins Bürgertum einzuwirken, freuen wir uns über jeden, der sich dem verwehrt und zu einer antifaschistischen Kundgebung kommt.

Darüber hinaus ist es ermutigend, so viele Gesichter aus der Fanszene zu sehen. Aber da geht noch mehr! Auf geht’s, Sankt Pauli! Antifa Ultrà mit Leben füllen! Und auch ihr, Gegengerade, Nordkurve, Haupttribüne seid gefragt! Kommt nächsten Montag vorbei, es wird wieder eine Demo geben. Wir hören auf zu nörgeln, wenn da 30.000 Gegendemonstranten stehen.

Die Nachbetrachtung

Es ist ausgesprochen unheimlich, im Nachhinein in den sozialen Medien nach Hashtags wie #nonazishh oder #hh0503 zu suchen. Dort tobt längst der rechte Mob, er verbreitet Hass und Diskriminierung, streut bewusste Falschmeldungen und phantasiert in abstoßendster Weise. Schaut es euch an, wenn ihr wissen wollt, um welches politische Programm es diesen Menschen geht. Es sollte unser moralischer Imperativ sein, das nicht länger unkommentiert zu lassen. Oder um es mit Karl Popper zu sagen: „Im Namen der Toleranz sollten wir uns das Recht vorbehalten, die Intoleranz nicht zu tolerieren.“ Wir sehen uns hoffentlich am Montag. Achtet auf entsprechende Ankündigungen

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Mrz 052018
 

Düsseldorf ist also das Ziel unserer Reise. Zwar wollen wir die Schuhkastenarena nicht gleich mit Schicksalsberg gleichsetzen und die Anreise per Fanladenbus ist trotz aller Widrigkeiten doch bequemer als der Gang durch Mordor, aber irgendwie hat unsere ganze Tour viele Details, die mit den Abenteuern der Gefährten zu vergleichen sind.

Aber bevor wir zu dem eigentlichen Geschehen dieses Tages kommen, möchten wir mal ganz kurz innehalten und euch alle böse angucken. Unsere Fanladenhoschis sind sauer. Und sie sind sauer auf uns alle, die Busse benutzen. Und haben einen Flyer erstellt, den sie verteilen, wenn man Busse benutzt, den wir gerne abdrucken möchten:

 

Dazu folgende ergänzende Anmerkung: Wir alle nutzen seit mehr als 20 Jahren den sehr bequmen Weg, einen Fanclub zu gründen, dann eine Mail an die Hoschis zu schreiben und dann einen halbwegs vernünftigen Bus vor die Nase gesetzt zu bekommen. Wer jemals versucht hat, einen solchen Bus selber zu organisieren, der weiß, wie viele Nerven man dafür braucht. Und glaubt uns einfach, so Sozialarbeiter haben am lieben langen Tag auch noch andere Dinge zu tun. Insbesondere haben sie andere Dinge zu tun, als Leuten hinter her zu laufen, die sich nicht an die einfachsten Regeln eines vernünftigen Zusammenlebens halten. Und ja, fast jeder trinkt mal einen über den Durst und hat einen miesen Tag und so eine Niederlage ist doof, aber a) lässt man das nicht an den Hoschis aus und b) sind nahezu 99 Prozent der Nutzer des Fanladens als Gruppen unterwegs. Da kann man auch mal in der Gruppe deeskalierend einwirken und sich nicht noch hochschaukeln.

Böser Blick in die Runde und ein riesigen Dank an die Leute vom Fanladen, dass sie das immer wieder organisieren.

Wir haben eine Premiere zu feiern

Zumindest einige von uns fahren schon relativ häufig auswärts, aber dass wirklich alle drei Schreiber mit dem gleichen Gefährt zu einem Spiel fahren, ist uns bisher nicht passiert. Man höre und staune!

Diese Fahrt beginnt dann auch schon mitten in der eiskalten Hamburger Nacht, hat man doch das Füchschen (ja, das sieht komisch aus) aufgetan, um da noch eine gepflegte Stärkung einzunehmen.

Die Fahrt ist von Beginn an vom Thema Lenkzeiten dominiert. So wird gleich mal Dammer Berge als erster Stopp ausgegeben, aber das ist bei einem defekten Busklo schon ein sehr ambitioniertes Ziel. Nebenbei: Busklos sind sehr kälteempfindlich und insofern ist das nicht verwunderlich, dass das bei -7 °C nicht geht. So etwas kann man wissen.

Natürlich klappt es auch nicht und so beginnt eine Serie von sehr gehetzten Stopps. Sonst ist die Fahrt aber sehr angenehm. Wir ganz vorne mit einer Art Live-Podcast für die Umsitzenden, dahinter die Alte Schule und dann der Rest. Die Welt wird betrachtet und ab Münster lebte unser Junior seinen beinahe pathologischen Hass auf NRW aus. Welcher sich bei Ankunft in der Feststellung manifestiert, dass Düsseldorf ja wie Offenbach aussehe. Liebe Lesende, wie heißt es so schön im modernen Englisch? „Don’t @ us for that“

2/3 des Blogs begibt sich dann in besagtes Füchschen, 1/3 in die Uniklinik. Zum Krankenbesuch, denn Krebs ist und bleibt ein Arschloch. Halte durch M. Solifaust!

Hut ab vor der längsten Theke der Welt

Im Füchschen fließt das Altbier in Strömen. Geschätzte 120 Sankt Paulianer sind dem Ruf in das Brauhaus in der Altstadt gefolgt und lassen es sich zu früher Stunde gut gehen. Einen Riesenrespekt und „Danke!“ für unsere Bedienung, die trotz enormem Antrag und so mancher vorwitzigen Kölsch-Bestellung eine ausgeglichene Freundlichkeit und das eine oder andere Späßchen an den Tag legt. Hut ab! Auch die paar Fortunen in der Kneipe verdienen schon fast ein bisschen Anerkennung, dass sie es inmitten des Mike-Krüger-Lieder singenden Haufens aushalten.

Leider prellt Genosse A. die Rühreizeche und muss nun als „Strafzins“ leider die nächsten drei bis dreißig Spiele seine bezaubernde Gattin freistellen und zu uns ins Stadion kommen lassen. Ja, da musst du nun durch! (Betroffener weiß, dass er gemeint ist.)

Danach also zur Schuhschachtel an der Messe

Manche nehmen Shuttle-Busse, wir nehmen die Stadtbahn – in letzterer ist bemerkenswert wenig los. Es hat ja inzwischen Seltenheitswert, dass man sich als Auswärtsfan frei in einer Stadt bewegen „darf“, hier genießen wir es. Es sollte doch so selbstverständlich sein …

Irgendwie ist das alles so stimmungslos da an der Arena. Immerhin hat die Kneipe auf und so können sich dort die von nah und weit angereisten FCSPler sammeln. Neben unserem Tisch zücken erstmal so Freaks stilecht die Skatkarten und dreschen eine Runde. Kann man mal machen.

Vor dem Eingang dann das große Hallo, was auf solchen Fahrten üblich ist, und wäre nicht der Fußball, wäre das alles toll.

Kinder, ist das warm in der Sonne!

Im Gästeblock machen es sich „…aber die Ultras“ mal auf den Sitzplätzen gemütlich. Dazu folgende Überlegungen: 1. Wir finden oben stehende Stimmungszentren grundsätzlich absolut besser. 2. Die haben natürlich alle ein gültiges Ticket gehabt. 3. Das es letztendlich nicht zu einer guten Gästeblockstimmung führt, ist irgendwie auch traurig. Wenn ein Schmähgesang gegen den Nachbarn das einzige ist, was den Gästeblock aus seiner Lethargie weckt, dann ist das wirklich beschämend. Das sollte nicht unsere Art des Supports sein.

Den einen Ring zu vernichten gelingt auf dem Ra… äh dem Viehacker auch nicht. Die ersten Minuten ganz flott, dann das übliche Gegentor nach einer Ecke, welches wieder einmal der Marke „extrem einfach zu verhindern“ ist. Dann eine wirklich gute erste Halbzeit, wo wir bei einer Slapstickeinlage auch noch Pech haben, sonst steht es 1-1. Dann in der zweiten Halbzeit ein ganz schlimmer Einbruch.

MagischerFC-Fortuna-Duesseldorf-vs.-St.-Pauli-Maerz-2018

Warmer Gästeblock mit gutem Blick auf viele leere Sitze

Sowieso fällt auf, dass unsere Spieler in den Themen Kondition und Spritzigkeit vielen Mannschaften in Liga 2 heillos unterlegen sind. Daraus wird der Trainer für die nächste Saison echt seine Schlüsse ziehen müssen.

Düsseldorf also nun hochüberlegen, Himmelmann hält uns noch lange im Spiel, um dann doch ein Ei zu kassieren. Der Anschluss fällt dann viel zu spät, um noch irgendwas zu bewirken. Und selbst wenn der Schiedsrichter noch weitere 30 Sekunden spielen ließe (wie es angezeigt ist), es würde nichts mehr passieren.

Heimweg mit Hindernissen

Schnell nach Hause. Denken alle. Nur leider fehlt ein Businsasse. Nun wollen wir den gar nicht hier zum Bösewicht machen, denn es passiert leider auch mal Mist. Aber in Düsseldorf den Bus nicht zu finden und stattdessen sonst wo hin zu fahren, ist schon eine Nummer, die ein, zwei Lokalrunden nach sich zieht. Egal. Es kostet eine Stunde und so ist die Lenkzeit des Busfahrers im Arsch. Hamburg kann nicht erreicht werden.

Zum Glück findet sich letztendlich ein Weg, der legal ist und organisiert werden kann. Danke Fanladen, danke Busunternehmen. Das sich nach den oben zitierten und verteilten Zetteln Menschen noch dazu berufen fühlen, unsere Fanladenbusbegleitung konfrontativ anzugehen, ist dann schon ein hartes Stück. Ne Leute, das geht gar nicht klar.

Die Stimmung ist erstmal im Eimer, aber irgendwann wacht das Kollektiv magischerfc.de wieder auf (und ihr könnt das hier wörtlich nehmen), greift den Hobbitvergleich erneut auf (sind die nicht mit Adlern zurück geflogen?), will den Senior zu einer nicht mehr existenten Ultragruppe des Volkspark abschieben, stellt noch steilere Thesen auf wie „die Steigerung von NRW ist Leverkusen“, diskutiert, welche Städte Landeshauptstadt wären, würden deutsche Bundesländer ihre Hauptsstädte nach dem gleichen Prinzip wählen, wie US-Bundesstaaten und machen sich Sorgen, ob die Volksparkler in dieser Folge South Park doch endlich mal als gekillt werden. Das Überleben des Dinos ist ja quasi Kenny in andersherum.

Zum Verständnis: Amerikanische Bundesstaaten haben den Hang dazu, irgendein Kaff als Hauptstadt zu haben (z. B. hat Washington nicht Seattle, sondern Olympia als Hauptstadt). Würde man dies auf Bundesländer umlegen, wäre die Hauptstadt von NRW wahrscheinlich Leverkusen. Oder noch irgendwas schlimmeres. Und Schleswig-Holstein hätte vielleicht Malente zur Hauptstadt.

Müde, Kopfweh, keine Punkte und spät erreichen wir Hamburg. Immerhin haben wir die angepeilte Ankunftzeit von 22 Uhr nur knapp verfehlt. Daheim ist es noch immer so kalt, als hätte es diesen Frühlingstag in Düsseldorf nie gegeben. Und es bleibt die Erkenntnis: Vermutlich sind wir (sportlich) doch ein ziemlich gewöhnlicher Zweitligaverein.

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