Feb 262018
 

Kiel? Derby?

Liebe Lesende, heutzutage wird ja jedes Spiel mit weniger als 400 Kilometern zwischen den Städten zu einem brisanten Derby hochgeschrieben. Aber seien wir ehrlich: Das ist harter Bullshit. Viel mehr als zwei wirkliche Rivalen kann auch der aufgeregteste Fußballfan nicht haben. Und für den FCSP ist Kiel keiner von diesen beiden. Wäre es anders, dann müssten wir unser Rivalometer mal ein bisschen neu justieren. Das wäre dann ähnlich lächerlich wie die Nürnberger mit ihrer Antifürth-Nummer. Es ist einfach lachhaft, sich einen Verein mit einer mikroskopischen Fanszene auszusuchen und ihn als Rivalen zu betrachten. Sollen wir dann am Ende Altona durch die Stadt jagen?

Und selbst wenn nun einige Kieler meinen, dies sei nun ihr Rivale, wo sie nicht mehr wirklich gegen Lübeck spielen, dann muss man doch mal anmerken, dass es dem Baum ziemlich egal ist, wenn der Eber sich an ihm reibt.

Insofern wirken jedoch auch „Es geht auch gemeinsam“-Plakate auf der Haupt etwas übertrieben.

Es gilt dieses Mal ein Verbot von Gästefarben auf den Tribünen. Wir werden davon kein uneingeschränkter Freund. Erstmal basiert das immer auf Argumentationsketten, die eine schlechte Erfahrung in ein pauschales Vorurteil gegen alle Gästefans erweitern, was wir alle in jedem anderen Bereich des Lebens sofort für problematisch halten würden. Und es war gerade der FCSP, der das Argument „aber das ist hier doch Fußball, da ist alles anders“ als nicht valide entlarvt hat. Dann ist es auch so, dass Monokulturen immer auch Vorurteile und „sich nicht benehmen können“ verstärken. Wir alle erfahren Filterblasen und wissen, dass diese nicht gut sind für unsere Wahrnehmung der Welt. Das ist hier die Schaffung einer weiteren Filterblase.

Wir sind aber auch nicht blind und blöd, wir wissen auch, dass es genügend Trottel gegeben hat, die sich nicht benehmen können (und zwar leider auch auf FCSP-Seite!). Aber es nun als „gute Lösung“ abzufeiern, verbietet sich. Notwendige Lösung vielleicht, gute, zu begrüßende, dauerhafte Lösung? Nein!

Das angekündigte Einsingen und der Marsch der Kieler entspricht auch nicht gerade dem, was man sich unter klassischer Derby-Stimmung vorgestellt. Klar, vorne hat sich ein ein harter Kern versammelt, der die vorher angekündigten Rache vielleicht in die Tat umsetzen will, aber kurz dahinter wird es dann schnell sehr dünn und nebem den Familienvater mit seinem zwölfjährigen Sohn stehen die entspannten Fußball-Touristen, die eigentlich nur ihr Bier trinken wollen.

Folgerichtig bleibt es daher bei den altbekannten Schmähgesängen, gerne kombiniert mit sexistischen Diffamierungen des an der Seite stehenden, halb belustigt halb enttäuscht wirkenden Ultra-nahen Klientel des FCSP. Fast schon interessanter ist da die Einsatztaktik der Polizei Hamburg, die einmal mehr ihr gesamtes Arsenal auf der Reeperbahn präsentieren darf: Wasserwerfer (bei Minusgraden), Reiterstaffel, Räumpanzer (Räumpanzer! Als ob Kiel anfinge, Barrikaden zu bauen und den halben Stadtteil zu besetzen!) und so weiter. Übrigens nicht nur im Viertel. Auch der Hauptbahnhof sieht phasenweise so auf, als wäre Rostock zu Gast und nicht Kiel.

Lobend sollte aber erwähnt werden, dass sie den gesamten Gästeblock bis auf den letzten Platz voll bekommen. Das schaffen andere Vereine aus der Nähe nicht. Klar, ist es das erste Mal in der zweiten Liga und ob das noch der Fall ist, wenn man hier das vierte Mal aufläuft und es ein Montagsspiel ist, sei mal dahin gestellt, aber das war schon okay.

Stay rude, stay rebel

Zwar spekulierten die Fachblätter vor dem Spiel darüber, ob nun irgendwelche geklauten Fahnen präsentiert würden, aber das ist schon angesichts diverser Umstände und diverser Veränderungen zwischen Hin- und Rückspiel nicht zu erwarten. Und passiert dann auch nicht.

Vielmehr zeigt die Süd eine wunderschöne Kifferchoreo (nein, lieber Jan von Aken, Kurdistan wird da eher keine Rolle gespielt haben (auch wenn das gerne gesehen werden würde!)), die auch mit entsprechendem Rauch untermalt ist. Was wirklich zu vereinzelten Pfiffen im Rund führt. Mal ganz ehrlich: Bei St. Pauli rumstehen und eine „Stay rude, stay rebel“-Choreo auszupfeiffen, ist irgendwie so geil wie eine Wohnung in einem „jungen, lebendigen Szeneviertel“ zu kaufen, um dann Kneipen wegen Ruhestörung anzuzeigen.

MagischerFC St. Pauli vs. Holstein Kiel Februar 2018

Die vielleicht schönste Choreo der Saison

Kifferchoreos ohne dass Eintracht Frankfurt der Gegner ist, zeigt insbesondere eines: Wir müssen mal wieder gegen die spielen.

Wir wollen gar nicht erneut in die Diskussion um Pyro einsteigen, aber es ist eben doch ein gewaltiger Unterschied, ob man Silvesterraketen gegen ein Dach ballert und Böller unkontrolliert in eine Menge schmeisst, oder ob man ein bisschen Rauch an Stangen kontrolliert zündet. Auch in dieser Schwarz-Weiß-Debatte helfen ab und zumal Grautöne.

Eher kein guter Support

Ansonsten zeigt sich auf den Rängen eher unterster Durchschnitt. Natürlich ist es kalt, unangenehm und nicht gerade Sangeswetter, aber dass am Ende das ironische „Scheiß St. Pauli“ einer der lautesten Gesänge ist , ist schon ein bisschen bitter. Obwohl das an sich schon seine Richtigkeit hat und die Kieler ja auch mit ordentlich verdutzten Gesichtern zurück lässt. Ironie kann ein scharfes Schwert sein.

Was auch noch nervt: Es ist seit Stephan Hanke (die Älteren werden sich erinnern, der spielte um 1995 beim FCSP, war eher der robusten Natur und weniger ein feiner Techniker und wurde an einem gebrauchten Tag übelst beschimpft von Zuschauern, was dann zu einer Flugblattaktion führte) zu Recht am Millerntor verpönt einzelne Spieler raus zu picken und ständig über sie zu meckern. Klar kann man mal seiner Unzufriedenheit Luft machen, aber doch nicht bitte jedes Spiel der gleiche Spieler, egal was der nun gerade macht. Wir wissen auch nicht, warum es bei unseren beiden Stürmern nicht so läuft, wie sie und wir alle uns das vorgestellt haben. Aber nun eine Dauerunmut zu zeigen, ist irgendwie auch nicht der Weg. Und ja, wir fassen uns da auch an die eigene Nase.

Kiel hat eine unfassbare Qualität

Seien wir mal ganz ehrlich in unserem schleimigen Herzen: Wenn Kiel uns an diesem Tag ein 4-1 einschenkt, dann können wir uns nicht beschweren. Für einen Aufsteiger spielen die einen sehr ansehnlichen Fußball. Und dazu noch offensiv ausgerichtet, was in der zweiten Liga ja nun eher ein Seltenheitswert hat.

In der ersten Halbzeit sind die hoch überlegen, lassen unseren Abwehrverbund mehrfach richtig schlecht aussehen und auch in der zweiten Halbzeit haben sie ihre Chancen. Aber wie üblich im Fußball rächt es sich, wenn man die Chancen liegen lässt, und so kommen wir in Halbzeit Zwo mit zwei Schüssen auf das Tor zu zwei Treffern und gewinnen das Ding. Was dann wieder irgendwie typisches Millerntor-Feeling ist.

Nicht möglich wäre dies ohne Neudecker. Der Junge hat einen Sahnetag, macht zwei Tore selber, erklärt dann der Bank, dass er nicht ausgewechselt werden will, und schnalzt dann noch eine Ecke genau auf den Kopf von Avevor, der den Ball durch die Hosenträger des Kieler Torhüters versenkt.

Der Rest ist Jubel

Wir dürfen ja wohl mal träumen, oder?

Auch wenn es eher unwahrscheinlich ist, dass bei uns noch was nach oben (oder nach unten) geht, haben wir da so eine Traumvorstellung:

Wir kommen in die Relegation. Die Jungs aus dem Volkspark auch. Schnecke hat seine Rente bereits angekündigt, aber muss im Rückspiel auf den Acker, weil ganz viele verletzt sind. Nach einem epischen Kampfspiel fehlt uns in der Nachspielzeit noch ein Tor für den Stadtligawechsel und das Unglaubliche. Noch einmal Ecke, der Ball wird abgewehrt, Schnecke nimmt aus 25 Metern Maß und lötet das Ding in den Winkel. Tor! Der Schiedsrichter pfeift nicht mehr an.

Wer stimmt danach in der JHV gegen die Bronzeschnecke auf dem Südvorplatz?

 

Kämpfen Pauliane! 

 

In Twitterkreisen gibt es einen sehr lieben Menschen, der auch uns mit seiner Herzlichkeit und Offenheit immer wieder imponiert und inspiriert hat. Nun ist bei @diepauliane Krebs festgestellt worden. Daher an dieser Stelle: wir sind bei dir. Stay rude, Stay rebel, Stay strong 

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Feb 202018
 

 

Wir haben uns gestern Abend mal diese komische „Merkel muss weg“-Demo und die Gegenaktivitäten dagegen angesehen. Überpünktlich gegen 18:45 versammelten sich am Ende vielleicht 250 Personen, die von „Spießbürger“ über „Türsteher/Althool“ bis „knallharter Neonazi“ alles zeigten, was der rechte Protest gegen Merkel so hergibt.

Das sich so eine rückwärtsgewandte Gruppe gerade unter dem Lessingdenkmal versammelt, ist schon sehr absurd. Das dann wirklich auf Twitter ein Replyer from hell meinte, dass diese Gruppe Deutschland wieder „zum Land der Denker“ machen würde, kann eigentlich nur noch mit Straflesung von „Nathan der Weise“ bestraft werden. Diese ganzen Leute können doch mit Humanismus und dem Gedanken einer Toleranz gegenüber verschiedenen Religionen, die Lessing vertrat, überhaupt nix anfangen.

Auf der Gegenseite versammelten sich vielleicht 1000 Gegendemonstranten (Achtung, wir sind keine guten Schätzer), die sich aus dem zusammen setzten, was man wohl klischeehaft als „linkes Spektrum“ bezeichnen kann. Die Polizei hatte schon frühzeitig den Gänsemarkt großräumig abgesperrt und alles aufgehalten, was nach besagtem linken Spektrum aussah. Das man auf dem Weg zu den „suspekten Personen“ erstmal einen Anzugträger wortlos über den Haufen rennt, ist heute wohl ein normaler Polizeimove.

Weißes Hemd und Lackschuh ermöglichten immerhin noch einen Kakao im Starbucks und ein Überblick über die Szene, bis man auf Klo musste. Das von Starbucks war nämlich defekt. Später wurde der Platz eingegittert und die Demonstranten über die U-Bahn Gänsemarkt und ihre Tunnel auf (und später vom Platz herunter) gelassen. Wo sie nun standen. Sprechchöre waren von der Organisation der Demo nicht gewünscht und so war es von 20 Metern Entfernung ein eher stilles Herumstehen. Plakate mit Helmut Schmidt (inklusive unleserlicher Schrift, irgendwas mit „Heimat“), „Scharia Partei Deutschland“ mit Abkürzung „SPD“ sowie Sprüchen à la „Wir wollen unsere Heimat zurück“ wurden hochgehalten. Was dies nun alles mit Merkel zu tun hat, ebenso wie das kurzfristig gezeigte Banner „Kein Zugang für Terror“, erschließt sich wohl nur jenen Menschen mit fragwürdiger Einstellungen. Das Ganze sieht aus, riecht nach und ist schlichtweg Pegida & Co in neuem Gewand.

Die Propagandaschlacht tobt

Wir wollen auch hier nicht an diesem ganzen Infowar von Falschmeldungen, blanken Lügen und Richtigstellungen teilnehmen. Denn in unserer heutigen Zeit glaubt ja sowieso jeder nur das, was ihm gerade in den Kram passt. Eine sehr dreiste Fälschung, die dann sofort in entsprechenden Kreisen viral geht, kann man hier „bewundern“.

Soweit wir das überblicken konnten, blieb es direkt an den beiden Demos komplett friedlich. Nicht mal irgendein hektisches Gerangel, wie es sonst sehr häufig in solchen Situationen zu beobachten ist, gab es. Es soll an der Oper während der Demo noch geknallt haben, aber da wissen wir weder Details, noch hatte dies irgendwelche Auswirkungen auf die Situation an der Demo. Bemerkenswert: Die ganze Zeit war die Polizei ohne Helm auf unterwegs. Das ist ja in letzter Zeit nicht mehr Standard in Hamburg.

Letztendlich bleibt aber folgendes festzuhalten: Rechte Kräfte sind in Hamburg anscheinend stark genug, um eine Demonstration mit 250 Leuten zu organiseren und durchzuführen. Das dies von alleine wieder verschwindet, muss niemand annehmen. Und was Belltower News hier über die NPD schreibt, gilt auch für diese Sippe:

„Demonstrationen dienen wesentlich dazu, die Attraktivität der rechtsextremen Lebenswelt zu steigern, die eigene Anhängerschaft in der Auseinandersetzung mit Polizei und Sicherheitsbehörden zu schulen. Außerdem geht es darum, neue Mitglieder zu rekrutieren und Machtansprüche zu formulieren.“

"Merkel muss weg"-Nazi-Demo in Hamburg 19.02. 2018

Dahinten steht der besorgte Bürger

 

Daher Leute, ja es gibt Angenehmeres, als sich Montags in der Kälte die Beine in den Bauch zu stehen und von der Polizei mit irgendwelchen Scheinwerfern geblendet zu werden. Aber wenn wir nicht wollen, dass sich in unserer Stadt eine rechte Szene noch mehr verfestigt, dann müssen wir nun aktiv werden. Das heißt: Arsch hoch und ab nächsten Montag auf die Gegendemo. Kein Fußbreit!

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Feb 192018
 

Freitagnachmittag. Eine unscheinbare Nachricht auf dem Telefon reißt unsereins aus der Betriebsamkeit, die dem Wochenende vorausgeht: „Willst du morgen mit zum HSV-Spiel? Hab ’ne Dauerkarte über.“

Hm. Hm! HMMM!

„Stark. Mach ich!“

So schnell kann’s gehen. Warum tue ich das, fragt man sich, handelt es sich bei der angebotenen Platz doch um einen Stehplatz auf der Nordtribüne … Schlimmstes Feindesland oder nicht!? Nun, selbst bei unserem ärgsten Rivalen gibt es bekanntlich anständige Menschen und D., der mir die Karte anbietet, ist in jedem Fall einer davon. Schon vor einiger Zeit hatte ich mich gefragt, wie es sich wohl anfühlen möge, mit einem guten Menschen ein Spiel seines (falschen) Vereins zu besuchen. Sollte ich also schneller als erwartet Gelegenheit dazu erhalten.

Die Gedanken rattern noch am Freitag wie verrückt: „Hilfe, wie soll ich Lästermaul das körperlich unversehrt überstehen? Wie groß wird der Fremdschamfaktor, das Unwohlsein, das innerliche Zusammenzucken bei blöden Bemerkungen im Block werden? Ich muss meine Klamotten peinlich genau auswählen, damit mich ja nichts verrät. Bloß nicht zu viel trinken und mich verplappern!“

Es soll alles längst nicht so wild werden

Nachdem ich sämtliche Aufkleber und den FCSP-Mitgliedsausweis aus meinen Taschen ausgepackt und sicher zu Hause verwahrt habe, geht es auf den Weg nach St. Elllingen – relativ spät für unsere Verhältnisse. In der Bahn unter lauter Schwarzweißblauen noch den Liveticker vom Ingolstadt-Spiel zu Ende zu checken, kommt mir schon fast gefährlich vor. Andererseits: Bei uns interessiert man sich auch zuweilen, wie denn die Rauten gerade spielen. Blöd macht mich keiner an, ich bin ja auch unauffällig. Hingegen tragen die ruhmreichen Erstligisten natürlich viel Farbe, man kennt das ja von unfreiwilligen Begegnungen. Mir springt ins Auge, wie oft so ein HSV-Schal wie ein Fremdkörper bei einem Outfit mit Anorak oder Mantel wirkt. Bei uns scheint mir das FCSP-Merchandise bei den Fans meist besser ins Bekleidungskonzept integriert. Aber wir sind ja auch die Modemarke mit der Fußballabteilung.

Ich treffe D. in Eidelstedt und frage ihn, ob man nicht früher im Block sein müsste, ob das nicht gleich sehr eng wird. Er winkt ab, man komme schon immer noch hinein, so seine Erfahrung. Zügig leeren wir noch zwei Biere auf dem Fußweg (niemand mag Shuttlebusse) und stellen uns dann schon an. Stellingen selbst ist nach wie vor hässlich wie die Nacht, aber ein bisschen Leben brummt rund um den Spieltag schon in der Gegend.

MagischerFC Hinter feindlichen Linien Februar 2018

Hermann kann einem fast leidtun

Die Ordner freundlich, der Einlass unkompliziert: Wir sind also drin. D. geht vor, als wir uns in Block 23/24a schieben. Die Schüssel ist ungemütlich und ziemlich leer, die Stehplätze wirken noch vergleichsweise gut gefüllt. Dort am Rande vorm Zaun haben wir allerdings so viel Platz, dass man auch jede Menge Leitern mit ins Stadion nehmen könnte. (Die Älteren werden verstehen, was gemeint ist.)

Tatsächlich hört man neben vielen anderen „Perlen“ auch kurz Mozart-Songs im Vorprogramm. Textsicher von FCSP-Auswärtsfahrten schmettere ich hier ironisch mit. SCHALALALAHAESVAU. Was sind wir postmodern, haha. Ach herrje, gleich wird ja LKK singen. Nur die Lippen bewegen wie Nationalspieler bei der Hymne? Ich halte lieber ganz die Fresse. Für Fangesänge habe ich mir bereits eine Ausweichstrategie überlegt: HA-SEL-MAUS mit leicht verschluckten S-Lauten, das klingt ähnlich wie HSV und ich muss nichts Falsches singen. Fresse halten funktioniert allerdings auch durchgehend, kein Problem für die Umstehenden.

Scheiß St. Pauli! Scheiß St. Pauli!

Ohnehin hat mich D. einem Mitsteher gegenüber gerade (leise) als „Hardcore-Fan eines anderen Hamburger Vereines“ geoutet und ein kurzer „Altona“-Witz meinerseits erfüllt seine Wirkung nicht. Naja, D. hat auch Interesse an meiner körperlichen Unversehrtheit und so, denke ich, wird mir das nicht zum Verhängnis werden. Die meisten haben es eh nicht mitbekommen. Zusammenhanglose „Scheiß St. Pauli“-Rufe wird es dennoch zu hören geben. Ich bin versucht, einzusteigen. Würde aber keiner verrstehen.

Ja und dann halt Fußball und das stellt mich vor das nächste Problem: Hämisch lachen, wenn Leverkusen ein Tor erzielt? Nay, nay, when in Rome, do as the Romans do. Ein bisschen Respekt muss als Gast schon sein. In der 40. Minute ist es dann so weit und ich schweige einfach, wie es die meisten Rauten um mich herum auch tun. Aufbäumende Fangesänge hört man erst mal nicht. Da ist eher Resignation zu spüren.

Wir gehen zwischenzeitlich mal Bier holen. Huch, schon zu weit gelaufen? Doch, da sind die Treppen, die allerdings kein Mensch frei hält. „Ja, das haben die mal versucht, ist aber kläglich gescheitert.“ Kein Wunder, dass es im Block so locker bleibt, wenn die Fans einfach auch auf den Auf- und Abgängen stehen. Naja, soll nicht meine Sorge sein, ich werde hier niemanden belehren.

Den Beginn der zweiten Halbzeit verpassen wir und damit auch das 0:2. Gehört hat man davon im Umlauf nullkommanull. Wovon wir auch nichts mitbekommen, ist das vielkritisierte Transparent. Sieht man einfach nicht im Block.

Mit dem Anschlusstreffer (Yay, Scooter!) bäumen sich Nordtribüne und Stadion dann auch mal auf. Man steht sogar von seinen bequemen Sitzen auf für den HSV. Tatsächlich kriegen die Rothosen nun den einen oder anderen Spielzug hin, aber das kommt zu spät. Mir soll’s recht sein, für D. tut’s mir etwas leid. Das Gift, das viele junge Testosteronbolzen im Block bei Abpfiff versprühen, bekommen wir nur noch im Rausgehen mit. Die lauten Pfiffe richten sich jetzt wohl nicht – wie zum Ende von Halbzeit 1 – gegen die eigenen Spieler, sondern entweder gegen die Cops unten vorm Block oder die eigenen Öddel, die kurz vorm Platzsturm stehen. Wir nehmen nur erstere wahr.

D. ist zumindest nicht sonderlich geknickt und wir schlendern zur S-Bahn. Die Spieler haben sich sicherlich nicht schlechter verkauft als in anderen Spielen und gegen Leverkusen „darfst“ du als HSV verlieren. Wie düster das jetzt aussieht, wir sprechen nicht darüber. Nicht meine Sorge. Oder? Spannend wird es definitiv werden, sollte der Hamburger Sportverein tatsächlich absteigen. Kühne macht die Düse, Durchmarsch in tiefere Ligen statt direkter Wiederaufstieg, Lizenzprobleme usw., da sind einige seltsame Szenarien denkbar. Wir werden es erfahren.

Was noch so war

Eine besondere Befürchtung meinerseits war, dass mir im Falle diskriminierender Sprüche im Block das Messer in der Tasche aufgehen würde, auch wenn ich schätze, dass D. so etwas auch nicht unkommentiert lassen dürfte. Nun, das Schlimmste in dieser Hinsicht ist „Hurensohn“ als Beleidigung. Nicht cool, keine Frage, aber da hätte ich ehrlich gesagt mit Schlimmerem gerechnet.

Fazit? Jo, da liegen schon noch Welten zwischen unseren Vereinen. Und das darf auch gern so bleiben. Den meisten dürfte das bekannt sein, auch Meinereiner war nicht zum ersten Mal im Volksparkstadion. Allerdings ist – so dieser schlaglichtartige Einblick – auch nicht alles immer zu 100 Prozent eine Vollkatastrophe beim HSV. Nicht einmal in dieser schwierigen Situation.

Ob ich noch mal hingehen würde auf die Nordtribüne? Nicht zwingend. Vorher ist in jedem Fall der direkte Gegenbesuch von D. fällig. Seid dann bitte nett zu ihm, der wird sich zu benehmen wissen.

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Feb 182018
 

 

Und nein, liebe Lesende, wir sprechen in der Überschrift mal ausnahmsweise nicht von dem weißen Nasenspray. Das wurde nur unserem liebsten Veteranen angeboten.

Es geht also nach Ingolstadt. Früh klingelt der Wecker und schnell bringen uns diverse Autobahnen in den Süden der Republik. „Ab in den Süden, der Sonne hinterher“ erweist sich dabei als ziemliche Lüge, denn Nebel und später Schnee prägen das Wetter.

Vor unserer Ankunft in der Stadt der vier Ringe hat der liebe Gott aber noch Kartendeals an Tankstellen in Forchheim gelegt. Würde uns das USK dabei beobachten, kämen wir wahrscheinlich als Gefährder in Dauerpräventivgewahrsam. Denn wer weiß, was wir noch so alles an- und verkaufen könnten an dieser Tankstelle in Forchheim.

So aber düsen wir weiter, sammeln schnell unsere Lieblingsfränkin ein und schneller als Horst „Heimat“ überhaupt sagen kann, finden wir uns auf dem Parkplatz des Stadions auf dem Gelände der ehemaligen Raffinerie wieder. Schlappe 5 Euro Parkgebühr vermitteln das Gefühl von Großstadt. Und immerhin werben drei Bor äh Saunaclubs um die Gunst der Ingolstädter. Aber seien wir ehrlich „Kniet nieder, ihr Autobauer, die ÖPNVer sind zu Gast“ würde genau so passen wie „Ihr baut Autos, wir haben Nahverkehr“. Und liebe Lesende, es ist eure schmutzige Phantasie, die hier das „Nah“ weglässt.

Howdy, Audi

Vor dem Block das übliche „Liebe Menschen aus allen Herren Länder“-Meeting. Ach, Mädels und Jungs, irgendwann packen wir euch einfach mal alle ein und legen uns gemeinsam an den Strand einer einsamen Insel.

Besagte Arena ist auf Zuwachs geplant und kann theoretisch erweitert werden. Angesichts von etwas mehr 10.000 Zuschauern (in dieser Saison noch kein Auswärtsspiel mit weniger als 10.000 Besuchern, sagt unser Statistikgott) zurzeit aber nicht notwendig. Nun soll das gar nicht abwertend sein. Der 2004 gegründete Club spielt in einer Stadt, in der wahrscheinlich viele Menschen über Generationen mit Glubb oder FCB fest verbandelt sind. Da ist so eine Zuschauerzahl schon aller Ehren wert.

Immerhin ist der Gästeblock direkt mittig hinter dem Tor und nicht in die Ecke gequetscht. Das ist wirklich schön.

Die Konstruktion des Stadions hat aber ihre Nachteile. Denn durch die Lücke zwischen Tribüne und Dach rieselt erst eine Schneeflocke, dann viele auf unsere Koksnasen. So richtig was bringen tut das Dach nicht.

Angeheizt von unserem im Shirt dastehenden Vorsänger legt der Gästeblock trotzdem einen passablen Auftritt hin. Natürlich geht immer auch mehr, aber wenn man das Wetter mit einbezieht, ist das gut.

Stabil nach hinten, ein tiefer Nadelstich vorn

Auch die ersten 45 Minuten auf dem Platz. Sicher in der Abwehr, gar nix zugelassen und ein Killerkonter – zack, schon führt man. Stark die Vorbereitung von Waldemar und Richard.

Dann kommen rote Bälle und Linien und die restliche Spielzeit hat mit Fußball nichts mehr zu tun und entzieht sich einer ernsthaften Analyse. Spieler und Ball rutschen mit viel Zufall. Ingolstadt hat schlichtweg das Pech, dass es in den entscheidenden Momenten für uns rutscht.

Feierabend

Kurz die Mannschaft gefeiert, dann im dichten Schneetreiben zum „zu Hause“ fern von zu Hause, wo der Lieblingsthüringer zum Glück schon den Kamin an hat. Pizza, Lieblingsalkoholgetränk und Schlaf ist dann der Rest des Tages im Schnelldurchlauf.

Danke ihr Lieben, wie immer.

Ach ja: Sechs Punkte bis zur Relegation nach oben. Und ja, wir hätten Bock. Was ist mit euch, Volksparker?

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Feb 132018
 

 

Montagspiele sind nicht so wirklich eine Erfindung aus dem Paradies, gerade dann nicht, wenn es sich um einen nasskalten Februarmontag handelt.

Beinah zeitgleich zu dem Spiel hatte eine krude Mischung jeglicher Sorte von Rechtsextremen/Nazis/Aluhüten etc. pp zu einer „Merkel muss weg“-Demo aufgerufen, was viele FCSP-Fans noch zu einem kleinen Zwischenhalt animierte. Bevor wir selbst vorzeitig in Richtung Millerntor aufbrechen mussten, ist die Situation am Jungfernstieg absolut unübersichtlich. Die Polizei ohne erkennbares Einsatzkonzept, ein paar verstreute Nazis und dazwischen jede Menge Antifas. In diesem Chaos sich zu einer Demonstration zusammenzufinden, ist quasi unmöglich und zu dieser ist es dann auch nur im kleinem Umfang gekommen während andere Rechtsextreme in den sozialen Medien ihr Leid klagen, dass ein Durchkommen zu den Kameraden unmöglich sei. Mit Sicherheit ist dieser Abend also kein Erfolgserlebnis für die nationale Sache. Mit ruhigerem Gewissen und besserer Laune können wir uns dem Fußball zuwenden.

 

Geil eine Trommel

Im Fanladen ist an diesem Spieltagabend trotzdem schnell Hochbetrieb und es entwickelt sich folgender Dialog zwischen einem unserer Schreiberlinge und mehreren Leuten aus dem Supportblock.

Erster Ansprechpartner? Der schönste Bart des Millernton:

„Hey, ich will die Trommel zurück. Macht mal was!“

„Ne, also das ist nicht unser Ding, das hat immer die Alte Schule gemacht und die waren zu genervt. Frag die mal.“

Zweiter Ansprechpartner. Die schönsten bunten Haare Bremens (oder so). Getroffen im Fahnenlager:

„Du bist doch Alte Schule?“

„Ja!“

„Ich will die Trommel zurück!“

„Das ist ein Supportblock-Ding, wir haben damit nix zu tun.“

„Das sagt man im Fahnenlager anders.“

„Hm, ja weiß nicht, frag mal G. Oh da steht ja G.“

„Hier ich will die Trommel zurück.“

„Ich hab da nix mit zu tun. Ich stehe schon unten. Nee.“

Ergebnis dieses Dialogs? Die Trommel im Supportblock ist zurück. Und das können wir nur unterstützen, bejubeln und uns drüber freuen. Wer anderer Meinung ist, der treffe uns bitte zu einem 3 gegen 3 am 22.06.2018. (Details am Ende des Berichtes)

 

Viel Scheisse auf den Rängen

Auch begünstigt durch bayrische Winterferien füllt Nürnberg den Gästeblock doch ganz ordentlich. Man muss diese Fanszene allerdings echt nicht sympathisch finden. Schon vor dem Spiel wird da mit Fahnenstangen nach Ordnern geschlagen, ohne dass vorher ein Grund erkennbar ist, und die „unpolitische“ Südstaatenflagge ist als Doppelhalter auch am Start.

Das die schon historisch Dreck und nun auch noch immer mehr ein weltweites Symbol für Rassisten und Faschisten ist, scheint in den Hirnen von Nürnberg nicht angekommen zu sein. Und dies obwohl wir auf Nachfrage erfahren können, dass dies denen auch schon mehrfach kommuniziert wird. So langsam kann man sich dann in Nürnberg auch nicht mehr mit „das ist aber voll unpolitisch ‚der Süden'“ herausreden.

Gut, dass Klaus (Stadionsprecher) nach dem Spiel sinngemäß sagt, dass man dieses Symbol für Rassismus doch lieber zu Hause lassen solle. In Gedanken ergänzen wir, dass man die Sache vielleicht mal grundsätzlich überdenken kann.

Wir wissen ja auch, dass man liebgewonnene Symbole nur schweren Herzens wieder aufgibt, aber hier trotzdem ein Vorschlag zur Güte, Ultras Nürnberg: 1848/1849 flohen viele (potenziell) Verfolgte und Unterdrückte aus Bayern und anderen deutschen Staaten in die USA und zeichneten sich kurz darauf im Bürgerkrieg als überzeugte Demokraten und Republikaner auf Seiten der Nordstaaten aus. Unter diesen Leuten war garantiert auch der eine oder andere aus Nürnberg. Nehmt euch doch die zum Vorbild. Klar ist das weit vom Fußball weg, aber das sind die Südstaaten eben auch. Und im Gegensatz dazu hat diese Idee tatsächlich einen Bezug zu eurer Stadt und ihrer Geschichte, die euch doch so wichtig ist. Obendrauf reproduziert ihr keinen Rassismus und das wäre doch auch was.

Aber so ein bisschen müssen wir aufpassen, dass wir nicht den Balken in unserem Auge übersehen, während wir auf den Splitter in anderen Augen deuten:

Liebe Gegengerade. Wir haben ein Diskriminierungsproblem. Nun ist das keine neue Erkenntnis, aber anscheinend ist sie mal wieder in Vergessenheit geraten. Wir reproduzieren jetzt mal beide Beispiele um deutlich zu machen, wie heftig das ist, daher kleine Warnung vorab.

Park wird als „Schlitzauge39″ bezeichnet, dem Team wird unterstellt, es spiele „Mädchenfußball“. Leute! Es kann nicht sein, dass sich immer nur einzelne gute Menschen darüber aufregen und gerade die jeweiligen Kumpels regungslos daneben stehen und am besten den Scheißkerl noch verteidigen. Das geht genauso wenig klar wie die Aussage an sich. Das Problem ist auch, dass der Einschreitende dann häufig genug eine Massenschlägerei risikieren muss, weil irgendwelche Trottel ihren Kumpel verteidigen.

Ach ja, wir gehen davon aus, dass wir nicht erklären müssen, wie scheiße solche Aussagen sind.

Durchatmen

Auf dem Platz zeigt Park eine absolut famose Leistung. Was der Junge immer als Brandaustreter leistet, wenn er irgendwo rein geworfen wird, ist aller Ehren wert.

Genauso würde uns mal interessieren, wie viele echte Zweikämpfe Avevor so gewinnt. Machen wir uns nichts vor: Die meisten Zweikämpfe sind eher Drei- oder Vierkämpfe, weil ein weiterer Spieler Wege zustellt und dadurch erst den Zweikampf ermöglicht. Wenn es wirklich 1 gegen 1 geht, dann hat der Verteidiger eher eine 50-Prozent als eine 75-Prozent-Chance. Avevor rangiert da schon seit Wochen bei ca. 95 Prozent. Ja, der Junge ist kein feiner Techniker und ein „moderner“ Verteidiger, der dann auch noch locker aus dem Fußgelenk das Spiel aufbaut, wird er auch nicht mehr. Aber egal. Diese Fähigkeit und seine Schnelligkeit sind gerade Gold wert.

Letztes individuelles Lob ist für Neudecker reserviert. In unserer Offensive läuft vieles nicht rund. Insbesondere wirken die Laufwege überhaupt nicht aufeinander abgestimmt, was in Spiel 2 der Saison okay wäre, in Spiel 23 echt problematisch. Auch hat man häufig das Gefühl, dass der jeweils ballbekommende Spieler erstmal überlegen muss, was er eigentlich jetzt mit dem Gerät machen will. Nicht so bei Neudecker. Auch bei ihm klappt nicht alles, aber man hat immer das Gefühl, dass der schon 20 Sekunden vorher genau weiß, was er nun mit dem Ball anstellen will, der da gleich zu ihm kommt. Schulle nannte das im Millernton-Podcast mal „Vororientierung“ und das ist Neudeckers große Stärke.

Die erste Halbzeit verläuft sehr zäh und da könnten wir uns auch nicht über ein Nürnberger Tor beschweren. In der zweiten Halbzeit zeigen unsere Jungs ein wirklich gutes Spiel, haben viele Chancen und aussichtsreiche Bälle, aber scheitern an Pech, Torhüter und auch eigenem Unvermögen. Aber sonst stimmt der Einsatz und es ist auch häufig genug so etwas wie Fußball zu sehen. Darauf lässt sich aufbauen.

ABER: Die Jungs müssen konstant werden, so etwas auch aufrufen können, wenn der Gegner Heidenheim heißt und der Gästeblock leer ist oder das Stadion ein erweiterter Dorfplatz. Man lebt eben nicht nur von den Highlights.

Und es ist schon ärgerlich am Ende dem Aufsteiger Nürnberg vier Punkte abzuringen und trotzdem nicht annähernd was mit dem Aufstieg zu tun zu haben.

Ach ja – Party!

Wir feiern Geburtstag. Und zwar am 22.06.2018 in den Fanräumen. Geboten wird eine Lesung der besten Texte, Musik unserer Hausband (Link) und danach Disco. Vielleicht auch noch ein paar Überraschungen. Tragt es auch in den Kalender ein. Oder in eurer Facebook.

Der Eintritt ist frei, ggf. sammeln wir Spenden.

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