Okt 302017
 

Liebe Leidensgenossen und Leidensgenossinnen,

viele von uns sind nicht erst seit gestern Fans des FCSP und haben dementsprechend deutlich Schlimmeres gesehen als das Spiel am vergangenen Freitag gegen Erzgebirge Aue. Dennoch frustriert die Autoren diese Begegnung in der Retrospektive besonders und raubt ihnen beinahe die Lust, sich mit dem Spiel erneut detailliert auseinanderzusetzen.

Es sind nun zwölf Begegnungen gespielt, aus denen der FCSP 19 Punkte gewinnen konnte. Das reicht (warum auch immer) für Platz 5 mit vielleicht nicht großartigen, aber durchaus soliden Chancen, noch auf die Aufstiegsplätze zu gucken. Zusätzlich hemmt uns natürlich großes Verletzungspech. Ein Super-GAU ist die Spielzeit 17/18 bisher nicht, aber trotzdem sind Partien wie die am Freitagabend Indikatoren dafür, dass etwas nicht stimmt und wir uns für die kommenden Monate eher die Plätze in der Tabellenmitte nochmal anschauen sollten. Wer so spielt, ist im Aufstiegskampf einfach nicht konkurrenzfähig. Es ist aber erstaunlich, dass man miit sechs Punkten zu Hause immer noch in Sichtweite von Platz 3 steht. Vielleicht hat der Fußballgott aber auch Großes vor und hat uns zum Relegationsderby vorgesehen? Und wahrscheinlich können nur wir den Dino beenden.

Ernsthaft, Aue macht über die kompletten 90 Minuten nichts und trotzdem ist es nicht möglich, zu Hause gegen einen solchen Gegner zu bestehen? Ihn so oft vors eigene Tor zu lassen? Nur so selten gefährlich zu werden? Selbst Dudziaks Treffer lässt sich letztlich auch auf einen Abwehrfehler der Sachsen zurückführen. Ja klar, hier und da sieht das Spiel ganz mal ganz gut aus und Ansätze im Gegenpressing gibt es auch; aber mit so was reicht es völlig verdient nur für einen Punkt und damit bleibt man eben kein Spitzenteam in Liga 2. Was auffällt: Wenig Aktionen werden mit wirklichem Tempo gefahren. Und wenn, dann ist es meistens Zander, der richtig mit Schwung in die Abwehr des Gegners geht – und dann meistens auch Gefahr heraufbeschwört. Fehlt da die Regeneration? Sind die Verletzungen ausschlaggebend? Man kann es nicht nicht sagen.

MagischerFC St. Pauli Erzgebirge Aue Oktober 2017

Was man jedoch trainieren kann, sind Standards. Und das wir nun schon wieder ein Tor nach einer Ecke bekommen, ist nicht nur ärgerlich, sondern ein Systemfehler. Denn man darf Folgendes nicht vergessen: Nur knapp über ein Prozent aller Ecken überhaupt im Fußball führen zu Toren. Oder anders ausgedrückt: Jede 100. Ecke ist ein Tor. Da darf man sich nicht schon vier Gegentore diese Saison gefangen haben. Und das sind ja nun keine Messi-Ecken, die da herein segeln, sondern biedere Zweitligakost. Gerade bei unseren eigentlich kopfballstarken Verteidigern darf dies nicht passieren.

Zurück zum Thema „Spitzenteam in Liga 2“: Will man das denn überhaupt sein? Ja! Wir spielen jetzt seit Menschengedenken in dieser organisierten Langeweile, die man hierzulande zweite Bundesliga nennt. Es wird Zeit, dass wir nach oben kommen, dass wir eine „winning culture“ etablieren und uns die Wochenenden nicht mehr von solchen Spielen versauen lassen. Woher kommt überhaupt diese unsägliche Gedanken, dass wir immer nur gegen den Abstieg spielen? Klar, bezeichnend für den FCSP ist, dass sportlicher Erfolg nicht an erster Stelle steht; aber warum denn die Möglichkeiten negieren, die man gerade hat? Schlechte Zeiten kommen wieder früh genug. Nutzen wir doch mal unsere Möglichkeiten!

Und sonst so?

Stimmung auf der Gegengerade anfangs durchschnittlich (also fast gut), nach dem Gegentreffer selbstredend unterirdisch. Supportblock mit schöner Blockfahne. An dieser Stelle: Happy Birthday, liebe Alte Schule. Ihr habt in euren zehn Jahren viel bewegt, macht einfach weiter so.

Aue ist gefühlt nicht anwesend. Dafür die halbe GdP hinter der Nordkurve. Warum auch immer. Die Masse wünscht sich wohl „Antifa Hooligans“ zu Beginn der zweiten Hälfte zurück. Ist irgendwie auch cooler. Sorry, Slime.

Ein großes Herz an die beiden Elektro-Zigaretten-Raucher in der Süd. Immer perfekt zum Anfang von „Magisches St. Pauli siege heute hier für uns..“ blasen sie eine große Rauchwolke in den Himmel. Den Himmel haben wir heute übrigens schön, was mal wieder zu einem Millerntor-gefluteten Instagram führt.

Samstag geht es weiter gegen Union. Lasst uns im Bergedorf Berlins drei Punkte holen und oben dran bleiben! Wir sollten und brauchen keine Angst vor dem Gewinnen haben. Immer weiter, Sankt Pauli!

Eines noch zum Schluss: In der Pressekonferenz vor dem Spiel wurde davon berichtet, dass Sobiech unter Kopfweh leidet. Da gehen bei jedem, der auch nur annähernd die ganze Kopfverletzungsgeschichte in der NFL verfolgt hat, sofort die Alarmglocken an. Gerade bei einem Spieler, der bereits eine Gehirnerschütterung diese Saison hatte. Und man muss sich erneut fragen, warum es im Fußball – anders als in allen US Sportarten – kein vorgeschriebenes Testprotokoll gibt, wenn Spieler im Verdacht stehen, Kopfverletzungen und insbesondere Gehirnerschütterungen zu haben. Bei aller Liebe zu den Vereinen erscheint es uns nicht wirklich sicher, dass diese immer wirklich verantwortlich mit ihren Spielern umgehen. Ein neutrales, fest einzuhaltenes Procedere mit geschulten, neutralen Ärzten ist im Fußball längst überfällig.

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Okt 262017
 

Sandhausen. An einem Montag. Das sind so Fahrten, nach denen man sich die Finger leckt. Und so ist selbst der Fanclub des Zeilenschreibers diesmal nur mit zwei Personen vor Ort. Sonst ist drei eigentlich unsere absolute Mindestzahl. Dabei besteht dieser legendäre Fanclub, den niemand kennt, aus gerade mal acht Personen.

Okay, genug der Selbstbeweihräucherung. Sandhausen. „Dorfverein“ ist in diesem Zusammenhang wahrscheinlich wirklich keine Abwertung. Sandhausen ist eine Kleinstadt und im Vergleich zu vielen anderen Vereinen in der zweiten Liga ein Dorf. Natürlich eines mit ganz viel Wirtschaft in der Nähe, die auch Geld in den Verein pumpen kann; aber dass die nun irgendwelche Traumbudgets fahren, kann man nun auch nicht sagen. Um dann so lange in der zweiten Bundesliga präsent zu sein und immer wieder eine gute Rolle zu spielen, muss man schon sehr viel richtig machen.

Und damit der FCSP nahezu konstant schon seit 1 ½ Jahren unter dem SVS steht, muss man am Millerntor verdammt viel falsch machen. Ja, das ist einfach so, auch wenn ihr es alle nicht hören wollt. Die Sandhäuser haben das Potential von ca. 8.000 Zuschauern und vielleicht 100.000 Sympathisanten. Wir hingegen verfügen über ein Potential von 28.000 Zuschauern (jeweils Gästefans rausgerechnet) und Millionen Sympathisanten. Das soll gar nicht großkotzig klingen, aber man muss auch mal ein reales Verhältnis bilden, wenn man Leistungen vergleicht und sich selber einordnet.

Umso erstaunlicher, dass es immer noch FCSP-Fans gibt, die glauben, dass der Klassenerhalt in der zweiten Liga beinah einem Wunder und der Erfüllung aller Wünsche entspricht.

Ein seltener Gast

Nun gut, diese Fahrt bringt einen seltenen Gast in das Fahrzeug des Schreibers, hatte doch J. mal wieder vor, auswärts zu fahren. Nach drei Jahren mal wieder. Dem ganzen liegt eine Vorgeschichte zugrunde, die ich hier nicht vorenthalten möchte.

Auswärtsfahrt nach Bochum.

Tweet des Schreibers (alles folgende sinngemäß zitiert): „QotD: „Panzer sind auch keine Lösung“ „Ja, aber sie machen schöne große Löcher““

Nachricht J. (ca. 20 Sekunden später) : „Ich will auch mal wieder auswärts fahren.“

Antwort Schreiberling: „Wir reden hier aber nicht immer über Panzer“

J.: „Egal“

Danach die Feststellung, dass J. drei Jahre nicht mehr mit war, und das Versprechen, dann gleich die Schocktherapie zu nehmen und nach Sandhausen zu fahren.

Dann kam die Terminierung als Spitzenspiel, aber das Versprechen blieb und so findet man sich kurz nach 11 Uhr an einem Montag auf der Autobahn wieder.

Und beinah viel zu früh in Sandhausen

Aber Getrödel und eine kurze … äh … Abkürzung über Feldwege sorgen dafür, dass wir nur zu früh da sind. Was man langsam echt mal hinterfragen sollte, ist, warum bei einem solchen Spiel auf Feldern vor der Gemeinde Polizei steht. Was soll da passieren? Wenn sich noch irgendein Polizist über Überstunden und ähnliches aufregt, dann kann man ihn immer nur fragen, was für Ackermatches die bei dieser Paarung erwarten.

Dass man in Sandhausen auf irgendwelchen Feldern parkt, entspricht herrlich dem Klischee. Das Parken ist gut organisert. Das ist dann auch eine durchgängige Beobachtung. In Sandhausen weiß man, dass da Menschen kommen, ist organisiert, hat einen vernünftig funktionierenden Einlass, weiß, dass dort Menschen mit Bannern kommen, die sie gerne aufhängen wollen. Das ist top. Und da können sich andere Vereine (Hallo Kiel!) eine Scheibe von abschneiden. Auch die Abfahrt nach dem Spiel ist gut organisiert und schnell möglich.

Über das „1. FC Pauli“ auf der Website des Rhein-Neckar-Fernsehens will man da beinah hinweg sehen. Aber auch nur beinah.

MagischerFC Sandhausen 1. FC Pauli

Gut 2.000 FCSP-Fans aus aller Welt haben sich im Gästeblock eingefunden und dieser macht auch 90 Minuten ordentlich Radau. Respekt dafür. Über das laut hörbare S beim „Aux Armes“ müssen wir aber irgendwann mal reden.

Auf dem Platz …

… entwickelt sich ein Abnutzungskampf zweier Mannschaften, die versuchen, das Spiel intensiv zu spielen und insbesondere hinten nichts zuzulassen. 18 zu 16 Schüsse verzeichnet am Ende das Protokoll, aber auch nur jeweils drei „On Target“.

Die besseren Schüsse haben die Gäste, aber entweder rettet irgendein Fuß oder ein Torhüter oder aber es kommt gar nicht zum Schuss, weil in letzter Sekunde irgendetwas schief geht.

In Halbzeit 2 wird der FCSP noch drückender, hat Möglichkeiten und kassiert dann nach einer haarsträubenden Fehlerkette das Gegentor. So ist es im Fußball. Wenn du deine Möglichkeiten nicht in Tore umsetzt, dann rächt sich das gerne mal. Das Zweikampfverhalten vor dem Tor wird wahrscheinlich noch in mehreren Videoabenden Thema sein.

MagischerFC SV Sandhausen vs. St. Pauli Oktober 2017

Danach werfen die Braun-Weißen alles nach vorne, machen Lasse mal wieder zum Mittelstürmer (in einer anderen Zeit, als Mittelstürmer noch zuerst kopfballstark sein sollten, wäre Sobiech nebenbei niemals Verteidiger geworden) und dieser Aufwand wird durch den Ausgleich von Schneider belohnt.

Dem ist dieses Tor mal ganz stark zu gönnen. Der Junge kommt immer mal wieder von der Bank, rennt sich dann die Seele aus dem Leib und wirkt immer erfrischend. Gut, dass er für seinen Aufwand auch mal belohnt wird.

Trotzdem muss man nach diesem Spielverlauf echt unzufrieden sein. Insbesondere, da Sandhausen sein übliches Betonsystem nicht durchgedrückt bekommt und man eben mehr als ein, zwei Gelegenheiten hat. Klar ist es schwer in Sandhausen zu gewinnen, aber diesmal war es möglich. Trotz der ganzen Verletzten.

Die Verletztenmisere – ohnehin ein Thema

So einen tiefen Kader kann man in der zweiten Liga gar nicht haben, um diese ganzen Verletzungen aufzufangen. Und es ist eben nicht nur alles Pech. Gut ist, dass auch Olaf in der Pressekonferenz vor dem Spiel darauf einging und deutlich machte, dass man an Stellschrauben versucht zu arbeiten.

Zu hoffen bleibt, dass wir nicht auch noch Nehrig auf die Verletztenliste schreiben müssen. Gut sieht das bei seiner Auswechselung nicht aus.

Auf der Rückfahrt haben wir aufgrund einer Buspanne zwei Gäste im Auto, die unsere Runde perfekt auflockern und bei der Unterhaltung des Fahrers bis 5:30 Morgens durchhalten. Da hat uns dann das Millerntor wieder.

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Okt 142017
 

Fußball ist ein seltsames Spiel. Noch am Nachmittag erklärt der Verfasser dieser Zeilen seinem Arbeitskollegen, warum er nicht an Tippspielen teilnimmt und dass die Unvorhersehbarkeit des Fußballsports einen großen Reiz für ihn ausmacht. Und dann ist es eben diese Unvorhersehbarkeit, die am Ende des Spiels gegen Kaiserslautern ein schales Gefühl beschert. Wie es in den Wald hineinruft …

Endlich wieder Millerntor. Für Unsereins ist es urlaubsbedingt das erste Heimspiel seit Wochen, es knistert entsprechend wieder erheblich. Das Freitagsspiel versaut allerdings einen gemütlichen Gang durchs Viertel, Gehetze ist angesagt. Die ganze Woche so vorarbeiten, dass man freitags früher los kommt, ihr kennt das vielleicht. Und dann ist auch noch das halbe Heiligengeistfeld abgesperrt. Sag das doch jemand! Mit Mühe und Not geht es eine knappe Stunde vor Anpfiff in den Supportblock.

MagischerFC St. Pauli vs. 1. FC Kaiserslautern Oktober 2017

Schön bist du, altes Haus

Todeskonfetti! Diese winzigkleinen Schnipsel, die auf jeden Fall den Weg in den Bierbecher oder die Unterhose finden, sorgen zum Einlauf mal wieder für richtig Spaß im Block. Wer die „falsche“ Klamotte anhat, sieht jetzt aus wie paniert. Jetzt aber los, wir wollen mal wieder einen Heimsieg. Ist ja schon eine Weile her, nech?

Lautern steht mit dem Rücken zur Wand und das merkt man auch. Unangenehm defensiv mit zerstörerischem Spiel nehmen die Regionäre dem Fußballgourmet jeden Appetit. Spannende Szenen Mangelware, gerade mal 2:2 Torschüsse nach 45 Minuten laut Kicker. Ein Mal hat Allagui einen Führungstreffer auf dem Fuß, den müsste er machen. Aber vielleicht ist zu diesem Zeitpunkt der Knoten noch nicht geplatzt. Immerhin kein Gegentor in Halbzeit 1, das ist ja schon mal was. Wir vertreiben uns die Zeit mit Singen und Klatschen, was man halt so tut. Auch das eine oder andere unsinnige Lied kommt dabei heraus.

Du wirst hier Häute gewinnen?

In der zweiten Hälfte merkt man, wie der Druck auf dem Kessel steigt. Kompakte Defensive hin oder her; gegen ein Team, was so tief unten steht, sollte schon was Zählbares kommen – gerade wo der FCSP so viel mehr Ballbesitz und Spielanteile hat. Es dauert bis zu 63. Minute, als ein Raunen und ein ungläubiger Jubel durchs Stadion geht. Flum wird im Lauterer Strafraum umgehauen, alle rechnen mit dem Elfmeterpfiff – und bevor der Schiedsrichter auf den Punkt zeigen kann, nimmt Sami sich die Pille und drischt sie aus 20 Metern humorlos in die Maschen. Ja Mann! Endlich ein Treffer durch unseren großen Sturm-Hoffnungsträger. So kann’s weitergehen.

Und dann ist Fußball eben wieder so grausam, wie er manchmal sein kann. Keine Viertelstunde später entsteht aus dem Nichts eine Ecke für den 1. FCK , die einfach sitzt. Nicht nur die Spieler gucken dumm aus der Wäsche. Solche Partien fühlen sich an wie eine Niederlage, wo es doch so ziemlich die einzige wirklich gefährliche Chance für Lautern war. Das Spiel hatte gerade Fahrt aufgenommen und MMD hätte um ein Haar auf 2-0 erhöht. Nee, aber das sollte nicht sein.

Nun muss man sagen, dass der FCSP in dieser Saison bisher eher auf der Sonnenseite des unverschämten Glücks des Tüchtigen residierte. Und Glück, Pech, Zufall, das hält sich nicht an irgendwelche Regeln. Gerechtigkeit braucht man da nicht zu suchen. Ein bisschen wie geprügelte Hunde trottet man aus dem Stadion, um sich in der lauen Oktobernacht (wärmer als so mancher Juli-Abend, wie es scheint) noch vor den Fanräumen/der Weinbar auf das eine oder andere Getränk mit guten Menschen zu treffen. Das Schöne an Freitagsspielen ist ja, dass man danach oft nix Weiteres mehr vor hat und genau für so was Zeit bleibt.

Support & so

Mit ein paar Wochen Abstand fällt auf, dass auf der Gegengerade die Sangesfreude ausbaufähig ist. Viel verpufft ziemlich schnell und wird von nur wenigen mitgesungen. Schade. Liegt’s daran, dass wir derzeit weder ganz vorn noch im Keller mitspielen? Dass ein Ernst der Lage fehlt? Naja, es fehlt ja nicht viel und wir wären oben dran. Scheidet als Erklärung also aus. Die Lautsprecheranlage auf der Süd, die unsere Wenigkeit heute zum ersten Mal und das auch nur in einem kurzen Augenblick wahrnimmt, entzündet auch keine Kehlenfeuer. Also lassen wir es mal bei einem kleinen Appell: Ey, Loide, brüllt mal bei den nächsten Spielen wieder ’n bisschen lauter, ok?

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Okt 032017
 

 

Worte vor den Worten

Liebe Lesende da draußen. Es ist der 2.10.2017 und die meisten Menschen dürften sich ein langes Wochenende gegönnt haben. Unter diesen Menschen werden auch die Fußballprofis des FCSP sein. Dies sei ihnen gegönnt, genug Blessuren sind auszuheilen. Oh, beim Schreiben lesen wir, dass heute ausgelaufen wird! Jungs, macht es ruhig.

Olaf hingegen wird wahrscheinlich nach einer sehr unruhigen Nacht heute arbeiten. Und überlegen, wie er gewisse Dinge abstellt, die in Braunschweig passiert sind.

Hin

Aber fangen wir vorne an. Wo auch sonst? Der Fanladen hat uns mit einer Bustour geködert. Die drei Busse sind überpünktlich da – aber die Fanladenhoschis noch nicht. So wird das beliebte „1, 2 oder 3″ unserer Jugend nicht mit Feldern, sondern mit Bussen gespielt. Moderator Sven kann dann aber zur Abfahrt klären, ob man richtig sitzt oder nicht.

Wir sitzen richtig bei Ole im Bus und es entwickelt sich eine entspannte Tour, die bis Allertal auch ohne Beschallung auskommt, was bis dahin niemanden stört.

In Allertal lädt Ole dann aber den Endgegner eines jeden Musikgeschmacks in das CD-Laufwerk: die vielgefürchtete Spinner-CD, benannt nach einem Fanclub unseres magischen Vereines mit gleichem Namen. Diese CD ist so berühmt, dass unsere Twitter-Follower die Reihenfolge der Lieder aufsagen können. An dieser Stelle findet ihr ein paar Perlen der CD. Durchklicken ist hier ausdrücklich auf eigene Gefahr. Insbesondere, wenn es um Lieder geht, die feststellen, dass der Verein aus dem Volkspark „mein dritter Hoden“ ist.

Das der Bus erschreckend textsicher bei solchen Liedern ist, zeigt auch, dass die vielleicht schon ein, zwei oder drei mal gelaufen ist.

Da

Dann sind wir also an der Hamburger Straße. Das ist auch das einzig „Heimatliche“, was einem sofort ins Auge fällt. Die Polizei greift einen an der Autobahn ab, setzt sich mit Blaulicht vor den Bus und ist etwas erstaunt, als unser Busfahrer brav an der rot werdenden Ampel hält.

Irgendwann haben alle verstanden und wir kommen wohlbehalten in dem Verschlag vor dem Gästeblock an. Kartendeals werden abgewickelt, die Bezugsgruppe gekuschelt und der Einlass schnell überwunden. Der Zugang wie üblich sehr unterschiedlich in der Intensität; mal wird alles genaustens begutachtet, mal wird der zur Kontrolle angebotene Bauchbeutel komplett ignoriert.

Wir sind ja gar nicht abergläubisch. Nein GAR NICHT! Als rationale Menschen im Zeitalter der Wissenschaft und Aufklärung, würden wir niemals an so etwas wie höhere Mächte oder so glauben. Aber wenn man immer in Braunschweig gewinnt, stellt man sich verdammt noch mal genauso wieder hin wie die letzten Male!

Dort

Die Spiele beginnen und so vier Minuten lang sieht das bei unseren Jungs echt gut aus. Die restlichen 41 Minuten der ersten Halbzeit sind dann jedoch schrecklich. Wir finden kein Mittel gegen ein Gegenpressing von Braunschweig, was nun nicht gerade die Qualität eines Klopp’schen Borussia hat. Anders formuliert: Lauf alleine einen Verteidiger von uns an, er wird den Ball verlieren.

Das ist ein akutes Problem, was uns schon die ganze Saison plagt und die meisten Gegentore bei uns verursacht. Denn im Positionsangriff (ja, gibt es im Fußball nicht, aber ihr wisst, was wir sagen wollen) ist unsere Abwehr echt super. Im Aufbau ist sie es nicht und Olaf wird diesen Punkt wahrscheinlich heute Nacht um 2:35 mit vier roten Ausrufezeichen und drei roten Kreisen versehen haben. Da brauchen wir dringend eine Lösung, das hat nun auch der dümmste Beobachter gesehen.

Die Wand

Aber da steht ja noch ein Skyman. Und wer braucht schon Superman, andere Comichelden oder eine Abwehr, die sich aus Gegenpressing elegant befreien kann, wenn man Skyman hat? Er fischt alles weg, selbst einen Elfmeter inklusive Nachschuss. Und wo Skyman nicht hilft, hat er das Glück des Tüchtigen und der Ball flattert am Tor vorbei.

Halbzeittee

Zur Halbzeit fassen wir die guten Punkte schnell zusammen. Es steht 0-0. Wenn man es positiv sehen will, dann ist unsere Mannschaft diese Saison immer in der Lage, in den zweiten 45 Minuten zuzulegen. Möchte man es negativ sehen, dann verschläft sie regelmäßig den Beginn, und wenn der Gegner dann schon zugelangt hat, dann wird es äußerst schwierig.

Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwie in der Mitte (Klingeling im Phrasenschwein), aber auch in Braunschweig wird unsere Mannschaft nun von Minute zu Minute stärker und ab der 60. Minute ist die Eintracht ein angeschlagener Boxer, der nur noch hin und her taumelt. Buchti wird eingewechselt und krönt sein Comeback bereits nach gut zehn Minuten mit einem Heber. Dann macht Cenk noch den Klaus Ottens und legt das berühmte Ruhe machende 2-0 nach und der Drops ist gelutscht. „Ruhe machende 2-0“ deswegen, weil bei uns in der Bezugsgruppe ein Kollege in den Torjubel hinein immer sagt: „Spielstand +1 nachlegen, damit Ruhe ist.“ Hier ist „2-0 nachlegen, damit Ruhe ist“ noch nicht wirklich ausgesprochen, da ist es nachgelegt. Folge: „3-0 nachlegen, damit Ruhe ist.“

Wir gewinnen gemeinsam, wir verlieren gemeinsam

Sagt unser Vorsänger immer wieder nach den Spielen. Und das ist ein schönes Motto. Braunschweig macht aus uns nicht ganz nachvollziehbaren Gründen keinen Support. Nicht nachvollziehbar, weil wir keine Experten sind, was in der Braunschweiger Fanszene so los ist. Die Cattiva Leute haben auf ihrer Seite was dazu geschrieben, was aber ohne Detailwissen auch nur bedingt verständlich ist. 

Wir verlinken das mal zur Info. Dass zwischen dem FCSP und Braunschweig nicht gerade viel Liebe herrscht, ist wohl bekannt.

Bei uns ist der Gästeblock ordentlich aufgelegt und hat so schnell eine akustische Überhand. Nach den Toren geht natürlich alles. „Alles geht“? Denkt sich wohl auch der Flitzer, der sich die Kieler Platzstürmer zum Antivorbild genommen hat und nur noch mit Schuhen bekleidet, aber die Mittelfinger und Körpermitte zeigend auf den Gästeblock zustürmt. Mal ganz ehrlich: Die Rabauken und die U18 Fahrt hätten garantiert gerne drauf verzichtet und ja, hier denken wir mal an die Kinder.

Der Rest ist Jubel und hier sind unsere Auswärtsergebnisse der diesjährigen Saison in voller Schönheit (jeweils aus unserer Sicht nur Liga): 1-0, 0-3, 1-0, 1-0, 2-0. Macht insgesamt 12 von 16 Punkten außerhalb des Millerntors und Platz 1 in der Auswärtstabelle. Und Platz 14 in der Heimtabelle. Olaf wird auch dies rot angestrichen haben.

Weg

Von der Rückfahrt gibt es wenig zu berichten. Spinner-CD noch zwei mal komplett durch, dazu Allertal Halt, weil muss sein, und während es noch hell ist wieder in Hamburg. Das ist schon komisch. Pünktlich zum Tatort sind wir alle zu Hause.

Es schrieben noch

Grenzenlos St. Pauli

 

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