Aug 282017
 

Yeah Loide, das erste Spiel der Saison zu einem vernünftigen Zeitpunkt – sofern man bei der nachtschlafenden Uhrzeit von 13 Uhr davon sprechen kann. Aber immerhin Sonnabend. Was bei den Heidenheimer Gästen keine Begeisterungsstürme ausgelöst zu haben scheint, denn „Hurra, das ganze Dorf ist da“ trifft es nicht. Ein jämmerlich kleiner Gästeblock in Rot-Weiß-Blau steht da.

Wir sind heiß, nicht zuletzt wegen der angekündigten neuen Choreo über drei Tribünen. Zu diesem Zweck, nämlich Synergien zwischen Süd, Gegengerade und Nordkurve zu schaffen, hat sich der Verein „Das ganze Stadion e. V.“ gegründet. Für 15 Euro im Jahr Mitgleidsbeitrag unterstützt ihr unter anderem aufwendige Sachen wie das, was wir am Sonnabend erleben. Und das ist zweifellos eindrucksvoll – Fotos seht ihr wie so oft bei Groeni.

Einige taktische Beobachtungen

Fußball ist ein Ergebnissport. Das wissen wir alle. Du kannst noch so gut arbeiten und noch so gut spielen, wenn der Ball immer an den Pfosten prallt und der Gegner per Zufall trifft, dann ist das schlecht. Trotzdem muss man auch den Prozess im Auge behalten. Und der war zumindest in Halbzeit eins in die falsche Richtung.

Die Analyse fällt da sehr leicht. In einem 4-4-2 (was es letztendlich doch wieder war) funktionieren wir zur Zeit nicht. Es fehlt die zentrale Kompaktheit, sodass es in der Defensive sehr schwimmend aussieht. Offensiv ist in diesem System Platz für entweder Cenk oder MMD. Wir müssen dann also einen der beiden Spieler, die uns gut Geld kosten und die zentrale Figuren sein sollten, auf die Bank setzen.

Hier muss eine grundsätzliche Frage gestellt werden: Wenn man die beiden weiter verpflichtet, plant man dann auch beide als Stamm ein? Und wenn ja: Wo sollte das in einem 4-4-2 sein? In einem 4-2-3-1 lässt sich das einfacher lösen mit Cenk als Flügelflitzer und MMD als zentrale Figur im offensiven Mittelfeld. Wie das im gewünschten System funktionieren soll? Keine Ahnung. Vielleicht einer als zweite Spitze?

MagischerFC St. Pauli 1. FC Heidenheim August 2017

Damit auch jeder weiß, wie die Tribünen heißen.

Noch etwas fällt auf: Unsere beiden jetzigen Stürmer funktionieren zusammen nicht. Die angedachten Kombinationen zwischen den beiden bleiben aus und Frust ist erkennbar. Das kann alles noch werden und Stürmer sind ja auch von Kleinigkeiten abhängig und dann klickt das plötzlich. Fähig dazu wären beide.

In der Halbzeit dann Umstellung. MMD zwar nicht komplett zentral, aber als Mann, der an seine Mitspieler folgende Nachricht sendet: „Gib mir die Kirsche“ (um mal Lothar Emmerich zu zitieren) und plötzlich haben wir Ballbesitz auch in Zonen, wo es gefährlich sein könnte, und die beiden Außen haben plötzlich Bälle zum Arbeiten.

Mehr Ecken sind die Folge, aber wenig wirklich gefährliche Abschlüsse. Man muss auch mal sagen, dass Heidenheim ein sehr gutes 4-4-2 spielt mit zwei beiden Ketten, die ausgesprochen eng und gut ineinander greifen. Respekt, was da auch taktisch gearbeitet wird.

Irgendwann hat Aziz das 1-0 auf dem Schädel, bekommt aber den Ball nicht gedrückt. Und es ist wie immer bei Stürmern. Hätte er einen Lauf, wäre der unter der Latte eingeschlagen – so geht er drüber. Einen Vorwurf kannst du ihm nicht machen. Er steht gut zum Ball und so eine Fackel musst du erstmal kontrolliert bekommen.

Als dann alle denken, dass wir hier mit einem – nicht mal ungerechten – Unentschieden nach Hause gehen, flippert der Ball durch die Reihen und zappelt dann im Netz. Flummi sei Dank. Seien wir ehrlich: Das ist doch mehr Fußball als jeder ungefährdeter 6-zu-0-Sieg. Der Laden eskaliert und der – sehr gute! – Schiedsrichter pfeift gar nicht mehr an.

Das war wahrscheinlich eine lange Rückfahrt für die ca 700 mitgereisten Heidenheimer.

Noch ein bisschen Randgeschehen

Choreografien zum Einlaufen. Wie häufig muss man es denn noch erklären? Luftballons zum „Herz von St. Pauli“ sind zwar nett, aber sie dann zu zertreten ist doof. So wirkt die tolle Arbeit nicht ganz so, wie sie es soll. Schade.

Hören wir da etwa Pfiffe zur Halbzeit? Das geht ja gar nicht!

Ausblick

Vier Spiele, sieben Punkte, vier Tore – wir sind noch ein gutes Stück von jenen Hoffnungen entfernt, die manche vor der Saison hatten. Aber ein Fehlstart in die Saison ist das auch nicht. Zu Hause ungeschlagen, das behalten wir jetzt einfach bei. Es sind noch 90 Punkte zu vergeben.

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Aug 192017
 

 

„When I put on my uniform, I feel I am the proudest man on earth.“

Roberto Clemente

Ihr müsst Roberto Clemente nicht kennen, der an diesem Spieltag 84 geworden wäre. Roberto Clemente spielte Baseball und meinte hier das Vereinstrikot, die Vereinsuniform. Er verstarb als er mit Hilfslieferungen abstürzte.

Wieviele heutige Profis sind noch die stolzesten Menschen auf Erden, wenn sie die Uniform, das Trikot überziehen? Wieviele Spieler wissen um das Privileg ein Trikot anzuziehen? Und wieviele davon ziehen genau ein Vereinstrikot an?

Regen

Natürlich regnet es genau dann, wenn wir das letzte teilweise unüberdachte Stadion in der 2. Liga besuchen.

Was treibt Menschen eigentlich dazu, riesige Summen auszugeben? Was treibt sie dazu, der Deutschen Bahn zu trauen, dass sie nicht nachts in Ansbach stranden? Was treibt sie zu 14 Stunden in einem unbequemen Bus mit nervigen Busfahrern? Alles für einen unüberdachten Stehblock in einer beliebigen Stadt? Beliebig, weil man sie nicht sieht und sie so nur ein Name auf der Anzeigentafel ist.

Wissen Profis eigentlich, dass sie diese Menschen, diese – ja, nennen wir es so – blinde Leidenschaft, repräsentieren, wenn sie das Trikot anziehen?

Ja, für sie muss es insbesondere auch ein Arbeitgeber sein. Das ist genau das Gegenteil von blinder Leidenschaft und der Gefahr ins Ansbach zu enden. Kein Profi will in dem Ansbach des Fußballs enden. Jeder will nach Barcelona. Aber nun ziehen sie unser Trikot an. Das Trikot was vielleicht in Ansbach auf dem nächtlichen Bahnhof steht. Das Trikot was durchnässt im Block steht und inbrünstig, unermüdlich und heldenhaft auch beim Stand von 0-2 was von „heute gewinnen“ und „Gegner niederringen“ singt. Spürt man als Profi diese Bedeutung?

Vielleicht darf man sie auch nicht spüren? Weil man sonst verkrampft? Aber Roberto Clemente ist Hall of Famer. Er spürte es. Wenn man Totti fragen würde, er würde es spüren. Und auch Totti ist ein Hall of Famer, gäbe es eine Hall of Fame im Fußball.

Was ist los?

Unsere Jungs auf dem Rasen können nicht stolz sein. Es läuft nicht. Kein stolz. Keine gespannte Brust. Nein. Eher Hühnerhaufen. Und dazu Anzeichen dafür, dass die blinde Leidenschaft, dass erleiden von 14 Stunden Busfahrten auch diese Saison selten mit Freude endet.

Zu unkoordiniert wirken unsere 9 und 11. Beide stehen sich regelmäßig auf den Füßen und eine wie auch immer geartete Kombination zwischen beiden findet nicht statt. Stattdessen der Versuch von Flanken der Aussenverteidiger, was nicht deren Stärke ist.

Aber technische Unzulänglichkeiten sind in das Trikot was unsere Jungs hier tragen, über Generationen eingewebt. Und die Liebe will es gar nicht anders. Der 30-Meter-Lauf, der den Abschlag des Torhüters ins Toraus blockt und diesem einen Abstoss beschert, wird von der Tribüne immer mehr gefeiert werden, als der feine Trick, den der Gegenspieler mit der Fußspitze zerstört.

Das Technik und Taktik trotzdem extrem wichtig sind, dies nur am Rande.

Aber der Stolz, nein Paragraph 1 eines jeden Verhältnis, das berechtigt dieses Trikot zu tragen; ja welches das Privileg gibt, dieses Trikot zu tragen, lautet „du läufst und kämpfst bis du auf den Rasen kotzt“.

Und auch da fehlt es unseren Jungs. Der Gegner ist schneller. Er geht die harten Wege. Wir können dies nicht. Pressingversuche sind leicht zu umspielen, da immer ein oder der andere Spieler die Wege nicht geht. Im Mittelfeld werden unsere Jungs teilweise Meter in kurzen Laufduellen abgenommen. Es ist besorgniserregend.

Wollen sie nicht? Können sie nicht? Und wenn sie nicht können, ist die Vorbereitung richtig? Die Belastung zu hoch? Wir wissen es nicht. Analyse tut Not. Denn hier sprechen wir über DNA. Über sine qua non. Ja, auch darüber ob eine Mannschaft, ein Spieler dieses Trikot tragen sollte.

Lasse fehlt. Wir wissen nicht, wie sich Lasse fühlt, wenn er sein Trikot anzieht. Vielleicht ein bisschen stolz. Auch wenn Lasse ganz tief im Herzen am liebsten das 1-0 zur Meisterschaft vor der Süd in Dortmund einschädeln würde. Aber was wir wissen ist, dass Lasse in solchen Spielen eskaliert, Mittelstürmer und Abräumkante in einem wird und läuft wie Irre.

Und als ob die Unzulänglichkeiten im technischen und kämpferischen nicht schon genug wären, kommt auch noch Pech hinzu. Kopfball nach nicht mal zwei Minuten direkt auf den Torhüter, Ball der auf der Linie tanzt, Elfmeter der – zwar nicht gut geschossen, aber hey – nicht rein geht.

All dies sind Zutaten, die für eine lange Saison sprechen. Gibt es ein Happy End?

Im Kleinen schon. Weder ist die Bahnfahrerin in Anspach gestrandet, noch ging unsere Busfahrt ewig und die nassen Klamotten trockneten auch wieder.

Voran St. Pauli. Du bist die einzige Möglichkeit. Und zumindest wir fühlen uns wie der stolzeste Mensch der Welt, wenn wir dieses Trikot tragen. Happy Birthday, Roberto.

(Geschrieben Nachts um 3 Uhr.)

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Aug 162017
 

Schrieben wir doch hier letztens noch über die Kampagne der Vierbuchstabenzeitung gegen „Ultras“. Und plötzlich kommt Hr. Grindel um die Ecke und veröffentlicht eine Stellungnahme , die so gar nicht in die Zeit der Zuspitzung, der Verallgemeinerung und der Verhaltenskriminalisierung passt und hoffen lässt. Natürlich gibt es ein riesiges Misstrauen gegen den DFB, weil schon so viele Gesprächsrunden im Nichts versickert sind und die Herren sich in ihrer Schneise wieder eingegraben haben.

Es bleibt auch vieles abzuwarten und da sind noch ganz viele Gräben zu überwinden, aber wie wir alle wissen, ist der erste Schritt aufeinander zu immer der Schwerste.

Man muss kein Prophet sein, um gerade das Thema „Gewalt“ für ein äußerst schwieriges zu halten und da wird wahrscheinlich noch viel Wasser die Elbe runter fließen, bis man hier zu Lösungen kommt.

ABER! Es ist gut, dass erstmal miteinander geredet wird.

Was in der Mitteilung bemerkenswert ist, sind folgende Sätze:

Der DFB empfiehlt seinem Kontrollausschuss, bis auf Weiteres darauf zu verzichten, Strafen zu beantragen, die unmittelbare Wirkung auf Fans haben, deren Beteiligung an Verstößen gegen die Stadionordnung nicht nachgewiesen ist. Wir wollen für diesen Zeitraum keine Sanktionen wie die Verhängung von Blocksperren, Teilausschlüssen oder „Geisterspielen“. Die Unabhängigkeit der DFB-Sportgerichtsbarkeit bleibt davon unberührt. Wir wollen ein Zeichen setzen, um gemeinsam in den Dialog einzutreten.

Dies ist erstmal ein Vorabzugeständnis des DFB, was Gespräche vereinfacht und den Unsinn der absurden Ausschlüsse erstmal stoppt.

Juristisch ist der Kontrollausschuss als „Staatsanwaltschaft“ ist für eine solche Empfehlung empfänglich, die Sportgerichtsherren (es gibt am DFB-Sportgericht wirklich und ohne Scheiß keine Frauen, wenn sie nicht „Beisitzerin für Frauenfußball“ sind) dürfen es nicht sein, wenn der DFB auch nur annähernd einen Hauch von rechtsstaatlichen Grundsätzen aufrecht erhalten möchte. So ist diese Formulierung clever und gut.

Wenn wir das richtig sehen, kann das Sportgericht keine Strafe über den Antrag aussprechen (anders als z. B. ein Strafgericht), so dass hier auch nicht die Revolution des Hans E. Lorenz zu befürchten ist. Man könnte sich aber auch nicht vorstellen, dass das Sportgericht irgendetwas macht, was gegen den Präsidentenwillen geht.

Ein weiterer Satz macht vielleicht ein bisschen Hoffnung:

Deshalb möchten wir in unseren Verbandsgremien und in der Anfang des Jahres installierten Projektgruppe „Verbandsrecht und Zuschauerverhalten“ den Diskurs über Möglichkeiten zur Verhinderung von Zuschauerfehlverhalten einerseits sowie eine Weiterentwicklung der Sportgerichtsbarkeit intensivieren.

Wir haben hier schon diverse Male unsere Wünsche formuliert. Weg mit einer parallelen Strafgerichtsbarkeit, Konzentration auf die Kernthemen beim Sportgericht. Zuschauerverhalten viel mehr als gesamtgesellschaftliches Thema sehen und vielleicht auch Kompromisse finden. Wie wäre es mit einer teilweisen Pyroerlaubnis? Wenn das jetzt schon einzelne Innenminister andenken … 

Das Herr Pistorius das wie ein Innenminister andenkt, der als gütiger Herrscher dem quengeligen Untertan was zum spielen geben will, aber die  Liebe auch S O F O R T wieder entziehen will, das sei mal jetzt vergessen, wir wollen doch gerade aufeinander zugehen.

Interessant wird sein, ob sich auch „die Ultras“ zu einem vorübergehenden Zugeständnis haben bewegen lassen. So einen vorübergehender Pyroverzicht (als Beispiel) hatte es ja schon mal gegeben.

 

Das soll alles nix mit aktuellen Ereignissen zu tun haben? Wer es glaubt, der glaubt auch Chemtrails. Wenn selbst Fanszenen zusammenarbeiten, die sonst in einer Rivalität stehen, dann kann ein Handlungsdruck aufgebaut werden. Dies zeigt diese Mitteilung.

Spannend ist jetzt, ob der DFB diese Geschichte zwischen Hansa und Magdeburg nun noch anders auflöst. 

(Kurz mal vom Hausjuristen veröffentlicht, ggf. kommen wir im Darmstadt-Bericht noch mal länger drauf zurück.)

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Aug 162017
 

Ach, was willst du machen? Ein wirklich gelebtes Ritual des FCSP ist es, regelmäßig in Runde 1 (bestenfalls Runde 2) des Pokals zu scheitern. Insbesondere gegen Drittligisten. Es ist etwas schwer zu recherchieren, aber der letzte Sieg gegen einen damaligen Drittligisten im Pokal kam wohl 98/99 gegen den SV Meppen. Zu Großvaters Zeiten wurde im Emsland 1-0 gewonnen.

Seitdem? War man entweder selber Drittligist und Pokalschreck oder scheiterte konsequent am drittklassigen Gegner.

So war die Hoffnung in FCSP-Kreisen, auch noch nach diesem Spiel im Lostopf zu sein, eher gering.

Zu allem Überfluss wurde das Spiel auch noch auf Montag 18:30 terminiert und eigentlich hatte jeder vernünftige Mensch nun alle Gründe, das Ergebnis Dienstagmorgen kurz im Videotext zu checken. Aber FCSP-Fan und Vernunft geht irgendwie nicht, sodass sich ca. 2000 Fans unseres Vereines in der heimeligen Paderborn Arena einfinden. Seien wir ehrlich: Mehr Worte über diesen Unfall von einem Fußballstadion zu verlieren, wären rausgeschmissene Zeilen. Nur so viel: Wie man einen solchen Aufgang genehmigt bekommt, der definitiv keine Flucht zulässt, ist und bleibt ein Rätsel.

Generell Paderborn! Schon Heine schrieb, dass die Sonne bei Paderborn ungern aufgehe, und verspottete im Buch der Lieder die hinterweltlerische, ruckständige Mentalität sowie die erzkatholische Heuchelei. Seitdem hat sich in der „langweiligsten Stadt der Welt“ (Bela B.) nicht sonderlich viel geändert, außer vielleicht der Erfindung des ikonischen Paderborner Dosenbieres. Die Kombination der von Heine beschriebenen Mentalität in Verbindung mit dem wohl berühmtesten Paderborner Exportgut kann man während des Spiels auch auf der Gegenseite am Habitus der heimischen Fans begutachten. Kaum ein Klischee der Landjugend-Ultras fehlt.

Was ist dieses Mal nicht Schuld am Nicht-Weiterkommen?

Grundsätzlich das Rotieren. Drei Feldspieler mal rauszunehmen und zu wechseln ist a. keine wirkliche Rotation b. immer mal wieder notwendig. Man kann eine Saison nicht nur mit 14 Spielern bestreiten, von denen 11 immer anfangen. Und man sollte weiteren Teilen des Kaders immer auch mal die Möglichkeit geben, sich im Spiel zu beweisen. Mal ganz davon ab, dass man es garantiert nicht exklusiv an Cenk, Schnecke oder Litka festmachen kann, dass wir ausgeschieden sind.

Auch der Torhüterwechsel nicht. Heerwagen hält, was er halten kann. Und ein, zwei Bälle mehr. Wobei auch ihm ein gefährlicher Abklatscher unterläuft.

Die Fans. Die sind sowieso selten Schuld, aber was der Gästeblock abliefert, ist angesichts Spielverlaufs und der Situation – Pokal gegen einen unterklassigen Gegner – aller Ehren wert. Leider bekommen sich Matze Hain und ein paar Leute nach dem Spiel noch sichtlich verbal in die Haare. Wir wissen weder den Grund noch möchten wir das überbewerten. Lieber ein Verantwortlicher, der nach so einer Frustniederlage mal die Klappen auf hat, als jemand, der sofort emotionslos schon Interviews geben kann.

Der Schiedsrichter hat auch keine Schuld. Das (nebenbei sehr rücksichtslos bis absichtliche) Foul an Sobiech kann definitiv mit Gelb bestraft werden, was vielleicht eine Behandlung auf dem Platz ermöglichen würde, ohne dass Sobiech den Platz verlässt. ABER diese Regel gilt dann, wenn es sich um eine schnell zu beendende Behandlung handelt. Seien wir ehrlich: „Blutet wie Sau“ kann man nicht schnell behandeln. Das der Fußballgott nicht gerecht ist, zeigt sich, dass in der entstehenden Unsicherheit das 2-0 fällt. Das ist nicht fair, belohnt im Endeffekt das Foul, spricht aber unsere Truppe nicht von Fehlern frei. Denn mal ehrlich: Es ist unser Freistoß, aus dem das Tor ensteht.

Das wir am Ende dann mit zehn Spielern mehr Druck entwickeln als vorher, ist dann schon beinah ein Treppenwitz. Klar spielen wir nach dem 2-0 „alles oder nix“ und Paderborn hat teilweise gute Konterchancen, aber endlich baut sich mal so etwas wie Tempo und Druck auf.

Was letztendlich erstaunt: Wir schaffen es die 75 Minuten vorher eigentlich nie, unserem Spiel den Stempel aufzudrücken, aber trotzdem kann es ganz anders stehen. Aziz setzt den Ball vollkommen blank einmal neben das Tor, unser Gegentor ist ein glücklicher Sonntagsschuss. Aber so ist der Fußball noch mal. Und wirklich verdient hätten wir es nicht.

Zurück zum Schiri: Ist das Elfmeter in der letzten Szene? Vielleicht, keine Ahnung, kann man nicht gut sehen aus dem Block. Vom Fernseher aus ein „Kann man geben, muss man aber nicht.“ Hätten wir wahrscheinlich sowieso sonst wohin gebolzt.

Ist das eine taktische Umstellung auf ein 4-1-4-1? Es wirkt aus dem Block so. Dann ist das in so einem Spiel eher nicht zielführend, denn gerade in Halbzeit 1 sieht das teilweise doch sehr nach Hühnerhaufen bei uns aus. Das ist sowieso noch eine akute Schwäche bei uns. Zuviele Ballverluste. Kann man dran arbeiten.

Letztendlich ist das Fazit, dass dies unser Wettbewerb nicht mehr wird, wir unseren Enkeln wenigsten von der 05/06 Saison erzählen werden und wir uns ab jetzt auf die Liga konzentrieren sollten/können/müssen.

Nächste Aufgabe: Darmstadt.

Einige kleine Randbemerkungen

  • Schon vor dem Spiel so voll zu sein, dass man nix mehr mitbekommt und ggf. Sanitäter in Anspruch nehmen muss, ist uncool.
  • Was die Polizei in Paderborn immer erwartet, ist schwer zu verstehen. Erneut sind diverse Polizisten für ein Spiel mit ungefähr keinem Konfliktpotential vor Ort. 10 Prozent davon würden es auch tun.
  • Ordner beim Einlass sehr pingelig, Im Block dann ein Ordner, der sich die ganze Zeit über die Gesänge freut, lächelt und sich noch per Handschlag von den Leuten verabschiedet. Ist mal was anderes.

Es schrieben auch…

… bisher niemand. Aber der Übersteiger war anwesend und könnte noch was schreiben und die Sabine hat auch geknipst, da sollte also auch noch was kommen.

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Aug 022017
 

 

Wie ihr, liebe Lesenden, sicher schon mitbekommen habt, geht der FCSP eine langfristige Kooperation mit dem Premier League-Club Stoke City FC ein, die für beide Seiten wirtschaftliche und sportliche Erfolge bringen soll. Zum feierlichen Auftakt gab es schon mal ein Testspiel am Millerntor. Wir waren dabei und haben uns ein paar Notizen gemacht. Anschließend wollen wir diese Kooperation kurz aus unserer Perspektive kommentieren.

Das Testspiel

Zunächst sei kurz angemerkt, dass der Eintritt mit 3 bzw. 5 Euro (Sitzplatz) durchaus günstig war (da haben wir schon in der Bezirksliga mehr bezahlt) und sicherlich nicht zuletzt deswegen viele Kids aus dem Viertel auf den Tribünen waren, was auch gut ist. Sicherlich ist es für viele nicht immer einfach, an die regulären Tickets zu kommen. Auch 14.500 ZuschauerInnen sprechen wohl dafür, dass es eine gute Entscheidung war, die Preise gering anzusetzen.

Auch neu für uns: die LED-Banden. Ich (es folgt die Einzelmeinung des Schreibenden) muss ganz ehrlich sagen, dass mir die neue Technik erst nach zehn Minuten aufgefallen ist. Sie ist meinem Empfinden nach also nicht aufdringlich, sondern unterscheidet sich wenig von ihren Vorgängern. Dankenswerterweise sollen ja auf aufwändige ablenkende Animationen verzichtet werden und es ergibt sich die Möglichkeit (was ja auch bereits getan wurde) anderen Content zu zeigen, als Werbung: „Love St. Pauli – Hate Fascism“ steht dort zum Beispiel zu lesen. „Resultierend aus der Diskussion hat der Verein eine Selbstverpflichtung formuliert, die vorsieht, dass […] [es] die Möglichkeit zur regelmäßigen Einbindungen von Fanbelangen auf den LED-Banden geben wird“, liest man zum Beispiel auf der Homepage des Clubs. Was genau Fanbelange sind, ist sicherlich zwar nicht weiter ausgeführt, aber vor einem riesigen Fernsehpublikum auch ganz prominent für seine ethischen und politischen Werte zu werben, finde ich sehr reizvoll. Mal sehen, wie lange es dauert, bis der DFB das alles „zu politisch“ findet und verbieten wird.

Und die Palette der neuen Dinge hört damit noch nicht auf: Schweren Herzens mussten wir ja Rainer Wulff verabschieden. Durch das Spiel leitet der neue Stadionsprecher Frank Herzig. Lieber Frank, wir wissen, dass es unglaublich schwer sein muss, eine Größe wie Rainer zu ersetzen – gerade wenn man neu ist. Aber eine kleine Bitte hätten wir an dich: Achte das nächste Mal bitte ein wenig auf deine Begrifflichkeiten. Sätze wie „Wir freuen uns über ganz viel Tradition“ oder die Betonung, dass Stoke City mit Philipp Wollscheid einen Deutschen in der Verteidigung hat, sind eine Rhetorik, die wir wirklich nicht vermissen würden.

Zum Spiel gibt es wenig zu sagen. Stoke City ist wie zu erwarten mit der dritten Mannschaft angetreten, bei der relativ wenig zusammengeht. Beide Teams probierten viel (Zehn Wechsel allein beim FCSP!), trotzdem wirkten die Boys in Brown als Mannschaft eingespielter und weniger zusammengewürfelt. Zwei tolle lange Bälle plus zwei geschenkte Treffer macht am Ende 4:2 für die Richtigen in einem belanglosen, aber doch unterhaltsamen Kick.

 

Kooperation allgemein

Vielleicht noch ein paar Worte allgemein zu Kooperationen und zu dieser Kooperation. Grundsätzlich machen Kooperationen zwischen Unternehmen Sinn. Und zwar selbst dann, wenn sie irgendwo Konkurrenten sind. Und dies gilt auch für Vereine wie Stoke und den FCSP (gleich erläutert). Diese Kooperation soll ihre Grundlage im Sportlichen haben und ist wohl die Erste ihrer Art zwischen Bundesligisten und Premiere League-Verein. Was genau gewollt ist, haben uns die Verantwortlichen lieber nicht verraten, siehe Pressekonferenz 

Auf den ersten Blick erscheint eine Kooperation und auch ein Austausch und ein Zusammenarbeiten in den begleitenden Tätigkeiten eines Fußballvereines sinnvoll. So kann mit gemeinsamen Merch-Einkauf oder Verkauf garantiert Mengenrabatte und Vertriebsstruktur des jeweils Anderen genutzt werden oder im Internetbereich gemeinsam Server gemietet werden oder Social Media-Konzepte erarbeitet werden. Oder im Onlineticketing eine gemeinsame Plattform entwickelt werden. Gerade letzteres erscheint aufgrund des Duopols in diesem Bereich keine schlechte Idee. Oder Oder oder.

Hier soll aber das „Herzstück“ der sportliche Bereich sein. Und da wird es schwierig, sinnvolle Inhalte zu erkennen. Gemeinsames Scouting? Da ist man ganz schnell Konkurrent um die gleichen Spieler und gerade in diesem Bereich gibt es Betriebsgeheimnisse, die man garantiert nicht teilen will. Und sollte. Ausleihgeschäfte? Dafür benötige ich keine Kooperation und das wird auch schnell einseitig. Jugendmannschaftenaustausch? Ja, so etwas kann interessant sein, aber auch dafür brauch ich eigentlich keine Kooperation.

Aus der PK:

„Hier bestehe die Möglichkeit, die Kaderplanung beider Vereine zu koordinieren: „Es geht nicht nur darum, dass wir Spieler ausleihen. Stoke kann uns helfen, Spieler zu verpflichten, die in ein oder zwei Jahren dann so weit sind, dass sie bei ihnen spielen können. Für uns ist es eine Möglichkeit, Spieler zu bekommen, die wir uns nicht leisten können. Für Stoke besteht die Chance, Spieler bei uns spielen zu lassen, die dann irgendwann die Qualität haben, bei ihnen zu spielen.““

Dieses Zitat alleine lässt die Problematik erkennen. Ich arbeite hier nicht auf Augenhöhe und werde schnell Parkplatz für den anderen Verein. Und das ist nicht wirklich eine gute Idee. Kann Stoke im Rahmen der Kooperation dem FCSP Spieler aufdrängen? Was ist, wenn Stoke diesen Spieler genauso entwickeln will, der FCSP aber nicht? Oder andersherum? Beispiel: Stoke braucht absehbar einen Torhüter. Will XYZ Fliegenfänger hier parken und entwickeln. Das geht nur, wenn er spielt. Stand jetzt wäre das sehr schwierig.

Hinzu kommt, dass man Spieler nur bedingt langfristig an einen Verein binden kann. Entweder muss ich das Leihgeschäft nach einem Jahr schon wieder beenden, was nicht wirklich besser wäre, als sonst. Oder aber ich laufe Gefahr, dass irgendwer kommt und den weg kauft. Oder der Spieler weg will.

 

Was man aber auch bedenken sollte ist, dass hier zwei konkurrierende Wirtschaftsunternehmen eine Kooperation eingehen. Das heißt nicht, dass wir Fans, die Fußball ja doch aus einer etwas anderen Perspektive sehen wollen/sollten/müssen nun Stoke cool finden müssen, oder die uns. Gott bewahre. Wenn es dem FCSP etwas bringt, dann kann er auch mit Hansa kooperieren (z.B. im Ticketing), wir als Fans sollen und müssen die dann nicht mögen. Das ist eiskaltes Unternehmertum vs. Fanidentität, ein alter Zielkonflikt im Fußball. Also bitte kein Freundschaftsschal. Ein paar nette Testspiele sind jedoch vollkommen okay.

 

 

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