Jun 102017
 
Internet, Kreditkarten und Alkohol sind eine schlechte Kombination. So kann es doch passieren, dass es beim Darts gucken im Dezember passiert, dass man plötzlich Tickets für den PDC World Cup of Darts im Juni in Frankfurt hat, obwohl man das – nüchtern betrachtet – doch für eine eher zweifelhafte Idee hält. Das muss zur Legitimation reichen. Keine weiteren Fragen, bitte.
 
Also, auf nach Frankfurt! Die Gegend im Frankfurter Osten, in welcher der Veranstaltungsort (die Frankfurter Eissporthalle) liegt, ist dem fleißigen FCSP-Mitreisenden wohlbekannt, denn direkt nebenan liegt das Stadion des leider aktuell sportlich und ökonomisch desolaten FSV Frankfurt.
 
Die Masse der Leute, die bereits am Einlass warten, wirken weniger wie regelmäßige Besucher dieser Sportart. Diese furchtbar designten Dart- oder Hawaiihemden sind nur vereinzelt vertreten, dafür ist gefühlt jeder Junggesellenabschied des Landes am Start sowie diese Art von Publikum, die man so sieht, wenn man in der Nordwestkurve Frankfurt in wenig aus der Mitte wegtritt. Ihr wisst schon. Die NWK-Hangarounds aus den ländlichen Gebieten Hessens und so.  
Also alles sehr deutsch und männlich. Beste Voraussetzung für einen bescheidenen Abend. Unseren ersten Abend buchten wir im Innenraum und hatten so für rund 20€ einen Sitzplatz auf einer Bierbank, für entspannte 5€ noch einen halben Liter Apfelwein dazu, was die hessische Dorffeststimmung nicht gerade relativiert. Die Präsentation des Sports im Stadion würde der Autor als relativ karg beschreiben. Ja, natürlich gibt es diesen kurzen Walk-on mit Musik und Beleuchtung, aber ansonsten bekommt man in der Halle nicht viel mit. Die auf der Bühne für Sky Sports sprechenden Experten, dessen Bilder in der Halle übertragen werden, hört man allerdings nicht, weil der Ton viel zu leise ist. Schade. Zu der entsprechend männlichen Zusammensetzung des Publikums passt natürlich die sexistische Verwendung von jungen Frauen in kurzen Kliedern als schmückendes Beiwerk auf der Bühne.  
Wer bereits Darts im TV sah, weiß allerdings, dass die Stimmung in der Halle vor allem durch das Publikum getragen wird. An den beiden Abenden in Frankfurt kommt das kreative Potenzial der Zuschauer allerdings häufig über sexistische oder rassistische Beleidigungen gegen Timo Werner hinaus. Das ist anzuprangern, da offensichtlich zumindest seitens der Veranstalter keine Notwendigkeit gesehen wurde, dagegen vorzugehen oder sich zumindest dagegen zu positionieren (Im Re-live welches wir in der Nacht noch im Hotel sahen, war übrigens deutlich zu erkennen, dass insbesondere diese Gesänge herausgefiltert wurden).
 
 
Und sportlich? Naja. Das Konzept des World Cup of Darts ist, dass immer zwei Spieler derselben Nation eine Art Nationalmannschaft bilden und in KO-Runden der World Cup ausgespielt werden. Das bedeutet am Anfang leider nicht gerade sonderlich hohes Niveau, da es eigentlich nur dreieinhalb gute Teams im Turnier gibt. Unglücklicherweise schaffte das deutsche Team es, seine beide ersten Spiele zum Leidwesen des Autoren zu gewinnen. Unangenehm genug ist dieses Konglomerat aus Menschenfeindlichkeit und Provinzionalität, da braucht es nicht noch Nationalismus. Am Ende gewinnt übrigens (wie zu erwarten war) die Niederlande. Aber einen ganzen Turnierbericht möchte ich nicht liefern. Interessiert euch wahrscheinlich eh nicht 😉
 
Fazit: Darts live ist – zumindest in Deutschland – aufgrund des anwesenden Publikums eine ziemlich problematische Veranstaltung, die Fortsetzung des Dorffest in großen Event-Hallen sozusagen. So interessant die Sportart auch sein mag, überlegt euch lieber doppelt, ob ihr das wirklich live sehen müsst. Schade auch, dass die PDC dieses Problems nicht begreift und annimmt.

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