Mrz 202017
 

FCSP – Hannover 96

„Irgendwas muss man ja schreiben“

Seien wir ehrlich, dieses Spiel, das ist Fußball zum Abgewöhnen. Und noch schlimmer wird es, wenn man – wie 1/3 unserer Redaktion – nicht in Hamburg ist und den ganzen Blödsinn bei Sky sehen muss. Dass das sportliche Niveau in der zweiten deutschen Liga so gering ist, dass man oftmals nicht weiß, welche Sportart da eigentlich betrieben wird und das Werben mit Begriffen wie „Fußball“ fast schon als bewußte Täuschung der KundInnen angesehen werden kann, daran haben wir uns gewöhnt. Aber die Präsentation dessen bei Sky war mir – ich schreibe hier als besagtes Drittel – als nicht gerade begeisteter Fußball-Fernsehzuschauer gar nicht bekannt. Die Darstellung der Begegnung war mindestens so gelangweilt und uninspiriert wie der Kommentator. Hilfe, ganz ernsthaft. Dabei kann Sportfernsehen so gut sein. Man sollte halt nicht in Deutschland gucken. Und vor allem keine zweite Liga.

Das wird hier jetzt ein Dialog. (Gibt es eigentlich auch Trialoge?) Ich stand im Stadion, kann aber dem Sky-Gucker von meinen Sky-Erfahrungen nur zustimmen. Ich werde nie verstehen, warum man zwei Zweitligaspiele auf den Samstag legt, nur um diese dann – selbst in der Konferenz – mehr genervt und gelangweilt herunter zu senden. Ich habe noch nicht gehört, dass jemand sagt: „Oh die zwei Zweitligaspiele am Samstag, die haben mich überzeugt, Sky zu abbonnieren.“ Gleiches gilt auch für die beiden Bundesligaspiele am Sonntag. Ja, die sind auch Europa-gemacht, aber die noch voneinander freizustellen, um dann zweimal Bundesligahausmannskost zu senden, das lockt doch niemanden zusätzlich hinter dem Ofen her. Da wäre eine gut gemachte Zweierkonferenz doch schon mehr wert, oder? Man darf nie vergessen: Für die Vereinsjunkies gibt es ja sowieso die Einzeloption.

Aber letzlich passt zu diesem provinziellen, farblosen Charakter der Spielberichterstattung Hannover als Gast natürlich ganz hervorragend. Einer der wenigen Vorteile des TV-Erlebnisses ist es ja, einen hervorragenden Blick auf den Gästeblock zu haben und tja … was für Klischees und Gestalten dort.

Magischer FC St. Pauli vs. Hannover 96 Maerz 2017

Konfetti-Inferno

Puh, im Stadion bekommt man wenig vom Gästeanhang mit, wobei ich immer nicht weiß, ob das ein akustisches Problem ist oder ob da wirklich nicht viel passiert. Zu Spielende dreht der Gästeblock gerade frei, ohne dafür wirklich einen Grund zu haben, aber den brauchen Fußballfans ja auch nicht immer.

Für mehr zu dem Auftritt des Gastanhangs verweisen wir gerne auch auf die kundigen Analysten bei Ultras.ws. (Achtung, Witz!) Wobei wir in diesem Zusammenhang nicht verheimlichen wollen, dass es nach dem Spiel noch U-Bahn Feldstraße richtig am Krachen war. Beobachter sprachen von Volksparksorks, die sich unter die Leinenjünger gemischt hatten und nun meinten, da einen auf Krawall zu machen. Dumm bleibt dumm, da helfen keine Pillen.

Stimmung!

Zumindest durchweg lauter als Hannover. Tolles Intro auf der Süd mit den älteren Doppelhaltern. Immer wieder sehr cool, wenn die Keller nach alten Stücken durchsucht werden.

Die sportliche Einordnung hängt sehr davon ab, wie man die Stärke von Hannover bewertet. Auf der einen Seite sind diese Tabellenvierter, auf der anderen Seite in einer solchen Krise, dass sie selbst gegen Karlsruhe verlieren.

Und seien wir ehrlich: Die erste Halbzeit verschlafen wir komplett. In dem Lauf, den wir hatten, war unsere Stärke eine gute aggressive Spielweise bei den sogenannten zweiten Bällen. Das fehlt völlig. Und so hat Hannover viel Platz, viel Ballbesitz und kann wenig damit anfangen. Und was uns weiterhin auszeichnete war, dass wir Chancen eiskalt nutzten. Klar, da muss es auch mal wieder einen Rückschritt geben, weil sich so etwas immer ausgleicht. Und der passiert halt heute. Denn selbst in der ersten Halbzeit sind einige ansehnliche Dinger dabei.

In der zweiten Halbzeit folgt dann eine Sturm- und Drang-Phase unserer Jungs, das sieht fein aus und da kann sich Hannover bedanken, dass das entscheidende Tor nicht fällt. Denn das an diesem Tag mehrere Tore fallen, davon ging wahrscheinlich kein Beobachter aus.

Leider merkt man dann unseren Jungs die Intensität der letzten Wochen an und die Floskel „stehend K.O.“ macht in den letzten 20 Minuten die Runde. Hier können wir uns wiederum bedanken, dass Hannover kein Tor macht. Harnik steht wohl viel zu frei, um den zu machen. Ob es vor dem einem Ball im Netz nun Foul ist oder nicht, das können wir aus der Stadionperspektive nicht beurteilen.

Schade, dass Schnecke dann den letzten Ball nicht formvollendet an Tschauner vorbei bekommt. Das wäre natürlich so ein Herzensmoment gewesen.

Nun denn, letztendlich ist ein Unentschieden wohl gerecht und für beide Mannschaften verdammt wenig. Ja, so ein Punkt ist dann scheiße, wenn fast alle anderen Konkurrenten gewinnen. Klar, nüchtern sieht das wahrscheinlich ganz anders aus, aber ein Punkt aus zwei Heimspielen ist erstmal nicht so dufte. Auf der positiven Seite sei aber gesagt, dass wir mit den ersten Fünf der Tabelle in der Rückrunde durch sind. Und diese sind anscheinend ja doch eine andere Qualität als das sehr lange Mittelfeld der zweiten Liga. Und zwei Siege, zwei Niederlagen, ein Unentschieden gegen diese Fünf ist ja auch vollkommen in Ordnung.

Man kann es aber drehen und wenden, wie man will: Nun halt Endspiel in Aue. Dazu folgender Dialog: A: „Einfach – hahahahaha – in Aue gewinnen.“ B: „Stichworte: Thy und Pimmelpropeller.“ Machen wir so.

Ein paar Dinge noch, weil sie in der Diskussion waren:

  • In sozialen Netzwerken wurde gefragt, warum Tschauner so abgefeiert wurde. Nun ist es garantiert kein „Abfeiern“, wenn sein Name ein bisschen verarschend als jeder Nachname der Gästeaufstellung gerufen wird. Und warum soll man einem Spieler, der nun auch lange genug für den FCSP gespielt hat, nicht ein bisschen Liebe entgegen bringen?
  • Hornschuh: Bisschen verwundert war man über das komplette Fehlen von Hornschuh. Kein Grund vor dem Spiel, nach dem Spiel hieß es dann „angeschlagen“. Hoffen wir mal, dass dies auch der Grund ist und da nicht irgendwas anderes vorliegt.
  • Terminierungen: Irgendwie fehlt einem die Kraft sich darüber aufzuregen. Dienstagsheimspiel um 17:30, vier Auswärtsspiele hintereinander am Freitag 18:30. Immerhin damit sieben Auswärtsspiele – wenn wir uns den nicht verzählt haben – von 17 an einem Wochentag. Was bei einer Verteilung von 4/9 Spielen an Wochentagen keine so schlechte Quote ist. Schön ist es trotzdem alles nicht.
  • Die Entlassung von Daniel Stendel. Fußball ist ein unmenschliches Geschäft. Aber einen Trainer zu entlassen, wenn man drei Punkte hinter dem Saisonziel steht und die letzten beiden Spiele 4 Punkte gebracht haben, das ist schon eklig. Und den dann noch wieder Scheibchen für Scheibchen zu demontieren. Man fragt sich schon, was die denn gemacht hätten, hätten sie am Samstag gewonnen? Dann wäre man punktgleich mit dem Saisonziel sein … ganz ehrlich: Nun sollen sie gerne Platz 5 holen. Trotz der ganzen Ex-FCSPler.

Flattr this!