Mrz 132017
 

FCSP – FCUB

Werte Leser*innen (heute mal mit Gender*, weil warum nicht?), aus einem kaputtem Laptop und einem drogenreichen Wochenende resultiert ein leicht verspäteter Bericht. Dafür ist die Qualität auch schlechter als sonst und eigentlich werden nur virtuelle Schellen im Form von Text verteilt. Aber eigentlich ist ja ohnehin alles Text. Shoutout an Derrida (intelligenter wird es nicht mehr).

Eine Zahl geht um in Europa

5000. Das ist der aktuelle Kurs, den die Willkürjustiz des DFBs für Strafen aller Art gerade ansetzt. Und dabei ist es auch egal, um was sich eigentlich handelt. Vermeintlich diffamierende Spruchbänder auf der Südkurve gegen Dresdner Nazi-Großeltern, Beleidigungen gegen RB Leipzig und so weiter. Daher lag der Gedanke wohl nahe, dass die ansehnliche Intro-Pyroshow auf der Süd einen ähnlichen Betrag kosten wird. Und quasi reflexartig starten in den sozialen Netzwerken die Diskussionen über Pyrotechnik im Stadion und 5000-Euro-Strafen. Da die Argumente eigentlich ausgetauscht und benannte Debatten unserer Auffassung nach im Wesentlichen Scheindebatten sind und im Grunde über die Berechtigung von Ultrà gesprochen wird, sehen wir uns auch nicht dazu gezwungen, großartige Verteidigungsreden zu schwingen oder lange Solidaritatsbekundungen in den Süden zu schicken. Wir wünschen uns eher, dass es endlich mal ein Ende hat, sich gegenüber den Vertreter*innen der angepassten Langeweile rechtfertigen zu müssen. Geht doch nach Paderborn oder lest die 11 Freunde. Ernsthaft. Dieses obrigkeitshörige „Es ist aber verboten und kostet 5000 Euro, von dem Geld hätte ich lieber ’nem Ersatzspieler die Auflaufprämie bezahlt bla bla …“ nervt unendlich.

Pyrotechnik und die 5000 Euro sind euch doch scheißegal. Es geht euch darum, dass ihr die Ultras blöd findet und ihr braucht einen Grund um sie zu dissen. Dabei ist es grundsätzlich ja erstmal in Ordnung, mit Ultrà nichts anfangen zu können, aber dann eignet euch in eurer Kritik doch nicht den Wertekanon der Organisation an, die die Werte des FCSP bekämpft, wo sie kann, während ein ganzes Blog (ultrapeinlich.tumblr.com) voll mit dokumentiertem widerlichem, menschenverachtendem Scheiß existiert, der offenbar für unrelevant gehalten wird oder der eben zum Fußball dazugehöre. Nein, Leute, kein Frieden mit dem DFB am Millerntor! Erinnert euch, was sie das letzte Mal taten, als deren Team bei uns trainierte.

Sportlich und Gedöns

Das Narrativ der Medien war doch so schön. St. Pauli verkackt die Hinrunde total, trotzdem haben sich alle ganz doll lieb und #allezusammen kommen in der Rückrunde zurück und zeigen allen, dass es nicht immer die beste Option ist, seinen Trainer direkt zu feuern. Tja, da ist sicherlich auch was dran. Aber motivierend ist es nicht, sich auf diese Art und Weise zwei unnötige Gegentore zu fangen und einen Gegner, der nicht überzeugend spielt, trotzdem so dominieren zu lassen. Egal, gucken wir nach vorne und hauen eben Hannover und Nürnberg weg. Einfacher als Union am Freitag werden die es uns zwar auch nicht machen, aber spielerisch ist da immer noch viel Luft nach oben. Den Rest des Spiels könnt ihr euch bei Youtube ansehen, wir wollen diesen Trümmerkick nicht nochmal über uns ergehen lassen müssen. Unglaublich, dass Leute sich solche Spiele ansehen können, die keine emotionale Bindung zu einem der Vereine haben.

MagischerFC St. Pauli vs. Union Berlin Maerz 2017

Hurra, hurra, die Hütte brennt!

Stimmung … ja. Durchschnittlich? Gästekurve: Überdurchschnittlich laut, aber ansonsten auch nicht wirklich spannend. Und liebe Hammer Hearts mit der „Berlin hasst euch!“-Zaunfahne, wir dachten, ihr kommt aus Köpenick? Das hat mit Berlin ungefähr so viel zu tun wie Curslack mit Hamburg. Und die Leute von dort gehen am Wochenende auch nicht zum Fußball oder auf den Kiez und erzählen dir dann was von Hamburg City … oh wait.

Ja, ein Diss gegen uns in einen Diss gegen den HSV umzuwandeln ist jetzt nicht wahnsinnig kreativ, aber die Zaunfahne ist echt auch kein Highlight. Kleine Randbemerkung: Sehr schön zu sehen und auf jeden Fall auch sehr wichtig sind die zahlreichen Spruchbänder gegen den neuen Thor-Steinar-Laden in Barmbek. Den kriegen wir auch wieder weg! Achtet auf Ankündigungen und engagiert euch!

Was Positives zum Schluss

Was macht man also nach einem so frustrierenden Spieltag? 2/3 der Redaktion verständigten sich mit ihrem Anhang darauf, in den hinreichend bekannten Kneipen um den Paulinenplatz ein paar Mexikaner zu trinken. Das ist neulich politischer Aktivismus, denn ein Teil der Einnahmen werden den Protesten gegen G20 gespendet. Wie ihr sicherlich alle wisst, hat Hamburg im Juli die zweifelhafte Ehre das Gruselkabinett aus Putin, Erdogan, Trump und weiteren Persönlichkeiten (in Europa wird ja auch noch gewählt!) begrüßen zu dürfen. Dagegen wird es wahrscheinlich die größten Proteste in Hamburg seit jeher geben. Das zu organisieren ist zeit- und kostenaufwändig und wir sind sicher, dass dort jeder Cent gebraucht wird. Also schnappt euch doch eure Hoschis und geht in eine der zahlreichen Kneipen und genehmigt euch eine Runde oder zwei. Es war selten so leicht, aktiv Politik zu betreiben. Und auch ihr Auswärtigen könnt euch nicht rausreden, fast jede deutsche Großstadt bietet eine Bar mit diesem Angebot. Und ja, natürlich ist Schnaps gegen G20 ziemlich verkürzte Kritik, aber auch in jedem Dorf-AZ gibt es einen Soli-Tresen und das letzlich nicht ohne Grund, sondern weil man die Leute da abholen muss, wo sie sind. Und Hamburgs Kneipen sind da wahrscheinlich ein guter Anfang. Ökonomisch.

In diesem Sinne Prost und eine gute Woche euch allen.

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