Sep 062018
 

Die soziologische Interpretation „des Fremden“ ist nicht zwingend eine Gute. Einige Menschen hierzulande schätzen das Fremde und würden es gerne näher kennenlernen. Für die gibt es das Nachmittagsprogramm auf 3Sat. Für die meisten Volksgenossen ist das Fremde jedoch etwas Bedrohliches und Unheimliches, was in den meisten Fällen aus der Unkenntnis über den eigentlichen Gegenstand entspringt. Sei es nun der Tod, Spinnen oder was auch immer man sonst in den Geisterbahnen auf dem Heiligengeistfeld findet.

Wenn sich Antifa-Schlagerstars wie Helene Fischer oder die SPD nun also unerwartet gegen „Fremdenfeindlichkeit“ aussprechen, ist der zu schützende Angefeindete immer noch ein Fremder, was dieselben sprachlichen Probleme und unterbewussten Annahmen mitbringt wie eine Minderheit mit einem antiquierten, aber nicht böse gemeinten Namen anzusprechen.

Doch der Pakt mit dem Schlager-Teufel ist ein Notwendiger, befürchten wir. In Zeiten wo ganze ostdeutsche Landstriche in eine Mischung aus einem schlechten Zerrbild der Abwesenheit von Staat und Politik sowie rechter Hegemonie abzurutschen drohen, freut man sich doch fast über die breite antifaschistische Einheitsfront von ganz links bis hin zu Helene Fischer und sogar der SPD.

Uns sei der prosaische Anfang entschuldigt. Schlagen wir den Bogen zum 5. September in Hamburg, wo wir leider den lokalen Helene Fischer-Fanclub nicht auf der Straße gesehen haben, aber dennoch viel „bürgerlichen“ Protest gegen Rechts. Das ist gut. Absurderweise twittert der „Blöd“ Reporter immer noch etwas von „10.000 Linken“. Wenn man sich wieder mal fragt, woher diese paranoide Angst vor „Links“ in diesen Kreisen herkommt, dann wahrscheinlich davon, dass alles, was für eine Selbstverständlichkeit auf die Straße geht, links bzw. linksradikal gelabelt wird.

Wie wir bereits bei Twitter schrieben, wird es innerhalb der Merkel muss weg-Bewegung schwer als Erfolg zu kommunizieren sein mit nicht mal 200 Köpfen 10.000 gegenüber gestanden zu haben. Menge ist Trumpf. Und wenn eine Bewegung mal viel Masse und Rückhalt braucht, dann diese ob der realen Gefahren in vielen deutschen Städten, politisch aber auch ganz akut für Menschen, die nicht in das Gesellschaftssystem der rechten Mobs passen.

Streitbare These? Sicher. Um uns etwas street credibility zu erhalten, erwähnen wir gerne prominent, dass den Nazis ein Banner abhanden gekommen ist und dass man munkelt, einige der besorgten Thor Steinar-Kunden seien nach der Demo noch in geballte Fäuste gelaufen.

Der sonstige Verlauf des Abends war „friedlich“, was erstmal nur die Feststellung einer Tatsache ist und kein Wert an sich. Eine ausführliche Diskussion ob nun friedlich oder militant ersparen wir dem geneigten Leser jetzt hier, denn das sprengt den kurzen gewählten Rahmen. Die Staatsmacht hatte Polizei aus Rheinland-Pfalz (!) aufgeboten und wir sahen insgesamt 7 Wasserwerfer (die Hamburger standen in Reserve etwas abseits). Und wenn man schon 7 Wasserwerfer vor Ort hat, dann muss man die auch mal benutzen. Warum blieb uns komplett unklar, aber irgendwie muss man sich ja rechtfertigen.

Genauso absurd war die Polizeieinheit die ohne Landeskennzeichen (warum?), ohne Einheitenkennzeichnung (warum?) und vermummt (warum?) meinte im Valentinskamp sich noch ein bisschen mit Leuten boxen zu müssen, obwohl es gar keinen Anlass gab. Da musste wohl das Adrenalin raus. Das dies nicht wirklich Sinn einer Staatsmacht sein darf und auch eine komplette Anonymisierung sehr fragwürdig ist, müssen wir niemanden erzählen. Es ist bemerkenswert, dass es von der „Mitte“ immer als selbstverständlich hingenommen wird, dass Polizisten so anonym agieren dürfen. Man stelle sich mal vor, dass man seinen Steuerbescheid ohne Behördenkennzeichnung, Name des Bearbeiters und ohne Kontaktdaten bekäme. Der Aufschrei wäre groß. Und ja, auch da gäbe es ähnliche Argumente der Gefährdung des einzelnen Bediensteten. Die in solchen Verwaltungen keine Waffe haben, keine Nahkampfausbildung, keine Panzerung.

Es ist noch unklar, wann und ob die nächste „Merkel muss weg“ Demo stattfindet. Gut informierte Kreise munkeln etwas von 03.10. Informiert euch und kommt auch das nächste Mal vorbei.

Aug 302018
 

Die jüngsten rechten Ausschreitungen und das politische Klima in Karl-Marx-Stadt sind aktuell das Top-Thema in vielen deutschen Medien und findet auch in der internationalen Berichterstattung starken Widerhall. (Der Autor dieser Zeilen war sehr irritiert, als in den amerikanischen TV-Nachrichten ein Beitrag zu sehen war.)

Auch wenn wir uns durchaus darüber im Klaren sind, dass wir nicht die dezidierten Experten für dieses Thema sind und wir vermutlich auch nicht die beste Analyse des Geschehenen liefern können, möchten wir trotzdem – nur sehr kurz – den Fokus darauf legen, welche Bedeutung der Fußball in diesem Sachverhalt hat und dass die Vernetzung für die rechten Proteste durch die Gruppen aus dem Umfeld des Chemnitzer FC vorangetrieben wurde.

Wie verschiedene Medien, hier zum Beispiel die bürgerlich-konservative Tageszeitung „taz“, berichten war anfangs die Mobilisierung innerhalb rechter Gruppen aus dem Umfeld des CFC ein wesentlich größerer Faktor als zum Beispiel der Aufruf der lokalen AfD.

Fußball und der geschützte Bereich in denen sich rechte Fanszenen dort bewegen ist ein wesentlicher Mobilisierungs- und Vernetzungsfaktor rechter Szenen in diversen Städten, u. a. in Chemnitz. Spätestens seit HoNaRa oder HoGeSa oder ähnlichen Phänomenen sollte allen klar sein, welche Mobilisierungspotenzial diese Szenen besitzen und wie gefährlich es ist, ihnen die Kurven zu überlassen. Chemnitz zeigt daher erneut den Wert und die Notwendigkeit antifaschistischer Arbeit in den Stadien und den Fanszenen.

Kenner der Materie könnten sich jetzt gelangweilt schlafen legen, denn dass Nazis Kurven als Erlebnispark, als Mobilisierungsstelle und als Bekräftigungsort sehen, sollte eigentlich schon seit Michael Kühnen und Siggi Borchert bekannt sein. Aber anscheinend ist die Welt sehr vergesslich.

Überhaupt, es gibt ja gerne mal die Behauptung, dass die FCSP-Fans 1986 begonnen hätten, den Fußball zu politisieren. Dies ist aus diversen Gründen kompletter Schwachsinn, aber auch, weil zu diesen Zeiten offen faschistische Fangruppen in diversen Kurven tonangebend waren. Wenn man dies nicht als politisch empfindet, dann liegt es vielleicht daran, dass man das politisch ganz cool findet.

Vereine, Politiker, Einzelpersonen, Fangruppen müssen verstehen, dass ihre Kurven Foren sind, in denen mindestens lokale Identitäten verhandelt werden und dabei rechte Agitatoren auftreten. Alle diese Akteure sollten auch begreifen, dass ein „wir sind unpolitisch“ solchen Leuten freie Hand lässt beim Aufbau von Machtbasen und Strukturen. Entscheidend ist nicht, ob sie im Stadion ein rechtsradikales Banner hochhalten können. Entscheidend ist der Zugang zu Jugendlichen, die sich für „wir gegen die“ und Gewalterlebnisse begeistern können. Und es ist soziologisch keine neue Erkenntnis, dass die Stadionkurve dies bietet.

Der Schritt aus einem gesicherten Kurvennetzwerk zu großen international beachteten Ausschreitungen ist dann ein sehr kleiner.

Umso wichtiger ist es, dass die Vereine und Politik endlich begreifen, dass es besser ist, eine Kurve zu haben, die mal Pyro zündet, aber sonst Adorno verehrt, als eine Kurve, die lieb und brav ist, aber privat Hitler liest. Leider beobachten wir häufig genug genau das Gegenteil. Pyro? SKANDAL EINE NEUE DIMENSION DER GEWALT ALLE WEGSPERREN!!! Bisschen abhitlern? Ach, das sind nur besorgte Bürger, verwirrte Jugendliche etc.

Vereine müssen ihrer gesellschaftlichen Rolle sehr klar bewusst werden, sie müssen die Speerspitze einer Anti-Nazi-Bewegung sein. Uns ist auch klar, dass du in einer Stadt wie Chemnitz einen schweren Stand hast. Aber was örtliche Bands vormachen, können örtliche Fußballvereine gut nachmachen. Wehrt euch!

Wir wollen ja gar nicht behaupten, dass Dynamo Dresden als Verein alles richtig macht. Aber die twittern z. B. so etwas als Reaktion auf Chemnitz:

Wir haben nachgeguckt: Der offizielle Account des Chemnitzer FC informiert dafür über Besuche beim Stadtfest und die letzten Spielergebnisse. (Stand zur Veröffentlichung). Andere Vereine verhielten sich wie Dynamo (z.B. gesehen bei Arminia Bielefeld). Kleiner Hinweis: Für eurer Wohlbefinden, lest bloss nie die Kommentare und Antworten auf solche Tweets.

Es kann so einfach sein, sich zu engagieren.

Aug 092018
 

Es ist schon bemerkenswert, wie es eine Firma schafft, ihr Produkt so eng mit einem Profisportverein zu verbinden, wie Astra es mit dem FCSP erreicht hat. In dieser Intensität fallen einem vielleicht nur noch Red Bull und Leipzig oder SAP und Hoffenheim ein (und da sind die finanziellen Abhängigkeiten ja bekanntlich ganz andere).

In der Wahrnehmung vieler gehört Astra Bier zum Stadtteil und auch zu seinem Verein. Astra und Gegengerade, dass klingt fast so stimmig wie Burgund und Weißwein. Und nicht zuletzt muss man Astra als Sponsor zugutehalten, dass über viele Jahre hinweg als Geldgeber eine gewisse Partnerschaft aufgebaut wurde, die für den FCSP nicht ausschließlich von Nachteil war und ist. Wo ist also das Problem?

Es ist ja nicht mal so sehr das Problem, dass Astra geschmacklich irgendwo zwischen Bud Light und Turmbräu Pilsener einzuordnen ist. Oder dass Astra mittlerweile zu einem Konzern mit – vorsichtig formuliert – dubiosen Geschäftspraktiken gehört. Oder dass man bei der Lautstärke der nervigen Werbung riskiert, mit einem Gehörsturz nach Hause zu gehen.

Nein, was Astra Zielscheibe unseres lange aufgestauten Ärgers macht, ist die jahrelange konsequente Weigerung, das eigene Image zu überdenken. Astra wirbt seit Jahren mit sexistischen und neuerdings auch mit rassistischen Inhalten, die absolut indiskutabel sind. Eine gestern (8.8.2018) bei Twitter geteilte neue Plakatkampagne der Marke bringt für uns gerade das Fass zum überlaufen. Nur zur Sicherheit: Indiskutabel heißt, dass ihr uns mit euren „aber ich empfinde das nicht als rassistisch“ Kommentaren vom Hals bleiben könnt. Auch die im Tweet enthaltene Antwort des Social Media Team von Astra ist komplett indiskutabel.

Intern fanden wir vor wenigen Wochen noch positive Worte für die Bereitschaft eigene alte sexistische Werbung für Pink Stinks zur Verfügung zu stellen und Fehler einzugestehen. Die nun wieder diskriminierende Kampagne ist vor dem Hintergrund besonders frustrierend für uns und hinterlässt einen faderen Nachgeschmack als das eigentliche Bier.

Liebe Leute bei Astra, diese Art von Image ist nicht edgy, sexy oder cool. Sie ist einfach nur Scheiße. Ihr mögt den FCSP, ihr seid Sponsor bei Babelsberg und Wutzrock? Großartig! Aber haltet euch an unsere Werte! Auch wenn ihr euren diskriminierenden Content bislang (unseres Wissens nach) nicht ins Stadion getragen habt: Wenn ihr gerne mit dem FCSP assoziiert werden wollt, lasst das sein!

Liebe FCSP-Fans, bitte zieht eure eigenen Schlüsse aus dem vermehrten Fehlverhalten der Marke Astra. Wir werden nicht zum Boykott aufrufen, aber ein wenig kritischeres Verhältnis als die teilweise herrschende Glorifizierung muss hier einfach möglich sein. Der FCSP möchte für Haltung stehen. Und warum diese seitens der Fans immer wieder eingefordert wird, außer bei einem der wichtigsten Sponsoren, ist uns komplett unbegreiflich.

Aug 082018
 

Wir schreiben das Jahr 2012. Die Gegengerade ist im Bau und es steht das erste Heimspiel an. Vier Tage vor dem Spiel hat der Verein eine Pressemitteilung raus, nach der vielleicht die Plätze nicht nutzbar sind und dann gäbe es nicht für alle Menschen Ersatz. Wer dann nicht ins Stadion käme, der bekomme aber eine Vergünstigung auf die nächste Dauerkarte. Die Pressemitteilung ist leider nicht mehr online verfügbar, aber unser Artikel von heute vor 6 Jahren ist es noch.
Dank unseres coolen Erinnerungsbots auf Twitter, sprang er genau heute ins Auge. Wie passend.


Diesmal führt der Verein vier Tage vor dem ersten Heimspiel eine sogenannte Schosskarte für Kinder zwischen 1 und 6 ein. Diese ist weiterhin kostenlos, muss aber am Spieltag in Person an einem Schalter abgeholt werden. Details siehe Homepage des FCSP.

Vorab: Die Einführung einer solchen Zählkarte ist absolut logisch bei einem elektronischen Einlass-System, ist mit erhöhten Auflagen für Großveranstaltungen vollständig erklärbar und somit nachvollziehbar.

Jedoch! Handwerklich ist das stark verbesserungswürdig!

Kurzfristig

Es ist mal wieder eine viel zu kurzfristige Information. Vier Tage vor einem Spiel die breite Öffentlichkeit zu informieren, ist einfach zu spät. Und solche Themen fallen ja nicht vom Himmel. Und sie betreffen eben doch verdammt viele Leute! Und wenn man – aus welchen Gründen auch immer – erst so spät zu diesem Thema kommt, dann wäre es bei drei Wochen (!) zwischen dem ersten und dem zweiten Heimspiel das einfachste einfach „Hey, wir machen dies ab Heimspiel zwei“ zu sagen. Man hätte den Ordnern auch was Gutes damit getan. Nämlich die Möglichkeit bei diesem Heimspiel jeden mit Kindern zwischen 1 und 6 noch mal anzusprechen und zu sagen „Hey, ab nächstes Mal Karte!“.

Unpraktisch

Die Handhabung ist unpraktisch. Wir alle kennen das Millerntor, die Enge, den Lärm und wir alle kennen Kinder zwischen 1 und 6. Was man da garantiert nicht einfach so mal eben macht ist sich in eine Schlange stellen und ein Ticket abzuholen. Mal ganz davon ab: Wir haben 2018. Etwas nur offline anzubieten ist ungefähr seit dem Jahr 2000 Vergangenheit. Mal ehrlich: Leute in eine Schlange zwingen, das kannst du mit Leuten machen, die sonst kein Ärger haben im Alltag. Familien mit kleinen Kindern gehören dazu definitiv nicht. Sie sollten, nein sie müssen, von unserem Verein auch im Sinne einer Jugend- und Familienförderung, im Sinne einer sozialen Verantwortung auf Rosen gebettet werden. Sie in eine Schlange an jedem Spieltag (!) zu zwängen, wird dieser sozialen Verantwortung nicht gerecht.

Wieder juristisch zumindest zweifelhaft

Die allgemeinen Ticketingbedingungen hat der Verein – soweit uns ersichtlich- nicht angepasst. Wir können und wollen das nun nicht juristisch bis zum Ende durchprüfen, aber man könnte schon an ein Gewohnheitsrecht, an eine geübte Auslegung dieser Bedingungen denken. In denen nämlich ein Zugang bis zum 7. Geburtstag ohne Karte geregelt ist. Und diese nach dem Verkauf der Dauerkarten (und der Einzelkarten für dieses Spiel) zu ändern, geht juristisch schlichtweg nicht. Verträge sind einzuhalten, wie sie geschlossen sind. Und soweit hergeholt ist es nicht, den Einlass von 1 bis 6 jährigen ohne Karte als eine Pflicht des Vereines aus dem geschlossenen Ticketvertrag (mit dem Erziehungsberechtigten) zu konstruieren. Wie wir schon 2012 schrieben: Ticketverträge kommen auch mit Pflichten! Gut, wir haben es nicht zu Ende geprüft und vielleicht würde das ein Gericht anders sehen, aber man kann so etwas viel sauberer lösen. Gerade weil es durch die Schlange, durch den Mehraufwand eben nicht nur eine Lappalie oder eine Förmelei ist. Wenn man das richtig sauber machen will, dann müssen solchen Themen veröffentlicht und in den ATGB verankert sein, bevor man beginnt Karten zu verkaufen! Das sollte der Verein endlich mal lernen. Siehe 2012.

Lösungsvorschläge

Fragt doch rechtzeitig mal nach, holt euch Input von Fanseite. Da gibt es wohlbekannte Institutionen wie Fanladen, FCSR, ständiger Fanausschuss, etc. pp. Die sind ständig erreichbar und sitzen im Notfall genau so nah, dass man das schnell bei einem Kaffee besprechen kann. Der kurzfristig über diese Änderungen informierte Fanladen hat seine Bedenken beim Verein zu Protokoll gegeben, wie er auf unsere Anfrage mitteilte. Es ist erstaunlich, dass sich beim Catering ein „kleiner Dienstweg“ schon vor Jahren entwickelt hat, vieles vorab klärt und Probleme kreativ löst. Nur im Ticketing, da klappt das nicht. Das muss doch gehen! Denn eigentlich sind das doch kommunikative und intelligente Leute da im Kartencenter.

Und bessere Lösungen liegen auf der Hand: Z.B. eine Dauerschosskarte. Unseretwegen gerne gebunden an die Karte eines (oder zweien) Elternteils/Erziehungsberechtigten. Oder mit einer Onlinebestellmöglichkeit. Unseretwegen auch nur in der Woche vor dem Spiel, wenn man denn solche Karten nicht ins Nirvana geben möchte. Die Dauerschosskarten hätten auch noch einen geilen Nebeneffekt: Bedenkt mal wie Stolz Lucas, Lenya und Leni wären, wenn sie ihre eigene (!!!) Dauerkarte hätten. Das ist frühzeitige Kundenbindung, also auch noch ein wirtschaftlich ganz spannender Nebeneffekt. Man wüsste für Vermarktungen z.B. auch, wo Kinder in welchem Alter sind. Aber hey. Jeder möchte Daten sammeln. Nur der FCSP nicht. Letzteres haben wir jetzt natürlich nicht gesagt.

Kann es sein, dass eine Onlinelösung an eventuellen Eventim Gebühren scheitert? Noch ein Grund (ungefähr der 498567564ste) diesen „Partner“ möglichst schnell zu entpartnern. Aber das wäre jetzt ein eigener Artikel.

Jul 202018
 

Das Leben der magischerfc.de-Redaktion ist eigentlich einfach. Man benutzt sein eigenes Halbwissen um anderen die Welt zu erklären, schreibt unregelmäßig und ohne verbindliche Form und wenn man zum Bloggeburtstag lädt, kommen tatsächlich Menschen, schenken einem Dinge und man hat einen großartigen Abend. Vielen Dank nochmals an dieser Stelle.

Doch – wie das nun mal so ist im Leben – baut sich in manchen Phasen negative, destruktive Energie auf, die irgendwo hin muss. Einige schaffen es, diese Energie in etwas Positives zu verwandeln, anderen schaden bewusst ihren Mitmenschen in dem sie Massenmörder werden oder in die SPD eintreten, aber die größte Gruppe wählt den einfachsten Weg und schreibt ihre Wut ins Internet. Und da man selbst sich noch ein wenig wenig Restwürde bewahren möchte und nicht bei Google negative Rezensionen über den Kiosk um die Ecke verfassen oder Volkstribun bei Facebook werden will, setzten wir unsere Frustration jetzt unregelmäßig im Rahmen dieses Blogs um und arbeite uns an Dingen ab, die uns am Verein, am Fußball, an Fanszenen stören. Ihr müsst es ja nicht lesen und uns geht es danach möglicherweise besser. Who knows? Noch eine kurze Warnung vorab: Dieser Text ist nicht die übliche, ausgewogene, sachliche Kritik, die ihr hier kennt. Er ist nicht konstruktiv und soll nicht nett sein. Er ist Frust! Was nicht heißt, dass wir am Ende jemanden persönlich böse sind oder man nicht mal drüber reden kann und sollte.

Unser erstes Ziel – und es tut uns sogar echt ein wenig Leid für die handelnden Personen, denn die sind ja meistens das Ende der Befehlskette – ist der Social Media-Output unseres FCSP. Das stört uns schon extrem lange, sind wir doch dort schon deutlich länger unterwegs, als der Verein selbst. Social Media ist Teil unseres Lebens, wir kommunizieren mit Freunden, beziehen einen Teil unserer News und verfolgen Entwicklungen rund um den FCSP im Alltag dort. Und wir müssen sagen, dass das mit unseren individuell zusammengestellten Timelines ganz gut funktioniert. Nun eine Sache gefällt nicht und das ist, wie sich unserer Verein dort gibt. Wo soll man überhaupt anfangen?

Der typische Bundesliga-Gucker für uns ist ein imaginärer Familienvater Mitte 50 namens Manni, der irgendwo auf seinem hessischen Dorf lebt. Er ist aus nostalgischen Gründen Gladbach-Fan und verfolgt jedes Spiel sowie die Konferenz bei Sky, während er ein paar Krombacher trinkt. Fußball ist Mannis Leben. Er hält sich in diesem Bereich für überdurchschnittlich intelligent, weil er den Kicker abonniert hat und die B-Jugend des Dorfvereins trainiert, obwohl seine beiden Söhne schon ins Nachbardorf gezogen sind. Manni ist kein schlechter, aber ein einfacher Mensch. Das drückt sich auch in seinem Fußball-Wortschatz aus. Vielleicht kannst du dir, liebe*r Lesende*r, vorstellen, wie Mannis Duktus vor dem Fernseher oder auf dem Dorfsportplatz der lokalen Bezirksligamannschaft ungefähr aussehen könnte. Wenn nicht, es ist für mich das gleiche Vokabular in dem unser Verein seine Social Media-Posts schreibt. Nur dass Manni Emojis sprachlich nicht ausdrücken kann. Richtig stark, Jungs! Weiter so, Männer!

Während progressivere Social Media-Kanäle ihre jeweiligen Fans mit News, Fun Facts und Gifs unterhalten, versteht man sich beim FCSP als Beobachter, der das 15. Video von der Kollaustraße postet, wie unsere Profis sich warm laufen. Und natürlich interessiert das niemanden und ernsthaft, warum sollte es auch? Die paar billigen Favs kommen dann folgerichtig auch von Leuten, mit denen man eigentlich nichts zu tun haben will, denen der Verein aber trotzdem brav folgt: Bild St. Pauli, Mopo St. Pauli, Bild Reporter für St. Pauli. Gruselig. Oder von den Leuten, die man mit Vorliebe retweetet. Irgendwelche Dorftrottel, die auf ihrem Profilbild das Trikot der deutschen Vorrundenausmanschaft tragen und sich auf ihr erstes Pauli-Spiel in fucking Sandhausen freuen oder noch schlimmer irgendwelche vermeintlichen Linken, die sich Minuten vorher sehr besorgt über die Lage in Gaza geäußert haben. Da kommen auf jeden Fall authentische Emotionen hoch. Auch wenn das andere sind als vielleicht geplant.

Dieser ganzer Pseudo-Hype und die billigen Emotionen sind ja gar nicht mal so schlimm. Sie sind halt langweilig und beliebig, das was man beim FCSP ja eigentlich nicht sein will. Eine Art angestaubte organisierte Langeweile so wie der ganze deutsche Fußball. Den Vergleich zu einer beliebigen deutschen Profimannschaft kann man sich durchaus sparen, sie unterscheiden sich in diesem Bereich durch nichts, auch wenn das Design unserer Abteilung voll alternativ und edgy aussehen will. Da wird es dann nicht nur beliebig, sondern auch schnell peinlich.

Vielleicht würde jetzt jemand einwerfen, dass an bestimmten Tagen FCSP-Social Media durchaus seine Werte und politischen Haltungen durch einen Tweet oder ein passendes Bild darstellt. Ja, das tun sie (und interessanterweise bekommen diese Posts auch immer überwältigend viel Zustimmung und Reaktionen). Doch wenn dann der rechte Mob drauf aufmerksam wird und diskriminierende Inhalte postet, reicht es auch nicht mal mehr zu einer Gegenrede oder zu einem blocken der jeweiligen Person, so kann man ungestört dem offiziellen Account antworten und folgen, wenn man 14 Leuten folgt und die anderen 13 irgendwelche Pissnazis der sogenannten „neuen Rechten“ sind.

Folgt dem FCSP und 13 Nazis…

Danke an den aufmerksamen User, der über diese Antwort gestolpert ist.

Diese Statements werden damit so oberflächlich und beliebig, wie der gesamte Restinhalt. Wow, xy ist in der Elf des Tages bei Bundesliga.de, heute gibt es keine Mützen Größe S im Fanshop und unser Sponsor verlost drei Karten für was auch immer und ganz wichtig irgendein Retweet, weil jemand Kaffee aus einer Fanshop-Tasse trinkt und das ist ja alles so toll und relatable. Fuck that shit.

Jede noch so irrelevante Information von der Website in den sozialem Medien mit jeder Menge Emojis garniert publizieren, macht noch keine gute Öffentlichkeitsarbeit. Eher im Gegenteil. Es ist langweiliger Inhalt, beliebig präsentiert und das in einer Sprache, die eigentlich in den 80ern hätte ausgestorben sein sollen. Social Media Feeds sollen eigentlich Fans gewinnen, sie begeistern, an den Verein binden und nicht bestenfalls zu Tode langweilen oder mit Ekel abwenden lassen. Aber genau das tut ihr. „Fuck you, FCSP Social Media. Fuck you really hard“ möchte man schreien und das ist nicht die Emotionalisierung, die gewollt ist.

P.S.: Wir haben uns– das versprechen wir ganz ernsthaft – für die „Recherche“ zu diesem Text nicht getraut, den Twitter-Account des FCSP zu öffnen. Wir wetten trotzdem, dass man dort auch heute wieder bestens mit Videos vom Warmlaufen, Kaffetassen und Engpässen im Fanshop unterhalten wird. Haltet durch, es kommen auch wieder bessere Tage.

P.P.S.: Wenn ihr mal gucken wollt, wie es geht: @cubs oder @rockies die können das Social Media Game.

Nachtrag 20.07.18 10:54 Zwischenzeitlich (und nach Veröffentlichung dieses Beitrags) gibt es eine Antwort des offiziellen Accounts auf den zitierten Tweet.