Apr 032019
 

Der Verein hat seine Veranstaltung am Donnerstag mit einem deutlich anderen Inhalt belegt, als zu dem Zeitpunkt als wir das erste Mal auf die Veranstaltung hinwiesen und will nun die Aufarbeitung des Derbys in den Mittelpunkt stellen. 

Wir werden wohl hingehen, haben aber doch starkes Bauchweh bei dem Einladungstext und dem Übergewicht der Redner aus der offiziellen Einladung. Zwar soll das keine Podiumsdiskussion sein, aber „vorne oben“ sitzt hat schon räumlich eine erhöhte Stellung in einer Diskussion – und framed die Diskussion allein schon dadurch, dass er zuerst das Wort erhält, insbesondere als offiziell eingeladene Person. Wenn man eine wirklich offene Diskussion will, dann sollte man hier nicht nur seine eigene Sichtweise präsentieren. Und alle Liebe für Fanladen Justus, aber er alleine als Gegenpol (siehe später) ist dürftig und wirkt schnell wie ein Feigenblatt. 

Wir finden eine Diskussion über Werte und über Gewalt prinzipiell richtig, ab hier stimmen die Prämissen einfach nicht: Wenn sich die Verantwortlichen des Vereins nach dem Derby offensichtlich einem Handlungsdruck ausgesetzt sehen, der sie u.a. bereits zu dieser absurd geschriebenen Stellungnahme letzte Woche veranlasste, sollte man nicht davon ausgehen, dass hier “Werte” neu justiert werden sollen oder dass das Präsidium sich wirklich Anregungen für die kommenden Monate von Teilnehmer*innen dieser Veranstaltung einholen will. Es ist eine PR-Maßnahme. Die Wirkung nach außen ist “wir nehmen das ernst” und nach innen ist es nicht mehr als ein “we hear you” an diejenigen, die an dieser “Diskussion” interessiert sind.

Erstaunlich ist auch der Zeitpunkt an dem man “Werte” für sich entdeckt. Wenn es Werte in diesem Verein gibt, dann sollten die doch in den demokratisch verabschiedeten Leitlinien zu finden sein. Ups! Die haben Vermarktung und auch Präsidium immer sehr frei ausgelegt. Nutzt mal die Suche hier im Blog. Ihr werdet merken wie häufig gerade diese Menschen an die Einhaltung der Leitlinien erinnert werden mussten. Siehe z.B. Hot Pink, siehe Astra, siehe Entgleisungen von Vermarktungspartnern, siehe aber auch sexualisierte Übergriffe im Stadion.
Hörten wir da ein „Statement zu den Werten” von unserem Präsidenten? Nein! Siehe auch die Stellungnahme von vergangener Woche, die in Wortwahl und Inhalt nicht den Geist der Leitlinie und Werten unseres Vereins trug. 
Zumal das Thema Übergriffe auch während der Veranstaltung im Januar mehrfach zur Sprache kam. Sichtbar passiert von offizieller Seite (außer der Versendung eines Protokolls an die Anwesenden): Nichts. Handlungsdruck scheinbar nicht vorhanden.

Und nun als Hüter der Werte darüber ein Statement abgeben wollen? Hmmm. Wir wissen nicht so recht. Da wäre der FCSR oder der Ehrenrat besser. Warum ist eigentlich der FCSR nicht offiziell auf das Podium eingeladen? Der vertritt irgendwas um die 500 Fanclubs mit irgendwas um die 3000 bis 5000 Fans. Und ist demokratisch legitimiert. Außerdem soll es im FCSR auch weibliche Mitglieder geben. Hätte man auch gleich noch das männlich besetzte Podium aufbrechen können. 

Wir sind nicht unbedingt davon überzeugt, dass die Vereinsoberen sich als besonders guter Gesprächspartner hervorgetan haben, wenn es um Verletzungen dieses Konsens ging. Eine moralische Deutungshoheit haben sie nicht und es ist interessant zu beobachten, wann sie “Werte” bedroht sehen und wann eben nicht.

Nein, das macht eine Diskussion über Leitlinien und deren Einhaltung nicht unsinnig, vielmehr ist sie dringend erforderlich, aber nicht “von oben” herab, und sowieso nicht, wenn man sie für sich selbst gerne schön weit auslegt – wie es eben gerade passt. Wenn wir sehr pessimistisch wären, würden wir schreiben, dass sich hier die autoritäre Rhetorik der Stellungnahme fortsetzen wird, aber das bleibt wohl noch zu sehen.

Auch fragen wir uns, was Svens “Sicht zum Derby Stellung nehmen” auf einer Diskussionsveranstaltung anderes soll, als dem ganzen ein Framing zu geben, aus dem man nicht mehr ausbrechen kann. Nix gegen den alten Punker Sven, aber ganz geheim würde er wahrscheinlich auch zugeben, dass der Job als “Leiter Veranstaltungen und Sicherheit” eine gewisse Sichtweise fördert. 

Immerhin soll Justus aus Sicht des Fanladens “einordnen”. Das ist als Gegenpol garantiert gut, aber auch hier wäre ein Fanvertreter und ein 50/50 auf dem Podium sehr viel besser, als ein 1/3 zu 2/3. 

Ihr seht, wir haben Bauchweh. Aber als Pessimist hat man ja eine gute Eigenschaft: Man kann positiv überrascht werden. Hoffen wir im Sinne unserer Werte beim FCSP auf eine solche Überraschung.

Mrz 282019
 

Liebe Lesende, warum wollen wir beinah jeden zweiten Hot Take „Am Arsch” nennen? 

Egal. Kommen wir zum Thema. Unser Verein hat heute eine „Maßnahmenpaket” veröffentlicht, das in Tonalität und Inhalt nur als kontraproduktiv und lächerlich bezeichnet werden kann. Beinhaltet es doch beinahe ausschließlich Kollektivstrafen, die entweder alle Südbesucher*innen betreffen oder zumindest eine große Gruppe von Südbesucher*innen. Dabei wird ausdrücklich keine individuelle Verantwortlichkeit der Süd oder der benannten Gruppen ausgemacht.

Das ganze ist eine Ansammlung von fragwürdigen Formulierungen, die MOPO Leser*innen und ihr Geifern nach möglichst harten Strafen beruhigen soll, und vollkommen unsinnigen Kollektivstrafen für Südbesuchern*innen, die wahrscheinlich zu 99 % mehr Opfer als Täter*innen waren. Das ist zutiefst reaktionär. Wenn man sich heute von Seiten des Präsidiums fragt, was einen denn von anderen Vereinen unterscheidet, dann kennen wir die Antwort: Euer Verhalten in Krisen schon mal nicht. Ihr reagiert genauso holzschnittartig und auf den deutschen Pöbel zugeschnitten wie Uli Hoeneß. 

Uns ist ja klar, dass man Presse, Sponsoren etc. auch beruhigen muss, die mit einem ruhigen pädagogischen Ansatz nichts anfangen können, sondern lieber den starken Mann sehen wollen, der ein paar Leute öffentlich „hängt”. Klar ist das ein Spannungsfeld, aber das kann man doch viel klüger bearbeiten, als mit so einem Schrott. 

Ein paar Lowlights

Da wird z. B. geschrieben “Der FC St. Pauli wird den Weg des Dialogs mit der Fanszene nicht aufgeben, auch wenn das vom Verein entgegengebrachte Vertrauen während des Derbys von Teilen der Fanszene in der Südkurve missachtet worden ist.” Warum wird da entweder niemand benannt oder jemand konkret benannt? So eine Wischiwaschi-Formulierung ist doch scheiße! “Teilen der Fanszene in der Süd” bedeutet 10%? 50%? 70% Klingt doch nach mindestens 50%, realistischer sind wahrscheinlich 10%. Und macht man nun USP verantwortlich? Wenn ja: Dann sagt es! Wenn nein, warum dann Kartenentzug? (Dazu später mehr)

Was soll dieses „Ihr wart böse, aber wir sind gnädig und bleiben im Dialog?” Sonst stille Treppe wie bei der Super-Nanny? Mal ganz davon ab, dass diese komplett erzieherisch destruktiv ist, ist so eine unkonkrete Formulierung ein Witz. Was ist denn die Alternative zum Dialog, liebes Präsidium? Polizei mit Knüppeln reinschicken? Stadionverbot für alle Südler? Beleidigtes Anschweigen? Sagt mal konkret, was eure Handlungsalternative ist! So ist es eine lächerliche Mischung aus gnädigem Mafiaboss und zahnlosem Tiger. Warum soll man den Dialog mit “der Fanszene” (Definition?) aufgeben wollen, wenn ein Teil der Fanszene auf der Süd (da sind zwei Eingrenzer drin!) sich danebenbenimmt? Da wird einer kollektiven Verantwortung und Bestrafung das Wort geredet, welche wir beim FCSP eigentlich immer – aus guten Gründen – abgelehnt haben. 

Man formuliert weiterhin “Nach dem Abschluss der Gespräche” und an einer anderen Stelle dann “Die weitere Aufarbeitung der Ereignisse mit allen Beteiligten erfolgt”. Ja was denn nun? Und warum braucht man, wenn man einen Maßnahmenkatalog schon in die Öffentlichkeit posaunt, eine weitere “Aufarbeitung”. Was soll diese denn noch bringen? Noch mehr Strafen? Und welches Interesse sollten dann Fans daran haben? Als aktive Gruppe kann man doch seine Beteiligung auf dem Podium nächste Woche nun nur absagen. Wir haben auch schon gehört, dass dies Vertreter*innen gemacht haben. (Kurze Klarstellung: Auf dem Podium sollten Fans ja sowieso nicht sein, aber auch als Publikumsdiskutant macht das kein Sinn mehr.)

Und zu allem auch noch die gewählten Formulierungen: “Maßnahmenpaket” klingt auch eher nach Amtsschimmel als nach Fussballverein, der “durch sportlichen Erfolg seine Werte möglichst vielen Menschen präsentieren will”. Könnt Ihr Euch Oke beim Verlesen dieses Maßnahmenpaketes vorstellen? Gut, wir auch nicht. Ehrliche Sprache statt autoritärem Gehabe.

Vor 10 Jahren haben wir – wie sogar der Verein so schön auf seiner Seite beschreibt – als erster Verein in Fussballdeutschland gemeinsame Leitlinien beschlossen:
Toleranz und Respekt im gegenseitigen Miteinander sind wichtige Eckpfeiler im FC St. Pauli.”
“Die aktive, d.h. in erster Linie die auch am Spieltag vor Ort engagierte Fanszene bildet das Fundament für die Emotionalisierung des Fußballsports, welche wiederum die Grundlage der Vermarktungsfähigkeit des FC St. Pauli darstellt.”
Wir wünschen uns, dass die für dieses Unding von Statement verantwortlichen mal mit den Leitlinien meditieren gehen. Sehr sogar.

Zu den einzelnen „Maßnahmen“: 

“Verringerung des von Fangruppen in der Südkurve selbstbestimmt verwalteten Kartenkontingents für die Südkurve. Diese Karten gehen in den freien Verkauf.”

Unser Wissensstand ist, dass USP und der Fanladen Karten haben. Da der Fanladen keine „Fangruppe” ist, meint man hier wohl USP. Warum? Macht man sie verantwortlich? Ist vielleicht schon weit hergeholt, aber sie haben ja Verantwortung übernommen. Siehe MillernTon. Dann kann man es aber sagen. Aber warum dann die Karten? Wir kennen genug Leute, die so Karten bekommen, und das waren eher Leute, die über das Geschehen entsetzt waren. Warum muss man diese Leute nun konkret bestrafen? Oder ist es ein albernes “Privilegien entziehen”? Und was genau soll ein freier Verkauf besser machen? Dass Elo noch häufiger erklären muss, dass Fotos in Mitte der Süd extrem uncool sind? Die Grundstruktur ändert es nicht. Und der Sturm wurde ja z.B. auch mit der Kartensituation begründet. Die macht man nicht über einen “freien Verkauf” besser. Das ist auch so ein bisschen „Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass“. Wir wollen kollektiv bestrafen, aber das Südkonzept da trauen wir uns nicht. Nächstes Mal werden dann 10 Karten mehr pro Pyro entzogen? 

“Kostenbeteiligung von Fangruppierungen der Südkurve an brandschützenden Maßnahmen”

Das klingt komplett unklar. Ist das abgesprochen? Ist das eine Strafe? Welche Gruppen und wie? Über die Kartenpreise? Das wäre eine Kollektivstrafe, die auch alle Unbeteiligten trifft. Ebenso wäre eine Rechnung an erkennbare Gruppen. Warum soll die G.A.S. dafür bezahlen, wenn die wahrscheinlich gar nix damit zu tun haben? (Wissen wir natürlich nicht, aber die sind jetzt mal fiktiv genannt, weil sie toll sind) Unseren in der Süd stehenden Teil hat jedenfalls bisher noch keine Rechnung erreicht.

Man kann natürlich Eingänge umbauen (Personenvereinzelungsanlagen etc), aber auch hier muss wieder gefragt werden, inwieweit ich alle für einige bestrafen möchte. Denn solche Umbauten und “strengere Kontrollen” sind immer extrem unbequem. Man kann das gerne mal in Bielefeld besichtigen. Zumal die Einlasssituation in der Süd nun auch in der Vergangenheit schon nicht gerade optimal war. Wir berichteten mehrfach.

Morgen

Wir sprachen vor einigen Tagen darüber, dass wir morgen mit komischem Gefühl ins Stadion gehen – wenig vorhersehbar was passiert, wie und ob es eine Reaktion gibt, etc. pp. Und durch das Statement ist leider klar geworden: Dieses mulmige Gefühl war berechtigt. Gilt doch in Krisensituationen auch bei uns das Prinzip “Führung mit harter Hand” statt Dialog.
Offen bleibt, warum so ein Statement einen Tag vorm nächsten Heimspiel – und eine Woche vorm angekündigten Dialog über unsere Werte – so scharf (in Wortwahl) und unscharf (in Inhalt) zugleich rausgedonnert werden muss. 
Wir wundern uns nicht, wenn Unmut darüber morgen auch im Stadion zu sehen ist. Und können nur sagen: Zu Recht. Und schicken solidarische Grüße an alle guten Leute mit reaktiönären Präsidien da draußen, so fühlt sich das also an.

Nachtrag (29.03.2019, 09:00 Uhr)

Wir haben uns noch mal die beiden Statements des Vereins angesehen:

„Am Tag nach der Partie gegen den HSV kritisieren Präsidium, Aufsichtsrat und Geschäftsführung des FC St. Pauli die Vorfälle in der Südkurve.“
Erste Stellungnahme des Vereins am 11. März

„Verantwortliche des FC St. Pauli beschließen Maßnahmenpaket nach Vorkommnissen im Derby“
Verkündigung des Maßnahmenpakets am 28. März

Uns fällt auf, dass die erste Formulierung klar die unterzeichnenden Gruppen benennt, das fehlt in der gestrigen Kommunikation völlig. Und stellt sich daher die Frage, ob da jemand unaufmerksam war oder ob die Formulierung absichtlich so schwammig gewählt wurde.

Feb 202019
 

Seit einigen Tagen geistert der Aufruf an die Fanclubs, diese mögen ihre Tickets für Dresden doch “unseren Frauen” zur Verfügung stellen, durch das Internet. (<= Link ist für eure Information!) 

Uns erreichte dieser Aufruf bisher nicht direkt, wir wollen aber trotzdem kurz Stellung beziehen. Da dieser bisher unkommentiert verbreitet wurde, ist uns dies besonders wichtig.

Wir glauben nicht, dass dieser Frauenblock auch nur ansatzweise Sinn ergibt und unterstützen diese Idee nicht. Das liegt auch daran, dass die ominöse Facebook-Gruppe bisher ein Festival der schlechten, klischeebehafteten und Patriarchat unterstützenden Ideen (Perücke, Blasorchester, Kittelschürzen) war.

Wir fanden die Dresdener Plakate natürlich auch scheiße. Aber das ist in unserer Wahrnehmung nun nicht eine “neue Dimension” und hat entsprechende Historie. Und ja, diese Monothematik finden wir auch eher zum Gähnen. Nur weil die Medien dieses Stöckchen breiter als sonst aufgegriffen haben – an dem Spieltag war ja sowieso einiges los – müssen wir ja nicht in dieser übereifrigen Art und Weise mit entsprechendem Aktionismus starten.

In der Erzählung um Stimmungsboykott, Notarzteinsatz auf der Nord, zerstörten Toiletten im Gästebereich und Abhitlern fand halt auch das Transpi seinen Platz und wurde mehr als “normalerweise” durch die (sozialen) Medien getragen. Umso absurder, dass sich nun Menschen berufen fühlen, da zu antworten, denen das alles noch gepflegt am Arsch vorbei gegangen ist, als der Adressat noch mit “USP-Frauen” benannt war. Da waren es ja halt nur die Ultras und die sind ja bekanntlich selber schuld. 

Wir vertrauen im übrigen auch auf die Adressaten, dass sie da eine angemessene Reaktion hinbekommen. Stichwort: “Stellt Euch endlich unserer Gier.” Eine halbgare Idee mit Kittelschürzen oder ähnlichem wäre für „die Dresdener“ nur ein gefundenes Fressen und würde die eher anheizen als zum Schweigen bringen. Und jetzt mal ehrlich: Wirklich niemand in der Ideengeschichte des Feminismus hätte diese Aktion jemals als antisexistisch aufgenommen.

Daher: Kommt nach Dresden wie geplant. Und lasst uns gerne in der aktiven Fanszene darüber diskutieren, was angemessene Reaktionen sind. Aber lasst bitte auch den eigentlichen Adressaten Raum zum Antworten. Solche Diskussionen sollten jedoch eher nicht (halb-) öffentlich passieren, denn auch ein „Überraschungseffekt“ ist bei solchen Dingen immer wichtig.

Es ist einfach so, wenn man aus dem Nix kommt, eine Facebook-Gruppe macht, sich jeglicher (konstruktiver) Kritik verschließt, dann muss man sich nicht wundern, dass sich Menschen, die schon 2003 in Dresden mit Steinen und Hitlergrüßen eingedeckt wurden, sich ein bisschen verarscht vorkommen und einen nicht als Heilsbringer empfangen. Wir haben über Jahre insbesondere auswärts gewisse Handlungsweisen und ein gewisses Auftreten miteinander vereinbart und da kann man nun nicht einfach mit Kittelschürzen und Perücken kommen und meinen, man könne da ein Vakuum besetzen. Das gibt es nämlich nicht. Ja, das klingt alles ein bisschen nach „wir waren zuerst da“, aber so funktionieren Kurven halt auch. Respekt muss man sich da erarbeiten. 

Umso mehr kann man die Initiatorinnen nur auffordern, von ihrem hohen Ross herunter zu kommen, Kritik anzunehmen und mit vorhandenen Strukturen zu reden. Eine Möglichkeit dafür wäre nebenbei der Tag für Vielfalt und Inklusion gewesen, der im Januar stattfand. Leider glänzten dort die Initiatorinnen mit Abwesenheit. Nicht nur diese, aber das soll Thema eines eigenen Berichtes sein. Der auch noch auf unserer „zu schreiben“ Liste steht.

Noch was

Eine begrüßenswerte Reaktion auf solche sexistische Scheiße ist natürlich immer die verstärkte Einbindung und Sichtbarmachung von Frauen in Fanszenen. Sei es überregional durch Aktionen wie die „Fan.tastic Females“-Ausstellung, sei es lokal beim FCSP. Und da können z. B. Frauen*touren Hemmungen abbauen und Frauen* das Erlebnis „Auswärts“ näher bringen. Und nirgendwo kann sich Frau* besser vernetzen als auf einem Ritt zu einem Auswärtsspiel. Aber doch bitte nicht so! 
Und wir wünschen uns auch, dass alle Empörten mit der gleichen Kraft gegen übergriffiges Verhalten in den eigenen Reihen angehen. Aber den Finger auf andere zu zeigen, ist natürlich immer einfacher.

Und noch etwas persönliches vom Blogsenior

Ich versuche ja immer das Gute im Menschen zu sehen und nicht jeder Internetaktionismus ist gleich zu verdammen. Es ärgert mich aber doch sehr, wenn die Möglichkeiten des Internets (z. B. leichte Vernetzung, leichter Austausch) zu nix wirklich Konstruktivem führen und man es eigentlich alles in die Tonne treten kann. 

Letztes Beispiel: Da wird irgendwo eine Petition gegen Under Armour gestartet, es unterschreiben drölfmillionen Menschen, aber im Verein, da wo er geprägt wird, kommt nix davon an. Warum nicht? Das ist einfach Dreck! Man kann/sollte/müsste diese Anliegen real auf einer JHV diskutieren. Nur so kann man was ändern oder verstehen, dass man falsch liegt. Nein, lieber halbgar in die Öffentlichkeit blasen und dann rumheulen, dass der Adressat sein Verhalten nicht ändert. 

Gleiches gilt hier wieder. Man kapselt sich ab, das Motto ist „wer nicht für uns ist, ist gegen uns“ und so verpufft alles. Nach der Perücken-Tour nach Dresden geht man wieder in sein Privatleben und lässt die aktive Fanszene die Suppe auslöffeln? Und wenn das nächste Mal da wieder “USP Frauen” draufsteht, ist es wieder okay, weil “aber die Ultras”? Oder wie soll das funktionieren? 

Und nein, ich stempele solche Leute ungern sofort als „für immer gestorben“ ab. Dafür hab ich schon zu viele Menschen gesehen, die zuerst ganz wirre Ideen hatten und dann irgendwann diese Fanszene über Jahre geprägt haben. In einem positivem Sinne. Aber da muss jetzt was kommen. Das ist Holschuld. 2019 muss eine aktive Fanszene nicht über jedes Stöckchen springen. Denn wir sind St. Pauli. Ihr könntet es werden. Aber nicht so. 

Dez 052018
 
Liebe Lesende dieses Beitrags. Soviel vorweg: Wir sind 2 Frauen, die mehr Spiele des FCSP im Stadion (auswärts und zu Hause) mitbekommen, als nicht. Wir haben uns beide schon an geeigneter Stelle über Sexismus im Vereinsumfeld aufgeregt. Und wir haben beide schon gemeinsam mit dem Fanladen nach Lösungen gesucht. Aber die letzten Monate geben uns den Eindruck, dass auf einen Schritt nach vorn dann gleich zwei zurück folgen.
 
Wir haben beide die Tapete der Dresdener als, nun ja, “Höhepunkt” der letzten geschmacklosen Aktionen mitbekommen, wahrgenommen und verurteilt. Und wir haben darauf beide keinen Bock mehr auf diesen Scheiß. (Und mal fernab von der inhaltlichen Ausgestaltung: Dresden, Diggi. Wie wär’s mal mit was Neuem? Oder dürfen wir das als Einladung verstehen, dass wir monothematisch bleiben sollen und uns beim nächsten Besuch als England verkleiden? Gruß an Waving the Guns an dieser Stelle.)
 
Aber wir nutzen diese dämliche Provokation nicht, um uns jetzt selbst als F**zen zu betiteln, oder sonstigen dämlichen Facebook-Aktivismus zu betreiben. Uns selbst bezeichnen wir nicht als F**zen, auch ein Reclaimen und “positiv besetzen” dieses zutiefst frauenverachtenden Begriffs kommt für uns keinen Millimeter in Frage.
 
Es kann einfach nicht sein, dass als Reaktion jetzt Aktionismus-Ideen auftauchen, die veraltete Geschlechterbilder und patriarchale Strukturen (jetzt hier nur beispielhaft: Kochlöffel, Schürzen, Perücke und “Frauenkleider” mit denen alle nach Dresden ins Stadion sollen) bedienen, aufgreifen und somit tiefer in den Köpfen verankern. Als Innenwirkung mögen das einige “witzig” finden, aber als Außenwirkung kommt die bloße Reduzierung auf die stereotype Frau (und indirekt auch auf den Mann) an.
 
Protest, der als erstes Ziel hat, witzig zu sein, ist gleichzeitig von der Angst gefüttert, bestehende Strukturen anzugreifen und vor allem einzureißen – genau das sollte aber das Ziel sein. Missstände anprangern, niederreißen und ändern. Egal, ob in Dresden, auf St. Pauli oder anderswo.
 
Und um jetzt hier mal eine Sache für immer und ewig festzustellen: Wir sind nicht humorlos, weil wir Eurer Einknicken und Anbiedern an bestehende Verhältnisse/ Vorurteile nicht witzig finden. Wir sind nicht bereit, faule Kompromisse einzugehen und wir arbeiten nicht mit Euch zusammen, so lange ihr weitere sexistische Weltbilder verbreitet und verstärkt.
 
Wir müssen bei Protest auch nicht witzig oder nett sein, wir wollen anecken und sichtbar sein, aber nicht nur weil wir Sexismus aufgreifen, sondern weil das Stadion eben auch unser Platz ist.
Daher an die lieben Menschen, die diese Haspa-Putzer mit ihrem anbiederndem Aktionismus auch aufgeregt haben: Wir fanden die auch scheiße. Und wir finden auch nach wie vor Sexismus scheiße. Wir sind nur nicht bereit, unsere Ideale aufzugeben, um irgendwelchen Typen zu gefallen und alles fröhlich mit Humor zu nehmen. Wir sind wütend, verdammt. Und wir haben allen Grund dazu. 
 
Die Schreiberinnen sind dem Blogkollektiv persönlich bekannt.
 
 
 
 
 
 
 
 
Nov 072018
 

Einheitsbrei

„Da hätte ich ja auch kandidieren können, ein weiterer alter weißer Mann wäre da gar nicht aufgefallen“, kommentierte unser Blogsenior die am 07.11.2018 veröffentlichte Kandidatenliste für unseren Aufsichtsrat. 12 Kandidaten, davon eine Frau. Durchschnittliches Alter der Kandidaten ist 56, gerade mal zwei Kandidaten sind unter 40 und so etwas wie einen sogenannten Migrationshintergrund* sucht man vergeblich. Auch die Abteilungen sind unfassbar divers, sind immerhin einmal Marathon und einmal Handball dabei. Jeweils bei einem Kandidaten, der nebenbei noch in der AFM oder den Fußballherren ist. Mit dem Ergebnis, dass alle Kandidaten entweder in der AFM oder in den Fußballherren sind.

Puh, bei aller Liebe Freunde, das ist peinlich für uns, für unsere Weltsicht und als Vorbild.

Nicht Gott gegeben

Kandidaten für Ämter fallen nicht vom Himmel. Sie werden bestärkt von Interessenten an einem Ergebnis. Das ist nichts schlimmes und Teil eines demokratischen Prozess. Und natürlich gibt es auch in unserem geliebten Verein Interessengruppen, die sich Kandidaten aussuchen und diese auch moralisch und mit Stimmen unterstützen. Warum denn nicht?

Wenn wir aber der Stachel, das Vorbild, das richtige Leben im falschen Leben sein wollen, dann genügt es nicht nur, dass wir uns von Investoren fern halten und Fans in den Aufsichtsrat wählen.

Dann müssen diese Personen auch diverser besetzt sein. Wo ist z.B. eine Dame aus den Fußballfrauen? Wo ist der Migrationshintergrund? Frauen sind in unserer Mitgliedschaft und in unserer Fanschaft garantiert mit 40 Prozent vertreten. Das muss sich in den Gremien auch widerspiegeln. Da mag Sandra noch so toll sein. Es reicht nicht!

Der Migrationshintergrund wird bei beiden sehr viel geringer sein. Was die Frage aufwirft: Warum eigentlich? Und gerade wenn dies so ist, dann sollten wir doch umso bemühter sein, Kandidaten aus diesem (kleinen) Kreis zu bekommen, um auch auf diese Problematik hinzuweisen.

Hinter die Ohren schreiben!

Alle Hinterzimmerdiplomaten, alle Menschen, die Wahlen in diesem Verein vorbereiten, alle Wähler im Verein schreiben sich ab jetzt bitte das Wort „divers“ hinter die Ohren und fördern ab jetzt bitte Kandidaten, die genau diesem Profil entsprechen, damit wir nicht noch mal so auf die Nase fallen.

Noch was: selbst wenn man von einem “freien Melden” ausginge, gibt es genügend Mechanismen, dass man trotzdem Frauen und andere diverse Gruppen zu einer Bewerbung ermutigt. Ein “es haben sich halt nur weiße Männer gemeldet” ist zu einfach. Zu bequem.

Wenn so etwas selbst die Ärztekammer als Ziel formulieren kann und Maßnahmen ergreift, dann müssen wir das auch können.

Noch viel schlimmer: Selbst der DFB hat so ein Programm.

St. Pauli wir haben da ein riesiges Problem und erkennen es nicht einmal, wie man auf Twitter erkennen kann. (Tweet und die ersten Antworten) .

Aufsichtsratkandidaten beim #fcsp:
11 Kandidaten, 10 Männer. 🤷🏼‍♀️

Läuft ja super!

— Anna-Maria (@amhass) November 7, 2018

PS: Das es auch anders geht, beweist z.B. die Triathlonabteilung unseres FCSP 5 Frauen und 4 Männer im Vorstand. Und da der Platz der Frauenwärtin zur Zeit unbesetzt ist, müsste es theoretisch selbst noch eine mehr sein. Macht die Diversitywärtin zur Zeit mit. So eine Diversityvorständin stünde dem Hauptverein nebenbei auch mal SEHR gut zu Gesicht.

*das der Begriff Migrationshintergrund nicht unproblematisch ist, hatten wir letztens erst erläutert.

Nachtrag 07.11.18 21:49

Woanders sieht das auch nicht besser aus:

Okt 252018
 

Der Fußballclub Sankt Pauli hat heute über Social Media und seine Website mitgeteilt, dass er am kommenden Heimspiel gegen Holstein Kiel ein ganz besonderes Schmankerl für seine Fans parat hat. Vor dem Spiel wird die Berliner Band „The BossHoss“ auf dem Harald-Stender-Platz spielen. Das Redaktionskollektiv des MagischerFC-Blogs nimmt diese freudige Abwechslung zum Anlass, die Band vorzustellen und ein kurzes Preview zum kommenden Album „Black Is Beautiful“ (ab dem 26.10. überall erhätlich!) zu verfassen.

Als langjährige Fans von Johnny Cash sind wir natürlich schon vor Jahren auf die sympathischen Jungs mit Südstaaten-Flair aufmerksam geworden. Abgesehen von dem musikalischen Einfallsreichtum und Kreativität stehen die Country-Popmusiker vor allem für ehrliche Texte über männliche Identität und träumerische Phantasien des Wilden Westens.

Toll, diese Ironie, oder? Seien wir mal ehrlich, The BossHoss ist nun nicht gerade so problematisch wie eine beliebige Rechtsrockband, aber es gibt durchaus einige Punkte, die uns veranlassen, diese zumindest zweifelhafte Ansetzung kurz kritisch zu kommentieren, denn wir sind nicht der Ansicht, dass der FCSP der Band eine Bühne bieten sollte – wortwörtlich und im metaphorischen Sinne.

Und dabei reden wir gar nicht von der aggressiven Abwesenheit jedweder ästhetischen Dimension oder einer mangelnden Abgrenzung zur Kulturindustrie des deutschen Privatfernsehens.

Der Autor dieses Textes kannte vor der heutigen Ankündigung des Vereins nur den Namen der Band, doch nach ungelogen maximal 30 Sekunden Internet-Recherche offenbarten sich bereits mehrere problematische Layer, die sich durch weitere Beschäftigung mit der Band leider nur verstärkten.

Zunächst ist das künstlerische Schaffen der Band durchsetzt von einer bestenfalls peinlichen, schlimmstenfalls extrem toxischen Maskulinität, die uns die Haare zu Berge stehen lässt. Dass die Band ihre Texte nicht im Ansatz kritisch reflektiert hat, zeigt sich unter anderem auch an der visuellen Repräsentation von „starken, heroischen“ Männlichkeiten sowie eindeutig sexistischen Darstellungen von Frauen. Wir haben gar keine Lust uns durch das Gesamtwerk der Herren zu arbeiten und an Beispielen und kulturwissenschaftlicher Argumentation diese Probleme aufzuzeigen. Aber ihr werdet es selbst sehen, wenn ihr euch ein Video ansehen solltet.

Wir haben im Blog in den vergangenen Monaten häufiger über ein Sexismus-Problem am Millerntor berichtet und der Verein hat freundlicherweise auf verschiedene Art und Weisen dabei geholfen, Öffentlichkeit für dieses Problem herzustellen. Warum wird dann mit der Einladung dieser Band aktiv gegen eine antisexistische Kultur beim FCSP gewirkt?

Ein kurzer Blick auf die Diskographie und das Wirken der Bandmitglieder im Fernsehen legt noch ein weiteres Problem offen. Nämlich die mannigfaltige und freundliche Kooperation mit Xavier Naidoo, dem Mann der nicht gerne Antisemit genannt wird (auch wir müssen uns rechtlich absichern). Jede Band, jede*r Kulturschaffende*r, der zur gesellschaftlichen Akzeptanz dieses notorischen Verschwörungstheoretikers und Reichsbürger-Freundes beiträgt, ist absolut inakzeptabel im Umfeld unseres Vereins.

Liebe Verantwortlichen beim FCSP, die Idee mit Livemusik vor oder nach den Spielen ist wirklich cool, aber ihr müsst einfach mehr darauf achten, wen ihr euch da ins Boot holt. Auch wenn eine vermeintlich große Bands, die gerade ihr neues Album promotet für lau spielt, lohnt sich ein Backgroundcheck. Und wenn ihr partout Programm haben wollt, es gibt auch im Jahre 2018 immer noch ’ne Menge Bands, die für eine Kiste Bier auftreten.

In Hoffnung auf schnelle Besserung des Rahmenprogramms und eine kritische Aufarbeitung, bis Sonntag!

Sep 062018
 

Die soziologische Interpretation „des Fremden“ ist nicht zwingend eine Gute. Einige Menschen hierzulande schätzen das Fremde und würden es gerne näher kennenlernen. Für die gibt es das Nachmittagsprogramm auf 3Sat. Für die meisten Volksgenossen ist das Fremde jedoch etwas Bedrohliches und Unheimliches, was in den meisten Fällen aus der Unkenntnis über den eigentlichen Gegenstand entspringt. Sei es nun der Tod, Spinnen oder was auch immer man sonst in den Geisterbahnen auf dem Heiligengeistfeld findet.

Wenn sich Antifa-Schlagerstars wie Helene Fischer oder die SPD nun also unerwartet gegen „Fremdenfeindlichkeit“ aussprechen, ist der zu schützende Angefeindete immer noch ein Fremder, was dieselben sprachlichen Probleme und unterbewussten Annahmen mitbringt wie eine Minderheit mit einem antiquierten, aber nicht böse gemeinten Namen anzusprechen.

Doch der Pakt mit dem Schlager-Teufel ist ein Notwendiger, befürchten wir. In Zeiten wo ganze ostdeutsche Landstriche in eine Mischung aus einem schlechten Zerrbild der Abwesenheit von Staat und Politik sowie rechter Hegemonie abzurutschen drohen, freut man sich doch fast über die breite antifaschistische Einheitsfront von ganz links bis hin zu Helene Fischer und sogar der SPD.

Uns sei der prosaische Anfang entschuldigt. Schlagen wir den Bogen zum 5. September in Hamburg, wo wir leider den lokalen Helene Fischer-Fanclub nicht auf der Straße gesehen haben, aber dennoch viel „bürgerlichen“ Protest gegen Rechts. Das ist gut. Absurderweise twittert der „Blöd“ Reporter immer noch etwas von „10.000 Linken“. Wenn man sich wieder mal fragt, woher diese paranoide Angst vor „Links“ in diesen Kreisen herkommt, dann wahrscheinlich davon, dass alles, was für eine Selbstverständlichkeit auf die Straße geht, links bzw. linksradikal gelabelt wird.

Wie wir bereits bei Twitter schrieben, wird es innerhalb der Merkel muss weg-Bewegung schwer als Erfolg zu kommunizieren sein mit nicht mal 200 Köpfen 10.000 gegenüber gestanden zu haben. Menge ist Trumpf. Und wenn eine Bewegung mal viel Masse und Rückhalt braucht, dann diese ob der realen Gefahren in vielen deutschen Städten, politisch aber auch ganz akut für Menschen, die nicht in das Gesellschaftssystem der rechten Mobs passen.

Streitbare These? Sicher. Um uns etwas street credibility zu erhalten, erwähnen wir gerne prominent, dass den Nazis ein Banner abhanden gekommen ist und dass man munkelt, einige der besorgten Thor Steinar-Kunden seien nach der Demo noch in geballte Fäuste gelaufen.

Der sonstige Verlauf des Abends war „friedlich“, was erstmal nur die Feststellung einer Tatsache ist und kein Wert an sich. Eine ausführliche Diskussion ob nun friedlich oder militant ersparen wir dem geneigten Leser jetzt hier, denn das sprengt den kurzen gewählten Rahmen. Die Staatsmacht hatte Polizei aus Rheinland-Pfalz (!) aufgeboten und wir sahen insgesamt 7 Wasserwerfer (die Hamburger standen in Reserve etwas abseits). Und wenn man schon 7 Wasserwerfer vor Ort hat, dann muss man die auch mal benutzen. Warum blieb uns komplett unklar, aber irgendwie muss man sich ja rechtfertigen.

Genauso absurd war die Polizeieinheit die ohne Landeskennzeichen (warum?), ohne Einheitenkennzeichnung (warum?) und vermummt (warum?) meinte im Valentinskamp sich noch ein bisschen mit Leuten boxen zu müssen, obwohl es gar keinen Anlass gab. Da musste wohl das Adrenalin raus. Das dies nicht wirklich Sinn einer Staatsmacht sein darf und auch eine komplette Anonymisierung sehr fragwürdig ist, müssen wir niemanden erzählen. Es ist bemerkenswert, dass es von der „Mitte“ immer als selbstverständlich hingenommen wird, dass Polizisten so anonym agieren dürfen. Man stelle sich mal vor, dass man seinen Steuerbescheid ohne Behördenkennzeichnung, Name des Bearbeiters und ohne Kontaktdaten bekäme. Der Aufschrei wäre groß. Und ja, auch da gäbe es ähnliche Argumente der Gefährdung des einzelnen Bediensteten. Die in solchen Verwaltungen keine Waffe haben, keine Nahkampfausbildung, keine Panzerung.

Es ist noch unklar, wann und ob die nächste „Merkel muss weg“ Demo stattfindet. Gut informierte Kreise munkeln etwas von 03.10. Informiert euch und kommt auch das nächste Mal vorbei.

Aug 302018
 

Die jüngsten rechten Ausschreitungen und das politische Klima in Karl-Marx-Stadt sind aktuell das Top-Thema in vielen deutschen Medien und findet auch in der internationalen Berichterstattung starken Widerhall. (Der Autor dieser Zeilen war sehr irritiert, als in den amerikanischen TV-Nachrichten ein Beitrag zu sehen war.)

Auch wenn wir uns durchaus darüber im Klaren sind, dass wir nicht die dezidierten Experten für dieses Thema sind und wir vermutlich auch nicht die beste Analyse des Geschehenen liefern können, möchten wir trotzdem – nur sehr kurz – den Fokus darauf legen, welche Bedeutung der Fußball in diesem Sachverhalt hat und dass die Vernetzung für die rechten Proteste durch die Gruppen aus dem Umfeld des Chemnitzer FC vorangetrieben wurde.

Wie verschiedene Medien, hier zum Beispiel die bürgerlich-konservative Tageszeitung „taz“, berichten war anfangs die Mobilisierung innerhalb rechter Gruppen aus dem Umfeld des CFC ein wesentlich größerer Faktor als zum Beispiel der Aufruf der lokalen AfD.

Fußball und der geschützte Bereich in denen sich rechte Fanszenen dort bewegen ist ein wesentlicher Mobilisierungs- und Vernetzungsfaktor rechter Szenen in diversen Städten, u. a. in Chemnitz. Spätestens seit HoNaRa oder HoGeSa oder ähnlichen Phänomenen sollte allen klar sein, welche Mobilisierungspotenzial diese Szenen besitzen und wie gefährlich es ist, ihnen die Kurven zu überlassen. Chemnitz zeigt daher erneut den Wert und die Notwendigkeit antifaschistischer Arbeit in den Stadien und den Fanszenen.

Kenner der Materie könnten sich jetzt gelangweilt schlafen legen, denn dass Nazis Kurven als Erlebnispark, als Mobilisierungsstelle und als Bekräftigungsort sehen, sollte eigentlich schon seit Michael Kühnen und Siggi Borchert bekannt sein. Aber anscheinend ist die Welt sehr vergesslich.

Überhaupt, es gibt ja gerne mal die Behauptung, dass die FCSP-Fans 1986 begonnen hätten, den Fußball zu politisieren. Dies ist aus diversen Gründen kompletter Schwachsinn, aber auch, weil zu diesen Zeiten offen faschistische Fangruppen in diversen Kurven tonangebend waren. Wenn man dies nicht als politisch empfindet, dann liegt es vielleicht daran, dass man das politisch ganz cool findet.

Vereine, Politiker, Einzelpersonen, Fangruppen müssen verstehen, dass ihre Kurven Foren sind, in denen mindestens lokale Identitäten verhandelt werden und dabei rechte Agitatoren auftreten. Alle diese Akteure sollten auch begreifen, dass ein „wir sind unpolitisch“ solchen Leuten freie Hand lässt beim Aufbau von Machtbasen und Strukturen. Entscheidend ist nicht, ob sie im Stadion ein rechtsradikales Banner hochhalten können. Entscheidend ist der Zugang zu Jugendlichen, die sich für „wir gegen die“ und Gewalterlebnisse begeistern können. Und es ist soziologisch keine neue Erkenntnis, dass die Stadionkurve dies bietet.

Der Schritt aus einem gesicherten Kurvennetzwerk zu großen international beachteten Ausschreitungen ist dann ein sehr kleiner.

Umso wichtiger ist es, dass die Vereine und Politik endlich begreifen, dass es besser ist, eine Kurve zu haben, die mal Pyro zündet, aber sonst Adorno verehrt, als eine Kurve, die lieb und brav ist, aber privat Hitler liest. Leider beobachten wir häufig genug genau das Gegenteil. Pyro? SKANDAL EINE NEUE DIMENSION DER GEWALT ALLE WEGSPERREN!!! Bisschen abhitlern? Ach, das sind nur besorgte Bürger, verwirrte Jugendliche etc.

Vereine müssen ihrer gesellschaftlichen Rolle sehr klar bewusst werden, sie müssen die Speerspitze einer Anti-Nazi-Bewegung sein. Uns ist auch klar, dass du in einer Stadt wie Chemnitz einen schweren Stand hast. Aber was örtliche Bands vormachen, können örtliche Fußballvereine gut nachmachen. Wehrt euch!

Wir wollen ja gar nicht behaupten, dass Dynamo Dresden als Verein alles richtig macht. Aber die twittern z. B. so etwas als Reaktion auf Chemnitz:

Wir haben nachgeguckt: Der offizielle Account des Chemnitzer FC informiert dafür über Besuche beim Stadtfest und die letzten Spielergebnisse. (Stand zur Veröffentlichung). Andere Vereine verhielten sich wie Dynamo (z.B. gesehen bei Arminia Bielefeld). Kleiner Hinweis: Für eurer Wohlbefinden, lest bloss nie die Kommentare und Antworten auf solche Tweets.

Es kann so einfach sein, sich zu engagieren.

Aug 092018
 

Es ist schon bemerkenswert, wie es eine Firma schafft, ihr Produkt so eng mit einem Profisportverein zu verbinden, wie Astra es mit dem FCSP erreicht hat. In dieser Intensität fallen einem vielleicht nur noch Red Bull und Leipzig oder SAP und Hoffenheim ein (und da sind die finanziellen Abhängigkeiten ja bekanntlich ganz andere).

In der Wahrnehmung vieler gehört Astra Bier zum Stadtteil und auch zu seinem Verein. Astra und Gegengerade, dass klingt fast so stimmig wie Burgund und Weißwein. Und nicht zuletzt muss man Astra als Sponsor zugutehalten, dass über viele Jahre hinweg als Geldgeber eine gewisse Partnerschaft aufgebaut wurde, die für den FCSP nicht ausschließlich von Nachteil war und ist. Wo ist also das Problem?

Es ist ja nicht mal so sehr das Problem, dass Astra geschmacklich irgendwo zwischen Bud Light und Turmbräu Pilsener einzuordnen ist. Oder dass Astra mittlerweile zu einem Konzern mit – vorsichtig formuliert – dubiosen Geschäftspraktiken gehört. Oder dass man bei der Lautstärke der nervigen Werbung riskiert, mit einem Gehörsturz nach Hause zu gehen.

Nein, was Astra Zielscheibe unseres lange aufgestauten Ärgers macht, ist die jahrelange konsequente Weigerung, das eigene Image zu überdenken. Astra wirbt seit Jahren mit sexistischen und neuerdings auch mit rassistischen Inhalten, die absolut indiskutabel sind. Eine gestern (8.8.2018) bei Twitter geteilte neue Plakatkampagne der Marke bringt für uns gerade das Fass zum überlaufen. Nur zur Sicherheit: Indiskutabel heißt, dass ihr uns mit euren „aber ich empfinde das nicht als rassistisch“ Kommentaren vom Hals bleiben könnt. Auch die im Tweet enthaltene Antwort des Social Media Team von Astra ist komplett indiskutabel.

Intern fanden wir vor wenigen Wochen noch positive Worte für die Bereitschaft eigene alte sexistische Werbung für Pink Stinks zur Verfügung zu stellen und Fehler einzugestehen. Die nun wieder diskriminierende Kampagne ist vor dem Hintergrund besonders frustrierend für uns und hinterlässt einen faderen Nachgeschmack als das eigentliche Bier.

Liebe Leute bei Astra, diese Art von Image ist nicht edgy, sexy oder cool. Sie ist einfach nur Scheiße. Ihr mögt den FCSP, ihr seid Sponsor bei Babelsberg und Wutzrock? Großartig! Aber haltet euch an unsere Werte! Auch wenn ihr euren diskriminierenden Content bislang (unseres Wissens nach) nicht ins Stadion getragen habt: Wenn ihr gerne mit dem FCSP assoziiert werden wollt, lasst das sein!

Liebe FCSP-Fans, bitte zieht eure eigenen Schlüsse aus dem vermehrten Fehlverhalten der Marke Astra. Wir werden nicht zum Boykott aufrufen, aber ein wenig kritischeres Verhältnis als die teilweise herrschende Glorifizierung muss hier einfach möglich sein. Der FCSP möchte für Haltung stehen. Und warum diese seitens der Fans immer wieder eingefordert wird, außer bei einem der wichtigsten Sponsoren, ist uns komplett unbegreiflich.

Aug 082018
 

Wir schreiben das Jahr 2012. Die Gegengerade ist im Bau und es steht das erste Heimspiel an. Vier Tage vor dem Spiel hat der Verein eine Pressemitteilung raus, nach der vielleicht die Plätze nicht nutzbar sind und dann gäbe es nicht für alle Menschen Ersatz. Wer dann nicht ins Stadion käme, der bekomme aber eine Vergünstigung auf die nächste Dauerkarte. Die Pressemitteilung ist leider nicht mehr online verfügbar, aber unser Artikel von heute vor 6 Jahren ist es noch.
Dank unseres coolen Erinnerungsbots auf Twitter, sprang er genau heute ins Auge. Wie passend.


Diesmal führt der Verein vier Tage vor dem ersten Heimspiel eine sogenannte Schosskarte für Kinder zwischen 1 und 6 ein. Diese ist weiterhin kostenlos, muss aber am Spieltag in Person an einem Schalter abgeholt werden. Details siehe Homepage des FCSP.

Vorab: Die Einführung einer solchen Zählkarte ist absolut logisch bei einem elektronischen Einlass-System, ist mit erhöhten Auflagen für Großveranstaltungen vollständig erklärbar und somit nachvollziehbar.

Jedoch! Handwerklich ist das stark verbesserungswürdig!

Kurzfristig

Es ist mal wieder eine viel zu kurzfristige Information. Vier Tage vor einem Spiel die breite Öffentlichkeit zu informieren, ist einfach zu spät. Und solche Themen fallen ja nicht vom Himmel. Und sie betreffen eben doch verdammt viele Leute! Und wenn man – aus welchen Gründen auch immer – erst so spät zu diesem Thema kommt, dann wäre es bei drei Wochen (!) zwischen dem ersten und dem zweiten Heimspiel das einfachste einfach „Hey, wir machen dies ab Heimspiel zwei“ zu sagen. Man hätte den Ordnern auch was Gutes damit getan. Nämlich die Möglichkeit bei diesem Heimspiel jeden mit Kindern zwischen 1 und 6 noch mal anzusprechen und zu sagen „Hey, ab nächstes Mal Karte!“.

Unpraktisch

Die Handhabung ist unpraktisch. Wir alle kennen das Millerntor, die Enge, den Lärm und wir alle kennen Kinder zwischen 1 und 6. Was man da garantiert nicht einfach so mal eben macht ist sich in eine Schlange stellen und ein Ticket abzuholen. Mal ganz davon ab: Wir haben 2018. Etwas nur offline anzubieten ist ungefähr seit dem Jahr 2000 Vergangenheit. Mal ehrlich: Leute in eine Schlange zwingen, das kannst du mit Leuten machen, die sonst kein Ärger haben im Alltag. Familien mit kleinen Kindern gehören dazu definitiv nicht. Sie sollten, nein sie müssen, von unserem Verein auch im Sinne einer Jugend- und Familienförderung, im Sinne einer sozialen Verantwortung auf Rosen gebettet werden. Sie in eine Schlange an jedem Spieltag (!) zu zwängen, wird dieser sozialen Verantwortung nicht gerecht.

Wieder juristisch zumindest zweifelhaft

Die allgemeinen Ticketingbedingungen hat der Verein – soweit uns ersichtlich- nicht angepasst. Wir können und wollen das nun nicht juristisch bis zum Ende durchprüfen, aber man könnte schon an ein Gewohnheitsrecht, an eine geübte Auslegung dieser Bedingungen denken. In denen nämlich ein Zugang bis zum 7. Geburtstag ohne Karte geregelt ist. Und diese nach dem Verkauf der Dauerkarten (und der Einzelkarten für dieses Spiel) zu ändern, geht juristisch schlichtweg nicht. Verträge sind einzuhalten, wie sie geschlossen sind. Und soweit hergeholt ist es nicht, den Einlass von 1 bis 6 jährigen ohne Karte als eine Pflicht des Vereines aus dem geschlossenen Ticketvertrag (mit dem Erziehungsberechtigten) zu konstruieren. Wie wir schon 2012 schrieben: Ticketverträge kommen auch mit Pflichten! Gut, wir haben es nicht zu Ende geprüft und vielleicht würde das ein Gericht anders sehen, aber man kann so etwas viel sauberer lösen. Gerade weil es durch die Schlange, durch den Mehraufwand eben nicht nur eine Lappalie oder eine Förmelei ist. Wenn man das richtig sauber machen will, dann müssen solchen Themen veröffentlicht und in den ATGB verankert sein, bevor man beginnt Karten zu verkaufen! Das sollte der Verein endlich mal lernen. Siehe 2012.

Lösungsvorschläge

Fragt doch rechtzeitig mal nach, holt euch Input von Fanseite. Da gibt es wohlbekannte Institutionen wie Fanladen, FCSR, ständiger Fanausschuss, etc. pp. Die sind ständig erreichbar und sitzen im Notfall genau so nah, dass man das schnell bei einem Kaffee besprechen kann. Der kurzfristig über diese Änderungen informierte Fanladen hat seine Bedenken beim Verein zu Protokoll gegeben, wie er auf unsere Anfrage mitteilte. Es ist erstaunlich, dass sich beim Catering ein „kleiner Dienstweg“ schon vor Jahren entwickelt hat, vieles vorab klärt und Probleme kreativ löst. Nur im Ticketing, da klappt das nicht. Das muss doch gehen! Denn eigentlich sind das doch kommunikative und intelligente Leute da im Kartencenter.

Und bessere Lösungen liegen auf der Hand: Z.B. eine Dauerschosskarte. Unseretwegen gerne gebunden an die Karte eines (oder zweien) Elternteils/Erziehungsberechtigten. Oder mit einer Onlinebestellmöglichkeit. Unseretwegen auch nur in der Woche vor dem Spiel, wenn man denn solche Karten nicht ins Nirvana geben möchte. Die Dauerschosskarten hätten auch noch einen geilen Nebeneffekt: Bedenkt mal wie Stolz Lucas, Lenya und Leni wären, wenn sie ihre eigene (!!!) Dauerkarte hätten. Das ist frühzeitige Kundenbindung, also auch noch ein wirtschaftlich ganz spannender Nebeneffekt. Man wüsste für Vermarktungen z.B. auch, wo Kinder in welchem Alter sind. Aber hey. Jeder möchte Daten sammeln. Nur der FCSP nicht. Letzteres haben wir jetzt natürlich nicht gesagt.

Kann es sein, dass eine Onlinelösung an eventuellen Eventim Gebühren scheitert? Noch ein Grund (ungefähr der 498567564ste) diesen „Partner“ möglichst schnell zu entpartnern. Aber das wäre jetzt ein eigener Artikel.