Feb 202018
 

 

Wir haben uns gestern Abend mal diese komische „Merkel muss weg“-Demo und die Gegenaktivitäten dagegen angesehen. Überpünktlich gegen 18:45 versammelten sich am Ende vielleicht 250 Personen, die von „Spießbürger“ über „Türsteher/Althool“ bis „knallharter Neonazi“ alles zeigten, was der rechte Protest gegen Merkel so hergibt.

Das sich so eine rückwärtsgewandte Gruppe gerade unter dem Lessingdenkmal versammelt, ist schon sehr absurd. Das dann wirklich auf Twitter ein Replyer from hell meinte, dass diese Gruppe Deutschland wieder „zum Land der Denker“ machen würde, kann eigentlich nur noch mit Straflesung von „Nathan der Weise“ bestraft werden. Diese ganzen Leute können doch mit Humanismus und dem Gedanken einer Toleranz gegenüber verschiedenen Religionen, die Lessing vertrat, überhaupt nix anfangen.

Auf der Gegenseite versammelten sich vielleicht 1000 Gegendemonstranten (Achtung, wir sind keine guten Schätzer), die sich aus dem zusammen setzten, was man wohl klischeehaft als „linkes Spektrum“ bezeichnen kann. Die Polizei hatte schon frühzeitig den Gänsemarkt großräumig abgesperrt und alles aufgehalten, was nach besagtem linken Spektrum aussah. Das man auf dem Weg zu den „suspekten Personen“ erstmal einen Anzugträger wortlos über den Haufen rennt, ist heute wohl ein normaler Polizeimove.

Weißes Hemd und Lackschuh ermöglichten immerhin noch einen Kakao im Starbucks und ein Überblick über die Szene, bis man auf Klo musste. Das von Starbucks war nämlich defekt. Später wurde der Platz eingegittert und die Demonstranten über die U-Bahn Gänsemarkt und ihre Tunnel auf (und später vom Platz herunter) gelassen. Wo sie nun standen. Sprechchöre waren von der Organisation der Demo nicht gewünscht und so war es von 20 Metern Entfernung ein eher stilles Herumstehen. Plakate mit Helmut Schmidt (inklusive unleserlicher Schrift, irgendwas mit „Heimat“), „Scharia Partei Deutschland“ mit Abkürzung „SPD“ sowie Sprüchen à la „Wir wollen unsere Heimat zurück“ wurden hochgehalten. Was dies nun alles mit Merkel zu tun hat, ebenso wie das kurzfristig gezeigte Banner „Kein Zugang für Terror“, erschließt sich wohl nur jenen Menschen mit fragwürdiger Einstellungen. Das Ganze sieht aus, riecht nach und ist schlichtweg Pegida & Co in neuem Gewand.

Die Propagandaschlacht tobt

Wir wollen auch hier nicht an diesem ganzen Infowar von Falschmeldungen, blanken Lügen und Richtigstellungen teilnehmen. Denn in unserer heutigen Zeit glaubt ja sowieso jeder nur das, was ihm gerade in den Kram passt. Eine sehr dreiste Fälschung, die dann sofort in entsprechenden Kreisen viral geht, kann man hier „bewundern“.

Soweit wir das überblicken konnten, blieb es direkt an den beiden Demos komplett friedlich. Nicht mal irgendein hektisches Gerangel, wie es sonst sehr häufig in solchen Situationen zu beobachten ist, gab es. Es soll an der Oper während der Demo noch geknallt haben, aber da wissen wir weder Details, noch hatte dies irgendwelche Auswirkungen auf die Situation an der Demo. Bemerkenswert: Die ganze Zeit war die Polizei ohne Helm auf unterwegs. Das ist ja in letzter Zeit nicht mehr Standard in Hamburg.

Letztendlich bleibt aber folgendes festzuhalten: Rechte Kräfte sind in Hamburg anscheinend stark genug, um eine Demonstration mit 250 Leuten zu organiseren und durchzuführen. Das dies von alleine wieder verschwindet, muss niemand annehmen. Und was Belltower News hier über die NPD schreibt, gilt auch für diese Sippe:

„Demonstrationen dienen wesentlich dazu, die Attraktivität der rechtsextremen Lebenswelt zu steigern, die eigene Anhängerschaft in der Auseinandersetzung mit Polizei und Sicherheitsbehörden zu schulen. Außerdem geht es darum, neue Mitglieder zu rekrutieren und Machtansprüche zu formulieren.“

"Merkel muss weg"-Nazi-Demo in Hamburg 19.02. 2018

Dahinten steht der besorgte Bürger

 

Daher Leute, ja es gibt Angenehmeres, als sich Montags in der Kälte die Beine in den Bauch zu stehen und von der Polizei mit irgendwelchen Scheinwerfern geblendet zu werden. Aber wenn wir nicht wollen, dass sich in unserer Stadt eine rechte Szene noch mehr verfestigt, dann müssen wir nun aktiv werden. Das heißt: Arsch hoch und ab nächsten Montag auf die Gegendemo. Kein Fußbreit!

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Feb 192018
 

Freitagnachmittag. Eine unscheinbare Nachricht auf dem Telefon reißt unsereins aus der Betriebsamkeit, die dem Wochenende vorausgeht: „Willst du morgen mit zum HSV-Spiel? Hab ’ne Dauerkarte über.“

Hm. Hm! HMMM!

„Stark. Mach ich!“

So schnell kann’s gehen. Warum tue ich das, fragt man sich, handelt es sich bei der angebotenen Platz doch um einen Stehplatz auf der Nordtribüne … Schlimmstes Feindesland oder nicht!? Nun, selbst bei unserem ärgsten Rivalen gibt es bekanntlich anständige Menschen und D., der mir die Karte anbietet, ist in jedem Fall einer davon. Schon vor einiger Zeit hatte ich mich gefragt, wie es sich wohl anfühlen möge, mit einem guten Menschen ein Spiel seines (falschen) Vereins zu besuchen. Sollte ich also schneller als erwartet Gelegenheit dazu erhalten.

Die Gedanken rattern noch am Freitag wie verrückt: „Hilfe, wie soll ich Lästermaul das körperlich unversehrt überstehen? Wie groß wird der Fremdschamfaktor, das Unwohlsein, das innerliche Zusammenzucken bei blöden Bemerkungen im Block werden? Ich muss meine Klamotten peinlich genau auswählen, damit mich ja nichts verrät. Bloß nicht zu viel trinken und mich verplappern!“

Es soll alles längst nicht so wild werden

Nachdem ich sämtliche Aufkleber und den FCSP-Mitgliedsausweis aus meinen Taschen ausgepackt und sicher zu Hause verwahrt habe, geht es auf den Weg nach St. Elllingen – relativ spät für unsere Verhältnisse. In der Bahn unter lauter Schwarzweißblauen noch den Liveticker vom Ingolstadt-Spiel zu Ende zu checken, kommt mir schon fast gefährlich vor. Andererseits: Bei uns interessiert man sich auch zuweilen, wie denn die Rauten gerade spielen. Blöd macht mich keiner an, ich bin ja auch unauffällig. Hingegen tragen die ruhmreichen Erstligisten natürlich viel Farbe, man kennt das ja von unfreiwilligen Begegnungen. Mir springt ins Auge, wie oft so ein HSV-Schal wie ein Fremdkörper bei einem Outfit mit Anorak oder Mantel wirkt. Bei uns scheint mir das FCSP-Merchandise bei den Fans meist besser ins Bekleidungskonzept integriert. Aber wir sind ja auch die Modemarke mit der Fußballabteilung.

Ich treffe D. in Eidelstedt und frage ihn, ob man nicht früher im Block sein müsste, ob das nicht gleich sehr eng wird. Er winkt ab, man komme schon immer noch hinein, so seine Erfahrung. Zügig leeren wir noch zwei Biere auf dem Fußweg (niemand mag Shuttlebusse) und stellen uns dann schon an. Stellingen selbst ist nach wie vor hässlich wie die Nacht, aber ein bisschen Leben brummt rund um den Spieltag schon in der Gegend.

MagischerFC Hinter feindlichen Linien Februar 2018

Hermann kann einem fast leidtun

Die Ordner freundlich, der Einlass unkompliziert: Wir sind also drin. D. geht vor, als wir uns in Block 23/24a schieben. Die Schüssel ist ungemütlich und ziemlich leer, die Stehplätze wirken noch vergleichsweise gut gefüllt. Dort am Rande vorm Zaun haben wir allerdings so viel Platz, dass man auch jede Menge Leitern mit ins Stadion nehmen könnte. (Die Älteren werden verstehen, was gemeint ist.)

Tatsächlich hört man neben vielen anderen „Perlen“ auch kurz Mozart-Songs im Vorprogramm. Textsicher von FCSP-Auswärtsfahrten schmettere ich hier ironisch mit. SCHALALALAHAESVAU. Was sind wir postmodern, haha. Ach herrje, gleich wird ja LKK singen. Nur die Lippen bewegen wie Nationalspieler bei der Hymne? Ich halte lieber ganz die Fresse. Für Fangesänge habe ich mir bereits eine Ausweichstrategie überlegt: HA-SEL-MAUS mit leicht verschluckten S-Lauten, das klingt ähnlich wie HSV und ich muss nichts Falsches singen. Fresse halten funktioniert allerdings auch durchgehend, kein Problem für die Umstehenden.

Scheiß St. Pauli! Scheiß St. Pauli!

Ohnehin hat mich D. einem Mitsteher gegenüber gerade (leise) als „Hardcore-Fan eines anderen Hamburger Vereines“ geoutet und ein kurzer „Altona“-Witz meinerseits erfüllt seine Wirkung nicht. Naja, D. hat auch Interesse an meiner körperlichen Unversehrtheit und so, denke ich, wird mir das nicht zum Verhängnis werden. Die meisten haben es eh nicht mitbekommen. Zusammenhanglose „Scheiß St. Pauli“-Rufe wird es dennoch zu hören geben. Ich bin versucht, einzusteigen. Würde aber keiner verrstehen.

Ja und dann halt Fußball und das stellt mich vor das nächste Problem: Hämisch lachen, wenn Leverkusen ein Tor erzielt? Nay, nay, when in Rome, do as the Romans do. Ein bisschen Respekt muss als Gast schon sein. In der 40. Minute ist es dann so weit und ich schweige einfach, wie es die meisten Rauten um mich herum auch tun. Aufbäumende Fangesänge hört man erst mal nicht. Da ist eher Resignation zu spüren.

Wir gehen zwischenzeitlich mal Bier holen. Huch, schon zu weit gelaufen? Doch, da sind die Treppen, die allerdings kein Mensch frei hält. „Ja, das haben die mal versucht, ist aber kläglich gescheitert.“ Kein Wunder, dass es im Block so locker bleibt, wenn die Fans einfach auch auf den Auf- und Abgängen stehen. Naja, soll nicht meine Sorge sein, ich werde hier niemanden belehren.

Den Beginn der zweiten Halbzeit verpassen wir und damit auch das 0:2. Gehört hat man davon im Umlauf nullkommanull. Wovon wir auch nichts mitbekommen, ist das vielkritisierte Transparent. Sieht man einfach nicht im Block.

Mit dem Anschlusstreffer (Yay, Scooter!) bäumen sich Nordtribüne und Stadion dann auch mal auf. Man steht sogar von seinen bequemen Sitzen auf für den HSV. Tatsächlich kriegen die Rothosen nun den einen oder anderen Spielzug hin, aber das kommt zu spät. Mir soll’s recht sein, für D. tut’s mir etwas leid. Das Gift, das viele junge Testosteronbolzen im Block bei Abpfiff versprühen, bekommen wir nur noch im Rausgehen mit. Die lauten Pfiffe richten sich jetzt wohl nicht – wie zum Ende von Halbzeit 1 – gegen die eigenen Spieler, sondern entweder gegen die Cops unten vorm Block oder die eigenen Öddel, die kurz vorm Platzsturm stehen. Wir nehmen nur erstere wahr.

D. ist zumindest nicht sonderlich geknickt und wir schlendern zur S-Bahn. Die Spieler haben sich sicherlich nicht schlechter verkauft als in anderen Spielen und gegen Leverkusen „darfst“ du als HSV verlieren. Wie düster das jetzt aussieht, wir sprechen nicht darüber. Nicht meine Sorge. Oder? Spannend wird es definitiv werden, sollte der Hamburger Sportverein tatsächlich absteigen. Kühne macht die Düse, Durchmarsch in tiefere Ligen statt direkter Wiederaufstieg, Lizenzprobleme usw., da sind einige seltsame Szenarien denkbar. Wir werden es erfahren.

Was noch so war

Eine besondere Befürchtung meinerseits war, dass mir im Falle diskriminierender Sprüche im Block das Messer in der Tasche aufgehen würde, auch wenn ich schätze, dass D. so etwas auch nicht unkommentiert lassen dürfte. Nun, das Schlimmste in dieser Hinsicht ist „Hurensohn“ als Beleidigung. Nicht cool, keine Frage, aber da hätte ich ehrlich gesagt mit Schlimmerem gerechnet.

Fazit? Jo, da liegen schon noch Welten zwischen unseren Vereinen. Und das darf auch gern so bleiben. Den meisten dürfte das bekannt sein, auch Meinereiner war nicht zum ersten Mal im Volksparkstadion. Allerdings ist – so dieser schlaglichtartige Einblick – auch nicht alles immer zu 100 Prozent eine Vollkatastrophe beim HSV. Nicht einmal in dieser schwierigen Situation.

Ob ich noch mal hingehen würde auf die Nordtribüne? Nicht zwingend. Vorher ist in jedem Fall der direkte Gegenbesuch von D. fällig. Seid dann bitte nett zu ihm, der wird sich zu benehmen wissen.

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Feb 182018
 

 

Und nein, liebe Lesende, wir sprechen in der Überschrift mal ausnahmsweise nicht von dem weißen Nasenspray. Das wurde nur unserem liebsten Veteranen angeboten.

Es geht also nach Ingolstadt. Früh klingelt der Wecker und schnell bringen uns diverse Autobahnen in den Süden der Republik. „Ab in den Süden, der Sonne hinterher“ erweist sich dabei als ziemliche Lüge, denn Nebel und später Schnee prägen das Wetter.

Vor unserer Ankunft in der Stadt der vier Ringe hat der liebe Gott aber noch Kartendeals an Tankstellen in Forchheim gelegt. Würde uns das USK dabei beobachten, kämen wir wahrscheinlich als Gefährder in Dauerpräventivgewahrsam. Denn wer weiß, was wir noch so alles an- und verkaufen könnten an dieser Tankstelle in Forchheim.

So aber düsen wir weiter, sammeln schnell unsere Lieblingsfränkin ein und schneller als Horst „Heimat“ überhaupt sagen kann, finden wir uns auf dem Parkplatz des Stadions auf dem Gelände der ehemaligen Raffinerie wieder. Schlappe 5 Euro Parkgebühr vermitteln das Gefühl von Großstadt. Und immerhin werben drei Bor äh Saunaclubs um die Gunst der Ingolstädter. Aber seien wir ehrlich „Kniet nieder, ihr Autobauer, die ÖPNVer sind zu Gast“ würde genau so passen wie „Ihr baut Autos, wir haben Nahverkehr“. Und liebe Lesende, es ist eure schmutzige Phantasie, die hier das „Nah“ weglässt.

Howdy, Audi

Vor dem Block das übliche „Liebe Menschen aus allen Herren Länder“-Meeting. Ach, Mädels und Jungs, irgendwann packen wir euch einfach mal alle ein und legen uns gemeinsam an den Strand einer einsamen Insel.

Besagte Arena ist auf Zuwachs geplant und kann theoretisch erweitert werden. Angesichts von etwas mehr 10.000 Zuschauern (in dieser Saison noch kein Auswärtsspiel mit weniger als 10.000 Besuchern, sagt unser Statistikgott) zurzeit aber nicht notwendig. Nun soll das gar nicht abwertend sein. Der 2004 gegründete Club spielt in einer Stadt, in der wahrscheinlich viele Menschen über Generationen mit Glubb oder FCB fest verbandelt sind. Da ist so eine Zuschauerzahl schon aller Ehren wert.

Immerhin ist der Gästeblock direkt mittig hinter dem Tor und nicht in die Ecke gequetscht. Das ist wirklich schön.

Die Konstruktion des Stadions hat aber ihre Nachteile. Denn durch die Lücke zwischen Tribüne und Dach rieselt erst eine Schneeflocke, dann viele auf unsere Koksnasen. So richtig was bringen tut das Dach nicht.

Angeheizt von unserem im Shirt dastehenden Vorsänger legt der Gästeblock trotzdem einen passablen Auftritt hin. Natürlich geht immer auch mehr, aber wenn man das Wetter mit einbezieht, ist das gut.

Stabil nach hinten, ein tiefer Nadelstich vorn

Auch die ersten 45 Minuten auf dem Platz. Sicher in der Abwehr, gar nix zugelassen und ein Killerkonter – zack, schon führt man. Stark die Vorbereitung von Waldemar und Richard.

Dann kommen rote Bälle und Linien und die restliche Spielzeit hat mit Fußball nichts mehr zu tun und entzieht sich einer ernsthaften Analyse. Spieler und Ball rutschen mit viel Zufall. Ingolstadt hat schlichtweg das Pech, dass es in den entscheidenden Momenten für uns rutscht.

Feierabend

Kurz die Mannschaft gefeiert, dann im dichten Schneetreiben zum „zu Hause“ fern von zu Hause, wo der Lieblingsthüringer zum Glück schon den Kamin an hat. Pizza, Lieblingsalkoholgetränk und Schlaf ist dann der Rest des Tages im Schnelldurchlauf.

Danke ihr Lieben, wie immer.

Ach ja: Sechs Punkte bis zur Relegation nach oben. Und ja, wir hätten Bock. Was ist mit euch, Volksparker?

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Feb 132018
 

 

Montagspiele sind nicht so wirklich eine Erfindung aus dem Paradies, gerade dann nicht, wenn es sich um einen nasskalten Februarmontag handelt.

Beinah zeitgleich zu dem Spiel hatte eine krude Mischung jeglicher Sorte von Rechtsextremen/Nazis/Aluhüten etc. pp zu einer „Merkel muss weg“-Demo aufgerufen, was viele FCSP-Fans noch zu einem kleinen Zwischenhalt animierte. Bevor wir selbst vorzeitig in Richtung Millerntor aufbrechen mussten, ist die Situation am Jungfernstieg absolut unübersichtlich. Die Polizei ohne erkennbares Einsatzkonzept, ein paar verstreute Nazis und dazwischen jede Menge Antifas. In diesem Chaos sich zu einer Demonstration zusammenzufinden, ist quasi unmöglich und zu dieser ist es dann auch nur im kleinem Umfang gekommen während andere Rechtsextreme in den sozialen Medien ihr Leid klagen, dass ein Durchkommen zu den Kameraden unmöglich sei. Mit Sicherheit ist dieser Abend also kein Erfolgserlebnis für die nationale Sache. Mit ruhigerem Gewissen und besserer Laune können wir uns dem Fußball zuwenden.

 

Geil eine Trommel

Im Fanladen ist an diesem Spieltagabend trotzdem schnell Hochbetrieb und es entwickelt sich folgender Dialog zwischen einem unserer Schreiberlinge und mehreren Leuten aus dem Supportblock.

Erster Ansprechpartner? Der schönste Bart des Millernton:

„Hey, ich will die Trommel zurück. Macht mal was!“

„Ne, also das ist nicht unser Ding, das hat immer die Alte Schule gemacht und die waren zu genervt. Frag die mal.“

Zweiter Ansprechpartner. Die schönsten bunten Haare Bremens (oder so). Getroffen im Fahnenlager:

„Du bist doch Alte Schule?“

„Ja!“

„Ich will die Trommel zurück!“

„Das ist ein Supportblock-Ding, wir haben damit nix zu tun.“

„Das sagt man im Fahnenlager anders.“

„Hm, ja weiß nicht, frag mal G. Oh da steht ja G.“

„Hier ich will die Trommel zurück.“

„Ich hab da nix mit zu tun. Ich stehe schon unten. Nee.“

Ergebnis dieses Dialogs? Die Trommel im Supportblock ist zurück. Und das können wir nur unterstützen, bejubeln und uns drüber freuen. Wer anderer Meinung ist, der treffe uns bitte zu einem 3 gegen 3 am 22.06.2018. (Details am Ende des Berichtes)

 

Viel Scheisse auf den Rängen

Auch begünstigt durch bayrische Winterferien füllt Nürnberg den Gästeblock doch ganz ordentlich. Man muss diese Fanszene allerdings echt nicht sympathisch finden. Schon vor dem Spiel wird da mit Fahnenstangen nach Ordnern geschlagen, ohne dass vorher ein Grund erkennbar ist, und die „unpolitische“ Südstaatenflagge ist als Doppelhalter auch am Start.

Das die schon historisch Dreck und nun auch noch immer mehr ein weltweites Symbol für Rassisten und Faschisten ist, scheint in den Hirnen von Nürnberg nicht angekommen zu sein. Und dies obwohl wir auf Nachfrage erfahren können, dass dies denen auch schon mehrfach kommuniziert wird. So langsam kann man sich dann in Nürnberg auch nicht mehr mit „das ist aber voll unpolitisch ‚der Süden'“ herausreden.

Gut, dass Klaus (Stadionsprecher) nach dem Spiel sinngemäß sagt, dass man dieses Symbol für Rassismus doch lieber zu Hause lassen solle. In Gedanken ergänzen wir, dass man die Sache vielleicht mal grundsätzlich überdenken kann.

Wir wissen ja auch, dass man liebgewonnene Symbole nur schweren Herzens wieder aufgibt, aber hier trotzdem ein Vorschlag zur Güte, Ultras Nürnberg: 1848/1849 flohen viele (potenziell) Verfolgte und Unterdrückte aus Bayern und anderen deutschen Staaten in die USA und zeichneten sich kurz darauf im Bürgerkrieg als überzeugte Demokraten und Republikaner auf Seiten der Nordstaaten aus. Unter diesen Leuten war garantiert auch der eine oder andere aus Nürnberg. Nehmt euch doch die zum Vorbild. Klar ist das weit vom Fußball weg, aber das sind die Südstaaten eben auch. Und im Gegensatz dazu hat diese Idee tatsächlich einen Bezug zu eurer Stadt und ihrer Geschichte, die euch doch so wichtig ist. Obendrauf reproduziert ihr keinen Rassismus und das wäre doch auch was.

Aber so ein bisschen müssen wir aufpassen, dass wir nicht den Balken in unserem Auge übersehen, während wir auf den Splitter in anderen Augen deuten:

Liebe Gegengerade. Wir haben ein Diskriminierungsproblem. Nun ist das keine neue Erkenntnis, aber anscheinend ist sie mal wieder in Vergessenheit geraten. Wir reproduzieren jetzt mal beide Beispiele um deutlich zu machen, wie heftig das ist, daher kleine Warnung vorab.

Park wird als „Schlitzauge39″ bezeichnet, dem Team wird unterstellt, es spiele „Mädchenfußball“. Leute! Es kann nicht sein, dass sich immer nur einzelne gute Menschen darüber aufregen und gerade die jeweiligen Kumpels regungslos daneben stehen und am besten den Scheißkerl noch verteidigen. Das geht genauso wenig klar wie die Aussage an sich. Das Problem ist auch, dass der Einschreitende dann häufig genug eine Massenschlägerei risikieren muss, weil irgendwelche Trottel ihren Kumpel verteidigen.

Ach ja, wir gehen davon aus, dass wir nicht erklären müssen, wie scheiße solche Aussagen sind.

Durchatmen

Auf dem Platz zeigt Park eine absolut famose Leistung. Was der Junge immer als Brandaustreter leistet, wenn er irgendwo rein geworfen wird, ist aller Ehren wert.

Genauso würde uns mal interessieren, wie viele echte Zweikämpfe Avevor so gewinnt. Machen wir uns nichts vor: Die meisten Zweikämpfe sind eher Drei- oder Vierkämpfe, weil ein weiterer Spieler Wege zustellt und dadurch erst den Zweikampf ermöglicht. Wenn es wirklich 1 gegen 1 geht, dann hat der Verteidiger eher eine 50-Prozent als eine 75-Prozent-Chance. Avevor rangiert da schon seit Wochen bei ca. 95 Prozent. Ja, der Junge ist kein feiner Techniker und ein „moderner“ Verteidiger, der dann auch noch locker aus dem Fußgelenk das Spiel aufbaut, wird er auch nicht mehr. Aber egal. Diese Fähigkeit und seine Schnelligkeit sind gerade Gold wert.

Letztes individuelles Lob ist für Neudecker reserviert. In unserer Offensive läuft vieles nicht rund. Insbesondere wirken die Laufwege überhaupt nicht aufeinander abgestimmt, was in Spiel 2 der Saison okay wäre, in Spiel 23 echt problematisch. Auch hat man häufig das Gefühl, dass der jeweils ballbekommende Spieler erstmal überlegen muss, was er eigentlich jetzt mit dem Gerät machen will. Nicht so bei Neudecker. Auch bei ihm klappt nicht alles, aber man hat immer das Gefühl, dass der schon 20 Sekunden vorher genau weiß, was er nun mit dem Ball anstellen will, der da gleich zu ihm kommt. Schulle nannte das im Millernton-Podcast mal „Vororientierung“ und das ist Neudeckers große Stärke.

Die erste Halbzeit verläuft sehr zäh und da könnten wir uns auch nicht über ein Nürnberger Tor beschweren. In der zweiten Halbzeit zeigen unsere Jungs ein wirklich gutes Spiel, haben viele Chancen und aussichtsreiche Bälle, aber scheitern an Pech, Torhüter und auch eigenem Unvermögen. Aber sonst stimmt der Einsatz und es ist auch häufig genug so etwas wie Fußball zu sehen. Darauf lässt sich aufbauen.

ABER: Die Jungs müssen konstant werden, so etwas auch aufrufen können, wenn der Gegner Heidenheim heißt und der Gästeblock leer ist oder das Stadion ein erweiterter Dorfplatz. Man lebt eben nicht nur von den Highlights.

Und es ist schon ärgerlich am Ende dem Aufsteiger Nürnberg vier Punkte abzuringen und trotzdem nicht annähernd was mit dem Aufstieg zu tun zu haben.

Ach ja – Party!

Wir feiern Geburtstag. Und zwar am 22.06.2018 in den Fanräumen. Geboten wird eine Lesung der besten Texte, Musik unserer Hausband (Link) und danach Disco. Vielleicht auch noch ein paar Überraschungen. Tragt es auch in den Kalender ein. Oder in eurer Facebook.

Der Eintritt ist frei, ggf. sammeln wir Spenden.

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Jan 302018
 

Wir sehen in vier Tagen im Endeffekt das gleiche Spiel. Frühe Führung der Gäste durch einen Schuss, bei dem es auch viel Glück braucht, um ins Tor zu gehen. Danach drückt die Heimmannschaft und ist nach der Spielstatistik hoch überlegen. Aber am Ende jubeln die Gäste.

Wäre ja alles schön und gut, hätte nicht der geliebte Verein am Millerntor eine Horrorbilanz.

Aber lassen wir das Sportliche und erwähnen das Drumherum.

Dresden

oder: Der K-Block auf Kuschelkurs?

Unser erster Besuch in Dresden ist wohl jedem unvergesslich. Wir erwähnen nur Bauhelme und Laufen zu den Bussen mit 1000 Dresdenern hinter einem, die nicht freundlich mit einem Bier trinken wollen.

Zwar hat man immer noch Respekt, aber auch hier ändern sich die Zeiten. Und sei es nur, dass die Polizei nun ein Konzept hat mit einem Parkplatz für Gäste und einem Busshuttle.

Üblich in Dresden ist die Ansammlung von komischen Typen, die abhitlern. Aber auch hier ändert sich etwas. Früher taten sie dies ungestört, nun werden sie gegangen. Früher standen da Steriodberge, nun eher Jungs, mit denen wir es aufnehmen könnten. Und wir können es mit niemandem aufnehmen.

Vor dem Spiel kann ein Mädel der Schwarz-Gelben Hilfe über das Stadionmikrophon und die Leinwand einen Soliaufruf verlesen, der auch sehr DFL- und polizeikritisch ist. Stark. Und vom Gästeblock wird der mit „Ganz Hamburg hasst die Polizei“ kommentiert. Hintergrund sind Hausdurchsuchungen nach der Karlsruhe-Nummer. Nicht etwa bei Leuten, die sich dort was zu Schulden kommen ließen, sondern bei den vermeintlichen Organisatoren des Fanmarsches.

Leider finden wir nun auf die Schnelle keine weiteren Details im Internet.

Da sich anscheinend auch in Dresden die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass Frauen in Fanszenen gehören, lässt man inzwischen auch sexistische Plakate gegen unsere Mädels sein. Ab jetzt immer so?

Andererseits: Wo kämen wir denn dahin, wenn man kein doofes Plakat mehr im K-Block sieht? Das gezeigte „Andy Grote immer noch einer von euch!“ unterschrieben mit „Adorno-Kreis 1953“ ist ja auch noch richtig und lustig.

Der K-Block bleibt absolut ein beeindruckendes Erlebnis. Zwar nicht mehr 100-Prozent-Mitmachquote wie früher, aber immer noch die lauteste Kurve in Deutschland.

Und das ohne einen einzigen Ordner im Block. Wie das mit den Versammlungsbehörden funktioniert, verstehen wir nicht.

Nach dem Spiel dann viel Wartezeit. Und so gut ein Konzept ist und so gut auch die Idee ist, Leute nicht kreuz und quer an den Shuttlebussen längs laufen zu lassen: Man kann so einen Lautsprecher auch mal für Durchsagen nutzen. Sonst wird man ständig von der Polizei vollgelabert, aber hier erfährt man nix. Da aber alles ganz entspannt sind, bleibt es alles stressfrei.

Darmstadt

oder: Dinge, so viel wichtiger als Fußball

Das ist die wirkmächtigste Choreo aller Zeiten. Würdevoller und beeindruckender könnte das Gedenken nicht sein. Danke dem Verein für die Videobotschaft und Danke den 29.500 Zuschauern für eine absolut stille Schweigeminute, während die Spieler einlaufen. Bilder bei Groeni.

Sonst heult noch die GDP rum, dass sie ohne Akkreditierung nicht ihren Bullettenbomber im Stadion parken durfte. Link schenken wir uns. Sucht selber. Dazu folgende Feststellungen:

  1. Auch Polizeigewerkschaften können sich mal an Höflichkeitsregeln halten. Man geht nicht uneingeladen auf eine Party. Oder wenn man es macht, jammert man nicht, das man rausfliegt. Das gilt auch wenn früher alles besser war.
  2. Gewerkschaft ungleich Polizei. Kein öffentlicher Auftrag.
  3. Arbeitgeber ist die Stadt Hamburg, die muss gewerkschaftliche Arbeit ermöglichen. Und die hat Fläche genug ums Stadion. Nörgelt da.
  4. Wenn es noch das „Ihr wart gegen den Antifa-Kongress also nein“ gegeben hat, was die gdp zitiert, dann ist das ein Bonus.

Beim Torjubel fällt ein Darmstädter unglücklich und verletzt sich schwerer. Hoffentlich ist inzwischen alles gut. Gute Besserung an dieser Stelle! Sehr gut, dass auch der Heimbereich den Support (vorerst) einstellt, als er merkt, was passiert war.

MagischerFC St. Pauli vs. Darmstadt Januar 2018

Fußball gibt’s auch. Aber hätte nicht müssen.

Zuletzt seht ihr in Groenis Fotos ein komisches Plakat in der Nord. Irgendwas mit Gewalt. Hat das jemand ganz gelesen? Oder weiß jemand was das sollte? Bevor wir das bewerten, bitten wir um Infos. Danke

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Jan 182018
 

Die DFL hatte Neujahrsempfang und Herr Seifert nutzte dies um ein paar Schlagzeilen zu produzieren. Hier mal nach RP Online zitiert. Das ganze klingt wie ein Horrorprogramm für Fußballfans und ist es auch. Nähern wir uns dem ganzen mal ohne die Emotionenbrille. Herr Seifert ist bei der DFL für die operative und strategische Ausrichtung zuständig. Es lohnt sich also, mal einen genaueren Blick auf einige Zitate zu werfen. (alle zitiert nach dem oben verlinkten Artikel)

Der Anspruch der Bundesliga

„Von daher muss es auch der Anspruch der Bundesliga sein, im Wettbewerb der besten Ligen der Welt zu bestehen“ und ergänzt dann „Nur wenn wir dauerhaft eine intakte Spitze haben, bestehend aus mehreren Klubs, die europaweit mithalten können, erfüllt die Bundesliga dieses Versprechen.“ und „Wir brauchen Leuchttürme – und wir müssen uns zu ihnen bekennen. […] Nur wenn die Qualität an der Spitze der Bundesliga anerkannt ist, wird sie auch so honoriert, und dann profitieren alle anderen – die gesamte Bundesliga, die 2. Liga und die Amateurbasis.“

Spannend ist, dass er später das mit den Amateuren wieder zurücknimmt, dies nur mal am Rande.

Aber sehen wir es uns genauer an. Der Anspruch der Bundesliga (also dem Zusammenschluss von 18 Profivereinen/AGs/GmbHs/KGaAs und was noch immer; nebenbei nur 50 % der Körperschaften, die Herr Seifert vertritt, muss es also sein, international „zu bestehen“. Meint: Eine deutsche Mannschaft soll in der Champions League und in der Europa League um den Sieg mitspielen können.

Wir können uns nicht helfen, aber wir würden nun gerne in Mainz, Freiburg, Augsburg, Frankfurt etc. pp anrufen und fragen, ob eigentlich ihr wichtigster Anspruch ist, dass der Deutsche Meister um den Champions-League-Sieg mitspielen kann, und ob sie bereit wären, dafür eine „dauerhaft intakte Spitze“ zu haben. Vielleicht würde man uns antworten: „Ganz ehrlich: Wenn wir es mal werden, dann natürlich ja; aber die Chancen, dass wir es werden, sind eher gering, daher: Nö!“.

In unserem jugendlichen Leichtsinn hätten wir auch immer gedacht, dass die Aufgaben andere sind. Zumindest findet sich in § 4 der Satzung des DFL e.V. folgendes:

§ 4
Zweck und Aufgabe
1. Zweck und Aufgabe des DFL e.V. ist es insbesondere,
a) die ihm seitens des DFB zur Nutzung überlassenen Vereinseinrichtungen Bundesliga
und 2. Bundesliga (Lizenzligen) zu betreiben und die Fußballspiele in den Lizenzligen
nach den internationalen Fußballregeln auszutragen unter Berücksichtigung der
verbindlichen Auslegung durch den DFB.
b) in Wettbewerben der Lizenzligen den deutschen Fußballmeister des DFB, die Aufund
Absteiger sowie die Teilnehmer an den internationalen Wettbewerben zu
ermitteln sowie andere von ihm veranstaltete Wettbewerbe unter Teilnahme der
Mitglieder durchzuführen.
c) die Lizenzen an Vereine und ihre Kapitalgesellschaften nach den im Einzelnen im
Ligastatut, insbesondere in der Lizenzierungsordnung und den entsprechenden
Anhängen geregelten sportlichen, rechtlichen, personellen und administrativen,
infrastrukturellen und sicherheitstechnischen, medientechnischen sowie finanziellen
Kriterien zu erteilen.
d) die Lizenzen an Spieler nach im Einzelnen im Ligastatut, insbesondere in der
Lizenzordnung Spieler geregelten Kriterien zu erteilen.
e) die sportlichen und wirtschaftlichen Interessen der Mitglieder als
Solidargemeinschaft gegenüber Verbänden und sonstigen Dritten wahrzunehmen.
f) den Fußballsport und seine Entwicklung, vor allem in seinem Jugendbereich, durch
die Bildung und Unterhaltung von Leistungszentren und eine qualitativ hohe
Ausbildung talentierter Nachwuchsspieler zu unterstützen und zu fördern.
g) in Anerkennung der sozialen und gesellschaftspolitischen Bedeutung des
Fußballsports Aktivitäten durchzuführen.
h) das Dopingverbot zu beachten und entsprechend den vom DFB erlassenen
Bestimmungen durchzusetzen, um Spieler vor Gesundheitsschäden zu bewahren
und Fairness im sportlichen Wettbewerb und Glaubwürdigkeit im Fußballsport zu
erhalten.
i) die Interessen der Mitglieder als Arbeitgeberverband gegenüber
Arbeitnehmerverbänden wahrzunehmen, einschließlich des Abschlusses von
Tarifverträgen.
Der DFL e.V. verfolgt nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke.
2. Zur Aufgaben- und Zweckerfüllung hat der DFL e.V. die DFL Deutsche Fußball Liga
GmbH gegründet. Die Abgrenzung der Aufgaben von DFL e.V. und Gesellschaft im
Einzelnen ergibt sich aus der Satzung und dem Gesellschaftsvertrag.

In der Satzung der GmbH findet sich nichts weiter Erhellendes. Was sich nirgendwo findet ist, dass sich die DFL für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der „dauerhaften intakten Spitze“ verantwortlich fühlen soll.

Woher nimmt Herr Seifert also diesen Anspruch? Weil er ihn mit Vermarktung begründet. Und er meint, die Vermarktung geht nur dann gut, wenn die Bundesliga in der Champions League oben mitspielt und damit Aufmerksamkeit erzeugt. So seine Logik. Und dann würden alle was von diesem größeren Kuchen abbekommen. Das nennt man im englischen „Trickle-Down-Theorie“ und kennt man aus der Wirtschaftsideologie. Wo dies a. nachweislich nicht klappt und b. auch von Ökonomen kritisiert wird. Warum also sollte es in der Bundesliga klappen? Nach einer Vorbemerkung werden wir versuchen zu zeigen, dass es nicht klappen kann.

Der doppelte Wettbewerb

Nein, wir sprechen hier nicht von Pokal und Liga. Wir haben in Europa im Fußball eine sehr absurde Situation. Vereine wie Bayern sind einem doppeltem Wettbewerb ausgesetzt. Den einen brauchen sie, um sich für den anderen zu qualifizieren. Soweit so gut. In dem anderen, der Champions League, konkurrieren sie mit Vereinen, die unter ganz anderen nationalen Regeln spielen. Dies fängt bei 50+1 an, geht über nationale Steuer- und Sozialversicherungsgesetzgebungen bis hin zu unterschiedlichen Einnahmemöglichkeiten. Das wird nebenbei mit dem Brexit nicht besser. Man stelle sich nur vor, England eifert den USA als Steuerparadies der Reichen nach. Dann ist das für Fußballprofis gleich mehr Netto fürs Brutto. Und das müsste der FCB alles mit bezahlen. Denn den Spieler interessiert am Ende – zu Recht – Netto.

In diesem internationalen Wettbewerb wollen die Bayern bestehen. „Um den Titel mitspielen“. Das kann man irgendwo verstehen. Würden wir 100.000 Bayern Fans fragen, ob es für sie okay wäre, in der CL grundsätzlich nicht viel Hoffnung über die Vorrunde hinaus zu haben, dann würde wohl eine solide Mehrheit sagen: „Jo, das reicht uns nicht.“ Warum sollte man auch in einem Wettbewerb mitmachen und horrende Eintrittspreise bezahlen, bei dem man nicht zumindest eine gewisse Chance auf den Titel hat? Klar, aus Kuriosität kannst du da mal mitmachen, wenn du z. B. KAA Gent oder FK Qarabağ bist, aber spätestens bei der dritten Teilnahme ist der Zauber von Real Madrid verflogen, wenn die dich jedes Mal 6-0 abballern. Und noch schwieriger wäre so etwas, wenn es schon mal anders war. Auch Sponsoren wirst du das nicht verkaufen können als FCB.

Und jetzt kommt das Problem: Es gibt nicht wirklich finanzielle Regeln in der Championsleague. Gäbe es da z. B. die Regel, dass jeder Verein höchstens 200 Mio. Gehalt an alle gemeldeten Spieler zahlen dürfte, dann hätten wir die Diskussion nicht. Und ein weiteres Problem: Die Champions League an sich bezahlt deinen Kader nicht. Selbst ein in der jungen Vergangenheit sehr erfolgreicher Verein wie der FCB bekommt aus dem Gebilde Champions League nicht genug Geld, um damit garantiert einen wettbewerbsfähigen Kader herzustellen. Dieses Geld muss er national erwirtschaften. Bei unterschiedlichen Regeln.

Und kommt nun nicht mit „Financial Fair Play/FFP“. Einen größeren Witz gibt es nicht.

Das ist ein absoluter Webfehler bei der Schaffung der Champions League.

Was ist eigentlich das Produkt? Wie hält man es attraktiv?

Und damit sind wir bei der alles entscheidenden Frage. Welches Produkt vermarktet die DFL eigentlich? „Die Bundesliga“, würde man oberflächlich sagen. Welches Produkt vermarktet eigentlich die UEFA? „Die Champions League“, würde man oberflächlich sagen.

Wann sind diese Produkte attraktiv? Wenn sie Entertainment liefern. Einer der besten Faktoren, um als Sport Entertainment zu liefern? Ein vorher offenes Ergebnis. Ja, liebe Lesende, die Gewissheit der Ungewissheit, das „you never know what you get when you go to a ballpark“ ist eine der absoluten Triebfedern des internationalen Sports. Eine weitere ist, dass man am besten einen Vergleich der besten Künstler des jeweiligen Sports sieht.

Dies ist ganz einfach dann zu erreichen, wenn du wie im US-Sport eine Liga hast, die finanziell alle anderen Versuche diesen Sport zu betreiben um das 1.000-fache überragt. Du hast alle guten Spieler dieser Welt in einer Liga, diese Liga ist dazu auch noch abgeschlossen und sie kann daher dafür sorgen, dass die Konkurrenz so ausgeglichen wie irgendmöglich ist. Weil du nur einen Wettbewerb hast. Im Fußball ist das nicht so.

Selbst in der Champions League gibt es diesen ausgeglichenen Wettbewerb nicht mehr wirklich. Das sieht man an den immer gleichen Viertelfinalisten, den eigentlich immer gleichen Mannschaften, die sich in der Vorrunde durchsetzen. Nein, so wie das eben gesagt war, stimmt es noch nicht ganz, denn ein gewisser Austausch findet noch statt. Aber dieser kommt häufig genug nicht organisch, sondern wird künstlich unter Ignoranz des FFP hergestellt. Das ist kein Zeichen für einen gesunden Wettbewerb.

In der Bundesliga müssen wir ob der Dominanz der Bayern von einem Wettbewerb um die Meisterschaft nicht mehr reden. Bayern müsste schon sehr viel falsch machen, um nicht Meister zu werden, und selbst in einer Saison, wo sie einen uralten Ribery mit durchschleppen, laufen sie der Bundesliga davon.

Ist das attraktiv für das Produkt?

Wir lassen diese Frage mal so stehen, denn wenn Herr Seifert von einer „dauerhaft intakten Spitze“ spricht, dann will er nicht nur, dass Bayern Meister wird, sondern, dass auch die internationalen Plätze grob immer von den gleichen Mannschaften belegt werden.

Ist eine Liga noch attraktiv, in der in 90 Prozent der Fällen die Plätze 1 bis 6 von 8 sich abwechselnden Mannschaften belegt werden?

Die Frage zu stellen, ist wohl sie zu verneinen.

Natürlich liegt dem Fußball ein extremer Zufallsfaktor zugrunde, sodass auch ein Freiburg mal eine Saison Platz 4 belegen kann. Aber wenn ich die finanziellen Mittel immer mehr an die „dauerhaft intakte Spitze“ als Leuchttürme verteile, dann passiert dies eben nicht mehr in 10 Prozent aller Saisons, sondern nur noch in einem Prozent.

Ist das attraktiv? Ist es für Freiburg noch sinnvoll, in einem Wettbewerb mitzumachen, wo das Top gar nicht mehr erreichbar scheint?

Wahrscheinlich nicht.

Mal der Vergleich zum US-Sport

Mag jetzt unsere Filterblase sein, aber die Akzeptanz des US-Sports hat in den letzten Jahren unter europäischen Fußballfans stark zugenommen. Obwohl es ein ganz anderes System ist, ist die Begeisterung groß und wenn man Sonntagabend auf Twitter NFL (und Tatort, aber das ist ein ganz anderes Thema) stummschaltet, dann bleibt nicht viel übrig an Themen, welche die Menschen beschäftigen.

Dabei ist das eine Liga, in der eklige, meistens rechte Milliardäre ihre Spielzeuge gegeneinander spielen lassen, und wenn die Öffentlichkeit kein neues Stadion bezahlt, dann zieht man halt um. Alles Dinge, die der normale Fußballfan -zu Recht – eklig findet. Aber das Produkt stimmt. Es verspricht Spannung und wenn ich nicht gerade die Cleveland Browns oder die Chicago Cubs in mein Herz geschlossen habe, wird mein Team auch mal um einen Titel mitspielen in meiner Lebenszeit. Oh wait. Selbst die Cubs haben es geschafft, mal zu gewinnen. Es besteht also noch Hoffnung für die Browns.

Kurz: Das Entertainment stimmt. Komischerweise ohne eine „dauerhaft intakte Spitze“. Nebenbei: In den USA wird schon gemeckert, dass ca. 1/3 der Teams im Baseball zur Zeit kurzfristig nicht gewinnen will. Jammern auf hohem Niveau.

Aber / Beste Spieler!

Trotzdem könnte die Bundesliga nicht so ein System schaffen. Zwei Gründe gibt es dafür: Grund 1: Der Auf- und Abstieg. Grund 2: Entertainment will die besten Künstler. Und wenn keiner dieser besten Künstler mehr in der Bundesliga spielt, dann kann die noch so sehr das Geld gleich verteilen, Bayern auch mal absteigen und Freiburg Meister werden. Die öffentliche Aufmerksamkeit würde zurück gehen, wenn jeder Star sofort woanders spielen würde. Der Webfehler von oben zerstört dies alles.

Catch 22?

Wahrscheinlich steckt „die Bundesliga“ in einem ausweglosen Dilemma. Wenn sie international konkurrieren will, dann muss sie eine „dauerhaft intakte Spitze“ formen. Wenn sie dies jedoch macht, dann macht sie den Wettbewerb unter ihren 18 Mitgliedern unattraktiver. Nur noch durch Eingriffe von Außen (Investor) wäre überhaupt eine Verschiebung des Wettbewerbes möglich. So oder so: Besser vermarktbar wird das Produkt dadurch nicht.

Gibt es einen Ausweg?

Vielleicht? Ausweg Nr. 1: So viel Geld generieren, dass für alle genug da ist. Das ist so ein bisschen das englische System. Wenn selbst Freiburg 400 Mio. überwiesen bekommt vom Fernsehen, dann muss der Abstand zu Bayern nicht so groß sein, dass Bayern immer gegen Freiburg gewinnt. Unwahrscheinlich, dass dies erreichbar ist. Gerade in der internationalen Vermarktung hat die Premiere League immer den Vorteil der Popkultur und der Stellung Englands in der Popkultur. Diese finanziell zu überpowern, ist zumindest schwierig.

Vielleicht gäbe es einen Ausweg. Wenn man z. B. seine Rechte nur noch über Ligapässe (ähnlich der NFL) verkauft, eine Gleichverteilung vornimmt und spannenden Sport jedes Wochenende zeigt. Wobei es dann wahrscheinlich notwendig wäre, ein closed shop von 18, 36 (oder 56?) Vereinen draus zu machen. Ob man mit so einem System genügend internationale Aufmerksamkeit bekäme? Und was würde England hindern, dieses System nachzuäffen und dann wieder den Popkulturfaktor für sich zu haben?

Oder die Champions League müsste sich ändern. Closed Shop mit festen Gehaltsobergrenzen und begrenzten Kadergrößen? Das ist genauso Horror, würde aber wahrscheinlich zumindest einen spannenden B Wettbewerb erbringen.

Was sagt Herr Seifert noch?

„Wer internationale Zweitklassigkeit nicht so schlimm findet, wird sich, schneller als manche denken, in der internationalen Bedeutungslosigkeit wiederfinden. Mit allen Konsequenzen für das gesamte System Fußball in Deutschland.“

Da hat es wahrscheinlich nicht nur Unrecht. Siehe oben

50 + 1

Zu 50 + 1 sagt Seifert: (Dies zitiert nach Reviersport )

„Im Umgang mit der 50+1 Regel, die sich ausdrücklich nicht auf die Gemengelage bei Hannover 96 bezog, forderte Seifert eine ehrliche Diskussion. Ein soziales Miteinander inklusive Mitbestimmung schließe sich mit dem Einräumen von Investorenrechten doch nicht aus. Eines könne er garantieren: ‚Niemand will einen komplett freien Markt, in dem sich Investoren austoben und bedienen. Fußball darf kein Spiel ohne Grenzen sein – und erst Recht kein Monopoly.'“

Seien wir ehrlich: Das ist Bullshit. Das ist „wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“. Es gibt entweder Mitbestimmung oder Investorenrechte. Im Kapitalismus bestimmt derjenige, der bezahlt. Punkt. Und die Soziale Marktwirtschaft im Sinne eines Ludwig Erhards ist – abgesehen von ein paar Lippenbekenntnissen – gescheitert und von dem eigenen geschaffenen Monster abgeschafft worden.

Sagen wir, wie es ist: 50 + 1 wird fallen. Nur muss niemand glauben, dass dann sofort Heidenheim, Sandhausen, Aue etc. pp mit frischen Millionen aus Katar, Sinsheim oder vom Mars die Bayern angreifen. Auch in einem System ohne 50 + 1 kann z. B. der FCSP bestehen. Warum? Siehe Bericht zur MV.

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Jan 162018
 

 

Wer im Fußballkosmos twittert, wird wahrscheinlich schon einmal Bekanntschaft mit Mirco gemacht haben. Ein äußerst freundlicher Herr, der für seine Arbeit in Deutschland rumreist, die Fortuna mag und früher ein, zwei anzügliche Witzchen auf Twitter hinterließ; und zumindest auch virtuelle Bekanntschaft mit seinem Sohn. Zusammen sind sie als die Wochenendrebellen unterwegs und suchen einen Verein für den Sohn. Warum dies so ist, können die beiden besser erklären als wir es könnten, daher lest das lieber hier: 

Vielen von uns wurde ja der Verein „in die Wiege gelegt“ oder wir sind mit Kumpels hingegangen und hängen geblieben (meistens haben die Kumpels von damals schon lange den Absprung gefunden). Schön, dass dies hier nicht so ist, denn die – bisher – erfolglose Suche füllte jahrelang einen wundervollen Blog und nun ein ganzes Buch aus dem Mirco in den Fanräumen vorlas. Leider ohne seinen Sohn, dem aber der Urlaub, den er gleichzeitig vollendete, gegönnt sei.

Die Veranstalter hatten im Vorfeld ein gepflegtes „nimm du ihn, ich hab ihn sicher“ hingelegt, so dass erst mal Getränke vom Museum organisiert werden mussten (Danke, dass so etwas im FCSP-Kosmos immer unbürokratisch möglich ist) und alle Frühkommer Stühle aufbauen mussten, durften, sollten. Egal. Dass sich der Verfasser dieser Zeilen am Ende hinter dem Mischpult wieder fand, war jedoch der Qualität der Veranstaltung ein wenig abträglich. Man könnte auch sagen, dass eine fiese Rückkopplung mitten in der Diskussion die Schuld des Schreibenden war.

Insgesamt gut 3 Stunden (ohne Pause, nur Wagner-Opern machen sonst so lange keine Pause) nahm sich Mirco Zeit für Vorlesen und für das Beantworten von diversen Fragen. Anders als bei einer Wagner Oper jedoch guckte niemand auf die Uhr, denn was Mirco auszeichnet, ist seine unterhaltsame Art. Der junge Mann hätte auch als Entertainer sein Geld machen können oder die Leute durch das Vorlesen des Telefonbuchs unterhalten können. Das Talent hat er. Womit wir das Fazit schon hier gegeben hätten.

Die gelesenen Kapitel machten Lust auf mehr. Sie behandelten Ausflüge zu gesehenen Fußballspielen und die Sichtweise eines Außenstehenden alleine, die sehr auf Details achtende Beobachtungen der Beiden und auch die skurillen Erlebnisse, die man einfach hat, wenn man zu vielen Fußballspielen fährt, brachten im Publikum viele Lacher. Besonders eindrucksvoll ist, dass das Buch teilweise auch Fanszenen und Fußball den Spiegel vorhält. Vieles wird von uns nicht hinterfragt oder einfach so hingenommen, seien es nun Spielerkreise, Verhalten im Suff oder anderes.

Mirco las auch das Kapitel vom Besuch am Millerntor vor, wo die beiden das „Vergnügen“ hatten, noch in der alten Nordtribüne das Spiel zu verfolgen und dann noch ein Sitzklo benötigten. Wer jemals in der alten Nordkurve eine Begegnung verfolgt hat, der weiß, dass dies dort eher schwierig bis gar nicht zu finden war.

Nur einmal wich die allgemeine Heiterkeit. Als Mirco das Kapitel über seine Frau und Tochter vorlas. Und damit eine wirklich schöne und rührende Liebeserklärung.

Die erbetene Spende geht zugunsten der Neven-Subotic-Stiftung, die sich mit ähnlichen Themen wie VcA beschäftigt. Die beiden haben sich als Ziel gesetzt, einen vollständigen Brunnen zu finanzieren. Mirco meinte, so lange müsse er nun durch die Republik touren und lesen. Vielleicht irgendwann mit Band 2? Weitere neue Geschichten von den Abenteuern würden wahrscheinlich nicht nur die Twitterfollower der beiden gerne lesen.

Schön zu sehen, dass Fans aller bedeutenden Vereine Hamburgs (also von St. Pauli und Falke) anwesend waren und auch ein paar Anhänger der Volkspark AG sich „ins Feindesland“ wagten. Die freundschaftlichen Gespräche nach der Veranstaltung legen fast den Gedanke nah, dass es zwischen FCSP und dem Volkspark freundschaftliche Kontakte gibt.

Weitere Lesungen findet ihr hier.

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Dez 192017
 

Heimsieg. Dieses Gefühl morgens, leicht übermüdet mit einem Grinsen aufzuwachen. Die Älteren werden sich daran erinnern. Aber es gibt dieses Gefühl noch.

Montagsspiele beginnen spät. Und doch ist es zunächst leer an den Eingängen ins Millerntor. Und es bleibt auch vergleichsweise leer. Wahrscheinlich hält eine Kombination von Montag, kalt und vielleicht schon im Weihnachtsurlaub in Verbindung mit weniger erbaulichen Ergebnissen (Erfolgsfans!) doch ein paar Menschen ab, das Millerntor zu besuchen.

Diese Lücken müssen genutzt werden, sodass es eine Premiere gibt. Alle drei Schreiber dieses Blogs stehen wirklich maldirekt nebeneinander. Das ist schön und die Liebe sprudelt nur so über. So doll, dass in unserem Umfeld jemand nach 22 gemeinsamen Jahren nun heiraten wird. Glückwunsch.

In einer Situation, in der die Zahl der gesunden Stammspieler deutlich kleiner ist als die Anzahl der Plätze auf dem Platz, vertreibt man sich die Zeit bis zur offiziellen Aufstellung gerne mit Gedankenspielen, wie man denn nun aus den verbleibenden Spielern eine Elf formen könnte. Wildere Ideen wie Lasse als Sturmtank oder Allagui als zentraler 10er werden angedacht und wieder verworfen, bis die offizielle Aufstellung kommt. Und warte mal, da ist doch der Allagui der zentrale 10er. Schneider als Sturmspitze und als völlige Überraschung Yi-Young Park als zweiter 6er. Rückkehr zum alten 4-2-3-1? Findet unsere Zustimmung! Alles andere wird sich zeigen.

Bochum macht den Gästeblock voll …

… aber aus diversen Gründen leider nicht stimmungsvoll. Da ist im Verein (und das ist er noch) ziemlich viel im Argen, man versucht als ungefähr 100ster Verein eine Ausgliederung, die direkt mindestens zur Deutschen Meisterschaft führen soll, und der Sportchef Christian Hochstätter scheint auch nicht gerade beliebt zu sein. Man legte ihm doch relativ unverblümt nah, sich zu „verpissen“.

Das scheint dann wieder der Hamburger Polizei nicht zu gefallen, die mit einem kleinen Trupp das Transparent vom Zaun zuppelt und für Hektik am Gästeblock und doch einem auch für Millerntorverhältnisse ziemlich lauten „Ganz Hamburg hasst die Polizei“ führt. Nun sind wir keine Experten für den Streitstand in Bochum, aber so ein Plakat kann man auch mit einem Schulterzucken kommentieren und einfach weitermachen, liebe Polizei.

In der Süd fehlen auch lange die Banner, was erst einmal für Fragen sorgt. Hat wohl damit zu tun, dass Routinen durchbrochen werden sollen. Müssen die Mädels und Jungs in der Süd dann selber analysieren, ob es was gebracht hat.

MagischerFC St. Pauli vs. VfL Bochum Dezember 2017 Flyer

Das erklärt’s vermutlich

Zumindest die Gegengerade ist zunächst ruhig wie lange nicht mehr zu Beginn. Das war aber wahrscheinlich nicht das Ziel, oder? Lieber Supportblock. Wir lieben euch. Tief und innig. Aber bringt bitte die Trommel wieder mit, ja? Und lasst euch nicht von irgendwelchen Suffpaulis davon abhalten.

Erst später entwickelt sich eine vernünftige Millerntorstimmung und das liegt auch an dem Geschehen auf dem Platz, denn dort liefern die Boys in Brown das, was man von einem braun-weißen Team sich wünscht. Ein Fight bis zum Umfallen. „ENDLICH!“, will man ausrufen. Da werfen sich Spieler in Wege, da werden die Extra-Meter gegangen und da wachsen Spieler an ihren Aufgaben. Exemplarisch sei hier Park genannt, der erst unsicher ist und schnell Gelb kassiert,was früh schon zu Warmmachübungen von Auswechselspielern führt. Und der dann Minute für Minute sicherer wird, sich reinkämpft und am Ende ganz abgeklärt die Bälle klar macht. Wow!

Schneider vorne als Rennmaus mit unfassbaren Wegen und klar, das mag nicht wirklich effektiv sein, aber so wie er das macht, ist das schon cool. Und er kann dabei auch noch Bälle festmachen und weiterleiten. Und immer wieder ein Unruheherd, ein Störenfried. Und so können unsere Jungs endlich mal mit Dampf auf die letzte Abwehrreihe kommen, können so Freistöße ziehen, es entsteht mal Hektik beim Gegner und vor dessen Box. Wann hatten wir dies zuletzt am Millerntor? Ein Freistoßtrick mit ein bisschen Glück, ein klasse Konterpass von Cenk und ein tapferes Schneiderlein (kommt Leute, auf den habt ihr doch schon seit Wochen gewartet), der den Ball versenkt. Zack 2-0 nach 49 Minuten.

Verbesserungspotential gibt es trotzdem noch. So will man Allagui beim Umschaltspiel defensiv anschieben, denn da nimmt er doch immer etwas zaghaft teil. Und seine offensiven Geistesblitze sind nicht so, dass er sich das erlauben kann. Ehrlich gesagt ist das häufig zu eigensinnig, zu lässig oder beides. Da wird dran zu arbeiten sein, denn das Potential ist garantiert da. Ach ja: Kann dem bitte mal jemand Abseits erklären?

Die restliche Zeit ist auf die Uhr gucken angesagt

Denn Bochum schmeißt sich wütend rein und hat auch ein, zwei brenzliche Dinger. Aber außer einem Flipperball kommt nix ins Tor. Und das liegt insbesondere an zwei Spielern: Das, was Jackson und Lasse da raus schädeln, rausgrätschen, rausdreschen, irgendwie rausmachtn, das ist schon der Hammer. Sowieso: Wieviele Lasses stehen bei uns auf dem Platz? Gefühlt schädelt der eben noch hinten rechts den Ball weg, um 0,3 Sekunden später vorne Links den Flankenlauf zu starten.

Ja, man könnte auch mal das 3-0 oder 3-1 per Konter machen, aber das üben wir dann noch mal an einem anderen Tag, nech?

Doof nur: Nach 80 Minuten ist der Akku aller Braun-Weißen bei 1 %. Es kommt dann aber die elegante Rettung in Person von Jan-Philipp Kalla. Als Ein-Mann-Abfangjäger und Konterspieler beschäftigt er Bochum und sorgt auch noch für eine numerische Überzahl unserer Braun-Weißen. Weihnachtliche Zimtschnecke! Wir sind ja so oder so Fanboys, aber heute macht Kalla wirklich eine ganze Menge richtig. So etwas will man von der Bank sehen!

MagischerFC St. Pauli vs. VfL Bochum Dezember 2017 Anzeige

We love the smell of Heimsieg in the evening

Der Rest ist Jubel, ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk und neun Punkte bis Platz 2. Nein, wir sind nicht größenwahnsinnig, aber mit der Leidenschaft dieses Abends kann diese Mannschaft ganz viel erreichen. Jungs, ihr könnt das!

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Dez 112017
 

Es ist Sonntag, 16.22 Uhr und jemand ruft von hinten:

„Wir kommen aus dem Norden,
wir rauben und wir morden,
wir waschen uns nie
Sankt Pauli!“

Gab’s auch ’ne Weile nicht mehr. Ich stapfe über das pfützige Heiligengeistfeld, Grünkohl und ein paar Bier im Leib, feuchte Schneeflocken erinnern an die Unbarmherzigkeit des Dezembers und ich frage mich: Was war das jetzt?

Vermutlich ist es zu früh, diese Frage zu stellen

Es liegen turbulente Wochen hinter uns, vermutlich genau so wie vor uns. Vor einer halben Woche entschied sich der FCSP, die personelle Reißleine zu ziehen (fünf Euro ins Phrasenschwein) und den Trainer auszutauschen. Wird kaum jemanden überrascht haben, nach zwei so derben Klatschen müssen in diesem Fußballzirkus, dessen Teil wir trotz aller Besonderheiten wir nun mal sind, einfach sein – und wenn sie auch symbolisch sein mögen.

Natürlich reicht eine halbe Woche nicht, um ein ganzes, offensichtlich fehlgeschlagenes System auf dem Kopf zu stellen und plötzlich leichtfüßigen Fußball spielen zu lassen, der Herzen und Spiele gewinnt. Das konnte nicht passieren und passierte auch nicht. Immerhin, da ist ein Punkt, da ist keine demütigende Klatsche – aber so richtig doll nützt es uns nicht. Zu früh, um was Wegweisendes beobachten zu können.

Fassen wir uns da lieber an die eigenene Nase

Und beginnen wir mit dem Schönen. Die von je her aufopferungsvollen Menschen auf der Süd haben anlässlich des 15-Jahre-Jubiläums von Ultrà Sankt Pauli noch mal richtig in die Trickkiste gegriffen und eine Choreo von einem anderen Stern auf die Kurve gezaubert. Lassen wir das Bild für sich sprechen.

MagischerFC St. Pauli vs. MSV Duisburg Dezember 2017

Choreo von einem anderen Stern

Kleine Erläuterung nebenbei, denn zum Teil brauchte es die für unsereins aus: Das bewegliche UFO wird von der Gegengerade aus in Richtung Süd abgeseilt, zudem spielen die Planeten und deren Farben auf die Verbindungen von USP zu Crews von Hapoel oder Ternana an. Schönheitsfehler: Zu wenig Gezündel (Pro Pyro! Warum explodiert das UFO nicht?) und das Timing der Enthüllung war nicht ganz tight. Dennoch eine Choreografie, die mal wieder Maßstäbe setzt und USP markieren damit erneut ein dickes Ausrufezeichen in Sachen Kreativität. Geil, einfach stark!

Damit haben wir die leicht zu bewertenden Dinge für heute abgehakt. Der Fußball ist weit komplizierter und es bleiben Fragen, die aber, wie eingangs schon behauptet, wohl zu früh gestellt werden.

Gegen das System?

Ein 4-2-3-1 soll es nominell sein, es sieht aber ganz anders aus. De facto haben wir wieder zwei Menschen da vorn, die wenig Lust haben, nach hinten zu arbeiten. Mit zwei Spitzen zu spielen, die die ganze Saison noch nicht funktioniert haben, ist keine aber mutige Entscheidung. Eher eine hilflose. Oder es steckt ein Plan dahinter, Allagui und Bouhaddouz doch noch zu einem kongenialen Duo zu entwickeln, wovon sie derzeit so weit entfernt sind wie der FC Köln vom Klassenerhalt. (Mitleid im Abstiegskampf will niemand, liebe FC-Fans.)

Nun ja, dass das eine halbe Woche nach Kauczinkis Dienstantritt auch noch nicht funktioniert, überrascht wohl keinen. So schnell legt wohl kein Trainer die nötigen Schalter um. Um es jetzt schon zu sagen: Hoffen wir mal, dass wir das letzte Spiel dieses Jahres am Montag nächster Woche nicht verlieren, dann wird hoffentlich in der Winterpause ordentlich gearbeitet und auf geht’s frisch in ein neues, erfolgreiches Fußballjahr.

Jedenfalls läuft heute natürlich der Ball auch nicht so, wie er es diesem Kader angemessen wäre. Wir sehen haufenweise planlose hohe Bälle kurz vor den Strafraum, wo sie niemand verwerten kann. Wir sehen immerhin etwas mehr Gift auf dem Platz, was in absurde Pfiffe, seltsame Gelbe Karten, zwei wenigstens fragwürdige Elfmeter und sogar einen Platzverweis, der zwar dämlich provoziert, aber auch nicht so richtig doll nachvollziehbar ist.

Wir sehen eine Mannschaft, die beim Gegentor nicht auseinanderfällt. Das tat sie aber auch noch nicht in Fürth oder Bielefeld, dort waren die zweiten Tore maßgeblich im Zerbrechen des fußballerischen Standings. Immerhin fällt dieses zweite Gegentor nicht so früh, sondern erst nach eigener Führung. Da halten wir uns gerade noch.

Unlust überwinden

Duisburg – eine recht lautstarke Fanschar, so am Rande bemerkt – gelingt es, aus gümmeligen Chancen Tore zu machen. Unser Problem in der Verteidigung ist ja durchaus kein unbekanntes. Der FCSP auf der anderen Seite ist auch nicht gerade zielstrebig da vorn und so geht das Ergebnis – man könnte die zwei Witz-Elfmeter ja beiderseitig abziehen – schon irgendwie in Ordnung. Unverständnis bleibt, wann immer ein Trainer sein Wechselkontigent nicht ausschöpft, gerade nach einem Platzverweis, und überhaupt wahnsinnig spät erst frische Spieler (immerhin Schnecke <3) auf den Platz schickt.

Ja und nun? Seit den Spielen, über die niemand mehr reden mag, stecken wir wieder knietief in der Scheiße und da kommen wir vor der Winterpause auch nicht mehr raus. Die gelähmte Unlust am Fußball, die die Akteure auf dem Platz präsentieren, zeigen die Ränge in ähnlichem Maße. Es ist kalt, in Handschuhen klatscht es sich nicht gut, die Glühweinversorgung könnte besser sein und die Trommel im Supportblock hängt aufgrund von zu viel Gegenwind vorerst am Nagel. Wer Argumente gegen die Trommel liefern möchte, behält die besser für sich. Die schläfrige Stimmung auf der Gegengerade an diesem Tag ist jedenfalls keines davon.

Nun gut … es ist kalt, wir sind jetzt schon etwas fußballmüde und freuen uns auf die Winterpause. In einer Woche geben wir noch mal Vollgas und würden uns über volle Ränge, laute Kehlen, kompromisslosen Kampf auf dem Rasen und drei Punkte als Weihnachtsgeschenk sehr freuen. Enttäuscht uns nicht, ihr Lieben!

Und dann war da noch …

Wir bekamen es selbst gar nicht mit, aber offenbar hat jemand seitens des FCSP an diesem Tag bei der Musikauswahl ganz schön ins Klo gegriffen. Wir verweisen auf folgendes Getwitter und kommentieren das nicht weiter, hoffen aber, dass man da Konsequenzen zieht:

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Dez 082017
 

Spielregeln

Dieser Bericht ist nicht geeignet für Menschen, die nur kurze Zusammenfassungen des Geschehens lesen wollen und für die schon 280 Zeichen zu viel sind. Dies ist auch nicht die Zielgruppe dieses Berichtes. Wer eine solche Zusammenfassung sucht, der wird garantiert woanders fündig.

Dieser Bericht ist lang! Er umfasst in Schriftgröße 11 ca. 30 DIN A4 Seiten. Also nehmt euch einen guten Wein, etwas Zeit und lest, was passiert ist auf der MV Wir sprechen in der Folge von einer MV = Mitgliederversammlung. Den Vorschlag mit dem Wein hat im Übrigen auch die Korrekturhilfe angenommen, was womöglich zur Folge hatte, dass die Korrekturen zum Ende hin etwas weniger streng vorgenommen wurden. Wir bitten dies zu entschuldigen.

Warum berichten wir so ausführlich darüber?

1. Die MV ist eine Zäsur, eine Bestandaufnahme, wie es dem Gebilde FC. St Pauli (im folgenden auch verkürzt „der Verein“ genannt) geht, was strategisch geplant ist und wie man darüber denken kann.
2. ist das ganze auch eine Art historische Vorarbeit, denn auch noch nach Jahren kann man hoffentlich in diesem Blog lesen, was wir so geträumt haben im Jahre 2017. 13 Jahre bevor wir die Champions League mit den Trainern Boll/Gunesch gewinnen.
3. Hat unser Hausjurist Bock darauf und dieser Bericht stammt zu 99 % aus seiner Feder, sodass die geäußerten Meinungen auch seine sind, selbst wenn in „wir“ geschrieben. Haut ihn, nicht die anderen Beiden. Danke aber an die anderen beiden Kämpfer dieses Blogs für die Mitarbeit und Korrektur, ebenso an … als externe Korrekturhilfe. Die ganze Korrektur und Onlinestellung ist auch immer so eine Sache, ob der Länge. Aber: „gut Ding will Weile haben“ und das völlig zurecht, sprach die Korrekturhilfe.

Die Wiedergabe der Äußerungen basiert auf einer ausführlichen Mitschrift, die aber manchmal unleserlich ist (wer kennt das nicht?!) und daher falsch oder einfach verkürzt sein kann. Ergänzend und zur Abhilfe haben wir die Tweets des offiziellen Accounts herangezogen, um das Gesagte richtig darzustellen. Trotzdem kann es Fehler geben, insbesondere da wir einige ziemliche Schnellsprecher im Verein haben. Oke und Sandra sind da beide echte Profis drin einem hier das Leben schwer zu machen. Das ist besonders dann der Fall, wenn man keine Sozialisation durch Gilmore Girls erfahren hat.

Die Mitschrift erscheint in schwarz in diesem Bericht, unsere Wertungen und Meinungen in Rot. Wer die „Unendliche Geschichte“ gelesen hat, kennt das System.

Namen nennen wir bei Personen des vereinsinternen Zeitgeschehen, was gleich aller Personen ist, die ein gewähltes Amt haben. Wie Präsident z.B. Trotz Recherche kann es hier zu fehlerhaften Schreibweisen kommen. Wir bitten dies zu entschuldigen. Einfache Mitglieder werden nicht mit Namen genannt, auch wenn wir diesen kennen. Ebenso versehen wir Namen ab der zweiten Nennung mit einem Kürzel, welches bei der ersten Nennung durch (xx) hinzugefügt wird.

Sollte jemandem ein inhaltlicher Fehler auffallen, dann kann er uns gerne über unseren Kontakt oder in den Sozialen Medien anschreiben. Wir korrigieren dies dann transparent.

Und nun viel Spaß.

Vorspiel

Die MV fand diesmal in Halle A3 der Messehallen statt. Das ist ein quadratischer Raum, der riesig ist und noch mal mit beweglichen Wänden abgeteilt wurde. So richtig lauschige Stimmung kommt da trotzdem nicht auf. Aber nun gut, dass CCH wird nun mal neu gebaut und war deswegen nicht verfügbar.

Und ob man an einem kalten Novemberabend 5 Stunden in der Südkurve sitzen will, sei mal sehr stark bezweifelt. Bei anderen Vereinen ist so was ja modern. Wenn jedoch weiterhin nur 600 Leute ihren Hintern zu MVs bewegen, dann können wir auch den Ballsaal nehmen.

Nach unserer Schätzung hätten gut 2.600 Mitglieder kommen können, diese Zahl wurde aber nicht annähernd erreicht. Die Regie hatte dies schon angenommen und die Hälfte der Plätze gesperrt. Wie gesagt, um die 600 Mitglieder hatten sich eingefunden. Und hier sind wir schon bei einem ersten Exkurs.

Exkurs – Muss ich an einer MV teilnehmen?

Wir nehmen jetzt schon mal ein Fazit dieses Artikels vorweg: Der FC St. Pauli wird nur dann überleben, wenn sich der Pool seiner Mitglieder aktiv in diesem Verein beteiligt und diesen nach vorne bringt. Was andere Ex-Vereine mit Geld überdecken können, müssen wir mit Engagement ausgleichen. Sonst kommt auch hier irgendwann das Geld an und das will ja niemand. Also schon. Irgendwie. Aber halt mit ner anderen Motivation dahinter. Versteht ihr, ne?!

Deswegen ist die Zahl der Teilnehmer, bei ungefähr 26.000 Mitgliedern in diesem Verein, sehr enttäuschend. Daher muss man die Eingangsfrage mit einem ausdrücklichen „JA!“ beantworten.

Nur sind wir keine blinden Idealisten oder bescheuerte Dogmatiker. Nicht jedes Mitglied wohnt in Hamburg, nicht jeder hat unendlich Zeit und nicht jeder das Geld für eine An- & Heimreise (bestenfalls noch mit Übernachtung). Und Donnerstag ist für jedes Mitglied schwierig. Das Wochenende dann aus anderen Gründen auch wieder.

Daher: Wir können und wollen niemanden unter Druck setzen, ABER jedes Mitglied sollte in sich gehen und überlegen, ob er nicht Kompetenzen und Wege hat, sich in diesem Verein aktiv zu beteiligen.

Exkurs Ende

Dank

Der Einlass ging schnell und problemlos vonstatten. An dieser Stelle mal ein riesiges Dankeschön an Tommy und seine Crew, die diesen Job, teilweise schon seit Jahren, ehrenamtlich und vorbildlich erledigen.

Bilanz fehlt

Es gab auch Material für die erschienenen Mitglieder, in diesem befand sich aber – im Gegensatz zu den Vorjahren – keine vollständige Bilanz, sondern nur der Lagebericht. Auch die Anträge fehlten.

Ganz ehrlich liebe Parteitagsregie, lieber Verein: Das ist freundlich gesagt ein Unding! Es kann nicht sein, dass man die Bilanz 1. nicht veröffentlicht, 2. dieses Jahr auch keine Bilanzpressekonferenz abhält und 3. (das ist der Oberknaller) die einzige Informationsmöglichkeit für Mitglieder ist, dass die Bilanz zwei Wochen in der Geschäftsstelle auf dem Tresen ausliegt! Das ist ehrlich gesagt ein Schlag in die Fresse für das höchste entscheidende Gremium dieses Vereines. Die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung hat vorzuliegen, der Verweis auf eine Einsichtnahme oder ein unfreies Zusenden per Post, ist – im digitalen Zeitalter – ein gespielter Witz. Der nebenbei nicht witzig ist. Digital und FCSP sind zwei Welten, die bisher nicht zu sammen gefunden haben – und dieser Zustand ist peinlich.
Nur auf Grundlage ALLER Zahlen lässt sich eine Entlastung ernsthaft abwägen. Sie wurde daher von mir (Einzahl = Hausjurist) auch verweigert. Und komme mir nun keiner mit der Satzung, die ein Vorliegen auf der MV nicht ausdrücklich vorsieht. Wenn das die immer mal wieder erwähnte Transparenz (siehe z.B. Millernton) und der Respekt vor der Mitgliederversammlung sein sollte, dann wurde beides nicht erfüllt.

UND: Entgegen der Behauptung des Versammlungsleiters am ganz späten Abend, lag die Bilanz auch nirgendwo aus. Glaubt es uns, wir haben Vereinsverantwortliche am Beginn des Abends gefragt.

Wenn wir also später die wirtschaftliche Lage des Vereines ansprechen, dann tun wir dies auf Grundlage der unvollständigen Zahlen.

Ab jetzt orientieren wir uns an der Tagesordnung mit den darin verwendeten Überschriften. Ausnahmen davon bestätigen diese Regel.

Eröffnung und Begrüßung

Zu Beginn wurde Hells Bells eingespielt. Kann man so machen. Es ergriff dann Oke Göttlich (OG) das Wort:

„Liebe St. PaulianerInnen“ und dies wirklich auf dem I betont sagte er zu Beginn. „Herzlich willkommen“. An einem Donnerstag 19 Uhr. Man wechsele aber durchaus auch mal die Zeiten, um den Amateurabteilungen die Möglichkeit der Teilnahme zu geben. Man freue sich, dass die Mitglieder so zahlreich erschienen seien. Das fällt denn angesichts von gerade einmal 600 Leuten unter „Lügen um gute Laune zu erzeugen“

Als Versammlungsleiter sei Kristian Heiser (im Saal hatte ich Christian Eyser verstanden, das nur mal als Beispiel, was so bei einem Hören raus kommen kann – KH) vorgesehen, dem er nun das Wort übergebe,

KH begrüsste dann mit „Liebe St. Paulianerinnen und St. Paulianer“. Hier scheint es eine Absprache gegeben zu haben, denn diese Formel, ob nun zusammengezogen oder nicht, benutzten alle „offiziellen“ Redner. Niemand benutzte das zumindest zweifelhafte „Mitgliederinnen“

Er freue sich die Versammlung wieder leiten zu dürfen. Er sei 47 Jahre alt und AFM Mitglied. Er berate den Verein zu rechtlichen Themen. Die Versammlung könne mit 2/3 einen neuen Leiter bestimmen. Dafür gab es aber nun gar keinen Grund. Außer ein zwei Kritikpunkten, die dann jeweils dort wo sie hingehören angesprochen sind, machte er die Sache wirklich ruhig und entspannt.

Er eröffne die Versammlung um 19:04. (BÄH! Schalke! BÄH!). Eine Gebärdendolmetscherin unterstütze ihn dabei, ihr gelte sein herzlicher Dank. Zurecht gab es an dieser Stelle Beifall. So etwas sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Ist es aber leider nicht und ich denke auch, dass 5 Stunden dolmetschen ein ganz ordentliches Brett ist. Da weiß man garantiert auch nachher, was man getan hat. Daher: Top Leistung und fettes herzlichesDanke! Inklusion ist ein echt wichtiges Thema, was aber auch bei uns (vereinsintern!) noch viel mehr Geld, Raum und Aufmerksamkeit bekommen sollte.

Er weise darauf hin, dass nach § 16 Abs. 4 der Satzung diese Versammlung nicht öffentlich sei.

„Gegen Twitter Nachrichten sei jedoch nichts einzuwenden.“

WHAT?!? Verwirrung im Saal. Wildfremde Menschen lagen sich jubelnd in den Armen, es kam zu spontanen Aufständen. Kommentar eines Twitterati hinter uns: „So macht das kein Spaß!“. Dazu mal folgende Anmerkung: Das ist natürlich komplett inkonsequent und entgegen der Satzung, die eben nicht Öffentlichkeit der MV spricht. Jedoch: Dann müsste man konsequenterweise die Presse ausladen und solche Berichte wie diesen hier (wenn auch weit nach Ende der MV veröffentlicht) verbieten. Hinzu kommt: Es ist 2017 und irgendwann ist es auch so, dass Leute auf Twitter und sonstwo machen, worauf sie Bock haben. Pyro sind schließlich auch verboten.

Es gebe einen Mitschnitt für das Protokoll, auf den aber nur die Organe mit Ausnahme der MV Zugriff hätten. Die Satzung sieht diesen Zugriff selbst nur bei „Unstimmigkeiten“ vor, siehe § 16 Nr. 2 unserer Satzung.

Uschi Steinhoff sei die Protokollkraft, wie schon die ganzen Jahre vorher. Kann der Frau mal irgendwer die Goldene Verdienstnadel dieses Vereines geben? Das Jahr für Jahr zu machen, kann man mit Geld nicht bezahlen. Sie saß diesmal auch noch mit dem Rücken zum Publikum, so dass man froh sein kann, dass nicht zuviele Fragen und Beiträge aus dem Plenum zu protokollieren waren.

Die MV sei nach § 14 Abs.1 einberufen worden, mit der Vereinszeitung, die am 25.09 zur Post gegangen sei, im Oktober sei dies auf der Homepage veröffentlicht worden. Am 09.11. sei die Bilanz, G+V zur Einsichtnahme auf der Geschäftsstelle vorhanden gewesen, ebenso das Protokoll.

Diese Unterlagen lägen auch hier aus. (Siehe oben. Nein!)

Der Satzungsänderungsantrag sei auch rechtzeitig eingegangen und entsprechen den Formalitäten.

Die MV sei ordnungsgemäß eingeladen und damit auch beschlussfähig, da sie dies auch ohne Rücksicht auf die Anzahl der Stimmberechtigten sei.

Er streute ungefähr jeden Satzungsparagraph ein, den man sich vorstellen konnte, was Elo treffend auf Twitter kommentierte:

Man habe 15 Tagesordnungspunkte u.a. Wahl des Präsidiums, eines Kassenprüfers, des Ehrenrates und Anträge. Das sei ein umfangreiches Programm. Er hoffe, dass sich alle Beteiligten kurz fassen.

Laut Satzung bestimme er die Art der Abstimmungen, außer die Satzung und/oder das Gesetz bestimme etwas anderes. Abgestimmt werde mit der Stimmkarte, wenn dies nicht zweifelsfrei eine Mehrheit ergäbe, dann werde schriftlich abgestimmt. Ups, nicht per Hand genau auszählen? Die Satzung sieht eine so strikte Regelung nicht vor. Aber natürlich hat der Versammlungsleiter hier relativ freie Hand und ggf. waren nicht genügend Wahlausschuss Mitglieder für ein Auszählen des Saals vorhanden.

Die Wahl des Präsidenten und der Vizepräsidenten habe schriftlich zu erfolgen, dabei werden Reinher Karl (RK) und Tom Happe (TH) nicht wieder antreten. Deswegen gebe es neben den bisherigen Vizepräsidenten Joachim Pawlik (JP) und Jochen Winand (JW) mit Christiane Hollander (ChH) und Carsten Höltkemeyer (CH) auch zwei neue Kandidaten. Diese werden sich später alle vorstellen.

KH führte weiterhin aus, dass es nur einen Präsidentenkandidaten gäbe und der dann gewählt sei, wenn eine Mehrheit der abgegebenen Stimmen mit „Ja“ angekreuzt seien. Die Satzung bestimme, dass man die Vizepräsidenten erst dann wählen könne, wenn der Präsident gewählt sei. Deswegen zwei Wahlgänge mit einer entsprechenden Pause. Da ist die Satzung wirklich sehr eindeutig, denn sie bestimmt in § 23 Nr. 1, dass die Vize nach der Wahl des Präsidenten gewählt werden. Und das meint halt nicht nur den Wahlgang.

Der Kassenprüfer sei nach Satzung grundsätzlich schriftlich zu wählen, wenn jedoch Kandidatenzahl und Zahl der zu besetzenden Ämter gleich sei, könne auch per Akklamation gewählt werden. Eine fürchterliche Regelung unserer Satzung. Ich werde in meinem Leben kein Freund mehr von Personalwahlen durch Akklamation. Was bei mir auch immer dazu führt, dass ich mich enthalte. Ich traue mich aber auch nie ans Mikrofon zu gehen und zu sagen, dass ich schon mal einer von 10 Leuten bin, welche unsere Satzung fordert, damit schriftlich abgestimmt wird.

Michael Wolff (MW) stelle sich zur zulässigen Wiederwahl.

Weitere Kandidaturen lägen nicht vor, diese wären aber nun noch möglich. Dann müsste aber allemal schriftlich abgestimmt werden. Das ist in unserer Satzung beinah schon lustig geregelt: Während bei einigen Ämtern eine spontane Kandidatur möglich ist, ist sie es bei anderen Ämtern nicht. Warum überhaupt? Vielleicht sollte man das mal bei Gelegenheit vereinheitlichen?

Der Ehrenrat sei 2012 für 5 Jahre gewählt worden. Es hätten 5 Personen ihre Kandidatur angemeldet, hier ist eine weitere Kandidatur nicht möglich, da § 27 Nr. 1 2. Absatz dies verbiete. Insofern könne auch hier per Akklamation gewählt werden.

Der Wahlausschuss unter Leitung von Pavel Andrasko sei angetreten.
Hier auch mal ein Dank an teilweise jahrelange ehrenamtliche Arbeit in einem Amt, welche nun wirklich kein Rum und Ähre bringt.

Zu den Anträgen. Der Antrag „Offizielle Getränke in Mehrweg“ sei zurück gezogen. Dringlichkeitsanträge seien mit einer 2/3 Mehrheit zuzulassen, sind dann mit einer einfacher Mehrheit zu beschließen oder abzulehnen. Dringlichkeitsanträge bei Satzungsanträgen sind nicht zulässig. Es werde bei allen Anträgen selbstverständlich eine Diskussion geben. (Dazu später bei den Anträgen selbst).

Geschäftsordnungsanträge seien vorzuziehen und mit beiden Händen sei sich zu melden. Ein solcher läge auch schon vom Präsidium vor, nämlich die Tagesordnung zu ändern und die Ehrungen aufzuteilen und teilweise nach der Präsidentenwahl und teilweise nach der Vizepräsidentenwahl abzuhalten. Um die Zeit zu nutzen.

Erstmal: Die MV gibt sich keine Geschäftsordnung. In der Satzung ist eine Geschäftsordnung der MV mit keinem Wort erwähnt, also gibt es auch keine Geschäftsordnungsanträge. Jeder weiß, was gemeint ist, aber es schwebt einfach im luftleeren Raum. Kann man ja bei Gelegenheit ändern.

Was dann auch noch auffällt: Der Antrag des Präsidiums ist ein Klassiker, denn die Ehrungen sind ebenso wichtig, wie ein sehr guter Füllbeitrag. Unschön wäre es, diese irgendwie ganz nach hinten zu schieben, aber irgendwo in der Mitte wie hier vorgeschlagen, passen sie schon gut. Was aber ein bisschen erstaunlich ist: Warum muss dies per Antrag des Präsidiums geändert werden? Denn nach § 22 Nr. 1 a unserer Satzung ist Aufgabe des Präsidiums die „Ordnungsgemäße Vorbereitung von Mitgliederversammlungen und Aufstellung der Tagesordnungen“. Sprich: Wer hat da gepennt und gibt nun Schnaps aus? So ein bisschen komisch wirkte das dann doch.

Dem Antrag wurde mit 2 Enthaltungen entsprochen.

Damit war dann auch die Tagesordnung beschlossen und man kam zu

Verabschiedung des Protokolls der MV vom 13.11.16

Dieser formale Punkt wurde mit ein paar wenigen Enthaltungen beschlossen. Gelesen hatte das Protokoll sowieso niemand. Info an Uschi Steinhoff: Es liegt nicht an dir! Und noch mal Danke für deine Arbeit.

Totengedenken

OG erinnerte dann an die Toten des Jahres. Von den genannten Namen hatte bei mir nur Jens-Peter Gieschen einen Klang, der mit gerade einmal 54 Jahren verstorben ist. OG hob noch Bruno Wegner hervor, der gerade einmal 7 Jahre alt geworden ist.

Es folgte eine angemessene stille und lange Trauerminute. Ohne das es dazu einer Aufforderung bedurfte stand das Plenum von selbst zur Trauerminute auf.

Berichte

Es folgten die Berichte

Präsidium

Es begann OG für das Präsidium. Auf ein Vortrag mit verteilten Rollen wurde – anders als in anderen MVs – diesmal verzichtet.

OG im Allgemeinen

Er wolle sich, auch im Namen seiner Kollegen für drei Jahre Aufregung, Diskussion, Zusammenhalt, Weiterentwicklung und Spaß bedanken. „Ihr seid der FC St. Pauli“

Der Verein habe sich positiv entwickelt. Im Stadion und im Stadtteil. Man habe gezeigt, dass ein anderer Fußball, eine andere Fankultur möglich sei, die auf Respekt, Gastfreundschaft, Willkommenskultur, Selbstironie sowie Antidiskriminierungsarbeit, lokalpolitischer Verantwortung und Zivilcourage fußt. Und das von jemandem, der mal bei einem Fanzine mitgearbeitet hat, welches „keine Ironie im Stadion“ forderte. Diese Inkonsequenz der Meinungen über die Jahre.Tztztz…

Jeder, der unsere Farben trage, müsse sich an diesem Leitbild messen lassen und sich selber hinterfragen, aber auch auf Störenfriede einwirken. Dies sei die Basis dieses Vereines.

Das ist für OG schon ein Wink mit dem Zaunpfahl, wo der Schuh drückt und was man auch in der Fankultur, die er ja hier nicht ohne Grund anspricht, bearbeiten muss. Umso schöner ist es, wenn sich wirklich Leute finden, die sich hinterfragen, die mit anderen Fans am Erreichen eines utopischen Ideals arbeiten.

Man müsse intern kritisch sein, sich auf ein höheres Level bewegen. Welche Kraft man habe, habe man in den zwei kritischen Situationen gesehen. Unser Weg sei es ein mitgliedergeführter Verein zu sein, Abseits von Ausgliederung und Investoren. Dieser Weg sei auch mal anstrengend, aber er halte diesen Weg für den richtigen.

Hier wird ein Leitgedanke den man aus der Versammlung ziehen muss schon früh gesetzt. Wenn man so will, ist der FC St. Pauli 2017 in eine neue Entwicklung eingestiegen, die sich an die besondere Fankultur anlehnt, die wir hier auf den Rängen so um 1985 begründet haben. Das Präsidium und alle anderen im Verein wollen einen Sonderweg gehen. Sie wollen DER mitgliedergeführte Verein sein. Womit wir wenn man so will, der einzige „echte“ Verein im Profifußball sind. Der Unterschied zu den wenigen noch bestehenden anderen Vereinen ohne ausgegliederte Profiabteilung ist, dass man am Millerntor Überzeugungstäter ist und dies auch auf der Ebene des Präsidiums als Ziel definiert. Man kann dies schon zur Kenntnis nehmen, dass sich hier rhetorisch nicht einmal ein kleines Hintertürchen offen gelassen wird.

Mit Olaf, Ewald (und dann allen weiteren Inhabern von Trainerlizenzen, die er alle namentlich nannte) habe man die fussballerische Kompetenz gesteigert. Man habe Prozesse etabliert, die IT von Zero auf heutige Zeiten entwickelt. Nächster Schritt: digital nach Außen. Siehe bei der Bilanz.

Man habe die Kommunikation verbessert, einen „St. Pauli Weg“ etabliert und damit die richtigen Personalentscheidungen getroffen oder einige auch richtig korrigiert. Das ist natürlich ein Satz, der einem das Lächeln ins Gesicht zaubert. Übersetzt könnte man auch sagen: „Wir haben nur die richtigen Personalentscheidungen getroffen. Wenn nicht, dann haben wir sie korrigiert. Klar, er meint das ein bisschen anders, was aus dem folgenden Zusammenhang klar wird.

Man habe auch die Trainerfrage auf Augenhöhe geklärt und dies ginge nur mit einwandfreien Menschen, danke dafür Ewald. Das ist der FC St. Pauli. Den Verein über einzelne Interessen zu stellen, dies sei das Ziel.

Er habe insbesondere TH und RK zu danken, die eine gute Arbeit bei den Themen Fan und Recht geleistet haben. Beide leben für die Leitidee und hätten das Feld gut bestellt. Die Arbeit könne gut fortgesetzt werden. Vielen lieben Dank für die Arbeit.

TH war krank. wir hoffen mal, dass zum Zeitpunkt der Veröffentlichung unsere Genesungswünsche schon überflüssig sind.

Im Verein habe man unter Beteiligung der Fanszene, den Gremien des Vereines und einzigartig unter Beteiligung eines Vertreters des Mannschaftsrates das soziale Engagement neu aufgestellt und unter Kiezhelden gebündelt. Sei es nun das Testspiel gegen den BVB, Ewalds Honig oder die Weltverbesserer Kampagne als neue Ideen.

Soziales Engagement oder insgesamt Arbeit als NGO schwanken immer zwischen vielen Polen und Extremen. Auf der einen Seite ist eine gewisse Professionalität und eine gewisse plakative Slogans absolut notwendig. Auf der anderen Seite darf es weder ein Monopol der sozialen Aktivitäten geben, noch darf es zu einem leeren Marketingtool werden. Ob das alles mit Kiezhelden erreicht wird, werden die nächsten Jahre zeigen. Sich wegen einiger aufmerksamkeitserregenden Aktionen (wie z.B. dem Honig) aber gleich aufzuregen, erscheint albern. Mit einer trockenen Pressemitteilung über Bienen und deren Wichtigkeit lockst du heute keinen Menschen mehr hinter dem Ofen hervor. Mit einem schönen Schlagwort schon.

Man habe den Dialog mit der Fanszene verstärkt und auch bei kritischen Dingen wie z.B. der Dresden Tapete nicht populistisch, sondern in Ruhe, mit Gesprächen gesucht und Lösungen gefunden. U.a. gab es dann eine Veranstaltung mit einem Historiker.

Das man dies ob der damaligen sofortigen Stellungnahme  auch ein bisschen weniger rosiger sehen kann, sei erwähnt. Im Endeffekt gab es ja Gespräche, konstruktive Ideen aus dieser Tapete und Ende Januar fahren wir dann nach Dresden. Und natürlich ist das alles viel besser, als das übliche „verbieten, lebenslang Stadionverbot, Krawallmacher, keine richtigen Fans blablabla“ was man sonst von Präsidenten in solchen Situationen hört.

In diesem Zusammenhang auch gute Besserung an die Opfer des Überfalls nach dem Aue Spiel. Man hätte hier auch die Verletzten in/von Kiel nennen können, denn so richtig in den Zusammenhang passt das ja nun nicht, denn das Thema ist doch „einwirken auf die eigene Szene“. Für den Verein aus dem Park am Ende der Welt ist unser Präsident doch nicht zuständig.

Für einen Dialog sei es auch wichtig, wenn man gemeinsame Ziele und Werte entwickelt. So könne man auch Kontroversen wie die Olympia Bewerbung oder die Sporthalle auf dem Bunker kritisch und konstruktiv diskutieren und lösen, ohne dass irgendwer als Gewinner oder Verlierer aus der Sache hinaus gehe.

Er spricht da ein grundsätzliches Debattenkulturproblem an. Es gibt kein „ich bin überzeugt“ mehr, sondern dieses wird gleich mit verlieren, Gesichtsverlust etc. gleichgesetzt. Was für ein Blödsinn.

Man habe einen sinnvollen Weg gefunden und deswegen sei es nicht darstellbar, dass der Verein als Hauptmieter der Halle im Bunker auftrete.

Das ist wohl letztendlich die beste Lösung. Wenn man so ein Projekt macht, dann muss es a.) gut durchgeplant sein, was es wohl offensichtlich nicht ist, und b.) muss es auch weg von einer absoluten Gewinnmaximierung sein. Es ist absurd, wenn da städtebaulich eine Halle hinsoll und die am Ende ständig zweckentfremdet werden muss oder nur für reiche /finanziell gut situierte Abteilungen mietbar ist. Das einzige, was nun so ein bisschen Angst macht, ist die Vorstellung, dass sich da irgendwann ein anderer Verein in nächster Nähe zum Stadion breit macht. Aber erstmal steht ja der gesamte Bau in den Sternen.

Man dürfe den Appell zur Schaffung von Sportflächen nicht vernachlässigen. Man habe als Verein den Auftrag Kinder und Jugendliche in Bewegung zu bringen und dies könne man nicht, wenn man keine Flächen habe.

Wir schreiben hier am Ende unzählige Seiten. Soviele könnte man wahrscheinlich auch über das Versagen der SPD und der Grünen in Hamburg beim Thema „innenstädtische Sportstätten“ schreiben. So eine Dreifeldhalle kostet irgendwas um die 10 ‚WaWe 1000‘. Und auf St. Pauli einen Verein zu finden, der die Unterhaltung übernimmt, ist nun wirklich ganz einfach. Nicht, dass Appelle an diesen Senat noch irgendwas bewirken, da sie im Bunker bei König Olaf nicht ankommen, aber eine Fläche findet man schon (Über das Schwimmbad z.B.), dann baut den Scheiß und der FCSP unterhält die Halle. Nur mal als Beispiel: Die Boxer verlieren eventuell in 2 Jahren eine Halle am Zeughausmarkt und bisher gibt es da zwar Gespräche, aber noch keine Lösung. Da rennt dann irgendwann natürlich die Zeit.

Er wolle sich bei der AFM bedanken, die zulässt, dass das Geld auch in Mitarbeiter fließt. Ein Dank in diesem Zusammenhang an Claus Teister, der aufhöre und der mit großer Lust großen Input geliefert habe. Seine Abschiedsworte auf der AFM Versammlung wolle er zitieren: „Nimm nix persönlich, keine voreiligen Schlüsse, wolle immer das Beste“. Das lege er allen ans Herz.

Hey Claus, wo immer es dich nun hin verschlägt: Halt die Ohren steif und danke für den Fisch.

OG über das NLZ und 50 +1

Die Entwicklung im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) seien durch Roger Stilz bereits sehr positiv. So würden fünf Spieler im Fokus des DFB stehen. Dies seien Svend Brodersen, Robin Meissner, Finn Ole Becker, Leon Flach sowie Jonas Senghaas. Ziel ist es, die Durchlässigkeit weiter zu erleichtern und zu erhöhen.

Nun hat der Roger Stilz einen absolut untadeligen und guten Ruf, aber ob das SCHON wirklich sein Verdienst ist, sei mal – wie beinah immer im Sport – dahin gestellt. Es ist allemal schön, dass man fünf Spieler hat, die der DFB sich ansieht und die anscheinend nicht sofort einen langen Schuh zu einem anderen Verein gemacht haben, als klar war, dass sie irgendwann mal ganz vielleicht in einer Auswahl spielen könnten. Durchlässigkeit ist auch ein Stichwort, was zumindest Teile der guten Nachwuchsspieler halten wird. Was nützt mir ein nettes Gehalt bei BVB2, wenn für BVB 1 fast immer der fertige Spieler auf meiner Position gekauft wird? Das nette Gehalt reicht nicht für den fetten Sportwagen und die Altbaueigentumswohnung im Stadtzentrum. Da ist der Weg über einen Zweitligisten, wo ich Stamm bin und ein ähnliches Gehalt verdiene, aber im Schaufenster stehe, der bessere.

Es folgte ein Absatz über das Museum, der leider unleserlich in der Mitschrift ist. Besucht einfach die Ausstellung, sie ist sehr gut.

Man habe eine klare Position zu 50 +1 und zur Verteilung der Fernsehgelder. Die jetzige Verteilung der Fernsehgelder sehe man sehr kritisch. 50+1 sei die Grundlage für die Integrität des Wettbewerbes. Zur Zeit führt die Verteilung der TV-Gelder nur zu einer Stärkung der Starken.

Das letzte ist eine Grundsatzfrage, die der Fußball gerade krampfhaft vermeidet. Was ist eigentlich das Produkt? DerDie einzelnen Vereine? Der FC Bayern? Oder ist es vielleicht die Liga als ganzes, in der jeder Verein eine Rolle erfüllen kann, wie Darstelller in einer Sonntagabendserie? Letzteres ist die Entscheidung in amerikanischen Ligen und man kann Amerikanern nachsagen, was man will, aber sie wissen, wie sie Gewinn optimieren. Im europäischen Rahmen kommen jedoch zwei Faktoren hinzu, die das ganze verkomplizieren. Zum einen ist dies der doppelte Wettbewerb (national und UEFA) zum anderen sind dies die anderen gesetzlichen Regelungen in der EU. Darüber kann man eine ganze Doktorarbeit schreiben, daher hier nur angedacht:

Wenn das Geld immer auf den größten Haufen fällt, dann ist es irgendwann nicht mehr da. Denn die 25ste Meisterschaft hintereinander der Bayern und der 15 Champions League Sieg von Real Madrid hintereinander will niemand mehr sehen. Nicht einmal der härteste Bayern-Fan. Und wir laufen – ohne einen integeren Wettbewerb – genau da hin. Und dies ändert sich auch nicht durch kurzfristige Investorengeldspritzen. Denn Investoren wollen dann auch einen Gewinn sehen. Und zwar schnell. Und dies kann der VfL Bochum z.B. nicht leisten. Wie soll der mal einen sogenannten „Return on Investment“ erwirtschaften, wie er heutzutage gefordert wird? Wir haben mal in einer Kurzrecherche gefunden, dass Zielwerte von ca. 10 % hier üblich sind. Der FCSP kommt zur Zeit grob auf 4 % (wenn wir alle Zahlen richtig gedeutet haben) und wird dabei wahrscheinlich im normalen Bereich für einen Fußballverein liegen. Und man darf nie vergessen, dass Investoren nicht aus Nächstenliebe investieren. Wirklich nicht, auch wenn sie einem das erzählen wollen.

Unser Tipp für die Zukunft? Es wird irgendwann eine Champions League geben mit einem festen Teilnehmerkreis, festen Ausgabeobergrenzen, die auch durchgesetzt werden und daneben wird es die normalen nationalen Wettbewerbe geben.

OG und G 20

OG ging dann wieder auf das außerfußballerische Engagement ein. Man sei der einzige Verein in Hamburg mit einer Position zu G 20 gewesen. Man habe das Medienzentrum beherbergt, Übernachtungen ermöglicht, die Volksküche und ein Fußballturnier.

Das habe alles deeskalierend gewirkt und alle, auch die Behörden, hätten sich an Absprachen gehalten. Er wolle sich auch bei den Behörden für diese Verlässlichkeit bedanken, die man auch für die mindestens 17 Heimspiele benötige. Vielleicht würden es ja auch mal mehr, wenn man im Pokal mal weiter käme. (Hier machte sich Gelächter im Plenum breit). Er danke allen, die an diesen Tagen ehrenamtlichen Einsatz gezeigt hätten.

Wir kommen auf diesen Behördeneiertanz noch später beim Thema Grote zurück. Er hat ihn hier aber schon schön in knappen Sätzen skizziert.

OG zu den Amateuren

OG kam dann zu den Amateurabteilungen. Der Amateurvorstand ist ein guter Vertreter der Interessen der Amateurabteilungen gut vertritt und in der Zusammenarbeit immer nach vorne gerichtet. Man habe nun einen Grundlagenvertrag abgeschlossen, der die finanzielle Ausstattung für die Amateure für alle stimmig regelt. Das sei bei einem Verein im Profifußball sehr selten. Ergebnis dieses Grundlagenvertrages sei ein Geschäftsführer für den Amateursport, den der Verein nun einstellen werde. Dieser werde insbesondere die Aufgabe haben die Interessen der 21 Abteilungen professionell in der Sportpolitik zu vertreten. Wir müssen uns da noch lauter für die Sportler einbringen.

Wir wollen ein e.V. bleiben mit einer Profiabteilung. Das werden nur bleiben, wenn wir klare Regeln zur Abgrenzung haben, UND, wenn der Amateursport, der immerhin auch eine fünfstellige Zahl an Mitgliedern hat, eine professionelle Struktur und seine Interesse gut vertreten hat. Man darf nicht vergessen: Wir konkurrieren hier mit Vereinen, die ihren Schwerpunkt im Amateursport haben. Und ja, auch das ist eine Konkurrenzsituation um Hallen, um andere Sportstätten, um alles. Man muss hier sagen: Leider.

Und da müssen wir mitspielen, weil eben ein großer Teil seiner Mitglieder nicht nur Fußball sehen will, sondern auch in braun-weiß Sport treiben will. Und das ist auch gut so.

Viele unsere Sportler waren erfolgreich, fuhr OG fort. Sei es auf Hawaii, wo unser Thorsten Schröder erfolgreich war, sei es Schach mit dem Aufstieg in die 2. Liga oder unser Team des Jahres die Blindenfußballer. Die an dieser Stelle ihren ersten riesigen Applaus des Abend bekamen. Es sollten noch ganz viele folgen. Alle zu Recht.

OG über das liebe Geld

OG kam dann zu den Finanzen. Für den Verein gibt es nur den Weg der wirtschaftlichen Vernunft. Deswegen hat man keine Millionen für eine Rettung ausgegeben. Stattdessen habe man Überschüsse erzielt durch den Verkauf von Hedenstadt. Kein Plan, wie genau er das meint. Hat der soviel Gehalt bekommen? Oder haben wir da richtig Ablöse bekommen? Beides erscheint bemerkenswert.

Risko für einen sportlichen Erfolg darf es nicht geben. Gerade, wenn man ohne Ausgliederung operieren will. Man müsse versuchen den Worst Case (gleich die Insolvenz) auszuschließen und mit wirtschaftlicher Vernunft operieren.

Die Fananleihe werde, wie es sich für einen soliden Verein gehört ohne eine neue Fananleihe zurück gezahlt. Und muss trotzdem noch mal fremd finanziert werden. Das ist halt so. Das Stadion musste finanziert werden, es war die richtige Entscheidung, aber wir müssen sie bezahlen.

Man stehe in der Konkurrenz zu ehemaligen Vereinen, die das Geld ihrer Investoren in den Sport (Fußballprofis) investieren würden. Man müsse diesem Stand halten, aber die Voraussetzungen dafür seien gut. Man habe einen Überschuss von 890.000 Euro erzielt. Es sei ihm eine Freude, auch hier die Bildzeitung zu korrigieren, auch wenn nur um 20.000 Euro. Das war denn auch mal ein kleiner Seitenhieb an die Freunde von den vier Buchstaben.

Das sei der 6. Überschuss in Folge, diesen Weg hätten die Vorgängerpräsidien erfolgreich gestartet. Die Eigenkapitalquote beträgt 18 %, man mache 47,35 Millionen Umsatz, dies sei ein historischer Wert. Der Meilenstein von 50 Millionen Euro Umsatz sei nah.

Exkurs / Die Finanzen.

Sieht gut aus.
Mal so als Vergleich: Fortuna Düsseldorf hat letztes Jahr ca. 30 Millionen umgesetzt und dabei einen Verlust von ca. 900.000 Euro gemacht. Fortuna hat 3,3 Millionen Eigenkapital. Jetzt lassen sich diese Zahlen nicht immer perfekt vergleichen, da jeder etwas anderes in diesen Umsatz mit einrechnet, aber wir nehmen das jetzt mal als Anker. Alle ab jetzt genannten Zahlen sind aus dem Lagebericht des Konzerns FC St. Pauli. Der Verein an sich hat natürlich andere Zahlen. Konzern meint inklusive der ganzen Tochtergesellschaften, in denen die Musik spielt.

Erstmal sind 6 Jahre Gewinn hintereinander sehr gut, insbesondere wenn man bedenkt, dass wir in dieser Zeit ja nicht sportlich konstanten Weg gegangen sind. Das spricht für ein ruhiges und besonnenes Wirtschaften.

Man darf aber auch nicht vergessen, dass wir in dem hier zur Betrachtung anstehenden Geschäftsjahr 2016/2017 2,57 Millionen Transfererlöse erreicht haben. Ohne diese Erlöse würden wir keinen Gewinn machen.

Unser Umsatz ist mit dem Umsatz der Vorjahre nur bedingt zu vergleichen, da wir nun halt das gesamte Merchandise Geschäft in diesen Umsatzzahlen mit drin haben. Das war vorher halt nicht der Fall.

Wir können aber davon ausgehen, dass wir einer der umsatzstärksten Vereine in Liga 2 sind und wahrscheinlich auch einer der wenigen, die so eine hohe Eigenkapitalquote haben.

Aber vorsicht!
18 % Eigenkapitalquote allerdings heißt immer noch, dass man 82 % Fremdkapital (im Volksmund auch Schulden genannt) hat. Leider können wir die genaue Zahl und die Art der Schulden nicht weiter erörtern, denn dazu bräuchte man eine Bilanz. Es müssten so um die 55 Millionen sein, wenn wir richtig rechnen. Das ist immer noch ein Brett.

12 Millionen Eigenkapital ist schon ganz nett, man siehe oben die Zahl von Düsseldorf. Nur mal zum Vergleich: Deutsche Mittelständler haben im Durchschnitt eine Eigenkapitalquote von gut 30 %. Und wir sind nichts anderes als ein Deutscher Mittelständler. Nur in einer sehr besonderen Branche. Mittelfristiges Ziel sollte es also sein, auf diesem Durchschnitt zu liegen.

Nahestehender Investor???

Im Ausblick über die finanzielle Lage wird erwähnt, dass die 8 Mio zur Finanzierung der Anleiherückzahlung von „dem Verein nahestehenden Investoren“ aufgenommen wird. Das sind so Formulierungen, da kann man auch mal kurz eine Augenbraue hochziehen. Insbesondere weil es nicht weiter erläutert wird/wurde.

Nicht, dass wir hier unseren eigenen Kühne heranzüchten. Am Ende ist es egal, ob jemand über das geben von Fremdkapital oder das Geben von Eigenkapital Druck auf den Verein ausüben kann. 8 Millionen sind ca. 15 Prozent unseres aufgenommenen Fremdkapitals, so dass hier das Druckpotential noch nicht zu hoch ist. Aber wenn es sich um eine Privatperson handelt, sollte man bei so etwas immer sehr vorsichtig agieren, auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht einfaches Geld ist. Und man sollte immer Alternativen zur Hand haben, um so einen Investor auch wieder los werden zu können.

Umso wichtiger ist es, Schulden weiter zurück zu führen. Denn irgendwann wird das Stadion auch Renovierungen bedürfen und dafür wird man wieder Geld aufnehmen müssen.

Lustiges Detail

Unsere Zuschauereinnahmen sind zurück gegangen und unsere VIP Vermarktungseinkünfte gestiegen, da es eine höhere Nachfrage nach Business Seats gegeben hat. Erwähnt wird auch, dass es bei Freitagsspielen zu einer erhöhten Nachfrage nach Tageskarten in den Business Seats gibt. Da kann man noch soviel meckern, aber für den betuchten Hamburger scheint 18:30 Freitagabend das perfekte Business Entertainment zu sein.

Ausblick

Für diese Saison wird ein Verlust von knapp 1 Mio eingeplant. Als Grund dafür wird angegeben, dass der Sportetat so bemessen sei, dass „der Mitteleinsatz für eine nachhaltige positive Entwicklung der sportlichen Leistungsfähigkeit sorgen sollte“. Stand heute hat dies nicht wirklich gut geklappt. Man kann nebenbei „wir wollen aufsteigen“ nicht schöner umschreiben, als mit „nachhaltig (!) positiver Entwicklung der sportlichen Leistungsfähigkeit“. Denn nichts macht einen Leistungsfähiger, als plötzlich 10 Millionen mehr Fernsehgelder.

In dem Bericht wird auch darauf hingewiesen, wie ausgeglichen die 2. Liga dieses Jahr ist. Schade, dass wir den gezielten und richtigen Einsatz von Geld in einem Jahr, wo wirklich ein großes Fenster für einen Aufstieg da war nicht nutzen können.

Exkurs Ende

OG vermarktet

OG führte weiter aus, dass trotz der sportlichen Lage, die Vermarktungsumsätze gestiegen seien, die Auslastung der Business Seats sei gut. Man müsse dafür U!Sports danken. Man habe Upsolut gekauft und damit auch 90 Mitarbeiter, die nicht alle Vollzeit sind, integriert.

Wichtige Partner hätten ihre Verträge verlängert und wären auch bei einem Abstieg geblieben. Er danke den Sponsoren für diese Treue. Was hier wichtig ist: Unsere Attraktivität hängt nicht ausschließlich damit zusammen, dass wir oben mitspielen. Das ist ein stabilsierender Faktor, der nicht zu unterschätzen ist.

Zum Thema Fair Trade gäbe es noch später den Bericht der Arbeitsgemeinschaft.

Man habe eine Strategie für die Internationalisierung begonnen und diese sei auch richtig. Als Beispiel nannte er die Zusammenarbeit mit Rise against und Stoke City. Auch nach dieser MV ist uns jedoch komplett unklar, was eigentlich das Ziel der Zusammenarbeit mit Stoke ist. Eher sportlicher Austausch? Oder eher Vertriebswege etc. gegenseitig/gemeinsam nutzen?

Die Verbindlichkeiten für das Stadion werde man nächstes Jahr wieder mit 2 Millionen tilgen. Was aber auch heißt, dass wir gut 20 Jahre brauchen werden bis das wirklich 100 % bezahlt ist. Ob das Stadion dann noch als „modern“ und zeitgemäß gilt? Das wird man sehen. Man darf in diesem verrückten Geschäft nie vergessen, dass zB in Atlanta gerade zwei Stadien nach 20 Jahren Nutzung gesprengt wurden. Und das auch Freiburg, Köln oder Leipzig ihre sehr jungen Stadien schon wieder schlecht finden oder im Charakter extrem umbauen wollen.

Dieses wirtschaftliche Fundament wolle man für den nächsten großen Schritt nutzen und den Schritt in die Eigenvermarktung wagen. Dies sei keine Entscheidung gegen U!Sports, sondern eine Entscheidung für eine Eigenvermarktung des Vereins. Man führe aber Gespräche für eine modifizierte Partnerschaft mit U!Sports.

BÄM Das ist zentral!
Stand 2016 hatten in der 2. Liga 7 Vereine eine Eigenvermarktung. Dabei waren Vereine wie Aue und Fürth, die das wahrscheinlich eher nicht freiwillig selber machen, sondern weil keiner der Vermarkter ihnen auch nur annähernd einen Vertrag gegeben hätte.

Dieses Geschäft selber zu machen und nicht mehr auszulagern, ist eine riesige Entscheidung. Denn natürlich haben Gesellschaften wie U!Sports einen riesigen Kontaktpool, kennen alle Tricks und Kniffe dieses Geschäftes und können auch brutale Kaltakquise machen. Und das alles ist eben auch Teil des Bereichs Vermarktung. Hinzu kommt, dass die einem normalerweise einen gewissen Mindestumsatz garantieren, was immer ein Fußboden ist, wenn alle Stricke reissen und plötzlich niemand mehr auf die Brust des FCSP will.

Aber was wir nicht vergessen dürfen ist, dass der jetzige Vertrag mit U!Sports noch bis 2019 läuft. Das ist also bisher nur eine Ankündigung und man kann sich garantiert umentscheiden, falls U!Sports oder ein Konkurrent richtig Asche auf den Tisch legt.

Strategisch sieht man aber schon das Ziel alles möglichst selber zu machen. Leider ist davon in einem sehr zentralen Bereich, nämlich dem des Ticketings noch nicht die Rede. Und hier arbeitet der FCSP ja auch mit einem nicht gerade coolen „Partner“ zusammen. Der im Übrigen gerne eher heute als morgen ersetzt werden kann, wenn uns jemand fragt.

Selber machen ist prinzipiell immer sehr gut, heißt aber auch immer Verantwortung, Risiko und Personalkosten. Und wenn bisher was bei der Kaltakquise schief gegangen ist, konnte man den „externen Partner“ verantwortlich machen. Das geht dann nicht mehr.

Was ist eigentlich mit diesem komischen RTL Tochter Vertrag, dessen Inhalt niemand so richtig verstanden hat?

OG zum Sportlichen

Bemerkenswert, dass OG das Thema „Profimannschaft“ ganz an das Ende seiner Ausführungen stellt. Im Saal hatten wir schon die Schlagzeile der Revolverpresse fertig „FC St. Pauli versäumt es Schwerpunkt auf den Profifussball zu legen“ dazu noch ein Kommentar von irgendeinem „Sportchef“, dass der FCSP sich unbedingt auf den Profifussball konzentrieren muss und professionelle Strukturen braucht und alles andere Folklore sei. Hat jemand Presse gelesen, stand es da so?

Im Sinne eines e.V. ist der Aufbau schon vollkommen richtig. Es sei hier nur an die „Geprägerechtsprechung“ (Gesundheit!) des Bundesgerichtshof erinnert, wonach ein e.V. seine Prägung eben nicht über den Profifußball erhalten darf.

„Wir sind der Fußballclub St. Pauli“ Der Saal reagierte hier leider nicht angemessen auf den Vorsänger. Das lag garantiert auch daran, dass die Ultras keinen geschlossenen Block gebildet hatten und auf organisierten Support verzichteten.

Die Ruhe im Internen, der Mut bei Entscheidungen habe der Mannschaft Kraft gegeben, nach 6 Punkten aus den ersten 14 Spielen 34 Punkte aus dem letzten 17 Spielen zu holen.

Er danke dem Team, Ewald, Olaf für den Klassenerhalt und die Partyhölle in Lautern. Wir wollen gar nicht wissen, was da passiert ist.

Man habe sein Ziel wie angekündigt erreicht. Mit einem kleinen Augenzwinkern.

Der Dank gelte insbesondere auch Andreas Rettig, der in Doppelfunktion bei einfachen Gehalt die Rolle des Sportchefs und Geschäftsführers übernommen habe. Hier kam aus dem Saal ein ironisches „OOOOOHHHH“ Er habe unglaubliches geleistet, dafür Dank und ein lautes Oooohhh. Der Saal nahm ihm hier also den Gag weg.

Ambitionen und Ziel erreiche man nicht durch Ankündigungen von Zielen in der Öffentlichkeit, sondern man müsse sie durch harte Arbeit umzingeln. Dazu müsse man Einzelinteressen zurückstellen und gemeinsam arbeiten. Die Zielsetzungstheorie in der Motivationslehre würde unserem Präsidenten hier hart widersprechen. Klar, wir wissen nicht, was intern an Zielen ausgegeben wird, aber es ist allemal sehr klare Devise ein klares öffentliches Ziel zu vermeiden.

Kompass sei das Ranking nach TV Geldern, stünde man darüber, dann habe man gut gearbeitet, stünde man darunter, gäbe es noch Arbeit zu machen. Damit wäre diese Saison Platz 7 ein Erfolg.

Corny Littmann habe mal gesagt, er würde das erfolgreichste Präsidium der Geschichte des FCSP leiten und dies stimme auch, aber auch er könne sagen, dass dies das erfolgreichste Präsidium der Geschichte sei. Und zwar bei der Auszeichnung Tor des Monats.

Liebe Spieler, fuhr er fort, lasst weitere Erfolge folgen und lass uns nachhaltig besser werden. Danke im Namen aller für die tolle Zeit.

Bevor nun Uwe Stöver das Wort ergreife, wolle er noch den Amateurvorstand zur Entlastung vorschlagen. Der zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal seinen Bericht vorgetragen hat. Kann irgendwer bei uns das System der Entlastungen mal bitte entmotten?

Vorstellung Uwe Stöver

Es folgte Uwe Stöver, der damit begann, dass er sich für die freundliche und herzliche Aufnahme bedankte. Dies sei nicht selbstverständlich. Er sei hier neu, freue sich auf die Aufgabe.

Er sei 50 Jahre alt, verheiratet und eine Tochter aus erster Ehe. Er begann mit einem Trend dieser MV, jeder der sich vorstellte, nannte Familienstand und Nachkommen. Es gibt ungefähr keine unwichtigere Information, wenn uns jemand fragt.

Nach dem Abitur habe er sich für den Fußball entschieden, dann wurde er Lizenzspieler, er wurde Sportinvalide und hat dann als Trainer im Jugendbereich von Mainz 05 bei den Amateuren, der U 19 und der U 23 gearbeitet. Danach 6 Jahre bei Kaiserslautern in ähnlichen Positionen. Er hatte dann das Angebot Leiter des Nachwuchsleistungszentrums von Lautern zu werden und hat dann dies angenommen und seine Trainerkarriere beerdigt. Er ist dann Manager geworden, davon 10 Jahre 2. Liga und ein halbes Jahr bei Holstein Kiel in der 3. Liga.

Seine Aufgabe umfasse nicht nur die 1. Mannschaft, sondern auch darüber hinaus der Nachwuchs. Dieser sei sehr wichtig und man sei dort mit Roger Stilz und Alex Bachmann gut aufgestellt. Alex Bachmann ist/war der administrative Leiter, falls der Name jemanden nichts sagt. Der Übergang vom Nachwuchsbereich sei unglaublich wichtig, insbesondere wenn man unabhängig bleiben wolle. Die Tür müsse offen stehen, man müsse Talente begleiten und ihnen zeigen, dass dieser Weg offen sei.

Man müsse hier Litka und Schneider als Erfolge nennen, ohne die anderen nicht zu vergessen. Nachwuchs auszubilden wird der Weg sein, den man sich verschrieben hat.

Man habe in der Profimannschaft eine Mannschaft mit Charakter, die willig sei, zuhöre und an ihre Grenzen geht. Das sah man dann die zwei Spiele nach der MV nicht mehr wirklich.

Man habe dies zu Hause noch nicht so zeigen können, aber man werde daran arbeiten, die Bilanz zu Hause zu verbessern und die Auswärtsbilanz so zu bleiben. Man stehe gut da, lass uns in Angriffsmodus schalten und die verlorenen Punkte nachholen. Das hat sich innerhalb von zwei Wochen komplett überholt. Wir stehen wieder mitten in der Scheiße und haben den Trainer gewechselt.

Im Jugendbereich hätten die U17, 19 und 23 Punkte gegen den Abstieg geholt. Es sei hier wichtig die höchste Klasse zu sichern. Dank an alle Trainer. Man sei hier auf dem richtigen Weg Lustig, dass hier die Oberliga für die U 23 als höchste Klasse definiert wird. Dies ist sie ja nur so lange, so lange die 1. Mannschaft in der 2. Liga ist.

Eine schöne Geschichte sei, dass er immer als der norddeutscheste nicht Norddeutsche bezeichnet worden sei, er möge Grünkohl, Vierländer Ente, trinke Astra und sei Wetterfest.

Damit schloss er seine Rede, die irgendwie so im wagen und schwammigen blieb. Und wirklich ein feuriger Redner ist er auch nicht. Jedoch: Das ist natürlich auch alles nicht seine Aufgabe. Die ist eben eher die mittel- und langfristige Planung. Welche Kompetenz er da hat, wird sich zeigen.

Bericht Kassenprüfer

Für die Kassenprüfer berichtete Michael Wolff (MW). Er begann damit, dass nun die eher trockene Abteilung käme. Diese sei noch schwerer, wenn Oke schon die ganzen Zahlen raus gehauen habe. Man habe die finanzielle Lage geprüft, Belege geprüft und Akten gewälzt (es ist wohl spät, ich habe hier eben „Aktien geschätzt“ gelesen und bin fast hinten über gekippt vor Schreck Anmerkung der Korrekturhilfe) Dadurch habe man einen guten Überblick auf die Finanzlage. Das Rechnungswesen sei gut bis sehr gut, in Hamburg sei man jetzt die soliden. Er wisse noch nicht, ob das ihm gefalle, er sei doch gerne Zecke gewesen. Punk ist nicht Tod. Punk ist jetzt finanziell solide. Ne aber mal ehrlich: Das ist hier natürlich als Lacher geplant, aber eigentlich ist es kein Widerspruch, außer man lebt das konservative Vorurteil, dass Linke nicht mit Geld umgehen können.

Er bedanke sich bei den 21 Kassenführern der Abteilungen für die Arbeit, aber 21 Kassenführer würde auch bedeuten, dass man 21 Arten der Kassenführung hat, was das ganze nicht einfacher mache. Ein ausdrückliches Lob an die AFM, da mache es Spaß die Kasse zu prüfen. Das ist eine Sache, die wir nun schon seit Jahren von allen möglichen Kassenprüfern hören, dass die AFM ihre Kasse gut macht. Muss also stimmen! Glückwunsch dazu, AFM! Gab es auch nicht mal so einen Kurs „How to Kassenführung“ für die Abteilungen? Das würde ggf. das ganze zumindest ein bisschen harmonisieren, wenn man den mal wiederholt.

Er danke auch den Hauptamtlichen und dem Aufsichtsrat für die gute Zusammenarbeit. Das Präsidium habe man diesmal nicht gebraucht.

Er habe jedoch ein grundsätzliches Problem. Man zahle viel Steuern aufgrund der Gewinne. Man müsse hinbekommen die Steuerlast zu minimieren. Man müsse hinbekommen, dass man dies gelöst bekomme. Da müssten sich alle zusammensetzen, da dies ein strukturelles Problem sei. Man sollte da alles nutzen, was die Struktur hergebe. Man leiste im Verein Großes, dafür brauche man Geld.

Hier muss man ihm extrem widersprechen! Das Grundproblem ist, dass so ein Verein (ganz vereinfacht dargestellt) einen steuerpflichtigen und einen nicht steuerpflichtigen Bereich hat. Genannt wirtschaftlicher Bereich und ideeller Bereich. Das ist theoretisch ganz scharf abgrenzbar, aber doch gibt es Felder, die irgendwie dazwischen hängen und die man dann einem dieser Bereich zuordnen kann und muss). Wir hatten das Thema schon vor ca. 5 Jahren. Bei uns sind diese „dazwischen“ Bereiche insbesondere die höheren Jugendmannschaften des Herrenfußballs. Sie mit ihrem Aufwand dem wirtschaftlichen Bereich zuzuordnen würde dort den rechnerischen Gewinn mindern und damit auch die Steuerlast.

JEDOCH! Und das ist ein Killerargument: Damit entfällt gleichzeitig jegliche Finanzierung aus dem ideellen Bereich und zu diesem gehört auch ganz klar die AFM. Denn während der wirtschaftliche Bereich den ideellen Bereich finanzieren darf, darf dies andersherum nicht passieren. Ja, so eine Konstruktion als e.V. hat auch seine Nachteile.

Und wenn man uns fragt, dann ist die Finanzierungsmöglichkeit durch die AFM sehr viel mehr wert, als ein paar Steuern zu sparen auf Gewinne, die zum größten Teil nicht einmal planmäßig jedes Jahr anfallen. Steuern zu zahlen sollte man auch nicht so als verwerflich darstellen. Immerhin nutzen wir alle auch U/S Bahn oder Straße um zum Stadion zu kommen. Eine Änderung der Struktur würde die AFM auch ihrer Geschäftsgrundlage entziehen. Und dies ergibt keinen Sinn. Achtung: So ein Wechsel bindet einen erstmal einige Jahre. Ein ständiges Hin- und Her zwischen wirtschaftlichem und ideellen Bereich gibt es nicht.

Der Kauf der Marktingrechte habe sich gelohnt. Man müsse aber bedenken, dass wir viel Geld für das Stadion einsetzen würden. Und wenn wir pleite gingen, dann wäre das Stadion auch nix wert, denn es gäbe dafür wenig Markt. Man sehe das bei den Kollegen von der Müllverbrennung (die nebenbei nicht mehr existiert, liebe St. Paulianer), die ihr Stadion mit 50 Millionen stillen Reserven angeben würden, aber eigentlich pleite seien.

Man müsse dabei bedenken, dass Fußball nicht planbar sei, in der 2. Liga sei alles gut, aber man müsse eben auch für die 3. Liga planen und Lösungen finden. Man habe häufig genug am Abgrund gestanden und den Schritt zum Glück nicht gemacht. Er sehe aber, dass das Präsidium, der Aufsichtsrat an dieser Frage arbeiten und sei guten Mutes.

Er empfehle dem AR, das Präsidium zur Entlastung vorzuschlagen.

Dieser Beitrag wird in folgendem Tweet beinah vollständig kommentiert:

Man könnte auch sagen: Ein Showtalent ist er, aber irgendwie würde man doch ganz gerne mehr über Zahlen hören.

Bericht des Aufsichtsrates

Es folgte Sandra Schwedler (nachfolgend einfach Sandra genannt 😉 ) für den Aufsichtsrat. Man habe eine bewegende Saison hinter sich gehabt, die gezeigt habe, wieviel brach liege, wenn man um die Klasse kämpfe. Die Platzierung am Ende sei ein großer Erfolg.

Nun blicke man beruhigter auf die Tabelle, danke Olaf und seinem Team dafür und blicke zuversichtlich in die Zukunft. (Oh man, war die Welt doch noch schön vor zwei Wochen). Auch ihr Dank gelte Andreas Rettig, man sei aber froh Uwe Stöver gewonnen zu haben.

Das NLZ habe ganz viele Schritte nach vorne gemacht. Roger Stilz habe da ganz viel angestoßen. Es stünde wieder die Zertifizierung an und die Kriterien seien härter geworden, aber man hoffe die erreichten Sterne zu halten. Dem Präsidium ist bewusst, dass dort die Zukunft läge. Zwei Mitarbeiter Claus Teister und Alex Bachmann würden das NLZ nun verlassen, man danke für den Einsatz, das Herzblut, welches über Jahre in das NLZ geflossen sei. Ups, das hatte ich beim Präsidium gar nicht so verstanden, dass Alex auch geht. Ebenso: Alles Gute und danke für den Fisch!

Zu den Finanzen. Man stünde wirtschaftlich gut da. Man plane konservativ, aber wolle auch Chancen nutzen. Die mediale Verwertung spiele eine große Rolle. Durch diese Rolle käme es auch zu einem erhöhten Druck Geld auf atypischer Weise zu beschaffen, daher würden viele das Investorenmodell bevorzugen.

Man glaube aber an das Vereinsmodell und wolle dies konsequent weiter verfolgen, aber auch neue Ideen entwickeln, um Teil des Profifußballs zu bleiben. Deswegen sei die Entscheidung die Vermarktung selber zu machen richtig und wichtig.

Man zeige als Verein Haltung und das nicht nur bei Corporate Social Responsibility, sondern auch bei G 20 oder bei den Verbänden, wo man sich für die Integrität des Wettbewerbes einsetze. Man habe nun auch intern eine Inklusionsstelle ausgeschrieben (Sehr gut!).

Der Grundlagenvertrag sein ein wichtiger Grundpfeiler für die Amateurabteilungen. Viele hätten große Erfolge errungen, allen voran die Blindenfußballer (erneuter Applaus, zu Recht).

Man leide unter einem Mangel an Sportsstätten, trotzdem habe man die Entscheidung begrüßt aus dem Bunkerprojekt auszusteigen. Das sei nicht das richtige gewesen, auch wenn man mit seinem Engagement was für die Bestandsmieter habe herausholen können in den Verhandlungen. Nachdrücklich fordere man, sich für neue Sportstätten zu engagieren.

Durch den Rückkauf von Upsolut und die Vermarktung habe man jetzt auch Platzmangel in der Geschäftsstelle in der Südkurve. Die ganze Konstruktion ist gerade einmal 10 Jahre alt und schon haben wir wieder zu wenig Platz. Es ist schon irgendwie bemerkenswert. So ist der Lauf der Zeit. Wenn wir unser Brauhaus in einer der Ecken bauen, sollten wir ein paar Büros mit einplanen.

Das nun folgende fassen wir mal wörtlich in drei Tweets des offiziellen Vereinsaccounts zusammen:

Ganz ehrlich: Erste Reaktion war ein WAAAAAAAAASSSS???? Was ist mit dem Fanladen? Wer macht da Scheiße? Eine Nachfrage an Sandra ergab aber, dass das wirklich nur allgemein gemeint war. Jedoch: Die Warnung sollten wir uns trotzdem hinter die Ohren malen. Auch wenn sich der Fanladen im Laufe der Jahre gewandelt hat. auch wenn da nicht mehr ein Sven Brux alles regelt und gleichzeitig Vorsänger, Fanszenenkopf und Fanzineschreiber ist, so bleibt der Fanladen doch ein zentraler Angelpunkt und Kochtopf für neue Ideen. Und die werden wir brauchen. Hinsichtlich der Ereignisse der letzten Tage (Durchsuchung der Fanprojekte in Dresden und Karlsruhe ) sind diese Worte von Sandra zum FL noch mal umso wichtiger und sollten SEHR zu Herzen genommen werden!

Man müsse die Kommunikation weiter stärken, die sei schon gut, aber da sei noch viel Luft nach oben. Das Präsidium sei wunschgemäß zurück getreten, dies sei ein zukunftsgerichteter Weg. Sie danke TH und RK für die Arbeit, diese war nicht immer sichtbar, aber sehr wichtig für den Verein. Man habe insgesamt eine gute Zusammenarbeit mit dem Präsidium, aber Stillstand sei Rückschritt, wie der liebe Bodo immer gesagt habe. Kann es sein, dass der gute geschätzte Bodo von vielen Funktionären vermisst wird in seiner Funktion als Amateurvorstand?

Auch wenn der geschätzte Mitblogger es erst später twitterte, es passt auch hier:

Man muss sich immer fragen, wo die Balance ist zwischen einer guten Streitkultur und einer diskursiven Selbstbeweihräucherung. Das ist immer eine feine Linie.

Bericht Amateurvorstand.

Es folgte Jörn Sturm für den Amateurvorstand. „Liebe Freundinnen und Freunde…“ Es sei auch im Amateurbereich ein bewegtes Jahr gewesen. Man sei immerhin Weltmeister geworden. Den Erfolg von Nico (Nachname bewusst weggelassen) wolle er hervorheben. Immerhin sei er Weltmeister in seiner Jugendaltersklasse im Tischfußball geworden. (Ha! 27 mal deutscher Meister? Eat this Bayern!). Er wolle ihn dazu beglückwünschen.

Ebenso habe man sich über den Erfolg der Blindenfußballer gefreut. Eine tolle Leistung. Er möchte hier Wolff nennen. Wer Wolffs Fußballkompetenz hören will, dem sei das AFM Radio ans Herz gelegt. Das ist im Übrigen mE nach im Moment die einzige Opfion ein Spiel der 1. und 2. Liga legal(!), live, weitgehend kostenfrei und ohne musikalische Unterbrechung in Ton mitverfolgen zu können. Ab der dritten Liga gibt es glaube ich gar keine Radio-Reportagen und im öff-TV nur selten zu sehen. Die Entwicklung ist mE richtig Krass. Der Zuganng als Interessierter/Fan zu Profifußball ist für Leute unter Mittelstand kaum mehr möglich. Mir fällt nur noch ein, sich in die Kneipe zu setzten und sich da über einen Nachmittag-Abend an ein bis zwei Cola festzuhalten. Merkt die Korrekturhilfe an.

Man könne dem Erfolg die Krone aufsetzen und die Mannschaft noch zur Mannschaft des Jahres beim Abendblatt machen, dafür seien Smartphones ja wohl da.

Beim Fußball seien noch die 1. Frauen zu nennen, die letztes Jahr den 3. Platz in der Regionalliga erreicht hätten als Aufsteiger und nun um den Titel mitkämpfen würden. Dafür viel Erfolg. Er verspreche jegliche Unterstützung bei der politischen Suche nach Plätzen, denn zur Zeit würden die 1. Frauen auf einem halben Platz trainieren und würden an der Feldstraße nur mit einer Ausnahmegenehmigung spielen.

Da war es wieder unser Platzproblem. Auch wenn wir uns wiederholen: Hier hat der Senat über Jahrzehnte versagt und es kann nicht sein, dass innerstädtisch keine Plätze und Möglichkeiten geschaffen wurden, die auch höherklassigen Amateursport zulassen.

Für die Nennung der ganzen weiteren Erfolge reiche die Zeit nicht. Wichtig sei im Breitensport sowieso, dass man die Ziele erreiche, die man sich selber gesetzt habe. Dafür allgemein ein Glückwunsch und er drücke die Daumen, dass diese weiterhin erreicht werden,

Neben den Wettkämpfern sei auch die ganzen ehrenamtlichen Helfer zu danken, die mit ihrem Einsatz die Wettkämpfe erst möglich machen würden. Exemplarisch sei hier der Lauf gegen Rechts der Marathonabteilung genannt, welcher ein deutliches Zeichen gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit setze. Wieder hätten sich über 2000 Menschen beteiligt. Aber nicht alle sehen das so, daher habe man auf einen entsprechenden Leserbrief im Blickpunkt geantwortet. (Das war ein „aber die Linken“ Leserbrief. Gut, dass sich da noch jemand die verlorene Liebesmühe macht drauf zu antworten.

Bei aller Euphorie sei es aber auch angebracht ein paar mahnende Worte zu finden. Unsere Gegnerinnen und Gegner kämen hier als Gäste, es kann nicht sein, dass sie oder ihre Freunde angegriffen werden. Das gehe gar nicht. (Direkter Hinweis auf die Falke Geschichte, dazu ist wohl alles sonst gesagt.

Noch was zu Schiedsrichter, diese seien kein Freiwild. Man sei froh über jeden, der dies mache. Er wolle jedem danken. Und gleichzeitig einen Aufruf starten doch Schiedsrichter zu werden, da man noch mehr melden müsse.

 

Überlegt nicht, macht es! Tipps und Tricks gibt euch garantiert gerne der Frodo vom Übersteiger.

Er dankte dann den ausscheidenden Mitgliedern im Amateurvorstand, deren Namen ich leider nicht mitgeschrieben habe. Danke auch von unserer Stelle.

Im Satzungsänderungsantrag gäbe es erhebliche Änderungen im Bereich des Amateurvorstandes. Diesem seien in seinem ersten Jahr im Amateurvorstand viel kennen lernen, sondieren und Gespräche vorhergegangen. Das nun gefundene Stimmenverteilungsverfahren sei ein Kompromiss und er danke den Herrenfußballern, dass sie auf Stimmen verzichtet haben. Ich möchte gar nicht wissen, wie viel Gerede für so etwas notwendig ist. So alte Stimmverteilungen sind immer schwierig aufzubrechen. Umso schöner, dass es geklappt hat.

Er möchte auch erwähnen, dass es nun einen Grundlagenvertrag gäbe. Das sei schön für die Amateure und er danke Tom und Reinher dafür, dass sie den ausgehandelt und ausgearbeitet hätten.

Er erlebe die Zusammenarbeit mit dem Präsidium und dem Aufsichtsrat als sehr vertrauensvoll. Auch wenn wir oben vor zuviel Harmonie warnten, besser als die jährlichen Beiträge von Amateurvorstand und AFM, dass sie beim Präsidium so gar nicht ankommen, ist dieser Zustand allemal.

Man können nun durch den Grundlagenvertrag alle Verantwortung bündeln und an einer Weiterentwicklung arbeiten. Man sei der 3. größte Sportverein in Hamburg und gehe trotzdem immer wieder leer aus. Er vertrete den Verein häufig auf Symposien und da würde er dann den Hauptamtlichen der mittelgroßen Vereine gegenübersitzen und da werde Stadtentwicklung durch Sport gemacht. Da komme er von der Power nicht mehr mit. Dabei sei dies doch genau unser Thema, was man nun durch einen hauptamtlichen Geschäftsführer besetzen könne. Sport gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit. Sport als Freiräume, die in unserem Sinne zu besetzen seien. Dafür brauche man diesen Geschäftsführer. Ausdrücklich auch auf der Ebene „Geschäftsführer“, damit man Zugang zur Politik bekomme. Die Strukturen seien damit gestärkt, es läge eine spannende Zeit vor uns, der Weg sei richtig. Amen. Ihm ist zuzustimmen.

Bericht der AFM

Traditionell lässt der Hausjurist bei Alex das mitschreiben. Das ist nun gar nix gegen Alex, aber a.) hat die AFM eine eigene Versammlung, die Interessierte gerne mal besuchen können. b.) irgendwann muss man im Laufe von 6 Stunden mitschreiben mal eine Pause machen und da bietet sich aufgrund von a) die AFM einfach an. Daher nur eine kurze Zusammenfassung:

Auch Alex lobte die Zusammenarbeit mit AR und Präsidium. Die Kritik von früher sei nicht mehr nötig. Das Young Rebels Magazin in Papier gibt es nicht mehr, wird aber in Young Rebels Online überführt. Schade, das hab ich immer gerne gelesen. Auf Papier. Ja das ist inkonsequent zu dem eben gesagtem.

Selbstkritisch äußerte er sich bei dem Abteilungsleben, wo bisher eine erhebliche Passivität herrscht. Die Verantwortung zur Integration der Mitglieder läge bei der Abteilungsleitung, das sei bisher kein großer Erfolg. Man wolle daher am 13.02.2018 erörtern, welchen Wunsch nach konkreten Beteiligungsmöglichkeiten und Informationen es so gäbe.

Das ist nicht nur ein Problem der AFM, siehe oben. Und wir müssen das ändern. Wir benötigen eine sehr hohe Beteiligung im Ehrenamt, wenn wir als Verein bestehen wollen und unseren besonderen Weg mit Leben füllen wollen. Da hilft aber ein „Arschtritt von oben“ weiter. Leute, rafft euch auf, macht was, bringt euch ein. Beginnt damit am 13.02.2018 dahin zu gehen, so weit ihr AFM Mitglied seid.

Ach ja: Komische Strukturen im FCSP. Die AFM ist direkt unter dem Präsidium aufgehängt und hat im Gegensatz zu allen anderen Abteilungen keine Vertretung durch den Amateurvorstand. Daher immer dieser Bericht, der immer auch ein bisschen ein Fremdkörper ist. Nun gut, diese Struktur ist nun mal so gewachsen und kann auch ohne weiteres so bleiben.

Bericht des Ehrenrates

Es folgte Manfred Heinzinger für den Ehrenrat. Man schreibe das Jahr 2017, alle Profivereine in Deutschland seien als Kapitalgesellschaften organisiert. Alle Vereine? Nein, im hohen Norden sei man anders. Und wer sich hier an Asterix erinnert fühle, der liege richtig. Asterix Einleitung: „Wir befinden uns im Jahre 50 v.Chr. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt… Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die römischen Legionäre, die als Besatzung in den befestigten Lagern Babaorum, Aquarium, Laudanum und Kleinbonum liegen…“ Die befestigten Lager bei uns sind dann Davidwache, Lerchenstraßenwache, Domwache und Volksparkstadion? Schöne Assoziation, aber auch mit einer Gefahr. Wenn sie Trend wird und der Weg dieses Vereins ständig als so etwas Besonderes, ja Sonderbares hervorgehoben wird. Das kann auf lange Sicht auch zu einer Ausssonderung, Absonderung, Randerscheinung etc. Dabei sollte es doch eigentlich Ziel sein, dass dieser Weg eine Selbstverständlichkeit, eine Position im Zentrum, der Standard ist, den man halt dadurch errreicht, wenn unser Modell Nachahmung erfährt. Wir haben uns ja auch auf die Fahnen geschrieben, dass wir einen Beitrag für das Zusammenleben in der Gesellschaft etc leisten wollen – dies tun wir aber nicht, bzw wir werden darin topediert und erfahren auch keine Nachahmung, wenn wir uns ständig als Insel der Glückseligen darstellen.

Es sei ein schwieriger Weg Mitglieder bestimmen zu lassen, dazu müsse man kritisch und vorausschauend arbeiten. Der Neid anderer Fans ob dieses Weges sei uns aber sicher. Der Weg werde honoriert. Die Ruhe den Trainer nicht zu feuern, habe Anerkennung gebracht. Man begrüße Uwe Stöver und Olaf Janßen. Man wünsche ihnen Erfolg.

Auch im Amateurbereich sei man sehr erfolgreich gewesen. Er wiederholte dann die bereits genannten Erfolge.

Hochachtung habe er auch vor den Handballern, die in Ruanda Unterstützung geleistet haben. Infos und Links dazu findet man z.B. hier.

Rugby und auch andere hätten viele Aktionen weit über den Sport hinaus gemacht, es gab keine Erwähnung, darauf habe man es auch nicht angelegt. Schade eigentlich, denn so etwas kann auch innervereinliches Vorbild sein.

Der Ehrenrat sei nicht wegen Streitigkeiten angerufen worden, auch aus eigener Zuständigkeit sei man nicht tätig geworden. Man habe als Ratgeber zur Verfügung gestanden und auch in der Satzungskommission mitgewirkt.

Man sei in den Top 20 der deutschen Vereine und zwar auf Platz 16 und damit der Verein mit den meisten Mitgliedern in der 2. Liga. Und dies ohne eine Verknüpfung von Dauerkarte mit der Mitgliedschaft, wie es z.B. Bayern und 1860 praktizieren oder Union nun eingeführt hat.

Man habe 2236 Glückwunschkarten zu runden Geburtstagen oder Vereinsjubilen geschrieben. Man könne sagen, dass jedes Ehrenratsmitglied jeden Tag eine Karte geschrieben habe. Man mag das als Vereinsmeierei abtun, aber ich hab mich über jede Karte, die ich bisher erhalten habe einen Ast gefreut. Ihr macht das super.

Er wolle Peter Haselau danken, der aus dem Gremium ausscheide. Da der erkrankt nicht da sein, werde man das in geeigneter Form nachholen. Er freue sich bei den Ehrungen gleich Bilder liefern zu können und danke der Geschäftsstelle dafür, dass sie da unterstützt habe.

Eine Sache habe er noch: Er habe 2011 eine Anleihe von 200 Euro gezeichnet, er habe damals gesagt, er würde auf die Rückzahlung verzichten, wenn das Geld vernünftig eingesetzt werden, er sehe dies als erfüllt an und werde sein Geld nicht zurück verlangen und würde sich freuen, wenn ihm viele Leute folgen würden, Jeder Betrag helfe.

Da das später auch noch mal Thema wurde: Der Verein sollte sich hier aufgefordert fühlen eine entsprechende Möglichkeit zu schaffen, ggf. auch ohne die Rückgabe der Schmuckanleihe. Man hat genug rechtliche und finanzielle Experten, um hier einen Weg zu finden, dass Leute offensiv ihren Verzicht erklären können und das ganze dann auch Bilanzwirksam wird. Achtung: Das ist steuerlich dann aber eine Schenkung, falls da wer höhere Beträge als 200 Euro gezeichnet hat.

Die einzige Nachfrage des Tages

Es folgte die einzige Wortmeldung aus dem Plenum zu einem Bericht. Ein junger Herr (dem Blog namentlich bekannt) fragte nach der Mitgliedschaft von Andreas Grote und einem eventuellen Ausschluß. Manfred antwortete, dass es einen Antrag nicht gegeben hätte und man sich auch in „von Amts wegen“ dagegen entschlossen habe ein Verfahren zu eröffnen. Es habe Diskussionen gegeben, aber man sei klar darüber gewesen, dass dies beruflich gewesen sei und nichts mit dem FCSP zu tun gehabt habe.

Exkurs / Unser Andy

Ja, wir hatten damals auch kurz dazu was geschrieben, warum wir ein Ausschlußverfahren für wenig erfolgversprechend halten. Darauf sei verwiesen. Trotzdem ist es irgendwie auch enttäuschend, dass keiner der Redner mal ein kritisches Wort für unser Vereinsmitglied übrig hatte. Ja wir verstehen die ganzen Zwänge, die man so hat, insbesondere da Andy G. eben nicht nur für die Polizei zuständig ist, sondern auch für den Sport. Leider wählt Hamburg nicht so wie St. Pauli, wo ein Bündnis von Die Linke und Grünen die Mehrheit hätte. Wäre die politische Konstellation so, wäre vieles in dieser Stadt anders und vieles für uns als Verein einfacher. So ist es aber nicht. Und so müssen wir uns ständig arrangieren und auch verbiegen.

Aber irgendwo ist eben eine Grenze des Verbiegens und des Eiertanzes erreicht. Und so hätten wir uns schon gewünscht, dass vielleicht nicht Oke, aber einer der anderen Redner deutliche persönliche Worte an Andy G. gerichtet hätte.
Das wird er in seinem Elfenbeinturm wahrscheinlich nicht mitbekommen, aber irgendwie hätte es die Seele doch befriedigt. Wir bleiben dabei: Andy G. hat in diesem Verein nichts verloren und man sollte ihm dies auch immer wieder deutlich machen. Freundlich aber bestimmt. Vielleicht ergibt sich der Ausschluss dann irgendwie von selbst? Mal sehen, ob er sich überhaupt traut in den nächsten Jahren irgendwo aktiv in Erscheinung zu treten. Falls ja: Immer freundlich bleiben, aber bestimmt.

Exkurs Ende

Entlastung des Präsidenten

Diese wurde bei 0 Gegenstimmen und 13 Enthaltungen (zu einer bekennt sich der Schreiber dieser Zeilen, da ohne Bilanz keine Entlastung) gewährt. Der Amateurvorstand wurde mit 9 Enthaltungen und 0 Gegenstimmen entlastet.

Wahl des Präsidenten

KH führte in die Materie mit dem nächsten Satzungsporno ein. Unsere Satzung sieht vor, dass unser Präsidium aus einem Präsidenten und zwei Vizepräsidenten besteht, es kann aber vom Aufsichtsrat auf zwei weitere Mitglieder erweitert werden. Hat von dieser Möglichkeit des § 21 eigentlich schon mal ein Präsident nicht Gebrauch gemacht? Ich könnte mir selbst bei einem vollständig hauptamtlich tätigen Präsidium nur schwer ein drei Personen Präsidium vorstellen.

Die MV wähle dann auf Vorschlag des AR den Präsidenten, dieser schlage dann die Vizepräsidenten vor, diese würden dann nach der Wahl des Präsidenten gewählt. Man dürfen zwischen 25 und 70 Jahre alt sein.

OG wurde vor 8 Wochen vom AR vorgeschlagen, dieser wiederrum habe 6 Wochen vorher seine Vizes vorgeschlagen, alle würden die formellen Voraussetzungen erfüllen.

Man kann sich nebenbei fragen, ob dieser Alterskorridor nicht mal bei Gelegenheit gestrichen werden sollte, denn er ist ja schon eine Diskriminierung über das Alter. Und bei einer immer älter werdenden Gesellschaft ist ein 70 jähriger ja nicht schon auf dem Totenbett liegend und ein 25 jähriger ist im Notfall auch schon mitten im Berufsleben. Spätestens bei hauptamtlichen Präsidiumsmitgliedern wäre hier auch das AGG zu bedenken.

OG stellte sich also vor.

Liebe St. PaulianerInnen begann er. Er wolle mit der Mannschaft beginnen, auch wenn er diese Passage dann zweimal vorlesen müsse, denn diese müsse nun los, weil sie ja viele Tore in Fürth erzielen wolle. Es ist schon immer süß, wenn erwachsene Menschen so um 21 Uhr symbolisch ins Be äh vor den Netflix Account geschoben werden.

Man wolle die größten Erfolge erzielen, auch um möglichst vielen Leuten unsere Ideen und Werte nahezubringen. Dazu lade man die Spieler ein, beim Verein zu bleiben und dies gemeinsam zu erreichen, diese Ziele mit Taten und Toren zu unterstützen. Hier gelte wie im Profifußball allgemein gemeinsam könne man Ziele erreichen. Haut Fürth weg und holt euch die Punkte zurück, die ihr obwohl die bessere Mannschaft liegen lassen habt. Okay, das wird nicht als der Wendepunkt zum Aufstieg in die Analen des FCSP eingehen. Die Mannschaft nebenbei im Levi’s Ausgehlook, der auch für die noch zu gründende Lumberjack Abteilung  als Teamkleidung passend gewesen wäre. Oder für Grunge Musiker der 90er.

Die Anwesenheit

Kurz mal zwischendurch wurde die Anwesenheit um 19:50 verkündet, während die Mannschaft zu „Auswärtssieg“ Rufen den Saal verlies. 601 Mitglieder waren anwesend, davon 590 stimmberechtigte und 11 nicht stimmberechtigte. Die sich sofort zur Avangarde ausriefen:

OG began dann erneut. Er wolle sich erneut vorstellen, würde sich freuen das ganze weiter gemeinsam zu machen. Sich im Profifußball zu halten, sei eine Herausforderung, die Wage zwischen Moderne und Romantik habe der Fußball noch nicht gefunden. Man müsse auf diesen Wettbewerb die richtigen Antworten finden.

Wie könne man Erfolg unter Wahrung der Werte erreichen, sei die entscheidende Frage. Man wolle e.V. bleiben, da gäbe es keine Alternative zu. Dieses Alleinstellungsmerkmal könne man nur halten, wenn man die Last auf viele Schultern verteile (siehe oben).

Der Weg dazu kann nur Wachstum sein. Sowohl bei Mitgliedern, als auch bei den Partnern. Übersetzt: Wir müssen noch verdammt viel machen, um genügend Geld rein zu bekommen, um stabil zu sein.

Bei dem Fokus auf die Profis dürfe man auch die anderen Bereiche des Vereines und die Werte nicht aus den Augen verlieren. Er wiederholte dann das oben Gesagte.

Er wolle dies mit seinem Team weitere vier Jahre vorantreiben und vertreten.

Vorstellung der Vizepräsidenten

Es folgte dann direkt die Vorstellung der Vizepräsidenten. Das ist rein formal natürlich ein bisschen komisch, da man die ja überhaupt nur wählt, wenn man einen Präsidenten gewählt hat, aber anderseits war man so einmal dabei, dann kann man das auch in einem Rutsch abhandeln.

Es begann ChH.

Sie sei 54 Jahre alt, verheiratet und habe einen 22 jährigen Sohn. Sie lebe auf St. Pauli, arbeite bei ‚Mieter helfen Mieter‘ als Anwältin in der Geschäftsstelle in der Schanze mit und habe da insbesondere die Kompetenz für Wohn- und Kulturprojekte. Sie war u.a. beratend für die Essohäuseriniative, den Golden Pudel und das Gängeviertel tätig.

Zum Sport sei sie beim SC Sternschanze gekommen, wo sie den Kinder- und Jugendbereich aufgebaut habe, der heute 600 Kinder umfasse. Dort war sie auch für die Erweiterung der Sportstätten zuständig. Und das ziemlich erfolgreich, wenn man sich SC Sternschanze heute im Vergleich von vor 15 Jahren ansieht.)

Politisch kommt sie aus dem Recht auf Stadt Bündnis  und aus dem Bündnis St. Pauli selber machen. Kern des letzteren sei, dass Beteiligung nicht reiche, man wolle selber machen. Nun wolle sie den FCSP selber machen, für Fans, Mitglieder, Amateure und Fußballer. Ihre Ziele seien an den St. Pauli Code angelehnt. Unterschiedlichkeiten erkennen und respektieren. 2. Werte und Normen vertreten 3. neue Wege gehen. Sie hoffe man könne das gemeinsam umsetzen.

Man muss sagen, dass ChH einen sehr kompetenten Eindruck macht und natürlich ganz viel Stallgeruch mitbringt. Aber nicht nur, dass sie in diesem Mikrokosmos stark verwurzelt ist, sie hat auch in Initiativen mitgearbeitet, die Kompromisse mit Gebilden weit außerhalb dieses Kosmos hinbekommen haben. Das ist doch mal ein guter Steckbrief. Die Rede kam auch sympathisch rüber.

Es folgte CH

Er sei bei der Barclays Bank Vater von zwei Kindern. Er habe vor 9 Jahren die erste Begegnung mit dem FCSP gehabt und das Umfeld des Vereines kennen gelernt. Er habe sich schon mehrfach in sozialen Projekten engagiert, z.B. beim Haus der Familie (Er nennen sich ungefähr 2000 soziale Projekte, daher unklar welches) oder bei Nestwerk  und bei die Spielmacher (auch hier unklar, welche Organisation gemeint ist, daher ohne Link). Beruflich sei er seit 25 Jahren aktiv, erst als Wirtschaftsprüfer, dann in der Wirtschaft, bei der Royal Bank of Scotland, nun bei der Barclays Bank. Finanzen sei seine Kompetenz, diese wolle er anbieten.

Wirtschaftliche Stabilität sei wichtig, darauf könne man seinen Erfolg aufbauen. Damit am Ende der Spagat zwischen Stadtteilverein und Profifußball gelingen kann. „Das ist kein Gegensatz, Digga!“ will man ihm zurufen. Die Formulierung weicht aber schon weit von dem „Alleinstellungsmerkmal“ und anderen positiven Formulierungen anderer Entscheidungsträger ab.

Er könne sich für die Werteorientierung begeistern, dies sei auch in seinem Unternehmen wichtig. Man lasse sich auch dort nicht verbiegen. Da stolperten viele drüber, weil Unternehmen, Bank und Werte sind ja nicht gerade Begriffe, die automatisch in einem Satz vorkommen. Die Mutter der deutschen Barclays hat auf ihrer Internetseite jedoch einen sehr breiten Bereich, wo die Werte erklärt sind und das erscheint doch eher außergewöhnlich. Ob das alles so im einzelnen gelebt wird, können wir nicht nachprüfen. So wirkte das aber ein bisschen im leeren Raum und ließ Fragezeichen.

Es folgte JW

Er sei 66 Jahre alt. (Womit wir denn an der Altersgrenze sind und dies definitiv seine letzte Amtsperiode ist). Er habe 2 erwachsene Söhne und zwei entzückende aber anstrengende Enkelkinder. Das nächste Mal möchten wir nebenbei immer Fotos der Abkömmlinge. Ne, nicht wirklich. Diese Info ist echt kein Entscheidungskriterium.
Er sei Unternehmer in Norden. Er habe an der Sanierung von 20 Gesellschaften als Consultant mitgearbeitet. Vor 3 Jahren sei er angetreten um einen Beitrag zur Stabilisierung zu leisten. Und er habe sich damit beschäftigt und mit dem Bau der Gegengerade, der externen Domwache.
Vieles habe er auch still einfangen müssen, wie z.B. eine Erweiterung der Kollaustraße, da man diese leider in ein ausgewiesenes Überschwemmungsgebiet hätte bauen müssen, was nicht geht.
Zuletzt habe er sich mit den Darlehen und der Vermarktung beschäftigt. Die neue Finanzierung der Anleihe sei weniger komplex und zinsgünstiger.

Beim NLZ gäbe es noch ganz viel Bedarf. Die Spiel- und Trainingsorte seien verteilt, hätten nicht den gewünschten Standard und zu wenig Funktionsgebäude. Man bräuchte ein NLZ zum trainieren und spielen an einem Ort. Hier muss man wohl irgendwann auch mal überlegen, ob die Stadt Hamburg der geeignete Standort ist. Denn wenn diese nicht mitspielen will, indem sie Grundstücke dafür ermöglicht, dann behaupten wir einfach mal, dass es genügend Nachbargemeinden gibt, die sich die Finger nach einem solchen NLZ lecken würden. Und ja, das ist immer der Plan B, denn wir sind ein innerstädtischer Verein, der am besten auch alles innerstädtisch haben soll. Aber wenn es nicht voran geht, braucht man Alternativen. Was ist eigentlich auf dem Kleinen Grasbrook so geplant, liebe Stadt Hamburg? Wieder nur Luxuswohnungen mit einigen sozialen Feigenblättern? Oder echte Stadtentwicklung?

Die letzten drei Jahre hätten ihm viel Spaß gemacht, wäre da nicht die ärgerliche Beschäftigung mit der 3. Liga gewesen. Er wolle weiter machen und seine Verbindungen für den Verein nutzen.

Das war eine solide Vorstellung, von jemandem, der garantiert wenig Stallgeruch hat, dafür aber ganz viele Verbindungen in Kreise, in denen wir ehemaligen Punks nicht verkehren. So etwas ist eben auch wichtig.

Es folgte JP

Er sei 52 Jahre alt, verheiratet und habe einen 13 und 15 jährigen Sohn. Das Thema Diversität auf Führungsebene können wir nebenbei in den nächsten Jahren auch mal gerne angehen.
Er habe beim FCSP in der Oberliga unter Lorkowski gespielt, sei dann Vertragsamateur gewesen und habe sich in der 2. Liga im Kern warm gelaufen. Endlich mal jemand mit konkreten Kompetenzen!
Er habe sich bei potentiellen Entwicklungen in der Vermarktung, dem Sport und Personalprozessen eingemischt.
Er sei gefragt, ob er erneut Lust habe und da es ihm große Freude gemacht habe an den Aufgaben zu arbeiten und es gut funktioniert habe, habe er zugesagt.

Beim Thema Eigenvermarktung habe man frühzeitig mit dem Vermarkter gesprochen, der geholfen habe, aber auch gerne in der jetzigen Form weiter gemacht habe und ein verbessertes Angebot vorgelegt habe. Das Ziel sei aber die Unabhängigkeit. Man wolle nun diesen Schritt gehen.

U!Sports habe einen super Job gemacht, auch in der Beratung zum Thema Eigenvermarktung. Dieser Schritt sei eine große Chance und eine große Herausforderung.

Der etwas romantische Ansatz sei, dass man eben nicht nur Sponsoren habe, sondern Partner, die auch eine Wertepartnerschaft sei. Man wolle Verbindungen, die mehr als 2, 3 Jahre halten würden. Das ist dann ein schwer zu erreichendes Idealbild, auch wenn beim FCSP einige Sponsoren echt lange dabei sind und auch halbwegs passen.

Man wolle wachsen, da auch die Organisation wachse. Und man wolle Menschen, die in der Organisation arbeiten besser machen.

Ich finde ja so Leute, die sich mit Organisation und Personalmanagement auskennen spannend und für einen Fußballverein sind viele Ideen, die anderswo Alltag sind, ja noch Revolution pur. Die Rede an sich war solide. Einen Volkstribun, der die Leute reihenweise von den Sitzen reißt, haben wir in unseren Führungsgremien nicht. Aber wollen wir wahrscheinlich auch gar nicht.

Ehrungen Teil 1

Erstmal die Ehrungen für Vereinsmitgliedschaft. In unseren Reihen entwickelte sich eine Diskussion, ob das nicht albern sei, weil es doch nur Aussitznadeln seien. Aber mal ganz ehrlich: Nach 25 Jahren hat man diesem Trümmerverein so ca. 3.000 Euro überwiesen. Da kann man auch mal einen warmen Händedruck und eine kleine Nadel bekommen. Liebe Planer der MV 2024 und 2025, untersteht euch in diesen Jahren nicht alle 25 jährigen zu ehren. Das werden in den Jahren ordentlich viel Leute und wenn ihr die nicht auf der Bühne ehrt, dann zerkloppe ich den ganzen Sitzungssaal. Ich bin 2024 dran.

Immerhin sind Menschen schon 60 Jahre in unserem Verein, darunter ein Thomas, der wirklich seit seiner Geburt Mitglied dieses Vereines ist und lange in den unteren Herren gekickt hat. Geile Eltern, geiler Typ! Günther hat es dann schon zu 70 Jahren Mitgliedschaft gebracht und das liebe Leser ist eine Leistung. Auf die nächsten 70! Der Ehrenrat verleiht für die 70 Jahre nebenbei die symbolische diamantene Ehrennadel. Ja, keine Ehrung, die nicht in der Satzung steht, aber das ist schon okay. Alles gute Günther.

Es folgten ganz viele Leistungsehrungen, im Bowling (das muss gefühlt eine der besseren Abteilungen im Hamburger Vergleich sein, so viele deutsche Meister, wie die stellen.), im Rugby, wo wir wirklich einen Männernationalspieler und einen U16 Nationalspieler unser eigen nennen. Tolle Leistung!

Der bereits genannte Tischfußballweltmeister wurde auch geehrt und dann kam das Ergebnis der Wahl.

Kim Oke-Il

Von den 599 stimmberechtigten, die zum Zeitpunkt der Wahl anwesend gewesen seien, hätten 550 abgestimmt und 540 mit Ja gestimmt. 10 Nein Stimmen und keine Enthaltung.

Die Reaktionen fasst Twitter richtig zusammen:

OG nahm die Wahl mit den Worten an, dass wir tollen seien und man bei diesem Blumenstrauß (der bereits auf der Bühne war) die Wahl annehmen müsse. Ein „lass ihn dir schmecken“ kam als Kommentar aus unseren Reihen.

Ehrungen 2. Teil

Man warf kurz seinen Stimmzettel für die Vizes ein und dann wurde der Rest geehrt.

Schach wurde bereits erwähnt, die Bowlinghemden sind ein sehr besonderer Geschmack, die 4. Her äh 5. Herren, die jetzt die 4. Herren sind, sind aufgestiegen.

Und als letztes große Begeisterung für die Blindenfußballer. Minutenlange stehende Ovationen waren der verdiente Lohn. Ich hab ja nur bei der Vorstellung von diesem Moment, Pipi in den Augen, merkt die Korrekturhilfe an.

Ergebnis der Vizepräsidentenwahl

ChC 492 Ja, 18 Nein
CH 423 Ja, 57 Nein
JP 470 Ja, 30 Nein
JW 489 Ja, 13 Nein

Heißt das eigentlich, dass es Leute gab, die zwar den Präsidenten, aber keinen Vize gewählt haben? Und zwar stehen beim FCSP der Banker neben dem Punker, aber die Punkerin bekommt eindeutig bei der Wahl zum Vize mehr Stimmen, als der Banker. Nein, wir wollen nun ChC nicht ernsthaft als Punkerin bezeichnen.

Das Präsidium sei damit ordnungsgemäß gewählt, stellte KH fest, es folgte ein fliegender Wechsel auf dem Podium. KH brachte dann noch irgendwas von Dank an RK, aber nun ja einen neuen charmanten neuen Rechtsbeistand und er solle es ihr nicht übel nehmen, aber er höre da auf eine andere Art. Sagen wir es mal so: Der Zehner in die Chauvikasse ist das fällig. Unnötig.

Wahl des Kassenprüfers

MW stellte sich dann als Kassenprüfer vor. 54 Jahre alt, drei Kinder, zwei eigene, ein Beutekind. Zwei Frauen, mit einer sei er verheiratet, mit einer zusammen. (Chauvikasse die zweite). Er sei ursprünglich in die AFM eingetreten, da seine Tochter aber Rugby spiele, sei er da auch Mitglied und werde immer mehr vom Balltreter zum Ballträger. Er sei nun vier Jahre Kassenprüfer, wolle weiter machen und seine Fähigkeiten einbringen. Er würde sich freuen, wenn man ihm das Vertrauen ausspreche.

Ein Nebensitzer fasste es perfekt zusammen: „Der ist mir fast zu unseriös für einen Kassenprüfer“

In Akklamation wurde er dann mit 9 Enthaltungen gewählt.

Wahl des Ehrenrates

Die Vorstellungsrunden begann Suzann Edding (Name laut Stimmzettel, der offizielle Twitteraccount spricht von Susanne) Sie sei 53 Jahre alt, eine Tocher, lebe mit Partner in Hamburg. Sie sei in der Frauenfußballabteilung groß geworden, habe dort gespielt, dann Kassenwärtin, stellvertretende Abteilungsleitern und Abteilungsleiterin bis 2016 gewählt. Sie habe sich in verschiedenen AGs verdient, dadurch, dass sie Delegierte gewesen sei, habe sie andere Abteilungen kennen gelernt und davon profitiert, dass sie über den Tellerrand habe hinaus sehen können. Den Ehrenrat habe sie als ein beratendes Gremium kennen gelernt in ihrer Abteilung,

Sie sei bereit in diesen Einzutreten und finde es eine super Wertschätzung, dass Menschen geehrt werden, die jahrelang treu seien und besondere Leistungen erzielt hätten. Dafür würde sie sich freuen, wenn man sie wählen würde.

Frauenfußball? Frau? Ja klar wählen wir dich. Oder ob der Akklamation doch nicht. Aber die Rede war super. Sie ist auch ein guter Mensch, habt ihr fein gemacht, ergänzt die Korrekturhilfe!

MH folgte. Er stelle sich der Form halber vor. Sei Bankkaufmann, 55 Jahre alt, habe die 7. Herren 91 gegründet und würde bis heute Fußball spielen, nun in den 2. Alten Herren. Wenn es die Zeit zuließe, würde er auch noch Radsport betreiben. Mit den langen dunklen (gefärbten?) Haaren sind MH immer viel jünger aus. Was lernen wir daraus? Aktiver Sport hält gesund.

Er sei seit 2007 Vorsitzender des Ehrenrates, habe in der Satzungskommission mitgearbeitet, die meisten würden ihn kennen.

Günther Merckel kam als nächstes. Seit 1948 im FCSP, Fußball gespielt, dann 30 Jahre die Jugend betreut und nun schon 12 Jahre im Ehrenrat. Würde sich freuen, wenn er wieder gewählt werde. Gegen Günther spricht eigentlich nur das Alter. Lieber Günther, in 5 Jahren lässt du dich bitte mit der Platinehrennadel, die extra für dich erfunden wird und einer MV, die dich huldigt in den Vereinsruhestand verabschieden, ja?

Winfried von Ruthkowski war als nächster dran. Er habe neben dem FCSP noch eine Familie, Frau, Tochter, Sohn, er sei 50 Jahre verheiratet und das mit der gleichen Frau. Er sei Dealer der Ärzte gewesen, 2002 in Ruhestand gegangen und habe seitdem soziale Sachen gemacht, Aktionen für Schulen, für Kiezkick Kinder angesprochen, Problemfamilien an den Fanladen herangeführt und 15 Jahre mit der Traditionself herum gereist, um den Verein zu bewerben. Er würde sich freuen. Die Spiele des FCSP seien für ihn eine Wohlfühloase.

Winnie bleibt Vertreter und er redet wie ein Vertreter. Das muss man mögen. Und die Gags sind auch immer die gleichen.

Es folgte Heiko Schlesselmann. Der seinen Familienstand nicht erwähnte! Der Ehrenrat sei das meist unterschätzte Gremium, er würde sich freuen, wenn er weiter in diesem arbeiten könnte. Danke.

Es gab bei der Akklamation 10 Enthaltungen. Aus den oben genannten Gründen auch vom Schreiber.

Bericht der AG Nachhaltigkeit

Man muss dem Tweetverfasser Recht geben. Es ist nicht einfach sich um 23:12 zu konzentrieren und über Nachhaltigkeit und so zu reden. Aber es ist unsere verdammte Pflicht dies zu tun. Wenn wir etwas besonderes sein wollen, wenn wir das Alleinstellungsmerkmal mit Leben füllen und damit auch weiterleben wollen, dann müssen wir dies machen.

Und ja, die Reihen hatten sich gelichtet. Nicht jeder hat die Zeit so lange zu bleiben. Es ist einfach so. Aber die verbleibenden Mitglieder hörten interessiert zu. Und das ist genau der Spirit, den wir brauchen! Fühlt euch geherzt und mit Konfetti beworfen, alternativ mit Kaffee/Cola/Mate!

RK und Bernd von Geldern (BvG) trugen vor. RK fing an.

Die AG ginge auf einen Antrag aus der letzten MV zurück, wo man den Auftrag bekommen habe, Merch zu finden, was ökologisch und sozial produziert werde.

Als Fazit könne man nun sagen, man sei ein riesigen Schritt weitergekommen. Er danke allen Beteiligten (die namentlich genannt wurden).

Das wichtige wäre gewesen, dass man das Rad nicht habe neu erfinden müssen, da es schon viele Standards gäbe, auf die man aufsatteln hätte können. Man müsse bei den Produkten im Fanladen (Ja, das sagte er so. Gemeint ist natürlich der Fanshop) nicht bei null anfangen.

Man habe nun ein Konzept zusammen, auf dem man arbeiten könne und Gebote, die man versuche durchzusetzen. Man wolle ein Managementsystem einführen, um das auch zu kontrollieren.

Das ganze ist eine Herkulesaufgabe, wenn man sozial herstellen wolle und auch noch Umweltstandards einhalten wolle und eine große Auswahl an coolen Produkten haben möchte. (Wann kommen denn die coolen Produkte?)

Dabei dürfe dann auch noch der Preis nicht ins unermessliche steigen und Gewinn wolle man ja auch noch machen.

Man darf auch nicht vergessen, dass die Standards schwer durchzusetzen sind in diesem Mark. Er erinnere an den Brand in einer Textilfabrik in Karachi diese habe auch alle Zertifikate gehabt, aber nichts davon entsprach der Wahrheit.

Die New York Times spräche davon, dass das System komplett verdorben sei. Man wisse dies, man wolle trotzdem einen großen Schritt auf eine andere Ebene machen.

Im Namen der Antragsstellerin solle er grüßen und diese sei überrascht gewesen, dass alle an einem Strang gezogen hätten, um Standards zu erreichen. Gespräche mit Greenpeace und der Clean Cloth Campaign  habe man geführt und gemeinsam in der Gruppe auf Standards hin gearbeitet, diskutiert und gestritten. Aber am Ende wollten wir alle den sozialen Verein und dies hätte BvG auch gut umgesetzt.

Der nun übernahm nun und erklärte, dass die Herkulesaufgabe gut dargestellt sei. Schnell sei klar gewesen sei, dass man nicht alles in einem Schritt umgestellt bekomme. Das sei ein Prozess über Jahre. Es gäbe in dem System auch viele Urkunden, vieles sei dunkel. Man müsse ganz genau klären, was man verspreche und was man wirklich halten könne.

Weiterhin habe man Partner, die man auch nicht einfach so raus schmeißen könne. Man müsse auch an seine 100 Mitarbeiter denken und am Ende Geld verdienen.

Zum Glück habe man auch bisher nicht Rotzklamotten (das steht wörtlich in der Aufzeichnung. Er hat es wohl auch so gesagt.) bestellt. Upsolut hätte da auch zur eigenen Absicherung drauf geachtet. Man habe gute Fabriken und kenne die meisten Hersteller mit denen man zusammen arbeite. Gerade bei der Hardware (also nicht Textilien) sehe das aber anders aus, da kenne man die Fabriken nicht.

Zum Glück sei ein AFM Mitglied für Tschibo in diesem Bereich tätig und da habe man viel Erfahrungen sich holen können. (DAS! Genau das! So müssen wir als Verein leben und funktionieren)

Alle sagten, geht da nicht zu dogmatisch ran, sucht praktische Lösungen, die in das Leitbild passen.

Daher zuerst Änderungen dort, wo man große Auswirkungen hat. Der Antrag sei eine große Chance, gerade da was zu ändern und nicht nur den Biobabystrampler irgendwo in der Ecke liegen zu haben. Guter Ansatz!

Baumwolle sei 1/3 des Umsatzes, dies könne man in 12 Monaten umstellen und werde mit dem Totenkopfshirt in 2018, eher im Februar, als Ende des Jahres anfangen. Die gute und schlechte Nachricht dabei sei: Es sehe aus wie vorher.

Eine Erörterung diverser Siegel fiel der fortgeschrittenen Zeit in der Aufzeichnung zum Opfer. Ja, man kann hier was von kein richtiges Leben im falschen sagen. Und natürlich sind das kleine Schritte, die für sich wenig Auswirkungen haben. Aber man kann entweder auf die Revolution warten und bis dahin Dreck verkaufen, oder man versucht wenigstens Sachen zu verkaufen, die wenigstens aus weniger Dreck kommen. Und wenn sich die Marktmacht da wirklich wandelt, dann gibt es auch mehr Angebot. Eine Herkulesaufgabe bleibt es.

Die Anträge

Den krönenden Abschluss machten dann die Anträge.

Der Satzungsänderungsantrag

RK für die Satzungs- und Strukturkommission: Diese Kommission habe sich nicht mit einer Ausgliederung beschäftigt, sondern mit Verbesserungen im Verein. Der Blick auf das große Ganze. In der Kommission waren Vertreter aller Organe. Die Organe selbst waren auch beauftragt sich mit sich selbst und einer Verbesserung bei ihnen zu beschäftigen. Ergebnis daraus war z.B. der Grundlagenvertrag.

Man hat dann beschlossen vor einer Strukturreform eine Satzungsänderung durchzuziehen. Zum größten Teil ging es um eine Renovierung, um Klarstellungen. Alle Änderungen seien im Konsens der Kommission erfolgt. Nur was alle für Gut befunden haben, wurde in den Antrag aufgenommen.

Nach keinen Fragen wurde der Antrag bei 6 Nein Stimmen und 24 Enthaltungen angenommen.

Wunschzettel für die Strukturkommission: Digitalisierung der Mitgliederrechte. Wie können wir z.B. auswärtige Mitglieder besser einbinden? Wie können wir digital besser agieren? Wo braucht man wirklich eine Papierform, wo würde auch eine digitale Form reichen? Sollte man auch mit einer digitalen MV rumprobieren? Das sind Themen, denen wir uns stellen sollten und die gut vorbereitet sein sollten. Weitere Themen: Reine Änderungsanträge zu bestehenden Anträgen nicht mehr als Eilanträge ansehen, wäre auch mal ein ganz tolles Ding.

Regenbogen auf dem Trikot

Es ist immer wieder und jedes Jahr ein Kreuz mit solchen Anträgen. Die Ideen dahinter sind gut, aber viele dieser Anträge sind schlecht vorbereitet, weil sie an der Wirklichkeit vorbei gehen. So auch ein bisschen dieser Antrag. Denn zwingend ab nächste Saison auf jedem Trikot, das ist im November schwierig umzusetzen, wo wahrscheinlich schon irgendwo die Produktion der Trikots für die nächste Saison läuft und die der darauffolgenden auch schon fertig geplant sind.]. Das ist nun mal die brutale Realität. Auch Kleidungsbestimmungen der komischen DFL müssen beachtet werden etc. pp.

Daher Leute: Wenn ihr solche Anträge so stellt, dann seid auf genau solche Argumente vorbereitet. Stellt Anträge – gerne absolut und ab sofort – setzt Druck ein, aber dann müsst ihr auch gut begründen, warum absolut und sofort und das Präsidium und alle Hauptamtlichen sich den Arsch aufreissen müssen. Das wäre bei dem hier vertretenen Wunsch garantiert vertretbar, aber das muss dann entsprechend gut vorbereitet sein.

OG brachte dann als Gegenrede nämlich genau diese Argumente, man müsse das diskutieren, nicht in 15 Minuten für alle Zeiten und alle Trikots, man müsse die Folgen bedenken, 2 Jahre sei der Produktionsvorlauf, Ausstatter sei einer der größten finanziellen Sponsoringverträge, müsse klar sein, ob das geht. Aussage könnte versanden und nicht mehr öffentlichkeitswirksam sein, so kann man nicht entsprechen, aber gerne Diskussion. Die Argumente sind eher so halbgar. Insbesondere, da man z.B. auf ein Verwässern ja immer mit einnem neuen Antrag reagieren könnte. Und klar ist der Ausstatter ein wirklich wichtiger Vertrag, aber hey, wir wollen doch nicht über jedes Stöckchen für Geld springen, war doch so, oder?

Es ging dann ein bisschen hin- und her und hier fehlt uns so ein bisschen ein vorbereitender Ausschuss in den man so etwas nun verweisen kann um einen Kompromiss zu finden.

Am Ende wurde ein live erarbeiteter Kompromiss beschlossen in dem das Präsidium aufgefordert wurde zu klären, ob und wie man das Regenbogensymbol auf Trikots einarbeiten kann und darüber der nächsten MV zu berichten. Nun gut, nicht perfekt, kann man aber mit leben. Ein vorbereitender ständiger Ausschuss wäre trotzdem etwas tolles.

Bioprodukte

Siehe das eben gesagte. Schlecht vorbereitet, viel an der Realität vorbei und grundsätzlich eine gute Idee. Auch hier wäre mal eine Erörterung darüber, was möglich ist, mit Caterer, Fachleuten und Fans super. Analog zu der Textilgeschichte. Aber dazu kam es nicht, weil einfach der Antragssteller ganz schlecht vorbereitet und auch ein bisschen naiv war. Schade eigentlich. Ach ja: Den Antrag ab sofort ein vegetarisches Stadion und ab 2020 ein veganes Stadion zu sein, formulierte man in Gedanken schon hinter uns.

Fahrradgarage mit Strom etc
Versandete ebenso. aus den gleichen Gründen. Anscheinend kannte der Antragssteller die tolle, mobile und extrem viel genutzte Fahrradgardrobe auch nicht.

Zu dem zurück gezogenen Antrag in Sachen Mehrwegbecher wurde noch erklärt, dass man bei einer Quote von 85 % sei, man wolle diese aber steigern. Insbesondere VIP sei noch ohne, das wolle man ändern, dies sei aber nicht einfach.

Schluss aus vorbei / Fazit

Um 23:59 laut unserer Uhr, um 0:01 laut der Uhr des Versammlungsleiters, war die Party beendet. Das ganze in einer sachlichen, ruhigen Atmosphäre, die selbst noch bei den Anträgen und den etwas schwierigen Antragsstellern bestehen blieb. So muss es sein.

Fazit? Der FCSP ist ein Verein zum selber machen, zum mitmachen. Das ist seine größte Stärke, das ist seine größte Schwäche. Er ist insbesondere auch von seinen Fans abhängig. Diese sind seine Investoren, sein Gold, sein Reichtum. Wir haben viel davon. Nutzen wir dieses!

Anmerkung der Korrekturhilfe: Es war mir eine Herzens-Ähre. Für mich sind solche Aktionen die (wenn auch nur mittelbare) aktive Beteiligung am Verein. Küsschen und Prost.

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