Aug 202018
 

Normalität

Es ist keine Sensation mehr, wenn der FCSP in der ersten Runde bei einem Verein verliert, der in der dritthöchsten Spielklasse spielt. Es ist eher Routine. Seit 20 Jahren war das Ergebnis immer eine Niederlage. Und es liegt nicht an den fehlenden Gelegenheiten, nein, diverse Male spielte man gegen einen Verein der dritthöchsten Spielklasse.

Und nehmen wir das Ergebnis dieses Freitagabends in Wiesbaden vorweg: Weiterhin sind wir zuletzt in Meppen 1998/1999 bei einem Vertreter der dritthöchsten Spielklasse weiter gekommen.

Dritthöchste Spielklasse? Da auf diesem Level in den letzten 20 Jahren ungefähr alles umgekrempelt wurde, lässt es sich schlecht von „dritter Liga“ oder ähnlichem sprechen.

Anreise

Fußball ist für einen auswärts fahrenden Fan jedoch nicht nur ein Ergebnissport. Wäre dies der Fall, wären nicht 2000 erwartungsfrohe FCSP Fans nach Wiesbaden gepilgert. Zwar gibt es immer auch die irrationale Hoffnung, dass dieses Jahr nun endlich alles anders sein würde, aber seien wir ehrlich: Das ist so wie die Hoffnung, dass Donald plötzlich auch nur einen Hauch an Vernunft und Empathie annehmen würde.

Unsere Reisegruppe hatte den PKW als Anreisemittel gewählt und sich dank eines Fahrers der Marke „ich kenn mich hier aus“ gleich in HH verfahren. Der Fahrer tippt nebenbei gerade diese Zeilen. Man setze hier bitte ein Affen ein, der sich die Augen zuhält.

Alles kein Problem, hatten wir doch Zeit genug und nach Hannover sagte uns Google Maps immer noch eine Ankunft um ca. 19 Uhr voraus. Wir machten schon Witze, dass wir dann bitte genau 19:10 ankommen sollten.

Die Reisegruppe hatte sowieso gute Laune. Bestes Playlistmanagement und ein fröhlicher zusammen gewürfelter Haufen sorgten für beste Stimmung.

Und dann kam Kassel. Und der Unfall. Und Stau. Und noch ein Stau. Und noch eine Baustelle. Und noch eine. Und noch eine. Und so weiter.

Innerhalb von 15 Kilometern veränderte sich die Ankunftszeit von 19:06 auf 20:22. Na super. Die Meisterfrage, die man sich nun stellte, war: Kann man gegen Google Maps aufholen? Ja man kann. Und zwar ordentlich.

Chaos

In Wiesbaden angekommen, war die Parkplatzsuche noch relativ schnell und mit wenig Cha-os erledigt.

Riesiges Chaos dann aber beim Einlass. Hier also die Top Tipps, wenn du als „kleiner Verein“ im Pokal spielst: Erwarte nicht, dass die 2000 Leute, die eine Gästekarte gekauft haben auch kommen. Das wäre ja was vollkommen neues. Wichtig ist, dass du jeden ganz penibel durchsuchst, auch wenn ein riesiger Mob vor dem Eingang steht. St. Pauli Fans sind brutal G E F Ä H R L I C H und dafür bekannt mindestens (!!!!) Motorsägen in den Gästeblock zu schmuggeln. Lass dir Zeit beim durchsuchen, niemand will schnell ins Stadion, wenn der Anpfiff nur noch 30 Minuten weg ist. Wenn etwas unklar ist oder zwei Ordner nicht einer Meinung sind, dann reagiere ja nicht mit ruhiger Ansprache oder mit einem Gespräch mit dem Fanbeauftragten des Gastvereines. Die haben sowieso keine Ahnung. Hektik und möglichst noch die Polizei involvieren, ist immer der richtige Weg. Nicht vergessen: Das sind gefährliche Tiere, diese Gästefans. Und als Ordnungsmacht: Streiche bloß das Wort „deeskalieren“ aus deinem Wortschatz. So ein Gästefan ist schwerkriminell und wird schon irgendwas gemacht haben, was die volle Härte der Ungesetzlichkeit rechtfertigt. Und bedenke, dein Innenminister sagt sowieso, dass du alles richtig gemacht hast und du hast eher freien Urlaub als ein Strafverfahren zu befürchten. (In diesem Zusammenhang auch schöne Grüße nach Magdeburg, wo irgendwelche Polizisten Freitag meinten, die Darmstädter ohne Sinn und Verstand zusammen zu ballern.)

Ändere bloß nicht dein Gästefanblock. Der Käfig, der in einem Gefängnis inhuman wäre, der ist für Fußballfans viel zu gut. Und hey: Du musst Gästefans von anderen Gästefans durch ein Gitter mit Löwengang und Überstiegsschutz trennen. Wo kämen wir denn dahin, wenn man einfach das Tor öffnen würde? Und ganz wichtig: Statte den Überstiegsschutz so aus, dass sich mindestens ein Besoffener daran in der Nähe der Pulsadern aufschneidet, wenn er seinen Kumpel im Nebenblock begrüßen will.

Wer in den letzten beiden Absätzen Sarkasmus oder Ironie findet, der darf sie behalten.

Stimmung

Die Stimmung im Gästeblock war ziemlich gut, die Vorsänger trieben gut an. Das Intro aus Fahnen und Blinkern sah gut aus, wenn man drinnen stand. Nur eine Sache: Wenn Feuerwerk ausgeht und ihr daneben steht, dann ist es richtig da kurz drauf zu treten, damit das nicht noch länger glüht. Nicht richtig ist es, die noch glühenden Reste mit Schwung von eurer Stufe zu schieben. Denn dann bekommen das Leute auf den Fuß, die vielleicht nur Sandalen an haben. Außer einem Schreck und wahrscheinlich einer kleinen Brandstelle ist zum Glück nichts passiert.

Hätte, Hätte, Fahrradkette

Auf dem Platz irgendwie 4-16 Ecken, gefühlt 5 zu 100 Torschüsse und am Ende ein 3-2. Jeweils aus Sicht des Gastgebers. Es war kein schlechtes Spiel unserer Jungs, die genügend Torchancen für zwei Spiele heraus spielten. Aber man muss halt dann auch mal eine rein machen. Und man muss echt nicht die erste Ecke des Gegners fangen. Dabei noch ärgerlicher ist, dass diese nur entstand, weil ein Ball durch den 5er segelte und bei uns den Torhütern anscheinend verboten ist, die Linie zu verlassen. Dadurch wurde der Ball erst eine Ecke. Die man dann aber auch locker klären kann, liebe Abwehr.

Veerman eher unglücklich. Ein Stürmer, der erstmal null am Spiel teilnahm, dann aber vier riesige Dinger auf dem Fuß oder knapp vor dem Fuß hat. Und mindestens eine davon kann er mal machen. Und dann gewinnen wir das Ding nach 90 Minuten. Gut, machen wir es nicht an ihm fest. Er ist neu, der kommt noch.

Was wir nicht verstehen, ist die uns bisher unbekannte Regel, dass ein Torhüter anscheinend seinen Gegenspieler absichtlich verletzen darf, wenn er nur vorher den Ball gespielt hat. Sorry, aber da kann man nicht mehr von „unglücklichen Zusammenprall“ reden, der wollte genau so in Allagui rein springen und den genau so treffen. Jedem Stürmer wäre das abgepfiffen worden, selbst wenn er den Ball vorher berührt hätte. Aber nun gut, siehe letzter Absatz: Chancen machen und dann muss man sich nicht über den Schiedsrichter ärgern.

Ebenso verlor man leider nach dem 3-2 Anschlusstreffer jede Ruhe und Ordnung. Wenn man da etwas sortierter zu Ende spielt, dann ergeben sich vielleicht auch noch Chancen, denn Wiesbaden war garantiert nicht sattelfest hinten drin. Mit unkontrolliert „hoch und weit“ machte man es ihnen dann aber etwas einfach.

Trotzdem wurde der Mannschaft applaudiert und das nicht einmal zu Unrecht. Sie hat alles versucht, was sie an diesem Tag drin hatte.

Sagt das nun irgendwas über den weiteren Verlauf der 2. Liga aus? Eher nicht. Aus Erfahrung kann man sagen, dass wir schon aufgestiegen sind, wenn wir in der 1. Runde gescheitert sind und weit am Ende standen, wenn wir weiter gekommen sind. Es gilt aus dieser Niederlage zu lernen und in der Liga weiter zu machen.

Und vielleicht sollten wir uns ernsthaft überlegen, ob man eigentlich als Zweitligist für den Pokal melden MUSS. Wir können uns sonst diese Spiele echt schenken.

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Aug 172018
 

Es ist gut 30 Jahre her, dass ich mit meiner Schwester von einer erfolgreichen Langspielplattenjagd nach Hause kam. Das gute Stück welches wir in den Händen hielten, war eine LP namens „Suffer“ einer Band, die wir bis dahin nicht kannten.

Wie so häufig hatten wir uns die LP nach der Coverart gekauft. Eine der damaligen Künste war es in einem Bild eine LP für den Käufer spannend zu machen. Leider ausgestorben. „Suffer“ hat eines der wirkmächtigsten Bilder als Cover, die ich bis heute gesehen habe. Der brennende Junge im amerikanischen Vorstadtidyll.

Es folgte ein reinhören auf der eigenen Stereoanlage und 27 Minuten, die mein Leben bis heute prägen. 27 Minuten schnellster, melodischer Punk. Was mich schon damals interessierte und bis heute ein Argument zum Kauf von Musik ist, sind die verbreiteten Texte. Und auch dort hatte die Original LP eine lustige Lösung zu bieten. Das Textheft war das Foto einer Zimmerwand, an die handschriftlich die Texte der Lieder geschrieben waren. Halbwegs leserlich. Nach dem reinhören folgte also das reinlesen.

Während die Musik von Bad Religion garantiert nichts besonderes ist, außer dass es gefühlt immer der gleiche Song ist, was schon wieder besonders ist, so sind es die Texte des Greg Graffin schon. Eine biologisch, wissenschaftliche Sicht auf die Welt, die so gar nicht zu „Punk“ passt. Wo andere Parolen gröhlen, benutzt er Worte wie „ectoplasmic“ in Punktexten.

Und so kaufte ich in den folgenden 30 Jahren beinah jedes Album der Band, war nicht immer musikalisch überzeugt, weil auch die brüllende Wut der Band zwischendurch abhanden gekommen war, aber die Texte waren immer lesenswert.

Ein Auszug aus diesen war hier auch jahrelang auf diesem Blog zu lesen:

“a righteous student came and asked me to reflect
he judged my lifestyle was politically incorrect
I don’t believe in self important folks who preach
no Bad Religion song can make your life complete
prepare for rejection you’ll get no direction from me
you’ll get no direction from me
you’ll get no direction from me”

Immer noch ein Leitmotiv für mich, wenn ich hier schreibe oder mit meinen Mitbloggern ein Thema bearbeite. Ihr werdet unsere Sicht der Dinge lesen. Aber ich will nicht, dass ihr von uns eure Meinung, eure Richtung bekommt. Denkt lieber selber nach, macht euch schlau, nehmt viel klügere Quellen als mich Fußballproll und macht damit euer Leben, euer Wissen komplett. Das heißt nicht, dass ich meinungslos bin, ganz im Gegenteil. Aber Argumente zu hören und zu bewerten macht Spaß. (Das es hier Grenzen gibt, versteht sich von selbst.)

Absurderweise gibt es Leute, die meinen, dass seine Texte unpolitisch seien. Hab ich mal auf diesem Twitter gelesen. Ja klar, wenn politisch nur die platte Parole ist, dann ist das richtig. Sonst nicht. Und das die amerikanische Weltsicht häufig von der europäischen Weltsicht abweicht oder ganz andere Themen einer Behandlung bedürfen, auch dies will vielen Leuten nicht in den Kopf.

Punk Musik ist heutzutage ja nicht mehr die gewählte Ausdrucksform der Jugend. Oder eher nur noch für wenige. Heutzutage halt eine alte Leute Musik, was sich auch auf dem Konzert sehr deutlich zeigte. Da waren doch viele graue Haare zu sehen. Jede Generation sollte ihre musikalische Ausdrucksform haben. Sie sollte ihre Musik haben. Musik ist eine so schöne Einstiegsdroge in das Leben, in eine Weltsicht und auch in Politik. Und ja, genau deswegen sind so Grauzonenbands gefährlich.

Dies alles vorweg geschrieben, ergab sich letztens die Möglichkeit Suffer komplett live anzuhören. Gespielt von der Band in einem besonderen Konzert.

Und wer schon mal auf einen Bad Religion Konzert war, der weiß, wie ein solches abläuft. Die Band ballert in einem Heidentempo ihre Setlist runter, der Saal kocht und Pausen sind überbewertet. Und obwohl es noch ein Tag in der gerade abgeschlossenen Hitzeperiode war, gönnte sich auch diesmal die Band nur wenig Pausen. Der Schweiß floss und auch der grauhaarige Pogomob hielt gut durch.

Als Zugabe dann „Suffer“ in richtiger Reihenfolge, alle Lieder. In 26:23. Mit einer Pause. Da wo meine Schwester und ich die LP umgedreht haben.

Danke Bad Religion, dass ihr mir ohne eine Richtung vorgebt, ohne mir eine Richtung vorgegeben zu haben.

(Der Blogsenior)

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Aug 052018
 

Magdeburg also. Aufsteiger. Euphorisch. Erste Mal in der 2. Liga. Stadion voll und laut.

Es gibt bessere und insbesondere einfachere Spiele zum Auftakt einer Saison. Aber sagen wir es wie es ist: Man muss in einer Saison alle 17 Gegner spielen und keiner davon ist dankbar. Ein Heimspiel wäre mal nett, blieb uns aber erneut verwehrt.

Der Gästemob wählte sehr unterschiedliche Arten der Anfahrt, aber alle waren entspannt, bis man Magdeburg betrat.

Die Bahnfahrer planten ihren Fußweg zu verkürzen (Nachtrag: die Annahme ist wohl falsch, wie uns ortskundige Leute erklärten, können und wollen wir nicht nachprüfen, macht aber auch kein Unterschied) und stiegen eine Station eher aus als empfohlen. Dies rief dann die Ordnungsmacht auf den Plan, die meinte nun erstmal alle Kesseln zu müssen. Es ist immer bemerkenswert wie selbstverständlich das Recht einfach seiner Wege zu gehen außer Kraft gesetzt wird. Und ebenso erstaunlich wie wenig Polizei in der Lage ist, von ihrem Einsatzplan abzuweichen. Und es kommt ja nicht wirklich überraschend, dass Leute auch mal auf die Karte gucken und versuchen ihren Fußweg zu verkürzen.

Ach ja: Shuttle Busse sind schon vor Jahrzehnten erfunden worden.

Dazu wird man noch von der Reiterstaffel getrieben.

Nach dem Spiel durften dann die Bahnfahrer 4 km gehen nur um an einem Bahnhof ohne Versorgungs- oder Entsorgungsmöglichkeiten anzukommen. Und am Ende jammert die Polizei wieder rum, dass niemand sie mag.

Leider kommt es noch „besser“ denn am HBF werden die Bahnfahrer wieder gekesselt, können sich nur über Fanladenmitarbeiter versorgen und dürfen ordentlich Zeit in einem Kessel verbringen.

Dazu werden dann immer noch fröhliche Lügen erzählt, wie der Bürgermeister habe Shuttle verboten (als ob die Polizei nicht so etwas anordnen kann) oder „jetzt könnt ihr durch“ um dann den Kessel aufrecht zu erhalten. Das die nicht vollkommen eskaliert sind, zeigt wie falsch die Annahme einer Gefährlichkeit ist.

Die örtliche Presse vermeldet auch Festnahmen. Können wir gerade nicht verifizieren.

Und auch in Liga 3 hatten die genügend Gästefans, die sollten eigentlich wissen, wie es geht. „Wir sind neu“ ist also keine Ausrede.

Die Busfahrer wurden über Nebenstraßen zum Stadion geleitet, was ja erstmal okay ist, wenn man zB Fanmarsch und Stau vermeiden will. Warum man aber die Busse nicht auf dem eigentlich ausreichend großen Gästeparkplatz parkt, sondern ein ganzes Stück abseits, wird ein Geheimnis der Einsatzplanung bleiben. Ebenso warum man die Busfahrer anfänglich daran hindert zum Gästeparkplatz und Eingang zu gehen. Wohlgemerkt: da war sowieso eine Fantrennung organisiert.

Individuell anreisen? Machen sie sich auf Umwege auf „hier kommen sie nicht durch, ich hab meine Anweisungen“ und lange Fußwege gefasst. Auch dann wird einem die Bewegungsfreiheit ohne wirkliche Gründe genommen. Weil wir es können. Wie einfach wäre das Leben mit einem Shuttlebus?

Aber Sichtachsen versperren? Ne warum denn? Dementsprechend prollten die Magdeburger von ihrer Seite rüber. Klar lagen gut 200 Meter zwischen. Sorgte aber für ein bisschen Lauftraining der heißen Einsatzhundertschaft.

Eingang überwunden, erstaunlich wenig gefilzt worden und erstmal orientiert. Getränkestände? Riesige Schlangen. Beobachter sprachen von 30 Minuten bis man ein Getränk in den Händen hielt. Kann man mal machen bei diesen Temperaturen. Nach dem Spiel waren die Getränke dann auch aus. Wasser aus dem Hahn? Irgendwo eine Möglichkeit sich abzukühlen? Überall Standard. In Magdeburg ähnlich wie Shuttle Busse noch nicht erfunden.

Der Gästeblock der Marke Tortenstück nur mit einem Eingang unten. Fluchtwege wurden nicht freigehalten und alles blieb unten stehen. Folge: unten saueng, oben hätten noch viel mehr Leute rein gepasst.

Der Support auf der Heimseite kann was. Insbesondere schalten sich immer wieder alle vier Seiten des Stadions ein. Trotzdem sollte man nicht vergessen, dass da auch viel Euphorie im Spiel ist. Es ist noch nicht so lange her, da zeigten die letzten wenigen Treuen ihrer Mannschaft mit Pfeilen den Weg zum Tor.

Der Gästeblock hielt aber gut gegen und zeigte einen der besten Auftritte eines FCSP Gästeblock in den letzten Jahren.

Kommen wir zu dem Geschehen auf dem grünen Rasen. 20 Minuten ist Magdeburg am Drücker, hat eine Chance die Himmelmann vereitelt und geht dann durch einen Abwehrfehler der Marke 17/18 in Führung. Aber wer jetzt Flashbacks zu letzter Saison hat, der irrt.

Angeführt von Knoll und Flum im Mittelfeld werden unsere Jungs immer sicherer, werden feldüberlegen und schießen zwar glücklich, aber eben auch verdient den Ausgleich.

Was in Halbzeit 2 gefällt ist, dass unsere Jungs mal die sind, die läuferisch zulegen können. Wie häufig war man in den letzten Saisons froh, wenn der Gegner seine läuferische Überlegenheit nicht noch in späte Tore umsetzt. Jetzt können unsere Jungs immer wieder früh stören und Lücken läuferisch zu machen.

Allagui ist in einem solchen Spiel natürlich nicht die ideale Besetzung als Mittelstürmer, kämpft aber um jeden Ball und wirkt viel beweglicher und engagierter als letzte Saison. Das mit dem Abseits, das sollte ihm noch mal jemand näher bringen.

Als sich alle schon auf ein Unentschieden eingerichtet haben, zeigt Knoll warum wir ihn auf dem Zettel hatten und streichelt einen Freistoß ins Tor.

Vielleicht, liebe Lesende, vielleicht haben wir auf Qualität statt Quantität bei den Neuzugängen gesetzt. Ganz starker Auftritt von Knoll. Aber vergessen wir nicht: Ein Spiel sagt wenig aus.

Noch ein paar Minuten und einen aussichtsreichen Freistoß zittern und schon sind die drei Punkte im Sack.

Der Rest ist Jubel. Bewerten wir so ein erstes Spiel nicht über, auch weil wir nicht wissen, wo sich Magdeburg einordnet. Aber es sind erstmal drei ganz wichtige Punkte für das Gefühl und die Tabelle.

So ging es auf die Rückfahrt. Siehe dazu oben.

Ach ja eines noch: Mann kann sein Shirt an lassen. Auch in einem sonnigen Fußballstadion. Wir wollen ja gar nicht die ganze Diskussion führen, warum wir auf diese Idee kommen. Googelt es selber.

Eine gewisse Situationskomik hat es aber dann doch, wenn dein Fanclub „Module“ heisst, du dahinter hart die Männerbrust in die Sonne hälst. Module und Mull sind halt nicht zu weit voneinander. Und einen Ohrwurm bekommen die Älteren unter uns auch.

PS: Der FC St. Pauli, die Nummer 1 in Hamburg. Wie würde ein ehemaliger Frankfurt Trainer sagen? Stand jetzt.

Produktionsnotiz: Geschrieben auf der Rückfahrt, erwartet also keine Fehlerfreiheit

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Jul 302018
 

Wert?

Machen wir uns nichts vor. Testspiele sind immer schwer zu bewerten. Man weiß nicht, wie weit die gegnerische Mannschaft ist, man weiß nicht, ob diese irgendetwas ausprobiert und gerade bei englischen Mannschaften muss man auch immer bedenken, dass die nicht zwingend ihre beste Elf auf den Platz stellen.

So haben die 11 zuerst eingesetzten Spieler von Stoke am Samstag an durchschnittlich 17 Spielen teilgenommen, die Stoke letzte Saison bestritten hat. Klar, da sind auch Neuzugänge bei, die den Schnitt versauen, aber ein Blick auf fbref.com offenbart viele Spieler, die irgendwas zwischen 15 und 20 Einsätzen letzte Saison hatten. Das ist dann wohl die B Elf.

Auf dem Platz zeigte sich die Mannschaft aber relativ kämpferisch, teilweise schon hart für ein Testspiel. Was angesichts der Härte in der 2. Liga ein guter Test war.

Unsere Jungs in einem 4-1-4-1 mit Knoll vor der Abwehr und Allagui als Sturmspitze. Knoll gefiel ganz gut, ist agil, schaltet sich schnell in die Angriffe ein und wirkt auch nicht hektisch, wenn er mal angelaufen wird. Das sieht nach einer Verstärkung aus. Und gerade die Ballverluste in der ersten Aufbauphase aus der Abwehr heraus waren unsere große Schwäche in der letzten Saison. Daher wäre so ein System mit Nehrig auf der hinteren 1 ggf. auch sehr gefährlich, denn so wertvoll Nehrig als Aufräumer und Abräumer ist, so sehr ist seine Schwäche genau dieser erste Aufbau.

Das 1-0 war ganz nett herausgespielt und man konnte da auch sehen, was Allagui wertvoll machen könnte. Der sehr feine Fuß eben. Insgesamt wirkte er viel beweglicher, als zu Beginn der letzten Saison. Aber da liegt die Betonung auf „wirkte“, denn man muss abwarten, wie das im Zweitligaalltag aussieht.

Erfreulich war, dass Ryo ein paar Minuten spielen konnte und man, hoffentlich bleibt der Junge nun endlich mal in einem Stück. Der ist schnell, ballfertig und deutete zweimal an, was für ein Potential er hätte. Wenn er denn gesund bliebe.

Bemerkenswert aus unserer Sicht war, dass Nehrig nicht in der Startelf stand, was aber auch einem Leistungstest für Buballa geschuldet sein könnte. Denn ein zurückrückender Knoll und ein nach außen rückender Ziereis wäre nichts, was uns in Magdeburg verwundern würde.

Noch bemerkenswerter war, dass Bouhaddouz nicht eine Sekunde eingesetzt wurde. Trotz WM und Trainingsrückstand würde man ja wenigstens einen „du gehörst dazu“ Kurzeinsatz erwarten. Mal abwarten, ob der noch lange zu unserem Verein gehört. Es scheint zumindest so, als hätte ihn Schneider zur Zeit in der Gunst des Trainers überholt. Wo sich Diamantakos letztendlich in der Hackordnung einreiht, bleibt abzuwarten. Der Junge muss erstmal fit werden.

Womit wir schon beim übergeordneten Thema sind

Wir haben auf dem Transfermarkt nicht gerade groß agiert. Man könnte auch sagen, dass wir nur für Lasse einen Ersatz geholt haben, auch wenn Knoll garantiert nicht der gleiche Spielertyp ist.

Ansonsten gehen wir mit dem gleichen Kader wie in den letzten zwei Jahren in die Saison.

Dazu folgende Überlegungen:

1. Wir spielen in einer Liga mit einer sehr klaren Ausgangssituation. Während letzte Saison 16 von 18 Mannschaften ohne viel Übertreibung für den Aufstieg in Frage kamen, haben wir diese Saison zwei Vereine in der Liga, die schon sehr viel falsch machen müssen, damit sie nicht Platz 1 und Platz 2 am Ende belegen. Machen wir uns nichts vor: Alles andere als ein Aufstieg von Köln und der AG aus dem Altonaer Volkspark wäre die Sensation des Jahrhunderts. Dagegen waren Stuttgart und Hannover Wackelkandidaten für den Aufstieg.

Egal welche Investitionen man in einen Spielerkader diese Saison macht, dies sollte man immer überlegen. Man spielt realistisch nur um Platz 3. Und wie unattraktiv dieser ist, kann man an den kurz- bis mittelfristigen Folgen für Vereine wie Karlsruhe, Braunschweig oder Kaiserslautern ablesen. Diesen also als Ziel aller Wünsche zu proklamieren, verbietet sich.

Ja, das klingt alles sehr unambitioniert, aber ein bisschen Realismus sollte man schon walten lassen.

Daher sind kurzfristige Millioneninvestitionen in einen „Wunderstürmer“ eventuell mittel- und langfristig sehr viel schädlicher, als kurzfristig nützlich.

2. Unser Hauptprobleme der letzten Saisons waren „trainiert individuell“ und „ist verletzt“. In eine Verletzungsprävention zu investieren, ist also erste Bürgerpflicht. Und während ein weiterer Physio garantiert nicht die Welt kostet, ist eine Rasenheizung an der Kollaustraße eine Investition im knapp 7 stelligen Bereich. Und trotzdem wichtig, denn Verletzungen fallen nicht vom Himmel. Ja, ab und zumal ist es Pech, aber häufig aber auch falschem Training, unzureichenden Trainingsmöglichkeiten oder falscher Betreuung geschuldet. Hier müssen wir gut sein und hier haben wir erste Investitionen getätigt. Und wenn man 1. bedenkt, dann ist es vielleicht genau die richtige Saison dafür. Oder anders ausgedrückt: Was nützt uns der Wunderstürmer, der im November auf Kunstrasen trainieren muss und dann Rückenprobleme bekommt? Und dies ist kein „stellt euch nicht so an“: So Profis sind halt hochgezüchtete Präzisionsmaschinen, die man entsprechend pflegen muss, wenn sie den gewünschten Erfolg erzielen sollen. Man entschuldige uns die Entmenschlichung.

3. Dieser Kader kann in der oberen 2. Liga mithalten, wenn man Verletzungen vermeidet und wenn man ihn unter Wind hat. Daher ist es ebenso richtig in einen weiteren erfahrenen Co-Trainer zu investieren. Und das man mit Truller jemanden gefunden hat, der in diesem Verein auch noch Stallgeruch hat, ist ein plus. Aber viel wichtiger ist: Wenn jemand ein loyaler, guter Co-Trainer ist und dies auch an mehreren Stationen bewiesen hat, dann Truller.

4. Wir holen diese Saison drei bis fünf Spieler (je nach Zählweise) aus unserem Jugendbereich hoch. In diesen investieren wir seit Jahren erhebliches Geld, irgendwas um 1,5 Millionen pro Jahr, wenn wir richtig zählen. Und da wir dies seit Jahren tun, muss es da auch nun Erfolge geben. Und müssen die Jungs, die da hoch kommen abliefern. Und sei es nur, dass sie Verletzungsersatz sind und sich langsam reinspielen. Park letzte Saison war da vorbildlich, aber das brauchen wir viel mehr und regelmäßig. Sonst müssen wir eine ehrliche und gleichzeitig sehr schmerzhafte Diskussion führen, ob das alles Sinn macht. Denn mit 1,5 Mio könnte man sonst halt den Wunderstürmer bezahlen. (Das ist jetzt ein bisschen überspitzt und ein NLZ ist ja auch Lizenzauflage und die AFM Gelder sind nicht frei verwendbar, aber trotzdem steht man hier zwischen Erfolg oder radikalem Neuanfang)

Aber dazu muss auch „das ist ja nur ein A-Jugendlicher“ aus unseren Köpfen. Was für eine Denke! In unserer Denke und auch in der Realität muss das ein so gut wie möglich ausgebildeter Jungprofi sein. Dann gewinnen wir was mit unserem Leistungszentrum.

Also

Lass uns diese Saison mit einem vorsichtigen Optimismus angehen. Wir können garantiert in Schlagdistanz zu den Plätzen 1 bis 5 agieren und sollten Köln oder die AG aus Altona wirklich so dumm sein und es nicht schaffen, dann müssen wir da sein.

Wünschenswert wären mehr Heimsiege, ein insgesamt attraktiverer Fußball. Aber ob dies in einer Liga möglich ist, in der man ständig auf Darmstadtfußball trifft, selbst wenn man nicht gegen die Wissenschaftsstadt spielt, sei mal sehr dahin gestellt.

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Jul 292018
 

Wer twittert, wird es mitbekommen haben. Die @amhass wurde gestern im Stadion belästigt. Sie fragte, ob wir ihre Sicht der Dinge veröffentlichen würden. Da uns das Thema sehr wichtig ist, war die Antwort ein „natürlich“.

Normalerweise würden wir schreiben „Gastautoren vertreten ihre eigene Meinung, die nicht zwingend unsere ist.“ Aber hier wollen wir ihr 100 % zustimmen.

Nun also ihre Worte:

Ich wurde heute im Stadion belästigt und das ganze Geschen danach hat mich daran zweifeln lassen, ob ich wirklich am Millerntor bin. Ich bin keine Expertin, aber Betroffene. Wenn Du auch am Millerntor stehst (und auch wenn nicht), dann freue ich mich, wenn du beim nächsten Mal (und es wird leider ein nächstes Mal geben) reagierst.

Schon der erste Kontakt war komisch und fühlte sich nicht nach unabsichtlich an. Aber ey, 30 Grad, da will ich mir da keinen Kopf drum machen.

5 Minuten später wieder, es ist definitiv kein Zufall sondern absichtlich. Der Schuldige ist nicht zu erkennen, aber ich mache ne Ansage in “die Richtung”, dass das sofort zu unterlassen sei.

Keine Reaktion im stehenden Umfeld, auch niemand, der was erkennt haben könnte, alle gucken angestrengt sonstowhin.
Wieder 5 Minuten später. “Er” sucht erneut den Körperkontakt. Ich mache eine noch klarere Ansage, “in die Richtung”. Durch sich rausreden wollen identifiziert man sich selbst ziemlich klar als Täter. Weitere Ansage an ihn. “Er” macht sich drüber lustig, war das nicht, blablabla. Kenne ich, hatte ich nicht anders erwartet. Normale Reaktion, wenn man unerwarterweise geoutet wird und die Belästigung nicht einfach still hingenommen wird.

Aber was nachhallt ist das: Ich blicke in amüsierte Gesichter. Schön spannend irgendwie, Spiel eher langweilig, endlich ist was los. Man lacht und zeigt tuschelnd in meine Richtung. Das Tuscheln ist ganz leise und in meinen Ohren doch ganz laut. Ich weiß, dass ich im Recht bin und fühle mich doch schuldig.
Die Bezugsgruppe hat es längst mitbekommen, ich wechsle den Platz an nen “sicheren” Standort, weitere Ansagen ihn seine Richtung. Den Rest des Spiels kann ich gedämpft genießen. Er ist immer noch keine 10 Meter weit weg und – wie ich später erfahre – nervt weitere Personen an.

Ich würde gerne sagen, dass das erste Mal war, dass mir sowas im Station passiert. Wäre aber leider gelogen. Und ich fürchte auch, dass sowas (nicht nur mir) wieder passiert.

Du könntest der nächste sein, der bei sowas daneben steht. Und du kannst es besser machen als mein Umfeld heute:

(1) Glaube ihr. Warum sollte sich irgendjemand sowas ausdenken wollen? Ist jetzt ja echt nich so, als wäre das tolle Aufmerksamkeit, die man unbedingt in seinem Leben braucht. Eher im Gegenteil: Unsere Gesellschaft fragt, was “sie” getan hat, um das Verhalten zu provozieren.
(Nur fürs Protokoll: Kein (!) Verhalten rechtfertigt das Gegrabsche. KEINS!

(2) Zeige Unterstützung. Mach explizit (Äußerungen, Handeln) klar, dass Du sie unterstützt. Hol andere mit ins Boot.
(Aus-)lachen ist in jedem Fall die falsche Reaktion. Auch und gerade, wenn du mit “ihm” zusammen da bist. Dafür ist es erst mal egal, ob du selbst was gesehen hast. Noch mal: Warum sollte sie so ne Szene machen?

(3) Hast du etwas gesehen? Fertige ein Gedächtnisprotokoll an. Für weitere juristische Schritte helfen viele Details am allermeisten. Schreib dir alles auf. Mach Fotos, falls (verdeckt) möglich. Frag sie, ob sie juristische Schritte unternehmen möchte. Biete Unterstützung an, aber lass sie entscheiden, was sie machen möchte.

(4) Weise andere auf das Geschehen hin. Geh zum Ordnungsdienst und verlange einen Platzverweis. Je nach Reaktion verlange weitere Hierarchieebenen, schreib ggf. die Ordnernummern auf, damit man das danach nachverfolgen kann.

(5) Unterstütze sie. Frag sie, was sie machen will.
Anzeigen ist ein krasser Schritt. Wir haben gelernt, “gute Mädchen” zu sein und “die Klappe zu halten”. Unterstütze sie darin, dass das “nicht normal” ist. Dass jegliche Reaktion darauf angemessen ist. Biete Unterstützung bei allem weiteren an.

PS: Nachdem ich die Geschichte bereits auf Twitter veröffentlicht hatte, kam mehrfach die Reaktion, dass sowas „normalerweise“ am Millerntor nicht passiert.
Doch tut es, und das klar zu benennen ist Teil der Lösung. Zu sagen, dass dies nicht passiert führt hingegen dazu, dass Betroffene entweder sich selbst und ihrem Eindruck nicht trauen oder dies nicht veröffentlichen, „weil dies ja nicht passiert“. Auch wir haben noch viel zu tun.

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Jul 022018
 

Vorwort

Zwei Wochen in Amiland, sieben passiv erlebte Baseballspiele und ein aktiv erlebter Triathlon. Durch unsere 10 Jahres Feier ist der Text zu meinem (@slowtrirun) Urlaub deutlich verspätet online, aber da er schon zum größten Teil geschrieben war, will ich euch ihn nicht vorenthalten:

Akt 1 Sweet Home Chicago

Wer dieses Blog regelmäßig verfolgt, wird wissen, dass eine gewisse Liebe für Baseball bei einigen Autoren dieses Blogs vorherrscht. Und aus Gründen, die sowieso nie sachlich und rational sind, hat man schon vor Jahren sein Herz an die Cubs aus Chicago verloren. So war es klar, dass irgendwann ein Trip nach Chicago und Wrigley Field anstehen würde. Und damit sich das ganze noch lohnt, wurde eine ganze Midwest Tour draus, denn Milwaukee und Madison wurden auch besucht. Warum? Das lest ihr später.

Szene 1 Die Vorbereitung

Aus Aktivsportgründen musste mein Fahrrad mit, so dass am 01.06. nachmittags erstmal das fröhliche Demontieren und einpacken angesagt war. Seien wir ehrlich: Ich kalkulierte schon das Risiko eines Schadens ein. Da meine Möhre aber sowieso schon etwas älter und angeschlagen ist, war das ein kalkulierbares Risiko.

Es ging alles relativ schnell und mit wenig Flüchen.

Szene 2 Am Flughafen

Geplant war am 03.06. über Dublin mit Aer Lingus nach Chicago zu fliegen. Der Deal mit dem Radkoffer war, dass die Airline ihn mitnimmt, aber nur soweit Platz vorhanden. Und eine gewisse Gebühr war auch angekündigt. Daher blieb immer eine gewisse Restunsicherheit und daher stand man als Erster und viel zu früh in der Schlange am Schalter.

Lief alles aber vollkommen problemlos, Geld wollte auch niemand haben und durch die Sicherheit am Flughafen kamen wir auch ohne Probleme.

Und gerade als wir uns unseren wohlverdienten Kaffee gekauft hatten, ging das Licht aus. Stromausfall. Sah erstmal für uns so aus, als ob dies nur die Ladenzeile betrifft, denn auf der anderen Seite brannte noch Licht. Doof also für die Stände, aber nix schlimmes. Unser Eindruck änderte sich erst, als wir in Richtung Gate gehen wollten, denn auch bei der Passkontrolle und den Abfertigungen von Maschinen ging gar nix mehr.

Was nun folgte, ist nur mit einem vollkommenen Versagen von Notfallplänen und Informationen zu erklären. Erst nach weit über einer Stunde gab es offizielle Informationen über irgendeinen Kanal. Der Flughafen machte im Endeffekt komplett Tauchstation.

Das beste Argument war, dass man ohne Strom ja keine Durchsagen machen könne. Das ist a. Bemerkenswert, denn immerhin befinden wir uns hier in Höchstsicherheitsbereichen und b. Schlichtweg auch gelogen, denn eine bemühte Air France Bodencrew fand relativ schnell einen Lautsprecher, der funktionierte und lieferte gut hörbar Infos für ihre Gäste und alle anderen, die da rum standen.

Irgendwann dann Evakuierung, Einstellung des Flugbetriebes und Verteilung von Wasser. Nur Informationen, die blieben Mangelware. Irgendwann war dann klar: Heute geht hier nix mehr. Der Flug, den wir hätten nehmen wollen, hatte laut Internet den Flughafen noch verlassen, aber wahrscheinlich ohne wirklich viel Gäste, denn alle Gesichter, die mit uns in der Schlange standen, trafen wir im Terminal wieder.

Es folgten Stunden der Ungewissheit und der diversen Versuche irgendwie Kontakt mit der Airline aufzunehmen. Der örtliche Dienstleister war nicht zu erreichen, die Hotline in Deutschland funktioniert am Wochenende nicht und die Hotline in Irland schickte einen in die Warteschleife. Ein Ort den man mit einem Handy nicht wirklich lange besuchen will.

Informationen blieben Mangelware.

Durch Zufall fanden wir unser Gepäck wieder, es stand im Ankunftsbereich einfach so rum. Stark beschädigt. Zum Glück nur äußerlich, so dass nur ein Koffer am Ende das zeitliche segnete.

Hin zur Beschwerdestelle (die bekanntlich im Ankunftsbereich ist und eigentlich nur erreichbar ist, wenn man in HH mit dem Flieger ankommt) und die dort für den örtlichen Dienstleister arbeitende Dame zauberte eine andere irische Telefonnummer aus dem Hut. Hurra! Dort gelang es dann auch den Flug um genau einen Tag umzubuchen. Wobei angesichts meines schlechten Englisch und des irischen Englisch der Dame am anderen Ende doch ein paar Unsicherheiten blieben.

Montag also wieder früh zum Flughafen, diesmal als Zweiter in der Schlange und in aller Seelenruhe machte der Dienstleister zwei Stunden vor Abflug die Schalter auf.

Die diensthabenden Damen guckten dann sehr schnell sehr erstaunt. Hatten die doch nicht mitbekommen, dass ihre Arbeit nun daraus bestehen würde, Menschen umzubuchen. Für den Ersten benötigten sie ca. 20 Minuten, was angesichts der knappen Zeit schon zu mittleren Tumulten führte. Letztendlich scheinen sie es aber rechtzeitig geschafft zu haben, der Flieger war zumindest voll mit Leidensgenossen.

Hamburg – Dublin, dort bereits durch die amerikanische Einreiseformalitäten, inklusive zweimaligem Scannen des Handgepäcks innerhalb von 150 Metern (ohne, dass man den Sicherheitsbereich verlassen hätte können), Dublin – Chicago, Flughafen – Hotel alles ohne Probleme. Gute Nacht!

Szene 3 Chicago

Chicago am nächsten Morgen erstmal zu Fuß erkundet. Städte mit Wasser sind hübsch. Leider bauen die Amis immer direkt ans Wasser eine große Straße, was das Ganze immer etwas weniger hübsch macht. Städte am Wasser mit Flüssen, die per Hebebrücken überbrückt werden sind noch hübscher. Also ist Chicago eine hübsche Stadt.

Lustig ist die innerstädtische „U-Bahn“, die in einem Kreis auf Stelzen (Loop genannt) fährt. Da unser Hotel auf eine der Kurven dieser Loop blickte, hatten wir wenigstens ein bisschen Blues Brothers Gefühl.

Frühzeitig machten wir uns auf in Richtung Wrigley Field und das Wrigleyville genannte Viertel um das Stadion.

Das Viertel ist St. Pauli schon ein bisschen ähnlich, gibt es doch an beinah jeder Ecke eine Kneipe. Und dies von fein bis Absturz. Wir kehrten in den Tagen einmal in „Murphys Bleacher“ und einmal in der „Nisei Lounge“ ein. Wobei erstgenannte Kneipe mehr so die „hier hat schon jeder berühmter Cubs Fan gesoffen und wir haben sein Foto an der Wand“ Kneipe ist und letztere eine dunkle, leicht punkrockig angehauchte Kneipe mit tätowierten Bedienungen ist. Ratet mal, welche uns besser gefallen hat.

Bier inner Kneipe

Das Stadion an sich ist über 100 Jahre alt und alleine deswegen ein Besuch wert. Es wurde in den letzten Jahren renoviert und auch erweitert, dies jedoch sehr liebevoll und im Stil wie es gebaut ist. Das ist schon sehr gelungen. Der wilde Wein, der an der Mauer zum Spielfeld wächst, ist wohlbekannt, alle Verkaufsstände sind in einer alten Optik gehalten und das ganze ist eng und riecht teilweise stark nach Klostein. Es fühlt sich also irgendwie gut an.

Bär in den Bleachern in Wrigley Field

Auch die Beschallung und Bespassung in den Pausen ist eher zurückhaltend. Vor dem Spiel spielt der Organist irgendwelche Hits in bester Mambo Kurt Manier. In den Pausen laufen unterhaltsame Filmchen über die Videoleinwand. Der Organist spielt seit über 30 Jahren in diesem Stadion und hat seit 2.500+ Heimspielen keines verpasst. Seine Begleitung zu „Take me out to the Ballgame“ ist berühmt. Singen muss dieser Klassiker immer irgendein prominenter Gast. Verlinkt ist die Interpretation von Bill Murray als Duffy Duck während der World Series 2016. Gutes Singen ist dabei nicht erforderlich. Nur Spaß daran, sich ein bisschen selber zum Honk zu machen.

Ein Besuch sind definitiv die „Bleacher“ wert. Dort ist freie Platzwahl und die Stimmung erinnert schon an die Gegengerade. Es wird gesoffen, gegessen, gefeiert, gepöbelt und auch mal supportet.

Sowieso: Amerikaner genießen Sport schon anders, was insbesondere bei einem Sport, der auch mal Pausen hat, irgendwo auch logisch ist. Und der Ultrafan kommt hier nicht mit Fahne und Schal, sondern mit seiner eigenen Scorecard (in der man das gesamte Spielgeschehen einträgt) und einem alten Radio, mit dem man parallel zum Spiel die Radioübertragung des Spieles hört. Was man auch nicht vergessen darf: Bei einer Saison von 162 Spielen (und damit 81 Heimspielen) zählt das einzelne Spiel nicht wirklich so viel wie im Fußball. Und man spielt jeden Tag. Würde man da so emotional wie im Fußball drauf reagieren, ginge man kaputt.

Aber man kann nicht behaupten, dass sie emotional unbeteiligt sind. Wer daran zweifelt, dem empfehle ich Spiel 2 unserer Serie. Da liegen die Cubs zurück, haben nur noch einen Out, es sind zwei Strikes (das ist so ungefähr 95. Minute im Fußball), Jason Heyward steht am Schlag. Toller Verteidiger, passabler Schläger, wenn der Pitcher rechtshändig wirft, aber wenn der mit Links wirft, dann ist er nicht so der Held. Er muss aber, irgendwas. Immerhin stehen drei Mann auf Base und zwei müssen zum Ausgleich ins Ziel. Heyward kämpft, schlägt Bälle Foul, das Stadion steht und brüllt. Und dann geschieht das unerwartete. Er ballert den Ball in das Publikum als Homerun. Das Stadion tickt aus, die Cubs haben gewonnen (Heimvorteil im Baseball, man geht zuletzt an den Schlag, der Gegner kann nicht mehr kontern). Walk-off nennt man das und der Jubel wäre nicht intensiver, wenn St. Pauli so spät zum Sieg treffen würde. Es ist sein erster Homerun gegen einen Linkshänder seit ungefähr jemals und es ist der erste Homerun, den der linkshändisch werfende Werfer seit ungefähr jemals abgibt.

Das ist Baseball, mit welcher Hand man schlägt und wirft macht einen riesigen Unterschied. Und es kann immer etwas passierten, was eigentlich nicht passieren kann.

Das Publikum

Viele Familien, viele „Daddy mit Sohn/Tochter“ oder „meine Nichte guckt heute ihr erstes Cubs Spiel“. Es gibt vereinzelte Auswärtsfans, aber selbst mit einem Cardinals Trikot (größte Rivalen der Cubs) bekommst du nicht viel mehr als ein „was machst du denn hier mit diesem Trikot?“ als Reaktion. Das ist insgesamt ziemlich angenehm. Auch an Jubeln für deine Mannschaft nimmt niemand Anstand. Sorry, aber da kann Fußball noch viel lernen.

Eine Spezialität der Cubs sind Freitagsmittag Spiele. Da sich das Stadion mitten in einem Wohngebiet befindet, müssen die Cubs Freitagsmittags spielen. Nun glaubt aber mal nicht, dass diese Spiele schlecht besucht sind. Ganz im Gegenteil: Es war knüppelvoll. Und es wird dann halt früh gesoffen. Ob es wirklich Leute gibt, die 81 Heimspiele besuchen? Keine Ahnung, aber nach 4 Spielen in 4 Tagen weiß man was man getan hat. Die Spiele dauern nämlich auch immer so gut 3 Stunden.

Noch eine Beobachtung: Mitnichten kommen Amerikaner spät ins Stadion. Sie kommen nur spät auf ihre Sitze, weil gucken, rumlaufen, Essen und Trinken kaufen zelebriert wird.

Der zweite Akt / Triathlon

Szene 1 / Das Vorspiel

Nach dem Spiel am Freitagmittag ging es weiter nach Madison und dem Grund, warum das Rad mit musste. Der Ironman 70.3 Wisconsin wartete auf mich. Der Leihwagen war ein „Midsize SUV“. Was in Deutschland = riesiger Panzer ist. Irgendwas um die 12 Liter pro 100 KM. Umweltschutz ist was anderes. Nebenbei: Wir holten den vor unserem letzten Baseballspiel in Wrigley Field ab. Parkplätze am Stadion gibt es nicht, so dass Privatleute ihre Hinterhöfe vermieten. Für lächerliche und billige 60 Dollar waren wir auch dabei. Immerhin gab es zwei Packungen Erdnüsse frei dazu.

Gut, ab nach Madison

Die Fahrt auf der Highway führte durch Gegenden, die jedem Klischee entsprachen, welche man über amerikanische landwirtschaftliche Gegenden kennt. Das Farmhaus, der typische runde metallische Getreidespeicher und ganz viel landwirtschaftliche Fläche.

 

Auf dem Weg noch das Grab von Harry Caray besucht. Einer Legende unter den Sportkommentatoren, der sichtlich und merklich auf Bier stand, so dass Leute bis Heute Biere an seinem Grab abstellen.

Madison ist eine studentische Stadt, die als hübsch gilt, aber so wirklich schick sind nur die großen Seen in der Stadt, sonst ist sie ordentlich zersiedelt und durch riesige Straßen getrennt.

Nettes Hotel, riesige Zimmer und innerhalb kurzer Zeit war das Rad auch wieder zusammen gesetzt.

Samstag Morgen erstmal Startunterlagen holen und das ging schnell und super organisiert. Man bekam eine Laufkarte und musste dann Stationen abarbeiten. Innerhalb von 5 Minuten war dies erledigt.

Wisconsin beschrieb ein Brauereinangestellter in Milwaukee später wie folgt „we drink beer and make cheese“ und der Stadt nennt sich selber „der Milchprodukte Staat“. Dementsprechend hat auch der Triathlon alles in einer Optik, die an die gute alte Schwarzbunte erinnert.

Meine üblichen 10 Km radeln und 2 km laufen vor einem Triathlonwettkampf fanden dann mittags bei übelster Schwüle statt. Das wäre genau mein Wetter gewesen. Nicht. Dieses trockene Wetter hatte zwischendurch auch zu Warnungen vor Grünalgen und Zweifeln am Schwimmen geführt, die sich dann aber Samstag zerschlugen.

Die Wettkampfbesprechung wurde einfach auf der Wiese gehalten. Vergisst irgendein Powerpoint oder so. Es reichen ein paar Tafeln und ein fröhlicher Moderator. während alle auf dem Rasen sitzen.

Triathlon ist braun-weiß. Auch in Madison

Was dieser Wettkampf nicht hat? Wechselzonenbeutel oder ein Umzugszelt, wie man es sonst von Ironman Wettbewerben kennt. „Legt die Sachen neben das Rad und zieht euch da um“ war grob die Aussage.

Der Rad Check Inn ging auch sehr schnell, die sonst übliche Kontrolle des Rades auf Tauglichkeit fiel hier mehr oder minder aus.

Noch kurz was Essen und ab ins Bett. Start um 7 Uhr? Aufstehen um 4 Uhr!

Szene 2 / Wettkampftag

Erster Blick aus dem Fenster nach dem Wecker klingeln zeigte, dass es aus Eimern schüttete. Das war nun nicht wirklich angesagt. Kurz Wetterbericht gecheckt, spätestens um 7 hört das auf, wurde da behauptet.

Nun ja, es kam anders, denn auch um 7 schüttete es noch. Hinzu kam ein ordentlicher Wind. Der Veranstalter sah sich gezwungen den Start zu verschieben. Der Regen weichte auch alles auf und machte alles matschig.

Um ca. 7:30 ging dann der erste Schwimmer ins Wasser und da es einen Grasabhang ins Wasser ging, war der sogenannte Rolling Start (die schnellsten zuerst und dann je nach Zeit nacheinander) sehr langsam. Denn hätte man schnell ins Wasser gewollt, dann hätte man sich auf den Hosenboden gelegt.

Das Schwimmen

Ich bin ja nun bekanntlich der schlechteste Schwimmer der Triathlonwelt. Und als ich um ca. 8:45 endlich ins Wasser kam, war dieses immer noch komplett aufgewühlt. Starker Wellengang und immer noch ordentlich wind. Man schwomm ein Dreieck, erst gegen die Wellen, dann seitlich zu den Wellen, dann mit den Wellen von Hinten. Angenehm ist keine der drei Möglichkeiten und nach ca. 200 Metern dachte ich sehr ernsthaft darüber nach, ob ich nicht lieber aufgeben wollte. Immerhin war das Wasser wärmer als die Luft und daher beschloss ich mich langsam voran zu kämpfen.

Und kämpfen und langsam fassen es zusammen. Ständig musste man korrigieren, aufpassen, dass man nicht direkt in eine Welle atmet. Und die Strömung musste ständig durch die Beine ausgeglichen werden.

So war für mich auch irgendwann die Cut Off Zeit eine ernste Sorge. Normalerweise bleibe ich sehr klar unter diesen Zeiten, aber diesmal hatte ich das Gefühl, dass es knapp wird. Viele Leute gaben auf oder machten Pausen an den Bojen. Ich kann sie verstehen. Ich hatte irgendwann so etwas wie ein Gefühl für das Wasser und kam voran.

Aber es blieb ein Kampf. Ich würde beinah sagen, dass dies mein langsamstes und mein bestes Schwimmen war. Das hätte ich vor zwei Jahren noch nicht geschafft. Nach 1:02:38 war das Geschaukel geschafft.

Ab zum Rad. Immerhin hatte man bei diesem Wettbewerb Neoauszieher, die fröhlich einem halfen diesen Auszuziehen. Ich weiß, nix für Puristen, aber doch nützlich.

Danke auch an die ganzen Begleitkanuten, die bei übelstem Wetter auf dem See aushielten. Und der Veranstalter hatte mehr als Genug organisiert.

Die Schlammschlacht

Vergisst diese üblichen Teppiche. Auch die gab es hier nicht. Und die Grasnarbe hatte sich aufgrund des Regens verabschiedet. Die Wechselzone war ein einziges Schlammbad. Durchgerannt, umgezogen und aufs Rad. Natürlich wurde dies auch schon mal fröhlich eingesaut. Meine weißen Radschuhe hatten sich auch in Matschbraun neu eingefärbt.

Die Radstrecke

Auf und ab ist das eine. Auf und Ab auf einem groben Asphalt, der null rollt und alles schluckt, ist das andere. Gefühlt gab es nicht einen flachen Meter. Es ging entweder bergauf oder bergab. Und je länger man fuhr, desto höher wurde die Amplitude.

Dazu ganz viele Risse und Schläge im Asphalt, so dass man bei den Abfahrten höllisch aufpassen musste, damit man sich nicht auf die Fresse legt. Der Regen hatte aufgehört, aber es war an vielen Stellen noch feucht oder sandig.

Und als ob dies alles nicht schon nervig genug wäre, kamen auch ständige 90 Grad Kurven zum abbiegen hinzu. Kraichgau ist gegen diesen Kurs ein Witz und rhythmisch zu fahren.

Die Strecke nicht für den Verkehr gesperrt, aber an jeder Ecke stand ein Sherif, so dass die überholenden PKW und LKW (!) sich sehr defensiv verhielten und das ganze entspannt von statten ging.

Die Radstrecke war anderseits richtig toll, denn man war schnell in der Natur. Vögel, die man in Europa nicht kennt, überall Kröten, die einen lautstark anfeuerten und ganz viel Natur.

Hinzu kam, dass jeder (!) überholende Teilnehmer sich immer mit einer Seite ankündigte „to your left“ und einen mit einem „good job“ anfeuerte. Hektik? Oder ein „du machst meine Bestzeit kaputt“ wie es in Europa immer noch üblich ist? Null. Auch nicht, wenn die Leute auf dem Rad brutal schneller sind als man selbst. Wenn man sich mehrfach überholte, dann wurde noch ein fröhlicher Spruch gemacht.

Das FCSP Triathlon Trikot wurde diverse Mal gelobt und gefeiert. So macht Triathlon Spaß.

4:05:50 ist nun nicht die Zeit, die ich mir so vorstelle auf dem Fahrrad, selbst wenn es ein hügeliger Kurs ist. Aber egal.

Die Laufstrecke

Die Wechselzone war nun endgültig ein Schlammloch und so badeten auch gleich die Schuhe und die Füße im Matsch. Schön. Das gibt Blasen.

Mein Plan für das Laufen? Ich darf insgesamt 8:30 brauchen, also rechne ich jede Meile aus, wie lange ich für jede Meile habe. Rechnerisch 13 Minuten pro Meile waren das Ergebnis meiner Rechnung (wahrscheinlich nicht einmal richtig), die ersten Meilen blieb ich klar unter dieser Vorgabe. Lief also. Irgendwie.

Die Laufstrecke war eine Seeumrundung und auch diese war ordentlich wellig. Also die Rennsteigtaktik anwenden. Bergauf gehen, bergab laufen. Funktionierte die ersten Meilen super und flüssig.

Der Veranstalter hatte jede Meile (!) einen Verpflegungsstand organisiert, so dass es wirklich mehr als genug Wasser, Cola, Red Bull und Gele gab. Und Vaseline. Die einem angeboten wurde mit dem Satz „wenn du was merkst, dann ist es zu spät“.

Die Helfer sowieso alle Zucker. „Good Job“, „almost there“ und immer ein fröhliches Wort auf den Lippen. Das bringt Spaß. Und wieder: Wenn man überholt wird, dann wird geschnackt, viel Glück gewünscht und noch gefragt, woher man kommt. Verkrampfte Teilnehmer? Mangelware!

Sehr gut auch: Viele Sanitäter auf Fahrrädern, die einen auch offensiv fragten, ob alles okay ist. Finde ich gut.

Ab Meile 8 wurde ich langsamer und das Ganze wurde dann nur noch ein Spaziergang. Aber immer in dem Bewusstsein, dass ich genug Zeit haben würde. Die letzten Meilen dann direkt am See gegen den Wind, was am Ende nicht ganz so angenehm ist, aber da war schon alles egal, denn das wird ein Finish! Und nur das zählt.

Eine Gemeinheit hatte sich der Veranstalter dann aber doch noch ausgedacht, ging es am Ende doch noch mal steil den Berg hoch.

Im Ziel! 2:54:30 für den Halbmarathon ist ganz passabel. Mit den Wechseln stand am Ende eine 8:18:44. Damit 180. der Agegroup und 1561. insgesamt. In der Agegroup immerhin eine Person hinter mir gelassen. Was will man mehr?

Kurze Pause beim Medizinteam, denn mir wurde doch ordentlich schlecht, aber ein beruhigendes Gespräch später ging das auch alles.

Die Medaille ist ein echter Hingucker und es gab ein Finisherbaseballcap. Wie cool ist das denn? Teilnehmerfunktionsshirt und Rucksack gab es sowieso schon.

Lohn der Arbeit

Fazit: Ein gut organisierter Wettkampf mit ganz viel Herzlichkeit, einer tollen Medaille und einer sehr anspruchsvollen Strecke. Mir hat es sehr gefallen und eigentlich muss ich den noch mal machen. Irgendwann.

Am Abend noch das verschlammte Rad eingepackt, den Sieg gefeiert und sehr müde ins Bett gefallen

Der dritte Akt / Milwaukee

Szene 1 / Die Stadt

Um am nächsten Morgen nach Milwaukee zu fahren. Die nächste Stadt am Wasser. Geprägt durch Industrie und Brauereien. Und doch hübsch. Weil am Wasser. Und mit vielen schönen Parks und Buchten am Wasser. Und ganz viel Autobahn. Weil Amerika.

Wir wurden gefragt, wie man denn auf die Idee käme, in Milwaukee Urlaub zu machen. Tja, weil wir Baseball gucken wollen.

Vorher aber ein Besuch in der Lakeside Brauerei. 12 Dollar für eine Führung und 4 x 0,2 Probiergläser Bier? Das nenn ich mal preiswert. Und die machen gute Biere. Und Biere mit Kaffee drin. Letzteres ist eine Erfahrung, die man einmal gemacht haben muss. Einmal. Auch wenn der Moderator der Führung meinte, dies sei das perfekte Bier für den Morgen.

Die Führung war um 12 Uhr, danach war man gut angelötet.

Danach noch die Altstadt (Third Ward, Gentrifizierung in Reinform) und den direkt daneben liegenden Public Market (sehr spannend) besucht.

Nun war aber auch Zeit für Baseball.

Szene 2 / Miller Park

Puh. Miller Park ist so das genaue Gegenteil von Wrigley Field. Neubau von 2001, an einer Highway im Nichts gelegen, umgeben von riesigen Parkplätzen und irgendwie Gesichtslos. Nun versuchen die Stadien bei einem Neubau immer noch irgendwie Charakter zu geben, aber hier ist das nur bedingt gelungen.

Die Brewers sind örtlich das nächste Team zu den Cubs und für sie ist das auch ein riesiges Rivalitätsspiel. Kleiner Haken: Die Spiele führen immer zu einer riesigen Invasion von Cubs Fans und am Ende war das Verhältnis im Stadion ca. 50 /50. Ohne diese sehr gut besuchten Spiele hätten die Brewers aber wahrscheinlich finanzielle Probleme, da sie als sogenanntes „small market team“ eher am unteren Ende der finanziellen Nahrungskette stehen. Was immer noch heißt, dass sie unfassbar viel Geld haben.

Wir parkten also und stellten fest, dass wir blutige Amateure sind. Der Ami an sich packt erstmal seinen halben Hausstand inklusive Grill aus und beginnt das Tail-Gaten. Die kamen teilweise echt mit komplett vollgepackten Autos. Da wird dann mit dem Kind der Ball hin- und her geworfen, gegrillt, getrunken, Spiele gespielt etc. pp. Niemand hat Angst um sein Auto, aber wenn eine Flasche kaputt geht, wo gerade die Kinder gespielt haben, dann gibt es eine Ansage von anderen Fans.

Das ganze geht auch deswegen, weil auf den Parkplätzen von vorne nach hinten aufgefüllt wird. Und das ohne „aber ich hab da vorne“ oder anderen Ausnahmen.

Das Stadion wirkt doppelt so groß wie Wrigley Field, ist es nicht, aber eben ohne Klostein Geruch und modern.

Das erste Spiel ging in Extra-Innings (kein Unentschieden im Baseballl). Sämtliche Versorgungsstände machten aber konsequent mit Ablauf der 9. Inning zu. Für die Verlängerung konnte man sich also nicht mit Getränken oder Essen eindecken. Und so etwas kann dauern.

Bier gibt es sowieso nur bis zur 7. Inning. Das ist alles schon ein bisschen gewöhnungsbedürftig, so als Europäer.

Letztes Jahr in Philiadelphia guckt mich die Verkäuferin noch komisch an, als ich während der Nationalhymne davon Abstand nehme Bier zu kaufen. Hier macht man das Licht der Verkaufsstände aus und es gibt während der Nationalhymne einfach nix. Sowieso die Amis und ihre Hymne, da kann man wahrscheinlich Doktorarbeiten drüber schreiben. Von außen betrachtet ist es schon eine sehr befremdliche Fetishisierung der Fahne und der Hymne.

Der Schlussakkord

Leider ist der Urlaub schon wieder lange Geschichte, aber an der nächsten Tour wird schon rum geplant. Mal gucken.

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Jun 032018
 

Am 01.06. fand ein Treffen der aktiven Fanszene und diverser Blogger mit Oke statt, zu welchem er geladen hatte, um einen Rückblick auf die letzte Saison zu geben.

Ähnliche Treffen hatte er auch mit den Gremien und der Hamburger Presse abgehalten.

Solche Hintergrundgespräche sind in der Verarbeitung immer etwas schwierig, da vieles nicht zitiert werden kann und auch nicht zitiert werden sollte. Daher wollen wir nur eine grobe Zusammenfassung geben und ein Bauchgefühl für das weitere Vorgehen.

Natürlich waren auch einzelne Spielernamen im Gespräch Thema, aber das wollen wir aus den oben genannten Gründen vollkommen ausblenden. Außer natürlich, dass die Runde sich einig war, dass Jogi ohne Schnecke keine Chance bei der WM haben wird. „Eindeutig Weltklasse“ ist der Kalla halt.

Wann ein Präsident schweigt und wann er redet

Vorab: Es zeigt wie besonders dieser Verein ist, dass man solche Treffen abhält. Wir erlebten einen Oke, der deutlich zielstrebiger und deutlicher in der Ansprache war, als man ihn sonst wahrnimmt.

Für ihn ist aber auch deutlich klar, dass es nicht seine Art der Führung ist, plötzlich im Abstiegskampf als Präsident was zu seinem sportlichen Personal zu sagen. Er verwies zu Recht auf einen Konkurrenten, bei dem der Präsident zu einem vollkommen unpassenden Zeitpunkt mehr aus Versehen den Trainer aus Sicht der Öffentlichkeit in Frage stellte. Wir können die Herangehensweise unseres Präsi da sehr gut nachvollziehen, aber für die sehr einfache Welt des Fußballs in der immer „Macher“ und „starke Männer“ gefordert werden, ist dies natürlich gewöhnungsbedürftig. Aber eben doch richtig.

In der Analyse der Saison wurde natürlich der Einbruch in der Hinrunde und der schlechte Abschnitt in der Rückrunde als Schwerpunkt gesehen. Ohne nun in Details gehen zu wollen, fanden wir, dass Fehler gesehen werden und zumindest die Chance besteht, dass man diese nicht mehr macht.

Oke warf auch viel deutlicher als sonst in der Öffentlichkeit ein Ziel in den Raum. Sein Ziel ist es besser zu sein als der Platz der TV-Einnahmen. Das heißt, dass wir besser als Platz 7 sein sollten.

Die zweite Liga muss man dabei grob dritteln, wenn es um die Einnahmesituation geht. Wir gehören da irgendwo in das obere Drittel und diese PS gilt es auf die Straße zu bekommen. Dies ist nicht gelungen.

Zu Recht stellte unser Präsi fest, dass wir eben nicht mehr der Underdog sind, der finanziell allen unterlegen ist. Dies ist allerdings wahrscheinlich noch nicht bei allen im Verein angekommen.

Oder um es mal deutlich zu sagen: Außer den beiden Dickschiffen, die abgestiegen sind, gibt es kein Verein, der „wenn wir wollen, kaufen wir euch auf“ ernsthaft umsetzen kann.

Natürlich verzichten wir auf Einnahmen, wenn wir nicht jeden Stadionnamen und Tribünennamen verkaufen. Diese Einnahmen müssen wir anders kompensieren und tun dies auch teilweise (Stichwort „Modelabel“). Umso wichtiger, dass wir da wieder Herr im eigenen Haus sind.

Wins above Replacement?

Wir sind ja in Teilen so Baseball-Nerds. Und in diesem Sport ist etwas üblich, was in unsere linken Köpfe nicht kritiklos rein will, aber auch im Fußball knallhart notwendig ist: nämlich einen Spieler als Anlage, als Wertgegenstand, als Investition zu sehen, die man erhalten und nutzen muss. Und dabei ist es halt wichtig, einen Spielerwert zu beurteilen. Und zwar sowohl in die Vergangenheit, wie auch in die Zukunft.

Im Baseball gibt es dafür Computermodelle, die das ganze extrem präzise beurteilen. Am Ende wird daraus ein Wert, der sich im Baseball „Wins above Replacement“ nennt. Grob übersetzt heißt das „wieviel Spiele mehr gewinnt mir dieser Spieler im Vergleich zu einem durchschnittlichen Zweitligaspieler?“. Kurze Anmerkung: 1. ist das eine sehr verkürzte Erklärung für „Wins above Replacement“. 2. wer sich für Modelle wie ZIPS oder Steamer interessiert, die so etwas für die Öffentlichkeit vorhersagen, der kann das hier nachlesen. Teams haben eigene Systeme und auch für Sportarten wie Basketball gibt es solche Modelle.

Den Schritt, Spieler als Wert zu sehen, den ist man bei uns gegangen. Und ja, das ist entmenschlichend, das ist brutaler Kapitalismus. Nur wie dieser Wert bestimmt wird, das ist bei uns und wahrscheinlich auch im Fußball insgesamt immer noch viel Bauchgefühl und „mal gucken“. Machen wir unseren Verantwortlichen gar keinen Vorwurf, aber wir hoffen, dass der FCSP irgendwann das objektivere Computermodell entwickeln und nutzen kann. Das befreit nebenbei Kapazitäten, um sich die menschliche Seite zu kümmern.

Der Idealfall wäre, dass mir der Computer relativ sicher sagt, dass der Spieler zehn Tore und fünf Vorlagen machen wird und der Scout herausfindet, ob der seit Kindheit in Rautenbettwäsche schläft und ob er in unsere Kabine passt. Das kann einem kein Computer abnehmen und diese weichen Faktoren sind extrem wichtig.

Zurück zu den Werten

Mögen wir einen Spieler noch so emotional positiv oder negativ beurteilen, so sehr muss man als Verantwortlicher versuchen, das zu objektivieren. Bleiben wir bei unserem „zehn Tore, fünf Vorlagen“-Stürmer. Wenn der uns Fans ob einer etwas lässigen Spielweise wahnsinnig macht, dann ist das eine Sache. Er ist mit 15 Torbeteiligungen aber alleine drei Tabellenplätze „wert“ und was das kostet, kann man alleine am TV-Ranking nachlesen.

Gut, dass man bei unserem Verein so weit ist, gut, dass man da präzise arbeitet. Gut, dass man da auch weiter lernt und lernen will.

Umfeldfaktoren wurden besprochen, das was Oke leicht ironisch „Wohlfühloase“ nannte. Man muss auch hier eine Balance finden zwischen „der individuelle Mensch, der selbstständig ist und nur das Gute will“ und einem „schulisch-strengen“ Ansatz. Und seien wir ehrlich: Die Ausbildung in Jugendinternaten führt nicht gerade zu einer Eigenverantwortlichkeit, die man beim späteren Profi ansprechen kann. Das ist nebenbei vielleicht auch der große Unterschied zu US-Sportlern, die im College eine extreme Eigenverantwortlichkeit und Eigenmotivation an den Tag legen müssen, um überhaupt Profi zu werden.

Umfeldfaktoren reichen vom Athletiktrainer über den Masseur bis hin zum Trainingsplatz und Teammanager. Z. B. fiel bei uns letzte Saison der Athletiktrainer durch Krankheit aus. Und dann ist da eine Unruhesituation, die man auffangen und abfedern muss. Dies gelingt oder gelingt nicht. Wichtig ist, dass man Strukturen und Prozesse hat, die so etwas vorhersehen und planen. Oder anders ausgedrückt: Ich muss das Umfeld haben, welches Erfolg ermöglicht und so wahrscheinlich wie möglich macht.

Dazu gehört auch die Trainingssituation, die klar verbessert werden kann und muss. Wir trainieren und spielen als Verein zur Zeit an fünf Standorten und besitzen z. B. keine Rasenheizung an der Kollaustraße. Auch da ist man kurz-, mittel- und langfristig dran. Stichwort ist hier natürlich auch „Verletzungen“ oder „Jugendanbindung“. Das alles kostet extrem viel Geld, was dann wieder kurzfristig im Profi-Etat fehlt.

Leider weiß man hier nicht objektiv nicht, wie unsere Konkurrenz (die oben genannten oberen sechs der zweiten Liga) aufgestellt sind. Denn das z. B. Sandhausen in diesen Umfeldfaktoren wahrscheinlich sehr schmal aufgestellt ist, kann für uns kein Maßstab sein. Definitiv haben wir hier Nachholbedarf und das wirkt sich auch direkt auf das „Produkt“ auf dem Platz aus.

„Jetzt pudern die den Versagern auch noch den Arsch“ werdet ihr nun brüllen, aber das ist Unsinn. Erfolg ermöglichen & Werte für den Verein schaffen, das sind entscheidende Stichworte. Und auch ihr arbeitet lieber und leistungsstärker in einem guten Umfeld. Also erwartet nicht von Leistungssportlern, dass sie da anders sind. Gehalt ist auch bei euch nur ein geringer Wohlfühlfaktor, wenn im Job sonst wenig stimmt.

Kommen wir zu einem Fazit

Hättet ihr euch vorstellen können, mit Corny über Prozesse im Verein zu diskutieren? Seien wir ehrlich: Mehr als ein genervtes Gesicht hättet ihr nicht bekommen. Der Verein entwickelt sich weiter. Und es gab auch viele offene Selbstkritik, die wir a. hier aus den oben genannten Gründen nicht wiedergeben wollen und die wir b. in dieser Form zuvor auch noch nicht erlebt haben.

Vieles kann, nein muss noch besser, progressiver und vielleicht auch mehr Sabermetrics werden, aber im Groben sind hier keine Träumer am Werk, eben kein Zampano, der als Präsident alles diktatorisch regelt, sondern ein prozessorientiertes Team. Das macht auch Hoffnung auf zumindest eine Stabilisierung des Vereins in sportlicher Hinsichts.

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Jun 012018
 
Dass ich für den Magischer FC-Blog bereits einen pathetischen Vorbericht über das Antira-Turnier 2018 schrieb, reichte nicht ganz aus, um mich verpflichtet zu fühlen, auch eine kurze Nachlese zu verfassen. Viel mehr ist es der Wunsch, die Kamera das ganze Wochenende nicht umsonst mitgeschleppt zu haben und den daher veröffentlichten – und nicht mal zwingend guten – Bildern eine gewisse Legitimation durch das geschriebene Wort zu verleihen. 
 
Erwartet also bitte keinen kompletten Bericht mit Zusammenfassung aller Workshops, der Ergebnisse des Turniers und ausführlichen Anekdoten der Partys, sondern lediglich ein paar ausformulierte Gedanken.
 
Das Wichtigste direkt zu Beginn: Das Antira ist ein tolles Event auf so vielen Ebenen. Der politische Austausch ist extrem wichtig und wenn es Gruppen, die es in ihren Vereinen oder Städten aktuell sehr schwer haben, auch nur ein wenig positiv Energie geben konnte, ist das bereits ein Erfolg. In diesem Sinne vielen Dank an alle, die dieses Wochenende ermöglicht haben.
 
Dieses Jahr fand das Event in der Nordkurve statt und für den Autor war es der erste längere Besuch auf dieser. Auch wenn die Arbeit bewundernswert ist, die die Menschen auf der Nord bereits in die Gestaltung der Kurve gelegt haben (Kein Mensch ist illegal!), sieht der ganze Beton insbesondere im Umlauf noch sehr steril und beliebig aus. Vielleicht kann man da ja noch mal was dran machen. Millerntor Gallery auf der Nordtribüne?
 
Ansonsten muss man die Nordkurve mögen. Besseres Verhältnis zwischen Steh-und Sitzplätzen als auf der Süd, keine Logen… USP in die Nordkurve! Nein, war nur Spaß.
 
Wenn das Turnier für den Schreibenden politisch etwas gelehrt hat, dann über die Lage des Amed SK, dem ehemaligen Verein Deniz Nakis im kurdischen Gebiet der Türkei. Das Thema ist definitiv zu wichtig und ernst, um es hier zwischen Späßen und Diskussionen über Beton aufzuführen, aber mit Sicherheit wird dazu noch was kommen, ggf. auch hier auf dem Blog. 
 
Einen wunderbaren, persönlicheren Bericht schrieb auch unsere gute Freundin Jaane, auf den wir verweisen wollen.
 
Schließlich die versprochenen Bilder.
 

Antira 2018!

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Mai 242018
 

Der hier schreibende Autor des Redaktionskollektivs las vor einiger Zeit Gabriel Kuhns Buch „Die Linke und der Sport“, welches er eigentlich für den Magischer FC-Blog rezensieren wollte (Wenn ihr zusätzlich eine vollständige Rezension wollt, könnt ihr ihm ja gut zusprechen).
Kuhn (ohne genau zu definieren was die „Linke“ eigentlich genau ist) fasst die (selbst-erklärten linken) Diskurse um den Sport zusammen und entwickelt darauf aufbauend die These, dass der Sport weder genuin gut noch schlecht ist, sondern an die Gesellschaft, in dem er betrieben wird, gekoppelt ist; aber das Potenzial hat, positiv oder negativ gesellschaftlich wirkmächtig zu werden.

Kuhn stellt diverse Konflikte und Betätigungsfelder der „Linken“ im Sport vor, sei es der Kampf indigener Gruppen in den USA gegen die Verwendung ihrer Symbole und Namen als Maskottchen oder Gimmick bei Sport-Events, antirassistische Kampagnen im Fußball oder der Einsatz gegen koloniale Kontinuitäten im Cricket.

Diesen und anderen Kampagnen spricht er zu, sich kulturell positiv auszuwirken. Sport ist als integraler gesellschaftlicher Bestandteil immanent politisch und daher ist es gutes Recht, wenn nicht sogar Pflicht bestehende Ärgerlichkeiten anzugehen, Spannungen auch im Sport auszutragen und uns als Vereinsmitglieder, Fans und Schreibende zu engagieren.

Auf einer viel kleineren Ebene werden wir das auch dieses Wochenende am Millerntor erleben können. Über 30 antifaschistische Gruppen aus Europa sowie Mittel- und Nordamerika werden gegeneinander Fußball spielen und ins Gespräch kommen. Auch wenn alle Antifaschismus als Grundverständnis eint, sind die lokalen Probleme divers. Einige kämpfen primär gegen Homophobie und Antisemitismus in ihrem Stadion, andere gründen – frustriert der Entwicklung ihrer Vereine oder Szenen – eigene Clubs oder sogar Ligen, wieder andere müssen sich physisch gegen Nazis verteidigen oder sehen sich durch Sicherheitsbehörden bedroht.
Der Autor dieser kurzen Zeilen freut sich jedenfalls darauf, dieses Wochenende mit Leuten zu sprechen, über die verschiedenen Problematiken im Fußball (und dem damit verbundenen kulturellen und politischem Rahmen) zu lernen und natürlich auch wieder ins Millerntor zurückzukehren (Von wegen! Wir sind doch alle froh, dass Sommerpause ist, oder?)

Wenn ihr das auch wollt, kommt einfach vorbei, trinkt ein Bier gemeinsam, lernt unsere Gäste kennen. Auch wenn die kulturellen und politischen Entwicklungen in vielen Städten und Ländern entmutigend sind, ist es gut zu sehen, dass es überall Menschen gibt, die die Verhältnisse nicht hinnehmen, sondern nach Alternativen suchen und sich für diese einsetzen.

Das vollständige Programm findet ihr hier

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