Nov 222017
 

Sachverhalt und Erklärung des Vereines

Vielleicht ist es dem einen oder anderem geneigten Leser aufgefallen, dass wir mal wieder das Lied in der Halbzeit gewechselt haben. Slime ersetzte dabei Los Fastidos und „Let’s get united“ ersetzte die „Antifa Hooligans“.

Man kann dies als absolut nebensächliches Problem erachten. Ein Thema, was man bei ein, zwei Bier am Tresen diskutiert und dann feststellt, dass man unterschiedlicher Meinung ist und ein drittes Bier gemeinsam trinkt.

Und hier könnte der Bericht dann auch enden. Aber Musik beim FCSP ist anderseits auch ein emotionales Thema und nicht nur wir sind an der Erklärung interessiert gewesen. Dann eine zitierfähige, abgesegnete Erklärung zu bekommen, war etwas schwierig, aber nach einer Wartezeit von gut 36 Stunden hatten wir diese dankenswerterweise in der Hand und wollen euch die dann auch nicht vorenthalten:

Seit drei Spielen läuft vor Beginn der 2. Halbzeit der song „Let´s get united“ von Slime statt „Antifa Hooligans“ von Los Fastidios. Nun erreichten uns Anfragen aus diversen Ecken, warum der Song denn ausgetauscht wurde. Teils garniert mit einer Prise Verschwörungstheorie („wer hat Euch dazu gezwungen?“). Deshalb hier mal einige hoffentlich aufklärende Zeilen:
Zunächst einmal ist es wichtig klarzustellen, dass niemand, weder intern noch von außen, gefordert hat, den bisherigen Song abzuschaffen. Weder aus inhaltlichen noch aus musikalischen oder anderen Gründen. Auch sind wir uns sicher einig, dass man über Musikgeschmack schlicht nicht streiten kann.
Nein, es war einfach so, dass Ende September die neue Platte von Slime mitsamt dem Song „Let´s get united“ erschienen ist und es sofort einige Stimmen gab, den Song im Stadion zu berücksichtigen. Daraus wurde dann die Idee des Austausches des Einlaufsongs zur zweiten Halbzeit. Ausschlaggebend hierfür waren in der Summe folgende Gedanken:

  • Vielleicht nach einigen Jahren mal wieder was Neues?!
  • Slime sind eine Band „aus dem eigenen Stall“
  • Endlich keine nervigen Diskussionen mehr, warum bei uns im Stadion „was mit Hooligans“ läuft

Der wichtigste Punkt war aber, dass der Text von „Let´s get united“ zwar im Grunde die gleiche Problematik (Rechtsruck in der Gesellschaft…) aufgreift, diese aber textlich ausgefeilter angeht. Während „Antifa Hooligans“ sich darauf beschränkt, körperliche Präsenz zu zeigen und Nazis zu jagen, appelliert „Let´s get united“ insgesamt für die Einhaltung von Werten und das solidarische Einstehen eben dafür. Und das sogar in drei Sprachen und mit Hilfe zweier weiterer Bands (Unsere Freunde von The Wakes aus Glasgow und, da sind sie ja wieder, Los Fastidios aus Italien). Kurz nach der Wahl in Deutschland mitsamt dem Einzug der AFD in den Bundestag fanden wir, dass es nun an der Zeit ist, auch hier in unserem bescheidenen Rahmen neue Akzente zu setzen. Zudem fanden wir neben den genannten politischen Aspekten, dass es vor Beginn einer zweiten Halbzeit auch fußballerisch passend sei, etwaige Zwistigkeiten mal beiseite zu packen, um solidarisch alle zusammen das Team noch mal für 45 min anzufeuern.

Dieser Argumentation konnten sich nach kurzer Umfrage die gesamte Bereichsleiterrunde, das Stadionsprecherteam und etliche mehr, die wir spontan gefragt haben, anschließen und so wurde das eben schnell umgesetzt. Ich hoffe, das klärt nun so einiges und wir können das Thema nun wieder abschließen und uns wichtigerem zuwenden. […]

(Am Ende gekürzt)

Allgemeine Anmerkungen

Ja, das Thema abschließen können wir damit nun wirklich, aber nicht ohne uns ein paar subjektive (!), teilweise geschmackliche (!) Anmerkungen zu leisten.

Musik ist immer ein Geschmacksthema. Und Rockstars sind keine Engel und in den seltensten Fällen 100 % politisch auf unserer Linie. Es ist ein extrem männlich geprägtes Umfeld mit all seinen Problemen und üblen Ritualen. Das sind aber übergreifende Anmerkungen zum Rock Business.

Was wir jetzt mal außen vor lassen, ist die Band Slime und die Person ihres Sängers. Das diese auch in linken Kreisen polarisiert, kann man wohl als Fakt darstellen. Wer sich damit genauer beschäftigen mag, dem sei dieses Buch als Ausgangspunkt  empfohlen. Das flog zumindest früher auch im Fanladen als Leseexemplar rum.

Spezielle Anmerkungen

Zu der Erklärung im einzelnen:

  •  „nach einigen Jahren“? Puh, viel länger als ein Jahr war das doch jetzt nicht, oder? Zeit fliegt, wenn man Spaß hat, daher mögen wir uns hier täuschen. So lange sind Cock Sparrer doch noch nicht her, oder? (Warum der Song weg ist, ist eine Geschichte, die ihr euch gerne mal am Tresen von anderen Leuten erzählen lassen könnt.)
  • „aus eigenem Stall“? Das kann man positiv wie negativ auslegen. Als Promotion-Klüngel ebenso wie als „bekannt und bewehrt“. Ob mit dem Abspielen in der Halbzeit wirklich eine nennenswerte Promotion verbunden ist, sei mal dahingestellt.
  • zu dem Versuch einer Textanalyse in der Erklärung folgendes. Hier der Text von „Antifa Hooligan“  , hier der von „Let’s get united“  Letztendlich ist die Textanalyse in der Erklärung von einem subjektiv gewünschten Ergebnis gedacht. Denn wenn man ehrlich ist, ist der Gassenhauer von Slime nun auch keine differenzierte Analyse der Verhältnisse mit einem detaillierten Lösungsvorschlag. Und die dort erwähnte innerlinke Kritik dann doch sehr verkürzt. Es gibt ja auch Gründe, warum z. B. ein „united“ in Hamburgs Linke nicht ganz so einfach ist. Und diese Gründe sind auch nicht einfach so vom Tisch zu wischen. ABER! Musik, insbesondere Punk arbeitet nun mal mit Verkürzungen, Zuspitzungen und Parolen. Das tut „Antifa Hooligans“ auch, was auch so ein bisschen die Monothematik dieses Liedes erklärt und die Kritk relativiert. Und wenn wir jetzt eine Textanalyse unserer Stadionlieder beginnen, dann sollten wir zu den beiden Klassikern der Musikbeschallung schnell Alternativen finden. Die Texte sind nun nicht einmal politisch. Bei Stadionbeschallung ist wahrscheinlich auch der „Mitgröhlfaktor“ entscheidender als der Text. Und ganz subjektiv ist der bei „Antifa Hooligans“ irgendwie höher.
  • Wenn extern niemand gefordert hat, den Song zu wechseln, was waren das dann für „nervige Diskussionen“? Solche Diskussionen beginnen doch eher nicht mit „ey, geiler Song, wer ist das? wo kann ich den kaufen?“, denn dann wären sie nicht nervig. Und das ist doch eigentlich auch das charmante an „Antifa Hooligans“ es besitzt Reizwörter für die bürgerliche Mitte. Es ist ein sofortiger Stachel im Fleisch. Und „stay rude, stay rebel“ steht dem FCSP prinzipiell immer gut.

Lange Rede kurzer Sinn

Aus eher subjektiven Gründen war man sich beim Verein einig zu wechseln. Radikal subjektiv wie das Kollektiv dieses Blogs ist, sind wir uns einig, dass wir „Antifa Hooligans“ wieder haben wollen. Herr Ober, noch ein Bier bitte für uns. Und nun alle:

Come on come on
Antifa – Hooligans!

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Nov 212017
 

Es ist kühl geworden in Hamburg. Der schneidende Wind weht die Regentropfen sogar bis weit unter das Dach der Gegengerade. Nicht mal mehr dort kann man sich darauf verlassen, im Trockenen zu bleiben!

Verlässlichkeit, das wäre es doch mal. Als Mannschaft mit gehobener Zweitligaqualität gegen einen Aufsteiger im unteren Tabellenbereich antreten und sich sicher sein können, dass man da nicht unter die Räder kommt. Dazu ist vielleicht Fußball der falsche Sport, der FC St. Pauli aber vor allem der falsche Club.

Endlich mal wieder ein Heimspiel an einem seriösen Wochenendtag. Regensburg ist recht kräftig erschienen, mehr als 1.000 Leute in deren Block machen schon vor Anpfiff Alarm. Dagegen sind die Heimbereiche des Millerntors heute großteils eher im Winterschlaf … hat vermutlich aber auch was mit dem Verlauf des Spiels zu tun. Aber eines nach dem Anderen.

For Those About to Rock (We Salute You)

Bei den Klampfenklänge von „Hells Bells“ kriegt heute zumindest der Verfasser dieser Zeilen ein wenig Gänsehaut, ist mit Malcolm Young doch jüngst der Rhythmusgitarrist und Komponisten jener Kapelle von uns gegangen. Oft genug kommt einem die Nummer ausgelutscht vor – wie viele Jahre kriegen wir das Ding jetzt schon auf die Ohren? Heute jedenfalls wird es in seiner gewaltigen Form noch mal so richtig wichtig. Dann heute mal für Malcolm richtig Gas geben oder was?

Shoot to Thrill

Nein, nein, nein. Sprechen wir besser nicht über die erste halbe Stunde. Wirklich nicht. Und kommt uns nicht mit „Wieso, da stand’s doch kurze Zeit 1-0 für die Guten.“ Haben wir auch gesehen, war nur so halb lustig mit dem Fehler auf der Anzeigetafel.

MagischerFC St. Pauli vs. SSV Jahn Regensburg November 2017

Läuft doch.

Es ist immer wieder so ein Roulette-Spiel mit dem FCSP diese Saison. Wir wollen auch mal die Gewissheit haben: Hey, das gewinnen wir heute. Und zwar wirklich. Und ohne großes Geschlotter. Da sind so viele Gurkentruppen in Liga 2 und wir können uns nicht immer auf dumme Fehler der Gegner verlassen. Wir müssen solche Mannschaften einfach mal gegen die Wand spielen von A-Z. Das Potenzial wäre doch da.

Nach einem solchen Spiel dankbar für die Comeback-Qualität sein: Ja. Aber von vorneherein hätte es nie zu einem 0:2-Rückstand nach 30 Minuten kommen dürfen. Hut ab für den mutigen frühen Doppelwechsel, da beweist Janßen ein gutes Händchen.

High Voltage

Was man positiv mitnehmen könnte: Pöbeln gegen den Schiedsrichter ist soziale Schmiere auf den Rängen und Motivator für weiteres Engagement. Das Gespann liegt heute oft einen ganzen Zacken daneben, findet mit Mühe eine Linie von vielen Gelben Karten und übersieht dann eine offenbar meterlange Abseitsstellung. Glück für uns.

Adrenalin gibt’s immerhin zur Genüge. Wer in der Halbzeitpause nicht unter Starkstrom geht, hat dieses Spiel nicht wirklich gesehen. Unterhaltsam ist es, das wollen wir nicht bestreiten. Und dennoch muss einiges so richtig doll anders werden. Zweikampfverhalten. Umschaltspiel. Die letzten 1-2 Aktionen vor dem Tor. Haben wir eigentlich schon mal erwähnt, dass die Boys in Brown das Verteidigen bei Standards üben sollten?

So krebsen wir jetzt allmählich im Niemansland der Tabelle herum und ganz ehrlich, wir sehen uns da nicht so schnell herauskommen. Bitter, die Saison so früh wegzustecken, aber wir sind Berufspessimisten und können nicht anders. Natürlich lassen wir uns gern überraschen und eines besseren belehren.

Nun ist Donnerstag erst mal Jahreshauptversammlung. Liebe Mitglieder, kommet zuhauf.

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Nov 132017
 

Wir hoffen, ihr alle kennt „1910 e.V.“ beziehungsweise das FCSP-Museum im Aufbau. Erneut haben die ehrenamtlichen fleißigen VereinshistorikerInnen eine umfangreiche Ausstellung in der Museumsfläche in der Gegengerade unseres Stadions auf die Beine gestellt. Name und Programm: Fußball in Trümmern. FC St. Pauli im „Dritten Reich“. Wir nahmen die Ausstellung in Augenschein und sprechen hiermit eine dringende Besuchsempfehlung aus. Holen wir euch mal ins Boot.

Von heute nach gestern und wieder zurück

Der FC St. Pauli ist heutzutage – das kann man wohl ohne falsche Bescheidenheit sagen – ein international bekanntes Symbol für antifaschistische Fußballkultur. Auf dieser Grundlage beginnen auch die Menschen vom 1910 e.V. ihr Ausstellungskonzept. Dass dieser Erfolg aus einem seit den späten 1980ern bis heute anhaltendem Prozess entspringt, bildet den Beginn der Erzählung und verknüpft sie mit Blick auf die jüngsten politischen Entwicklungen mit der Verantwortung des Einzelnen.

Die direkte politische Ansprache der BesucherInnen ist für historische Museen unüblich, verstehen sie in der Regel ihre Arbeit doch eher als Schaffung einer Verständnisgrundlage für gegenwärtige Politik. Aber ist sie ist dennoch zwingend sympathisch, spiegelt sich in dem eindeutig antifaschistischen Narrativ doch auch das eben angesprochene Selbstverständnis.

Dass die Ausstellung somit nicht streng chronologisch aufgebaut ist, empfinden wir als gute Idee. Schließlich wird (auch unter FachhistorikerInnen) gemeinhin angenommen, dass die Frage nach (politischer) Orientierung in der Gegenwart die Grundlage für Fragen an die Geschichte darstellt. Reiner Selbstzweck ist so eine Beleuchtung historischer Ereignisse und Prozesse schließlich nie.

Im Abschnitt nach der Eröffnung der Ausstellung erfolgt ein radikaler Bruch. Eine Art Panorama zeigt das Heiligengeistfeld im zerbombtem Zustand 1945. Danach wird die Gründungsgeschichte des Vereins kurz skizziert. Dabei wird darauf hingewiesen, dass trotz des sozio-ökonomischen Umfeld St. Paulis als Arbeiterviertel die Wurzeln des FCSP in der rechtsnationalen Turnerbewegung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts liegen. So könnte man für den weiteren Verlauf annehmen, dass sich Verein und Stadtteil in einem Spannungsfeld zwischen Zustimmung und – vorsichtig formuliert – einer gewissen Distanz zur nationalsozialistischen Führung bewegen.

Schurken und Helden?

Die sieben Biographien, die die Grundlage für die Ausstellung bilden, erzählen allerdings eine ganz andere Geschichte. Es ist eine Geschichte, die weder finsterste Schurken (wobei Otto Wolff als Gauwirtschaftsberater und „Arisierer“ schon definitiv Täter war), weniger allerdings noch strahlende Helden kennt. Es ist eine Geschichte von ganz normalem Menschen, die sich in einem abscheulichen System zu arrangierten wissen und in erschreckender Banalität Fußball spielten, während in Auschwitz oder Neuengamme die unaussprechlichen Verbrechen begangen wurden und die Wehrmacht nach und nach weitere europäische Länder überfiel.

Ob es die Intention der Verantwortlichen war, wissen wir nicht; aber es ist vermutlich die ganz große Stärke der Ausstellung, die belanglose Alltäglichkeit des Hamburger Fußballs in schockierender Weise mit den Ereignissen auf europäischer oder globaler Ebene in Verbindung zu setzen. So zeigen die Ausstellenden auf, wie sich (nach Hannah Arendt) die Deutschen kollektiv zum Täter machten, indem sie sich mit dem verbrecherischen System privat arrangierten – und vielleicht muss Fußball dabei als ein Medium angesehen werden.

Und deswegen erzählt die Ausstellung nicht nur ein Stück Lokal- oder Vereinsgeschichte, sondern auch nationalsozialistische Alltagsgeschichte und nicht zuletzt die Geschichte der Aufarbeitung, die viel zu spät in Gang gekommen ist und lange wie leider so oft niemanden interessierte.

Beklemmende indirekte Erinnerung

„Fußball in Trümmern“ ist keine ganz fehlerfreie Ausstellung. An Details wollen wir uns aber bestimmt nicht aufreiben, nicht zuletzt, weil so viel unschätzbare ehrenamtliche Arbeit in diesem wertvollen Projekt steckt. Klar: Aufgrund eines überschaubaren Fundus‘ an Exponaten zur Vereins- und Lokalgeschichte im Nationalsozialismus ist „Fußball in Trümmern“ vor allem bild- und textlastig. Zeitweilig denkt man, das würde auch als Bildband funktionieren. Vielleicht hätte es das eine oder andere Foto weniger getan, indes gefallen uns die pointierten und wohl gewählten Texte.

Die Ausstellung kann aber mehr als ein Buch: In manchem Moment werden wir der Beklemmung, die auch die „indirekte Erinnerung“ an den Nationalsozialismus immer wieder auslöst, in den Ausstellungsräumen besonders gewahr. Die Auflösung am Ende, wo die persönlichen Schicksale nach dem Krieg nachzuerleben sind, erinnern an einen Epilog aus einem guten Doku-Drama. Wer die Museumsfläche verlässt, dürfte nur in seltensten Fällen nicht ins Nachdenken kommen – selbst wenn man schon unzählige Male mit dem Themenkomplex Nationalsozialismus in Berührung kam.

„Fußball in Trümmern“ läuft vom 10.11. bis 10.12. täglich von 11-19 Uhr (donnerstags 11-21:30 Uhr). Der Eintritt beträgt 5 Euro Vollzahler bzw. 3 Euro ermäßigt. Nehmt euch mindestens eine Stunde Zeit für die Ausstellung.

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Nov 132017
 

 

Wart ihr Freitagabend beim Testspiel gegen Odense? Nein? Nicht weiter verwunderlich bei der geringen Zahl anwesender Menschen. Wir waren aber vor Ort und fassen kurz für euch zusammen, was ihr verpasst habt.

Ticketing

Der Verein hat sich für das Testspiel das Ticketing-Prinzip diverser Soli-Partys und alternativer Locations abgeguckt: Zahl, was du willst (oder kannst)! Die sozialen Barieren ins Stadion zu kommen äußerst niedrig zu halten, finden wir schon sehr gut und dass die Einnahmen auch noch komplett gespendet werden, macht es auch nicht gerade schlechter. Schade leider nur, dass Fußball im Kapitalismus ein solches Modell nicht auch zu regulären Spielen zulässt. Die soziale Zusammensetzung verändert sich tatsächlich. Wir sehen zum Beispiel um uns herum sehr viele sehr junge begeisterte Menschen, was auf der Gegengerade ja auch nicht zwingend alltäglich ist. Dass nur knapp 4500 Leute den Weg ins Millerntor finden, ist gerade vor dem Hintergrund der sozialen Verwendung der Eintrittsgelder etwas schade.

Gegner

Odense Boldklub heißt dieser und ist vielleicht dem aufmerksamen Verfolger des europäischen Profifußballs noch als regelmäßiger Europa League-Teilnehmer bekannt, für den man sich aber in den vergangegen Spielzeiten nicht mehr qualifizieren konnte. Da wir nicht zu den intensivsten Beobachtern der dänischen Liga gehören, können wir nur schwer abschätzen, wie der Auftritt der Gäste an diesem Abend zu beurteilen ist, von der Europa League ist das allerdings aber noch etwas entfernt.

Spiel

Was uns zum Sportlichen bringt. Um es ganz knapp runterzubrechen: Das 3:1 ist nicht unverdient, allerdings zeigen sich altbekannte Schwächen auch wieder deutlich, so zum Beispiel das Verhältnis von Torschüssen und Treffern. Da sind wir eines der schlechtesten Teams der zweiten Liga und das muss sich ändern. Es kann nicht sein, dass wir den Ball aus passabler Situation regelmäßig bis auf die Budapester Straße hauen. Auch bei Übersicht und Aufbauspiel glänzen die Boys in Brown nicht gerade. Attraktiver Fußball sieht anders aus, aber Wunder sind bei Tespielen ja auch nicht zu erwarten.

Atmosphäre

Auch wenn sich die Kids vor uns größte Mühen geben, Stimmung kommt nie wirklich auf. Oben auf den Sitzplätzen kann man es sich allerdings sehr gemütlich machen, trotz eisiger Kälte. Lange Schlangen vor dem überforderten Verkäufer heißer Getränke. Auch ein paar dänische Stimmen sind zu vernehmen. Ein netter Abend also.

Schlußwort

Wir hoffen, dass der Trainerstab ein paar Erkenntnisse aus dem Spiel mitnehmen konnte und wir dann mit neuen Ideen und frischem Mut in die kommenden Begegnungen gehen können. Noch ist die Saison ja nicht komplett verloren.

Geht ihr doch in der Zwischenzeit mal in die wirklich gelungene Ausstellung Fußball in Trümmern. Der FC St. Pauli im „Dritten Reich“. Hier findet ihr unsere Rezension zu dieser. Oder bereitet euch auf die anstehende JHV vor, die nicht so unwichtig werden wird, wie ihr vielleicht denkt.

Bis dahin, munter bleiben!

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Nov 102017
 

Vorwort

„Ich bin die Demonstration gegen die Demonstration
Nehme das Megaphon, jeder verstummt, verhöhn‘ die Idioten
Gröhle Parolen für mehr Resignation“
(wie alle folgenden Zitate: Antilopen Gang – Anti Alles Aktion)

Es ist wieder MV (Mitgliederversammlung). Und was bis vor Kurzem noch wie eine eher harmlose Jahreshauptversammlung ohne Wahlen aussah, wird nun durch den Rücktritt des Präsidiums und die Anträge der Satzungskommission doch zu einer MV mit Inhalt. Umso mehr ist es auch wieder Zeit, dass wir als Blog uns etwas mit dem Staat FC St. Pauli auseinander setzen.

Wir wollen ein paar grundsätzliche Fragen stellen und dann auch im Einzelnen auf die Anträge und Wahlen eingehen. Wenn ihr euch vorbereiten und viele Infos von unseren handelnden Personen haben wollt, dann seien euch die Millerntons mit Sandra Schwedler und mit Oke Göttlich empfohlen.

Man kann schon verstehen, warum sich Oke gerne mal in vorsichtige Plattitüden rettet in solchen Interviews wie beim Millernton, aber trotz dieser Neigung kommt auch bei ihm noch sehr viel Info UND Denkweise drüber. Danke an den Millernton und auch an Sandra und Oke, dass solche Gespräche möglich sind. Und so etwas muss man auch mal klar sagen: In welchem Verein würde ein Präsident schon zu einem Podcast von Fans kommen und sich da zwei Stunden Zeit nehmen? Die Vereine kannst du an einer Hand abzählen. Hier haben wir kurze Wege und eine Offenheit, die man auch mal loben muss.

Opposition?

„Ich bin die Opposition für die Opposition
Wen ich sag‘, was ich denk‘, krieg‘ ich Post von den Bullen“

Es ist trotzdem etwas Grundsätzliches zu beobachten beim FCSP. Ein Mangel öffentlich wahrnehmbarer Opposition. Und ein ebensolcher Mangel an öffentlicher Kritik an den wählbaren Positionen. Ja, das liegt zum einen auch daran, dass vieles „in die richtige Richtung“ läuft, aber eigentlich gäbe es auch Themen, wo man eigentlich auch eine gewisse öffentliche Kritik erwartet. Ob die dann am Ende durchgreift, das ist eine ganz andere Frage.

Nehmen wir doch z. B. den Nebenjob unseres technischen Direktors bei Sky. Meint ihr, dass ein anderer Vereinsoffizieller als Ewald Lienen so nahezu keine Reaktion hervorgerufen hätte, wenn er gemütlich mit Claus Strunz über die Champions League geplaudert hätte?

Oder glaubt ihr, dass der Austausch von „Viva con Agua“-Wasser durch Hella Mineralbrunnen bei Orth ein absolutes Nichtthema gewesen wäre?

Auch kann man Vertragsabschlüsse mit Fritz Kola kann man absolut mal kritisch hinterfragen. Gerade Firmen, wo das Außenbild vom kleinen Underdog mit den Geschäftsgebahren nicht übereinstimmen, sollte der FCSP kritisch sehen.

Unsere zugegeben händische Recherche ergab, dass z. B. keines dieser drei Themen im Übersteiger (und das ist ja wohl immer noch das Referenzblatt) Niederschlag gefunden hat.

Man verstehe uns nicht falsch: Es mag für all diese oben genannten Entscheidungen Gründe geben. Selbst gute Gründe, ach Blödsinn. Mit Claus Strunz an einem Tisch zu sitzen, dafür gibt es nur einen Grund, nämlich einen Skandal zu produzieren. Torten sollen bei so etwas sehr nützlich sein.

Aber sonst kann es aber auch griffige und sinnvolle Erklärungen geben. Nur diese werden – zumindest öffentlich – nicht mehr abgefordert und hinterfragt. Und das ist schlecht für einen basisdemokratischen Verein.

Oke selber sagt in der zitierten Millernton-Folge, dass Transparenz ein wichtiger Bestandteil eines mitgliedergeführten Vereines sein müsse. Zu einer Transparenz gehört aber auch, dass Menschen diese herstellen, indem sie nachfragen, indem sie gegenrecherchieren und indem sie die handelnden Personen hinterfragen.

Dies ist beim FCSP zurzeit sehr dünn. Wir nehmen uns selber da auch gar nix aus, denn auch wir haben zu den eben genannten Themen nichts geschrieben. Man wird bequem, eine gewisse Grundzufriedenheit mit der Richtung und den Personen führt zu einer noch stärkeren Bequemlichkeit.

It’s a dirty job, aber irgendwer muss ihn halt machen und zur Zeit fehlt dieser Irgendwer. Und das ist schlecht im Rahmen von Transparenz, Checks and Balances und Weiterentwicklung unseres Vereines.

Ihr merkt: Das eben Geschriebene ist weniger eine Kritik an den Amtsinhabern als an dem gemeinen Volk. Im Übersteiger 129 findet sich z.B. ein Artikel, der „Die AFM – Ein schlafender Riese wird wachgeküsst“ betitelt ist. Ohne uns jetzt den Inhalt aneignen zu wollen, aber in den „passiven“ Vereinsmitgliedern ist so viel Man- und noch mehr Womanpower, die sich kritisch konstruktiv einbringen sollte und müsste.

Und nein, dies wird nicht durch eine Hinterzimmerdiplomatie ersetzt. Diese gibt es und sie ist in vielen Punkten auch notwendig und in diesem Verein funktioniert sie immer noch sehr gut. FCSR, AGiM etc. pp machen da einen guten Job. Aber sie führt eben nicht dazu, dass die Mitgliederversammlung als höchstes Gremium dieses Vereines immer wirklich informierte Entscheidungen treffen kann. Dazu gehört eben auch eine öffentliche Kritik, öffentliche Opposition.

Deswegen auch folgende Warnung!

Es wäre schlecht, wenn man den Gedankengang „Das sind unsere Leute, die müssen wir um jeden Preis an der Macht halten, jeder der sich kritisch äußert, will denen nur an die Posten und ist schlecht für uns.“ spinnen würde.
Das ist eine Wagenburgmentalität, die wir uns nicht leisten können, wenn wir wirklich ein basisdemokratischer Verein bleiben wollen. Natürlich müssen wir uns immer fragen, ob es wirklich um sachliche Dinge geht oder um ein „Ich will an die Fleischtöpfe der Macht.“, aber eben genau diese Differenzierung müssen wir auch hinbekommen.

Ja, liebe Leser, wenn wir der andere Verein bleiben wollen (und wir denken, dass dies Konsens ist), dann müssen wir alle an uns selber hohe Maßstäbe legen und viel Mitdenken leisten.

Nun aber konkret zur MV

Die Wahlen

„Ich bin die Gegenpartei gegen die Gegenpartei
Ich geh‘ nicht wählen bei Wahlen, denn ich bin gegen Parteien“

Danke Alt

Wir wählen verfrüht das Präsidium. Dabei werden zwei Vizepräsidenten ausgetauscht, was historisch beim FCSP der Regelfall ist. Wenn wir uns richtig erinnern, hat beinahe noch kein Präsidium wirklich vier Jahre in der absolut gleichen Besetzung durchgehalten.

Dies ist natürlich einmal mit der verrückten Arbeitsbelastung zu erklären und auch mit der riesigen Verantwortung, die ein solches Ehrenamt mit sich bringt. Das kann man bei Oke im Millernton sehr gut heraushören.

Hinzu kommt, dass – wie es Oke auch richtig ausführt – Fußball ab und zumal auch Bauchentscheidungen bedarf. Und nicht jeder hat den gleichen Bauch und nicht jeder kann mit unterschiedlichen Bäuchen umgehen. Kurz: Da ist in so einem Gremium auch genügend Konfliktpotential.

Oder anders gesagt: Alles Gute an Tom und Reinher. Danke für den Fisch und wir hoffen, ihr konntet euch das Fan-Dasein erhalten und könnt nun wieder genüsslich beim Bier im Stadion rumpöbeln.

Und neu?

Als neue Kandidaten sind Christiane Hollander und Carsten Höltkemeier nominiert.

Erstere ist im Viertel keine Unbekannte, ganz im Gegenteil. Anwältin mit einer Kompetenz im Mietrecht und in Stadtteilpolitik (Eigenbeschreibung bei Mieter helfen Mieter) sind für unseren Verein absolut Gold wert. Einen guten Leumund bekam sie in unserer Filterblase auch sofort.

Kurz: Gute Wahl und schön, dass sie an Bord möchte. Die sprichwörtliche Sahne auf die Kirsche ist, dass sie eine Frau ist, denn diese sind immer noch übelst unterrepräsentiert in den Führungsgremien unseres Vereines. Von einer 50/50-Quote sind wir weit entfernt. Von der Repräsentation anderer marginalisierter Gruppen wollen wir ja gar nicht erst anfangen.

Carsten Hölzkemeier ist ein Banker. Und da kannst du noch so sehr aufgeklärter Linker sein, das alleine bringt Vorurteile mit sich. Davon muss man sich trennen! Und wir werden gerade im Bereich Banken, Finanzierungen etc. einen Experten benötigen. Denn wie wir alle wissen, läuft nächstes Jahr die Anleihe aus und wie wir schon bei der Auflage eben dieser schrieben, wird dies ein sehr kritisches Datum. Man darf nicht vergessen, die damalige Anleihe hatte in ihrem Verkaufsprospekt folgende Formulierungen (dieses Mal kein Antilopen-Gang-Zitat):

„Sollte die Fußball-Lizenzspielermannschaft des Vereins über die Laufzeit der Anleihe in der zweiten Bundesliga [Text hier etwas umformuliert vom Autor] verbleiben […], werden die Emittentin und der Verein nicht dazu in der Lage sein, sämtliche Rückzahlungsansprüche […] bei Fälligkeit aus Eigenmitteln zu erfüllen. Doch auch wenn die Fußball-Lizenzspielermannschaft während der Laufzeit […] in die 1. Bundesliga [Text hier etwas umformuliert] aufsteigen und dort kurz- oder langfristig verbleiben sollte, lässt sich nicht ausschließen, dass die angesparten Eigenmitteln […] nicht ausreichen werden. […]“

Wir kommentierten das damals wie folgt:

„Was steht da etwas verklausuliert? Aus dem Geschäftsergebnis (dem Gewinn) ist nicht zu erwarten, dass wir bei Fälligkeit der Anleihe 6 Millionen auf einen Schlag zurückzahlen können. Wir werden dafür zumindest anteilig einen Kredit aufnehmen müssen, den wir danach irgendwann und irgendwie tilgen. Keine schöne Vorstellung, oder?“ (Nachzulesen hier )

Stand heute ist es sehr wahrscheinlich, dass wir die gesamte Laufzeit der Anleihe nicht die zweite Liga verlassen, d. h. eine Liga, in der wir nicht genügend Gewinn erwirtschaften, um diese Summe zu tilgen. Fragt mal einen Bankexperten, ob er dafür gerne eine Anschlussfinanzierung gewähren möchte.

Und wir haben von dem Horrorszenario „Abstieg 2018″ noch gar nicht angefangen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Jemanden als Experten, der auch Branchenstallgeruch hat, zu haben, ist da absolut sinnvoll.

Das Ganze hat aber natürlich auch eine kritische Seite. Denn es muss dann anderseits (und hier ist auch öffentliche Transparenz in der MV 2018 gefragt!) sichergestellt werden, dass es zu keinen Kollisionen der beruflichen Tätigkeit und der Tätigkeit für den FCSP kommt. Selbst der kleinste Anschein einer „Selbstbedienung“ muss vermieden werden. Hier wird das Präsidium, der AR sich an sehr hohe Transparenz- und Informationsstandards halten müssen. Insbesondere dann, wenn letztendlich z. B. mit der Barclays Bank eine Finanzierung vereinbart wird. Was man letztendlich auch nicht sofort ausschließen sollte.

Folgendes noch

Das war jetzt Scouting per Videoanalyse. Was wir null beurteilen können, ist, wie die so menschlich drauf sind. Das kann man dann anhand der Eindrücke bei der MV versuchen zu ermitteln.

Was wundert

Das die eigentlich logische Begründung, warum man Aufsichtsratswahl und Präsidiumswahl wieder entzerrt, erneut von Oke im Millernton umschifft wird. Man will die Folge des § 23 Nr. 1 Satz 5 der Satzung vermeiden. Es ist irgendwie komisch, warum man sich in Geeiere und Umschreibungen flüchtet, anstatt klar zu sagen, dass man eine parallele Wahl vom AR und Präsidium vermeiden will. Auch gerade, weil dieser § 23 Nr. 1 Satz 5 einen absolut legitimen und einfach zu verstehenden Grund gibt. (Nachtrag am 10.11.2017 08:34: Der Präsident äußert sich auf Twitter dahin gehend, dass er schon gesagt hat, dass ein Superwahljahr vermieden werden soll und das ist auch so. Das hat er gesagt. Es geht hier aber eher um die in der Satzung genannte Folge der verkürzten Amtszeit, die man gut als überzeugenden Grund anführen könnte. Vielleicht scheint der Sachverhalt für den Hausjuristen aber einfach viel zu klar und er ist es einfach nicht.)

Warum man dies dann nicht aussprechen will, ist uns ein Rätsel.

Was ist sonst noch?

Wahl des Ehrenrates

Bisher nur 5 Kandidaten auf 5 Posten. Das ist erstmal traurig, aber auch beim Ehrenrat schwierig. Denn so bedenklich es ist, wenn zwei Kandidaten schon das 80. Lebensjahr vollendet haben, so doof ist es Gefahr zu laufen, dass verdiente Mitglieder sang- und klanglos abgewählt werden.  Nix gegen rüstige Rentner und schön, dass die Leute sich noch fit genug fühlen, um noch mal dieses Ehrenamt zu bekleiden, hoffen wir, dass sie es für die Amtszeit bleiben.

Wir werden uns schwer hüten, hier eine Wahlempfehlung abzugeben, aber der Schlesselmann, der kann was – auch wenn er den meisten Lesern wahrscheinlich unbekannt ist. Okay. Nein, Spaß beiseite, wer schon mal mit dem Ehrenrat zu tun gehabt hat, weiß, was für eine tolle Arbeit die leisten. Sei es bei Ehrungen, sei es bei Geburtstagswünschen oder sei es auch bei ihren seltenen Fällen, wo sie wirklich mal innervereinliches Gericht sein müssen.

Auch hier schön zu sehen, dass sich eine Frau bewirbt.

Der Satzungsänderungsantrag

Wir hatten eine Strukturkommission und die hat unsere Satzung mal durchgeforstet. Herausgekommen ist eine Neufassung der Satzung, die zum größten Teil Bereinigungen und Korrekturen enthält. Die Synapse findet ihr hier.  Die solltet ihr beim Lesen der folgenden Zeilen zur Hand haben.

Bereinigung, das ist richtig und wichtig. Aber es ist erstmal juristisches Saubermachen ohne viel Brisanz und Erklärungsbedarf. Langweiliges Alltagsgeschäft.

Trotzdem gibt es auch diverse inhaltliche Änderungen, von denen wir zwei kurz mal hinterfragen wollen.

§ 9 Abs Nr. 3 Leistungsnadeln

Warum hier die Zuständigkeit vom Amateurvorstand zum Ehrenrat wandern soll, ist klar aber irgendwie aus unserer Sicht falsch. Der Amateurvorstand ist doch hier viel sachnäher. Klar könnte man hier für die – nebenbei immer noch etwas systemfremden – Leistungsnadeln aufgrund einer ehrenamtlichen Tätigkeit eine abweichende Regelung treffen, aber auch das ist nicht zwingend. Denn immerhin sind die Leistungsnadeln erstmal was für aktive (Amateur-)Sportler und darüber sollte auch ihr Vertretungsgremium entscheiden.

Aber seien wir ehrlich: Das ist eher eine Detaildiskussion, wo man auch viele komplett gegenläufige Argumente finden könnte. Zum Beispiel, dass mehr als die Hälfte aller Mitglieder in der AFM sind (14.000 von 25.000).

§ 15 Anträge

Die Formvoraussetzungen für Anträge werden erheblich verschärft. Nicht nur, dass eine schriftliche unterschriebene Einreichung gefordert wird (und damit eine Einreichung per Email eher nicht mehr möglich ist), nein, es wird auch eine erneute mündliche Vorstellung des Antrages auf der MV verpflichtend eingeführt.

Mal ganz ehrlich: Das ist beides viel zu formalistisch und irgendwie auch rückwärtsgewandt. In Zeiten des Digitalen einen Antrag per E-Mail offensiv auszuschließen und dann noch eine Anwesenheitspflicht für Antragssteller einzubauen, ist irgendwie doof. Mal ganz davon ab, dass es die MV ihres Rechtes beraubt, frei über einen Antrag, der vorliegt, zu entscheiden.

Man stelle sich nur vor, es würde ein nicht vernetztes Mitglied einen sehr sinnvollen Antrag stellen, 65 Prozent der anwesenden Mitglieder würden diesem sofort zustimmen. Und dann ist Sturm, das Mitglied kommt aus Sylt. Schade eigentlich, denn eine Beschlussfassung über den Antrag ist nicht mehr möglich und die 2/3 für einen erneuten Eilantrag werden nicht erreicht. Oder geht ein Vertreter ohne Vertretungsmacht? Das lässt der Entwurf offen und wäre wahrscheinlich ein sehr interessante Verhandlung vor Gericht.

Wir sehen da auch nicht den Sinn hinter. Die MV hat sich bisher nie schwer damit getan, unsinnige Anträge, die nicht mündlich weiter begründet wurden, innerhalb von 30 Sekunden abzulehnen. (Manfred aus dem Ehrenrat hatte in einem Gespräch einen Fall vor Augen, wo das lange gedauert hat. Er sieht auch ein körperliches „stellen“ jetzt schon für notwendig nach Satzung. Kann man so sehen, steht da aber eher nicht aus unserer Sicht. Danke an Manfred an dieser Stelle für den Verein der kurzen Wege und für ein längeres Gespräch. Das ist toll.)

Die Begründung der Änderung damit, dass ja unklar sei, ob der Antragssteller durch Abwesenheit den Antrag zurückgezogen habe, geht da auch eher fehl. Da wird Passivität als Tätigkeit unterstellt und dies geht nicht. Und es ist – wie oben schon erwähnt – auch vollkommen egal. Die MV tat sich bisher nie schwer damit, die notwendigen 30 Sekunden aufzubringen, um den Antrag abzulehnen. Sie ist als höchstes Gremium des Vereines mündig genug und muss da keine Satzungsnorm haben, die sie zähmt.

§ 20 Nr. 1 „Vorschlag Präsident“

Der Entwurf sieht vor, dass der Aufsichtsrat nur noch einen Kandidaten/Kandidatin vorschlagen kann. Ja liebe Leser, so sollte dieser Absatz beginnen. Der Hausjurist hat das viermal gecheckt, die folgenden Zeilen geschrieben und ist dann von Manfred auf seinen Fehler hingewiesen worden. Da steht „den Kandidat/die Kandidaten“. Und damit ist der folgende Text  aber mal so richtiger Bullshit. Damit ihr für den Hausjuristen seine neue Brille spendet  (Scherz!) und zur Erheiterung veröffentlichten wir ihn trotzdem mit. Nochmal Sorry liebe Strukturkommission für die Verwirrung.

 

 

Begründet wird dies damit, dass dies auch der Praxis entspricht und daher eher eine Klarstellung sei. Disclaimer an dieser Stelle: Dankenswerterweise waren Menschen aus der Strukturkommission bereit, das Ganze vor der Veröffentlichung dieses Artikels mit unserem Hausjuristen zu erörtern. Danke dafür und auch danke für einen Einblick in die Überlegungen, die man sich gemacht hat. Jedoch: Man musste sich am Ende einig sein, dass man nicht einig ist. Trotzdem haben wir höchsten Respekt vor den geleisteten Stunden in der Satzungskommission. In einem Verein kann man halt einfach mal anderer Meinung sein.

Aus unserer Sicht ist es eben mehr als „Klarstellung“ und „sowieso Praxis“. Und dies wollen wir erläutern:

Zuerst sei mal daran erinnert, dass es Gründe für diesen Passus in der Satzung gibt. Nämlich, dass DFB/DFL so einen Passus seit vielen Jahren in der Satzung vorschreiben, weil man verhindern will, dass eine (Achtung, Übertreibung!) besoffene Jahreshauptversammlung einen dahergelaufenen Kandidaten wählt, der das Blaue vom Himmel verspricht und dann gewählt wird. Ihr denkt, dass wird doch so nie passieren? Naja, vielleicht nicht ganz so, aber man hatte da schon eine Wahl in Gelsenkirchen vor Augen.

Zur Wahl standen damals eine Bestimmung des Präsidenten durch den Aufsichtsrat oder eben ein Vorschlagsrecht. Man hat beim FCSP letzteres eingeführt und so ausgestaltet, wie es in Satzung alt steht, weil man der MV möglichst große Entscheidungsautonomie geben wollte. Und das will man nun grundsätzlich opfern? Dann kann man auch gleich zur Bestimmung durch den Aufsichtsrat übergehen.

Man kann sich auch mal fragen warum das eigentlich Praxis ist? Wenn doch Basisdemokratie und „Mitgliederversammlung als höchstes Gremium“ so wichtig sind, wie es alle immer betonen, warum soll dies dann nicht für eine Kampfabstimmung um den Präsidenten gelten? Da werden entsprechende Phrasen sehr schnell hohl, wenn man sie da nicht gelten lassen will. Und dies gilt umso mehr, wenn man die Möglichkeit einer Kampfabstimmung vollkommen ausschließt. Denn wir wissen alle, dass Ein-Kandidaten-Wahlen so gar nix mit „Basisdemokratie“ und „höchstem Gremium“ zu tun haben.

Ja, wir wollen gar nicht verheimlichen, dass es in der Praxis für einen Aufsichtsrat schwer wird, zwei geeignete Teams für ein Präsidium zu finden, die bereit sind, gegeneinander anzutreten. Aber das soll die Argumentation sein, dies auch per Satzung auszuschließen?

Sorry, aber das ist mehr als eine Klarstellung. Das ist eine grundlegende Änderung der Denkweise.

Ein ketzerische Gedanke zum Schluss: Was wäre wohl los gewesen, wenn Corny L. diese „Klarstellung“ beantragt hätte? Fünf Prozent Zustimmung? Aber höchstens! 

Schlusswort dazu

Die beiden letzten Vorschläge schränken schlichtweg die Möglichkeiten der MV schon per Satzung ein. Und da wiederholen wir uns jetzt noch einmal: Das ist nicht im Geiste einer Basisdemokratie und einer „Hauptversammlung als höchstes Gremium“, sondern eher im Sinne eines gelenkten Parteitages, der seiner Ecken und Kanten beraubt wird. Und das ist nicht gut. Ja, Basisdemokratie ohne starres Korsett ist nervig und anstrengend. Aber eine Showveranstaltung, die dann als „besonders“ verkauft wird, sollten wir uns auch nicht leisten. Wir sollten mehr sein als eine Fassade.

Bedauerlich ist, dass man nun keinen Antrag stellen könnte, diese beiden (oder drei) Punkte herauszunehmen und den Rest zu beschließen, denn dort gibt unsere Satzung ein sehr starres Korsett und sehr starre Fristen vor. Das ist bedauerlich,denn sonst sind die Vorschläge echt unterstützenswert.

So kann man leider nur empfehlen, den gesamten Antrag der Strukturkommission abzulehnen und diese zu bitten, dass ganze noch mal zu machen. Schade, auch um die Arbeit. In der hoffentlich kommenden Neufassung könnte ja vielleicht ja gleich mal eine Regelung enthalten sein, die dieses eben beschriebene „Friss oder stirb“ vermeidet und so der Hauptversammlung auch in Satzungsfragen mehr Möglichkeiten und Freiheiten gibt, das höchste Gremium zu sein.

Ob man nun ob dieses einen Dings eine Satzungänderung nicht annehmen möchte, sei mal dahin gestellt. Das Doofe ist halt immer, dass es keine Möglichkeit eines Änderungsantrages gibt, denn da ist unsere Satzung immer noch sehr steif. Alles was die MV in ein Korsett zwängt, sollten wir immer einer sehr hohen Rechtfertigung unterwerfen. Aber reicht dies hier? Entscheidet es selbst. Es bleibt ja auch die Möglichkeit, dass die Strukturkommission (und jedes Mitglied) kann per Antrag 2018 diese Punkte korrigieren. Und vielleicht fällt ja irgendjemanden auch eine gute Lösung ein, wie man einen Änderungsantrag zu einem Satzungsänderungsantrag ohne diese starre, nahezu nicht einzuhaltende Frist gestellt werden kann und trotzdem eine ruhige Befassung sicher gestellt ist.

 

Die einfachen Anträge

Gebärdendometscher auf der Anzeigentafel

Absolut richtiger Antrag! Ist in den USA nebenbei Standard, dort meistens über eine kleinere gesonderte Anzeigentafel, daher sind technische Details garantiert diskutierbar. Aber grundsätzlich ist das überfällig und sollte kommen. In den USA laufen selbst Untertitel für Hörgeschädigte auf dieser Anzeigentafel mit und zwar von allem, was Stadionsprecher etc. sagen. Auch hier sollte der FCSP tätig werden. Details kann man garantiert mit dem Antragsteller nach Annahme erarbeiten (z.B. ob man ähnlich wie bei den Blinden spezielle Plätze einrichtet, die einen entsprechenden Blick auf eine entsprechende Anzeigentafel haben).

Regenbogen auf dem Trikot

Grundsätzlich auch ein richtiger Antrag, das Nach-außen-Tragen der damit verbundenen Solidarisierung sollte so stark wie im Rahmen des Fußballs (und das ist hier sehr wörtlich zu verstehen) möglich erfolgen. Auch hier sind natürlich technische Details abzuklären und auch mit entsprechenden LGBT-Verbänden zu erörtern, wie das Ganze respektvoll und ohne zum bloßen Marketinggag verkommend erfolgen soll.

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Nov 062017
 

„Ihr fahrt zu Union? Mein Beileid.“ Nicht wenige reagierten so, wenn man ihnen von den Wochenendplänen erzählte. In der Alten Försterei ein erstes Auswärtsspiel zu erleben, sei gut, denn danach könne es nur besser werden, hieß es. Eigentlich sei alles beknackt da im frostigen Osten von Berlin – Anfahrt, Unioner, Gästeblock, Ordner, Sankt-Pauli-Touristen undsoweiter. Gut, dass wir uns von Horrorgeschichten nicht abschrecken lassen. Denn trotz eines Ergebnisses zum Haareraufen wird das eine richtig gute Fahrt.

Da es eigentlich immer was in Berlin zu tun gibt, wollen wir das ganze Wochenende in der Hauptstadt verbringen. Freitagabend lassen wir uns von einem liebenswürdigen Flixbus-Fahrer kutschieren, der richtig Bock hat, die klischeeberliner Unhöflichkeit als Markenzeichen zu etablieren.

Das Verbot von Bier und, so wörtlich, „Dönerspeisen“ im Bus setzt uns hart zu. Die Kollegen auf den Sitzen nebenan machen’s konsequent und ziehen dann eben ’ne Line im Bus.

Wir hängen abends noch eine Weile im Halford in Friedrichshain ab – so eine Metalkneipe fehlt Hamburg definitiv. Im Halford kannst du wenigstens noch sitzen, dich unterhalten und hast trotzdem gute Mucke auf den Ohren. Artig zeitig geht es dann in die Falle, wir haben ja was vor am nächsten Tag.

Sonnabend – Matchday!

Der große Tag beginnt, auf geht’s nach Köpenick. Wir steigen am Wismarplatz in die Tram und tuckern die bescheidene Strecke im gemächlichen Tempo entlang. Die Zeile „Das Stadion liegt irgendwo am Arsch“ trifft auf die Union-Spielstätte definitiv noch mehr zu als auf die Müllverbrennungsschüssel der Hansestadt. Vorbildlich früh, wie wir unterwegs sind, macht uns das aber nix und wir kommen gegen halb 12 an der Alten Försterei an. Bis zu diesem Zeitpunkt haben wir, übervorsichtig unsere Schals versteckend, keinerlei Stress mit Köpenicker Kanten – und wir hören auch nichts davon, dass es welchen gegeben hätte.

Bei dem schönsten Wetter, das so ein Novembertag zu bieten hat, leeren wir unsere morgendlichen Biergetränke, begrüßen die Weitgereisten und weniger Weitgereisten und machen uns auf den Weg in den Block. USP verkaufen für fünf Euro Schals für die Choreo, die sich allerdings anfühlen, als ob sie mit Wandfarbe bestrichen seien. Spießiger Berliner Cops finden das Ganze gar nicht geil und bedrängen die USP-Leute, den Verkauf einzustellen. In der Folge wechseln andernorts hektisch Schals weiter „gegen Spende“ den Besitzer, sodass am Ende der Gästeblock zu Genüge mit den Utensilien ausgestattet ist.

Der Einlass fast erschreckend zahm

In der Erwartung, schlimmer kontrolliert zu werden als im Knast, verabschieden wir uns schon innerlich von dem einen oder anderen Besitztum. Doch Pustekuchen, es klappt ganz ausgezeichnet und entspant mit dem Einlass. Ob Union die Security-Firma getauscht hat, einfach ein Paradigmenwechsel stattgefunden hat oder wir einfach nur einen guten Tag erwischen, man weiß es nicht. Jedenfalls sind wir nicht böse drum.

Auch die Toiletten- und Biersituation kennt man schon wesentlich schlimmer als hier. In der Regel kommt man zügig dran, egal, ob man Flüssigkeit tanken oder loswerden möchte. Um die Halbzeit herum werden allerdings andere Erfahrungen gemacht. Da ist sowohl die Beschaffung als auch die Entsorgung von Flüssiggut schwieriger.

MagischerFC Union Berlin vs. St. Pauli November 2017

Gut, dann haben jedenfalls noch die schlimmen Paulis im Block die Chance, uns durch „Fahne runter“-Rufe oder ähnliches ein Negativerlebnis zu bescheren. Spoiler: Nix dergleichen gehört, aber wir stehen auch ein Stück weg von den Fahnen. Ein rotzbesoffener FCSP-Öddel in der Kloschlange, der weibliche Besucherinnen zum Zeigen ihrer Geschlechtsteile auffordert, lässt indes mal den Puls hochschnellen. Bevor jemand fragt: Selbstverständlich hat der Knallkopp richtig was zu hören bekommen. Ob das in seinem bierverklebten Hirn angekommen ist, darf bezweifelt werden. Rotzbesoffen ist sowieso ein Stichwort. Wenn man selber nüchtern ist, sind selbst liebste Menschen anstrengend, wenn sie denn ordentlich getankt haben.

Das Spiel: Same Old Song

Ja ja … wir haben riesig Bock, weiter von couragierten Auftritten mit wenigen unglücklichen Situationen, von denen aber eine zum entscheidenden Gegentor führt, zu schreiben … NICHT. Doch viel anders lässt es sich nicht zusammenfassen. Noch immer zu viele Fehler im Aufbauspiel, wirre Fehlpässe und ein Stürmer, der es sich im Abseits richtig gemütlich gemach hat, gehen uns gewaltig auf den Keks. Wir hoffen inständig, dass spätestens in der Winterpause mal fundamental daran gedreht wird, dass wir uns nicht mehr über die ewiggleichen Versäumnisse beim FCSP ärgern müssen. Heute nicht mal einen Punkt mitzunehmen und damit tatsächlich mal den Anschluss an die drei goldene Plätze zu verlieren, frustriert etwas. Dann wird es eben eine Saison im grauen Niemansland der Tabelle.

Und das Gegentor mal wieder klassisch nach einem Standard, der nun nicht Messi-Wunder-haft getreten ist, sondern gemütlich in den Strafraum segelt, mittig und dort in Ruhe verwertet werden kann. Irgendwie haben wir eine „Täglich grüßt das Murmeltier“-Erfahrung, denn das erleben wir in letzter Zeit häufiger. Wir haben nun nicht nachgeguckt, aber gefühlt sind es vier bis fünf Tore hintereinander, die wir so kassiert haben. Und das kann man auch mal trainieren. Da ist definitiv ein Fehler in der Aufteilung und der wird anscheinend von Teams auch gut erkannt und ausgenutzt.

Der ausverkaufte Gästeblock macht seine Sache gar nicht so schlecht, wie wir finden. Die Mitmachquote in den äußeren Randbereichen könnte natürlich immer höher sein, aber für unsere Einschätzung keine schlechte Supportleistung. Die Schal-Choreo dürfte von außen durchaus ansehnlich gewesen sein und es gelingt uns, von Union erst was an unsere Ohren dringen zu lassen, als der Gegentreffer in der Nachspielzeit fällt. „You only sing when you’re winning!“ Wir hingegen sind am Ende durchaus heiser.

„Zwei Kultclubs“: Symbolbild

Mit dem Frust über die späte und alles andere als notwendige Niederlage machen wir uns auf die Reise zurück nach Friedrichshain. Abermals verbergen wir zunächst sorgsam unsere Schals, was sich bald als komplett unnötig erweist. Vor uns und hinter uns (dieses Mal nehmen wir den Weg über S Köpenick) ziehen genügend braunweiße Fans die Aufmerksamkeit auf sich. Doch es bleibt alles ruhig. Am S-Bahnhof kommt es lediglich zu entspannten Frotzeleien zwischen Unionern und Sankt Paulianern. Die FCSP-Anhänger haben den Bahnsteig durch Überzahl unter Kontrolle (das wäre uns auf dem Platz lieber gewesen) und das Fangesänge-Duell wird andersherum entschieden als das Fußballspiel. Zwischendurch sieht man Rote und Braunweiße sich umarmen, als ob sie Sky-/Bild-/wasauchimmer-Reportern das richtige Bildmaterial für ihr „Kult gegen Kult“-Gefasel liefern wollen. Es ist sowieso angenehm, eine zu 99 % entspannte Stimmung um das Stadion herum zu erleben und so ganz ohne Fantrennung. Selbst wenn es aus diversen Gründen keine Fanfreundschaft sein muss, muss es ja auch nicht gleich der pure Hass sein.

Etwas müssen wir hier aber noch mal klären, liebe Unioner. Es gibt nur einen (noch aktiv spielenden) Fußballgott. Und der trägt die 27.
In einem Stück und trotz der Niederlage in guter Laune verbringen wir den Rest des Wochenendes noch an der Spree. Berlin hat seine Vorzüge, keine Frage. Am Ende ist es zu Hause aber wohl doch am schönsten.

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Okt 302017
 

Liebe Leidensgenossen und Leidensgenossinnen,

viele von uns sind nicht erst seit gestern Fans des FCSP und haben dementsprechend deutlich Schlimmeres gesehen als das Spiel am vergangenen Freitag gegen Erzgebirge Aue. Dennoch frustriert die Autoren diese Begegnung in der Retrospektive besonders und raubt ihnen beinahe die Lust, sich mit dem Spiel erneut detailliert auseinanderzusetzen.

Es sind nun zwölf Begegnungen gespielt, aus denen der FCSP 19 Punkte gewinnen konnte. Das reicht (warum auch immer) für Platz 5 mit vielleicht nicht großartigen, aber durchaus soliden Chancen, noch auf die Aufstiegsplätze zu gucken. Zusätzlich hemmt uns natürlich großes Verletzungspech. Ein Super-GAU ist die Spielzeit 17/18 bisher nicht, aber trotzdem sind Partien wie die am Freitagabend Indikatoren dafür, dass etwas nicht stimmt und wir uns für die kommenden Monate eher die Plätze in der Tabellenmitte nochmal anschauen sollten. Wer so spielt, ist im Aufstiegskampf einfach nicht konkurrenzfähig. Es ist aber erstaunlich, dass man miit sechs Punkten zu Hause immer noch in Sichtweite von Platz 3 steht. Vielleicht hat der Fußballgott aber auch Großes vor und hat uns zum Relegationsderby vorgesehen? Und wahrscheinlich können nur wir den Dino beenden.

Ernsthaft, Aue macht über die kompletten 90 Minuten nichts und trotzdem ist es nicht möglich, zu Hause gegen einen solchen Gegner zu bestehen? Ihn so oft vors eigene Tor zu lassen? Nur so selten gefährlich zu werden? Selbst Dudziaks Treffer lässt sich letztlich auch auf einen Abwehrfehler der Sachsen zurückführen. Ja klar, hier und da sieht das Spiel ganz mal ganz gut aus und Ansätze im Gegenpressing gibt es auch; aber mit so was reicht es völlig verdient nur für einen Punkt und damit bleibt man eben kein Spitzenteam in Liga 2. Was auffällt: Wenig Aktionen werden mit wirklichem Tempo gefahren. Und wenn, dann ist es meistens Zander, der richtig mit Schwung in die Abwehr des Gegners geht – und dann meistens auch Gefahr heraufbeschwört. Fehlt da die Regeneration? Sind die Verletzungen ausschlaggebend? Man kann es nicht nicht sagen.

MagischerFC St. Pauli Erzgebirge Aue Oktober 2017

Was man jedoch trainieren kann, sind Standards. Und das wir nun schon wieder ein Tor nach einer Ecke bekommen, ist nicht nur ärgerlich, sondern ein Systemfehler. Denn man darf Folgendes nicht vergessen: Nur knapp über ein Prozent aller Ecken überhaupt im Fußball führen zu Toren. Oder anders ausgedrückt: Jede 100. Ecke ist ein Tor. Da darf man sich nicht schon vier Gegentore diese Saison gefangen haben. Und das sind ja nun keine Messi-Ecken, die da herein segeln, sondern biedere Zweitligakost. Gerade bei unseren eigentlich kopfballstarken Verteidigern darf dies nicht passieren.

Zurück zum Thema „Spitzenteam in Liga 2“: Will man das denn überhaupt sein? Ja! Wir spielen jetzt seit Menschengedenken in dieser organisierten Langeweile, die man hierzulande zweite Bundesliga nennt. Es wird Zeit, dass wir nach oben kommen, dass wir eine „winning culture“ etablieren und uns die Wochenenden nicht mehr von solchen Spielen versauen lassen. Woher kommt überhaupt diese unsägliche Gedanken, dass wir immer nur gegen den Abstieg spielen? Klar, bezeichnend für den FCSP ist, dass sportlicher Erfolg nicht an erster Stelle steht; aber warum denn die Möglichkeiten negieren, die man gerade hat? Schlechte Zeiten kommen wieder früh genug. Nutzen wir doch mal unsere Möglichkeiten!

Und sonst so?

Stimmung auf der Gegengerade anfangs durchschnittlich (also fast gut), nach dem Gegentreffer selbstredend unterirdisch. Supportblock mit schöner Blockfahne. An dieser Stelle: Happy Birthday, liebe Alte Schule. Ihr habt in euren zehn Jahren viel bewegt, macht einfach weiter so.

Aue ist gefühlt nicht anwesend. Dafür die halbe GdP hinter der Nordkurve. Warum auch immer. Die Masse wünscht sich wohl „Antifa Hooligans“ zu Beginn der zweiten Hälfte zurück. Ist irgendwie auch cooler. Sorry, Slime.

Ein großes Herz an die beiden Elektro-Zigaretten-Raucher in der Süd. Immer perfekt zum Anfang von „Magisches St. Pauli siege heute hier für uns..“ blasen sie eine große Rauchwolke in den Himmel. Den Himmel haben wir heute übrigens schön, was mal wieder zu einem Millerntor-gefluteten Instagram führt.

Samstag geht es weiter gegen Union. Lasst uns im Bergedorf Berlins drei Punkte holen und oben dran bleiben! Wir sollten und brauchen keine Angst vor dem Gewinnen haben. Immer weiter, Sankt Pauli!

Eines noch zum Schluss: In der Pressekonferenz vor dem Spiel wurde davon berichtet, dass Sobiech unter Kopfweh leidet. Da gehen bei jedem, der auch nur annähernd die ganze Kopfverletzungsgeschichte in der NFL verfolgt hat, sofort die Alarmglocken an. Gerade bei einem Spieler, der bereits eine Gehirnerschütterung diese Saison hatte. Und man muss sich erneut fragen, warum es im Fußball – anders als in allen US Sportarten – kein vorgeschriebenes Testprotokoll gibt, wenn Spieler im Verdacht stehen, Kopfverletzungen und insbesondere Gehirnerschütterungen zu haben. Bei aller Liebe zu den Vereinen erscheint es uns nicht wirklich sicher, dass diese immer wirklich verantwortlich mit ihren Spielern umgehen. Ein neutrales, fest einzuhaltenes Procedere mit geschulten, neutralen Ärzten ist im Fußball längst überfällig.

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Okt 262017
 

Sandhausen. An einem Montag. Das sind so Fahrten, nach denen man sich die Finger leckt. Und so ist selbst der Fanclub des Zeilenschreibers diesmal nur mit zwei Personen vor Ort. Sonst ist drei eigentlich unsere absolute Mindestzahl. Dabei besteht dieser legendäre Fanclub, den niemand kennt, aus gerade mal acht Personen.

Okay, genug der Selbstbeweihräucherung. Sandhausen. „Dorfverein“ ist in diesem Zusammenhang wahrscheinlich wirklich keine Abwertung. Sandhausen ist eine Kleinstadt und im Vergleich zu vielen anderen Vereinen in der zweiten Liga ein Dorf. Natürlich eines mit ganz viel Wirtschaft in der Nähe, die auch Geld in den Verein pumpen kann; aber dass die nun irgendwelche Traumbudgets fahren, kann man nun auch nicht sagen. Um dann so lange in der zweiten Bundesliga präsent zu sein und immer wieder eine gute Rolle zu spielen, muss man schon sehr viel richtig machen.

Und damit der FCSP nahezu konstant schon seit 1 ½ Jahren unter dem SVS steht, muss man am Millerntor verdammt viel falsch machen. Ja, das ist einfach so, auch wenn ihr es alle nicht hören wollt. Die Sandhäuser haben das Potential von ca. 8.000 Zuschauern und vielleicht 100.000 Sympathisanten. Wir hingegen verfügen über ein Potential von 28.000 Zuschauern (jeweils Gästefans rausgerechnet) und Millionen Sympathisanten. Das soll gar nicht großkotzig klingen, aber man muss auch mal ein reales Verhältnis bilden, wenn man Leistungen vergleicht und sich selber einordnet.

Umso erstaunlicher, dass es immer noch FCSP-Fans gibt, die glauben, dass der Klassenerhalt in der zweiten Liga beinah einem Wunder und der Erfüllung aller Wünsche entspricht.

Ein seltener Gast

Nun gut, diese Fahrt bringt einen seltenen Gast in das Fahrzeug des Schreibers, hatte doch J. mal wieder vor, auswärts zu fahren. Nach drei Jahren mal wieder. Dem ganzen liegt eine Vorgeschichte zugrunde, die ich hier nicht vorenthalten möchte.

Auswärtsfahrt nach Bochum.

Tweet des Schreibers (alles folgende sinngemäß zitiert): „QotD: „Panzer sind auch keine Lösung“ „Ja, aber sie machen schöne große Löcher““

Nachricht J. (ca. 20 Sekunden später) : „Ich will auch mal wieder auswärts fahren.“

Antwort Schreiberling: „Wir reden hier aber nicht immer über Panzer“

J.: „Egal“

Danach die Feststellung, dass J. drei Jahre nicht mehr mit war, und das Versprechen, dann gleich die Schocktherapie zu nehmen und nach Sandhausen zu fahren.

Dann kam die Terminierung als Spitzenspiel, aber das Versprechen blieb und so findet man sich kurz nach 11 Uhr an einem Montag auf der Autobahn wieder.

Und beinah viel zu früh in Sandhausen

Aber Getrödel und eine kurze … äh … Abkürzung über Feldwege sorgen dafür, dass wir nur zu früh da sind. Was man langsam echt mal hinterfragen sollte, ist, warum bei einem solchen Spiel auf Feldern vor der Gemeinde Polizei steht. Was soll da passieren? Wenn sich noch irgendein Polizist über Überstunden und ähnliches aufregt, dann kann man ihn immer nur fragen, was für Ackermatches die bei dieser Paarung erwarten.

Dass man in Sandhausen auf irgendwelchen Feldern parkt, entspricht herrlich dem Klischee. Das Parken ist gut organisert. Das ist dann auch eine durchgängige Beobachtung. In Sandhausen weiß man, dass da Menschen kommen, ist organisiert, hat einen vernünftig funktionierenden Einlass, weiß, dass dort Menschen mit Bannern kommen, die sie gerne aufhängen wollen. Das ist top. Und da können sich andere Vereine (Hallo Kiel!) eine Scheibe von abschneiden. Auch die Abfahrt nach dem Spiel ist gut organisiert und schnell möglich.

Über das „1. FC Pauli“ auf der Website des Rhein-Neckar-Fernsehens will man da beinah hinweg sehen. Aber auch nur beinah.

MagischerFC Sandhausen 1. FC Pauli

Gut 2.000 FCSP-Fans aus aller Welt haben sich im Gästeblock eingefunden und dieser macht auch 90 Minuten ordentlich Radau. Respekt dafür. Über das laut hörbare S beim „Aux Armes“ müssen wir aber irgendwann mal reden.

Auf dem Platz …

… entwickelt sich ein Abnutzungskampf zweier Mannschaften, die versuchen, das Spiel intensiv zu spielen und insbesondere hinten nichts zuzulassen. 18 zu 16 Schüsse verzeichnet am Ende das Protokoll, aber auch nur jeweils drei „On Target“.

Die besseren Schüsse haben die Gäste, aber entweder rettet irgendein Fuß oder ein Torhüter oder aber es kommt gar nicht zum Schuss, weil in letzter Sekunde irgendetwas schief geht.

In Halbzeit 2 wird der FCSP noch drückender, hat Möglichkeiten und kassiert dann nach einer haarsträubenden Fehlerkette das Gegentor. So ist es im Fußball. Wenn du deine Möglichkeiten nicht in Tore umsetzt, dann rächt sich das gerne mal. Das Zweikampfverhalten vor dem Tor wird wahrscheinlich noch in mehreren Videoabenden Thema sein.

MagischerFC SV Sandhausen vs. St. Pauli Oktober 2017

Danach werfen die Braun-Weißen alles nach vorne, machen Lasse mal wieder zum Mittelstürmer (in einer anderen Zeit, als Mittelstürmer noch zuerst kopfballstark sein sollten, wäre Sobiech nebenbei niemals Verteidiger geworden) und dieser Aufwand wird durch den Ausgleich von Schneider belohnt.

Dem ist dieses Tor mal ganz stark zu gönnen. Der Junge kommt immer mal wieder von der Bank, rennt sich dann die Seele aus dem Leib und wirkt immer erfrischend. Gut, dass er für seinen Aufwand auch mal belohnt wird.

Trotzdem muss man nach diesem Spielverlauf echt unzufrieden sein. Insbesondere, da Sandhausen sein übliches Betonsystem nicht durchgedrückt bekommt und man eben mehr als ein, zwei Gelegenheiten hat. Klar ist es schwer in Sandhausen zu gewinnen, aber diesmal war es möglich. Trotz der ganzen Verletzten.

Die Verletztenmisere – ohnehin ein Thema

So einen tiefen Kader kann man in der zweiten Liga gar nicht haben, um diese ganzen Verletzungen aufzufangen. Und es ist eben nicht nur alles Pech. Gut ist, dass auch Olaf in der Pressekonferenz vor dem Spiel darauf einging und deutlich machte, dass man an Stellschrauben versucht zu arbeiten.

Zu hoffen bleibt, dass wir nicht auch noch Nehrig auf die Verletztenliste schreiben müssen. Gut sieht das bei seiner Auswechselung nicht aus.

Auf der Rückfahrt haben wir aufgrund einer Buspanne zwei Gäste im Auto, die unsere Runde perfekt auflockern und bei der Unterhaltung des Fahrers bis 5:30 Morgens durchhalten. Da hat uns dann das Millerntor wieder.

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Okt 142017
 

Fußball ist ein seltsames Spiel. Noch am Nachmittag erklärt der Verfasser dieser Zeilen seinem Arbeitskollegen, warum er nicht an Tippspielen teilnimmt und dass die Unvorhersehbarkeit des Fußballsports einen großen Reiz für ihn ausmacht. Und dann ist es eben diese Unvorhersehbarkeit, die am Ende des Spiels gegen Kaiserslautern ein schales Gefühl beschert. Wie es in den Wald hineinruft …

Endlich wieder Millerntor. Für Unsereins ist es urlaubsbedingt das erste Heimspiel seit Wochen, es knistert entsprechend wieder erheblich. Das Freitagsspiel versaut allerdings einen gemütlichen Gang durchs Viertel, Gehetze ist angesagt. Die ganze Woche so vorarbeiten, dass man freitags früher los kommt, ihr kennt das vielleicht. Und dann ist auch noch das halbe Heiligengeistfeld abgesperrt. Sag das doch jemand! Mit Mühe und Not geht es eine knappe Stunde vor Anpfiff in den Supportblock.

MagischerFC St. Pauli vs. 1. FC Kaiserslautern Oktober 2017

Schön bist du, altes Haus

Todeskonfetti! Diese winzigkleinen Schnipsel, die auf jeden Fall den Weg in den Bierbecher oder die Unterhose finden, sorgen zum Einlauf mal wieder für richtig Spaß im Block. Wer die „falsche“ Klamotte anhat, sieht jetzt aus wie paniert. Jetzt aber los, wir wollen mal wieder einen Heimsieg. Ist ja schon eine Weile her, nech?

Lautern steht mit dem Rücken zur Wand und das merkt man auch. Unangenehm defensiv mit zerstörerischem Spiel nehmen die Regionäre dem Fußballgourmet jeden Appetit. Spannende Szenen Mangelware, gerade mal 2:2 Torschüsse nach 45 Minuten laut Kicker. Ein Mal hat Allagui einen Führungstreffer auf dem Fuß, den müsste er machen. Aber vielleicht ist zu diesem Zeitpunkt der Knoten noch nicht geplatzt. Immerhin kein Gegentor in Halbzeit 1, das ist ja schon mal was. Wir vertreiben uns die Zeit mit Singen und Klatschen, was man halt so tut. Auch das eine oder andere unsinnige Lied kommt dabei heraus.

Du wirst hier Häute gewinnen?

In der zweiten Hälfte merkt man, wie der Druck auf dem Kessel steigt. Kompakte Defensive hin oder her; gegen ein Team, was so tief unten steht, sollte schon was Zählbares kommen – gerade wo der FCSP so viel mehr Ballbesitz und Spielanteile hat. Es dauert bis zu 63. Minute, als ein Raunen und ein ungläubiger Jubel durchs Stadion geht. Flum wird im Lauterer Strafraum umgehauen, alle rechnen mit dem Elfmeterpfiff – und bevor der Schiedsrichter auf den Punkt zeigen kann, nimmt Sami sich die Pille und drischt sie aus 20 Metern humorlos in die Maschen. Ja Mann! Endlich ein Treffer durch unseren großen Sturm-Hoffnungsträger. So kann’s weitergehen.

Und dann ist Fußball eben wieder so grausam, wie er manchmal sein kann. Keine Viertelstunde später entsteht aus dem Nichts eine Ecke für den 1. FCK , die einfach sitzt. Nicht nur die Spieler gucken dumm aus der Wäsche. Solche Partien fühlen sich an wie eine Niederlage, wo es doch so ziemlich die einzige wirklich gefährliche Chance für Lautern war. Das Spiel hatte gerade Fahrt aufgenommen und MMD hätte um ein Haar auf 2-0 erhöht. Nee, aber das sollte nicht sein.

Nun muss man sagen, dass der FCSP in dieser Saison bisher eher auf der Sonnenseite des unverschämten Glücks des Tüchtigen residierte. Und Glück, Pech, Zufall, das hält sich nicht an irgendwelche Regeln. Gerechtigkeit braucht man da nicht zu suchen. Ein bisschen wie geprügelte Hunde trottet man aus dem Stadion, um sich in der lauen Oktobernacht (wärmer als so mancher Juli-Abend, wie es scheint) noch vor den Fanräumen/der Weinbar auf das eine oder andere Getränk mit guten Menschen zu treffen. Das Schöne an Freitagsspielen ist ja, dass man danach oft nix Weiteres mehr vor hat und genau für so was Zeit bleibt.

Support & so

Mit ein paar Wochen Abstand fällt auf, dass auf der Gegengerade die Sangesfreude ausbaufähig ist. Viel verpufft ziemlich schnell und wird von nur wenigen mitgesungen. Schade. Liegt’s daran, dass wir derzeit weder ganz vorn noch im Keller mitspielen? Dass ein Ernst der Lage fehlt? Naja, es fehlt ja nicht viel und wir wären oben dran. Scheidet als Erklärung also aus. Die Lautsprecheranlage auf der Süd, die unsere Wenigkeit heute zum ersten Mal und das auch nur in einem kurzen Augenblick wahrnimmt, entzündet auch keine Kehlenfeuer. Also lassen wir es mal bei einem kleinen Appell: Ey, Loide, brüllt mal bei den nächsten Spielen wieder ’n bisschen lauter, ok?

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Okt 032017
 

 

Worte vor den Worten

Liebe Lesende da draußen. Es ist der 2.10.2017 und die meisten Menschen dürften sich ein langes Wochenende gegönnt haben. Unter diesen Menschen werden auch die Fußballprofis des FCSP sein. Dies sei ihnen gegönnt, genug Blessuren sind auszuheilen. Oh, beim Schreiben lesen wir, dass heute ausgelaufen wird! Jungs, macht es ruhig.

Olaf hingegen wird wahrscheinlich nach einer sehr unruhigen Nacht heute arbeiten. Und überlegen, wie er gewisse Dinge abstellt, die in Braunschweig passiert sind.

Hin

Aber fangen wir vorne an. Wo auch sonst? Der Fanladen hat uns mit einer Bustour geködert. Die drei Busse sind überpünktlich da – aber die Fanladenhoschis noch nicht. So wird das beliebte „1, 2 oder 3″ unserer Jugend nicht mit Feldern, sondern mit Bussen gespielt. Moderator Sven kann dann aber zur Abfahrt klären, ob man richtig sitzt oder nicht.

Wir sitzen richtig bei Ole im Bus und es entwickelt sich eine entspannte Tour, die bis Allertal auch ohne Beschallung auskommt, was bis dahin niemanden stört.

In Allertal lädt Ole dann aber den Endgegner eines jeden Musikgeschmacks in das CD-Laufwerk: die vielgefürchtete Spinner-CD, benannt nach einem Fanclub unseres magischen Vereines mit gleichem Namen. Diese CD ist so berühmt, dass unsere Twitter-Follower die Reihenfolge der Lieder aufsagen können. An dieser Stelle findet ihr ein paar Perlen der CD. Durchklicken ist hier ausdrücklich auf eigene Gefahr. Insbesondere, wenn es um Lieder geht, die feststellen, dass der Verein aus dem Volkspark „mein dritter Hoden“ ist.

Das der Bus erschreckend textsicher bei solchen Liedern ist, zeigt auch, dass die vielleicht schon ein, zwei oder drei mal gelaufen ist.

Da

Dann sind wir also an der Hamburger Straße. Das ist auch das einzig „Heimatliche“, was einem sofort ins Auge fällt. Die Polizei greift einen an der Autobahn ab, setzt sich mit Blaulicht vor den Bus und ist etwas erstaunt, als unser Busfahrer brav an der rot werdenden Ampel hält.

Irgendwann haben alle verstanden und wir kommen wohlbehalten in dem Verschlag vor dem Gästeblock an. Kartendeals werden abgewickelt, die Bezugsgruppe gekuschelt und der Einlass schnell überwunden. Der Zugang wie üblich sehr unterschiedlich in der Intensität; mal wird alles genaustens begutachtet, mal wird der zur Kontrolle angebotene Bauchbeutel komplett ignoriert.

Wir sind ja gar nicht abergläubisch. Nein GAR NICHT! Als rationale Menschen im Zeitalter der Wissenschaft und Aufklärung, würden wir niemals an so etwas wie höhere Mächte oder so glauben. Aber wenn man immer in Braunschweig gewinnt, stellt man sich verdammt noch mal genauso wieder hin wie die letzten Male!

Dort

Die Spiele beginnen und so vier Minuten lang sieht das bei unseren Jungs echt gut aus. Die restlichen 41 Minuten der ersten Halbzeit sind dann jedoch schrecklich. Wir finden kein Mittel gegen ein Gegenpressing von Braunschweig, was nun nicht gerade die Qualität eines Klopp’schen Borussia hat. Anders formuliert: Lauf alleine einen Verteidiger von uns an, er wird den Ball verlieren.

Das ist ein akutes Problem, was uns schon die ganze Saison plagt und die meisten Gegentore bei uns verursacht. Denn im Positionsangriff (ja, gibt es im Fußball nicht, aber ihr wisst, was wir sagen wollen) ist unsere Abwehr echt super. Im Aufbau ist sie es nicht und Olaf wird diesen Punkt wahrscheinlich heute Nacht um 2:35 mit vier roten Ausrufezeichen und drei roten Kreisen versehen haben. Da brauchen wir dringend eine Lösung, das hat nun auch der dümmste Beobachter gesehen.

Die Wand

Aber da steht ja noch ein Skyman. Und wer braucht schon Superman, andere Comichelden oder eine Abwehr, die sich aus Gegenpressing elegant befreien kann, wenn man Skyman hat? Er fischt alles weg, selbst einen Elfmeter inklusive Nachschuss. Und wo Skyman nicht hilft, hat er das Glück des Tüchtigen und der Ball flattert am Tor vorbei.

Halbzeittee

Zur Halbzeit fassen wir die guten Punkte schnell zusammen. Es steht 0-0. Wenn man es positiv sehen will, dann ist unsere Mannschaft diese Saison immer in der Lage, in den zweiten 45 Minuten zuzulegen. Möchte man es negativ sehen, dann verschläft sie regelmäßig den Beginn, und wenn der Gegner dann schon zugelangt hat, dann wird es äußerst schwierig.

Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwie in der Mitte (Klingeling im Phrasenschwein), aber auch in Braunschweig wird unsere Mannschaft nun von Minute zu Minute stärker und ab der 60. Minute ist die Eintracht ein angeschlagener Boxer, der nur noch hin und her taumelt. Buchti wird eingewechselt und krönt sein Comeback bereits nach gut zehn Minuten mit einem Heber. Dann macht Cenk noch den Klaus Ottens und legt das berühmte Ruhe machende 2-0 nach und der Drops ist gelutscht. „Ruhe machende 2-0“ deswegen, weil bei uns in der Bezugsgruppe ein Kollege in den Torjubel hinein immer sagt: „Spielstand +1 nachlegen, damit Ruhe ist.“ Hier ist „2-0 nachlegen, damit Ruhe ist“ noch nicht wirklich ausgesprochen, da ist es nachgelegt. Folge: „3-0 nachlegen, damit Ruhe ist.“

Wir gewinnen gemeinsam, wir verlieren gemeinsam

Sagt unser Vorsänger immer wieder nach den Spielen. Und das ist ein schönes Motto. Braunschweig macht aus uns nicht ganz nachvollziehbaren Gründen keinen Support. Nicht nachvollziehbar, weil wir keine Experten sind, was in der Braunschweiger Fanszene so los ist. Die Cattiva Leute haben auf ihrer Seite was dazu geschrieben, was aber ohne Detailwissen auch nur bedingt verständlich ist. 

Wir verlinken das mal zur Info. Dass zwischen dem FCSP und Braunschweig nicht gerade viel Liebe herrscht, ist wohl bekannt.

Bei uns ist der Gästeblock ordentlich aufgelegt und hat so schnell eine akustische Überhand. Nach den Toren geht natürlich alles. „Alles geht“? Denkt sich wohl auch der Flitzer, der sich die Kieler Platzstürmer zum Antivorbild genommen hat und nur noch mit Schuhen bekleidet, aber die Mittelfinger und Körpermitte zeigend auf den Gästeblock zustürmt. Mal ganz ehrlich: Die Rabauken und die U18 Fahrt hätten garantiert gerne drauf verzichtet und ja, hier denken wir mal an die Kinder.

Der Rest ist Jubel und hier sind unsere Auswärtsergebnisse der diesjährigen Saison in voller Schönheit (jeweils aus unserer Sicht nur Liga): 1-0, 0-3, 1-0, 1-0, 2-0. Macht insgesamt 12 von 16 Punkten außerhalb des Millerntors und Platz 1 in der Auswärtstabelle. Und Platz 14 in der Heimtabelle. Olaf wird auch dies rot angestrichen haben.

Weg

Von der Rückfahrt gibt es wenig zu berichten. Spinner-CD noch zwei mal komplett durch, dazu Allertal Halt, weil muss sein, und während es noch hell ist wieder in Hamburg. Das ist schon komisch. Pünktlich zum Tatort sind wir alle zu Hause.

Es schrieben noch

Grenzenlos St. Pauli

 

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