Okt 232018
 

Vorwort

Da nimmst du Urlaub, willst nach Duisburg, willst dich betrinken, willst feiern, willst eine Woche danach im Bett liegen und dann in Frankfurt Marathon laufen. 

Und dann beim letzten ernsten Lauf legst du dich auf glatter Fahrbahn auf die Fresse und haust dir so den Ellenbogen auf, dass der Schleimbeutel operativ entfernt werden muss. Gips und montäglicher Arztbesuch statt Duisburg und Marathon. So genießt ihr nun einen Gastbericht, der wie üblich nicht zwingend unsere Meinung wiedergibt, den wir aber gerne veröffentlichen, weil die Schreibenden cool sind. Danke dafür. Und Happy Birthday 😉

 

Lest selbst

Aufn Montag im Ruhrgebiet zu spielen, ist ’ne Entscheidung, die man so fällen kann. Macht man sich bloß nicht allzu beliebt mit. Wieso so ein Spiel nicht aufn Freitag gelegt wird, dass unkomplizierteres an- und abreisen möglich ist, wird der geneigte Fußballfan wohl nie verstehen.

Aber kurz auf Anfang.

Duisburg. Umgeben von Bottrop-Boy und der echten Liebe Schalke.

Der Pöbelvolvo

Gutgelaunte Besatzung des Auswärtsgefährts, eine Playlist, die ihresgleichen sucht, vorzügliches Catering – alles wie immer.

Zum Glück sind Fußballfans nicht abergläubisch, sonst wäre das Auslassen der üblichen Route über Allertal ein schlechtes Omen.

Auf der weiteren Fahrt wurde noch diskutiert, welchen Gegenwert eine der Mitfahrerinnen wohl hat – es wird sich auf eine dreibeinige Ziege geeinigt (= süß, aber meckert viel). Außerdem werden die herausragenden Sehenswürdigkeiten bestaunt und wieder mal eine Autobahn-Museen-Denkmäler-Tour geplant. Tuchmuseum, Mittelalterliches wasauchimmer, Betonmuseum, Knödelmuseum und natürlich das schon oft bestaunte Panzermuseum.

Das Stadion Drumherum

Ein architektonischer Traum in Beton und Stickerresten. Wieso Architektinnen von Stadien immer ihre autoritären Sehnsüchte ausleben müssen, wird die Schreiberin dieser Zeilen nicht verstehen. Fanbriefe betonten vorher UN-BE-DINGT den P1 anzufahren – als vorbildliche Auswärtsfahrerinnen taten wir das und wurden mit einem Marsch ums Stadion belohnt, der auch noch etwas davon weg führte, aber so kamen wir in den Genuss eine Wasserski-Anlage im Halbdunkeln zu bepöbeln.

Vorm Eingang noch die üblichen Verdächtigen ge-flausch-tackle-t, nach qualitativ unterschiedlicher Kontrolle durch den traumhaften Betontunnel und Plätze eingenommen.

Auswärtsbericht – Sportlich

Man merkte dem MSV an, dass sie bisher nicht so recht in der Saison angekommen sind. Die Duisburger standen sehr tief und versuchten über die Außen ins Spiel zu kommen. Der FCSP stand hinten an sich sehr sicher. Die Duisburger Offensive schien da keine großen Herausforderungen zu bieten. „Feldüberlegen“ sagt man da wohl…60% Ballbesitz. Offensiv versuchten wir über die flinken Außen (MMD, Miyaichi) nach vorne zu kommen, was auch mehrfach gelang. 
Allein die Qualität der Flanken ließ leider zu wünschen übrig. Keine großen Chancen für uns bis zur Pause. 

Teilweise hätte ein langer Pass über die dann doch aufgerückte Duisburger Abwehr Potential gehabt. Gerade Ryo versuchte häufiger im richtigen Moment steil zu gehen, aber Ziere verpasste den Moment und spielte dann doch lieber hinten herum weiter. 

Nach der Pause verflachte das Spiel etwas. Dazu passt auch, dass Duisburg und der FCSP jeweils 50% Ballbesitz hatten. 

Der MSV kam zu zwei etwas besseren Chancen, eine davon fischte Himmelmann aus Gästeblockperspektive gerade so noch aus dem Winkel. 

In der 60. Minute kam dann Veermann für den glücklosen, aber unermüdlichen, Diamantakos (der große alte Mann dieses Blogs wird zu Recht anmerken, dass seine Zweikampfführung aussieht wie kurz vor ner Kneipenkeilerei), kurz darauf Neudecker für den verletzen Myiaichi. 

Änderte erstmal wenig am schwächerem Offensivspiel. 

Aber dann, 83. Minute, Buchtmann (hatte meiner Meinung nach nen etwas gebrauchten Tag und haderte recht viel mit allem) ging und für ihn kam Allagui.

Ecke, Kopfball, Tor! 1:0 für die Guten!

Danach noch 10 Minuten darauf warten, dass nix passiert. Abpfiff. Alle Glücklich. 

Wenn uns diese Saison was ausmacht, dann die Fähigkeit zum Ende zuzuschlagen. 
Keine Ahnung, wie/warum, aber an sich auch egal. Ich war wirklich die ganze Zeit optimistisch, dass wir noch einen reinmurmeln, sehr komisches Gefühl. Aber toll. 

Die Tabelle lügt nicht und sagt Relegationsplatz 3 und das vorm Lokalrivalen. 

Nächstes Spiel nun also Störche rupfen. (Curi)

 

Im Block

Loide. Ihr fahrt mehr oder weniger weit, um euch das Spiel anzusehen, habt also entweder nix besseres zu tun oder wirklich Bock aufs Spiel. Bekommt dann mal euren Arsch und die Hände hoch und supportet. Das obere Drittel im Stehbereich war gedanklich ganz woanders, so dass zwei der Mitfahrerinnen ihre Stimmen nun auf den Betonstufen des Gästeblocks suchen müssten. Wasn lahmarschiger Haufen ihr manchmal seid.

 

Schöne Tapete von uns.

 

https://twitter.com/Darijouu/status/1054475431137738753

 

Stabile Choreo auf der anderen Seite.

 

https://twitter.com/ultraschoen/status/1054447242134851584

 

Der Rest

Abpfiff, Glückstaumel, Blick auf die Tabelle, breites Grinsen und die Antwort auf die Frage, wieso wir uns den Scheiß immer wieder antun. Genau deshalb.

Dezimierte Anzahl der Mitfahrerinnen, noch ein kurzes Aufstocken der Matevorräte und ab dafür. Die Rückfahrt verläuft ohne Zwischenfällt, die Playlist packt die richtigen Hits aus, Schwertransporter werden weiterhin angepöbelt.

Fazit? Bis zum nächsten Mal.

 

Es schrieben: Curi & Elo.

 

Post Skriptum: Der geneigten Leserin fällt die Wahl der grundsätzlich weiblichen* Form garantiert auf. Aber Männer* sind natürlich mit gemeint. (Anmerkung des Online Stellers: und dann Bottrop-Boy erwähnen?)
 

Okt 172018
 

Du sollst auf Hetze nicht mit Fakten antworten, du sollst auf Hetze nicht mit Fakten antworten. Schreiben wir jetzt 100 Mal an die Tafel und stellen dann doch fest, dass in diesem Bericht auch Fakten einfließen.

Unser Ex-Präsident hat ein Interview gegeben und vorher anscheinend zu häufig der AfD zugehört. Das Interview könnt ihr hier nachlesen.

Das entscheidende Zitat findet ihr bei Elo. 

Ist der Littmann nun endlich von allen guten Geistern verlassen? „Rein deutsche Mannschaft“? Am deutschen Wesen soll die Homophobie genesen? Es schüttelt einen! Gut, dass dieser Mensch mit diesem Verein nur noch als Ex-Präsident in Zusammenhang gebracht wird und gut, dass die JHV sich damals gegen einen „Ehrenpräsidenten“ Littmann ausgesprochen hat. Das ist das große Problem bei der Ehrung von lebenden Menschen. Die haben danach noch ganz viel Zeit, ganz viel Bullshit zu reden.

Als wäre es einfacher, sich im TV Altöttingen zu outen, als beim SV St. Georg! Ja ne, ist klar Corny! Immer wohl gesagt, diese beiden Vereine entsprechen dem Klischee, welches man gerne über die genannten Städte bzw. Stadtteile hat. Da wir beiden Vereinen nicht zu nahe treten wollen, sei betont, dass dem wahrscheinlich nicht so ist.

Aber vielleicht sind diese „nicht deutschen“ Spieler voll das Hindernis? Nehmen wir doch unseren Mats mal als Beispiel, der zu dem gleichen Kinofilm auch eine deutliche Meinung kundgetan hat. Man lese sie auf der offiziellen Homepage nach. Spoiler: Homophob äußert er sich nicht, dabei müsste er das doch als „nicht deutscher“? 

Und dann ist es wieder ganz schnell so, dass „nicht deutsche Spieler“ nur ein Deckmantel ist. Ein Deckmantel um nicht „die Muslime sind schuld“ zu sagen und seine eigene rassistisch, islamophobe Grundannahme zu deutlich werden zu lassen.

Da ist er wieder der „Migrationshintergrund“, der einem Özil auch in der 5. Generation aufgelabelt wird, dem Podolski aber nicht in der 1.

Nun kann man Vorurteile nicht mit Fakten widerlegen, denn das ist für Hetzer wahrscheinlich Fakenews. Nun ist es aber so, dass die Frage der Migranten und ihrer Einstellung zu Homosexuellen schon wissenschaftlich untersucht wurde. Nun können und wollen wir die Qualität dieser Studien nicht werten, aber ein paar interessante Zitate und Erkenntnisse wollen wir dann doch weiter geben:

„ob Migranten homophober seien als autochthone Deutsche, spätestens seit dem Kölner Silvester 2015 politisch heiß diskutiert wird. Küpper hält die Gruppe, die dieses Kriterium zusammenfasst, für „zu heterogen“ weil sie Neueingewanderte und die Enkelinnen von Migranten, europäische, afrikanische und asiatische Wurzeln in einen Topf werfe.“ Gefunden im Tagesspiegel

Projektion von Vorurteilen auf eine angeblich homogene Gruppe. Na toll, Corny.

Homophobie ist ein Problem in unserer Gesellschaft. Unter Deutschen, unter „Migranten“ und überall und insbesondere im Fußball mit seiner Machokultur und seinem öffentlichen Brennglas. Und insbesondere junge Männer sind  homophob, was das Outing in einer Männer(!)fußballmannschaft eben noch schwieriger macht.

Homophobe Ansichten sind laut der Studien prozentual in „migrantischen“ Gruppen weiter verbreitet, als in nicht migrantischen. Wie auch immer man diese definiert. JEDOCH! Das ist kein 90 % aller Migranten vs. 1 % aller Deutschen. Mitnichten. Siehe Tagesspiegel Link, oder siehe queer.de siehe auch den Deutsche Welle Link von eben. Religiosität ist  z.B. eine andere häufig genannte Triebfeder für homophobe Ansichten. Komisch, dass Corny und andere nicht sagt „Outen kannst du dich nur beim Atheisten e.V.“. Warum bloß nur?

Spannendes Zitat noch aus der bei DW.com zitierten Studie:

„Doch die Studie zeigt auch, dass viele Jugendliche offen und tolerant mit dem Thema Homosexualität umgehen. Auch unter den Migranten verbessert sich das Verhältnis zu Homosexuellen, wenn sie sich selbst als Teil der Gesellschaft fühlen und von der Gesellschaft akzeptiert werden.“

Sollten wir noch mal über Akzeptanz für Menschen mit „Migrationshintergrund“ reden, liebe „Deutsche“?

Okt 082018
 

 

Oder

Erzwungenes Glück

Liebe Lesenden,

fragt am Ende der Saison überhaupt jemand, wie diese drei Punkte zustande gekommen sind? Würden wir nicht drauf wetten. Jo, für den Moment wird im Kreise unserer Sportverantwortlichen darüber zu reden sein, warum sich der FCSP gegen ein schwaches Sandhausen über weite Strecken zahm wie Lämmer präsentierte. Wenn da die nächsten Tage ein bisschen Dampf auf dem Trainingsplatz gemacht wird, können wir das natürlich nur begrüßen. Für die Wochenrückschau sagen wir aber nur: Nicht übel, so zehn Punkte aus vier Partien mitzunehmen. Und auch bei einem scheinbar auf (bestenfalls) Unentschieden hinauslaufenden Spiel am Ende doch noch den nötigen Biss zu haben, um den Sieg zu erzwingen. Das hätte es vergangene Saison wohl nicht gegeben.

Zurück zum Anfang

Spiel 1 nach dem Derby. Egal? Alles wie immer? Ja, schön wär’s. Wir haben bereits weit vor Anfang die Befürchtung, dass sich auf Rasen und Rängen jetzt ein Druckabfall in Sachen Kampfgeist zeigen könnte. Das wichtigste Spiel der Hinrunde liegt hinter uns; dass wir uns da nicht ganz billig verkauften, steht außer Frage. Und nun haben wir mit dem SV Sandhausen eine schwarzweiße Maus der zweiten Liga als Gegner. Reality Check.

 

Und so wirkt einiges an diesem Spieltag so, als ob jetzt der Ernst bei der Sache etwas flöten gegangen wäre. Zwar ist das Millerntor trotz Hamburger Herbstferien am Ende doch ausverkauft, aber die Stufen füllen sich nach unserem Eindruck spät. Die Süd singt sich mit dem länger nicht gehörten “Heute knallen wir uns zu / mit Marihuana / Tonnenweise THC / für Sankt Paulianer / Hektoliterweise Bier / für eine Kurve völlig außer Kontrolle” warm. Auch da kann man nach dem glimpflich verlaufenen Derby mal etwas Dampf beziehungsweise Rauch ablassen.

I can’t fucking hear you!

Kauczinski scheint inzwischen so etwas wie seine Startelf gefunden zu haben. Mit Ausnahme von Miyaichi für Şahin keine Veränderung. Sollte passen. Und Sandhausen als Kellerkind der Liga ist nach ein paar schwereren Geschützen der vergangenen Wochen ein machbarer Gegner – also, ihr wisst schon, Leute, da können wir ja fast nur verlieren!

Achja: Die Hymne von Sandhausen kommt offenbar nicht aus dieser einen mittelständischen Fußball-Powerballaden-Schmiede, die für 95 Prozent der deutschen Vereinshymnen verantwortlich ist und bestimmt irgendwo in einem Kaff in der Mitte Deutschlands sitzt. Man gönne sich noch mal Sandhausens Lied mit den glorreichen Zeilen “Unsre Farben sind Schwarz-Weiß / darauf sind wir alle heiß / Es sind die Farben der Nation / die sind bei uns schon Tradition”. Oder vielleicht auch einfach nicht.

Braunweiß nimmt aber erst mal das Heft in die Hand und netzt tatsächlich nach nicht mal zwanzig Minuten. Diamantakos steht dort, wo ein Stürmer stehen muss, drin ist das Ding. Wer unseren FCSP kennt, weiß, jetzt müsste man nachlegen, sonst kann das alles noch völlig in die Binsen gehen. Macht man nicht. Ist ja klar, dass es da irgendwann doch noch mal auf der falschen Seite scheppert, gerade bei einem Standard. Insgesamt möchten wir über Minute 20 bis 85 lieber den Mantel des Schweigens hüllen. Apropos Schweigen: Genau so ideen- und harmlos wie der Kick auf dem Rasen ist in dieser langen Phase auch der Support. Selbst von der Süd sind streckenweise nur die Trommeln, kaum mehr aber eine Stimme zu hören. Uff. Da muss wieder mehr gehen, liebe Lesenden! Gegen Paderborn haben wir tatsächlich mal gesehen, was passieren kann, wenn sich das gegnerische Team bei besonders lauten Heimfans vor Angst beinahe in die Büx kackt. Da müssen wir öfter wieder hin, wenn wir irgendwie Einfluss auf das Geschehen nehmen wollen.

Springen wir aber nun zum Ende des Sandhausen-Spiels. Wie so oft wechselt Kauczinski spät, sehr spät. Heute aber scheint er ein ziemlich gutes Händchen dabei zu haben: Die Einwechslung von Sami Allagui löst bei den meisten Millerntor-Gästen zwar nicht gerade Jubelschreie aus. Doch Sami straft heute alle seine Kritiker Lügen und zeigt in dieser Phase, wo wir uns schon eher auf ein Gegentor als auf einen Lucky Punch einstellen, was er kann, wenn es bei ihm läuft. Und dann macht Buchti auch noch mit einem starken Abschluss eines absurden und schon scheinbar gescheiterten Konter der Deckel drauf. Der Rest ist Jubel.

Wir stellen fest …

… dass die Mannschaft zwar über weite Strecken Fußball zum Vergessen spielt, aber in einem wirklich entscheidenden Moment noch mal den unbedingten Willen zum Sieg zeigt. Das ist verdammt wichtig. Drei Punkte sind von größerer Bedeutung als ein schönes oder auch nur besonders cleveres Spiel. Wir sind hier immer noch in der zweiten Liga, vergessen wir das nicht.

Glas halb voll…

Wir stehen ein Punkt hinter dem Tabellenzweiten. Wir haben 16 Punkte. Wir haben bereits 11 Punkte zu Platz 16.* Wir haben die fünft beste Offensive der zweiten Liga. Wir haben die Plätze 1-3 bereits gespielt. Wir spielen nun gegen die Plätze 18 (Wunder in Köln mal außen vor), 11, 12. Wir haben 4 der ersten 8 gespielt. Wir haben bereits 4 Tore und 4 Vorlagen zu Toren von Einwechselspielern erhalten. Ein Wert, der zeigt, wie viel Qualität wir nachlegen können. Die Kondition stimmt, wir haben relativ wenige Verletzungen. Es bleiben echt gute Spieler (Park z. B.) auf der Tribüne. Das ist gut. Hashtag: Konkurrenzkampf

*Dazu folgende Anmerkung: dieses sehr weit verbreitete Schielen, ob wir schon 40 Punkte haben, nervt. Das kann und sollte eine Selbstverständlichkeit sein, mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Sollte eine Saison anders laufen, kann man gerne das Rechnen anfangen. Aber nicht jetzt. Das ist kontraproduktiv.

Glas halb leer…

Wir spielen keinen konstant guten Fußball über 90 Minuten. Wir haben die zweitmeisten Gegentore bekommen. Nur Ingolstadt und Duisburg haben mehr Tore gefangen. Wir sind sehr abhängig von Avevor und bekommen den nicht ersetzt. Mit ihm: 4 Siege, ein Unentschieden, 3 Gegentore. Ohne ihn: 3 Niederlagen, 12 Gegentore (!!!). Irgendwann ist das Glück der späten Tore aufgebraucht. Auch letzte Saison sind wir 5-1-3 mit 16 Punkten gestartet. Und dann begann der Abstieg. Wir spielen nun beim Tabellenletzten (Wunder in Köln mal außen vor). Hashtag: Aufbaugegner

Okt 012018
 

Verzweifeifelt in der Vorbereitung

Tja, was ist das Derby im Vorfeld hochgeschrieben worden. Die Polizei rechnete mindestens mit einem mittelschwerem Bürgerkrieg und behaupten nun das Sicherheitskonzept sei aufgegangen, die Medien haben ihre Panikrhetorik ebenfalls vergessen und vermuten jetzt eine allgemeine Enttäuschung. Aber man wird ja noch die Frage stellen dürfen, wer hier von was enttäuscht ist. Sportlich, ja meine Güte, who cares?

Mit dem Ergebnis können wir leben. Dass es nicht eskaliert ist? Sicher nicht im Interesse der Sicherheitsbehörden, die jetzt mit ihrem schönen Portal gerade mal ein nach paar Pyromanen fanden können; den Medien fehlt die Schlagzeile, tja nun. Ob man auf Heimseite durch das Ergebnis sehr verzweifelt ist? Sicherlich mehr als in FCSP-Kreisen, nehmen wir an. Der „hanseatische Vorzeigeclub“ könnte seine Vorherrschaft in dieser Stadt zumindest nicht demonstrieren.

Aber rollen wir den Tag doch zeitlich von vorne auf.

Verzweifeifelt in der Anfahrt

Wir waren nach Bahrenfeld auf unterschiedlichen Wegen gelangt und haben uns dann dort gesammelt. Viele auswärtige FCSP Fans haben die Gelegenheit genutzt, dort in der Gegend ihre Fahrzeuge zu parken und insbesondere der örtliche P+R Parkplatz war gut frequentiert. Das hat alles problemlos geklappt.

Der örtliche Bäcker ist traditionell schon immer serviceschwach und verzweifeifelte auch an den jetzt plötzlich ankommenden Menschenmassen sichtlich. Gab anderseits aber Porzellantassen für den stilvollen Kaffee aus.

Irgendwelche Blitzbirnen hatten in der Nacht vor dem Derby im Bahnhof Bahrenfeld und später auch vor dem Gästeeingang Buttersäure (oder Ähnliches) verschüttet. Danke, dass es in dieser Stadt immer weht. Und garantiert auch ein riesiges Dankeschön von dem Kioskbetreiber im Bahnhof Bahrenfeld, denn der hat von dem Gestank nun tagelang gut.

Die anreisenden FCSPler hingegen nur ganz kurz.

Verzweifeifelt durch den Volkspark gehen

Es soll einen Busshuttle gegeben haben. Menschen, die diesen genutzt haben und schnell hin- und weggekommen sind, haben wir nicht getroffen. Die aktiven Gruppen des FCSP und der weltbeste Fanladen hatten zu einer kleinen Frühsportübung „Wanderung durch den Volkspark“ aufgerufen. Und damit man seine Mitwanderer auch gleich von weitem erkennt, hatten unsere Ultras noch weiße Shirts für Alle besorgt.

Das einige junge Herren meinten, aus diesem Design aussteigen zu müssen und anstatt eines braun-weißen „Forza St. Pauli“ lieber dieses Hooligan „H“ als Frontdruck ihrer weißen Shirts nutzen zu müssen, kann man zumindest diskutieren. Die Symbolik, die “Marke” erinnert doch sehr an die Nazi durchsetzte deutsche Hoolszene, auch wenn auf St. Pauli das “h” anders genutzt wird. Stichwort “Rotsport”. Anderes “Branding”?

Es begann der lange Spaziergang. Und wer nun einen Marsch mit vielen Pausen, Pyro, Ufftas, Gebrülle und Gemackere erwartet hätte, der wurde enttäuscht. Es wurde ein ruhiger, sehr entspannter Spaziergang.

Auf dem Rückweg erfuhren wir, dass dies auch so geplant und besprochen war, da man zu 100 % sicher ins Stadion gelangen wollte.

Plan aufgegangen. Dabei waren Gelegenheiten genug da, den Ablauf zu stören oder das ganze hektischer zu machen. Liefen wird doch teilweise ohne Polizei in Sichtweite durch den Volkspark. Wer da also auf irgendeiner Seitenstraße hätte verschwinden wollen, hätte dies machen können.

Die Anwohner genossen ihr Sonntagsspektakel. Von Kindern und Plüschpinguinen wurden wir begeistert gefeiert, Menschen hielten braun-weiße Schals aus den Fenstern und die gelegentlichen Rauten, die wir trafen wurden ignoriert oder noch freundlich gegrüßt.

Aggressionen aus dem Marsch? Null.

Auf dem Rückweg kam es dann auch an der einen Rautenkneipe auf dem Weg zu einer lustigen Gegebenheit. Links in der Kurve stand der Wasserwerfer und sollte die Gruppen trennen. Rechts auf der anderen Seite des Weges saßen 5 Rauten auf ihrer Parkbank, tranken ihr Bier und guckten sich die FCSPler an. Ohne Polizei um sie rum. Ohne irgendwelche Aggression. Nicht mal ein Spruch haben die auf unserer Höhe kassiert. Ob das andersherum auch so entspannt gegangen wäre? Kindern am Rand mit FCSP Schildern wurden noch Shirts geschenkt.

Verzweifeifelt an dem Andrang

Wenn von den insgesamt 5000 FCSPlern im Gästebereich ungefähr 2/3 gleichzeitig ankommen, dann sind Wartezeiten programmiert. Wenn dann aber der Einlass noch schlecht organisiert ist, dann dauert das. Okay, es war genug Zeit und nur der Gestank von unten nervte etwas. Irgendwer meinte noch auf dem Friedhof und hinter dem Kartenhäuschen Pyro zünden zu müssen, aber das war eher auch skurril als gefährlich. Ach ja: In der Schlange des Gästeeingangs lag auch ein Beutel aus dem noch Pyro raus guckte. Entweder irgendwer hatte den verloren, oder aber es war einfach genug drin.

Die Abtastqualitäten waren sehr unterschiedlich. Typ A guckte sich seine Leute eher oberflächlich an, Typ B filzte jeden, als ob er einen Schwerverbrecher vor sich hatte. Das gleiche bei den Damen. Einige beschwerten sich zu Recht über eine gynäkologische Untersuchung, andere wurden vollkommen halbherzig kontrolliert.

Das so etwas letztendlich null nützt und natürlich trotzdem alles Pyro, was man möchte drin ist, macht das ganze noch absurder.

Verzweifeifelt am Blocksystem

Es ist echt nett, dass man uns neben den üblichen 14ern Blöcken noch die 15c und die 13c zur Verfügung gestellt hat. Aber man muss sich dann auch Gedanken machen, wie man all diese Menschen in den Block und wieder aus dem Block bekommt. Und nein, der eine Aufgang reicht dann nicht aus. Eine Entfluchtung, eine Panik, irgendwas hätten wir hier nicht sehen wollen. Das viele Leute aus A nach B gewechselt sind, macht das ganze nicht besser.

Wir haben uns brav in unsere Reihe gestellt und da sich in 14 B der Kern zusammengefunden hatte, hatten wir ganz viel Platz.

Und am Ende bei uns auch gar nicht so schlechte Stimmung. Wir wissen, dass wir hier eine Mindermeinung vertreten und ganz viele Leute sehr doll über den Support des Gästeblocks gemeckert haben und besser geht immer. Jedoch das war schon viel schlimmer bei früheren Derbys. Mal ganz davon ab: Die Dachkonstruktion frisst auch alles, was gesungen wird. Deswegen kommt auch von drüben so gut wie nix an. Und die Sitzplätzblöcke der Rauten neben uns hatten anscheinend Valium ins Bier gemischt bekommen. Kein Geprolle in Richtung Gästeblock, kein Support, nahezu keine Emotionen für die eigene Mannschaft. Dieser „neue“ 22C Block ist jedoch ein Schatten des alten, wirklich motivierten Blocks unter Chosen Few Leitung. Das was da jetzt abgeht, versteckt sich zu Recht in einer dunklen Ecke.

Aber ab der 30. Minute wurde jeder Rückpass mit Seufzen und Pfiffen kommentiert.

Verzweifeifelt an der eigenen Choreo

Derby ist immer auch Choreozeit. Auf Seiten von braun-weiß setzte man auf besagte weiße Shirts, auf braune Plastiktüten, auf ein „FCSP“ vor dem Block und Pyro im Block. Das sieht auf den Fotos alles okay aus, ist solide, ohne nun den Kreativpreis des Jahrhunderts zu gewinnen.

Spruchbänner für die Gegenseite haben wir nur eines mitbekommen und das „[Dreibuchstaben,die in diesem Blog nicht geschrieben werden], Liebe so käuflich wie in der Herbertstraße“ ist aus unserer Sicht doch problematisch. Der Bezug auf Sexarbeit grundsätzlich schwierig und hier auch nicht wirklich gelungen. Liebe wird in der Herbertstraße z.B. nicht wirklich zum Kauf angeboten und Sexarbeit durch diesen Kontext stigmatisiert.

Ob es noch weitere Texte in Richtung Heimkurve gab, wissen wir gerade nicht.

Tief Luft hol

Die Gegenseite präsentierte Bücher voll von Tapeten. „Das war zuviel zu lesen, ich warte auf das Hörbuch“ war nur eine Aussage von vielen zu diesem Thema. Wir wollen nun gar nicht alle auseinander nehmen und vielleicht mag da ja noch ein ganz cooler Insider versteckt gewesen sein, aber insgesamt wirkte es wie „scheiße wir finden keinen Angriffspunkt, also versuchen wir alle angeblichen Widersprüche auf irgendeiner Tapete zu kritisieren, vielleicht haben wir ja mit einer Recht“. Masse ersetzt eben nicht Klasse und das verzweifelte äh oh Entschuldigung das verzweifeifelte Abarbeiten an einem Gegner, den man offensichtlich nicht zu greifen bekommt, ist schon peinlich. Irgendwie wirkt das ganze nach einer ziellosen und verzweifeifelten Suche einer neuen Identität via Abgrenzung gegenüber eines Gegners, den man nicht fassen kann, der immer wenn man meint, dass man ihn gegriffen habe, einem durch die Hände gleitet. Sitzt der Dinoverlust so schwer? Eigene Identität nur über Abgrenzung?

Auch immer lustig: Es wird der FCSP Kosmos für die angebliche Nichteinhaltung politischer Korrektheiten angegriffen, die man selber gar nicht einhalten will. Dazu ist das eigene Lieblingsschimpfwort noch „F…“, was das ganze noch überzeugender macht. Da sind ja FCSP Meckereien von Altona 93 Fans überzeugender.

Im Volkspark gibt man ja sehr viel auf die eigene Tradition. Sei es nun bei Lottos Lied (später dazu mehr) oder eben bei Derbychoreos. Nur liebe Rauten, in Stein gemeißelt werden eigentlich zwei Dinge: Grabsteine oder Denkmäler. Beide Arten der Erinnerung haben gerade in Hamburg eine Grundvoraussetzung: Der jeweils Geehrte ist verstorben oder zumindest uralt und scheintot. Das Grundkonzept der Choreo ist also nicht gerade sehr überzeugend. Mal ganz davon ab: Wie wäre es mal mit einer positiven Message für die eigene Mannschaft? Wenn eure Größe denn so in Stein gemeißelt ist, warum dann immer an der kleinen Zecke abarbeiten?

Das man dann noch an der Rechtschreibung verzweifeifelte* und auch die Ausführung sehr schief und krumm war, setzte dem ganzen dann noch die Krone auf.

*in diesem Internet wird behauptet, dass die Schreibweise Absicht gewesen sei und durch zwei Punkte das “eif” (für Eifersucht) abgetrennt sei. Wir geben das jetzt so mal weiter und mit gutem Willen mögen da auch zwei Punkte erahnen zu sein. Ob das so stimmt? Die „Fanbetreuung“ des Lokalrivalens behauptet via MoPO (!!!) etwas anderes. Nicht unser Problem.

Verzweifeifelt an Lotto

Die Stadionanimation hat Großraumdiscofeeling. Aber das passt in seiner Gesamtheit auch sehr in die Stadt, in der Menschen in ihrer Freizeit sich gerne animieren lassen, im gleichmäßigen Rhythmus zu klatschen und dann Lotto King Karl mitzusingen, der es lustig findet, dass die Lausitz schon fast in Polen liegt. Wir finden das maximal vor dem Hintergrund witzig, dass die deutsche Grenze früher deutlich weiter östlich lag.

Eigentlich wunderten wir uns erst, als wir vermehrt auf Twitter lesen, dass man als FCSP-Fan im Volkspark immer noch antisemitisch, rassistisch, sexistisch beleidigt wird, aber wenn man sich dann doch mal die Hymne in voller Länge zwangsläufig geben muss, erscheint es durchaus folgerichtig bei dieser widerlichen Zelebration ekeliger, kleinbürgerlicher Lokalidentität. Genau das ist Deutschland und ja, das ist auch Hamburg. Daher kann man auf braun-weißer Seite auch gerne mal reflektieren, ob man das Label Hamburg gerne besetzen möchte. Der Volkspark ist ein zehn mal besserer Kristallisationspunkt was diese Stadt ausmacht als das Millerntor. St. Pauli, die Schanze, Wilhelmsburg, die coolen Ecken Altonas, das ist nicht Hamburg allein. Klar, es wäre sehr schön, das Label Hamburg für z.B. die Proteste gegen G20 zu besetzen, aber die Mehrheit hier geht lieber Sparkassen putzen oder Lotto mitsingen.

Verzweifeifelt auf dem Platz

Ja Fußball war auch und wirklich viel passiert ist nicht auf dem Platz. Daher sparen wir uns das beinah vollständig. Wen das interessiert, der sei an den Millernton Blogeintrag verwiesen, Verlinkung am Ende des Textes.

Wenn Cenk in der 92. Minute nicht den Kunstschuss versucht, sondern quer zu Neudecker legt, dann hätte das noch mal sehr interessant werden können, aber sonst gab es auf beiden Seiten nicht DIE Chance um das Spiel zu entscheiden.

Wichtig dabei: In Liga 2 ist der Gast nicht für Entertainment und schönen Fußball zuständig. Wir sind also sehr zufrieden.

Verzweifeifelt im Abgang

Hin ging es wie zurück, man war guten Mutes, es war ein langer Spaziergang, passiert ist nix mehr.

Und bevor sich die Hamburger Polizei was von „aufgegangenem Konzept“ und „Abgeschreckt“ in die Tasche lügt: Dies lag auch am meisten daran, dass niemand irgendwas an diesem Tag geplant hatte oder durchführen wollte. Siehe auch diverse Videos in denen der FCSP-Mob null auf irgendwelche pöbelnden Rauten eingeht.

Letztendlich

Sind wir weiterhin Stadtmeister. Wir sehen uns beim Rückspiel. An dieser Stelle auch noch mal ein Dank an unsere Bezugsgruppe, in der wir uns für alle Fälle zusammen gefunden hatten. Hat alles super geklappt und war angenehm. Danke!

Es verzweifeifelten noch…

… der Millernton am Spiel

… der Kiezkieker am Älterwerden (großartiger Text, absolute Leseempfehlung)

Ian Joy ist immer noch voll dabei. Herzchenaugen bei uns:

Sep 272018
 

Getränkefragen

Wenn man beim Frühstück merkt, dass man versehentlich koffeinfreien Kaffee gekauft hat, weiß man schon, dass dies eine dieser Tage sein wird, an denen man gegen Paderborn verliert.

Der erzkatholische Süden dieses Nationalstaats (Bayern) bekommt aufgrund des Oktoberfests derzeit riesige internationale mediale Aufmerksamkeit. Der erzkatholische Westen (Paderborn) bekommt aufgrund seiner Zweitligamannschaft immerhin einen Blogpost bei uns. Ihr entscheidet, was wertvoller ist.

Paderborn und Getränke ist eine lange Reihe von Missverständnissen. Die Stadt weckt einen auf, wie koffeinfreier Kaffee und ist auch noch Namenspatron für die „Preiseinstiegsmarke“ (Wikipedia) Paderborner Bier. Über deren Geschmack die Redaktion streitet.

Schneller Umstieg auf Büffelbier und Millerntor.

Wochenspieltage. Immer wieder eine Freude. Abendunterhaltung, Flutlicht, tolle Stimmung. Nicht. Alles kommt spät und gehetzt ins Stadion, die Leute sind gedanklich noch woanders und der SC Paderborn der vereinsgewordene Betablocker.

Schlafwagen

Die Gegengerade begann dementsprechend auch in einem kollektiven Tiefschlaf. Leider hat der Supportblock schon wieder keine Trommel mehr. Wir gucken da einmal böse in die Runde. Oder war das ein Boykott? Den FCSP Fangruppen aus guten Gründen nicht mehr mitmachten. Zwar ist der DFB ein riesiger (setzen sie hier Beleidigungen jeglicher Art ein), aber deutsche Fanszenen haben in vielen Dingen so ihren Kompass verloren, dass leider (!) selbst ein Minimalkonsensbündnis nicht mehr möglich ist. Oder anders formuliert: Würdet ihr heute mit jemandem gemeinsame Sache machen wollen, der euch morgen wieder „jagen“, „abstechen“ und „nie wieder gehen“ sehen will? Wir nicht! Ohne nun in Details gehen zu wollen: Fans haben Macht, aber so lange sie keine Grenzen untereinander finden, werden sie die nicht einsetzen können.

Erstaunlich ist, dass später aus diesem kollektiven Tiefschlaf eines der lautesten „We Love St. Pauli“ wird, die man je gehört hat. Leute halten sich spontan die Ohren zu, weil das wirklich schreiend laut ist.

Ordnung haben

Wir wissen ja, wie schwierig es ist Ordner zu finden, richtig zu schulen und für die Besonderheiten des Millerntors zu sensibilisieren. Und ein richtiges Vermögen möchte auch niemand für deren Dienste bezahlen. Auch ist uns klar, dass die Einteilung der Gegengerade in Blöcke ohne das diese wirklich als Blöcke kontrolliert werden auch mal dazu führen muss, dass Ordner zu einem Menschen sagen „du Sorry, dieser Block ist voll, geh in einen der anderen beiden“. Aber übermotivierte Ordner an einem Mittwoch Abend, an dem auch auf der Gegengerade merklich mehr Platz ist als sonst, die braucht auch niemand. So wurde einem Redaktionsmitglied nach Rückkehr von einer Verpflegungsrunde (Länge 2 Minuten) erstmal der Eingang in den Block verwehrt, weil dieser zu voll sei. Das war an diesem Abend schon eine steile These.

Dies ist ein gutes Stichwort, wenn man an die Hamburger Reiterstaffel denkt. Der Sinn und Zweck ist auch viele Jahre nach ihrer Einführung noch nicht ganz klar. Warum die Pferdchen aber bei einem Spiel gegen Paderborn nicht ihren Hafer auf einer Wiese am Stadtrand knabbern, sondern die drei mitgereisten katholischen Ultras begleiteten, ist wohl niemandem zu vermitteln.

Tore jagen

Ist dies Taktik? Ist dies Unfähigkeit? Ist das Glück? Können? Oder alles ein bisschen? Unsere Jungs überlassen erneut dem Gegner das Spiel, den Raum und die Ruhe im Aufbau. Zweikämpfe? Robustes Abwehrverhalten? Eher Fremdwörter. Folgerichtig fällt auch das 0-1. Welches genau vier Minuten bestand hat. Killerpass in die sprichwörtliche Nahtstelle und Diamantakos nutzt seine Chance und schiebt ihn rein. Sowieso ist unser vorderster Mann ein beständiger Unruheherd. Leider auch für unsere Nerven, denn man hat schon bei einigen Aktionen immer Angst, dass der Junge gleich wieder Frankfurtstyle an den Tag legt. Er guckt bei hohen Bällen auch immer auffällig lange seinen Gegenspieler an und erst dann nach dem Ball. Man hat dabei immer so ein bisschen Angst, dass er ihm beißen möchte.

In der zweiten Halbzeit zeichnet sich ein ähnliches Bild. Paderborn hat den Ball, weiß damit aber nur wenig und immer weniger anzufangen. Wir verteidigen uns. Dies ändert sich auch nicht nach der nummerischen Veränderung auf Paderborner Seite. Auf den Rängen wird es unruhig, man wünscht mehr Vorwärtsgang. Auf dem Platz ist „Sicherheit zuerst, im Notfall dreckigen Punkt mitnehmen“ eher die ausgegebene Devise. Vielleicht will man Paderborn auch locken?

Wenn es Letzteres war, dann hat es brilliant geklappt. Paderborn steht relativ hoch, dann Zehir mit Zuckerpass auf Henk, der vorbei an seinem Gegenspieler und kann das Ding eigentlich schon alleine machen, benötigt aber noch die Hilfe von Neudecker, der nun weiß, dass Pfosten verdammt hart sind. Kurze Schrecksekunde im Jubel, aber als der Junge wieder steht und geht, feiert ihn die Gegengerade lautstark. Was ein Einsatz. Und gewonnen.

Spezialität unserer Jungs diese Saison anscheinend: Späte Tore zum Sieg. Magdeburg, Ingolstadt, Paderborn. Drei Siege wurden in den letzten Minuten des Spiels herausgeschossen. Die goldene Stimme des Millerntons vertritt ja schon immer die Devise, dass man entscheidende Tore nicht zu früh schießen sollte. Anscheinend hören unsere Jungs auf ihn.

Spaß beiseite. Es gibt viele Baustellen. Außenverteidigung, Verteidigung vor der Viererkette, Aufbauspiel etc. aber die Jungs spielen ihre Tore heraus, sie geben nicht auf und sie bleiben bei der Marschroute. Und Fehler stellst du einfacher nach einem 2-1 als nach einem 0-5 ab.

Unterstützung erfahren

Wir müssen ja auf den Spielplan gucken, damit wir wissen wo das nächste Spiel ist, aber das Millerntor macht schon deutlich, dass dieses Spiel ihm wichtig ist. „Auswärtssieg“ Rufe in schallender Lautstärke auf der Gegengerade und eine wirklich schöne Choreo auf der Nord sind Beispiele dafür. Sowieso. Es sollte mehr Choreos nach dem Spiel geben. Rituale aufbrechen, neues versuchen.

Nachspiel laben

Koffeinfreier Kaffee reicht am nächsten Morgen. Heimspielsiege machen wach.

Postskriptum / Hamburger Polizei

Unser Chief Editor sagt ja immer „nicht so lange Berichte“ und jeder JHV Bericht gibt ihm mehr graue Haare. Und eigentlich sollte auch dieser Bericht hier nun enden, aber die Polizei Hamburg gab gestern auch noch eine Derbypressekonferenz. Und kündigte da ein Portal zum hochladen von Beweisvideos und Fotos im Zusammenhang mit dem Derby an, welches man um 18 Uhr am Sonntag freischalten werde (Korrektur: selbst Samstag 18 Uhr, wie uns aufmerksame Leser hinwiesen). Kurz auch Denunziantenportal genannt.

Unser Verein hat das auf der Pressekonferenz gleich kritisiert und dies ist auch gut so. Danke für die ausdrückliche Haltung und danke, dass du Christoph das dort gleich mal ins Mikrophon gesagt hast.

Worum also geht es der Polizei?

Nicht um die Aufklärung von Straftaten. Denn bisher gibt es keine. Um 18 Uhr am Sonntag (Samstag) Abend weiß auch niemand, ob es Straftaten gegeben hat für die es überhaupt eines öffentlichen Fahndungsaufrufes bedarf. Entweder es geschehen gar keine oder die Täter werden mit normalen polizeilichen Mitteln überführt. Kann ja sein? Das diese Überführung nicht möglich ist, ist nebenbei gesetzliche Voraussetzung für solche Denunziantenportale. Aber wen interessiert so etwas schon in Hamburg?

Und auch genügend eigenes Videomaterial wird die Polizei Hamburg an diesem Tag anlegen. Stadien sind ungefähr die am meisten mit Überwachungskameras zugepflasterten Orte der Welt. Die diversen Märsche und Anreisewege werden von mehr Polizeikameras als Hooligans begleitet.

Vorab schon mal einen Aufruf zum hochladen zu starten, ist schon aus all diesen Gründen unverhältnismäßig, absurd und unsinnig.

Wir vermuten, dass es der Polizei Hamburg um etwas ganz anderes geht. Die Polizei Hamburg hat sich da so eine Gesichtserkennungssoftware geleistet. Die muss man nun einsetzen. Und wahrscheinlich will man die auch noch ein bisschen testen. Unsere Vermutung: Die Software ist noch nicht ganz so gut, wenn man ihr verwackelte Handyvideos gibt. Und dann kann man bei so Videos eines Fußballmobs gleich mal gucken, wie verwackelt das Handyvideo so sein darf, wie weit der Schal im Gesicht sein darf. Reichen die biometrischen Passdaten? Oder brauche ich Fotos aus der erkennungsdienstlichen Behandlung vorher? Das sind doch alles ganz tolle Testfelder! Und ich hab Daten aus ED Behandlungen vorliegen, Stichwort „Datei Gewalttäter Sport“. Yeah! Und beschweren wird sich auch keiner von unseren Freunden, denn „aber die Ultras“

Und am Ende des Tages kann man dann neue Gesetze fordern. Z.B. ein österreichisches „Burka“ Verbot, bei dem eher Clowns gejagt werden. Oder wie wäre es mit noch besseren biometrischen Daten im Pass? Oder noch mehr Software? Kriegt ihr alles liebe Polizei! „Datenschutz darf nicht Täterschutz sein!“ Äh doch, genau das. Das nennt man Rechtsstaat. Strafverfolgung wäre auch ganz einfach, hätte jeder Mensch einen GPS Chip implantiert. Was haben sie dagegen? Datenschutz darf nicht Täterschutz sein! Und sie haben doch nix zu verbergen, oder? Doch nicht vor ihrer Polizei? Ihrem Freund und Helfer!

Die Polizei ist das verzogene Kind der Republik, was wirklich zu Weihnachten alles bekommt, was es sich wünscht. Mit Gewaltenteilung, Rechtsstaat oder Demokratie hat das nix mehr zu tun.

Straftaten aufklären? Ja vielleicht. Und natürlich muss man auch für die PK ein paar böse Ultras präsentieren können, die ohne diese Technik mindestens mit Uwe Seelers Fuß Hamburg zerstört hätten. Man hätte die wahrscheinlich auch anders “überführt”, aber hey keine Pressekonferenz ohne Bilder und präsentierte Alltagsgegenstände die gefährlich wirken und der Betonung das die Verhinderung der kurz bevor stehenden Anarchie nur mit diesem Portal möglich war. Der bürgerliche Mob vor seiner Bildzeitung will den Pranger.

Und an die Jungs, die wahrscheinlich wieder ein paar unschuldige Leute zusammengesprayt und geknüppelt haben denkt sowieso keiner. Das sind doch gute Jungs. Die tragen Helme bei ihren Straftaten.

Ergänzend zu dem Thema.

Wichtig aber

Sonntag mal auf das Handyfoto vom Pyro verzichten, sowieso ganz stark darauf achten, dass nicht in Gesichter gefilmt wird und im Notfall kennt ihr Anna und Arthur, ja?

Sep 252018
 

Stark verspätet aufgrund von Krankheit nun unser Text aus Ingolstadt:

Geschichtsstunde

Der Fanclub unseres Seniors hat eine Gründungsgeschichte. Wir schreiben Mai 2009. Der Spielplan sieht es vor, dass der FCSP an einem Donnerstag in Ingolstadt spielen soll, die 2. Mannschaft am Freitag danach in Ohe und die 1. Mannschaft am Sonntag danach in Koblenz. Insgesamt sechs St. Paulianer sehen alle drei Spiele vor Ort. Fünf dieser Mensch gründen im Laufe dieses Wochenendes einen Fanclub. Den Pöbelmob1910. Existiert bis heute. Vier weibliche Wesen, drei männliche. War gestern mit vier Mitgliedern vor Ort.

Aber warum erzählen wir euch das? Um den Pöbelmob berühmt zu machen? Nix läge diesem Low-Key-Fanclub ferner! Nein! Der Grund ist ein anderer: Das Spiel in Ingolstadt erinnerte sehr an gestern. Damals noch im alten Ingolstädter Ground, der FCI bereits abgestiegen, Grottenkick und wir gewinnen durch ein spätes Tor 1-0.

Wie gestern. Und damit könnten wir den Bericht eigentlich schon beenden.

Back to Gegenwart

Aber es gibt immer etwas zu erzählen und wäre es nur, dass der Pöbelmob – wie immer – vier getrennte Anreisen wählt. Das ist sein Fanclub-Credo. Sollten jemals alle Mitglieder gemeinsam zu einem Spiel reisen, würde sich die Welt sofort in einer Unmöglichkeitsblase auflösen.

Vielleicht ist es ein guter Zeitpunkt, festzustellen, dass kein Mitglied des magischerfc.de-Kollektiv Mitglied in dem Fanclub mit sehr ähnlichen Namen ist. Das wird gerne verwechselt. Da das gute Menschen sind, müssen wir uns nicht distanzieren, aber ihr solltet das schon wissen.

Nun aber

Der Verfasser dieser Zeilen sammelt morgens seine Mitfahrerin ein. Nennen wir sie Elo. Denn das ist ihr Name. Vielleicht nicht der Name, der in diesen komischen Karten steht, die man „Ausweis“ nennt, aber ihre Identität ist Elo. Und dabei spielt sie nicht mal Schach. Aber so klug wie ein Schachgroßmeister ist sie schon lange.

Oder kurz: Es ist eine wundervolle Fahrt. Kurz hinter Hannover haben wir unsere Analyse der Frankfurter Fanszene abgeschlossen und in einen Satz gefasst. „Frankfurt ist speziell“. Würde ein SGE-Fan widersprechen?

Kurz hinter Kassel haben wir unsere Wünsche für den 30.09 formuliert: Jeder Block ein Vorsänger und eine Trommel. Hier, USP, bekommt ihr hin, ja? Wie sagt man so schön auf Twitter? Don‘t @ us.

Ach ja: Am 01.10 sind wir alle heiser, ja?

Bei Schweinfurt haben wir die Welt gerettet. Aber das erzählen wir euch bei nächster Gelegenheit.

In Nürnberg sammeln wir Flossi ein. Wie sollen wir sagen? „Flossi? Bist du es? WOW!“ Unsere Lieblingsflosse noch im eleganten Business-Look. Kleid und Killerlippenstift. Später im Block stellen wir schnell fest, dass dieses Outfit „leider“ fürs Derby gesetzt ist. Nein wir sind überhaupt nicht abergläubisch. Gar nicht!

Weisheiten zwischen Nürnberg und Ingolstadt

„Wahlplakat sind schlimm. In Bayern sind sie immer noch schlimmer.“ Who am I to disagree?

Und schon sind wir am Stadion. 5 Euro Parkplatzgebühr? Okay!

Die Ultras sind früh da, packen Biertische und Bänke aus und dekorieren das Ganze auch noch perfekt mit bayrischen Rautendecken. Das Essen wird geschmeckt haben. Wir sind uns sicher.

Etwas neidisch werden sie dabei von einer Polizeieinheit beobachtet. Mal ehrlich: Kümmert euch um wichtige Dinge, aber steht da nicht in Massen bei einem Spiel rum, was 0,0 Prozent Gewaltpotential hat. Schickt das nächste Mal einfach drei schnauzbärtige Dorfpolizisten. Reicht auch.

„Es wird hier auch dann nicht schöner, wenn wir hier stehen bleiben.“ „Aber vielleicht wird es schöner, wenn wir gehen?“

Im Block. Mehr Hass eingesammelt mit Begleitung. Die Bahnfahrer sind da. Noch die beiden Fanräume-Damen gefunden. Und schon stehen wir mit einer guten Gruppe da und es soll eine schöne Mischung aus pöbeln, supporten und lachen werden.

Der Block sowieso gut aufgelegt. Ein paar Anmerkungen jedoch:

Das geschwiegen wird, wenn auf der Gegenseite jemand gestorben ist, ist eine sehr schöne Geste. Allen, die den Verstorbenen kannten, gilt unser Mitgefühl. Ganz viel Kraft euch.

Das S in Aux Armes ist stumm. Lernt das endlich mal. Echt ey.

In den Aufgängen stehen ist scheiße. Gerade wenn genug Platz im Block ist. Dann noch nach dem Spiel da stehen bleiben, ist noch mehr scheiße. Frauen, die dies kritisch anmerken, mit „Fotze“ zu bezeichnen oder zu ihnen zu sagen, dass Frauen deswegen nicht in den Block gehören, schreit nach einem Satz Schellen. Leider hat der Schreiber die Äußerungen nicht mitbekommen. Sonst hätte er das „draußen klären“ nicht als Frage formuliert. Und ja, ich verabscheue Gewalt, aber die rüttelten brutal am Ohrfeigenbaum. Bleibt das nächste Mal einfach weg.

Auf dem Platz

Es folgt der Absatz, den Trashi (schöne Grüße) am liebsten liest.

Es war nicht unterhaltsam. Es war zäh. Es waren zwei Teams mit vollen Hosen. ABER!

Wir machen das zwar passiv, aber sicher. Als Auswärtsteam ist man nicht für das Entertainment zuständig!

Klar, Ingolstadt ist einfach schwach. Sie haben den Plan, unsere Außen zu knacken (gutes Scouting), aber nicht die Mittel, was bei anderen Mannschaften anders sein wird. Daher sollte man das nicht überbewerten.

Gut, dass Jackson wieder da ist. Der ist überall gleichzeitig. Die @amhass führt eine Statistiktabelle und stellte fest, dass er relativ wenig läuft. Er läuft dafür extrem effektiv. Das ist schon top. Wer hätte gedacht, dass er so unersetzbar werden würde?

Unser Tor dann ein echtes Joker-Tor. Zehir sieht die Situation, spekuliert auf Ryos Schnelligkeit, spielt einen richtig schönen Gefühlspass und Ryo nutzt seinen Stürmerinstinkt, indem er ihn einmal auftropfen lässt und ihn am Torhüter vorbei köpft. Stark.

Und es sei Ryo so etwas von gegönnt. Verletzungen über Verletzungen. Seit 2015 im Verein und dies war sein 23. Spiel in der Kampfmannschaft (wie der Österreicher sagen würde). Nun bleibt er bitte gesund und tanzt noch mehrfach so arschcool nach Abpfiff vor dem Gästeblock. Wie wäre es mit einer Wiederholung am 30.09.?

Nach dem Spiel

Ingolstadt entlässt sehr schnell den Trainer. Es ist nie schön, wenn jemand seinen Job verliert. Keine Ahnung was der kann und nicht kann.

Wir trennen uns. Elo will dem Apfelwein in hessischer Variante frönen und Flossi und ich haben Hunger. Und da sind sie wieder. Die Gründe, warum Bayern ein Baggersee werden sollte: Der original bayrische Gasthof begrüßt einen an einem Freitagabend (!) um 21 Uhr (!!!) mit dem Satz: „Wir schließen gerade.” Und die Frage, ob man in dieser Stadt (Greding, direkt an der Autobahn, 7000 Einwohner) noch was essen bekäme, wird mit Schulterzucken beantwortet. Der Italiener in der Innenstadt kann einem immerhin noch Pizza anbieten. Sonst nix. Um 21 Uhr. Die war dann fettig, aber okay.

Danach ist der Tag auch vollständig erzählt.

Währenddessen in Hamburg

Leute überfallen die Choreo-Gruppe der Rauten und ballern die zusammen und zerstören die Choreo, 100 Rauten sammeln sich anschließend zum Boxen? Wir haben kein Plan, was genau passiert ist, aber wenn nicht langsam alle (!!!!) einen Gang zurückschalten, dann kommen (noch mehr) Leute noch ernsthaft zu Schaden. Boxt euch gerne mit Leuten, die Bock drauf haben, aber hört mit diesen Überfall- und Überzahl-Nummern auf!

 

Detaillierter beim Ex-Hobbit im Millerntonblog 

Hinzu kommt, dass dem Flurfunk zufolge die Rauten nun jeden mit Totenkopf umboxen wollen. Super. Irgendeinen Touri vor der Tankstelle zusammenzuschlagen, ist garantiert voll hart und cool. Nicht.

Zumindest am Freitag kommen alle gut nach Hause.

 

Abschließen wollen wir mit dem Reisehinweis für Sonntag. Ja, das ist früh, aber Masse bietet immer Schutz und „alle zusammen“ ist in einer solchen Situation immer ein gutes Mittel. 

 

Sep 172018
 

Anfahrt

Aue. Im schönen Sachsen gelegen. Menschen versammeln sich in den frühen Morgenstunden, um diverse Gefährte zu besteigen, um ins Erzgebirge zu fahren und unsere Jungs bei ihrem Auswärtsspiel zu begleiten. Auch in unserem Pöbelbus sammeln sich mehr oder minder ausgeschlafene und gut gelaunte Menschen, um den Weg anzutreten.

Eine Playlist die nur Hits enthält und eine freie Bahn bringt sie zügig voran. Die Stimmung ist gut, was zu dem in der Überschrift zitierten Ausspruch führt. Routinehalt in Allertal, ein paar Baustellen und ganz viel Autobahn später sind wir in Chemnitz. Halt, falsch abgebogen? Nein, wir sammeln noch eine Mitfahrerin auf. Und vermissen ab jetzt unseren fränkischen Touch, der leider kurzfristig passen musste. Ein kleines Herzchen sei nach Franken geschickt.

Wir sind VIEL ZU FRÜH in Aue. Man hat das Parkplatzkonzept geändert und setzt auch in An- und Abreise nicht mehr auf eine hundertprozentige Fantrennung. Das ist erstmal angesichts der grundsätzlich sehr entspannten Aue-Fans auch erstmal okay. Die örtlichen Ordner muss man nicht sympathisch finden, aber insgesamt verhalten sie sich uns gegenüber korrekt. Was wir nicht verheimlichen wollen: Informierte Menschen konnten da schon einzelne Ordner rechtsradikalen Strukturen zuordnen. Umso wichtiger die im Gästeblock gezeigte Choreo.

Was man von der Polizei nur uns gegenüber behaupten kann. Wir werden nach dem Spiel noch Zeuge, wie ein älterer Herr (mindestens 50 und erkennbarer Aue-Fan) mit einem Polizisten ins Gespräch kommt, vielleicht auch etwas lebhafter, aber aus unserer nahen Perspektive null aggressiv in Richtung des Polizisten. Dieser hat diverse Kollegen in der Nähe. Er will den Herren dann anhalten, warum auch immer. Und anstatt seine Kollegen dazu zu rufen, kurz den Weg zu versperren und alles easy zu regeln, latzt er den einfach um. Einfach so. Mit Schwung. Von seitlich hinten. Der hätte weder weglaufen können (machte nicht gerade einen sportlichen Eindruck), noch wurde er in Richtung Polizist auch nur einen Millimeter körperlich. Der so ziemlich grundlos Umgehauene fällt mit Schwung um, knallt auf den Hinterkopf und bleibt erstmal bewusstlos liegen.

Immerhin wird er dann von anderen Polizisten und Sanitätern versorgt, um etwas später uns wieder zu begegnen. Auf dem Heimweg. Ohne Polizei. Man muss sich schon fragen, was denn so wichtig gewesen ist, den so umzuhauen, wenn er kurze Zeit später alleine nach Hause gegen darf. Uns fällt nix ein.

Stadion

Der Bau ist fertig, der Gästeblock ist okay geworden, die Sicht ist halbwegs gut und der Spruch „Grubenlampe Arbeitsschuh Wismut Aue, ich und du.“ findet sich auch im neuen Stadion. Und ist ja irgendwie rührig. Trotzdem sollte man mit diesen Berufungen auf irgendwelche Bergarbeitertraditionen immer eher vorsichtig sein, weil hier ein krankmachender und gefährlicher Job und eine Industrie, die starke Umweltschäden hinterlassen hat, schon ziemlich verklärt wird. Siehe Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Wismut_(Unternehmen).

Der berühmte Nudeltopf ist immer noch erhältlich. Und der ist halt in der Stadionversorgung in Deutschland relativ weit oben. Das heißt nicht, dass ihr nun hier kulinarische Hochgenüsse erwarten müsst. Seine positive Wahrnehmung basiert auch auf dem Dreck, der anderswo als Stadionessen angeboten wird. Es gibt nebenbei auch Sekt im Gästeblock in Aue. Stellten wir auch erst diesmal fest und ist ja auch mal was besonderes.

Hätten sie nun noch Klopapier auf den Klos, könnte man beinah von einem sehr angenehmen Gästeblockerlebnis sprechen.

Im Gegensatz zu letztem Jahr sind auch die Kontrollen entspannter und auch mal mit einem flotten Spruch auf den Lippen. Warum eigentlich nicht immer so?

Wir haben Probleme

Wir sind erneut da angelangt, wo wir nicht hin wollten. Im Abstiegskampf. Eine absolut indiskutable Leistung gegen einen Gegner, der vor diesem Spieltag drei Tore in einen Punkt umgewandelt hat, spricht Bände.

Es fehlt bei uns an allem. An Aggressivität, an Laufbereitschaft und an mentaler Einstellung zu so einem Spiel. Auch an fußballerischer Klasse. Es ist erschreckend, wie schnell sich diese Mannschaft anscheinend zurücklehnt und es schleifen lässt. Wo in Magdeburg und gegen Darmstadt noch Konzentration und Laufbereitschaft vorherrschten, tropfen hier Bälle im Mittelfeld hin und her und niemand geht die entscheidenden fünf Schritte, um einfach mal den Ball zu erobern oder zumindest den Auer sofort zu stören. Wir machen das jetzt ausdrücklich nicht an einzelnen Spielern fest, aber in der Zentrale funktioniert nix.

Hinzu kommt eine Viererkette, die schlecht sortiert ist, die riesige Lücken zeigt und die mit einem schnellen Dribbling sofort überwunden ist. Denn Zweikämpfe gewinnen wir defensiv nicht. Es kommt jeder durch.

So fallen eigentlich alle drei Tore. Natürlich ist das 2-1 ein richtig schöner Schlag, aber wenn wir ehrlich sind, könnte der sich auch noch eine Zigarette drehen und anzünden, es wäre immer noch kein FCSPler in seiner Nähe. Soviel Platz hast du nicht mal in einem Trainingsspiel, wenn der Trainer vorher ansagt „lasst die Offensiven mal ein bisschen zaubern“.

Das ist alles kein neues Problem und trotz Umstellungen, neuem Spielermaterial und zwei Wochen Pause, in der man hätte üben können, hat es sich eher verschlechtert als verbessert. Und während man sich bei Union und Köln noch mit der „hohen Qualität des Gegners“ in die eigene Tasche lügen kann, wird dies bei Aue unmöglich.

Wir sehen zur Zeit nicht, wie wir die Blutung stoppen können, und das Programm in den nächsten Wochen macht die ganze Mission nicht einfacher. Nun eine kurze Trainingswoche bis zum nächsten Spiel in Ingolstadt, dann eine englische Woche und dann ein Spiel gegen einen Lokalrivalen, dessen einer Stürmer gerade mit verbundenen Augen und dem falschen Fuß alles trifft.

Hoffnung sieht anders aus. Ingolstadt hat gerade sechs Dinger in Bochum bekommen und ist verunsichert? Kurz mal den Duden unter „Aufbaugegner“ aufgeschlagen, da ist das Wappen des FC St. Pauli abgebildet.

Wir lassen uns natürlich gerne positiv überraschen, aber zur Zeit sieht es richtig Scheiße aus.

Zurück

Zurück geht es ein bisschen anders um Leipzig herum und mit der noch im Bau befindlichen A 72. Die nebenbei durch ein ehemaliges Tagebaugebiet fährt. Welche hässlichen Löcher ein Tagebau hinterlässt und wie stark Schäden auch Jahrzehnte später sichtbar sind, kann hier jeder bewundern. Und eigentlich müsste man jeden RWE-Manager dort langfristig aussetzen. Ein Tagebau ist eine der beschissensten Ideen überhaupt.

Ansonsten ist bei Hannover ein riesiger Stau, sodass wir auch noch die Blitzer des Landkreises Uelzen kennenlernen, aber irgendwann hat uns Hamburg wieder und ein schöner Tag in angenehmer Begleitung geht zu Ende. Wäre da nur nicht immer dieser Fußball.

Sep 112018
 

Peacige Hippie-Worte vorm Derby

Liebe Leute,
es sind nun keine drei Wochen mehr, bis unser heißgeliebter FCSP die weite Reise in die Vorstadt antritt. Es gibt wohl kaum Sankt Paulianer*innnen, die diesem Ereignis nicht mit Hochspannung entgegenfiebern. (Stadt-)Rivalität ist schließlich das Salz in der Fußballsuppe und gerade als Underdog – der wir nun mal seit jeher sind – ist die Vorfreude besonders groß, wenn die Chance auf einen kleinen Triumph naht. Wir brauchen das sicher nicht weiter auszuführen.

Ihr habt schon sehnsüchtig auf das “Aber” gewartet?

Voilà! Wie schon in einem Blogbeitrag vor wenigen Tagen festgestellt, dreht offenbar die ganze Stadt immer freier, je näher der größte Termin rückt. Seit der letzten Bestandsaufnahme gab es erneute Vorfälle, die uns Sorgen machen, dass es rund um das Derby mehr als ungemütlich werden kann. Da sind über die Strenge schlagende Graffiti und Sticker noch das geringste Problem. Die Rhetorik nimmt grauenhafte Züge an, auch bei Transpis im Stadion. Einige Gruppen scheinen richtig Bock darauf zu haben, das Derby als Kulisse für langersehnte Keilereien zu nutzen.

Und machen wir uns nix vor. Auf der Volksparkseite der Macht mobilisiert man nicht nur verbal schon wieder alles, was Freunde an einer gepflegten Schlägerei hat, und verschiebt Grenzen verbal, per Aufkleber und per Handlungen immer mehr in einer Richtung, die Menschen jeglicher Fancouleur immer stärker gefährden. Beispiel von heute? Bitte schön:

Die werden auch wieder komische Allianzen schmieden. Das Hamburger Derby in seiner Seltenheit wird wieder Leute anziehen, die sonst so gar nicht miteinander können und die im Notfall abends ihre Probleme noch mal kurz im Schanzenpark diskutieren.

Das Dilemma dabei: Wir können – und wollen – die Dynamiken im Volkspark nur bedingt kommentieren. Denn “die da drüben” ändern wir nicht. Ballert uns ruhig zu mit Geschichten, wer wann was wie Schlimmes gemacht und deswegen auf die Fresse verdient habe. Natürlich sind “die anderen” immer mehr Schuld als man selbst. Wissen wir doch.

Du kannst dir ausschließlich an die eigene Nase fassen und vor der eigenen Haustür kehren, wenn es um Deeskalation geht. Ja, das mag alles altbacken, 80er Jahre Pauli-Hippie-Style und konträr zu „wir wollen keine Opfer sein“ klingen, aber ganz ehrlich: Der FCSP und seine Besonderheiten sind auch dadurch geboren, dass wir eben nicht den Zeitgeist, den Druck der Zeit und die äußeren Bedingungen und Bedrohungen zu einer grenzenlosen Aufrüstung genutzt haben. Das heißt nicht, dass man wehrlos die andere Backe hinhalten muss oder sollte.

USP hat das vor Jahren mal vollkommen richtig als Mentalitätsbanane dargestellt und wahrscheinlich trifft es dieses Bild immer noch sehr gut.

Checkt euren Testosteronspiegel

Und da sind wir bei einem entscheidenden Punkt: Natürlich sollte man nicht unvorbereitet, oder naiv in diese Situation gehen. Mit einem „We shall overcome“ wird man einen Hooligan auf Koks nicht überzeugen. Außer ihr singt sehr schief, sehr laut und sehr fürchterlich. Man sollte bereit sein, sich wehren zu können. Aber: Lasst die Kirche im Dorf, haltet Maß bei euren Provokationen. Das Niveau der Gegenseite müssen wir nicht mitspielen. Und wir müssen auch nicht jede Provokation annehmen. Gähnen oder drüber lachen trifft die viel mehr.

Es ist verdammt nochmal nur Fußball!

Daher sollte man versuchen, das Testosteron zurückzufahren. Auch Revierkämpfe um „unser Viertel“ sind nicht progressiv.

Verhalten

Noch etwas zum Verhalten am Spieltag. Diese Tipps sind nicht neu und auch nicht überraschend, Reist am Spieltag nur in größeren Gruppen, guckt, wie z.B. der Fanladen, die Ultras etc. die Anreise (und Abreise) empfehlen. Wenn etwas passiert, dann lauft nicht sinnlos und planlos weg. „Stehen bleiben“ ist eigentlich immer die beste Lösung, insbesondere wenn irgendwie 100 Hools 500 Leute angreifen. Selbst wenn das kampfsportgestählte Kampfmaschinen sind, wäre das bei einer solchen Zahl an Leuten sehr schwer, da etwas auszurichten. Und wenn, dann bekommen 500 halt weniger ab, als 5, die nicht schnell genug waren. Ist so. Bittere Realität halt. Nicht verlassen kann man sich erfahrungsgemäß auf Ordnungsdienst und Polizei. Die ballern im Notfall eher sinnlos mit Pfeffer in alles rein.

Ebenso entscheidend: Die Flasche Korn und den Megajoint vielleicht auch mal zu Hause lassen. Wir haben nichts gegen einen gepflegten Rausch, aber bei einem solchen Spiel helfen klare Sinne und gute Reaktionen. Das Siegbier, den Siegmexikaner trinken wir dann ab ca. 18 Uhr vor dem Jolly.

Sep 032018
 

Um es gleich vorweg aus dem Weg zu bringen:

Toxische Maskulinität

Es ist scheiße, irgendwelche Gästefans im Viertel vor oder nach dem Spiel anzugreifen oder zu belästigen. Egal, welcher Verein. Zwar sind solche Vorfälle eher die Ausnahme, denn wir sahen auch ganz viele FCSP-Köln-Kombinationen, die gemütlich ihr Bier zusammen tranken (u. a. im Jolly), aber ein Vorfall ist einer zu viel und dies als „Normalität“ oder „passiert beim Fußball“ abzutun, verbietet sich.

Köln hat sehr viele unsympathische Züge als Fanszene. Sei es das gelebte naziinkludierende Unpolitische, sei es der jahrelange Kleinkrieg der Ultras gegen unsere Ultras, weil man ja angeblich grundlos von St. Pauli angegriffen worden sei. Nun gut, wie schon mal auf diesen Blättern ausgeführt: Wenn man durchs Viertel mit „Scheiß St. Pauli“- und „Kommt doch her, ihr Wi…“-Rufen läuft, dann muss man sich auch nicht wundern, wenn irgendjemand diese Einladung annimmt. So richtig grundlos ist das dann aber nicht. (Nein, soll es gar nicht gutheißen und wir haben schon häufig genug gesagt, was wir von dieser ganzen Machogehabe halten, aber so ein etwas anderer Zungenschlag ist es dann doch.

Absatz 2 rechtfertigt jedoch nicht Absatz 1. Insbesondere, wenn wieder die Täter ihr Handeln wahrscheinlich durch „war doch Fanszene“ oder so legitimieren.

Machogehabe ist sowieso ein gutes Stichwort. Samstagabend meinten die Freunde des Volksparkfußballs, mal ein bisschen durchs Viertel posen zu müssen. Das ganze wurde dann auf ähnliche Weise von FCSP-Seite beantwortet. Dazu nur folgende Klarstellungen:

1. Wenn so etwas passiert, ist es immer falsch, dies irgendwelchen Gruppen zuzuordnen. Wenn ihr im Dunklen nicht 100-prozentig sicher seid, dass da gerade USP, CA, UKW oder wer auch immer an euch vorbei gelaufen ist, dann unterlasst die Namensnennung. Wir behaupten mal, dass niemand 100-prozentig sicher sein kann, denn wie heißt es so schön? In der Nacht sind alle Katzen und Fans grau. Auch die sicher festgestellte Anwesenheit einzelner Menschen bedeutet nicht zwangsläufig die Präsenz einer dazugehörigen Gruppe.

2. Dies war weder ein verabredetes Ding auf dem Beatles-Platz (!!!) noch der „erste Fanstress“ vor dem Derby. Mehr Worte muss man über die Berichterstattung in einschlägigen Postillen nicht verlieren.

3. Es ist nix Gravierendes passiert, es sind keine Kneipenübergriffe oder ähnliches vermeldet worden. Und wir wissen nicht, ob die nur ein bisschen posen wollten, oder schlimmeres im Schilde führten. Jedoch: Es wird nicht die letzte Aktion sein und die sind heiß auf Fahnen, Schals und anderes. Passt also auf euch auf. Bitter, dies zu sagen, aber ist leider so.

Benehmen macht die Musik

Wir halten nix davon, Gästefans absolut in Heimbereichen zu verbieten und wir wollen grundsätzlich die Möglichkeit erhalten, dass jemand seinen Kölner Kumpel einfach mitnimmt und der sich auch in sein Trikot hüllt.

Jedoch macht hier das Benehmen sehr die Musik. Und besoffen den Poser zu machen oder Leuten nach dem Ausgleich fett ins Gesicht zu jubeln, ist kein Benehmen, welches sich in einem Heimbereich ziert. Und man muss sich dann nicht wundern, wenn man eine Ansage bekommt und diese Ansage „noch ein so ein Jubel und du bekommst ein Bier über den Kopf“ ist. Nicht die feine Art, aber das ist dann mal Fußball.

Wichtig ist auf dem Platz

Auf dem Platz kommen wir zu einer 2:0-Führung durch zwei sehr elegante Fehler von Köln. Und anstatt dieses Geschenk anzunehmen, uns einzuigeln und Köln auf den Füßen zu stehen, geben wir die Führung und das Spiel ganz schnell aus der Hand.

Schatten

Dabei machen wir folgende Beobachtungen, die Sorgen machen, selbst wenn man die Kölner Qualitäten anerkennt:

  1. Wir haben ein Außenverteidigerproblem. Buballa wirkt auf uns sympathisch und man wünscht dem Jungen echt nichts Schlechtes. Aber wenn der Junge mit Geschwindigkeit der Gegenseite konfrontiert ist, dann sieht er ganz schnell (sic!) schlecht aus.
  2. Wir sind sehr einfach zu scouten. Wir haben vor der Viererkette einen Bereich, in dem die gegnerischen offensiven Spieler nicht richtig angegangen werden. Soviel Platz haben unsere Offensiven im ersten Teil der gegnerischen Hälfte nie. Mannschaften spielen da immer gezielter den Ball hin und wir bekommen es nicht in den Griff. Unsere zweite Lücke sind Flanken in den Strafraum. Da unsere Torhüter auf der Linie kleben, ziehen Gegner die immer mehr in den 5er. Und das bekommen wir nicht verteidigt. Beide Probleme müssen wir dringend in der Eigenanalyse abstellen.
  3. Unser Aufbau ist zu behäbig und wir dribbeln uns zu oft fest. „Ball und Gegner laufen lassen“ ist bei uns ein Fremdwort. Das war mit Knoll auf der Sechserposition in den ersten beiden Spielen noch etwas anders, dieser brachte auch ein bisschen Stabilität in die oben genannte Schwachzone. Aber sofort, wenn der da raus ist, haben wir gleich zwei riesige Probleme.
  4. Unser Spiel mit hohen Bällen in der Abwehr ist brutal schlecht. Wie häufig sich unsere Abwehrspieler bei hohen Bällen verschätzen, tut beim Zusehen weh.
  5. Wir sind zu brav. Köln ist in jedem Zweikampf mit der Hand, mit dem Ellenbogen, mit der offenen Sohle. Das ist immer an der Grenze zum Foul, aber sorry, da muss man dann irgendwann gegenhalten. Insbesondere bei einem Schiedsrichter, der die Karten vergessen hat. Wir bekommen am Ende eine gelbe Karte dafür *Trommelwirbel*, nach einer Verletzung zu früh auf den Platz zu laufen.
  6. Wir können das Tempo von Mannschaften wie Köln nicht annähernd mitgehen.

1 bis 5 sollte auch innerhalb einer Saison abstellbar sein. 6 macht Sorge, da dies ein wiederkehrendes Problem unserer Mannschaft ist.

Licht

Es gibt aber auch positive Aspekte aus dem Köln-Spiel:

  1. Henk macht ein richtig cooles Stürmertor, kann Bälle echt an sich ziehen wie ein Magnet und ist damit ein ständiger Unruheherd.
  2. Bei aller Beschränktheit: Diese Mannschaft gibt nicht auf. Viele Mannschaften hätten nach einem “2:0 zu 2:4” den Kopf hängen lassen, aber hier wird weiter in den eigenen Grenzen (siehe Punkt 5 und 6 von oben) alles versucht.
  3. Neudecker macht seiner Einwechselung ordentlich Dampf. Endlich mal frischer Wind von der Bank, etwas was in letzter Zeit auch selten zu sehen war.

Ausblick

Wir müssen ganz schnell diese Abwärtsspirale verlassen, defensiv stabiler werden und mal irgendwo schmutzig Punkte mitnehmen. Sonst hängen die Köpfe doch schnell wieder. Dass Avevor nach der Pause wieder zur Verfügung steht, sollte dem ganzen Gebilde wieder mehr Stabilität geben. Das wir keine Alternative zu dieser fußballerisch beschränkten Kampfmaschine haben, spricht aber auch Bände. Und wir hätten es vor zwei Jahren nie für möglich gehalten, dass wir mal schreiben würden, wie unersetzlich Avevor ist. Dies muss man aber auch als absolutes Lob für ihn ansehen.

Nach dem Kick

Nach dem Spiel geht es zur Seebrücke-Demo. Diese ist gut besucht, es werden Teilnehmerzahlen von 10.000 bis 16.000 gemeldet. Dass es immer noch FCSPler gibt, denen das Nachspielbier wichtiger ist als eine derbe wichtige Demo, sei mal als Wasser in den Wein geworfen. Die Veranstalter hatten aber wohl nicht mit so vielen Teilnehmern gerechnet, sodass diese Demo insgesamt ein guter Anfang einer Gegenbewegung gegen den absurden Rechtsruck in diesem Land ist.

Was in diesem Bericht fehlt …

… ist eine Abhandlung zur Absage eines Fußballspieles in Dresden. Und ja, dies ist mehr als nur ein „es ist doch nur ein abgesagtes Fußballspiel, wir haben andere Probleme“. Denn eines der Hauptprobleme unserer Gesellschaft ist doch genau, dass die Polizei immer mehr unter fadenscheinigen Begründungen in unser ganz normales Leben eingreift und meint dies im Detail regeln zu können. So funktioniert aber eine freie Gesellschaft nicht. Und Obrigkeitshörigkeit ist eine der Hauptgrundlagen für Diktaturen.

Wenn wir Zeit finden, schreiben wir in der Länderspielpause (BÄH!) noch was genaueres dazu.

Aug 282018
 

Kurzes Vorwort

Ihr erinnert euch an den Gastartikel zum Stoke Spiel? Wenn nicht, dann liest ihn jetzt!. Es fließt dann Wasser die Elbe runter und wir können nur zu gut nachvollziehen, wenn man die Worte mit etwas Abstand ergänzen möchte. Auch dafür möchten wir Platz bieten, denn es ist sehr wichtig!

Grundsätzliches ändern

Was man ja auch nicht so bedenkt, bevor man einen Gastbeitrag über Belästigung im Stadion hier veröffentlicht: Verdammt viele Leute lesen diesen Blog. Heißt auch: Verdammt viele Leute, die ich kenne, lesen diesen Blog. (Und: Das ist sehr gut. Weil lest diesen Blog, er ist sehr gut!)

Worauf ich aber hinauswill: Ich wurde ziemlich oft auf meinen Beitrag angesprochen. Und das ist nicht immer einfach. Weil über Belästigung reden jetzt echt kein tolles Gesprächsthema ist. Und auch immer mit Scham zu tun hat. Grundsätzlich gilt für mich trotzdem: Ich rede lieber darüber, als es totzuschweigen. Aufmerksamkeit, darüber diskutieren, Betroffenen zuhören – anders hat sich noch nie irgendwas geändert. Und deshalb glaube ich auch, dass jedes Thematisieren mit guter Intention geschah.

Trotzdem bleibt es bei dem eben Gesagten, es ist nicht immer einfach. Auch mich darauf anzusprechen ist sicher nicht angenehm. Und so werden dann Gespräche exemplarisch mit „Du durftest jetzt also auch die dunkle Seite des Millerntors erleben” begonnen. Ich will es echt noch mal betonen: Ich glaube an die gute Intention. Aber frage mich auch, was dieser Gesprächseinstieg über uns aussagt? Wie viele Fälle von Belästigung im Stadion habt ihr mitbekommen (oder sogar selbst erlebt), dass die Thematisierung “Du auch” ein „normaler“ Gesprächseinstieg ist? Neben diesen zahlreichen persönlichen Gesprächen erreichten mich auch noch weitere private Nachrichten von Personen, die ich nicht persönlich kenne. Ein Beispiel: “Mir ist sowas ähnliches auch schon passiert. Danke, dass du darüber sprichst. Mir hat keiner zugehört.” Ich bin also leider – aber wenig überraschend – nicht alleine mit meinem Erlebnis.

(Bis) zum nächsten (Heim-)Spieltag: Ein Verein, der in seiner Stadionzeitschrift den Gastbeitrag abdruckt und sich klar positioniert. Eine Fanszene, die u. a. ein Transparent mit “Klatschen statt Grabschen” hochhält. Ein Podcast, der das Thema gleich in zwei Episoden anspricht. Ein Fanladen, der den Gastbeitrag über seine Accounts verbreitet. Ein Fanclubsprecherrat, der den Beitrag an alle Fanclubs verschickt. Und zuallererst natürlich ein Blog, der sofort den Gastbeitrag veröffentlicht.

Und trotzdem möchte ich wetten, dass es auch beim Heimspiel gegen Darmstadt wieder weibliche* Fans gab, die sich nicht immer sicher gefühlt haben. Oder noch schlimmer: Die auch belästigt wurden. Ohne dass wir es mitbekommen hätten. Wir müssen uns daher fragen: Tun wir alle also genug, um das Millerntor zu einem sicheren Ort für alle Fans zu machen?

Ja, es gibt ein Aktionsbündnis, das tolle Aktionen durchführt und sich schon lange gegen Sexismus und Homophobie engagiert. Das aber auch dringend neue Mitstreiter*innen sucht. Ja, wir diskutieren in der Fanszene gerade über Awareness-Teams, Spieltagstelefone und andere (sehr wertvolle!) Ideen. Und ja, wir sind damit definitiv dem “Durchschnitt” anderer Fussballvereine voraus. Und trotzdem lassen mich alle Reaktionen vermuten, dass viele weibliche* Besucher*innen Erlebnisse ähnlich zu meinem machen. Trotzdem.

Und hier ist dann auch mal der wirtschaftliche Teil des FCSP gefragt, denn das bisher Genannte sind alles Faniniativen.

Da ist dann nämlich auch mittelgroßer Wirtschaftsbetrieb, der im vergangenen Geschäftsjahr einen hohen sechsstelligen Betrag Überschuss erwirtschaftet hat. Der für Öffentlichkeit sorgt (danke dafür! Auch das ist leider nicht immer die Norm) und den Gastbeitrag in seiner Stadionzeitung abdruckt. Der aber u. a. auch damit Geld verdient, dass wir ins Stadion gehen. Während sich seine weiblichen* Fans nicht immer sicher fühlen (und nicht nur die).

Tut der genug, um das zu ändern? Was sollte er tun? Was könnte er noch tun? Warum haben wir z. B. keine*n hauptberufliche Awareness-Beauftragte*n?

Was kann „von oben“, „von unten“ noch getan werden?

Eins ist sicher: Wenn “Du auch” ein normaler Gesprächseinstieg ist, dann tut er, tun wir alle nicht genug.

Danksagung der Redaktion

Anmerkung des Redaktionskollektiv: Noch mal vielen Dank an @amhass, die auch diese Zeilen verfasst hat. Wir können ihren Text nur dick unterstreichen und unterstützen die genannten Ideen.

Ergänzend wollen wir uns wiederholen: Mischt euch ein! Steht Betroffenen* zur Seite! Hört ihren Sorgen und Nöten zu! Sagt auch mal eurem Kumpel, dass Dinge nicht klar gehen! Dies reicht natürlich nicht aus, wir müssen über Struktuelles reden, wie der Text mehr als deutlich macht, ist aber erstmal etwas was Jede*r tun kann.