Sep 202017
 

 

Vorbemerkung

Im Detail kommen wir da später noch mal drauf zurück, aber Leute, dieses Macker-, Revier-, „ich hau dir aufs Maul, weil du einen anderen Verein unterstützt“-Ding nervt richtig stark. Das ist so ein primitives Denken, dass man sich echt wundern muss, dass so etwas 2017 noch vertreten wird. Oh wait. Wir für unseren Teil finden das Konzept des 90 Minuten Bepöbeln und danach gemeinsam ein Getränk trinken viel entspannter.

Anderseits haben diese ganzen Gewaltnummern ja auch immer eine gewisse Situationskomik. Wir werden auch diese in diesem Bericht schildern, möchten aber jedoch noch mal darauf hinweisen, dass wir lieber drauf verzichten würden. Aber so ein bisschen magischerfc.ws muss auch mal sein.

Anfahrt

Durch die Ereignisse vom letzten Freitag (später dazu) wurde das Spiel anscheinend noch mal zwei Sicherheitsstufen hochgestuft und u.a. ein Parkplatz für Gästefans mit Busshuttle eingerichtet. Das aus Aue bekannte und dort gut funktionierende Konzept also nach Kiel übertragen. Sorgte bei unserer frühen Anreise für einen guten Parkplatz und einem leeren Bus. Der Parkplatz nebenbei direkt neben Rheinmetall Defence. Nebenbei mit dem „Kompetenzzentrum Kettenfahrzeuge“. Wir hätten uns mal einen Panzer leihen sollen für die Fahrt ins Stadion. Nebenbei entwickelt sich das mit den Panzern diese Saison so ein bisschen zu einem Insidergag. Aber dazu mehr im Sandhausenbericht.

Einlass

Bevor wir hier nur Werbung für zukünftiges Geschreibsel machen, kommen wir zurück zum Holstein-Stadion. So alte Stadien können ja Charme haben und in der Welt der gleichaussehenden Baukastenmodelle freut man sich ja über die Böllenfalltore dieser Welt. Das Holstein-Stadion hat diesen Charme nicht mehr, sondern ist eine Aneinanderreihung von Notlösungen und damit nix Halbes und nix Ganzes.

Hinzu kommt, dass man bei 2380 verkauften Karten ernsthaft mit einem Eingang, 6 männlichen und 2 (oder vielleicht selbst nur eine) weiblichen Abtastperson arbeiten wollte. Und mit höchstens zwei Scangeräten für die Karten. Man muss kein Prophet sein, um zu sehen, dass dies an einem Dienstag, wo alle spät und knapp kommen, nicht klappen wird. Hinzu kommt eine Personenleitung über drei Gitter, die man nicht vorher erkennt und die auch keinen Sinn ergeben. Eine Personenvereinzelung wird damit nicht erreicht.

Wahrscheinlich werden die Ereignisse am Einlass am Ende als „Blocksturm“ definiert, aber eher war es ein „Blocklüftchen“. Die Leute fingen halt an, irgendwann über die Gitter zu klettern und rein zu gehen. Weder filzen, noch Ticketkontrolle fand noch statt. Ganz ehrlich gesagt Kiel: Selber schuld. Und wie man gerade mal einen Getränkestand einrichten kann, der dann auch noch in Zeitlupe arbeitet, bleibt uns auch unergründlich.

Unser Organisationsleiter vor Ort war nicht wirklich glücklich über die Zustände, um es mal so auszudrücken.

Was sollte eigentlich der Wasserwerfer der da die ganze Zeit in Richtung Eingang guckte? Was will man da mit einem Wasserwerfer regeln?

Einrichten im Gästeblock

Der Gästeblock ist eng, flach, das Spielfeld mit den Werbebanden schlecht zu sehen. Man richtete sich so weit es ging häuslich ein, Banner wurden aufgehängt, auch wenn alles, was irgendwie „Ultra“ sein will noch fehlte. Und damit auch viele Banner. Dafür gibt es eine Bundeswehrwerbung. Und man weiß wieder, warum man lieber am Millerntor steht.

Sprintübungen

Was irgendwelche vermummten Jungs nicht davon abhielt auf den Gästeblock zuzustürmen. Jemand merkte zu Recht an, dass das nun Folgende – wo die Kieler schlecht aussehen – auch gerade deswegen passiert, weil unsere Oberarmfraktion noch nicht im Stadion gewesen ist. Sonst hätte es wohl eine kleine Boxeinlage in der Mitte des Feldes gegeben.

So aber stürmten irgendwas um die 30 Leute aus dem Heimmittelblock los, merkten ungefähr auf Höhe der Mittellinie wie weit 100 Meter sind, wurden schon sehr viel unentschlossener, warfen mit einem Bengalo in den Gästeblock und zwei, drei Typen schafften es auch, Banner vom Zaun zu reissen. Hey, wenn ihr so etwas plant, vielleicht mal nicht nur Pumpen gehen, sondern auch mal an der Sprintausdauer arbeiten?

Neben dem Gästeblock verfolgte dies nebenbei in aller Seelenruhe eine Polizeieinheit, ohne einzugreifen. Top! Kann man mal als „Ordnungsmacht“ machen, sich das ganze entspannt angucken. Auch die Ordner hatten eher die Ruhe weg und eine Reaktion erfolgte nicht.

Jedoch: Platzstürme im Ultrabereich sehen immer echt albern aus. Weil nach höchstens 30 Metern werden die zögerlich, merken plötzlich, dass da wirklich was gehen könnte, bekommen das Denken und bleiben stehen. Es wäre doch deutlich gefährlicher, wenn wirklich mal 30 Leute entschlossen und mit Schwung auf den Gästeblock geprallt wären. Tun sie aber in dieser Situation eigentlich nie. Zum Glück, möchte man meinen.

Stabile Truppe da auf dem Platz

Tja, Pech für die Täter, unsere Oberarmjungs mögen vielleicht nicht da gewesen sein, aber unsere Spieler und unser Trainerstab haben verstanden, was so ein Banner bedeutet und das man damit nicht einfach zurück über den Platz spaziert. Der eine hatte noch Glück, dass Matze – The Blutgrätsche – Hain ihn nicht voll erwischte, sonst wäre jetzt wohl nicht nur die Ehre, sondern auch das Schien- und Wadenbein durch. Überhaupt unsere Co-Trainer! Denn Patrick Glöckner zeigte dann, was ein Tackle ist.

Wie macht sich das eigentlich so im Hooligan-Lebenslauf? „Ich bin vom Co-Trainer umgehauen worden…“ Nicht unsere Welt, aber klingt für uns nicht nach den Stories, die man bei einer Linie Koks stolz erzählt.

Fahnenrückgabe. Bild mit freundlicher Genehmigung von Sabine Scheller genutzt. Ihre Bilder vom Spiel findet ihr hier.

 

Die Banner wurden den Tätern also entrissen (Sami, Digga, selbst wenn du ab jetzt nur noch Grütze zusammen kicken würdest, du bist nun ein Großer hier im Verein) und unter lautem Jubel des Gästeblocks zurück gebracht.

Ob Olaf das Zweikampfverhalten in diesen Szenen noch mal in die Videoanalyse einbaut? Der Prophet im Block meinte nur, dass nach so einer Aktion heute nichts mehr schief gehen könne.

Ein paar mahnende Worte

Neben der Gefahr sich bei einer solchen Aktion zu verletzen, ist nicht zu verachten, dass ein Schiedsrichter solche Aktionen streng nach dem Regelbuch mit einer roten Karte ahnden kann. Hat der Schiedsrichter hier nicht gemacht, hätte wohl auch zu einer üblen Eskalation geführt, aber er kann es rein theoretisch. Und genauso könnte der DFB die Spieler nachträglich noch sperren. Daher ist es auch völlig richtig, wenn Rettig das heute in einem Statement versucht so ein bisschen einzufangen.  Ja uns wäre es auch lieber gewesen, wenn zur PK im Stone Island Pulli gekommen wäre, er kurz tief Luft geholt hätte, seine Stimme gesenkt hätte und dann folgendes gesagt hätte:

„Und das liebe Kollegen, können sie so notieren: Wer die Fahnen unserer Fans klaut, der muss erstmal an uns vorbei.“

Aber da sind wir wieder bei diesen Zwängen im Profifußball.

 

Zwischenfazit

Die Angreifer schafften es wirklich die ganze Freitagsaktion (dazu weiter unten) innerhalb eines vollkommen hohlen Angriffs vergessen zu machen, hier in allen Beurteilungssystemen als Verlierer vom Platz zu gehen (sic!) und auch noch dem Verein eine ordentliche Geldstrafe aufgebrummt zu haben. Muss man erstmal schaffen.

Spielen wir nun Fußball?

Oh, Fußball war ja auch noch. Und das ganze mag zwar kein Derby sein, aber auf dem Platz entwickelte sich ein Spiel, was eines Derbys würdig gewesen wäre. Unglaublich viele unsaubere Szenen, viele Fouls, teilweise überhartes Einsteigen und ein offener Schlagabtausch spielten sich ab.

Derbe nervig dabei ist, dass Kiels Herrmann, obwohl er schon gelb vorbelastet ist, noch Jerry so abräumen darf, dass dieser verletzt raus muss. Und nach dieser Szene zwar Foul gepfiffen wird, aber es keine letzte Ermahnung oder so etwas gibt. Erst beim dritten Foul nach dieser Szene, geht Herrmann dann mit gelb-rot. Insgesamt glänzt der Schiedsrichter nicht mit einer großen Linie.

Unsere Mannschaft steht wie verwandelt auf dem Platz. Kein Vergleich zu Samstag. War das von Olaf angesprochene Anfeuern nach dem 0-4 ein Funke? Oder das gemeinsame Erleben von Bannerklau und Retour ein Ereignis, was alle noch mal wach machte?

Keine Ahnung, klar mit Lasse –Schädel– Sobiech steht unsere Abwehr gleich hundertmal besser. Und sein Nebenmann wirkt dann auch immer gleich eine Liga besser, aber das ist nicht alles. Das war schon sehr gutes Arbeiten und Wirken. Klasse, Jungs! So muss das gehen!

Einen Spieler wollen wir noch herausheben: Neudecker! Boa, klasse Vorbereitung und der Junge zeigte über die ganze Spielzeit, was in ihm steckt.

Nach dem Spiel

Kam es wohl noch abseits des großen Stroms an Gästefans zu Stress. Und dies auch von braun-weißen ausgehend, die nun meinten da Leute angreifen zu müssen und Autos beschädigen zu müssen. Das muss doch nun echt nicht sein. Details sind uns aber nicht bekannt  

Vor dem nächsten Spiel
Jungs! So geht das auch zu Hause. Niemand am Millerntor erwartet von euch Glanzfußball oder offensives Dominieren. Dreckig, einfach, mit Hingabe, dann wird das auch was gegen Düsseldorf. Irgendwie hat man den Eindruck, dass zur Zeit das „zu Hause liefern wollen“ die Mannschaft lähmt. Daher: Locker bleiben und ab geht die Post gegen die Fortuna.

Und nun zu Freitag

Kurze Sachverhaltsbeschreibung

Freitag hat es einen Überfall auf Fans von Holstein Kiel gegeben, die aus Aue zurück gekommen sind. Soweit ist das wohl 100 % klar. Sehr wahrscheinlich ist, dass bei diesem Überfall viele „relevante“ Zaunfahnen der Fans von Holstein Kiel abhanden gekommen sind. In der Gerüchteküche und auf der Clickbait-Seite „Faszination Fankurve“ wird vermutet, dass die Täter aus dem FCSP-Fanumfeld stammen. Das kann man so dahin gestellt bleiben, da es für die weiteren Überlegungen nicht interessiert.

 

Was nervt

Uns stört viel eher diese breite „Akzeptanz“, die so ein Vorgehen in Fanszenen hat und wo gerne Victim Blaming der Marke „wissen ja, dass es dazu gehört“ oder „hätten ja auch besser aufpassen können“ betrieben wird.

 

Und nun mal etwas theoretisch ausführlicher.

Gerade vor dem Hintergrund, dass solche Aktionen von vielen aktiven Fans hierzulande als „Szene-Konsens“ angesehen werden, und auch eine breitere Akzeptanz in den Kurven über Hooligans und hinlänglich bekannte sportliche Ultragruppen hinaus besteht, stellt sich für uns die Frage der moralischen Bewertung eines solchen Überfalls. Kann Gewalt im sportlichen Kontext überhaupt moralisch in Ordnung sein und wenn ja, in welchen Ausmaßen? Wo sind Grenzen zu ziehen?

Vorab zwei weitere Prämissen:
1. Gewalt ist nicht grundsätzlich unmoralisch, z. B. im Verteidigungsfall.
2. Moral ist nicht absolut, also kein dichotomisches Richtig oder Falsch.

Folgendes Beispiel soll dies erläutern: Nach Schopenhauer kann ein (ungerechtfertigter) Gewaltakt doppelt unmoralisch sein, wenn eine Person einem Schutzbefohlenen schadet. Das Verwerfliche liegt dann nicht nur in der ungerechtfertigten Gewalt, sondern auch in der Verletzung der Schutzfunktion. Ein Vater, der sein Kind schlägt, handelt demnach unmoralischer als selber Mann, der in eine Kneipenschlägerei verwickelt ist.
Für die ethische Bewertung ist demnach auch die Begründung oder der Kontext von enormer Bedeutung. Hier beschäftigen wir uns ja mit einem Überfall, juristisch gesehen wahrscheinlich einem Raubüberfall (Diebstahl plus Körperverletzung, sofern wir richtig informiert sind), was im gemeinem Verständnis wohl eher keinen allzu positive ethische Einordnung erfahren würde. Doch wie könnte eine moralische Begründung aussehen, die einen Überfall (in Teilen) begründen könnte?

Argumentiert wird ja in der Regel mit dem auch eingeleitetem „Szene-Konsens“ (Weitere Rechtfertigungsmuster, die sich letzlich auf Mackertum oder Revierdenken zurückfüren lassen, seien hier gänzlich unbeachtet, da sie Anachronismen darstellen, deren Legitimität gar nicht erst diskutiert werden müssen). Dass eigentlich unmoralische oder auch strafbare im gegenseitigem Einverständnis ethisch gesehen problemlos praktiziert werden können, dafür reicht ein Blick in die BDSM-Szene. (Auch hier wird Gewalt o. Ä. angewandt, die aber für alle Parteien in Ordnung ist, weil sie dem Konsens entspricht.)

Ist das auf Ultras und Hooligans übertragbar?
Vielleicht bedingt. Das Ackermatch scheint moralphilosophisch relativ problemlos zu sein. Alle wissen, was passieren wird, dass man sehr wahrscheinlich Gewalt selbst erfahren wird und grobe Verstöße gegen die „ungeschriebenen Regeln“ sind unseres Wissens selten.

Doch wie steht es nun um Überfälle und Ultra-Konsens? Der Bereich Ultra scheint entgrenzt zu sein. Denn im Gegensatz zum Ackermatch, das zeitlich und lokal stark begrenzt ist und auch nur klar definierte Akteure kennt, besteht für Ultras die „konsensuale“ Verpflichtung, ihre Materialien nicht nur jedes Wochenende für jeweils 90 Minuten o. Ä. zu beschützen, sondern quasi 24/7, was „konsequenterweise“ ja auch immer wieder zu Einbrüchen führt und dieses auch in privaten Wohnungen. Diese räumliche und zeitliche Entgrenzung ist für die weitere Argumentation wichtig.

Zu einer weiteren Ebene, der personalen Entgrenzung, zählt darüber hinaus, dass Ultra-Gruppen in der Regel nicht aus klar umgrenzten Personenkreisen bestehen, sondern als zentrales Element ihrer Kurve eine Menge Kontakte haben, die außerhalb des „Konsens“ stünden. Zum anderen gibt es unzählige Gruppen, die sich weder explizit noch implizit (zum Beispiel durch Erscheinen als Gruppe bei einem Ackermatch) zu einem „Konsens“ bekannt hätten. Und die trotzdem mit einbezogen werden, wie auch der Versuch zeigte, gestern Gruppen Banner zu entwenden, die gar nicht das Label „Ultra“ für sich beanspruchen oder auch tragen könnten.

Daher möchten wir argumentieren, dass es einen solchen Ultra-Konsens in derzeitiger Form nicht geben kann. Dazu zählt für uns die unpräzise Benennung der Teilnehmenden am „Konsens“, sowie das Fehlen klarer räumlicher und zeitlicher Begrenzung. Da der „Konsens“ oder die ungeschriebenen Regeln nun aber so schwammig sind, dass sie vielleicht gerade so für das Szenario des Ackermatchs reichen würden, können sie der komplexen Realität der Ultra-Aktivitäten gar nicht gerecht werden. Erschwerend hinzu kommt, dass unterschiedliche Gruppen unterschiedliche Ansätze in ihrem Umgang mit anderen Szenen und im Bezug auf Grenzen der Gewalt haben. Bei einigen spielen politische Erwägungen eine Rolle, andere geben sich vermeintlich unpolitisch. Den Gedanken der Rechtfertigung durch einen „Konsens der Szenen“ sollte man also verwerfen, so etwas kann es nicht geben. Das ist nebenher der Grund, warum Auseinandersetzungen im nachhinein dann wieder neu als „faires Ding“ oder „feiger Angriff“ in den Fanzines und im Internet verhandelt werden müssen.

Wir haben in diesem Blogbeitrag nicht den Raum, alle weiteren möglichen Motive und Legitimationsnarrative durchzugehen und eine ethische Einschätzung abzugeben. Ein politisches, antifaschistisches Motiv würden wir mit Sicherheit anders bewerten als einfach das Ausleben von Lust an Gewalt. Wir wissen letztlich ja auch nicht, was in den entsprechenden Köpfen vorging und maßen uns auch nicht an, das beurteilen zu können. Vielleicht reicht es uns auch schon, im Kreis der Fanszene eine kleine Debatte zum Thema Szene-Konsens und Gewalt anzuregen. Auf der jetzt bestehenden Basis, das kann man vielleicht zusammenfassend sagen, Konflikte zu schüren und auszutragen, finden wir moralisch nicht gerechtfertigt.

 

Es schrieben bisher noch

Der Frodo noch mal genauer aus Schiri Sicht

Die Nice Guys ohne taktische Sicht

Die Athens South End Scum aus englischer Sicht

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Sep 182017
 

Puh, das war ein ziemlich übles Brett. 0-4 zur Halbzeit ist schon sehr ernüchternd. Und das nicht mal bei einem Gegner, der nun Zauberfußball präsentiert. Und auch in der zweiten Halbzeit passierte nicht viel auf dem Platz. Wir diskutierten schon, ob wir diesen Bericht einfach in zwei Worten abhandeln. Z.B. mit „alles Scheiße“. Aber dazu haben wir doch einige Fragen, die wir stellen, aber meistens nicht beantworten können.

Geschenkt ist, dass unser Kapitän einen richtig gebrauchten Tag hatte. Das passiert, er hat so viele geile Spiele geliefert, da kannst du auch mal Scheiße an den Füßen haben. Trotzdem bleiben Fragen.

Wie kann es sein, dass wir mit relativ einfachem und nicht einmal wirklich überzeugendem Pressing sofort um jede spielerische Linie gebracht werden? Wird das Befreien aus dieser Situation nicht geübt? Gerade unsere Abwehrspieler wirken immer vollkommen panisch, wenn sie mal angelaufen werden. Das kann eigentlich nicht sein.

Wie kann es auch sein, dass Montag in Nürnberg noch jeder individuelle Fehler gegenseitig ausgebügelt wird und die Jungs füreinander laufen wie die Verrückten und gegen Ingolstadt ist stehen bleiben und hinterher gucken Programm. Wie kommt es zu einem solchen Unterschied innerhalb von fünf Tagen?

Haben wir Spieler, die irgendwie Gift in das Gefüge bringen? Wie erklärt sich sonst ein solcher Leistungsunterschied? Stimmt die Kondition nicht für zwei Spiele in fünf Tagen? Wie kann es darüber hinaus sein, dass man bei einem frühen Rückstand sofort alles verlernt hat? Zuviel Druck? Kein Selbstvertrauen?

Was ist eigentlich mit Neudecker? Was hat er getan? Bzw. was macht der nicht im Training? Selbst wenn MMD ausfällt, wird lieber Litka auf die Mittelposition gestellt – der offensichtlich nicht weiß, was er da tun soll – als mal Neudecker eine Chance zu geben. Dabei sind alle, die ihn bei der 2. Mannschaft sehen, voll des Lobes. Selbst beim Stand von 0-4 wird er nicht einfach mal als zentraler Mann getestet. Warum nicht? Vor der Winterpause letzte Saison war er gut, auch in Nürnberg wirkte er ballsicher und ruhig, gerade wenn er angelaufen wird. Aber zur Zeit hat man das Gefühl, dass Olaf eher Heerwagen auf die 10 stellen würde, als Neudecker zu bringen. Nur ganz ehrlich: Dann lass ihn doch bei der 2. Spielpraxis sammeln!

Warum kommt es zu keinem Aufbäumen in Halbzeit zwei? Da sind immerhin gut 25.000 Zuschauer im Stadion, die haben gezahlt, die wollen was sehen. Und so wie die Ränge drauf waren, wäre das bei einem frühen 1-4 noch mal interessant geworden. Hut ab an die Unermütlichkeit der Süd. Ach ja, die gemeldete Zahl von 29.000 und ein bisschen, ist irgendwie albern. Klar, dass sind verkaufte Karten, aber wenn so viele Leute nicht gekommen sind, dann wäre eine echte Zuschauerzahl realistischer. Auf der GG war richtig viel Platz diesmal. Und auch viele Sitze blieben unbenutzt.

Kurz und Knackig drumherum

– Die Mikrofonanlage wurde getestet, war in der Gegengerade nicht wirklich zu hören und von Leuten in der Süd eher mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Was für uns irgendwie kein Argument ist, ist der Stylefaktor. Da hat schon Paramat mal den richtigen Kleber gehabt (der auf der Fanräume Wand immer noch zu bewundern ist) „Kein Style, trotzdem geil“. Trotzdem: Ein guter Vorsänger (oder mal eine gute Vorsängerin), die mit einem Megaphon kleinteilig Leute aufhetzt, ist immer noch das Geilste überhaupt. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie das wirkt, wenn es wirklich mal was zu supporten gibt.

– Präsidiumsrücktritt und Neuwahl. Man kann über die wirklichen Gründe spekulieren, insbesondere, weil die Erklärung eher dünn war. Jedoch sei zu bedenken, dass unsere Satzung in § 23 folgendes regelt:

“ Die Amtsperiode des Präsidiums beträgt vier Jahre, es sei denn die vierjährige Amtsperiode endet in einem Kalenderjahr, in dem Aufsichtsratswahlen stattfinden. In diesem Fall beträgt die Amtsperiode des Präsidiums zwei Jahre. Sie endet in jedem Fall mit der Wahl eines neuen Präsidiums. “

Und wir wählen 2018 auch den Aufsichtsrat. D.h. so bekommt man vier Jahre für das Präsidium, nächstes Jahr wären es nur 2 Jahre geworden.

– Mexikaner und Pfeffi im Jolly nach dem Spiel sind ein harter Versuch zu vergessen.

Es schrieben sonst noch:

Der Supportblock Gegengerade, der erhebliche Probleme bei der Durchführung seiner Choreo hatte und sich – zu Recht – auf Facebook darüber aufregt. 

 

Die Nice Guys, die gerade zu diesem Mist ihren Senf Nr. 42 abgeben. Der Antwort auf die Frage hätte man doch ein besseres Spiel gegönnt. 

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Sep 132017
 

Blockgeschichte im Blog

An einem Montagabend in Nürnberg ist auch so eine Ansetzung, nach der man sich die Finger leckt.

Die Stehplätze im Gästeblock waren trotzdem ausverkauft, was aber auch an einer Geldschneiderei von Nürnberg liegt. Letztes Mal waren 25a und b noch als Stehplatz eingerichtet (das sind diese doofen Umklappsitze), dieses Mal konnte man 25b für schlappe 23 Euro als Sitzplatz erwerben. Gesessen hat da natürlich niemand.

Was natürlich auch dazu führt, dass der Verein ein System mit Auslasskarten und vielen Ordnern installieren muss und Fans versuchen, den Block ohne eine richtige Karte zu betreten. Ein bisschen Gedrängel ist die Folge.

Hm. Könnte man alles mit einer vernünftigen Planung und einem vernünftigen Stehblock vermeiden.

Blockfüllmasse im Blog

Mal ehrlich Leute. Es gibt coole Leute, die aus diversen Gründen selten zum FCSP fahren. Da wäre da der Herr neben uns, der alles mitsingt, egal ob er den Text kennt oder nicht.

Aber es gibt auch echt uncoole Leute. Aggressives Verhalten gegen Mitfans, absolutes Desinteresse am Spiel. Es nervt! Zum Saufen geht doch lieber in die Kneipe.

Stimmung ist im Block auch echt mies. Mag im TV anders rüber kommen, aber meistens machen echt nur die ersten fünf Reihen mit.

Und in jede Pause der Vorsänger „Wir sind Zecken“ anzustimmen, ist nun auch nicht gerade produktiv, wenn man vorher konsequent das Maul hält.

Blocken im Spiel im Blog

Um mal das Phrasenschwein zu schlachten: Es ist nicht immer nur „glücklich“, wenn man so ein Spiel gewinnt. Natürlich hat Nürnberg riesige Chancen und muss zumindest eine nutzen. Müsste!

Und natürlich haben wir gewisse Mängel im Spiel. Beispielsweise verlieren wir teilweise viel zu schnell den Ball, wenn wir hoch angegangen werden. Und auch Avevor verursacht einige Bauchschmerzen mit Risikopässen zurück zum Torhüter.

Aber wir haben halt auch die Aufräum- und Ballblockmaschine Hornschuh und ein Team, was in einem Spiel umstellen kann und diesmal viel zuarbeitet. Etwas, was wir zwischendurch bemängelt haben, was diesmal richtig gut von den Jungs gemacht wird.

Und dann hilft das Glück auch den Tüchtigen. Ein Himmelmann-Abschlag findet einen Nürnberger Kopf und poltert zu deren Pech weiter zu Sobota. Waldemar wird jetzt natürlich sagen, dass er das genau so geplant hat. Aber irgendwie sieht es aus, als ob er einfach zum Presseschlag hin gehen will und plötzlich macht es Bumms und drin ist der Ball.

MagischerFC 1. FC Nuernberg St. Pauli September 2017

… haben wir mehr Glück als Verstand

Eine Stärke des FCSP 2017? Wenn er mal eine Führung hat, dann schaukelt er diese auch nach Hause. Und auch Nürnberg hat nur noch eine Minichance nach der Führung.

Allagui ist immer noch nicht gut, aber ein Schritt in die richtige Richtung lässt sich erkennen. Es sieht schon viel besser aus. Litka gefällt uns auch gut. Şahin wieder ist mal ein Thema für eine längere Erörterung.

Wer in seiner kurzen Einsatzzeit noch gefällt, ist Neudecker. Der Junge kann einen Ball ja perfekt verarbeiten. Der könnte echt noch eine Waffe werden.

Feierabend

Wisst ihr was, es Montags nach einem Spiel nicht gibt in Nürnberg? Taxis in Stadionnähe. Aber auch das können wir auch noch lösen und kommen ins Bett.

Fünfter Platz, zehn Punkte, drei Siege – das ist ein passabler Saisonstart, wenn man auf die Tabelle guckt. Und wir dürfen hierbei nicht übersehen, dass gerade schon eine große Verletzungskacke am Dampfen ist. Die Ausfälle wichtiger Leistungsträger haben hoffentlich bald ein Ende – spannend wird dann auch, was für Gerangel um die Stammplätze dann beginnt.

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Aug 282017
 

Yeah Loide, das erste Spiel der Saison zu einem vernünftigen Zeitpunkt – sofern man bei der nachtschlafenden Uhrzeit von 13 Uhr davon sprechen kann. Aber immerhin Sonnabend. Was bei den Heidenheimer Gästen keine Begeisterungsstürme ausgelöst zu haben scheint, denn „Hurra, das ganze Dorf ist da“ trifft es nicht. Ein jämmerlich kleiner Gästeblock in Rot-Weiß-Blau steht da.

Wir sind heiß, nicht zuletzt wegen der angekündigten neuen Choreo über drei Tribünen. Zu diesem Zweck, nämlich Synergien zwischen Süd, Gegengerade und Nordkurve zu schaffen, hat sich der Verein „Das ganze Stadion e. V.“ gegründet. Für 15 Euro im Jahr Mitgleidsbeitrag unterstützt ihr unter anderem aufwendige Sachen wie das, was wir am Sonnabend erleben. Und das ist zweifellos eindrucksvoll – Fotos seht ihr wie so oft bei Groeni.

Einige taktische Beobachtungen

Fußball ist ein Ergebnissport. Das wissen wir alle. Du kannst noch so gut arbeiten und noch so gut spielen, wenn der Ball immer an den Pfosten prallt und der Gegner per Zufall trifft, dann ist das schlecht. Trotzdem muss man auch den Prozess im Auge behalten. Und der war zumindest in Halbzeit eins in die falsche Richtung.

Die Analyse fällt da sehr leicht. In einem 4-4-2 (was es letztendlich doch wieder war) funktionieren wir zur Zeit nicht. Es fehlt die zentrale Kompaktheit, sodass es in der Defensive sehr schwimmend aussieht. Offensiv ist in diesem System Platz für entweder Cenk oder MMD. Wir müssen dann also einen der beiden Spieler, die uns gut Geld kosten und die zentrale Figuren sein sollten, auf die Bank setzen.

Hier muss eine grundsätzliche Frage gestellt werden: Wenn man die beiden weiter verpflichtet, plant man dann auch beide als Stamm ein? Und wenn ja: Wo sollte das in einem 4-4-2 sein? In einem 4-2-3-1 lässt sich das einfacher lösen mit Cenk als Flügelflitzer und MMD als zentrale Figur im offensiven Mittelfeld. Wie das im gewünschten System funktionieren soll? Keine Ahnung. Vielleicht einer als zweite Spitze?

MagischerFC St. Pauli 1. FC Heidenheim August 2017

Damit auch jeder weiß, wie die Tribünen heißen.

Noch etwas fällt auf: Unsere beiden jetzigen Stürmer funktionieren zusammen nicht. Die angedachten Kombinationen zwischen den beiden bleiben aus und Frust ist erkennbar. Das kann alles noch werden und Stürmer sind ja auch von Kleinigkeiten abhängig und dann klickt das plötzlich. Fähig dazu wären beide.

In der Halbzeit dann Umstellung. MMD zwar nicht komplett zentral, aber als Mann, der an seine Mitspieler folgende Nachricht sendet: „Gib mir die Kirsche“ (um mal Lothar Emmerich zu zitieren) und plötzlich haben wir Ballbesitz auch in Zonen, wo es gefährlich sein könnte, und die beiden Außen haben plötzlich Bälle zum Arbeiten.

Mehr Ecken sind die Folge, aber wenig wirklich gefährliche Abschlüsse. Man muss auch mal sagen, dass Heidenheim ein sehr gutes 4-4-2 spielt mit zwei beiden Ketten, die ausgesprochen eng und gut ineinander greifen. Respekt, was da auch taktisch gearbeitet wird.

Irgendwann hat Aziz das 1-0 auf dem Schädel, bekommt aber den Ball nicht gedrückt. Und es ist wie immer bei Stürmern. Hätte er einen Lauf, wäre der unter der Latte eingeschlagen – so geht er drüber. Einen Vorwurf kannst du ihm nicht machen. Er steht gut zum Ball und so eine Fackel musst du erstmal kontrolliert bekommen.

Als dann alle denken, dass wir hier mit einem – nicht mal ungerechten – Unentschieden nach Hause gehen, flippert der Ball durch die Reihen und zappelt dann im Netz. Flummi sei Dank. Seien wir ehrlich: Das ist doch mehr Fußball als jeder ungefährdeter 6-zu-0-Sieg. Der Laden eskaliert und der – sehr gute! – Schiedsrichter pfeift gar nicht mehr an.

Das war wahrscheinlich eine lange Rückfahrt für die ca 700 mitgereisten Heidenheimer.

Noch ein bisschen Randgeschehen

Choreografien zum Einlaufen. Wie häufig muss man es denn noch erklären? Luftballons zum „Herz von St. Pauli“ sind zwar nett, aber sie dann zu zertreten ist doof. So wirkt die tolle Arbeit nicht ganz so, wie sie es soll. Schade.

Hören wir da etwa Pfiffe zur Halbzeit? Das geht ja gar nicht!

Ausblick

Vier Spiele, sieben Punkte, vier Tore – wir sind noch ein gutes Stück von jenen Hoffnungen entfernt, die manche vor der Saison hatten. Aber ein Fehlstart in die Saison ist das auch nicht. Zu Hause ungeschlagen, das behalten wir jetzt einfach bei. Es sind noch 90 Punkte zu vergeben.

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Aug 192017
 

 

„When I put on my uniform, I feel I am the proudest man on earth.“

Roberto Clemente

Ihr müsst Roberto Clemente nicht kennen, der an diesem Spieltag 84 geworden wäre. Roberto Clemente spielte Baseball und meinte hier das Vereinstrikot, die Vereinsuniform. Er verstarb als er mit Hilfslieferungen abstürzte.

Wieviele heutige Profis sind noch die stolzesten Menschen auf Erden, wenn sie die Uniform, das Trikot überziehen? Wieviele Spieler wissen um das Privileg ein Trikot anzuziehen? Und wieviele davon ziehen genau ein Vereinstrikot an?

Regen

Natürlich regnet es genau dann, wenn wir das letzte teilweise unüberdachte Stadion in der 2. Liga besuchen.

Was treibt Menschen eigentlich dazu, riesige Summen auszugeben? Was treibt sie dazu, der Deutschen Bahn zu trauen, dass sie nicht nachts in Ansbach stranden? Was treibt sie zu 14 Stunden in einem unbequemen Bus mit nervigen Busfahrern? Alles für einen unüberdachten Stehblock in einer beliebigen Stadt? Beliebig, weil man sie nicht sieht und sie so nur ein Name auf der Anzeigentafel ist.

Wissen Profis eigentlich, dass sie diese Menschen, diese – ja, nennen wir es so – blinde Leidenschaft, repräsentieren, wenn sie das Trikot anziehen?

Ja, für sie muss es insbesondere auch ein Arbeitgeber sein. Das ist genau das Gegenteil von blinder Leidenschaft und der Gefahr ins Ansbach zu enden. Kein Profi will in dem Ansbach des Fußballs enden. Jeder will nach Barcelona. Aber nun ziehen sie unser Trikot an. Das Trikot was vielleicht in Ansbach auf dem nächtlichen Bahnhof steht. Das Trikot was durchnässt im Block steht und inbrünstig, unermüdlich und heldenhaft auch beim Stand von 0-2 was von „heute gewinnen“ und „Gegner niederringen“ singt. Spürt man als Profi diese Bedeutung?

Vielleicht darf man sie auch nicht spüren? Weil man sonst verkrampft? Aber Roberto Clemente ist Hall of Famer. Er spürte es. Wenn man Totti fragen würde, er würde es spüren. Und auch Totti ist ein Hall of Famer, gäbe es eine Hall of Fame im Fußball.

Was ist los?

Unsere Jungs auf dem Rasen können nicht stolz sein. Es läuft nicht. Kein stolz. Keine gespannte Brust. Nein. Eher Hühnerhaufen. Und dazu Anzeichen dafür, dass die blinde Leidenschaft, dass erleiden von 14 Stunden Busfahrten auch diese Saison selten mit Freude endet.

Zu unkoordiniert wirken unsere 9 und 11. Beide stehen sich regelmäßig auf den Füßen und eine wie auch immer geartete Kombination zwischen beiden findet nicht statt. Stattdessen der Versuch von Flanken der Aussenverteidiger, was nicht deren Stärke ist.

Aber technische Unzulänglichkeiten sind in das Trikot was unsere Jungs hier tragen, über Generationen eingewebt. Und die Liebe will es gar nicht anders. Der 30-Meter-Lauf, der den Abschlag des Torhüters ins Toraus blockt und diesem einen Abstoss beschert, wird von der Tribüne immer mehr gefeiert werden, als der feine Trick, den der Gegenspieler mit der Fußspitze zerstört.

Das Technik und Taktik trotzdem extrem wichtig sind, dies nur am Rande.

Aber der Stolz, nein Paragraph 1 eines jeden Verhältnis, das berechtigt dieses Trikot zu tragen; ja welches das Privileg gibt, dieses Trikot zu tragen, lautet „du läufst und kämpfst bis du auf den Rasen kotzt“.

Und auch da fehlt es unseren Jungs. Der Gegner ist schneller. Er geht die harten Wege. Wir können dies nicht. Pressingversuche sind leicht zu umspielen, da immer ein oder der andere Spieler die Wege nicht geht. Im Mittelfeld werden unsere Jungs teilweise Meter in kurzen Laufduellen abgenommen. Es ist besorgniserregend.

Wollen sie nicht? Können sie nicht? Und wenn sie nicht können, ist die Vorbereitung richtig? Die Belastung zu hoch? Wir wissen es nicht. Analyse tut Not. Denn hier sprechen wir über DNA. Über sine qua non. Ja, auch darüber ob eine Mannschaft, ein Spieler dieses Trikot tragen sollte.

Lasse fehlt. Wir wissen nicht, wie sich Lasse fühlt, wenn er sein Trikot anzieht. Vielleicht ein bisschen stolz. Auch wenn Lasse ganz tief im Herzen am liebsten das 1-0 zur Meisterschaft vor der Süd in Dortmund einschädeln würde. Aber was wir wissen ist, dass Lasse in solchen Spielen eskaliert, Mittelstürmer und Abräumkante in einem wird und läuft wie Irre.

Und als ob die Unzulänglichkeiten im technischen und kämpferischen nicht schon genug wären, kommt auch noch Pech hinzu. Kopfball nach nicht mal zwei Minuten direkt auf den Torhüter, Ball der auf der Linie tanzt, Elfmeter der – zwar nicht gut geschossen, aber hey – nicht rein geht.

All dies sind Zutaten, die für eine lange Saison sprechen. Gibt es ein Happy End?

Im Kleinen schon. Weder ist die Bahnfahrerin in Anspach gestrandet, noch ging unsere Busfahrt ewig und die nassen Klamotten trockneten auch wieder.

Voran St. Pauli. Du bist die einzige Möglichkeit. Und zumindest wir fühlen uns wie der stolzeste Mensch der Welt, wenn wir dieses Trikot tragen. Happy Birthday, Roberto.

(Geschrieben Nachts um 3 Uhr.)

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Aug 162017
 

Schrieben wir doch hier letztens noch über die Kampagne der Vierbuchstabenzeitung gegen „Ultras“. Und plötzlich kommt Hr. Grindel um die Ecke und veröffentlicht eine Stellungnahme , die so gar nicht in die Zeit der Zuspitzung, der Verallgemeinerung und der Verhaltenskriminalisierung passt und hoffen lässt. Natürlich gibt es ein riesiges Misstrauen gegen den DFB, weil schon so viele Gesprächsrunden im Nichts versickert sind und die Herren sich in ihrer Schneise wieder eingegraben haben.

Es bleibt auch vieles abzuwarten und da sind noch ganz viele Gräben zu überwinden, aber wie wir alle wissen, ist der erste Schritt aufeinander zu immer der Schwerste.

Man muss kein Prophet sein, um gerade das Thema „Gewalt“ für ein äußerst schwieriges zu halten und da wird wahrscheinlich noch viel Wasser die Elbe runter fließen, bis man hier zu Lösungen kommt.

ABER! Es ist gut, dass erstmal miteinander geredet wird.

Was in der Mitteilung bemerkenswert ist, sind folgende Sätze:

Der DFB empfiehlt seinem Kontrollausschuss, bis auf Weiteres darauf zu verzichten, Strafen zu beantragen, die unmittelbare Wirkung auf Fans haben, deren Beteiligung an Verstößen gegen die Stadionordnung nicht nachgewiesen ist. Wir wollen für diesen Zeitraum keine Sanktionen wie die Verhängung von Blocksperren, Teilausschlüssen oder „Geisterspielen“. Die Unabhängigkeit der DFB-Sportgerichtsbarkeit bleibt davon unberührt. Wir wollen ein Zeichen setzen, um gemeinsam in den Dialog einzutreten.

Dies ist erstmal ein Vorabzugeständnis des DFB, was Gespräche vereinfacht und den Unsinn der absurden Ausschlüsse erstmal stoppt.

Juristisch ist der Kontrollausschuss als „Staatsanwaltschaft“ ist für eine solche Empfehlung empfänglich, die Sportgerichtsherren (es gibt am DFB-Sportgericht wirklich und ohne Scheiß keine Frauen, wenn sie nicht „Beisitzerin für Frauenfußball“ sind) dürfen es nicht sein, wenn der DFB auch nur annähernd einen Hauch von rechtsstaatlichen Grundsätzen aufrecht erhalten möchte. So ist diese Formulierung clever und gut.

Wenn wir das richtig sehen, kann das Sportgericht keine Strafe über den Antrag aussprechen (anders als z. B. ein Strafgericht), so dass hier auch nicht die Revolution des Hans E. Lorenz zu befürchten ist. Man könnte sich aber auch nicht vorstellen, dass das Sportgericht irgendetwas macht, was gegen den Präsidentenwillen geht.

Ein weiterer Satz macht vielleicht ein bisschen Hoffnung:

Deshalb möchten wir in unseren Verbandsgremien und in der Anfang des Jahres installierten Projektgruppe „Verbandsrecht und Zuschauerverhalten“ den Diskurs über Möglichkeiten zur Verhinderung von Zuschauerfehlverhalten einerseits sowie eine Weiterentwicklung der Sportgerichtsbarkeit intensivieren.

Wir haben hier schon diverse Male unsere Wünsche formuliert. Weg mit einer parallelen Strafgerichtsbarkeit, Konzentration auf die Kernthemen beim Sportgericht. Zuschauerverhalten viel mehr als gesamtgesellschaftliches Thema sehen und vielleicht auch Kompromisse finden. Wie wäre es mit einer teilweisen Pyroerlaubnis? Wenn das jetzt schon einzelne Innenminister andenken … 

Das Herr Pistorius das wie ein Innenminister andenkt, der als gütiger Herrscher dem quengeligen Untertan was zum spielen geben will, aber die  Liebe auch S O F O R T wieder entziehen will, das sei mal jetzt vergessen, wir wollen doch gerade aufeinander zugehen.

Interessant wird sein, ob sich auch „die Ultras“ zu einem vorübergehenden Zugeständnis haben bewegen lassen. So einen vorübergehender Pyroverzicht (als Beispiel) hatte es ja schon mal gegeben.

 

Das soll alles nix mit aktuellen Ereignissen zu tun haben? Wer es glaubt, der glaubt auch Chemtrails. Wenn selbst Fanszenen zusammenarbeiten, die sonst in einer Rivalität stehen, dann kann ein Handlungsdruck aufgebaut werden. Dies zeigt diese Mitteilung.

Spannend ist jetzt, ob der DFB diese Geschichte zwischen Hansa und Magdeburg nun noch anders auflöst. 

(Kurz mal vom Hausjuristen veröffentlicht, ggf. kommen wir im Darmstadt-Bericht noch mal länger drauf zurück.)

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Aug 162017
 

Ach, was willst du machen? Ein wirklich gelebtes Ritual des FCSP ist es, regelmäßig in Runde 1 (bestenfalls Runde 2) des Pokals zu scheitern. Insbesondere gegen Drittligisten. Es ist etwas schwer zu recherchieren, aber der letzte Sieg gegen einen damaligen Drittligisten im Pokal kam wohl 98/99 gegen den SV Meppen. Zu Großvaters Zeiten wurde im Emsland 1-0 gewonnen.

Seitdem? War man entweder selber Drittligist und Pokalschreck oder scheiterte konsequent am drittklassigen Gegner.

So war die Hoffnung in FCSP-Kreisen, auch noch nach diesem Spiel im Lostopf zu sein, eher gering.

Zu allem Überfluss wurde das Spiel auch noch auf Montag 18:30 terminiert und eigentlich hatte jeder vernünftige Mensch nun alle Gründe, das Ergebnis Dienstagmorgen kurz im Videotext zu checken. Aber FCSP-Fan und Vernunft geht irgendwie nicht, sodass sich ca. 2000 Fans unseres Vereines in der heimeligen Paderborn Arena einfinden. Seien wir ehrlich: Mehr Worte über diesen Unfall von einem Fußballstadion zu verlieren, wären rausgeschmissene Zeilen. Nur so viel: Wie man einen solchen Aufgang genehmigt bekommt, der definitiv keine Flucht zulässt, ist und bleibt ein Rätsel.

Generell Paderborn! Schon Heine schrieb, dass die Sonne bei Paderborn ungern aufgehe, und verspottete im Buch der Lieder die hinterweltlerische, ruckständige Mentalität sowie die erzkatholische Heuchelei. Seitdem hat sich in der „langweiligsten Stadt der Welt“ (Bela B.) nicht sonderlich viel geändert, außer vielleicht der Erfindung des ikonischen Paderborner Dosenbieres. Die Kombination der von Heine beschriebenen Mentalität in Verbindung mit dem wohl berühmtesten Paderborner Exportgut kann man während des Spiels auch auf der Gegenseite am Habitus der heimischen Fans begutachten. Kaum ein Klischee der Landjugend-Ultras fehlt.

Was ist dieses Mal nicht Schuld am Nicht-Weiterkommen?

Grundsätzlich das Rotieren. Drei Feldspieler mal rauszunehmen und zu wechseln ist a. keine wirkliche Rotation b. immer mal wieder notwendig. Man kann eine Saison nicht nur mit 14 Spielern bestreiten, von denen 11 immer anfangen. Und man sollte weiteren Teilen des Kaders immer auch mal die Möglichkeit geben, sich im Spiel zu beweisen. Mal ganz davon ab, dass man es garantiert nicht exklusiv an Cenk, Schnecke oder Litka festmachen kann, dass wir ausgeschieden sind.

Auch der Torhüterwechsel nicht. Heerwagen hält, was er halten kann. Und ein, zwei Bälle mehr. Wobei auch ihm ein gefährlicher Abklatscher unterläuft.

Die Fans. Die sind sowieso selten Schuld, aber was der Gästeblock abliefert, ist angesichts Spielverlaufs und der Situation – Pokal gegen einen unterklassigen Gegner – aller Ehren wert. Leider bekommen sich Matze Hain und ein paar Leute nach dem Spiel noch sichtlich verbal in die Haare. Wir wissen weder den Grund noch möchten wir das überbewerten. Lieber ein Verantwortlicher, der nach so einer Frustniederlage mal die Klappen auf hat, als jemand, der sofort emotionslos schon Interviews geben kann.

Der Schiedsrichter hat auch keine Schuld. Das (nebenbei sehr rücksichtslos bis absichtliche) Foul an Sobiech kann definitiv mit Gelb bestraft werden, was vielleicht eine Behandlung auf dem Platz ermöglichen würde, ohne dass Sobiech den Platz verlässt. ABER diese Regel gilt dann, wenn es sich um eine schnell zu beendende Behandlung handelt. Seien wir ehrlich: „Blutet wie Sau“ kann man nicht schnell behandeln. Das der Fußballgott nicht gerecht ist, zeigt sich, dass in der entstehenden Unsicherheit das 2-0 fällt. Das ist nicht fair, belohnt im Endeffekt das Foul, spricht aber unsere Truppe nicht von Fehlern frei. Denn mal ehrlich: Es ist unser Freistoß, aus dem das Tor ensteht.

Das wir am Ende dann mit zehn Spielern mehr Druck entwickeln als vorher, ist dann schon beinah ein Treppenwitz. Klar spielen wir nach dem 2-0 „alles oder nix“ und Paderborn hat teilweise gute Konterchancen, aber endlich baut sich mal so etwas wie Tempo und Druck auf.

Was letztendlich erstaunt: Wir schaffen es die 75 Minuten vorher eigentlich nie, unserem Spiel den Stempel aufzudrücken, aber trotzdem kann es ganz anders stehen. Aziz setzt den Ball vollkommen blank einmal neben das Tor, unser Gegentor ist ein glücklicher Sonntagsschuss. Aber so ist der Fußball noch mal. Und wirklich verdient hätten wir es nicht.

Zurück zum Schiri: Ist das Elfmeter in der letzten Szene? Vielleicht, keine Ahnung, kann man nicht gut sehen aus dem Block. Vom Fernseher aus ein „Kann man geben, muss man aber nicht.“ Hätten wir wahrscheinlich sowieso sonst wohin gebolzt.

Ist das eine taktische Umstellung auf ein 4-1-4-1? Es wirkt aus dem Block so. Dann ist das in so einem Spiel eher nicht zielführend, denn gerade in Halbzeit 1 sieht das teilweise doch sehr nach Hühnerhaufen bei uns aus. Das ist sowieso noch eine akute Schwäche bei uns. Zuviele Ballverluste. Kann man dran arbeiten.

Letztendlich ist das Fazit, dass dies unser Wettbewerb nicht mehr wird, wir unseren Enkeln wenigsten von der 05/06 Saison erzählen werden und wir uns ab jetzt auf die Liga konzentrieren sollten/können/müssen.

Nächste Aufgabe: Darmstadt.

Einige kleine Randbemerkungen

  • Schon vor dem Spiel so voll zu sein, dass man nix mehr mitbekommt und ggf. Sanitäter in Anspruch nehmen muss, ist uncool.
  • Was die Polizei in Paderborn immer erwartet, ist schwer zu verstehen. Erneut sind diverse Polizisten für ein Spiel mit ungefähr keinem Konfliktpotential vor Ort. 10 Prozent davon würden es auch tun.
  • Ordner beim Einlass sehr pingelig, Im Block dann ein Ordner, der sich die ganze Zeit über die Gesänge freut, lächelt und sich noch per Handschlag von den Leuten verabschiedet. Ist mal was anderes.

Es schrieben auch…

… bisher niemand. Aber der Übersteiger war anwesend und könnte noch was schreiben und die Sabine hat auch geknipst, da sollte also auch noch was kommen.

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Aug 022017
 

 

Wie ihr, liebe Lesenden, sicher schon mitbekommen habt, geht der FCSP eine langfristige Kooperation mit dem Premier League-Club Stoke City FC ein, die für beide Seiten wirtschaftliche und sportliche Erfolge bringen soll. Zum feierlichen Auftakt gab es schon mal ein Testspiel am Millerntor. Wir waren dabei und haben uns ein paar Notizen gemacht. Anschließend wollen wir diese Kooperation kurz aus unserer Perspektive kommentieren.

Das Testspiel

Zunächst sei kurz angemerkt, dass der Eintritt mit 3 bzw. 5 Euro (Sitzplatz) durchaus günstig war (da haben wir schon in der Bezirksliga mehr bezahlt) und sicherlich nicht zuletzt deswegen viele Kids aus dem Viertel auf den Tribünen waren, was auch gut ist. Sicherlich ist es für viele nicht immer einfach, an die regulären Tickets zu kommen. Auch 14.500 ZuschauerInnen sprechen wohl dafür, dass es eine gute Entscheidung war, die Preise gering anzusetzen.

Auch neu für uns: die LED-Banden. Ich (es folgt die Einzelmeinung des Schreibenden) muss ganz ehrlich sagen, dass mir die neue Technik erst nach zehn Minuten aufgefallen ist. Sie ist meinem Empfinden nach also nicht aufdringlich, sondern unterscheidet sich wenig von ihren Vorgängern. Dankenswerterweise sollen ja auf aufwändige ablenkende Animationen verzichtet werden und es ergibt sich die Möglichkeit (was ja auch bereits getan wurde) anderen Content zu zeigen, als Werbung: „Love St. Pauli – Hate Fascism“ steht dort zum Beispiel zu lesen. „Resultierend aus der Diskussion hat der Verein eine Selbstverpflichtung formuliert, die vorsieht, dass […] [es] die Möglichkeit zur regelmäßigen Einbindungen von Fanbelangen auf den LED-Banden geben wird“, liest man zum Beispiel auf der Homepage des Clubs. Was genau Fanbelange sind, ist sicherlich zwar nicht weiter ausgeführt, aber vor einem riesigen Fernsehpublikum auch ganz prominent für seine ethischen und politischen Werte zu werben, finde ich sehr reizvoll. Mal sehen, wie lange es dauert, bis der DFB das alles „zu politisch“ findet und verbieten wird.

Und die Palette der neuen Dinge hört damit noch nicht auf: Schweren Herzens mussten wir ja Rainer Wulff verabschieden. Durch das Spiel leitet der neue Stadionsprecher Frank Herzig. Lieber Frank, wir wissen, dass es unglaublich schwer sein muss, eine Größe wie Rainer zu ersetzen – gerade wenn man neu ist. Aber eine kleine Bitte hätten wir an dich: Achte das nächste Mal bitte ein wenig auf deine Begrifflichkeiten. Sätze wie „Wir freuen uns über ganz viel Tradition“ oder die Betonung, dass Stoke City mit Philipp Wollscheid einen Deutschen in der Verteidigung hat, sind eine Rhetorik, die wir wirklich nicht vermissen würden.

Zum Spiel gibt es wenig zu sagen. Stoke City ist wie zu erwarten mit der dritten Mannschaft angetreten, bei der relativ wenig zusammengeht. Beide Teams probierten viel (Zehn Wechsel allein beim FCSP!), trotzdem wirkten die Boys in Brown als Mannschaft eingespielter und weniger zusammengewürfelt. Zwei tolle lange Bälle plus zwei geschenkte Treffer macht am Ende 4:2 für die Richtigen in einem belanglosen, aber doch unterhaltsamen Kick.

 

Kooperation allgemein

Vielleicht noch ein paar Worte allgemein zu Kooperationen und zu dieser Kooperation. Grundsätzlich machen Kooperationen zwischen Unternehmen Sinn. Und zwar selbst dann, wenn sie irgendwo Konkurrenten sind. Und dies gilt auch für Vereine wie Stoke und den FCSP (gleich erläutert). Diese Kooperation soll ihre Grundlage im Sportlichen haben und ist wohl die Erste ihrer Art zwischen Bundesligisten und Premiere League-Verein. Was genau gewollt ist, haben uns die Verantwortlichen lieber nicht verraten, siehe Pressekonferenz 

Auf den ersten Blick erscheint eine Kooperation und auch ein Austausch und ein Zusammenarbeiten in den begleitenden Tätigkeiten eines Fußballvereines sinnvoll. So kann mit gemeinsamen Merch-Einkauf oder Verkauf garantiert Mengenrabatte und Vertriebsstruktur des jeweils Anderen genutzt werden oder im Internetbereich gemeinsam Server gemietet werden oder Social Media-Konzepte erarbeitet werden. Oder im Onlineticketing eine gemeinsame Plattform entwickelt werden. Gerade letzteres erscheint aufgrund des Duopols in diesem Bereich keine schlechte Idee. Oder Oder oder.

Hier soll aber das „Herzstück“ der sportliche Bereich sein. Und da wird es schwierig, sinnvolle Inhalte zu erkennen. Gemeinsames Scouting? Da ist man ganz schnell Konkurrent um die gleichen Spieler und gerade in diesem Bereich gibt es Betriebsgeheimnisse, die man garantiert nicht teilen will. Und sollte. Ausleihgeschäfte? Dafür benötige ich keine Kooperation und das wird auch schnell einseitig. Jugendmannschaftenaustausch? Ja, so etwas kann interessant sein, aber auch dafür brauch ich eigentlich keine Kooperation.

Aus der PK:

„Hier bestehe die Möglichkeit, die Kaderplanung beider Vereine zu koordinieren: „Es geht nicht nur darum, dass wir Spieler ausleihen. Stoke kann uns helfen, Spieler zu verpflichten, die in ein oder zwei Jahren dann so weit sind, dass sie bei ihnen spielen können. Für uns ist es eine Möglichkeit, Spieler zu bekommen, die wir uns nicht leisten können. Für Stoke besteht die Chance, Spieler bei uns spielen zu lassen, die dann irgendwann die Qualität haben, bei ihnen zu spielen.““

Dieses Zitat alleine lässt die Problematik erkennen. Ich arbeite hier nicht auf Augenhöhe und werde schnell Parkplatz für den anderen Verein. Und das ist nicht wirklich eine gute Idee. Kann Stoke im Rahmen der Kooperation dem FCSP Spieler aufdrängen? Was ist, wenn Stoke diesen Spieler genauso entwickeln will, der FCSP aber nicht? Oder andersherum? Beispiel: Stoke braucht absehbar einen Torhüter. Will XYZ Fliegenfänger hier parken und entwickeln. Das geht nur, wenn er spielt. Stand jetzt wäre das sehr schwierig.

Hinzu kommt, dass man Spieler nur bedingt langfristig an einen Verein binden kann. Entweder muss ich das Leihgeschäft nach einem Jahr schon wieder beenden, was nicht wirklich besser wäre, als sonst. Oder aber ich laufe Gefahr, dass irgendwer kommt und den weg kauft. Oder der Spieler weg will.

 

Was man aber auch bedenken sollte ist, dass hier zwei konkurrierende Wirtschaftsunternehmen eine Kooperation eingehen. Das heißt nicht, dass wir Fans, die Fußball ja doch aus einer etwas anderen Perspektive sehen wollen/sollten/müssen nun Stoke cool finden müssen, oder die uns. Gott bewahre. Wenn es dem FCSP etwas bringt, dann kann er auch mit Hansa kooperieren (z.B. im Ticketing), wir als Fans sollen und müssen die dann nicht mögen. Das ist eiskaltes Unternehmertum vs. Fanidentität, ein alter Zielkonflikt im Fußball. Also bitte kein Freundschaftsschal. Ein paar nette Testspiele sind jedoch vollkommen okay.

 

 

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Jul 292017
 

Schlag 13 Uhr ging es, bewaffnet mit einer Dose Bier und einer Rum-Schokolade für unsere Reisegruppe am Millerntor los. Auf der Autobahn gab es lustiges ausweichen und raten von verlorenen Reisegut. Schwimmbrille, Sonnenschirm und so weiter.

In einem Stau wurde es dann scharf als wir einen Brummifahrer erblickten, der mit der Messerspitze aus einer Dose aß, die verdächtig nach Katzenfutter aussah. Mahlzeit.

Nach einem kurzen Stop in Wildeshausen lauschten wir aufmerksam einer der besten Playlist des Landes/der Liga/ des Universums. (Anmerkung: Die Autorin lügt)
Endlich erreichten wir unser Ziel tief im Westen

Da parkte man dann und wanderte zum Imbiss. Currywurst muss im Pott sein. Und da kann man ja noch so lange über den Ort der Erfindung streiten. Am besten machen die das hier.
Nun mussten wir die Reisegruppe teilen. Ein Teil wartete auf Karten, einer anderer holte Getränke und der letzte legte Handtücher aus.

Mal kurz einen szeneinterner Dank: Das klappt immer super und immer fair. Danke Loide.

Es wurden vor dem Eingang Trillerpfeifen verteilt und fanden dann auch ihren Weg in den Block.

Die „Eröffnungsfeier“ wurde vom gesamten Block ausgepfiffen und mit „Haut ab“ und „Scheiss DFB“ Rufen begleitet. Wundert sich darüber noch jemand, wenn ein starrsinniger Verband Würzburg zu einem Kilometer weiten Umzug zwingt anstatt ein Pokalspiel ein paar Minuten eher anzupfeifen? Man hat in Frankfurt anscheinend jegliche Bodenhaftung und jeglichen Kontakt zu Basis und Vereinen verloren.

Anpfiff zur nächsten Zweitligasaison des magischen FC aus Hamburg. 102 Punkte sind zu holen. Und unsere Jungs legten los, als ob sie jeden einzelnen davon jetzt sofort holen wollten.

Dreißig Minuten spielte der fcsp den Verein für Leibesübungen schlichtweg an die Wand. Hätte man jetzt noch einen Abschluss Bochum (Gästeblock nebenbei Hammer textsicher bei Herbies Hymne) hätte sich nicht über ein 3-0 beschweren können.

Aber hätte, hätte Fahrradkette. Und plötzlich stand ein Bochumer blank vor Robin und in alten Zeiten wäre das Gegentor und die Niederlage besiegelt worden. Aber Skyman bleibt am Boden Sieger und wir gehen mit 0-0 zum Pausentee.

Anscheinend haben die Protagonisten auf dem Rasen heimlich die Leiberl (die Österreichische Note) getauscht, denn plötzlich sind die Herren in Blau drückend überlegen. Vielleicht verwirrten auch die gemeinsamen „Scheiss DFB“ Gesänge der Heim- und Gästefans. Aber mehr als Robin mehrfach anzuschießen schaffen sie nicht.

Und dann entscheidet so ein Spiel halt ein Konter.

Halt warte. Noch mal langsam.

Ja liebe Leser. Ein Konter. Und nicht der Marke „einer läuft, alles hofft“, sondern ein klug zu Ende gespielter Konter den Buchti abschließt.

Es ist nicht mal eine Übertreibung zu behaupten, dass im Gästeblock sich wildfremde Menschen in den Armen lagen.

Der Rest der Spielzeit wurde dann relativ souverän über die Bühne gebracht und schon fehlen nur noch 99 Punkte.

Über das überpowern und der dem folgende Abfall wird der Trainer reden müssen, aber sonst war das schon gut.

Und Schnecke. Startelf. Herzchen.

Die Gast-Co-Autorin dieser Zeilen hatte dann kein Bock mehr auf diesen ganzen Hippie Scheiss und vermummte sich und versuchte Ordner zu provozieren. Pech für sie: Ein Meerschweinchen mit einem nassen Wattebausch sieht gefährlicher aus.

Auf der (noch andauernden) Rückfaht beschlossen wir, dass wir eine neue Einlaufmusik bekommen.

Wollt ihr lieber Antifa Hooligan oder Rauch-Haus-Song?

In diesem Sinne: Spitzenreiter!

 

Geschrieben mit Gastautorin C. auf der Fahrt. Danke. 

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