Apr 242019
 

Wenn wir einen Bericht mit einem Songtitel von Phil Collins beginnen, dann ist es schlimm. Sehr schlimm.

Was ist eigentlich in der Winterpause passiert? Warum bricht unser Verein nun so ein? Warum sind wir weg vom Weg in den Himmel 1. Liga? (Keine „Wollen wir Aufsteigen?“-Diskussion an dieser Stelle!)

Die Tabelle seit der Winterpause spricht eine deutliche Sprache:


Bild ist von liga2-online.de

Es gibt die einfachere Variante und die komplizierte Variante der Analyse. Die einfache Variante ist populistisch, zufriedenstellend und wahrscheinlich falsch.

Die komplizierte Variante ist nicht ohne Weiteres zu verstehen, mit Ungenauigkeiten versehen und wahrscheinlich der Wahrheit näher.

Wir präsentieren euch beide. Und ganz viel mehr.

Vorab

Was ist der FCSP 2018/2019 eigentlich für eine Mannschaft? Und da ist es eigentlich ganz schön, dass Tim vom Millernton immer wieder Analysen veröffentlicht und wir ihn hier zitieren können:

„Der FCSP ist eine Umschaltmannschaft. So wie Sandhausen. So wie Aue. Das tut weh.“
(Aus dem Derby-Nachbericht; das hat sich auch laut Tim geändert.)

Und (das ist etwas aus dem Zusammenhang zitiert):

„Gerade den beiden Sechsern kommt bei dieser Formation eine Schlüsselrolle zu“ (aus einer grundsätzlichen Analyse )

Das stimmt immer noch. Auch wenn wir nicht mehr mit zwei Sechsern spielen. Warum? Später.

Tim liefert auch Argumente für die einfache Variante:

„Die Ergebnisse sind beim FCSP momentan besser als die Qualität der Spiele, wenn man die xG-Daten als Grundlage für die Bewertung nimmt. Diese Überperformance nehme ich gerne mit, weiß aber die eigene Stärke dann etwas besser einzuschätzen und verspreche mich nicht aufzuregen, wenn wir dann gegen Regensburg 0-3 hinten liegen…“

(Wichtig ist hier der Zeitpunkt, an dem er es geschrieben hat. Das ist vom 14.11.2018. Warum ist das wichtig? Später.)

Und für die komplizierte Variante:

„Taktik ist natürlich nicht alles. Mindestens genauso wichtig ist die Verfassung der Spieler, auch die mentale. Es lässt sich nicht herausfinden, ob es die Umstellungen waren oder das Vertrauen der Spieler in sich selbst und die taktische Ausrichtung, die den Erfolg gebracht haben.“

(Gleicher Artikel; auch dazu später.)

Das ist das gute alte „Einstellung schlägt Aufstellung“. Was eigentlich wieder eine sehr einfache Formel ist.

Soweit von Tim, genutzt mit freundlicher Genehmigung des Autors

Nun zu den Erklärungsversuchen:

Die einfache Variante

„Wir hatten in der Hinrunde sehr viel Glück. Das ist die Normalform.“

oder

„Das stimmt in der Mannschaft nicht. Das sind überbezahlte Profis, die sich nicht einsetzen, und es muss der große Wechsel her. Wir steigen ab!“

oder

„Die Sportpsychologin ist schuld.“

Quelle: Zweimal Twitter (sinngemäß) und einmal Hamburger Abendblatt (sinngemäß). Und da sinngemäß nicht als Zitat abgesetzt.

Dazu eine Anmerkung, liebes Abendblatt: Dieser Artikel ist ziemlicher Rotz. Er endet mit einem „sie sammelt schön die Bälle ein“ Absatz, der schön das Klischee von „Frau hat sowieso keine Ahnung von Fußball“ bedient. Er hinterfragt null, ob sie überhaupt so tätig werden kann, wie sie möchte, und er zieht eine Person in den Mittelpunkt, die garantiert nicht das Training leitet. Ja, man kann die psychologischen Betreuung der Mannschaft hinterfragen, siehe z. B. unsere Derby-Analyse, aber nicht so.

Die komplizierte Variante

Vergleichen wir mal die Hin- mit der Rückrunde. Achtung! Für die jetzt folgenden Betrachtungen ist das Magdeburg-Heimspiel als „Hinrunde“ deklariert. Das ist technisch zwar nicht richtig, aber die Winterpause ist die eigentliche Zäsur.

XG-Werte

Vor der Winterpause hatten wir in 10 Spielen den höheren XG-Wert als der jeweilige Gegner (wer nicht weiß, was das ist, der gucke hier) in 8 den niedrigeren (laut wyscout.com). Wir hatten am Ende 10 Siege, 4 Unentschieden, 4 Niederlagen. Setzt man jetzt mal den höheren XG-Wert mit „an diesem Tag waren wir die bessere Mannschaft“, dann passt zueinander.

Das ist kein Widerspruch zu dem Zitat von Tim, insbesondere in den Spielen nach seinem Artikel hatten wir regelmäßig einen höheren XG-Wert als der Gegner. Und hatten auch unsere beste Phase in der Saison.

Man muss XG nicht für die absolute Wahrheit halten, aber es ist immerhin ein grober Indikator der objektiven Leistung und Leistungsfähigkeit. Und selbst wenn Glück in Spielen eine Rolle gespielt hat (und da hat Tim ja absolut Recht), so ist es eben doch nicht so, dass wir in der Hinrunde „nur“ Glück gehabt hätten und es nun einfach ein Rückfall auf ein durchschnittliches Glück wäre.

Indiz? In der Rückrunde geht der direkte Vergleich der XG-Werte mit dem jeweiligen Gegner 4-8 aus. Fun fact dabei: Eines der Spiele, wo wir diese Wertung gewonnen haben, ist Sandhausen. Da war von denen aber auch jeder Schuss ein Treffer.

Who-Scored- und Laufwerte

Wir haben dann mal die Who-Scored-Werte (was das ist: Siehe hier) und die Laufwerte als sogenannten gleitenden Mittelwert (hier erklärt) der jeweils letzten drei Spiele in eine Tabelle gepackt.


(Quelle: magisches Zauberexcel und whoscored.com)

Da ist ein deutlicher Einbruch in der Rückrunde erkennbar. Zwar versucht man, sich in den Laufwerten wieder herauszuziehen, aber die Who-Scored-Werte bleiben niedrig. Und die umfassen halt eine sehr breite Leistungsdarstellung.

Wir hatten unsere beste Zeit direkt vor der Winterpause, seit der Winterpause geht es steil bergab. Neben der Abwärtsbewegung ist auffällig, dass wir in der Hinrunde sehr konstant in diesem geglätteten Durchschnitten waren. Heißt auch, dass auf ein mieses Spiel schnell wieder ein Gutes folgte und man insgesamt eher an seinem Durchschnitt blieb. Oder etwas anders formuliert: Wir spielten so, wie wir es konnten, und dies in nahezu jedem Spiel. Auch das sieht nach der Winterpause gerade bei den Laufwerten doch anders aus.

Positiv: Wir zeigten eine Reaktion. Negativ: Sie hat an den eigentlichen Noten wenig geändert.

Entsprechend verhält sich auch der Punkteschnitt aus den jeweils letzten drei Spielen:


Quelle: magisches Zauberexcel

Abgefangene Bälle

Was lustig ist, ist die Statistik abgefangene Bälle. Die sollte man natürlich mit ein bisschen Vorsicht genießen, da sie nicht aussagt, wo der Ball abgefangen wurde.

Wir mögen jetzt keine Umschaltmannschaft mehr sein oder zumindest wollen wir das mit dem gerade favorisierten 4-1-4-1 nicht. Aber wir hatten unsere besten Spiele immer dann, wenn dieser Wert hoch war. Im Schnitt der bisher absolvierten 30 Spiele liegt dieser Wert bei 48 abgefangenen Bällen.

In der Rückrunde lagen wir genau dreimal über diesem Schnitt (Köln, Ingolstadt, Paderborn) und meistens deutlich darunter (was dann ja rein mathematisch wieder den Schnitt senkt). (Auch alles laut wyscout.com.)

Die zentralen Mittelfeldspieler

Dies ist nicht die Normalform. Warum?

Nach den Who-Scored-Noten ist Marvin Knoll unser bester Stammspieler. (Nur Schnecke ist im Schnitt besser.) Sein Schnitt von 7,23 macht ihn den 14.-besten Spieler der gesamten (!!!) zweiten Liga. (256 Spieler sind insgesamt erfasst, die Spieler müssen eine Mindestanzahl an Spielen haben.) Gemessen über alle Positionen. Sein Schnitt in den letzten 10 Spielen ist 7,00. Dies klingt nicht viel, wäre aber nur noch Platz 60 von 254. In der Saison 17/18 bei Regensburg? 7,31

Bei den anderen Spielern, die irgendwie „zentrales Mittelfeld“ in der Jobbeschreibung haben, sieht es nicht anders aus:

Buchti ist mit seinen 6,81 auf dem 115. Platz; die letzten 10 Spiele bei 6,55, was gleichbedeutend mit Platz 210 wäre. In den Saisons davor? 7,09; 7,04; 6,96

Flum hat einen Durchschnitt von 6,43 (Platz 234), in den letzten 10 Spielen 6,2. (Das wäre Platz 259 von 259 erfassten Spielern. 258. ist nebenbei Jan-Fiete. Und ja man kann sich fragen, warum man mit Flum verlängert hat. Insbesondere weil bei ihm jetzt natürlich irgendwann eine Abnahme der Leistungsfähigkeit durch das Alter ein Thema wird.) In den Saisons davor? 6,66; 6,45; 6,24.

Dudziak hat einen Durchschnitt von 6,85 (wenn im Mittelfeld eingesetzt nebenbei gut über 7), in den letzten 6 Spielen (mehr hat er nach der Winterpause noch nicht absolviert) 6,12 (wäre auch der schlechteste Wert von allen erfassten Spielern). In den Saisons davor? 8,90; 6,85; 6,62

Dazu zwei Anmerkungen:
1. Die schlechten Spiele nach der Winterpause reduzieren die durchschnittlichen Werte.
2. Alle Spieler sind auch in den Vorsaisons weit über ihren Werten nach der Winterpause gewesen. Sie sind also ziemlich sicher zu mehr in der Lage, was das Talent angeht.

Wenn diese vier Spieler aber ihrer historischen Form hinterherlaufen, dann wird es ziemlich schwierig, ein vernünftiges zentrales Mittelfeld aus unserem Kader zu bauen, egal in welcher Formation man spielen will und egal, ob man nun mit einer Sechs, einer Doppelsechs, einer Acht oder einer Zehn spielen will.

Hinzu kommt, dass weitere Alternativen verletzt sind oder waren. Das erklärt auch, warum Kollege Becker Spielzeit bekommt. Und aus dieser Chance bisher ja auch viel macht.

Andere Baustellen

Wir haben einen Stürmer in unserem Kader, der unter dem neuen Trainer noch nicht einmal aufs Tor geschossen (!) hat, nämlich Alex Meier. In den letzten sechs Spielen hat er dreimal aufs Tor geschossen. Inklusive dem Elfmeter in Kiel. In den vorherigen sechs Spielen hingegen schoss er achtmal aufs Tor.

Die Aussagen

Es ist auch immer spannend, sich die „Stimmen nach dem Spiel“ durchzulesen. Hier mal exemplarisch nach dem Heidenheimspiel. https://www.fcstpauli.com/news/die-stimmen-nach-dem-spiel-in-heidenheim-1819/

Flum sagt z. B.

„Das ist kein Kopf-Problem, das ist ein Zweikampf-Problem, wenn man sieht, wie wir die Zweikämpfe angehen und wie Heidenheim sie angeht. Wenn wir so spielen, werden wir hier nie einen Punkt holen.“

Das entspricht auch unserem subjektiven Eindruck, dass es da an körperlicher Präsenz unserer Mannschaft fehlt. Man hatte immer das Gefühl, unsere Spieler würden an den Gegnern abprallen wie ein Flummi (no pun intended) an einer Wand.

Sportchef Rettig sagte:

„Nach der zweiten Halbzeit gegen Bielefeld und den guten Eindrücken der Trainingswoche fehlen mir gerade die Worte.“

Das Training können wir nicht aus erster Hand beurteilen, aber ein regelmäßiger Trainingskibitz sagte uns schon vor dem Kiel-Spiel, dass der Unterschied zwischen Trainingsleistung und Leistung im Spiel teilweise groß sei. Dafür kann es mehrere Gründe geben.
Grund 1: Ohne Vergleich sieht alles richtig cool aus.
Grund 2: Der Aufbau der Trainingswoche ist falsch, die Jungs verschießen ihr Pulver im Training.
Grund 3: Es ist doch ein Kopfproblem.

Oder alles im Mix und kumuliert.

Robin Himmelmann sagte:

„Wir haben uns zu schnell den Schneid abkaufen lassen und uns mit dem eigenen Spiel selbst sehr schwergetan. Als Team war das nicht gut und das hat auch nichts mit System oder Taktik zu tun.“

Ersteres passt zu dem bei eben gesagten. Letzteres bestätigt Tim in seiner Analyse über das Heidenheim-Spiel. Wir zitieren noch einmal ein bisschen aus dem Zusammenhang: „Das 4-1-4-1 des FCSP greift diese Formation eigentlich gut auf, da die breite Staffelung der Heidenheimer durch zwei Viererketten gut aufgenommen wird.“

Taktik passt also eigentlich halbwegs zum Gegner. Aber Einstellung schlägt dann eben doch Aufstellung.

Und nun?

Keine Ahnung, diese Saison ist gelaufen. Aber Ziel in der nächsten Saison muss es sein, dass wir zumindest wieder Stabilität annehmen. Ob das dann in einer schlechteren 2. Liga zu unseren Zielen passt, wird sich zeigen müssen. Aber insbesondere unsere zentrale Mittelfeldachse muss wieder zu ihrer historischen Normalform finden. Alleine dies würde zu einer besseren Leistung der Truppe führen.

Wir wissen nicht die Gründe, aber im Winter hat es einen erheblichen Bruch gegeben. Liegt das an einem falschen Trainingsansatz im Winter? Waren irgendwelche Ansagen falsch? Dies gilt es sehr kritisch zu hinterfragen und abzustellen.

Apr 212019
 

“Wir fahren ohne Angst nach Heidenheim” lies sich unser Trainer vor dem Spiel in Heidenheim zitieren.

Ein kluger Mensch schrieb darauf, dass er auch keine Angst habe, weil er ja wisse was ihn erwarte.

Eine ebenso kluge Mitfahrerin verglich den FCSP mit einem Fuck Boy, der einem Schlaf und Geld raubt, immer enttäuscht und bei dem es keinen rationalen Grund gibt bei ihm zu bleiben.

Und es wäre nicht der FCSP, wenn er diese Erwartungen nicht in auf ganzer Linie erfüllen würde.

Ach würde er doch nur einmal diese Erwartungen nicht erfüllen. Nur einmal!

Der Tag fing eigentlich ganz toll an.Aufstehen um 3 Uhr, ICE bis Nürnberg, Eierlikör, eigenes Taxi zum Grillplatz. Dort hatten die Ultras ein Menü gezaubert. Danke an alle, die sich hier den Arsch aufgerissen haben. Ganz großes Herzchen.

Es wurde schon schlechter als am Eingang die Krebsvorsorge der Geschlechtsteile gleich mit erledigt wurde. An die Brüste fassen, an die Hoden greifen? Alles wirklich nicht erlaubt, aber in Heidenheim stört das niemanden.

Der Gästeblock war in Form. Ging gut ab, schaltete irgendwann in Quatschmodus, als es nix mehr zu gewinnen gab. Ganz starke Leistung.

Ganz schwach hingegen die Trottel, die vor dem Spiel irgendwelche sexistischen Trinksprüche zum Schlechtesten gaben. Gut, dass sie sofort eine entsprechende Ansage bekamen.

Ebenso nervig sind die Hohlbratzen, die durchgehend den Block abfilmen und es auch nicht unterlassen, nachdem man sie erst freundlich, dann unfreundlich darauf hinwies. Der Höhepunkt war dann, dass dann noch Toleranz eingefordert wird. Toleranz? Wenn man gezwungen Darsteller in deinem verfickten Heimvideo wird, dann ist Toleranz nicht wirklich ein Thema.

Auf dem Platz?

Finn Herzchen Ole Herzchen Becker Herzchen

Danke Bezugsgruppe, danke Ultras, dass ihr den Tag gerettet habt.

Unser Tag wird kommen.

Apr 102019
 

USP versuchte in Kiel ein neues Lied einzuführen. Daraus entwickelte sich der gleich wiedergegebene Dialog und jetzt ein Gastartikel von @stachelflosse wie wir das nächste Lied einführen werden. Aber lest selbst:

„Also in der Schule würde ich ein Lied anders einführen. Das kann man didaktisch schöner lösen.“ „Ja, dann schreib doch einen Gastbeitrag und erklär mal wie das richtig geht.“ Tja und jetzt sitze ich hier. 

Ein kleiner Disclaimer vorweg; Das Folgende hat keinen Anspruch auf pädagogische oder didaktische Perfektion. Und wäre in der Schule so auch nicht umsetzbar. Es ist mehr oder weniger der Versuch die Einführung eines Liedes in der Grundschule auf den Gästeblock in Kiel zu übertragen. Das ist weder ernst gemeint, noch als Kritik zu verstehen. Ihr macht das super, liebe Ultras. Ich möchte keinem Haufen von 1000+ Chaot*innen ein Lied beibringen müssen. Meine 25 reichen mir schon. 

Sachanalyse 

Ein Lied lässt sich grob in drei Komponenten aufteilen: Text, Melodie und Rhythmus. Grundsätzlich sind diese Elemente in einem Lied gleichwertig und sollten deswegen auch alle erarbeitet werden. Allerdings ist dies auch immer vom Schwerpunkt, von der Art des Liedes und dem Kontext abhängig. Der Text des zu erarbeitenden Liedes lautet wie folgt: 

Ja, wenn die braun-weiß-roten Fahnen 

Durch den Abendhimmel weh’n

Und die ganze Meute brüllt, 

was sie für Sankt Pauli fühlt. 

Dann wissen alle sofort, 

sie sind am richtigen Ort. 

Oh, Sankt Pauli

Oh, Sankt Pauli 

Melodisch bezieht sich dieser Text auf folgende Verse des Liedes „I will survive“ von Gloria Gaynor: 

Just turn around now

‚Cause you’re not welcome anymore

Weren’t you the one who tried

to break me with goodbye

Do you think I’d crumble

Did you think I’d lay down and die?

Oh no, not I,

I will survive

Musikalisch ist das zugrunde liegende Lied in A-Moll gehalten. Die zyklisch wiederholte Akkordabfolge lautet Am, Dm, G, Cmaj7, Fmaj7, Bm7 b5, Esus4 und E. Die Grundtonart wird hierbei in Aufwärtsschritten (Quarten) oder Abwärtsschritten (Quinten) durchlaufen, wobei auf jedem Ton der leitereigene Dreiklang gespielt wird. Daraus ergeben sich die Grundtöne. Das Lied ist im 4/4 Takt geschrieben mit 120 BMP. Der Song ist musikalisch sehr komplex, weswegen er schon früh für Coverversionen vereinfacht wurde. Für das Stadion bedeutet dies, die Komplexität auf ein Minimum zu reduzieren. Dies garantiert die Umsetzbarkeit und vereinfacht das Lernen des Liedes in der relativ kurzen Zeit. 

Didaktische Reduktion 

Für den Block ist es wichtig, die Melodie, den Text und den Klatschrhythmus zu kennen. Der Hinweis auf welchem bekannten Lied der neue Text basiert, unterstützt das Lernen, da auf schon vorhandenes Wissen zurückgegriffen werden kann. Diese Vernetzung sorgt für ein leichteres und tiefergehendes Lernen. Melodisch sollte das Lied an eine für eine große Menge Menschen angemessene Tonlage angepasst werden. Ist das Lied zu tief oder zu hoch, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ein Teil des Blocks nicht mitsingt. Dadurch geht dem gesamten Block Volumen und Lautstärke verloren. Es reicht, wenn dem Block nur der Text schriftlich zur Verfügung gestellt wird, da alle anderen Angaben für das performen des Liedes nicht relevant sind bzw. das Lied melodisch und rhythmisch vor allem nach Gehör und Nachahmung gelernt wird. 

 

Lernstandsanalyse 

Grundvoraussetzung, um eine Liedeinführung planen zu können ist zu wissen, auf welchem Wissenstand der Block ist. Es ist davon auszugehen, dass das Lied und dessen Melodie (fast) jedem bekannt ist. Allerdings ist hierbei darauf zu achten, dass ein Lied kennen und ein Lied melodisch richtig singen, zwei verschiedenen Sachen sind.

Deswegen empfiehltes sich auch bei so einem bekannten Lied, die entsprechenden Verse zu wiederholen und genau einzuüben. Für den Zweck des Singens im Stadion ist zudem zu beachten, dass Lautstärke in vielen Fällen vor melodischer Richtigkeit steht. Deswegen ist es unbedingt nötig den Block gut auf den Gesang vorzubereiten. 

Da der neue Text nur einer kleinen Gruppe vorab bekannt ist, ist es von Bedeutung diesen genau zu besprechen und auch sicherzustellen, dass dieser (zumindest einigermaßen) sicher sitzt, bevor weiter am Lied gearbeitet wird. Dies kann auf vielfältige weiße geschehen. Optische Hilfen, wie Textzettel, dienen hier zur Unterstützung. Da der Block acapella bzw. nur mit der Unterstützung einer Trommel singt, sollte der Text rhythmisch gut eingeschult werden. So bietet es sich zum Beispiel an, den Text zu erst gemeinsam im richtigen Rhythmus zu sprechen, bevor an der Melodie gearbeitet wird. Dies erleichtert außerdem den Übertrag des neuen Textes auf die schon bekannte Melodie. 

Es ist zudem zu beachten, dass es sich um eine sehr heterogene Gruppe handelt, die mit unterschiedlichen Vorerfahrungen in den Block kommen und sich die Zusammensetzung des Blocks bis auf einen bestimmten Teil von Spiel zu Spiel ändert. Daraus folgt, dass es für die Erarbeitung unbedingt nötig ist, dem Kern des Blocks, das Lied intensiver näher zu bringen, als dem wechselnden Teil. Der feste Kern der Gruppe ist somit in der Lage, ihr Wissen an den nächsten neu zusammengesetzten Block weiterzugeben. Die permanente Veränderung des Blocks, ist zudem der Grund, weswegen das Lied an einem Spieltag erarbeitet und präsentiert wird. Da ein Großteil schon reichlich Erfahrungen im Erlernen neuer Lieder im Kontext Stadion hat, ist davon auszugehen, dass dies ohne größere Schwierigkeiten funktioniert. Dennoch sollte das Lied auch an den nachfolgende Spieltagen regelmäßig gesungen werden um das gelernte zu festigen. 

Verlaufsplan

Zeit/ Artikulation

Geplanter Verlauf

Organisation

Aufwärmen 

11:55 Uhr – 

12:05 Uhr  

Vorsänger macht Aufwärmübung vor

Block macht nach

Körperaktivierung

Öffnen der Resonanzräume

(dehnen, strecken, hüpfen)

Atmung

Zwerchfellaktivierung

(hecheln, pusten, tief durchatmen, gähnen)

Stimme

Registerausgleich (nach oben / unten)

zunehmende Erweiterung des Tonraums(Terzen singen, Halbton höher, Halbton tiefer)

Sprache

Teile der Melodielinie dazunehmen 

Plenum (evtl. In Kleingruppen), 

Trommel, Megaphon 

Texterarbeitung

12:05 Uhr – 

12:15 Uhr  

B. liest Text für sich selbst 

Gemeinsames lesen des Textes 

Erst frei dann im Rhythmus 

V. spricht vor B. spricht nach

Von einzelnen Gruppen wiederholen lassen 

Plenum, Megaphon, Trommel 

 

Gruppen 

Rhythmuserarbeitung

12:15 Uhr – 

12:25 Uhr 

Im Rhythmus klatschen 

Trommel dazunehmen 

Tempo langsam steigern 

Text dazu nehmen

Mehrmals wiederholen

Plenum, Trommel, Megaphon 

Melodieerarbeitung

12:25 Uhr – 

12:45 Uhr  

V. singt Lied einmal vor. 

Call-and-response 

V singt einen Vers vor 

Block singt nach (mehrmals) 

Falls nötig: Tonhöhe anpassen! 

Wiederholung schwieriger stellen 

Singen in unterschiedlichen Gruppen

Call-and-respons 

Megaphon 

Plenum 

Gruppen 

Trommel

Sicherung 

12:45 Uhr – 

13:00 Uhr  

Wiederholtes Gemeinsames Singen 

Klatschen langsam dazunehmen 

Tempo steigern

Lautstärke variieren

Singen mit/ohne Trommel 

Singen mit/ ohne V. 

Plenum 

Trommel 

Megaphon

Präsentation

Ab 13:00 Uhr 

Singen des Liedes 

Plenum, Trommel, Megaphon

 

Ob das so in Realität funktionieren würde? Wahrscheinlich nicht. Es wäre aber bestimmt lustig zu sehen, wie der Block darauf reagiert, wenn unsere Jungs auf dem Zaun erst mal mit allen Dehn- und Stimmübungen machen wollen.

Apr 082019
 

Liebe Lesende, so richtig Spaß macht das alles gerade nicht. Und damit meinen wir hier jetzt einfach mal nur die Darbietung unserer Mannschaft auf dem Platz.

So einfach

Es wäre diese Saison sehr einfach gewesen, die “MillerntonMaik-Spiele” zu erreichen und mit Stuttgart (oder Nürnberg oder Augsburg) einen Platz in Liga 1 auszuspielen. Klar, die Erfolgsaussichten sind gering und die mittelfristigen Folgen der Teilnahme an einer Relegation nicht immer gut (Küsschen nach Braunschweig), aber in einem professionellen Umfeld sollte man diese kleine Chance an den Haaren herbeiziehen wollen und das bestmöglichste auf den Platz bringen.

Das schaffen wir zur Zeit nicht wirklich. Es stimmt hinten und vorne nicht auf dem Platz. Ja klar, auch in der Hinrunde waren die Darbietungen nicht immer überzeugend, aber im Notfall hat man das immer notwendige Glück einfach erzwungen. Oder hat alles reingeschmissen und dann verloren. Remember Wiesbaden?
Diese Brisanz, dieses Feuer fehlen ebenso wie eine bessere, flexiblere taktische Ausrichtung.

Keine gute Figur

Nun macht unser Trainer in dieser Krise zumindest öffentlich nicht gerade die beste Figur und in unserem Slack ist schon mehrfach eine Ablösung diskutiert worden. Vielleicht würde unter einem neuen Trainer alles Besser? Oder doch nicht? Dagegen spricht, dass wir nun ja auch in den Jahren vor Kaucze immer wieder mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatten und der sportliche Erfolg nun wirklich sehr beschränkt war. Und klar, Fußball ist ein Tagesgeschäft. Nach dem Spiel gegen Sandhausen sagte Stöver in einer Hamburger Zeitung, dass die Situation nach den beiden Niederlagen nicht mit Janßen vergleichbar sei, da habe man ja sechs bis sieben mal hintereinander nicht gewonnen. Damals wahrscheinlich noch in der Hoffnung, dass man gegen Duisburg gewinnt, hat er damit natürlich jetzt nach dem vierten sieglosen Spiel ein Ultimatium gestellt, ohne eines stellen zu wollen. Nun lässt sich Stöver zitieren, dass Kaucze die Mannschaft schon mehrfach aus solchen Situationen geführt habe. Nun ja, in seiner Amtszeit kann man 1-10 Tore mit einem Punkt aus vier Spielen zwar an einem Finger abzählen, und eine ähnlich negative Serie gab es nur zum Ende der letzte Saison, als wir aus 7 Spielen 3 Punkte holten. Also einmal bisher. Hoffen wir mal, dass er mit seiner grundsätzlichen Einschränkung Recht behält. Für die Gesundheit von uns allen. Wir kommen als alte Pessimist*innen aber nicht drum herum, im Folgendem doch ein paar Zweifel einzustreuen.

Das öffentliche Auftreten unseres Trainers ist Vorsicht formuliert verbesserungswürdig. Wir wissen nicht, wie er intern agiert und was intern wie besprochen wird. Daher beschränkt sich unsere Analyse natürlich auf den Ausschnitt, den wir wahrnehmen.

Da wird vor dem Duisburg Spiel von einem „starken Gegner” gesprochen, die waren damals Tabellensiebzehnter, auch wenn die in jüngster Vergangenheit ganz ok gespielt hatten. Aber verdammt noch mal! Wir waren da Vierter mit 4 Punkten auf den Relegationsplatz!
Da wird in mehreren Pressekonferenzen davon gesprochen, dass wir „keine Spitzenmannschaft“ seien. Wir sind nun wirklich nicht im Hauptberuf Fußballmotivationskünstler, aber müsste in Pressekonferenzen nicht eher die eigene Stärke noch mal herbei geredet werden? So ein klein machen würden wir uns als Spieler jedenfalls zu Herzen nehmen.

Fragen über Fragen

Keine Ahnung, ob hier Druck genommen werden soll, uns erscheint das schon sehr kontraproduktiv. Und mal ganz ehrlich: Der Druck in diesem Verein ist nun echt gering. Wir haben eine tolle Hinrunde gespielt und wollen die halt nun veredeln. Zumal es ja nun mehr als einen Spieler in diesem Kader gibt, die mehrfach betonten, wie toll es ist, dass die Fans auch in schwierigen Zeiten voll hinter der Mannschaft stehen.

Wir wissen nicht, welche Dynamiken in der Mannschaft um sich greifen, aber von außen und dem Ergebnis nach betrachtet wirkt das alles gerade nicht gut. Dabei hatte man in der Hinrunde schon das Gefühl, dass sich der FCSP taktisch auf seine Stärken konzentriert und auch auf taktische Züge des Gegners reagieren kann. Könnt ihr bei den taktischen Analysen des Millernton nachlesen. Es scheint da also irgendwie eine Kompetenz da zu sein. Wo ist all dies nun geblieben?

Auch der Umgang mit Spielern in einer Leistungskrise erscheint wenig zielführend. Mal Bank, dann Tribüne, dann wieder Startelf und nächstes Mal wieder Tribüne? Flum als Kapitän(sersatz für Nehrig) spielt plötzlich gar keine Rolle mehr. Ohne irgendeine Erklärung. Dabei ist doch gerade er als „erfahrener Spieler“ vor der Saison gelobt worden? Und ausgerechnet Flum hatte vor einigen Wochen ja auch die Einstellung anderer Spieler im Kader öffentlich kritisiert. Das passt doch alles nicht zusammen.

Auffällig ist der Leistungsabfall bei vielen Schlüsselspielern. Nehmen wir mal Knoll als Beispiel: Es ist wahrscheinlich auszuschließen, dass so ein Spieler wie er keinen Bock mehr hat. Der Typ ist doch der lebende Bock. Aber aus dem Dominator im Mittelfeld ist ein vollkommen unauffälliger Spieler geworden, der überhaupt nicht mehr in seine aggressive Spielweise kommt, die ihn so ausgezeichnet hat. Wir mussten auf der Heimfahrt aus Kiel tatsächlich kurz nachgucken, ob er überhaupt gespielt hatte.

Waren die Trainingsinhalte im Winter falsch, war der Formaufbau nicht richtig getimed?
Wir wissen es nicht, aber die hier bereits zitierten Laufwerte direkt nach der Winterpause wären zumindest ein Indiz (aber auch nicht mehr) dafür. Oder gibt es irgendwelche kleine Verletzungen die er und andere versuchen zu überspielen?

Über die immer wiederkehrenden Floskeln in der Außendarstellung haben wir bereits in unserem Rant geschrieben. Man möchte sich beinah mal eine zweite Stimme bei der PK wünschen (früher gingen da mal Spieler mit hin, aber das war wohl früher auch Pflicht), nur damit mal eine Auflockerung drin ist.

Nun kann man natürlich den Trainer als Sündenbock definieren und so ganz schuldlos ist der meistens auch nicht. Aber das ist eben immer nur die halbe Wahrheit. Wenn unsere Erinnerung uns kein Schnippchen schlägt, dann war es unser Präsident, der mal sagte, dass eine Trainerentlassung auch immer heißt, dass das ganze sportliche System in einem Verein versagt hat. Und da hat er natürlich Recht. Denn in einem guten System gäbe es eine Qualitätskontrolle, Frühwarnsysteme und genügend vertrauenswürdige Stimmen, die einem Trainer frühzeitig neue Ideen mitgeben und ihm seine Arbeit erleichtern.

Dieses System gibt es bei uns anscheinend noch nicht.

Was auffällt ist, dass dieser Kader immer dann funktioniert, wenn er muss. Siehe die beiden Heimspiele am Ende der letzten Saison. Was dieser Kader jedoch nicht kann, ist Spannung über einen langen Zeitraum hochzuhalten oder diese wirklich mal auch in Sandhausen zu haben.

Und in der Winterpause ist diese Spannung komplett verloren gegangen und sie kam nur noch einmal in Paderborn zu einem Kurzbesuch vorbei. Seitdem? Die ganze Luft raus. Ein Spiel gegen Union, bei dem man durch einen Elfmeter doch noch knapp gewinnt, nachdem man vorher fast 2 Punkte verschenkt hatte. Ein glückliches Tor gegen den Tabellenletzten, der offensiv zerfällt und eine gute Defensivleistung gegen Paderborn. Das war’s.

Es gilt dringend die Ursachen dafür zu analysieren. Was hat sich in der Winterpause verändert? Was für Vorgaben gab es wann? Wie war die Ansprache? Haben die Vertragsverlängerungen eventuell Spannung genommen? Was würde dies über den Charakter der jeweiligen Spieler aussagen? Etc. Etc.

Und so toll die Amerikareisen für die amerikanischen Fanclubs ist, die eine sehr wichtige Stimmen im FCSP Kosmos geworden sind, so sehr müssen auch diese auf den Prüfstand.

Irgendjemand schrieb so schön sinngemäß auf Twitter (sorry vergessen wer es war) „Jungs, jetzt noch mal richtig anstrengen und dann fliegen wir nicht schön 10 Tage in die USA, sondern nach Stuttgart“. Ja, auch die Amerikareise kann eine Fehlmotivation sein. Wir wissen nicht, ob noch eine dritte Tour geplant ist, aber aus unserer Sicht sollte eine „Relegation oder Reise“ Alternative ab jetzt vermieden werden.

1. Liga? Ja!

Wir als Blog wollen aufsteigen. Ja, die erste Liga ist mit ganz vielen Unannehmlichkeiten verbunden, aber Dinge wie „bessere Finanzierung unserer ganzen Stadionumbauten“, „Unsere Ideen des anderen Fußballs viel weiter präsentieren und der Welt zeigen, dass man auch als e.V. in Liga 1 spielen kann“ oder auch „Wir haben gerade ein Derby zu gewinnen“ (wobei, das Derby derentwegen weiterhin in Liga 2 stattfinden wird) sind für uns Argumente genug.

Für uns gibt es dafür noch ein ganz entscheidendes Argument: Einmal Europa, einmal so etwas erleben, wie Eintracht Frankfurt gerade. Und das geht nur mit Aufstieg. Nein, Pokal ist da als Zweitligist nicht wirklich eine Alternative. Und wäre angesichts unserer Pokalhistorie auch ein sehr hartes in die Tasche lügen.

Wir als Blog werden deswegen nicht müde, ein kurz-, mittel- und langfristiges Konzept, eine FCSP Spielweise, ein konkretes Ziel für unsere Profis und unsere sportliche Leitung einzufordern. Wir müssen von ganz oben bis ganz unten uns auf sportlichen Erfolg konzentrieren. Und wenn es nur die positiven Spiegelneuronen (Hallo Ewald) sind. Und ganz ehrlich: An diesen Zielen werden sich alle immer messen lassen müssen.

Ja, wir sind ein etwas anderer Verein, nein wir gehen alle nicht zum FCSP, weil da so viele Titel errungen wurden. Und ja, es gibt klare Grenzen dessen, was wir bereit sind zu vermarkten. Alles gut so weit. Wir kennen unsere Grenzen. Und finden es gut, dass es die gibt.

Aber „verlieren“ oder „glorreich scheitern“ sollten nicht FCSP DNA sein. Und “Hinter Heidenheim und Paderborn stehen” auch nicht. Wir sind eben nicht mehr das arme Mäuschen mit einer Bruchbude von Stadion. Wir sind ein Zuschauerkrösus, ein Merchkrösus und garantiert auch ein Vermarktungseinnahmenkrösus in dieser zweiten Liga. Diese Baustellen der 90er und 00er Jahre haben alle Präsidien und „Verantwortlichen“ wirklich gut bearbeitet und gelöst. Nun gilt es diese Lösung auch im sportlichen Bereich zu entwickeln und umzusetzen.

Dazu gehört auch, dass Spieler aus dem Jugendbereich, die nun als Profis an uns gebunden sind entwickelt werden. Das hat bisher nur sehr bedingt geklappt. Bei Park z.B. gar nicht, bei Carstens bisher ganz gut. Auch wenn wir schon fragten, wie zielführend dieses Positionsgeschachere für einen jungen Spieler wie ihn jetzt ist. Umso mehr Respekt für Carstens, dass er – trotz dieses Geschacheres – am Samstag die zweitbeste Leistung aller Spieler auf dem Platz abgerufen hat. Die Entwicklung der Jugend muss besser werden. Eine Jugend, die um Titel mitspielt ist ein ganz besonderes Kapital! Und häufig genug bringen die Jungs auch ein Herz für den Verein mit. Siehe Brodersen, der nicht nur beim FCSP spielt, seitdem er laufen kann, sondern laut Wikipedia auch eine lebenslange Dauerkarte sein Eigentum nennt. So etwas ist als Kern einer Truppe von unermesslichem Wert.

Oder drücken wir es doch kurz aus: Wir als Blog wollen besseren Fußball.

Mopo und Co, ihr nervt

Was wir nicht wollen? Für die MOPO die lustigen Paulis sein, die alles mit einer „Portion Witz“ transportieren.

Liebe MOPO, ja auch wir hatten das Plakat als nicht wirklich den geilsten Hit am Millerntor eingeordnet, aber könnt ihr endlich mal aufhören so zu tun, als ob ans Millerntor nur Heilige gehen, Plakate immer zu einem RIESIGEN SKANDAL zu machen, die euch im Volkspark nicht die Bohne jucken würden und könnt ihr auch endlich mal aufhören, das Klischee von den lustigen, total verrückten, nie pfeifenden und vollkommen friedlichen Paulis zu verbreiten? Das stimmte schon 0,5 Jahre nach der Einführung durch euch nicht mehr. Und das ist 35 Jahre her. Diese extreme Aufgeregtheit macht nebenbei jede sachliche Diskussion vollkommen unmöglich. Danke dafür, ihr Doofies in der Griegstraße.

Maik hat das noch mal besser und ausführlicher geschrieben.

So damit ist auch alles zum Geschehen um den Platz gesagt.

Apr 082019
 

LiterarischerFC: Wir haben uns mit Toni Gottschalk in der Kneipe zusammengesetzt, um über “Konfetti im Bier”, Älterwerden und Ei-Fürze zu sprechen und schlechte Wortwitze auszutauschen. Welchen Stellenwert Gewalt und Drogen haben und ob Deutschlands erster Ultrà-Roman verfilmt wird, erfahrt ihr im Folgenden.

Toni … oder soll ich lieber Marco sagen?
Muhahaha.

Wollen wir übers Derby reden?
Willst du übers Derby reden? Ich dachte, wir reden übers Buch.

Ja, sprechen wir lieber über dein Buch „Konfetti im Bier“. Das ist nun seit ein paar Wochen draußen. Schwimmst du schon im Geld und kannst bald deinen Job kündigen?
[Verzweifeltes Lachen] Achso, das ist eine ernstgemeinte Frage oder was?

Naja. Wie sind denn insgesamt so die Reaktionen bei Freunden, Familie, der Gruppe oder Presse?
Es ist noch relativ kurz, um das einschätzen zu können. Es hat irgendwie noch niemand gelesen. Die drei Leute, die es gelesen haben, finden es ganz gut. Vielleicht haben sich aber auch nur die gemeldet, die es ganz gut finden.
Und Geld: Ich komme so ungefähr bei Null raus, wenn die erste Auflage weg ist.
Weil du was vorschießen musstest?
Nee, aber ich habe ja einfach investiert. Allein, das an zig Verlage zu schicken, auszudrucken, Probedrucke fürs Vorlektorat zu machen, dies das. Da steckt einfach eine Menge Geld drin. Und ich habe auch schon eine Menge Geld für Sankt Pauli und linke Strukturen versprochen und dann bin ich halt bei Null.

Dass man damit nicht reich wird, denke ich, ist allen klar. Aber bist du selbst zufrieden mit “Konfetti im Bier”?
Sagen wir mal so: Ich stehe dahinter. Ich bezeichne es als einen “nur ein bisschen geschliffenen Rohdiamanten”.

Wie kam es zu der Idee, den ersten deutschsprachigen Ultrà-Roman zu schreiben? Erzähl mal die grobe Entstehungsgeschichte.
Die Frage beantwortet das eigentlich schon selbst. Der Erste zu sein, ist immer ganz nett. Ich hatte schon lange Lust, ein Buch zu schreiben – eigentlich, seit ich lesen kann. Natürlich ist so etwas autobiografisch Angehauchtes ein bisschen einfacher für den Einstieg. Eine Subkultur als Basis ist natürlich ganz nett.
Wie viel Autobiografie steckt drin, so grob?
Zwei Prozent oder so, der Rest ist ausgedacht.

Wie lang hast du ungefähr daran gearbeitet?
Brutto acht Jahre, netto zwei bis zweieinhalb. Es gab lange Phasen, wo ich nichts gemacht habe. Zwischendurch haben mir immer mal verschiedene Leute in den Arsch getreten und meinten: “Du musst das jetzt auch mal fertig machen.” Irgendwann habe ich dann gedacht, jetzt muss ich das mal an Verlage schicken. Und dann hat einer gesagt: “Wir drucken das.”
War die Verlagsuche ein langes Prozedere?
Ich habe sehr viele Briefe verschickt. Aber mein Anschreiben war sensationell gut. Entsprechend hat es mich nicht gewundert, dass irgendjemand das Buch angenommen hat. [lacht]
So wie eine Standardbewerbung an hunderte Unternehmen?
Genau. Nein, ich habe das schon als Pitch-Situation begriffen und im Anschreiben präzise und auf den Punkt einen Vorgeschmack gegeben, was einen erwartet. Habe ich wohl ganz gut hingekriegt. [grinst]

Das Buch Konfetti im Bier
Konfetti im Bier zwischen Bier und Bier

Wen siehst du als deine Leser*innenschaft, an wen ist das Buch gerichtet?
Das ist eine Frage, mit der ich mich sehr lange beschäftigt habe – auch während des Schreibens noch. Es sind konzentrische Kreise nach außen: In erster Linie habe ich für meine Homies geschrieben, für meine Gruppe. In zweiter Linie für alle Sankt-Pauli-Fans und alle linken Ultras. Dann geht es nach außen gefächert weiter; dann kommen alle Ultras, alle Fußballfans, alle, die sich irgendwie als links verstehen.

Du wirst dir ja oft die Frage selbst gestellt haben: Wie viel musst du erklären, wie viel kannst du als bekannt voraussetzen. Hattest du einen konkreten Plan oder hast du das einfach laufen lassen?
Ich habe versucht, zum Einstieg etwas mehr zu erklären, es ein bisschen direkter zu machen und gegen Ende ein bisschen weniger. Das spiegelt sich ja in der Länge der Teile wider. Der erste Teil ist der längste, auch, weil die Figuren eingeführt werden, aber auch, um Kontakt aufzunehmen zu dem Ganzen. Aber auch, um es Leuten, die das Thema schon kennen, Identifikationsfläche zu bieten.
Natürlich hat der Verlag da noch etwas Einfluss genommen. Die haben gesagt: Lass uns am Ende ein paar Erklärungen machen.
Das Glossar …
Genau. Ein paar Sachen haben wir im Text gelassen, weil sie entweder Gags beinhalten oder weil es einfach besser passt, sie nicht nach hinten zu verbannen. Aber es gab keinen Masterplan.

Es kommen ein paar Charaktere vor, die manchem Fan von Sankt Pauli bekannt vorkommen müssen. Ist „Konfetti im Bier“ ein Schlüsselroman?
[Lacht] Das ist eine Fangfrage. Nee. Was die Gruppe betrifft, habe ich versucht, Leute zu schützen. Die Gruppe ist sehr groß, ich musste das auf ein paar Charaktere eindampfen. Ich wollte schon das Gewusel darstellen, das Kommen und Gehen, das in so einer Gruppe gibt, aber auch nicht übertreiben. Entsprechend fließen in den einzelnen Figuren sehr viele zusammen. Es gibt einzelne, die aufgrund ihrer Funktion exponiert sind, beispielsweise der Vorsänger. Die habe ich mit Absicht so verfremdet, dass sie ganz weit weg sind von den realen Personen.
Es gibt eine Person im Buch, die genau so ist wie im echten Leben, und die habe ich vorher gefragt.

Wenn man das Ding auf dem Klo liest, ist es dann ein Schüsselroman?
Mein eines Comicheft wurde tatsächlich schon so beworben.
Oh, entschuldige.
Macht nix, das ist schon lange her. [lacht]

Du lässt deine Geschichte in der Sankt-Pauli-Fanszene spielen. Das ist nachvollziehbar und gleichzeitig mutig. Warum kam für dich kein anderer oder ein fiktiver Verein infrage?
Darüber habe ich genau so lange nachgedacht wie darüber, für wen ich eigentlich schreibe. Letztlich habe ich mich dafür entschieden, es in der Szene und im Viertel spielen zu lassen, einfach, weil es am authentischsten ist. Ich habe kurz darüber nachgedacht, gar keine Stadt zu benennen, eine ausgedachte Stadt quasi. Ich glaube, da hätten sich trotzdem viele wiedergefunden. Aber wie gesagt, ich habe entschieden: Ich schreibe das in erster Linie für meine Gruppe und meine Freundinnen und Freunde. Da war es am besten, es hier in den Straßen und Clubs undsoweiter stattfinden zu lassen.
Authentizität hast du selber gerade erwähnt – das ist dir schon wichtig, oder?
Bei einem Subkultur-Roman ist das der wichtigste Punkt, würde ich sagen. Auch in der Vermarktung.
Einen Ultrà-Roman schreiben kann nur, wer Ultrà ist oder mal war?
Aus literarischer Sicht wäre es vielleicht besser geworden, wenn das jemand anders geschrieben hätte. Ich weiß nicht, ob du den Roman “Hool” kennst, der ist vor zweieinhalb Jahren erschienen. Der spielt in der Hannoveraner Fanszene und der Autor [Philipp Winkler] hat sich mit Leuten getroffen, die auf den Acker gehen und hat das konstruiert. Literarisch ist der bestimmt besser als meiner.

War es bei dir der Weg des geringsten Widerstands und des geringsten Aufwands, das im eigenen Vorgarten spielen zu lassen?
Willst du damit sagen, ich habe es mir leicht gemacht? [lacht] Ich weiß nicht, ob das so viel leichter war. Man gerät da in Gefahr, wenn man einen Straßennamen nennt und alle das sofort vor Augen haben. So setzt man es als bekannt voraus. In einer fiktiven Stadt hätte man es viel genauer beschreiben müssen, was vielleicht an der einen oder anderen Stelle gut getan hätte.
Für Nicht-Hamburger könnte das etwas schwieriger sein, das zu verstehen, selbst wenn sie ab und an mal hier sind …
Das Verständnis vielleicht nicht, aber die Kenntnis der Orte.

„Alt vs. jung“ habe ich als einen roten Faden herausgelesen. Würdest du sagen, dass die Generationenfrage aktuell das wichtigste Thema bei USP oder der Ultrà-Bewegung insgesamt ist?
Das ist immer wichtig. Ultrà, das ist jetzt mehr als 25 Jahre alt in Deutschland, da hat es ja schon mehrere Generationenwechsel gegeben. Einige Gruppen haben das besser hinbekommen, andere schlechter. Grundsätzlich ist das immer ein Thema bei jeder Gruppe, die älter ist als fünf Jahre. Ich habe versucht, die Themen und die wiederkehrenden Motive so zu gestalten, dass es viele Anknüpfungspunkte für Leute gibt, die auch nicht direkt aus der Szene kommen. Jeder, der mal auf einem linken Plenum war, wird mit den Diskussionen und Streitpunkten auch viel anfangen können.
… worüber die ja mit etwas gesundem Zynismus drüberbügelst.
Zynismus ist ein bisschen hart, ich würde es als Sarkasmus bezeichnen. Ich liebe den Scheiß ja doch noch ganz schön – auch wenn ich viel zu alt bin – , als dass ich zynisch geworden wäre.

Einmal müssen wir doch noch im Ansatz über das Derby sprechen und zwar rund um den Veröffentlichungszeitpunkt von “Konfetti im Bier”. Das war ja auffällig nahe an dem Großereignis, das uns nun in nicht so geiler Erinnerung bleiben wird …
… den Dom, meinst du? [lacht]
War der Veröffentlichungszeitpunkt so nahe am Derby Absicht?
Nee, ich hätte mir da was Anderes gewünscht. Aber der Verlag wollte, dass es ein paar Wochen vor der Buchmesse erscheint, um schon ein bisschen Buzz zu erzeugen. Sodass es zur Buchmesse da ist, aber nicht so krass untergeht, weil sehr viele große Verlage große Sachen raushauen. Deshalb wollten die das ein paar Wochen vorher machen und dann war Anfang März der Wunschtermin des Verlages. Für mich war das nicht so richtig gut, aber ist letztlich auch egal.
Ich musste ein bisschen schmunzeln. Im Buch gibt es das kleine Derby, aber als ich anfing zu schreiben – 2011 oder so – , war das Derby in so weiter Ferne, da wurde ich von der Realität eingeholt.

Noch mal zur Erzählung: Auffällig fand ich, dass Gewalt & Drogen ziemlich selbstverständliche und, sagen wir mal, nicht gerade reflektierte Bestandteile der Erzählung sind.
Dann hast du aber nicht aufmerksam gelesen.
Sind das unverzichtbare Dinge, um ein glaubwürdiges Bild zu zeichnen?
Letztlich war mein Hauptziel mit dem Buch, eine interessante und unterhaltsame Geschichte zu erzählen. Da habe ich mir natürlich die Spitzen aus dem subkulturellen Leben herausgegriffen und dann noch hart übertrieben. Entsprechend ist nicht alles für bare Münze zu nehmen. Schlägereien wie im Buch haben die wenigsten Leute in der Gruppe tatsächlich erlebt, nicht in der Intensität. Es ist ein Roman und keine Autobiografie. Solche Sachen machen ein Buch spannend.
Aber klar, Gruppen wie Ultras mit 200 Leuten sind irgendwo ein Spiegel der Gesellschaft und Rausch und Gewalt gibt es halt. Es geht ja auch ums Erwachsenwerden und Coming of Age und da sind das gute Punkte, die man aufgreifen kann.
Und nochmal zum Thema “unreflektiert”. Ich wollte natürlich keinen erhobenen Zeigefinger hineinbringen, aber man kann schon meine Meinung zu den Sachen herauslesen. Auch in den verschiedenen Stadien: Es gibt ja Einsteiger, alter Hase und ganz alter Hase, also Aussteigerin, und die verschiedenen Einstellungen zu den Sachen werden da schon deutlich.

Kommen wir zur Buchmesse in Leipzig. Du hattest da ja auch mehrere Lesungen. Wie waren die Reaktionen? Immerhin kommt Sachsen nicht so gut weg in deinem Roman …
Aber der Vorsänger ist doch Sachse! Also, die Reaktionen: Ich habe in kleinen und auch in coolen Orten gelesen und die Leute waren schon sehr gezielt da. Einmal habe ich tagsüber in einer Buchhandlung gelesen, da war eher älteres Publikum. Die haben sich auch amüsiert. Es war nicht so, dass die älteren Herrschaften nicht auch herzlich über einen Ei-Furz lachen können. [lacht]
Es war schon lebhaftes Interesse. Natürlich habe ich auch die Sankt-Pauli-Leute aus der Region angezogen. Ein, zwei Totenkopfpullis waren auf jeder Lesung da. Aber auch jede Menge andere Szenen, das darf man eigentlich gar nicht erzählen, was da so herumlief.

Barkeeperin: Wolltest du noch?
MagischerFC: Jo!
Toni: Ich nehme auch gern noch eins.
MagischerFC: Aber du hast doch noch voll viel.
Toni schlürft.
MagischerFC: Kennst du UWE?
Toni: Welchen Uwe?
MagischerFC: U-W-E. Unten wird’s eklig. Egal, das war jetzt keine offizielle Frage.

Am 13. April steht deine erste Lesung in Hamburg im Jolly an …
Die zweite. Bei der Release-Party im Landgang am 2. März war die erste Lesung.
Großer Unterschied zwischen Heim- und Auswärtsspielen?
Ja klar. Das Buchmesse-Publikum reagiert auf ganz andere Sachen als die Leute hier. Ich freue mich auch auf die Jolly-Lesung. [Zur Barkeeperin: Ich nehme auch gern noch eins! Achso, kommt schon. Hervorragend. Danke.] Da kann ich auch ganz andere Stellen lesen. Das wird lustig.

Sind weitere Lesungen in Planungen? Hättest du einen Wunschort?
Naheliegend ist das Stadion, die Fanräume, Museum. Ich habe mich ehrlich gesagt noch nicht darum gekümmert. Aber vielleicht kommt ja mal jemand auf mich zu, der eine Veranstaltung macht, wo es passt. Ansonsten … ich würde von mir aus lieber in Kneipen lesen …
… als im CCH …
… als in einem kalten Raum, der wie eine Schulaula aussieht.
Also lieber eine Tresung.
Genau. Aber ich habe nichts groß geplant. Es ist ja auch alles neu für mich. [Zur Barkeeperin: Dankeschön!] Der Verlag hätte schon gern, dass ich viele mache. Aber ich bin da nicht so hinterher. Ist immer auch eine Kosten-Nutzen-Rechnung. Bei der einen Lesung in Leipzig … die hat Spaß gemacht, die Leute waren sehr interessiert und haben viele Fragen hinterher gestellt. Wir haben vier Bücher verkauft. Vom Verlag waren zwei Leute da und ich zwei Stunden lang. Vier verkaufte Bücher, das ist dann so das Bier, das ich nach meinen Freigetränken getrunken habe. Finanziell, medienwirksam, ich weiß nicht, wie viel das wirklich bringt. Es gehört irgendwie dazu, aber ich kann das nicht richtig einschätzen. Und ich bin kein Schauspieler.
Aber da wächst man doch rein.
Ich bin auch schon ein bisschen lockerer geworden.

Du bist ja sonst überwiegend als Basch-Comiczeichner bekannt. Wann erscheint die illustrierte Ausgabe von „Konfetti im Bier“?
Ich habe schon vor, ein Heft zu machen, was dieses Jahr herauskommen soll.
Das sich auf “Konfetti im Bier” bezieht?
Nö. “Lustig ist witzich 4”. Den dritten Teil, da warst du noch gar nicht geboren, als ich den gemacht habe. Ohne Witz, das war 2000 … zehn Jahre her oder elf. [nuschelt]
2010 Jahre her?
Genau. Da warst du auf jeden Fall noch nicht geboren.

Kannst du dir eine Fortsetzung von “Konfetti im Bier” vorstellen?
Nee, das ergibt auch gar keinen Sinn. Ich kann mir vorstellen, noch einen Absatz oder ein Kapitel zu machen, das man in einem Heft herausbringt. Aber ein ganzes Buch … wer soll das denn verlegen? [lacht]

Wie würdest du reagieren, wenn jemand mit der Idee um die Ecke käme, das Ding zu verfilmen?
Wenn du das aufmerksam gelesen hast …
Nee.
Offensichtlich nicht. Ist auf jeden Fall ein zweischneidiges Schwert. Natürlich cool und eine Ehrung des Stoffes. Aber Verfilmungen sind immer schwierig, weil die Bilder anders aussehen als die, die ich im Kopf hatte. Mal abwarten. Das ist so weit weg.
Wenn ja, hättest du eine Wunschbesetzung?
Besetzung … wer das spielt, ist ja wurst. Ich kenne gar keine jungen Schauspieler.
Du brauchst doch auch alte Säcke.
Fatih Akin sollte schon der Regisseur sein. Alles andere ist nicht so wichtig.

Wir nähern uns dem Ende. Zum Abschluss: Hast du einen Lieblingscharakter? Außer Marco.
Ich mag sie natürlich alle sehr gern. Merks, Subbe und Jette sind stellvertretend für meine eigene Entwicklung in der Gruppe. Natürlich bin ich Jette am nächsten vom Alter und Weisheitsgrad her. [lacht] Entsprechend kann ich sie ganz gut leiden.

Toni, danke fürs Interview!
Sehr gerne.
Die letzten Worte gehören dir. Willst du doch was loswerden?
Wer nichts wird, wird weird.

“Konfetti im Bier” gibt’s im Fanladen eures Vertrauens, in guten Buchläden und direkt beim Liesmich Verlag.

Apr 062019
 

Unser Vorsänger fasste den Tag schon in der ersten Halbzeit prophetisch zusammen, als er diesen Chant anstimmte, der nun unsere Überschrift bildet.

Von Frank Zappa ist folgendes Zitat überliefert:

„Ein ernst zu nehmender Staat benötigt eine eigene Fluggesellschaft und ein eigenes Bier. Eine Fußballmannschaft oder Nuklearwaffen helfen, aber ein Bier ist Minimalvoraussetzung.“

Böse Zungen behaupten, dass dem FCSP dann ja nur noch eine Fluggesellschaft und eine Fußballmannschaft zu einem ernstzunehmenden Staat fehlt. Von Qualitätsbier ist ja nicht die Rede und die Bombe hat St. Pauli ja bekanntlich. Setzt sie nur leider nie ein.

Sollen wir nun ernsthaft was zu Kiel schreiben? Okay. Es folgt ein Rant über Kiel:

Erstmal seid ihr kein Derby, auch wenn ihr das noch so häufig verkündet. Wir messen uns mit Gegnern und nicht mit irgendwelchen daher gelaufenen Landeshauptdörfern.

Dann kann Euer Hosentaschen-Lotto sich noch so häufig auf den Rasen stellen mit seiner Gitarre, der Song tut nur weh. Verein gereimt auf Holstein? Da dreht sich ja Goethe im Grab um!

Dieser Gästeblock ist der letzte Rotz, viel zu klein für die verkauften Karten, Ordner im Eingangsbereich mit Nazisymbolen und ein Netz vor dem Block, das sofort Migräne macht. Geil. Nicht.

Immerhin war so der Blick auf die komplett blutleere Darbietung unserer Mannschaft nahezu unmöglich. Mal ganz ehrlich: Es gibt Spieler, die wechseln in die Einöde und du weißt, die geben trotzdem jeden Tropfen Blut für den alten Verein und es gibt Spieler, die musst du nicht mehr einsetzen. Ein eher niveauloses Banner muss man solchen Spielern trotzdem und erst recht nicht widmen. Ihm nach dem Spiel vorzusingen, was man von seinem neuen Arbeitgeber hält, reicht vollkommen. Die Frage, wie schlecht Flum und Zehir trainiert haben muss, sei uns an dieser Stelle erlaubt.

Auch sonst ist die Leistung auf dem Platz so vorhersehbar wie die Floskeln in den Pressekonferenzen vor dem Spiel und nach der nächsten krachend peinlichen Niederlage.

Es ist der sportlichen Ambitionslosigkeit und extremen Nettigkeit dieser Fanszene geschuldet, dass die Beschreibung des neuen Arbeitgebers des Spielers mit der Nummer 8 das schlimmste aus dem Gästeblock bleibt.

Vier Spiele drei blamable Leistungen. Klar auch heute wird sich wieder irgendwas positives finden, vielleicht haben wir echt super über die Karo Acht verschoben in der Seitwärtsbewegung. Fakt bleibt aber, dass wir gegen 10 gegnerische Spieler eine 1-0 Führung keine 15 Minuten halten können. Und dies gegen einen Gegner, der mausetot ist und durch einen dusseligen Elfmeter und nach einer konterartigen Bewegung (!!!) noch mal zur Verdeutlichung (!!!) zu seinen Toren kommt. Diese Doppelschläge sind Markenzeichen unserer Mannschaft geworden und das kann man eigentlich auch mal ansprechen und taktisch abstellen – wir haben nach ebendiesen 5 Spiele diese Saison verloren. Ebenso wirkt die Druckphase so, als ob man noch nie miteinander gespielt hätte. Der sprichwörtliche Hühnerhaufen ist geordnet dagegen.

Wir haben ja gehört, dass so etwas auch durch gemeinsames Training erlernbar sein soll. Ob die so etwas machen da an der Kollaustraße? Sind die Halbzeitreden ebenso berechenbar und langweilig wie die Pressekonferenzen? Oder warum bekommen wir seit der Winterpause ständig direkt nach der Halbzeit Gegentore?

Wann genau wollen wir was ändern? 1-10 Tore und 1 Punkt aus vier Spielen sind nicht gerade eine Basis für “gut gespielt und das wird schon” und auch keine Basis für “das wird schon von alleine wieder gut”.

Mal ganz ehrlich: Ja Spieler öffentlich in die Pfanne hauen geht gar nicht. Aber einfach mal ein paar kämpferische Worte von den sportlich Verantwortlichen wären schon geil. Dann würde man vielleicht auch mal an eine Änderung glauben.

Noch was: Wir sind der Fußball(!)club Sankt Pauli und ja auch wir würden mal sehr gerne ein taktisch ausgereiftes Mannschaftsgefüge mit guten Ideen und so sehen (so wie es Kiel z.B. spielt), aber wenn das gerade nicht geht, dann wollen wir wenigstens laufen bis der letzte gekotzt hat sehen. Das hat uns in der Hinrunde häufig genug noch Punkte gegeben.

Wir haben nun unzählige Spieler dieses Kaders verlängert. Seitdem läuft es null. Dazu gibt es drei Theorien: 1. die genügen unserem Anspruch von “oben mitspielen” einfach nicht. 2. sie werden nicht vernünftig angeleitet und entwickelt. 3. es ist nur eine Phase und alles wird gut. Sucht euch eure Theorie selber aus und benennt dann selber den Verantwortlichen, den ihr richtig beschimpfen wollt.

So ist es alles gerade richtiger Rotzdreck. Unser Punkteschnitt nach der Winterpause ist nun 1,0 pro Spiel. Das ist Kurs 16 Punkte. Wow. Vor der Winterpause 34 Punkte aus 18 Spielen. Ergänzend: Schnitt Tore vor Winterpause: 1,67 Schnitt Tore nach Winterpause: 0,90 Schnitt Gegentore vor Winterpause: 1,22 Schnitt Gegentore nach Winterpause: 2,0

Am Arsch!

Noch was: Liebe Menschen, wenn so ein Block übervoll ist, dann sind Vorsicht und ““darf ich mal bitte” oberste FCSP Pflicht. Einfach sich durchzudrängeln als ob ihr der König von St. Pauli wärt, verbietet sich.

Und so bleibt am Ende nur wieder die beste Crew, die den Tag rettete. Und irgendwann wollen wir alle diese Menschen in ein Flugzeug packen und fliegen. Ganz oben. Überm Meer. Denn dann sehen wir all die Scheisse auf dem Platz nicht mehr. (Frei nach Dritte Wahl)

Unser Tag wird kommen.

Apr 052019
 

Ein paar Worte vorab: Wir werden es hier nicht hinbekommen, alles Gesagte im Detail wiederzugeben. An dieser Stelle zieht das Kollektiv einmal tief den Hut vorm Senior, der das über einen viel längeren Zeitraum während der JHV alles mitschreibt. Wir könnten das nicht und verzweifelten heute an Okes Bandwurmsätzen. Wir werden die Eröffnung zu Beginn relativ ausführlich wiedergeben und dann die Diskussion in einigen Stichworten zusammenfassen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Wir kamen um kurz vor 19:00 Uhr am Stadion an und schon eine halbe Stunde vor offiziellem Beginn standen da um die 150 Menschen. Wir herzten liebe Menschen und waren dann um 19:10 Uhr im Saal, um noch einige der letzten Sitzplätze zu erhaschen. Man rechnete von offizieller Seite scheinbar mit deutlich weniger Menschen, standen da doch geschätzt um die 200 Stühle zu Beginn, während laut Fanladen-Justus zwischenzeitlich 800 Menschen da waren.

Einführung

Begrüßt wurde pünktlich um 19:30 durch Michael Thomsen (Leiter CSR) und Fanladen-Maleen, die die Moderation während des Abends übernommen haben (im Gegensatz zur ursprünglichen Ankündigung, dass Fanladen-Justus dies übernehmen werde). Michael wies auch offiziell darauf hin, dass Lokalpresse anwesend sei, was durchaus gemischt aufgenommen wurde. In der Begrüßung wies Maleen auch darauf hin, dass die “runtergefallenen Themen” (Frauen & Merchandising) ausdrücklich nicht weniger wichtig seien und entsprechend zeitnah ebenfalls öffentlich behandelt werden sollen. Ziel der Veranstaltung sei die Aufbereitung des Derby aus Sicht der Institutionen (namentlich Verein & Fanladen), mit dem Ziel Themenbereiche zu identifizieren, an denen man ggf. weiter arbeiten könne. Als Moderator*innen wünsche man sich, dass wir unsere Leitlinien als Rahmen für die Art und Weise der Diskussion nehmen.

Eröffnet wurde die Veranstaltung anschließend durch Oke, gefolgt von Sven, der die sicherheitsrelevanten Ereignisse schilderte, anschließend noch mal Oke, der eine Einordnung aus Sicht des Präsidiums über die Zeit nach dem Derby gab. Justus schloss den Eröffnungsteil mit einer Einordnung aus Sicht des Fanladens. Bevor wir inhaltlich einen kurzen Abriss über das Gesagte geben: Wir hatten im Vorfeld deutliche Kritik an dem gewählten Setting geäußert und sehen uns teilweise bestätigt, teilweise widersprochen. So hätten wir uns vor Ort nach wie vor auch eine Stimme der Vertreter*innen der aktiven Fanszene zu Beginn gewünscht, war gleichzeitig die Einordnung aber diskussionsfördernder (im positiven Sinne) als befürchtet.

Oke begrüßte die Anwesenden damit, dass es wunderbar sei, dass so viele Menschen gekommen seien und schloss die Einladung, dass dies auch gerne bei anderen Themen so weitergehen dürfe an. Er erhoffe sich, dass der FCSP auch in Zukunft so “bunt, vernünftig und anständig” bleibe (nun ja, vernünftig und anständig sind nicht Adjektive, mit denen wir den FCSP unbedingt in Verbindung bringen wollen). Weiterhin sei das Derby über die Verantwortlichen hereingebrochen und nicht vergleichbar mit vorherigen Krisen, die man bereits erlebt habe – “insbesondere auch bezüglich des öffentlichen Drucks”. (Ganz persönliche Einschätzung: objektiv hatten wir in den letzten Jahren viel schlimmere Krisen. Wir waren z.B. zweimal hoffnungslos Letzter der Tabelle)

Es habe danach eine Vielzahl von Gesprächen gegeben, die gut und konstruktiv gewesen seien, während derer man auf Augenhöhe miteinander gesprochen habe. Die Choreo der Süd vor dem Duisburg-Spiel (“Pyro ist für uns ein rotes Tuch”) zeige gut, wie man miteinander umgegangen sei – gekennzeichnet von Verantwortung und Vertrauen, aber auch mit Augenzwinkern, so dass man in den Gesprächen zu “einem vernünftigen Endpunkt gekommen sein”. Es habe drei Themen gegeben, die man als Verein nicht tolerieren wolle & könne: Das Überlaufen des Eingangs der Süd, Ausübung von Gewalt untereinander, sowie das unkontrollierbare Abbrennen von Pyro.

Anschließend gab Sven aus Sicht des Vereins einen Abriss der relevanten Vorfälle am Spieltag selbst – er bezog sich dabei explizit nur auf die Vorkommnisse auf unserer Seite. Am Vorabend habe es erfolglose Versuche einiger FCSP-Anhänger gegeben, auf die andere Seite der Reeperbahn zu gelangen – vermutlich nicht nur, um mit den gegnerischen Anhängern zu reden. Am Spieltag selbst habe es 40 Minuten vor dem Spiel ein Überlaufen des Einlasses Süd (Schwimmbadseite) gegeben, bei dem etwa 250 Leute durch den Eingang gekommen wäre, wovon aber sicherlich die meisten Tickets gehabt hätten. Verletzt habe sich dabei keiner. Ebenfalls habe es Angriffe auf den gegnerischen Mannschaftsbus gegeben, der wohl geplant gewesen sei (“Eier hat man normalerweise ja nicht in der Hosentasche”), wobei ebenfalls keiner zu Schaden gekommen sei. Man habe sich hierfür bereits beim Gegner entschuldigt. Während des Spiels sei es (exkl. Batterien) zum Abbrennen von 73 pyrotechnischen Artikeln auf unserer Seite gekommen (der Gegner habe 75 abgebrannt, also gleich noch eine Derbyniederlage obendrauf).

Pyro am Millerntor sei nichts neues, neu sei dabei gewesen, dass es auch zwei Clips gegeben habe und dass es zu einem solch fortschreitenden Einsatz von Pyro während des Spiels gekommen sei. Insgesamt habe es 6 Spielunterbrechungen gegeben, von denen 3 uns und 3 dem Gegner angelastet worden seien. Ebenfalls neu gewesen sei die Präsentation und das öffentliche Abbrennen von Fanutensilien des Gegners. Und es habe körperliche Angriffe von Fans untereinander gegeben – dabei seien sicher nicht alle Fälle offiziell dem Verein bekannt geworden, gesichert sei ein älterer Mann “ziemlich übel” zusammengeschlagen wordek. (Hier gab es einen sehr fragwürdigen Zwischenruf, dass “ihn das doch auch gar nicht interessiere”.). Zusammenfassend habe es alle genannten Vorfälle (außer Abbrennen von Clips und Zeigen gegnerischer Fanartikel) auch vorher schon gegeben, neu sei lediglich die Intensität gewesen.

Oke übernahm wieder das Wort, um die Ereignisse nach dem Derby kurz zusammenzufassen. Für die Einordnung sei ihm wichtig, dass Präsidium auch persönlich haften würde, wenn Sicherheitsmängel bekannt und nichts dagegen unternommen.( Ist prinzipiell erstmal richtig, siehe Paragraph 31a BGB, der die Haftung von ehrenamtlichen Vereinsvorständen jedoch auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit begrenzt. Wenn man die man hier mal annehmen will, was man zumindest diskutieren kann , stellt sich trotzdem doch eine Frage: Hat der FCSP keine D&O Versicherung Nebenbei lebten wir beim FCSP sehr lange mit viel schlimmeren bekannten Sicherheitsmängeln. Ihr erinnert die alte GG Tribüne?)

Die Ereignisse nach dem Derby chronologisch:
11. März: Veröffentlichung der ersten Stellungnahme, erste Gespräche zwischen Präsidium und Aufsichtsrat. Kontakt und Kommunikation mit diversen Partnern des Vereins.
13. März: Erstes Gespräch mit Ordnungskräften, in denen gutes Sicherheitsmanagement attestiert wurde. Vorbereitung des Briefs bzgl. Schadensersatzforderungen.
18. März: Erstes Treffen des Präsidiums mit Südkurvengruppen, in denen USP weiträumig Verantwortung für Geschehnisse in der Süd übernommen habe und wie man es im MillernTon nachhören könne.
22. März: Treffen zwischen Präsidium, Sicherheits-Sven und Fanladen, um alle möglichen Maßnahmen “an die Wand zu pinnen” und die richtigen “im Kontext der gelaufenen Gespräche” zu identifizieren. “Ihr könnt euch vorstellen, dass das nicht einfach war.”
25. März: Vorstellung der ausgewählten Maßnahmen vor dem Aufsichtsrat.
26. März: Vorstellung der ausgewählten Maßnahme vor Südkurvenvertretern
28. März: Die Kommunikation des Maßnahmenpaketes an die Öffentlichkeit.
Man habe insgesamt etwa 8.000€ an Schadensersatzforderungen zu begleichen, ebenso ziehe sich ein Sponsor zurück und weitere Businesspakete seien zurückgegeben worden. Hierfür belaufe sich der Schaden auf um die 100.000€. (Hier sei uns die Anmerkung gestattet, dass das vielleicht Partner sind, denen man nicht unbedingt eine Träne nachweint. Zumal auch die Frage gestattet sei, wie Verträge aussehen, wenn man da so schnell als Partner rauskommt, wir bei Astra aber nur “Du, Du, Du” machen können, wenn die sich mal wieder durch rassistische oder wahlweise sexistische Äußerungen hervortun. Vielleicht sollten wir den Werbeplatz Crowdsourcen und den Rest der Saison da ““Hört den Millernton, den er ist gut” platzieren?).

Man habe davon ausgehen müssen, dass dies kein normales Spiel sei und der Spielverlauf habe sicher seinen Teil dazu beigetragen, dass die Emotionen so hochgekocht seien.

Ein Thema liege ihm besonders am Herzen: Er und Andreas setzen sich in verschiedensten Gremien (DFB, DFL, etc.) immer für Toleranz und sinnvollen Umgang mit Jugendkultur in Fanszene ein. Die Ereignisse des Derbys trügen ihren Teil dazu bei, dass sie nun handlungsunfähiger gemacht worden seien, wenn es um das Lobbyieren für unsere Anliegen geht – neben den hämischen Kommentaren, die sie nun abbekämen.

Beim Entwickeln des Maßnahmenkataloges sei man davon geleitet gewesen, den Schutzraum Stadion wieder aufzubauen – viele Dinge seien geschehen, bei denen man klar sagen müsse “Das geht so nicht”. (Hier sei uns die Anmerkung erlaubt, dass wir uns diese offiziellen Statements auch mal bei Bekanntwerden von Übergriffen im Stadion wünschen würden. Auch vor dem Derby war das Stadion bei weitem nicht immer ein Schutzraum für alle Anwesenden).

In den Gesprächen mit den Südvertretern habe es viele selbstkritische Ideen und gute Lösungsansätze gegeben. “Für uns ist nun das wichtigste: Das Miteinander wieder herstellen und das Miteinander reden wieder hinbekommen.” Er wünsche sich für die Diskussion einen nach vorne gerichtetes gemeinsames Schauen, wie wir das wieder hinbekommen – und dass wir uns gemeinschaftlich wieder mehr an den Leitlinien orientieren (Auch hier sei uns der Kommentar gestattet, dass wir uns total freuen, wenn das Präsidium und die Merch-Abteilung da mit gutem Vorbild vorangehen.)

Man wolle “auch in Zukunft sportlich und fankulturell erfolgreich sein”.
Anschließend übernahm Justus – als letzter Offizieller – das Wort. Er begann mit der Verlesung eines Flugblattes von der Sonderzugfahrt 2000 nach Oberhausen, in dem auch damals schon eine Debatte um die Werte des FCSP gegeben habe.

Man solle nicht vergessen, dass es beim FCSP schon immer ein Tauziehen um die Werte gegeben habe. Wahrgenommene Grenzen und No Gos habe es immer gegeben, und diese haben sich im Laufe der Zeit auch immer wieder verändert. Was nicht wenig verwunderlich sei, wenn man bedenke, dass im Fussballkontext auch viele Jugendliche und junge Erwachsene unterwegs seien. Daher solle bitte jeder davon absehen zu denken, dass seine Meinung Gesamtmeinung sei . Und sowieso sei der beschworene Konsens des FCSP “mehr Erwartungshaltung als Realität”, viele verschiedene Menschen würden ihr Fansein auf sehr verschiedene Arten und Weisen ausleben. Besonders am FCSP sei dabei immer, dass es einen großen Raum für Diskussionen gäbe, dies mache uns besonders.

Die Diskussion: “Miserable Leistung vor allem auf dem Platz”

Hiermit war die “Diskussion” eröffnet, wobei sich Diskussion auf eine ganze Reihe von Beiträgen bezog: Es gab Statements einzelner anwesender Personen, Kommentare zu gesagtem untereinander und auch Rückfragen an Präsidium/ Sven/ Fanladen.
Wir werden die Diskussion hier nicht im Wortlaut wiedergeben können und haben uns daher dazu entschieden, einige angesprochene Themen einzuordnen, anzusprechen und zu benennen. Das hat keinen Anspruch an Vollständigkeit, sondern soll vor allem unsere Haltung als Kollektiv darstellen:

Gleich zu Beginn gab es den Wunsch, dass für den Diskussionsteil nun die anwesende Presse den Raum verlassen habe. Die Presse blieb mit dem expliziten Wunsch von Michael an, dass sie fair berichten sollen. Hat hervorragend geklappt und wir freuen uns über die bekannt ausgewogene Berichtserstattung des Boulevard.

Zumal uns die Anmerkung genehmigt sei, dass man als Veranstalter selbstverständlich Hausrecht habe und deswegen selbstverständlich Personen oder Gruppen hätte ausschließen können.

Ihr seid scheiße wie der ***” wurde vielfach als nicht St. Pauli-like kritisiert, andere fanden, dass ganz klar zuzuordnen gewesen wäre, dass sich das nur an die kleine Minderheit in der Süd gerichtet habe. Wobei die Kritik deutlich häufiger geäußert wurde und auch signifikant lauteren zustimmenden Applaus bekommen hat. Wir wiederholen uns da selbst: Geht gar nicht und erst Recht nicht, wenn der Gegner noch im Stadion ist und sich auch deswegen einen feixt.

Erst nach mehreren Rückfragen (die es ja zuvor auch schon online gab und die dort nicht beantwortet worden) zur Reduzierung der Kartenkontingente wurde kommuniziert, dass 100 der 300 selbst verwalteten Tickets als temporäre Maßnahme entzogen worden seien.

Uns stellt sich die Frage, warum das vielfache Nachfragen nach mehr Informationen nötig ist. Und wie auch während der Veranstaltung angemerkt wurde bleibt fragewürdig, ob damit die richtigen getroffen werden und ob man nicht gerade die Verantwortung, die USP für die Süd übernommen hat, mit solch einer Maßnahme untergräbt. Zumal auch Oke selbst hier einleitend sagte, dass man durch Strafen das genaue Gegenteile erreiche. Und auch die Zahl von 100 wirkt auf uns leicht willkürlich. Sind 100 Übeltäter bekannt, und hofft man, dass genau die dann auch bestraft werden? Aus unserer Sicht werden mit ziemlicher Sicherheit auch unschuldige Menschen unter diesem Entzug leiden, und das nennt man dann im allgemeinen Sprachgebrauch auch häufiger mal Kollektivstrafe. Selbst wenn es – wie von Oke gemutmaßt – die Möglichkeit gibt, mit einzelnen Personen wieder ins Gespräch zu kommen. Zumal das Signal an die Süd ein fatales ist: “Wenn USP euch einmal nicht im Griff hat, setzen wir mit harter Hand an.” – wir bezweifeln, dass das zu einer Stärkung von USP beiträgt.

Vielfach wurde auch das Maßnahmenpaket an sich kritisiert, wobei die Kritik sich sowohl auf Umfang als auch Tonalität bezog. Sven merkte an, dass die nun ausgewählt Maßnahmen „sehr am unteren Ende der Möglichkeit“ seien und andere Vereine da schon mit ganz anderen Privilegienentzügen agiert hätte. Wie ein kluger Mensch uns schrieb: Von Hannover lernen heißt verlieren lernen. „Die Verantwortlichen“ aus der Kommunikation sind die in Verantwortung stehenden Personen, sprich Präsidium und Geschäftsleitung.

Auf die Rückfrage, wie die Kritik an Tonalität und die Wahrnehmung als Kollektivstrafe gesehen wurde, wurde leider nicht eingegangen. Oke bedauerte allerdings, dass man nicht noch intensiver mit Fangruppierungen vor Veröffentlichung des Statements habe sprechen können, entschuldigte dies aber auch mit der Vielzahl an Themen.
Der Vollständigkeit halber sei hier angemerkt, dass selbiges sehr wohl auch als „zu milde“ bezeichnet wurde. Kommentieren wir einfach nicht weiter, ihr kennt unsere Haltung dazu.

Detaillierte Rückfragen zu NKSP wurden von Justus mit der Feststellung, dass den meisten Anwesenden sicher aufgefallen sei, dass deren Fahne da schon seit längerem nicht mehr hänge, es also durchaus bereits Gespräche gegeben habe. Ähnliches gilt auch zu Rückfragen zu einzelnen Bannern auf der Süd während des Spiels.

Auch “Team Law and Order” (siehe Tweet von Elo) war vor Ort und forderte, dass Fanladen und umstehende Fans Störenfriede identifizieren und dann dem Verein melden sollten. Das ist in seiner Absurdität kaum zu überbieten, bekam sehr wenig Zuspruch und wurde von Fanladen noch vor Ort richtig gestellt. Ein kurzes Grinsen konnten wir nicht verhindern, als dann vom Präsidium tatsächlich noch mal gefordert wurde, man solle alle Rotkehlchen auf Basis von § 28 der Satzung aus dem Verein ausschließen. [Ergänzung 16:00 Uhr, da wir Rückfragen bzgl. der Formulierung bekamen: Eine anwesende Person forderte dies vom Präsidium; das Präsidium forderte da nichts.] Die kommen nach Vereinsausschluss auch ganz bestimmt nicht mehr. Zumal für solche Themen sowieso der Ehrenrat und nicht das Präsidium zuständig ist. Welch Verlust der Weggang von Andreas Rettig ist, wurde mal wieder mal deutlich als er in diesem Kontext davon sprach, dass im Stadion eine hundertprozentige Sicherheit nie garantiert werden könne und deswegen das Aufrüsten nur sehr bedingt zielführend sei.

Ebenso wurde der Gassenhauer „Echte Fans“ (wahlweise „Richtige“, „Wahre“ oder auch in Negierung) häufiger genannt, aber sehr schön sachlich und laut jeweils wiederlegt. Und deswegen jetzt alle im Chor: „Auch das sind Fans. Denen das Fansein abzusprechen bringt uns kein Stück weiter. Setzen wir uns lieber über Inhalte statt über Definition mit ihnen auseinander“

Erstaunt häufig wurde von allen Seiten auf die Leitlinien referiert – und weil Wiederholung manchmal hilft: Hier dürfen sich dann gerne auch alle offiziellen Menschen dran halten.

Mehrere Beiträge beinhalteten die nach vorne gerichtete Frage, dass in den aktuellen Strukturen unklar sei, wie und wo man sich für seine Themen weiterhin einbringen könne. Schon vor Ort wurden auf die offenen Treffen (USP, Supportblock, Ragazzi, …) und den Fanladen verwiesen. Der Millernton pflegt einen Kalender solcher Treffen. Gegebenenfalls ist es auch wieder an der Zeit für die Neuauflage eines Fankongresses?

Ein kleiner Exkurs zum Thema Gewalt sei uns auch hier noch mal gestattet. Wir sind der Hippieblog, Gewalt ist nicht unser präferiertes Stilmittel, aber an alle, die Gewalt pauschal ablehnen: Es gibt Situationen, da ist das nötig. Lügen wir uns nicht in die Tasche, aber das kann auch die notwendige Reaktion auf übergriffiges Verhalten untereinander sei. ( Und mit dem Thema Nazis befassten wir uns bereits in der MillernTon-Besprechung).

Verschiedene Redner*innen kritisierten auch die Situation im Stadion außerhalb des Derbys, es werde nicht genug bei übergriffigem Verhalten und gegen Rassismus und Sexismus getan, teilweise würden Ordner nicht wie gewünscht reagieren. Wir hoffen, dass Sven die Kritik in die weitere Arbeit mit dem Ordnungsdienst weiterhin mitnimmt, wollen euch alle und auch uns aber gerne noch mal daran erinnern, nicht wegzuschauen und bei ebensolchem Verhalten einzuschreiten.

Insgesamt nahmen wir eine deutlich positivere Atmosphäre – gerade auch gegenüber der Süd – wahr, als wir dies befürchtet hatten. Hierauf bezogen sich auch mehrere Wortbeiträge: Wie groß sind die Gräben, wie weit werden sie gerade herbeigeschrieben.

Unser Highlight des Abends war der Zwischenruf eines Herren an einen anderen Redner: „Geh doch auf die Süd, Du Arsch!“. Man munkelt, dass es bald Merch damit geben soll.

(Kaufen Sie das Original. Leider aus gegebenem Anlass.)

Und ein Kommentar sei dem weiblichen Teil des Blogs noch erlaubt: Zog es anfangs deutlich mehr männliche* Personen zu den Mikrofonen, so glich sich das über die Zeit aus. Und subjektiv waren die Beiträge der weiblichen* Sprechenden im Gros bedachter und reflektierter als die derer, die zu Beginn ihre Meinung mitteilen mussten. Lest dies als Petition für länger geöffnete Mikrozeiten bei solchen Veranstaltungen im allgemeinen.

In aller Kürze

Die aktualisierte Einladung stellte die Derbyaufarbeitung ja bereits klar in den Mittelpunkt und hierum ging es dann auch – wenig verwunderlich. Wurde das Thema „Werte“ zwar am Rande gestreift, so hätte man der Veranstaltung wahrscheinlich einen anderen Titel gegeben, hätte man nicht vorher schon einen Namen für das Kind gehabt.

Wir finden es nach wie vor schade, dass keine Fanvertreter (z.B. FCSR) offiziell eingeladen waren und die Ereignisse zu Beginn nicht ebenso einordnen konnten. Viel Liebe für Fanladen-Justus, der das super gemacht hat. Aber so etwas hätten wir auch gerne von demokratisch legitimierten Fanvertreter*innen gehört.

Für uns unverständlich das Festhalten an der temporären Kürzung des Kontingents – die genannten Argumente überzeugen uns nach wie vor nicht und wir finden immer noch, dass es einen anderen Weg zur Aufarbeitung gegeben hätte als mit Kollektivstrafen zu agieren. Schade auch, dass auf die Rückfragen und geäußerte Kritik nicht eingegangen wurde – ein wirklicher Dialog ist hier nicht entstanden.

Wir können uns vorstellen, dass die Verantwortlichen das Für und Wider tausende Male durchgekaut haben und deswegen vieles implizit klar ist – wir hätten gerne nachvollziehbar verstanden, warum dies auf St. Pauli der richtige Weg war und warum wir „unestablished since 1910“ nicht gerade auch in Krisen ganz anders als jeder andere Verein in Fußballdeutschland agieren können.

Wie wir bereits auf Twitter direkt nach der Veranstaltung schrieben: Wir kamen als Pessimisten und wurden zumindest nicht negativ überrascht. „Wutpauli“-Statements gab es nur sehr vereinzelt, die schreiben dann wie gehabt lieber weiterhin das Internet voll, statt auf solchen Veranstaltungen den Dialog zu suchen.

Und für uns stellen wir fest: Wir gehen auch immer noch und immer wieder zum FCSP, da wir uns selbst gerne positiv überraschen lassen – sowohl in Bezug auf die Veranstaltung an sich, als auch auf unsere erste Reaktion auf Anfangssätze einzelner Redner*innen: Meistens wurden diese dann deutlich besser als wir anfänglich befürchtet hatten.

Und da es zu helfen scheint, wenn wir pessimistisch unterwegs sind, rechnen wir als Kollektiv dann mit einem 0:4 in Kiel. Um, wie Andreas sagte „unsere kleine Aufstiegschance zu wahren“
Ein Dank gilt allen, die den Abend zu einem bessere haben werden lassen, als wir dies befürchtet hatten. Wenn man sieht, dass um die 800 Menschen 2,5 Stunden in nicht idealer Umgebung größtenteils so konstruktiv diskutieren, dann kann nicht alles falsch sein auf St. Pauli.

Mrz 302019
 

Hallo Loide!

Die Redaktion dieses Presserzeugnisses im nicht herkömmlichen Sinne versteht sich als Kollektiv, aber die Einleitung wurde durch ein einzelnes Mitglied verfasst, welches diesen Artikel unbedingt mit einer schlechten Analogie beginnen wollte, also here we go:

Ein Besuch des Millerntors ist wie der der Schule früher. Eigentlich würde man lieber hinter der Sporthalle Bier trinken und Gras rauchen oder ganz zuhause bleiben, aber irgendwo versteht man es doch als individuelle Pflicht und geht häufiger hin, als es der eigenen Gesundheit vielleicht gut täte. Und an machen Tagen hat man ein besonders schlechtes Gefühl, weil man am Vorabend lesen musste, dass morgen eine Mathearbeit ansteht. Und während man sich im Klassenzimmer sitzend gerade fragt, warum man überhaupt jemals Stochastik lernen sollte, erfährt man, dass der Lehrer krank ist, es wird keine Klausur geben und der Tag ist gerettet.

So ein schlechter Tag schien jedenfalls der vergangene Freitag zu werden. Nach der Stellungnahme des Vereins zu den kommenden Einschränkungen für die Südkurve hatte niemand recht Lust, sich Richtung Stadion zu begeben. Und wenn dann vor dem Spiel ein übereifriger Sponsor noch Astra Weizen feilbietet, weiß man auch nicht mehr so genau, was hoffnungsloser ist: Die Perspektive auf dieses Spiel oder der Versuch der Brauerei mit Herz und Anker, Kellerbier auf den Markt zu werfen. Aber es sollte doch in Teilen ein guter Tag werden. Im Zentrum des Interesses stand selbstredend die Reaktion der Südkurve auf die Kontroversen der vergangenen Wochen. 

Die Aktion mit den roten Sturmhauben und dem „Pyro ist für ein rotes Tuch“-Banner war ein gut gewähltes Stilmittel, denken wir. Auch die Solidaritätsbekundungen auf Nord und Gegengerade sprechen möglicherweise dafür, dass sich die Wogen etwas glätten. Schön, dass irgendwer auf der GG mit einem “Gegen Kollektivstrafen”-Banner auch mal die “Verantwortlichen” daran erinnern, dass wir wissen, warum wir hier stehen. 

Quelle: Privat

Der Verein selbst machte seine komplett verfehlte Rhetorik in der Stellungnahme zumindest ein kleines bisschen wieder gut durch die Erklärung der Solidarität mit der Ida-Ehre-Schule vor dem Spiel. Der öffentliche, von rechts erzeugte Druck gegen die Schule kann bestenfalls noch als absurd bezeichnen werden. Die Rolle von MOPO, Abendblatt und sonstigen Medien ist einmal mehr ein erschreckendes Beispiel für des Fehlen jeder kritischen medialen Öffentlichkeit in der Hamburger Lokalpolitik. 

Sportlich kann diese Saison als aufgegeben bezeichnet werden. Einen so auftretenden Gegner sollte man eigentlich an die Wand spielen und mit 5:0 vom Platz gehen. Dass wir der sportlichen Leitung in den letzten Wochen nicht viel Kompetenz zutrauen, sollte kein Geheimnis sein. Dass das Verlieren und schlechte sportliche Leistungen immer noch als USP (haha) des Vereins verstanden werden, ist zunehmend nervig. Klar, sind die sportlichen Resultate nicht das Wichtigste, wir wollten eigentlich mal für Werte stehen und würden den Verein auch lieber als Vorfeldorganisation der Kommunistischen Partei sehen. Aber dieses Fixieren auf das Verlieren als Teil der Identität ist extrem ungeil. Irgendwann wollen wir auch mal nach vorne und nicht nur zurück. 

Aber wie gesagt, die Saison ist gelaufen, Aufstieg könnt ihr knicken, wollt ihr ja eh alle nicht. Trotzdem war es ein schöner Abend und wir blicken mit deutlich mehr Zuversicht auf den FCSP als noch am vorherigen Tag. Aber denkt dran, der Mathelehrer ist nur krank gewesen, die Klausur wird noch stattfinden. Probleme werden noch auszudiskutieren sein. (Fuck yeah, Literaturnobelpreis ist entschieden dank dieser Analogie!)

Neulesende und Kommentierende

Da uns das Hamburger Abendblatt gerade als “beliebtes Blog” bezeichnet hat und die letzten Artikel auch ziemlich viele Neuleser hatten, hier ein sehr herzliches Willkommen. Wer wir sind, findet ihr hier. Wir freuen uns, wenn ihr uns lest, und wir freuen uns, von euch zu lesen. 

Leider muss hier mal ein allgemeines “aber” folgen. Wir haben eine Kommentarfunktion und freuen uns über eure Meinungen, muss ja nicht unsere sein. Aber mal ganz ehrlich: Wir schreiben über ein Thema drei ausführliche Berichte mit tausenden Argumenten und einen Rant und euer Kommentar ist “aber die Ultras sind doof, da ist Schlimmes passiert, da muss nun alles bestraft werden”? Und damit meint ihr, jemanden mit anderer Meinung zu überzeugen? Oder einen konstruktiven Dialog im FCSP zu fördern? Nun ja. Wäre vielleicht cooler, dann einmal um den Block zu rennen, noch mal nachzudenken und vielleicht die Welt dann anders zu sehen. 

Unser Blogsenior verehrt bekanntermaßen so eine Altherren-Punkband und wir hatten hier früher ein Textschnipsel stehen, der immer noch gilt für uns, für euch, für alle: 

“A righteous student came and asked me to reflect
He judged my lifestyle was politically incorrect
I don’t believe in self important folks who preach
No Bad Religion song can make your life complete” 

Und zu guter Letzt: Unser Blog, unsere Regeln. Wenn ihr hier was schreibt, behalten wir uns das Recht vor, es zu kommentieren, zu löschen oder zu ignorieren. “Warum kommentiert ihr hier denn alles”, fragte letztens ein Kommentator. Weil wir es können. Ganz einfach. 

Auf dem Platz

Bereits nach dem Derby hatten wir mehr Kampf und Einsatz auf allen Ebenen gefordert. Und das ging gestern definitiv in die richtige Richtung, auch wenn uns nicht ganz klar ist, was der taktische Ansatz war und warum wir bei 4 Punkten auf den Tabellendritten nicht auf Sieg spielen. Gut, gestern konnte man nicht wissen, dass der unbedeutende Hamburger Verein und Berlin heute erneut Federn lassen würden. Wir rechnen lieber nicht aus, wo wir ohne die verlorenen 5 Punkte der letzten beiden Spiele gegen Abstiegskandidaten stehen würden.
Zu klären bleibt auch, warum Flum und Allagui in dieser ausgedünnten Kadersituation keine Einsatzzeiten mehr bekommen. Wir erinnern: Gewählter Kapitän und sein Stellvertreter, die in einer schwierigen Phase dann nicht auf dem Platz stehen. 

Offensivstatistiken aller Spieler in der bisherigen Saison. Berechnungsgrundlage: kicker.de

Und warum wir bei einem Spiel gegen den Tabellensiebzehnten, der während des gesamten Spiels keinen Schuss aufs Tor abgibt, dann nicht offensiv umstellen, weiß auch nur der Trainer. Kauczinski hat die Kritik der letzten Wochen scheinbar auch ernst genommen: Seine Hände bleiben nicht mehr in den Hosentaschen, sondern sind jetzt hinterm Rücken verschränkt. Wir merken schon: Da müssen wir noch präzisieren, was wir uns wünschen.
Carstens spielt erstmals als rechter Verteidiger und man sah recht deutlich, dass das nicht seine angestammte und erlernte Position ist. Wir würden uns allerdings auch mal wünschen, dass er sich mal auf einer stabilisieren kann, statt dauernd auf den Positionen durch die Gegend geschoben zu werden. Warum Park – mit dem man vorzeitig bis 2022 verlängert hatte – nicht mal mehr im Kader ist, ist uns ebenso ein Rätsel.

Es bleibt allerdings auch ein Problem, dass die in Frage kommenden offensiven Einwechselspieler in 2384 Spielminuten bisher an 9 Toren beteiligt waren. Und ohne Allagui (der gestern eben nicht zum Zug kam), ist es dann noch 1 Torbeteiligung in 1213 (knapp vorbei, sorry) Minuten.

Vergleich von Toren und Torschüssen je Spiel vor und nach Winterpause. Berechnungsgrundlage: kicker.de

Insgesamt spricht der Einbruch im Offensivspiel seit der Winterpause seine ganz eigene Sprache. Waren es in der Hinrunde im Schnitt 1.67 Tore pro Spiel, sind es jetzt gerade mal noch 0.89 pro Spiel. 
Alex Meier hat dabei 5 der 8 Tore seit der Winterpause selbst erzielt, dabei keinen Assistent gegeben. Henk hatte vor der Winterpause 6 Tore gemacht, dafür aber auch noch 5 Assists selbst gegeben. Es scheint der Vorlagengeber zu fehlen, zumal die Zahl der Schüsse pro Spiel verhältnismäßig viel weniger abgerutscht ist. Und dass Alex Meier eher selbst Tore macht statt diese anderen aufzulegen, wissen sogar wir.

Nach dem Spiel

Wir begossen die Emotionen der letzten Tage und Wochen mit Weinbar-Wein und Fanräume-Bier an Schmalzkuchen, planten Auswärtstouren nach Heidenheim und Dresden und herzten liebe Menschen. Teilweise ging es dann noch weiter ins Viertel, wo an Hamburger Jukeboxes neue Kontributoren für die Playlisten des Todes gefunden wurden und wir außerdem die letzten 10 Jahre Musikgeschichte mit “Zaz ist die französische Rammstein” zusammenfassten.
Fußball könnte so schön sein. Wenn da bloß der Fußball nicht wäre. 

Mrz 222019
 

MillernTon

Am Mittwoch wurde die 62. MillernTon-Folge veröffentlicht. Wieder waren USP-Vertreter zu Gast – und ein Großteil des Gesprächs drehte sich, vermutlich wenig überraschend, um die Vorkommnisse rund um das Derby. Wir wollen hier nicht die ganze Folge besprechen. Während wir wissen, dass ihr die Länge der JHV-Berichte sehr liebt, wäre selbst uns die Besprechung aller in 3:42 besprochenen Inhalte etwas zu krass. Was wir aber gerne machen möchten ist, unsere Gedanken zu einigen zentralen Themen äußern, vielleicht weil wir da auch eine etwas andere Meinung haben und auch einen (halb-)öffentlichen Diskurs innerhalb der Fanszene für sinnvoll halten.

Vorab

Wir finden es erstmal gut, dass wir Ultras haben, die auch in einem solchen kontroversen Moment für ein längeres Interview zur Verfügung stehen. Und wir finden es gut, dass die Millernton Crew dafür Raum bietet.

Es geht nicht darum, dass wir am Ende jedes gesagte Wort unterschreiben. Genauso wenig unterschreiben auch „Ultras“ jedes Wort, das wir hier schreiben. In einer progressiven Fanszene sind immer divergierende Ansichten vorhanden. Das ist gut so.

Wichtig ist, dass man Ansichten erstmal hin nimmt und sie nicht nutzt, um irgendwem sein Fandasein abzusprechen. Das ist alberner Mopo Kram und führt zu nix. Außer zu einem scheinbar reinen Gewissen, weil wenn es keine Fans sind, dann muss ich als Fan mich ja auch nicht für die verantwortlich fühlen. Bullshit! Das werfen wir anderen Vereinen zu Recht vor, wenn es um Nazis oder andere schlimme Dinge gibt und sollten wir daher bei Kontroversen in unserem Kosmos (Achtung, die auf einer ganz anderen Ebene stattfinden) nicht vernachlässigen.

Es ist gut, dass USP breit Verantwortung übernimmt und sich auch einer Verantwortlichkeit stellt. Nicht gegenüber der Mopo und anderen Aufregungsorganen der besorgten Bürger, sondern eben innerhalb eines Dialogs in der Fanszene. Klar kann man immer kritisieren, dass vielleicht zu wenig über eigene Fehler und zuviel über andere Fehler geredet wurde im Millernton, aber a. wer redet schon gerne ausführlich über seine eigenen Fehler? und b. muss man da auch mal zwischen den Zeilen lesen. Ein „wir haben die Verantwortlichen geteert, gefedert und auf der Sylvesterallee ausgesetzt“ beruhigt zwar den deutschen Aufregungsmichel, ist aber sonst einfach albern.

Wichtig ist uns auch, dass das hier kein „über Ultras“ reden ist. Es ist ja auch nicht so, dass es zu den von uns gleich angesprochenen Themen oder zu allen anderen Themen am Millerntor nur eine Ultrameinung und eine Nicht Ultrameinung gibt. So schwarz/weiss ist die Welt nicht.

Die eigenen Grenzen

„Wieder einmal die Konfrontation der Moral mit der Praxis“ schrieb Simone de Beauvoir über Satres „Die schmutzigen Hände“. Einem Theaterstück, was welches die Frage nach den Prinzipien und eigenen Grenzen stellt. Diese Frage nach Prinzipien und Grenzen ist in jeder progressiven, jugendlichen Subkultur eine Zerreißfrage.

Die Ultrakultur beim FCSP ist eine solche jugendliche Subkultur, die auch bei uns immer noch männlich* dominiert ist und die auch bei uns mit Praxis und Moral kämpft. Dabei geht es um Fragen wie: Was ist eigentlich unserer Grenze? Was wollen wir vom (teilweise eben absolut nicht mehr progressivem) Ultraumfeld Deutschlands mit machen? Wollen wir anders sein? Und wenn ja, wie? Was ist eigentlich unser Differenzierungsmerkmal?

Inwieweit kann ich mich gewissem Rumgemackere zwischen Ultragruppen entziehen? Will ich das überhaupt? Und wie kann ich das mit einer progressiven Grundhaltung vereinbaren?

Das sind natürlich alles keine Fragen, die in einem luftleeren Raum aufgeworfen werden, denn natürlich gibt es eine ganze Reihe von externen Einflussfaktoren. Im Millernton wird von „reudigem Verhalten“ der Vorstadt gesprochen. Sagen wir es doch einfach mal etwas plastischer: Wenn dein sechster Kumpel derbe auf die Fresse bekommen hat und seines Schals verlustig geworden ist, dann hast du vielleicht ganz andere moralische Grenzen, als wenn du noch nie so etwas erlebt hast.

Ja, da kommen wir zur Frage der „Gewalt“. Das große böse Wort „Gewalt“. „Gewalt erzeugt Gegengewalt“ sangen schon die Ärzte. Und wir Hippies wollen natürlich alle nix mit Gewalt zu tun haben.

Aber es wäre eine Lüge so zu tun, als ob es beim FCSP noch nie Gewalt gegeben hätte oder die Hafenstraße und die Rote Flora durch lautes Singen von „We shall overcome“ besetzt wurden. Das ist einfach nicht richtig. Auch gewisse Nazifanclubs der 80er Jahre sind aus dem Millerntor durch die Faust und nicht durch gemeinsames Mateteetrinken entfernt worden. Man muss das nicht gut finden, man sollte sich aber beim Gründungsmythos des modernen FCSP nicht in die eigene Tasche lügen.

Dies wäre sonst eine zutiefst spießbürgerliche Perspektive, die sehr viel mit der üblichen Polizeigewaltdebatte zu tun hat, wo dir Leute, die noch nie auf einer Demo waren, erzählen, dass es so etwas ja nicht gibt und man schon etwas gemacht habe, wenn man von der BFE zusammen gedroschen wird.

Dies alles vorausgesagt, wollen wir doch ein paar Gedanken äußern:

Fanartikel zeigen

Womit wir beim Fanartikel klauen und zeigen wären. Dies muss immer als Aktion und Reaktion gelesen werden und verstanden werden. Sie passiert nicht in einem Vakuum. Wir verschieben vielleicht unsere Grenzen, aber es sind Grenzen, die von anderen schon lange durchbrochen wurden.

Auch hier sollte man sich nicht in die Tasche lügen. Material wechselt nicht durch gutes Zureden bei einer Tasse Tee den Besitzer. Klar gibt es mal das vergessene Transpi oder das raffiniert geklaute Banner, aber zumindest ist das Ganze immer auch offen für solche strafrechtlichen Delikte wie Raub, Körperverletzung etc. pp. Man muss auch hier von „Gewalt“ reden.

Ein Gesprächspartner im Millernton beschreibt in der Folge, dass sich bewusst dazu entschieden worden sei, als einmalige Ausnahme gegnerische Fanartikel zu zeigen, als Reaktion auf die Vorkommnisse der vergangenen 2,5 Jahre, die als sehr eskaliert eingeschätzt werden. Zumal es zu allen gezeigten Artikeln einzelne Geschichten geben soll. Dies können und wollen wir nicht nachprüfen.

Trotzdem können wir diese Einschätzung nicht einfach so stehen lassen und doch ein paar Überlegungen in den Diskurs werfen. Wir wiederholen jetzt nicht unsere Ausführungen zum Klauen von Sachen, die wir nach dem Spiel in Kiel letzte Saison geschrieben haben. Sie sind immer noch gültig. TLDR? Es wird schon dadurch schwierig, dass „Ultra“ „Fanszene“ etc. sehr weite und wenig begrenzte Begriffe sind und ich sozusagen ein Opt-In durch die Täter habe. Anders als bei einem Ackermatch.

Und noch ein anderer Aspekt ist uns wichtig – die Stilfrage:
Wenn man sich das Verhalten anderer, auf das man eigentlich keinen, bzw. nur sehr geringen Wert legt, als Ausnahme aneignet, und sei es nur als Stilmittel, dann gebe ich diesem Verhalten, das ich eigentlich falsch finde, ja doch eine Daseinsberechtigung. Und das ist doch genau das, was wir eigentlich nicht wollen. Damit geben wir halt auch dem Obermacker, der dem Familienvater den Schal klaut und dann stolz aufm Zaun präsentiert eine weitere Legitimation (durch die Reproduktion seiner Handlungen) für sein Handeln.
Und klar, die Aktion wird nicht für die Außenkommunikation für alle gestartet, sondern als Message an einige wenige. Aber wenn man etwas in den Plattform „Stadion“ macht, dann ist es eben nicht nur eine gezielte Kommunikation an den Adressaten, sondern hat etwas von einem offenen Brief, der eben auch von vielen anderen Nebenadressaten gelesen und interpretiert wird. Und hier kann es sehr schnell zu einer Interpretation kommen, die eben nicht „einmalige Aktion, weil Vorstadt Fanszene besonders reudig verhalten in den letzten Jahren“ ist, sondern „cool, jetzt machen das sogar die, die das bisher nicht gemacht haben und die sich für besonders progressiv halten, dann kann ich ja weitermachen und die vielleicht selbst noch überbieten“ ist eben auch eine mögliche (und vielleicht bei einem 16jährigen, der sich in seiner Welt beweisen will naheliegende) Interpretation. Und es wird schwierig, das wieder einzufangen.

Weitere Fragen, die man sich stellen muss: Muss man sich das Vorgehen anderer, dass man eigentlich irgendwie doof findet wirklich wiederholen? Hätte es wirklich keinen anderen Weg gegeben zu zeigen, wie scheiße die Fanszene der Vorstadt ist? Muss man das alles mitspielen? Grenzt man sich nicht viel besser ab, indem man doofe Spielchen nicht mitspielt. Uns Hippies hat die Reaktion auf “Stellt Euch endlich Unserer Gier” da besser gefallen.

Da sind sie wieder, die Fragen der Praxis und der Moral.

Vielleicht habt ihr das schon erahnt, aber wir wollen es noch mal wiederholen: Es ist für uns immer noch ein riesiger Unterschied, ob die Grundlage für etwas „Fußball“ ist oder ob vor uns irgendwer steht, der meint in bestem Nazioutfit rumzulaufen (und das zufällig im Fußballstadion macht). Da ist unsere Moral eine ganz andere. Es muss unser ureigenes Verständnis sein, dass Faschisten, ihr Outfit und ihre Insignien am Millerntor (und überall anders) nichts zu suchen haben und sind sehr dankbar für all die, die da auch die körperliche Auseinandersetzung suchen.

Uns als Hippies wäre es jedenfalls am liebsten, wenn bei uns nie wieder Fanartikel gezeigt wurden. Nicht unser Stil, vor allem aber, weil wir hoffen, dass unsere Ultras nichts machen, was sie eigentlich nicht machen wollen, aufgrund der Intensität von Konflikten mit anderen Fangruppierungen. Ja, da sind wir dann wieder das elektronische Gewissen.

Dialog mit der Gegengerade

Wir wollen hier noch mal unseren Wunsch nach einem Dialog Ausdruck verleihen. Wir wollen bei allen Differenzen zu einem Miteinander finden, als zu einem Gegeneinander. Und natürlich klingen da die geäußerten Worte im MillernTon konträr und hart. Und wieder sind wir Hippies genug, uns doch lieber ein harmonisches Miteinander zu wünschen, als ein Denken in Süd- oder Gegengerade Schubladen. Gerade wenn dies auch noch moralisch aufgefrachtet wird.

Jedoch: Es gibt da ein grundlegendes Problem. Während USP zumindest annähernd für die Südkurve sprechfähig ist (und wenn sie es nicht wären, wüsste USP welche Strukturen sie nutzen können), gibt es solche Institution für die Gegengerade gar nicht. Mit wem will man denn reden, wenn man ein Verhältnis zur Gegengerade aufbauen will? Mit dem Supportblock? Bei aller hier immer wieder geäußerten Liebe zum Supportblock, die würden sich wahrscheinlich selber nicht als eine Vertretung der Gegengerade sehen und sind es zur Zeit einfach auch nicht.

Bei aller fehlenden Homogenität, hier hat die Gegengerade ein absolutes Defizit. Und das kann ich nicht damit ausgleichen, dass ich als Hüter von irgendwelchen diffusen „Werten“ auftrete, der diese in einer Allmachtphantasie durch Gepöbel und Liebesentzug durchsetzen will, aber bloß nie über diese Werte diskutieren will. Siehe oben. Das ist genauso wenig St. Pauli. Und nebenbei auch eine Form der Gewalt, die doch alle so ablehnen.

Um ein ernsthafter Gesprächspartner für die Südkurve zu sein, muss die GG Strukturen haben, muss sie eine Definition haben und muss sie auch kompromissbereit sein. Wir schrieben dies schon im zweiten Derbybericht. Ein ständiges „ihr stört unsere Langeweile“ als Grundprinzip ist da zu wenig. Und stellt auch nur in geringem Ausmaß ein rebellisches Sankt Pauli dar.

Wenn dieser Vorschritt getan ist, dann muss man in den Dialog gehen. Und der ist dann auch schmerzhaft, für alle Beteiligten. Aber hey, wir sind doch irgendwo diffus links, da ist Plenum halt auch mal angesagt. Neben der Aktion am Spieltag.

Noch etwas liebe Gegengerade: Wenn Jugendliche (und das sind Ultras nunmal) etwas tun, was alten Säcken (und das sind die meisten auf der Gegengerade) nicht gefällt, dann denkt immer daran, dass a. ihr auch so wart und b. Jugendliche, die immer nur tun, was alte Säcke wollen, Junge Union bedeutet. Und die will ja wohl niemand am Millerntor.

Was fehlt: Die anderen Tribünen. Da fehlt uns gerade die Perspektive.

Ein Ausblick

Sieht gerade alles nicht nach “in meinen Träumen bist Du Europacupsieger” aus und wir werden uns alle finden müssen. Aber das soll uns von einem nicht abhalten: Am Freitag Duisburg mit einem gemeinsamem Roar aus dem Stadion zu brüllen. Ja, vielleicht ist das erstmal der kleinste gemeinsame Nenner, auf dem wir Schritt für Schritt ein neues Selbstverständnis von Fan sein, von einem Miteinander im Millerntor aufbauen können.

Wir sind schon aus ganz anderen Löchern aufgestanden, haben ganz andere Krisen gemeistert und es ist immer irgendwie nach vorne gegangen.

Und hier auch ein Appell an die Mannschaft: Wir lieben euch. Wir machen garantiert keine Plakate auf denen irgendwas von „Wenn ihr absteigt, schlagen wir euch tot“ steht. Die Kommentare unseres amtierenden Kapitäns lassen aber auch auf schlechte Stimmung und dicke Luft schließen. Nutzt auch ihr diese Pause, redet, haut euch die Köppe ein und schöpft daraus neue Kraft. Es sind noch 8 Spiele und es ist noch alles drin. Und wenn es am Ende Platz 7 wird, dann fahren wir trotzdem mit erhobenem Haupt gemeinsam aus Fürth zurück und dann hauen wir halt 19/20 alle weg.

AUX ARMES (mit stummen S)

Mrz 172019
 

Nicht eine mutlose Mannschaft hat dieses Spiel verloren, sondern dieses Banner!

Wirre Welt

Ja liebe Lesende, solche Logiken haben wir nach dem sportlichen Offenbarungseid in Sandhausen lesen müssen. Und “die Ultras” sind sowieso immer Schuld.

Das ist so absurd, dass man eigentlich gar nicht mehr ernsthaft dagegen argumentieren kann. Aber nun gut, lebt ihr weiter in eurer Zerrwelt, wir leben ganz gut in unserer.

Wir führten Gespräche, wir trafen liebe Menschen, natürlich war das Derby Thema. Komisch: In unserer Zerrwelt kann man unterschiedlicher Meinung sein und trotzdem ruhig miteinander an Lösungen arbeiten.

Lieber mit den Ultras

Wir wollten zu unseren Ultras, andere wollten unbedingt weg von unseren Ultras. Wir sind lieber solidarisch, auch wenn es mal was zu meckern gibt, ihr kennt uns. Insgesamt blieb es im Block aber auch ganz entspannt und selbst nach dem 4-0 blieb gab es untereinander nur sehr wenig stress. Liegt vielleicht aber auch daran, dass die “ich stehe seit 1910 Jahren hier und deswegen habe ich die Weisheit mit Löffeln gefressen”-Menschen eher selten nach Sandhausen fahren.

Wir sahen einen Gästeblock, der versuchte einer vollkommen saft- und kraftlosen Mannschaft mit allen Mitteln den Rücken zu stärken. Einen Vorsänger, der sowohl vor dem Spiel, als auch in der Halbzeit noch mal Engagement einforderte, weil man gemeinsam doch noch viel erreichen könnte. Und der kurz vor Schluss zu einem ruhigen Verlassen des Blocks aufforderte. Was die meisten auch machten. Anderen war während des Spiels nach Anfeuern zu Mute, wieder anderen nach Unmutsbekundung. Alles okay, so lange es im Rahmen bleibt. Nicht im Rahmen sind konkrete Drohungen gegen Spieler (Stichwort “Kopf ab”Geste) und Würfe mit Bechern, die es nach dem Spiel. Das geht gar nicht.

Wir sahen zwar ein Plakat zum Derby, welches den Auftritt kritisierte. Was auch wieder so ein bisschen Standard ist, aber seien wir ehrlich ““mutlos” ist a) eine realistische Einschätzung und b) nun auch keine Sache von der jemand beleidigt fühlen sollte. Insofern vollkommen okay, egal ob man den Inhalt nun teilt oder nicht. Außer man lebt auf einem ganz komischen Planeten. Und wie immer: Die Ultras müssen ja nun nicht Plakate malen, die euch gefallen.

Der Stürmer-Vergleich gegen die Mopo ist dagegen unterirdisch. Ja, die MoPo ist Scheisse (auch wenn sie nach dem Attentat in Christchurch zuletzt ein vernünftiges Cover hatte – aber auch ein blindes Huhn findet ja ab und zu mal ein Korn) und das kann man gar nicht oft genug äußern. Aber so ein Vergleich ist immer eine Relativierung des Originals und das ist nie sinnvoll. Selbst wenn es wie hier eine Replik auf einen total bescheuerten Nazivergleich in der Mopo ist. Man muss nicht alles reproduzieren. (Für die, die es nicht gelesen haben: Der Artikel ist seit einigen Tagen vom Online-Auftritt verschwunden.)

Auf dem Platz

Wir sahen auf dem Platz eine grausige Vorstellung. Eine Analyse in einer Grafik:

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Es ist erschreckend, wie stark unsere Mannschaft in der Rückrunde abgebaut hat. Kommt euch das bekannt vor?

Ja weil es ein Thema seit Jahren ist, bzw. sein sollte. Immer wieder gehen Halbserien komplett in die Hose oder auf gute Halbserien (definieren wir sie mal als 28 Punkte oder mehr) folgen höchstens mittelmäßige Halbserien. Konstant waren wir in den wenigsten Jahren.

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So auch in der jetzt laufenden Saison. Hinrunde 31 Punkte (1,82 Punkte pro Spiel). Rückrunde zur Zeit auf einem Kurs 22 Punkte (1,3 Punkte pro Spiel).

Und nein, das ist nicht alles “Glück” und nun “Pech”; das ist mit dem Einbruch in den Leistungswerten absolut zu erklären – das einzige wo wir einigermaßen konstant blieben sind die Zweikampfwerte. Da wo wir die Form der Hinrunde finden (Paderborn) gewinnen wir auch weiterhin.
Und noch auffälliger wird es, wenn ihr euch mal die Schlüsselspieler in der Tabelle anschaut. Der Leistungsabfall bei diesen ist erschreckend. Und da sollten Formaufbau, Motivation, Inhalte im Training grundlegend hinterfragt werden.

Nur mal so: Hätten wir in der Rückrunde bisher einen Schnitt von 1,5 Punkten pro Spiel, hätten wir 2 Punkte mehr, mit 1,8 4 Punkte mehr. Man muss Spiele gegen Aue, Darmstadt und Sandhausen nicht verschenken. Und der FCSP muss sich langsam in Ingolstadt entschuldigen.

Ein Trainer, der nach einem solchem Spiel die Verunsicherung anspricht und meint, er habe keine gestandene Spitzenmannschaft macht es sich zu einfach. Es ist seine ureigene Aufgabe, nach so einem Rückschlag die Mannschaft einzufangen und auf das nächste Spiel zu fokussieren. Und vor dem Spiel wurde noch behauptet man habe sich darauf eingestellt. Davon war leider gar nichts zu sehen.
Und es war noch nie unser Stil jetzt auf einzelne Spieler zu zeigen. Das ist kein individuelles sondern ein kollektives Problem. Auf das die Verantwortlichen in der Länderspielpause (No Borders, No Nations!) hoffentlich eine gute Antwort finden.

Was sahen wir noch?

Der örtliche “Veteranen”-Fanclub, der ohne Witz einen Che Kopf auf seiner „vor dem Spiel auf dem Platz schwenken” Fahne hat.

Ein Vereinslied mit sinngemäß folgenden Zeilen:
„Unsere Farben sind schwarz weiß, darauf sind wir heiss, es sind die Farben der Nation das ist bei uns schon Tradition“

Egal welche Nation hier gemeint ist (Preußen?), keine Tradition in die man sich stellen sollte, wenn ihr uns fragt.