Jul 152016
 

Worte vor den Worten

Gestern war die Pressekonferenz zur Trikotvorstellung und wie es langsam gute Praxis ist, wurden neben der versammelten Presse auch Blogger eingeladen.

Empfangen wurde man im Vorraum der Geschäftsstelle, wo Under Armour (UA ab jetzt) aufgefahren hatte. So reichte man kleine Cocktailhappen. Ein Vorgeschmack auf das, was man wohl so ein bisschen mit Clash of cultures beschreiben kann. Klar, das ist ein leeres Stichwort und sehr plakativ, aber wir wollen es trotzdem mal benutzen.

So richtig denkt man beim FCSP ja immer noch nicht an Cocktailhappen und hochwertiges Fingerfood. Aber nun gut. Das ist ein Sponsor und der will sich damit natürlich auch ein bisschen wohlwollende Presse erkaufen. Das ist aus unserer Sicht vollkommen legitim, aber man muss das eben auch werten können.

Die Kampagne

UA hat die ganze Kampagne unter das Stichwort „Welcome hell“ gestellt. Warum man hier das „to the“ weggelassen hat, wissen wir nicht, es waren auch auf dem Podium keine Nachfragen vorgesehen, sonst hätten wir mal gefragt. Kann natürlich rechtliche, inhaltliche oder auch werbetechnische Gründe haben. Diese Sponsorenschlagwörter existieren, man kann sie nervig finden, man muss sie aber wohl als Realität hinnehmen. Sie müssen einen ja nicht ansprechen. Und besser als „First never follows“ ist das definitiv.

Oke begrüßte den Mob (Achtung: Alle Zitate bitte mit Vorsicht, weil wir nur ganz schnell mit-geschrieben haben und Fehler absolut nicht auszuschließen sind. Einen unserer Fehler korrigierte Oke gestern schon per Twitter, danke dafür. In Klammern ein paar Anmerkungen von uns.) mit den Worten, dass dies unsere Heimat sei (war das so eine kleine Spitze gegen die Happen?) Dies sei eine Partnerschaft wo man sich auch in einigen Dingen gegenseitig herausfordern würde. (Für einen reinen Werbetermin wurden die gewissen Zweifelsfragen die man bei UA haben kann doch relativ deutlich und offen angesprochen. Das gefiel.)

Gehen wir durch den Gang

Das Programm startete mit einer Führung durch einen massiv umgestalteten Kabinengang. Ach ja, wir verzichten jetzt mal größtenteils auf Fotos, die findet ihr viel besser auf der offiziellen HP und in der Presse.

Man hat nicht nur Heim- und Auswärtskabine getauscht, was einem Wunsch der sportlichen Leitung entsprach, sondern man hat auch den Kabinengang umgestaltet. Sven Brux erläuterte dieses und meinte, der Gang hätte vorher ja den Charme eines UKE (Universitätsklinikum Eppendorf für die Nicht-Hamburger) Kellerganges gehabt. Nun sei das mehr St. Paulimäßig. Man habe das sowieso umgestalten wollen und da UA sich dort auch habe präsentieren wollen, hat man das gemeinsam gemacht. Dann wären die Werber gekommen und hätten einige crazy Ideen gehabt, die man auch teilweise hätte wieder einfangen müssen, weil es gewisse Vorgaben bei Laufwegen und ähnlichem gäbe.

Ja will so man nun den Kabinengang beschreiben? Schwarz, auf der linken Seite ein „I will“ (als Trademark gekennzeichnet) und darum Unterschriften unserer Spieler. Das ist natürlich SEHR amerikanisch, wo solche Motivationssprüche im Kabinengang bei Sportteams die Regel und auch eine lang gepflegte Übung sind (in Europa fällt uns gerade spontan nur das „This is Anfield“ Schild als Klassiker ein.), es sollen dort weitere Spielerunterschriften über die Jahre gesammelt werden. Dann viele Künstler, die sich an der Wand verewigt haben. Sven Brux sprach von einem Drogentrip („Wobei ich natürlich nicht weiß, wie sich das anfühlt“, fügte er unter Gelächter hinzu) und das trifft es schon sehr gut. Letztendlich ist ein dreidimensionaler Totenkopf aufgebracht, der in die Mix-Zone endet. Diese ist nun wie ein Bolzkäfig (das ist nicht unsere Beschreibung, sondern die von Brux benutzte, unsere Assoziation war eher Kaiserkeller, der sah mal ganz früher so aus, wie unser Opi sagte) gestaltet. Gitter und Metall prägen das Bild. Auch der Spielertunnel hat nun eine entsprechende Optik und ist aus Metall und auch hier ist ein dreidimensionaler Totenkopf verewigt.

Hm. Ja, ganz nett. Wie immer auch sehr Geschmackssache. Diese Spielertunnel mit dem Charme des UKE haben natürlich auch irgendwie was bodenständiges, nicht vermarktetes, ursprüngliches. Aber anderseits ist schwarz, Metall und Totenkopf natürlich auch eine nette Optik.

Wie UA sich sieht

Im Spielertunnel dann die Pressekonferenz. Geleitet von Sascha Bandermann (Sky), was wir erstmal erstaunlich fanden, dass man für so etwas einen externen Moderator engagiert. Aber nun gut. Das ist halt eine Show. Ob eine solche Show für eine Trikotpräsentation notwendig und angemessen ist, sei mal jedem selbst überlassen.

Natürlich folgte nun kein journalistisches Interview, sondern Sascha Bandermann betätigte sich als eloquenter Stichwortgeber. Das machte er selbst nicht extrem anbiedernd, sondern sachlich und elegant. Und machte über seine Rolle noch kleine Witzchen. Dazu noch in einem sehr flüssigen gutem Englisch.

Es gab erstmal ein Werbefilm über UA, der halt amerikanisch war. Freunde des gepflegten Antiamerikanismus werden hier Millionen Angriffspunkte finden (wie in ganz vielen anderen Dingen), ist definitiv nicht unser Ding. Der Film, aggressiv geschnitten, ganz viel Training und „work hard“-Ethos und ganz viel „winning“ und „Team“ etc. Auch sehr amerikanisch, was jetzt keine inhaltliche Abwertung ist, sondern eine rein sachliche Feststellung. Da muss man sich nur die Social Media Auftritte von Amis vs. Europäern angucken. Bei den Amis wird dieses „work hard“ vielmehr nach vorne geholt, als bei den Europäern. Das heißt nicht, dass die nun weniger arbeiten, es wird halt anders verkauft. Und ist natürlich jetzt nur unser subjektiver Eindruck. Dazu wurde die Marke immer als „young“ und „agressiv“ dargestellt und diese Stichworte zogen sich durch die Präsentation. „Make athletes win“ ist so ein anderer Spruch. Das dann relativ schnell gesagt wurde, das würde ja von der „Marke“ zum FCSP fassen, lies uns ob der ja bekannten sportlichen Erfolge des FCSP doch ein bisschen schmunzeln. UA empfindet sich aber als anders und will sich auch so ein bisschen als kleiner, schneller, aggressiver Konkurrent zu den Schwergewichten der Branche präsentieren. Das passt dann natürlich schon zum FCSP.

Die Erfolge nun runter zu reissen, die UA Athleten in den USA erreicht haben, sparen wir uns mal. Der für europäische Ohren wahrscheinlich bekannteste Athlet ist Steph Curry, aber auch Bryce Harper (BÄÄÄÄH sagt unser Baseballexperte) und andere Superstars des amerikanischen Sportes.

Danach sagte Chris Bale (Europachef UA) ein paar Worte (auf englisch, so dass hier die Zitate bitte noch mehr mit Vorsicht zu genießen sind). Er begrüßte die Leute mit „Moin Moin“ und sagte dann, dass dies sein ganzes Deutsch sei (Okay, der weiß wie er Leute begeistert). UA sei 20 Jahre als, der Gründer habe College Football gespielt und damals gab es noch nicht mal Kompression Unterwäsche. Dies habe er dann entwickelt und habe damit Freunde und Teamkollegen ausgestattet, da sein College Team sehr gut gewesen sei und 10 Spieler in die NFL gekommen sei, habe sich die Marke schnell rumgesprochen und damit sei der Beginn gelegt. (Ob dieser Gründungsmythos stimmt, ist wie bei allen Mythen um Gründungen schwer zu sagen, lassen wir mal so stehen).

Man habe vor zwei Jahren begonnen eine Europastrategie zu entwickeln und sei dann schnell auf den FCSP gekommen, weil man „something different“ gesucht habe. Man habe etwas gesucht, was man den US-amerikanischen Direktoren, die keine Ahnung haben von Fußball habe verkaufen können. Als erstes habe man in Europa Memphis Depay unter Vertrag genommen, der sei „our kind of athlete“ er sein nicht der talentierteste, aber würde hart arbeiten. Gleiches wurde über Andy Murray gesagt. Lustigerweise wurde als Fußballer auch Tah genannt.

Danach habe man Vereine gesucht und auf Southampton und St. Pauli gestoßen. (Wo die Gemeinsamkeiten dieser beiden Vereine sind, könnt ihr mal versuchen zu ergründen. Uns ist das unklar.) Was aber hier von allen betont wurde und wohl auch richtig ist UA ist wohl frühzeitig und aggressiv auf den FCSP zugekommen. Das ist wohl eher ungewöhnlich in diesem Geschäft.

Man habe dann über Weihnachten abgeschlossen. Lustig: Das ganze wird mit einem Foto des Bunkers mit Pyro (ihr erinnert?) unterlegt und Chris Bale spricht von „our kind of communication“. Ich hoffe der FCSP hat eine Klauseln drin, dass die ab jetzt die Pyrostrafen zahlen, dann liefern wir denen gerne noch ein bisschen ihrer Art der Kommunikation. 😉

Insgesamt sei es ein „perfect match“

Man wolle dem Team helfen zu gewinnen (wir lachen), dies nicht nur über Textilien, sondern auch über die geplanten und schon vorhandenen Apps. (Zur Erklärung: UA hat auch so ganz viele Fitness Tracker und Fitness Seiten im Angebot und will das alles mit dem reinen Textil vernetzen (sic!) und alles in einem anbieten.) UA hat Fitnessplattformen mit ungefähr 160 Millionen Nutzern weltweit. U.A. auch 20.000 in Hamburg, was ein guter Start sei. Die Genderbalance sei 50/50 (wir könnten nicht so richtig erahnen, ob nun weltweit oder in HH), was sehr ungewöhnlich für solche Seiten sei und toll. (Das so etwas in den Vordergrund gestellt wird, ist auch sehr amerikanisch, wo Firmen zumindest in ihrer Präsentation so etwas wie Gender Gleichheit hoch halten.)

In der Zukunft wolle man, dass bei einem Fitnessnetzwerk an UA gedacht werde, so wie man bei Social Network an Facebook denke.

Er fragte dann die Leute, ob sie wüssten, was ihre Blutgruppe sei. Es gingen vielleicht zwei Arme hoch. Und er sagte dann, dies sei normal, die Leute wüssten mehr über ihr Auto, als über ihren Körper. Dies wolle man ändern. (Jo, der Junge kann sich und die Idee seiner Firma verkaufen, das muss man absolut ihm lassen.)

Was wir als nervig empfanden: Man hatte natürlich ganz viele Helfer engagiert, die sich um die Gäste kümmerten und die hier auch als Stichwortklatscher fungierten. Das ist in einer Pressekonferenz eher komisch.

Mehr als ein Sponsor?

Als Willkommensgeschenk bekam dann Oke ein Modell des neuen Gitterraumes überreicht, was er nach eigenem Bekunden in das Museum bringen werden. Oke selber überreichte ein Refugees Welcome-Shirt.

Oke sagte dann, das dies mehr als ein Sponsor sei, man wolle Ideen miteinander anschieben und sei im direkten Dialog miteinander soziale Projekte anzuschieben und habe dafür auch einen eigenen Etat im Vertrag. (Auch dies ist gerade im US amerikanischen Sport absolut Gang und Gäbe.) Details wurden nicht erläutert. (Und natürlich muss man auch abwarten, ob und was sich aus diesen Worten entwickelt. Erstmal sind das nur leere Ankündigungen. Ob die dann mit Inhalt gefüllt werden oder ob man in drei Jahren enttäuscht getrennte Wege geht wird sich zeigen.)

Man habe von einem Sponsor einen so umfassenden Support noch nicht erlebt, dies werde die Spieler auch körperlich besser machen.

Weiterhin habe man vereinbart ein Budget für Nachwuchsspieler zu haben, die man (wie später Rettig ergänzte) so auch hofft an den Verein binden zu können. So nach dem Prinzip „ihr bekommt hier zwar nicht die riesige Kohle, aber die geilste Ausrüstung und Unterstützung“. Auch dieses Budget sei außergewöhnlich, meinte Oke, er habe da auch mal in die Historie der Ausrüsterverträge geguckt.

Man war mit 16 Leuten bei UA (wir verstanden erstmal 60, man entschuldige unser Roggnrollgehör) gewesen, Vertretern von Fanszene, AFM und Amateurabteilungen. Man habe da unterschiedliche Blickwinkel gehabt und auch Dinge kontrovers diskutiert. „Wir haben uns nicht nur gegenseitig auf die Schultern geklopft“. Man habe auch Sachen gegenüber UA kritisch hinterfragt. (Was genau und ob es da nach einer Ansprache auch Bewegung bei UA gibt, wurde nicht gesagt.)

Dann wurde noch die Mannschaft zugeschaltet, so ein bisschen so getan, als ob live, war natürlich nicht live. Unsere Aufzeichnungen dazu lesen sich wie folgt: „blablupp“. Einzige Aussage, die bei uns hängen blieb „das ist schön eng, da ist man nicht so gut zu greifen“. Worauf Spieler so achten. Welcher Spieler da was gesagt hat, war von unserem Platz nicht so schnell mitzuschneiden, wenn wir es richtig gesehen haben, hatte man Lasse, Schnecke, Bernd da platziert, aber unsere Sicht war relativ eingeschränkt.

Danach wurde dann die Optik präsentiert, habt ihr gesehen, Rettig sagte, man habe vom Verein eher schlicht gewollt und habe dies auch verwirklichen können. Geschmacksdiskussionen könnt ihr im Forum führen.

Danach gab es noch eine Führung durch die Millerntor-Gallery und eine „After Show Party“ im Ü&G, wir mussten jedoch aufgrund anderer Termine dies ausfallen lassen.

Bleibt nur noch eines zu erwähnen: Es gab für jeden ein Trikot mit Wunschbeflockung (immerhin ein 75 Euro Gegenwert), was wohl auch ein relativ simpler Versuch ist Sympathie zu erkaufen. Nun können wir lange über unmoralisch diskutieren, aber hey, wer schlägt schon ein geschenktes „Kalla“-Trikot aus? Wir und der hochgeschätzte Übersteiger Frodo nicht.

Der subjektive Stofftest sagt, dass das relativ dünner, angenehm sich anfühlender Stoff ist. Die Größe L passt unserem Längsten (1,90) und Dicksten (wir schweigen hier über Daten), ist dann immer noch sehr lang, aber auch eng.

Das zur Dokumentation der Vorstellung. Falls ihr Tippfehler oder ähnliches findet, dann be-haltet sie einfach. Wir haben das jetzt für eure Info ganz schnell zwischendurch runtergetippt, so dass es natürlich ein bisschen fehlerhaft sein kann.

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Mai 192016
 

Wenn man auf die Saison zurück blickt, dann sind die grundlegenden Zahlen erstmal erfreulich. Vierter Platz mit 53 Punkten und damit 11 Plätze mehr, als letztes Jahr und 26 Punkte mehr. Bei allen Detailbetrachtungen, die nun folgen, sollte man dies nie vergessen. Und nun kommt er. Der gnadenlose Saisonrückblick:

Im Allgemeinen

Es ist wahrscheinlich keine neue Feststellung, wenn man schreibt, dass der Abstand zwischen den einzelnen Vereinen immer größer wird. Der Abstand von Liga 1 zu Liga 2 ebenso wie der Abstand in Liga 1. Dies ist – wie wir letztens schon erläuterten- insbesondere mit den Fernsehgeldern zu erklären und nahezu nicht zu ändern. Zumindest ist es so lange nicht, so lange ein Verein wie Bayern München auf zwei Wettbewerbssituationen guckt. Wettbewerb 1 (Bundesliga) soll da für Bayern (und auch Dortmund etc.) genug Geld generieren, dass man in Wettbewerb 2 (Champions League) mit anderen Europäern mithalten kann. Da ist die Neigung, in Wettbewerb 1 auf Geld zu verzichten und damit gleichmäßiger zu verteilen, nicht gegeben. Und das ist auch nicht böse, sondern aus der eigenen Wettbewerbssituation vollkommen legitim. Dies ist auch der große Unterschied zur Premier League. Die können sich auch deswegen eine andere Verteilung gönnen, weil sie a. Wettbewerb 2 nicht ganz so hoch bewerten und b. In Wettbewerb 1 sowieso mehr als genug Kohle einnehmen.

Nur das System wird auf kurz oder lang zu einer Zementierung der Verhältnisse führen. Bayern muss schon sehr viel falsch machen, um mal zwei Jahre nicht in der Champions League zu spielen. Ein Abstieg erscheint komplett unmöglich. Bayern kauft zur Zeit Spieler, als ob es Aktien des Neuen Marktes in dessen Hochzeiten wären. (Danke an @xxlhonk für diesen passenden Vergleich). Man bedenke, dass Bayern mal eben den Jahresumsatz von Köln (geschätzte Zahl) für zwei Spieler als Ablösesumme raus haut, die eher in die Kategorie „Nice to have“ fallen. Solche Summen hätte Bayern vor einigen Jahren nur raus getan, um den absoluten Superstar eines anderen Teams zu kaufen. Oder einen fertigen Spieler der Marke Robben. Und so gut die beiden auch sein mögen, dies sind beide nicht.

Diese Gruppen an Vereinen wird man nur aufbrechen können, wenn ich externes Geld generiere oder diverse Jahre über meine Verhältnisse spiele. Und bei beiden Ideen ist die Fallhöhe immer hoch. Siehe Paderborn. Siehe aber auch Mainz. Die durch viele gute Saisons nun langsam aber sicher auch nach unten ein Polster bekommen, da sie sehr von den Fernsehgeldern profitieren. Aber trotzdem muss ein Verein wie Mainz jedes Jahr seine Mannschaft neu zusammenstellen, weil wieder irgendein größerer Hai kommt und sich die Spieler holt.

Dies alles wird zum Ende von 50+1 führen. Und das ist wahrscheinlich auch besser, als diese ganzen komischen Umgehungsstratigien wie sie in Hannover, Augsburg oder Leipzig gefahren werden. Was man bei einer Aufgabe von 50 +1 wissen muss, ist, dass es kein Allheilmittel ist. Denn zum einen wird ein Managment nicht plötzlich besser, weil kein e. V. mehr dahinter steht, und zum anderen gibt es im Notfall auch immer nur einmal richtig viel externes Geld. Danach profitieren eher die Eigentümer.

In diesem ganzen Umfeld muss der FCSP bestehen. Er versucht seinen eigenen Weg zu gehen, was natürlich nicht risikolos ist, gerade weil wir auch wenig Puffer nach unten haben. Der FSV Frankfurt war vor vier Jahren vierter der zweiten Liga. Aber man erhält sich eben auch das, was man als Besonderheit oder in Marktingsprech als „USP“ bezeichnet. Haben wir alles ausgeführt. Hier nur als Erinnerungsposten.

Natürlich kann man sich fragen, ob eine „Europa League“ als Closed Shop nicht langsam besser ist und den Wettbewerb 1 nicht für alle anderen attraktiver machen würde, als eine 90-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass Bayern 1. und Dortmund 2. wird. Die Zukunft wird zeigen, ob der Fußball sich dahin bewegt. Und ob er dort seine Fans findet.

Auf dem Platz beim FC

Um eine Saison endgültig zu bewerten, ist es immer interessant nicht nur auf die gesamte Punktzahl zu blicken, sondern auch auf die in Hin- und Rückrunde erzielten Punkte. Daran hätte man in der Saison 13/14 schon den krassen Abwärtstrend sehen können, der uns in der Saison 14/15 beinah das Genick gebrochen hätte. Und auch dieses Jahr muss man einen gewissen negativen Trend sehen. Fünf Punkte weniger in der Rückrunde im Vergleich zur Hinrunde. 13/14 waren es acht Punkte Differenz. Wenn man aber die Rückrunde 14/15 als Vergleich sieht, dann herrscht hier ein Gleichstand. Daher würden wir die Rückrunde als Warnsignal nicht überbewerten wollen, sie eher als Mahnung zum richtigen Zeitpunkt verstehen wollen. Der Rückgang ist auch erklärbar damit, dass man ein „Sicherheit zuerst“-System eingeführt hatte, nachdem man in der Hinrunde 14/15 mit Hurrafußball doch eher unterging. Dies überraschte zu Beginn noch viele Vereine, irgendwann hatten sie uns aber auch durchschaut und unsere Schwächen (Spiel machen) gepeilt. Hier muss die Weiterentwicklung einsetzen.

Wo kann sich der FCSP nächste Saison noch verbessern? Tore erzielen. Das ist offensichtlich. Ebenso offensichtlich ist die Unfähigkeit, nach Rückständen das Spiel noch in eine positive Richtung zu drehen. Wenn wir richtig zählen (da dies während des Kaiserslautern-Spiels erfolgte, bitte keine Garantie), dann holte man gerade mal zwei Punkte nach einem Rückstand. Und besserte diese Bilanz dann auf fünf Punkte durch den Sieg gegen Kaiserslautern auf. In einem besseren Trainingsspiel.

Daran ist zu arbeiten. Das ist auch immer eine Charakter- und Leidensfrage. Häufig vermisste man diese Saison den Spieler, der mit dem Kopf durch die Wand geht und so noch einen Umschwung erzwang. Gerade am Millerntor fehlte ein Spieler, der Mannschaft und Publikum in Spiele zurück brachte und so einen Umschwung erzwingen konnte.

Das eben Geschriebene muss man aber auch immer im Lichte der starken Verbesserung im defensiven Bereich sehen. Bei uns denken halt elf Spieler zuerst einmal defensiv und häufig genug war Thys Hauptaufgabe die eines ersten Verteidigers. Das führte zu diversen Zu-null-Ergebnissen, die Basis für unseren Erfolg waren. Aber führt natürlich dazu, dass man schwer umdenken und Spiele drehen kann. Viele frühe Gegentore versauten diese Quote noch ein bisschen und gerade in der Rückrunde wurden diverse erste Halbzeiten verschlafen. Hier muss und wird an der Konzentration von der ersten Minuten an zu arbeiten sein.

Die einzelnen Spieler

Wie haben sich die einzelnen Spieler in unserer unbedeutenden Meinung gemacht? Das ist jetzt natürlich alles sehr subjektiv und aus dem Bauch heraus. Wenn ihr eine andere Meinung habt, dann können wir das nachvollziehen. Wir gehen hier mal von allen Spielern aus, welche die offizielle Homepage als Kaderspieler der ersten Mannschaft nennt.

Heerwagen: Das er ein geiler Typ ist, kann man im Millernton nachhören. Ansonsten ein Ersatztorhüter, wie man sich ihn wünscht. Teamplayer und man hat immer das Gefühl, dass er Leistung bringen würde, wenn er denn mal aufgestellt werden müsste. Bleibt uns noch mindestens ein Jahr erhalten. Wir freuen uns drauf.

Himmelmann: Rettete uns ganz viele Spiele und Punkte mit tollen Paraden. Ist auf der Linie wahrscheinlich einer der Besten. Abstöße und Strafraumberrschung fallen da schon ein bisschen ab. In einem Scouting würde das wahrscheinlich immer als Schwäche aufgeführt werden, auch weil er relativ (!) klein für einen Torhüter ist. Trotzdem einer absoluten Hightlight-Spieler dieser Saison. Bleibt uns hoffentlich noch eine Weile erhalten oder geht zumindest dahin, wo er in der ersten Bundesliga wirklich spielt.

Brodersen: Wird häufig zu DFB-Lehrgängen eingeladen und ist noch super jung. Mal sehen, was der so die nächsten Jahre zeigen kann. Talent ist allemal vorhanden. Aber der Schritt zum Profitorhüter ist immer ein großer.

Sobiech: Das Bild vom nicht wankenden Turm in der Schlacht wird jetzt mit ihm bebildert. Auch er rettete ganz viele Spiele mit tollen Leistungen. Auch immer wieder schön waren seine Noteinsätze als Mittelstürmer. Brachte dann immer wieder Torgefahr in diesen Situationen. Borussia Dortmund sollte sich nebenbei fragen, ob sie nicht zu früh die Kontrolle über diesen Spieler abgegeben haben, der ja doch Dortmunder durch und durch ist (was vollkommen okay ist). Wird nicht mehr lange brauchen, bis er erste Liga spielen wird. Vielleicht ja mit uns?

Ziereis: Verdrängte mehr oder minder Gonther aus der Startformation und dies mit wirklich starken Leistungen. Fiel dann ab, als die „XYZ will ihn haben“-Schlagzeilen aufkamen, wobei das wahrscheinlich eher an der ersten vollen Saison als Profistammspieler lag, die am Ende halt auch Spuren hinterließ. Ganz viel Talent ist vorhanden, aber noch sind auch immer wieder Fehler zu sehen. Aber das stellt man ab, wenn man Erfahrung bekommt. Die sollte er sich vielleicht noch weiter auf dem Niveau Liga 2 suchen, als gleich in das Abenteuer Liga 1 zu starten. Mal sehen, ob er und sein Berater auch so denken.

Keller: Kam ein paar mal zum Einsatz und zeigte da sehr viel Anlagen und ist ja auch ein riesiger Baum von Kerl. Wenn er uns erhalten bleibt, wird er garantiert der notwendige absichernde fünfte Verteidiger werden und seine Einsatzzeiten bekommen, auch weil er relativ flexibel auf allen vier Kettenpositionen spielen kann.

Buballa: Hey, verkaufen wir mal den Halstenberg, haben wir doch mit Buballa beinah gleichwertigen Ersatz! Wow. Lücke gesehen, Lücke gestopft. Okay, offensiv gibt es da noch Steigerungspotential, aber die Position des Außenverteidigers sucht da auch die eierlegende Wollmilchsau. Und die ist nahezu nicht zu finden. Deswegen auch der Mondpreis für Halstenberg. Er macht das gut, bleibt uns erhalten und wird weiterhin garantiert seine Zeiten bekommen.

Hornschuh: Als Last-Minute-Verpflichtung und als Backup gekommen, als Spieler mit Vertrag bis 2020 geblieben. Wer dies vorausgesagt hätte, den hätte man für verrückt erklärt. Der Junge war beim Absteiger FSV Frankfurt aussortiert worden und spielt nun beim vierten der Liga FC St. Pauli eine riesige Rolle. Womit man wieder sieht, was Umfeld, Trainer und auch ein bisschen Glück ausmachen können. Offensiv garantiert noch mit Steigerungspotential, aber das wird. Und vielleicht darf er dann irgendwann mal vor der Dortmunder Südtribüne spielen (noch so ein Dortmunder). Wenn auch in Braun-Weiß.

Eden: Als Spieler für die zweite Mannschaft geholt, der im Notfall oben aushelfen soll. Das hat er getan. Wenn er gebraucht wurde, hat er still und ruhig seine Aufgabe erledigt.

Deichmann: Ebenso Backup, wenn gefordert, war er da. Unvergessen sein spontaner Einsatz gegen Fürth. Das war großes Tennis. Verlässt uns in unbekannte Richtung. Alles Gute dazu.

Gonther: Im Team, verletzt, im Team, wieder verletzt. Das ist die Saison von unserem Kapitän. Wenn alle fit wären, wäre es ein interessanter Dreikampf um die beiden Innenverteidiger-Posten geworden, den er wahrscheinlich gegen Ziereis verloren hätte. Wobei Ziereis auch nach außen hätte spielen können. Mal sehen, ob wir diese Situation nächste Saison mal erleben.

Kalla: Wird immer mehr zu einem flexibel einsetzbaren zwölften Mann. Wird so auf keiner Position der Beste im Kader sein, ist aber zum Löcherstopfen auf allen Positionen unwahrscheinlich wichtig. Das er dazu noch in der Kabine wichtig ist, sollte bekannt sein. Wird in dieser Aufgabe weiter aufgehen, aber wahrscheinlich eher im Mittelfeld und nur in der Not in der Abwehr. Und am Ende wird er wieder 25 Spiele gemacht haben, auf dem Betzenberg getroffen haben und alles wird gut sein. Wird uns hoffentlich bis zur Rente erhalten bleiben.

Startsev: Hatte seine Zeit unter Meggle, hat dann nie wieder seine Chancen bekommen und wird uns verlassen. Es ist eben ein riesiger Sprung von den U-Mannschaften in die zweite Bundeslga. Hat hier nicht geklappt. Hoffentlich woanders. Viel Glück.

Nehrig: Umso gesünder, umso wichtiger. Kann eine echte Führungsperson sein und viel Verantwortung im Mittelfeld übernehmen. Wenn er fit ist. Deutete diese Saison seine Qualitäten an und bleibt uns deswegen erhalten.

Dudziak: Talent, Talent, Talent. Und wahrscheinlich einer der besten Spieler in unserem Kader. Der Schritt von Dortmund zu St. Pauli ist ihm aber noch nicht ganz gelungen. Oder anders ausgedrückt: Die Anpassung an die harte Wirklichkeit der zweiten Liga steht noch aus. Mal sehen, ob die nächste Saison kommt. Die Chance dazu hat er weiterhin bei uns.

Buchtmann: Spielt gefühlt schon ewig bei uns, bekommt gefühlt jedes Spiel eine gelbe Karte. Und ist doch erst 24 und bekam gerade mal sieben gelbe Karten diese Saison. Vielleicht ein bisschen zu langsam, vielleicht ein bisschen zu ungefährlich vor dem Tor; aber ansonsten einer der Spieler bei uns, die ein Spiel dirigieren und lesen können. Insbesondere im defensiven Bereich. Bleibt uns noch eine Weile erhalten, schön so.

Rzatkowski: In der Hinrunde wie in der Rückrunde in den ersten zehn Spielen der Spieler der Liga. Danach war bei ihm jeweils der Dampf raus. Das ist bei seinem Pensum auch nahezu unvermeidlich. Da muss er eben noch an Kondition arbeiten und sich vielleicht auch besser einteilen. Wird uns über kurz oder lang verlassen und sollte seinen Weg in der ersten Liga gehen. Mal gucken, ob jetzt schon für Geld oder erst nächste Saison. Sollte das österreichische Interesse wirklich für diese Filiale des Dosenkonzern geäußert worden sein, wäre es Perlen vor die Säue werfen.

Miyaichi: Verletzt. Das war seine Saison. Es wäre zu hoffen, dass er mal eine Saison fit bleibt. Könnte in dem Trainingsspiel gegen Kaiserslautern zeigen, welches Potential er hat. Er muss nun fit bleiben, die Vorbereitung komplett mitmachen und dann kann er zeigen, was er kann.

Alushi: So ein Spieler, bei dem man immer wieder brüllen will. Stopft defensiv ganz viele Löcher, macht mit seiner Technik vieles richtig und gut. Verlangsamt aber auch immer wieder das Spiel so weit, dass man verrückt wird. Verlässt uns aus persönlichen Gründen. Wir würden ihm gönnen, wenn er noch einen Verein finden würde, wo er und seine Frau gemeinsam leben und nicht zuviele KM voneinander kicken könnten. Mach es gut!

Rosin: Jo, stand im Kader.

Sobota: Könnte immer dann seine Stärken ausspielen, wenn wir mal schnell umgeschaltet haben und er Platz hatte. Ist eine unserer offensiven Waffen und sollte noch besser werden, wenn er die Bälle besser vorbereitet bekommt. Das Tor in Fürth war so etwas von technischer Sahne. Bleibt uns erhalten.

Maier: Wenn es Hannover schafft, dass der Junge konstant sein Potential abruft, dann werden sie ganz viel Spaß an ihm haben. Konstanz war drei Jahre sein riesiges Problem bei uns. Einem richtig guten Spiel folgten wieder ganz viele schlechte oder durchschnittliche Spiele. Und dann kam wieder ein Hammer. Muss sich mehr zutrauen, dann ist sein Schuss eine echte Waffe. Bisher aber eher ein Spieler, der Talent hat, es aber nicht konstant abruft. Vielleicht ja bei unserer Filiale in Hannover? Auch wenn dort ein riesiger Druck herrschen wird, mit dem (nicht nur) er klar kommen werden muss.

Litka: Jo, stand im Kader

Kurt: Hat leider auch den Sprung nicht geschafft. Es ist schade, wenn ein Junge wie er, der Balljunge war, der mit sieben Jahren in den Veren kam, dessen Augen mehr funkelten als jedes Flutlicht, wenn er am Millerntor spielte, es nicht gepackt hat. Noch trauriger ist, dass man es nicht schafft, ihm ein paar Abschiedsminuten zu bescheren. Mach es gut, Okan.

Choi: Hat den Sprung geschafft, hat sich als Ergänzungsspieler einen guten Namen gemacht und wird nächste Saison auf Einsatzzeiten drücken. Ist noch nicht ganz konstant, aber die Ansätze sind da. Mal sehen, ob er nun auch den nächsten Schritt gehen kann.

Picault: Erinnert ihr euch an das Spiel in Heidenheim? Da drehten auf dem Platz mehrere seiner Mitspieler und der Co-Trainer wegen seiner mangelnden Disziplin in der Rückwärtsbewegung durch. Das ist sein großes Defizit, an dem er arbeiten muss, wenn er mehr in der zweiten Liga werden will. Tempo, Technik und Torgefahr hat der Junge. Müsste ab und zumal noch den Kopf hoch nehmen, wenn er den Ball hat, dann wird es auch was mit Jürgen. Wenn, dann aber als zentrale Spitze. Auf den Außenbahnen ist er doch zu defensiv schwach. Bleibt bei uns, wird wahrscheinlich die Waffe von der Bank werden.

Verhoek: Irgendwie bei uns nie angekommen. Und als er ankam, Qualität bewies, da verletzte er sich. Wird es in Heidenheim hoffentlich besser haben. Viel Erfolg, Big John.

Thy: Sein Auftritt gegen Düsseldorf wird unvergessen bleiben. Seine Torausbeute über die Saison blieb eher durchschnittlich. Als Kampfsau und erster Verteidiger war er absolut überdurchschnittlich. Ob dies für Werder reicht? Wird allemal schwer für ihn, aber wer weiß? Insbesondere, da er ja auch auf anderen Positionen als zentraler Stürmer spielen kann. Viel Erfolg an der Weser. Und vergiss das Fangirl nicht.

Empen: Jo, stand im Kader.

Was ist mit dem Nachwuchs?

Liegt es an Ewald, ist die Qualität im Nachwuchs nicht da? Wir wissen es nicht. Fakt ist, dass die Durchlässigkeit, die man sich in die erste Mannschaft erhofft, nur von Choi genutzt werden konnte. Alle anderen Spieler kamen nicht annähernd an den Profibereich ran. Man kann so etwas schnell dem Cheftrainer anlasten, aber das ist natürlich sehr einfach. Es ist ja nicht so, dass unsere U23 erste ihrer Liga ist und es nicht auch ganz böse Geschichten aus diesem Bereich gibt. U. a. im Abendblatt nachzulesen. Was an diesen Geschichten dran ist, ob da vernünftig gearbeitet wird, ob sich etwas verbessern lässt, dies alles wissen wahrscheinlich nur Insider. Ob es in diesem Bereich mit Boll weiter geht, wird man sehen. Dies ist natürlich auch davon abhängig, ob sein Chef weiter macht und ob die Vorstellungen des Vereines mit den Vorstellungen von Fabian in Einklang zu bringen sind. Was man hier als Fan vermeiden sollte, ist eine emotionale Parteinahme. Wir alle wissen nicht, was gesprochen wird, und die Beteiligten werden immer nur ihre kleinen Ausschnitte der Presse weitergeben. Trotzdem würde es uns natürlich freuen, wenn Boll irgendwo im Verein seinen Beitrag weiter leisten kann.

Und außerhalb des Platzes?

Würde es eigentlich ganz gut laufen, wenn man nicht so ein bisschen Bauchweh ob der Infos vom Aktionsbündnis hätte. Man verstehe uns nicht falsch, es gibt garantiert wichtigere Dinge im Kampf gegen Homophobie als Schnürsenkel; aber die Aussage, man wolle nix mehr am Spieltag machen, lässt in dieser Allgemeinheit doch aufhorchen. Denn das die Mannschaft auch zu solchen Aktionen ermuntert wird und diese durchzieht, ist für uns ein absolut zentraler Bestandteil des FC St. Pauli.

Daher: Liebe sportliche Leitung, setzt euch mit dem Aktionsbündnis zusammen, plant da gute Dinge und wir verbuchen diese Episode unter „dumm gelaufen“. Insbesondere, da sich der Verein ja nun anders an dem Aktionstag beteiligt hat. Ein absolutes „Mannschaft macht nix an Spieltagen“ wäre jedoch in Zukunft nicht verträglich mit dem Image, dass sich der FCSP aufgebaut hat und was ihn auch nach außen prägen sollte. Wichtig ist, dass wir alle hier auch unsere kritische Distanz und unser kritisches Nachfragen behalten. NIchts ist schlimmer, als eine Harmoniesauce, in der alles abgenickt wird.

Auf den Rängen?

Die Gegengerade verkackt am letzten Spieltag mal so richtig eine Choreo. Passiert, haben andere Vereine (hallo Volkspark) auch mal was zu lachen. Halb so wild. Ganz viel Liebe an die ganzen Menschen, die immer noch unzählige Stunden aufbringen, um Choreos auf den Tribünen vorzubereiten. Und ganz viel Liebe an Menschen, die auf ihre Art versuchen, die Mannschaft anzufeuern. Egal, ob nun Ultrà-Style oder Bierpöbel-Style. Aktives Miterleben des Spieles, das ist schon viel wert.

Der Supportblock hat sich eine Trommel angeschafft und wenn man die bisherigen Spiele mit Trommel gegen die Spiele ohne Trommel vergleicht, dann scheint dies eine gute Idee zu sein. Nun sind es aber zu wenige Spiele, um hier von einer wirklichen Trendwende auszugehen.

In der Süd fehlen immer noch genügend Stimmen durch die Stadionverbote. Das hört und merkt man. Keine Frage. Mal sehen, wie lange dieses Thema noch unseres bleibt. In einer zweiten Liga nahezu ohne ernsthafte Risikospiele war es ansonsten eigentlich relativ ruhig. Trotzdem fuhr die Polizei eigentlich zu jedem Spiel groß auf. Ohne Sinn und Verstand. Aber da kannst du mit einer Steinmauer reden. Die zeigt mehr Vernunft als die Hamburger Polizei.

Nicht nur dort ist es wahrscheinlich schwierig, auf Vernunft zu hoffen. Auch bei der kleinen Gruppe an Leuten, die meinen, Spiele des FCSP für Angriffe auf ganz normale gegnerische Fans nutzen zu müssen. Sorry, aber das ist nun gar nicht FCSP-Style. Diesen macht auch aus, dass jemand aus Kaiserslautern oder von wo auch immer ganz entspannt sein Bierchen in unseren Kneipen süffeln kann, wenn er individuell korrekt ist. Egal, wie sein Verein im Großen und Ganzen drauf ist.

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Mai 182016
 

Das letzte Spiel der Saison (Lesen Sie auch unseren Saisonrückblick!) gegen die Region kann aufgrund der vergleichsweise schwachen Rückrunde entspannt angegangen werden. Auch für die Gäste geht es um nichts mehr und so liegt eine entspannte Grundstimmung in der Luft.

Mosaik-Choreo und Trommeln

Auf den Stufen der Gegengerade fällt direkt auf, dass sich im Supportblock heute mal viel Platz findet. Der Flyer mit den Informationen zur Choreo in der Hand lässt schon böses vorahnen. Wende-Choreo auf der Gegengerade? Das wird doch nix! Und ja, der Verfasser sollte recht behalten. Aber ganz ehrlich, Choreos auf einer Tribüne dieser Größe sind nicht einfach. Vor allem, wenn man keine Ultrà-Gruppe mit mehreren hundert Leuten hat, die das ganze routiniert durchzieht. Keinen Vorwurf also an den Supportblock.

Ein Blick auf Youtube zeigt allerdings, dass es nicht allzu schlimm aussieht. Wie ein Mosaik ohne klar erkennbare Schriftzeichen. Geht gerade noch in Ordnung.

Was hingegen wirklich positiv auffällt, ist die Trommel (besagter Verfasser stand zuvor in der Südkurve). Es scheint relativ eindeutig zu sein, dass Gesänge koordinierter sind, mehr Leute mobilisiert und länger gehalten werden können. Unseren Respekt also auch an den Trommler, auch wenn es hier und da noch leicht am Tempo hapert

MagischerFC St. Pauli 1. FC Kaiserslautern Mai 2016

Happy Birthday, lieber FCSP!

Übrigens, an diese Stelle auch gerne ein Blick auf die Nordkurve. Habt ihr jetzt eine Trommel, Nordsupport und Co.? Das sieht aus unserer Perspektive so aus. Auf der Gegengerade hat es sich zumindest bereits bewährt.

Den Rest der Choreo finden wir übrigens ganz gut gelungen. Auch im Gästeblock sah das optisch ganz in Ordnung aus.

Die Verabschiedung der Spieler vor dem Spiel lässt uns ein wenig ratlos zurück. Dass Thy nicht zu halten ist, absehbar. Maier und Verhoek … nun gut. Als wirklich ärgerlich wird eher empfunden, dass junge Talente wie Deichmann und Kurt den Verein verlassen. Hätte man auf die nicht bauen können?

1 Spiel (wie) auf Haze

Sportlich geht es ausgesprochen turbulent los. Heftig, wie die Boys in Brown da beim ersten Angriff des FCK gedanklich noch gar nicht dem Platz sind. Weniger als der Supportblock. Und ihr, liebe Abwehr, musstet beim Anpfiff nicht mal einen Joint entflammen! Und das bei dem Wind! Aber zum Glück schlägt in den nächsten Minuten das Spiel schneller um als das Wetter. (Wow, was eine Analogie!)

Miyaichi zeigt eindrucksvoll, warum er bei vielen immer noch als Riesentalent gilt. Aber auch der Pass von Maier sei nicht unerwähnt. Super Kombination. Den zweiten Treffer nur wenige Minuten später bereitet Ryo dann selbst vor und Lennart Thy steht genau richtig.

In der zweiten Hälfte kann der lange verletzte Miyaichi dann erneut zeigen, warum er für viele ein offensiver Hoffnungsträger für die kommende Saison ist. Nicht nur erzielt er das leicht abgefälschte 3:1, auch der Schuss an die Unterkante der Latte einige Minuten zuvor zeugt von einer großen technischen Stärke bei ihm.

Darauf wird auch Maier aktiver im Offensivspiel und wurde folgerichtig mit einem Tor in der 72. Minute, vorbereitet durch Sobota, belohnt, auch wenn das Team aus der Pfalz auf die Ungültigkeit des Treffers besteht.

Der Gegenzug zum 4:2 sieht zwar ziemlich gut aus, zeigt aber auch keine realistischen Chancen mehr auf, zumal Buchtmanns Fernschuss zum 5:2 wenig später den Abstand wieder auf drei Treffer vergrößert.

Was bleibt also vom Spiel?

Maier und Thy konnten sich beide mit je einem Tor gebührend verabschieden, Miyaichi spielt verdammt stark und dieses Match reiht sich in eine lange Reihe erfolgreicher Saisonabschlussspiele am Millerntor ein.

Zwei bis fünf Bier im Jolly später ist die Saison 2015/2016 beendet. Ob das reicht, um diese Saison schließlich ansprechend abzuschließen, sei jedem selbst in der Beurteilung überlassen. Für unsere Einschätzung schaut ihr am besten in unser Saisonfazit. Also dann bis zur nächsten Serie. Euch allen eine schöne Sommerpause!

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Mai 102016
 

Der Sonderzug nach Nürnberg

Es ist mal wieder so weit. Die Saison geht dem Ende entgegen, das letzte Auswärtsspiel steht an. Da und da geht es traditionell gern auf dem Schienenweg hin. Dieses Jahr ist das Frankenland das Ziel.
Zum Zeitpunkt, da man sich entschließen sollte, an der Sonderzugfahrt teilzunehmen, klang das noch besonders attraktiv. In Nürnberg kann man ja auch mal aufsteigen oder zumindest noch einen spannenden Kampf und den Relegationsplatz ausfechten. In den vergangenen Wochen aber zeigte sich, dass wir uns derartige Ambitionen in die Haare schmieren können. Naja, dann eben eine entspannte und ein bisschen sinnlose Fahrt. Oder?

Joa. Kein Motto dieses Jahr, zudem Ultrà Sankt Pauli komplett auf eigene Faust unterwegs ist aus Solidarität mit einigen Angehörigen, denen die Nürnberger Behörden mal eben ein komplettes Stadtverbot ausgesprochen haben. Da Kompromisse seitens der Behörden abgelehnt worden seien, bleibe den Diffidati die Sonderzugfahrt verwehrt – so unsere Informationen. Auch holten nicht alle der Fanclubs ihre Karten ab. Ganz schön bekloppt, andere lecken sich die Finger nach Sonderzug-Möglichkeiten und ihr lasst das liegen!? Zugegeben, man kann sich an diesem sonnenverwöhnten Maitag auch coolere Dinge vorstellen als früh aufzustehen und mehr als zwölf Stunden im Zug zu hocken (Muddern besuchen vielleicht). Aber dann sagt doch beim Fanladen ab, Kinners.

Die Hinfahrt …

… verläuft ohne besondere Vorkommnisse. Ganz schön bäh, stocknüchtern aus dem Viertel aufzubrechen, während in den frühen Sonntagmorgenstunden noch zerfeierte Reste unterwegs sind! Im Zug dann wirkt es relativ ruhig auf dem Weg durch ein sonnengebadetes Land. (Hey Fanladen, wie wäre es das nächste Mal mit einem Cabrio-Zug?) Etliche Abteile sind so oder so leer, sodass auch Stehplatzfahrer sitzen können.

Moderater Alkoholismus darf natürlich nicht fehlen. Gute drei Stunden vor Anpfiff wird Nürnberg geentert und es entsteht einmal mehr dieses surreale Bild, wie eine Horde Braunweiße (früher sagte man ja auch „Schlachtenbummler“ dazu) durch einen Bahnhof gepresst wird, während teilweise behelmte Cops Spalier stehen und bedrohlich aussehen. Zum Glück nimmt die gefühlte Präsenz der Staatsmacht auf dem gar nicht mal so kurzen Weg zum Stadion etwas ab. Uns wiederfährt in der U-Bahn und auf dem Fußweg zum Grundig Stadion nichts Bemerkenswertes.

MagischerFC 1. FC Nuernberg FC St. Pauli Sonderzug Mai 2016

Es ist ein Wetter zum Eierlegen, wie Muddern zu sagen pflegt. Im Schatten der Bäume lässt es sich vor dem Einlass ins Stadion noch ganz gut aushalten, auch wenn die Versorgung Speis und Trank alles andere ales lückenlos ist. Im Stadion selbst flutscht das hingegen ganz gut. USP ist – sofern keine Stadionverbote vorliegen – dann übrigens doch da. Etliche Lappen hängen, es wird getrommelt und gesungen. Auch wenn der hier Schreibende ein bisschen Auswärtsmuffel ist und daher die Vergleichsmöglichkeiten gering sind, scheint es, als sei die Support-Leistung heute ordentlich. Ganz ganz positive Randbemerkung: Die Musikverantwortlichen vom FCN spielen Marcus Wiebuschs „Der Tag wird kommen“ vorm Anpfiff – dicken Daumen hoch!

Das Spiel hingegen …

… das lässt sich echt gar nicht mal so geil beobachten. Gut, meiner Einer ist ohnehin viel zu sehr mit Herumkreischen (und Bier, ist ja warm!) beschäftigt; aber aus dem weiten Rund erscheinen die Spieler jenseits der Laufbahnen in diesem Old-School-Stadion doch echt weit weg. In einer wohl gar nicht so schlechten Phase fangen wir uns ganz dahinten ein dummes Gegentor ein. Dann schießt auch noch das Schiedsrichtergespann einen fetten Bock, als eine deutliche Notbremse wegen Abseits nicht als solche gewertet wird. Hätte hätte, Fahrradkette.

MagischerFC 1. FC Nuernberg FC St. Pauli Stadion Mai 2016
So jedenfalls geht das Match für Braunweiß abermals in die Hose und die Tendenz der letzten Spiele weist ganz schön bekackt nach unten. Ist das ein psychischer Dämpfer, dass aus welchem Grund auch immer die Aufstiegschance so doof verdaddelt wurde? Wenn man jedenfalls die Leistung des FCSP in Halbserien betrachtet, so trübt das den Eindruck einer eigentlich guten Saison. Mal gucken, ob wir die Region nächstes Wochenende noch aus dem Millerntor boxen und damit ein versönliches Saisonfinale erleben.

Die Rückfahrt …

… da haben wir schon mehr gelacht. Der bescheidene Verfasser dieser Zeilen macht den cleveren Move, nach erschöpfendem Gelatsche durch die sommerlichen Temperaturen sich mal einen Augenblick hinzulegen – zack, ist es mitten in der Nacht und wir haben Kopf Schmerzfeld längst passiert. Was derweil im Partywagen passiert, entzieht sich so unserer Kenntnis. Aber wie heißt es eh so schön? Was im Sonderzug passiert, bleibt im Sonderzug.

Aus der geplanten Ankunft gegen ein Uhr in Hamburg wird so rein gar nix. Mehrere ungeplante Zwischenstopps, auch wegen Personenschäden auf der Strecke, halten den Sonderzug auf. Wir wissen nichts Genaues, aber wenn Menschenleben zu Schaden kommen, sind Verspätungen das geringste Übel. Jedenfalls wird es vier Uhr nachts, bis der Wohnungsschlüssel seufzend ins Türschloss sinkt und der Müll des Hafengeburtstag-Wochenendes draußen bleibt. Es ist nicht jeder zum Auswärtsfahrer geboren.

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Mai 022016
 

Bevor wir uns allen anderen Dingen widmen:

Herr Kircher, egal ob Sie nun schlechter, besser oder gleich wie alle anderen Schiedsrichter gepfiffen haben. Egal ob Sie nun Freitag mal mit einem Pfiff daneben lagen oder richtig: Alles Gute für den Schiedsrichterruhestand. Wer 243 Bundesligaspiele und 127 Zweitligaspiele (Zahlen laut weltfussball.de) pfeift, der hat sehr lange seinen Kopf hingehalten und ist selten zurecht und meistens zu unrecht von den Hobbyschiedsrichtern auf der Tribüne bepöbelt worden. Dafür sei ihm nach seinem letzten Spiel auch mal ein riesiger Respekt gezollt. Einer unserer Schreiberlinge sah damals vor mehr als fünfzehn Jahren sogar sein erstes FCSP-Spiel unter Ihrer Leitung. Daher noch mal alles Gute!

So Freitag. 1860. Nicht gerade das Team, was am Millerntor viele Sympathien genießt. Das mag mal anders gewesen sein, hat sich aber auch aus diversen Gründen geändert. Eine Horde juveniler Sechziger großmäulig vor dem Spiel an der Gegengerade entlangkrakeelend ist ein Teil davon. Immerhin ein Team, was einen vollen Gästeblock macht. Das ist insofern bemerkenswert, dass wir diese Saison zu häufig Spiele hatten, wo sich nur leere Betonstufen und 150 Leute über einen Auswärtssieg gefreut haben, während man sich selbst geärgert hat. Überhaupt ist eine Heimschwäche nicht von der Hand zu weisen. Und ein Herz für Abstiegskandidaten. Gegen die letzten sechs der Tabelle lassen wir am Ende 23 Punkte liegen. Davon nur ein Drittel holen und Nürnberg würde weinen. Muss Ewald besser machen mit seinen Jungs. Kann er zum Glück noch zwei Jahre besser machen, wie der Verein gerade eben verkündete (Zeitpunkt des Schreibens).

Magischer FC St. Pauli 1860 Muenchen April 2016 Supportblock TrommelNormaler Ablauf vor einem Freitagsspiel

Viele kommen spät, viel Hektik, später viel Bier. Die Stimmung auf der Gegengerade ist zu Beginn weit über dem Durchschnitt und bleibt dies auch. Ja, wir hören sie schon wieder die ganzen Nögler und Zyniker, die immer glauben, sie müssten überall die Gegengerade hören, ständig, dauerhaft. Vielleicht wäre mal auch ein bisschen Grundwissen an Akustik ganz hilfreich in der Beurteilung von Tribünen, die nicht die eigene ist. Es gibt eine Änderung. Der Supportblock hat sich eine Trommel zugelegt. Die Aktivisten haben gehadert, lange mit sich gerungen, wir haben es letztens auch provokativ gefordert. Und der Versuch ist aus der im Nebenblock stehenden Perspektive ein Erfolg. Der Supportblock dringt lauter, häufiger ins Ohr und Fangesänge brennen mal länger als ein Strohfeuer. Trotz der besagten schwierigen Akustik. Hoffentlich hält das eine Weile an! Schön auch die bunte Chroeo, zu sehen u. a. bei Groeni.

Leider kann die Mannschaft nur bedingt das Feuer des Blocks aufnehmen. Der Gegner rennt wie von Löwen gehetzt und wir halten halbwegs vernünftig dagegen. Typisches 0-0, wenn uns jemand fragt. Denn wirkliche Torgefahr strahlen beide Mannschaften nicht aus. Der Gast kommt nicht so weit, der Gastgeber schon, aber die meisten Angriffe enden in einem genervten „Schieß doch!!!!“ von den Tribünen. Wer hat unseren Jungs eigentlich abgewöhnt, aus der sogenannten zweiten Reihe zu schießen? Dabei haben wir doch Leute, die echt Brände aus dieser Entfernung entfachen können. Gerade Maier müsste sich viel häufiger ein Herz nehmen. Die Hamburger Presse schreibt was von „gefährlichen Distanzsschüssen“ durch ihn. Haben wir ehrlich gesagt nicht gesehen. Gilt ebenso für den Rest der Truppe.

Magischer FC St. Pauli 1860 Muenchen April 2016
Dann spielt Alushi einen Traumpass. In den Fuß des Gegners. Das Unglück ist nicht mehr aufzuhalten. 0-1. Ein Spielerbashing werdet ihr hier nicht lesen. Passiert. Schwamm drüber. Draus lernen, auch im älteren Fußballeralter und weiter machen. Macht unsere Mannschaft auch. Kommt regelmäßig bis 20 Meter vor dem Tor, aber dann fehlt halt der letzte Ruck. Vielleicht auch der Spieler, der mit dem Kopf durch die Wand will. Fafa vielleicht? Aber wenn es mal knapp wird, dann springt der Ball auch immer so, dass 1860 das notwendige Glück hat. Es fehlt der Killer. Es fehlt auch ein Abnehmer für die reichlichen Flanken unserer Jungs. Denn auf Außen wird sich mehrfach durchkombiniert und geflankt. Aber Fafa ist kein Hrubesch. Und eine Alternative haben wir da gerade nicht.

Dann spielen wir irgendwann alles oder nix und es wird nix

Auch weil Alushi seinen zweiten Bock schießt, nun aber unter anderen Voraussetzungen. Es muss schnell gehen, es ist spät im Spiel, er geht volles Risiko. Und es misslingt. Wäre beim Stand von 1-0 nicht passiert.

Begeistern kann das alles nicht. Es mag ein halbwegs vernünftiges Spiel aus der Sicht eines Trainers gewesen sein, der Ärger als Tribünenbesucher überwiegt allerdings. Zwar mag ein Klassenerhalt von FSV Frankfurt und 1860 für uns am Ende selbst besser sein als ein Paderborner Klassenerhalt (von wegen Fernsehgelder), aber Rationalität und Fans muss sich schlecht vertragen. Das ist nebenbei auch der vollständige Kommentar zum Thema „Hummels“. Wenn ein Fan nur noch kalt analysiert, dann ist er kein Fan mehr.

Das war es auch schon. Wir freuen uns auf eine entspannte Sonderzugfahrt nach Nürnberg.

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Apr 292016
 

 

„Auch durch Platz 4 wird kein Milch und Honig fließen“

In so einem Fußballverein ist es eine besondere Kunst das Gleichgewicht zwischen Transparenz und Betriebsgeheimnis zu finden. Der FCSP versucht dieses Gleichgewicht herzustellen, in dem er mit Presse, Funk und Bloggern regelmäßig Gespräche vereinbart, die mal ab vom offenen Mikrofon stattfinden und die auch über das Tagesgeschäft hinaus gehen sollen. Vielen Dank an den FCSP, dass er hier Blogger genauso wie die Presse behandelt.

So ein Gespräch fand letztens wieder statt und führt zu diesen allgemeinen Überlegungen über den FC St. Pauli.

Zum Zeitpunkt, wo diese Zeilen geschrieben werden, sind wir auf dem vierten Platz in Liga zwei. Der letzte Platz, der zum Ligaverbleib zwingt oder berechtigt. Je nachdem wie man das gerne sehen möchte. Wir machen kein Geheimnis daraus, dass in diesem Blog eher ein „zwingt“ gesehen wird und wir schon gerne mal wieder Bayern München schlagen würden.

Wenn man so auf Platz 4 steht, dann könnte man relativ schnell zu der Idee kommen, dass man ja eigentlich „nur“ ein paar Verstärkungen braucht, um dann Platz 3 oder 2 zu erreichen. Man investiert also kurzfristig in die Mannschaft um aufzusteigen und an die Töpfe der 1. Liga zu kommen. So wird es immer wieder gerne vertreten und das ist ja auch relativ naheliegend.

Aus diversen Faktoren ist das natürlich nicht ganz so einfach. Es ist schon deswegen nicht so einfach, weil nicht jeder Transfer sofort einschlägt. Gerade der FCSP hat mit der Zahlung hoher Ablösesummen nicht wirklich gute Erfahrungen gemacht. Weder Inceman, noch Budimir konnten am Millerntor die in sie investierten Gelder wirklich rechtfertigen. Wenn 70 % aller Transfers gelingen, dann hat man als Verein wahrscheinlich schon sehr viel Glück.

Auf der anderen Seite muss man als Verein seinen Spielern, seinen Fans auch etwas anbieten. Denn seien wir ehrlich ein „wir wollen nur mitschwimmen“ geht im Fußball nicht. Es geht insbesondere auch deswegen nicht, weil immer Platz 16 bis 18 droht, der die Katastrophe Abstieg zur Folge hat.

Hinzu kommt, dass Spieler spätestens nach 2 bis 3 Jahren frei den Verein wechseln können. Man kann das gut finden und es ist wahrscheinlich auch entsprechend dem Verständnis von Arbeitnehmerrechten in der EU. Aber ob ein Fußballprofi wirklich immer so ein schützenswerter „schwacher“ Arbeitnehmer ist, sei mal dahin gestellt. Aber anders als im US-amerikanischen Sport, wo Spieler teilweise 5 bis 7 Jahre zwingend unter „Team Control“ sind, kann ich eben nicht Spieler so lange an mich binden und sie gemächlich entwickeln.

Dies alles vorausgeschickt muss ich als Verein eine Strategie finden, wie ich überleben und wie ich mich weiter entwickeln möchte.

Ich kann dies mit externen Geldgebern machen und mir so eine Hebelwirkung erkaufen. Das mag funktionieren, man kann dies in Hoffenheim oder Leipzig bewundern. Es mag aber auch schief gehen, wie man bei 1860 sehr eindrucksvoll sehen kann. Egal, es ist nicht der Weg des FC St. Pauli. Man hat sich aus guten Gründen dafür entschieden ein Verein ohne Ausgliederung und ohne Investor zu bleiben.

Fernsehgeld regiert die Welt

Unseren Weg kann man schlagwortartig mit den Worten „Steine statt Beine“ zusammenfassen. Aber im Einzelnen:

Gucken wir uns die Einnahmenseite an. Wenn man sich das so anguckt, dann haben 8 Vereine mehr als 21.000 Zuschauer. Den höchsten Schnitt hat der Club mit 29.500 Zuschauern. Wir sind knapp dahinter. Selbst wenn man einen durchschnittlichen Ticketerlös von 20 Euro annehmen würde, wäre das gerade mal eine Spanne von 2,72 Millionen Eur Einnahmen zwischen Nr.1 und Nr. 8 auf dieser Liste.

Dann verkauft der eine vielleicht ein bisschen mehr Business Seats, der andere vielleicht ein paar weniger. Der eine verkauft für eine Million seinen Stadionnamen, der andere nicht. Der nächste verkauft ein bisschen mehr Merch, der andere ein bisschen weniger. Egal, wie man es dreht und wendet, wenn man die Fernsehrechte mal außen vorlässt, dann ist das Einnahmepotential dieser Vereine vielleicht 3 bis 4 Millionen Euro auseinander. Alle spielen irgendwo in einer Liga um die 25 Millionen Euro Einnahmen, wenn man mal das Fernsehen außen vor lässt.

Und nun kommen die Fernsehgelder hinzu. Diese werden nach einem etwas komplizierten Schlüssel verteilt, der die Leistung in den letzten 5 Jahren berücksichtigt. Guckt man dies in den letzten 5 Jahren für die 8 Vereine mit den höchsten Fernsehgeldern an (das sind nicht die 8 mit den größten Zuschauerzahlen!), dann liegt hier zwischen Platz 1 und 8 unfassbare 60 Millionen. D.h. 12 Millionen pro Jahr. Wenn ich in 5 Jahren 60 Millionen mehr eingenommen habe, als ein anderer Verein, dann kann ich mir (außer ich schmeiß das jede Saison für irgendwelche Vollpfeifen raus, wie es gerne im Volkspark gemacht wird) auch ein gewisses Polster für schlechte Zeiten anfuttern oder auch in Steine investieren, die sich andere mühsam von der Hand absparen. Und wenn ich dann wie der SC Freiburg in der Bundesliga garantiert nicht am Limit gearbeitet habe mit meinen Kaderkosten, dann kann ich eben auch mal einen Petersen so finanziell für 2. Liga entschädigen, dass er mich zum Aufstieg schießt. Das ist natürlich einmal gut haushalten, es ist aber auch diese starke Spreizung der Einnahmen, die durch die Fernsehgelder entsteht.

Und dies wird sich ja auch erst langsam ändern, denn man schleppt Bundesligasaisons 5 Jahre mit sich. Klar, die zählen langsam weniger, aber sie zählen halt immer noch. Kurz: Ein SC Freiburg würde selbst dann vor uns in dieser Wertung bleiben, wenn er nicht wieder aufsteigen würde. Wir hingegen ersetzen für die nächste Saison gerade mal einen herausfallenden Platz 4 hoffentlich mit einem neuen Platz 4.

Es werden also selbst bei Platz 4 diese Saison Vereine voraus bleiben, die nicht nur in den letzten Jahren viel mehr Geld bekommen haben, sondern auch in der Saison 2016/17 deutlich mehr bekommen werden. Und zwar soviel mehr, dass es egal ist, ob wir unseren Stadionnamen verkaufen, die Ticketpreise verdoppeln oder keine Pyrostrafen mehr zahlen. Es wird diese Lücke nicht ausgleichen. Dies sollte man dann auch immer im Hinterkopf behalten, wenn man Entscheidungen wie „kein Verkauf Stadionname“ „keine Goliathwache“ „Investition in ein Museum“ sieht. Selbst alles verkaufen, würde wahrscheinlich wenig ändern.

Zusammenfassend: Egal wie wir es drehen und wenden, wenn die Absteiger nicht doch noch Ingolstadt und Darmstadt heißen, dann gibt es mindestens vier oder fünf Vereine, die alleine durch die Fernsehgelder so viel mehr finanzielle Mittel haben, dass wir sie selbst bei geilsten Vermarktungserfolgen nicht einholen würden. Frankfurt, Bremen, Hannover wären da natürlich die Gorillas unter den Zweitligisten, da sie nahezu nur Erstligajahre in diese Wertung schieben würden.

Wir werden also zumindest kurzfristig oder mittelfristig keinen Etat haben, der weit von dem Mittel der zweiten Liga entfernt ist. Wir werden also andere Wege finden müssen.

Steine immer noch nicht abgeschlossen

Diesen Weg haben wir 2007 eingeschlagen, indem wir ein Stadion geschaffen haben, was erstmal genug Platz für den gemeinen Pöbel hat, aber auch ordentlich hochpreisige Sitze beinhaltet. Das ist aber erstmal eine Investition, die irgendwann gute „Zinsen“ bereit hält, aber kurzfristig und mittelfristig ist das Geld weg und kann eben nicht in Messi investiert werden. Teilweise waren solche Investitionen auch einfach deswegen notwendig, weil der alte Status Quo Schrott war. Kollaustraße Funktionsgebäude. All diese Steine haben wir – anders als vielleicht der SC Freiburg – in 10 Jahren aufgebaut, in denen wir gerade mal ein Jahr in der 1. Liga gespielt haben. All diese Investitionen sind daher härter zu tragen, als bei anderen Vereinen. Das ist eine bewusste, richtige und auch gute Entscheidung, sie geht aber immer zu Lasten unseres Gehaltsgefüges. Insgesamt hat der FCSP 60 Millionen in Steine investiert, die jeder sehen kann und jeder im Stadion nutzt. Nun sind von diesen 60 Mio auch schon wieder eine gute Hälfte getilgt und 2018 tilgt der Verein noch einmal 8 Millionen Fananleihe. Aber auch das sind Kapitaldienste, die wir leisten müssen und die ausschließen, dass wir jetzt mal kurz Messi loseisen.

Wenn man aber diese Tilgungen leistet und nicht immer rausschiebt oder umschuldet, wie unser Nachbar aus dem Volkspark, dann ist irgendwann die Hütte auch bezahlt und unser. Dann lohnt sich die Investition. Das ist aber ein geduldiger Weg.

Der Weg der Steine ist aber noch nicht abgeschlossen. Auch im Fußball kommt man immer mehr dazu, dass man Spielerleistungen analysiert, in Details zerlegt und per Computer vergleicht. Videoanalyse ist da ein Stichwort. Da wird ja nicht einfach das Skybild gezeigt und ein bisschen geredet, sondern es geht da auch um detaillierte Laufweganalysen, etc pp. In der geschätzten Leserschaft wird sich nur ein geringer Teil mit dem wundervollen Spiel des Baseballs beschäftigen, aber in diesem analysiert man selbst die Umdrehungszahl bei geworfenen Bällen und versucht daraus für sich Schlüsse und Vorteile zu ziehen. Dieser Trend der mikroskopischen Detailanalyse beginnt im Fußball erst und wird in der nächsten Generation Spielern auch eine viel höhere Spielintelligenz und Spielflexibilität einfordern.

Diesen Trend muss der FCSP mitmachen und in entsprechende Systeme und Software investieren. Und er muss in Personal investieren, welches diese Erkenntnisse auswertet und den Spielern mundgerecht serviert. Gerade bei den Systemen und der Software steht der FCSP noch am Anfang. Personell leistet man sich schon ein sehr umfangreiches Scouting, aber bei den Systemen hapert es noch. Das sind dann Investitionen in Steine, die man nicht sieht. Es bleibt ein blinkender Kasten mit einem Monitor, aber er leistet für Thomas Meggle gleich viel mehr. Und dies müssen wir jetzt bezahlen.

Ziel solcher Systeme ist es auf der einen Seite Spieler zu finden, die perfekt zu uns passen und auf der anderen Seite den jeweiligen Gegner so zu analysieren, dass man eine Schwäche findet, die er selber noch nicht kannte.

Das ist natürlich alles eine Idealidee und man darf den Faktor Mensch nicht vergessen, aber wenn man die Systeme gar nicht hat, dann fährt man blind und muss sich nur auf den Menschen verlassen. Der dann nicht einmal eine informierte Entscheidung treffen kann.

Zum Glück ist sich die Leitung aller Ebenen beim FCSP einig, dass dies notwendige Investitionen sind, die man nun machen muss. Die Alternative „kurz mal einen teuren Stürmer holen und hoffen“ sieht man bei uns im Verein nicht. Wir finden das richtig.

Aber auch weitere Baustellen bleiben. Unser Nachwuchsleistungszentrum ist garantiert schon nicht schlecht, aber auch noch nicht perfekt. Ebenso die Kollaustraße. Hier wäre mehr garantiert möglich und auch wünschenswert. Und muss eben auch bezahlt werden.

 
 

Die Ausgaben

Fußball ist wie jeder Profisport so, dass der mit den höchsten Einnahmen mittelfristig auch am meisten Erfolg haben wird. Wenn er denn seine PS auf die Straße bekommt. Dies sichert uns nach unten erstmal ab. Denn viele Vereine in Liga 2 haben gar nicht die Einnahmemöglichkeiten eines FCSP. Z.B. weil sie zwar ein sehr liebenswerter Dorfverein sind, aber eben doch nur 5.000 Leute zu den Heimspiel kommen. Und Logen? Ja, hat man schon mal von gehört.

Dies begrenzt uns aber auch nach oben. Wir werden Bayern München nicht als Rekordmeister ablösen in den nächsten 20 Jahren.

Man kann nur versuchen aus dieser Situation das Beste zu machen. Und dazu muss ich eine Leitlinie beim Spielerkauf und bei der Spielerentwicklung entwickeln und durchziehen. Ajax legendäres 4-4-2 ab der E-Jugend ist die krasse Form einer solchen Idee.

Unsere Vorstellung kann man immer wieder bei den Stimmen zu Einkäufen herauslesen. Es werden flexible Spieler gesucht. Spieler, die nicht nur eine Position bekleiden können oder nur einen „Look“ haben. Man versucht die perfekte Mischung hin zu bekommen. Zwischen Jung und Alt, zwischen neu im Verein und lange im Verein, zwischen Links- und Rechtsfuß, zwischen offensiv und defensiv etc. pp.

Die Idee ist erstmal gut, wenn man z.B. mit Buballa, Hornschuh, Keller (wenn er denn bleibt) und Hedenstad vier Außenverteidiger sein eigen nennt, wo einer klein, einer groß, einer offensiv stark, einer defensiv stark ist. Man kann den Gegner überraschen und mit anderen Systemen auftreten. Auch dies ist im US-Sport nicht unüblich.

Aber auch hier darf man nie den Faktor Mensch vergessen. Nicht nur, dass unser Trainer ein großer Freund von „never chance a winning team“ ist, man stelle sich mal vor, der FCSP würde in Hannover eine große Abwehrschlacht 1-0 gewinnen, Marc Hornschuh macht das Spiel seines Lebens und nächste Woche gegen Sandhausen sitzt er auf der Bank und Hedenstad spielt, weil er offensiv stärker ist und man gegen Sandhausen eben keine Abwehrschlacht erwartet. Das Presse, Funk, Spieler und Fan zu erklären wird nicht ganz einfach.

Aber: Es ist immer noch besser als vier Außenverteidiger zu haben, die alle vier rechtsfüßig sind, alle vier defensiv stark und offensiv schwach sind und alle gleich alt sind. Das kann schon auf dem Papier nicht funktionieren.

Daher leistet man sich ein großes Scouting, damit diese Papierform zumindestens stimmt und ich eben aus meinem Geld das beste machen kann. Das ist richtig und da sind wir schon gut aufgestellt. Und holen eben plötzlich Waldemars aus Belgien. Das sind keine Zufallstreffer, sondern auch Folge einer besseren Organisation in diesem Bereich. Es ist gar nicht so lange her, da holten wir Spieler z.B. nur aus dem Umkreis eines Rainer Adrions oder nur vom BvB II. Das zeigt dann eben, dass das Scouting da noch nicht ausgereift war. Und so waren und sind da Investitionen in Personen und ihre Ausstattung notwendig.

Irgendwann wird dann kein Spieler mehr in Tonga (Fifa Weltranglisten Platz 204) gegen den Ball kicken, ohne dass der FCSP ihn auf dem Schirm hat, aber so weit sind wir noch nicht. Da wird man auch heimliche Steine investieren müssen.

Hat man nun dieses Scouting und damit immer einen Pool von Spielern, die man anfunken will, wenn man einen Stürmer sucht, kommt der schwierige Part des Ganzen. Der muss auch noch menschlich passen. Wer kann denn beurteilen, ob ein Bouhaddouz am Ende menschlich passt? Das ist die Kunst, die auch eher ein Bauchgefühl ist. Habe ich aber gar keinen Pool an Spielern, die ich gescoutet habe, kann ich hier einem schlechten Bauchgefühl nicht folgen. Weil ich keine Alternativen habe.

Dieses Bauchgefühl ist dann aber die absolute – nebenbei auch nicht wirklich kontrollierbare– Kompetenz des Sportdirektors und Trainers. Man kann nur durch genormte Abläufe (der Spieler muss mal in Hamburg gewesen sein, er muss mit Trainer und Sportdirektor gesprochen haben etc. pp) versuchen Fehlerquellen so gering wie möglich zu halten. Passieren werden sie trotzdem. Und wenn Ewald Bouhaddouz geil findet und Bouhaddouz Ewald geil findet, heißt das noch lange nicht, dass Stanislawski Bouhaddouz geil gefunden hätte.

Wir haben mit Hornschuh ja einen Spieler im Kader, der am eigenen Leib erfahren hat, dass die Chemie zwischen Trainer und Spieler auch aus Gründen nicht stimmen kann, die sich nicht zwingend an objektiven Leistungsdaten fest machen.

Hier muss man insbesondere als Fan auch unserer Leitung vertrauen. Und der bisherige Erfolg gibt ihnen Recht. Das man so ein Team dann auch kontinuierlich arbeiten lassen muss, ist die Kunst. Deswegen haben Vereine wie Mainz, Freiburg etc. eben viel Erfolg für wenig Geld.

Zielsetzung?

Es gab mal diese Top 25 Zielsetzung beim FCSP und wenn man sieht, dass wir in einem Pool von ca. 8 Vereinen in der zweiten Liga sind, die ungefähr auf einer Ebene finanziell sind, dann ist dies garantiert keine falsche Zielsetzung. Man kann es auch anders ausdrücken: Man muss sich dann ärgern, wenn ein Verein mit weniger Geld vor einem steht. Sprich letzte Saison musste man sich sehr ärgern, diese Saison etwas weniger. Mittel- bis langfristig muss man dann versuchen die Lücken zu schließen, die Vereine wie Mainz aufgerissen haben. Denn zwingend müssen die nicht vor uns stehen. Aber von heute auf morgen geht dies auch aufgrund von sehr späten (und wenig fremdsubventionierten) Investitionen in Steine nicht.

Schlusswort

Ob eine solche „kleine Schritte“-Haltung in einer selbsterklärten Medienstadt wie Hamburg durchzuhalten ist, wird die Zukunft zeigen. Man darf nicht vergessen, dass vor der Saison 14/15 die MoPo ihre FCSP Beilage schon mit „Saison zum Aufstieg“ (sinngemäß) betitelte. Wo wir geendet sind, weiß jeder. Der äußere Druck wird vielleicht nicht von Seiten der „aktiven Fans“ kommen, anders als bei anderen Vereinen (hallo 1860), aber er wird an den Verein herangetragen werden.

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Apr 262016
 

Liebe Leser, unseren Autor hatte nach dieser Tour zwei Tage die Lustlosigkeit in Worte gepackt. Nicht, dass es nun wirklich so schlimm in Düsseldorf gewesen wäre. Nein, er wird einfach zu alt für den Scheiß. Wann geht es nach Nürnberg?

Der Tag beginnt schon damit gut, dass die Tour mit den zwei wilden Weibern begangen wird. Viel besser als diese Begleitung können Auswärtsfahrten nicht begleitet werden. Und so haben wir eine kurzweilige, unterhaltsame und gerade mal von einem kurzen Stau geprägte Auswärtstour in das südliche Ruhrgebiet. Bevor uns nun Geografiker ohne Humor anschreiben: Das ist ein Scherz; wir wissen, dass wir da im Düsselland sind.

Das ist ja schön, wenn man einen perfekten Anfahrtsweg, große Parkplätze und viel Platz um ein Stadion hat. Aber das Gefühl mitten in der Stadt zu spielen, kann dies nicht ersetzen. Es fehlt irgendwie das heimelige, das schmutzige, das enge Gefühl, was Fußball ausmacht. Immerhin findet sich eine Kneipe, die vor dem Spiel (nach dem Spiel nicht) ein Getränk und notdürftiges Essen an die angereisten Fans ausgibt. Dialog zwischen Fan und Wirt: „Na schon angezapft?“ „Jo, die Polizei war ja schon hier …“ „Die haben aber hoffentlich kein Alt getrunken?!?“ „Ne, Pils!“. Okay. Das erklärt dann wieder vieles.

Voll ist anders

Sonst ist im Umkreis des Stadions ein Schwimmbad und eine Messe. Der Schuhkarton an sich ist und bleibt eher eines der langweiligeren deutschen Stadien. Man muss den Fortuna-Fans mal Respekt zollen. Wenn man die eher bescheidene Akustik einrechnet und dass man selten diese riesige Schachtel voll bekommt, dann machen die ganz ordentlich Alarm. Und das geht auch häufig über die beiden Ultra-Bereiche hinaus.

Immerhin kann man aus dem Gästeblock ganz ordentlich sehen. Der Schreiberling zieht es aber vor, sich in den Ultra-Bereich zu den besagten Damen zu stellen, und so ist die Sicht zu Beginn durch eine Schwenkfahne etwas eingeschränkt. Und das war auch gut so. Bereits vor dem Spiel unkten wir, dass Düsseldorf früh ein 1-0 schießt, dann nicht viel passiert und in der 85. Minute das 2-0 fällt. Man sieht sich nach fünf Minuten bestätigt, als die Leihraute soviel Platz hat, dass sie schon einsam wird und ins Tor einnickt. Kann man da als Torhüter raus kommen? Keine Ahnung. Skyman hat garantiert andere Stärken als das aggressive Wegpflücken von Flanken.

Skurriles aus dem Gästeblock

Aber kommen wir noch mal zurück zu den Rängen. Düsseldorf mit einer Choreo, die ja ganz nett aussieht, aber irgendwie auch Fragezeichen hinterlässt. Nur Schwiegersöhne in der Kurve? Im Gästeblock Luftballons, was auf Fotos auch ganz nett aussieht. Nur wie leer ist bitte der Block? Das ist ein „ausverkauft“? Gefühlt ist am Rand noch Platz für 1000 mehr Leute. Die Stimmung im Block ist ganz okay, aber nicht überragend. Beinah zum Schmunzeln ist unser direktes Umfeld. Erster Auftritt: Mann in seinen besten Jahren. Voll wie ein Eimer. Nachdem der gegangen ist, zweiter Auftritt: Familie, alle mit dem gleichen beflocktem Trikot, die sich vollkommen wundern, als wir das richtige Pöbeln bekommen. Dritter Auftritt: Klischee-BWLer, blaue Steppjacke, Seitenscheitel, Schweinchen-Schlau-Brille. Labern in einer Tour Blödsinn. Und wir meinen Blödsinn. Trauen uns leider nicht zu fragen, ob sie eigentlich wirklich BWL studieren und in einer Burschenschaft sind. Ich mein Jungs, ist ja okay, wenn ihr nach einem harten Tag Uni noch mal chillen wollt, aber muss das in unserem Gästeblock sein?

Gut, zurück zum Geschehen auf dem Platz. In der ersten Halbzeit geht da also gar nix. In der Pause scheint Ewald die richtigen Worte zu finden. Unsere Truppe kommt wie verwandelt aus der Kabine und spielt nun eine Mischung aus „Koffer auf“ haben (Zitat einer Dame) und „Wilde Sau“ so mit Lasse im Sturmzentrum. Eigentlich schon zu spät belohnt man sich für den Aufwand, als Fafa goldrichtig steht und den Ball rein haut. Wer hat den Jungen eigentlich zu einem offensiven Mittelfeldspieler gemacht? Wenn der anscheinend eine Position spielen kann, dann die des Knipsers. Ob er damit einen Platz in unserem Kader der nächsten Saison findet, sei mal trotzdem dahingestellt. Denn trotz seiner Torausbeute in letzter Zeit fehlt es einfach auch an vielen Dingen im taktischen, mannschaftlichen Bereich. Aber wenn man ihn weiter beschäftigen will, dann bitte als Stürmer und auf keiner anderen Position.

Ein Spiel drehen, das geht irgendwie nicht

Es ist ja nicht so, dass unsere Jungs in den letzten zwei Jahren nicht sehr viel geleistet haben. Was sie aber nicht können, ist Spiele zu drehen. Letzte und diese Saison gewannen wir sage und schreibe ein Spiel nach Rückstand (Bochum zu Hause), wenn wir uns nicht ganz doll täuschen. Diese Unfähigkeit, Spiele nach Rückstand zu gewinnen, ist wahrscheinlich auch ein Punkt, der die Differenz zwischen uns und dem Club ausmacht. Die können so etwas, wie man eindrucksvoll am Samstag bewundern konnte.

Nun ist das garantiert auch eine Portion Glück, aber warum wir das nicht können, kann man Freitag in Düsseldorf sehen. Nach dem Aufwand zum 1-1 sind unsere Jungs nicht in der Lage, eine andere ggf. auch nicht so riskante Spielweise zu adaptieren und gleichzeitig ruhig und präzise Angriffe vorzutragen. Es entwickelt sich also ein sehr unterhaltsamer Schlagabtausch zwischen zwei Mannschaften, die körperlich alles reinwerfen, aber bei uns fehlt da die Lässigkeit, die Präzision, um in einem solchen Spiel einfach mal das zweite Tor zu machen. Das ist jammern auf höchstem Niveau, denn Düsseldorf zeigt eine wirklich kämpferisch überzeugende Leistung und so ist letztendlich das Unentschieden auch verdient.

Nur beiden Mannschaften hilft es nicht weiter. Mal Wunder außen vor, spielen wir nächste Saison wieder in Liga 2 – die eventuell etwas nördlicher wird, wenn man Freiburg und Leipzig mal als Aufsteiger bucht. Werden diese durch Hannover (steht ja schon fest) und Frankfurt/Bremen ersetzt, dann sparen wir doch fleißig Kilometer auf der Autobahn. Dass soll ausdrücklich nicht heißen, dass wir nun diesen Vereinen gegenüber anderen den Abstieg mehr gönnen würden. Hannover ist aber aus diesem egoistischen Grund herzlich willkommen in der Liga.

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Apr 182016
 

Wow, mal wieder ein Heimspiel am Sonnabend. Das kennt man ja schon fast gar nicht mehr. Und so sind die Blicke ob der Pünktlichkeit überrascht, mit der der Schreibende den Supportblock entert.

Es geht gegen Bochum. Die Saison ist irgendwie ziemlich abgeschrieben, ein vierter Platz wäre aus Fernsehgeldgründen (was für eine Motivation) noch netter als Platz 5. Genau den können wir Bochum heute klauen. Sechspunktespiel auf mittlerem Niveau also. Mol kieken!

Magischer St. Pauli VfL Bochum April 2016

Auweia

Die Hände vor die Stirn klatschen dürfen wir uns das erste Mal bei dem, was die Bochumer da als Choreo probieren. Sind das Plastikplanen oder einfach nur Müllsäcke? Und Grundgütiger, das nennt ihr nicht wirklich Pyro, oder? Blassblauer Rauch quillt kümmerlich unter der Müllplane hervor. Schön ist das wirklich nicht! Choreografisch liefert vielmehr der andere Teil der Nordkurve im Heimbereich ab. Klein aber fein.

Das Spiel ist recht schnell erzählt

Bei anfänglich deutlich größerem Druck der Bochumer in Halbzeit 1 beißt sich Terodde die Zähne an Skyman und seinem persönlichen Pech aus. Tjaha, kann ja nicht jeder Tag gut laufen.
In Halbzeit zwei übernimmt der FCSP öfter die Initiative und es kristallisiert sich mit Fafa Picault bald der Mann des Tages heraus. Uh yeah, wer sagt denn, dass wir keine Stürmer hätten? In echter Knipsermanier netzt der Junge zwei Buden in kurzer Zeit ein und hätte durchaus noch ein, zwei Dinger drauflegen können. Soll fürs erste genug sein. Immerhin hat Picault schon Lob von Klinsmann via Twitter bekommen, da wollte er sicher Schlimmeres vermeiden.


Außerdem erfreulich: Die zuletzt etwas schnarchnasige Gegengerade lässt heute mehr von sich hören. Klar, da ist immer noch Luft nach oben. Die Haltung, man müsse auch ein gutes Spiel sehen, um zu supporten, stinkt außerdem zum Himmel. Wechselwirkungen zwischen Rasen und Rängen, das ist es doch, was Fußball von Hallenhalma unterscheidet und so schön macht! Also auch mal mehr bei Gurkenkicks brüllen und nicht nur, wenn’s läuft.

Magischer FC St. Pauli VfL Bochum April 2016-2

Die Süd zur zwoten Halbzeit

Ob die Saison nun wirklich gelaufen ist? (Für den Bochumer Patrick Fabian, der sich in der Nachspielzeit einen fucking Kreuzbandriss zuzieht, ist sie’s leider auf jeden Fall. Gute Besserung!) Immerhin hat Nürnberg erneut gepatzt und wir spielen bei denen noch. Derzeit sieben Punkte; vier, wenn man unseren Auswärtssieg dort mit einrechnet. Nichts ist unmöglich! (Und auch ein Rauten-Abstieg ist noch immer nicht ganz unrealistisch, harrharr!)

Gut gut, im Großen und Ganzen wird die Spielzeit wohl ohne viel Aufregung zuende gehen und wir können schon mal den Blick nach vorn werfen. Mit Aziz Bouhaddouz steht ein weiterer Neuzugang auf dem Papier, ein Offensiver. Da wäre es doch wirklich mal Sahne, wenn wir 2016/17 um die dicken Pötte mitspielen.

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Apr 122016
 

oder

„Ich will dieses Teilbundesland jetzt ganz schnell verlassen“

Liberal? Ihr könnt mich mal.

Baden-Württemberg. Ach was, streicht das zweite Wort. Baden. Freiburg. Klischee von liberaler Studentenstadt mit gutem Wetter und einem sympathischen Fußballclub. Und für uns eines der längsten Auswärtsspiele überhaupt. Am Ende stehen 1400 Kilometer plus ein bisschen auf der Uhr. Trotzdem war der Gästeblock ratzfatz ausverkauft und dies obwohl man sich Sitzplatztickets mit 35 Euro in Freiburg fürstlich bezahlen lässt. Wohlgemerkt, es handelt sich dabei um Gästeblock-Sitzplätze und nicht um die besten Plätze im Stadion.

Immerhin ist das Klischee insoweit wahr, dass wir einen warmen Frühlingstag erwischt haben. Da kann der Pullover doch gleich mal im Auto bleiben. Die soziale Bezugsgruppe sammelt sich früh am Bahnhof, wo wir in unseren Manager laufen. Der uns alles über den neuen Wunderstürmer erzählt. Nein, tut er natürlich nicht; aber Thomas präsentiert sich gut gelaunt und auch echt auskunftsfreudig. Nun nicht, was Transfers angeht, aber wir reden z. B. über die Fernsehgelder. Wie wichtig das ist, kann man daran sehen, dass er die entsprechenden Zahlen mehr oder minder auswendig runterbeten kann. Und neben unserer eigenen Position macht es für uns einen riesigen Unterschied, ob z. B. Paderborn absteigt oder nicht. Denn es ist ja nicht nur die jetzige Saison entscheidend für die Gelder, sondern auch Saisons davor. Und Paderborn steht mit seinem Bundesligajahr vor uns. Außer sie steigen ab. Dann fallen sie raus. Je nach Konstellation sprechen wir hier laut Meggle nebenbei von einer Million Plus oder einer Million Minus. Das liegt dann aber nicht nur daran, was Paderborn macht. Wohlgemerkt: Bei diesen Rechenspielen gehen wir immer von einem vierten Platz für uns aus. Platz 5 kostet uns auch noch mal richtig Geld. Wir warten jetzt also auf den Forenthread, welcher die Spieler bepöbelt, falls wir noch Platz 5 anstatt 4 belegen. Das kostet mehr Geld als jede Pyroshow.

Viele nette Menschen trifft man bei so einem Spiel. Menschen, die man ohne Fußball wohl nie kennengelernt hätte. Das macht dies aus. Wenn euch jemand fragt, warum ihr euch das antut: Das ist einer der Gründe.

MagischerFC SC Freiburg vs. St. Pauli April 2016-3

Gut, ab zum Stadion. Das liegt schon alleine aufgrund der geografischen Gegebenheiten in Freiburg eher unglücklich in einem engen Talkessel, aber irgendwie auch wieder cool. Stadien, die an eine Wohnbebauung grenzen, sind ja eher ein aussterbendes Ding. Und mit der Straßenbahn ist das auch alles problemlos. Auf dem Weg zum Stadion dann die üblichen fliegenden Händler von nachgemachten Schals. Das diese immer noch auf ihr Geld kommen, zeigt, wie doof Fußballfans sind. Selbst der rot-weiße (!) St.-Pauli-Balkenschal (Schnäppchen für zwei Euro) findet ordentlichen Absatz und wird mehrfach im Gästeblock gesehen. Leute, der ist nicht mal zwei Euro wert. Und darauf zu hoffen, dass der braune Streifen durch den Dreck dazu kommt, ist auch nicht wirklich ein guter Plan.

Die Anreise verläuft nach Farben bunt gemischt und vollkommen stressfrei. Trotzdem meint die örtliche Polizeidirektion, dass man den Gästeblock eingittern und mit einem Sichtschutz (!) vom restlichen Stadionbetrieb abtrennen muss. Käfighaltung allez. Das so ein Setup an sich schon Agressionen auslösen kann, wo gar keine Agressionen entstehen sollten, ist wohl bei der Polizei in Freiburg (liberal und so) nicht angekommen. Die Eingangskontrollen sind für Freiburger Verhältnisse lächerlich. In anderen Stadien würde man von scharf schreiben, aber hier haben wir schon die Abgabe von Gürteln, den Griff in den BH und andere Unsinnigkeiten miterlebt, sodass dies im Verhältnis an diesem Tag Zucker ist. Warum man anderseits einen Pyrohund aus Köln (!) – so zumindest die Auskunft auf dem T-Shirt der Hundeführerin – anfahren lässt, kann man wohl nur mit Übertreibung kommentieren.

MagischerFC SC Freiburg vs. St. Pauli April 2016-1

Gast sein ist nicht schwer, in Freiburg aber sehr

Es gibt in Deutschland echt miese Gästeblöcke. Aber der in Freiburg schießt immer noch jeden Vogel ab. Wir stehen auf der obersten Stufe und sind trotzdem nicht in der Lage, das ganze Spielfeld zu sehen. Viele Leute müssen zwingend hinter irgendjemanden oder auf der Ebene des Feldes in mehreren Reihen stehen. Sonst passen nicht alle Leute in den Block, die eine Karte haben. Platz für Banner ist nicht vorgesehen und muss sich in einer Hauruck-Aktion, die noch mehr Leuten die Sicht nimmt, erkämpft werden. Es ist arschkalt im Gästeblock, da er im Wind und Schatten liegt. Immerhin ist das Catering okay, auch wenn es natürlich nur bleifreies Bier gibt. Und oh Wunder: Auch in Freiburg ist angekommen, dass Fanszenen Vorsänger benutzen. Und nachdem man bei unserem letzten Besuch noch Personalien aufgenommen hat, weil ein Vorsänger gewagt hat, den Zaun zu berühren, gibt es diesmal ein Vorsängerpodest.

Gerade als man es sich notdürftig bequem gemacht hat, beginnt auch schon das Unterhaltungsprogramm. Der Stadionsprecher hat eine Stimmlage, die ein normaler Mensch hat, wenn er in einem brennenden Haus steht. Und das geht von der ersten bis zur letzten Durchsage so. Diese Dauererregung nervt. Das Ganze wird mit einer brutalen Berieselung von Stimmungshits gepaart, dass man eigentlich nach fünf Minuten schon wieder gehen will. Immerhin wird man als sympathisch begrüßt und auch freundlich vom restlichen Publikum aufgenommen. Höhepunkt der unerträglichen Publikumsberieselung? „Spannung, Winken, Schuß“ als Werbelied mit Unterstützung der Anzeigentafel und dann werden irgendwelche Werbeshirts ins Publikum geschossen. Winkquote im Stadion? 90 Prozent! Wir sind ja nun überkritisch mit dem Millerntor, aber wir behaupten, dass bei uns dies die Mittelfingerquote wäre, würde dies ein Sponsor versuchen. Bei uns spielt nebenbei seit neustem ein Herrwegen. Zumindest nach dem aufgeregten Stadionsprecher.

Oh „Insomnia“ von Faithless, das ist ja beinah vernünftige Musik. Der Gästeblock groovt so ein bisschen vor sich hin. Bumms. Abgewürgt. Das Klischee des liberalen Freiburgs wird durch das Badnerlied endgültig zerstört. Auf die deutsche Spießigkeit. Der Gästeblock pfeift vollkommen zu Recht. „Das schönste Land in Deutschlands Gau’n“? Dagegen ist Freiwild ja Progressive Rock. Nun ja, die Heimfans singen mit.

Die Berieselung mit Musik geht bis zum Anpfiff und erst mit dem Pfiff des Schiedsrichters dürfen dann auch mal die Zuschauer eigenständig und ohne „Hallo“ und „Bitte danke“ oder ähnlichem was machen. Wisst ihr eigentlich, auf was für einem hohen Niveau wir jammern? Fahrt mal nach Freiburg, dann wisst ihr es. Die ersten fünf Minuten ist auch richtig Alarm auf allen Tribünen. Es wird geklatscht und mitgegangen. Das frühe Tor tut dafür natürlich auch noch was. Der Gästeblock braucht dementsprechend ein bisschen um in Wallung zu kommen. Aber was dann passiert, ist uns unverständlich. Man ist Tabellenführer, führt gegen den Tabellen vierten, kann mit einem Sieg zumindest Platz 3 ziemlich klarmachen und außer dem Ultrablock geht schnell gar nix mehr. Null. Kein Klatschen, kein Anfeuern, nix. Die Ultras auf der Heimtribüne wirken engagiert, aber wenn es im Spiel vielleicht zehnmal über ihren Bereich hinausgeht, dann ist das schon wohlwollend gerechnet. Wohlgemerkt, wir sprechen hier von einem mitreißenden Spiel, bei gleichzeitiger Niederlage Nürnberg und bestem Wetter. Bei einem 0-0 im November kannst du da ein Blatt fallen hören, oder wie? Und wir meckern über das Millerntor? Das ist noch tausendmal besser.

MagischerFC SC Freiburg vs. St. Pauli April 2016-2

Der Gästeblock hingegen hat einen Sahnetag erwischt. Von einem guten Vorsänger angeheizt, ist zumindest im Stehplatzbereich richtig Alarm. Inklusive Weitersingen, als der Vorsänger schon ein neues Lied ansagen will. Spielstand? Egal. Nach dem 3-1 mal ein kurzer Hänger, aber ansonsten ein 1a-Sahneauftritt. Auch nach dem Schlusspfiff kommt von der Heimseite „Stimmungsmusik“, während der Gästeblock noch mal freidreht. Gut auch, dass der Vorsänger zwischendurch daran denkt, dass Sitzen ja das neue Rauchen ist und uns zu mehr „Bewegung“ auffordert. Bei dem langen Ritt nach Freiburg kommen wir diesem mit unbeholfenen Tanzschritten gerne nach. Ein bisschen Gemeckere muss dann aber doch sein. Da sind wir schon nah an Frankreich und es wird doch ein deutlich hörbares Aux ArmeS.

Ganz ehrlich: Wenn das Erfolg im modernen Fußball ist, dann wollen wir keinen Erfolg haben. Alles so Event, so künstlich, dass es echt bitter ist. Und dabei hatte Freiburg in den 90ern mal richtig was Eigenes.

Es strahlt nicht nur die Sonne, sondern auch das Flutlicht. Alles für das Fernsehen? Dann sollten man so konsequent sein wie in den USA und den Bau von Tribünendächern einfach lassen. Das ist dann sinnvoller als die Energieverschwendung.

Uffm Platz

Unsere Jungs verschlafen Halbzeit 1 doch deutlich. Und Freiburg reicht so eine durchschnittliche Leistung, um 2-0 in Führung zu gehen. Was diese Saison echt nervt ist, dass wir unfassbar viele Tore im zweiten Versuch bekommen. Da steht ein Freiburger und drei Verteidiger und der Abpraller von Skyman kann vollkommen ungestört vom Freiburger eingenetzt werden. Das hat auch was mit Konzentration zu tun und nicht nur mit Zufall. Das 2-0 durch die Mauer nach einem zumindest aus dem Gästeblock zweifelhaften Freistoß ist auch so ein Ding, was man nicht unbedingt bekommen muss. Was nervt bei Freiburg? Dieses „Argh, ich sterbe … oh ich kann ja doch weitermachen ohne Behandlung“. Als Schnecke – nebenbei zu Recht – die gelbe Karte sieht, wollen wir ob der lebensgefährlichen Verletzungen des Freiburgers schon seine nahen Angehörigen informieren. Glücklicherweise gab es eine Wunderheilung. Selbst ohne die Heilungskräfte der Mannschaftsärzte. Bei aller Liebe: Foul ist Foul und das war ein Foul, aber könnte mal bitte jemand Fußballern dieses Theatralische abgewöhnen? Auch gerade nervt es, dass Schiedsrichter nur noch so etwas pfeifen und wenn sich mal ein Spieler nicht an dieses Theaterstück hält, dann bekommt er auch keinen Freistoß.

In der Halbzeit sind wir uns einig, das drehen wir. Fängt auch gut an, nachdem wir mal einen zweiten Ball reinstochern. Geht dann aber nicht gut weiter, als wir beim 3-1 zum kollektiven Tiefschlaf ansetzen und so den alten Abstand ermöglichen. Weitere Schwäche unserer Mannschaft: „Schieß doch“ ist eine zu häufig benutzte Floskel im Fanbereich. Immer wieder sind Jungs von uns relativ blank in einer Entfernung von 18 bis 25 Metern und anstatt einfach mal draufzuhauen, kommt der nächste Pass. Ja, viele Schüsse aus der Distanz gehen in die Dreisam, Elbe, Düssel, Wupper oder Rhein; aber so lehrt man gegnerischen Verteidigungen, dass sie den Raum 18 bis 25 Meter vor dem eigenen Tor nicht verteidigen müssen. Fehlende Räume näher vor dem Tor sind die Folge. Immerhin nimmt Alushi sich mal ein Herz und zimmert einen rein.

Wieder Spannung, aber der nächste Fehler kommt bestimmt und so steht es auch schon 4-2. Mit einem Elfmeter kommt man wieder ran, aber in Deutschland ist es egal, was vorher passiert ist, es wird in Halbzeit 1 eine Minute und in Halbzeit 2 drei Minuten nachgespielt. Und zwar holzschnittartig. Nicht, dass wir nun unbedingt noch den Ausgleich in Minute 94 geschossen hätten, aber komisch ist das schon. Und bei einem Spiel ohne Tor, ohne große Unterbrechungen gibt es dann auch 3 Minuten.

Unsere Saison war schon vor dem Spiel gelaufen, nun ist sie es endgültig, wenn man mal von diesem eher abstrakten Ziel des möglichst hohen Fernsehgeldes absieht. Was kann man als Saisonfazit ziehen? Es ist gut, dass uns kein Gegner in der Liga wirklich zwingend besiegen muss. Kein Team ist wirklich so viel stärker als wir, dass wir gegen es in 90 von 100 Fällen verlieren. Es ist schlecht, dass wir uns zu häufig aber selber noch ein Bein stellen, um wirklich oben um die ganz großen Fleischtöpfe mitzuspielen. So komisch es klingt, auch heute war Freiburg schlagbar. Nehmen wir es als Basis für die nächste Saison.

Und dann?

Will unser Lieblingsschwabe nur noch weg und äußert, dass er dieses Teilbundesland nun unbedingt verlassen wolle. Tun wir dann auch. Schnell nach Hause. Aber vor dem „zu Hause“ hat der liebe Gott noch die Rückfahrt gelegt. Und die ist aus Freiburg lang.

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Apr 042016
 

Es geht so nicht weiter wie am Freitag. So vieles ist einfach falsch. Aber der Reihe nach:

Kultur schnell ändern

Erinnert sich noch jemand an die Choreo gegen die Rauten II mit der Mentalitätsbanane? Oder an die Choreo gegen Lübeck mit der Prise Stil? Und warum laufen heute bei uns Leute rum, die aussehen, wie Lübecker und Rauten heute und damals? Was ist eigentlich aus dem Stil geworden? Man verstehe uns nicht falsch, jede Generation soll doch bitte ihren eigenen Style finden. Aber denkt doch mal weiter und nehmt euch nicht 00er Jahre Deutsch-Ultra als Vorbild.

Und warum setzen sich bei Vereinen immer die Trottel durch, bestimmen die Außendarstellung und warum lassen sich die cleveren Leute an die Seite drängen? Gut an unserem heutigen Gegner zu beobachten. Ja auch wir kennen echt helle und gute Menschen, die Union lieben. Aber leider gewinnen auch dort immer mehr die Leute die Oberhand, die rassistische Fangesänge für geil halten (Vorgeführt am Bahnhof) und die meinen, dass Banner klauen und präsentieren Fankultur sei. Sowieso dieses „rumhampeln“ auf dem Zaun mit gegnerischen Bannern. Braucht man danach eigentlich Taschentücher? Langsam müsste man mal das in Nahaufnahme aufnehmen und unter „best of Hampelmann“ präsentieren. Leute, wenn das euer Lebensinhalt ist, dann geht in den Gewalterlebnispark, aber lasst uns mit den guten Unionern in Ruhe Fußball gucken. Es nervt nur noch, ist mit infantil nur nett umschrieben und hat mit einer förderungs- oder erhaltungswürdigen Kultur nix zu tun. Und das sich beim FCSP kein Fanclub auflöst, weil ihr da den Vollidioten auf dem Zaun mimet, sollte auch bei der größten Blitzbirne angekommen sein.

Und wisst ihr, Pyro und das Transpi mit „April April“ zeigt doch, dass ihr die feine Klinge des Humores und der optisch schönen Supports kennt. Und komm mir jetzt keiner mit meckern über Pyro. Wenn ich sehe, wieviele Instagram, Twitter, Facebook Fotos online gestellt werden, finden das zu viele Leute toll.

Aber mal auf die Metaebene: Sowohl an der Alten Försterei, am Müngerstorfer Stadion oder am Millerntor müssen endlich wieder die vernünftigen Leute den Ton setzen und die unvernünftigen einfangen und an den Rand drängen. Sonst müssen wir über eine erhaltenswerte Kultur schnell nicht mehr reden.

Schweigt und trinkt für dich

Liebe Gegengerade, du hast ja immer noch kurze helle Momente, wenn du z.B. Benny Köhler mit Applaus auf dem Feld begrüßt. Aber insgesamt hat das mit einer Fußballkurve nix mehr tun tun. Teilweise war es so leise, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Und ja, eure Woche war berichtenswert und das Handyvideo muss auch gezeigt werden. Aber Astra trinken und sich unterhalten kann man auch woanders. Und ja, es gibt mal Fälle, wo man sich nicht fühlt und schweigt. Geschenkt. Hatten wir Freitag auch. Gedrückt, versucht ihn zu ermuntern, alles gut. Aber das ist ja nicht der Grund für 12.000 Leute zu schweigen.

Wobei halt. Es gibt einige unermüdliche, die machen Choreos (deren Fahnen dann von irgendwelchen Trotteln nicht zurück gegeben werden, sondern über den Dom getragen werden und dann auf Nimmerwiedersehen verschwinden) und versuchen Stimmung zu machen. Und Leute ganz ehrlich: Schafft euch eine Trommel und zwei Megafone an. So ist das zu unkoordiniert und kostet euch zuviel Kraft. Macht euren eigenen Stil, aber macht es organisiert.

Und sollte irgendwer sich beschweren oder noch besser Bier werfen, dann kann er gerne sich bei uns einen Satz heiße Ohren holen. Zur Zeit ist es einfach entsetzlich und man kann dem Verein beinah nur raten das Ganze als Sitzplatz umzubauen. Gelangweiltes schweigendes Publikum kann man auch mehr Geld für seinen Platz abknüpfen.

Und auf dem Platz?

Nein. Das ist gar nix. Das ist ja alles nett und brav und garantiert auch 100 % nach den taktischen Vorgaben, aber es fehlt dieses Gewinnen wollen um jeden Preis. Es fehlt dieser Spieler, der am Ende Blut auf den Stutzen hat. Ja, das mag alles nicht „moderner Fußball“ sein, aber es ist FCSP DNA.

Was war Positiv?

Wir werden nie verstehen, dass Bibi nur zweite Liga pfeift. Sie macht genauso viele Fehler, wie alle anderen. Aber die Spielleitung ist so etwas von flüssig aber doch bestimmt und damit einfach erfrischend. Wenn man dagegen z.B. einen Aytekin sieht, dann müsste Bibi schon lange 1. Liga pfeifen.

Nach dem Spiel?

Hallo Besatzungsmacht Polizei Hamburg. Es ist unser Viertel. Lasst die Kriegsgeräte zu Hause, rüstet endlich mal ab und hört auf mit diesem Scheiß. Ihr nervt.

Und sonst?

Willkommen Vegar. Gefühlt ungefähr der 10000ste Spieler, der „schnell“ ist und auf der Außenbahn zu Hause. Gefühlt ein Überangebot solcher Spieler. ABER wir haben keine Ahnung und es sind ja auch vier Positionen, die man schon doppelt besetzt haben sollte.

Tschüss Zecki. Es war ein Fest. Ja, Aprilscherze sind nicht lustig. Aber der Abgang ist schon süß.

Es schrieben sonst:

Frodo, dem noch mal gratuliert sei zum Geburtstag.

Das Fangirl ist auch in Schwung

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