Apr 232018
 

 

Zum Spiel

Man muss vielleicht nicht viel zum Spiel sagen. Es läuft nichts zusammen und in den entscheidenden Szenen hat der Fußballgott auch etwas gegen uns. Verliefe das Spiel anders, wenn nicht gleich der erste Schuss des Gastgebers säße? Oder wenn der Torwächter von denen nicht brillant retten würde Aber da wir es nie hinbekommen, wirklich mal 90 Minuten konstant und konzentriert zu spielen, ist die Niederlage komplett verdient.

Die beiden Roten Karten sind auch aus der Kategorie „darfst du dich nicht wundern“. Mal eine allgemeine Anmerkung zu der zweiten Roten Karte: Es ist eine allgemeine Sucht im Fußball, dass Spieler bei Fouls so tun, als ob sie gleich sterben. Erste Diagnose beim Regensburger: „Da wird eine Wohnung frei.“ Nur das Wunderwasser des Physios kann Schlimmeres verhindern. Und man kann nicht mal den Spielern einen Vorwurf machen. Immer wieder hat man den Eindruck, dass die Schiedsrichter von den Saltos beeindruckt sind. Aber wenn man mal genau hinsieht, dann ist es meistens so, dass die Spieler, die sich wirklich verletzen, einfach nur hinfallen und liegen bleiben. Und nicht noch drei Saltos und vier Schreie von sich geben. Ändert nichts daran, dass die Rote Karte zumindest vertretbar ist, weil Cenk da in einer Mischung aus Frust und Übermotivation rein geht, die sich gewaschen hat.

Und als wäre all dies nicht genug, ist es ja auch noch so, dass wir uns alle Tore selber einschenken. Besonders übel das 2-0 und 3-0. Beim 2-0 macht Buballa einen Jahrhundertfehler und beim 3-0 gucken viele Offensive aus sicherer Entfernung zu, wie Kalla das „wie verteidige ich zwei Spieler gleichzeitig?“-Rätsel versucht zu lösen. Dieses Rätsel ist alleine unlösbar. Und all diese Situationen entstehen nicht dadurch, dass Regensburg nun tollen Tempofußball spielt, der den Gegner auch zu Fehlern zwingt.

Das Stadion ist neu gebaut, an der Autobahn, irgendwie 08/15, der Gästeblock in die Ecke gequetscht und eng. Für die Gästeautos besteht ein eigener Käfig (!) und die Ordnerinnen überschreiten in aller Seelenruhe sämtliche intimen Grenzen beim Abtasten. Es ist zum Kotzen.

 

Gute Sicht gibt es nicht

Nach dem Spiel

Nach dem Spiel kommt es mehr oder minder zu einem Plenum zwischen dem, was wir jetzt mal als „Ultrà-Szene“ umschreiben möchten, und den am Zaun verharrenden Spielern. Buballa, Flum und Schnecke gehen dann auch noch direkt an den Block und diskutieren mit einzelnen Leuten, während der Rest der Mannschaft inklusive Trainer- und Betreuerteam vor dem Zaun verharrt.

Von unserer Perspektive läuft das ganze ganz gesittet ab. Wir zumindest erleben da keine „wüsten Beschimpfungen“, die von einigen Zeitungen herbeigeschrieben werden. Und wenn dann waren das ganz einzelne Personen. Wir wissen aber nicht, was wie genau besprochen wird.

Als wir dies auf den diversen Kanälen mit einer deutlichen „Respekt dafür an die Mannschaft“ Nachricht teilen, bekommen wir neben vielen positiven Rückmeldungen auch viele „Interessiert mich nicht“-, ‚“Bedeutet nix“-, „Sollen lieber besser spielen“- oder „Haben keinen Respekt verdient“-Nachrichten.

Unser Senior geht nun gut 30 Jahre zu diesem Chaotenverein. Er hat genügend Spieler gesehen, die mehr oder minder desinteressiert abgestiegen sind. Spieler, die mitgereiste Fans nach so einem Spiel mit dem Arsch nicht angesehen haben. Alleine deswegen bedeutet es ihm was. Und er hat eine ähnliche Situation wie in Regensburg mal in der dritten Liga gesehen, als sich Eger und ein bekannter Fan in der Nachspieldiskussion selbst richtig in die Haare bekamen. Direkt danach drehte sich das Blatt und wir siegten u. a. in Wiesbaden. Insofern: Vielleicht ist dies der Wendepunkt?

Fußballspieler sind Arbeitnehmer. Und MÜSSEN auch wie Arbeitnehmer denken. Und kein Arbeitnehmer der Welt schlägt sofort in einen neuen Vertrag ein, wenn der Arbeitgeber sagt „du bekommst nun eine deutlich uninteressante Position zu weniger Geld“. Das mal so am Rande.

Und Fußballspieler sind keine Maschinen. Man stellt sie nicht an. Sie sind Menschen, junge, unerfahrene Menschen. Die im Hochleistungssport ein derbes Ego brauchen. Und dies einfach nicht haben zur Zeit. Siehe die Szene von Buballa. Wenn der das normale Ego hat, dann lässt er entweder den Regensburger aussteigen und dribbelt nach vorne oder er ballert das Ding über das Tribünendach. Und wenn ihn irgendwer für letzteres kritisiert, dann zuckt er mit den Schultern und sagt „Digga, halt die Fresse, ich bin der Geilste.“ Zur Zeit denkt aber aber „bloss kein Fehler, bloss kein Fehler“ und macht gerade deswegen den Fehler.

Ja, dieser Kader hat Fehler. Ja, unsere Verantwortlichen haben Fehler gemacht. Nein, dieser Trainer scheint nicht der Beste zu sein. ABER! Es ist das, was wir jetzt für drei und vielleicht fünf Spiele haben. Nein, wir glauben nicht, dass nun eine panische Trainerentlassung irgendetwas fundamental ändert.

Und daher

Es gibt zwei Arten, mit dieser Situation umzugehen. Möglichkeit A wäre, dass wir nun 11 Kreuze auf den Trainingsplatz stellen, die Mannschaft schon beim Auflaufen auspfeifen, sie mit „Scheiss Millionäre“ beschimpfen und am besten noch mit „Wenn ihr absteigt, schlagen wir euch tot“ verabschieden.

Wir wollen keinen verurteilen, wer der Meinung ist, dass dies seine Reaktion als Fan ist.

Unsere ist es nicht. Und wahrscheinlich ist es auch nicht die, die zum FCSP, seiner Tradition und seinen Fans passt.

Unsere ist eher die, die ein Verein vom Weserdeich in einer ähnlichen Situation gemacht hat. In Bremen half man sich über die eigene Verzweiflung mit einer „Green White Wonderwall“ (bei Sport1 etwas detaillierter nachlesbar.  ).

Vielleicht sollten wir beim FCSP das auch versuchen? Kritiker werden nun sagen „das wäre dann ja geklaut“, aber erstmal gilt immer „lieber gut geklaut als schlecht selber gemacht“ und der kleine Weserverein hat ja auch genügend Melodien bei uns geklaut.

Wir wissen nicht, wann und wie unsere Spieler zu den beiden nun ausstehenden Heimspielen reisen, wir wissen nicht, ob das eine Idee ist, die Leute gut finden. Wir sind auch nicht die Institution, die Massen organisieren und mobilisieren kann. Wir regen es an.

Wir wissen aber eines ganz genau: Wir haben nun zwei Heimspiele, diese sind super wichtig, wir haben bisher nichts gerissen bei Heimspielen und die Lethargie im Stadion ist bis in den Volkspark spürbar. Das müssen wir aufreißen und einen neuen Impuls setzen.

Daher: Hände aus den Taschen, Mund auf, brüllen, singen, tanzen, positive Stimmung verbreiten. Auch wenn es nicht sofort läuft. Das gilt für dich, lieber GG-Steher, für dich lieber Süd-am-Rand-Steher, für dich lieber Haupt-Sitzer und für dich lieber Nord-Gucker. Wir schaffen das. Gemeinsam. Ohne irgendein leeres Marketinghashtag, ohne von oben verbreiteten Optimismus. Dieser Verein hat schon immer seine besten Momente gehabt, wenn von unten der Antrieb kam.

Lasst uns Fans die Mauer sein, an der Fürth und Bielefeld abprallen! Lass uns die Hände sein, die unsere Spieler tragen! Lass uns über alle Spektren, Tribünen, Lebensumstände und Frustlevel eine positive Stütze sein.

Aux Armes!

 

Es schrieb auch

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Apr 162018
 

oder

Ein Spieltag mit dem Wetter, das er verdient

93. Minute, Ecke für Braun-Weiß beim Stand von 0:1. Überzahl haben wir schon seit einer halben Stunde, aber sollte da nicht ein Torwart mit nach vorn? Alle Möglichkeiten ausschöpfen, wo es nichts mehr zu verlieren gibt? Die Lage ist schließlich bitterernst!

Doch er tut’s nicht. Und das ist jetzt kein individueller Himmelmann-Bash, es steht vielmehr sinnbildlich für eine Mannschaft, die den Ernst der Lage nicht zu erkennen scheint. Dabei ist nun echt gar nichts mehr lustig. Nachdem uns auch noch Düsseldorf den Bärendienst erwies, gegen Heidenheim zu verkacken, stehen wir tatsächlich auf dem verdammten Relegationsplatz. Ja, diese Saison in der Zweiten Bundesliga ist vollkommen absurd, was sich schon daran zeigt, dass der FCSP Platz 15 der Hinrundentabelle, in der Rückrundentabelle Platz 13, in der Gesamttabelle nun aber Platz 16 belegt. Aber dieses höllisch enge Feld in Liga 2 kann keine Ausrede/Erklärung/Versicherung für den gegenwärtigen Zustand sein.

MagischerFC St. Pauli vs. Union Berlin April 2018

This is fine

Zugegeben gefällt uns an diesem Spiel auch erst mal einiges besser als bei etlichen vorherigen Auftritten. Ein neues System mit Fünferkette (das leider ein bisschen an der Zugkraft auf den Außen krankt), Schneider statt Bouhaddouz und eine überzeugende Körpersprache in der ersten Phase, knapp eine Halbzeit ungefähr. Ballkontrolle scheint unserem bescheidenen Blick nach auch etwas besser zu funktionieren. Wie so oft kommt es aber wieder zu dem, was in der Zweiten Bundesliga so typisch ist: Die Mannschaft, die das Spiel zu machen versucht, unterliegt. Und wir dürfen uns wirklich nicht beklagen, gab’s schließlich noch zwei Aluminiumtreffer für Union.

„Sieg! Sieg! Sieg!“ Iiih!

Wir finden es noch immer von ausgesuchter Hässlichkeit, wenn ein Fanblock dieses Wort für sich allein skandiert. Union und der FCSP, wir werden im Großen und Ganzen keine Freunde mehr. Zwar halten sich die tatsächlichen Negativerlebnisse mit den Köpenicker Fans in Grenzen und wir machen nach Abpfiff vor dem Wirtshaus zum Totenkopf noch Bekanntschaft mit einem offensichtlich ganz freundlichen Exemplar, aber mehr ist da auch nicht. Wer im Block so unappetitlich mit Frakturschrift-Bannern und erwähntem „SIEG!“-Gebrüll herumdeutscht, verdient sich unsere Sympathien nicht.

Angenehmere Gesellschaft kommt dagegen von jenseits des großen Teichs. Wir lernen E. von FC St Pauli Buffalo kennen – folgt den Dudes mal, da freuen sie sich! Bemerkenswert, wie viel Kenntnis die Loide in entfernten Winkeln der Welt manchmal von unserem Club haben – und immer wieder wundervoll zu sehen, wie viel es ihnen bedeutet, mal wirklich sich den lang gehegten Traum zu erfüllen und es zu einem FCSP-Spiel zu schaffen. Wie leid es uns nur tut, dass es so ausgehen musste! E. juckt das weniger, aber in einer Sache sind wir uns dann einig …

Von sportlicher und gesellschaftlicher Relevanz

Der FC St. Pauli ist für die meisten mehr als nur ein (mittelmäßiger) Zweitligaclub. Das steht außer Frage. Wir brauchen es euch sicher nicht zu erklären, was damit gemeint ist. Viele Dinge sind am Millerntor wichtiger als der eigentliche Fußball, das ist auch richtig und wichtig so.

Allerdings – auch auf die Gefahr hin, wie schlimme Menschen zu klingen: Je heißer beim Fußball der Baum brennt, desto mehr gerät unsere gesellschaftspolitische Bedeutung als FCSP in Gefahr. Denn die Strahlkraft, die wir derzeit haben, würde bei einem sportlichen Absturz geringer werden. Denkt an Babelsberg, denkt an Roter Stern Leipzig – großartig, was bei diesen Vereinen geleistet wird. Aber so wie der FC St. Pauli werden diese Vereine nicht oder nur in Ausnahmen wirklich viele Menschen erreichen. Und das kann uns auch blühen, wenn es mal sang- und klanglos in Liga 3 runter gehen sollte.

Wir können es nicht mit letzter Bestimmtheit sagen, da wir die Arbeit hinter verschlossenen Türen im Verein natürlich nicht sehen – aber: Es ist kein sportliches Konzept, kein Weitblick erkennbar. Womöglich ist in den vergangenen Jahren der Fokus auf die wesentlichen Kernkompetenzen eines Fußballclubs etwas zu sehr flöten gegangen. Vielleicht fehlt es an den entscheidenden Stellen einfach an Expertise?

Versteht uns bitte nicht falsch. All das darf nicht heißen, dass die politische Haltung, Aktionen und Projekte vernachlässigt werden könnten! Nur müssen wir uns vielleicht noch mal bewusster werden, wie wichtig es ist, keinen sportlichen Bedeutungsverlust zu erleiden – von Arbeitsplätzen rund um den Verein mal ganz abgesehen. Mit anderen Worten: Wenn die Fahnenstange, das Rückgrat, zerbricht, wird es viel schwerer, die Botschaft auf dem Tuch weit sichtbar zu machen.

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Apr 112018
 

Fakten

Fangen wir mit einem Zitat an:

„Zauberhaft und liebenswürdig – die neue Kollektion Ruby

Hot Pink ist die Farbe des Sommers 2018 und das verbinden wir mit einem edlen hellen Grau. An den Artikeln selber haben wir im Vergleich zu den letzten Jahren nur ein wenig geschraubt. Zum Frauenshirt mit weitem Halsausschnitt und dem Basic Hoody gesellt sich ein Frauenkleid aus leichtem Baumwoll pique.

Viel Spaß beim Einkauf am ersten warmen Wochenende. Wie immer in den Shops eures Vertrauens und unter www.fcsp-shop.com“

So steht es in einem Facebook-Post vom 08.04.2018 auf der offiziellen Präsenz des FC St. Pauli.

Zauberhaft und liebenswürdig – die neue Kollektion Ruby Hot Pink ist die Farbe des Sommers 2018 und das verbinden wir…

Gepostet von FC St. Pauli am Sonntag, 8. April 2018

Beworben wird die Kollektion „Ruby“, die a. einen ganz üblen Kaiser-Chiefs-Ohrwurm auslöst und b. sich anscheinend nur an Frauen (man entschuldige uns bitte die bigeschlechtliche Aufteilung) wendet.

Die Produkte sind entweder in Grau, in „Hot Pink“ (wir Antimodemenschen würden sagen „Rosa“) oder in beidem gleichzeitig. Sie zeigen eine Variation des beliebten Totenkopfmotivs. Könnt ihr euch alles unter dem genannten Link ansehen.

Soweit wir das sehen können, findet sich der oben zitierte Text in der Werbung in Social Media und auf der offiziellen Homepage. Im Shop ist das Ganze ohne weitere Beschreibung (Korrektur: Doch Text findet sich auch dort).

Allgemeines

Wir sind garantiert nicht die richtigen, um eine vollständig perfekte Kritik an Gender-Marketing und sexistischem Marketing hin zu bekommen. Dafür gibt es genügend Seiten, die man echt sich mal in Ruhe durchlesen kann. Nehmen wir doch mal z. B. pinkstinks , die sind garantiert nicht die Einzigen, aber da sie mal mit dem FCSP was zusammen gemacht haben, seien sie hier genannt. Wir haben ihn eben auf die Schnelle nicht gefunden, aber es gibt wohl auch einen offenen Brief von denen (Korrektur: einer Einzelperson)  mit einer Stellungnahme der Marketing. Screenshot hier

Kurzer Exkurs: Es gibt auch feministische Stimmen, welche sich dieser Farbe annnehmen und versuchen, sie positiv zu besetzen. Hauptargument dabei ist, dass in linken/alternativen etc. Gruppen immer noch Männer dominieren und damit auch eine männliche (oder als männlich verstandene) Ästhetik vorherrsche. Farben wie Pink (und eben auch exklusiv auf Frauen zugeschnitten) könnten dabei helfen, Frauen oder Weiblichkeit in diesen Gruppen stärker sichtbar zu machen. Man kann das hier offen lassen, was nun richtig oder falsch ist. Denn das antiquierte Frauenbild, welches beim FCSP noch mit transportiert wird, z. B. durch die Attributisierungen, zeigt, dass da niemand dran saß, der das vor genau dem Hintergrund als feministisch versteht. Eine Hot-Pink-Kollektion mit feministischen Motiven und Slogans wäre daher wahrscheinlich ganz anders zu sehen, selbst wenn sie Girls only wäre. Exkurs Ende.

Uns ist auch klar, dass wir in einer Welt leben, in der gerade solche Produkte hart nachgefragt werden. Und wo schon Kinder in eine rosa und eine blaue Welt eingeteilt und genau diese „nur für Mädchen“- oder „nur für Jungs“-Produkte am meisten nachgefragt werden. Und bei aller Kritik, die nun folgt: Keine Frau ist weniger emanzipiert, weil sie gerne Rosa mag. Siehe auch der Exkurs eben. Oder weil sie diese Klamotten kauft, weil sie die cool findet. Darum geht es schlichweg nicht. Geschmäcker sind verschieden und die eine mag rosa Frauenkleider aus Baumwoll pique und die andere mag den schwarzen True Rebel Hoodie. Alles cool.

Und gilt genauso für Kerle und alle anderen Menschen. Kerl X mag rosa Hemden, Kerl Y blaue und Kerl Z gar keine. Das sind unsinnige Äußerlichkeiten, nach denen man einen Menschen nur beurteilen sollte, wenn man unbedingt in heutigen Polizeistrukturen arbeiten möchte.

ABER!

Entscheidend ist etwas anderes. Entscheidend ist die Rolle, das Klischee was – mal wieder- in diesem Text verbreitet wird.

Zauberhaft, liebenswürdig, Hot Pink wird alles mit „Frau“ verbunden in diesem Post. Oh je. Müssen wir hier eigentlich den Erklärbären machen? Eigentlich nicht, oder? Daher nur kurz:

Rosa gleich Mädchen, nech? Und „echte Kerle“ bekommen das Braun. Außer vielleicht sie sind schwul. Dann „dürfen“ sie Rosa tragen.

Und „zauberhaft“ und „liebenswürdig“? „Weiche“, weibliche Attribute … argh … Würde man damit eine Kerle-Kollektion verkaufen? Wohl kaum. Warum eigentlich nicht? Eigentlich möchte man schreien „Wir wollen unsere Mädels aber so, dass sie gehasst werden und kratzbürstig sind!“, aber auch das wäre natürlich ein Klischee. Wir finden vielmehr: Sei weich, sei hart, sei was auch immer, aber sei FCSP-Fan.

Ja, ihr merkt es selber, da schwingen so viele Klischees in diesem Post mit und die muss gerade der FCSP einfach nicht bedienen. Nicht immer die weichen Attribute nur für Frauen. Nicht immer „Hot Pink“ nur für Frauen.

Warum nicht mal „Hot Pink“ für genderneutral? Gerade der Ruby-Kapu würde sich dafür geil eignen! Das Shirt auch! Warum nicht mal ein genderneutraler Text in der Werbung? Warum die Produkte (die wahrscheinlich ja modisch sind) auch noch in einer „neutralen“ Farbe? Grün, Gelb, wie wäre es – Achtung revolutionär – in Braun? Muss ja nicht immer unser Vereinskackbraun geben. Kann ja auch ein helles sein. Erdfarben sind doch gerade im Kommen, oder Gehen? Keine Ahnung!

Pink? Gerne! Cool. Z. B. wäre ein pinkes Herrenhemd mit Totenkopf mal was richtig Cooles. Ein Shirt, eine Hose, ein Hoodie für alle. Und natürlich ein pinkes Hassi.

Wir sind da echt keine konservativen Knochen, die nun fordern, alles nur in Braun-Weiß zu machen. Soll doch jeder seine Vereinsliebe zeigen, wie er will. Aber in der Werbung einfach mal ein „Hey Loide, wir haben jetzt die „Hot Pink“ Kollektion für modische Kiezmenschen“ raushauen, ist doch gar nicht so schwer, oder? Ja klar, ist jetzt auch nicht der super Werbespruch, aber wir sind ja auch Historiker, Juristen und Metal-Texter und keine Werber. (Suchmaschinenoptimierung zählt nicht.) Und wirklich feurig ist das Zitierte nun auch nicht.

Oder mal so etwas wie die „Tommy Adaptive“-Kollektion! (Googelt das mal, ist ziemlich cool.)

Ja klar, Pink for all humans oder adaptive Kleidung ist vielleicht auch mal ein Nischengeschäft. Aber der FCSP darf einfach nicht nur eine Profitmaximierungsgesellschaft sein. Er muss Zeichen setzen, neue Wege gehen und für alle eröffnen. Das ist nämlich sein Markenkern, sein USP.

Auch wenn es einfach nur um Stoff geht.

Positiv möchten wir bemerken, dass die Bildsprache – zumindest aus unserem bescheidenen Blickwinkel – recht okay ist. Da hat man schon ganz andere, schlimme, sexualisierte Posen gesehen, mit denen Frauenklamotten beworben werden. Hier ein Haar in der Suppe zu suchen, wäre unfair.

Noch was

Der Totenkopf war mal rebellisch. Er war mal Punk. Er war mal beim FC Bayern verboten und bayerische Zeitungen haben Angst vor den linksautonomen Horden gehabt. Er ist jetzt nur noch ein leeres Symbol einer guten Vergangenheit. Niemand – auch wir nicht – wollen ihn abschaffen. Man kann sich auch mal in wohlfühlenden Erinnerungen kleiden. Aber er sollte nicht das einzige, immer wieder in jeglicher Variation durchgekaute Element auf allen Klamotten sein, die wir herausbringen.

Liebes Merch, sucht euch mal ein paar fähige Leute aus der Szene und entwickelt Alternativen. Entwickelt coole Sachen in unzähligen Farben. Setzt wieder Trends bei den Klamotten für Fußballverrückte. Das wäre cool.

(Danke an alle Menschen, die uns für diesen Artikel Stichworte und Meinungen gaben, bevor er erschien.)

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Apr 072018
 

Wir sind es leid. Wir haben keine Lust mehr. Keine Lust mehr auf Polizisten, die unseren Bus „mal eben betreten“ wollen. Keine Lust mehr auf Ordner, die Menschen aussondern und hinter Sichtschutz durchsuchen wollen, und die an Frauen eine gynäkologische Untersuchung an den Brüsten vornehmen.

Wir sind es leid von arroganten unfreundlichen Polizisten, aufgrund ihres katastrophalen Versuchs einer Fantrennung, hin und her geschubst zu werden. Wir sind es leid unter Generalverdacht gestellt zu werden, weil wir ein verrücktes Hobby haben. Begründet wird der Verdacht damit, dass wir 600 km einer Trümmertruppe hinter her fahren.

Wir sind leid ein „wenn du nichts gemacht hast, musst du nichts befürchten“ zu ernten. Oder ein „der wird schon was gemacht haben“. Dafür werden wir zu unfreundlich, zu willkürlich und wie ein Stück Scheisse vom „Freund und Helfer“ behandelt.

Wir sind froh, dass es immer noch Menschen gibt, die dieses System boykottieren, die zeigen, dass dieser ganze Mist Pyro nicht verhindert, sondern provoziert. Wir sind froh, dass es Menschen gibt, die es verstehen, weil sie es fühlen. Die 90 Minuten trommeln, singen, Fahnen wehen und ihre Welt leben. Trotz aller Schikane.

Mehr gibt es zu Aue nicht zu schreiben. Außer, dass es die Nudeln noch gibt. Und inzwischen ordentliche und ausreichend Toiletten. Schön.

 

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Apr 052018
 

Ja, liebe Lesende, es war kein Aprilscherz, denn Stefan verlässt die vorderste Front der Fanarbeit und wird Geschäftsführer des Vereins Jugend und Sport, der beide Fanprojekte in Hamburg organisiert.

So schön es ist, wenn jemand „Karriere“ macht, aber wir verlieren im Fanladen nicht nur namentlich einen Schatz. Sondern jemanden, der Fanarbeit beim FCSP über Jahrzehnte geprägt und geformt hat. Einst als langhaariger Student gekommen, geht er mit leicht schütterem Haar nun aus dieser Funktion. Eine der Personen, mit denen man beim FCSP alt wird.

Als er dann fest im Fanladen begann, war er irgendwie ein Novum. Mal jemand, der schon damals zumindest fest liiert, wenn nicht verheiratet war und der irgendwie das war, wozu man eine „professionelle Distanz“ aufbauen konnte. Meint, der nicht gleichzeitig Fanladen, oberster Ultra und Erster auf dem Zaun war. Man verstehe uns nicht falsch, all seine Vorgänger waren auf ihre Art für die Geschichte dieses Fanprojektes unverzichtbar. Aber Stefan konnte es wieder weiter entwickeln und hat – vielleicht auch durch seine Möglichkeit, mal mit Frau, Kindern und Motorrad abzuschalten – mit am längsten an der vordersten Front ausgehalten.

Und wer ein bisschen sein Fansein reflektiert, der weiß, dass die Betreuung von uns nicht immer einfach ist. Sei es, weil man mit einem besoffenen Sack Flöhe nach Dresden fährt oder weil man wieder mal mit dem Busfahrer diskutieren muss, ob man nicht doch über die A1 fahren und Allertal mal auslassen kann.

Ein Herz für Sozialpädagogenscheiß

Und das sind alles Sachen, die neben der eigentlichen pädagogischen Arbeit anfallen. Und gerade Stefan war ein Meister in der „Ich verstehe ja deinen Ansatz, aber …“-Arbeit. Unvergessen bleibt, wie er damit mal T. von Fanräume auf die Palme brachte, die nur erwiderte: „Nun lass mal deinen Sozialpädagogenscheiß.“ Aber gerade dieser ist auch wichtig. Gerade in Zeiten, wo viele Jugendliche zum FCSP stoßen, die den Gründungsmythos der „besonderen Fans“ und die politischen Kämpfe der 80er und 90er Jahre nur noch aus den Erzählungen ihrer Großeltern kennen.

Wofür Stefan auch für uns stand, war ein absolutes Vertrauensverhältnis. Wenn er mal was geschrieben haben wollte, dann waren wir uns sicher, dass es ehrlich und ohne Hintergedanken mitgeteilt war. Und wenn wir mal was hinter den Gardinen wissen wollten, dann war er ehrlich und wusste, dass wir nix Öffentliches draus machen würden. Danke dafür.

Nun also der nächste Schritt. Das Ganze zusammen halten. Seinen Arbeitsplatz an der Holstenstraße haben. Häufiger mal auf komische Quadrate gucken. Und wahrscheinlich sich viel mehr mit Stadt, Vereinsvorstand, Stiftungen etc. absabbeln müssen als mit Ultras, Fans und Hooligans. Oder mit Fans, die Ultras und Hooligans sind. Hoffentlich verstehen die auch dein Anliegen und mögen dich so, wie wir dich mögen.

Wir wünschen dir, dass du in dieser neuen Arbeit viel Spaß hast, dass du es auch schaffst, wieder Fan zu sein, ein Spiel entspannt irgendwo verfolgen zu können und mit deinem Verein zu leiden. Und natürlich wünschen wir uns, dass wir ab und zu mal auf die alten Zeiten anstoßen können, über vieles lachen können. Und zu guter Letzt alles Gute für die Kinder, die Frau, das Motorrad und dich.

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Apr 032018
 

 

Das eigentliche Spiel

Fußball ist in erster Linie Unterhaltung. Sandhausen spielt einen grundsätzlichen Ball, der nicht geeignet ist, viel Unterhaltung zu bieten. Defensiv sehr stabil, im Herausspielen aus der Abwehr ohne Fehler, vorne aber ohne irgendeine Durchschlagskraft oder Kreativität. Taktisch super eingestellt, eine homogene Einheit.

Dagegen haben wir keine Mittel. Wäre das nur dieses eine Spiel, so wäre das vielleicht mit einem unangenehmen Gegner ausreichend erklärt, aber es zieht sich leider durch die Saison. Wir treten auf der Stelle. Und könnten aufgrund der komischen Situation in der Liga selbst noch in Abstiegssorgen kommen. Der Platz auf dem wir stehen, sieht nicht so aus und auch die Punktzahl ist eigentlich ausreichend, aber da schon Platz 17 31 Punkte sein Eigen nennt, reicht eine schlechte Phase, um noch mal richtig reinzurutschen.

Das Erstaunliche dabei: Wir sind 5. der Rückrundentabelle. Mit 13:12 Toren.

Konzept?

Trotzdem ist es alles uninspiriert. Ein taktisches Konzept ist nicht erkennbar. „Karo einfach“ oder „Fußball der 90er“ waren Kommentare nach dem Spiel. Leider wird in den – ziemlich aussagslosen – Pressekonferenzen auch nie nachgefragt, was denn die Idee für ein Spiel, für die Mannschaft im Allgemeinen sein soll. Soll das eigentlich offensiv sein? Oder defensiv? Warum schaffen wir es trotz schneller Spieler nicht, ein Kontersystem zu entwickeln? Ist das alles nur Verunsicherung?

Wie ist es zu erklären, dass man gegen Sandhausen erneut den Eindruck hat, dass ab der 70. Minute bei unseren Jungs körperlich nichts mehr geht? Und warum wird dann nicht aggressiver gewechselt? Neudecker und Schneider brachten noch kurze Impulse, aber insgesamt sind diese 85. Minute-Wechsel nur dann sinnvoll, wenn man ein Ergebnis halten will. Sie unterbrechen doch stark den Spielverlauf.

Auch bei einzelnen Spielern seien Fragen erlaubt, ohne in ein Bashing übergehen zu wollen: Letzte Saison ging Aziz in jeden Zweikampf, in jeden Kopfball. Das „Bande auf die Außenspieler“-System der letzten Saison war nur durch seinen unfassbaren Einsatz spielbar. Es war zwar auch nicht gerade die hohe Fußballkunst, aber wenigstens ein System. Zur Zeit geht bei ihm gar nix. Man verstehe uns nicht falsch, ein Stürmer muss nicht jeden Weg gehen, aber der Unterschied ist schon auffällig. Gehemmt? Falsche Anweisungen? Oder ist körperlich irgendwas?

Lieblingsopfer aller im Stadion ist Allagui, aber das ist auch nicht immer fair. Er hat halt seine lässige Spielweise, natürlich produziert das mal Fehler und leider wirkt es immer noch nicht so, als ob er und seine Mitspieler voneinander wissen, was der andere jeweils plant. Immerhin ist er langsam regelmäßig an Toren beteiligt und die große Jubeltraube nach dem Tor spricht auch dafür, dass er in der Mannschaft nicht isoliert oder irgendwas ist. Was er sich aber abgewöhnen muss, ist „Air Allagui“ nach einem Foul zu machen. Egal ob das nun ein Elfmeter war oder nicht, der Absprung war einfach zu theatralisch und wir sind nicht Fortuna Düsseldorf. Und so etwas wird sein Image am Millerntor nicht aufpolieren.

Drei Heimsiege sprechen Bände. Klar kann man heutzutage keinen reinen Kampffußball mehr spielen. Das Spiel, die Ausbildung der Spieler und die Welt haben sich weiter gedreht, aber es fehlt einfach das kleinste Fünkchen, was das Millerntor und die Spieler sich gegenseitig aufstacheln hilft. Und wenn es mal kommt, wie der Ellenbogencheck eines Sandhäusers, dann verpufft das in Lethargie auf dem Platz und auf den Rängen. Wir sind hier auch in einem Teufelskreis gefangen, Routine auf dem Rasen, Routine auf den Rängen. Leider gibt es zur Zeit kein Funken, wie damals Block 1 oder wie damals die Gründung der Ultras. Keine Ahnung, wo der herkommen soll, aber es muss was passieren.

Was machen wir nächste Saison?

Bisher haben wir mit Flum und Waldemar zwei relativ alte Spieler verlängert. Mit Sobiech verlieren wir einen mittelalten Spieler, der Abgang von MMD wirkt wahrscheinlich, auch ein Abgang von Nehrig ist wohl gut möglich. Wie ersetzen wir diese Abgänge? Gibt es eigenproduziertes Talent, was in die Lücken springen kann? Park macht insgesamt eine gute Saison als Feuerwehrmann, auch wenn er gegen Sandhausen mal mies aussah. Kann z.B. er den nächsten Schritt gehen? Und ist das überhaupt unser Konzept? Junge Mannschaft mit ein paar alten Recken, die nicht nur auf, sondern auch neben dem Feld führen sollen?

Weswegen hier auch Schnecke nicht genannt ist. Die ganze Konstruktion klingt nach Teilzeitprofi mit langsamen Übergang in die Zeit nach der aktiven Karriere. Nun kann man so etwas nicht jedem verdienten Recken anbieten, aber wenn es einen Kandidaten für einen solchen Übergang und die weitere Beschäftigung im Verein gibt, dann wäre das Timo Schu.. äh Schnecke. Und sollte er plötzlich seinen dritten Frühling erleben, verdientermaßen die Mannschaft als Kapitän aufs Feld führen und das Derby mit vier Toren ganz alleine entscheiden, dann sagen wir nicht nein.

Und übernächste Saison?

Wir befinden uns im Umbruch. Das klingt komisch, oder? Aber man muss es wohl so sehen. Das Stadion ist gebaut, aber trotzdem sind wir noch lange nicht fertig mit Steinen, die wir brauchen, damit die Beine besser werden. Zu viel Kunstrasentraining, Abschlusstrainings im Stadion (mit entsprechendem Acker dort) und ein Brummerskamp, der eher befriedigend als gut ist, sind ganz große Baustellen. Die sich nicht sofort, aber doch relativ schnell auf das Produkt im Millerntor auswirken. Wir sind wirtschaftlich konsolidiert und müssen hier nun Schritte nach vorne machen.

Und nebenbei eine sportliche Identität entwickeln. Wofür wollen wir stehen? Für Angriffsfußball? Für Ausbildungsverein? Für Aufstiegshoffnung, die nie aufsteigt? Hier bedarf es noch mehr Führung und Vorgabe. Sozusagen eine Vision und eine Zielvorgabe. Man mag Orths „Top 25″ belächeln, aber das war immerhin eine Zielvorgabe light.

Dazu gehört es, auch unser Scouting zu hinterfragen. Denn selbst wenn wir den Schwerpunkt auf Eigenentwicklungen legen (und dazu muss man auch mal die Schneiders dieser Welt zählen), so wird in einem Kader doch immer eine Lücke sein. Und die müssen wir noch viel präziser und besser füllen. Klar, selbst der beste Einkäufer hat im Profifußball eine Erfolgsquote von vielleicht 60 %, aber da müssen wir zumindest nah dran sein. Uns fehlen die Insiderinfos um zu wissen, ob das alles nicht vielleicht unser Scouting leistet und es an anderen Dingen scheitert; z.B. daran, dass Mainz oder Freiburg mehr Geld haben als wir.

Kein Fazit

Wir sind zur Zeit ratlos. Und mit Aue steht der nächste unangenehme und langweilige Gegner ins Haus. Also: Alle hin da und daraus ein Heimspiel machen. 

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Mrz 192018
 

In die Region sollte es gehen. Und die ganze Fahrtplanung war spannend und lässt sich in folgendem Tweet gut zusammen fassen:

Am Ende finden sich also sieben Twitterer und zwei Bären in einem schwarzen Mercedes Vito mit verdunkelten Scheiben wieder und fahren nach Kaiserlautern. Das Fahrzeug also schon mal geeignet für eine Hooligan-Tour der besten Sorte.

Aber nicht, ohne vorher eine Musikliste zusammenzustellen, die nach folgenden Regeln funktioniert: Jeder höchstens 20 Lieder und es darf auch wehtun. Die Playlist gibt dem ganzen Projekt dann auch seinen Namen: die Fahrt der Playlist des Todes. Wer sie nachhören will, der kann dies auf Spotify tun.

Eine verpasste Bahn führt zu dem ersten Kreis um ein Stadion an diesem Tag. Es soll nicht der letzte bleiben. Aber dann geht es schnell in Richtung Hannover, sollten wir da doch den letzten Mitfahrer einsammeln. Nennen wir ihn einfach mal Schmölli, denn:

Bis Hannover ist die Bahn trocken, alles läuft gut, unser Mann an der Leine ist überpünktlich da, alles super. Dann jedoch wird es sehr weiß auf der Fahrbahn und es ist kein Salz. Das ist ziemlich unangenehm zu fahren und führt natürlich auch zu Zeitverlusten. Aber in der Hoffnung, dass es besser wird, verlieren wir nicht die Ruhe. Und siehe da, kurz hinter Göttingen wird die Fahrbahn wieder super und bleibt es dann auch bis Kaiserslautern. Die Insassen des Fahrzeugs unterhält sich so lange mit und über Musik.

Kirchheim, Frankfurt, Mannheim. Weltstädte, die wir schnell durchqueren, um rechtzeitig in der Region anzukommen. Noch schnell die warme Leggings angezogen, da wir zwar „Pulloverwetter“ angemeldet haben, aber die Region im Griff von eisigen Wind ist. Ein Mitfahrer philosophiert darüber, dass das hier alles Kartoffelbauern seien. Die Realität, dass wahrscheinlich im Umkreis von 200 KM um Lautern nicht eine Kartoffel angebaut wird, lässt ihn nicht von seinem Rant ablassen. Sowieso eine interessante Frage: Warum sind Kartoffelbauern eigentlich weniger angesehen als Weinbauern?

Kaiserslautern ist eine Kleinstadt – oder kleine Großstadt – , die von einem Stadion überragt wird. Wer die Lage des Betzenberges nicht beeindruckend findet, der hat kein Fußballherz. Alles atmet hier Fußball, auch weil hier einfach sonst nix ist. Parkplatz (natürlich VIP) gefunden und rein in den Block. Nett ist die Verpflegung im Stadion. Es gibt Weinschorle in Bechern mit dem Vereinslied.

Wünsche der zuhause Gebliebenen können wir nicht alle erfüllen. Sorry, uns ist zu kalt, um vor einer Kneipe zu stehen.

Der Block füllt sich spät, ist dann aber gut mit Braun-Weißen bestückt. Und dann eigentlich auch ganz gut aufgelegt. Mehrfach hat das ordentlich Druck und deutlich mehr Wumms als in den Vorjahren. Mal was zur Heimkurve: Ja, früher hat die dich so zusammen geschrien, dass du dich eingenässt hast. Diesen Druck hat sie auch mangels Masse nicht mehr. Jedoch: Die kann immer noch ordentlich laut werden und es ist allemal deutlich schöner, als in einem Heidenheim zu stehen, wo vielleicht 100 Leute versuchen einen leeren Raum zu füllen. 32.000 Zuschauer, die angesagt waren, sind allerdings definitiv nicht da.

Es ist auch irgendwie ein zweischneidiges Schwert, denn auf der einen Seite hat die Region in braun-weißen Kreisen nun nicht wirklich viele Freunde; aber auf der anderen Seite ist es ganz schön bitter, wenn ein Verein, der immer noch 25.000 Zuschauer und mehr anzieht, im Nichts verschwindet und durch das nächste Heidenheim oder Paderborn ersetzt wird, die vielleicht 10.000 Leute ziehen. An guten Tagen. Klar, das ist alles deutlich selber verschuldet und man hätte z. B. sich nie für die WM 2006 bewerben dürfen. Aber irgendwie geht da doch ein Verein, an dem man sich auch aufgrund von Masse reiben kann. Und es kommt das nächste Nichts.

Auf dem Platz?

Das hat mit Fußball sehr wenig zu tun. Wir können uns nicht beschweren, wenn es zur Halbzeit 3-1 für Lautern steht. Das ist ziemlich mies von uns. In der zweiten Halbzeit dann etwas besser, aber diese ständigen Pässe in den Rücken des MItspielers machen einen wahnsinnig. Dann ein echt dummer Einsatz von Callsen-Bracker und Elfmeter plus Rote Karte. Seien wir mal ehrlich:

  1. Allagui hätte da selbst dann nicht getroffen, hätte er ihn laufen lassen.
  2. hätte Allagui schon weiter laufen können, anstatt stehen zu bleiben und zu meckern. Das ist eher so nicht FCSP-Style.

Ach ja, dein Twitterprofil kannst du bei Gelegenheit auch mal entherthan.

Nun denkst du, dass du das beim Tabellenletzten in Überzahl irgendwie nach Hause schaukelst, aber nee nee! Durch einen schnell ausgeführten Freistoß und einem Sekundenschlaf der Abwehr steht es 1-1 und das ist auch gerecht. In der Öffentlichkeit ist das Fazit eher ein unzufriedenes so nach dem Prinzip „Tabellenletzter, Überzahl“, jedoch: Vergesst nie, dass wir am Betzenberg jahrzehntelang nie auch nur einen Punkt gesehen haben. Dies war nun der zehnte in vier Versuchen.

Schnell wieder zum Auto und Abfahrt

Von Lautern-Fans noch mit Lebkuchen beschenkt und Gute-Fahrt-Wünsche mit auf dem Weg. Sehr nett, Danke. (Muss ja nicht immer alles Hass sein.)

Einmal was versucht, dann in eine Sperrung gefahren und dementsprechend noch eine Ehrenrunde gedreht und dann noch die Ehrenacht voll gemacht. Ja, aus Kaiserslautern heraus zu kommen, ist nicht ganz so einfach. Liegt natürlich auch an dem Berg und dass es alles ziemlich eng ist. Aber irgendwann haben wir es geschafft und sind auf der Bahn. Und in der allgemeinen Diskussion über Gott und die Welt wird die These aus der Überschrift aufgestellt.

Wieder Kirchheim, wieder unangenehme Straßenverhältnisse vor Hannover. Unser Mann in Hannover stellt fest, dass er auf einer Raststätte geparkt hat. Aber eine Brücke, die kurzzeitige Ignoranz gegenüber Verkehrsschildern und ein kleine gefahrene Runde bringen ihn zu seinem Fahrzeug und uns in Richtung zu Hause.

Wo wir dann auch schnell ankommen.

Fazit?

PS: Gilt natürlich immer noch.

Auf zum nächsten Mal.

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Mrz 142018
 

Ihr fehlt uns

Wir sind als Blog ja schon ein bisschen älter und unser Gründungsvater schreibt seit gut 20 Jahren irgendwas über den FCSP in dieses Internet. Zur Zeit sind wir beinah konkurrenzlos, wenn man an einen Fußballfan(!)blog den Maßstab anlegt, dass seine Macher zumindest ein bisschen in der aktiven Fanszene des jeweiligen Vereines verwurzelt sein sollten.

Das war früher ™ mal anders. Da hätten wir das nun Folgende gar nicht schreiben müssen, denn so schöne Blogs wie „After changes“, „Dingediedasind“, „Lichterkarussell“ oder „Es lebe das Laster“ hätten schon einen rausgerotzt und wir hätten im nächsten Spielbericht geschrieben „ja, haben Recht, unsere Ultrafreunde, lest das einfach“. Aber leider haben all diese Blogs ihr Schaffen eingestellt, gehen nun wahrscheinlich bürgerlichen Jobs nach und haben ein Leben neben dem Fußball und Bloggen.

Aber wir sind immer noch da. Feiern unseren 10. Geburtstag. UND MÜSSEN JETZT ALL DIESEN SCHEISS ALLEINE KOMMENTIEREN!!!!

Worum geht es eigentlich?

Um die neue Kampagne „50+1 muss bleiben“, die in den letzten Tagen an die Öffentlichkeit gegangen ist. Die Liste der Erstunterzeichner liest sich wie das who is who der aktiven Fanszenen Deutschlands und auch viele gute Gruppen und Bündnisses haben unterschrieben. Aber eben auch der who is who der rechtsradikalen und rechtsoffenen Fangruppen. Und da müssen wir ganz ehrlich sagen „dann halt ohne uns“. Daher hier auch kein Link zur Internetseite, sucht sie euch selbst.

Die Diskussion gab es schon mal beim Pyrotechnik-Bündnis 2010 und eigentlich ist schon damals alles dazu gesagt worden. Von den Deviants Münster. Aber leider haben die ihre Internetseite eingestellt. Gibt es die Gruppe überhaupt noch? Egal, wer also damals schon dabei war, der wird nun eine Wiederholung lesen.

Im Nachfolgenden sprechen wir etwas kurz von Nazis. Wir unterstellen gar nicht mal allen Mitgliedern von allen dieser Gruppen, dass sie knallharte Nazis sind. Einige sind auch einfach nur dumm, ignorant oder gewaltgeile Machos denen alles andere Egal ist. Aber wer sich mit Nazis gemein macht, der soll bitte nicht über fehlende Differenzierung jammern.

Warum nicht?

1. Wie soll denn das konkret aussehen? Diese Frage stellte 2010 „Afterchanges“ schon zu Recht.  Sollen wir nun bei Faschotruppe XYZ anrufen und diskutieren, welche Aktion wir beim gemeinsamen Spiel zeigen? Und danach lassen wir uns wieder als „Zecken“ durch die Stadt jagen und eine Woche später sind die bei Pegida und Co wieder vorne mit dabei? Soviel verbiegen kannst du nicht mal Gummi.

Sowieso, woher kommt eigentlich immer diese deutsche „möglichst breites Bündnis“? Nein, wir müssen nicht alle sofort Freunde werden, weil wir in einem Bündnis sind, aber es gibt Grenzen. Und mit Adolf H. und seinen Freunden sind diese Grenzen weit überschritten.

2. Wer Nazis sich gesellschaftlich beteiligen lässt, der macht sie hoffähig. Und macht sie damit mächtiger. Das ist wie die freiwillige Feuerwehr, der örtliche Sportverein, die Blaskapelle. Erst ist es einer, dann zwei und dann setzen sie unliebsame Personen unter Druck. Dem kann man nur entgegen wirken, wenn man sie isoliert. (Nebenbei mal eine dicke Solifaust nach Appen, ihr macht das komplett richtig. ). Ein „der ist doch hier ganz nett“ gibt es nicht. Die vertretene „Meinung“ ist eben nicht eine von vielen im demokratischen Diskurs.

3. Es gibt auch kein Thema, was so wichtig ist, dass man es mit Nazis in einem Bündnis bearbeiten muss. Sorry, auch wenn wir verstehen können, wie wichtig vielen dieses Anliegen ist und wie sehr sich der Fußball weiter verändern würde, so gibt es eben doch Grenzen, wenn es um Bündnisse geht. Mal ganz davon ab, dass es eben „nur“ Fußball ist und man nicht den Kampf dagegen mit einer erheblichen Aufwertung von Nazigruppen erkaufen kann.

4. Der FCSP steht wie kein zweiter Verein dafür, dass man eben nicht seinen Kopf und seine politische Meinung abgibt, wenn es um Fußball geht. Und das gilt eben auch hier. Fußball ist nicht alles, 50 +1 ist nicht alles.

 

5. Zuletzt folgendes (nochmal)  klar und deutlich: wir sehen da auch Namen vieler korrekter Leute. Die werden vielleicht ihre Gründe haben warum sie trotzdem unterschrieben haben. Oder sie haben in der Eile es nicht überlegt.   Sie sind deswegen trotzdem nicht in einen Topf zu werfen mit den rechten  und rechtsoffenen Gruppen. Nur damit das niemand falsch versteht. 

 

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Mrz 122018
 

Was willst du zu so einem Heimspiel ohne viele Highlights sagen? Ganz ansprechende Leistung auf dem Platz, ganz ansprechende Leistung auf den Rängen. Nichts, was man nun für Jahrzehnte erinnern wird. Eher Hausmannskost. Amtlich, wie sich Bernd bei seinem 250. Zweitligaspiel durchbeißt und trotz einiger Beulen nahezu durchspielt. Nebenbei möge mal jemand seinen Wikipedia-Artikel aktualisieren!

Die Süd mit einer Choreo, die auf die ganzen Verschärfungen in StPO und StGB hinweist und sie thematisiert (für eine Fußballchoreo nebenbei mit viel Tiefgang, gut).
Die Braunschweiger mit einer wirklich hübschen Choreo im Gästeblock, auch wenn sie der nicht einkalkulierte Pfosten im Gästeblock wohl doch noch ein paar Schweißtropfen gekostet haben wird. Insgesamt auch ein sehr lauter, gut aufgelegter Gästeblock. Das komische weiße Gequalme ohne Kontext sorgt dann aber auch für ein paar Lacher. Habemus Papam? Verdammte E-Zigarretten?

MagischerFC-St.-Pauli-vs.-Eintracht-Braunschweig-Maerz-2018.jpg

Viele Nadelstiche

Wasserwerfer und Ziegen

Das die Hamburger Polizei Kiel mit Wasserwerfern und einem riesigen öffentlichen Tamtam fährt und gegen Braunschweig dann eher so die Hälfte an Polizei aufbietet, ist angesichts der sehr unterschiedlichen Potentiale beider Szenen lustig. Wirklich nennenswertes passiert aber nicht, von dem wir was mitbekommen hätten.

Vielleicht liegt es ja auch daran, dass unser persönlicher Ziegenbart nicht nur eine Karikatur in der Süd gezeigt bekommt und mit Sprechchören eingedeckt wird. Laut den berühmten Spatzen, die alles von den Dächern pfeifen, bekommt Ziege auch seinen Marschbefehl. Wir wissen leider nicht wohin, aber Archiv oder Verkehrsordnungswidrigkeiten wäre schon ein guter neuer Job. Ganz ehrlich: Wir haben keine Hoffnung, dass sich im Verhalten der Polizei gegenüber Fußballfans in Hamburg irgendetwas ändert. Aber so ein frisches neues Gesicht ist ja vielleicht auch mal ein neuer Anfang.

Das wirre Getwitter der GdP Hamburg ist unter unserem Niveau, daher kein Kommentar dazu. Wer das lesen will, der bemühe bitte die gängigen Suchmaschinen.

Nach dem Spiel noch ein politisierter Marsch, der von vielleicht 1.000 Leuten angenommen wird. Zeichen setzen ist immer noch wichtig! 

 

Da hat es wohl auch noch Trubel gegeben. Siehe BW Hilfe

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Mrz 062018
 

Montage sind ohnehin keine guten Tage. Wenn sich mittlerweile zum vierten Mal eine unangenehme Mischung aus diversen rechten und neurechten Strömungen zur „Merkel muss weg“-Demonstration trifft, macht das den Tag auch nicht zwingend besser. Dennoch schafft es ein wenig Hoffnung, dass es zum vierten Mal gelungen ist, die Rechten quantitativ zu übertrumpfen und ihre Kundgebung zumindest zu isolieren. Nachfolgend also ein paar Gedanken zum Abend des 05.03.18.

Ein neuer Ort

Nicht der Gänsemarkt, sondern der Dag-Hammarskjöld-Platz hinter dem Dammtor-Bahnhof hat die zweifelhafte Ehre, die rechte Kundgebung zu beherbergen, da die VVN eine eigene Kundgebung am Gänsemarkt angemeldet hat und den Rechten zuvorgekommen ist. Zwar gelingt es so, AfD und Co. in den toten Winkel zwischen einem abgeriegelten Bahnhof, der CCH-Baustelle und Planten un Blomen zu drängen; andererseits kann ihre Kundgebung auf diese Weise ungestört und mit wenig sicht- oder hörbarem (hörbar schon, ergänzt der Ergänzer) Protest abgehalten werden. Makabere Fußnote: Nazis, die unter dem Lessing-Denkmal demonstrieren, kann man vielleicht noch witzig finden. Hinter dem Dammtor aber steht ein Denkmal für deportierte jüdische Kinder im Holocaust. Da vergeht einem das Lachen.

Die Einsatztaktik

Die Hamburger Polizei ist ja nicht gerade für ihr Fingerspitzengefühl bekannt und dieser Eindruck bestätigt sich leider auch hier wieder. Nach eigenen Angaben ca. 1100 Beamte trennen die Lager, womit sie diesmal knapp den Titel der am stärksten vertretenen Partei an die so bezeichnete „Protestklientel (aus dem linken Spektrum)“ (Zitat Polizeitwitter) abtreten muss. So eine Niederlage lässt man natürlich nicht auf sich sitzen und verlautbart über die eigene Gewerkschaft bei Twitter noch am selben Abend, dass personelle Verstärkung dringend gebraucht werde. Das lässt tief blicken. Einen unfreundlichen Umgangston sowie ein rüdes Verhalten Unbeteiligten gegenüber müssen wir ebenfalls miterleben. Abgesehen davon verläuft der Abend übrigens komplett friedlich. Wie schon alle vorher. Ob man dann wirklich vier Wasserwerfer und eine Betreuung von einem Beamten pro Teilnehmer braucht, sei mal sehr stark hinterfragt. Zumindest wenn man nicht in der verdrehten Welt von Polizeigewerkschaften lebt.

Unbeteiligte meint hier nebenbei Leute, die offensichtlich nur mit ihrem Koffer nach Hause wollen. Wird in der Polizeischule eigentlich jeder freundliche Umgangsform abtrainiert? Siehe zum Umgang mit Demo-Teilnehmern den Text von Georg E Moeller auf Facebook. Selbst miterleben können wir auch noch, wie ein Demonstrationsteilnehmer im Dammtor-Bahnhof aufgefordert wird zu gehen, dann mit erhobenen Armen (!) in Richtung Ausgang geht und trotzdem meinen nun einige Bundespolizisten, dass es doch polizeilich unbedingt nötig sei, ihn noch drei bis viermal zu schubsen und zu ziehen.

Die übrigen Akteure

Auf Seite der Nazis finden sich letztlich nach Polizeiangaben 350 Leute ein, andere Schätzungen liegen teilweise deutlich darunter. Obwohl in den sozialen Medien schnell diverse Teilnehmende als Funktionäre von NPD, AfD, Identitärer Bewegung und so weiter ausgemacht sind, hält das die Hamburger Medien nicht davon ab, diese Klientel als „besorgte Bürger“ zu beschreiben. Diese Woche allen voran die Morgenpost. Versteht uns nicht falsch, mit Sicherheit sind dort „Bürgerliche“ anwesend, aber was soll das rechtfertigen? Wer bei den dort kommunizierten rassistischen, antidemokratischen, nationalistischen Inhalten mit NPD-Funktionären zusammen applaudiert, bewegt sich für uns nicht im gesellschaftlichen Minimalkonsens und widerspricht ja selbst der bürgerlichen Selbstdefinition.

Kleiner optimistischer Punkt auch hier: Offenbar hatten einige Teilnehmer einen weiteren Anreiseweg, es wurde demnach nicht nur in Hamburg geworben. Das macht Hoffnung, dass das Mobilisierungspotenzial langsam an seine Grenzen stößt.

Apropos bürgerlich: Die von der Polizei bei Twitter so wunderbar pejorativ als „Protestklientel“ bezeichnete Gegenseite wirkt deutlich bürgerlicher als in den vergangenen Wochen. Auch das ist eine gute Entwicklung, würden wir behaupten. Wenn Rechte es schaffen, immer mehr ins Bürgertum einzuwirken, freuen wir uns über jeden, der sich dem verwehrt und zu einer antifaschistischen Kundgebung kommt.

Darüber hinaus ist es ermutigend, so viele Gesichter aus der Fanszene zu sehen. Aber da geht noch mehr! Auf geht’s, Sankt Pauli! Antifa Ultrà mit Leben füllen! Und auch ihr, Gegengerade, Nordkurve, Haupttribüne seid gefragt! Kommt nächsten Montag vorbei, es wird wieder eine Demo geben. Wir hören auf zu nörgeln, wenn da 30.000 Gegendemonstranten stehen.

Die Nachbetrachtung

Es ist ausgesprochen unheimlich, im Nachhinein in den sozialen Medien nach Hashtags wie #nonazishh oder #hh0503 zu suchen. Dort tobt längst der rechte Mob, er verbreitet Hass und Diskriminierung, streut bewusste Falschmeldungen und phantasiert in abstoßendster Weise. Schaut es euch an, wenn ihr wissen wollt, um welches politische Programm es diesen Menschen geht. Es sollte unser moralischer Imperativ sein, das nicht länger unkommentiert zu lassen. Oder um es mit Karl Popper zu sagen: „Im Namen der Toleranz sollten wir uns das Recht vorbehalten, die Intoleranz nicht zu tolerieren.“ Wir sehen uns hoffentlich am Montag. Achtet auf entsprechende Ankündigungen

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