Jun 032018
 

Am 01.06. fand ein Treffen der aktiven Fanszene und diverser Blogger mit Oke statt, zu welchem er geladen hatte, um einen Rückblick auf die letzte Saison zu geben.

Ähnliche Treffen hatte er auch mit den Gremien und der Hamburger Presse abgehalten.

Solche Hintergrundgespräche sind in der Verarbeitung immer etwas schwierig, da vieles nicht zitiert werden kann und auch nicht zitiert werden sollte. Daher wollen wir nur eine grobe Zusammenfassung geben und ein Bauchgefühl für das weitere Vorgehen.

Natürlich waren auch einzelne Spielernamen im Gespräch Thema, aber das wollen wir aus den oben genannten Gründen vollkommen ausblenden. Außer natürlich, dass die Runde sich einig war, dass Jogi ohne Schnecke keine Chance bei der WM haben wird. „Eindeutig Weltklasse“ ist der Kalla halt.

Wann ein Präsident schweigt und wann er redet

Vorab: Es zeigt wie besonders dieser Verein ist, dass man solche Treffen abhält. Wir erlebten einen Oke, der deutlich zielstrebiger und deutlicher in der Ansprache war, als man ihn sonst wahrnimmt.

Für ihn ist aber auch deutlich klar, dass es nicht seine Art der Führung ist, plötzlich im Abstiegskampf als Präsident was zu seinem sportlichen Personal zu sagen. Er verwies zu Recht auf einen Konkurrenten, bei dem der Präsident zu einem vollkommen unpassenden Zeitpunkt mehr aus Versehen den Trainer aus Sicht der Öffentlichkeit in Frage stellte. Wir können die Herangehensweise unseres Präsi da sehr gut nachvollziehen, aber für die sehr einfache Welt des Fußballs in der immer „Macher“ und „starke Männer“ gefordert werden, ist dies natürlich gewöhnungsbedürftig. Aber eben doch richtig.

In der Analyse der Saison wurde natürlich der Einbruch in der Hinrunde und der schlechte Abschnitt in der Rückrunde als Schwerpunkt gesehen. Ohne nun in Details gehen zu wollen, fanden wir, dass Fehler gesehen werden und zumindest die Chance besteht, dass man diese nicht mehr macht.

Oke warf auch viel deutlicher als sonst in der Öffentlichkeit ein Ziel in den Raum. Sein Ziel ist es besser zu sein als der Platz der TV-Einnahmen. Das heißt, dass wir besser als Platz 7 sein sollten.

Die zweite Liga muss man dabei grob dritteln, wenn es um die Einnahmesituation geht. Wir gehören da irgendwo in das obere Drittel und diese PS gilt es auf die Straße zu bekommen. Dies ist nicht gelungen.

Zu Recht stellte unser Präsi fest, dass wir eben nicht mehr der Underdog sind, der finanziell allen unterlegen ist. Dies ist allerdings wahrscheinlich noch nicht bei allen im Verein angekommen.

Oder um es mal deutlich zu sagen: Außer den beiden Dickschiffen, die abgestiegen sind, gibt es kein Verein, der „wenn wir wollen, kaufen wir euch auf“ ernsthaft umsetzen kann.

Natürlich verzichten wir auf Einnahmen, wenn wir nicht jeden Stadionnamen und Tribünennamen verkaufen. Diese Einnahmen müssen wir anders kompensieren und tun dies auch teilweise (Stichwort „Modelabel“). Umso wichtiger, dass wir da wieder Herr im eigenen Haus sind.

Wins above Replacement?

Wir sind ja in Teilen so Baseball-Nerds. Und in diesem Sport ist etwas üblich, was in unsere linken Köpfe nicht kritiklos rein will, aber auch im Fußball knallhart notwendig ist: nämlich einen Spieler als Anlage, als Wertgegenstand, als Investition zu sehen, die man erhalten und nutzen muss. Und dabei ist es halt wichtig, einen Spielerwert zu beurteilen. Und zwar sowohl in die Vergangenheit, wie auch in die Zukunft.

Im Baseball gibt es dafür Computermodelle, die das ganze extrem präzise beurteilen. Am Ende wird daraus ein Wert, der sich im Baseball „Wins above Replacement“ nennt. Grob übersetzt heißt das „wieviel Spiele mehr gewinnt mir dieser Spieler im Vergleich zu einem durchschnittlichen Zweitligaspieler?“. Kurze Anmerkung: 1. ist das eine sehr verkürzte Erklärung für „Wins above Replacement“. 2. wer sich für Modelle wie ZIPS oder Steamer interessiert, die so etwas für die Öffentlichkeit vorhersagen, der kann das hier nachlesen. Teams haben eigene Systeme und auch für Sportarten wie Basketball gibt es solche Modelle.

Den Schritt, Spieler als Wert zu sehen, den ist man bei uns gegangen. Und ja, das ist entmenschlichend, das ist brutaler Kapitalismus. Nur wie dieser Wert bestimmt wird, das ist bei uns und wahrscheinlich auch im Fußball insgesamt immer noch viel Bauchgefühl und „mal gucken“. Machen wir unseren Verantwortlichen gar keinen Vorwurf, aber wir hoffen, dass der FCSP irgendwann das objektivere Computermodell entwickeln und nutzen kann. Das befreit nebenbei Kapazitäten, um sich die menschliche Seite zu kümmern.

Der Idealfall wäre, dass mir der Computer relativ sicher sagt, dass der Spieler zehn Tore und fünf Vorlagen machen wird und der Scout herausfindet, ob der seit Kindheit in Rautenbettwäsche schläft und ob er in unsere Kabine passt. Das kann einem kein Computer abnehmen und diese weichen Faktoren sind extrem wichtig.

Zurück zu den Werten

Mögen wir einen Spieler noch so emotional positiv oder negativ beurteilen, so sehr muss man als Verantwortlicher versuchen, das zu objektivieren. Bleiben wir bei unserem „zehn Tore, fünf Vorlagen“-Stürmer. Wenn der uns Fans ob einer etwas lässigen Spielweise wahnsinnig macht, dann ist das eine Sache. Er ist mit 15 Torbeteiligungen aber alleine drei Tabellenplätze „wert“ und was das kostet, kann man alleine am TV-Ranking nachlesen.

Gut, dass man bei unserem Verein so weit ist, gut, dass man da präzise arbeitet. Gut, dass man da auch weiter lernt und lernen will.

Umfeldfaktoren wurden besprochen, das was Oke leicht ironisch „Wohlfühloase“ nannte. Man muss auch hier eine Balance finden zwischen „der individuelle Mensch, der selbstständig ist und nur das Gute will“ und einem „schulisch-strengen“ Ansatz. Und seien wir ehrlich: Die Ausbildung in Jugendinternaten führt nicht gerade zu einer Eigenverantwortlichkeit, die man beim späteren Profi ansprechen kann. Das ist nebenbei vielleicht auch der große Unterschied zu US-Sportlern, die im College eine extreme Eigenverantwortlichkeit und Eigenmotivation an den Tag legen müssen, um überhaupt Profi zu werden.

Umfeldfaktoren reichen vom Athletiktrainer über den Masseur bis hin zum Trainingsplatz und Teammanager. Z. B. fiel bei uns letzte Saison der Athletiktrainer durch Krankheit aus. Und dann ist da eine Unruhesituation, die man auffangen und abfedern muss. Dies gelingt oder gelingt nicht. Wichtig ist, dass man Strukturen und Prozesse hat, die so etwas vorhersehen und planen. Oder anders ausgedrückt: Ich muss das Umfeld haben, welches Erfolg ermöglicht und so wahrscheinlich wie möglich macht.

Dazu gehört auch die Trainingssituation, die klar verbessert werden kann und muss. Wir trainieren und spielen als Verein zur Zeit an fünf Standorten und besitzen z. B. keine Rasenheizung an der Kollaustraße. Auch da ist man kurz-, mittel- und langfristig dran. Stichwort ist hier natürlich auch „Verletzungen“ oder „Jugendanbindung“. Das alles kostet extrem viel Geld, was dann wieder kurzfristig im Profi-Etat fehlt.

Leider weiß man hier nicht objektiv nicht, wie unsere Konkurrenz (die oben genannten oberen sechs der zweiten Liga) aufgestellt sind. Denn das z. B. Sandhausen in diesen Umfeldfaktoren wahrscheinlich sehr schmal aufgestellt ist, kann für uns kein Maßstab sein. Definitiv haben wir hier Nachholbedarf und das wirkt sich auch direkt auf das „Produkt“ auf dem Platz aus.

„Jetzt pudern die den Versagern auch noch den Arsch“ werdet ihr nun brüllen, aber das ist Unsinn. Erfolg ermöglichen & Werte für den Verein schaffen, das sind entscheidende Stichworte. Und auch ihr arbeitet lieber und leistungsstärker in einem guten Umfeld. Also erwartet nicht von Leistungssportlern, dass sie da anders sind. Gehalt ist auch bei euch nur ein geringer Wohlfühlfaktor, wenn im Job sonst wenig stimmt.

Kommen wir zu einem Fazit

Hättet ihr euch vorstellen können, mit Corny über Prozesse im Verein zu diskutieren? Seien wir ehrlich: Mehr als ein genervtes Gesicht hättet ihr nicht bekommen. Der Verein entwickelt sich weiter. Und es gab auch viele offene Selbstkritik, die wir a. hier aus den oben genannten Gründen nicht wiedergeben wollen und die wir b. in dieser Form zuvor auch noch nicht erlebt haben.

Vieles kann, nein muss noch besser, progressiver und vielleicht auch mehr Sabermetrics werden, aber im Groben sind hier keine Träumer am Werk, eben kein Zampano, der als Präsident alles diktatorisch regelt, sondern ein prozessorientiertes Team. Das macht auch Hoffnung auf zumindest eine Stabilisierung des Vereins in sportlicher Hinsichts.

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Jun 012018
 
Dass ich für den Magischer FC-Blog bereits einen pathetischen Vorbericht über das Antira-Turnier 2018 schrieb, reichte nicht ganz aus, um mich verpflichtet zu fühlen, auch eine kurze Nachlese zu verfassen. Viel mehr ist es der Wunsch, die Kamera das ganze Wochenende nicht umsonst mitgeschleppt zu haben und den daher veröffentlichten – und nicht mal zwingend guten – Bildern eine gewisse Legitimation durch das geschriebene Wort zu verleihen. 
 
Erwartet also bitte keinen kompletten Bericht mit Zusammenfassung aller Workshops, der Ergebnisse des Turniers und ausführlichen Anekdoten der Partys, sondern lediglich ein paar ausformulierte Gedanken.
 
Das Wichtigste direkt zu Beginn: Das Antira ist ein tolles Event auf so vielen Ebenen. Der politische Austausch ist extrem wichtig und wenn es Gruppen, die es in ihren Vereinen oder Städten aktuell sehr schwer haben, auch nur ein wenig positiv Energie geben konnte, ist das bereits ein Erfolg. In diesem Sinne vielen Dank an alle, die dieses Wochenende ermöglicht haben.
 
Dieses Jahr fand das Event in der Nordkurve statt und für den Autor war es der erste längere Besuch auf dieser. Auch wenn die Arbeit bewundernswert ist, die die Menschen auf der Nord bereits in die Gestaltung der Kurve gelegt haben (Kein Mensch ist illegal!), sieht der ganze Beton insbesondere im Umlauf noch sehr steril und beliebig aus. Vielleicht kann man da ja noch mal was dran machen. Millerntor Gallery auf der Nordtribüne?
 
Ansonsten muss man die Nordkurve mögen. Besseres Verhältnis zwischen Steh-und Sitzplätzen als auf der Süd, keine Logen… USP in die Nordkurve! Nein, war nur Spaß.
 
Wenn das Turnier für den Schreibenden politisch etwas gelehrt hat, dann über die Lage des Amed SK, dem ehemaligen Verein Deniz Nakis im kurdischen Gebiet der Türkei. Das Thema ist definitiv zu wichtig und ernst, um es hier zwischen Späßen und Diskussionen über Beton aufzuführen, aber mit Sicherheit wird dazu noch was kommen, ggf. auch hier auf dem Blog. 
 
Einen wunderbaren, persönlicheren Bericht schrieb auch unsere gute Freundin Jaane, auf den wir verweisen wollen.
 
Schließlich die versprochenen Bilder.
 

Antira 2018!

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Mai 242018
 

Der hier schreibende Autor des Redaktionskollektivs las vor einiger Zeit Gabriel Kuhns Buch „Die Linke und der Sport“, welches er eigentlich für den Magischer FC-Blog rezensieren wollte (Wenn ihr zusätzlich eine vollständige Rezension wollt, könnt ihr ihm ja gut zusprechen).
Kuhn (ohne genau zu definieren was die „Linke“ eigentlich genau ist) fasst die (selbst-erklärten linken) Diskurse um den Sport zusammen und entwickelt darauf aufbauend die These, dass der Sport weder genuin gut noch schlecht ist, sondern an die Gesellschaft, in dem er betrieben wird, gekoppelt ist; aber das Potenzial hat, positiv oder negativ gesellschaftlich wirkmächtig zu werden.

Kuhn stellt diverse Konflikte und Betätigungsfelder der „Linken“ im Sport vor, sei es der Kampf indigener Gruppen in den USA gegen die Verwendung ihrer Symbole und Namen als Maskottchen oder Gimmick bei Sport-Events, antirassistische Kampagnen im Fußball oder der Einsatz gegen koloniale Kontinuitäten im Cricket.

Diesen und anderen Kampagnen spricht er zu, sich kulturell positiv auszuwirken. Sport ist als integraler gesellschaftlicher Bestandteil immanent politisch und daher ist es gutes Recht, wenn nicht sogar Pflicht bestehende Ärgerlichkeiten anzugehen, Spannungen auch im Sport auszutragen und uns als Vereinsmitglieder, Fans und Schreibende zu engagieren.

Auf einer viel kleineren Ebene werden wir das auch dieses Wochenende am Millerntor erleben können. Über 30 antifaschistische Gruppen aus Europa sowie Mittel- und Nordamerika werden gegeneinander Fußball spielen und ins Gespräch kommen. Auch wenn alle Antifaschismus als Grundverständnis eint, sind die lokalen Probleme divers. Einige kämpfen primär gegen Homophobie und Antisemitismus in ihrem Stadion, andere gründen – frustriert der Entwicklung ihrer Vereine oder Szenen – eigene Clubs oder sogar Ligen, wieder andere müssen sich physisch gegen Nazis verteidigen oder sehen sich durch Sicherheitsbehörden bedroht.
Der Autor dieser kurzen Zeilen freut sich jedenfalls darauf, dieses Wochenende mit Leuten zu sprechen, über die verschiedenen Problematiken im Fußball (und dem damit verbundenen kulturellen und politischem Rahmen) zu lernen und natürlich auch wieder ins Millerntor zurückzukehren (Von wegen! Wir sind doch alle froh, dass Sommerpause ist, oder?)

Wenn ihr das auch wollt, kommt einfach vorbei, trinkt ein Bier gemeinsam, lernt unsere Gäste kennen. Auch wenn die kulturellen und politischen Entwicklungen in vielen Städten und Ländern entmutigend sind, ist es gut zu sehen, dass es überall Menschen gibt, die die Verhältnisse nicht hinnehmen, sondern nach Alternativen suchen und sich für diese einsetzen.

Das vollständige Programm findet ihr hier

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Mai 072018
 

Erstmal zum Spiel gegen Bielefeld

Oh je, eigentlich ist ja schon vor dem Spiel alles klar. Meint der Senior des Blogs. Jedem, der ihn nervös anspricht, sagt er nur, dass nichts schief gehen könne, er habe Stutzen an. Die Glücksstutzen des vorherigen Wochenendes. Ungewaschen. Gut, dass wir einer Freiluftsportart beiwohnen. Sowieso versuchen so viele Leute vor dem Stadion unfassbar viele Dinge genau so zu machen wie die Woche davor. Wir sind alles rationale Menschen und natürlich glauben wir überhaupt nicht an höhere Mächte und an Aberglaube. Aber die Glückssocken müssen sein.

15:30 ist eine sehr schöne Anstoßzeit. Klar, wenn man auswärts fährt, dann wird das am Sonntag ganz schön spät, bis man wieder zu Hause ist. Aber besser als dieses „direkt nach dem Aufstehen Fußball spielen“ ist es allemal.

Der späte Anpfiff führt auch zu einer frühen Füllung der Plätze am Millerntor. Die Mannschaft wird wieder schon beim Warmmachen mit Anfeuerungen bedacht. Dazu noch eine Topchoreo auf der Haupt, die von Edelfan N. nahezu alleine durchgezogen wurde. Geiler Typ. Klasse Nummer.

Bielefeld. Auf der einen Seite beeindruckend, wie da echt noch Leute ankommen, die Sinnbild einer alten proletarischen Fußballkultur sind. Wie erzählte ein FCSPLer so schön vor dem Spiel? „Ich saß mit so einer Truppe 50-Jähriger in der Bahn. Freundlich, aber auch alte-Schule-ruppig. Irgendwie verlorene Fußballkultur.“ Anderseits bringt so ein Verein auch so viel unterstes Niveau mit, dass man nur den Kopf schütteln kann. Bielefeld ist nun wirklich kein Gegner, der bei dem geneigten FCSPler Hass auslöst (Ausnahmen bestätigen hier die Regel), und auch die 80er-Jahre-Hoolfreundschaft mit den Volksparkfreunden ist nun auch keine wirklich tragfähige Argumentation, um sich an denen noch abzuarbeiten. Wenn man aber sieht, wie die schon beim Einlauf der Heimmannschaft zum Warmmachen auf Hasslevel 1905 sind, dann fragt man sich echt, was man Sinnvolles alles mit Testosteron machen könnte.

Ansonsten gibt es heute in Bielefeld wohl gut gegarte Hühnerbrust, so viele wie da im Gästeblock in die Sonne gehalten werden. Dieser ganze „Oberkörper frei“-Kram ist sowieso etwas fragwürdig, aber das könnt ihr gerne an anderer Stelle nachlesen.

Auf dem Platz das letzte Aufgebot und das schlägt ichh in einem Kampf- und Krampfspiel wirklich wacker. Natürlich hat Bielefeld gefühlt 99 Prozent Ballbesitz und natürlich ist das letztendliche 1-0 etwas glücklich, aber ähnlich wie gegen Fürth hat man wieder das Gefühl, dass hier eine Mannschaft von 1 bis 11 ihr Glück erzwingen will.

Klar, du kannst so eine Intensität nicht jedes Spiel abrufen. Dafür reiben dich 34 Spiele zu doll auf. Aber wenigstens ein bisschen dieser Intensität hätte vielen Heimspielen eine ganz andere Wendung gegeben. Mal ein Sonderlob an Koglin und Zehir, die nun wirklich nicht viel Spielzeit in der ersten Mannschaft gesehen haben bisher und die beide ihre Sache sehr tapfer machen. Das macht doch Hoffnung, dass die Jungs knapp dran sind am Kader und zumindest von hinten mal Druck machen können. Park hingegen ist diesen kleinen Schritt gegangen und wird immer mehr zur defensiven Allzweckwaffe unseres Vereines. Seine Durchbruchsaison krönte er an diesem Tag mit einem Tor der Marke „arschcool“.

Ach ja, Freiburg und Rest der Welt: Dieser Mats, der kann gar nix. Ihr wollt den am Millerntor lassen, ja? Seufz, viel verletzt der Junge diese Saison, aber was der für ein Potential hat, wenn man ihm die zentrale offensive Position überträgt, das hat er in zwei Spielen wieder einmal unter Beweis stellen können. Einer der größten Fehler dieser Saison war es, dass dies nicht erkannt wurde und er sich irgendwo außen versuchen musste. Nicht seine Stärke.

Wo auch immer du landest, Mats, danke für die Jubelsprünge und für intensive 1 1/2 Saisons. Und falls du keinen Verein findest: Komm gerne noch länger zu uns.

Lasse sitzt jetzt erstmal eine Saison in Köln auf der Bank und dann leihen wir ihn wieder aus, dann machen wir wieder irgendeinen komischen Vertrag und dann spielt er endlich bis zum Ende seiner Karriere bei uns. Und falls es so nicht kommt, dann sei ihm der Erfolg in Köln gegönnt. Kann er gerne mit 96 Punkten aufsteigen. Die 6 anderen bleiben aber bei uns.

Damit ist alles gesagt, der Rest ist Jubel und purzelnde Steine. Und nun können wir nächsten Sonnabend ganz in Ruhe verfolgen, ob sich der lokale Rivale erfolgreich drückt oder nicht.

Das so ein „Stadtderby“ schon jetzt seine unangenehmen Seiten hat, sei nur am Rande erwähnt. Menschen wegen der falschen Schalfarbe aufs Maul zu hauen, wird nie in unseren Kopf kommen.

Was es nun zu tun gibt

Erstmal Frodo im Katzenkostüm im Sonderzug. Liebe Leute, er hat gewettet, er hat verlorengewonnen und wer ihm im Sonderzug doof kommt, der kommt uns doof. Und das mögen wir nicht. Krault ihm lieber die Öhrchen. Danke, liebe Mannschaft, dass das geklappt hat. Gebt ihm eine Mil äh ein Bier aus:

Und dann müssen wir was tun für die neue Saison.

Klar, man kann so einen Fokussierung und so eine Leidenschaft nicht für 34 Spiele durchhalten. Aber sowohl auf Fan- als auch auf Vereinsseite müssen wir wieder mehr Leidenschaft und Fokus entfachen. Der Verein muss es schaffen, klare Vorgaben zu definieren und auch hart durchzusetzen, wenn jemand sich nicht dran hält. Es muss da Zug rein. Jeder, der unseren Präsidenten kennt, weiß, dass er eher ein kooperativ führender Mensch ist. Und das ist ja auch modern und in vielen Zusammenhängen richtig.

Aber im Fußball hast du es halt mit Hochleistungssport und mit extremen Führungsansprüchen zu tun. Gerade bei einer Meute von jungerwachsenen Männern. Hier werden sich auch Oke und der ganze Verein anpassen müssen. Das heißt aber nicht, dass nun Oke hier der Zampano der Marke Kind oder Tönnjes werden sollte. Das ist nicht St. Pauli.

Wir und er müssen hier unseren eigenen Stil entwickeln und auch weiterentwickeln. Denn wie wir schon im JHV-Bericht schrieben: Wir haben hier ein ganz starkes Alleinstellungsmerkmal und gehen bewusst den Weg, den alle anderen nicht gehen. Die uns in zehn Jahren entweder auslachen und wir sie. Etwas dazwischen gibt es nicht. Wir haben 2030 ein Date mit dem Champions-League-Pokal, insofern lass uns die Welt auslachen.

Dazu müssen Prozesse hinterfragt werden, analysiert werden und vielleicht auch radikal geändert werden. Wir müssen uns ganz klar Ziele vornehmen, was wir in einem, in drei und in fünf Jahren für ein Fußball am Millerntor haben wollen. Nein, solche „in drei Jahren steigen wir auf“-Pläne sind Bullshit, aber es muss klar ersichtlich sein, was wir wollen. „Ausbildungsverein“ wäre z. B. ein Stichwort. Und gerade mit einem Jugendjahrgang im B-Jugend-Bereich, die sehr gut sein sollen, müssen wir sehen, ob wir diese in den Herrenbereich überführt bekommen. Wenn wir diesen Weg dann gehen wollen.

Erstmal: Das heißt nicht, dass Personal ausgewechselt werden soll. Und das heißt auch nicht, dass wir nun die unpolitischen Party-Paulis sind, die zwar „gegen Nazis“ sind, aber nur wenn es nicht weh tut, nicht aneckt und bitte auch sonst die Fresse halten. Das kommt nicht in Frage. Der FCSP muss und sollte Fußball mit einer gesellschaftlichen Verantwortung und einem rebellischen Auftreten sein. Der FCSP muss für einen anderen Fußball kämpfen und ihn leben.

Wir werden auch unbequemen externen Rat uns einholen müssen. Nicht über Boulevardzeitungen. Aber intern.

Auch wir Mitglieder und Fans müssen uns ändern.

Da ist dieses unbestimmte „ach zweite Liga reicht ja und wir wollen ja gar nicht aufsteigen und mal sehen“, was auch an der Misere der letzten Jahre schuld ist. Diese Genügsamkeit mit Platz 9 ist nicht zielführend. Da gehören wir nicht hin. Auch nicht in einer zweiten Liga mit Köln und Wolfsburg. Wenn es am Ende Platz 5 wird, dann kann man nichts sagen, aber unser Anspruch sollte und muss Top 23 sein. Dafür werden wir hart arbeiten müssen. Und wir Mitglieder werden mitarbeiten müssen, denn z. B. wählen wir im November einen Aufsichtsrat.

Und wenn ihr, ja ihr liebe Mitglieder, dann irgendwen wählt, der per Boulevardzeitung ein „ich führe Pauli in den sportlichen Erfolg“ wählt, dann kündigen wir euch die Freundschaft.

Und noch mal sei auf den JHV-Bericht verwiesen: Dieser Verein ist ein Mitmachverein, es gibt so viele Dinge, die von unten bewegt werden können. Und es gibt genügend Organisationen, wo ihr alle mitmachen könnt. Seien dies nun Ultras, Fanräume, Museumsvereine oder andere Stellen. Und damit bekommt ihr alle auch genügend Einblicke, um an anderer Stelle zu helfen.

Ebenso muss das lethargische Nichtsupporten und Allagui in Minute 5 Anpöbeln ab jetzt Geschichte sein. Das Millerntor kann dir bei richtiger Stimmung drei bis vier Spiele gewinnen, aber dafür müssen auch wir Fans was machen. Der USP-Vorsänger sagte zu Beginn der Saison immer „wir gewinnen zusammen, wir verlieren zusammen“. Diese Einheit brauchen wir auch auf den Rängen. Nicht jedes Mal dieses Feuer, das geht nicht. Aber ein gewisses Feuer bei Heimspielen.

Klar hat Allagui seine Fehler, aber daran muss er, sein Trainer und alle sportlichen Verantwortlichen mit ihm arbeiten. Wir glauben, er kann das. Aber der Junge kann mit seiner Technik und seiner Lässigkeit in einer spielarmen zweiten Liga noch ein Pfund werden. Das sollten wir auch sehen. Und das geht nur, wenn wir ihn nicht schon runter ziehen, wenn er nur seine Schuhe anzieht.

Wir glauben an den Kader, der bisher feststeht für die nächste Saison. Wir glauben, dass ihr Leistungen der Fürther und Bielefelder Art regelmäßiger umsetzen könnt. Ja, dafür müsst ihr euch auch mehr auf den Arsch setzen und vielleicht auch mal euch richtig anbrüllen, aber ihr könnt das. Und dann wird alles gut. Und wenn Köln und Wolfsburg ihre 90-Mio-Etats nicht gut einsetzen, dann sind wir da und nutzen die Chance aufzusteigen.

Wir als Blogger müssen uns verpflichten, diese Absätze immer wieder in Erinnerung zu bringen und alle an diese Ziele zu erinnern.

So

Wir sehen uns im Sonderzug. Ach ja: Inoffizielles Motto seit gestern „wer sich dran erinnern kann, der war nicht dabei.“

Es schrieben auch

Der Frodo freute sich über eine erfolgreiche Mission Katzenbabys.

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Mai 042018
 

Liebe Lesende, wir wollen nicht verspätet vergangenen Samstag rekapitulieren, sondern uns kommendem Sonntag zuwenden. Teil 2 ist angesagt. Noch mal gilt es: Die Mannschaft tragen, dass sie alle Unsicherheiten, Fehler und Wehwehchen vergisst und ein letztes Mal dieses Jahr zeigen kann, was in ihr steckt. Machen wir uns nichts vor. Fortsetzungen von Erfolgsstreifen sind häufig schlechter als das Original. Die Ausnahmen sind selten, dann sind es aber häufig Klassiker, wie z.B. „Der Pate 2“. Und natürlich kann man nicht das Drehbuch des letzten Samstags noch mal verfilmen. Nicht erneut wird man einen Regisseur haben, der jede Blutgrätsche als „Ball gespielt“ beurteilt und auch der Gegner wird ein anderes Kampf- und Spiellevel haben als Fürth.

Aber! Wir lassen uns unseren Film nicht durch Nebendarsteller in schwarz-weiß-blau kaputt machen. Die Hauptdarsteller sind wir. Wir haben gezeigt, dass wir eine Heimmannschaft tragen, dass wir kleine anfängliche Unsicherheiten überbrüllen und Spieler immer wieder aufrütteln können. Lasst uns die Kulisse des Filmes so magisch machen, dass unsere Hauptdarsteller auf dem Platz gar nicht anders können, als ein brillantes Spiel abzuliefern. Und nicht vergessen: Es werden auch Fehler passieren, brenzliche Situationen entstehen. Das ist kein Grund zu nörgeln oder zu verstummen. Es ist die Aufforderung noch lauter und aufbauender zu werden.

Klar, letzter Samstag war schon richtig gut. Immer wieder kam aus ganz vielen Richtungen Lärm, kam Anfeuerung. Aber so ganz zufrieden sind wir noch nicht. Das geht noch lauter und auch etwas koordinierter. Achtet auf eure Nebenleute, die Vorsänger, die Stimmungszentren. Und brüllt.

Oder um es frei nach unserem letzten Aufstiegstrainer zu formulieren:

Rausgehen – Warmtrinken – Wegbrüllen!

P.S.: Wir sind natürlich null abergläubisch, aber mit den Spieltagsritualen haltet ihr es wie letzten Samstag, ja?

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Apr 272018
 
 
 
 
Wir sind Fans. Fans neigen dazu, nicht rational zu handeln. Sie haben Hoffnung, wo es keine Hoffnung mehr gibt, sie lieben, wo Liebe nicht mehr angebracht ist. Daher erwartet jetzt keine nüchternen Worte in diesem Artikel. 
 
Heimspiel. Zweimal innerhalb von 8 Tagen. Und mit zwei Siegen die Möglichkeit diese ganze Scheiße noch zu einem guten Ende zu führen.  Zwei Siege. Das klingt einfacher als es bei bisher drei Heimsiegen in 15 Versuchen ist. Aber wir als Fans können helfen, das Unmögliche möglich zu machen. 
Daher: Seid laut, seid positiv, lasst den Funken überspringen, bejubelt jeden Einwurf, jede noch so kleine gelungene Aktion. Gebt den Jungs eine Rückendeckung, die sie nicht ablehnen können. 
 
Meckern? Nächste Saison wieder. Oder nach der Saison. Und zu Recht! Aber jetzt nicht! Diesmal nicht! Ja, es wird Fehlpässe geben. Ja, es wird nicht gelungene Aktionen geben. Egal! Feuer! Alles raushauen! 
 
Ändert eure Routine! Die Spieltage müssen sich frisch anfühlen, wie ein neuer Start, wie Frühling, wie neue Liebe. Der Supportblock z.B. ruft dazu auf, um 11 Uhr am Stadion zu sein. Redet mit eurer Bezugsgruppe, weckt eure alten Knochen. Nehmt Bonbons mit und brüllt euch zweimal heiser. Ihr habt den Aberglaubenschlüppi jahrelang nicht getragen? Jetzt ist die Zeit ihn anzuziehen. 180 Minuten, die eine Saison ändern können. 180 Minuten, in der wir die Saison ändern können. Die Fürther müssen Angst haben. Die kennen so etwas nicht, wir müssen in deren Kopf kommen. 
 
Lasst uns beweisen, dass wir einzigartig sind, dass das Millerntor immer noch ein magischer Platz ist und Spiele gewinnen kann. 
 
Wir sind St. Pauli! Und wir steigen nicht ab! 

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Apr 232018
 

 

Zum Spiel

Man muss vielleicht nicht viel zum Spiel sagen. Es läuft nichts zusammen und in den entscheidenden Szenen hat der Fußballgott auch etwas gegen uns. Verliefe das Spiel anders, wenn nicht gleich der erste Schuss des Gastgebers säße? Oder wenn der Torwächter von denen nicht brillant retten würde Aber da wir es nie hinbekommen, wirklich mal 90 Minuten konstant und konzentriert zu spielen, ist die Niederlage komplett verdient.

Die beiden Roten Karten sind auch aus der Kategorie „darfst du dich nicht wundern“. Mal eine allgemeine Anmerkung zu der zweiten Roten Karte: Es ist eine allgemeine Sucht im Fußball, dass Spieler bei Fouls so tun, als ob sie gleich sterben. Erste Diagnose beim Regensburger: „Da wird eine Wohnung frei.“ Nur das Wunderwasser des Physios kann Schlimmeres verhindern. Und man kann nicht mal den Spielern einen Vorwurf machen. Immer wieder hat man den Eindruck, dass die Schiedsrichter von den Saltos beeindruckt sind. Aber wenn man mal genau hinsieht, dann ist es meistens so, dass die Spieler, die sich wirklich verletzen, einfach nur hinfallen und liegen bleiben. Und nicht noch drei Saltos und vier Schreie von sich geben. Ändert nichts daran, dass die Rote Karte zumindest vertretbar ist, weil Cenk da in einer Mischung aus Frust und Übermotivation rein geht, die sich gewaschen hat.

Und als wäre all dies nicht genug, ist es ja auch noch so, dass wir uns alle Tore selber einschenken. Besonders übel das 2-0 und 3-0. Beim 2-0 macht Buballa einen Jahrhundertfehler und beim 3-0 gucken viele Offensive aus sicherer Entfernung zu, wie Kalla das „wie verteidige ich zwei Spieler gleichzeitig?“-Rätsel versucht zu lösen. Dieses Rätsel ist alleine unlösbar. Und all diese Situationen entstehen nicht dadurch, dass Regensburg nun tollen Tempofußball spielt, der den Gegner auch zu Fehlern zwingt.

Das Stadion ist neu gebaut, an der Autobahn, irgendwie 08/15, der Gästeblock in die Ecke gequetscht und eng. Für die Gästeautos besteht ein eigener Käfig (!) und die Ordnerinnen überschreiten in aller Seelenruhe sämtliche intimen Grenzen beim Abtasten. Es ist zum Kotzen.

 

Gute Sicht gibt es nicht

Nach dem Spiel

Nach dem Spiel kommt es mehr oder minder zu einem Plenum zwischen dem, was wir jetzt mal als „Ultrà-Szene“ umschreiben möchten, und den am Zaun verharrenden Spielern. Buballa, Flum und Schnecke gehen dann auch noch direkt an den Block und diskutieren mit einzelnen Leuten, während der Rest der Mannschaft inklusive Trainer- und Betreuerteam vor dem Zaun verharrt.

Von unserer Perspektive läuft das ganze ganz gesittet ab. Wir zumindest erleben da keine „wüsten Beschimpfungen“, die von einigen Zeitungen herbeigeschrieben werden. Und wenn dann waren das ganz einzelne Personen. Wir wissen aber nicht, was wie genau besprochen wird.

Als wir dies auf den diversen Kanälen mit einer deutlichen „Respekt dafür an die Mannschaft“ Nachricht teilen, bekommen wir neben vielen positiven Rückmeldungen auch viele „Interessiert mich nicht“-, ‚“Bedeutet nix“-, „Sollen lieber besser spielen“- oder „Haben keinen Respekt verdient“-Nachrichten.

Unser Senior geht nun gut 30 Jahre zu diesem Chaotenverein. Er hat genügend Spieler gesehen, die mehr oder minder desinteressiert abgestiegen sind. Spieler, die mitgereiste Fans nach so einem Spiel mit dem Arsch nicht angesehen haben. Alleine deswegen bedeutet es ihm was. Und er hat eine ähnliche Situation wie in Regensburg mal in der dritten Liga gesehen, als sich Eger und ein bekannter Fan in der Nachspieldiskussion selbst richtig in die Haare bekamen. Direkt danach drehte sich das Blatt und wir siegten u. a. in Wiesbaden. Insofern: Vielleicht ist dies der Wendepunkt?

Fußballspieler sind Arbeitnehmer. Und MÜSSEN auch wie Arbeitnehmer denken. Und kein Arbeitnehmer der Welt schlägt sofort in einen neuen Vertrag ein, wenn der Arbeitgeber sagt „du bekommst nun eine deutlich uninteressante Position zu weniger Geld“. Das mal so am Rande.

Und Fußballspieler sind keine Maschinen. Man stellt sie nicht an. Sie sind Menschen, junge, unerfahrene Menschen. Die im Hochleistungssport ein derbes Ego brauchen. Und dies einfach nicht haben zur Zeit. Siehe die Szene von Buballa. Wenn der das normale Ego hat, dann lässt er entweder den Regensburger aussteigen und dribbelt nach vorne oder er ballert das Ding über das Tribünendach. Und wenn ihn irgendwer für letzteres kritisiert, dann zuckt er mit den Schultern und sagt „Digga, halt die Fresse, ich bin der Geilste.“ Zur Zeit denkt aber aber „bloss kein Fehler, bloss kein Fehler“ und macht gerade deswegen den Fehler.

Ja, dieser Kader hat Fehler. Ja, unsere Verantwortlichen haben Fehler gemacht. Nein, dieser Trainer scheint nicht der Beste zu sein. ABER! Es ist das, was wir jetzt für drei und vielleicht fünf Spiele haben. Nein, wir glauben nicht, dass nun eine panische Trainerentlassung irgendetwas fundamental ändert.

Und daher

Es gibt zwei Arten, mit dieser Situation umzugehen. Möglichkeit A wäre, dass wir nun 11 Kreuze auf den Trainingsplatz stellen, die Mannschaft schon beim Auflaufen auspfeifen, sie mit „Scheiss Millionäre“ beschimpfen und am besten noch mit „Wenn ihr absteigt, schlagen wir euch tot“ verabschieden.

Wir wollen keinen verurteilen, wer der Meinung ist, dass dies seine Reaktion als Fan ist.

Unsere ist es nicht. Und wahrscheinlich ist es auch nicht die, die zum FCSP, seiner Tradition und seinen Fans passt.

Unsere ist eher die, die ein Verein vom Weserdeich in einer ähnlichen Situation gemacht hat. In Bremen half man sich über die eigene Verzweiflung mit einer „Green White Wonderwall“ (bei Sport1 etwas detaillierter nachlesbar.  ).

Vielleicht sollten wir beim FCSP das auch versuchen? Kritiker werden nun sagen „das wäre dann ja geklaut“, aber erstmal gilt immer „lieber gut geklaut als schlecht selber gemacht“ und der kleine Weserverein hat ja auch genügend Melodien bei uns geklaut.

Wir wissen nicht, wann und wie unsere Spieler zu den beiden nun ausstehenden Heimspielen reisen, wir wissen nicht, ob das eine Idee ist, die Leute gut finden. Wir sind auch nicht die Institution, die Massen organisieren und mobilisieren kann. Wir regen es an.

Wir wissen aber eines ganz genau: Wir haben nun zwei Heimspiele, diese sind super wichtig, wir haben bisher nichts gerissen bei Heimspielen und die Lethargie im Stadion ist bis in den Volkspark spürbar. Das müssen wir aufreißen und einen neuen Impuls setzen.

Daher: Hände aus den Taschen, Mund auf, brüllen, singen, tanzen, positive Stimmung verbreiten. Auch wenn es nicht sofort läuft. Das gilt für dich, lieber GG-Steher, für dich lieber Süd-am-Rand-Steher, für dich lieber Haupt-Sitzer und für dich lieber Nord-Gucker. Wir schaffen das. Gemeinsam. Ohne irgendein leeres Marketinghashtag, ohne von oben verbreiteten Optimismus. Dieser Verein hat schon immer seine besten Momente gehabt, wenn von unten der Antrieb kam.

Lasst uns Fans die Mauer sein, an der Fürth und Bielefeld abprallen! Lass uns die Hände sein, die unsere Spieler tragen! Lass uns über alle Spektren, Tribünen, Lebensumstände und Frustlevel eine positive Stütze sein.

Aux Armes!

 

Es schrieb auch

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Apr 162018
 

oder

Ein Spieltag mit dem Wetter, das er verdient

93. Minute, Ecke für Braun-Weiß beim Stand von 0:1. Überzahl haben wir schon seit einer halben Stunde, aber sollte da nicht ein Torwart mit nach vorn? Alle Möglichkeiten ausschöpfen, wo es nichts mehr zu verlieren gibt? Die Lage ist schließlich bitterernst!

Doch er tut’s nicht. Und das ist jetzt kein individueller Himmelmann-Bash, es steht vielmehr sinnbildlich für eine Mannschaft, die den Ernst der Lage nicht zu erkennen scheint. Dabei ist nun echt gar nichts mehr lustig. Nachdem uns auch noch Düsseldorf den Bärendienst erwies, gegen Heidenheim zu verkacken, stehen wir tatsächlich auf dem verdammten Relegationsplatz. Ja, diese Saison in der Zweiten Bundesliga ist vollkommen absurd, was sich schon daran zeigt, dass der FCSP Platz 15 der Hinrundentabelle, in der Rückrundentabelle Platz 13, in der Gesamttabelle nun aber Platz 16 belegt. Aber dieses höllisch enge Feld in Liga 2 kann keine Ausrede/Erklärung/Versicherung für den gegenwärtigen Zustand sein.

MagischerFC St. Pauli vs. Union Berlin April 2018

This is fine

Zugegeben gefällt uns an diesem Spiel auch erst mal einiges besser als bei etlichen vorherigen Auftritten. Ein neues System mit Fünferkette (das leider ein bisschen an der Zugkraft auf den Außen krankt), Schneider statt Bouhaddouz und eine überzeugende Körpersprache in der ersten Phase, knapp eine Halbzeit ungefähr. Ballkontrolle scheint unserem bescheidenen Blick nach auch etwas besser zu funktionieren. Wie so oft kommt es aber wieder zu dem, was in der Zweiten Bundesliga so typisch ist: Die Mannschaft, die das Spiel zu machen versucht, unterliegt. Und wir dürfen uns wirklich nicht beklagen, gab’s schließlich noch zwei Aluminiumtreffer für Union.

„Sieg! Sieg! Sieg!“ Iiih!

Wir finden es noch immer von ausgesuchter Hässlichkeit, wenn ein Fanblock dieses Wort für sich allein skandiert. Union und der FCSP, wir werden im Großen und Ganzen keine Freunde mehr. Zwar halten sich die tatsächlichen Negativerlebnisse mit den Köpenicker Fans in Grenzen und wir machen nach Abpfiff vor dem Wirtshaus zum Totenkopf noch Bekanntschaft mit einem offensichtlich ganz freundlichen Exemplar, aber mehr ist da auch nicht. Wer im Block so unappetitlich mit Frakturschrift-Bannern und erwähntem „SIEG!“-Gebrüll herumdeutscht, verdient sich unsere Sympathien nicht.

Angenehmere Gesellschaft kommt dagegen von jenseits des großen Teichs. Wir lernen E. von FC St Pauli Buffalo kennen – folgt den Dudes mal, da freuen sie sich! Bemerkenswert, wie viel Kenntnis die Loide in entfernten Winkeln der Welt manchmal von unserem Club haben – und immer wieder wundervoll zu sehen, wie viel es ihnen bedeutet, mal wirklich sich den lang gehegten Traum zu erfüllen und es zu einem FCSP-Spiel zu schaffen. Wie leid es uns nur tut, dass es so ausgehen musste! E. juckt das weniger, aber in einer Sache sind wir uns dann einig …

Von sportlicher und gesellschaftlicher Relevanz

Der FC St. Pauli ist für die meisten mehr als nur ein (mittelmäßiger) Zweitligaclub. Das steht außer Frage. Wir brauchen es euch sicher nicht zu erklären, was damit gemeint ist. Viele Dinge sind am Millerntor wichtiger als der eigentliche Fußball, das ist auch richtig und wichtig so.

Allerdings – auch auf die Gefahr hin, wie schlimme Menschen zu klingen: Je heißer beim Fußball der Baum brennt, desto mehr gerät unsere gesellschaftspolitische Bedeutung als FCSP in Gefahr. Denn die Strahlkraft, die wir derzeit haben, würde bei einem sportlichen Absturz geringer werden. Denkt an Babelsberg, denkt an Roter Stern Leipzig – großartig, was bei diesen Vereinen geleistet wird. Aber so wie der FC St. Pauli werden diese Vereine nicht oder nur in Ausnahmen wirklich viele Menschen erreichen. Und das kann uns auch blühen, wenn es mal sang- und klanglos in Liga 3 runter gehen sollte.

Wir können es nicht mit letzter Bestimmtheit sagen, da wir die Arbeit hinter verschlossenen Türen im Verein natürlich nicht sehen – aber: Es ist kein sportliches Konzept, kein Weitblick erkennbar. Womöglich ist in den vergangenen Jahren der Fokus auf die wesentlichen Kernkompetenzen eines Fußballclubs etwas zu sehr flöten gegangen. Vielleicht fehlt es an den entscheidenden Stellen einfach an Expertise?

Versteht uns bitte nicht falsch. All das darf nicht heißen, dass die politische Haltung, Aktionen und Projekte vernachlässigt werden könnten! Nur müssen wir uns vielleicht noch mal bewusster werden, wie wichtig es ist, keinen sportlichen Bedeutungsverlust zu erleiden – von Arbeitsplätzen rund um den Verein mal ganz abgesehen. Mit anderen Worten: Wenn die Fahnenstange, das Rückgrat, zerbricht, wird es viel schwerer, die Botschaft auf dem Tuch weit sichtbar zu machen.

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Apr 112018
 

Fakten

Fangen wir mit einem Zitat an:

„Zauberhaft und liebenswürdig – die neue Kollektion Ruby

Hot Pink ist die Farbe des Sommers 2018 und das verbinden wir mit einem edlen hellen Grau. An den Artikeln selber haben wir im Vergleich zu den letzten Jahren nur ein wenig geschraubt. Zum Frauenshirt mit weitem Halsausschnitt und dem Basic Hoody gesellt sich ein Frauenkleid aus leichtem Baumwoll pique.

Viel Spaß beim Einkauf am ersten warmen Wochenende. Wie immer in den Shops eures Vertrauens und unter www.fcsp-shop.com“

So steht es in einem Facebook-Post vom 08.04.2018 auf der offiziellen Präsenz des FC St. Pauli.

Zauberhaft und liebenswürdig – die neue Kollektion Ruby Hot Pink ist die Farbe des Sommers 2018 und das verbinden wir…

Gepostet von FC St. Pauli am Sonntag, 8. April 2018

Beworben wird die Kollektion „Ruby“, die a. einen ganz üblen Kaiser-Chiefs-Ohrwurm auslöst und b. sich anscheinend nur an Frauen (man entschuldige uns bitte die bigeschlechtliche Aufteilung) wendet.

Die Produkte sind entweder in Grau, in „Hot Pink“ (wir Antimodemenschen würden sagen „Rosa“) oder in beidem gleichzeitig. Sie zeigen eine Variation des beliebten Totenkopfmotivs. Könnt ihr euch alles unter dem genannten Link ansehen.

Soweit wir das sehen können, findet sich der oben zitierte Text in der Werbung in Social Media und auf der offiziellen Homepage. Im Shop ist das Ganze ohne weitere Beschreibung (Korrektur: Doch Text findet sich auch dort).

Allgemeines

Wir sind garantiert nicht die richtigen, um eine vollständig perfekte Kritik an Gender-Marketing und sexistischem Marketing hin zu bekommen. Dafür gibt es genügend Seiten, die man echt sich mal in Ruhe durchlesen kann. Nehmen wir doch mal z. B. pinkstinks , die sind garantiert nicht die Einzigen, aber da sie mal mit dem FCSP was zusammen gemacht haben, seien sie hier genannt. Wir haben ihn eben auf die Schnelle nicht gefunden, aber es gibt wohl auch einen offenen Brief von denen (Korrektur: einer Einzelperson)  mit einer Stellungnahme der Marketing. Screenshot hier

Kurzer Exkurs: Es gibt auch feministische Stimmen, welche sich dieser Farbe annnehmen und versuchen, sie positiv zu besetzen. Hauptargument dabei ist, dass in linken/alternativen etc. Gruppen immer noch Männer dominieren und damit auch eine männliche (oder als männlich verstandene) Ästhetik vorherrsche. Farben wie Pink (und eben auch exklusiv auf Frauen zugeschnitten) könnten dabei helfen, Frauen oder Weiblichkeit in diesen Gruppen stärker sichtbar zu machen. Man kann das hier offen lassen, was nun richtig oder falsch ist. Denn das antiquierte Frauenbild, welches beim FCSP noch mit transportiert wird, z. B. durch die Attributisierungen, zeigt, dass da niemand dran saß, der das vor genau dem Hintergrund als feministisch versteht. Eine Hot-Pink-Kollektion mit feministischen Motiven und Slogans wäre daher wahrscheinlich ganz anders zu sehen, selbst wenn sie Girls only wäre. Exkurs Ende.

Uns ist auch klar, dass wir in einer Welt leben, in der gerade solche Produkte hart nachgefragt werden. Und wo schon Kinder in eine rosa und eine blaue Welt eingeteilt und genau diese „nur für Mädchen“- oder „nur für Jungs“-Produkte am meisten nachgefragt werden. Und bei aller Kritik, die nun folgt: Keine Frau ist weniger emanzipiert, weil sie gerne Rosa mag. Siehe auch der Exkurs eben. Oder weil sie diese Klamotten kauft, weil sie die cool findet. Darum geht es schlichweg nicht. Geschmäcker sind verschieden und die eine mag rosa Frauenkleider aus Baumwoll pique und die andere mag den schwarzen True Rebel Hoodie. Alles cool.

Und gilt genauso für Kerle und alle anderen Menschen. Kerl X mag rosa Hemden, Kerl Y blaue und Kerl Z gar keine. Das sind unsinnige Äußerlichkeiten, nach denen man einen Menschen nur beurteilen sollte, wenn man unbedingt in heutigen Polizeistrukturen arbeiten möchte.

ABER!

Entscheidend ist etwas anderes. Entscheidend ist die Rolle, das Klischee was – mal wieder- in diesem Text verbreitet wird.

Zauberhaft, liebenswürdig, Hot Pink wird alles mit „Frau“ verbunden in diesem Post. Oh je. Müssen wir hier eigentlich den Erklärbären machen? Eigentlich nicht, oder? Daher nur kurz:

Rosa gleich Mädchen, nech? Und „echte Kerle“ bekommen das Braun. Außer vielleicht sie sind schwul. Dann „dürfen“ sie Rosa tragen.

Und „zauberhaft“ und „liebenswürdig“? „Weiche“, weibliche Attribute … argh … Würde man damit eine Kerle-Kollektion verkaufen? Wohl kaum. Warum eigentlich nicht? Eigentlich möchte man schreien „Wir wollen unsere Mädels aber so, dass sie gehasst werden und kratzbürstig sind!“, aber auch das wäre natürlich ein Klischee. Wir finden vielmehr: Sei weich, sei hart, sei was auch immer, aber sei FCSP-Fan.

Ja, ihr merkt es selber, da schwingen so viele Klischees in diesem Post mit und die muss gerade der FCSP einfach nicht bedienen. Nicht immer die weichen Attribute nur für Frauen. Nicht immer „Hot Pink“ nur für Frauen.

Warum nicht mal „Hot Pink“ für genderneutral? Gerade der Ruby-Kapu würde sich dafür geil eignen! Das Shirt auch! Warum nicht mal ein genderneutraler Text in der Werbung? Warum die Produkte (die wahrscheinlich ja modisch sind) auch noch in einer „neutralen“ Farbe? Grün, Gelb, wie wäre es – Achtung revolutionär – in Braun? Muss ja nicht immer unser Vereinskackbraun geben. Kann ja auch ein helles sein. Erdfarben sind doch gerade im Kommen, oder Gehen? Keine Ahnung!

Pink? Gerne! Cool. Z. B. wäre ein pinkes Herrenhemd mit Totenkopf mal was richtig Cooles. Ein Shirt, eine Hose, ein Hoodie für alle. Und natürlich ein pinkes Hassi.

Wir sind da echt keine konservativen Knochen, die nun fordern, alles nur in Braun-Weiß zu machen. Soll doch jeder seine Vereinsliebe zeigen, wie er will. Aber in der Werbung einfach mal ein „Hey Loide, wir haben jetzt die „Hot Pink“ Kollektion für modische Kiezmenschen“ raushauen, ist doch gar nicht so schwer, oder? Ja klar, ist jetzt auch nicht der super Werbespruch, aber wir sind ja auch Historiker, Juristen und Metal-Texter und keine Werber. (Suchmaschinenoptimierung zählt nicht.) Und wirklich feurig ist das Zitierte nun auch nicht.

Oder mal so etwas wie die „Tommy Adaptive“-Kollektion! (Googelt das mal, ist ziemlich cool.)

Ja klar, Pink for all humans oder adaptive Kleidung ist vielleicht auch mal ein Nischengeschäft. Aber der FCSP darf einfach nicht nur eine Profitmaximierungsgesellschaft sein. Er muss Zeichen setzen, neue Wege gehen und für alle eröffnen. Das ist nämlich sein Markenkern, sein USP.

Auch wenn es einfach nur um Stoff geht.

Positiv möchten wir bemerken, dass die Bildsprache – zumindest aus unserem bescheidenen Blickwinkel – recht okay ist. Da hat man schon ganz andere, schlimme, sexualisierte Posen gesehen, mit denen Frauenklamotten beworben werden. Hier ein Haar in der Suppe zu suchen, wäre unfair.

Noch was

Der Totenkopf war mal rebellisch. Er war mal Punk. Er war mal beim FC Bayern verboten und bayerische Zeitungen haben Angst vor den linksautonomen Horden gehabt. Er ist jetzt nur noch ein leeres Symbol einer guten Vergangenheit. Niemand – auch wir nicht – wollen ihn abschaffen. Man kann sich auch mal in wohlfühlenden Erinnerungen kleiden. Aber er sollte nicht das einzige, immer wieder in jeglicher Variation durchgekaute Element auf allen Klamotten sein, die wir herausbringen.

Liebes Merch, sucht euch mal ein paar fähige Leute aus der Szene und entwickelt Alternativen. Entwickelt coole Sachen in unzähligen Farben. Setzt wieder Trends bei den Klamotten für Fußballverrückte. Das wäre cool.

(Danke an alle Menschen, die uns für diesen Artikel Stichworte und Meinungen gaben, bevor er erschien.)

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