Dez 112018
 

Anfahrt

Bochum, tief im Westen. Entsprechend früh machte sich der Hoolbus (verdunkelte Scheiben, Ledersitze) auf den Weg. Sehr angenehme Begleitung und Ausdiskutieren der philosophischen Bedeutung von Cocktailliedern brachten uns schnell ans Ziel. Dort war man dann viel zu früh, aber man kann im Hoolbus auch bestens picknicken. Und für eine reichhaltiges Büffet war gesorgt.

Rein in den Block

Menschliche Bedürfnisse wie NRW Menschen flauschen und Toiletten suchen trieben uns zum Gästeeingang, den wir nach Erledigung dieser Dinge problemlos überwanden. Es gibt sie noch, die relativ entspannten Kontrollen.

Der Block bleibt von der Eingangssituation eine Frechheit und dass man nun einen Container für das Herrenklo benötigt, weil man noch eine blockinterne Kontrolle (zwischen Sitz und Steh) installiert hat, lässt uns kopfschüttelnd zurück. Da war doch ein so schönes Klo.

Aufstellungsfreuden

Kaum hätten wir es uns bequem gemacht, begann die Aufstellungsdiskussion. Und wich der Freude über eine Schnecke in der Startelf.

Bochum geht ins Herz

Man verabschiedet die letzte Zeche. Es gibt keinen vernünftigen Zweifel daran, dass der Abbau der Kohle Vergangenheit sein muss, aber natürlich geht da etwas was Pott und Menschen im Pott über Jahrhunderte geprägt und definiert hat. Liebe Kumpel: Glück auf für eure Zukunft.

Herbert schmettert das Liebeslied auf seine Heimatstadt und selbst unsere Ultras halten inne. Bester Stadionsong in Deutschland? Das hier ist vorne mit dabei. Wer das anders sieht, hat kein Herz.

Und doch hat Herbert Unrecht

Bochum
du bist das himmelbett für tauben
und ständig auf koks
hast im schrebergarten deine laube
machst mit ’nem doppelpass
jeden gegner nass
du und dein vfl

Tja. War wohl nix mit dem VfL und dem Doppelpass. Ein schnelles, spannendes und sich immer wieder veränderndes Spiel gewann der FCSP.

Es wurde auf Twitter schon diskutiert, ob dies eigentlich die beste Saisonleistung gewesen sei. Ist wahrscheinlich nicht absolut zu beantworten, aber gegen einen bockstarken Gegner so eine Leistung auf den Platz zu brennen, ist mal eine Ansage.

Dass es kurzweiliges Spiel mit richtig vielen Torraumszenen auf beiden Seiten war, wird auch durch die xG-Werte untermalt :

In der WhoScored Benotung der individuellen Spieler ergibt im Durchschnitt die mit Abstand besten individuellen Leistungen dieser Saison.

Dabei ganz vorne dabei: Schnecke. So will man einen Spieler sehen, der rein geworfen wird. Voll dabei, immer auf der Höhe des Geschehens und mit ganz vielen tollen Abfangaktionen.

Kommen wir zu den einzelnen Highlights:

Minute 14. Hinter uns sagt jemand “wir können nun auch beginnen mal Ballbesitz zu haben”. Kurze Zeit später haben wir immer noch kein Ballbesitz, aber führen 1-0. Und: Was für ein Zuckerpass von Zander direkt auf den Kopf von Sami. Es soll in der Bewertung der Begriff “erstligareif” gefallen sein.

Dann Elfmeter. Der Marke “Clever raus geholt”. Sami verschießt, Henk steht schon gefühlt vor dem Ball, als Sami diesen berührt und drischt den Abpraller in die Maschen. Gut, dass niemand gesehen hat, dass Henk zu früh los lief. Wir wiederholen: niemand hat das gesehen! (Es liefen übrigens auch einige Bochumer zu früh los und Sami hat geschossen, bevor Kempkes pfiff. Aber auch das haben wir natürlich nie gesehen oder gehört.)

Nehrig kommt dann eher überraschend zum Einsatz und köpft dann einen Ball, den er eigentlich klären will, auch erst mal direkt vor die Füße eines Gegners. Ist aber auch egal, da er sich dann als nächstes ziemlich großartig durch das ganze Mittelfeld tankt und dann einen Zuckerpass auf Henk spielt. Der könnte abschließen, sieht aber dann noch den besser positionierten Mats, der zum entscheidenden 1:3 einschießt. Sowie, das neue Traumduo Henk & Mats, wie der eine den anderen da huckepack nach Abpfiff mit in die Kurve nimmt, lässt unsere Herzen höher schlagen.

Was für ein Spiel, insbesondere da ziemlich viele Stammspieler (Buchtmann, Buballa, Knoll, Neudecker) gar nicht eingesetzt werden können, bzw. nur teilweise (Möller-Daehli). Immer weiter vor, Jungs!

Das vollkommen verkackte “Freude schöner Fußballzauber” des Gästeblocks bleibt so ungefähr das größte Ärgernis des Tages.

Auf der Rückfahrt singt der Hoolbus noch jeden Hit laut und falsch mit und schon hat uns Hamburg wieder. 19/10 Punkten. Gerne wieder.

PS: Köln, Rauten, Union? Watch your back, Digga. Der kalte Hauch in eurem Nacken, der leicht nach Dope riecht, das sind wir. Und wir kommen, um euch einzuholen.

(Überschrift direkt vom englischen Fernsehkommentar entnommen. #SchneckeUltras!)

Dez 032018
 

In unserem Artikel von heute Morgen haben wir behauptet, dass der Verein in seinem Spiel Live twittern nicht auf die Geschehnisse in der Nord eingegangen ist.

Dies ist definitiv nicht der Fall, in diversen Tweets ist der Verein drauf eingegangen. Dies ist uns aus unerklärlichen Gründen bei der Twittersuche durch gerutscht.

Danke für den Hinweis, Christoph und Sorry an dich und dein Team. Im Gegensatz zu unserer Behauptung habt ihr so gehandelt wie wir es uns vorstellen.

Dez 032018
 

Vorwort

Wir sind uns als Redaktionskollektiv in der groben Linie meistens schnell einig. Trotzdem ringen auch wir häufig genug um die richtigen Worte und Gedanken zu einem Thema. Und diese sind nach dem Geschehen am Samstag immer noch schwer zu finden.

Betroffenheit ist etwas sehr indivduelles, so ist der Mensch nun mal gestrickt. Deswegen kann ein Herzinfakt in einem Stadion einem sehr viel nähergehen als das selbe Ereignis nur 100 Meter weiter auf dem Dom. Selbst ein Geschehen im Umlauf das Stadions hätte wahrscheinlich keine solche Reaktion ausgelöst. Ist nun mal so, müssen wir hier nicht vertiefen.

Immerhin soll der Betroffene stabil sein und wir wünschen an dieser Stelle schnelle und vollständige Genesung. Da er nun in hoffentlich guten Händen ist, wollen wir uns nochmal dem Spiel bzw. dem Drumherum widmen.

Lob, wo Lob notwendig ist

Aus unserer Sicht haben Ordner, Sanitäter und Zuschauer in der Nordkurve gut reagiert. Garantiert kann man das auch alles noch verbessern und optimieren, aber aus unserer Warte sah das alles schon sehr professionell und überlegt aus. Danke dafür an alle Beteiligten. Und da auch mal ein Lob an den Verein, dass die Ordner anscheinend entsprechend geschult sind, in einer solchen Situation gut zu reagieren.

Weiterhin ist die breite Solidarität im Stadion herauszuheben. Es dauert immer ein bisschen, bis man sich auf ein Vorgehen geeinigt hat, aber dann klappte das mit dem Beenden des Supports schon sehr gut. Die Leute, die das nicht begriffen haben, sollten sich fragen, warum sie den aktiven Gruppen nicht zutrauen, Gründe zu haben, zu schweigen. Insbesondere auch in der Süd – von wo aus man das Geschehen in der Nord die ganze Halbzeit direkt im Blickfeld hatte. Und den paar Leuten, die auch nach entsprechenden Infos nun meinten, dies seien ihnen doch alles egal „Hauptsache Pauli Party“, sei ein freundliches „Fickt euch!“ zugeworfen. Nach allen uns vorliegenden Informationen hat auch Dresden versucht den Support einzustellen, obwohl die wohl nur sehr bruchstückhafte Informationen hatten. Aber die bekommen gleich noch einen eigenen Absatz.

Der Verein möchte das Geschehen noch aufarbeiten und das ist immer notwendig. Man kann sich immer fragen, ob man noch etwas besser oder anders machen kann oder sollte. Wir hatten unseren Stadionsprechern ein paar Fragen gestellt, die wollten mit dem Hinweis auf die aus ihrer Sicht notwendige Aufarbeitung nicht antworten, was vollkommen okay ist.

Ein paar Fragen beschäftigten uns

Bei den folgenden Themen machen wir ein paar Fässer auf. Bevor es den Vorwurf hagelt, wir würden seltsame Schwerpunkte setzen, möchten wir klar sagen, dass alles “Was wäre, wenn” allenfalls nur ein Bruchteil von der Bedeutung hat, ein Menschenleben zu retten. Wenn körperliche Unversehrtheit auf dem Spiel steht, ist es nicht einmal zweitrangig, alle Fragen sofort zu beantworten. Und dennoch kann eine entsprechende Informationspolitik nicht nur dem Verständnis, sondern auch vielleicht in ganz elementarer Hinsicht helfen, zum Beispiel wenn es um Handlungsanweisungen geht.

ACHTUNG!!! Der folgende Absatz ist inhaltlich falsch! Siehe Korrektur und Entschuldigung hier. Wir haben ihn nur zur Transparenz drinnen gelassen!

Wir haben mal geguckt, wie der Verein z. B. auf die Unfälle im Gästeblock gegen Union und 1860 in den letzten Jahren reagiert hat. Zumindest in einem Fall wurde auch damals zwischenzeitlich der Support eingestellt. Auf Twitter aber vom Verein auch damals während des Spiels nichts dazu. Wir bleiben dabei: Eine Information für die Welt wäre auch während des Spieles wünschenswert. Das wäre auch ein Mehrwert gegenüber einem Kicker-Liveticker, der es echt schafft, den Vorfall mit keinem Wort zu erwähnen. Der Spielbericht auf kicker.de schweigt sich dazu auch aus. Aber auch andere Vereine ignorieren in ihrer Liveberichterstattung solche Vorgänge, so weit wir es überprüfen können. Das ist schade, denn irgendeine Information, warum es plötzlich so leise ist, wäre halt ein echter Vorteil zu Sky und Kicker.

Wir fragten gestern auch, ob der Schiedsrichter hätte abbrechen oder unterbrechen sollen. Und in einer idealen Welt wäre das immer noch unsere Wunschvorstellung. Unser Lieblingsschiedsrichter wies zu Recht darauf hin, dass man dann einem Unparteiischen natürlich sehr viel Verantwortung auferlegt, weil dieser die Situation schon deswegen nicht richtig erfassen kann, weil er sich auf den Platz konzentrieren muss und nicht auf die Ränge achten kann. In das Bild passen auch Spielerstimmen, die von dem Geschehen in der Nord nichts mitbekommen haben. Er meinte, dass im Amateurbereich immer die Faustformel gelte „Wenn was passiert ist und eine Mannschaft drum bittet, dann bricht man ab. Gegner im Amateurbereich widerspricht nicht.“

Davon ausgehend haben wir mal beim DFB gesucht, was der dazu so sagt. Und es gibt wirklich einen sehr ausführlichen Lehrbrief zum Thema Abbruch. Da geht es natürlich eher um Sachen wie Wetter oder Dinge auf dem Platz, aber auch der gestrige Fall ist mehr oder minder geregelt. In diesem Lehrbrief heisst es unter „Regeltechnische und andere Möglichkeiten“ abbrechen könne man aber auch, wenn ein „Todesfall im Umfeld des Spiels (Spieler, Offizielle, Zuschauer)“ vorläge. Zum Glück hatten wir keinen Todesfall, aber wir denken schon, dass man das analog sehen muss, wenn ein Mensch zwischen Leben und Tod schwebt.

Nur wenn ihr den weiteren Text des Lehrbriefes lest, dann wird sehr viel auf den Schiedsrichter abgewälzt. Und sehr wenig klar und endgültig geregelt. Darüber hinaus muss er alle „zumutbaren Mittel“ zur Fortführung ausschöpfen und sich nach einem Abbruch auch noch nachträglich ggf. vom Sportgericht belehren lassen. Zitat: „Doch nicht selten kommt es vor, dass das Sportgericht dem Schiedsrichter nach einem Spielabbruch dennoch anlastet, nicht alle zumutbaren Mittel eingesetzt zu haben, das Spiel ordnungsgemäß fortzuführen.“ Das Sportgericht als nachträgliches Schweinchen Schlau. Mal Hand auf Herz, hättet ihr als Aytekin abgebrochen, um dann von den herzlosen Richtern am DFB Sportgericht sinngemäß zu hören, dass der ja noch zuckte und du da weiter spielen lassen musst? Wenn du den Lehrbrief gelesen hast als Schiedsrichter, dann brichst du nur ab, wenn es gar nicht mehr geht.

Ja, das ist eine unmenschliche „The show must go on“-Haltung und der DFB sollte hier dringend eine Reform überlegen. Denn so wie es geregelt ist, käme kein Schiedsrichterbetreuer (der nebenbei vor dem Spiel zum Ehrenmitglied gemacht wurde und ein echt toller Kerl bei uns ist) auf die Idee, zum 4. Offiziellen zu gehen und zu sagen: „Du, wäre es nicht vielleicht besser, wenn wir alle mal einen Tee trinken gehen, bis wir wissen, ob das dem wieder gut geht?“

Man muss bei der Wertung auch mal daran denken, dass an anderer Stelle ein Spiel mit ähnlicher Gesundheitslage abgebrochen wurde. Aber da war’s halt auch der Trainer.

Vielleicht sollten wir für die Zukunft aber auch einfach immer eine Tibet-Fahne bereithalten. Da werden Spiele dann ganz schnell man unterbrochen. Nachweis per Welt-Link, müsst ihr nicht klicken.

FCSP: Schreibt euch das mal für die nächsten Tagungen als Thema auf.

Durchsagen: Wir würden uns so etwas wünschen, haben aber ja schon erwähnt, dass unsere Stadionsprecher da sich besprechen möchten. Das finden wir gut, auch wenn wir hoffen, diese Situation nie wieder zu haben.

Und unabhängig von allen DFB-Regularien diesbezüglich, wollen wir auch eigentlich in einem Verein Mitglied sein, dessen offiziell gewählte Vertreter in einer solchen Situation zum 4. Schiedsrichter gehen und sagen: “Digga, da findet ein Notarzteinsatz vor den Augen aller statt. Wir spielen nicht weiter, bis die Person nicht bestmöglichst versorgt und außerhalb des Stadions stabilisiert ist.” Und ja, wir nehmen im absolut schlimmsten Fall die 0:3-Wertung auch mit. Und auch ja: Da muss es klare Regelungen im Verein geben, was die genauen Fälle sind, in denen wir sowas dann vornehmen. Sonnabend war aus unserer Sicht solch ein Fall. Kann von uns aus dann auch ein Arzt sein, der über ein Triage-System die Gefahr für den einzelnen beurteilt. Die sind ja auch genau für sowas ausgebildet.

Ein Aspekt, der letztendlich natürlich auch in Betracht gezogen werden müsste ist, dass es zum Zeitpunkt des Unglücks schon Unruhe im Gästeblock gab. Man will es ja gar nicht sagen, aber es könnte echt Rübennasen geben, die einen eventuellen Abbruch als Startsignal für Randale verstehen. Schlimm, dass man über so etwas nachdenken muss. Womit wir bei Dresden sind.

Dresden

Vorweg: Es gibt sie, die korrekten Dresdener, die wirklich unzufrieden sind mit ihrer Fanszene. Wir kennen solche Leute. Diesen Leuten kann man nur den Rücken stärken und Bier (kein Astra!) ausgeben. Leider ist es immer noch eine kleine Minderheit und die meisten Dynamo-Menschen glänzen durch Scheiße oder durch zumindest Ignoranz gegenüber Scheiße. Wir müssen das Plakat nicht noch mal zitieren, aber es ist sexistischer Dreck. Es steht in einer Reihe von Plakaten, die sich an den “USP-Frauen” abarbeiten, dies sollte man zumindest wissen. Wenn einem der Inhalt alleine noch nicht zum Motzen reicht, muss man sich als Dresden auch mal fragen, ob man sich sein Dissplakat nicht schenkt, wenn man gerade noch den Support wegen einer lebensbedrohlicher Situation unterbricht. Das ist ähnlich wie beim DFB, man muss unbedingt sein Programm abspulen, egal was ist oder war.

Dass Gröni noch ein Abhitlern abfotografiert hat, passt ins Bild. Liebe Nebenstehende, den kann man dann auch mal den Arm wieder runter hauen. Am besten der Person einmal schön ins Gesicht. Dass es wehtut.

In das Programm von Dresden gehört es wohl auch, regelmäßig Toiletten zu zerstören. Man muss schon sehr behämmert sein, seine eigene hygenische Situation mutwillig zu verschlechtern. Scheinen einige Leute bei Dresden zu sein. Und dafür, dass dann die Plastikbecher in Ermangelung hygienischer Entsorgungsmöglichkeiten umfunktioniert wurden und wohl auch als Wurfgeschoss benutzt wurden, fehlen uns die Worte. Bzw. wäre alles, was wir schreiben wollen, justiziabel.

Und da kommt die Hamburger Polizei ins Spiel. Klar kann man da verstehen, dass Polizei dann auch mal in eine Menschenmenge geht. Nach Augenzeugenberichten wurden dann alle Umstehenden, egal ob Täter, Opfer oder beides nicht, mit Schlagstöcken und Pfeffer belegt. Wenn man dann genug vom Tag hatte und nach Hause wollte, ließ die Polizei dies auch nicht zu. Dass dieses „wir knüppeln in eine unübersichtliche Situation erstmal rein, bevor wir Fragen stellen“ a) Wildwestmethoden sind b) nix mit sinnvoller Polizeiarbeit zu tun haben und c) Standardprogramm der Hamburger Polizei sind, ist auch zu verurteilen, selbst wenn Dynamo betroffen ist.

Aus dem bisher Gesagten muss man auch die Becherwürfe bewerten, die auch zumindest in die Nähe des Patienten und der Sanitäter gingen, aber wahrscheinlich doch eher der gerade parallel loslaufenden Polizei galten. Zumindest erscheint diese Kausalität angesichts des eingestellten Supports und der Vorgeschichte im Umlauf für wahrscheinlicher. Aber absolut können wir es natürlich nicht sagen. Aber selbst bei Dresden wollen wir hier mal gezielte Würfe auf eine Krankentrage für unwahrscheinlich halten. Dass dann aber wohl trotzdem einiges in direktem Umfeld der Sanitäter landete, zeigt, dass Brot halt doch weiter denken kann als Teile der Dresdener Fanszene und wie unsinnig Becherwürfe sind. Höchst unwahrscheinlich, dass die Werfenden nicht hätten sehen können, was sich in Richtung ihrer Würfe auch abspielt. Möge sie der Blitz beim Scheißen treffen.

Dresden hat heute eine relativ inhaltsleeren Stellungnahme herausgegeben, was okay ist, denn auch die dürfen das erstmal in Ruhe klären. Was euch jetzt jedoch auf die Füße fällt, liebe Dynamos, und womit ihr euch jede Nachfrage nach einer Stellungnahme verdient habt ist, dass ihr bei dem „Groszeltern“ Plakat nur ein paar Stunden für große Töne gebraucht habt. Auch da hätte euch Ruhe gut zu Gesicht gestanden. Aufgeregtheit, wenn aus eurer Sicht jemand was falsch macht, und laid back, wenn man selber Mist gebaut hat, ist Doppelmoral.

Ach ja, Dresden und auch viele andere Vereine in Liga zwei (FCSP eingeschlossen), fangt endlich an eure Facebook-Seiten vernünftig und zeitnah zu moderieren. Klar, ihr wollt alle kein Geld für Social Media ausgeben, habt aber alle gelesen, dass man so etwas braucht. Aber was man unter dem Eintrag von Dresden vom heutigen Tage lesen kann, geht auf keine Kuhhaut. Was für ein Dreck. Nur ein Highlight: „Wer Verbrechen an seinen Landsleuten verherrlicht, der ist gut bedient mit zerbrochenem Porzellan.“ Das stand da zumindest zwischenzeitlich als “Top-Kommentar”, und auch am Abend weiterhin durch den Verein umkommentiert. Dazu hat Neonschwarz eine sehr passende Zeile in dem Lied „2015“:
„Seehofer, Söder – mit euch will ich bestimmt kein „Wir“ bilden“

Mit Nazis und Gesichtsrevisionisten sind wir garantiert keine Landsleute, kein Wir. (Wir sind sowieso keine „Landsleute“, No borders, no nations, Digga.)

Und an alle, die jetzt lebenslange/bundesweite Stadionverbote für alle Dresdener oder auch nur deren Ultras fordern: Was nehmt ihr eigentlich? Und wo kriegen wir das her?

Die gleiche Frage stellt sich auch an die Gründer der sagenhaften Facebook-Gruppe, die den-DD Gästeblock für unsere Frauen will. “Unsere Frauen.” Jo, klar. Wir sahen auf dem Schulterblatt gestern viele Graffitis. Wollt ihr die vielleicht mal wieder wegputzen? Wir verstehen die Intention, aber wünschen uns dann ein wenig mehr Reflektion darüber, ob so eine Kurve für “unsere” Frauen die richtige Reaktion ist. Stichwort Besitzansprüche und Instrumentalisierung und so.

Nach dem Spiel kam es noch zu weiterem Gerenne, bei denen auch unsere Rollstuhlfahrenden durch „Friendly Fire“ in Mitleidenschaft gezogen wurden. Auch hier muss man sich fragen, warum Dresden da unbedingt noch rumrockern musste, bei der ganzen Vorgeschichte. Und die Heimleute müssen sich immer fragen, ob es wirklich sinnvoll ist, in einem Stadion mit seiner Videoüberwachung und der Gefahr, eigene Leute zu gefährden, eine Gegenaktion zu starten. Auch hier wird eine Aufarbeitung notwendig sein. Und dies ist nicht das erste Mal, dass wir fragen, ob man in solchen Situationen nicht einfach strategischer und schlauer vorgehen muss.

Protest

Allemal bestätigt dieser Spieltag, dass wir als FCSP nicht an bundesweiten Aktionen teilnehmen sollten. Gemeinsame Sache mit solchen Szenen wie Dresden ist selbst dann unerträglich, wenn es mehr zufällig als geplant passiert. Und da gibt es dann auch kein “greater good”.

Dez 012018
 

Wir alle, als Gesellschaft, als Fußball, als Verein, als Fanszene und jeder Einzelne müssen uns nach dem heutigen Tag in Frage stellen.

Heute hat es diverse Notarzteinsätze am Millerntor gegeben und zumindest einer davon sah gar nicht gut aus. Zum Zeitpunkt als wir diese Worte schreiben haben wir keine Informationen was mit der Person ist und hoffen das Beste.

Nun aber stellen sich Fragen. Harte Fragen:

Warum bricht der Schiedsrichter nicht ab?

Wenn dies nicht passiert: Warum geht man als Team(s) nicht vom Platz?

Warum schaffen es Leute nicht den Support einzustellen? Warum gibt es Leute, die Fans anmachen, die nach diesem Geschehen das Stadion verlassen möchten?

Wie menschenverachtend ist der Fußball, dass er so etwas ignoriert und vollständig nach “The Show must go on” agiert?

Und wollen wir als Verein, als Mitglieder, als Fans und als Menschen, diese Show mitspielen oder sollten wir nicht mit einem eigenmächtigen Spielabbruch reagieren? “Dann verlieren wir halt 3-0 am grünen Tisch, aber haben Menschlichkeit gezeigt”. Ist dies zu absurd gedacht, wenn wir doch die Guten sein wollen?

In unserem Schock, in unserer Wut möchten wir keine Antworten auf diese Fragen finden. Aber wir müssen uns sie stellen. Auch wenn wir hoffen, dass so etwas nie wieder passiert.

Bewusst keine Worte zu Bierbechern und Plakaten im Gästeblock. Alles was wir sagen würden, wäre strafbar.

You’ll never walk alone. Viel Kraft allen Betroffenen und Angehörigen.

Nov 302018
 

Das Ergebnis vorweg

Liebe Lesenden, schweigt! Schweigt 45 Minuten, brüllt 45 Minuten. In dieser Reihenfolge. Trinkt die ersten 45 Minuten schweigend ein leckeres Bi äh ein Astra und in den zweiten 45 Minuten wollen wir einen Roar sehen, der den Bunker zum Wackeln bringt!

Unsere Gründe lest ihr jetzt:

Es ist was faul im Staat FIFA

Liebe Millerntorgänger, es sind Zeiten, in denen vieles schief läuft im Fußball. Sei es nun Footballleaks, sei es der Umgang mit Fans durch die Polizei oder sei es die Halsstarre vieler Funktionäre. Wir lassen da nun mal Details, das kann man überall nachlesen.

Nun hat ein bundesweites Bündnis zu einem Stimmungsboykott für 45 Minuten am kommenden Spieltag aufgerufen und dies explizit wegen der abstrusen Anstosszeiten. Hier der Aufruf, wie ihn Ultras Dynamo (heutiger Gegner, deswegen die verlinkt. No love lost.) Veröffentlicht hat.

Nun wissen wir, dass es für jeden ein anderes Argument gibt, dass die Anstoßzeiten doch eigentlich ganz super sind und auch Fernsehzuschauer sind halt echte Fans und die haben gerade Montags um 14 Uhr die meiste Zeit. Ja, wir kennen diese ganzen Argumente. Aber seien wir ehrlich: Wir sind Menschen, die im Stadion stehen, die gerne auch mal auswärts fahren und die genervt sind, wenn ein Spiel in Bochum zwei Urlaubstage kostet. Und ganz ehrlich: Wir sind auch genervt, wenn wir das im Fernsehen schauen, von einem gelangweilten und uninformierten Kommentator mit Opta Unfunfacts (und nicht noch schlimmerem) genervt werden und unser Verein von dem Montagsspiel nicht einmal Reichweite hat, weil auch dieses nur bei fucking Sky läuft. Da kannst du nicht einmal Image oder neue Fans gewinnen, denn bei der Präsentation, die Sky anbietet, musst du sowieso schon im Schutzprogramm „Unzucht mit Abhängigen“ sein, um das zu ertragen.

Kurz: Es gibt gerade für einen Zweitligisten echt nicht viel zu gewinnen durch zersplitterte Spieltage. Hinzu kommt die Idee der DFL, gerne auch mal 28 Tage vorher festzustellen, dass unser Spiel in Sandhausen geil für den Montagsmarkt ist.

Egoisten

Spart uns bitte diese „uns stört das aber nicht“ Beiträge, weil ihr direkt neben dem Heimstadion wohnt, nie auswärts fahrt, direkt nach einem Fußballspiel wie ein Teddybär schlaft und am nächsten Morgen erst um 14 Uhr in eurer Kreativagentur sein müsst. Wir sind da Egoisten und protestieren, weil wir unsere eigenen Interessen durchsetzen wollen. Vielleicht könnt ihr ja überlegen, ob ihr nicht auch solidarisch sein wollt. Oder es ganz evtl. auch eure Interessen sind? Denn wer weiß, wo die DFL stoppt. In unteren Ligen war zwischenzeitlich Mittwoch 14 Uhr eine beliebte Anstoßzeit – und denkt dran, da müsst ihr dann auch mal in der Kreativagentur auftauchen. Oder wie wäre es mit sonntags 10:45? Weil man vielleicht doch eine Zeitzone gefunden hat, wo FCSP – Sandhausen ein Straßenfeger ist? Man muss diese schleichende Zersplitterung nicht hinnehmen, nur weil eigentlich jeder jetzige Termin Scheiße ist. Und glaubt uns, mit Einführung eines dritten Europapokals wird das nicht besser.

… aber die Ultras

Wir müssen – mal wieder – ein beliebtes Missverständnis über die Macher dieses Kunstwerkes namens magischerfc.de aus der Welt räumen. Nun noch einmal zum mitschreiben: Wir. sind. keine. Ultras!!* Meistens treiben wir uns in der Gegengerade rum. Wir kennen viele unserer (!) Ultras, finden so grob 90 % was unsere (!) Ultras machen eigentlich sehr schnafte, aber wir sind einfach keine Ultras.

*Man kann über die Definition “Ultra” lange streiten. Hier ist sie eng gemeint. Wenn euch die Definition des Begriffes genauer interessiert, dann hört einfach die Millernton Folge mit den beiden USP Vertretern.

Das musste mal kurz gesagt werden.

An Ultras kann man sich reiben. Gerade an Gruppen, die sich in Deutschland Ultra nennen. Es gibt genügend Vereine, bei denen sich hinter dem Banner Ultra einfach nur ein Haufen von (setzen sie hier ein Schimpfwort nach Wahl ein) versammelt. Deswegen hat sich USP ganz zu Recht nicht an diesen Bündnissen beteiligt. Jedoch: Das heißt ja nicht, dass man nicht für seine Sache protestieren kann.

Supportdiskussion in a nutshell

Fangesänge können, müssen aber nix bringen, können selbst ins Gegenteil umkippen. Und würden sie einen großen positiven Effekt haben, dann wäre Wolfsburg schon lange abgestiegen.

Vielmehr sind sie eher ein soziales gemeinsames Erleben, was a. Spaß macht und b. die eigenen Reihen (der Fans) stärkt. „Hörst du die ganze Kurve singen“ = „geil wir alle gemeinsam, als Brüder & Schwestern, wir haben was bewegt!“. Ratet mal, warum man gesungen hat, wenn man in den Krieg gezogen ist.

Wenn man das unter a. und b. gesagte mal überdenkt, dann ist es die freie Entscheidung eines jeden Stadionbesuchers, sich am Gesang zu beteiligen, wenn er sich zu dieser Gemeinschaft zugehörig fühlt. Und wenn der Ultra an sich kein Spaß am Singen hat, weil er gerade mal wieder am Montag nach Sandhausen muss, um sein Hobby ausüben, dann muss ich ihn deswegen nicht beschimpfen, liebes Forum. Ich kann das einfach mal so hinnehmen. Ultras sind keine bezahlten Cheerleader. Ultras sind Menschen, Menschen die ihre Interessen durchsetzen. Und außer ihr seid Innenminister, solltet ihr das legitim finden, denn dies ist eine Grundfeste unserer Demokratie. Ich kann für meine Interessen demonstrieren. Oder eben auch mal schweigen, wenn das für meinen Zweck zielführender ist.

Ob ich dann unbedingt an diesem Spieltag voll meinen eigenen Support aufdrehen muss, den ich sonst nie zeige, sei mal dahin gestellt. Aber die fünf Leute, die dieser Meinung sind, können das gerne machen. Siehe oben. Nur bitte wundert euch dann nicht, dass Effekt b. eher nicht eintritt mit dem Rest das Stadions.

Schweigen als Protest

Seien wir ehrlich. Es ist doof auf Support zu verzichten. Man glaubt ja immer, dies würde der Mannschaft helfen und man will ihr ja auch helfen. Und natürlich macht so ein kräftiges Aux Armes auch viel des Erlebnis Millerntor aus. Und natürlich ist es auch ein Vehikel für die gefühlte Hilflosigkeit, dass wir keinen Einluss auf den Spielverlauf nehmen können.

Hierzu kann man sich – wie bei eigentlich jeder Protestform – um die Wirksamkeit sehr streiten. Protest ist immer der Versuch, Aufmerksamkeit zu generieren. Google definiert Protest wie folgt: „das deutliche Ausdrücken, dass man mit etwas nicht einverstanden ist und eine Änderung verlangt“ und gibt als Beispiel „energischer/stummer/wütender/zorniger Protest“ ·

Ist das Schweigen nun das wirksamste und vielleicht auch mildeste Mittel? Ja, da kann man sich die Köpfe heiß reden und optimal ist das alles nicht. In einer Welt in der eine bundesweite Fandemo aber von Medien mit keinem Wort erwähnt wird, ist die Reaktion auf das Schweigen schon sehr breit. Aufmerksamkeit erhalten. Jeder Trainer lässt sich dann mit „schadet der Mannschaft“ zitieren, was eine sehr spannende Umdrehung von zahlendem Kunden und bezahltem Entertainer ist. Aber da werden die Vereinsoberen schon versucht haben den richtigen Spin in die Worte zu legen.

Lob insoweit an Kaucze, der sich wie folgt zitieren lässt:

„Ich verstehe die Fans. Sie wollen Anstoßzeiten, die für sie Sinn machen. Das wird uns zwar treffen, aber irgendwie muss man ja seine Kritik äußern.“

Proteste nerven! Und das müssen sie auch, solange weiterhin so viel im Staate FIFA faul ist.

Und eines dürft ihr auch nicht vergessen: Demos, Proteste, Kundgebungen und auch Streiks behindern, sie nerven, sie sind für den reibungslosen Alltag und das reibungslose Erlebnis doof. Aber reibungslose Verwertung ist nur für den Kapitalismus ein Wert, für demokratisches Zusammenleben und für eine offene Kultur sind sie unvermeidbar.

Und am Ende hat der Fanladen sowieso immer Recht!

Nov 282018
 

Der deutsche Werberat ist nun wirklich nicht bekannt dafür, sich nachhaltig und konsistent gegen sexistische Werbung einzusetzen. Aber das ist ein anderes Thema für einen eigenen Roman.
Eben jener Werberat hat am 19. November unserem Sponsoring-Partner MediaMarkt die rote Karte gezeigt (Link: https://www.horizont.net/marketing/nachrichten/maennertage-werberat-zeigt-media-markt-motiv-die-rote-karte-171159), aufgrund von “gesellschaftlich inakzeptabler” Werbung. Es ist erstaunlicherweise aber auch einfach immer noch nicht ok, Frauen einfach so anzufassen.

Klar, mit solchen Unternehmen würden der FC St. Pauli doch nie zusammenarbeiten, sollen “Sponsoren und Wirtschaftspartner des FC St. Pauli und deren Produkte […] in Einklang mit der gesellschaftlichen und vereinspolitischen Verantwortung des Clubs stehen“ (Auszug aus den Leitlinien).
Nun ja. MediaMarkt ist seit August 2018 Kapitänspartner des Vereins), bisher haben wir von dieser Kooperation (glücklicherweise?) nicht viel mitbekommen – irgendwann war da mal ne Werbebande. Aber da ist uns Congstar jetzt stärker in Erinnerung geblieben. Bis heute.
Jubelte uns die Facebook-Timeline doch die neue “Sabbel Nicht” Kampagne unter. Wir sind nun keine Werbeprofis. Besonders kreativ ist es aber nun wirklich nicht, das Interview ohne Worte vom SZ Magazin einfach so zu kopieren und mit Fussballcontent aufzuhübschen. Uns spricht das nun echt nicht an, wir sind wahrscheinlich auch einfach nicht Zielgruppe für sowas. Es soll ja auch Leute geben, die die Hornbach-Werbung witzig finden, kennen wir natürlich nicht persönlich.

Diese Doppelmoral in Bezug auf Kooperation mit Unternehmen und anderen Institutionen geht uns wirklich auf die Nerven. Man könnte sogar soweit gehen, dass die Verantwortlichen für diese Kooperationen die durchaus existenten Leitlinien immer wieder bewusst weit auslegen.
Ist dies doch nun das dritte Mal dieses Jahr, dass eine solche Kooperation einen ziemlich schalen Beigeschmack hat. Astra, immer wieder durch sexistische und rassistische Werbung auffallend, The Boss Hoss, mit Menschen, die nicht Antisemiten genannt werden wollen, kooperierend und ein “ziemlich” veraltetes Geschlechterbild auf die Bühne tragend. Und nun eben MediaMarkt.
Ganz ehrlich, da helfen dann auch keine tollen Broschüren mit PinkStinks, die genau solche Werbung eigentlich minimieren sollen. An anderer Stelle würde man da von Greenwashing sprechen.

Sponsoring funktioniert vor allem über positive Assoziationen. MediaMarkt sponsort St. Pauli und lädt damit das eigene Image positiv auf, beim nächsten Fernseherkauf hofft man dann, dass der FCSP-Supporter*in zu MediaMarkt statt zur Konkurrenz geht. Das Image wirkt aber natürlich darüber hinaus – durch die Kooperation werden auch anderen Handlungen des Unternehmens direkt und indirekt die Absolution erteilt – wieder durch das positive Image des “kultigen Kiezclubs”. (Jaja, wir spenden die 5€ ins Phrasenschwein bei nächster Gelegenheit.)
Vielleicht sind wir einfach etwas simpel gestrickt. Aber uns will nicht in den Kopf, wie man mit einem Kooperationspartner zusammenarbeiten kann, der sich vor nicht mal 4 Wochen mit Werbung hervortut, die so tut, als sei es ok, Frauen einfach so anzufassen, wenn man an anderer Stelle aktiv gegen sexuelle Belästigung Position bezieht. Wir zitieren aus der Vivavom Darmstadt-Spiel:
Während der Saisoneröffnung gegen Stoke City (28.7.) ist es auf der Gegengeraden zu einer sexuellen Belästigung gekommen, die wir nicht unkommentiert lassen wollen! Eine Supporterin des FC St. Pauli wurde aus der umstehenden Masse heraus angefasst und erfuhr bei ihrer Ansage anschließend keine Solidarität – im Gegenteil: Sie wurde belächelt. Das kann und darf nicht sein! Nicht am Millerntor und auch sonst nirgendwo! Leute, wenn Ihr etwas seht, schaltet Euch ein, unterstützt die Betroffenen und macht Ansagen! Anna schildert ihre Erlebnisse und gibt eine richtige und wichtige Handlungsanweisung für Betroffene und Zeugen.”

Wir sind mittlerweile etwas ratlos, beim 3. Mal ist es nämlich kein Ausrutscher mehr. Vielleicht ist es an der Zeit für Regeln, die weniger Interpretationsspielraum lassen.

Kleine Anmerkung in eigener Sache

Unser UA Artikel wird gerne als “Pro UA” verstanden. Und das könnte dazu führen, dass man uns Doppelmoral vorwirft.

Dies greift jedoch zu kurz und wir empfehlen den Artikel noch mal zu lesen. UA ist nicht kritikfrei, kluge Kritik notwendig und UA trifft auch nicht die Leitlinien.

Unser Artikel hat einen anderen Gedanken. Man muss auch annähernd richtig kritisieren. Sonst wird das nichts. Oder nehmen wir einen etwas hinkenden Vergleich. Nur weil man nicht bei der “Merkel muss weg” Demo mit macht, findet man Angela Merkel sofort toll. Ganz im Gegenteil.

Nov 272018
 

Dem Missionar Bonifatius wird eine Beurteilung über Hessen zugeschrieben, die Hessen als abgelegen und unzivilisiert darstellt. Nun mag das ein bisschen übertrieben sein, denn Missionare wetteiferten darum, wer nun in die dunkelsten Ecken geht, um zu christianisieren, aber eines ist Gewiss. Bonifatius hat nie den heiligen Pauli in Regensburg unterstützen wollen.

717 KM behauptete das Navi als Strecke zwischen unserem Treffpunkt und dem Stadion an der Franz-Joseph-Strauß-Allee. Das ist schon ein ordentlicher Ritt für mittelmäßigen Zweitligafußball.

Wir hatten uns aus diversen Gründen ein Mietfahrzeug geleistet, beim Vermieter noch ein „kostenloses Upgrade“ erhalten und fuhren so einen „Mini SUV“ nach Regensburg.

Die illustre Reisegruppe aus vier Twittermenschen und einem nicht Twittermenschen hatte um 6 Uhr bereits die Themen „Verbrechen der Wehrmacht und ist Beginner hören vergleichbar“, so wie Urlaube in Kambodscha in den 70er Jahren, sowie Kaffeeversorgung im real existierenden Sozialismus der DDR gewidmet.

Diese breite Themenvielfalt und die Playlist mit dem Motto „Heute nur Hits“ sorgten für eine fröhliche Anreise. Nur mit der Verpflegung war etwas gespart worden, so dass die Buletten des #pöbelvolvo immer mehr ersehnt worden, je näher man Regensburg kam.

Regensburg. Sitz der Thurn und Taxis. Und gefühlt am Arsch der Welt. Äh nein, falsch. Wenn man am Arsch der Welt ist, dann noch ca. 200 KM. Das dauert echt bis man da in Ober- Unter- Mittelbayern, -franken, -Pfalz oder was auch immer ist. Diese bayrische Kleinstaaterei begreift ja kein Mensch, der jenseits des Freistaates aufgewachsen ist. Übrigens nicht mal Menschen, die in dem Freistaat aufgewachsen sind.

Knastfeeling

Wir erwähnten schon den Mietwagen. Die Ordner am Eingang des Gästeparkplatzes waren ob des Münchener Kennzeichens mehr als verwirrt und wollten trotz eindeutiger Kleidung von uns Beweise, dass wir St. Paulifans sind. Der Hinweis auf den Mietwagen war letztendlich überzeugender, als braun-weiße Bekleidung. Nicht so wirklich überzeugend war die „Hooligan“ Mütze bei dem einen Ordner mit dem wir sprachen.

Es ist ja nett, wenn man Parkplätze in der Nähe eines Gästeblocks einrichtet. Aber ganz ehrlich: Die müssen nicht aussehen wie ein Knast und man muss auch nicht in diesen Knast noch gefühlt 100 Polizisten stellen. Das ist alles hektisches Sicherheitsdenken, was nur aggressiv macht . Und 4 Euro per Automaten zu kassieren, lässt sich auch noch nur mit „Late Capitalism“ begründen. Denn anstatt halt Tickets per Hand zu verkaufen, stellt man lieber Automaten auf und wer das System nicht gepeilt hat, der bekommt während des Spiel ein kostspieliges Ticket. Diese echt kundenfreundliche Idee hat man nebenbei zwischen unseren beiden Besuchen dieses Jahr eingeführt.

Lob wo Lob gebührt: Immerhin haben sie auf diesem Parkplatz ein Klo.

Immerhin waren nun Curis Buletten im Angebot und es sind ja die kleinen Dinge, die einen Tag wundervoll machen. So in Größe einer Frikadelle an diesem Tag.

Wir mussten noch kurz Tickets dealen und schon begannen wir den Eingang zu überwinden. Die Kontrollen fielen erneut sehr unterschiedlich aus. Von gelangweiltes Halbabtasten bis zu gynäkologische Untersuchung war wieder alles zu beobachten. Nun wissen wir, dass es da Richtlinien, Anweisungen und eigentlich auch Grenzen gibt. Nur anscheinend interessiert das in der Praxis niemanden und dann wird halt auch mal beherzt von Frau zu Frau in den Schritt gegriffen. Sehr unschön und würde die DFL sich um Fans scheren, müsste sie die Vereine hier wirklich mal unter Beobachtung stellen und kontrollierend eingreifen. Aber hey, wen interessieren schon Grundmenschenrechte von auswärtsfahrenden Fußballfans?

Der Gästeblock Steh ist eine Frechheit. Punkt. 35 Euro für einen Sitzplatz im Gästebereich hinter Fangnetz und Tor ist eine weitere Frechheit. Die musikalische Beschallung ist die nächste Frechheit. Das Lightbier die übernächste etc. etc. etc.

Kurz: Es wird im Stadion dazu aufgerufen Online das Spieltagserlebnis zu bewerten. Lieber Jahn, machen wir es kurz: Als Gästefan richtig scheiße. Ja, das ist in vielen Orten so und außer unserer Abhängigkeit zwingt uns niemand, da hin zu fahren, aber hätten wir eine Wahl, würden wir von einem Besuch abraten. Aber bekanntlich haben wir keine Wahl.

Was auch nervt: Wie präsent Turnvater Jahn in der gesamten Präsentation ist. Anstatt sich mit dem eigenen Namensgeber kritisch auseinander zu setzen, seinen Nationalismus und Antisemitismus zu hinterfragen, wird hier selbst das Maskottchen “Jahni” genannt. Puh.

Der Gästeblock zog durchwachsen mit und der Vorsänger zwischen Steh- und Sitzplatz ist ein ziemlich emotionaler Typ, der seine Unzufriedenheit auch deutlich machte. Nun seien wir ehrlich: Das kommt nicht bei jedem gut an, wenn vom Vorsänger auch mal negative Emotion kommt, aber uns gefällt der Junge, der hat Feuer. Behalt dir das!

Auf dem Platz

Gestern erlebte Zehir eine Premiere auf dem Platz. Eine, die gerne noch ein paar Jahre auf sich hätte warten lassen können. Er stand bei einem Gegentor auf dem Platz.

Das Spiel ansonsten ist schnell erzählt, wir versuchten mit 2 Stürmern zu agieren, Regensburg versuchte unseren Aufbau schnell und früh anzulaufen. Wir hatten ob des Systems keine stabile Mitte, null Aufbau aus dem defensiven Mittelfeld und wenn man Jackson zu fußballerisch-spielerischen Aktionen zwingt, dann hat man als unser Gegner schon viel richtig gemacht.

Seien wir mal ehrlich zu uns: Wir waren die deutlich schlechtere Mannschaft, es passte sehr wenig zusammen und wir können sehr viel mehr. Das dann noch individuelle Leiden wie z.B. Unwohlsein bei einzelnen Spielern ein taktisches Reagieren sehr schwierig machte, war da auch nicht gerade hilfreich. Letztendlich spielte Neudecker noch 80 Minuten mit einer schweren Verletzung, was auch weit weg von Optimal ist.

Das schlimme dabei ist: Wir hätten trotzdem locker gewinnen können. Henk macht zwar das komplizierte Ding irgendwie rein, aber als er mit Zeit frei zum Schuss kommt, bolzt er den Torhüter an. Wenn das Ding rein geht, dann ist Regensburg am Ende. So wird der extrem hohe Aufwand, den die gefahren sind und die unzähligen Chancen, die sie herausgespielt und dann teilweise kläglich vergaben letztendlich doch noch belohnt.

Tore in der 87. Minute sind immer ärgerlich, gerade wenn der Ball erst im zweiten Nachschuss versenkt wird. Da wäre irgendwie ein Sieg drin gewesen. Aber hey, schlechter Tag, eine vielleicht nicht ganz perfekte Systemumstellung und wir bekommen trotzdem nicht die Hütte voll? Das ist auch eine Stabilität, die wir lange nicht hatten. Fraktion: Glas halb voll.

Ein Stürmer und das bewährte 4-2-3-1 gefällt uns trotzdem wahrscheinlich besser. Oder wir müssen lernen, wie unsere Innenverteidiger und defensiven Ballschlepper mit einem hohen Anlaufen umgehen. Bisher ist das äußerst gewöhnungsbedürftig und die Mannschaft schafft es nicht, in dieser Formation ruhig und geordnet das Spiel aus dem (defensiven) Mittelfeld aufzubauen.

Wir sind nicht von dem 4-4-2 überzeugt, die Problematik zeigt sich – neben dem fehlenden Spielaufbau in dieser Formation – auch darin, dass sich Henk und Sami quasi auf den Füßen standen.

(Bild von whoscored.com, zeigt die gemittelte Position der Spieler über das Spiel hinweg an.)

Noch ein Wort zu Allagui: Was ist das denn bitte für eine Kampfmaschine geworden? Leider am Ende etwas platt und deswegen auch unkonzentriert, aber der zeigt ja echt unerwartete Leaderqualitäten. Weiter so!

Nov 232018
 

Liebe Leute, wir sind alle im Stress. Und man muss eigentlich auch mal ein Thema so einfach links liegen lassen können. Als überzeugte Zecken haben wir es sowieso nicht so mit Duschgel, sondern singen voller Überzeugung „wir waschen uns nie“.

Aber irgendwie ist dieses Duschgel plötzlich auf so vielen Ebenen ein Spaß, dass wir ihm doch ein paar kurze Zeilen widmen wollen.

Anti-ironische Wortspiele

Der erste Gedanke, als unser Verein das Duschgel bewarb? „Och nö, man muss echt nicht jedes schlechte Wortspiel bringen“.

Geld für „Laut gegen Nazis“ ist auch schön und gut, gerade wenn man bedenkt, dass Roggnroll häufig der Beginn einer Politisierung ist. „Ich habe mehr durch Musik gelernt als durch Bibliotheken“ singt ein Hemmoorer Dorftrubador so schön. Jedoch: „Laut gegen Nazis“ ist nun nicht gerade knallharte Antifa und listet selbst so bürgerliche Organisationen wie die „DFL Stiftung“ als Partner auf. Hätte da nicht eher eine Organisation Empfänger sein können, die durch unsinnige Überprüfungen der Marke „Extremismusklausel“ oder der Marke „Geheimdienstüberwachung“ oder anderem Dünnsinn als „linksradikal“ gelabelt werden, weil sie der CDU mal gesagt haben, wie scheiße eine Rechtsoffenheit in Richtung AfD ist?

Aber dann springen die richtigen an.

Gerade hat man sich in die ewige Nörglerrolle zurückgezogen, da meckert irgendso ein AfD-Schnullernazi. Getroffene Hunde bellen. Wie anstrengend muss das eigentlich sein, sich ständig aufzuregen und über alles hetzen zu wollen? Menschen, ey.

Aber es wird noch geiler. Ja, wir haben Facebook-Kommentare gelesen. Und Leute, Satire ist in der Postmoderne tot. Weil die Leute das ernst meinen. Hier ohne Anspruch auf Vollständigkeit ein „best of“:

Da wird gefragt, ob das nach brennenden Autos und Molotowcocktails riecht? Das ist eigentlich mal eine Geschäftsidee. Der Duft der Revolution! FCSP Vermarktung:Übernehmen Sie! Am besten wäre es natürlich, wenn das dann noch leicht entflammbar wäre. Und wenn Ihr schon dabei seid: Der Astraflaschen-Molli ist auch schon lange als Merchartikel überfällig. Zweidrittel Heizöl, ein Drittel Benzin (Achtung, liebe mitlesenden Behörden: Das war jetzt Satire!).

Auf den Sport konzentrieren sollen wir uns auch mal wieder. Klar, dass wir dann ungefähr die Zuschauerzahlen von Greuther Fürth hätten und einfach nur ein schlechter Fußballverein wären – egal. Und: Ja, liebe „das ist Kapitalismus“-Kritiker, das ist auch zum Geld verdienen da. Hate the game, not the clever player. Nur weil der FCSP sein Image zu einem USP (und wir meinen hier nicht unsere Ultras) gemacht hat, müsst Ihr jetzt nicht rumheulen. Euer Verein hatte da alle Chancen zu. Der FCSP hat sein USP nämlich jahrzehntelang null genutzt.

Bernd P. meint dann, der FCSP sei für ihn gestorben, wie der (setzen Sie hier drei Buchstaben ein) seit 20 Jahren, wenn man Politik und Sport nicht trennen könne. Lieber Bernd, unter welchem Stein hast Du denn gelegen? Nein, wir wollen die Untrennbarkeit von Fußball und Politik nicht wieder durch Katar treiben, aber mal ganz ehrlich, Bernd: Der FCSP ist seit gut 30 Jahren Politik pur (siehe USP).

Ach ja, irgendein Fan wollte nach 30 Jahren auch seine Dauerkarte und alle seine Klamotten verbrennen, wenn der Verein nun so linksradikal ist. Man fragt sich echt, was für Leute das Millerntor bisher betreten haben? Hören die bei Antifa Hooligan immer weg? Leute, wir müssen da lauter mitsingen, bis alle diese Pappnasen weg sind.

Thorsten findet den Kampf gegen Rechts ja ganz okay, aber dass wir mit Linksextremen ins Bett gehen ginge ja gar nicht, da könne man sich ja gleich zur RAF bekennen. Also mal davon ab, dass ein fucking Duschgel für „Laut gegen Nazis“ziemlich weit vom wie auch immer zu definierenden „Linksextremismus“ (googelt „Extremismustheorie“) entfernt ist, beleidige nicht uns und unsere Liebsten, die sind in deinen Augen doch alle linksradikal, Todde. Und ob so ein antisemitischer Haufen wie die RAF wirklich „linksradikal“ genannt werden sollte, schmeißen wir hier jetzt einfach nur mal provokant in die Runde. Es fiel dann übrigens auch der Begriff “Linksfaschismus”. Aber auch wir beißen ja nicht bei jedem Köder an.

Und dann kommt die Juristerei

Nicht wirklich begeistert war die Henkel KGaA, denn deren Marke „Fa“ ist.

Es gibt da zwei Ebenen, die sich nicht wirklich miteinander trennen lassen, die man aber doch bedenken muss.

Bei einem Unternehmen wie Henkel, das sich in der Nazizeit nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat, hinterlässt das Bestehen auf „positive[m] Image“ und „nicht Anti“ nicht gerade einen positiven Beigeschmack. Das ist Streisand-Effekt in Reinform, denn wirklich jeder kann Google anwerfen, die Begriffe “Nazizeit + Henkel” eingeben und erkennen, dass Henkel an vorderster Front als Täter dabei waren.

Der Hausjurist möchte aber noch einen weiteren Aspekt einbringen, der nicht ganz davon zu trennen ist, den man aber in der Motivlage einer Unternehmung immer mit bedenken sollte. Marken sind verdammt viel wert. Ihr kauft ein iPhone insbesondere deswegen für sehr viel Geld, weil da ein Apfel drauf ist und es iPhone heißt. Der eigentliche Warenwert (!) ist ein Bruchteil des Preises, den Ihr zahlt. Das gleiche Produkt unter dem Namen „Quitte“ würdet ihr nicht so bezahlen. Das ist – nebenbei – der Unsinn des Kapitalismus in wenigen Worten erklärt.

Jetzt ist es so, dass deswegen Unternehmen ihre Marken schützen wollen. Wer da mal die Komplexität dieses Themas nachlesen wolle, der lese die Entscheidung des BGH zu einer Taxirufnummer und einem kölnischen Wasser, welches man nicht in Kneipen trinkt.

Ganz grob zusammengefasst sagt dieses Urteil, dass gerade berühmte Marken eine sehr weite Wirkung haben und auch gegen Sachen geschützt werden können, die man vielleicht erst auf den zweiten Blick assoziieren würde.

Nun könnte man ja sagen „Klar, Henkel ist im Recht, aber wo kein Kläger, da ist ja auch kein Richter“. Nur leider ist das ganz so einfach im Markenrecht nicht. Denn wenn man eine Nutzung duldet, dann kann das zu einer Verwirkung führen. Und dies heißt nix anderes, als „ein Markeninhaber seine Rechte wegen bereits begangener oder noch fortdauernder bestimmter Rechtsverletzungshandlungen nach einer langen Zuwartezeit unter Umständen nicht mehr durchsetzen kann.“ (von hier )

Als beratender Jurist könnte man solche Sachen auch zusammenfassen mit „lieber einmal zu viel klagen als einmal zu wenig“. Dafür sind Marken zuviel wert.

Bleibt aber noch eine letzte Frage: Wenn man ein Produkt auf den Markt bringt, dann gehört eigentlich die Frage nach der Markenverletzung durch den Namen zu einer absoluten Standardprüfung. Und sowohl der FCSP (Modelabel) als auch der Partner sind ja keine Amateure auf diesem Gebiet. Wäre eine solche Prüfung nicht erfolgt, dann wäre das grob fahrlässig. Und die Nähe zu „Fa“ liegt ja doch ein bisschen auf der Hand, nech? Gut, wir wissen nicht was da hinter den Kulissen besprochen wurde, denn ab und zumal macht man auch ein „komm, das riskieren wir jetzt, das ist mindestens PR. Und wenn wir das danach Duschmolli nennen, die PR ist trotzdem raus.“

Abgesehen von der nachvollziehbaren juristischen Prüfung und gerade in Anbetracht der eigenen Vergangenheit muss man als Unternehmen nun wirklich nicht über jedes Stöckchen, das einem empörte Wutbürger hinschmeißen, springen. Und vor allem nicht mit solch konfusen Statements, die auch jede AfD-Pressestelle hätte schreiben können. Benannter Wutbürger kommt übrigens lt. Twitterprofil aus Regensburg. Und damit nun endlich zurück zum sportlichen. Darauf sollen wir uns ja eh mehr konzentieren.

Nov 122018
 

Kommunistische Nörgler

Wir sind ja als kommunistisches Propagandamedium und ewige Nörgler bekannt.

Und auch der Spieltag gegen Heidenheim erbrachte Optimierungsbedarf. Sowohl auf dem Feld, als auch daneben.

Unser Gegner

Heidenheim. Kann wahrscheinlich niemand von euch blind auf einer Karte einzeichnen. Und ohne den Zweitligisten würde niemand das Dorf kennen. Man muss dem 1. FC Heidenheim von 2007 (auch wenn sie 1846 behaupten. Was mit dem Namen “FC” schon Bullshit ist) Kontinuität zugute halten. Denn Frank Schmidt ist seit kurz nach der Gründung Trainer der ersten Herren. Stark. Dass Frank Schmidt auch noch gebürtiger Heidenheimer ist, setzt dem ganzen noch die Krone auf. Gerade bei solchen Emporkömmlingen sitzt der Entlassungsknopf ja häufig sehr locker, sodass dies echt bemerkenswert ist. Genauso bemerkenswert ist, dass im Gemeinderat der Stadt Heidenheim die DKP mit einem Sitz vertreten ist.

Kommen wir aber zum Tagesgeschehen

Die Menschen dieses Blogs sind als Kartendealer bekannt und das nimmt auch heute inklusive interner Deals wieder großen Raum ein. Am Ende hat aber jeder die Karte seines Vertrauens.

Im Stadion ist es auf der GG rappelvoll diesmal.

Sowieso GG: Leute, so geht das nicht. Das ist zu lahm, zu leise und zu wenig. Viel zu wenig. Vielleicht finden sich auch mal gefühlt 150 Leute, die den Supportblock wieder auffüllen? Und eine Trommel mitnehmen? Vielleicht sollten wir doch mal eine Vorsängerin probieren? Wir erleben hier doch im Augenblick Spitzenfußball der 2. Bundesliga, zumindest nominell.
In der Süd dafür ist die Stimmung zumindest phasenweise besser als die meisten Heimspiele dieser Saison. Besser, nicht bombastisch, was eigentlich immer der Fall sein sollte. Aber wir wollen auch mal lobend positiv verstärken – mehr davon.

Werbung

Wir spielen im Profifußball und da gehört Werbung dazu. Wir betreiben neben “normaler” Werbung auch unsere “Weltverbesserer”-Kampagne mit der Techniker Krankenkasse, die gerade für “Netz gegen Plastik“ sammelt.

Plastik aus den Meeren zu sammeln ist gut (Infos im Link), weniger Plastik zu nutzen und zu verbrauchen wäre noch viel besser.

Und da ist es dann schon nicht ganz optimal (freundlich formuliert), wenn einem Helfer*innen in EinmalplastikjackenAufkleber aus Plastik in die Hand drücken. Genrell wirkt die Kampagne sehr stark nach Eigenwerbung; wenn man so will, Greenwashing. Sicher sind ein paar Euro für eine gute Sache nicht falsch, aber ein bisschen weniger offensichtliche PR für private Unternehmen wäre schon ganz nett, wenn der FCSP seinen Namen dafür bereitstellt.

Grundsätzlich können wir da auch vor der eigenen Haustür kehren. Dass die elendigen Einwegbecher auf der Gegengerade der Vergangenheit angehören, ist ein guter Anfang, wird aber konterkariert, wenn ein Sponsor vor einem Spiel Einweg-Plastikflaschen verteilt. Wir können übrigens auch mal über anderen Einwegmüll oder den gigantischen Fleischkonsum während der Spiele sprechen. Nein, der Öko-Club sind wir sicher nicht.

Nicht zu optimieren ist die (Nicht-)Werbung von Congstar auf den Werbebanden. “Hey Werbung, mach mal Platz für Vielfalt” und dann ein Regenbogen einmal ganz rum, ist schon echt gut. Da hatte jemand echt eine kreative Idee, die positiv im Kopf bleibt. (Werbung ist natürlich trotzdem kapitalistische Scheiße.)

Dagegen echt lahm sind die immer auf den Gegner bezogenen Spruch von Fritz Kola. Mal ganz davon ab stand der Spruch mit den “Heiden heim schicken” schon vor Jahren genau hier. Aber da war das unser Flachwitzgott umsonst und nicht eine teure Werbeagentur.

Zum Glück hat Media Markt seine “Männer”-Kampagne heute nicht im Stadion geschaltet.

Auf dem Platz

Heidenheim ist eingespielt, definitiv eine der Qualitätsmannschaften der Liga und der Schnatterer ein personifizierter Stachel im Fleisch.

Dass wir da über 90 Minuten echt gut dagegen aussehen, zeigt auch, dass wir echt Qualität haben. Nur die brauchen halt 1,5 Chancen für ein Tor und wir Millionen. Seien es nun Ecken, die echt ungefährlich sind, sei es, dass wir zu kompliziert spielen. Da kann man Dinge echt noch optimieren. Mit Henk haben wir (endlich?) wieder einen richtigen (Mittel-)stürmer. Der bei jedem 5,5. Ballkontakt selbst schießt oder einem Mitspieler den Ball auflegt. Und alle 130 Minuten ein Tor macht und alle 175 Minuten einen Assist abgibt. Oder anders gesagt: Alle 75 Minuten an einem Tor beteiligt ist.

Letztendlich bleibt es beim gerechten Unentschieden. Aber wir sind schon gut unterwegs diese Saison.

In zwei Wochen geht es dann nach Oberbayern, genauer nach Regensburg. Flum hat sich gegen Heidenheim die fünfte Gelbe abgeholt. Alles deutet auf den ersten Profistartelfeinsatz von Ersin Zehir hin, der diese Saison bereits sechs Mal Flum ersetzt hat. Der #Sektionsportwetten legen wir einen 2:0-Tipp nahe – und hoffen natürlich, dass Ersin seine weiße Weste behält.

Sonst so?

Einen eigenen Artikel bekommt in der nächsten Woche der Sicherheitsapperat.

Freitag war das Polizeiorchester im Ballsaal zu Gast. Ganz ehrlich: dDas ist echt unschön. Duddes Schergen sind auch dann unerträglich, wenn sie in ein Horn blasen. Das Ganze war nach unserem Kenntnisstand eine Fremdvermietung und die bekommen als Grenzen Stadionordnung und Leitlinien an die Hand gegeben. Und da sind Polizeiorchester nicht verboten.

Klar kann man da was juristisch konstruieren, aber ausdrücklich wäre deutlicher.

So sehr das in einer klaren Welt wünschenswert wäre, dass kein Polizist unser Stadion in Uniform betritt, so sehr müssen wir uns da wohl immer wieder den faulen Kompromiss “Profifußball” vor Augen führen. Kein richtiges Leben im falschen, nech?

Viva la Bernie? Hintergründe zu den auffälligen grünen Plakaten findet ihr hier.

Nov 112018
 

Ich lernte dich vor ca. 15 Jahren auf dem Geburtstag unseres OL kennen. Düsseldorferin durch und durch.

Und schnell verstanden wir uns, und hatten immer wieder Kontakt. Nicht jeder kam mit deiner Art zurecht. „Kurz“ und „halb“ gab es bei dir nicht. Wenn du dich für etwas interessiertest, dann wolltest du alles wissen. ALLES! Wir Fußball Fans neigen ja dazu, die Stadt zu ignorieren, in die wir fahren. Das war nicht deine Welt. Wenn du nach Duisburg gefahren bist, dann hattest du vorher alle Museen und Sehenswürdigkeiten heraus gesucht und per E-Mail verschickt.

So lebtest du auch den FCSP. Wenn, dann richtig. Mitgliedschaft und Dauerkarte waren für dich eine Selbstverständlichkeit. Und das in Jahren, in denen der FCSP in der Regionalliga um sein Überleben kämpfte. JHV? Dann komm ich aus Düsseldorf, lese vorher den magischenfc.de Bericht vom Vorjahr und war wahrscheinlich besser vorbereitet, als andere anderen. Wir sind ja immer erstaunt, dass überhaupt jemand diese 35 Seiten liest. Aber die vom Vorjahr? Ganz oder gar nicht. Wenn dein Herz irgendwo war, dann mit aller Leidenschaft.

Für Düsseldorf warst du ein wandelndes Lexikon. Das mit einer Meinung und einer Liebe für die Stadt. Mit einem „Kölle Alaaf“ am 11.11. konnte man einen liebevollen Vortrag über Karneval gewinnen. Immer auch mit einem Schalk im Nacken, wie es sich für eine Rheinländerin gehört.

Mit deiner unstillbaren Neugier konntest du auch anecken. Nicht jeder konnte damit umgehen. Und so hattest du auch mal Probleme mit der Welt und mit dir.

Gerade als du die alle halbwegs in den Griff bekommen hattest, deine Neugier wieder richtig blühte, kam der Krebs. Du hattest noch soviel, was du wissen wolltest und erleben wolltest. Dazu kommt es jetzt nicht mehr. Krebs ist ein Arschloch.

Rest in Neugier. Wenn es einen Gott gibt, dann frag ihm Löcher in den Bauch.

Der Blogsenior