Jul 022018
 

Vorwort

Zwei Wochen in Amiland, sieben passiv erlebte Baseballspiele und ein aktiv erlebter Triathlon. Durch unsere 10 Jahres Feier ist der Text zu meinem (@slowtrirun) Urlaub deutlich verspätet online, aber da er schon zum größten Teil geschrieben war, will ich euch ihn nicht vorenthalten:

Akt 1 Sweet Home Chicago

Wer dieses Blog regelmäßig verfolgt, wird wissen, dass eine gewisse Liebe für Baseball bei einigen Autoren dieses Blogs vorherrscht. Und aus Gründen, die sowieso nie sachlich und rational sind, hat man schon vor Jahren sein Herz an die Cubs aus Chicago verloren. So war es klar, dass irgendwann ein Trip nach Chicago und Wrigley Field anstehen würde. Und damit sich das ganze noch lohnt, wurde eine ganze Midwest Tour draus, denn Milwaukee und Madison wurden auch besucht. Warum? Das lest ihr später.

Szene 1 Die Vorbereitung

Aus Aktivsportgründen musste mein Fahrrad mit, so dass am 01.06. nachmittags erstmal das fröhliche Demontieren und einpacken angesagt war. Seien wir ehrlich: Ich kalkulierte schon das Risiko eines Schadens ein. Da meine Möhre aber sowieso schon etwas älter und angeschlagen ist, war das ein kalkulierbares Risiko.

Es ging alles relativ schnell und mit wenig Flüchen.

Szene 2 Am Flughafen

Geplant war am 03.06. über Dublin mit Aer Lingus nach Chicago zu fliegen. Der Deal mit dem Radkoffer war, dass die Airline ihn mitnimmt, aber nur soweit Platz vorhanden. Und eine gewisse Gebühr war auch angekündigt. Daher blieb immer eine gewisse Restunsicherheit und daher stand man als Erster und viel zu früh in der Schlange am Schalter.

Lief alles aber vollkommen problemlos, Geld wollte auch niemand haben und durch die Sicherheit am Flughafen kamen wir auch ohne Probleme.

Und gerade als wir uns unseren wohlverdienten Kaffee gekauft hatten, ging das Licht aus. Stromausfall. Sah erstmal für uns so aus, als ob dies nur die Ladenzeile betrifft, denn auf der anderen Seite brannte noch Licht. Doof also für die Stände, aber nix schlimmes. Unser Eindruck änderte sich erst, als wir in Richtung Gate gehen wollten, denn auch bei der Passkontrolle und den Abfertigungen von Maschinen ging gar nix mehr.

Was nun folgte, ist nur mit einem vollkommenen Versagen von Notfallplänen und Informationen zu erklären. Erst nach weit über einer Stunde gab es offizielle Informationen über irgendeinen Kanal. Der Flughafen machte im Endeffekt komplett Tauchstation.

Das beste Argument war, dass man ohne Strom ja keine Durchsagen machen könne. Das ist a. Bemerkenswert, denn immerhin befinden wir uns hier in Höchstsicherheitsbereichen und b. Schlichtweg auch gelogen, denn eine bemühte Air France Bodencrew fand relativ schnell einen Lautsprecher, der funktionierte und lieferte gut hörbar Infos für ihre Gäste und alle anderen, die da rum standen.

Irgendwann dann Evakuierung, Einstellung des Flugbetriebes und Verteilung von Wasser. Nur Informationen, die blieben Mangelware. Irgendwann war dann klar: Heute geht hier nix mehr. Der Flug, den wir hätten nehmen wollen, hatte laut Internet den Flughafen noch verlassen, aber wahrscheinlich ohne wirklich viel Gäste, denn alle Gesichter, die mit uns in der Schlange standen, trafen wir im Terminal wieder.

Es folgten Stunden der Ungewissheit und der diversen Versuche irgendwie Kontakt mit der Airline aufzunehmen. Der örtliche Dienstleister war nicht zu erreichen, die Hotline in Deutschland funktioniert am Wochenende nicht und die Hotline in Irland schickte einen in die Warteschleife. Ein Ort den man mit einem Handy nicht wirklich lange besuchen will.

Informationen blieben Mangelware.

Durch Zufall fanden wir unser Gepäck wieder, es stand im Ankunftsbereich einfach so rum. Stark beschädigt. Zum Glück nur äußerlich, so dass nur ein Koffer am Ende das zeitliche segnete.

Hin zur Beschwerdestelle (die bekanntlich im Ankunftsbereich ist und eigentlich nur erreichbar ist, wenn man in HH mit dem Flieger ankommt) und die dort für den örtlichen Dienstleister arbeitende Dame zauberte eine andere irische Telefonnummer aus dem Hut. Hurra! Dort gelang es dann auch den Flug um genau einen Tag umzubuchen. Wobei angesichts meines schlechten Englisch und des irischen Englisch der Dame am anderen Ende doch ein paar Unsicherheiten blieben.

Montag also wieder früh zum Flughafen, diesmal als Zweiter in der Schlange und in aller Seelenruhe machte der Dienstleister zwei Stunden vor Abflug die Schalter auf.

Die diensthabenden Damen guckten dann sehr schnell sehr erstaunt. Hatten die doch nicht mitbekommen, dass ihre Arbeit nun daraus bestehen würde, Menschen umzubuchen. Für den Ersten benötigten sie ca. 20 Minuten, was angesichts der knappen Zeit schon zu mittleren Tumulten führte. Letztendlich scheinen sie es aber rechtzeitig geschafft zu haben, der Flieger war zumindest voll mit Leidensgenossen.

Hamburg – Dublin, dort bereits durch die amerikanische Einreiseformalitäten, inklusive zweimaligem Scannen des Handgepäcks innerhalb von 150 Metern (ohne, dass man den Sicherheitsbereich verlassen hätte können), Dublin – Chicago, Flughafen – Hotel alles ohne Probleme. Gute Nacht!

Szene 3 Chicago

Chicago am nächsten Morgen erstmal zu Fuß erkundet. Städte mit Wasser sind hübsch. Leider bauen die Amis immer direkt ans Wasser eine große Straße, was das Ganze immer etwas weniger hübsch macht. Städte am Wasser mit Flüssen, die per Hebebrücken überbrückt werden sind noch hübscher. Also ist Chicago eine hübsche Stadt.

Lustig ist die innerstädtische „U-Bahn“, die in einem Kreis auf Stelzen (Loop genannt) fährt. Da unser Hotel auf eine der Kurven dieser Loop blickte, hatten wir wenigstens ein bisschen Blues Brothers Gefühl.

Frühzeitig machten wir uns auf in Richtung Wrigley Field und das Wrigleyville genannte Viertel um das Stadion.

Das Viertel ist St. Pauli schon ein bisschen ähnlich, gibt es doch an beinah jeder Ecke eine Kneipe. Und dies von fein bis Absturz. Wir kehrten in den Tagen einmal in „Murphys Bleacher“ und einmal in der „Nisei Lounge“ ein. Wobei erstgenannte Kneipe mehr so die „hier hat schon jeder berühmter Cubs Fan gesoffen und wir haben sein Foto an der Wand“ Kneipe ist und letztere eine dunkle, leicht punkrockig angehauchte Kneipe mit tätowierten Bedienungen ist. Ratet mal, welche uns besser gefallen hat.

Bier inner Kneipe

Das Stadion an sich ist über 100 Jahre alt und alleine deswegen ein Besuch wert. Es wurde in den letzten Jahren renoviert und auch erweitert, dies jedoch sehr liebevoll und im Stil wie es gebaut ist. Das ist schon sehr gelungen. Der wilde Wein, der an der Mauer zum Spielfeld wächst, ist wohlbekannt, alle Verkaufsstände sind in einer alten Optik gehalten und das ganze ist eng und riecht teilweise stark nach Klostein. Es fühlt sich also irgendwie gut an.

Bär in den Bleachern in Wrigley Field

Auch die Beschallung und Bespassung in den Pausen ist eher zurückhaltend. Vor dem Spiel spielt der Organist irgendwelche Hits in bester Mambo Kurt Manier. In den Pausen laufen unterhaltsame Filmchen über die Videoleinwand. Der Organist spielt seit über 30 Jahren in diesem Stadion und hat seit 2.500+ Heimspielen keines verpasst. Seine Begleitung zu „Take me out to the Ballgame“ ist berühmt. Singen muss dieser Klassiker immer irgendein prominenter Gast. Verlinkt ist die Interpretation von Bill Murray als Duffy Duck während der World Series 2016. Gutes Singen ist dabei nicht erforderlich. Nur Spaß daran, sich ein bisschen selber zum Honk zu machen.

Ein Besuch sind definitiv die „Bleacher“ wert. Dort ist freie Platzwahl und die Stimmung erinnert schon an die Gegengerade. Es wird gesoffen, gegessen, gefeiert, gepöbelt und auch mal supportet.

Sowieso: Amerikaner genießen Sport schon anders, was insbesondere bei einem Sport, der auch mal Pausen hat, irgendwo auch logisch ist. Und der Ultrafan kommt hier nicht mit Fahne und Schal, sondern mit seiner eigenen Scorecard (in der man das gesamte Spielgeschehen einträgt) und einem alten Radio, mit dem man parallel zum Spiel die Radioübertragung des Spieles hört. Was man auch nicht vergessen darf: Bei einer Saison von 162 Spielen (und damit 81 Heimspielen) zählt das einzelne Spiel nicht wirklich so viel wie im Fußball. Und man spielt jeden Tag. Würde man da so emotional wie im Fußball drauf reagieren, ginge man kaputt.

Aber man kann nicht behaupten, dass sie emotional unbeteiligt sind. Wer daran zweifelt, dem empfehle ich Spiel 2 unserer Serie. Da liegen die Cubs zurück, haben nur noch einen Out, es sind zwei Strikes (das ist so ungefähr 95. Minute im Fußball), Jason Heyward steht am Schlag. Toller Verteidiger, passabler Schläger, wenn der Pitcher rechtshändig wirft, aber wenn der mit Links wirft, dann ist er nicht so der Held. Er muss aber, irgendwas. Immerhin stehen drei Mann auf Base und zwei müssen zum Ausgleich ins Ziel. Heyward kämpft, schlägt Bälle Foul, das Stadion steht und brüllt. Und dann geschieht das unerwartete. Er ballert den Ball in das Publikum als Homerun. Das Stadion tickt aus, die Cubs haben gewonnen (Heimvorteil im Baseball, man geht zuletzt an den Schlag, der Gegner kann nicht mehr kontern). Walk-off nennt man das und der Jubel wäre nicht intensiver, wenn St. Pauli so spät zum Sieg treffen würde. Es ist sein erster Homerun gegen einen Linkshänder seit ungefähr jemals und es ist der erste Homerun, den der linkshändisch werfende Werfer seit ungefähr jemals abgibt.

Das ist Baseball, mit welcher Hand man schlägt und wirft macht einen riesigen Unterschied. Und es kann immer etwas passierten, was eigentlich nicht passieren kann.

Das Publikum

Viele Familien, viele „Daddy mit Sohn/Tochter“ oder „meine Nichte guckt heute ihr erstes Cubs Spiel“. Es gibt vereinzelte Auswärtsfans, aber selbst mit einem Cardinals Trikot (größte Rivalen der Cubs) bekommst du nicht viel mehr als ein „was machst du denn hier mit diesem Trikot?“ als Reaktion. Das ist insgesamt ziemlich angenehm. Auch an Jubeln für deine Mannschaft nimmt niemand Anstand. Sorry, aber da kann Fußball noch viel lernen.

Eine Spezialität der Cubs sind Freitagsmittag Spiele. Da sich das Stadion mitten in einem Wohngebiet befindet, müssen die Cubs Freitagsmittags spielen. Nun glaubt aber mal nicht, dass diese Spiele schlecht besucht sind. Ganz im Gegenteil: Es war knüppelvoll. Und es wird dann halt früh gesoffen. Ob es wirklich Leute gibt, die 81 Heimspiele besuchen? Keine Ahnung, aber nach 4 Spielen in 4 Tagen weiß man was man getan hat. Die Spiele dauern nämlich auch immer so gut 3 Stunden.

Noch eine Beobachtung: Mitnichten kommen Amerikaner spät ins Stadion. Sie kommen nur spät auf ihre Sitze, weil gucken, rumlaufen, Essen und Trinken kaufen zelebriert wird.

Der zweite Akt / Triathlon

Szene 1 / Das Vorspiel

Nach dem Spiel am Freitagmittag ging es weiter nach Madison und dem Grund, warum das Rad mit musste. Der Ironman 70.3 Wisconsin wartete auf mich. Der Leihwagen war ein „Midsize SUV“. Was in Deutschland = riesiger Panzer ist. Irgendwas um die 12 Liter pro 100 KM. Umweltschutz ist was anderes. Nebenbei: Wir holten den vor unserem letzten Baseballspiel in Wrigley Field ab. Parkplätze am Stadion gibt es nicht, so dass Privatleute ihre Hinterhöfe vermieten. Für lächerliche und billige 60 Dollar waren wir auch dabei. Immerhin gab es zwei Packungen Erdnüsse frei dazu.

Gut, ab nach Madison

Die Fahrt auf der Highway führte durch Gegenden, die jedem Klischee entsprachen, welche man über amerikanische landwirtschaftliche Gegenden kennt. Das Farmhaus, der typische runde metallische Getreidespeicher und ganz viel landwirtschaftliche Fläche.

 

Auf dem Weg noch das Grab von Harry Caray besucht. Einer Legende unter den Sportkommentatoren, der sichtlich und merklich auf Bier stand, so dass Leute bis Heute Biere an seinem Grab abstellen.

Madison ist eine studentische Stadt, die als hübsch gilt, aber so wirklich schick sind nur die großen Seen in der Stadt, sonst ist sie ordentlich zersiedelt und durch riesige Straßen getrennt.

Nettes Hotel, riesige Zimmer und innerhalb kurzer Zeit war das Rad auch wieder zusammen gesetzt.

Samstag Morgen erstmal Startunterlagen holen und das ging schnell und super organisiert. Man bekam eine Laufkarte und musste dann Stationen abarbeiten. Innerhalb von 5 Minuten war dies erledigt.

Wisconsin beschrieb ein Brauereinangestellter in Milwaukee später wie folgt „we drink beer and make cheese“ und der Stadt nennt sich selber „der Milchprodukte Staat“. Dementsprechend hat auch der Triathlon alles in einer Optik, die an die gute alte Schwarzbunte erinnert.

Meine üblichen 10 Km radeln und 2 km laufen vor einem Triathlonwettkampf fanden dann mittags bei übelster Schwüle statt. Das wäre genau mein Wetter gewesen. Nicht. Dieses trockene Wetter hatte zwischendurch auch zu Warnungen vor Grünalgen und Zweifeln am Schwimmen geführt, die sich dann aber Samstag zerschlugen.

Die Wettkampfbesprechung wurde einfach auf der Wiese gehalten. Vergisst irgendein Powerpoint oder so. Es reichen ein paar Tafeln und ein fröhlicher Moderator. während alle auf dem Rasen sitzen.

Triathlon ist braun-weiß. Auch in Madison

Was dieser Wettkampf nicht hat? Wechselzonenbeutel oder ein Umzugszelt, wie man es sonst von Ironman Wettbewerben kennt. „Legt die Sachen neben das Rad und zieht euch da um“ war grob die Aussage.

Der Rad Check Inn ging auch sehr schnell, die sonst übliche Kontrolle des Rades auf Tauglichkeit fiel hier mehr oder minder aus.

Noch kurz was Essen und ab ins Bett. Start um 7 Uhr? Aufstehen um 4 Uhr!

Szene 2 / Wettkampftag

Erster Blick aus dem Fenster nach dem Wecker klingeln zeigte, dass es aus Eimern schüttete. Das war nun nicht wirklich angesagt. Kurz Wetterbericht gecheckt, spätestens um 7 hört das auf, wurde da behauptet.

Nun ja, es kam anders, denn auch um 7 schüttete es noch. Hinzu kam ein ordentlicher Wind. Der Veranstalter sah sich gezwungen den Start zu verschieben. Der Regen weichte auch alles auf und machte alles matschig.

Um ca. 7:30 ging dann der erste Schwimmer ins Wasser und da es einen Grasabhang ins Wasser ging, war der sogenannte Rolling Start (die schnellsten zuerst und dann je nach Zeit nacheinander) sehr langsam. Denn hätte man schnell ins Wasser gewollt, dann hätte man sich auf den Hosenboden gelegt.

Das Schwimmen

Ich bin ja nun bekanntlich der schlechteste Schwimmer der Triathlonwelt. Und als ich um ca. 8:45 endlich ins Wasser kam, war dieses immer noch komplett aufgewühlt. Starker Wellengang und immer noch ordentlich wind. Man schwomm ein Dreieck, erst gegen die Wellen, dann seitlich zu den Wellen, dann mit den Wellen von Hinten. Angenehm ist keine der drei Möglichkeiten und nach ca. 200 Metern dachte ich sehr ernsthaft darüber nach, ob ich nicht lieber aufgeben wollte. Immerhin war das Wasser wärmer als die Luft und daher beschloss ich mich langsam voran zu kämpfen.

Und kämpfen und langsam fassen es zusammen. Ständig musste man korrigieren, aufpassen, dass man nicht direkt in eine Welle atmet. Und die Strömung musste ständig durch die Beine ausgeglichen werden.

So war für mich auch irgendwann die Cut Off Zeit eine ernste Sorge. Normalerweise bleibe ich sehr klar unter diesen Zeiten, aber diesmal hatte ich das Gefühl, dass es knapp wird. Viele Leute gaben auf oder machten Pausen an den Bojen. Ich kann sie verstehen. Ich hatte irgendwann so etwas wie ein Gefühl für das Wasser und kam voran.

Aber es blieb ein Kampf. Ich würde beinah sagen, dass dies mein langsamstes und mein bestes Schwimmen war. Das hätte ich vor zwei Jahren noch nicht geschafft. Nach 1:02:38 war das Geschaukel geschafft.

Ab zum Rad. Immerhin hatte man bei diesem Wettbewerb Neoauszieher, die fröhlich einem halfen diesen Auszuziehen. Ich weiß, nix für Puristen, aber doch nützlich.

Danke auch an die ganzen Begleitkanuten, die bei übelstem Wetter auf dem See aushielten. Und der Veranstalter hatte mehr als Genug organisiert.

Die Schlammschlacht

Vergisst diese üblichen Teppiche. Auch die gab es hier nicht. Und die Grasnarbe hatte sich aufgrund des Regens verabschiedet. Die Wechselzone war ein einziges Schlammbad. Durchgerannt, umgezogen und aufs Rad. Natürlich wurde dies auch schon mal fröhlich eingesaut. Meine weißen Radschuhe hatten sich auch in Matschbraun neu eingefärbt.

Die Radstrecke

Auf und ab ist das eine. Auf und Ab auf einem groben Asphalt, der null rollt und alles schluckt, ist das andere. Gefühlt gab es nicht einen flachen Meter. Es ging entweder bergauf oder bergab. Und je länger man fuhr, desto höher wurde die Amplitude.

Dazu ganz viele Risse und Schläge im Asphalt, so dass man bei den Abfahrten höllisch aufpassen musste, damit man sich nicht auf die Fresse legt. Der Regen hatte aufgehört, aber es war an vielen Stellen noch feucht oder sandig.

Und als ob dies alles nicht schon nervig genug wäre, kamen auch ständige 90 Grad Kurven zum abbiegen hinzu. Kraichgau ist gegen diesen Kurs ein Witz und rhythmisch zu fahren.

Die Strecke nicht für den Verkehr gesperrt, aber an jeder Ecke stand ein Sherif, so dass die überholenden PKW und LKW (!) sich sehr defensiv verhielten und das ganze entspannt von statten ging.

Die Radstrecke war anderseits richtig toll, denn man war schnell in der Natur. Vögel, die man in Europa nicht kennt, überall Kröten, die einen lautstark anfeuerten und ganz viel Natur.

Hinzu kam, dass jeder (!) überholende Teilnehmer sich immer mit einer Seite ankündigte „to your left“ und einen mit einem „good job“ anfeuerte. Hektik? Oder ein „du machst meine Bestzeit kaputt“ wie es in Europa immer noch üblich ist? Null. Auch nicht, wenn die Leute auf dem Rad brutal schneller sind als man selbst. Wenn man sich mehrfach überholte, dann wurde noch ein fröhlicher Spruch gemacht.

Das FCSP Triathlon Trikot wurde diverse Mal gelobt und gefeiert. So macht Triathlon Spaß.

4:05:50 ist nun nicht die Zeit, die ich mir so vorstelle auf dem Fahrrad, selbst wenn es ein hügeliger Kurs ist. Aber egal.

Die Laufstrecke

Die Wechselzone war nun endgültig ein Schlammloch und so badeten auch gleich die Schuhe und die Füße im Matsch. Schön. Das gibt Blasen.

Mein Plan für das Laufen? Ich darf insgesamt 8:30 brauchen, also rechne ich jede Meile aus, wie lange ich für jede Meile habe. Rechnerisch 13 Minuten pro Meile waren das Ergebnis meiner Rechnung (wahrscheinlich nicht einmal richtig), die ersten Meilen blieb ich klar unter dieser Vorgabe. Lief also. Irgendwie.

Die Laufstrecke war eine Seeumrundung und auch diese war ordentlich wellig. Also die Rennsteigtaktik anwenden. Bergauf gehen, bergab laufen. Funktionierte die ersten Meilen super und flüssig.

Der Veranstalter hatte jede Meile (!) einen Verpflegungsstand organisiert, so dass es wirklich mehr als genug Wasser, Cola, Red Bull und Gele gab. Und Vaseline. Die einem angeboten wurde mit dem Satz „wenn du was merkst, dann ist es zu spät“.

Die Helfer sowieso alle Zucker. „Good Job“, „almost there“ und immer ein fröhliches Wort auf den Lippen. Das bringt Spaß. Und wieder: Wenn man überholt wird, dann wird geschnackt, viel Glück gewünscht und noch gefragt, woher man kommt. Verkrampfte Teilnehmer? Mangelware!

Sehr gut auch: Viele Sanitäter auf Fahrrädern, die einen auch offensiv fragten, ob alles okay ist. Finde ich gut.

Ab Meile 8 wurde ich langsamer und das Ganze wurde dann nur noch ein Spaziergang. Aber immer in dem Bewusstsein, dass ich genug Zeit haben würde. Die letzten Meilen dann direkt am See gegen den Wind, was am Ende nicht ganz so angenehm ist, aber da war schon alles egal, denn das wird ein Finish! Und nur das zählt.

Eine Gemeinheit hatte sich der Veranstalter dann aber doch noch ausgedacht, ging es am Ende doch noch mal steil den Berg hoch.

Im Ziel! 2:54:30 für den Halbmarathon ist ganz passabel. Mit den Wechseln stand am Ende eine 8:18:44. Damit 180. der Agegroup und 1561. insgesamt. In der Agegroup immerhin eine Person hinter mir gelassen. Was will man mehr?

Kurze Pause beim Medizinteam, denn mir wurde doch ordentlich schlecht, aber ein beruhigendes Gespräch später ging das auch alles.

Die Medaille ist ein echter Hingucker und es gab ein Finisherbaseballcap. Wie cool ist das denn? Teilnehmerfunktionsshirt und Rucksack gab es sowieso schon.

Lohn der Arbeit

Fazit: Ein gut organisierter Wettkampf mit ganz viel Herzlichkeit, einer tollen Medaille und einer sehr anspruchsvollen Strecke. Mir hat es sehr gefallen und eigentlich muss ich den noch mal machen. Irgendwann.

Am Abend noch das verschlammte Rad eingepackt, den Sieg gefeiert und sehr müde ins Bett gefallen

Der dritte Akt / Milwaukee

Szene 1 / Die Stadt

Um am nächsten Morgen nach Milwaukee zu fahren. Die nächste Stadt am Wasser. Geprägt durch Industrie und Brauereien. Und doch hübsch. Weil am Wasser. Und mit vielen schönen Parks und Buchten am Wasser. Und ganz viel Autobahn. Weil Amerika.

Wir wurden gefragt, wie man denn auf die Idee käme, in Milwaukee Urlaub zu machen. Tja, weil wir Baseball gucken wollen.

Vorher aber ein Besuch in der Lakeside Brauerei. 12 Dollar für eine Führung und 4 x 0,2 Probiergläser Bier? Das nenn ich mal preiswert. Und die machen gute Biere. Und Biere mit Kaffee drin. Letzteres ist eine Erfahrung, die man einmal gemacht haben muss. Einmal. Auch wenn der Moderator der Führung meinte, dies sei das perfekte Bier für den Morgen.

Die Führung war um 12 Uhr, danach war man gut angelötet.

Danach noch die Altstadt (Third Ward, Gentrifizierung in Reinform) und den direkt daneben liegenden Public Market (sehr spannend) besucht.

Nun war aber auch Zeit für Baseball.

Szene 2 / Miller Park

Puh. Miller Park ist so das genaue Gegenteil von Wrigley Field. Neubau von 2001, an einer Highway im Nichts gelegen, umgeben von riesigen Parkplätzen und irgendwie Gesichtslos. Nun versuchen die Stadien bei einem Neubau immer noch irgendwie Charakter zu geben, aber hier ist das nur bedingt gelungen.

Die Brewers sind örtlich das nächste Team zu den Cubs und für sie ist das auch ein riesiges Rivalitätsspiel. Kleiner Haken: Die Spiele führen immer zu einer riesigen Invasion von Cubs Fans und am Ende war das Verhältnis im Stadion ca. 50 /50. Ohne diese sehr gut besuchten Spiele hätten die Brewers aber wahrscheinlich finanzielle Probleme, da sie als sogenanntes „small market team“ eher am unteren Ende der finanziellen Nahrungskette stehen. Was immer noch heißt, dass sie unfassbar viel Geld haben.

Wir parkten also und stellten fest, dass wir blutige Amateure sind. Der Ami an sich packt erstmal seinen halben Hausstand inklusive Grill aus und beginnt das Tail-Gaten. Die kamen teilweise echt mit komplett vollgepackten Autos. Da wird dann mit dem Kind der Ball hin- und her geworfen, gegrillt, getrunken, Spiele gespielt etc. pp. Niemand hat Angst um sein Auto, aber wenn eine Flasche kaputt geht, wo gerade die Kinder gespielt haben, dann gibt es eine Ansage von anderen Fans.

Das ganze geht auch deswegen, weil auf den Parkplätzen von vorne nach hinten aufgefüllt wird. Und das ohne „aber ich hab da vorne“ oder anderen Ausnahmen.

Das Stadion wirkt doppelt so groß wie Wrigley Field, ist es nicht, aber eben ohne Klostein Geruch und modern.

Das erste Spiel ging in Extra-Innings (kein Unentschieden im Baseballl). Sämtliche Versorgungsstände machten aber konsequent mit Ablauf der 9. Inning zu. Für die Verlängerung konnte man sich also nicht mit Getränken oder Essen eindecken. Und so etwas kann dauern.

Bier gibt es sowieso nur bis zur 7. Inning. Das ist alles schon ein bisschen gewöhnungsbedürftig, so als Europäer.

Letztes Jahr in Philiadelphia guckt mich die Verkäuferin noch komisch an, als ich während der Nationalhymne davon Abstand nehme Bier zu kaufen. Hier macht man das Licht der Verkaufsstände aus und es gibt während der Nationalhymne einfach nix. Sowieso die Amis und ihre Hymne, da kann man wahrscheinlich Doktorarbeiten drüber schreiben. Von außen betrachtet ist es schon eine sehr befremdliche Fetishisierung der Fahne und der Hymne.

Der Schlussakkord

Leider ist der Urlaub schon wieder lange Geschichte, aber an der nächsten Tour wird schon rum geplant. Mal gucken.

Flattr this!

Mai 282018
 

 

Vorwort

Der Bereich für aktive sportliche Betätigungen in diesem Blog führt ein Schattendasein. Was auch daran liegt, dass er sich an teilgenommenen Veranstaltungen orientiert und in einer Vorbereitung auf einen Triathlon kommt man leider nicht dazu viele Veranstaltungen mitzunehmen. Und da wir nur einen aktiven Sportler haben, der sich zu Veranstaltungen begibt, ist die Füllung dieser Rubrik selten. Aber dafür umso herzlicher.

Premiere

So war die Teilnahme am diesjährigen Rennsteiglauf mein erster offizieller Wettkampf dieses Jahr. Nun werdet ihr zu Recht fragen, ob es sich lohnt über 400 KM für einen Halbmarathon zu fahren, aber jeder der schon mal am Rennsteig war, der wird euch bestätigen, dass es sich lohnt. Und dies sei auch schon das vorweg genommene Fazit dieses Berichtes.

Vorspiel

Die Anfahrt am Freitagmorgen war problemlos. Das Navi schickt einen über hessische Landstraßen durch das Werratal, was vielleicht schneller ist, vielleicht auch nicht, aber allemal ist es sehr hübsch. In Thüringen angelangt freut man sich erstmal über die sehr schönen Ortsnamen, die es da so gibt. „Ohrdruf“ ist ein Beispiel. Und wenn man sich dem Mittelgebirge des Thüringer Waldes nähert, wird es immer hübscher. Ziel und Übernachtungsort für mich war Oberhof. Wer Wintersport verfolgt, der wird diesen Ortsnamen schon einige Male gehört haben, denn gefühlt jeder Thüringer Olympiasieger ist entweder hier oder in einem der Nachbarorte geboren.

In Oberhof wurde dann auch der Rest der Gang angetroffen. Neben der @sielaeuftde noch Menschen ohne Twitter, die wir zum größten Teil von der berühmten misslungenen Teilnahme am NY Marathon kennen. Eine herzliche Gang, die einem so ein Wochenende sehr lustig macht.

Prägend für das Wochenende war die ungefähr erste Forderung von @sielaeuftde nach meiner Ankunft „ich will eine Bratwurst“. Thüringen das Land der Bratwürste und so gab es erstmal um 12:30 eine gepflegte Bratwurst aufs Brötchen.

Was ist eigentlich Rennsteiglauf?

Die Startnummern sind im jeweiligen Startort abzuholen. Ja, es gibt mehrere, denn wie in der Ex-DDR sehr beliebt handelt es sich auch hier um einen Point to Point Lauf. Etwas vereinfacht könnte man sagen, dass man sich aus zwei Richtungen auf Schmiedefeld zu bewegt. Die Halbmarathonläufer und die Supermarathonläufer (73,5 KM) von links, die Marathonläufer von rechts.

„Der Rennsteig ist ein 170 km langer Kammweg“ behauptet Wikipedia. Und auf diesem Kammweg haben 1973 vier verrückte Läufer dem Pädagogen Johann Christoph Friedrich GutsMuths gedenken wollen und sind auf dem Rennsteig 100 km gelaufen. Aus dieser Schnapsidee entwickelte sich dann über die Jahrzehnte das heutige Laufspektakel.

Herr GutsMuths war in der Turnbewegung tätig und einer der „Gründungsväter“ dieser Bewegung. Der Wikipedia Eintrag ist eher eindimensional, eine gewisse Vorsicht bei der Verherrlichung der „Turnväter“ ist wohl angebracht. Bis heute gibt er dem Lauf seinen Namen.

Spektakel ist die richtige Bezeichnung, denn an der Veranstaltung mit ihren unterschiedlichen Strecken nehmen insgesamt um die 16.000 Leute (Finisherzahl 2017) teil.

Die Abholung in Oberhof für den Halbmarathon verlief trotz insgesamt 8.000 Meldungen problemlos und schnell.

Der Rest des Vortages

Nebenan bei Sport Luck (Inhaber Frank Luck, Olympiasieger in Lillehammer und Nagano) war danach Merchkauf angesagt. In der heutigen Zeit, wo man für eigentlich jedes normale Baumwollshirt schon 30 Euro bezahlt, sind Preise von 20 Euro für ein Funktionsshirt sehr angenehm. Ich musste zugreifen.

Als Hotel hatte ich das „Treff Hotel Oberhof“ gebucht. Dies erwies sich Betonbunker im sozialistischen Stil. Hübsch ist was anderes, aber dafür waren die Zimmer gut, das Personal nett und die Betten bequem.

Die Klosparty haben wir geschwänzt und nach einem Abendessen in einem Restaurant vor Ort, war auch schnell Bettruhe angesagt.

Rennsteiglauftag

Denn früh klingelte der Wecker, kurzes Frühstück, die @sielaeuftde kurz verabschiedet, die sich mit dem Bus zum Marathonstart auf machte und dann mit der Halbmarathongang zum Start gegangen.

Seinen Beutel schmeißt man unsortiert in LKW, nur um ihn erstaunlicherweise am Ende sortiert auf einer Wiese vorzufinden. Respekt an die Menschen, die in ca. 2 Stunden aus 8.000 Beuteln eine Reihenfolge herstellen.

Bei der Abgabe auch den Thüringer Blitz aka Lauffreund Sven getroffen. Ich denke, dass ihr seinen Bericht hier nachlesen könnt.

In die Startaufstellung einsortiert, die nach folgendem Prinzip funktioniert: Du bist das erste Mal dabei? Dann startest du hinten. Du bist schon mehrfach dabei? Wir ordnen dich nach deiner Zeit der Vorjahre ein, die du hier gelaufen bist. Sowieso wird mehrfache Teilnahme sehr honoriert und hoch gehalten. Dazu aber später noch mehr.

Und dann begann die Musikbeschallung. Und ich kann euch sagen, dass ich für Leute, die entweder Mallepartyhits und deutschen Schlager mögen, oder hart im Nehmen sind. Dazu noch das Rennsteiglied.

Gut, dass Sven da perfekt textsicher ist. So kommt man als Tourist mit Mitschunkeln aus.

Mehrfache Teilnahme

Das ganze ist ein Lauf der Freaks und Freaks, die hier über 30 Mal mitgelaufen sind, gibt es unzählige. Man hat das dann auch auf seinem Shirt stehen und der Moderator am Start und im Ziel honoriert dies ausführlich. Das ganze macht sympathisch, denn da kommt der 80 jährige mit der 41. Teilnahme ins Ziel des Halbmarathons nach 3:50 und wird im Endeffekt genauso ausführlich gewürdigt, wie der Sieger des Supermarathons. Oder man führt seine ganzen Startnummern der Jahre mit. Oder den Originalfischerhut vom 12. Rennsteiglauf (1985) oder oder oder. Unfassbar. Und dann steht man da im Ziel und an einem läuft ein Teilnehmer auf der Marathonstrecke vorbei, der folgendes auf dem Shirt stehen hat „Jahrgang 37, 37. Teilnahme“. Und der kommt nach einer Zeit von 5:30 ins Marathonziel. Was für Freaks.

Los geht es

Der Startschuss wird vom Innenminister gegeben, der auch mitläuft und auf die Frage wer denn noch aus der Regierung mitlaufe sagt, dass er dies gar nicht wisse und ein Innenminister ja auch nicht alles wissen müsse. ACH? Seit wann das denn? 😉

Die Marathonläufer werden ziemlich zeitgleich von Bodo Ramelow auf den Weg geschickt und diese Dichte an politischer Prominenz zeigt auch, welche Bedeutung dieser Lauf für Thüringen hat.

Ich setzte mich in Gang und hab gedacht, dass die ersten KM ob der Konstruktion der Startaufstellung eher hektisches Überholen sein wird. Aber siehe da: Es lief extrem entspannt ab. Wenn jemand schneller war und überholen wollte, dann frage er entweder ruhig nach oder wartete auf eine entsprechende Lücke. Trotz 8.000 Teilnehmern und trotz einer schnellen Einbiegung auf schmale Wanderwege wurde es nie hektisch, keiner drängelte und alles lief entspannt an.

Der Rennsteig ist nicht gerade flach. Keine Ahnung, wieviel Höhenmeter es insgesamt gibt, aber es sind einige. Ich hatte mir vorgenommen unter 3 Stunden ins Ziel zu kommen und mich an den Anstiegen nicht zu übernehmen. Und so beginnt das Hin- und Her des Laufs. Einige sind schneller rauf, andere schneller runter, die Positionen wechseln munter. Eine Läuferin schätzte, dass wir uns am Ende ungefähr 10 mal überholt hatten und ich kann ihr nicht widersprechen.

Ich lief bei gleichmäßigen Puls und hatte trotzdem einen KM bei 9:46 und einen bei 5:44 (lustiger weise KM 19). Das sagt wohl alles über das Gelände aus. Entschädigt wird man aber durch tolle Ausblicke und ganz viel Natur.

Was für mich Stadtläufer ungewohnt ist und auch nicht ohne Gefahr sind die diversen Rinnen und Wurzeln auf den Wegen. Leider hat es hier einige Teilnehmer ganz ordentlich abgepackt und einige blutige Knie oder blutige Stirne sah man im Ziel. Auf der Marathondistanz war einmal selbst der Rettungshubschrauber von Nöten. Hoffen wir mal, dass sich alle Unfallopfer auf dem Weg zur Besserung befinden. Aber auch hier: Kein hektisches weiterlaufen, kein ignorieren des Gestürzten. Sofort blieben Leute stehen, halfen ihm und kümmerten sich um ihn. Und der Rest unterbrach sein Rennen und machte Platz.

Mein Zeit Ziel verschob sich ab km 13 immer weiter nach vorne. Da es beinah durchgängig Bergab ging und ich noch viele Körner übrig hatte, gab ich nun Gas, überholte sehr viele Teilnehmer und ballerte mehrere KM in einer 6er Pace in den Waldboden. Ein ziemlich giftiger Anstieg bei KM 16 war mir vorher angekündigt worden und wenn man weiß was passiert, dann nimmt man den ganz elegant mit.

Bei 2:41:25 offiziell blieb die Uhr stehen und mit dieser Zeit kann ich sehr gut leben. Schnell war meine Gang wieder eingesammelt und die Wartezeit auf unsere Marathonläufer vertrieben wir uns mit Bratwurst, Bier und rumliegen. Und da man nach so einem Lauf nicht sehr viel braucht, waren wir auch schnell gut angetrunken.

Die Party

Irgendwann hatten wir dann alle im Ziel und nach Dusche und Abendessen fanden wir uns auf der Party in Oberhof wieder. Und was da zu einer Mischung von Partyhits, Schlager und Rennsteiglied abgeht, ist nicht in Worte zu fassen. Da tanzen Leute mit einer Supermarathonmedaille ausgelassen auf den Tischen und das Rennsteiglied wird mitgebrüllt.

Es ist eine komplette Parallelwelt in der alle durchdrehen. Nur über die Qualität der Lieder darf man nicht nachdenken, da war u.a. auch „Hamburg meine Perle“ bei.

Wiedersehen

18.05.2019 ist der nächste Rennsteiglauf und ich würde sagen, dass die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Starts sehr hoch ist. Das macht in seiner entspannten Atmosphäre doch sehr viel Spaß.

 

Jetzt aber erstmal

Nach Madison im Bundestaat Wisconsin wo am 10.06. der Ironman 70.3 für mich auf dem Programm steht. Ich werde berichten.

Flattr this!

Sep 252017
 

Der Lauf durch das schöne Alstertal ist eine Veranstaltung, die im Kalender vieler Läufer in Hamburg ihren festen Platz hat. Obwohl sie traditionell am gleichen Tag wie der Berlin Mara-thon ausgetragen wird, ist sie eigentlich immer ausverkauft.

Und auch diesmal waren alle Strecken voll und je nach Lust und Liebe teilten sich die Teil-nehmer auf die 4,10 oder 21 KM auf. Letztere auch als Ende des Hamburger Laufcup laufbar.

Als Strecke dient der Alsterwanderweg von Ohlsdorf bis nach Lemsahl-Mellingstedt. Wer diesen Teil Hamburgs nicht kennt, dem sei sehr stark empfohlen dort mal eine Lauf-, Wander oder Radrunde zu absolvieren.

Da das ganze eine Endmoränenlandschaft ist und die Alster hier ein Gletschertal nutzt, ist dieser Lauf nicht wirklich nur flach. Gerade im Mittelteil befinden sich heftige Anstiege. Kurz und giftig ist hier das Stichwort.

Früh Startnummer holen und einen der wenigen Parkplätze in Startnähe sichern, war meine Devise. Hat gut geklappt, obwohl ich beinah in ein Wahllokal getorkelt wäre und dort meine Startnummer verlangt hätte.

Aber das konnte alles gelöst werden, ich meine Nummer greifen und dann die Dixies suppor-ten. Wenn es eine Partei gäbe, die mehr Dixies bei Laufveranstaltungen fordern würde, ich würde meine Stimme ihr geben. Immerhin hatte der Veranstalter für die Herren der Schöp-fung Stehklos geschaffen, was den Stress für Dixie und Flora und Fauna stark minimiert.

Der Lauf wird brutto = netto gewertet, was aber angesichts eines kleinen Lauffeldes und dem Verlust von vielleicht 30 Sekunden beim Start nun nicht wirklich ein Problem ist. Danach hat man genügend Platz und bei bedecktem Wetter kam es auch später nicht zu einer Spaziergängerinvasion, die sonst teilweise das ganze etwas enger macht. Aber das ist halt ein Landschaftslauf und keine schnelle Bestzeitenveranstaltung.

Das hatten auch nahezu alle Teilnehmer verstanden, so dass Überholvorgänge und auch Entgegenkommen eigentlich immer ruhig und besonnen gelöst wurde. Das hab ich auch schon ganz anders gesehen.

Für mich zählte nur das ankommen. Wenn man 14 Tage vorher eine Halbdistanz absolviert hat und dies als Saisonhöhepunkt galt, dann ist man dann doch noch relativ müde in den Beinen. Man mag sich das ja nicht zugeben, aber so ist es.

Daher schlug ich ein gemütliches Tempo von 7:00 bis 7:10 pro Kilometer an. Je nachdem, ob es flach war oder auch mal eine Steigung drin war.

An der Mellingburger Schleuse dann die erste richtig harte Steigung. Gehen war angesagt und hier nun heldenhaft hochzulaufen macht keinen Sinn.

Man ist nun bei Kilometer 8 und es beginnen 4 Kilometer Berg- und Talbahn. Immer auch wieder mit aufmunternden Zuschauern und Helfern. Danke dafür.

Ich lief ein Stück mit einer netten Gruppe, die sich nach unserem Knochentrikot erkundigten, hatte so ein bisschen Ablenkung und war schneller und besser aus der Berg- und Talbahn, als ich gedacht hatte. Nun schlug ich eine 6:30 bis 6:45 Pace für die letzten 8 Km an, was rückblickend etwas schnell war, denn ca. 2 Kilometer vor dem Ziel war der Ofen mal so rich-tig aus.

Zwischendurch noch die Dame mit der ich mich beim Heldenlauf immer abgewechselt hatte aufgelaufen, sie war im Cup unterwegs, hatte das insgesamt zu einem 35 km Trainingslauf gemacht und war bei KM 29 dieser Übung doch ein bisschen am Leiden. Aber ich hoffe, der gewonnene New York Marathon Platz motiviert. Alles Gute gewünscht und weiter gelaufen.

Und dann halt zwei KM vor dem Ziel so richtig eingebrochen und den Rest mehr oder minder gegangen. Egal.

Im Ziel gab es dann die zu diesem Lauf gehörende Tasse. Meine vierte aus vier verschiede-nen Jahren. Viele Teilnehmer nehmen keine, was ich ehrlich gesagt nur bedingt verstehe. Das ist hier doch die Medaille und ich sammel nun mal Medaillen. Ich der im Sport in der Schule nie eine Urkunde bekommen habe, ist immer noch stolz auf jede Medaille und jede Tasse. Danke lieber Veranstalter, dass es bei euch so etwas gibt.

Fertig, ab zum wählen gehen. Im ersten Stock. Verzweifelter Blick und zum Glück ein Fahr-stuhl. Und ey ihr 26 AfD Wähler in meinem Wahllokal: Ich bin zwar langsam, aber garantiert schnell genug, um euch die Leviten zu lesen.

Flattr this!

Sep 172017
 

Ich kann ja nicht anders. Ich muss immer wieder auf die Halbdistanz. Und dies obwohl mein äh sonstiger Lebenswandel damit nicht zu 100 % kompatibel ist. Um es mal so zu formulieren.

Dazu kommt: Ich habe mich unsterblich in eine Veranstaltung verliebt. In die Challenge Almere.

Allgemeines

Almere ist eine Kunststadt auf künstlich erschaffenen Land in einem künstlich geschaffenen See. Und doch werdet ihr an wenigen anderen Stellen soviel Natur erleben. Der Ijsselmeer, der Markermeer (laut Wikipedia sind beides Binnenseen und damit der See) und Flevoland sind ein Vogelparadies und es wimmelt von Vögeln.

Almere selber hat den Nichtcharme einer 70er Jahre Bebauung, ist jedoch mit viel Platz und einem komplett den Autoverkehr nie kreuzendem Radwegenetz geplant. Radwege und Straßen laufen immer über- oder untereinander durch die Stadt.

Anreise

Ging ganz in Ordnung, wenn wir mal von ständigen Regengüssen und einer Vollsperrung absehen. Am Hotel angekommen, hatten mein Navi und die Realität noch ein paar kleine Abstimmungsprobleme, aber dann war das Hotel gefunden.

Das Hotel war letztendlich ein absoluter Glücksfall, aber als ich ankam war da noch richtig Party. Das änderte sich aber zur Schlafenszeit.

Warm up, Briefing, Check In

Am nächsten Morgen weckte mich das Pladdern des Regens an die Fenster. Ein Blick auf den Wetterbericht zeigte schnell, dass zumindest für diesen Freitag keine Besserung zu erwarten war.

Lasse ich dann meine üblichen 10 Rad / 2 Laufen am Tag vorher sein? Ich entschied mich dagegen, alleine weil der Wetterbericht für den Tag danach auch Regen versprach, so dass eine Runde im Regen als Übung vielleicht ganz gut ist. Spaß macht es trotzdem nicht im strömenden Regen zu radeln und dann zu laufen. Lief aber alles sehr locker und schnell. Alle Systeme auf Grün, kann los gehen.

Im Hotel zweifelte ein Langdistanzler an seinem Start und ich kann ihn verstehen. Das ist bei diesen Bedingungen immer noch ein anderes Brett.

Das Briefing brachte nix wirklich Neues. Wie immer. Ich gehe trotzdem jedes mal brav hin.

Alle Helfer freundlich, zweisprachig und zuvor kommend. Eine der Stärken dieser Veranstaltung.

Check In dementsprechend auch schnell erledigt. Nur blieb jetzt Zeit bis zur Carboloadingparty.

Die ich mit dem zum scheitern verurteilten Versuch verbrachte eine Winterjacke ohne Fellkragen und/oder Daunen zu finden.

Die Carboloadingparty war klasse. Gute Auswahl, nicht nur Nudeln und schmackhaft. Nur viel zu voll. Es bildete sich eine riesige Schlange. Die Kapazitäten sind mit 3.300 Teilnehmern über alle Distanzen und Tage dann wirklich an den Grenzen.

Aber freundliche Helfer mit einem Schnack auf den Lippen machen alles wieder gut.

Kurz noch ein Eis für den Rückweg und ab ins Bett.

Renntag

Der Wecker klingelt und es gießt immer noch. Na toll.

Hinfahren, Parkplatz, Rad checken. Nass aber sonst okay. Viele verringerten den Druck ihrer Reifen, wohl um Rutscher und Pannen zu vermeiden.

Das Gute in Almere: die Beutel hängen trocken, das für mich nicht so Gute: Man muss über eine Behelfsbrücke zum Start. Und da man ja bekanntlich auf einem Bein nicht stehen kann und ich letzte Woche schon einen Sturz hatte, rutschte ich die Treppe runter und erstmal tat alles weh und verkrampfte. Puh? Nicht starten? Glücklicherweise ging es nach 5 Minuten wieder.

Ab ins Wasser

Das Schwimmen

Geschwommen wird in einem sehr flachen Binnensee, der vor dem Rennen extra noch mal gemäht (!!!) wird, sprich von Algen befreit wird.

Damit ich als langsamer Schwimmer nicht für spätere Wellen im Weg bin, schwimme ich eher außen. Und da war das Mähen nicht so erfolgreich gewesen. Ständig hatte ich Grünzeug im Gesicht oder in den Fingern.

Gefühlt ging es gar nicht voran, es war zäh und irgendwie lief es nicht. Und gefühlt war ich weit über einer Stunde unterwegs. Umso überraschter war ich von den geschwommenen 56:48. Das ist für mich super.

Ab in die Wechselzone. Da Zeit gelassen, auch weil ich -wie eigentlich alle anderen Teilnehmer- erstmal warme Sachen anzog.

Das Radfahren

Erstmal 5 km auf sehr engen Wegen und ich werde nie verstehen, wie man hier als schnellerer Überholer nicht in der Lage ist mal kurz „hey“ oder so zu brüllen. Die Wege teilweise auch kurvig und eckig. Ich schenkte mir daher eine Überholung bis wir auf dem Deich waren. Auf dem dann mehr als genug Platz ist. Lieber 30 Sekunden verlieren, als zusammen mit einem anderen Teilnehmer auf dem Asphalt liegen.

Die Radstrecke geht gut 40 km auf dem Deich, dann quer durchs Land und am Ende noch mal auf den Deich zurück.

Prinzipiell eine schöne Strecke zum rollen, sie hat aber auch ein paar Tücken. Zum einen ist es nicht überall Asphalt (sondern auch mal Gehwegplatten oder ähnliches), zum anderen ist dieser nicht immer perfekt. Und zum Dritten gibt es Viehgitter in der Strecke.

Dies alles und die nassen sorgten doch für viele Pannen, die ich sah. Leider auch einige Stürze. Ich hoffe ohne ernste Folgen.

Die ersten 5 Deichkilometer noch quer zum Wind, dann aber mit Rückenwind und es folgten gut 30 km Segeln. Der Tacho fiel nie unter 30 km/h und dies ohne Vollgas zu treten.

Aber ihr wisst alle was dies bedeutet: Man muss irgendwann auch wieder gegen den Wind zurück.

Und dies ist die mentale Herausforderung dieses Rennens. Nach 45 gefahrenen Kilometern ändert sich der Charakter des Rennens komplett. Da muss man sich erstmal drauf einstellen. Und auch ich musste mir immer wieder klar machen, dass es nicht schlimm ist, wenn der Tacho mal 24 km/h anzeigt. Nach gut 10 km war dies auch gelungen und ich hatte einen Rhythmus.

Und die Beine fühlten sich locker an. Zwar merkte ich ab km 75 was ich getan hatte, aber dieses Gefühl des vollkommen fertig seien, was ich sonst gerne mal habe, das kam nicht.

Nach 3:27:05 sprang ich vom Rad. Wieder eine etwas längerer Wechsel und ab auf die Laufstrecke.

Der Lauf

Ich begann wieder mal viel zu schnell. Auch das ist ein Klassiker bei mir im Triathlon. Nach zwei Kilometern daher erstmal eine kleine Gehpause und eine innere Ermahnung hier nicht zu überdrehen.

Die Runde um den See wird von blau gekleideten Freaks nach der Hälfte aufgelockert. Die haben eine Discoanlage, spielen üblen Kirmestechno und feuern jeden Teilnehmer wie verrückt an. Das ist echt großartig.

Ich hatte nun ein Tempo gefunden und außer kleinen Gehpausen zum Verpflegen lief es.

Erste Runde in 48:34 Minuten.

Auch die zweite Runde lief. Es kam kurz die Sonne raus, aber bevor ich überlegen konnte, ob es mir vielleicht noch zu warm wird, kam die dunkle Wolke und es folgte ein Wolkenbruch. Inklusive Hagelkörner. Die Ärmsten, die da noch auf der Radstrecke waren.

Zweite Runde in 52:41

In der dritten Runde konnte ich dann das Tempo nicht mehr ganz halten, brauchte etwas längere Verpflegungspausen ;-). Aber es rollte immer noch. Ich überholte noch einige langsamere Läufer.

Und wurde vom Gewinner der Langdistanz überholt. Aber egal.

Nach 7:18:48 war ich zufrieden im Ziel. Platz 975 von insgesamt 984 Teilnehmern, die ins Ziel kamen. In der Altersklasse 146. Platz von 147 in Ziel gekommenen. Der 147. hatte vor dem Laufen noch 31,5 Minuten Vorsprung auf mich. Und ist dann komplett eingebrochen.

Halbmarathon in 2:37? Damit kann ich aber richtig gut leben.

Fazit
Almere hat sich wieder gelohnt und trotz des nassen Wetters hat es sehr viel Spaß gemacht. Ich komme wieder. Keine Frage.

Flattr this!

Sep 042017
 

Warnung!

Dies ist ein Bericht über aktive sportliche Aktivitäten einzelner Schreiberlinge dieses Blogs. Wenn ihr die üblichen Fußballanalysen lesen wollt, dann bitte nicht weiter lesen.

Wir haben uns entschlossen, diese Rubrik wieder zu befüllen, weil dies doch einfacher ist, als irgendwo noch einen eigenen Blog zu befüllen, der aus diversen Gründen nicht mehr zu dem primären Aktivsportler dieses Kollektives passt. Die Berichte sind durch das Wort „Aktivsport“ im Bericht gekennzeichnet.

Ansonsten viel Spaß mit den aktiven sportlichen Erlebnissen.

Das Airportrace 

Eine Instution im Hamburger Laufkalender ist das Airportrace. Bereits die 34. Auflage wurde dieses Jahr veranstaltet. Das Rennen umrundet einmal die Fuhlsbütteler Flughafen und geht über die ungewöhnliche Distanz von 10 Meilen.

Meine letzte Teilnahme datiert aus dem Jahre 2013, seitdem passte dieses Rennen nie in den eigenen Laufkalender. Umso schöner, dass die Veranstaltung diesmal auf das Länderspielwochenende fiel und ich eine Teilnahme verwirklichen konnte.

Da nächste Woche nun der Jahreshauptwettkampf geplant ist, war das Ziel nicht sich zu verausgaben und hier auch keine Stunts zu veranstalten. Das dies letztendlich nicht so wirklich klappte, da wird drauf einzugehen sein.

Vor dem Rennen

Das ganze ist von der BMS (mit-)organisiert und der Name steht für eine gute Qualität an Organisation. So gibt es einen ausgeschilderten Parkplatz, der zwar ein Euro kostet, aber das ist ja okay. Es gibt eine vielgenutzte „Fahrradgardrobe“ und die Startnummer ist schnell ergattert. Übergeben durch ein Abteilungsmitglied, so dass auch noch ein bisschen Plausch und Freude möglich war.

Danach galt wieder mein Lebensmotto „Dixiklo macht Läufer froh“. Details möchte ich an dieser Stelle verheimlichen.

Was fehlte: Die Motivation. Die war trotz sonnigem Wetter anscheinend im Bett geblieben. Die Hüpfburg sah echt verlockend aus. Und auf eine Hitzesonnenschlacht hatte ich auch nicht wirklich Lust. Denn so schön der Kurs ist, er ist doch für sehr weite Teile in der Sonne.

Nun gut, irgendwann war dann die „nützt ja nix, du hast bezahlt“ Stimmung da und es konnte los gehen. Nicht ohne vorher noch von einem Mädel angesprochen zu werden, ob man nicht eine Woche vorher beim Heldenlauf gewesen sei. Jo, war ich und da hatten wir uns über Kilometer immer wieder abgewechselt, wer gerade schneller war. Am Ende hatte sie mich dort verheizt.

 

Das Rennen

Ich hatte mir als Ziel gesetzt irgendwo knapp unter 1:50 zu finishen. Und dabei die Kilometer relativ konstant zu laufen. Zu Beginn ging es natürlich wieder ab wie Schmidts Katze, da es zu Beginn Asphalt ist und die Leute auch ihr eigenes Tempo überschätzen. So war bereits ab Kilometer 5 fröhliches einsammeln angesagt von Leuten, die einfach ein viel zu schnelles Einstiegstempo gewählt hatten. Ich kenn das aber von diesem Lauf selber. Man will den immer wie einen 10 KM Lauf angehen. Aber 16 km sind halt 60 % mehr.

Durch ein Parkhaus windet man sich nach oben und tauscht dann die Straße gegen engere Wege ein. Es wird ein bisschen eng bei irgendwas um die 2000 Teilnehmer, insbesondere wenn einem noch Spaziergänger oder ähnliches auf den nicht ganz abgesperrten Wegen entgegen kommen.

Bei Kilometer 6 gibt es Wasser und ich bin gut im Plan. Ich habe eine Minute Vorsprung auf meine gewünschte Zielzeit und fühle mich locker. Dann geht es durch ein kleines Waldstück in Richtung Krohnstiegtunnel. Und hier passiert das Unglück. Ich laufe hinter einem Paar, die genau mein Tempo gehen. In der Mitte des Weges befindet sich ein Baumstumpf, der wahrscheinlich zu Beginn des Rennens noch ebenerdig war, nun haben aber ca. 3000 Füsse ihn richtig schön aus dem Sandboden herausgearbeitet. Die vor mir können noch knapp ausweichen. Ich nicht mehr. Ich bleibe hängen, stolpere, versuche mich noch abzufangen und batsch. Liege ich auf der Fresse. Zum Glück habe ich den vor mir zwar berührt, aber nicht mit umgerissen, so dass ihm nix passiert. Er und seine Begleitung bleiben sofort stehen, helfen mir auf. Danke dafür!

Schadensbericht? Das Knie ist blutig, die Hände auch, die Schulter voller Sand. Kurz geguckt, ob alles noch geht, weiterlaufen. Zumindest bis zu einer Wasserstelle, wo auch Feuerwehr ist, die sich das ggf. mal ansehen kann. Natürlich brennt das und ist unangenehm, aber Adrenalin ist schon ein geiler Saft. Daher kann ich mein Tempo halten.

An der Wasserstelle dann also kurze Notverarztung. Ist aber alles nur eine oberflächliche Schürfwunde. Nix was mich umbringt oder was ein Weiterlaufen verhindert. Meinen Vorsprung auf mein Ziel hab ich natürlich nun vollständig verloren.

Und nun geht es den Weg zwischen Schrebergärten und Flughafenzaun entlang. Man hat da was zu gucken, aber wirklich gut überholen oder Tempomachen ist auf den teilweise unebenene und steinigen Wegen nicht mehr möglich. Insbesondere, da ich nicht noch einen zweiten Sturz riskieren will.

Freunde getroffen, die einen noch freundlich bepöbeln und dann endlich ist man wieder auf der Straße und nah am Ziel.

Das Airportrace ist bis dahin flach. Wenn man mal von Parkhaus und Krohnstiegtunnel absieht. Aber direkt vor dem Ziel macht der Lauf noch einen Schlenker, damit man auf 10 Meilen kommt und genau dieser Schlenker ist mit einem ordentlichen Anstieg gesegnet. Und Anwohnern, die einem mit „In 400 Metern wird es wieder flach!“ Mut und Respekt gleichzeitig einflößen.

Ich versuche noch einen Endspurt, was auch gelingt und den letzten KM nah an die 6:00 drückt. Aber insgesamt hat Sturz und Verarztung zuviel Zeit gekostet, um eine 1:50 zu unterbieten. Am Ende fehlen auf meiner Uhr 7, in der offiziellen Zeitmessung 6 Sekunden. Egal.

Ein Fazit

Die Dame vom Anfang auch wieder getroffen, gratuliert, aber das Nicht-Duell auf 1-1 gestellt. Diesmal war ich schneller. 🙂

Insgesamt ein gelungener Lauftag.

Flattr this!

Nov 152013
 

oder

Kraichgauer Lach- und Sachgeschichten

 

Liebe Freunde des gepflegten Ausdauersports,

wir wissen wohl, wie wir die Welt retten können, schrieb mal ein kluger Mensch auf Twitter. Wir haben diese Lösung nur deswegen bisher nicht gefunden, weil sie in einem EULA versteckt ist. Dem einzigen seitenlangen Machwerk, welches Menschen in 0,1 Sekunden lesen können. Und weil es mit Juristerei zu tun hat, muss ich doch noch ein paar Worte zu der Frage Challenge/Ironman/Kraichgau schreiben.

Wie an diesem unbedeutenden Ort schon ausgeführt, sind Label nur Label und ob nun Ironman oder Challenge ist erstmal vollkommen egal.

Für einige Menschen wird das ganze aber ein Rührstück aus der Reihe „verzockt“.

Die Auswirkungen für den durchschnittlichen Hobbytriathleten scheinen eher gering, da im Gegensatz zu einigen Vermutungen eine Absage wohl nicht im Raume steht, denn die Organisation im Kraichgau geht davon aus, dass das Rennen stattfindet und wohl unter dem Challenge Label. Kleiner Hinweis zum verlinkten Blog: Wenn man so einen Artikel schreibt, dann kann man als Fußnotenquelle sich selbst angeben, aber das wäre zumindest unter meiner eigenen Bloggerehre. Ob und wieweit da Informationen vorhanden sind, kann und ich will ich nicht beurteilen.

So hoffen wir mal für alle angemeldeten Athleten, dass die Auswirkung für sie gering bleibt und man sich auf die hübsche Strecke freuen kann. (Für die es ziemlich egal ist, welches Zeichen am Rand klebt.) Aber die Kraichgau-Organisatoren mussten wohl etwas sehr schmerzhaftes lernen, was meine Wenigkeit als Jurist euch alle auf den Weg geben will:

Lies verdammt noch mal deinen Vertrag! Und lasse von einem Juristen prüfen, bevor du glaubst, dass er ausgelaufen ist und du frei bist zu agieren.

Hüte dich dabei vor juristischen Gefälligkeitsgutachten! Juristen sind sehr geschult darin dir zu erzählen, dass alles toll ist und du ganz einfach aus diesem Vertrag kommst. Leider! Gute Juristen erzählen dir überzeugend, dass an einem 30 Grad Juni Tag noch Schnee fallen kann. Das ist Teil ihres Berufes. Hinterfrage das!

Und ganz im Notfall: Frage deinen Vertragspartner, wie er eine Klausel sieht. Er wird dir die ehrlichste Antwort geben.

Denn: Nichts ist blöder, als wenn du meinst da raus zu kommen, dich an die Öffentlichkeit (oder auch nur deinen neuen Arbeitgeber) wendest und dann kommt raus: Oh Mist, ich komm gar nicht raus. Haben die Kraichgauer gerade ganz doof gelernt und dafür ganz viel einstecken müssen. Mehr, als nur einen unfreundlichen Anruf eines Rother Anwaltes. Am Ende steht man nämlich sehr schnell ohne alten und ohne neuen Vertragspartner dar. Und das ist richtig Scheiße.

Und noch etwas lehrt das Leben: Eine einzigartige Chance, die nur dadurch genutzt werden kann, dass du einen gültigen Vertrag brichst, ist keine Chance.

 

 

 

 

Flattr this!

Okt 312013
 

Liebe Leser,

zwei Berichte an einem Tag in der Kategorie „Laufen“, aber da ich heute Morgen was von Kraichgau schrieb und die Worte „Challenge“ „Ironman“ Reizworte im Triathlonbetrieb sind, wie man in sozialen Netzwerken sehen kann, dazu doch ein paar ungeordnete Worte im Blog:

Ich würde das eher erstmal ganz nüchtern sehen. Aufregung ist hier fehl am Platz. Es bleibt das gleiche Rennen, egal unter welchem Label.

Machen wir uns nichts vor. Challenge und Ironman sind kapitalistische Organisationen. Die wollen Gewinn machen. Und das dürfen sie auch erstmal. Wer glaubt, dass Veranstalter nur idealistisch unterwegs sein dürfen, verkennt, dass Sport auch immer einen Businessanteil hat. Das sollte eigentlich jedem, der einem Zweitligisten anhängt klar sein. Nebenbei: Wir leben im Kapitalismus. Das wir es hier nebenbei mit einem typischen Oligopol zu tun haben, sei mal so am Rande erwähnt. Dadurch, dass die beiden Organisationen ihre Finger auf Roth und Hawaii haben, haben sie natürlich einen starken Vorsprung.

Fakt ist auch: Ironman und Challenge Rennen neigen dazu teurer zu sein, als andere Rennen. Die Frage, die man sich jedoch immer stellen sollte: Vergleiche ich Äpfel mit Birnen? Ist z.B. eine 30 KM Radstrecke nicht von der ganzen Organisation her billiger, als z.B. eine 90 KM Radstrecke ohne Runden? Keiner von uns weiß, was so eine Absperrung kostet. Auch ein Vergleich über mehrere Jahre ist dabei immer nur bedingt aussagekräftig, wenn man sieht, wie die allgemeine Preissteigerung bei Massensportveranstaltungen ist. Man vergleiche nur Berlin 2013 und Berlin 2014. Das ist nicht schön, aber Angebot und Nachfrage regeln auch hier den Markt. Dies ist ein leidiges Problem aller Veranstaltungen, ich denke man kann hier die beiden Organisationen nicht ausschließlich als alleinige Schuldige sehen.

Die Frage ist immer: Wie ist die Waage zwischen Business und Idalismus? Bekomm ich als Idealistathlet noch genügend Gegenleistung für mein Geld? Nun wird jeder die Frage „Was ist eine gute Gegenleistung?“ anders beantworten, aber für mich z.B. zählen ein gut organisiertes Rennen, ein paar Goodies und eine herzliche Atmosphäre sehr viel. So finde ich das Kölner Marathon Kölsch-Glas einfach nur cool. Ja, ich stehe auch auf eine hübsche Medaille. Das macht für mich ein sehr guter Teil der Gegenleistung aus.

Ich kann dies für Ironman und Challenge Rennen mangels Erfahrung nicht beurteilen. Ich weiß nur, dass z.B. in Berlin das Pendel langsam in die falsche Richtung ausschlägt. Ich werde es im Kraichgau testen. Dabei ist mir egal, welches Label auf dem Wettkampf steht. Ich finde das Challenge Logo hübscher als das IM Logo und da sind wir bei ganz anderen Argumenten: Das sagt der Bauch. Aber auch ein IM Logo häng ich mir als Medaille gerne ins Zimmer. Wenn ich denn ankomme.

Man kann halt nicht eine als Gut und eine als Böse darstellen. Man käme da nebenbei auch ganz schnell in den Bereich der verkürzten Kapitalismuskritik und des Antiamerikanismus. Und wir wissen ja, wie Scheiße das ist.

Noch etwas ist immer ein Problem: Wir haben es beim Triathlon mit einer boomenden Sportart zu tun. Naturgemäß kann man auch keine 40.000 Personen Triathlonveranstaltungen organisieren, anders als beim Marathon. Daher hat man immer eine gewisse Knappheit und damit auch den Reiz etwas zu reiten, bis es (schneller) tot ist. Dieser Verantwortung sollten sich auch die Veranstalter klar sein, die kapitalistisch unterwegs sind.

Lassen wir uns überraschen. Wenn ich 100 Euro für einen Berlin Marathon zahle, dann finde ich 200 Euro für eine Halbdistanz zwar nicht gerade preiswert, aber ich finde es nun auch nicht überteuert, wenn mir ein stimmungsvolles Rennen mit entsprechender Gegenleistung geboten wird. Aber auch hier gilt: Jeder hat seine eigenen Maßstäbe und jeder seine eigene Bewertung.

Aber egal welche Bewertung: Emotionen würde ich in so etwas nie setzen. Mir doch egal, ob Ironman oder Challenge, Hauptsache Kraichgau.

Ihr werdet es hier lesen.

Flattr this!

Okt 312013
 

oder

Der Frankfurt-Marathon

Liebe Leser, vorab möchte ich mich bei der Familie Ramone aus Bingen bedanken, denn ohne euch beide wäre der Frankfurt Marathon nur halb so toll. Vielen Dank für Speis, Trank und Unterkunft.

Auch der Twitterlauftreff ist einfach knuffig. Was Heiko, Gerda und all die anderen auszeichnet, ist eine unfassbare Herzlichkeit über alle gesellschaftlichen Grenzen hinweg. Und die Beiden seien jetzt mal absichtlich namentlich genannt. Ebenso wie Sven, der einfach ein toller Laufpartner ist und mit dem ich hoffentlich noch einige gemeinsame Marathons (Marathone? Wie auch immer…) laufen kann.

Der Twitterlauftreff verleiht Flügel

Der Twitterlauftreff verleiht Flügel

Tja liebe Leser, machen wir es kurz: Leider habe ich den Frankfurt Marathon abbrechen müssen. Das ist ärgerlich, weil es mein 10. zu Ende gelaufener Marathon gewesen wäre. Ich habe immer auch noch eine ziemliche hohe Quote an Abbrüchen, aber gut, dass ändert sich langsam. Während mich sonst gerne mal mein Kreislauf verlässt, war dies diesmal so gar nicht das Problem. Ich fühlte mich frisch und gut und konnte meinen Plan „lauf mal mit dem 5:00:00 Ballon so lange es geht“ für 16 Kilometer sehr gut in die Tat umsetzen. Es lief, Beine und Körper fühlten sich gut und auch die Laune war bestens.

Selbst der zwischenzeitliche Regenguss konnte die Laune nicht verschlechtern. Die Zugläufer waren echt zwei sehr nette Leute. Der eine erzählte, dass seine Bestzeit mal 3:09 im Marathon gewesen ist, er aber schon seit Jahren nur noch Zugläufer mache, weil das ihm viel mehr Spaß mache. Die Leute erzählen, seien gut drauf und er habe keine Lust immer auf eine Minute mehr oder weniger zu trainieren. Bester Spruch: „Wenn es euch gut geht, dann geht es mir auch gut“.

Die beiden Zugläufer liefen auch wie ein Uhrwerk und das immer in 7:00 bis 7:10. Also perfekt gleichmäßig auf 5:00:00. So soll es sein. Bei KM 16 ließ ich die beiden dann aber ziehen, denn ich wollte kurz aufs Klo. Auch das ging super, mein Magen randalierte auch nicht doll und so zog ich weiter. Die Ballons nun aus dem Blick verloren und ein bisschen zu langsam für 5:00:00 aber immer noch guter Dinge. Neben mir eine Familie, die zu viert Marathon lief. Einer schneller und Mama, Tochter und Sohn gemeinsam. Ich hatte die drei schon seit Start gesehen und auch gefragt, wo denn der Vierte (Vater?) sei. Als Antwort bekam man nur ein „ach der ist viel schneller“.

Bei KM 19 wusste ich aber nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Tochter zu Mama „Ach ja, ich bin mit XYZ nicht mehr zusammen“ „Seit wann?“ „Seit letzten Samstag“. Dinge die man seiner Mutter nach zwei Stunden gemeinsamen Laufens erzählt. Die Stimmung zwischen Tochter und Mutter war kurz etwas angespannt, aber dann liefen sie weiter.

Nur ich lief leider nicht mehr. Irgendwie eine Windböe und plötzlich machte der Oberschenkel dicht. Und zwar so richtig dicht. Kurze Gehpause, ausschütteln, dann der Versuch weiter zu laufen. Ne, will nicht. Noch eine Gehpause, dehnen, weiterlaufen. Ne, es ging nicht. Ich konnte das rechte Bein nur noch in kleinen Trippelschritten nach vorne bewegen und damit meinen ganzen Bewegungsablauf so verdrehen, dass mir sofort alles weh tat.

Mist! Wenn einem das bei KM 30 passiert, dann schleppt man sich irgendwie noch ins Ziel, aber wenn man die Hälfte noch vor sich hat, dann gibt es diese Möglichkeit nicht. Also den nächsten Streckenposten gefragt, wo denn die nächste S-Bahn sei und wie es in so einem Moment natürlich kommen muss, war diese unendlich entfernt. So blieb nur langsames weitergehen und warten bis einen der Besenwagen aufsammelt. Bei KM 25 fand ich dann einen Besenbus in dem nicht nur ich, sondern viele sehr trainierte Leute Platz gefunden hatten. Viele hatte der Wind und das Wetter geschlagen.

Die Stimmung im Bus war aber schon von Sarkasmus und fröhlichen Sprüchen geprägt. So what? Niederlagen gehören auch dazu. Insgesamt muss man sagen, dass eine Organisation ihre Qualität dann beweisen kann, wenn es um Probleme geht. Und hier war die Orga gut. Alle Helfer mit aufmunternden Worten und mit den richtigen Hinweisen. Okay, der eine wusste nicht ganz genau, wo der Bus steht, aber das ist nun ein Detail, er wusste wo ungefähr der Bus steht. Wärmefolie war auch ausreichend vorhanden.

Ich bin nicht einmal sauer, eine lange und tolle Saison geht leider etwas doof zu Ende, aber Frankfurt mag ich immer noch. Tolle Organisation, tolle Menschen und ein toller Lauf. Den schaffe ich dann nächstes Jahr.

Und ja ab und zumal ist auch aufgeben eine Option. Wenn ich sehe, dass sich aus dem sonntäglichen Oberschenkelproblem ein montägliches Rückenproblem ergab, dann war das die richtige Entscheidung. Ein Besuch beim Arzt erbrachte dann auch eine Verklemmung im Rücken als Diagnose. Ob die nun zuerst da war und sich zuerst im Oberschenkel zeigte oder ob sie Folge eines anderen Problemes im Oberschenkel war? Ich weiß es nicht, das ist wohl Henne und Ei. Fakt ist: Es ist alles auf dem Weg zur Besserung.

Und das ist hoffentlich auch der Fall für den Läufer, der bei Kilometer 5 eine Herzmassage von den Sanis bekam. Oh man, Leute, passt bloss auf euch auf. Wenn es nicht geht, dann geht es nicht. Lieber mal im Bus sitzen, als auf dem Fußboden liegen und Herzmassage bekommen.

Vielleicht sollte ich zum Ende der Saison ein Fazit ziehen. Ich habe meine Marathonbestzeit verbessert. Zwar nicht viel, aber auf einer Strecke wie Hamburg ist diese Zeit für mich deutlich mehr wert, als die vorherige Bestzeit in Frankfurt. Ich habe meinen ersten Triathlon geschafft und bin angefixt. Ich habe meine alte Liebe das Radfahren wieder entdeckt und freue mich auf ganz viele Kilometer auf dem Rad. Das liegt natürlich auch daran, dass ich das perfekte Fahrrad für mich im Sommer gefunden habe. Jedes Mal, wenn ich es sehe, will ich mich draufsetzen und 100 Kilometer fahren.

Hinzu kommt noch ein Marathon in Berlin, der einfach riesig Spaß gemacht hat. Das war zwar weg von jeder Bestzeit, aber mir ist der Spaß wichtiger als die Uhr.

Nun kommt eine Pause, die ich mit sehr wenig Training und viel Erholung bestreiten werde. Ziel im Winter ist es die Grundlagen zu legen und mein Schwimmen auf ein neues Level zu heben. Ich bin da guter Hoffnung, dass mir das sehr gut gelingen wird. Und ab Februar steige ich in einen Trainingsplan ein, der theoretisch in einer Mitteldistanz endet. Ob das auch praktisch wird? Wir werden sehen, dazu muss ich definitiv noch mein Schwimmen verbessern. Aber wenn dies klappt und der Test am 01.06.14 positiv ausfällt, dann rocke ich am 15.06. das Kraichgau. Zeit ist wie immer egal, Hauptsache ich komme an.

Bis dahin schwimmt, rennt, radelt sicher, legt euch nicht auf die Nase und habt Spaß!

Es liefen auch…

Schwesterherz hatte Hamburger Wetter

Peters Laufblog wird garantiert noch was schreiben…

Lauffreund.de Nils hat schon geschrieben. Und Lauffreund-Gerd litt richtig.

Mike läuft in Demut eine magische Bestzeit

Flattr this!

Okt 072013
 

Wenn mich jemand gefragt hätte, wieviele Marathone (Marathons?) ich bisher gelaufen  bin bzw. beendet habe, hätte ich glaubhaft und sofort „Acht“ geantwortet. Aber so kann man sich täuschen, da räume ich gerade meine Medaillen auf und zähle bis…

 

NEUN!

 

neungedreht

Von oben links nach unten rechts:

 

Hamburg 2010,  München 2010, Frankfurt 2010, Köln 2011, Frankfurt 2011, Freiburg 2012, Berlin 2012, Hamburg 2013, Berlin 2013

 

Wenn alles gut geht, laufe ich meinen 10. Marathon also in Frankfurt am 27.10.2013. Und das freut mich, ist dieser Marathon doch mein persönlicher Liebling. Hoffen wir also, dass alles rund geht.

Flattr this!

Sep 172013
 

… dann laufen wir halt um den Flughafen rum

 

oder

 

das jährliche Airportrace

 

Liebe Leser, das Airportrace Hamburg wurde zum 30. mal ausgerichtet und spendierte deswegen auch eine sehr hübsche Medaille. Sowieso ist die Medaille eine der Dinge, die das Rennen so liebenswert machen. Immer wohl gesagt, man mag Flugzeuge. Aber für mich ist ein gutes Laufjahr ein Jahr in dem ich Eisenbahn und Flugzeug als Medaille gesammelt habe. 2013 war also ein gutes Laufjahr.

 

Zu früh waren wir auch mal wieder und so konnte meine Wenigkeit und die sielaufende die Startnummern ohne Schlange abholen. Kleiner Witz am Rande, wir beide mit den Nr XXX1 und XXX3. Zwischen uns eine sehr wohl bekannte Läufern. Sachen gibt es.

 

Die Zeit bis zum Rennen war schnell verflogen. Klo ohne Schlange genossen, noch mal zum Auto gepilgert, Merch gekauft. Ich keine Tasse, wie die sielaufende, sondern einen Pulli. Thorsten genervt, mit der Frau ohne Bandaufnahmegerät philosophiert, den Mick geknuddelt und ein Gruppenfoto gemacht.

 

Und gerade als man sich zum Start aufstellen wollte, konnte man auch noch der DrSmirk Rakete alles gute wünschen. Nun aber weg mit dem Pathoschem Namedropping. It’s time to race. So ein 16 Km rennen ist komisch. 10er Pace? Halbmarathonpace? Was setzt man da an? Dazu kommt beim Airportrace, dass es erst mal ein kleines Stück bergab geht und die ersten 4 KM Asphalt sind, was zumindest mich immer zum schnelleren Laufen verleitet.

 

Und dann ist da immer das Mantra, welches man spricht: „Dies ist nur ein Trainingslauf“. Nun denn, mit Thorsten und der Bandaufnahmegerätlosen Frau aufgestellt und während die Dame uns gleich entwischte, lief ich mit Thorsten in gutem Tempo die ersten 2 Kilometer. Irgendwas um die 6:00 stand auf der Uhr und es fühlte sich alles gut an. Ich verschlug mich kurz in die Büsche, der Thorsten entwischte. Schnell wieder den Rhythmus gefunden und spätestens ab Kilometer 5 hatte ich meine geliebte Taktik am Wickel, die ich mache, wenn es mir gut geht. Von Grüppchen zu Grüppchen sich nach vorne hangeln. Immer mal ein paar kurze schnelle Schritte einstreuen und so Leute überholen und dann kurz ein bisschen hinter der nächsten Gruppe rausnehmen und wieder antreten.

 

Der Blick auf die Uhr sagt: 6:12, 6:30, 6:11. Hmm… fühle mich gut, kann gut Druck machen, aber es kommt wieder die Feststellung, die mich das ganze Jahr schon begleitet: Die Kondition ist da, aber das Tempo nicht. Ich könnte in diesem Tempo gut einen Halbmarathon laufen, aber schneller kann ich nicht. Nun gut, dann laufen wir halt dieses Tempo, ist ja auch schon ganz angemessen.

 

Und ich konnte das gut halten. Der Kronstiegtunnel eine kleine Disco, das macht Laune und so ging es auf den Rückweg mit schnellen Schritten. Und gerade als ich mir eine Zeit unter 1:41 ausmalte, geschah dann doch noch ein kleines Missgeschick. Ich verschluckte mich an einem Gel und musste doch deutlich Pause machen um den Husten in den Griff zu bekommen. Und auch bis ich wieder auf Vollgas stellen konnte, dauerte es ein bisschen.

 

Die dann noch fehlenden vier Kilometer konnten aber mit gutem Tempo gelaufen werden und ich sammelte noch einige Leute ein, die sich das Rennen falsch eingeteilt hatten. Diese Läuferspezies gibt es aber nicht nur mit „zu schnell angehen“. Was für Endspurts da einige Leute raushauen, ist einfach unbegreiflich. Habt ihr dann nicht deutlich Zeit verschenkt?

 

1:41:51 war dann das Ergebnis und gefühlt war ich um Minuten schneller als das Jahr zuvor. Und behauptete es so auch in sozialen Netzwerken. Aber so kann man sich täuschen: Ganze 3 Sekunden war ich schneller. Damals nach schnellem Beginn noch komplett eingebrochen, dieses Jahr halt in meinem Tempo und durchgängig. Letzteres gefiel mir besser.

 

Insgesamt ein zufriedenstellender Formtest. Wie ich hier mal eine 1:36:00 geballert bin, werde ich nie begreifen, aber gut. Das Flugzeug ist im Sack. Nächster Halt: Berlin

 

Flattr this!