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Feb 202019
 

Seit einigen Tagen geistert der Aufruf an die Fanclubs, diese mögen ihre Tickets für Dresden doch “unseren Frauen” zur Verfügung stellen, durch das Internet. (<= Link ist für eure Information!) 

Uns erreichte dieser Aufruf bisher nicht direkt, wir wollen aber trotzdem kurz Stellung beziehen. Da dieser bisher unkommentiert verbreitet wurde, ist uns dies besonders wichtig.

Wir glauben nicht, dass dieser Frauenblock auch nur ansatzweise Sinn ergibt und unterstützen diese Idee nicht. Das liegt auch daran, dass die ominöse Facebook-Gruppe bisher ein Festival der schlechten, klischeebehafteten und Patriarchat unterstützenden Ideen (Perücke, Blasorchester, Kittelschürzen) war.

Wir fanden die Dresdener Plakate natürlich auch scheiße. Aber das ist in unserer Wahrnehmung nun nicht eine “neue Dimension” und hat entsprechende Historie. Und ja, diese Monothematik finden wir auch eher zum Gähnen. Nur weil die Medien dieses Stöckchen breiter als sonst aufgegriffen haben – an dem Spieltag war ja sowieso einiges los – müssen wir ja nicht in dieser übereifrigen Art und Weise mit entsprechendem Aktionismus starten.

In der Erzählung um Stimmungsboykott, Notarzteinsatz auf der Nord, zerstörten Toiletten im Gästebereich und Abhitlern fand halt auch das Transpi seinen Platz und wurde mehr als “normalerweise” durch die (sozialen) Medien getragen. Umso absurder, dass sich nun Menschen berufen fühlen, da zu antworten, denen das alles noch gepflegt am Arsch vorbei gegangen ist, als der Adressat noch mit “USP-Frauen” benannt war. Da waren es ja halt nur die Ultras und die sind ja bekanntlich selber schuld. 

Wir vertrauen im übrigen auch auf die Adressaten, dass sie da eine angemessene Reaktion hinbekommen. Stichwort: “Stellt Euch endlich unserer Gier.” Eine halbgare Idee mit Kittelschürzen oder ähnlichem wäre für „die Dresdener“ nur ein gefundenes Fressen und würde die eher anheizen als zum Schweigen bringen. Und jetzt mal ehrlich: Wirklich niemand in der Ideengeschichte des Feminismus hätte diese Aktion jemals als antisexistisch aufgenommen.

Daher: Kommt nach Dresden wie geplant. Und lasst uns gerne in der aktiven Fanszene darüber diskutieren, was angemessene Reaktionen sind. Aber lasst bitte auch den eigentlichen Adressaten Raum zum Antworten. Solche Diskussionen sollten jedoch eher nicht (halb-) öffentlich passieren, denn auch ein „Überraschungseffekt“ ist bei solchen Dingen immer wichtig.

Es ist einfach so, wenn man aus dem Nix kommt, eine Facebook-Gruppe macht, sich jeglicher (konstruktiver) Kritik verschließt, dann muss man sich nicht wundern, dass sich Menschen, die schon 2003 in Dresden mit Steinen und Hitlergrüßen eingedeckt wurden, sich ein bisschen verarscht vorkommen und einen nicht als Heilsbringer empfangen. Wir haben über Jahre insbesondere auswärts gewisse Handlungsweisen und ein gewisses Auftreten miteinander vereinbart und da kann man nun nicht einfach mit Kittelschürzen und Perücken kommen und meinen, man könne da ein Vakuum besetzen. Das gibt es nämlich nicht. Ja, das klingt alles ein bisschen nach „wir waren zuerst da“, aber so funktionieren Kurven halt auch. Respekt muss man sich da erarbeiten. 

Umso mehr kann man die Initiatorinnen nur auffordern, von ihrem hohen Ross herunter zu kommen, Kritik anzunehmen und mit vorhandenen Strukturen zu reden. Eine Möglichkeit dafür wäre nebenbei der Tag für Vielfalt und Inklusion gewesen, der im Januar stattfand. Leider glänzten dort die Initiatorinnen mit Abwesenheit. Nicht nur diese, aber das soll Thema eines eigenen Berichtes sein. Der auch noch auf unserer „zu schreiben“ Liste steht.

Noch was

Eine begrüßenswerte Reaktion auf solche sexistische Scheiße ist natürlich immer die verstärkte Einbindung und Sichtbarmachung von Frauen in Fanszenen. Sei es überregional durch Aktionen wie die „Fan.tastic Females“-Ausstellung, sei es lokal beim FCSP. Und da können z. B. Frauen*touren Hemmungen abbauen und Frauen* das Erlebnis „Auswärts“ näher bringen. Und nirgendwo kann sich Frau* besser vernetzen als auf einem Ritt zu einem Auswärtsspiel. Aber doch bitte nicht so! 
Und wir wünschen uns auch, dass alle Empörten mit der gleichen Kraft gegen übergriffiges Verhalten in den eigenen Reihen angehen. Aber den Finger auf andere zu zeigen, ist natürlich immer einfacher.

Und noch etwas persönliches vom Blogsenior

Ich versuche ja immer das Gute im Menschen zu sehen und nicht jeder Internetaktionismus ist gleich zu verdammen. Es ärgert mich aber doch sehr, wenn die Möglichkeiten des Internets (z. B. leichte Vernetzung, leichter Austausch) zu nix wirklich Konstruktivem führen und man es eigentlich alles in die Tonne treten kann. 

Letztes Beispiel: Da wird irgendwo eine Petition gegen Under Armour gestartet, es unterschreiben drölfmillionen Menschen, aber im Verein, da wo er geprägt wird, kommt nix davon an. Warum nicht? Das ist einfach Dreck! Man kann/sollte/müsste diese Anliegen real auf einer JHV diskutieren. Nur so kann man was ändern oder verstehen, dass man falsch liegt. Nein, lieber halbgar in die Öffentlichkeit blasen und dann rumheulen, dass der Adressat sein Verhalten nicht ändert. 

Gleiches gilt hier wieder. Man kapselt sich ab, das Motto ist „wer nicht für uns ist, ist gegen uns“ und so verpufft alles. Nach der Perücken-Tour nach Dresden geht man wieder in sein Privatleben und lässt die aktive Fanszene die Suppe auslöffeln? Und wenn das nächste Mal da wieder “USP Frauen” draufsteht, ist es wieder okay, weil “aber die Ultras”? Oder wie soll das funktionieren? 

Und nein, ich stempele solche Leute ungern sofort als „für immer gestorben“ ab. Dafür hab ich schon zu viele Menschen gesehen, die zuerst ganz wirre Ideen hatten und dann irgendwann diese Fanszene über Jahre geprägt haben. In einem positivem Sinne. Aber da muss jetzt was kommen. Das ist Holschuld. 2019 muss eine aktive Fanszene nicht über jedes Stöckchen springen. Denn wir sind St. Pauli. Ihr könntet es werden. Aber nicht so. 

Dez 172018
 

Liebe Leser*innenschaft,

alle, die im Meckern, Motzen und Pöbeln unsere Kernkompetenz sehen: Ihr müsst jetzt ziemlich stark sein. Ja, nein, da ist einfach zu wenig Beklagenswertes an diesem Spieltag passiert. Oder andersherum: Sackzement, das ist ja wirklich ganz geiler Fußball gerade!? Wir sind beeindruckt und versuchen es irgendwie mit diesem “einfach mal glücklich sein”. Aber die Winterpause nehmen wir dennoch bald mit Kusshand, das nur nebenbei.

Gegen das arg gerupfte Kleeblatt geht es heute abermals auf einen Sonnabend. Guter Spieltermin weil Sonnabend, schlechter Termin weil immer so früh. Nun ja, für irgendwo in Block D reicht es noch, auch wenn die Einlassschlange schon wieder entsetzlich lang geworden sind. Wäre da eigentlich irgendwo Optimierungspotenzial, fragen wir uns? Hängt vermutlich von spieltagsbezogenen Anweisungen an U-Need bzw. der Laune der Ordner*innen ab sowie äußerden Faktoren wie der Verkehrslage ab, wie lange wir uns die Beine in den Bauch stehen müssen, bevor es auf die heiligen Stufen geht.

Kalte Hände lassen sich warmklatschen

Die Anhängerschaft der Spielvereinigung ist wieder einmal so zahlreich erschienen wie Bürobesatzungen zwischen den Jahren. Und das am Sonnabend, dem König der Spieltage! Ey Fürth: Wenn die eigene Mannschaft gerade 0:5 und 0:4 auf die Rübe bekommen hat, braucht sie vielleicht extra viel Unterstützung. Aber das soll nicht unsere Sorge sein.

Unser Support ist auch schon so ein bisschen in der Winterpause angekommen. Ja ja, kalt, bla bla. Handschuhe ausziehen & klatschen hilft auch gegen die Kälte. Da müssen wir heute doch noch wieder den Finger in die Wunde legen, allerdings stehen wir außer der Reihe auch weiter abseits vom Epizentrum. Die Trommel auf der Nord ist zu hören und erinnert uns daran, dass das auf der Gegengerade ja auch mal eine sehr gute Idee war. Erwähnten wir schon, dass wir die Trommel wiederhaben wollen? TROMMEL. BADAMBADAMBAMBADAMBADAMBAMDAM! So. Wäre das auch geklärt.

Wie gegen einen Drittligisten

Erst die Negativkritik: Gegen schwache Fürther kann man eine fast zwanzigminütige Wackelphase in der zweiten Halbzeit eigentlich auch vermeiden. Im Idealfall geht da nicht noch ein Schuss an die Latte, der uns zittern lässt. Und deshalb müssen wir da früher ein zweites oder drittes Tor nachlegen.

Jetzt zum Positiven: Der FCSP spielt heute wie gegen einen Drittligisten. Also nicht so, wie er es in hässlicher Regelmäßigkeit im Pokal tut, sondern so, wie er sollte. Das Spiel wirkt zu überwiegenden Teilen so, als ob man eine Klasse über dem Gegner wäre. Dabei sprechen noch nicht einmal die Ballbesitzzahlen, Zweikampf- oder Passquoten eine so eindeutige Sprache wie das Gefühl, das das Spiel vermittelt. Nun kann es anekdotisch werden, aber wenn wir sehen, wie selbst in der Fürther Drangphase unsere Defensivkräfte zulangen und in aller Regel mit perfektem Timing die Grätsche auspacken, sich strecken, den letzten Meter gehen und sich nicht durch Körpertäuschungen verarschen lassen, dann ist das eine Wohltat. Vielleicht lässt man in diesen Minuten die SpVgg ja mal extra kommen, damit alle sehen, was wir für eine geile Abwehr haben?

Magischer FC St. Pauli vs. Greuther Fürth Dezember 2018
Es geht in die richtige Richtung – nach vorn

Ein quirliges, engagiertes und zumindest im Vergleich zu vergangenem Jahr weitsichtiges Offensivspiel, bei dem die Braunweißen auch geistesgegenwärtig umschalten können … das ist auch noch ganz schön ungewohnt. Finden wir aber okay, dürfen sie weitermachen.

Nicht zu vergessen, wie viel personelle Rotationen wir in den vergangenen Spielen erleben mussten. Und so steht heute ein Florian Carstens erstmals in der Startaufstellung am Millerntor und macht das bockstark. Als Defensivmensch im Heimspieldebüt gleich mal eine Bude zu machen, das ist schon fast kitschig schön. Und wenn wir dann doch schon mal bei Einzelpersonen sind: Unsere innige Liebe für JPK ist ja weithin bekannt, aber auch abseits von Fangegirle und -geboye gibt es keinen Zweifel daran, dass Schnecke zu jedem Zeitpunkt beweist, dass er vollkommen berechtigt da wieder steht (und läuft und grätscht). Das ist kein Gnadenbrot für die Endphase einer Karriere, das ist Anerkennung einer richtig guten Leistung. Herr Kauczinski, für Ihr Händchen gibt’s einen dicken Daumen nach oben.

Und alle, die uns das durch unsere schneckenfarbene Brille nicht abnehmen. Die Statistik gibt uns Recht:

Gemittelte WhoScored-Noten unserer Spieler während der 17 Hinrundenspiele.

Das war die Hinrunde …

Nun ist, zweitligaüblich, die Hinrunde zwar beendet, doch vor der Winterpause kommt noch ein Spiel. Wir hoffen mal ganz stark, dass es gegen Magdeburg so weiter geht und wir 2018 mit einem Ausrufezeichen abhaken können. Denn wie eingangs erwähnt: So eine Winterpause ist echt mal notwendig. Dinge sacken lassen, sich entweder weniger drüber ärgern oder überlegen, wie wir Probleme angehen können. Und wenn es Ende Januar wieder losgeht (warum zum Geier das mit einem Dienstagsspiel sein muss, naja), dann sind wir alle wieder voller frischer Energie, nicht wahr?

Das Haar in der Suppe

Wir können nicht ganz aus unserer Haut – so ganz ohne Kritik geht es nicht:

Wir müssen Groeni korrigieren.

Gestern gab es nämlich sogar 12:25 Minuten Anlass zu spielbezogener Freude am Millerntor. Und ob wir mathematische Genies in unseren Reihen haben klären wir demnächst mal bei nem Bier.

Anlass zu spielbezogener Freude gab es gegen Fürth überdurchschnittlich häufig.

Forza!

Auf dem Heimweg aus Bochum einigten wir uns darauf, aus diesem Jahr noch sechs Punkte mitzunehmen. Nächsten Samstag noch mal alle ans Millerntor, Magdeburg wegbrüllen und mit einem richtig guten Gefühl in die Winterpause gehen.

Dez 052018
 
Liebe Lesende dieses Beitrags. Soviel vorweg: Wir sind 2 Frauen, die mehr Spiele des FCSP im Stadion (auswärts und zu Hause) mitbekommen, als nicht. Wir haben uns beide schon an geeigneter Stelle über Sexismus im Vereinsumfeld aufgeregt. Und wir haben beide schon gemeinsam mit dem Fanladen nach Lösungen gesucht. Aber die letzten Monate geben uns den Eindruck, dass auf einen Schritt nach vorn dann gleich zwei zurück folgen.
 
Wir haben beide die Tapete der Dresdener als, nun ja, “Höhepunkt” der letzten geschmacklosen Aktionen mitbekommen, wahrgenommen und verurteilt. Und wir haben darauf beide keinen Bock mehr auf diesen Scheiß. (Und mal fernab von der inhaltlichen Ausgestaltung: Dresden, Diggi. Wie wär’s mal mit was Neuem? Oder dürfen wir das als Einladung verstehen, dass wir monothematisch bleiben sollen und uns beim nächsten Besuch als England verkleiden? Gruß an Waving the Guns an dieser Stelle.)
 
Aber wir nutzen diese dämliche Provokation nicht, um uns jetzt selbst als F**zen zu betiteln, oder sonstigen dämlichen Facebook-Aktivismus zu betreiben. Uns selbst bezeichnen wir nicht als F**zen, auch ein Reclaimen und “positiv besetzen” dieses zutiefst frauenverachtenden Begriffs kommt für uns keinen Millimeter in Frage.
 
Es kann einfach nicht sein, dass als Reaktion jetzt Aktionismus-Ideen auftauchen, die veraltete Geschlechterbilder und patriarchale Strukturen (jetzt hier nur beispielhaft: Kochlöffel, Schürzen, Perücke und “Frauenkleider” mit denen alle nach Dresden ins Stadion sollen) bedienen, aufgreifen und somit tiefer in den Köpfen verankern. Als Innenwirkung mögen das einige “witzig” finden, aber als Außenwirkung kommt die bloße Reduzierung auf die stereotype Frau (und indirekt auch auf den Mann) an.
 
Protest, der als erstes Ziel hat, witzig zu sein, ist gleichzeitig von der Angst gefüttert, bestehende Strukturen anzugreifen und vor allem einzureißen – genau das sollte aber das Ziel sein. Missstände anprangern, niederreißen und ändern. Egal, ob in Dresden, auf St. Pauli oder anderswo.
 
Und um jetzt hier mal eine Sache für immer und ewig festzustellen: Wir sind nicht humorlos, weil wir Eurer Einknicken und Anbiedern an bestehende Verhältnisse/ Vorurteile nicht witzig finden. Wir sind nicht bereit, faule Kompromisse einzugehen und wir arbeiten nicht mit Euch zusammen, so lange ihr weitere sexistische Weltbilder verbreitet und verstärkt.
 
Wir müssen bei Protest auch nicht witzig oder nett sein, wir wollen anecken und sichtbar sein, aber nicht nur weil wir Sexismus aufgreifen, sondern weil das Stadion eben auch unser Platz ist.
Daher an die lieben Menschen, die diese Haspa-Putzer mit ihrem anbiederndem Aktionismus auch aufgeregt haben: Wir fanden die auch scheiße. Und wir finden auch nach wie vor Sexismus scheiße. Wir sind nur nicht bereit, unsere Ideale aufzugeben, um irgendwelchen Typen zu gefallen und alles fröhlich mit Humor zu nehmen. Wir sind wütend, verdammt. Und wir haben allen Grund dazu. 
 
Die Schreiberinnen sind dem Blogkollektiv persönlich bekannt.