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Dez 192017
 

Heimsieg. Dieses Gefühl morgens, leicht übermüdet mit einem Grinsen aufzuwachen. Die Älteren werden sich daran erinnern. Aber es gibt dieses Gefühl noch.

Montagsspiele beginnen spät. Und doch ist es zunächst leer an den Eingängen ins Millerntor. Und es bleibt auch vergleichsweise leer. Wahrscheinlich hält eine Kombination von Montag, kalt und vielleicht schon im Weihnachtsurlaub in Verbindung mit weniger erbaulichen Ergebnissen (Erfolgsfans!) doch ein paar Menschen ab, das Millerntor zu besuchen.

Diese Lücken müssen genutzt werden, sodass es eine Premiere gibt. Alle drei Schreiber dieses Blogs stehen wirklich maldirekt nebeneinander. Das ist schön und die Liebe sprudelt nur so über. So doll, dass in unserem Umfeld jemand nach 22 gemeinsamen Jahren nun heiraten wird. Glückwunsch.

In einer Situation, in der die Zahl der gesunden Stammspieler deutlich kleiner ist als die Anzahl der Plätze auf dem Platz, vertreibt man sich die Zeit bis zur offiziellen Aufstellung gerne mit Gedankenspielen, wie man denn nun aus den verbleibenden Spielern eine Elf formen könnte. Wildere Ideen wie Lasse als Sturmtank oder Allagui als zentraler 10er werden angedacht und wieder verworfen, bis die offizielle Aufstellung kommt. Und warte mal, da ist doch der Allagui der zentrale 10er. Schneider als Sturmspitze und als völlige Überraschung Yi-Young Park als zweiter 6er. Rückkehr zum alten 4-2-3-1? Findet unsere Zustimmung! Alles andere wird sich zeigen.

Bochum macht den Gästeblock voll …

… aber aus diversen Gründen leider nicht stimmungsvoll. Da ist im Verein (und das ist er noch) ziemlich viel im Argen, man versucht als ungefähr 100ster Verein eine Ausgliederung, die direkt mindestens zur Deutschen Meisterschaft führen soll, und der Sportchef Christian Hochstätter scheint auch nicht gerade beliebt zu sein. Man legte ihm doch relativ unverblümt nah, sich zu „verpissen“.

Das scheint dann wieder der Hamburger Polizei nicht zu gefallen, die mit einem kleinen Trupp das Transparent vom Zaun zuppelt und für Hektik am Gästeblock und doch einem auch für Millerntorverhältnisse ziemlich lauten „Ganz Hamburg hasst die Polizei“ führt. Nun sind wir keine Experten für den Streitstand in Bochum, aber so ein Plakat kann man auch mit einem Schulterzucken kommentieren und einfach weitermachen, liebe Polizei.

In der Süd fehlen auch lange die Banner, was erst einmal für Fragen sorgt. Hat wohl damit zu tun, dass Routinen durchbrochen werden sollen. Müssen die Mädels und Jungs in der Süd dann selber analysieren, ob es was gebracht hat.

MagischerFC St. Pauli vs. VfL Bochum Dezember 2017 Flyer

Das erklärt’s vermutlich

Zumindest die Gegengerade ist zunächst ruhig wie lange nicht mehr zu Beginn. Das war aber wahrscheinlich nicht das Ziel, oder? Lieber Supportblock. Wir lieben euch. Tief und innig. Aber bringt bitte die Trommel wieder mit, ja? Und lasst euch nicht von irgendwelchen Suffpaulis davon abhalten.

Erst später entwickelt sich eine vernünftige Millerntorstimmung und das liegt auch an dem Geschehen auf dem Platz, denn dort liefern die Boys in Brown das, was man von einem braun-weißen Team sich wünscht. Ein Fight bis zum Umfallen. „ENDLICH!“, will man ausrufen. Da werfen sich Spieler in Wege, da werden die Extra-Meter gegangen und da wachsen Spieler an ihren Aufgaben. Exemplarisch sei hier Park genannt, der erst unsicher ist und schnell Gelb kassiert,was früh schon zu Warmmachübungen von Auswechselspielern führt. Und der dann Minute für Minute sicherer wird, sich reinkämpft und am Ende ganz abgeklärt die Bälle klar macht. Wow!

Schneider vorne als Rennmaus mit unfassbaren Wegen und klar, das mag nicht wirklich effektiv sein, aber so wie er das macht, ist das schon cool. Und er kann dabei auch noch Bälle festmachen und weiterleiten. Und immer wieder ein Unruheherd, ein Störenfried. Und so können unsere Jungs endlich mal mit Dampf auf die letzte Abwehrreihe kommen, können so Freistöße ziehen, es entsteht mal Hektik beim Gegner und vor dessen Box. Wann hatten wir dies zuletzt am Millerntor? Ein Freistoßtrick mit ein bisschen Glück, ein klasse Konterpass von Cenk und ein tapferes Schneiderlein (kommt Leute, auf den habt ihr doch schon seit Wochen gewartet), der den Ball versenkt. Zack 2-0 nach 49 Minuten.

Verbesserungspotential gibt es trotzdem noch. So will man Allagui beim Umschaltspiel defensiv anschieben, denn da nimmt er doch immer etwas zaghaft teil. Und seine offensiven Geistesblitze sind nicht so, dass er sich das erlauben kann. Ehrlich gesagt ist das häufig zu eigensinnig, zu lässig oder beides. Da wird dran zu arbeiten sein, denn das Potential ist garantiert da. Ach ja: Kann dem bitte mal jemand Abseits erklären?

Die restliche Zeit ist auf die Uhr gucken angesagt

Denn Bochum schmeißt sich wütend rein und hat auch ein, zwei brenzliche Dinger. Aber außer einem Flipperball kommt nix ins Tor. Und das liegt insbesondere an zwei Spielern: Das, was Jackson und Lasse da raus schädeln, rausgrätschen, rausdreschen, irgendwie rausmachtn, das ist schon der Hammer. Sowieso: Wieviele Lasses stehen bei uns auf dem Platz? Gefühlt schädelt der eben noch hinten rechts den Ball weg, um 0,3 Sekunden später vorne Links den Flankenlauf zu starten.

Ja, man könnte auch mal das 3-0 oder 3-1 per Konter machen, aber das üben wir dann noch mal an einem anderen Tag, nech?

Doof nur: Nach 80 Minuten ist der Akku aller Braun-Weißen bei 1 %. Es kommt dann aber die elegante Rettung in Person von Jan-Philipp Kalla. Als Ein-Mann-Abfangjäger und Konterspieler beschäftigt er Bochum und sorgt auch noch für eine numerische Überzahl unserer Braun-Weißen. Weihnachtliche Zimtschnecke! Wir sind ja so oder so Fanboys, aber heute macht Kalla wirklich eine ganze Menge richtig. So etwas will man von der Bank sehen!

MagischerFC St. Pauli vs. VfL Bochum Dezember 2017 Anzeige

We love the smell of Heimsieg in the evening

Der Rest ist Jubel, ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk und neun Punkte bis Platz 2. Nein, wir sind nicht größenwahnsinnig, aber mit der Leidenschaft dieses Abends kann diese Mannschaft ganz viel erreichen. Jungs, ihr könnt das!

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Dez 112017
 

Es ist Sonntag, 16.22 Uhr und jemand ruft von hinten:

„Wir kommen aus dem Norden,
wir rauben und wir morden,
wir waschen uns nie
Sankt Pauli!“

Gab’s auch ’ne Weile nicht mehr. Ich stapfe über das pfützige Heiligengeistfeld, Grünkohl und ein paar Bier im Leib, feuchte Schneeflocken erinnern an die Unbarmherzigkeit des Dezembers und ich frage mich: Was war das jetzt?

Vermutlich ist es zu früh, diese Frage zu stellen

Es liegen turbulente Wochen hinter uns, vermutlich genau so wie vor uns. Vor einer halben Woche entschied sich der FCSP, die personelle Reißleine zu ziehen (fünf Euro ins Phrasenschwein) und den Trainer auszutauschen. Wird kaum jemanden überrascht haben, nach zwei so derben Klatschen müssen in diesem Fußballzirkus, dessen Teil wir trotz aller Besonderheiten wir nun mal sind, einfach sein – und wenn sie auch symbolisch sein mögen.

Natürlich reicht eine halbe Woche nicht, um ein ganzes, offensichtlich fehlgeschlagenes System auf dem Kopf zu stellen und plötzlich leichtfüßigen Fußball spielen zu lassen, der Herzen und Spiele gewinnt. Das konnte nicht passieren und passierte auch nicht. Immerhin, da ist ein Punkt, da ist keine demütigende Klatsche – aber so richtig doll nützt es uns nicht. Zu früh, um was Wegweisendes beobachten zu können.

Fassen wir uns da lieber an die eigenene Nase

Und beginnen wir mit dem Schönen. Die von je her aufopferungsvollen Menschen auf der Süd haben anlässlich des 15-Jahre-Jubiläums von Ultrà Sankt Pauli noch mal richtig in die Trickkiste gegriffen und eine Choreo von einem anderen Stern auf die Kurve gezaubert. Lassen wir das Bild für sich sprechen.

MagischerFC St. Pauli vs. MSV Duisburg Dezember 2017

Choreo von einem anderen Stern

Kleine Erläuterung nebenbei, denn zum Teil brauchte es die für unsereins aus: Das bewegliche UFO wird von der Gegengerade aus in Richtung Süd abgeseilt, zudem spielen die Planeten und deren Farben auf die Verbindungen von USP zu Crews von Hapoel oder Ternana an. Schönheitsfehler: Zu wenig Gezündel (Pro Pyro! Warum explodiert das UFO nicht?) und das Timing der Enthüllung war nicht ganz tight. Dennoch eine Choreografie, die mal wieder Maßstäbe setzt und USP markieren damit erneut ein dickes Ausrufezeichen in Sachen Kreativität. Geil, einfach stark!

Damit haben wir die leicht zu bewertenden Dinge für heute abgehakt. Der Fußball ist weit komplizierter und es bleiben Fragen, die aber, wie eingangs schon behauptet, wohl zu früh gestellt werden.

Gegen das System?

Ein 4-2-3-1 soll es nominell sein, es sieht aber ganz anders aus. De facto haben wir wieder zwei Menschen da vorn, die wenig Lust haben, nach hinten zu arbeiten. Mit zwei Spitzen zu spielen, die die ganze Saison noch nicht funktioniert haben, ist keine aber mutige Entscheidung. Eher eine hilflose. Oder es steckt ein Plan dahinter, Allagui und Bouhaddouz doch noch zu einem kongenialen Duo zu entwickeln, wovon sie derzeit so weit entfernt sind wie der FC Köln vom Klassenerhalt. (Mitleid im Abstiegskampf will niemand, liebe FC-Fans.)

Nun ja, dass das eine halbe Woche nach Kauczinkis Dienstantritt auch noch nicht funktioniert, überrascht wohl keinen. So schnell legt wohl kein Trainer die nötigen Schalter um. Um es jetzt schon zu sagen: Hoffen wir mal, dass wir das letzte Spiel dieses Jahres am Montag nächster Woche nicht verlieren, dann wird hoffentlich in der Winterpause ordentlich gearbeitet und auf geht’s frisch in ein neues, erfolgreiches Fußballjahr.

Jedenfalls läuft heute natürlich der Ball auch nicht so, wie er es diesem Kader angemessen wäre. Wir sehen haufenweise planlose hohe Bälle kurz vor den Strafraum, wo sie niemand verwerten kann. Wir sehen immerhin etwas mehr Gift auf dem Platz, was in absurde Pfiffe, seltsame Gelbe Karten, zwei wenigstens fragwürdige Elfmeter und sogar einen Platzverweis, der zwar dämlich provoziert, aber auch nicht so richtig doll nachvollziehbar ist.

Wir sehen eine Mannschaft, die beim Gegentor nicht auseinanderfällt. Das tat sie aber auch noch nicht in Fürth oder Bielefeld, dort waren die zweiten Tore maßgeblich im Zerbrechen des fußballerischen Standings. Immerhin fällt dieses zweite Gegentor nicht so früh, sondern erst nach eigener Führung. Da halten wir uns gerade noch.

Unlust überwinden

Duisburg – eine recht lautstarke Fanschar, so am Rande bemerkt – gelingt es, aus gümmeligen Chancen Tore zu machen. Unser Problem in der Verteidigung ist ja durchaus kein unbekanntes. Der FCSP auf der anderen Seite ist auch nicht gerade zielstrebig da vorn und so geht das Ergebnis – man könnte die zwei Witz-Elfmeter ja beiderseitig abziehen – schon irgendwie in Ordnung. Unverständnis bleibt, wann immer ein Trainer sein Wechselkontigent nicht ausschöpft, gerade nach einem Platzverweis, und überhaupt wahnsinnig spät erst frische Spieler (immerhin Schnecke <3) auf den Platz schickt.

Ja und nun? Seit den Spielen, über die niemand mehr reden mag, stecken wir wieder knietief in der Scheiße und da kommen wir vor der Winterpause auch nicht mehr raus. Die gelähmte Unlust am Fußball, die die Akteure auf dem Platz präsentieren, zeigen die Ränge in ähnlichem Maße. Es ist kalt, in Handschuhen klatscht es sich nicht gut, die Glühweinversorgung könnte besser sein und die Trommel im Supportblock hängt aufgrund von zu viel Gegenwind vorerst am Nagel. Wer Argumente gegen die Trommel liefern möchte, behält die besser für sich. Die schläfrige Stimmung auf der Gegengerade an diesem Tag ist jedenfalls keines davon.

Nun gut … es ist kalt, wir sind jetzt schon etwas fußballmüde und freuen uns auf die Winterpause. In einer Woche geben wir noch mal Vollgas und würden uns über volle Ränge, laute Kehlen, kompromisslosen Kampf auf dem Rasen und drei Punkte als Weihnachtsgeschenk sehr freuen. Enttäuscht uns nicht, ihr Lieben!

Und dann war da noch …

Wir bekamen es selbst gar nicht mit, aber offenbar hat jemand seitens des FCSP an diesem Tag bei der Musikauswahl ganz schön ins Klo gegriffen. Wir verweisen auf folgendes Getwitter und kommentieren das nicht weiter, hoffen aber, dass man da Konsequenzen zieht:

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Nov 212017
 

Es ist kühl geworden in Hamburg. Der schneidende Wind weht die Regentropfen sogar bis weit unter das Dach der Gegengerade. Nicht mal mehr dort kann man sich darauf verlassen, im Trockenen zu bleiben!

Verlässlichkeit, das wäre es doch mal. Als Mannschaft mit gehobener Zweitligaqualität gegen einen Aufsteiger im unteren Tabellenbereich antreten und sich sicher sein können, dass man da nicht unter die Räder kommt. Dazu ist vielleicht Fußball der falsche Sport, der FC St. Pauli aber vor allem der falsche Club.

Endlich mal wieder ein Heimspiel an einem seriösen Wochenendtag. Regensburg ist recht kräftig erschienen, mehr als 1.000 Leute in deren Block machen schon vor Anpfiff Alarm. Dagegen sind die Heimbereiche des Millerntors heute großteils eher im Winterschlaf … hat vermutlich aber auch was mit dem Verlauf des Spiels zu tun. Aber eines nach dem Anderen.

For Those About to Rock (We Salute You)

Bei den Klampfenklänge von „Hells Bells“ kriegt heute zumindest der Verfasser dieser Zeilen ein wenig Gänsehaut, ist mit Malcolm Young doch jüngst der Rhythmusgitarrist und Komponisten jener Kapelle von uns gegangen. Oft genug kommt einem die Nummer ausgelutscht vor – wie viele Jahre kriegen wir das Ding jetzt schon auf die Ohren? Heute jedenfalls wird es in seiner gewaltigen Form noch mal so richtig wichtig. Dann heute mal für Malcolm richtig Gas geben oder was?

Shoot to Thrill

Nein, nein, nein. Sprechen wir besser nicht über die erste halbe Stunde. Wirklich nicht. Und kommt uns nicht mit „Wieso, da stand’s doch kurze Zeit 1-0 für die Guten.“ Haben wir auch gesehen, war nur so halb lustig mit dem Fehler auf der Anzeigetafel.

MagischerFC St. Pauli vs. SSV Jahn Regensburg November 2017

Läuft doch.

Es ist immer wieder so ein Roulette-Spiel mit dem FCSP diese Saison. Wir wollen auch mal die Gewissheit haben: Hey, das gewinnen wir heute. Und zwar wirklich. Und ohne großes Geschlotter. Da sind so viele Gurkentruppen in Liga 2 und wir können uns nicht immer auf dumme Fehler der Gegner verlassen. Wir müssen solche Mannschaften einfach mal gegen die Wand spielen von A-Z. Das Potenzial wäre doch da.

Nach einem solchen Spiel dankbar für die Comeback-Qualität sein: Ja. Aber von vorneherein hätte es nie zu einem 0:2-Rückstand nach 30 Minuten kommen dürfen. Hut ab für den mutigen frühen Doppelwechsel, da beweist Janßen ein gutes Händchen.

High Voltage

Was man positiv mitnehmen könnte: Pöbeln gegen den Schiedsrichter ist soziale Schmiere auf den Rängen und Motivator für weiteres Engagement. Das Gespann liegt heute oft einen ganzen Zacken daneben, findet mit Mühe eine Linie von vielen Gelben Karten und übersieht dann eine offenbar meterlange Abseitsstellung. Glück für uns.

Adrenalin gibt’s immerhin zur Genüge. Wer in der Halbzeitpause nicht unter Starkstrom geht, hat dieses Spiel nicht wirklich gesehen. Unterhaltsam ist es, das wollen wir nicht bestreiten. Und dennoch muss einiges so richtig doll anders werden. Zweikampfverhalten. Umschaltspiel. Die letzten 1-2 Aktionen vor dem Tor. Haben wir eigentlich schon mal erwähnt, dass die Boys in Brown das Verteidigen bei Standards üben sollten?

So krebsen wir jetzt allmählich im Niemansland der Tabelle herum und ganz ehrlich, wir sehen uns da nicht so schnell herauskommen. Bitter, die Saison so früh wegzustecken, aber wir sind Berufspessimisten und können nicht anders. Natürlich lassen wir uns gern überraschen und eines besseren belehren.

Nun ist Donnerstag erst mal Jahreshauptversammlung. Liebe Mitglieder, kommet zuhauf.

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Nov 062017
 

„Ihr fahrt zu Union? Mein Beileid.“ Nicht wenige reagierten so, wenn man ihnen von den Wochenendplänen erzählte. In der Alten Försterei ein erstes Auswärtsspiel zu erleben, sei gut, denn danach könne es nur besser werden, hieß es. Eigentlich sei alles beknackt da im frostigen Osten von Berlin – Anfahrt, Unioner, Gästeblock, Ordner, Sankt-Pauli-Touristen undsoweiter. Gut, dass wir uns von Horrorgeschichten nicht abschrecken lassen. Denn trotz eines Ergebnisses zum Haareraufen wird das eine richtig gute Fahrt.

Da es eigentlich immer was in Berlin zu tun gibt, wollen wir das ganze Wochenende in der Hauptstadt verbringen. Freitagabend lassen wir uns von einem liebenswürdigen Flixbus-Fahrer kutschieren, der richtig Bock hat, die klischeeberliner Unhöflichkeit als Markenzeichen zu etablieren.

Das Verbot von Bier und, so wörtlich, „Dönerspeisen“ im Bus setzt uns hart zu. Die Kollegen auf den Sitzen nebenan machen’s konsequent und ziehen dann eben ’ne Line im Bus.

Wir hängen abends noch eine Weile im Halford in Friedrichshain ab – so eine Metalkneipe fehlt Hamburg definitiv. Im Halford kannst du wenigstens noch sitzen, dich unterhalten und hast trotzdem gute Mucke auf den Ohren. Artig zeitig geht es dann in die Falle, wir haben ja was vor am nächsten Tag.

Sonnabend – Matchday!

Der große Tag beginnt, auf geht’s nach Köpenick. Wir steigen am Wismarplatz in die Tram und tuckern die bescheidene Strecke im gemächlichen Tempo entlang. Die Zeile „Das Stadion liegt irgendwo am Arsch“ trifft auf die Union-Spielstätte definitiv noch mehr zu als auf die Müllverbrennungsschüssel der Hansestadt. Vorbildlich früh, wie wir unterwegs sind, macht uns das aber nix und wir kommen gegen halb 12 an der Alten Försterei an. Bis zu diesem Zeitpunkt haben wir, übervorsichtig unsere Schals versteckend, keinerlei Stress mit Köpenicker Kanten – und wir hören auch nichts davon, dass es welchen gegeben hätte.

Bei dem schönsten Wetter, das so ein Novembertag zu bieten hat, leeren wir unsere morgendlichen Biergetränke, begrüßen die Weitgereisten und weniger Weitgereisten und machen uns auf den Weg in den Block. USP verkaufen für fünf Euro Schals für die Choreo, die sich allerdings anfühlen, als ob sie mit Wandfarbe bestrichen seien. Spießiger Berliner Cops finden das Ganze gar nicht geil und bedrängen die USP-Leute, den Verkauf einzustellen. In der Folge wechseln andernorts hektisch Schals weiter „gegen Spende“ den Besitzer, sodass am Ende der Gästeblock zu Genüge mit den Utensilien ausgestattet ist.

Der Einlass fast erschreckend zahm

In der Erwartung, schlimmer kontrolliert zu werden als im Knast, verabschieden wir uns schon innerlich von dem einen oder anderen Besitztum. Doch Pustekuchen, es klappt ganz ausgezeichnet und entspant mit dem Einlass. Ob Union die Security-Firma getauscht hat, einfach ein Paradigmenwechsel stattgefunden hat oder wir einfach nur einen guten Tag erwischen, man weiß es nicht. Jedenfalls sind wir nicht böse drum.

Auch die Toiletten- und Biersituation kennt man schon wesentlich schlimmer als hier. In der Regel kommt man zügig dran, egal, ob man Flüssigkeit tanken oder loswerden möchte. Um die Halbzeit herum werden allerdings andere Erfahrungen gemacht. Da ist sowohl die Beschaffung als auch die Entsorgung von Flüssiggut schwieriger.

MagischerFC Union Berlin vs. St. Pauli November 2017

Gut, dann haben jedenfalls noch die schlimmen Paulis im Block die Chance, uns durch „Fahne runter“-Rufe oder ähnliches ein Negativerlebnis zu bescheren. Spoiler: Nix dergleichen gehört, aber wir stehen auch ein Stück weg von den Fahnen. Ein rotzbesoffener FCSP-Öddel in der Kloschlange, der weibliche Besucherinnen zum Zeigen ihrer Geschlechtsteile auffordert, lässt indes mal den Puls hochschnellen. Bevor jemand fragt: Selbstverständlich hat der Knallkopp richtig was zu hören bekommen. Ob das in seinem bierverklebten Hirn angekommen ist, darf bezweifelt werden. Rotzbesoffen ist sowieso ein Stichwort. Wenn man selber nüchtern ist, sind selbst liebste Menschen anstrengend, wenn sie denn ordentlich getankt haben.

Das Spiel: Same Old Song

Ja ja … wir haben riesig Bock, weiter von couragierten Auftritten mit wenigen unglücklichen Situationen, von denen aber eine zum entscheidenden Gegentor führt, zu schreiben … NICHT. Doch viel anders lässt es sich nicht zusammenfassen. Noch immer zu viele Fehler im Aufbauspiel, wirre Fehlpässe und ein Stürmer, der es sich im Abseits richtig gemütlich gemach hat, gehen uns gewaltig auf den Keks. Wir hoffen inständig, dass spätestens in der Winterpause mal fundamental daran gedreht wird, dass wir uns nicht mehr über die ewiggleichen Versäumnisse beim FCSP ärgern müssen. Heute nicht mal einen Punkt mitzunehmen und damit tatsächlich mal den Anschluss an die drei goldene Plätze zu verlieren, frustriert etwas. Dann wird es eben eine Saison im grauen Niemansland der Tabelle.

Und das Gegentor mal wieder klassisch nach einem Standard, der nun nicht Messi-Wunder-haft getreten ist, sondern gemütlich in den Strafraum segelt, mittig und dort in Ruhe verwertet werden kann. Irgendwie haben wir eine „Täglich grüßt das Murmeltier“-Erfahrung, denn das erleben wir in letzter Zeit häufiger. Wir haben nun nicht nachgeguckt, aber gefühlt sind es vier bis fünf Tore hintereinander, die wir so kassiert haben. Und das kann man auch mal trainieren. Da ist definitiv ein Fehler in der Aufteilung und der wird anscheinend von Teams auch gut erkannt und ausgenutzt.

Der ausverkaufte Gästeblock macht seine Sache gar nicht so schlecht, wie wir finden. Die Mitmachquote in den äußeren Randbereichen könnte natürlich immer höher sein, aber für unsere Einschätzung keine schlechte Supportleistung. Die Schal-Choreo dürfte von außen durchaus ansehnlich gewesen sein und es gelingt uns, von Union erst was an unsere Ohren dringen zu lassen, als der Gegentreffer in der Nachspielzeit fällt. „You only sing when you’re winning!“ Wir hingegen sind am Ende durchaus heiser.

„Zwei Kultclubs“: Symbolbild

Mit dem Frust über die späte und alles andere als notwendige Niederlage machen wir uns auf die Reise zurück nach Friedrichshain. Abermals verbergen wir zunächst sorgsam unsere Schals, was sich bald als komplett unnötig erweist. Vor uns und hinter uns (dieses Mal nehmen wir den Weg über S Köpenick) ziehen genügend braunweiße Fans die Aufmerksamkeit auf sich. Doch es bleibt alles ruhig. Am S-Bahnhof kommt es lediglich zu entspannten Frotzeleien zwischen Unionern und Sankt Paulianern. Die FCSP-Anhänger haben den Bahnsteig durch Überzahl unter Kontrolle (das wäre uns auf dem Platz lieber gewesen) und das Fangesänge-Duell wird andersherum entschieden als das Fußballspiel. Zwischendurch sieht man Rote und Braunweiße sich umarmen, als ob sie Sky-/Bild-/wasauchimmer-Reportern das richtige Bildmaterial für ihr „Kult gegen Kult“-Gefasel liefern wollen. Es ist sowieso angenehm, eine zu 99 % entspannte Stimmung um das Stadion herum zu erleben und so ganz ohne Fantrennung. Selbst wenn es aus diversen Gründen keine Fanfreundschaft sein muss, muss es ja auch nicht gleich der pure Hass sein.

Etwas müssen wir hier aber noch mal klären, liebe Unioner. Es gibt nur einen (noch aktiv spielenden) Fußballgott. Und der trägt die 27.
In einem Stück und trotz der Niederlage in guter Laune verbringen wir den Rest des Wochenendes noch an der Spree. Berlin hat seine Vorzüge, keine Frage. Am Ende ist es zu Hause aber wohl doch am schönsten.

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Okt 302017
 

Liebe Leidensgenossen und Leidensgenossinnen,

viele von uns sind nicht erst seit gestern Fans des FCSP und haben dementsprechend deutlich Schlimmeres gesehen als das Spiel am vergangenen Freitag gegen Erzgebirge Aue. Dennoch frustriert die Autoren diese Begegnung in der Retrospektive besonders und raubt ihnen beinahe die Lust, sich mit dem Spiel erneut detailliert auseinanderzusetzen.

Es sind nun zwölf Begegnungen gespielt, aus denen der FCSP 19 Punkte gewinnen konnte. Das reicht (warum auch immer) für Platz 5 mit vielleicht nicht großartigen, aber durchaus soliden Chancen, noch auf die Aufstiegsplätze zu gucken. Zusätzlich hemmt uns natürlich großes Verletzungspech. Ein Super-GAU ist die Spielzeit 17/18 bisher nicht, aber trotzdem sind Partien wie die am Freitagabend Indikatoren dafür, dass etwas nicht stimmt und wir uns für die kommenden Monate eher die Plätze in der Tabellenmitte nochmal anschauen sollten. Wer so spielt, ist im Aufstiegskampf einfach nicht konkurrenzfähig. Es ist aber erstaunlich, dass man miit sechs Punkten zu Hause immer noch in Sichtweite von Platz 3 steht. Vielleicht hat der Fußballgott aber auch Großes vor und hat uns zum Relegationsderby vorgesehen? Und wahrscheinlich können nur wir den Dino beenden.

Ernsthaft, Aue macht über die kompletten 90 Minuten nichts und trotzdem ist es nicht möglich, zu Hause gegen einen solchen Gegner zu bestehen? Ihn so oft vors eigene Tor zu lassen? Nur so selten gefährlich zu werden? Selbst Dudziaks Treffer lässt sich letztlich auch auf einen Abwehrfehler der Sachsen zurückführen. Ja klar, hier und da sieht das Spiel ganz mal ganz gut aus und Ansätze im Gegenpressing gibt es auch; aber mit so was reicht es völlig verdient nur für einen Punkt und damit bleibt man eben kein Spitzenteam in Liga 2. Was auffällt: Wenig Aktionen werden mit wirklichem Tempo gefahren. Und wenn, dann ist es meistens Zander, der richtig mit Schwung in die Abwehr des Gegners geht – und dann meistens auch Gefahr heraufbeschwört. Fehlt da die Regeneration? Sind die Verletzungen ausschlaggebend? Man kann es nicht nicht sagen.

MagischerFC St. Pauli Erzgebirge Aue Oktober 2017

Was man jedoch trainieren kann, sind Standards. Und das wir nun schon wieder ein Tor nach einer Ecke bekommen, ist nicht nur ärgerlich, sondern ein Systemfehler. Denn man darf Folgendes nicht vergessen: Nur knapp über ein Prozent aller Ecken überhaupt im Fußball führen zu Toren. Oder anders ausgedrückt: Jede 100. Ecke ist ein Tor. Da darf man sich nicht schon vier Gegentore diese Saison gefangen haben. Und das sind ja nun keine Messi-Ecken, die da herein segeln, sondern biedere Zweitligakost. Gerade bei unseren eigentlich kopfballstarken Verteidigern darf dies nicht passieren.

Zurück zum Thema „Spitzenteam in Liga 2“: Will man das denn überhaupt sein? Ja! Wir spielen jetzt seit Menschengedenken in dieser organisierten Langeweile, die man hierzulande zweite Bundesliga nennt. Es wird Zeit, dass wir nach oben kommen, dass wir eine „winning culture“ etablieren und uns die Wochenenden nicht mehr von solchen Spielen versauen lassen. Woher kommt überhaupt diese unsägliche Gedanken, dass wir immer nur gegen den Abstieg spielen? Klar, bezeichnend für den FCSP ist, dass sportlicher Erfolg nicht an erster Stelle steht; aber warum denn die Möglichkeiten negieren, die man gerade hat? Schlechte Zeiten kommen wieder früh genug. Nutzen wir doch mal unsere Möglichkeiten!

Und sonst so?

Stimmung auf der Gegengerade anfangs durchschnittlich (also fast gut), nach dem Gegentreffer selbstredend unterirdisch. Supportblock mit schöner Blockfahne. An dieser Stelle: Happy Birthday, liebe Alte Schule. Ihr habt in euren zehn Jahren viel bewegt, macht einfach weiter so.

Aue ist gefühlt nicht anwesend. Dafür die halbe GdP hinter der Nordkurve. Warum auch immer. Die Masse wünscht sich wohl „Antifa Hooligans“ zu Beginn der zweiten Hälfte zurück. Ist irgendwie auch cooler. Sorry, Slime.

Ein großes Herz an die beiden Elektro-Zigaretten-Raucher in der Süd. Immer perfekt zum Anfang von „Magisches St. Pauli siege heute hier für uns..“ blasen sie eine große Rauchwolke in den Himmel. Den Himmel haben wir heute übrigens schön, was mal wieder zu einem Millerntor-gefluteten Instagram führt.

Samstag geht es weiter gegen Union. Lasst uns im Bergedorf Berlins drei Punkte holen und oben dran bleiben! Wir sollten und brauchen keine Angst vor dem Gewinnen haben. Immer weiter, Sankt Pauli!

Eines noch zum Schluss: In der Pressekonferenz vor dem Spiel wurde davon berichtet, dass Sobiech unter Kopfweh leidet. Da gehen bei jedem, der auch nur annähernd die ganze Kopfverletzungsgeschichte in der NFL verfolgt hat, sofort die Alarmglocken an. Gerade bei einem Spieler, der bereits eine Gehirnerschütterung diese Saison hatte. Und man muss sich erneut fragen, warum es im Fußball – anders als in allen US Sportarten – kein vorgeschriebenes Testprotokoll gibt, wenn Spieler im Verdacht stehen, Kopfverletzungen und insbesondere Gehirnerschütterungen zu haben. Bei aller Liebe zu den Vereinen erscheint es uns nicht wirklich sicher, dass diese immer wirklich verantwortlich mit ihren Spielern umgehen. Ein neutrales, fest einzuhaltenes Procedere mit geschulten, neutralen Ärzten ist im Fußball längst überfällig.

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Okt 262017
 

Sandhausen. An einem Montag. Das sind so Fahrten, nach denen man sich die Finger leckt. Und so ist selbst der Fanclub des Zeilenschreibers diesmal nur mit zwei Personen vor Ort. Sonst ist drei eigentlich unsere absolute Mindestzahl. Dabei besteht dieser legendäre Fanclub, den niemand kennt, aus gerade mal acht Personen.

Okay, genug der Selbstbeweihräucherung. Sandhausen. „Dorfverein“ ist in diesem Zusammenhang wahrscheinlich wirklich keine Abwertung. Sandhausen ist eine Kleinstadt und im Vergleich zu vielen anderen Vereinen in der zweiten Liga ein Dorf. Natürlich eines mit ganz viel Wirtschaft in der Nähe, die auch Geld in den Verein pumpen kann; aber dass die nun irgendwelche Traumbudgets fahren, kann man nun auch nicht sagen. Um dann so lange in der zweiten Bundesliga präsent zu sein und immer wieder eine gute Rolle zu spielen, muss man schon sehr viel richtig machen.

Und damit der FCSP nahezu konstant schon seit 1 ½ Jahren unter dem SVS steht, muss man am Millerntor verdammt viel falsch machen. Ja, das ist einfach so, auch wenn ihr es alle nicht hören wollt. Die Sandhäuser haben das Potential von ca. 8.000 Zuschauern und vielleicht 100.000 Sympathisanten. Wir hingegen verfügen über ein Potential von 28.000 Zuschauern (jeweils Gästefans rausgerechnet) und Millionen Sympathisanten. Das soll gar nicht großkotzig klingen, aber man muss auch mal ein reales Verhältnis bilden, wenn man Leistungen vergleicht und sich selber einordnet.

Umso erstaunlicher, dass es immer noch FCSP-Fans gibt, die glauben, dass der Klassenerhalt in der zweiten Liga beinah einem Wunder und der Erfüllung aller Wünsche entspricht.

Ein seltener Gast

Nun gut, diese Fahrt bringt einen seltenen Gast in das Fahrzeug des Schreibers, hatte doch J. mal wieder vor, auswärts zu fahren. Nach drei Jahren mal wieder. Dem ganzen liegt eine Vorgeschichte zugrunde, die ich hier nicht vorenthalten möchte.

Auswärtsfahrt nach Bochum.

Tweet des Schreibers (alles folgende sinngemäß zitiert): „QotD: „Panzer sind auch keine Lösung“ „Ja, aber sie machen schöne große Löcher““

Nachricht J. (ca. 20 Sekunden später) : „Ich will auch mal wieder auswärts fahren.“

Antwort Schreiberling: „Wir reden hier aber nicht immer über Panzer“

J.: „Egal“

Danach die Feststellung, dass J. drei Jahre nicht mehr mit war, und das Versprechen, dann gleich die Schocktherapie zu nehmen und nach Sandhausen zu fahren.

Dann kam die Terminierung als Spitzenspiel, aber das Versprechen blieb und so findet man sich kurz nach 11 Uhr an einem Montag auf der Autobahn wieder.

Und beinah viel zu früh in Sandhausen

Aber Getrödel und eine kurze … äh … Abkürzung über Feldwege sorgen dafür, dass wir nur zu früh da sind. Was man langsam echt mal hinterfragen sollte, ist, warum bei einem solchen Spiel auf Feldern vor der Gemeinde Polizei steht. Was soll da passieren? Wenn sich noch irgendein Polizist über Überstunden und ähnliches aufregt, dann kann man ihn immer nur fragen, was für Ackermatches die bei dieser Paarung erwarten.

Dass man in Sandhausen auf irgendwelchen Feldern parkt, entspricht herrlich dem Klischee. Das Parken ist gut organisert. Das ist dann auch eine durchgängige Beobachtung. In Sandhausen weiß man, dass da Menschen kommen, ist organisiert, hat einen vernünftig funktionierenden Einlass, weiß, dass dort Menschen mit Bannern kommen, die sie gerne aufhängen wollen. Das ist top. Und da können sich andere Vereine (Hallo Kiel!) eine Scheibe von abschneiden. Auch die Abfahrt nach dem Spiel ist gut organisiert und schnell möglich.

Über das „1. FC Pauli“ auf der Website des Rhein-Neckar-Fernsehens will man da beinah hinweg sehen. Aber auch nur beinah.

MagischerFC Sandhausen 1. FC Pauli

Gut 2.000 FCSP-Fans aus aller Welt haben sich im Gästeblock eingefunden und dieser macht auch 90 Minuten ordentlich Radau. Respekt dafür. Über das laut hörbare S beim „Aux Armes“ müssen wir aber irgendwann mal reden.

Auf dem Platz …

… entwickelt sich ein Abnutzungskampf zweier Mannschaften, die versuchen, das Spiel intensiv zu spielen und insbesondere hinten nichts zuzulassen. 18 zu 16 Schüsse verzeichnet am Ende das Protokoll, aber auch nur jeweils drei „On Target“.

Die besseren Schüsse haben die Gäste, aber entweder rettet irgendein Fuß oder ein Torhüter oder aber es kommt gar nicht zum Schuss, weil in letzter Sekunde irgendetwas schief geht.

In Halbzeit 2 wird der FCSP noch drückender, hat Möglichkeiten und kassiert dann nach einer haarsträubenden Fehlerkette das Gegentor. So ist es im Fußball. Wenn du deine Möglichkeiten nicht in Tore umsetzt, dann rächt sich das gerne mal. Das Zweikampfverhalten vor dem Tor wird wahrscheinlich noch in mehreren Videoabenden Thema sein.

MagischerFC SV Sandhausen vs. St. Pauli Oktober 2017

Danach werfen die Braun-Weißen alles nach vorne, machen Lasse mal wieder zum Mittelstürmer (in einer anderen Zeit, als Mittelstürmer noch zuerst kopfballstark sein sollten, wäre Sobiech nebenbei niemals Verteidiger geworden) und dieser Aufwand wird durch den Ausgleich von Schneider belohnt.

Dem ist dieses Tor mal ganz stark zu gönnen. Der Junge kommt immer mal wieder von der Bank, rennt sich dann die Seele aus dem Leib und wirkt immer erfrischend. Gut, dass er für seinen Aufwand auch mal belohnt wird.

Trotzdem muss man nach diesem Spielverlauf echt unzufrieden sein. Insbesondere, da Sandhausen sein übliches Betonsystem nicht durchgedrückt bekommt und man eben mehr als ein, zwei Gelegenheiten hat. Klar ist es schwer in Sandhausen zu gewinnen, aber diesmal war es möglich. Trotz der ganzen Verletzten.

Die Verletztenmisere – ohnehin ein Thema

So einen tiefen Kader kann man in der zweiten Liga gar nicht haben, um diese ganzen Verletzungen aufzufangen. Und es ist eben nicht nur alles Pech. Gut ist, dass auch Olaf in der Pressekonferenz vor dem Spiel darauf einging und deutlich machte, dass man an Stellschrauben versucht zu arbeiten.

Zu hoffen bleibt, dass wir nicht auch noch Nehrig auf die Verletztenliste schreiben müssen. Gut sieht das bei seiner Auswechselung nicht aus.

Auf der Rückfahrt haben wir aufgrund einer Buspanne zwei Gäste im Auto, die unsere Runde perfekt auflockern und bei der Unterhaltung des Fahrers bis 5:30 Morgens durchhalten. Da hat uns dann das Millerntor wieder.

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Okt 142017
 

Fußball ist ein seltsames Spiel. Noch am Nachmittag erklärt der Verfasser dieser Zeilen seinem Arbeitskollegen, warum er nicht an Tippspielen teilnimmt und dass die Unvorhersehbarkeit des Fußballsports einen großen Reiz für ihn ausmacht. Und dann ist es eben diese Unvorhersehbarkeit, die am Ende des Spiels gegen Kaiserslautern ein schales Gefühl beschert. Wie es in den Wald hineinruft …

Endlich wieder Millerntor. Für Unsereins ist es urlaubsbedingt das erste Heimspiel seit Wochen, es knistert entsprechend wieder erheblich. Das Freitagsspiel versaut allerdings einen gemütlichen Gang durchs Viertel, Gehetze ist angesagt. Die ganze Woche so vorarbeiten, dass man freitags früher los kommt, ihr kennt das vielleicht. Und dann ist auch noch das halbe Heiligengeistfeld abgesperrt. Sag das doch jemand! Mit Mühe und Not geht es eine knappe Stunde vor Anpfiff in den Supportblock.

MagischerFC St. Pauli vs. 1. FC Kaiserslautern Oktober 2017

Schön bist du, altes Haus

Todeskonfetti! Diese winzigkleinen Schnipsel, die auf jeden Fall den Weg in den Bierbecher oder die Unterhose finden, sorgen zum Einlauf mal wieder für richtig Spaß im Block. Wer die „falsche“ Klamotte anhat, sieht jetzt aus wie paniert. Jetzt aber los, wir wollen mal wieder einen Heimsieg. Ist ja schon eine Weile her, nech?

Lautern steht mit dem Rücken zur Wand und das merkt man auch. Unangenehm defensiv mit zerstörerischem Spiel nehmen die Regionäre dem Fußballgourmet jeden Appetit. Spannende Szenen Mangelware, gerade mal 2:2 Torschüsse nach 45 Minuten laut Kicker. Ein Mal hat Allagui einen Führungstreffer auf dem Fuß, den müsste er machen. Aber vielleicht ist zu diesem Zeitpunkt der Knoten noch nicht geplatzt. Immerhin kein Gegentor in Halbzeit 1, das ist ja schon mal was. Wir vertreiben uns die Zeit mit Singen und Klatschen, was man halt so tut. Auch das eine oder andere unsinnige Lied kommt dabei heraus.

Du wirst hier Häute gewinnen?

In der zweiten Hälfte merkt man, wie der Druck auf dem Kessel steigt. Kompakte Defensive hin oder her; gegen ein Team, was so tief unten steht, sollte schon was Zählbares kommen – gerade wo der FCSP so viel mehr Ballbesitz und Spielanteile hat. Es dauert bis zu 63. Minute, als ein Raunen und ein ungläubiger Jubel durchs Stadion geht. Flum wird im Lauterer Strafraum umgehauen, alle rechnen mit dem Elfmeterpfiff – und bevor der Schiedsrichter auf den Punkt zeigen kann, nimmt Sami sich die Pille und drischt sie aus 20 Metern humorlos in die Maschen. Ja Mann! Endlich ein Treffer durch unseren großen Sturm-Hoffnungsträger. So kann’s weitergehen.

Und dann ist Fußball eben wieder so grausam, wie er manchmal sein kann. Keine Viertelstunde später entsteht aus dem Nichts eine Ecke für den 1. FCK , die einfach sitzt. Nicht nur die Spieler gucken dumm aus der Wäsche. Solche Partien fühlen sich an wie eine Niederlage, wo es doch so ziemlich die einzige wirklich gefährliche Chance für Lautern war. Das Spiel hatte gerade Fahrt aufgenommen und MMD hätte um ein Haar auf 2-0 erhöht. Nee, aber das sollte nicht sein.

Nun muss man sagen, dass der FCSP in dieser Saison bisher eher auf der Sonnenseite des unverschämten Glücks des Tüchtigen residierte. Und Glück, Pech, Zufall, das hält sich nicht an irgendwelche Regeln. Gerechtigkeit braucht man da nicht zu suchen. Ein bisschen wie geprügelte Hunde trottet man aus dem Stadion, um sich in der lauen Oktobernacht (wärmer als so mancher Juli-Abend, wie es scheint) noch vor den Fanräumen/der Weinbar auf das eine oder andere Getränk mit guten Menschen zu treffen. Das Schöne an Freitagsspielen ist ja, dass man danach oft nix Weiteres mehr vor hat und genau für so was Zeit bleibt.

Support & so

Mit ein paar Wochen Abstand fällt auf, dass auf der Gegengerade die Sangesfreude ausbaufähig ist. Viel verpufft ziemlich schnell und wird von nur wenigen mitgesungen. Schade. Liegt’s daran, dass wir derzeit weder ganz vorn noch im Keller mitspielen? Dass ein Ernst der Lage fehlt? Naja, es fehlt ja nicht viel und wir wären oben dran. Scheidet als Erklärung also aus. Die Lautsprecheranlage auf der Süd, die unsere Wenigkeit heute zum ersten Mal und das auch nur in einem kurzen Augenblick wahrnimmt, entzündet auch keine Kehlenfeuer. Also lassen wir es mal bei einem kleinen Appell: Ey, Loide, brüllt mal bei den nächsten Spielen wieder ’n bisschen lauter, ok?

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Sep 132017
 

Blockgeschichte im Blog

An einem Montagabend in Nürnberg ist auch so eine Ansetzung, nach der man sich die Finger leckt.

Die Stehplätze im Gästeblock waren trotzdem ausverkauft, was aber auch an einer Geldschneiderei von Nürnberg liegt. Letztes Mal waren 25a und b noch als Stehplatz eingerichtet (das sind diese doofen Umklappsitze), dieses Mal konnte man 25b für schlappe 23 Euro als Sitzplatz erwerben. Gesessen hat da natürlich niemand.

Was natürlich auch dazu führt, dass der Verein ein System mit Auslasskarten und vielen Ordnern installieren muss und Fans versuchen, den Block ohne eine richtige Karte zu betreten. Ein bisschen Gedrängel ist die Folge.

Hm. Könnte man alles mit einer vernünftigen Planung und einem vernünftigen Stehblock vermeiden.

Blockfüllmasse im Blog

Mal ehrlich Leute. Es gibt coole Leute, die aus diversen Gründen selten zum FCSP fahren. Da wäre da der Herr neben uns, der alles mitsingt, egal ob er den Text kennt oder nicht.

Aber es gibt auch echt uncoole Leute. Aggressives Verhalten gegen Mitfans, absolutes Desinteresse am Spiel. Es nervt! Zum Saufen geht doch lieber in die Kneipe.

Stimmung ist im Block auch echt mies. Mag im TV anders rüber kommen, aber meistens machen echt nur die ersten fünf Reihen mit.

Und in jede Pause der Vorsänger „Wir sind Zecken“ anzustimmen, ist nun auch nicht gerade produktiv, wenn man vorher konsequent das Maul hält.

Blocken im Spiel im Blog

Um mal das Phrasenschwein zu schlachten: Es ist nicht immer nur „glücklich“, wenn man so ein Spiel gewinnt. Natürlich hat Nürnberg riesige Chancen und muss zumindest eine nutzen. Müsste!

Und natürlich haben wir gewisse Mängel im Spiel. Beispielsweise verlieren wir teilweise viel zu schnell den Ball, wenn wir hoch angegangen werden. Und auch Avevor verursacht einige Bauchschmerzen mit Risikopässen zurück zum Torhüter.

Aber wir haben halt auch die Aufräum- und Ballblockmaschine Hornschuh und ein Team, was in einem Spiel umstellen kann und diesmal viel zuarbeitet. Etwas, was wir zwischendurch bemängelt haben, was diesmal richtig gut von den Jungs gemacht wird.

Und dann hilft das Glück auch den Tüchtigen. Ein Himmelmann-Abschlag findet einen Nürnberger Kopf und poltert zu deren Pech weiter zu Sobota. Waldemar wird jetzt natürlich sagen, dass er das genau so geplant hat. Aber irgendwie sieht es aus, als ob er einfach zum Presseschlag hin gehen will und plötzlich macht es Bumms und drin ist der Ball.

MagischerFC 1. FC Nuernberg St. Pauli September 2017

… haben wir mehr Glück als Verstand

Eine Stärke des FCSP 2017? Wenn er mal eine Führung hat, dann schaukelt er diese auch nach Hause. Und auch Nürnberg hat nur noch eine Minichance nach der Führung.

Allagui ist immer noch nicht gut, aber ein Schritt in die richtige Richtung lässt sich erkennen. Es sieht schon viel besser aus. Litka gefällt uns auch gut. Şahin wieder ist mal ein Thema für eine längere Erörterung.

Wer in seiner kurzen Einsatzzeit noch gefällt, ist Neudecker. Der Junge kann einen Ball ja perfekt verarbeiten. Der könnte echt noch eine Waffe werden.

Feierabend

Wisst ihr was, es Montags nach einem Spiel nicht gibt in Nürnberg? Taxis in Stadionnähe. Aber auch das können wir auch noch lösen und kommen ins Bett.

Fünfter Platz, zehn Punkte, drei Siege – das ist ein passabler Saisonstart, wenn man auf die Tabelle guckt. Und wir dürfen hierbei nicht übersehen, dass gerade schon eine große Verletzungskacke am Dampfen ist. Die Ausfälle wichtiger Leistungsträger haben hoffentlich bald ein Ende – spannend wird dann auch, was für Gerangel um die Stammplätze dann beginnt.

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Aug 282017
 

Yeah Loide, das erste Spiel der Saison zu einem vernünftigen Zeitpunkt – sofern man bei der nachtschlafenden Uhrzeit von 13 Uhr davon sprechen kann. Aber immerhin Sonnabend. Was bei den Heidenheimer Gästen keine Begeisterungsstürme ausgelöst zu haben scheint, denn „Hurra, das ganze Dorf ist da“ trifft es nicht. Ein jämmerlich kleiner Gästeblock in Rot-Weiß-Blau steht da.

Wir sind heiß, nicht zuletzt wegen der angekündigten neuen Choreo über drei Tribünen. Zu diesem Zweck, nämlich Synergien zwischen Süd, Gegengerade und Nordkurve zu schaffen, hat sich der Verein „Das ganze Stadion e. V.“ gegründet. Für 15 Euro im Jahr Mitgleidsbeitrag unterstützt ihr unter anderem aufwendige Sachen wie das, was wir am Sonnabend erleben. Und das ist zweifellos eindrucksvoll – Fotos seht ihr wie so oft bei Groeni.

Einige taktische Beobachtungen

Fußball ist ein Ergebnissport. Das wissen wir alle. Du kannst noch so gut arbeiten und noch so gut spielen, wenn der Ball immer an den Pfosten prallt und der Gegner per Zufall trifft, dann ist das schlecht. Trotzdem muss man auch den Prozess im Auge behalten. Und der war zumindest in Halbzeit eins in die falsche Richtung.

Die Analyse fällt da sehr leicht. In einem 4-4-2 (was es letztendlich doch wieder war) funktionieren wir zur Zeit nicht. Es fehlt die zentrale Kompaktheit, sodass es in der Defensive sehr schwimmend aussieht. Offensiv ist in diesem System Platz für entweder Cenk oder MMD. Wir müssen dann also einen der beiden Spieler, die uns gut Geld kosten und die zentrale Figuren sein sollten, auf die Bank setzen.

Hier muss eine grundsätzliche Frage gestellt werden: Wenn man die beiden weiter verpflichtet, plant man dann auch beide als Stamm ein? Und wenn ja: Wo sollte das in einem 4-4-2 sein? In einem 4-2-3-1 lässt sich das einfacher lösen mit Cenk als Flügelflitzer und MMD als zentrale Figur im offensiven Mittelfeld. Wie das im gewünschten System funktionieren soll? Keine Ahnung. Vielleicht einer als zweite Spitze?

MagischerFC St. Pauli 1. FC Heidenheim August 2017

Damit auch jeder weiß, wie die Tribünen heißen.

Noch etwas fällt auf: Unsere beiden jetzigen Stürmer funktionieren zusammen nicht. Die angedachten Kombinationen zwischen den beiden bleiben aus und Frust ist erkennbar. Das kann alles noch werden und Stürmer sind ja auch von Kleinigkeiten abhängig und dann klickt das plötzlich. Fähig dazu wären beide.

In der Halbzeit dann Umstellung. MMD zwar nicht komplett zentral, aber als Mann, der an seine Mitspieler folgende Nachricht sendet: „Gib mir die Kirsche“ (um mal Lothar Emmerich zu zitieren) und plötzlich haben wir Ballbesitz auch in Zonen, wo es gefährlich sein könnte, und die beiden Außen haben plötzlich Bälle zum Arbeiten.

Mehr Ecken sind die Folge, aber wenig wirklich gefährliche Abschlüsse. Man muss auch mal sagen, dass Heidenheim ein sehr gutes 4-4-2 spielt mit zwei beiden Ketten, die ausgesprochen eng und gut ineinander greifen. Respekt, was da auch taktisch gearbeitet wird.

Irgendwann hat Aziz das 1-0 auf dem Schädel, bekommt aber den Ball nicht gedrückt. Und es ist wie immer bei Stürmern. Hätte er einen Lauf, wäre der unter der Latte eingeschlagen – so geht er drüber. Einen Vorwurf kannst du ihm nicht machen. Er steht gut zum Ball und so eine Fackel musst du erstmal kontrolliert bekommen.

Als dann alle denken, dass wir hier mit einem – nicht mal ungerechten – Unentschieden nach Hause gehen, flippert der Ball durch die Reihen und zappelt dann im Netz. Flummi sei Dank. Seien wir ehrlich: Das ist doch mehr Fußball als jeder ungefährdeter 6-zu-0-Sieg. Der Laden eskaliert und der – sehr gute! – Schiedsrichter pfeift gar nicht mehr an.

Das war wahrscheinlich eine lange Rückfahrt für die ca 700 mitgereisten Heidenheimer.

Noch ein bisschen Randgeschehen

Choreografien zum Einlaufen. Wie häufig muss man es denn noch erklären? Luftballons zum „Herz von St. Pauli“ sind zwar nett, aber sie dann zu zertreten ist doof. So wirkt die tolle Arbeit nicht ganz so, wie sie es soll. Schade.

Hören wir da etwa Pfiffe zur Halbzeit? Das geht ja gar nicht!

Ausblick

Vier Spiele, sieben Punkte, vier Tore – wir sind noch ein gutes Stück von jenen Hoffnungen entfernt, die manche vor der Saison hatten. Aber ein Fehlstart in die Saison ist das auch nicht. Zu Hause ungeschlagen, das behalten wir jetzt einfach bei. Es sind noch 90 Punkte zu vergeben.

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Aug 162017
 

Ach, was willst du machen? Ein wirklich gelebtes Ritual des FCSP ist es, regelmäßig in Runde 1 (bestenfalls Runde 2) des Pokals zu scheitern. Insbesondere gegen Drittligisten. Es ist etwas schwer zu recherchieren, aber der letzte Sieg gegen einen damaligen Drittligisten im Pokal kam wohl 98/99 gegen den SV Meppen. Zu Großvaters Zeiten wurde im Emsland 1-0 gewonnen.

Seitdem? War man entweder selber Drittligist und Pokalschreck oder scheiterte konsequent am drittklassigen Gegner.

So war die Hoffnung in FCSP-Kreisen, auch noch nach diesem Spiel im Lostopf zu sein, eher gering.

Zu allem Überfluss wurde das Spiel auch noch auf Montag 18:30 terminiert und eigentlich hatte jeder vernünftige Mensch nun alle Gründe, das Ergebnis Dienstagmorgen kurz im Videotext zu checken. Aber FCSP-Fan und Vernunft geht irgendwie nicht, sodass sich ca. 2000 Fans unseres Vereines in der heimeligen Paderborn Arena einfinden. Seien wir ehrlich: Mehr Worte über diesen Unfall von einem Fußballstadion zu verlieren, wären rausgeschmissene Zeilen. Nur so viel: Wie man einen solchen Aufgang genehmigt bekommt, der definitiv keine Flucht zulässt, ist und bleibt ein Rätsel.

Generell Paderborn! Schon Heine schrieb, dass die Sonne bei Paderborn ungern aufgehe, und verspottete im Buch der Lieder die hinterweltlerische, ruckständige Mentalität sowie die erzkatholische Heuchelei. Seitdem hat sich in der „langweiligsten Stadt der Welt“ (Bela B.) nicht sonderlich viel geändert, außer vielleicht der Erfindung des ikonischen Paderborner Dosenbieres. Die Kombination der von Heine beschriebenen Mentalität in Verbindung mit dem wohl berühmtesten Paderborner Exportgut kann man während des Spiels auch auf der Gegenseite am Habitus der heimischen Fans begutachten. Kaum ein Klischee der Landjugend-Ultras fehlt.

Was ist dieses Mal nicht Schuld am Nicht-Weiterkommen?

Grundsätzlich das Rotieren. Drei Feldspieler mal rauszunehmen und zu wechseln ist a. keine wirkliche Rotation b. immer mal wieder notwendig. Man kann eine Saison nicht nur mit 14 Spielern bestreiten, von denen 11 immer anfangen. Und man sollte weiteren Teilen des Kaders immer auch mal die Möglichkeit geben, sich im Spiel zu beweisen. Mal ganz davon ab, dass man es garantiert nicht exklusiv an Cenk, Schnecke oder Litka festmachen kann, dass wir ausgeschieden sind.

Auch der Torhüterwechsel nicht. Heerwagen hält, was er halten kann. Und ein, zwei Bälle mehr. Wobei auch ihm ein gefährlicher Abklatscher unterläuft.

Die Fans. Die sind sowieso selten Schuld, aber was der Gästeblock abliefert, ist angesichts Spielverlaufs und der Situation – Pokal gegen einen unterklassigen Gegner – aller Ehren wert. Leider bekommen sich Matze Hain und ein paar Leute nach dem Spiel noch sichtlich verbal in die Haare. Wir wissen weder den Grund noch möchten wir das überbewerten. Lieber ein Verantwortlicher, der nach so einer Frustniederlage mal die Klappen auf hat, als jemand, der sofort emotionslos schon Interviews geben kann.

Der Schiedsrichter hat auch keine Schuld. Das (nebenbei sehr rücksichtslos bis absichtliche) Foul an Sobiech kann definitiv mit Gelb bestraft werden, was vielleicht eine Behandlung auf dem Platz ermöglichen würde, ohne dass Sobiech den Platz verlässt. ABER diese Regel gilt dann, wenn es sich um eine schnell zu beendende Behandlung handelt. Seien wir ehrlich: „Blutet wie Sau“ kann man nicht schnell behandeln. Das der Fußballgott nicht gerecht ist, zeigt sich, dass in der entstehenden Unsicherheit das 2-0 fällt. Das ist nicht fair, belohnt im Endeffekt das Foul, spricht aber unsere Truppe nicht von Fehlern frei. Denn mal ehrlich: Es ist unser Freistoß, aus dem das Tor ensteht.

Das wir am Ende dann mit zehn Spielern mehr Druck entwickeln als vorher, ist dann schon beinah ein Treppenwitz. Klar spielen wir nach dem 2-0 „alles oder nix“ und Paderborn hat teilweise gute Konterchancen, aber endlich baut sich mal so etwas wie Tempo und Druck auf.

Was letztendlich erstaunt: Wir schaffen es die 75 Minuten vorher eigentlich nie, unserem Spiel den Stempel aufzudrücken, aber trotzdem kann es ganz anders stehen. Aziz setzt den Ball vollkommen blank einmal neben das Tor, unser Gegentor ist ein glücklicher Sonntagsschuss. Aber so ist der Fußball noch mal. Und wirklich verdient hätten wir es nicht.

Zurück zum Schiri: Ist das Elfmeter in der letzten Szene? Vielleicht, keine Ahnung, kann man nicht gut sehen aus dem Block. Vom Fernseher aus ein „Kann man geben, muss man aber nicht.“ Hätten wir wahrscheinlich sowieso sonst wohin gebolzt.

Ist das eine taktische Umstellung auf ein 4-1-4-1? Es wirkt aus dem Block so. Dann ist das in so einem Spiel eher nicht zielführend, denn gerade in Halbzeit 1 sieht das teilweise doch sehr nach Hühnerhaufen bei uns aus. Das ist sowieso noch eine akute Schwäche bei uns. Zuviele Ballverluste. Kann man dran arbeiten.

Letztendlich ist das Fazit, dass dies unser Wettbewerb nicht mehr wird, wir unseren Enkeln wenigsten von der 05/06 Saison erzählen werden und wir uns ab jetzt auf die Liga konzentrieren sollten/können/müssen.

Nächste Aufgabe: Darmstadt.

Einige kleine Randbemerkungen

  • Schon vor dem Spiel so voll zu sein, dass man nix mehr mitbekommt und ggf. Sanitäter in Anspruch nehmen muss, ist uncool.
  • Was die Polizei in Paderborn immer erwartet, ist schwer zu verstehen. Erneut sind diverse Polizisten für ein Spiel mit ungefähr keinem Konfliktpotential vor Ort. 10 Prozent davon würden es auch tun.
  • Ordner beim Einlass sehr pingelig, Im Block dann ein Ordner, der sich die ganze Zeit über die Gesänge freut, lächelt und sich noch per Handschlag von den Leuten verabschiedet. Ist mal was anderes.

Es schrieben auch…

… bisher niemand. Aber der Übersteiger war anwesend und könnte noch was schreiben und die Sabine hat auch geknipst, da sollte also auch noch was kommen.

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