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Jun 032018
 

Am 01.06. fand ein Treffen der aktiven Fanszene und diverser Blogger mit Oke statt, zu welchem er geladen hatte, um einen Rückblick auf die letzte Saison zu geben.

Ähnliche Treffen hatte er auch mit den Gremien und der Hamburger Presse abgehalten.

Solche Hintergrundgespräche sind in der Verarbeitung immer etwas schwierig, da vieles nicht zitiert werden kann und auch nicht zitiert werden sollte. Daher wollen wir nur eine grobe Zusammenfassung geben und ein Bauchgefühl für das weitere Vorgehen.

Natürlich waren auch einzelne Spielernamen im Gespräch Thema, aber das wollen wir aus den oben genannten Gründen vollkommen ausblenden. Außer natürlich, dass die Runde sich einig war, dass Jogi ohne Schnecke keine Chance bei der WM haben wird. „Eindeutig Weltklasse“ ist der Kalla halt.

Wann ein Präsident schweigt und wann er redet

Vorab: Es zeigt wie besonders dieser Verein ist, dass man solche Treffen abhält. Wir erlebten einen Oke, der deutlich zielstrebiger und deutlicher in der Ansprache war, als man ihn sonst wahrnimmt.

Für ihn ist aber auch deutlich klar, dass es nicht seine Art der Führung ist, plötzlich im Abstiegskampf als Präsident was zu seinem sportlichen Personal zu sagen. Er verwies zu Recht auf einen Konkurrenten, bei dem der Präsident zu einem vollkommen unpassenden Zeitpunkt mehr aus Versehen den Trainer aus Sicht der Öffentlichkeit in Frage stellte. Wir können die Herangehensweise unseres Präsi da sehr gut nachvollziehen, aber für die sehr einfache Welt des Fußballs in der immer „Macher“ und „starke Männer“ gefordert werden, ist dies natürlich gewöhnungsbedürftig. Aber eben doch richtig.

In der Analyse der Saison wurde natürlich der Einbruch in der Hinrunde und der schlechte Abschnitt in der Rückrunde als Schwerpunkt gesehen. Ohne nun in Details gehen zu wollen, fanden wir, dass Fehler gesehen werden und zumindest die Chance besteht, dass man diese nicht mehr macht.

Oke warf auch viel deutlicher als sonst in der Öffentlichkeit ein Ziel in den Raum. Sein Ziel ist es besser zu sein als der Platz der TV-Einnahmen. Das heißt, dass wir besser als Platz 7 sein sollten.

Die zweite Liga muss man dabei grob dritteln, wenn es um die Einnahmesituation geht. Wir gehören da irgendwo in das obere Drittel und diese PS gilt es auf die Straße zu bekommen. Dies ist nicht gelungen.

Zu Recht stellte unser Präsi fest, dass wir eben nicht mehr der Underdog sind, der finanziell allen unterlegen ist. Dies ist allerdings wahrscheinlich noch nicht bei allen im Verein angekommen.

Oder um es mal deutlich zu sagen: Außer den beiden Dickschiffen, die abgestiegen sind, gibt es kein Verein, der „wenn wir wollen, kaufen wir euch auf“ ernsthaft umsetzen kann.

Natürlich verzichten wir auf Einnahmen, wenn wir nicht jeden Stadionnamen und Tribünennamen verkaufen. Diese Einnahmen müssen wir anders kompensieren und tun dies auch teilweise (Stichwort „Modelabel“). Umso wichtiger, dass wir da wieder Herr im eigenen Haus sind.

Wins above Replacement?

Wir sind ja in Teilen so Baseball-Nerds. Und in diesem Sport ist etwas üblich, was in unsere linken Köpfe nicht kritiklos rein will, aber auch im Fußball knallhart notwendig ist: nämlich einen Spieler als Anlage, als Wertgegenstand, als Investition zu sehen, die man erhalten und nutzen muss. Und dabei ist es halt wichtig, einen Spielerwert zu beurteilen. Und zwar sowohl in die Vergangenheit, wie auch in die Zukunft.

Im Baseball gibt es dafür Computermodelle, die das ganze extrem präzise beurteilen. Am Ende wird daraus ein Wert, der sich im Baseball „Wins above Replacement“ nennt. Grob übersetzt heißt das „wieviel Spiele mehr gewinnt mir dieser Spieler im Vergleich zu einem durchschnittlichen Zweitligaspieler?“. Kurze Anmerkung: 1. ist das eine sehr verkürzte Erklärung für „Wins above Replacement“. 2. wer sich für Modelle wie ZIPS oder Steamer interessiert, die so etwas für die Öffentlichkeit vorhersagen, der kann das hier nachlesen. Teams haben eigene Systeme und auch für Sportarten wie Basketball gibt es solche Modelle.

Den Schritt, Spieler als Wert zu sehen, den ist man bei uns gegangen. Und ja, das ist entmenschlichend, das ist brutaler Kapitalismus. Nur wie dieser Wert bestimmt wird, das ist bei uns und wahrscheinlich auch im Fußball insgesamt immer noch viel Bauchgefühl und „mal gucken“. Machen wir unseren Verantwortlichen gar keinen Vorwurf, aber wir hoffen, dass der FCSP irgendwann das objektivere Computermodell entwickeln und nutzen kann. Das befreit nebenbei Kapazitäten, um sich die menschliche Seite zu kümmern.

Der Idealfall wäre, dass mir der Computer relativ sicher sagt, dass der Spieler zehn Tore und fünf Vorlagen machen wird und der Scout herausfindet, ob der seit Kindheit in Rautenbettwäsche schläft und ob er in unsere Kabine passt. Das kann einem kein Computer abnehmen und diese weichen Faktoren sind extrem wichtig.

Zurück zu den Werten

Mögen wir einen Spieler noch so emotional positiv oder negativ beurteilen, so sehr muss man als Verantwortlicher versuchen, das zu objektivieren. Bleiben wir bei unserem „zehn Tore, fünf Vorlagen“-Stürmer. Wenn der uns Fans ob einer etwas lässigen Spielweise wahnsinnig macht, dann ist das eine Sache. Er ist mit 15 Torbeteiligungen aber alleine drei Tabellenplätze „wert“ und was das kostet, kann man alleine am TV-Ranking nachlesen.

Gut, dass man bei unserem Verein so weit ist, gut, dass man da präzise arbeitet. Gut, dass man da auch weiter lernt und lernen will.

Umfeldfaktoren wurden besprochen, das was Oke leicht ironisch „Wohlfühloase“ nannte. Man muss auch hier eine Balance finden zwischen „der individuelle Mensch, der selbstständig ist und nur das Gute will“ und einem „schulisch-strengen“ Ansatz. Und seien wir ehrlich: Die Ausbildung in Jugendinternaten führt nicht gerade zu einer Eigenverantwortlichkeit, die man beim späteren Profi ansprechen kann. Das ist nebenbei vielleicht auch der große Unterschied zu US-Sportlern, die im College eine extreme Eigenverantwortlichkeit und Eigenmotivation an den Tag legen müssen, um überhaupt Profi zu werden.

Umfeldfaktoren reichen vom Athletiktrainer über den Masseur bis hin zum Trainingsplatz und Teammanager. Z. B. fiel bei uns letzte Saison der Athletiktrainer durch Krankheit aus. Und dann ist da eine Unruhesituation, die man auffangen und abfedern muss. Dies gelingt oder gelingt nicht. Wichtig ist, dass man Strukturen und Prozesse hat, die so etwas vorhersehen und planen. Oder anders ausgedrückt: Ich muss das Umfeld haben, welches Erfolg ermöglicht und so wahrscheinlich wie möglich macht.

Dazu gehört auch die Trainingssituation, die klar verbessert werden kann und muss. Wir trainieren und spielen als Verein zur Zeit an fünf Standorten und besitzen z. B. keine Rasenheizung an der Kollaustraße. Auch da ist man kurz-, mittel- und langfristig dran. Stichwort ist hier natürlich auch „Verletzungen“ oder „Jugendanbindung“. Das alles kostet extrem viel Geld, was dann wieder kurzfristig im Profi-Etat fehlt.

Leider weiß man hier nicht objektiv nicht, wie unsere Konkurrenz (die oben genannten oberen sechs der zweiten Liga) aufgestellt sind. Denn das z. B. Sandhausen in diesen Umfeldfaktoren wahrscheinlich sehr schmal aufgestellt ist, kann für uns kein Maßstab sein. Definitiv haben wir hier Nachholbedarf und das wirkt sich auch direkt auf das „Produkt“ auf dem Platz aus.

„Jetzt pudern die den Versagern auch noch den Arsch“ werdet ihr nun brüllen, aber das ist Unsinn. Erfolg ermöglichen & Werte für den Verein schaffen, das sind entscheidende Stichworte. Und auch ihr arbeitet lieber und leistungsstärker in einem guten Umfeld. Also erwartet nicht von Leistungssportlern, dass sie da anders sind. Gehalt ist auch bei euch nur ein geringer Wohlfühlfaktor, wenn im Job sonst wenig stimmt.

Kommen wir zu einem Fazit

Hättet ihr euch vorstellen können, mit Corny über Prozesse im Verein zu diskutieren? Seien wir ehrlich: Mehr als ein genervtes Gesicht hättet ihr nicht bekommen. Der Verein entwickelt sich weiter. Und es gab auch viele offene Selbstkritik, die wir a. hier aus den oben genannten Gründen nicht wiedergeben wollen und die wir b. in dieser Form zuvor auch noch nicht erlebt haben.

Vieles kann, nein muss noch besser, progressiver und vielleicht auch mehr Sabermetrics werden, aber im Groben sind hier keine Träumer am Werk, eben kein Zampano, der als Präsident alles diktatorisch regelt, sondern ein prozessorientiertes Team. Das macht auch Hoffnung auf zumindest eine Stabilisierung des Vereins in sportlicher Hinsichts.

Apr 162018
 

oder

Ein Spieltag mit dem Wetter, das er verdient

93. Minute, Ecke für Braun-Weiß beim Stand von 0:1. Überzahl haben wir schon seit einer halben Stunde, aber sollte da nicht ein Torwart mit nach vorn? Alle Möglichkeiten ausschöpfen, wo es nichts mehr zu verlieren gibt? Die Lage ist schließlich bitterernst!

Doch er tut’s nicht. Und das ist jetzt kein individueller Himmelmann-Bash, es steht vielmehr sinnbildlich für eine Mannschaft, die den Ernst der Lage nicht zu erkennen scheint. Dabei ist nun echt gar nichts mehr lustig. Nachdem uns auch noch Düsseldorf den Bärendienst erwies, gegen Heidenheim zu verkacken, stehen wir tatsächlich auf dem verdammten Relegationsplatz. Ja, diese Saison in der Zweiten Bundesliga ist vollkommen absurd, was sich schon daran zeigt, dass der FCSP Platz 15 der Hinrundentabelle, in der Rückrundentabelle Platz 13, in der Gesamttabelle nun aber Platz 16 belegt. Aber dieses höllisch enge Feld in Liga 2 kann keine Ausrede/Erklärung/Versicherung für den gegenwärtigen Zustand sein.

MagischerFC St. Pauli vs. Union Berlin April 2018

This is fine

Zugegeben gefällt uns an diesem Spiel auch erst mal einiges besser als bei etlichen vorherigen Auftritten. Ein neues System mit Fünferkette (das leider ein bisschen an der Zugkraft auf den Außen krankt), Schneider statt Bouhaddouz und eine überzeugende Körpersprache in der ersten Phase, knapp eine Halbzeit ungefähr. Ballkontrolle scheint unserem bescheidenen Blick nach auch etwas besser zu funktionieren. Wie so oft kommt es aber wieder zu dem, was in der Zweiten Bundesliga so typisch ist: Die Mannschaft, die das Spiel zu machen versucht, unterliegt. Und wir dürfen uns wirklich nicht beklagen, gab’s schließlich noch zwei Aluminiumtreffer für Union.

„Sieg! Sieg! Sieg!“ Iiih!

Wir finden es noch immer von ausgesuchter Hässlichkeit, wenn ein Fanblock dieses Wort für sich allein skandiert. Union und der FCSP, wir werden im Großen und Ganzen keine Freunde mehr. Zwar halten sich die tatsächlichen Negativerlebnisse mit den Köpenicker Fans in Grenzen und wir machen nach Abpfiff vor dem Wirtshaus zum Totenkopf noch Bekanntschaft mit einem offensichtlich ganz freundlichen Exemplar, aber mehr ist da auch nicht. Wer im Block so unappetitlich mit Frakturschrift-Bannern und erwähntem „SIEG!“-Gebrüll herumdeutscht, verdient sich unsere Sympathien nicht.

Angenehmere Gesellschaft kommt dagegen von jenseits des großen Teichs. Wir lernen E. von FC St Pauli Buffalo kennen – folgt den Dudes mal, da freuen sie sich! Bemerkenswert, wie viel Kenntnis die Loide in entfernten Winkeln der Welt manchmal von unserem Club haben – und immer wieder wundervoll zu sehen, wie viel es ihnen bedeutet, mal wirklich sich den lang gehegten Traum zu erfüllen und es zu einem FCSP-Spiel zu schaffen. Wie leid es uns nur tut, dass es so ausgehen musste! E. juckt das weniger, aber in einer Sache sind wir uns dann einig …

Von sportlicher und gesellschaftlicher Relevanz

Der FC St. Pauli ist für die meisten mehr als nur ein (mittelmäßiger) Zweitligaclub. Das steht außer Frage. Wir brauchen es euch sicher nicht zu erklären, was damit gemeint ist. Viele Dinge sind am Millerntor wichtiger als der eigentliche Fußball, das ist auch richtig und wichtig so.

Allerdings – auch auf die Gefahr hin, wie schlimme Menschen zu klingen: Je heißer beim Fußball der Baum brennt, desto mehr gerät unsere gesellschaftspolitische Bedeutung als FCSP in Gefahr. Denn die Strahlkraft, die wir derzeit haben, würde bei einem sportlichen Absturz geringer werden. Denkt an Babelsberg, denkt an Roter Stern Leipzig – großartig, was bei diesen Vereinen geleistet wird. Aber so wie der FC St. Pauli werden diese Vereine nicht oder nur in Ausnahmen wirklich viele Menschen erreichen. Und das kann uns auch blühen, wenn es mal sang- und klanglos in Liga 3 runter gehen sollte.

Wir können es nicht mit letzter Bestimmtheit sagen, da wir die Arbeit hinter verschlossenen Türen im Verein natürlich nicht sehen – aber: Es ist kein sportliches Konzept, kein Weitblick erkennbar. Womöglich ist in den vergangenen Jahren der Fokus auf die wesentlichen Kernkompetenzen eines Fußballclubs etwas zu sehr flöten gegangen. Vielleicht fehlt es an den entscheidenden Stellen einfach an Expertise?

Versteht uns bitte nicht falsch. All das darf nicht heißen, dass die politische Haltung, Aktionen und Projekte vernachlässigt werden könnten! Nur müssen wir uns vielleicht noch mal bewusster werden, wie wichtig es ist, keinen sportlichen Bedeutungsverlust zu erleiden – von Arbeitsplätzen rund um den Verein mal ganz abgesehen. Mit anderen Worten: Wenn die Fahnenstange, das Rückgrat, zerbricht, wird es viel schwerer, die Botschaft auf dem Tuch weit sichtbar zu machen.

Apr 052018
 

Ja, liebe Lesende, es war kein Aprilscherz, denn Stefan verlässt die vorderste Front der Fanarbeit und wird Geschäftsführer des Vereins Jugend und Sport, der beide Fanprojekte in Hamburg organisiert.

So schön es ist, wenn jemand „Karriere“ macht, aber wir verlieren im Fanladen nicht nur namentlich einen Schatz. Sondern jemanden, der Fanarbeit beim FCSP über Jahrzehnte geprägt und geformt hat. Einst als langhaariger Student gekommen, geht er mit leicht schütterem Haar nun aus dieser Funktion. Eine der Personen, mit denen man beim FCSP alt wird.

Als er dann fest im Fanladen begann, war er irgendwie ein Novum. Mal jemand, der schon damals zumindest fest liiert, wenn nicht verheiratet war und der irgendwie das war, wozu man eine „professionelle Distanz“ aufbauen konnte. Meint, der nicht gleichzeitig Fanladen, oberster Ultra und Erster auf dem Zaun war. Man verstehe uns nicht falsch, all seine Vorgänger waren auf ihre Art für die Geschichte dieses Fanprojektes unverzichtbar. Aber Stefan konnte es wieder weiter entwickeln und hat – vielleicht auch durch seine Möglichkeit, mal mit Frau, Kindern und Motorrad abzuschalten – mit am längsten an der vordersten Front ausgehalten.

Und wer ein bisschen sein Fansein reflektiert, der weiß, dass die Betreuung von uns nicht immer einfach ist. Sei es, weil man mit einem besoffenen Sack Flöhe nach Dresden fährt oder weil man wieder mal mit dem Busfahrer diskutieren muss, ob man nicht doch über die A1 fahren und Allertal mal auslassen kann.

Ein Herz für Sozialpädagogenscheiß

Und das sind alles Sachen, die neben der eigentlichen pädagogischen Arbeit anfallen. Und gerade Stefan war ein Meister in der „Ich verstehe ja deinen Ansatz, aber …“-Arbeit. Unvergessen bleibt, wie er damit mal T. von Fanräume auf die Palme brachte, die nur erwiderte: „Nun lass mal deinen Sozialpädagogenscheiß.“ Aber gerade dieser ist auch wichtig. Gerade in Zeiten, wo viele Jugendliche zum FCSP stoßen, die den Gründungsmythos der „besonderen Fans“ und die politischen Kämpfe der 80er und 90er Jahre nur noch aus den Erzählungen ihrer Großeltern kennen.

Wofür Stefan auch für uns stand, war ein absolutes Vertrauensverhältnis. Wenn er mal was geschrieben haben wollte, dann waren wir uns sicher, dass es ehrlich und ohne Hintergedanken mitgeteilt war. Und wenn wir mal was hinter den Gardinen wissen wollten, dann war er ehrlich und wusste, dass wir nix Öffentliches draus machen würden. Danke dafür.

Nun also der nächste Schritt. Das Ganze zusammen halten. Seinen Arbeitsplatz an der Holstenstraße haben. Häufiger mal auf komische Quadrate gucken. Und wahrscheinlich sich viel mehr mit Stadt, Vereinsvorstand, Stiftungen etc. absabbeln müssen als mit Ultras, Fans und Hooligans. Oder mit Fans, die Ultras und Hooligans sind. Hoffentlich verstehen die auch dein Anliegen und mögen dich so, wie wir dich mögen.

Wir wünschen dir, dass du in dieser neuen Arbeit viel Spaß hast, dass du es auch schaffst, wieder Fan zu sein, ein Spiel entspannt irgendwo verfolgen zu können und mit deinem Verein zu leiden. Und natürlich wünschen wir uns, dass wir ab und zu mal auf die alten Zeiten anstoßen können, über vieles lachen können. Und zu guter Letzt alles Gute für die Kinder, die Frau, das Motorrad und dich.

Mrz 192018
 

In die Region sollte es gehen. Und die ganze Fahrtplanung war spannend und lässt sich in folgendem Tweet gut zusammen fassen:

Am Ende finden sich also sieben Twitterer und zwei Bären in einem schwarzen Mercedes Vito mit verdunkelten Scheiben wieder und fahren nach Kaiserlautern. Das Fahrzeug also schon mal geeignet für eine Hooligan-Tour der besten Sorte.

Aber nicht, ohne vorher eine Musikliste zusammenzustellen, die nach folgenden Regeln funktioniert: Jeder höchstens 20 Lieder und es darf auch wehtun. Die Playlist gibt dem ganzen Projekt dann auch seinen Namen: die Fahrt der Playlist des Todes. Wer sie nachhören will, der kann dies auf Spotify tun.

Eine verpasste Bahn führt zu dem ersten Kreis um ein Stadion an diesem Tag. Es soll nicht der letzte bleiben. Aber dann geht es schnell in Richtung Hannover, sollten wir da doch den letzten Mitfahrer einsammeln. Nennen wir ihn einfach mal Schmölli, denn:

Bis Hannover ist die Bahn trocken, alles läuft gut, unser Mann an der Leine ist überpünktlich da, alles super. Dann jedoch wird es sehr weiß auf der Fahrbahn und es ist kein Salz. Das ist ziemlich unangenehm zu fahren und führt natürlich auch zu Zeitverlusten. Aber in der Hoffnung, dass es besser wird, verlieren wir nicht die Ruhe. Und siehe da, kurz hinter Göttingen wird die Fahrbahn wieder super und bleibt es dann auch bis Kaiserslautern. Die Insassen des Fahrzeugs unterhält sich so lange mit und über Musik.

Kirchheim, Frankfurt, Mannheim. Weltstädte, die wir schnell durchqueren, um rechtzeitig in der Region anzukommen. Noch schnell die warme Leggings angezogen, da wir zwar „Pulloverwetter“ angemeldet haben, aber die Region im Griff von eisigen Wind ist. Ein Mitfahrer philosophiert darüber, dass das hier alles Kartoffelbauern seien. Die Realität, dass wahrscheinlich im Umkreis von 200 KM um Lautern nicht eine Kartoffel angebaut wird, lässt ihn nicht von seinem Rant ablassen. Sowieso eine interessante Frage: Warum sind Kartoffelbauern eigentlich weniger angesehen als Weinbauern?

Kaiserslautern ist eine Kleinstadt – oder kleine Großstadt – , die von einem Stadion überragt wird. Wer die Lage des Betzenberges nicht beeindruckend findet, der hat kein Fußballherz. Alles atmet hier Fußball, auch weil hier einfach sonst nix ist. Parkplatz (natürlich VIP) gefunden und rein in den Block. Nett ist die Verpflegung im Stadion. Es gibt Weinschorle in Bechern mit dem Vereinslied.

Wünsche der zuhause Gebliebenen können wir nicht alle erfüllen. Sorry, uns ist zu kalt, um vor einer Kneipe zu stehen.

Der Block füllt sich spät, ist dann aber gut mit Braun-Weißen bestückt. Und dann eigentlich auch ganz gut aufgelegt. Mehrfach hat das ordentlich Druck und deutlich mehr Wumms als in den Vorjahren. Mal was zur Heimkurve: Ja, früher hat die dich so zusammen geschrien, dass du dich eingenässt hast. Diesen Druck hat sie auch mangels Masse nicht mehr. Jedoch: Die kann immer noch ordentlich laut werden und es ist allemal deutlich schöner, als in einem Heidenheim zu stehen, wo vielleicht 100 Leute versuchen einen leeren Raum zu füllen. 32.000 Zuschauer, die angesagt waren, sind allerdings definitiv nicht da.

Es ist auch irgendwie ein zweischneidiges Schwert, denn auf der einen Seite hat die Region in braun-weißen Kreisen nun nicht wirklich viele Freunde; aber auf der anderen Seite ist es ganz schön bitter, wenn ein Verein, der immer noch 25.000 Zuschauer und mehr anzieht, im Nichts verschwindet und durch das nächste Heidenheim oder Paderborn ersetzt wird, die vielleicht 10.000 Leute ziehen. An guten Tagen. Klar, das ist alles deutlich selber verschuldet und man hätte z. B. sich nie für die WM 2006 bewerben dürfen. Aber irgendwie geht da doch ein Verein, an dem man sich auch aufgrund von Masse reiben kann. Und es kommt das nächste Nichts.

Auf dem Platz?

Das hat mit Fußball sehr wenig zu tun. Wir können uns nicht beschweren, wenn es zur Halbzeit 3-1 für Lautern steht. Das ist ziemlich mies von uns. In der zweiten Halbzeit dann etwas besser, aber diese ständigen Pässe in den Rücken des MItspielers machen einen wahnsinnig. Dann ein echt dummer Einsatz von Callsen-Bracker und Elfmeter plus Rote Karte. Seien wir mal ehrlich:

  1. Allagui hätte da selbst dann nicht getroffen, hätte er ihn laufen lassen.
  2. hätte Allagui schon weiter laufen können, anstatt stehen zu bleiben und zu meckern. Das ist eher so nicht FCSP-Style.

Ach ja, dein Twitterprofil kannst du bei Gelegenheit auch mal entherthan.

Nun denkst du, dass du das beim Tabellenletzten in Überzahl irgendwie nach Hause schaukelst, aber nee nee! Durch einen schnell ausgeführten Freistoß und einem Sekundenschlaf der Abwehr steht es 1-1 und das ist auch gerecht. In der Öffentlichkeit ist das Fazit eher ein unzufriedenes so nach dem Prinzip „Tabellenletzter, Überzahl“, jedoch: Vergesst nie, dass wir am Betzenberg jahrzehntelang nie auch nur einen Punkt gesehen haben. Dies war nun der zehnte in vier Versuchen.

Schnell wieder zum Auto und Abfahrt

Von Lautern-Fans noch mit Lebkuchen beschenkt und Gute-Fahrt-Wünsche mit auf dem Weg. Sehr nett, Danke. (Muss ja nicht immer alles Hass sein.)

Einmal was versucht, dann in eine Sperrung gefahren und dementsprechend noch eine Ehrenrunde gedreht und dann noch die Ehrenacht voll gemacht. Ja, aus Kaiserslautern heraus zu kommen, ist nicht ganz so einfach. Liegt natürlich auch an dem Berg und dass es alles ziemlich eng ist. Aber irgendwann haben wir es geschafft und sind auf der Bahn. Und in der allgemeinen Diskussion über Gott und die Welt wird die These aus der Überschrift aufgestellt.

Wieder Kirchheim, wieder unangenehme Straßenverhältnisse vor Hannover. Unser Mann in Hannover stellt fest, dass er auf einer Raststätte geparkt hat. Aber eine Brücke, die kurzzeitige Ignoranz gegenüber Verkehrsschildern und ein kleine gefahrene Runde bringen ihn zu seinem Fahrzeug und uns in Richtung zu Hause.

Wo wir dann auch schnell ankommen.

Fazit?

PS: Gilt natürlich immer noch.

Auf zum nächsten Mal.

Mrz 122018
 

Was willst du zu so einem Heimspiel ohne viele Highlights sagen? Ganz ansprechende Leistung auf dem Platz, ganz ansprechende Leistung auf den Rängen. Nichts, was man nun für Jahrzehnte erinnern wird. Eher Hausmannskost. Amtlich, wie sich Bernd bei seinem 250. Zweitligaspiel durchbeißt und trotz einiger Beulen nahezu durchspielt. Nebenbei möge mal jemand seinen Wikipedia-Artikel aktualisieren!

Die Süd mit einer Choreo, die auf die ganzen Verschärfungen in StPO und StGB hinweist und sie thematisiert (für eine Fußballchoreo nebenbei mit viel Tiefgang, gut).
Die Braunschweiger mit einer wirklich hübschen Choreo im Gästeblock, auch wenn sie der nicht einkalkulierte Pfosten im Gästeblock wohl doch noch ein paar Schweißtropfen gekostet haben wird. Insgesamt auch ein sehr lauter, gut aufgelegter Gästeblock. Das komische weiße Gequalme ohne Kontext sorgt dann aber auch für ein paar Lacher. Habemus Papam? Verdammte E-Zigarretten?

MagischerFC-St.-Pauli-vs.-Eintracht-Braunschweig-Maerz-2018.jpg

Viele Nadelstiche

Wasserwerfer und Ziegen

Das die Hamburger Polizei Kiel mit Wasserwerfern und einem riesigen öffentlichen Tamtam fährt und gegen Braunschweig dann eher so die Hälfte an Polizei aufbietet, ist angesichts der sehr unterschiedlichen Potentiale beider Szenen lustig. Wirklich nennenswertes passiert aber nicht, von dem wir was mitbekommen hätten.

Vielleicht liegt es ja auch daran, dass unser persönlicher Ziegenbart nicht nur eine Karikatur in der Süd gezeigt bekommt und mit Sprechchören eingedeckt wird. Laut den berühmten Spatzen, die alles von den Dächern pfeifen, bekommt Ziege auch seinen Marschbefehl. Wir wissen leider nicht wohin, aber Archiv oder Verkehrsordnungswidrigkeiten wäre schon ein guter neuer Job. Ganz ehrlich: Wir haben keine Hoffnung, dass sich im Verhalten der Polizei gegenüber Fußballfans in Hamburg irgendetwas ändert. Aber so ein frisches neues Gesicht ist ja vielleicht auch mal ein neuer Anfang.

Das wirre Getwitter der GdP Hamburg ist unter unserem Niveau, daher kein Kommentar dazu. Wer das lesen will, der bemühe bitte die gängigen Suchmaschinen.

Nach dem Spiel noch ein politisierter Marsch, der von vielleicht 1.000 Leuten angenommen wird. Zeichen setzen ist immer noch wichtig! 

 

Da hat es wohl auch noch Trubel gegeben. Siehe BW Hilfe

Mrz 052018
 

Düsseldorf ist also das Ziel unserer Reise. Zwar wollen wir die Schuhkastenarena nicht gleich mit Schicksalsberg gleichsetzen und die Anreise per Fanladenbus ist trotz aller Widrigkeiten doch bequemer als der Gang durch Mordor, aber irgendwie hat unsere ganze Tour viele Details, die mit den Abenteuern der Gefährten zu vergleichen sind.

Aber bevor wir zu dem eigentlichen Geschehen dieses Tages kommen, möchten wir mal ganz kurz innehalten und euch alle böse angucken. Unsere Fanladenhoschis sind sauer. Und sie sind sauer auf uns alle, die Busse benutzen. Und haben einen Flyer erstellt, den sie verteilen, wenn man Busse benutzt, den wir gerne abdrucken möchten:

 

Dazu folgende ergänzende Anmerkung: Wir alle nutzen seit mehr als 20 Jahren den sehr bequmen Weg, einen Fanclub zu gründen, dann eine Mail an die Hoschis zu schreiben und dann einen halbwegs vernünftigen Bus vor die Nase gesetzt zu bekommen. Wer jemals versucht hat, einen solchen Bus selber zu organisieren, der weiß, wie viele Nerven man dafür braucht. Und glaubt uns einfach, so Sozialarbeiter haben am lieben langen Tag auch noch andere Dinge zu tun. Insbesondere haben sie andere Dinge zu tun, als Leuten hinter her zu laufen, die sich nicht an die einfachsten Regeln eines vernünftigen Zusammenlebens halten. Und ja, fast jeder trinkt mal einen über den Durst und hat einen miesen Tag und so eine Niederlage ist doof, aber a) lässt man das nicht an den Hoschis aus und b) sind nahezu 99 Prozent der Nutzer des Fanladens als Gruppen unterwegs. Da kann man auch mal in der Gruppe deeskalierend einwirken und sich nicht noch hochschaukeln.

Böser Blick in die Runde und ein riesigen Dank an die Leute vom Fanladen, dass sie das immer wieder organisieren.

Wir haben eine Premiere zu feiern

Zumindest einige von uns fahren schon relativ häufig auswärts, aber dass wirklich alle drei Schreiber mit dem gleichen Gefährt zu einem Spiel fahren, ist uns bisher nicht passiert. Man höre und staune!

Diese Fahrt beginnt dann auch schon mitten in der eiskalten Hamburger Nacht, hat man doch das Füchschen (ja, das sieht komisch aus) aufgetan, um da noch eine gepflegte Stärkung einzunehmen.

Die Fahrt ist von Beginn an vom Thema Lenkzeiten dominiert. So wird gleich mal Dammer Berge als erster Stopp ausgegeben, aber das ist bei einem defekten Busklo schon ein sehr ambitioniertes Ziel. Nebenbei: Busklos sind sehr kälteempfindlich und insofern ist das nicht verwunderlich, dass das bei -7 °C nicht geht. So etwas kann man wissen.

Natürlich klappt es auch nicht und so beginnt eine Serie von sehr gehetzten Stopps. Sonst ist die Fahrt aber sehr angenehm. Wir ganz vorne mit einer Art Live-Podcast für die Umsitzenden, dahinter die Alte Schule und dann der Rest. Die Welt wird betrachtet und ab Münster lebte unser Junior seinen beinahe pathologischen Hass auf NRW aus. Welcher sich bei Ankunft in der Feststellung manifestiert, dass Düsseldorf ja wie Offenbach aussehe. Liebe Lesende, wie heißt es so schön im modernen Englisch? „Don’t @ us for that“

2/3 des Blogs begibt sich dann in besagtes Füchschen, 1/3 in die Uniklinik. Zum Krankenbesuch, denn Krebs ist und bleibt ein Arschloch. Halte durch M. Solifaust!

Hut ab vor der längsten Theke der Welt

Im Füchschen fließt das Altbier in Strömen. Geschätzte 120 Sankt Paulianer sind dem Ruf in das Brauhaus in der Altstadt gefolgt und lassen es sich zu früher Stunde gut gehen. Einen Riesenrespekt und „Danke!“ für unsere Bedienung, die trotz enormem Antrag und so mancher vorwitzigen Kölsch-Bestellung eine ausgeglichene Freundlichkeit und das eine oder andere Späßchen an den Tag legt. Hut ab! Auch die paar Fortunen in der Kneipe verdienen schon fast ein bisschen Anerkennung, dass sie es inmitten des Mike-Krüger-Lieder singenden Haufens aushalten.

Leider prellt Genosse A. die Rühreizeche und muss nun als „Strafzins“ leider die nächsten drei bis dreißig Spiele seine bezaubernde Gattin freistellen und zu uns ins Stadion kommen lassen. Ja, da musst du nun durch! (Betroffener weiß, dass er gemeint ist.)

Danach also zur Schuhschachtel an der Messe

Manche nehmen Shuttle-Busse, wir nehmen die Stadtbahn – in letzterer ist bemerkenswert wenig los. Es hat ja inzwischen Seltenheitswert, dass man sich als Auswärtsfan frei in einer Stadt bewegen „darf“, hier genießen wir es. Es sollte doch so selbstverständlich sein …

Irgendwie ist das alles so stimmungslos da an der Arena. Immerhin hat die Kneipe auf und so können sich dort die von nah und weit angereisten FCSPler sammeln. Neben unserem Tisch zücken erstmal so Freaks stilecht die Skatkarten und dreschen eine Runde. Kann man mal machen.

Vor dem Eingang dann das große Hallo, was auf solchen Fahrten üblich ist, und wäre nicht der Fußball, wäre das alles toll.

Kinder, ist das warm in der Sonne!

Im Gästeblock machen es sich „…aber die Ultras“ mal auf den Sitzplätzen gemütlich. Dazu folgende Überlegungen: 1. Wir finden oben stehende Stimmungszentren grundsätzlich absolut besser. 2. Die haben natürlich alle ein gültiges Ticket gehabt. 3. Das es letztendlich nicht zu einer guten Gästeblockstimmung führt, ist irgendwie auch traurig. Wenn ein Schmähgesang gegen den Nachbarn das einzige ist, was den Gästeblock aus seiner Lethargie weckt, dann ist das wirklich beschämend. Das sollte nicht unsere Art des Supports sein.

Den einen Ring zu vernichten gelingt auf dem Ra… äh dem Viehacker auch nicht. Die ersten Minuten ganz flott, dann das übliche Gegentor nach einer Ecke, welches wieder einmal der Marke „extrem einfach zu verhindern“ ist. Dann eine wirklich gute erste Halbzeit, wo wir bei einer Slapstickeinlage auch noch Pech haben, sonst steht es 1-1. Dann in der zweiten Halbzeit ein ganz schlimmer Einbruch.

MagischerFC-Fortuna-Duesseldorf-vs.-St.-Pauli-Maerz-2018

Warmer Gästeblock mit gutem Blick auf viele leere Sitze

Sowieso fällt auf, dass unsere Spieler in den Themen Kondition und Spritzigkeit vielen Mannschaften in Liga 2 heillos unterlegen sind. Daraus wird der Trainer für die nächste Saison echt seine Schlüsse ziehen müssen.

Düsseldorf also nun hochüberlegen, Himmelmann hält uns noch lange im Spiel, um dann doch ein Ei zu kassieren. Der Anschluss fällt dann viel zu spät, um noch irgendwas zu bewirken. Und selbst wenn der Schiedsrichter noch weitere 30 Sekunden spielen ließe (wie es angezeigt ist), es würde nichts mehr passieren.

Heimweg mit Hindernissen

Schnell nach Hause. Denken alle. Nur leider fehlt ein Businsasse. Nun wollen wir den gar nicht hier zum Bösewicht machen, denn es passiert leider auch mal Mist. Aber in Düsseldorf den Bus nicht zu finden und stattdessen sonst wo hin zu fahren, ist schon eine Nummer, die ein, zwei Lokalrunden nach sich zieht. Egal. Es kostet eine Stunde und so ist die Lenkzeit des Busfahrers im Arsch. Hamburg kann nicht erreicht werden.

Zum Glück findet sich letztendlich ein Weg, der legal ist und organisiert werden kann. Danke Fanladen, danke Busunternehmen. Das sich nach den oben zitierten und verteilten Zetteln Menschen noch dazu berufen fühlen, unsere Fanladenbusbegleitung konfrontativ anzugehen, ist dann schon ein hartes Stück. Ne Leute, das geht gar nicht klar.

Die Stimmung ist erstmal im Eimer, aber irgendwann wacht das Kollektiv magischerfc.de wieder auf (und ihr könnt das hier wörtlich nehmen), greift den Hobbitvergleich erneut auf (sind die nicht mit Adlern zurück geflogen?), will den Senior zu einer nicht mehr existenten Ultragruppe des Volkspark abschieben, stellt noch steilere Thesen auf wie „die Steigerung von NRW ist Leverkusen“, diskutiert, welche Städte Landeshauptstadt wären, würden deutsche Bundesländer ihre Hauptsstädte nach dem gleichen Prinzip wählen, wie US-Bundesstaaten und machen sich Sorgen, ob die Volksparkler in dieser Folge South Park doch endlich mal als gekillt werden. Das Überleben des Dinos ist ja quasi Kenny in andersherum.

Zum Verständnis: Amerikanische Bundesstaaten haben den Hang dazu, irgendein Kaff als Hauptstadt zu haben (z. B. hat Washington nicht Seattle, sondern Olympia als Hauptstadt). Würde man dies auf Bundesländer umlegen, wäre die Hauptstadt von NRW wahrscheinlich Leverkusen. Oder noch irgendwas schlimmeres. Und Schleswig-Holstein hätte vielleicht Malente zur Hauptstadt.

Müde, Kopfweh, keine Punkte und spät erreichen wir Hamburg. Immerhin haben wir die angepeilte Ankunftzeit von 22 Uhr nur knapp verfehlt. Daheim ist es noch immer so kalt, als hätte es diesen Frühlingstag in Düsseldorf nie gegeben. Und es bleibt die Erkenntnis: Vermutlich sind wir (sportlich) doch ein ziemlich gewöhnlicher Zweitligaverein.

Feb 262018
 

Kiel? Derby?

Liebe Lesende, heutzutage wird ja jedes Spiel mit weniger als 400 Kilometern zwischen den Städten zu einem brisanten Derby hochgeschrieben. Aber seien wir ehrlich: Das ist harter Bullshit. Viel mehr als zwei wirkliche Rivalen kann auch der aufgeregteste Fußballfan nicht haben. Und für den FCSP ist Kiel keiner von diesen beiden. Wäre es anders, dann müssten wir unser Rivalometer mal ein bisschen neu justieren. Das wäre dann ähnlich lächerlich wie die Nürnberger mit ihrer Antifürth-Nummer. Es ist einfach lachhaft, sich einen Verein mit einer mikroskopischen Fanszene auszusuchen und ihn als Rivalen zu betrachten. Sollen wir dann am Ende Altona durch die Stadt jagen?

Und selbst wenn nun einige Kieler meinen, dies sei nun ihr Rivale, wo sie nicht mehr wirklich gegen Lübeck spielen, dann muss man doch mal anmerken, dass es dem Baum ziemlich egal ist, wenn der Eber sich an ihm reibt.

Insofern wirken jedoch auch „Es geht auch gemeinsam“-Plakate auf der Haupt etwas übertrieben.

Es gilt dieses Mal ein Verbot von Gästefarben auf den Tribünen. Wir werden davon kein uneingeschränkter Freund. Erstmal basiert das immer auf Argumentationsketten, die eine schlechte Erfahrung in ein pauschales Vorurteil gegen alle Gästefans erweitern, was wir alle in jedem anderen Bereich des Lebens sofort für problematisch halten würden. Und es war gerade der FCSP, der das Argument „aber das ist hier doch Fußball, da ist alles anders“ als nicht valide entlarvt hat. Dann ist es auch so, dass Monokulturen immer auch Vorurteile und „sich nicht benehmen können“ verstärken. Wir alle erfahren Filterblasen und wissen, dass diese nicht gut sind für unsere Wahrnehmung der Welt. Das ist hier die Schaffung einer weiteren Filterblase.

Wir sind aber auch nicht blind und blöd, wir wissen auch, dass es genügend Trottel gegeben hat, die sich nicht benehmen können (und zwar leider auch auf FCSP-Seite!). Aber es nun als „gute Lösung“ abzufeiern, verbietet sich. Notwendige Lösung vielleicht, gute, zu begrüßende, dauerhafte Lösung? Nein!

Das angekündigte Einsingen und der Marsch der Kieler entspricht auch nicht gerade dem, was man sich unter klassischer Derby-Stimmung vorgestellt. Klar, vorne hat sich ein ein harter Kern versammelt, der die vorher angekündigten Rache vielleicht in die Tat umsetzen will, aber kurz dahinter wird es dann schnell sehr dünn und nebem den Familienvater mit seinem zwölfjährigen Sohn stehen die entspannten Fußball-Touristen, die eigentlich nur ihr Bier trinken wollen.

Folgerichtig bleibt es daher bei den altbekannten Schmähgesängen, gerne kombiniert mit sexistischen Diffamierungen des an der Seite stehenden, halb belustigt halb enttäuscht wirkenden Ultra-nahen Klientel des FCSP. Fast schon interessanter ist da die Einsatztaktik der Polizei Hamburg, die einmal mehr ihr gesamtes Arsenal auf der Reeperbahn präsentieren darf: Wasserwerfer (bei Minusgraden), Reiterstaffel, Räumpanzer (Räumpanzer! Als ob Kiel anfinge, Barrikaden zu bauen und den halben Stadtteil zu besetzen!) und so weiter. Übrigens nicht nur im Viertel. Auch der Hauptbahnhof sieht phasenweise so auf, als wäre Rostock zu Gast und nicht Kiel.

Lobend sollte aber erwähnt werden, dass sie den gesamten Gästeblock bis auf den letzten Platz voll bekommen. Das schaffen andere Vereine aus der Nähe nicht. Klar, ist es das erste Mal in der zweiten Liga und ob das noch der Fall ist, wenn man hier das vierte Mal aufläuft und es ein Montagsspiel ist, sei mal dahin gestellt, aber das war schon okay.

Stay rude, stay rebel

Zwar spekulierten die Fachblätter vor dem Spiel darüber, ob nun irgendwelche geklauten Fahnen präsentiert würden, aber das ist schon angesichts diverser Umstände und diverser Veränderungen zwischen Hin- und Rückspiel nicht zu erwarten. Und passiert dann auch nicht.

Vielmehr zeigt die Süd eine wunderschöne Kifferchoreo (nein, lieber Jan von Aken, Kurdistan wird da eher keine Rolle gespielt haben (auch wenn das gerne gesehen werden würde!)), die auch mit entsprechendem Rauch untermalt ist. Was wirklich zu vereinzelten Pfiffen im Rund führt. Mal ganz ehrlich: Bei St. Pauli rumstehen und eine „Stay rude, stay rebel“-Choreo auszupfeiffen, ist irgendwie so geil wie eine Wohnung in einem „jungen, lebendigen Szeneviertel“ zu kaufen, um dann Kneipen wegen Ruhestörung anzuzeigen.

MagischerFC St. Pauli vs. Holstein Kiel Februar 2018

Die vielleicht schönste Choreo der Saison

Kifferchoreos ohne dass Eintracht Frankfurt der Gegner ist, zeigt insbesondere eines: Wir müssen mal wieder gegen die spielen.

Wir wollen gar nicht erneut in die Diskussion um Pyro einsteigen, aber es ist eben doch ein gewaltiger Unterschied, ob man Silvesterraketen gegen ein Dach ballert und Böller unkontrolliert in eine Menge schmeisst, oder ob man ein bisschen Rauch an Stangen kontrolliert zündet. Auch in dieser Schwarz-Weiß-Debatte helfen ab und zumal Grautöne.

Eher kein guter Support

Ansonsten zeigt sich auf den Rängen eher unterster Durchschnitt. Natürlich ist es kalt, unangenehm und nicht gerade Sangeswetter, aber dass am Ende das ironische „Scheiß St. Pauli“ einer der lautesten Gesänge ist , ist schon ein bisschen bitter. Obwohl das an sich schon seine Richtigkeit hat und die Kieler ja auch mit ordentlich verdutzten Gesichtern zurück lässt. Ironie kann ein scharfes Schwert sein.

Was auch noch nervt: Es ist seit Stephan Hanke (die Älteren werden sich erinnern, der spielte um 1995 beim FCSP, war eher der robusten Natur und weniger ein feiner Techniker und wurde an einem gebrauchten Tag übelst beschimpft von Zuschauern, was dann zu einer Flugblattaktion führte) zu Recht am Millerntor verpönt einzelne Spieler raus zu picken und ständig über sie zu meckern. Klar kann man mal seiner Unzufriedenheit Luft machen, aber doch nicht bitte jedes Spiel der gleiche Spieler, egal was der nun gerade macht. Wir wissen auch nicht, warum es bei unseren beiden Stürmern nicht so läuft, wie sie und wir alle uns das vorgestellt haben. Aber nun eine Dauerunmut zu zeigen, ist irgendwie auch nicht der Weg. Und ja, wir fassen uns da auch an die eigene Nase.

Kiel hat eine unfassbare Qualität

Seien wir mal ganz ehrlich in unserem schleimigen Herzen: Wenn Kiel uns an diesem Tag ein 4-1 einschenkt, dann können wir uns nicht beschweren. Für einen Aufsteiger spielen die einen sehr ansehnlichen Fußball. Und dazu noch offensiv ausgerichtet, was in der zweiten Liga ja nun eher ein Seltenheitswert hat.

In der ersten Halbzeit sind die hoch überlegen, lassen unseren Abwehrverbund mehrfach richtig schlecht aussehen und auch in der zweiten Halbzeit haben sie ihre Chancen. Aber wie üblich im Fußball rächt es sich, wenn man die Chancen liegen lässt, und so kommen wir in Halbzeit Zwo mit zwei Schüssen auf das Tor zu zwei Treffern und gewinnen das Ding. Was dann wieder irgendwie typisches Millerntor-Feeling ist.

Nicht möglich wäre dies ohne Neudecker. Der Junge hat einen Sahnetag, macht zwei Tore selber, erklärt dann der Bank, dass er nicht ausgewechselt werden will, und schnalzt dann noch eine Ecke genau auf den Kopf von Avevor, der den Ball durch die Hosenträger des Kieler Torhüters versenkt.

Der Rest ist Jubel

Wir dürfen ja wohl mal träumen, oder?

Auch wenn es eher unwahrscheinlich ist, dass bei uns noch was nach oben (oder nach unten) geht, haben wir da so eine Traumvorstellung:

Wir kommen in die Relegation. Die Jungs aus dem Volkspark auch. Schnecke hat seine Rente bereits angekündigt, aber muss im Rückspiel auf den Acker, weil ganz viele verletzt sind. Nach einem epischen Kampfspiel fehlt uns in der Nachspielzeit noch ein Tor für den Stadtligawechsel und das Unglaubliche. Noch einmal Ecke, der Ball wird abgewehrt, Schnecke nimmt aus 25 Metern Maß und lötet das Ding in den Winkel. Tor! Der Schiedsrichter pfeift nicht mehr an.

Wer stimmt danach in der JHV gegen die Bronzeschnecke auf dem Südvorplatz?

 

Kämpfen Pauliane! 

 

In Twitterkreisen gibt es einen sehr lieben Menschen, der auch uns mit seiner Herzlichkeit und Offenheit immer wieder imponiert und inspiriert hat. Nun ist bei @diepauliane Krebs festgestellt worden. Daher an dieser Stelle: wir sind bei dir. Stay rude, Stay rebel, Stay strong 

Feb 192018
 

Freitagnachmittag. Eine unscheinbare Nachricht auf dem Telefon reißt unsereins aus der Betriebsamkeit, die dem Wochenende vorausgeht: „Willst du morgen mit zum HSV-Spiel? Hab ’ne Dauerkarte über.“

Hm. Hm! HMMM!

„Stark. Mach ich!“

So schnell kann’s gehen. Warum tue ich das, fragt man sich, handelt es sich bei der angebotenen Platz doch um einen Stehplatz auf der Nordtribüne … Schlimmstes Feindesland oder nicht!? Nun, selbst bei unserem ärgsten Rivalen gibt es bekanntlich anständige Menschen und D., der mir die Karte anbietet, ist in jedem Fall einer davon. Schon vor einiger Zeit hatte ich mich gefragt, wie es sich wohl anfühlen möge, mit einem guten Menschen ein Spiel seines (falschen) Vereins zu besuchen. Sollte ich also schneller als erwartet Gelegenheit dazu erhalten.

Die Gedanken rattern noch am Freitag wie verrückt: „Hilfe, wie soll ich Lästermaul das körperlich unversehrt überstehen? Wie groß wird der Fremdschamfaktor, das Unwohlsein, das innerliche Zusammenzucken bei blöden Bemerkungen im Block werden? Ich muss meine Klamotten peinlich genau auswählen, damit mich ja nichts verrät. Bloß nicht zu viel trinken und mich verplappern!“

Es soll alles längst nicht so wild werden

Nachdem ich sämtliche Aufkleber und den FCSP-Mitgliedsausweis aus meinen Taschen ausgepackt und sicher zu Hause verwahrt habe, geht es auf den Weg nach St. Elllingen – relativ spät für unsere Verhältnisse. In der Bahn unter lauter Schwarzweißblauen noch den Liveticker vom Ingolstadt-Spiel zu Ende zu checken, kommt mir schon fast gefährlich vor. Andererseits: Bei uns interessiert man sich auch zuweilen, wie denn die Rauten gerade spielen. Blöd macht mich keiner an, ich bin ja auch unauffällig. Hingegen tragen die ruhmreichen Erstligisten natürlich viel Farbe, man kennt das ja von unfreiwilligen Begegnungen. Mir springt ins Auge, wie oft so ein HSV-Schal wie ein Fremdkörper bei einem Outfit mit Anorak oder Mantel wirkt. Bei uns scheint mir das FCSP-Merchandise bei den Fans meist besser ins Bekleidungskonzept integriert. Aber wir sind ja auch die Modemarke mit der Fußballabteilung.

Ich treffe D. in Eidelstedt und frage ihn, ob man nicht früher im Block sein müsste, ob das nicht gleich sehr eng wird. Er winkt ab, man komme schon immer noch hinein, so seine Erfahrung. Zügig leeren wir noch zwei Biere auf dem Fußweg (niemand mag Shuttlebusse) und stellen uns dann schon an. Stellingen selbst ist nach wie vor hässlich wie die Nacht, aber ein bisschen Leben brummt rund um den Spieltag schon in der Gegend.

MagischerFC Hinter feindlichen Linien Februar 2018

Hermann kann einem fast leidtun

Die Ordner freundlich, der Einlass unkompliziert: Wir sind also drin. D. geht vor, als wir uns in Block 23/24a schieben. Die Schüssel ist ungemütlich und ziemlich leer, die Stehplätze wirken noch vergleichsweise gut gefüllt. Dort am Rande vorm Zaun haben wir allerdings so viel Platz, dass man auch jede Menge Leitern mit ins Stadion nehmen könnte. (Die Älteren werden verstehen, was gemeint ist.)

Tatsächlich hört man neben vielen anderen „Perlen“ auch kurz Mozart-Songs im Vorprogramm. Textsicher von FCSP-Auswärtsfahrten schmettere ich hier ironisch mit. SCHALALALAHAESVAU. Was sind wir postmodern, haha. Ach herrje, gleich wird ja LKK singen. Nur die Lippen bewegen wie Nationalspieler bei der Hymne? Ich halte lieber ganz die Fresse. Für Fangesänge habe ich mir bereits eine Ausweichstrategie überlegt: HA-SEL-MAUS mit leicht verschluckten S-Lauten, das klingt ähnlich wie HSV und ich muss nichts Falsches singen. Fresse halten funktioniert allerdings auch durchgehend, kein Problem für die Umstehenden.

Scheiß St. Pauli! Scheiß St. Pauli!

Ohnehin hat mich D. einem Mitsteher gegenüber gerade (leise) als „Hardcore-Fan eines anderen Hamburger Vereines“ geoutet und ein kurzer „Altona“-Witz meinerseits erfüllt seine Wirkung nicht. Naja, D. hat auch Interesse an meiner körperlichen Unversehrtheit und so, denke ich, wird mir das nicht zum Verhängnis werden. Die meisten haben es eh nicht mitbekommen. Zusammenhanglose „Scheiß St. Pauli“-Rufe wird es dennoch zu hören geben. Ich bin versucht, einzusteigen. Würde aber keiner verrstehen.

Ja und dann halt Fußball und das stellt mich vor das nächste Problem: Hämisch lachen, wenn Leverkusen ein Tor erzielt? Nay, nay, when in Rome, do as the Romans do. Ein bisschen Respekt muss als Gast schon sein. In der 40. Minute ist es dann so weit und ich schweige einfach, wie es die meisten Rauten um mich herum auch tun. Aufbäumende Fangesänge hört man erst mal nicht. Da ist eher Resignation zu spüren.

Wir gehen zwischenzeitlich mal Bier holen. Huch, schon zu weit gelaufen? Doch, da sind die Treppen, die allerdings kein Mensch frei hält. „Ja, das haben die mal versucht, ist aber kläglich gescheitert.“ Kein Wunder, dass es im Block so locker bleibt, wenn die Fans einfach auch auf den Auf- und Abgängen stehen. Naja, soll nicht meine Sorge sein, ich werde hier niemanden belehren.

Den Beginn der zweiten Halbzeit verpassen wir und damit auch das 0:2. Gehört hat man davon im Umlauf nullkommanull. Wovon wir auch nichts mitbekommen, ist das vielkritisierte Transparent. Sieht man einfach nicht im Block.

Mit dem Anschlusstreffer (Yay, Scooter!) bäumen sich Nordtribüne und Stadion dann auch mal auf. Man steht sogar von seinen bequemen Sitzen auf für den HSV. Tatsächlich kriegen die Rothosen nun den einen oder anderen Spielzug hin, aber das kommt zu spät. Mir soll’s recht sein, für D. tut’s mir etwas leid. Das Gift, das viele junge Testosteronbolzen im Block bei Abpfiff versprühen, bekommen wir nur noch im Rausgehen mit. Die lauten Pfiffe richten sich jetzt wohl nicht – wie zum Ende von Halbzeit 1 – gegen die eigenen Spieler, sondern entweder gegen die Cops unten vorm Block oder die eigenen Öddel, die kurz vorm Platzsturm stehen. Wir nehmen nur erstere wahr.

D. ist zumindest nicht sonderlich geknickt und wir schlendern zur S-Bahn. Die Spieler haben sich sicherlich nicht schlechter verkauft als in anderen Spielen und gegen Leverkusen „darfst“ du als HSV verlieren. Wie düster das jetzt aussieht, wir sprechen nicht darüber. Nicht meine Sorge. Oder? Spannend wird es definitiv werden, sollte der Hamburger Sportverein tatsächlich absteigen. Kühne macht die Düse, Durchmarsch in tiefere Ligen statt direkter Wiederaufstieg, Lizenzprobleme usw., da sind einige seltsame Szenarien denkbar. Wir werden es erfahren.

Was noch so war

Eine besondere Befürchtung meinerseits war, dass mir im Falle diskriminierender Sprüche im Block das Messer in der Tasche aufgehen würde, auch wenn ich schätze, dass D. so etwas auch nicht unkommentiert lassen dürfte. Nun, das Schlimmste in dieser Hinsicht ist „Hurensohn“ als Beleidigung. Nicht cool, keine Frage, aber da hätte ich ehrlich gesagt mit Schlimmerem gerechnet.

Fazit? Jo, da liegen schon noch Welten zwischen unseren Vereinen. Und das darf auch gern so bleiben. Den meisten dürfte das bekannt sein, auch Meinereiner war nicht zum ersten Mal im Volksparkstadion. Allerdings ist – so dieser schlaglichtartige Einblick – auch nicht alles immer zu 100 Prozent eine Vollkatastrophe beim HSV. Nicht einmal in dieser schwierigen Situation.

Ob ich noch mal hingehen würde auf die Nordtribüne? Nicht zwingend. Vorher ist in jedem Fall der direkte Gegenbesuch von D. fällig. Seid dann bitte nett zu ihm, der wird sich zu benehmen wissen.

Jan 302018
 

Wir sehen in vier Tagen im Endeffekt das gleiche Spiel. Frühe Führung der Gäste durch einen Schuss, bei dem es auch viel Glück braucht, um ins Tor zu gehen. Danach drückt die Heimmannschaft und ist nach der Spielstatistik hoch überlegen. Aber am Ende jubeln die Gäste.

Wäre ja alles schön und gut, hätte nicht der geliebte Verein am Millerntor eine Horrorbilanz.

Aber lassen wir das Sportliche und erwähnen das Drumherum.

Dresden

oder: Der K-Block auf Kuschelkurs?

Unser erster Besuch in Dresden ist wohl jedem unvergesslich. Wir erwähnen nur Bauhelme und Laufen zu den Bussen mit 1000 Dresdenern hinter einem, die nicht freundlich mit einem Bier trinken wollen.

Zwar hat man immer noch Respekt, aber auch hier ändern sich die Zeiten. Und sei es nur, dass die Polizei nun ein Konzept hat mit einem Parkplatz für Gäste und einem Busshuttle.

Üblich in Dresden ist die Ansammlung von komischen Typen, die abhitlern. Aber auch hier ändert sich etwas. Früher taten sie dies ungestört, nun werden sie gegangen. Früher standen da Steriodberge, nun eher Jungs, mit denen wir es aufnehmen könnten. Und wir können es mit niemandem aufnehmen.

Vor dem Spiel kann ein Mädel der Schwarz-Gelben Hilfe über das Stadionmikrophon und die Leinwand einen Soliaufruf verlesen, der auch sehr DFL- und polizeikritisch ist. Stark. Und vom Gästeblock wird der mit „Ganz Hamburg hasst die Polizei“ kommentiert. Hintergrund sind Hausdurchsuchungen nach der Karlsruhe-Nummer. Nicht etwa bei Leuten, die sich dort was zu Schulden kommen ließen, sondern bei den vermeintlichen Organisatoren des Fanmarsches.

Leider finden wir nun auf die Schnelle keine weiteren Details im Internet.

Da sich anscheinend auch in Dresden die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass Frauen in Fanszenen gehören, lässt man inzwischen auch sexistische Plakate gegen unsere Mädels sein. Ab jetzt immer so?

Andererseits: Wo kämen wir denn dahin, wenn man kein doofes Plakat mehr im K-Block sieht? Das gezeigte „Andy Grote immer noch einer von euch!“ unterschrieben mit „Adorno-Kreis 1953“ ist ja auch noch richtig und lustig.

Der K-Block bleibt absolut ein beeindruckendes Erlebnis. Zwar nicht mehr 100-Prozent-Mitmachquote wie früher, aber immer noch die lauteste Kurve in Deutschland.

Und das ohne einen einzigen Ordner im Block. Wie das mit den Versammlungsbehörden funktioniert, verstehen wir nicht.

Nach dem Spiel dann viel Wartezeit. Und so gut ein Konzept ist und so gut auch die Idee ist, Leute nicht kreuz und quer an den Shuttlebussen längs laufen zu lassen: Man kann so einen Lautsprecher auch mal für Durchsagen nutzen. Sonst wird man ständig von der Polizei vollgelabert, aber hier erfährt man nix. Da aber alles ganz entspannt sind, bleibt es alles stressfrei.

Darmstadt

oder: Dinge, so viel wichtiger als Fußball

Das ist die wirkmächtigste Choreo aller Zeiten. Würdevoller und beeindruckender könnte das Gedenken nicht sein. Danke dem Verein für die Videobotschaft und Danke den 29.500 Zuschauern für eine absolut stille Schweigeminute, während die Spieler einlaufen. Bilder bei Groeni.

Sonst heult noch die GDP rum, dass sie ohne Akkreditierung nicht ihren Bullettenbomber im Stadion parken durfte. Link schenken wir uns. Sucht selber. Dazu folgende Feststellungen:

  1. Auch Polizeigewerkschaften können sich mal an Höflichkeitsregeln halten. Man geht nicht uneingeladen auf eine Party. Oder wenn man es macht, jammert man nicht, das man rausfliegt. Das gilt auch wenn früher alles besser war.
  2. Gewerkschaft ungleich Polizei. Kein öffentlicher Auftrag.
  3. Arbeitgeber ist die Stadt Hamburg, die muss gewerkschaftliche Arbeit ermöglichen. Und die hat Fläche genug ums Stadion. Nörgelt da.
  4. Wenn es noch das „Ihr wart gegen den Antifa-Kongress also nein“ gegeben hat, was die gdp zitiert, dann ist das ein Bonus.

Beim Torjubel fällt ein Darmstädter unglücklich und verletzt sich schwerer. Hoffentlich ist inzwischen alles gut. Gute Besserung an dieser Stelle! Sehr gut, dass auch der Heimbereich den Support (vorerst) einstellt, als er merkt, was passiert war.

MagischerFC St. Pauli vs. Darmstadt Januar 2018

Fußball gibt’s auch. Aber hätte nicht müssen.

Zuletzt seht ihr in Groenis Fotos ein komisches Plakat in der Nord. Irgendwas mit Gewalt. Hat das jemand ganz gelesen? Oder weiß jemand was das sollte? Bevor wir das bewerten, bitten wir um Infos. Danke

Dez 192017
 

Heimsieg. Dieses Gefühl morgens, leicht übermüdet mit einem Grinsen aufzuwachen. Die Älteren werden sich daran erinnern. Aber es gibt dieses Gefühl noch.

Montagsspiele beginnen spät. Und doch ist es zunächst leer an den Eingängen ins Millerntor. Und es bleibt auch vergleichsweise leer. Wahrscheinlich hält eine Kombination von Montag, kalt und vielleicht schon im Weihnachtsurlaub in Verbindung mit weniger erbaulichen Ergebnissen (Erfolgsfans!) doch ein paar Menschen ab, das Millerntor zu besuchen.

Diese Lücken müssen genutzt werden, sodass es eine Premiere gibt. Alle drei Schreiber dieses Blogs stehen wirklich maldirekt nebeneinander. Das ist schön und die Liebe sprudelt nur so über. So doll, dass in unserem Umfeld jemand nach 22 gemeinsamen Jahren nun heiraten wird. Glückwunsch.

In einer Situation, in der die Zahl der gesunden Stammspieler deutlich kleiner ist als die Anzahl der Plätze auf dem Platz, vertreibt man sich die Zeit bis zur offiziellen Aufstellung gerne mit Gedankenspielen, wie man denn nun aus den verbleibenden Spielern eine Elf formen könnte. Wildere Ideen wie Lasse als Sturmtank oder Allagui als zentraler 10er werden angedacht und wieder verworfen, bis die offizielle Aufstellung kommt. Und warte mal, da ist doch der Allagui der zentrale 10er. Schneider als Sturmspitze und als völlige Überraschung Yi-Young Park als zweiter 6er. Rückkehr zum alten 4-2-3-1? Findet unsere Zustimmung! Alles andere wird sich zeigen.

Bochum macht den Gästeblock voll …

… aber aus diversen Gründen leider nicht stimmungsvoll. Da ist im Verein (und das ist er noch) ziemlich viel im Argen, man versucht als ungefähr 100ster Verein eine Ausgliederung, die direkt mindestens zur Deutschen Meisterschaft führen soll, und der Sportchef Christian Hochstätter scheint auch nicht gerade beliebt zu sein. Man legte ihm doch relativ unverblümt nah, sich zu „verpissen“.

Das scheint dann wieder der Hamburger Polizei nicht zu gefallen, die mit einem kleinen Trupp das Transparent vom Zaun zuppelt und für Hektik am Gästeblock und doch einem auch für Millerntorverhältnisse ziemlich lauten „Ganz Hamburg hasst die Polizei“ führt. Nun sind wir keine Experten für den Streitstand in Bochum, aber so ein Plakat kann man auch mit einem Schulterzucken kommentieren und einfach weitermachen, liebe Polizei.

In der Süd fehlen auch lange die Banner, was erst einmal für Fragen sorgt. Hat wohl damit zu tun, dass Routinen durchbrochen werden sollen. Müssen die Mädels und Jungs in der Süd dann selber analysieren, ob es was gebracht hat.

MagischerFC St. Pauli vs. VfL Bochum Dezember 2017 Flyer

Das erklärt’s vermutlich

Zumindest die Gegengerade ist zunächst ruhig wie lange nicht mehr zu Beginn. Das war aber wahrscheinlich nicht das Ziel, oder? Lieber Supportblock. Wir lieben euch. Tief und innig. Aber bringt bitte die Trommel wieder mit, ja? Und lasst euch nicht von irgendwelchen Suffpaulis davon abhalten.

Erst später entwickelt sich eine vernünftige Millerntorstimmung und das liegt auch an dem Geschehen auf dem Platz, denn dort liefern die Boys in Brown das, was man von einem braun-weißen Team sich wünscht. Ein Fight bis zum Umfallen. „ENDLICH!“, will man ausrufen. Da werfen sich Spieler in Wege, da werden die Extra-Meter gegangen und da wachsen Spieler an ihren Aufgaben. Exemplarisch sei hier Park genannt, der erst unsicher ist und schnell Gelb kassiert,was früh schon zu Warmmachübungen von Auswechselspielern führt. Und der dann Minute für Minute sicherer wird, sich reinkämpft und am Ende ganz abgeklärt die Bälle klar macht. Wow!

Schneider vorne als Rennmaus mit unfassbaren Wegen und klar, das mag nicht wirklich effektiv sein, aber so wie er das macht, ist das schon cool. Und er kann dabei auch noch Bälle festmachen und weiterleiten. Und immer wieder ein Unruheherd, ein Störenfried. Und so können unsere Jungs endlich mal mit Dampf auf die letzte Abwehrreihe kommen, können so Freistöße ziehen, es entsteht mal Hektik beim Gegner und vor dessen Box. Wann hatten wir dies zuletzt am Millerntor? Ein Freistoßtrick mit ein bisschen Glück, ein klasse Konterpass von Cenk und ein tapferes Schneiderlein (kommt Leute, auf den habt ihr doch schon seit Wochen gewartet), der den Ball versenkt. Zack 2-0 nach 49 Minuten.

Verbesserungspotential gibt es trotzdem noch. So will man Allagui beim Umschaltspiel defensiv anschieben, denn da nimmt er doch immer etwas zaghaft teil. Und seine offensiven Geistesblitze sind nicht so, dass er sich das erlauben kann. Ehrlich gesagt ist das häufig zu eigensinnig, zu lässig oder beides. Da wird dran zu arbeiten sein, denn das Potential ist garantiert da. Ach ja: Kann dem bitte mal jemand Abseits erklären?

Die restliche Zeit ist auf die Uhr gucken angesagt

Denn Bochum schmeißt sich wütend rein und hat auch ein, zwei brenzliche Dinger. Aber außer einem Flipperball kommt nix ins Tor. Und das liegt insbesondere an zwei Spielern: Das, was Jackson und Lasse da raus schädeln, rausgrätschen, rausdreschen, irgendwie rausmachtn, das ist schon der Hammer. Sowieso: Wieviele Lasses stehen bei uns auf dem Platz? Gefühlt schädelt der eben noch hinten rechts den Ball weg, um 0,3 Sekunden später vorne Links den Flankenlauf zu starten.

Ja, man könnte auch mal das 3-0 oder 3-1 per Konter machen, aber das üben wir dann noch mal an einem anderen Tag, nech?

Doof nur: Nach 80 Minuten ist der Akku aller Braun-Weißen bei 1 %. Es kommt dann aber die elegante Rettung in Person von Jan-Philipp Kalla. Als Ein-Mann-Abfangjäger und Konterspieler beschäftigt er Bochum und sorgt auch noch für eine numerische Überzahl unserer Braun-Weißen. Weihnachtliche Zimtschnecke! Wir sind ja so oder so Fanboys, aber heute macht Kalla wirklich eine ganze Menge richtig. So etwas will man von der Bank sehen!

MagischerFC St. Pauli vs. VfL Bochum Dezember 2017 Anzeige

We love the smell of Heimsieg in the evening

Der Rest ist Jubel, ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk und neun Punkte bis Platz 2. Nein, wir sind nicht größenwahnsinnig, aber mit der Leidenschaft dieses Abends kann diese Mannschaft ganz viel erreichen. Jungs, ihr könnt das!