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Okt 142017
 

Fußball ist ein seltsames Spiel. Noch am Nachmittag erklärt der Verfasser dieser Zeilen seinem Arbeitskollegen, warum er nicht an Tippspielen teilnimmt und dass die Unvorhersehbarkeit des Fußballsports einen großen Reiz für ihn ausmacht. Und dann ist es eben diese Unvorhersehbarkeit, die am Ende des Spiels gegen Kaiserslautern ein schales Gefühl beschert. Wie es in den Wald hineinruft …

Endlich wieder Millerntor. Für Unsereins ist es urlaubsbedingt das erste Heimspiel seit Wochen, es knistert entsprechend wieder erheblich. Das Freitagsspiel versaut allerdings einen gemütlichen Gang durchs Viertel, Gehetze ist angesagt. Die ganze Woche so vorarbeiten, dass man freitags früher los kommt, ihr kennt das vielleicht. Und dann ist auch noch das halbe Heiligengeistfeld abgesperrt. Sag das doch jemand! Mit Mühe und Not geht es eine knappe Stunde vor Anpfiff in den Supportblock.

MagischerFC St. Pauli vs. 1. FC Kaiserslautern Oktober 2017

Schön bist du, altes Haus

Todeskonfetti! Diese winzigkleinen Schnipsel, die auf jeden Fall den Weg in den Bierbecher oder die Unterhose finden, sorgen zum Einlauf mal wieder für richtig Spaß im Block. Wer die „falsche“ Klamotte anhat, sieht jetzt aus wie paniert. Jetzt aber los, wir wollen mal wieder einen Heimsieg. Ist ja schon eine Weile her, nech?

Lautern steht mit dem Rücken zur Wand und das merkt man auch. Unangenehm defensiv mit zerstörerischem Spiel nehmen die Regionäre dem Fußballgourmet jeden Appetit. Spannende Szenen Mangelware, gerade mal 2:2 Torschüsse nach 45 Minuten laut Kicker. Ein Mal hat Allagui einen Führungstreffer auf dem Fuß, den müsste er machen. Aber vielleicht ist zu diesem Zeitpunkt der Knoten noch nicht geplatzt. Immerhin kein Gegentor in Halbzeit 1, das ist ja schon mal was. Wir vertreiben uns die Zeit mit Singen und Klatschen, was man halt so tut. Auch das eine oder andere unsinnige Lied kommt dabei heraus.

Du wirst hier Häute gewinnen?

In der zweiten Hälfte merkt man, wie der Druck auf dem Kessel steigt. Kompakte Defensive hin oder her; gegen ein Team, was so tief unten steht, sollte schon was Zählbares kommen – gerade wo der FCSP so viel mehr Ballbesitz und Spielanteile hat. Es dauert bis zu 63. Minute, als ein Raunen und ein ungläubiger Jubel durchs Stadion geht. Flum wird im Lauterer Strafraum umgehauen, alle rechnen mit dem Elfmeterpfiff – und bevor der Schiedsrichter auf den Punkt zeigen kann, nimmt Sami sich die Pille und drischt sie aus 20 Metern humorlos in die Maschen. Ja Mann! Endlich ein Treffer durch unseren großen Sturm-Hoffnungsträger. So kann’s weitergehen.

Und dann ist Fußball eben wieder so grausam, wie er manchmal sein kann. Keine Viertelstunde später entsteht aus dem Nichts eine Ecke für den 1. FCK , die einfach sitzt. Nicht nur die Spieler gucken dumm aus der Wäsche. Solche Partien fühlen sich an wie eine Niederlage, wo es doch so ziemlich die einzige wirklich gefährliche Chance für Lautern war. Das Spiel hatte gerade Fahrt aufgenommen und MMD hätte um ein Haar auf 2-0 erhöht. Nee, aber das sollte nicht sein.

Nun muss man sagen, dass der FCSP in dieser Saison bisher eher auf der Sonnenseite des unverschämten Glücks des Tüchtigen residierte. Und Glück, Pech, Zufall, das hält sich nicht an irgendwelche Regeln. Gerechtigkeit braucht man da nicht zu suchen. Ein bisschen wie geprügelte Hunde trottet man aus dem Stadion, um sich in der lauen Oktobernacht (wärmer als so mancher Juli-Abend, wie es scheint) noch vor den Fanräumen/der Weinbar auf das eine oder andere Getränk mit guten Menschen zu treffen. Das Schöne an Freitagsspielen ist ja, dass man danach oft nix Weiteres mehr vor hat und genau für so was Zeit bleibt.

Support & so

Mit ein paar Wochen Abstand fällt auf, dass auf der Gegengerade die Sangesfreude ausbaufähig ist. Viel verpufft ziemlich schnell und wird von nur wenigen mitgesungen. Schade. Liegt’s daran, dass wir derzeit weder ganz vorn noch im Keller mitspielen? Dass ein Ernst der Lage fehlt? Naja, es fehlt ja nicht viel und wir wären oben dran. Scheidet als Erklärung also aus. Die Lautsprecheranlage auf der Süd, die unsere Wenigkeit heute zum ersten Mal und das auch nur in einem kurzen Augenblick wahrnimmt, entzündet auch keine Kehlenfeuer. Also lassen wir es mal bei einem kleinen Appell: Ey, Loide, brüllt mal bei den nächsten Spielen wieder ’n bisschen lauter, ok?

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Sep 132017
 

Blockgeschichte im Blog

An einem Montagabend in Nürnberg ist auch so eine Ansetzung, nach der man sich die Finger leckt.

Die Stehplätze im Gästeblock waren trotzdem ausverkauft, was aber auch an einer Geldschneiderei von Nürnberg liegt. Letztes Mal waren 25a und b noch als Stehplatz eingerichtet (das sind diese doofen Umklappsitze), dieses Mal konnte man 25b für schlappe 23 Euro als Sitzplatz erwerben. Gesessen hat da natürlich niemand.

Was natürlich auch dazu führt, dass der Verein ein System mit Auslasskarten und vielen Ordnern installieren muss und Fans versuchen, den Block ohne eine richtige Karte zu betreten. Ein bisschen Gedrängel ist die Folge.

Hm. Könnte man alles mit einer vernünftigen Planung und einem vernünftigen Stehblock vermeiden.

Blockfüllmasse im Blog

Mal ehrlich Leute. Es gibt coole Leute, die aus diversen Gründen selten zum FCSP fahren. Da wäre da der Herr neben uns, der alles mitsingt, egal ob er den Text kennt oder nicht.

Aber es gibt auch echt uncoole Leute. Aggressives Verhalten gegen Mitfans, absolutes Desinteresse am Spiel. Es nervt! Zum Saufen geht doch lieber in die Kneipe.

Stimmung ist im Block auch echt mies. Mag im TV anders rüber kommen, aber meistens machen echt nur die ersten fünf Reihen mit.

Und in jede Pause der Vorsänger „Wir sind Zecken“ anzustimmen, ist nun auch nicht gerade produktiv, wenn man vorher konsequent das Maul hält.

Blocken im Spiel im Blog

Um mal das Phrasenschwein zu schlachten: Es ist nicht immer nur „glücklich“, wenn man so ein Spiel gewinnt. Natürlich hat Nürnberg riesige Chancen und muss zumindest eine nutzen. Müsste!

Und natürlich haben wir gewisse Mängel im Spiel. Beispielsweise verlieren wir teilweise viel zu schnell den Ball, wenn wir hoch angegangen werden. Und auch Avevor verursacht einige Bauchschmerzen mit Risikopässen zurück zum Torhüter.

Aber wir haben halt auch die Aufräum- und Ballblockmaschine Hornschuh und ein Team, was in einem Spiel umstellen kann und diesmal viel zuarbeitet. Etwas, was wir zwischendurch bemängelt haben, was diesmal richtig gut von den Jungs gemacht wird.

Und dann hilft das Glück auch den Tüchtigen. Ein Himmelmann-Abschlag findet einen Nürnberger Kopf und poltert zu deren Pech weiter zu Sobota. Waldemar wird jetzt natürlich sagen, dass er das genau so geplant hat. Aber irgendwie sieht es aus, als ob er einfach zum Presseschlag hin gehen will und plötzlich macht es Bumms und drin ist der Ball.

MagischerFC 1. FC Nuernberg St. Pauli September 2017

… haben wir mehr Glück als Verstand

Eine Stärke des FCSP 2017? Wenn er mal eine Führung hat, dann schaukelt er diese auch nach Hause. Und auch Nürnberg hat nur noch eine Minichance nach der Führung.

Allagui ist immer noch nicht gut, aber ein Schritt in die richtige Richtung lässt sich erkennen. Es sieht schon viel besser aus. Litka gefällt uns auch gut. Şahin wieder ist mal ein Thema für eine längere Erörterung.

Wer in seiner kurzen Einsatzzeit noch gefällt, ist Neudecker. Der Junge kann einen Ball ja perfekt verarbeiten. Der könnte echt noch eine Waffe werden.

Feierabend

Wisst ihr was, es Montags nach einem Spiel nicht gibt in Nürnberg? Taxis in Stadionnähe. Aber auch das können wir auch noch lösen und kommen ins Bett.

Fünfter Platz, zehn Punkte, drei Siege – das ist ein passabler Saisonstart, wenn man auf die Tabelle guckt. Und wir dürfen hierbei nicht übersehen, dass gerade schon eine große Verletzungskacke am Dampfen ist. Die Ausfälle wichtiger Leistungsträger haben hoffentlich bald ein Ende – spannend wird dann auch, was für Gerangel um die Stammplätze dann beginnt.

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Aug 282017
 

Yeah Loide, das erste Spiel der Saison zu einem vernünftigen Zeitpunkt – sofern man bei der nachtschlafenden Uhrzeit von 13 Uhr davon sprechen kann. Aber immerhin Sonnabend. Was bei den Heidenheimer Gästen keine Begeisterungsstürme ausgelöst zu haben scheint, denn „Hurra, das ganze Dorf ist da“ trifft es nicht. Ein jämmerlich kleiner Gästeblock in Rot-Weiß-Blau steht da.

Wir sind heiß, nicht zuletzt wegen der angekündigten neuen Choreo über drei Tribünen. Zu diesem Zweck, nämlich Synergien zwischen Süd, Gegengerade und Nordkurve zu schaffen, hat sich der Verein „Das ganze Stadion e. V.“ gegründet. Für 15 Euro im Jahr Mitgleidsbeitrag unterstützt ihr unter anderem aufwendige Sachen wie das, was wir am Sonnabend erleben. Und das ist zweifellos eindrucksvoll – Fotos seht ihr wie so oft bei Groeni.

Einige taktische Beobachtungen

Fußball ist ein Ergebnissport. Das wissen wir alle. Du kannst noch so gut arbeiten und noch so gut spielen, wenn der Ball immer an den Pfosten prallt und der Gegner per Zufall trifft, dann ist das schlecht. Trotzdem muss man auch den Prozess im Auge behalten. Und der war zumindest in Halbzeit eins in die falsche Richtung.

Die Analyse fällt da sehr leicht. In einem 4-4-2 (was es letztendlich doch wieder war) funktionieren wir zur Zeit nicht. Es fehlt die zentrale Kompaktheit, sodass es in der Defensive sehr schwimmend aussieht. Offensiv ist in diesem System Platz für entweder Cenk oder MMD. Wir müssen dann also einen der beiden Spieler, die uns gut Geld kosten und die zentrale Figuren sein sollten, auf die Bank setzen.

Hier muss eine grundsätzliche Frage gestellt werden: Wenn man die beiden weiter verpflichtet, plant man dann auch beide als Stamm ein? Und wenn ja: Wo sollte das in einem 4-4-2 sein? In einem 4-2-3-1 lässt sich das einfacher lösen mit Cenk als Flügelflitzer und MMD als zentrale Figur im offensiven Mittelfeld. Wie das im gewünschten System funktionieren soll? Keine Ahnung. Vielleicht einer als zweite Spitze?

MagischerFC St. Pauli 1. FC Heidenheim August 2017

Damit auch jeder weiß, wie die Tribünen heißen.

Noch etwas fällt auf: Unsere beiden jetzigen Stürmer funktionieren zusammen nicht. Die angedachten Kombinationen zwischen den beiden bleiben aus und Frust ist erkennbar. Das kann alles noch werden und Stürmer sind ja auch von Kleinigkeiten abhängig und dann klickt das plötzlich. Fähig dazu wären beide.

In der Halbzeit dann Umstellung. MMD zwar nicht komplett zentral, aber als Mann, der an seine Mitspieler folgende Nachricht sendet: „Gib mir die Kirsche“ (um mal Lothar Emmerich zu zitieren) und plötzlich haben wir Ballbesitz auch in Zonen, wo es gefährlich sein könnte, und die beiden Außen haben plötzlich Bälle zum Arbeiten.

Mehr Ecken sind die Folge, aber wenig wirklich gefährliche Abschlüsse. Man muss auch mal sagen, dass Heidenheim ein sehr gutes 4-4-2 spielt mit zwei beiden Ketten, die ausgesprochen eng und gut ineinander greifen. Respekt, was da auch taktisch gearbeitet wird.

Irgendwann hat Aziz das 1-0 auf dem Schädel, bekommt aber den Ball nicht gedrückt. Und es ist wie immer bei Stürmern. Hätte er einen Lauf, wäre der unter der Latte eingeschlagen – so geht er drüber. Einen Vorwurf kannst du ihm nicht machen. Er steht gut zum Ball und so eine Fackel musst du erstmal kontrolliert bekommen.

Als dann alle denken, dass wir hier mit einem – nicht mal ungerechten – Unentschieden nach Hause gehen, flippert der Ball durch die Reihen und zappelt dann im Netz. Flummi sei Dank. Seien wir ehrlich: Das ist doch mehr Fußball als jeder ungefährdeter 6-zu-0-Sieg. Der Laden eskaliert und der – sehr gute! – Schiedsrichter pfeift gar nicht mehr an.

Das war wahrscheinlich eine lange Rückfahrt für die ca 700 mitgereisten Heidenheimer.

Noch ein bisschen Randgeschehen

Choreografien zum Einlaufen. Wie häufig muss man es denn noch erklären? Luftballons zum „Herz von St. Pauli“ sind zwar nett, aber sie dann zu zertreten ist doof. So wirkt die tolle Arbeit nicht ganz so, wie sie es soll. Schade.

Hören wir da etwa Pfiffe zur Halbzeit? Das geht ja gar nicht!

Ausblick

Vier Spiele, sieben Punkte, vier Tore – wir sind noch ein gutes Stück von jenen Hoffnungen entfernt, die manche vor der Saison hatten. Aber ein Fehlstart in die Saison ist das auch nicht. Zu Hause ungeschlagen, das behalten wir jetzt einfach bei. Es sind noch 90 Punkte zu vergeben.

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Aug 162017
 

Ach, was willst du machen? Ein wirklich gelebtes Ritual des FCSP ist es, regelmäßig in Runde 1 (bestenfalls Runde 2) des Pokals zu scheitern. Insbesondere gegen Drittligisten. Es ist etwas schwer zu recherchieren, aber der letzte Sieg gegen einen damaligen Drittligisten im Pokal kam wohl 98/99 gegen den SV Meppen. Zu Großvaters Zeiten wurde im Emsland 1-0 gewonnen.

Seitdem? War man entweder selber Drittligist und Pokalschreck oder scheiterte konsequent am drittklassigen Gegner.

So war die Hoffnung in FCSP-Kreisen, auch noch nach diesem Spiel im Lostopf zu sein, eher gering.

Zu allem Überfluss wurde das Spiel auch noch auf Montag 18:30 terminiert und eigentlich hatte jeder vernünftige Mensch nun alle Gründe, das Ergebnis Dienstagmorgen kurz im Videotext zu checken. Aber FCSP-Fan und Vernunft geht irgendwie nicht, sodass sich ca. 2000 Fans unseres Vereines in der heimeligen Paderborn Arena einfinden. Seien wir ehrlich: Mehr Worte über diesen Unfall von einem Fußballstadion zu verlieren, wären rausgeschmissene Zeilen. Nur so viel: Wie man einen solchen Aufgang genehmigt bekommt, der definitiv keine Flucht zulässt, ist und bleibt ein Rätsel.

Generell Paderborn! Schon Heine schrieb, dass die Sonne bei Paderborn ungern aufgehe, und verspottete im Buch der Lieder die hinterweltlerische, ruckständige Mentalität sowie die erzkatholische Heuchelei. Seitdem hat sich in der „langweiligsten Stadt der Welt“ (Bela B.) nicht sonderlich viel geändert, außer vielleicht der Erfindung des ikonischen Paderborner Dosenbieres. Die Kombination der von Heine beschriebenen Mentalität in Verbindung mit dem wohl berühmtesten Paderborner Exportgut kann man während des Spiels auch auf der Gegenseite am Habitus der heimischen Fans begutachten. Kaum ein Klischee der Landjugend-Ultras fehlt.

Was ist dieses Mal nicht Schuld am Nicht-Weiterkommen?

Grundsätzlich das Rotieren. Drei Feldspieler mal rauszunehmen und zu wechseln ist a. keine wirkliche Rotation b. immer mal wieder notwendig. Man kann eine Saison nicht nur mit 14 Spielern bestreiten, von denen 11 immer anfangen. Und man sollte weiteren Teilen des Kaders immer auch mal die Möglichkeit geben, sich im Spiel zu beweisen. Mal ganz davon ab, dass man es garantiert nicht exklusiv an Cenk, Schnecke oder Litka festmachen kann, dass wir ausgeschieden sind.

Auch der Torhüterwechsel nicht. Heerwagen hält, was er halten kann. Und ein, zwei Bälle mehr. Wobei auch ihm ein gefährlicher Abklatscher unterläuft.

Die Fans. Die sind sowieso selten Schuld, aber was der Gästeblock abliefert, ist angesichts Spielverlaufs und der Situation – Pokal gegen einen unterklassigen Gegner – aller Ehren wert. Leider bekommen sich Matze Hain und ein paar Leute nach dem Spiel noch sichtlich verbal in die Haare. Wir wissen weder den Grund noch möchten wir das überbewerten. Lieber ein Verantwortlicher, der nach so einer Frustniederlage mal die Klappen auf hat, als jemand, der sofort emotionslos schon Interviews geben kann.

Der Schiedsrichter hat auch keine Schuld. Das (nebenbei sehr rücksichtslos bis absichtliche) Foul an Sobiech kann definitiv mit Gelb bestraft werden, was vielleicht eine Behandlung auf dem Platz ermöglichen würde, ohne dass Sobiech den Platz verlässt. ABER diese Regel gilt dann, wenn es sich um eine schnell zu beendende Behandlung handelt. Seien wir ehrlich: „Blutet wie Sau“ kann man nicht schnell behandeln. Das der Fußballgott nicht gerecht ist, zeigt sich, dass in der entstehenden Unsicherheit das 2-0 fällt. Das ist nicht fair, belohnt im Endeffekt das Foul, spricht aber unsere Truppe nicht von Fehlern frei. Denn mal ehrlich: Es ist unser Freistoß, aus dem das Tor ensteht.

Das wir am Ende dann mit zehn Spielern mehr Druck entwickeln als vorher, ist dann schon beinah ein Treppenwitz. Klar spielen wir nach dem 2-0 „alles oder nix“ und Paderborn hat teilweise gute Konterchancen, aber endlich baut sich mal so etwas wie Tempo und Druck auf.

Was letztendlich erstaunt: Wir schaffen es die 75 Minuten vorher eigentlich nie, unserem Spiel den Stempel aufzudrücken, aber trotzdem kann es ganz anders stehen. Aziz setzt den Ball vollkommen blank einmal neben das Tor, unser Gegentor ist ein glücklicher Sonntagsschuss. Aber so ist der Fußball noch mal. Und wirklich verdient hätten wir es nicht.

Zurück zum Schiri: Ist das Elfmeter in der letzten Szene? Vielleicht, keine Ahnung, kann man nicht gut sehen aus dem Block. Vom Fernseher aus ein „Kann man geben, muss man aber nicht.“ Hätten wir wahrscheinlich sowieso sonst wohin gebolzt.

Ist das eine taktische Umstellung auf ein 4-1-4-1? Es wirkt aus dem Block so. Dann ist das in so einem Spiel eher nicht zielführend, denn gerade in Halbzeit 1 sieht das teilweise doch sehr nach Hühnerhaufen bei uns aus. Das ist sowieso noch eine akute Schwäche bei uns. Zuviele Ballverluste. Kann man dran arbeiten.

Letztendlich ist das Fazit, dass dies unser Wettbewerb nicht mehr wird, wir unseren Enkeln wenigsten von der 05/06 Saison erzählen werden und wir uns ab jetzt auf die Liga konzentrieren sollten/können/müssen.

Nächste Aufgabe: Darmstadt.

Einige kleine Randbemerkungen

  • Schon vor dem Spiel so voll zu sein, dass man nix mehr mitbekommt und ggf. Sanitäter in Anspruch nehmen muss, ist uncool.
  • Was die Polizei in Paderborn immer erwartet, ist schwer zu verstehen. Erneut sind diverse Polizisten für ein Spiel mit ungefähr keinem Konfliktpotential vor Ort. 10 Prozent davon würden es auch tun.
  • Ordner beim Einlass sehr pingelig, Im Block dann ein Ordner, der sich die ganze Zeit über die Gesänge freut, lächelt und sich noch per Handschlag von den Leuten verabschiedet. Ist mal was anderes.

Es schrieben auch…

… bisher niemand. Aber der Übersteiger war anwesend und könnte noch was schreiben und die Sabine hat auch geknipst, da sollte also auch noch was kommen.

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Jul 022017
 

Es ist nicht immer einfach, in diesen Tagen als Bürger dieser Stadt, als Mensch in diesem Land oder auf der Welt seine Position zu finden, was den G20-Gipfel betrifft. Wir werden an dieser Stelle auch gar nicht versuchen, einen Königsweg aufzuzeigen. Wenn man der Meinung ist, dass die Politik der Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrienationen Moppelkotze ist, aber es für wichtig hält, dass man Lösungen im Gespräch erzielt, dann steht man erneut vor dem Dilemma.

Die wirklich wichtigen Themen der Weltbevölkerung (gerechte Verteilung von Wohlstand, Klimaschutz, fairer Handel, freiheitliche Gesetze und Mitbestimmung in jedem Land) werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf dem Gipfel in Hamburg in keine ernsthaft positive Richtung bewegt werden. Geschweige denn, dass überhaupt etwas Verbindliches bei dem – mit zwei Tagen nicht gerade ausführlichen – Gesabbel herauskommt.

So viel als Vorbemerkung.

Aber die Hände in den Schoß legen wollen wir auch nicht. Und da Unsereiner zwar mit Sichtweite auf die Messehallen wohnt, aber (in weiser Voraussicht? aus Naivität?) von Mittwoch an auf einem Festival das Haar schüttelt und die Gipfeltage hier verpasst, bleibt eigentlich nur der 2. Juli als Tag, um auf die Straße zu gehen. Weder mit der Gefahr, unbeabsichtigt in hitzige Szenen zu geraten, noch Seite an Seite mit sozialdemokratischen Heuchlern, die auf ihrer bürgerlichen Spalter-Demo so tun wollen, als hätten sie mit der schwierigen Lage in der Stadt ach so wenig zu schaffen.

Es wenigstens nicht unversucht lassen

Zugegeben, die regierungsbeteiligten Grünen sind bei der sogenannten G20 Protestwelle auch am Start. Allerdings soll es ja auf dieser Demo tatsächlich um die Inhalte gehen, die man als ganz naiver Mensch gern den Despoten und sonstigen Staats- und Regierungschef diktieren möchte. Wir wollen das wenigstens nicht unversucht lassen, wollen uns sichtbar und hörbar machen und zeigen, dass ein großer Teil der Bevölkerung ganz hippiemäßig andere Vorstellungen von den Themen der Zukunft des Planeten hat als die Mächtigsten der Mächtigen.

So finden wir uns gegen späten Vormittag an diesem Sonntag auf dem Rathausmarkt ein. Mit riesigen Erdballons mahnt der BUND gegen Umweltzerstörung und hunderte bunte Fahnen wehen. Campact verteilt weitere und Redner von Old-School-Gewerkschaftern bis hin zur Anti-Trump-Aktivistin aus New York treten auf. Das ist alles sehr gefällig und geht unserer Auffassung nach in eine gute Richtung. Denn bei so komplexen Themen und umstrittenen Ereignissen wie dem G20-Gipfel halten wir es für wichtig, auf breiter Basis zu zeigen, unter welchen Prämissen man die Welt gestalten möchte. Dass Konzepte wie Solidarität, wie Nachhaltigkeit und wie Gerechtigkeit die Grundlage sein müssen. Das wird hier sehr deutlich.

Kurze Erheiterung als Einschub: Bunte Demos ziehen gern auch mal Spinner an, das sollte bekannt sein. Und so verteilt eine Frau im Rentenalter mit gewittrigem Ernst Flyer, auf denen vor Chemtrails gewarnt wird. CHEMTRAILS! Wir dachten, so was gibt’s nur im Internet. Auf ein „Ach du Scheiße“, was uns entfährt, werden wir gefragt, ob wir etwa nicht daran glauben. „Natürlich nicht“, entgegnen wir wenig schlagfertig. „Dann nicht, dafür ist das zu kostbar“, sagt die Dame und entreißt uns den Flyer wieder. Kannste dir nicht ausdenken.

Planet Earth first

Zurück zum Geschehen. Während ein letzter kurzer, aber kräftiger Schauer niedergeht, setzt sich der Zug in Bewegung. Es sind viele Kinder dabei, was man angesichts für die Allgemeinheit und für die Zukunft wichtigen Themen in unseren Augen okay ist. Mit harter Indoktrination hat das wenig zu tun.

Besonders beeindruckend wird es an der Binnenalster, die voller Boote ist. Es tummeln sich jede Menge Kajaks, ein Windsurfer, ein zweistöckiges Floß und zum Schluss ein riesiger aufblasbarer Schwarzer Block. (Für Erläuterungen, ob das jetzt ironisch war, sind wir dankbar.) Da wird mächtig Lärm gemacht und beispielsweise dem Kohleabbau der Kampf angesagt. Umweltthemen dominieren offenkundig noch vor Dingen wie fairem Handel.

Hamburg-G20-Protestwelle-auf-der-Binnenalster

Die Binnenalster mit schwimmendem Protest

Während sich der Zug an Alster und Planten un Blomen vorbeischiebt, bekommt man allerlei Kreatives zu sehen. Besonders gefällt ein grummeliges Trump-Emoji. Die Stimmung im mehr als 10.000 Menschen umfassenden Zug ist leicht und positiv, alle Altersklassen und viele Bevölkerungsschichten scheinen hier vertreten zu sein. Wir sind zufrieden, denn mit einer solchen Aktion richtet sich das Augenmerk hoffentlich wieder etwas mehr auf die weltpolitischen Themen, um die es gehen muss. Natürlich sind die Grundrechtseinschränkungen in unserer Stadt eine Vollkatastrophe und Verbote-Grote gehört zusammen mit seinen Schergen mit dem erhobenen Grundgesetz aus der Stadt gejagt. Es darf aber nicht passieren, dass wir über solche Aufreger die globalen Probleme aus den Augen verlieren. Danke für die G20 Protestwelle, dass genau das wieder in den Fokus rückte.

Hamburg-G20-Protestwelle-Donald-Trump

Totally sad!

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Mai 242017
 

Tief im Westen,
wo die Sonne verstaubt
ist es besser,
viel besser, als man glaubt
Tief im Westen

Bochum also sollt unsere Saison abschließen. Die Stadt mit dem verklärenden Song, der hier eingangs zitiert ist und der zumindest im Stadion immer noch für ein Gänsehäutchen durchgeht. Auch weil sonst ja alle Lieder im Stadt- und Fußballkontext nie irgendwie Pathos, Verklärung und Überhypung beinhalten.

Abschluss heißt auch Sonderzug. Und Sonderzug heißt Motto. Und Motto ist dieses Mal „hässliche Trikots“. Auch ein bisschen in Erinnerung an die Bochumer 90er-Jahre-Hemden. Lustigerweise ehrt Bochum bei diesem Spiel genau die 97er UEFA-Cup-Mannschaft, welche genau diese Trikots damals trug. Ey Fanladen, das habt ihr doch von langer Hand geplant!

Der Zug ist also eine Ansammlung von 90er-Jahre-Trikots, Amateur-Plastiktrikots und anderen Scheußlichkeiten. Auch einige Trikots der lokalen Rivalitäten waren vertreten. Würden wir nun nicht machen, aber wenn jemand Spaß dran hat, dann ist das bei diesem Motto ja wohl absolut vertretbar. Nicht vertretbar ist es, wenn sich dann einige wenige Leute zur Fanpolizei berufen fühlen und Leuten in Lokalrivalentrikots deutlich machen, dass man dieses doch nicht ins Stadion zu tragen habe und man sonst „Stress“ bekomme. Ey, ne Leute, das geht gar nicht. Das ist kein Umgang innerhalb eines Sonderzugs.

Ansonsten ist die Stimmung gelöst und sonnig, die Verpflegung reichlich und die Fahrt schneller zu Ende, als man sich richtig hinsetzen konnte. Wir waren nämlich zu früh (!) in Bochum.

MagischerFC VfL Bochum vs. St. Pauli Mai 2017 Sonderzug

Verpflegung – alles wie immer

Am Bahnhof gibt es keine wirkliche Fantrennung, aber die Polizei besteht darauf, uns „zu unserer eigenen Sicherheit“ als geschlossene Gruppe zum Stadion zu bringen. Oh man, das ist so nervig. Bochum – St. Pauli ist ein Spiel mit ungefähr gar keinem Konfliktpotential. Hinzu kommt unsere relativ knappe Ankunftszeit, so dass nicht zu erwarten ist, dass nun durstige Horden durch das Bermudadreieck rennen würden. Aber trotzdem muss man da ein riesiges Aufgebot auffahren und die ganze Zeit filmen. Es nervt.

Genauso nervt es, wenn der Hausmeister (?) des Hauses, welches neben dem Gästeblock steht da mit einem komplett überhektischen Hund steht, der alle anbellt und er da unsinnig versucht, alle von seinem Privatweg fernzuhalten. Digga, wenn dir das so wichtig ist, dann mach Flatterband drum und rede mit der Einsatzleitung der Polizei. Aber mit einem Hund und als Motzki da eine Horde Fußballfans am durchgehen zu hindern, macht dir keine Freunde.

Freunde machen eher Dudes, die du sonst aus dem Fernsehen kennst. Am Bierstand vor dem Stadion gibt’s noch grau Vokuhilas und Jeansjacken. Pottenschön! Und auch im Fan-Miteinander ist die Stimmung sehr angenehm, was wirr so erleben.

Das Ruhrstadion ist wohl einer der Klassiker der deutschen Fußballkultur und immer noch eines der schönsten deutschen Stadien (wenn man auf Pinneberger Brutalismus steht, harrharr). Schön eng und unschön eng zugleich. Denn wenn der Gästeblock mal wirklich bis auf den letzten Sitzplatz gefüllt ist, dann ist die Versorgungs- und Entsorgungslage echt grenzwertig. Nun gut, diese Pille muss man wohl schlucken, wenn man auf der anderen Seite ein altes, schönes Stadion haben möchte.

Offiziell etwas über 27.000 Zuschauer sorgen für einen stimmungsvollen Rahmen dieses Spieles um die goldene Ananas, äh die goldenen Fernsehgelder.

Du bist keine Weltstadt
auf deiner Königsallee
finden keine Modenschauen statt
hier, wo das Herz noch zählt
nicht das große Geld
wer wohnt schon in Düsseldorf?

Erstaunlich, wieviele Leute im Gästeblock bei Herberts „Bochum“ komplett textsicher sind. Zeigt auch, dass wir eine Fanszene der alten Säcke sind.

Während des Spieles präsentiert sich der Gästeblock dann äußerst sangfreudig. Unsere Ultras haben sich auf den nominellen Sitzplätzen postiert und treiben die Kurve an, der Rest singt fröhlich heiter und ohne Anspannung mit. Höhepunkt des Supports ist aber trotzdem das freie „I just can’t get enough“ in der Halbzeit und nach dem Spiel. Danke an die Bochumer Stadionregie, dass gerade in der Halbzeit eine Belärmungspause vorhanden war. Auch wenn die garantiert nicht geplant war.

MagischerFC VfL Bochum vs. St. Pauli Mai 2017 Stadion

Hier im Ruhrgebiet / feiern wir den Auswärtssieg

Was auffällt: Während Schalke seine UEFA-Cup-Helden letztes Wochenende mit riesiger Choreo und Jubel begrüßte, wird die Vorstellung der einzelnen Spieler und des Trainers hier in Bochum eher so beiläufig wahrgenommen. Weder viel Beifall, noch irgendein Spruchband, irgendeine Choreo. Keine Ahnung, ob es da Hintergründe gibt, es fiel nur auf.

Zum Spiel: Das frühe 0-1 kennen wir ja schon vom letzten Mal Bochum als Saisonabschluss. Bochum kann sich auch dran erinnern, dann die Hucke voll bekommen zu haben. Und auch heute drehen unsere Jungs das Spiel noch. Schön für Lenny, dass er noch seine Abschiedstore bekam. Lenny, egal wo du hin gehst, alles Gute und komm schnell wieder in alte Form.
Beide Mannschaften haben viele Chancen und hätte Schnecke nicht sein Torwart-Gen ausgepackt, würde Bochum noch den 2-2 Ausgleich schaffen, bevor dann ein Konter das Spiel entscheidet.

Auf der Bank des FC ist nebenbei mit Jakob Münzer ein Spieler, der eigentlich für die B-Jugend spielt. Eingesetzt wird er nicht. Das Interessante ist aber, dass Jakob Münzer als Geburtsdatum den 14.03.2000 angegeben hat. Auf Twitter kam mal als Frage auf, wann denn der erste Spieler aus dem Jahrgang 2000 im Profibereicht auf dem Platz stehen wird. Wenn man den FCSP von Sonntag als Maßstab nimmt, dann wird dies anscheinend nicht mehr lange dauern.

Fühlt ihr euch nach diesem Absatz gerade auch alle uralt?

Nach dem Spiel natürlich Glückseeligkeit und viel Gefeiere von Mannschaft, Lienen, Jansen und dem Umstand, dass wir 3. der Rückrundentabelle geworden sind. Was hätte alles sein können, wenn wir solche zwei Halbserien mal hintereinander spielen könnten?

Ohne weitere Analyse, aber seitdem wir 2011 abgestiegen sind, haben wir folgende Halbserien gespielt:

Saison                                                Hinrunde                                 Rückrunde
11/12                                                        36                                                26
12/13                                                        21                                                22
13/14                                                        28                                                20
14/15                                                        13                                                24
15/16                                                        29                                                24
16/17                                                        11                                                34
 

Was sieht man da? Wir schaffen keine zwei gute Halbserien hintereinander. Nur 12/13 waren wir sowohl in der Hin- als auch in der Rückrunde langweiliges Mittelmaß. Sonst haben wir immer eine gute Diskrepanz zwischen Hin- und Rückrunde. Das hat uns zweimal den Hintern gerettet, aber auch zweimal ein Hoffen auf mehr verhindert.

Es ist zwar eine alte Position in FCSP-Fankreisen, dass man ja gar nicht aufsteigen wolle. Aber wie jemand im Sonderzug sagt, so langsam wird die 2. Liga echt langweilig. Und zum Synonym der 2. Bundesliga und damit des nichtssagenden Mittelmaßes wollen wir irgendwie nicht werden. Nebenbei: In der ewigen Tabelle der zweiten Bundesliga fehlen uns noch 48 Punkte auf Platz 3 (zur Zeit Fortuna Köln). Aus den ersten 10 dieser Tabelle spielen nur Fürth und wir nächste Saison zweite Liga.

Ach ja: Glückwunsch an die grün-weißen Franken, die nach 63 Jahren (!) mal wieder vor ihrem lokalen Rivalen in einer Tabelle stehen. Wir mögen gar nicht nachgucken, wie lange es her ist, dass wir mal vor den Relegationsverweigerern aus dem Volkspark standen. Wenn ihr uns fragt, wäre es doch mal ein Ziel diesen Umstand zu ändern. Egal wie.

Zurück zum Zug, wo kräftig gefeiert wird. Die alkoholischen Getränke sind 90 Minuten vor Hamburg ausverkauft und am nächsten Morgen tauschen viele Menschen verkaterte, aber glückliche Nachrichten aus.

Damit ist auch die Saison 2016/2017 in den Büchern. Vielleicht schreiben wir noch einen tieferen Saisonrückblick. Vielleicht auch nicht. Vielleicht schreiben wir was zu Neuzugängen und Abgängen. Vielleicht auch nicht. Allemal werden wir beim G20 präsent sein.

Wir wünschen euch auf jeden Fall schöne Sommerferien. Meldet euch mal.

Abschließend vielleicht noch was zu unserer Trainerkonstruktion

Die Realität hat diesen Absatz überholt. Lesen Sie dazu unter diesem Link weiter.

 

Wir haben mit Olaf Janßen garantiert einen Co-Trainer, der vom fußballerischen Wissen Cheftrainerqualitäten hat. Und wir haben mit Ewald garantiert einen Trainer, der ganz vielleicht, ganz spekulativ seine Stärken nicht in der taktischen Analyse und dem modernen Fußballkonzept hat.

Jedoch: Man muss sich moderne Trainerstäbe immer zuerst als Team vorstellen. Wer da am Ende nichtssagende Pressekonferenzen gibt und den Titel „Chef“ vor sich her trägt, ist eher egal. Das sind keine Einmannshows, auch wenn man das in Deutschland immer noch glaubt. Wichtig wäre bei diesem Menschen, dass er a. gut in der Öffentlichkeit ankommt und b. vielleicht ein organisatorisches Geschick im Sinne von „Überblick behalten und delegieren können“ hat. Diese Beschreibung könnte ganz vielleicht auf Lienen zutreffen. Vielleicht sollte er bei Spielern auch noch eine Respektsperson sein? Könnte vielleicht auch klappen.

Und es ist wichtig, dass die Chemie zwischen allen handelnden Personen (und das sind bei uns mindestens fünf im Trainerstab) stimmt. Chef muss sich auf Co 1 wie auf Co 2 verlassen können, diese wiederrum auf den Torwarttrainer und alle auf den Athletiktrainer.

Daher: Wenn dies gegeben ist und alle ein bisschen ihr Ego hinten anstellen, warum soll man dann nicht so weiter machen?

Fehlt nur noch der dazu passende Sportdirektor. Nadel im Hauhaufen gesucht.

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Mrz 202017
 

FCSP – Hannover 96

„Irgendwas muss man ja schreiben“

Seien wir ehrlich, dieses Spiel, das ist Fußball zum Abgewöhnen. Und noch schlimmer wird es, wenn man – wie 1/3 unserer Redaktion – nicht in Hamburg ist und den ganzen Blödsinn bei Sky sehen muss. Dass das sportliche Niveau in der zweiten deutschen Liga so gering ist, dass man oftmals nicht weiß, welche Sportart da eigentlich betrieben wird und das Werben mit Begriffen wie „Fußball“ fast schon als bewußte Täuschung der KundInnen angesehen werden kann, daran haben wir uns gewöhnt. Aber die Präsentation dessen bei Sky war mir – ich schreibe hier als besagtes Drittel – als nicht gerade begeisteter Fußball-Fernsehzuschauer gar nicht bekannt. Die Darstellung der Begegnung war mindestens so gelangweilt und uninspiriert wie der Kommentator. Hilfe, ganz ernsthaft. Dabei kann Sportfernsehen so gut sein. Man sollte halt nicht in Deutschland gucken. Und vor allem keine zweite Liga.

Das wird hier jetzt ein Dialog. (Gibt es eigentlich auch Trialoge?) Ich stand im Stadion, kann aber dem Sky-Gucker von meinen Sky-Erfahrungen nur zustimmen. Ich werde nie verstehen, warum man zwei Zweitligaspiele auf den Samstag legt, nur um diese dann – selbst in der Konferenz – mehr genervt und gelangweilt herunter zu senden. Ich habe noch nicht gehört, dass jemand sagt: „Oh die zwei Zweitligaspiele am Samstag, die haben mich überzeugt, Sky zu abbonnieren.“ Gleiches gilt auch für die beiden Bundesligaspiele am Sonntag. Ja, die sind auch Europa-gemacht, aber die noch voneinander freizustellen, um dann zweimal Bundesligahausmannskost zu senden, das lockt doch niemanden zusätzlich hinter dem Ofen her. Da wäre eine gut gemachte Zweierkonferenz doch schon mehr wert, oder? Man darf nie vergessen: Für die Vereinsjunkies gibt es ja sowieso die Einzeloption.

Aber letzlich passt zu diesem provinziellen, farblosen Charakter der Spielberichterstattung Hannover als Gast natürlich ganz hervorragend. Einer der wenigen Vorteile des TV-Erlebnisses ist es ja, einen hervorragenden Blick auf den Gästeblock zu haben und tja … was für Klischees und Gestalten dort.

Magischer FC St. Pauli vs. Hannover 96 Maerz 2017

Konfetti-Inferno

Puh, im Stadion bekommt man wenig vom Gästeanhang mit, wobei ich immer nicht weiß, ob das ein akustisches Problem ist oder ob da wirklich nicht viel passiert. Zu Spielende dreht der Gästeblock gerade frei, ohne dafür wirklich einen Grund zu haben, aber den brauchen Fußballfans ja auch nicht immer.

Für mehr zu dem Auftritt des Gastanhangs verweisen wir gerne auch auf die kundigen Analysten bei Ultras.ws. (Achtung, Witz!) Wobei wir in diesem Zusammenhang nicht verheimlichen wollen, dass es nach dem Spiel noch U-Bahn Feldstraße richtig am Krachen war. Beobachter sprachen von Volksparksorks, die sich unter die Leinenjünger gemischt hatten und nun meinten, da einen auf Krawall zu machen. Dumm bleibt dumm, da helfen keine Pillen.

Stimmung!

Zumindest durchweg lauter als Hannover. Tolles Intro auf der Süd mit den älteren Doppelhaltern. Immer wieder sehr cool, wenn die Keller nach alten Stücken durchsucht werden.

Die sportliche Einordnung hängt sehr davon ab, wie man die Stärke von Hannover bewertet. Auf der einen Seite sind diese Tabellenvierter, auf der anderen Seite in einer solchen Krise, dass sie selbst gegen Karlsruhe verlieren.

Und seien wir ehrlich: Die erste Halbzeit verschlafen wir komplett. In dem Lauf, den wir hatten, war unsere Stärke eine gute aggressive Spielweise bei den sogenannten zweiten Bällen. Das fehlt völlig. Und so hat Hannover viel Platz, viel Ballbesitz und kann wenig damit anfangen. Und was uns weiterhin auszeichnete war, dass wir Chancen eiskalt nutzten. Klar, da muss es auch mal wieder einen Rückschritt geben, weil sich so etwas immer ausgleicht. Und der passiert halt heute. Denn selbst in der ersten Halbzeit sind einige ansehnliche Dinger dabei.

In der zweiten Halbzeit folgt dann eine Sturm- und Drang-Phase unserer Jungs, das sieht fein aus und da kann sich Hannover bedanken, dass das entscheidende Tor nicht fällt. Denn das an diesem Tag mehrere Tore fallen, davon ging wahrscheinlich kein Beobachter aus.

Leider merkt man dann unseren Jungs die Intensität der letzten Wochen an und die Floskel „stehend K.O.“ macht in den letzten 20 Minuten die Runde. Hier können wir uns wiederum bedanken, dass Hannover kein Tor macht. Harnik steht wohl viel zu frei, um den zu machen. Ob es vor dem einem Ball im Netz nun Foul ist oder nicht, das können wir aus der Stadionperspektive nicht beurteilen.

Schade, dass Schnecke dann den letzten Ball nicht formvollendet an Tschauner vorbei bekommt. Das wäre natürlich so ein Herzensmoment gewesen.

Nun denn, letztendlich ist ein Unentschieden wohl gerecht und für beide Mannschaften verdammt wenig. Ja, so ein Punkt ist dann scheiße, wenn fast alle anderen Konkurrenten gewinnen. Klar, nüchtern sieht das wahrscheinlich ganz anders aus, aber ein Punkt aus zwei Heimspielen ist erstmal nicht so dufte. Auf der positiven Seite sei aber gesagt, dass wir mit den ersten Fünf der Tabelle in der Rückrunde durch sind. Und diese sind anscheinend ja doch eine andere Qualität als das sehr lange Mittelfeld der zweiten Liga. Und zwei Siege, zwei Niederlagen, ein Unentschieden gegen diese Fünf ist ja auch vollkommen in Ordnung.

Man kann es aber drehen und wenden, wie man will: Nun halt Endspiel in Aue. Dazu folgender Dialog: A: „Einfach – hahahahaha – in Aue gewinnen.“ B: „Stichworte: Thy und Pimmelpropeller.“ Machen wir so.

Ein paar Dinge noch, weil sie in der Diskussion waren:

  • In sozialen Netzwerken wurde gefragt, warum Tschauner so abgefeiert wurde. Nun ist es garantiert kein „Abfeiern“, wenn sein Name ein bisschen verarschend als jeder Nachname der Gästeaufstellung gerufen wird. Und warum soll man einem Spieler, der nun auch lange genug für den FCSP gespielt hat, nicht ein bisschen Liebe entgegen bringen?
  • Hornschuh: Bisschen verwundert war man über das komplette Fehlen von Hornschuh. Kein Grund vor dem Spiel, nach dem Spiel hieß es dann „angeschlagen“. Hoffen wir mal, dass dies auch der Grund ist und da nicht irgendwas anderes vorliegt.
  • Terminierungen: Irgendwie fehlt einem die Kraft sich darüber aufzuregen. Dienstagsheimspiel um 17:30, vier Auswärtsspiele hintereinander am Freitag 18:30. Immerhin damit sieben Auswärtsspiele – wenn wir uns den nicht verzählt haben – von 17 an einem Wochentag. Was bei einer Verteilung von 4/9 Spielen an Wochentagen keine so schlechte Quote ist. Schön ist es trotzdem alles nicht.
  • Die Entlassung von Daniel Stendel. Fußball ist ein unmenschliches Geschäft. Aber einen Trainer zu entlassen, wenn man drei Punkte hinter dem Saisonziel steht und die letzten beiden Spiele 4 Punkte gebracht haben, das ist schon eklig. Und den dann noch wieder Scheibchen für Scheibchen zu demontieren. Man fragt sich schon, was die denn gemacht hätten, hätten sie am Samstag gewonnen? Dann wäre man punktgleich mit dem Saisonziel sein … ganz ehrlich: Nun sollen sie gerne Platz 5 holen. Trotz der ganzen Ex-FCSPler.

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Mrz 132017
 

FCSP – FCUB

Werte Leser*innen (heute mal mit Gender*, weil warum nicht?), aus einem kaputtem Laptop und einem drogenreichen Wochenende resultiert ein leicht verspäteter Bericht. Dafür ist die Qualität auch schlechter als sonst und eigentlich werden nur virtuelle Schellen im Form von Text verteilt. Aber eigentlich ist ja ohnehin alles Text. Shoutout an Derrida (intelligenter wird es nicht mehr).

Eine Zahl geht um in Europa

5000. Das ist der aktuelle Kurs, den die Willkürjustiz des DFBs für Strafen aller Art gerade ansetzt. Und dabei ist es auch egal, um was sich eigentlich handelt. Vermeintlich diffamierende Spruchbänder auf der Südkurve gegen Dresdner Nazi-Großeltern, Beleidigungen gegen RB Leipzig und so weiter. Daher lag der Gedanke wohl nahe, dass die ansehnliche Intro-Pyroshow auf der Süd einen ähnlichen Betrag kosten wird. Und quasi reflexartig starten in den sozialen Netzwerken die Diskussionen über Pyrotechnik im Stadion und 5000-Euro-Strafen. Da die Argumente eigentlich ausgetauscht und benannte Debatten unserer Auffassung nach im Wesentlichen Scheindebatten sind und im Grunde über die Berechtigung von Ultrà gesprochen wird, sehen wir uns auch nicht dazu gezwungen, großartige Verteidigungsreden zu schwingen oder lange Solidaritatsbekundungen in den Süden zu schicken. Wir wünschen uns eher, dass es endlich mal ein Ende hat, sich gegenüber den Vertreter*innen der angepassten Langeweile rechtfertigen zu müssen. Geht doch nach Paderborn oder lest die 11 Freunde. Ernsthaft. Dieses obrigkeitshörige „Es ist aber verboten und kostet 5000 Euro, von dem Geld hätte ich lieber ’nem Ersatzspieler die Auflaufprämie bezahlt bla bla …“ nervt unendlich.

Pyrotechnik und die 5000 Euro sind euch doch scheißegal. Es geht euch darum, dass ihr die Ultras blöd findet und ihr braucht einen Grund um sie zu dissen. Dabei ist es grundsätzlich ja erstmal in Ordnung, mit Ultrà nichts anfangen zu können, aber dann eignet euch in eurer Kritik doch nicht den Wertekanon der Organisation an, die die Werte des FCSP bekämpft, wo sie kann, während ein ganzes Blog (ultrapeinlich.tumblr.com) voll mit dokumentiertem widerlichem, menschenverachtendem Scheiß existiert, der offenbar für unrelevant gehalten wird oder der eben zum Fußball dazugehöre. Nein, Leute, kein Frieden mit dem DFB am Millerntor! Erinnert euch, was sie das letzte Mal taten, als deren Team bei uns trainierte.

Sportlich und Gedöns

Das Narrativ der Medien war doch so schön. St. Pauli verkackt die Hinrunde total, trotzdem haben sich alle ganz doll lieb und #allezusammen kommen in der Rückrunde zurück und zeigen allen, dass es nicht immer die beste Option ist, seinen Trainer direkt zu feuern. Tja, da ist sicherlich auch was dran. Aber motivierend ist es nicht, sich auf diese Art und Weise zwei unnötige Gegentore zu fangen und einen Gegner, der nicht überzeugend spielt, trotzdem so dominieren zu lassen. Egal, gucken wir nach vorne und hauen eben Hannover und Nürnberg weg. Einfacher als Union am Freitag werden die es uns zwar auch nicht machen, aber spielerisch ist da immer noch viel Luft nach oben. Den Rest des Spiels könnt ihr euch bei Youtube ansehen, wir wollen diesen Trümmerkick nicht nochmal über uns ergehen lassen müssen. Unglaublich, dass Leute sich solche Spiele ansehen können, die keine emotionale Bindung zu einem der Vereine haben.

MagischerFC St. Pauli vs. Union Berlin Maerz 2017

Hurra, hurra, die Hütte brennt!

Stimmung … ja. Durchschnittlich? Gästekurve: Überdurchschnittlich laut, aber ansonsten auch nicht wirklich spannend. Und liebe Hammer Hearts mit der „Berlin hasst euch!“-Zaunfahne, wir dachten, ihr kommt aus Köpenick? Das hat mit Berlin ungefähr so viel zu tun wie Curslack mit Hamburg. Und die Leute von dort gehen am Wochenende auch nicht zum Fußball oder auf den Kiez und erzählen dir dann was von Hamburg City … oh wait.

Ja, ein Diss gegen uns in einen Diss gegen den HSV umzuwandeln ist jetzt nicht wahnsinnig kreativ, aber die Zaunfahne ist echt auch kein Highlight. Kleine Randbemerkung: Sehr schön zu sehen und auf jeden Fall auch sehr wichtig sind die zahlreichen Spruchbänder gegen den neuen Thor-Steinar-Laden in Barmbek. Den kriegen wir auch wieder weg! Achtet auf Ankündigungen und engagiert euch!

Was Positives zum Schluss

Was macht man also nach einem so frustrierenden Spieltag? 2/3 der Redaktion verständigten sich mit ihrem Anhang darauf, in den hinreichend bekannten Kneipen um den Paulinenplatz ein paar Mexikaner zu trinken. Das ist neulich politischer Aktivismus, denn ein Teil der Einnahmen werden den Protesten gegen G20 gespendet. Wie ihr sicherlich alle wisst, hat Hamburg im Juli die zweifelhafte Ehre das Gruselkabinett aus Putin, Erdogan, Trump und weiteren Persönlichkeiten (in Europa wird ja auch noch gewählt!) begrüßen zu dürfen. Dagegen wird es wahrscheinlich die größten Proteste in Hamburg seit jeher geben. Das zu organisieren ist zeit- und kostenaufwändig und wir sind sicher, dass dort jeder Cent gebraucht wird. Also schnappt euch doch eure Hoschis und geht in eine der zahlreichen Kneipen und genehmigt euch eine Runde oder zwei. Es war selten so leicht, aktiv Politik zu betreiben. Und auch ihr Auswärtigen könnt euch nicht rausreden, fast jede deutsche Großstadt bietet eine Bar mit diesem Angebot. Und ja, natürlich ist Schnaps gegen G20 ziemlich verkürzte Kritik, aber auch in jedem Dorf-AZ gibt es einen Soli-Tresen und das letzlich nicht ohne Grund, sondern weil man die Leute da abholen muss, wo sie sind. Und Hamburgs Kneipen sind da wahrscheinlich ein guter Anfang. Ökonomisch.

In diesem Sinne Prost und eine gute Woche euch allen.

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Mrz 012017
 

oder

WAHAHAHAHAHAHAHAHAWIEGEIL!!!

Also, ihr lieben Sankt Paulianer … wir haben schon miesere Fußballspiele gesehen. Kann man so sagen. Mit einem knappen 5:0 „filetieren“ (Kicker) die Braunweißen den KSC und die Mehrheit im Stadion reibt sich an diesem Abend verwundert die Augen. Wer sind Sie und was haben Sie mit dem FCSP gemacht? Allerdings wollen wir ja mal nicht durchdrehen hier, ne? Da bleiben noch ’ne ganze Menge Chancen auf der Müllhalde liegen! Und nach hinten waren wir auch mal sicherer, mehr als ein mal muss sich Heerwagen lang machen. Da ist also noch Verbesserungspotenzial!!!111einseinsdrölf

– kurze Stille –

WIR! RASTEN! AUS!

Nee nee nee, das hat an diesem Abend mit einem gewöhnlichen Sankt-Pauli-Spiel der Saison so viel zu tun wie die KSC-Hymne mit Black Metal. Ein Kick aus einer Parallelwelt – hat vielleicht jemand irgendwo gesehen, wie sich ein Portal geöffnet hat und außerirdische Wesen in braunweißen Trikots herausspazierten? Normal is das nich, Freunde des Montagsspiels!

Ungewöhnliches zeichnet sich schon etwas früher ab. Wir können uns nicht erinnern, wann wir uns am Einlass mal so lange die Beine in den Bauch gestanden haben. Eine runde halbe Stunde warten wir auf das Erklimmen der heiligen Stufen, was aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit nur noch bedingt klappt. Supportblock kannste knicken, wenn du ’ne halbe Stunde vor Anpfiff auf die Gegengerade kommst. Wussten wir selbst. (Kurze Ergänzung von einem anderen Eingang: Wenn die Ordner aber auch einen filzen, als ob man zum Präsidenten will, dann dauert das. Das erste Mal am Millerntor am Rücken (!!) abgetastet worden.)

Also ausnahmsweise in Block E, wo sich Menschen darüber austauschen, dass sie am Vortag Labskaus zubereitet und vom Rote-Bete-Schneiden ganz rote Finger bekommen hätten. Hier hörste auch mal den Gästeblock und siehst die bemerkenswert zahlreich erschienenen Karlsruher mehr oder weniger aus der Nähe. Das wird sich später noch lohnen.

Die erste Hälfte

Eigentlich habt ihr alle das Spiel gesehen oder wollt zumindest von uns keine detaillierte Nacherzählung des Geschehens, wissen wir. Kriegt ihr deshalb auch nicht. Nur so viel: Bis zum Ende der ersten Halbzeit überwiegt der Berufspessimismus bei uns wir rechnen noch fest mit ’nem Gegentor. Der KSC kommt nämlich trotz unfassbarem Unvermögens durchaus mal in gefährliche Positionen und kriegt den Ball mehr als einmal in Richtung FCSP-Tor. Das frühe Führungstor (ein Treppenwitz, dass Şahin bis zum Schluss nicht abspielen will und dennoch nicht selbst zum Torschützen wird) gibt irgendwie keinerlei Sicherheit. Zu gut glauben wir unsere Pappenheimer zu kennen.

… und dann bricht die Hölle los

Was sich in Halbzeit zwei abspielt, ist nicht so ganz leicht, in Worte zu fassen. Wir versuchen es mal so: Die Karlsruher haben so viel Scheiße am Schuh, wie eine Elefantenherde in einer Woche produziert. Und das schaffen sogar unsere Herren relativ eiskalt auszunutzen. Da übersehen wir mal höflich den Lattenkreuztreffer, denn es reicht immerhin zu fünf Buden. Einen guten Tag erwischt haben neben Şahin (trotz seiner Eigensinnigkeit) vor allem Atze (wir sagen nach dem 4:0 noch, ohne Hattrick lassen wir den nicht in den Feierabend), Møller Dæhli (flinker Typ, gefällt immer besser), Dudziak (einige großartige Pässe) und Heerwagen (der bärenstark die Null hinten hält).

Die KSC-Spieler tun uns fast leid. Zwar macht das FCSP-Spiel derartig siegesbesoffen, dass mancher im Kreis grinsen könnte. Doch als die Karlsruher nach dem Abpfiff wie geprügelte Hunde zum Gästeblock trotten, kriegen sie von dort noch einen auf den Deckel. Sichtbares Gepöbel in Richtung Spieler und mehrere fliegende Becher. Die Banner hängen schon seit mitte der zweiten Hälfte nicht mehr.

Von Fans und Konsumenten

An solchen Situationen merkt man immer wieder, wie sich das Verhältnis zwischen (weiten Teilen) der FCSP-Fanszene zu ihrer Mannschaft von dem unterscheiden, wie Anhänger anderer Clubs die Spieler wahrnehmen. Bei uns kämen wohl die wenigsten auf die Idee, sich als Arbeit- und Geldgeber der Profis zu verstehen. Die Haltung „Wir zahlen hier den Eintritt, also damit auch die Gehälter der Spieler, also erwarten wir von denen eine angemessene Leistung, um uns zu unterhalten“ nimmt unserer Einschätzung nach zum Glück kaum jemand im braunweißen Kosmos ein. #allezusammen, das (vom Verein erfundene?) Hashtag trifft unsere Position viel eher.

Das Millerntor reagiert auf den Zwist zwischen Karlsruher Fans und Spielern ganz bemerkenswert: mit „KSC“-Sprechchören und einem zweifellos unironischen „You’ll never walk alone“ für die Verlierer. Wir hoffen, dass das so auch bei der Gästemannschaft angekommen ist und nicht als Verhöhnung missgedeutet wurde. Ohne falsches Mitleid an den Tag legen zu wollen – wir kennen das ja auch in dieser Saison nur zu Genüge, wie das ist mit der Scheiße am Schuh – als Spieler brauchst du in so einer Lage jede Unterstützung.

MagischerFC-St.-Pauli-vs.-Karlsruher-SC-Februar-201

Einfach mal glücklich sein

Damit haben wir uns nun aber hoffentlich genug an dem Gegner des Abends abgearbeitet. Nachdem der Dienstag im Zeichen des debilen Dauergrinsens stand, bleiben von diesem furiosen Spiel drei Punkte und fünf Tore, die allesamt verdammt wichtig sind und noch sein werden. Mehr kauft sich davon allerdings keiner, es muss weiter gepunktet werden! Zehn von 12 möglichen Punkten aus den letzten vier Spielen, das ist eine großartige Ausbeute. Ein Spiel wie dieses gibt weiter Selbstvertrauen. Wenn es nicht aus dieser Phase heraus klappt mit dem Klassenerhalt, wie dann?

In der Winterpause hat sich ganz offensichtlich eine Blockade in unserem Team gelöst und das Trainergespann löst das Vertrauen, das ihm entgegengebracht wurde, voll ein. Nehmen wir diesen Aufwind mit! Es gibt noch zahlreiche Punkte zu holen, von denen wir auch noch immer ganz viele holen müssen. Um mal ein bisschen Wasser in den Wein zu schenken.

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