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Sep 172018
 

Anfahrt

Aue. Im schönen Sachsen gelegen. Menschen versammeln sich in den frühen Morgenstunden, um diverse Gefährte zu besteigen, um ins Erzgebirge zu fahren und unsere Jungs bei ihrem Auswärtsspiel zu begleiten. Auch in unserem Pöbelbus sammeln sich mehr oder minder ausgeschlafene und gut gelaunte Menschen, um den Weg anzutreten.

Eine Playlist die nur Hits enthält und eine freie Bahn bringt sie zügig voran. Die Stimmung ist gut, was zu dem in der Überschrift zitierten Ausspruch führt. Routinehalt in Allertal, ein paar Baustellen und ganz viel Autobahn später sind wir in Chemnitz. Halt, falsch abgebogen? Nein, wir sammeln noch eine Mitfahrerin auf. Und vermissen ab jetzt unseren fränkischen Touch, der leider kurzfristig passen musste. Ein kleines Herzchen sei nach Franken geschickt.

Wir sind VIEL ZU FRÜH in Aue. Man hat das Parkplatzkonzept geändert und setzt auch in An- und Abreise nicht mehr auf eine hundertprozentige Fantrennung. Das ist erstmal angesichts der grundsätzlich sehr entspannten Aue-Fans auch erstmal okay. Die örtlichen Ordner muss man nicht sympathisch finden, aber insgesamt verhalten sie sich uns gegenüber korrekt. Was wir nicht verheimlichen wollen: Informierte Menschen konnten da schon einzelne Ordner rechtsradikalen Strukturen zuordnen. Umso wichtiger die im Gästeblock gezeigte Choreo.

Was man von der Polizei nur uns gegenüber behaupten kann. Wir werden nach dem Spiel noch Zeuge, wie ein älterer Herr (mindestens 50 und erkennbarer Aue-Fan) mit einem Polizisten ins Gespräch kommt, vielleicht auch etwas lebhafter, aber aus unserer nahen Perspektive null aggressiv in Richtung des Polizisten. Dieser hat diverse Kollegen in der Nähe. Er will den Herren dann anhalten, warum auch immer. Und anstatt seine Kollegen dazu zu rufen, kurz den Weg zu versperren und alles easy zu regeln, latzt er den einfach um. Einfach so. Mit Schwung. Von seitlich hinten. Der hätte weder weglaufen können (machte nicht gerade einen sportlichen Eindruck), noch wurde er in Richtung Polizist auch nur einen Millimeter körperlich. Der so ziemlich grundlos Umgehauene fällt mit Schwung um, knallt auf den Hinterkopf und bleibt erstmal bewusstlos liegen.

Immerhin wird er dann von anderen Polizisten und Sanitätern versorgt, um etwas später uns wieder zu begegnen. Auf dem Heimweg. Ohne Polizei. Man muss sich schon fragen, was denn so wichtig gewesen ist, den so umzuhauen, wenn er kurze Zeit später alleine nach Hause gegen darf. Uns fällt nix ein.

Stadion

Der Bau ist fertig, der Gästeblock ist okay geworden, die Sicht ist halbwegs gut und der Spruch „Grubenlampe Arbeitsschuh Wismut Aue, ich und du.“ findet sich auch im neuen Stadion. Und ist ja irgendwie rührig. Trotzdem sollte man mit diesen Berufungen auf irgendwelche Bergarbeitertraditionen immer eher vorsichtig sein, weil hier ein krankmachender und gefährlicher Job und eine Industrie, die starke Umweltschäden hinterlassen hat, schon ziemlich verklärt wird. Siehe Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Wismut_(Unternehmen).

Der berühmte Nudeltopf ist immer noch erhältlich. Und der ist halt in der Stadionversorgung in Deutschland relativ weit oben. Das heißt nicht, dass ihr nun hier kulinarische Hochgenüsse erwarten müsst. Seine positive Wahrnehmung basiert auch auf dem Dreck, der anderswo als Stadionessen angeboten wird. Es gibt nebenbei auch Sekt im Gästeblock in Aue. Stellten wir auch erst diesmal fest und ist ja auch mal was besonderes.

Hätten sie nun noch Klopapier auf den Klos, könnte man beinah von einem sehr angenehmen Gästeblockerlebnis sprechen.

Im Gegensatz zu letztem Jahr sind auch die Kontrollen entspannter und auch mal mit einem flotten Spruch auf den Lippen. Warum eigentlich nicht immer so?

Wir haben Probleme

Wir sind erneut da angelangt, wo wir nicht hin wollten. Im Abstiegskampf. Eine absolut indiskutable Leistung gegen einen Gegner, der vor diesem Spieltag drei Tore in einen Punkt umgewandelt hat, spricht Bände.

Es fehlt bei uns an allem. An Aggressivität, an Laufbereitschaft und an mentaler Einstellung zu so einem Spiel. Auch an fußballerischer Klasse. Es ist erschreckend, wie schnell sich diese Mannschaft anscheinend zurücklehnt und es schleifen lässt. Wo in Magdeburg und gegen Darmstadt noch Konzentration und Laufbereitschaft vorherrschten, tropfen hier Bälle im Mittelfeld hin und her und niemand geht die entscheidenden fünf Schritte, um einfach mal den Ball zu erobern oder zumindest den Auer sofort zu stören. Wir machen das jetzt ausdrücklich nicht an einzelnen Spielern fest, aber in der Zentrale funktioniert nix.

Hinzu kommt eine Viererkette, die schlecht sortiert ist, die riesige Lücken zeigt und die mit einem schnellen Dribbling sofort überwunden ist. Denn Zweikämpfe gewinnen wir defensiv nicht. Es kommt jeder durch.

So fallen eigentlich alle drei Tore. Natürlich ist das 2-1 ein richtig schöner Schlag, aber wenn wir ehrlich sind, könnte der sich auch noch eine Zigarette drehen und anzünden, es wäre immer noch kein FCSPler in seiner Nähe. Soviel Platz hast du nicht mal in einem Trainingsspiel, wenn der Trainer vorher ansagt „lasst die Offensiven mal ein bisschen zaubern“.

Das ist alles kein neues Problem und trotz Umstellungen, neuem Spielermaterial und zwei Wochen Pause, in der man hätte üben können, hat es sich eher verschlechtert als verbessert. Und während man sich bei Union und Köln noch mit der „hohen Qualität des Gegners“ in die eigene Tasche lügen kann, wird dies bei Aue unmöglich.

Wir sehen zur Zeit nicht, wie wir die Blutung stoppen können, und das Programm in den nächsten Wochen macht die ganze Mission nicht einfacher. Nun eine kurze Trainingswoche bis zum nächsten Spiel in Ingolstadt, dann eine englische Woche und dann ein Spiel gegen einen Lokalrivalen, dessen einer Stürmer gerade mit verbundenen Augen und dem falschen Fuß alles trifft.

Hoffnung sieht anders aus. Ingolstadt hat gerade sechs Dinger in Bochum bekommen und ist verunsichert? Kurz mal den Duden unter „Aufbaugegner“ aufgeschlagen, da ist das Wappen des FC St. Pauli abgebildet.

Wir lassen uns natürlich gerne positiv überraschen, aber zur Zeit sieht es richtig Scheiße aus.

Zurück

Zurück geht es ein bisschen anders um Leipzig herum und mit der noch im Bau befindlichen A 72. Die nebenbei durch ein ehemaliges Tagebaugebiet fährt. Welche hässlichen Löcher ein Tagebau hinterlässt und wie stark Schäden auch Jahrzehnte später sichtbar sind, kann hier jeder bewundern. Und eigentlich müsste man jeden RWE-Manager dort langfristig aussetzen. Ein Tagebau ist eine der beschissensten Ideen überhaupt.

Ansonsten ist bei Hannover ein riesiger Stau, sodass wir auch noch die Blitzer des Landkreises Uelzen kennenlernen, aber irgendwann hat uns Hamburg wieder und ein schöner Tag in angenehmer Begleitung geht zu Ende. Wäre da nur nicht immer dieser Fußball.

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Sep 112018
 

Peacige Hippie-Worte vorm Derby

Liebe Leute,
es sind nun keine drei Wochen mehr, bis unser heißgeliebter FCSP die weite Reise in die Vorstadt antritt. Es gibt wohl kaum Sankt Paulianer*innnen, die diesem Ereignis nicht mit Hochspannung entgegenfiebern. (Stadt-)Rivalität ist schließlich das Salz in der Fußballsuppe und gerade als Underdog – der wir nun mal seit jeher sind – ist die Vorfreude besonders groß, wenn die Chance auf einen kleinen Triumph naht. Wir brauchen das sicher nicht weiter auszuführen.

Ihr habt schon sehnsüchtig auf das “Aber” gewartet?

Voilà! Wie schon in einem Blogbeitrag vor wenigen Tagen festgestellt, dreht offenbar die ganze Stadt immer freier, je näher der größte Termin rückt. Seit der letzten Bestandsaufnahme gab es erneute Vorfälle, die uns Sorgen machen, dass es rund um das Derby mehr als ungemütlich werden kann. Da sind über die Strenge schlagende Graffiti und Sticker noch das geringste Problem. Die Rhetorik nimmt grauenhafte Züge an, auch bei Transpis im Stadion. Einige Gruppen scheinen richtig Bock darauf zu haben, das Derby als Kulisse für langersehnte Keilereien zu nutzen.

Und machen wir uns nix vor. Auf der Volksparkseite der Macht mobilisiert man nicht nur verbal schon wieder alles, was Freunde an einer gepflegten Schlägerei hat, und verschiebt Grenzen verbal, per Aufkleber und per Handlungen immer mehr in einer Richtung, die Menschen jeglicher Fancouleur immer stärker gefährden. Beispiel von heute? Bitte schön:

Die werden auch wieder komische Allianzen schmieden. Das Hamburger Derby in seiner Seltenheit wird wieder Leute anziehen, die sonst so gar nicht miteinander können und die im Notfall abends ihre Probleme noch mal kurz im Schanzenpark diskutieren.

Das Dilemma dabei: Wir können – und wollen – die Dynamiken im Volkspark nur bedingt kommentieren. Denn “die da drüben” ändern wir nicht. Ballert uns ruhig zu mit Geschichten, wer wann was wie Schlimmes gemacht und deswegen auf die Fresse verdient habe. Natürlich sind “die anderen” immer mehr Schuld als man selbst. Wissen wir doch.

Du kannst dir ausschließlich an die eigene Nase fassen und vor der eigenen Haustür kehren, wenn es um Deeskalation geht. Ja, das mag alles altbacken, 80er Jahre Pauli-Hippie-Style und konträr zu „wir wollen keine Opfer sein“ klingen, aber ganz ehrlich: Der FCSP und seine Besonderheiten sind auch dadurch geboren, dass wir eben nicht den Zeitgeist, den Druck der Zeit und die äußeren Bedingungen und Bedrohungen zu einer grenzenlosen Aufrüstung genutzt haben. Das heißt nicht, dass man wehrlos die andere Backe hinhalten muss oder sollte.

USP hat das vor Jahren mal vollkommen richtig als Mentalitätsbanane dargestellt und wahrscheinlich trifft es dieses Bild immer noch sehr gut.

Checkt euren Testosteronspiegel

Und da sind wir bei einem entscheidenden Punkt: Natürlich sollte man nicht unvorbereitet, oder naiv in diese Situation gehen. Mit einem „We shall overcome“ wird man einen Hooligan auf Koks nicht überzeugen. Außer ihr singt sehr schief, sehr laut und sehr fürchterlich. Man sollte bereit sein, sich wehren zu können. Aber: Lasst die Kirche im Dorf, haltet Maß bei euren Provokationen. Das Niveau der Gegenseite müssen wir nicht mitspielen. Und wir müssen auch nicht jede Provokation annehmen. Gähnen oder drüber lachen trifft die viel mehr.

Es ist verdammt nochmal nur Fußball!

Daher sollte man versuchen, das Testosteron zurückzufahren. Auch Revierkämpfe um „unser Viertel“ sind nicht progressiv.

Verhalten

Noch etwas zum Verhalten am Spieltag. Diese Tipps sind nicht neu und auch nicht überraschend, Reist am Spieltag nur in größeren Gruppen, guckt, wie z.B. der Fanladen, die Ultras etc. die Anreise (und Abreise) empfehlen. Wenn etwas passiert, dann lauft nicht sinnlos und planlos weg. „Stehen bleiben“ ist eigentlich immer die beste Lösung, insbesondere wenn irgendwie 100 Hools 500 Leute angreifen. Selbst wenn das kampfsportgestählte Kampfmaschinen sind, wäre das bei einer solchen Zahl an Leuten sehr schwer, da etwas auszurichten. Und wenn, dann bekommen 500 halt weniger ab, als 5, die nicht schnell genug waren. Ist so. Bittere Realität halt. Nicht verlassen kann man sich erfahrungsgemäß auf Ordnungsdienst und Polizei. Die ballern im Notfall eher sinnlos mit Pfeffer in alles rein.

Ebenso entscheidend: Die Flasche Korn und den Megajoint vielleicht auch mal zu Hause lassen. Wir haben nichts gegen einen gepflegten Rausch, aber bei einem solchen Spiel helfen klare Sinne und gute Reaktionen. Das Siegbier, den Siegmexikaner trinken wir dann ab ca. 18 Uhr vor dem Jolly.

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Sep 102018
 

Ausrichtung

Wenn man so wie ich, das laufende 1/3 dieses Blogs sich zum Alsterlauf anmeldet, dann kann es aufgrund der Vorbereitung auf den Frankfurt Marathon nur zwei grundsätzliche Ausrichtungen geben.

Ausrichtung 1 ist wahrscheinlich die klassische Trainingsplan Ausrichtung: Tempotest! Voll-gas für 10 KM und mal sehen, was so geht. Hab ich 2015 so gemacht und in meinem -wahrscheinlich bestem- Laufjahr eine 55:51 in den Asphalt gebrannt, meine bis heute (und wahrscheinlich auch ewig) gültige 10 KM Bestzeit. Hatte ich irgendwie so gar keine Lust drauf. Auch weil ich den Frankfurt Marathon einfach nur aus Lust und Laune mitlaufe, ohne wirklich das Ziel einer neuen Bestzeit oder so zu haben. Zu warm war der Sommer, zu selten war Training möglich, ohne sofort zu überhitzen.

Ausrichtung 2 ist, dass man das ganze einfach so just for fun mitläuft und sich ein anderes Ziel sucht. Wie z.B. jemanden bei seinem ersten Volkslauf zu begleiten. Und da die @keersti das erste Mal zu einem Volkslauf gemeldet war, hatte ich auch ein „Opfer“.

Wir trafen uns auf halber Bahn-Strecke und sie musste schnell feststellen, dass ich immer zu früh da bin. Was aber dann gut ist, wenn man -wie ich- trotz einer längeren Suchaktion sei-nen BMS Chip am Tag vorher nicht wieder fand und einen Leihchip organisieren musste. Was schnell und unproblematisch gegen eine Gebühr von 3 Euro zu machen war.

Klopause

Danach war warten auf den Start angesagt, was man sich mit „Dixie Klo macht den Läufer froh, Wasserklo ebenso“ und ein paar Schnacks mit H. und B. vertrieb. Klos sind ja immer wiederkehrendes Thema dieser Laufberichte und da waren endlich mal halbwegs genügend vorhanden. Und Wasserklocontainer sind sowieso ein Plus.

4.500 Starter insgesamt, was so in der üblichen Größe für den Alsterlauf ist. Zum ersten Mal kam ich in das Vergnügen auf der Mönckebergstraße starten zu dürfen und nicht beim parallelen Start „Steinstraße“. Da fühlt man sich ja gleich mehr als Profi.

Wir reihten uns ganz hinten ein, alleine schon, weil wir nicht die typischen, in Viererreihe eine Pace von 8:20 laufenden Hindernisse sein wollten, die sich gerne mal bei dem „Zielzeit 40 Minuten“ Schild hinstellen und wundern, dass die Leute etwas ungehalten überholen.

Debütantenlauf

Die Debütantin war sich nicht wirklich sicher, was sie so leisten konnte und daher war unser Motto das Motto der Veranstaltung: Immer schön sutsche. Für die nicht Norddeutschen unter euch: Sutsche = entspannt, locker

KM 1 nahm uns dann aber doch das Feld mit und so startete das ganze in einer 6:37 Pace. Danach waltete die Vernunft und die Pace pendelte sich irgendwo zwischen 7:30 und 7:45. Aber immer gelaufen, keine Gehpause, kein Einbrechen am Ende.

Die Strecke ist eine klassische Alsterrunde, die ein bisschen gedehnt wird und die über alle Wellen führt, welche die Natur dort in Form von Flusstälern und eiszeitlichen Ablagerungen geschaffen hat. Wer Hamburg für flach hält, wird bei diesem Rennen (oder dem Halbmarathon oder dem Marathon) eines Besseren belehrt.

Der Veranstalter organisiert – mit guten Argumenten – keine Wasserstelle auf der Strecke. Da er dies deutlichst ankündigt, ist das in Ordnung. Ich trug eine Flasche mit mir, aber für zwei war das ein bisschen wenig. Da war dann mal kurz improvisieren an den öffentlichen Wasser-stellen angesagt und so kam es, dass ich mal kurz einen 5:40 km einstreute, um wieder zu unserer Debütantin zu kommen. Tempotest? Bestanden, würde ich sagen.

Das Ziel kam näher, die Laune auch der Debütantin wurde immer besser (zu Beginn war sie noch etwas morgenmuffelig) und ca. 1 KM vor dem Ziel kündigte sie schon mal einen Zielsprint an. Denn ein Geheimnis hat sie: Sie war in ihrer Jugend Mittelstreckenläuferin (800 Meter und so). Und ihr fehlt vielleicht zur Zeit noch der Mut und die Erfahrung eine 10 KM Strecke am oberen Puls zu laufen, aber 400 Meter drückt sie locker in einer 5:20 weg. Ich nicht und so blieb ich im Zielsprint hinter ihr.

Im Ziel dann Medaille, Blumen für die Damen (müssen wir nicht drüber reden, irgendwie eher 4-) und ein reichhaltiges Getränkebüffet. Erdinger Produkte und Hella bis zum Abwinken. Was will das Läuferherz mehr?

Helden

Hatten wir doch eine persönliche Bestzeit gelaufen. 1:15:13 stand am Ende bei mir auf der Uhr und mit dieser Zeit waren wir bei weitem nicht alleine oder die Letzten. Sowieso: Diese Helden hinten im Feld, Menschen mit Trisomie 21, Menschen ohne Seekraft, Menschen, die sich zum ersten Mal an so eine Distanz wagen oder auch Menschen, die einfach nicht schneller sind, als eine 1:15/1:30 sie sind bei jedem Volkslauf meine ganz besonderen Helden. Und das Lächeln im Ziel dieser Menschen ist Gold wert. Danke an jeden Veranstalter (die Laufgesellschaft machte es am Sonntag vor), der die Geduld mit dieser Art Teilnehmer hat und nicht schon die Zielverpflegung zusammen packt oder nicht genügend Medaillen hat.

Ein runder Tag und wenn es mal wieder mit Fußball und anderen sportlichen Ambitionen passt, freue ich mich darauf irgendwann wieder den Alsterlauf bestreiten zu können.

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Sep 062018
 

Die soziologische Interpretation „des Fremden“ ist nicht zwingend eine Gute. Einige Menschen hierzulande schätzen das Fremde und würden es gerne näher kennenlernen. Für die gibt es das Nachmittagsprogramm auf 3Sat. Für die meisten Volksgenossen ist das Fremde jedoch etwas Bedrohliches und Unheimliches, was in den meisten Fällen aus der Unkenntnis über den eigentlichen Gegenstand entspringt. Sei es nun der Tod, Spinnen oder was auch immer man sonst in den Geisterbahnen auf dem Heiligengeistfeld findet.

Wenn sich Antifa-Schlagerstars wie Helene Fischer oder die SPD nun also unerwartet gegen „Fremdenfeindlichkeit“ aussprechen, ist der zu schützende Angefeindete immer noch ein Fremder, was dieselben sprachlichen Probleme und unterbewussten Annahmen mitbringt wie eine Minderheit mit einem antiquierten, aber nicht böse gemeinten Namen anzusprechen.

Doch der Pakt mit dem Schlager-Teufel ist ein Notwendiger, befürchten wir. In Zeiten wo ganze ostdeutsche Landstriche in eine Mischung aus einem schlechten Zerrbild der Abwesenheit von Staat und Politik sowie rechter Hegemonie abzurutschen drohen, freut man sich doch fast über die breite antifaschistische Einheitsfront von ganz links bis hin zu Helene Fischer und sogar der SPD.

Uns sei der prosaische Anfang entschuldigt. Schlagen wir den Bogen zum 5. September in Hamburg, wo wir leider den lokalen Helene Fischer-Fanclub nicht auf der Straße gesehen haben, aber dennoch viel „bürgerlichen“ Protest gegen Rechts. Das ist gut. Absurderweise twittert der „Blöd“ Reporter immer noch etwas von „10.000 Linken“. Wenn man sich wieder mal fragt, woher diese paranoide Angst vor „Links“ in diesen Kreisen herkommt, dann wahrscheinlich davon, dass alles, was für eine Selbstverständlichkeit auf die Straße geht, links bzw. linksradikal gelabelt wird.

Wie wir bereits bei Twitter schrieben, wird es innerhalb der Merkel muss weg-Bewegung schwer als Erfolg zu kommunizieren sein mit nicht mal 200 Köpfen 10.000 gegenüber gestanden zu haben. Menge ist Trumpf. Und wenn eine Bewegung mal viel Masse und Rückhalt braucht, dann diese ob der realen Gefahren in vielen deutschen Städten, politisch aber auch ganz akut für Menschen, die nicht in das Gesellschaftssystem der rechten Mobs passen.

Streitbare These? Sicher. Um uns etwas street credibility zu erhalten, erwähnen wir gerne prominent, dass den Nazis ein Banner abhanden gekommen ist und dass man munkelt, einige der besorgten Thor Steinar-Kunden seien nach der Demo noch in geballte Fäuste gelaufen.

Der sonstige Verlauf des Abends war „friedlich“, was erstmal nur die Feststellung einer Tatsache ist und kein Wert an sich. Eine ausführliche Diskussion ob nun friedlich oder militant ersparen wir dem geneigten Leser jetzt hier, denn das sprengt den kurzen gewählten Rahmen. Die Staatsmacht hatte Polizei aus Rheinland-Pfalz (!) aufgeboten und wir sahen insgesamt 7 Wasserwerfer (die Hamburger standen in Reserve etwas abseits). Und wenn man schon 7 Wasserwerfer vor Ort hat, dann muss man die auch mal benutzen. Warum blieb uns komplett unklar, aber irgendwie muss man sich ja rechtfertigen.

Genauso absurd war die Polizeieinheit die ohne Landeskennzeichen (warum?), ohne Einheitenkennzeichnung (warum?) und vermummt (warum?) meinte im Valentinskamp sich noch ein bisschen mit Leuten boxen zu müssen, obwohl es gar keinen Anlass gab. Da musste wohl das Adrenalin raus. Das dies nicht wirklich Sinn einer Staatsmacht sein darf und auch eine komplette Anonymisierung sehr fragwürdig ist, müssen wir niemanden erzählen. Es ist bemerkenswert, dass es von der „Mitte“ immer als selbstverständlich hingenommen wird, dass Polizisten so anonym agieren dürfen. Man stelle sich mal vor, dass man seinen Steuerbescheid ohne Behördenkennzeichnung, Name des Bearbeiters und ohne Kontaktdaten bekäme. Der Aufschrei wäre groß. Und ja, auch da gäbe es ähnliche Argumente der Gefährdung des einzelnen Bediensteten. Die in solchen Verwaltungen keine Waffe haben, keine Nahkampfausbildung, keine Panzerung.

Es ist noch unklar, wann und ob die nächste „Merkel muss weg“ Demo stattfindet. Gut informierte Kreise munkeln etwas von 03.10. Informiert euch und kommt auch das nächste Mal vorbei.

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Sep 032018
 

Um es gleich vorweg aus dem Weg zu bringen:

Toxische Maskulinität

Es ist scheiße, irgendwelche Gästefans im Viertel vor oder nach dem Spiel anzugreifen oder zu belästigen. Egal, welcher Verein. Zwar sind solche Vorfälle eher die Ausnahme, denn wir sahen auch ganz viele FCSP-Köln-Kombinationen, die gemütlich ihr Bier zusammen tranken (u. a. im Jolly), aber ein Vorfall ist einer zu viel und dies als „Normalität“ oder „passiert beim Fußball“ abzutun, verbietet sich.

Köln hat sehr viele unsympathische Züge als Fanszene. Sei es das gelebte naziinkludierende Unpolitische, sei es der jahrelange Kleinkrieg der Ultras gegen unsere Ultras, weil man ja angeblich grundlos von St. Pauli angegriffen worden sei. Nun gut, wie schon mal auf diesen Blättern ausgeführt: Wenn man durchs Viertel mit „Scheiß St. Pauli“- und „Kommt doch her, ihr Wi…“-Rufen läuft, dann muss man sich auch nicht wundern, wenn irgendjemand diese Einladung annimmt. So richtig grundlos ist das dann aber nicht. (Nein, soll es gar nicht gutheißen und wir haben schon häufig genug gesagt, was wir von dieser ganzen Machogehabe halten, aber so ein etwas anderer Zungenschlag ist es dann doch.

Absatz 2 rechtfertigt jedoch nicht Absatz 1. Insbesondere, wenn wieder die Täter ihr Handeln wahrscheinlich durch „war doch Fanszene“ oder so legitimieren.

Machogehabe ist sowieso ein gutes Stichwort. Samstagabend meinten die Freunde des Volksparkfußballs, mal ein bisschen durchs Viertel posen zu müssen. Das ganze wurde dann auf ähnliche Weise von FCSP-Seite beantwortet. Dazu nur folgende Klarstellungen:

1. Wenn so etwas passiert, ist es immer falsch, dies irgendwelchen Gruppen zuzuordnen. Wenn ihr im Dunklen nicht 100-prozentig sicher seid, dass da gerade USP, CA, UKW oder wer auch immer an euch vorbei gelaufen ist, dann unterlasst die Namensnennung. Wir behaupten mal, dass niemand 100-prozentig sicher sein kann, denn wie heißt es so schön? In der Nacht sind alle Katzen und Fans grau. Auch die sicher festgestellte Anwesenheit einzelner Menschen bedeutet nicht zwangsläufig die Präsenz einer dazugehörigen Gruppe.

2. Dies war weder ein verabredetes Ding auf dem Beatles-Platz (!!!) noch der „erste Fanstress“ vor dem Derby. Mehr Worte muss man über die Berichterstattung in einschlägigen Postillen nicht verlieren.

3. Es ist nix Gravierendes passiert, es sind keine Kneipenübergriffe oder ähnliches vermeldet worden. Und wir wissen nicht, ob die nur ein bisschen posen wollten, oder schlimmeres im Schilde führten. Jedoch: Es wird nicht die letzte Aktion sein und die sind heiß auf Fahnen, Schals und anderes. Passt also auf euch auf. Bitter, dies zu sagen, aber ist leider so.

Benehmen macht die Musik

Wir halten nix davon, Gästefans absolut in Heimbereichen zu verbieten und wir wollen grundsätzlich die Möglichkeit erhalten, dass jemand seinen Kölner Kumpel einfach mitnimmt und der sich auch in sein Trikot hüllt.

Jedoch macht hier das Benehmen sehr die Musik. Und besoffen den Poser zu machen oder Leuten nach dem Ausgleich fett ins Gesicht zu jubeln, ist kein Benehmen, welches sich in einem Heimbereich ziert. Und man muss sich dann nicht wundern, wenn man eine Ansage bekommt und diese Ansage „noch ein so ein Jubel und du bekommst ein Bier über den Kopf“ ist. Nicht die feine Art, aber das ist dann mal Fußball.

Wichtig ist auf dem Platz

Auf dem Platz kommen wir zu einer 2:0-Führung durch zwei sehr elegante Fehler von Köln. Und anstatt dieses Geschenk anzunehmen, uns einzuigeln und Köln auf den Füßen zu stehen, geben wir die Führung und das Spiel ganz schnell aus der Hand.

Schatten

Dabei machen wir folgende Beobachtungen, die Sorgen machen, selbst wenn man die Kölner Qualitäten anerkennt:

  1. Wir haben ein Außenverteidigerproblem. Buballa wirkt auf uns sympathisch und man wünscht dem Jungen echt nichts Schlechtes. Aber wenn der Junge mit Geschwindigkeit der Gegenseite konfrontiert ist, dann sieht er ganz schnell (sic!) schlecht aus.
  2. Wir sind sehr einfach zu scouten. Wir haben vor der Viererkette einen Bereich, in dem die gegnerischen offensiven Spieler nicht richtig angegangen werden. Soviel Platz haben unsere Offensiven im ersten Teil der gegnerischen Hälfte nie. Mannschaften spielen da immer gezielter den Ball hin und wir bekommen es nicht in den Griff. Unsere zweite Lücke sind Flanken in den Strafraum. Da unsere Torhüter auf der Linie kleben, ziehen Gegner die immer mehr in den 5er. Und das bekommen wir nicht verteidigt. Beide Probleme müssen wir dringend in der Eigenanalyse abstellen.
  3. Unser Aufbau ist zu behäbig und wir dribbeln uns zu oft fest. „Ball und Gegner laufen lassen“ ist bei uns ein Fremdwort. Das war mit Knoll auf der Sechserposition in den ersten beiden Spielen noch etwas anders, dieser brachte auch ein bisschen Stabilität in die oben genannte Schwachzone. Aber sofort, wenn der da raus ist, haben wir gleich zwei riesige Probleme.
  4. Unser Spiel mit hohen Bällen in der Abwehr ist brutal schlecht. Wie häufig sich unsere Abwehrspieler bei hohen Bällen verschätzen, tut beim Zusehen weh.
  5. Wir sind zu brav. Köln ist in jedem Zweikampf mit der Hand, mit dem Ellenbogen, mit der offenen Sohle. Das ist immer an der Grenze zum Foul, aber sorry, da muss man dann irgendwann gegenhalten. Insbesondere bei einem Schiedsrichter, der die Karten vergessen hat. Wir bekommen am Ende eine gelbe Karte dafür *Trommelwirbel*, nach einer Verletzung zu früh auf den Platz zu laufen.
  6. Wir können das Tempo von Mannschaften wie Köln nicht annähernd mitgehen.

1 bis 5 sollte auch innerhalb einer Saison abstellbar sein. 6 macht Sorge, da dies ein wiederkehrendes Problem unserer Mannschaft ist.

Licht

Es gibt aber auch positive Aspekte aus dem Köln-Spiel:

  1. Henk macht ein richtig cooles Stürmertor, kann Bälle echt an sich ziehen wie ein Magnet und ist damit ein ständiger Unruheherd.
  2. Bei aller Beschränktheit: Diese Mannschaft gibt nicht auf. Viele Mannschaften hätten nach einem “2:0 zu 2:4” den Kopf hängen lassen, aber hier wird weiter in den eigenen Grenzen (siehe Punkt 5 und 6 von oben) alles versucht.
  3. Neudecker macht seiner Einwechselung ordentlich Dampf. Endlich mal frischer Wind von der Bank, etwas was in letzter Zeit auch selten zu sehen war.

Ausblick

Wir müssen ganz schnell diese Abwärtsspirale verlassen, defensiv stabiler werden und mal irgendwo schmutzig Punkte mitnehmen. Sonst hängen die Köpfe doch schnell wieder. Dass Avevor nach der Pause wieder zur Verfügung steht, sollte dem ganzen Gebilde wieder mehr Stabilität geben. Das wir keine Alternative zu dieser fußballerisch beschränkten Kampfmaschine haben, spricht aber auch Bände. Und wir hätten es vor zwei Jahren nie für möglich gehalten, dass wir mal schreiben würden, wie unersetzlich Avevor ist. Dies muss man aber auch als absolutes Lob für ihn ansehen.

Nach dem Kick

Nach dem Spiel geht es zur Seebrücke-Demo. Diese ist gut besucht, es werden Teilnehmerzahlen von 10.000 bis 16.000 gemeldet. Dass es immer noch FCSPler gibt, denen das Nachspielbier wichtiger ist als eine derbe wichtige Demo, sei mal als Wasser in den Wein geworfen. Die Veranstalter hatten aber wohl nicht mit so vielen Teilnehmern gerechnet, sodass diese Demo insgesamt ein guter Anfang einer Gegenbewegung gegen den absurden Rechtsruck in diesem Land ist.

Was in diesem Bericht fehlt …

… ist eine Abhandlung zur Absage eines Fußballspieles in Dresden. Und ja, dies ist mehr als nur ein „es ist doch nur ein abgesagtes Fußballspiel, wir haben andere Probleme“. Denn eines der Hauptprobleme unserer Gesellschaft ist doch genau, dass die Polizei immer mehr unter fadenscheinigen Begründungen in unser ganz normales Leben eingreift und meint dies im Detail regeln zu können. So funktioniert aber eine freie Gesellschaft nicht. Und Obrigkeitshörigkeit ist eine der Hauptgrundlagen für Diktaturen.

Wenn wir Zeit finden, schreiben wir in der Länderspielpause (BÄH!) noch was genaueres dazu.

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Aug 302018
 

Die jüngsten rechten Ausschreitungen und das politische Klima in Karl-Marx-Stadt sind aktuell das Top-Thema in vielen deutschen Medien und findet auch in der internationalen Berichterstattung starken Widerhall. (Der Autor dieser Zeilen war sehr irritiert, als in den amerikanischen TV-Nachrichten ein Beitrag zu sehen war.)

Auch wenn wir uns durchaus darüber im Klaren sind, dass wir nicht die dezidierten Experten für dieses Thema sind und wir vermutlich auch nicht die beste Analyse des Geschehenen liefern können, möchten wir trotzdem – nur sehr kurz – den Fokus darauf legen, welche Bedeutung der Fußball in diesem Sachverhalt hat und dass die Vernetzung für die rechten Proteste durch die Gruppen aus dem Umfeld des Chemnitzer FC vorangetrieben wurde.

Wie verschiedene Medien, hier zum Beispiel die bürgerlich-konservative Tageszeitung „taz“, berichten war anfangs die Mobilisierung innerhalb rechter Gruppen aus dem Umfeld des CFC ein wesentlich größerer Faktor als zum Beispiel der Aufruf der lokalen AfD.

Fußball und der geschützte Bereich in denen sich rechte Fanszenen dort bewegen ist ein wesentlicher Mobilisierungs- und Vernetzungsfaktor rechter Szenen in diversen Städten, u. a. in Chemnitz. Spätestens seit HoNaRa oder HoGeSa oder ähnlichen Phänomenen sollte allen klar sein, welche Mobilisierungspotenzial diese Szenen besitzen und wie gefährlich es ist, ihnen die Kurven zu überlassen. Chemnitz zeigt daher erneut den Wert und die Notwendigkeit antifaschistischer Arbeit in den Stadien und den Fanszenen.

Kenner der Materie könnten sich jetzt gelangweilt schlafen legen, denn dass Nazis Kurven als Erlebnispark, als Mobilisierungsstelle und als Bekräftigungsort sehen, sollte eigentlich schon seit Michael Kühnen und Siggi Borchert bekannt sein. Aber anscheinend ist die Welt sehr vergesslich.

Überhaupt, es gibt ja gerne mal die Behauptung, dass die FCSP-Fans 1986 begonnen hätten, den Fußball zu politisieren. Dies ist aus diversen Gründen kompletter Schwachsinn, aber auch, weil zu diesen Zeiten offen faschistische Fangruppen in diversen Kurven tonangebend waren. Wenn man dies nicht als politisch empfindet, dann liegt es vielleicht daran, dass man das politisch ganz cool findet.

Vereine, Politiker, Einzelpersonen, Fangruppen müssen verstehen, dass ihre Kurven Foren sind, in denen mindestens lokale Identitäten verhandelt werden und dabei rechte Agitatoren auftreten. Alle diese Akteure sollten auch begreifen, dass ein „wir sind unpolitisch“ solchen Leuten freie Hand lässt beim Aufbau von Machtbasen und Strukturen. Entscheidend ist nicht, ob sie im Stadion ein rechtsradikales Banner hochhalten können. Entscheidend ist der Zugang zu Jugendlichen, die sich für „wir gegen die“ und Gewalterlebnisse begeistern können. Und es ist soziologisch keine neue Erkenntnis, dass die Stadionkurve dies bietet.

Der Schritt aus einem gesicherten Kurvennetzwerk zu großen international beachteten Ausschreitungen ist dann ein sehr kleiner.

Umso wichtiger ist es, dass die Vereine und Politik endlich begreifen, dass es besser ist, eine Kurve zu haben, die mal Pyro zündet, aber sonst Adorno verehrt, als eine Kurve, die lieb und brav ist, aber privat Hitler liest. Leider beobachten wir häufig genug genau das Gegenteil. Pyro? SKANDAL EINE NEUE DIMENSION DER GEWALT ALLE WEGSPERREN!!! Bisschen abhitlern? Ach, das sind nur besorgte Bürger, verwirrte Jugendliche etc.

Vereine müssen ihrer gesellschaftlichen Rolle sehr klar bewusst werden, sie müssen die Speerspitze einer Anti-Nazi-Bewegung sein. Uns ist auch klar, dass du in einer Stadt wie Chemnitz einen schweren Stand hast. Aber was örtliche Bands vormachen, können örtliche Fußballvereine gut nachmachen. Wehrt euch!

Wir wollen ja gar nicht behaupten, dass Dynamo Dresden als Verein alles richtig macht. Aber die twittern z. B. so etwas als Reaktion auf Chemnitz:

Wir haben nachgeguckt: Der offizielle Account des Chemnitzer FC informiert dafür über Besuche beim Stadtfest und die letzten Spielergebnisse. (Stand zur Veröffentlichung). Andere Vereine verhielten sich wie Dynamo (z.B. gesehen bei Arminia Bielefeld). Kleiner Hinweis: Für eurer Wohlbefinden, lest bloss nie die Kommentare und Antworten auf solche Tweets.

Es kann so einfach sein, sich zu engagieren.

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Aug 282018
 

Kurzes Vorwort

Ihr erinnert euch an den Gastartikel zum Stoke Spiel? Wenn nicht, dann liest ihn jetzt!. Es fließt dann Wasser die Elbe runter und wir können nur zu gut nachvollziehen, wenn man die Worte mit etwas Abstand ergänzen möchte. Auch dafür möchten wir Platz bieten, denn es ist sehr wichtig!

Grundsätzliches ändern

Was man ja auch nicht so bedenkt, bevor man einen Gastbeitrag über Belästigung im Stadion hier veröffentlicht: Verdammt viele Leute lesen diesen Blog. Heißt auch: Verdammt viele Leute, die ich kenne, lesen diesen Blog. (Und: Das ist sehr gut. Weil lest diesen Blog, er ist sehr gut!)

Worauf ich aber hinauswill: Ich wurde ziemlich oft auf meinen Beitrag angesprochen. Und das ist nicht immer einfach. Weil über Belästigung reden jetzt echt kein tolles Gesprächsthema ist. Und auch immer mit Scham zu tun hat. Grundsätzlich gilt für mich trotzdem: Ich rede lieber darüber, als es totzuschweigen. Aufmerksamkeit, darüber diskutieren, Betroffenen zuhören – anders hat sich noch nie irgendwas geändert. Und deshalb glaube ich auch, dass jedes Thematisieren mit guter Intention geschah.

Trotzdem bleibt es bei dem eben Gesagten, es ist nicht immer einfach. Auch mich darauf anzusprechen ist sicher nicht angenehm. Und so werden dann Gespräche exemplarisch mit „Du durftest jetzt also auch die dunkle Seite des Millerntors erleben” begonnen. Ich will es echt noch mal betonen: Ich glaube an die gute Intention. Aber frage mich auch, was dieser Gesprächseinstieg über uns aussagt? Wie viele Fälle von Belästigung im Stadion habt ihr mitbekommen (oder sogar selbst erlebt), dass die Thematisierung “Du auch” ein „normaler“ Gesprächseinstieg ist? Neben diesen zahlreichen persönlichen Gesprächen erreichten mich auch noch weitere private Nachrichten von Personen, die ich nicht persönlich kenne. Ein Beispiel: “Mir ist sowas ähnliches auch schon passiert. Danke, dass du darüber sprichst. Mir hat keiner zugehört.” Ich bin also leider – aber wenig überraschend – nicht alleine mit meinem Erlebnis.

(Bis) zum nächsten (Heim-)Spieltag: Ein Verein, der in seiner Stadionzeitschrift den Gastbeitrag abdruckt und sich klar positioniert. Eine Fanszene, die u. a. ein Transparent mit “Klatschen statt Grabschen” hochhält. Ein Podcast, der das Thema gleich in zwei Episoden anspricht. Ein Fanladen, der den Gastbeitrag über seine Accounts verbreitet. Ein Fanclubsprecherrat, der den Beitrag an alle Fanclubs verschickt. Und zuallererst natürlich ein Blog, der sofort den Gastbeitrag veröffentlicht.

Und trotzdem möchte ich wetten, dass es auch beim Heimspiel gegen Darmstadt wieder weibliche* Fans gab, die sich nicht immer sicher gefühlt haben. Oder noch schlimmer: Die auch belästigt wurden. Ohne dass wir es mitbekommen hätten. Wir müssen uns daher fragen: Tun wir alle also genug, um das Millerntor zu einem sicheren Ort für alle Fans zu machen?

Ja, es gibt ein Aktionsbündnis, das tolle Aktionen durchführt und sich schon lange gegen Sexismus und Homophobie engagiert. Das aber auch dringend neue Mitstreiter*innen sucht. Ja, wir diskutieren in der Fanszene gerade über Awareness-Teams, Spieltagstelefone und andere (sehr wertvolle!) Ideen. Und ja, wir sind damit definitiv dem “Durchschnitt” anderer Fussballvereine voraus. Und trotzdem lassen mich alle Reaktionen vermuten, dass viele weibliche* Besucher*innen Erlebnisse ähnlich zu meinem machen. Trotzdem.

Und hier ist dann auch mal der wirtschaftliche Teil des FCSP gefragt, denn das bisher Genannte sind alles Faniniativen.

Da ist dann nämlich auch mittelgroßer Wirtschaftsbetrieb, der im vergangenen Geschäftsjahr einen hohen sechsstelligen Betrag Überschuss erwirtschaftet hat. Der für Öffentlichkeit sorgt (danke dafür! Auch das ist leider nicht immer die Norm) und den Gastbeitrag in seiner Stadionzeitung abdruckt. Der aber u. a. auch damit Geld verdient, dass wir ins Stadion gehen. Während sich seine weiblichen* Fans nicht immer sicher fühlen (und nicht nur die).

Tut der genug, um das zu ändern? Was sollte er tun? Was könnte er noch tun? Warum haben wir z. B. keine*n hauptberufliche Awareness-Beauftragte*n?

Was kann „von oben“, „von unten“ noch getan werden?

Eins ist sicher: Wenn “Du auch” ein normaler Gesprächseinstieg ist, dann tut er, tun wir alle nicht genug.

Danksagung der Redaktion

Anmerkung des Redaktionskollektiv: Noch mal vielen Dank an @amhass, die auch diese Zeilen verfasst hat. Wir können ihren Text nur dick unterstreichen und unterstützen die genannten Ideen.

Ergänzend wollen wir uns wiederholen: Mischt euch ein! Steht Betroffenen* zur Seite! Hört ihren Sorgen und Nöten zu! Sagt auch mal eurem Kumpel, dass Dinge nicht klar gehen! Dies reicht natürlich nicht aus, wir müssen über Struktuelles reden, wie der Text mehr als deutlich macht, ist aber erstmal etwas was Jede*r tun kann.

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Aug 282018
 

Ach Union. Viele Menschen der aktiven Fanszene meiden dieses Spiel langsam, weil es irgendwie immer doof ist und wir eigentlich auch immer doof da verlieren. Und auch das Jahr 2018 soll da keine Ausnahme von dieser Regel bringen.

Dabei hätte Union eigentlich viele Zutaten für eine angenehme Auswärtsfahrt. Es ist halbwegs nah, der Stadion-DJ spielt Feine Sahne Fischfilet und Neonschwarz und viele Dinge an Union sind ja eigentlich ganz sympathisch. Seien es nun diverse echt gut zu folgende Menschen auf Twitter, sei es ein liebevoller Taktikblog oder sei es der wohl professionellste Vereinspodcast Deutschlands. Die Alte Försterei ist (noch?) eines der schöneren Auswärtsstadien und die ganze Verknüpfung des Vereines mit seinen Fans, sei es nun bei dem berühmten Stadionausbau, sei es bei einer sehr offensiven Verteidigung eben jener Fans oder sei es bei dem Fakt, dass Fans eine der besten Stadionzeitungen machen. Oder sei es der langhaarige Bombenleger, der da auch schon ungefähr seit 100 Jahren den Stadionsprecher macht.

Wir meckern noch

Bevor uns hier jemand Sympathien für Union vorwirft, keine Sorge, wir kommen noch zum meckernden Teil. Aber vor diesen hat der liebe Gott erstmal die Anreise gelegt. Die gestaltet sich insgesamt sehr entspannt, denn wenn es eine Möglichkeit gibt, vernünftig durch Berlin zu kommen, dann ist dies der frühe Sonntagmorgen. Vor Ort dann ein klitzekleines Problem. Denn die Eintrittskarte unseres rasenden Reporters hat die Reise nicht mit angetreten und beschlossen, lieber zu Hause an der Pinnwand bleiben zu wollen. Nun gut, dieses Problem kann mit Hilfe von Skins und Ultras schnell gelöst werden. Danke dafür noch mal.

Der Einlass bei Union ist über die Jahre zwar professioneller geworden und damit nicht mehr reines Chaos, aber es bleibt immer bei dem größten baulichen Problem: Der Zuweg ist viel zu eng. Und natürlich durch einen Kanal begrenzt. Wie das funktionieren soll, wenn die wirklich mal ein größeres Stadion da hinstellen und dann größeren Gästekapazitäten da durchschleusen wollen, ist uns vollkommen unklar. Das ganze Gefilze und so ist professionell und wurde mit einem „Viel Spaß dir“ beendet. Da ist man unfreundlichere Ordner gewöhnt.

Was bei Union im Gästeblock am oberen Ende der Skala ist, ist das Catering für Gästefans. Nein, es gibt nix Besonderes und über die Qualität des Essen kann man auch trefflich streiten. Aber immerhin bekommt man innerhalb einer angemessenen Zeit was zu trinken und die Leute am Zapfhahn wissen, was sie machen. Ja, das ist schon mehr als in den meisten Stadien. Eigentlich ganz schön bitter.

Union ist auch immer ein großes Hallo. Denn einige Gesichter, die früher überall mit hin gefahren sind, haben heutzutage ihren Familiensitz in Berlin. Schön, euch mal wieder zu sehen.

Früher war nicht alles besser …

.. aber es gab mal einen Auswärtsflyer, der z. B. Choreos kommunzierte. Die Ultras haben sehr hübsche Wendepappen vorbereitet, die echt klasse sind. Die Koordination über das Megaphon kommt aber schon bei uns schlichtweg akustisch nicht mehr an, sodass die Wendung wahrscheinlich nicht annähernd synchron erfolgt. Wir wissen ja selber, was für ein Aufwand solche Flyer sind, aber nicht nur bei Choreos sind solche Flyer Gold wert. Auch wenn man Menschen erklären will, dass man kein Bock hat, in ihrer neuen Instagram-Story zu erscheinen.

Wir wissen nicht, ob es am Dach liegt oder irgendein anderer akustischer Trick dazu führt, dass sich bei Union viel Support im Stadion verhallt und nicht richtig Druck erzeugt. Denn obwohl man optisch auf der anderen Seite viele Hände klatschen sieht, kommt im Gästeblock nahezu nie etwas an. Und das liegt nicht daran, dass dieser nun gerade alles in Grund und Boden singt und tanzt. Ganz im Gegenteil, der Auftritt bei Union ist extrem peinlich. Wo in Magdeburg oder Wiesbaden noch die Gästeseite gerockt wird, stehen hier die meisten Leute eher unbeteiligt mit den Händen in der Tasche rum. Leute, das ist doof.

Das Geschehen auf dem Platz fasst erwähnter Taktikblock sehr gut zusammen. Wir können das nicht so schön kühl in Worte fassen, aber insgesamt schlagen wir uns diesmal selbst. Das fängt damit an, dass mit einem zurückgezogenen Knoll der Aufbau nur noch die Hälfte wert ist und man die Defizite von Nehrig wieder sehr deutlich sieht. So wirkt das in den ersten 40 Minuten bei uns zwar sehr stabil, wir lassen keinen einzigen Torschuss zu, aber so richtig was nach vorne bewegen tun wir auch nicht. Und dann beginnt wieder etwas, was uns bereits letzte Saison ständig das Genick gebrochen hat: die Unfähigkeit, ein solches Spiel einfach auf 0:0 zu halten. Die beiden ersten Tore fallen in der Freizeitliga nicht. Das ist einfach nur dämlich und vollkommen unnötig. Beim zweiten Tor verschätzen sich um die fünf Abwehrspieler bei einem simplen Einwurf. Das ist schon echt bitter. Klar, individuelle Fehler passieren. Aber doch nicht ständig. Doof ist, dass insbesondere Nehrig und Ziereis mehrfach echt schlecht aussehen. Wenn wir irgendwie erfolgreich sein wollen diese Saison, dann müssen diese beiden Jungs etwas einbringen. Ziereis steht jedoch zur Zeit vollkommen neben sich und ist so ein Kandidat für eine Pause. Und auch Nehrig hat nicht gerade Werbung in eigener Sache gemacht.

Es gibt aber auch Dinge, die gefallen

So schaffen wir es in Halbzeit 2, doch noch Druck aufzubauen. Und das, obwohl auch das dritte Gegentor in die Rubrik „vermeidbar“ fällt. Trotzdem versuchen die Jungs noch mal was, kommen zu einem glücklichen 1:3 und dann hat Union einen Torhüterreflex und Glück, dass nicht das 2:3 fällt. Das 4:1 fällt dann, als wir alles oder gar nix spielen. Es wird gar nix. Henks Annahme und Drehung vor dem 1:3 ist extrem cool, sein Abschluss würde zwar wahrscheinlich eher die Eckfahne treffen, aber wird ins Tor abgefälscht. Das Tor sollte ihm Auftrieb geben und er zeigt gegen Union wieder weitere Ansätze, wie er als Mittelstürmer, Bandenspieler und Vollstrecker wertvoll sein könnte. Hoffen wir, dass diese Andeutungen sich bestätigen.

Was noch positiv ist, dass sich diese Mannschaft wehrt. Wenn bei irgendwelchen Rudelbildungsnummern letzte Saison da unser Spieler meistens alleine blieb, so sind nun sofort alle da und diskutieren mit. So muss das auch in solchen Situationen sein.

Der Unioner Heimanhang feiert den Sieg mit einem „Sieg“-Stakkato und da sind wir auch schon beim Meckern. Sorry Leute, aber das ist echt Dreck und alle Menschen, die in Hamburg groß geworden sind, können euch sagen, mit welchem Wort die Pause in diesem Gesang früher gefüllt wurde. Da gibt es echt coolere Siegesgesänge. Ebenso fällt auf, dass eine Gruppe von Union anscheinend seit neustem mit den Ottos von Gladbach befreundet ist,die ganz unpolitisch mit SS-Totenkopf posieren. Also wir hätten da irgendwie andere Freunde. Aber es passt in dieses unschöne Unpolitische, was Union trotz vieler politisch fitter Leute schon immer prägt.

Nach dem Spiel also schnell weg. Am Bahnhof soll es noch gescheppert haben, aber wir haben davon nix mit bekommen. Feststellung der Abreise: Zu Union fährt man mit dem Fahrrad.

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Aug 252018
 

Am Donnerstag Abend sammelten sich vor einer Kneipe im Viertel eine ganz ordentliche Menge an Freunden der hässlichen Raute in eindeutiger Absicht. Anlass war ein Konzert von Bands, die in der FCSP-Fanszene angesiedelt sind. Wir möchten hier nicht weiter auf Details eingehen, auch weil wir gerne Faszination-Fankurve-Berichterstattung vermeiden wollen. Aber wir wollen dies doch zum Anlass nehmen, nochmals auf diese Problematik hinzuweisen.

Dazu passend sind derzeit auch die Maler, die es mit den Rauten halten, sehr eindeutig unterwegs. Überhaupt ist es bemerkenswert, wie sich die Fanszene der Rauten in Zeiten des sportlichen Misserfolges sich neue Legitimationsmuster sucht und in eine sehr breit getragene toxische Gewaltkultur umschlägt. Und dies nicht erst seitdem klar ist, dass man wieder in einer Liga spielen würde.

Zuletzt hatten wir das Thema beim Kiel-Hinspiel, wir verweisen da auch noch mal auf unseren Text, insbesondere auf das Ende.

Aussagen wie „das gehört dazu“ und wer sich zur Fanszene bekennt, der muss damit rechnen, sind ungefähr das Dümmste, was wir je gelesen haben. Fanszene ist ein absolut undefinierter Bereich, es gibt keine Möglichkeit eines harten Opt-outs, die Grenzen zieht immer derjenige, der angreift. Mal ganz davon ab, dass dies primitivste maskuline Stammesargumente sind, die echt Steinzeitniveau haben. Diese Argumente werden auch nach diesem Beitrag wieder kommen. Auch von angeblich „emanzipierten“ Leuten, sie sind überholt, langweilig und zeigen nur das eigene Verharren in diesen maskulinen Stammeswelten.Gleiches gilt auch für irgendwelche Kiezaufteilungsargumente, die gerne gebracht werden.

Fanszenen (!) müssen sich ehrlich gesagt fragen, ob sie wirklich auf diesem Niveau öffentlich agieren wollen. Es ist auch widersprüchlich, sich auf der einen Seite als ernstzunehmender Gesprächspartner zu generieren, aber auf der anderen Seite hier im primitivsten Niveau zu verbleiben. Ja, die Gewaltfrage ist und bleibt eine wunde Stelle in allem Agieren von organisierten Fanszenen. Und man darf sich selbst auch die Frage stellen, warum man sich eigentlich so schwer damit tut, Grenzen zu ziehen und auch einzuhalten. Das gilt nebenbei auch für Schmierereien. Es ist eben nicht harmlos, irgendwas mit „jagen“ oder „töten“ oder ähnlichem zu schreiben oder auf Aufkleber zu packen. Ich schaffe damit ein Klima, wo sich Leute genau dazu berufen fühlen. Das ist im politischem Bereich jedem klar, jeder verurteilt geistige Brandstifter. Aber im Fußballbereich gegen den lokalen Rivalen, da geht das immer klar. Doppelmoral, ick hör dir trapsen.

Klar, wir wissen, dass Fußballkultur auch Jugendkultur ist und das zu Jugendkultur auch immer dieses „Mob“-Ding gehört. Das war bei Poppern vs. Rockern so, da sind Musicals drüber geschrieben worden und es ist anscheinend im Menschen stark verwurzelt.

Nur wir leben 2018 und sollten eigentlich weiter sein als 1970 oder 1980. Wir haben ja nix dagegen, wenn jemand sein Adrenalin auf dem Acker abbaut. Da triffst du Gleichgesinnte, da gibt es ein klare Opt-in und Unbeteiligte sind da nicht betroffen. Ja, da ist die Rechtslage eine andere, aber nun gut.

Was jedoch einfach über eine Mob-Nummer hinaus geht ist, wenn du ganz bewusst Überzahlen und Überraschungen triffst, es dir nicht mehr um das „faire Ding“ geht, sondern darum, unterlegene Menschen richtig zu verletzen und zu traumatisieren.

Das ist nebenbei auch nicht „hart“ oder „cool“, wenn man unbedingt eine maskuline Logik (die Bullshit ist) verfolgen will. Das ist feige.

Ja, liebe FCSPler, dies gilt alles auch für uns. Es ist keine richtige Antwort, wenn wir nun losgehen würden und 17-jährigen Lokalrivalenfans den Schal mit 20 Leuten nachts in Pinneberg abziehen würden. Das kann und das sollte nicht unsere Antwort auf diese Scheiße sein. Ja, viele werden die Faust in der Tasche ballen und etwas wie „ich will aber nicht immer nur Opfer sein“ vor sich hin murmeln. Dies können wir auch verstehen. Aber wir müssen da eine andere Lösung finden. Wir sind nicht Allwissend. Wir haben keine perfekte Lösung.

 

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Aug 242018
 

Beim FCSP tut sich doch noch im Kader etwas.

Tschüss Philipp

Erstmal verlässt uns Philipp Heerwagen in Richtung Ingolstadt. Philipp ist garantiert einer der Spieler, der sich mit dem Projekt St. Pauli identifizieren kann und dem man eine Identifizierung auch abnimmt. Menschlich eine echt coole Socke, die u. a. beim Millernton bewiesen hat, dass er nicht nur vom Fußball bis zum Tor denken kann.

Menschlich deswegen ein Verlust, auch wenn wir die sportliche Entscheidung, den Jugendnationaltorhüter langsam mal an höhere Aufgaben heranzuführen, absolut verstehen können. Da Philipp für einen Fußballspieler schon in einem biblischen Alter ist, ist die Entscheidung für die Jugend leider auch nachvollziehbar, wenn beide ungefähr ein ähnliches Leistungsniveau haben.

Das, was einen vielleicht stören kann, ist, dass Philipp in der Halbserie in der er mal regelmäßig spielte, zeigte, dass man sportlich auch sehr gut hätte vertreten können, ihn zur Nr. 1 zu machen. Insbesondere wenn es um das Thema „rauslaufen und mal eine Flanke wegpflücken“ geht.

So aber nun leider die Folge, die dieses Ekelgeschäft Fußball vorschreibt. Und wenn Ingolstadt ihm etwas bieten kann, was wir nicht können, dann ist die Trennung im Einvernehmen der einzige Weg.

Aber nun gut. Die nun gefundene Lösung ist für alle Beteiligten in Ordnung, man trennt sich ohne großen Groll und aus Erfahrungen wissen wir, dass Ingolstadt mit Ex-St. Paulianern halbwegs vernünftig umgeht.

Alles Gute, Philipp, und grüße uns den Ralle.

Hi Korbinian

Dafür neu im Team haben wir Korbinian Müller. Der ist alleine schon für den Vornamen gekauft. Der Verdacht liegt nahe, dass wir ihn nur selten wirklich auf dem Rasen sehen werden, wenn denn nicht ganz viel schief geht in dieser Saison. Immerhin hat er aber die Erfahrung diverser Spiele in der dritten Liga. Wir hoffen trotzdem das Beste und willkommen an Bord, Korbinian.

Henk am Haken

Im Pokalspiel konnte man sich bereits einen neuen Eindruck unseres Sturmbaums Henk Veermann machen. Da machte er eher den Eindruck eines Stürmers, der unbeteiligt wirkt, um dann in seiner Situation zu explodieren. Okay, das Tor war ihm nicht vergönnt, aber seine Gefährlichkeit deutete er schon an. Er wird aber das Problem bekommen, was alle großen und wuchtigen Stürmer in Deutschland bekommen, nämlich dass ungefähr 50 % der Zweikämpfe gegen ihn gepfiffen werden. Das ist traurig und auch unberechtigt, aber die Regel.

Herzlich willkommen Henk und wir hoffen, du wirst trotz des Nachnamens vorab bezahlt. (Für die jüngeren Menschen unter euch: Das ist eine Chris de Burg Referenz.)

Alles Gute, Aziz

Uns verlassen wird Aziz Bouhaddouz. Man Junge, der FCSP ist ja nicht gerade als Stürmerschmiede bekannt, aber in der Rückserie 16/17, da hat man sehen können, dass du ein echter Vollblutstürmer sein kannst. Einer der einfach den Ball über die Linie bekommt. Was halt ein Talent ist, was man nicht an Merkmalen wie Technik, Schnelligkeit oder ähnlichem fest machen kann.

Heimisch ist er trotzdem irgendwie nicht geworden und so ging dieses Talent so schnell, wie es kam. Zu Beginn der Saison 17/18 kam noch Pech hinzu, aber dann ging es mit Leistung und Einsatz rapide bergab. Man hatte nie das Gefühl, dass Aziz mit dem Kopf bei der Sache ist.

Das Talent ist da und man kann für ihn nur hoffen, dass er sich irgendwo mal so wohl fühlt, dass er konstant über Jahre knipst. Ach ja, dass Saudi Arabien neben den allgemeinen Menschenrechtsproblematiken auch noch ganz spezielle Probleme für Fußballprofis bereit halten kann, wirft einem Google aus, wenn man da „Kafala“ oder den Fall des Spielers Zahir Belounis eingibt. Letzterer spielte zwar in Katar, aber das Institut „Kafala“ ist in SA vergleichbar.

Bei uns hat es leider nicht sollen sein. Alles Gute, Aziz!

Geparkt

Und aus der Rubrik „Bleibt uns länger erhalten“ ist noch Yi-Young Park zu vermelden. Der letzte Saison angedeutet hat, wie wertvoll er sein kann. Und der durch seine Flexibilität wahrscheinlich auch diese Saison noch sehr wertvoll werden wird.

Die wahrscheinlich auch dazu führen wird, dass er nie irgendwo wirklich Stammspieler wird. Solche Spieler neigen dazu, der 12. oder 13. Mann in einem Kader zu sein. Das ist nichts für eine Starkarriere, aber für einen Fußballverein unfassbar wichtig.

Er löst in dieser Rolle auch so langsam Schnecke ab, was ein schöner Generationswechsel ist. Sein bisher einziges Tor war auch schon einmal ein ganz richtiges. Schön, dass du da bleibst.

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