adminbc

Jul 022018
 

Vorwort

Zwei Wochen in Amiland, sieben passiv erlebte Baseballspiele und ein aktiv erlebter Triathlon. Durch unsere 10 Jahres Feier ist der Text zu meinem (@slowtrirun) Urlaub deutlich verspätet online, aber da er schon zum größten Teil geschrieben war, will ich euch ihn nicht vorenthalten:

Akt 1 Sweet Home Chicago

Wer dieses Blog regelmäßig verfolgt, wird wissen, dass eine gewisse Liebe für Baseball bei einigen Autoren dieses Blogs vorherrscht. Und aus Gründen, die sowieso nie sachlich und rational sind, hat man schon vor Jahren sein Herz an die Cubs aus Chicago verloren. So war es klar, dass irgendwann ein Trip nach Chicago und Wrigley Field anstehen würde. Und damit sich das ganze noch lohnt, wurde eine ganze Midwest Tour draus, denn Milwaukee und Madison wurden auch besucht. Warum? Das lest ihr später.

Szene 1 Die Vorbereitung

Aus Aktivsportgründen musste mein Fahrrad mit, so dass am 01.06. nachmittags erstmal das fröhliche Demontieren und einpacken angesagt war. Seien wir ehrlich: Ich kalkulierte schon das Risiko eines Schadens ein. Da meine Möhre aber sowieso schon etwas älter und angeschlagen ist, war das ein kalkulierbares Risiko.

Es ging alles relativ schnell und mit wenig Flüchen.

Szene 2 Am Flughafen

Geplant war am 03.06. über Dublin mit Aer Lingus nach Chicago zu fliegen. Der Deal mit dem Radkoffer war, dass die Airline ihn mitnimmt, aber nur soweit Platz vorhanden. Und eine gewisse Gebühr war auch angekündigt. Daher blieb immer eine gewisse Restunsicherheit und daher stand man als Erster und viel zu früh in der Schlange am Schalter.

Lief alles aber vollkommen problemlos, Geld wollte auch niemand haben und durch die Sicherheit am Flughafen kamen wir auch ohne Probleme.

Und gerade als wir uns unseren wohlverdienten Kaffee gekauft hatten, ging das Licht aus. Stromausfall. Sah erstmal für uns so aus, als ob dies nur die Ladenzeile betrifft, denn auf der anderen Seite brannte noch Licht. Doof also für die Stände, aber nix schlimmes. Unser Eindruck änderte sich erst, als wir in Richtung Gate gehen wollten, denn auch bei der Passkontrolle und den Abfertigungen von Maschinen ging gar nix mehr.

Was nun folgte, ist nur mit einem vollkommenen Versagen von Notfallplänen und Informationen zu erklären. Erst nach weit über einer Stunde gab es offizielle Informationen über irgendeinen Kanal. Der Flughafen machte im Endeffekt komplett Tauchstation.

Das beste Argument war, dass man ohne Strom ja keine Durchsagen machen könne. Das ist a. Bemerkenswert, denn immerhin befinden wir uns hier in Höchstsicherheitsbereichen und b. Schlichtweg auch gelogen, denn eine bemühte Air France Bodencrew fand relativ schnell einen Lautsprecher, der funktionierte und lieferte gut hörbar Infos für ihre Gäste und alle anderen, die da rum standen.

Irgendwann dann Evakuierung, Einstellung des Flugbetriebes und Verteilung von Wasser. Nur Informationen, die blieben Mangelware. Irgendwann war dann klar: Heute geht hier nix mehr. Der Flug, den wir hätten nehmen wollen, hatte laut Internet den Flughafen noch verlassen, aber wahrscheinlich ohne wirklich viel Gäste, denn alle Gesichter, die mit uns in der Schlange standen, trafen wir im Terminal wieder.

Es folgten Stunden der Ungewissheit und der diversen Versuche irgendwie Kontakt mit der Airline aufzunehmen. Der örtliche Dienstleister war nicht zu erreichen, die Hotline in Deutschland funktioniert am Wochenende nicht und die Hotline in Irland schickte einen in die Warteschleife. Ein Ort den man mit einem Handy nicht wirklich lange besuchen will.

Informationen blieben Mangelware.

Durch Zufall fanden wir unser Gepäck wieder, es stand im Ankunftsbereich einfach so rum. Stark beschädigt. Zum Glück nur äußerlich, so dass nur ein Koffer am Ende das zeitliche segnete.

Hin zur Beschwerdestelle (die bekanntlich im Ankunftsbereich ist und eigentlich nur erreichbar ist, wenn man in HH mit dem Flieger ankommt) und die dort für den örtlichen Dienstleister arbeitende Dame zauberte eine andere irische Telefonnummer aus dem Hut. Hurra! Dort gelang es dann auch den Flug um genau einen Tag umzubuchen. Wobei angesichts meines schlechten Englisch und des irischen Englisch der Dame am anderen Ende doch ein paar Unsicherheiten blieben.

Montag also wieder früh zum Flughafen, diesmal als Zweiter in der Schlange und in aller Seelenruhe machte der Dienstleister zwei Stunden vor Abflug die Schalter auf.

Die diensthabenden Damen guckten dann sehr schnell sehr erstaunt. Hatten die doch nicht mitbekommen, dass ihre Arbeit nun daraus bestehen würde, Menschen umzubuchen. Für den Ersten benötigten sie ca. 20 Minuten, was angesichts der knappen Zeit schon zu mittleren Tumulten führte. Letztendlich scheinen sie es aber rechtzeitig geschafft zu haben, der Flieger war zumindest voll mit Leidensgenossen.

Hamburg – Dublin, dort bereits durch die amerikanische Einreiseformalitäten, inklusive zweimaligem Scannen des Handgepäcks innerhalb von 150 Metern (ohne, dass man den Sicherheitsbereich verlassen hätte können), Dublin – Chicago, Flughafen – Hotel alles ohne Probleme. Gute Nacht!

Szene 3 Chicago

Chicago am nächsten Morgen erstmal zu Fuß erkundet. Städte mit Wasser sind hübsch. Leider bauen die Amis immer direkt ans Wasser eine große Straße, was das Ganze immer etwas weniger hübsch macht. Städte am Wasser mit Flüssen, die per Hebebrücken überbrückt werden sind noch hübscher. Also ist Chicago eine hübsche Stadt.

Lustig ist die innerstädtische „U-Bahn“, die in einem Kreis auf Stelzen (Loop genannt) fährt. Da unser Hotel auf eine der Kurven dieser Loop blickte, hatten wir wenigstens ein bisschen Blues Brothers Gefühl.

Frühzeitig machten wir uns auf in Richtung Wrigley Field und das Wrigleyville genannte Viertel um das Stadion.

Das Viertel ist St. Pauli schon ein bisschen ähnlich, gibt es doch an beinah jeder Ecke eine Kneipe. Und dies von fein bis Absturz. Wir kehrten in den Tagen einmal in „Murphys Bleacher“ und einmal in der „Nisei Lounge“ ein. Wobei erstgenannte Kneipe mehr so die „hier hat schon jeder berühmter Cubs Fan gesoffen und wir haben sein Foto an der Wand“ Kneipe ist und letztere eine dunkle, leicht punkrockig angehauchte Kneipe mit tätowierten Bedienungen ist. Ratet mal, welche uns besser gefallen hat.

Bier inner Kneipe

Das Stadion an sich ist über 100 Jahre alt und alleine deswegen ein Besuch wert. Es wurde in den letzten Jahren renoviert und auch erweitert, dies jedoch sehr liebevoll und im Stil wie es gebaut ist. Das ist schon sehr gelungen. Der wilde Wein, der an der Mauer zum Spielfeld wächst, ist wohlbekannt, alle Verkaufsstände sind in einer alten Optik gehalten und das ganze ist eng und riecht teilweise stark nach Klostein. Es fühlt sich also irgendwie gut an.

Bär in den Bleachern in Wrigley Field

Auch die Beschallung und Bespassung in den Pausen ist eher zurückhaltend. Vor dem Spiel spielt der Organist irgendwelche Hits in bester Mambo Kurt Manier. In den Pausen laufen unterhaltsame Filmchen über die Videoleinwand. Der Organist spielt seit über 30 Jahren in diesem Stadion und hat seit 2.500+ Heimspielen keines verpasst. Seine Begleitung zu „Take me out to the Ballgame“ ist berühmt. Singen muss dieser Klassiker immer irgendein prominenter Gast. Verlinkt ist die Interpretation von Bill Murray als Duffy Duck während der World Series 2016. Gutes Singen ist dabei nicht erforderlich. Nur Spaß daran, sich ein bisschen selber zum Honk zu machen.

Ein Besuch sind definitiv die „Bleacher“ wert. Dort ist freie Platzwahl und die Stimmung erinnert schon an die Gegengerade. Es wird gesoffen, gegessen, gefeiert, gepöbelt und auch mal supportet.

Sowieso: Amerikaner genießen Sport schon anders, was insbesondere bei einem Sport, der auch mal Pausen hat, irgendwo auch logisch ist. Und der Ultrafan kommt hier nicht mit Fahne und Schal, sondern mit seiner eigenen Scorecard (in der man das gesamte Spielgeschehen einträgt) und einem alten Radio, mit dem man parallel zum Spiel die Radioübertragung des Spieles hört. Was man auch nicht vergessen darf: Bei einer Saison von 162 Spielen (und damit 81 Heimspielen) zählt das einzelne Spiel nicht wirklich so viel wie im Fußball. Und man spielt jeden Tag. Würde man da so emotional wie im Fußball drauf reagieren, ginge man kaputt.

Aber man kann nicht behaupten, dass sie emotional unbeteiligt sind. Wer daran zweifelt, dem empfehle ich Spiel 2 unserer Serie. Da liegen die Cubs zurück, haben nur noch einen Out, es sind zwei Strikes (das ist so ungefähr 95. Minute im Fußball), Jason Heyward steht am Schlag. Toller Verteidiger, passabler Schläger, wenn der Pitcher rechtshändig wirft, aber wenn der mit Links wirft, dann ist er nicht so der Held. Er muss aber, irgendwas. Immerhin stehen drei Mann auf Base und zwei müssen zum Ausgleich ins Ziel. Heyward kämpft, schlägt Bälle Foul, das Stadion steht und brüllt. Und dann geschieht das unerwartete. Er ballert den Ball in das Publikum als Homerun. Das Stadion tickt aus, die Cubs haben gewonnen (Heimvorteil im Baseball, man geht zuletzt an den Schlag, der Gegner kann nicht mehr kontern). Walk-off nennt man das und der Jubel wäre nicht intensiver, wenn St. Pauli so spät zum Sieg treffen würde. Es ist sein erster Homerun gegen einen Linkshänder seit ungefähr jemals und es ist der erste Homerun, den der linkshändisch werfende Werfer seit ungefähr jemals abgibt.

Das ist Baseball, mit welcher Hand man schlägt und wirft macht einen riesigen Unterschied. Und es kann immer etwas passierten, was eigentlich nicht passieren kann.

Das Publikum

Viele Familien, viele „Daddy mit Sohn/Tochter“ oder „meine Nichte guckt heute ihr erstes Cubs Spiel“. Es gibt vereinzelte Auswärtsfans, aber selbst mit einem Cardinals Trikot (größte Rivalen der Cubs) bekommst du nicht viel mehr als ein „was machst du denn hier mit diesem Trikot?“ als Reaktion. Das ist insgesamt ziemlich angenehm. Auch an Jubeln für deine Mannschaft nimmt niemand Anstand. Sorry, aber da kann Fußball noch viel lernen.

Eine Spezialität der Cubs sind Freitagsmittag Spiele. Da sich das Stadion mitten in einem Wohngebiet befindet, müssen die Cubs Freitagsmittags spielen. Nun glaubt aber mal nicht, dass diese Spiele schlecht besucht sind. Ganz im Gegenteil: Es war knüppelvoll. Und es wird dann halt früh gesoffen. Ob es wirklich Leute gibt, die 81 Heimspiele besuchen? Keine Ahnung, aber nach 4 Spielen in 4 Tagen weiß man was man getan hat. Die Spiele dauern nämlich auch immer so gut 3 Stunden.

Noch eine Beobachtung: Mitnichten kommen Amerikaner spät ins Stadion. Sie kommen nur spät auf ihre Sitze, weil gucken, rumlaufen, Essen und Trinken kaufen zelebriert wird.

Der zweite Akt / Triathlon

Szene 1 / Das Vorspiel

Nach dem Spiel am Freitagmittag ging es weiter nach Madison und dem Grund, warum das Rad mit musste. Der Ironman 70.3 Wisconsin wartete auf mich. Der Leihwagen war ein „Midsize SUV“. Was in Deutschland = riesiger Panzer ist. Irgendwas um die 12 Liter pro 100 KM. Umweltschutz ist was anderes. Nebenbei: Wir holten den vor unserem letzten Baseballspiel in Wrigley Field ab. Parkplätze am Stadion gibt es nicht, so dass Privatleute ihre Hinterhöfe vermieten. Für lächerliche und billige 60 Dollar waren wir auch dabei. Immerhin gab es zwei Packungen Erdnüsse frei dazu.

Gut, ab nach Madison

Die Fahrt auf der Highway führte durch Gegenden, die jedem Klischee entsprachen, welche man über amerikanische landwirtschaftliche Gegenden kennt. Das Farmhaus, der typische runde metallische Getreidespeicher und ganz viel landwirtschaftliche Fläche.

 

Auf dem Weg noch das Grab von Harry Caray besucht. Einer Legende unter den Sportkommentatoren, der sichtlich und merklich auf Bier stand, so dass Leute bis Heute Biere an seinem Grab abstellen.

Madison ist eine studentische Stadt, die als hübsch gilt, aber so wirklich schick sind nur die großen Seen in der Stadt, sonst ist sie ordentlich zersiedelt und durch riesige Straßen getrennt.

Nettes Hotel, riesige Zimmer und innerhalb kurzer Zeit war das Rad auch wieder zusammen gesetzt.

Samstag Morgen erstmal Startunterlagen holen und das ging schnell und super organisiert. Man bekam eine Laufkarte und musste dann Stationen abarbeiten. Innerhalb von 5 Minuten war dies erledigt.

Wisconsin beschrieb ein Brauereinangestellter in Milwaukee später wie folgt „we drink beer and make cheese“ und der Stadt nennt sich selber „der Milchprodukte Staat“. Dementsprechend hat auch der Triathlon alles in einer Optik, die an die gute alte Schwarzbunte erinnert.

Meine üblichen 10 Km radeln und 2 km laufen vor einem Triathlonwettkampf fanden dann mittags bei übelster Schwüle statt. Das wäre genau mein Wetter gewesen. Nicht. Dieses trockene Wetter hatte zwischendurch auch zu Warnungen vor Grünalgen und Zweifeln am Schwimmen geführt, die sich dann aber Samstag zerschlugen.

Die Wettkampfbesprechung wurde einfach auf der Wiese gehalten. Vergisst irgendein Powerpoint oder so. Es reichen ein paar Tafeln und ein fröhlicher Moderator. während alle auf dem Rasen sitzen.

Triathlon ist braun-weiß. Auch in Madison

Was dieser Wettkampf nicht hat? Wechselzonenbeutel oder ein Umzugszelt, wie man es sonst von Ironman Wettbewerben kennt. „Legt die Sachen neben das Rad und zieht euch da um“ war grob die Aussage.

Der Rad Check Inn ging auch sehr schnell, die sonst übliche Kontrolle des Rades auf Tauglichkeit fiel hier mehr oder minder aus.

Noch kurz was Essen und ab ins Bett. Start um 7 Uhr? Aufstehen um 4 Uhr!

Szene 2 / Wettkampftag

Erster Blick aus dem Fenster nach dem Wecker klingeln zeigte, dass es aus Eimern schüttete. Das war nun nicht wirklich angesagt. Kurz Wetterbericht gecheckt, spätestens um 7 hört das auf, wurde da behauptet.

Nun ja, es kam anders, denn auch um 7 schüttete es noch. Hinzu kam ein ordentlicher Wind. Der Veranstalter sah sich gezwungen den Start zu verschieben. Der Regen weichte auch alles auf und machte alles matschig.

Um ca. 7:30 ging dann der erste Schwimmer ins Wasser und da es einen Grasabhang ins Wasser ging, war der sogenannte Rolling Start (die schnellsten zuerst und dann je nach Zeit nacheinander) sehr langsam. Denn hätte man schnell ins Wasser gewollt, dann hätte man sich auf den Hosenboden gelegt.

Das Schwimmen

Ich bin ja nun bekanntlich der schlechteste Schwimmer der Triathlonwelt. Und als ich um ca. 8:45 endlich ins Wasser kam, war dieses immer noch komplett aufgewühlt. Starker Wellengang und immer noch ordentlich wind. Man schwomm ein Dreieck, erst gegen die Wellen, dann seitlich zu den Wellen, dann mit den Wellen von Hinten. Angenehm ist keine der drei Möglichkeiten und nach ca. 200 Metern dachte ich sehr ernsthaft darüber nach, ob ich nicht lieber aufgeben wollte. Immerhin war das Wasser wärmer als die Luft und daher beschloss ich mich langsam voran zu kämpfen.

Und kämpfen und langsam fassen es zusammen. Ständig musste man korrigieren, aufpassen, dass man nicht direkt in eine Welle atmet. Und die Strömung musste ständig durch die Beine ausgeglichen werden.

So war für mich auch irgendwann die Cut Off Zeit eine ernste Sorge. Normalerweise bleibe ich sehr klar unter diesen Zeiten, aber diesmal hatte ich das Gefühl, dass es knapp wird. Viele Leute gaben auf oder machten Pausen an den Bojen. Ich kann sie verstehen. Ich hatte irgendwann so etwas wie ein Gefühl für das Wasser und kam voran.

Aber es blieb ein Kampf. Ich würde beinah sagen, dass dies mein langsamstes und mein bestes Schwimmen war. Das hätte ich vor zwei Jahren noch nicht geschafft. Nach 1:02:38 war das Geschaukel geschafft.

Ab zum Rad. Immerhin hatte man bei diesem Wettbewerb Neoauszieher, die fröhlich einem halfen diesen Auszuziehen. Ich weiß, nix für Puristen, aber doch nützlich.

Danke auch an die ganzen Begleitkanuten, die bei übelstem Wetter auf dem See aushielten. Und der Veranstalter hatte mehr als Genug organisiert.

Die Schlammschlacht

Vergisst diese üblichen Teppiche. Auch die gab es hier nicht. Und die Grasnarbe hatte sich aufgrund des Regens verabschiedet. Die Wechselzone war ein einziges Schlammbad. Durchgerannt, umgezogen und aufs Rad. Natürlich wurde dies auch schon mal fröhlich eingesaut. Meine weißen Radschuhe hatten sich auch in Matschbraun neu eingefärbt.

Die Radstrecke

Auf und ab ist das eine. Auf und Ab auf einem groben Asphalt, der null rollt und alles schluckt, ist das andere. Gefühlt gab es nicht einen flachen Meter. Es ging entweder bergauf oder bergab. Und je länger man fuhr, desto höher wurde die Amplitude.

Dazu ganz viele Risse und Schläge im Asphalt, so dass man bei den Abfahrten höllisch aufpassen musste, damit man sich nicht auf die Fresse legt. Der Regen hatte aufgehört, aber es war an vielen Stellen noch feucht oder sandig.

Und als ob dies alles nicht schon nervig genug wäre, kamen auch ständige 90 Grad Kurven zum abbiegen hinzu. Kraichgau ist gegen diesen Kurs ein Witz und rhythmisch zu fahren.

Die Strecke nicht für den Verkehr gesperrt, aber an jeder Ecke stand ein Sherif, so dass die überholenden PKW und LKW (!) sich sehr defensiv verhielten und das ganze entspannt von statten ging.

Die Radstrecke war anderseits richtig toll, denn man war schnell in der Natur. Vögel, die man in Europa nicht kennt, überall Kröten, die einen lautstark anfeuerten und ganz viel Natur.

Hinzu kam, dass jeder (!) überholende Teilnehmer sich immer mit einer Seite ankündigte „to your left“ und einen mit einem „good job“ anfeuerte. Hektik? Oder ein „du machst meine Bestzeit kaputt“ wie es in Europa immer noch üblich ist? Null. Auch nicht, wenn die Leute auf dem Rad brutal schneller sind als man selbst. Wenn man sich mehrfach überholte, dann wurde noch ein fröhlicher Spruch gemacht.

Das FCSP Triathlon Trikot wurde diverse Mal gelobt und gefeiert. So macht Triathlon Spaß.

4:05:50 ist nun nicht die Zeit, die ich mir so vorstelle auf dem Fahrrad, selbst wenn es ein hügeliger Kurs ist. Aber egal.

Die Laufstrecke

Die Wechselzone war nun endgültig ein Schlammloch und so badeten auch gleich die Schuhe und die Füße im Matsch. Schön. Das gibt Blasen.

Mein Plan für das Laufen? Ich darf insgesamt 8:30 brauchen, also rechne ich jede Meile aus, wie lange ich für jede Meile habe. Rechnerisch 13 Minuten pro Meile waren das Ergebnis meiner Rechnung (wahrscheinlich nicht einmal richtig), die ersten Meilen blieb ich klar unter dieser Vorgabe. Lief also. Irgendwie.

Die Laufstrecke war eine Seeumrundung und auch diese war ordentlich wellig. Also die Rennsteigtaktik anwenden. Bergauf gehen, bergab laufen. Funktionierte die ersten Meilen super und flüssig.

Der Veranstalter hatte jede Meile (!) einen Verpflegungsstand organisiert, so dass es wirklich mehr als genug Wasser, Cola, Red Bull und Gele gab. Und Vaseline. Die einem angeboten wurde mit dem Satz „wenn du was merkst, dann ist es zu spät“.

Die Helfer sowieso alle Zucker. „Good Job“, „almost there“ und immer ein fröhliches Wort auf den Lippen. Das bringt Spaß. Und wieder: Wenn man überholt wird, dann wird geschnackt, viel Glück gewünscht und noch gefragt, woher man kommt. Verkrampfte Teilnehmer? Mangelware!

Sehr gut auch: Viele Sanitäter auf Fahrrädern, die einen auch offensiv fragten, ob alles okay ist. Finde ich gut.

Ab Meile 8 wurde ich langsamer und das Ganze wurde dann nur noch ein Spaziergang. Aber immer in dem Bewusstsein, dass ich genug Zeit haben würde. Die letzten Meilen dann direkt am See gegen den Wind, was am Ende nicht ganz so angenehm ist, aber da war schon alles egal, denn das wird ein Finish! Und nur das zählt.

Eine Gemeinheit hatte sich der Veranstalter dann aber doch noch ausgedacht, ging es am Ende doch noch mal steil den Berg hoch.

Im Ziel! 2:54:30 für den Halbmarathon ist ganz passabel. Mit den Wechseln stand am Ende eine 8:18:44. Damit 180. der Agegroup und 1561. insgesamt. In der Agegroup immerhin eine Person hinter mir gelassen. Was will man mehr?

Kurze Pause beim Medizinteam, denn mir wurde doch ordentlich schlecht, aber ein beruhigendes Gespräch später ging das auch alles.

Die Medaille ist ein echter Hingucker und es gab ein Finisherbaseballcap. Wie cool ist das denn? Teilnehmerfunktionsshirt und Rucksack gab es sowieso schon.

Lohn der Arbeit

Fazit: Ein gut organisierter Wettkampf mit ganz viel Herzlichkeit, einer tollen Medaille und einer sehr anspruchsvollen Strecke. Mir hat es sehr gefallen und eigentlich muss ich den noch mal machen. Irgendwann.

Am Abend noch das verschlammte Rad eingepackt, den Sieg gefeiert und sehr müde ins Bett gefallen

Der dritte Akt / Milwaukee

Szene 1 / Die Stadt

Um am nächsten Morgen nach Milwaukee zu fahren. Die nächste Stadt am Wasser. Geprägt durch Industrie und Brauereien. Und doch hübsch. Weil am Wasser. Und mit vielen schönen Parks und Buchten am Wasser. Und ganz viel Autobahn. Weil Amerika.

Wir wurden gefragt, wie man denn auf die Idee käme, in Milwaukee Urlaub zu machen. Tja, weil wir Baseball gucken wollen.

Vorher aber ein Besuch in der Lakeside Brauerei. 12 Dollar für eine Führung und 4 x 0,2 Probiergläser Bier? Das nenn ich mal preiswert. Und die machen gute Biere. Und Biere mit Kaffee drin. Letzteres ist eine Erfahrung, die man einmal gemacht haben muss. Einmal. Auch wenn der Moderator der Führung meinte, dies sei das perfekte Bier für den Morgen.

Die Führung war um 12 Uhr, danach war man gut angelötet.

Danach noch die Altstadt (Third Ward, Gentrifizierung in Reinform) und den direkt daneben liegenden Public Market (sehr spannend) besucht.

Nun war aber auch Zeit für Baseball.

Szene 2 / Miller Park

Puh. Miller Park ist so das genaue Gegenteil von Wrigley Field. Neubau von 2001, an einer Highway im Nichts gelegen, umgeben von riesigen Parkplätzen und irgendwie Gesichtslos. Nun versuchen die Stadien bei einem Neubau immer noch irgendwie Charakter zu geben, aber hier ist das nur bedingt gelungen.

Die Brewers sind örtlich das nächste Team zu den Cubs und für sie ist das auch ein riesiges Rivalitätsspiel. Kleiner Haken: Die Spiele führen immer zu einer riesigen Invasion von Cubs Fans und am Ende war das Verhältnis im Stadion ca. 50 /50. Ohne diese sehr gut besuchten Spiele hätten die Brewers aber wahrscheinlich finanzielle Probleme, da sie als sogenanntes „small market team“ eher am unteren Ende der finanziellen Nahrungskette stehen. Was immer noch heißt, dass sie unfassbar viel Geld haben.

Wir parkten also und stellten fest, dass wir blutige Amateure sind. Der Ami an sich packt erstmal seinen halben Hausstand inklusive Grill aus und beginnt das Tail-Gaten. Die kamen teilweise echt mit komplett vollgepackten Autos. Da wird dann mit dem Kind der Ball hin- und her geworfen, gegrillt, getrunken, Spiele gespielt etc. pp. Niemand hat Angst um sein Auto, aber wenn eine Flasche kaputt geht, wo gerade die Kinder gespielt haben, dann gibt es eine Ansage von anderen Fans.

Das ganze geht auch deswegen, weil auf den Parkplätzen von vorne nach hinten aufgefüllt wird. Und das ohne „aber ich hab da vorne“ oder anderen Ausnahmen.

Das Stadion wirkt doppelt so groß wie Wrigley Field, ist es nicht, aber eben ohne Klostein Geruch und modern.

Das erste Spiel ging in Extra-Innings (kein Unentschieden im Baseballl). Sämtliche Versorgungsstände machten aber konsequent mit Ablauf der 9. Inning zu. Für die Verlängerung konnte man sich also nicht mit Getränken oder Essen eindecken. Und so etwas kann dauern.

Bier gibt es sowieso nur bis zur 7. Inning. Das ist alles schon ein bisschen gewöhnungsbedürftig, so als Europäer.

Letztes Jahr in Philiadelphia guckt mich die Verkäuferin noch komisch an, als ich während der Nationalhymne davon Abstand nehme Bier zu kaufen. Hier macht man das Licht der Verkaufsstände aus und es gibt während der Nationalhymne einfach nix. Sowieso die Amis und ihre Hymne, da kann man wahrscheinlich Doktorarbeiten drüber schreiben. Von außen betrachtet ist es schon eine sehr befremdliche Fetishisierung der Fahne und der Hymne.

Der Schlussakkord

Leider ist der Urlaub schon wieder lange Geschichte, aber an der nächsten Tour wird schon rum geplant. Mal gucken.

Flattr this!

Mai 282018
 

 

Vorwort

Der Bereich für aktive sportliche Betätigungen in diesem Blog führt ein Schattendasein. Was auch daran liegt, dass er sich an teilgenommenen Veranstaltungen orientiert und in einer Vorbereitung auf einen Triathlon kommt man leider nicht dazu viele Veranstaltungen mitzunehmen. Und da wir nur einen aktiven Sportler haben, der sich zu Veranstaltungen begibt, ist die Füllung dieser Rubrik selten. Aber dafür umso herzlicher.

Premiere

So war die Teilnahme am diesjährigen Rennsteiglauf mein erster offizieller Wettkampf dieses Jahr. Nun werdet ihr zu Recht fragen, ob es sich lohnt über 400 KM für einen Halbmarathon zu fahren, aber jeder der schon mal am Rennsteig war, der wird euch bestätigen, dass es sich lohnt. Und dies sei auch schon das vorweg genommene Fazit dieses Berichtes.

Vorspiel

Die Anfahrt am Freitagmorgen war problemlos. Das Navi schickt einen über hessische Landstraßen durch das Werratal, was vielleicht schneller ist, vielleicht auch nicht, aber allemal ist es sehr hübsch. In Thüringen angelangt freut man sich erstmal über die sehr schönen Ortsnamen, die es da so gibt. „Ohrdruf“ ist ein Beispiel. Und wenn man sich dem Mittelgebirge des Thüringer Waldes nähert, wird es immer hübscher. Ziel und Übernachtungsort für mich war Oberhof. Wer Wintersport verfolgt, der wird diesen Ortsnamen schon einige Male gehört haben, denn gefühlt jeder Thüringer Olympiasieger ist entweder hier oder in einem der Nachbarorte geboren.

In Oberhof wurde dann auch der Rest der Gang angetroffen. Neben der @sielaeuftde noch Menschen ohne Twitter, die wir zum größten Teil von der berühmten misslungenen Teilnahme am NY Marathon kennen. Eine herzliche Gang, die einem so ein Wochenende sehr lustig macht.

Prägend für das Wochenende war die ungefähr erste Forderung von @sielaeuftde nach meiner Ankunft „ich will eine Bratwurst“. Thüringen das Land der Bratwürste und so gab es erstmal um 12:30 eine gepflegte Bratwurst aufs Brötchen.

Was ist eigentlich Rennsteiglauf?

Die Startnummern sind im jeweiligen Startort abzuholen. Ja, es gibt mehrere, denn wie in der Ex-DDR sehr beliebt handelt es sich auch hier um einen Point to Point Lauf. Etwas vereinfacht könnte man sagen, dass man sich aus zwei Richtungen auf Schmiedefeld zu bewegt. Die Halbmarathonläufer und die Supermarathonläufer (73,5 KM) von links, die Marathonläufer von rechts.

„Der Rennsteig ist ein 170 km langer Kammweg“ behauptet Wikipedia. Und auf diesem Kammweg haben 1973 vier verrückte Läufer dem Pädagogen Johann Christoph Friedrich GutsMuths gedenken wollen und sind auf dem Rennsteig 100 km gelaufen. Aus dieser Schnapsidee entwickelte sich dann über die Jahrzehnte das heutige Laufspektakel.

Herr GutsMuths war in der Turnbewegung tätig und einer der „Gründungsväter“ dieser Bewegung. Der Wikipedia Eintrag ist eher eindimensional, eine gewisse Vorsicht bei der Verherrlichung der „Turnväter“ ist wohl angebracht. Bis heute gibt er dem Lauf seinen Namen.

Spektakel ist die richtige Bezeichnung, denn an der Veranstaltung mit ihren unterschiedlichen Strecken nehmen insgesamt um die 16.000 Leute (Finisherzahl 2017) teil.

Die Abholung in Oberhof für den Halbmarathon verlief trotz insgesamt 8.000 Meldungen problemlos und schnell.

Der Rest des Vortages

Nebenan bei Sport Luck (Inhaber Frank Luck, Olympiasieger in Lillehammer und Nagano) war danach Merchkauf angesagt. In der heutigen Zeit, wo man für eigentlich jedes normale Baumwollshirt schon 30 Euro bezahlt, sind Preise von 20 Euro für ein Funktionsshirt sehr angenehm. Ich musste zugreifen.

Als Hotel hatte ich das „Treff Hotel Oberhof“ gebucht. Dies erwies sich Betonbunker im sozialistischen Stil. Hübsch ist was anderes, aber dafür waren die Zimmer gut, das Personal nett und die Betten bequem.

Die Klosparty haben wir geschwänzt und nach einem Abendessen in einem Restaurant vor Ort, war auch schnell Bettruhe angesagt.

Rennsteiglauftag

Denn früh klingelte der Wecker, kurzes Frühstück, die @sielaeuftde kurz verabschiedet, die sich mit dem Bus zum Marathonstart auf machte und dann mit der Halbmarathongang zum Start gegangen.

Seinen Beutel schmeißt man unsortiert in LKW, nur um ihn erstaunlicherweise am Ende sortiert auf einer Wiese vorzufinden. Respekt an die Menschen, die in ca. 2 Stunden aus 8.000 Beuteln eine Reihenfolge herstellen.

Bei der Abgabe auch den Thüringer Blitz aka Lauffreund Sven getroffen. Ich denke, dass ihr seinen Bericht hier nachlesen könnt.

In die Startaufstellung einsortiert, die nach folgendem Prinzip funktioniert: Du bist das erste Mal dabei? Dann startest du hinten. Du bist schon mehrfach dabei? Wir ordnen dich nach deiner Zeit der Vorjahre ein, die du hier gelaufen bist. Sowieso wird mehrfache Teilnahme sehr honoriert und hoch gehalten. Dazu aber später noch mehr.

Und dann begann die Musikbeschallung. Und ich kann euch sagen, dass ich für Leute, die entweder Mallepartyhits und deutschen Schlager mögen, oder hart im Nehmen sind. Dazu noch das Rennsteiglied.

Gut, dass Sven da perfekt textsicher ist. So kommt man als Tourist mit Mitschunkeln aus.

Mehrfache Teilnahme

Das ganze ist ein Lauf der Freaks und Freaks, die hier über 30 Mal mitgelaufen sind, gibt es unzählige. Man hat das dann auch auf seinem Shirt stehen und der Moderator am Start und im Ziel honoriert dies ausführlich. Das ganze macht sympathisch, denn da kommt der 80 jährige mit der 41. Teilnahme ins Ziel des Halbmarathons nach 3:50 und wird im Endeffekt genauso ausführlich gewürdigt, wie der Sieger des Supermarathons. Oder man führt seine ganzen Startnummern der Jahre mit. Oder den Originalfischerhut vom 12. Rennsteiglauf (1985) oder oder oder. Unfassbar. Und dann steht man da im Ziel und an einem läuft ein Teilnehmer auf der Marathonstrecke vorbei, der folgendes auf dem Shirt stehen hat „Jahrgang 37, 37. Teilnahme“. Und der kommt nach einer Zeit von 5:30 ins Marathonziel. Was für Freaks.

Los geht es

Der Startschuss wird vom Innenminister gegeben, der auch mitläuft und auf die Frage wer denn noch aus der Regierung mitlaufe sagt, dass er dies gar nicht wisse und ein Innenminister ja auch nicht alles wissen müsse. ACH? Seit wann das denn? 😉

Die Marathonläufer werden ziemlich zeitgleich von Bodo Ramelow auf den Weg geschickt und diese Dichte an politischer Prominenz zeigt auch, welche Bedeutung dieser Lauf für Thüringen hat.

Ich setzte mich in Gang und hab gedacht, dass die ersten KM ob der Konstruktion der Startaufstellung eher hektisches Überholen sein wird. Aber siehe da: Es lief extrem entspannt ab. Wenn jemand schneller war und überholen wollte, dann frage er entweder ruhig nach oder wartete auf eine entsprechende Lücke. Trotz 8.000 Teilnehmern und trotz einer schnellen Einbiegung auf schmale Wanderwege wurde es nie hektisch, keiner drängelte und alles lief entspannt an.

Der Rennsteig ist nicht gerade flach. Keine Ahnung, wieviel Höhenmeter es insgesamt gibt, aber es sind einige. Ich hatte mir vorgenommen unter 3 Stunden ins Ziel zu kommen und mich an den Anstiegen nicht zu übernehmen. Und so beginnt das Hin- und Her des Laufs. Einige sind schneller rauf, andere schneller runter, die Positionen wechseln munter. Eine Läuferin schätzte, dass wir uns am Ende ungefähr 10 mal überholt hatten und ich kann ihr nicht widersprechen.

Ich lief bei gleichmäßigen Puls und hatte trotzdem einen KM bei 9:46 und einen bei 5:44 (lustiger weise KM 19). Das sagt wohl alles über das Gelände aus. Entschädigt wird man aber durch tolle Ausblicke und ganz viel Natur.

Was für mich Stadtläufer ungewohnt ist und auch nicht ohne Gefahr sind die diversen Rinnen und Wurzeln auf den Wegen. Leider hat es hier einige Teilnehmer ganz ordentlich abgepackt und einige blutige Knie oder blutige Stirne sah man im Ziel. Auf der Marathondistanz war einmal selbst der Rettungshubschrauber von Nöten. Hoffen wir mal, dass sich alle Unfallopfer auf dem Weg zur Besserung befinden. Aber auch hier: Kein hektisches weiterlaufen, kein ignorieren des Gestürzten. Sofort blieben Leute stehen, halfen ihm und kümmerten sich um ihn. Und der Rest unterbrach sein Rennen und machte Platz.

Mein Zeit Ziel verschob sich ab km 13 immer weiter nach vorne. Da es beinah durchgängig Bergab ging und ich noch viele Körner übrig hatte, gab ich nun Gas, überholte sehr viele Teilnehmer und ballerte mehrere KM in einer 6er Pace in den Waldboden. Ein ziemlich giftiger Anstieg bei KM 16 war mir vorher angekündigt worden und wenn man weiß was passiert, dann nimmt man den ganz elegant mit.

Bei 2:41:25 offiziell blieb die Uhr stehen und mit dieser Zeit kann ich sehr gut leben. Schnell war meine Gang wieder eingesammelt und die Wartezeit auf unsere Marathonläufer vertrieben wir uns mit Bratwurst, Bier und rumliegen. Und da man nach so einem Lauf nicht sehr viel braucht, waren wir auch schnell gut angetrunken.

Die Party

Irgendwann hatten wir dann alle im Ziel und nach Dusche und Abendessen fanden wir uns auf der Party in Oberhof wieder. Und was da zu einer Mischung von Partyhits, Schlager und Rennsteiglied abgeht, ist nicht in Worte zu fassen. Da tanzen Leute mit einer Supermarathonmedaille ausgelassen auf den Tischen und das Rennsteiglied wird mitgebrüllt.

Es ist eine komplette Parallelwelt in der alle durchdrehen. Nur über die Qualität der Lieder darf man nicht nachdenken, da war u.a. auch „Hamburg meine Perle“ bei.

Wiedersehen

18.05.2019 ist der nächste Rennsteiglauf und ich würde sagen, dass die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Starts sehr hoch ist. Das macht in seiner entspannten Atmosphäre doch sehr viel Spaß.

 

Jetzt aber erstmal

Nach Madison im Bundestaat Wisconsin wo am 10.06. der Ironman 70.3 für mich auf dem Programm steht. Ich werde berichten.

Flattr this!

Mai 242018
 

Der hier schreibende Autor des Redaktionskollektivs las vor einiger Zeit Gabriel Kuhns Buch „Die Linke und der Sport“, welches er eigentlich für den Magischer FC-Blog rezensieren wollte (Wenn ihr zusätzlich eine vollständige Rezension wollt, könnt ihr ihm ja gut zusprechen).
Kuhn (ohne genau zu definieren was die „Linke“ eigentlich genau ist) fasst die (selbst-erklärten linken) Diskurse um den Sport zusammen und entwickelt darauf aufbauend die These, dass der Sport weder genuin gut noch schlecht ist, sondern an die Gesellschaft, in dem er betrieben wird, gekoppelt ist; aber das Potenzial hat, positiv oder negativ gesellschaftlich wirkmächtig zu werden.

Kuhn stellt diverse Konflikte und Betätigungsfelder der „Linken“ im Sport vor, sei es der Kampf indigener Gruppen in den USA gegen die Verwendung ihrer Symbole und Namen als Maskottchen oder Gimmick bei Sport-Events, antirassistische Kampagnen im Fußball oder der Einsatz gegen koloniale Kontinuitäten im Cricket.

Diesen und anderen Kampagnen spricht er zu, sich kulturell positiv auszuwirken. Sport ist als integraler gesellschaftlicher Bestandteil immanent politisch und daher ist es gutes Recht, wenn nicht sogar Pflicht bestehende Ärgerlichkeiten anzugehen, Spannungen auch im Sport auszutragen und uns als Vereinsmitglieder, Fans und Schreibende zu engagieren.

Auf einer viel kleineren Ebene werden wir das auch dieses Wochenende am Millerntor erleben können. Über 30 antifaschistische Gruppen aus Europa sowie Mittel- und Nordamerika werden gegeneinander Fußball spielen und ins Gespräch kommen. Auch wenn alle Antifaschismus als Grundverständnis eint, sind die lokalen Probleme divers. Einige kämpfen primär gegen Homophobie und Antisemitismus in ihrem Stadion, andere gründen – frustriert der Entwicklung ihrer Vereine oder Szenen – eigene Clubs oder sogar Ligen, wieder andere müssen sich physisch gegen Nazis verteidigen oder sehen sich durch Sicherheitsbehörden bedroht.
Der Autor dieser kurzen Zeilen freut sich jedenfalls darauf, dieses Wochenende mit Leuten zu sprechen, über die verschiedenen Problematiken im Fußball (und dem damit verbundenen kulturellen und politischem Rahmen) zu lernen und natürlich auch wieder ins Millerntor zurückzukehren (Von wegen! Wir sind doch alle froh, dass Sommerpause ist, oder?)

Wenn ihr das auch wollt, kommt einfach vorbei, trinkt ein Bier gemeinsam, lernt unsere Gäste kennen. Auch wenn die kulturellen und politischen Entwicklungen in vielen Städten und Ländern entmutigend sind, ist es gut zu sehen, dass es überall Menschen gibt, die die Verhältnisse nicht hinnehmen, sondern nach Alternativen suchen und sich für diese einsetzen.

Das vollständige Programm findet ihr hier

Flattr this!

Mai 072018
 

Erstmal zum Spiel gegen Bielefeld

Oh je, eigentlich ist ja schon vor dem Spiel alles klar. Meint der Senior des Blogs. Jedem, der ihn nervös anspricht, sagt er nur, dass nichts schief gehen könne, er habe Stutzen an. Die Glücksstutzen des vorherigen Wochenendes. Ungewaschen. Gut, dass wir einer Freiluftsportart beiwohnen. Sowieso versuchen so viele Leute vor dem Stadion unfassbar viele Dinge genau so zu machen wie die Woche davor. Wir sind alles rationale Menschen und natürlich glauben wir überhaupt nicht an höhere Mächte und an Aberglaube. Aber die Glückssocken müssen sein.

15:30 ist eine sehr schöne Anstoßzeit. Klar, wenn man auswärts fährt, dann wird das am Sonntag ganz schön spät, bis man wieder zu Hause ist. Aber besser als dieses „direkt nach dem Aufstehen Fußball spielen“ ist es allemal.

Der späte Anpfiff führt auch zu einer frühen Füllung der Plätze am Millerntor. Die Mannschaft wird wieder schon beim Warmmachen mit Anfeuerungen bedacht. Dazu noch eine Topchoreo auf der Haupt, die von Edelfan N. nahezu alleine durchgezogen wurde. Geiler Typ. Klasse Nummer.

Bielefeld. Auf der einen Seite beeindruckend, wie da echt noch Leute ankommen, die Sinnbild einer alten proletarischen Fußballkultur sind. Wie erzählte ein FCSPLer so schön vor dem Spiel? „Ich saß mit so einer Truppe 50-Jähriger in der Bahn. Freundlich, aber auch alte-Schule-ruppig. Irgendwie verlorene Fußballkultur.“ Anderseits bringt so ein Verein auch so viel unterstes Niveau mit, dass man nur den Kopf schütteln kann. Bielefeld ist nun wirklich kein Gegner, der bei dem geneigten FCSPler Hass auslöst (Ausnahmen bestätigen hier die Regel), und auch die 80er-Jahre-Hoolfreundschaft mit den Volksparkfreunden ist nun auch keine wirklich tragfähige Argumentation, um sich an denen noch abzuarbeiten. Wenn man aber sieht, wie die schon beim Einlauf der Heimmannschaft zum Warmmachen auf Hasslevel 1905 sind, dann fragt man sich echt, was man Sinnvolles alles mit Testosteron machen könnte.

Ansonsten gibt es heute in Bielefeld wohl gut gegarte Hühnerbrust, so viele wie da im Gästeblock in die Sonne gehalten werden. Dieser ganze „Oberkörper frei“-Kram ist sowieso etwas fragwürdig, aber das könnt ihr gerne an anderer Stelle nachlesen.

Auf dem Platz das letzte Aufgebot und das schlägt ichh in einem Kampf- und Krampfspiel wirklich wacker. Natürlich hat Bielefeld gefühlt 99 Prozent Ballbesitz und natürlich ist das letztendliche 1-0 etwas glücklich, aber ähnlich wie gegen Fürth hat man wieder das Gefühl, dass hier eine Mannschaft von 1 bis 11 ihr Glück erzwingen will.

Klar, du kannst so eine Intensität nicht jedes Spiel abrufen. Dafür reiben dich 34 Spiele zu doll auf. Aber wenigstens ein bisschen dieser Intensität hätte vielen Heimspielen eine ganz andere Wendung gegeben. Mal ein Sonderlob an Koglin und Zehir, die nun wirklich nicht viel Spielzeit in der ersten Mannschaft gesehen haben bisher und die beide ihre Sache sehr tapfer machen. Das macht doch Hoffnung, dass die Jungs knapp dran sind am Kader und zumindest von hinten mal Druck machen können. Park hingegen ist diesen kleinen Schritt gegangen und wird immer mehr zur defensiven Allzweckwaffe unseres Vereines. Seine Durchbruchsaison krönte er an diesem Tag mit einem Tor der Marke „arschcool“.

Ach ja, Freiburg und Rest der Welt: Dieser Mats, der kann gar nix. Ihr wollt den am Millerntor lassen, ja? Seufz, viel verletzt der Junge diese Saison, aber was der für ein Potential hat, wenn man ihm die zentrale offensive Position überträgt, das hat er in zwei Spielen wieder einmal unter Beweis stellen können. Einer der größten Fehler dieser Saison war es, dass dies nicht erkannt wurde und er sich irgendwo außen versuchen musste. Nicht seine Stärke.

Wo auch immer du landest, Mats, danke für die Jubelsprünge und für intensive 1 1/2 Saisons. Und falls du keinen Verein findest: Komm gerne noch länger zu uns.

Lasse sitzt jetzt erstmal eine Saison in Köln auf der Bank und dann leihen wir ihn wieder aus, dann machen wir wieder irgendeinen komischen Vertrag und dann spielt er endlich bis zum Ende seiner Karriere bei uns. Und falls es so nicht kommt, dann sei ihm der Erfolg in Köln gegönnt. Kann er gerne mit 96 Punkten aufsteigen. Die 6 anderen bleiben aber bei uns.

Damit ist alles gesagt, der Rest ist Jubel und purzelnde Steine. Und nun können wir nächsten Sonnabend ganz in Ruhe verfolgen, ob sich der lokale Rivale erfolgreich drückt oder nicht.

Das so ein „Stadtderby“ schon jetzt seine unangenehmen Seiten hat, sei nur am Rande erwähnt. Menschen wegen der falschen Schalfarbe aufs Maul zu hauen, wird nie in unseren Kopf kommen.

Was es nun zu tun gibt

Erstmal Frodo im Katzenkostüm im Sonderzug. Liebe Leute, er hat gewettet, er hat verlorengewonnen und wer ihm im Sonderzug doof kommt, der kommt uns doof. Und das mögen wir nicht. Krault ihm lieber die Öhrchen. Danke, liebe Mannschaft, dass das geklappt hat. Gebt ihm eine Mil äh ein Bier aus:

Und dann müssen wir was tun für die neue Saison.

Klar, man kann so einen Fokussierung und so eine Leidenschaft nicht für 34 Spiele durchhalten. Aber sowohl auf Fan- als auch auf Vereinsseite müssen wir wieder mehr Leidenschaft und Fokus entfachen. Der Verein muss es schaffen, klare Vorgaben zu definieren und auch hart durchzusetzen, wenn jemand sich nicht dran hält. Es muss da Zug rein. Jeder, der unseren Präsidenten kennt, weiß, dass er eher ein kooperativ führender Mensch ist. Und das ist ja auch modern und in vielen Zusammenhängen richtig.

Aber im Fußball hast du es halt mit Hochleistungssport und mit extremen Führungsansprüchen zu tun. Gerade bei einer Meute von jungerwachsenen Männern. Hier werden sich auch Oke und der ganze Verein anpassen müssen. Das heißt aber nicht, dass nun Oke hier der Zampano der Marke Kind oder Tönnjes werden sollte. Das ist nicht St. Pauli.

Wir und er müssen hier unseren eigenen Stil entwickeln und auch weiterentwickeln. Denn wie wir schon im JHV-Bericht schrieben: Wir haben hier ein ganz starkes Alleinstellungsmerkmal und gehen bewusst den Weg, den alle anderen nicht gehen. Die uns in zehn Jahren entweder auslachen und wir sie. Etwas dazwischen gibt es nicht. Wir haben 2030 ein Date mit dem Champions-League-Pokal, insofern lass uns die Welt auslachen.

Dazu müssen Prozesse hinterfragt werden, analysiert werden und vielleicht auch radikal geändert werden. Wir müssen uns ganz klar Ziele vornehmen, was wir in einem, in drei und in fünf Jahren für ein Fußball am Millerntor haben wollen. Nein, solche „in drei Jahren steigen wir auf“-Pläne sind Bullshit, aber es muss klar ersichtlich sein, was wir wollen. „Ausbildungsverein“ wäre z. B. ein Stichwort. Und gerade mit einem Jugendjahrgang im B-Jugend-Bereich, die sehr gut sein sollen, müssen wir sehen, ob wir diese in den Herrenbereich überführt bekommen. Wenn wir diesen Weg dann gehen wollen.

Erstmal: Das heißt nicht, dass Personal ausgewechselt werden soll. Und das heißt auch nicht, dass wir nun die unpolitischen Party-Paulis sind, die zwar „gegen Nazis“ sind, aber nur wenn es nicht weh tut, nicht aneckt und bitte auch sonst die Fresse halten. Das kommt nicht in Frage. Der FCSP muss und sollte Fußball mit einer gesellschaftlichen Verantwortung und einem rebellischen Auftreten sein. Der FCSP muss für einen anderen Fußball kämpfen und ihn leben.

Wir werden auch unbequemen externen Rat uns einholen müssen. Nicht über Boulevardzeitungen. Aber intern.

Auch wir Mitglieder und Fans müssen uns ändern.

Da ist dieses unbestimmte „ach zweite Liga reicht ja und wir wollen ja gar nicht aufsteigen und mal sehen“, was auch an der Misere der letzten Jahre schuld ist. Diese Genügsamkeit mit Platz 9 ist nicht zielführend. Da gehören wir nicht hin. Auch nicht in einer zweiten Liga mit Köln und Wolfsburg. Wenn es am Ende Platz 5 wird, dann kann man nichts sagen, aber unser Anspruch sollte und muss Top 23 sein. Dafür werden wir hart arbeiten müssen. Und wir Mitglieder werden mitarbeiten müssen, denn z. B. wählen wir im November einen Aufsichtsrat.

Und wenn ihr, ja ihr liebe Mitglieder, dann irgendwen wählt, der per Boulevardzeitung ein „ich führe Pauli in den sportlichen Erfolg“ wählt, dann kündigen wir euch die Freundschaft.

Und noch mal sei auf den JHV-Bericht verwiesen: Dieser Verein ist ein Mitmachverein, es gibt so viele Dinge, die von unten bewegt werden können. Und es gibt genügend Organisationen, wo ihr alle mitmachen könnt. Seien dies nun Ultras, Fanräume, Museumsvereine oder andere Stellen. Und damit bekommt ihr alle auch genügend Einblicke, um an anderer Stelle zu helfen.

Ebenso muss das lethargische Nichtsupporten und Allagui in Minute 5 Anpöbeln ab jetzt Geschichte sein. Das Millerntor kann dir bei richtiger Stimmung drei bis vier Spiele gewinnen, aber dafür müssen auch wir Fans was machen. Der USP-Vorsänger sagte zu Beginn der Saison immer „wir gewinnen zusammen, wir verlieren zusammen“. Diese Einheit brauchen wir auch auf den Rängen. Nicht jedes Mal dieses Feuer, das geht nicht. Aber ein gewisses Feuer bei Heimspielen.

Klar hat Allagui seine Fehler, aber daran muss er, sein Trainer und alle sportlichen Verantwortlichen mit ihm arbeiten. Wir glauben, er kann das. Aber der Junge kann mit seiner Technik und seiner Lässigkeit in einer spielarmen zweiten Liga noch ein Pfund werden. Das sollten wir auch sehen. Und das geht nur, wenn wir ihn nicht schon runter ziehen, wenn er nur seine Schuhe anzieht.

Wir glauben an den Kader, der bisher feststeht für die nächste Saison. Wir glauben, dass ihr Leistungen der Fürther und Bielefelder Art regelmäßiger umsetzen könnt. Ja, dafür müsst ihr euch auch mehr auf den Arsch setzen und vielleicht auch mal euch richtig anbrüllen, aber ihr könnt das. Und dann wird alles gut. Und wenn Köln und Wolfsburg ihre 90-Mio-Etats nicht gut einsetzen, dann sind wir da und nutzen die Chance aufzusteigen.

Wir als Blogger müssen uns verpflichten, diese Absätze immer wieder in Erinnerung zu bringen und alle an diese Ziele zu erinnern.

So

Wir sehen uns im Sonderzug. Ach ja: Inoffizielles Motto seit gestern „wer sich dran erinnern kann, der war nicht dabei.“

Es schrieben auch

Der Frodo freute sich über eine erfolgreiche Mission Katzenbabys.

Flattr this!

Mai 042018
 

Liebe Lesende, wir wollen nicht verspätet vergangenen Samstag rekapitulieren, sondern uns kommendem Sonntag zuwenden. Teil 2 ist angesagt. Noch mal gilt es: Die Mannschaft tragen, dass sie alle Unsicherheiten, Fehler und Wehwehchen vergisst und ein letztes Mal dieses Jahr zeigen kann, was in ihr steckt. Machen wir uns nichts vor. Fortsetzungen von Erfolgsstreifen sind häufig schlechter als das Original. Die Ausnahmen sind selten, dann sind es aber häufig Klassiker, wie z.B. „Der Pate 2“. Und natürlich kann man nicht das Drehbuch des letzten Samstags noch mal verfilmen. Nicht erneut wird man einen Regisseur haben, der jede Blutgrätsche als „Ball gespielt“ beurteilt und auch der Gegner wird ein anderes Kampf- und Spiellevel haben als Fürth.

Aber! Wir lassen uns unseren Film nicht durch Nebendarsteller in schwarz-weiß-blau kaputt machen. Die Hauptdarsteller sind wir. Wir haben gezeigt, dass wir eine Heimmannschaft tragen, dass wir kleine anfängliche Unsicherheiten überbrüllen und Spieler immer wieder aufrütteln können. Lasst uns die Kulisse des Filmes so magisch machen, dass unsere Hauptdarsteller auf dem Platz gar nicht anders können, als ein brillantes Spiel abzuliefern. Und nicht vergessen: Es werden auch Fehler passieren, brenzliche Situationen entstehen. Das ist kein Grund zu nörgeln oder zu verstummen. Es ist die Aufforderung noch lauter und aufbauender zu werden.

Klar, letzter Samstag war schon richtig gut. Immer wieder kam aus ganz vielen Richtungen Lärm, kam Anfeuerung. Aber so ganz zufrieden sind wir noch nicht. Das geht noch lauter und auch etwas koordinierter. Achtet auf eure Nebenleute, die Vorsänger, die Stimmungszentren. Und brüllt.

Oder um es frei nach unserem letzten Aufstiegstrainer zu formulieren:

Rausgehen – Warmtrinken – Wegbrüllen!

P.S.: Wir sind natürlich null abergläubisch, aber mit den Spieltagsritualen haltet ihr es wie letzten Samstag, ja?

Flattr this!

Apr 272018
 
 
 
 
Wir sind Fans. Fans neigen dazu, nicht rational zu handeln. Sie haben Hoffnung, wo es keine Hoffnung mehr gibt, sie lieben, wo Liebe nicht mehr angebracht ist. Daher erwartet jetzt keine nüchternen Worte in diesem Artikel. 
 
Heimspiel. Zweimal innerhalb von 8 Tagen. Und mit zwei Siegen die Möglichkeit diese ganze Scheiße noch zu einem guten Ende zu führen.  Zwei Siege. Das klingt einfacher als es bei bisher drei Heimsiegen in 15 Versuchen ist. Aber wir als Fans können helfen, das Unmögliche möglich zu machen. 
Daher: Seid laut, seid positiv, lasst den Funken überspringen, bejubelt jeden Einwurf, jede noch so kleine gelungene Aktion. Gebt den Jungs eine Rückendeckung, die sie nicht ablehnen können. 
 
Meckern? Nächste Saison wieder. Oder nach der Saison. Und zu Recht! Aber jetzt nicht! Diesmal nicht! Ja, es wird Fehlpässe geben. Ja, es wird nicht gelungene Aktionen geben. Egal! Feuer! Alles raushauen! 
 
Ändert eure Routine! Die Spieltage müssen sich frisch anfühlen, wie ein neuer Start, wie Frühling, wie neue Liebe. Der Supportblock z.B. ruft dazu auf, um 11 Uhr am Stadion zu sein. Redet mit eurer Bezugsgruppe, weckt eure alten Knochen. Nehmt Bonbons mit und brüllt euch zweimal heiser. Ihr habt den Aberglaubenschlüppi jahrelang nicht getragen? Jetzt ist die Zeit ihn anzuziehen. 180 Minuten, die eine Saison ändern können. 180 Minuten, in der wir die Saison ändern können. Die Fürther müssen Angst haben. Die kennen so etwas nicht, wir müssen in deren Kopf kommen. 
 
Lasst uns beweisen, dass wir einzigartig sind, dass das Millerntor immer noch ein magischer Platz ist und Spiele gewinnen kann. 
 
Wir sind St. Pauli! Und wir steigen nicht ab! 

Flattr this!

Apr 232018
 

 

Zum Spiel

Man muss vielleicht nicht viel zum Spiel sagen. Es läuft nichts zusammen und in den entscheidenden Szenen hat der Fußballgott auch etwas gegen uns. Verliefe das Spiel anders, wenn nicht gleich der erste Schuss des Gastgebers säße? Oder wenn der Torwächter von denen nicht brillant retten würde Aber da wir es nie hinbekommen, wirklich mal 90 Minuten konstant und konzentriert zu spielen, ist die Niederlage komplett verdient.

Die beiden Roten Karten sind auch aus der Kategorie „darfst du dich nicht wundern“. Mal eine allgemeine Anmerkung zu der zweiten Roten Karte: Es ist eine allgemeine Sucht im Fußball, dass Spieler bei Fouls so tun, als ob sie gleich sterben. Erste Diagnose beim Regensburger: „Da wird eine Wohnung frei.“ Nur das Wunderwasser des Physios kann Schlimmeres verhindern. Und man kann nicht mal den Spielern einen Vorwurf machen. Immer wieder hat man den Eindruck, dass die Schiedsrichter von den Saltos beeindruckt sind. Aber wenn man mal genau hinsieht, dann ist es meistens so, dass die Spieler, die sich wirklich verletzen, einfach nur hinfallen und liegen bleiben. Und nicht noch drei Saltos und vier Schreie von sich geben. Ändert nichts daran, dass die Rote Karte zumindest vertretbar ist, weil Cenk da in einer Mischung aus Frust und Übermotivation rein geht, die sich gewaschen hat.

Und als wäre all dies nicht genug, ist es ja auch noch so, dass wir uns alle Tore selber einschenken. Besonders übel das 2-0 und 3-0. Beim 2-0 macht Buballa einen Jahrhundertfehler und beim 3-0 gucken viele Offensive aus sicherer Entfernung zu, wie Kalla das „wie verteidige ich zwei Spieler gleichzeitig?“-Rätsel versucht zu lösen. Dieses Rätsel ist alleine unlösbar. Und all diese Situationen entstehen nicht dadurch, dass Regensburg nun tollen Tempofußball spielt, der den Gegner auch zu Fehlern zwingt.

Das Stadion ist neu gebaut, an der Autobahn, irgendwie 08/15, der Gästeblock in die Ecke gequetscht und eng. Für die Gästeautos besteht ein eigener Käfig (!) und die Ordnerinnen überschreiten in aller Seelenruhe sämtliche intimen Grenzen beim Abtasten. Es ist zum Kotzen.

 

Gute Sicht gibt es nicht

Nach dem Spiel

Nach dem Spiel kommt es mehr oder minder zu einem Plenum zwischen dem, was wir jetzt mal als „Ultrà-Szene“ umschreiben möchten, und den am Zaun verharrenden Spielern. Buballa, Flum und Schnecke gehen dann auch noch direkt an den Block und diskutieren mit einzelnen Leuten, während der Rest der Mannschaft inklusive Trainer- und Betreuerteam vor dem Zaun verharrt.

Von unserer Perspektive läuft das ganze ganz gesittet ab. Wir zumindest erleben da keine „wüsten Beschimpfungen“, die von einigen Zeitungen herbeigeschrieben werden. Und wenn dann waren das ganz einzelne Personen. Wir wissen aber nicht, was wie genau besprochen wird.

Als wir dies auf den diversen Kanälen mit einer deutlichen „Respekt dafür an die Mannschaft“ Nachricht teilen, bekommen wir neben vielen positiven Rückmeldungen auch viele „Interessiert mich nicht“-, ‚“Bedeutet nix“-, „Sollen lieber besser spielen“- oder „Haben keinen Respekt verdient“-Nachrichten.

Unser Senior geht nun gut 30 Jahre zu diesem Chaotenverein. Er hat genügend Spieler gesehen, die mehr oder minder desinteressiert abgestiegen sind. Spieler, die mitgereiste Fans nach so einem Spiel mit dem Arsch nicht angesehen haben. Alleine deswegen bedeutet es ihm was. Und er hat eine ähnliche Situation wie in Regensburg mal in der dritten Liga gesehen, als sich Eger und ein bekannter Fan in der Nachspieldiskussion selbst richtig in die Haare bekamen. Direkt danach drehte sich das Blatt und wir siegten u. a. in Wiesbaden. Insofern: Vielleicht ist dies der Wendepunkt?

Fußballspieler sind Arbeitnehmer. Und MÜSSEN auch wie Arbeitnehmer denken. Und kein Arbeitnehmer der Welt schlägt sofort in einen neuen Vertrag ein, wenn der Arbeitgeber sagt „du bekommst nun eine deutlich uninteressante Position zu weniger Geld“. Das mal so am Rande.

Und Fußballspieler sind keine Maschinen. Man stellt sie nicht an. Sie sind Menschen, junge, unerfahrene Menschen. Die im Hochleistungssport ein derbes Ego brauchen. Und dies einfach nicht haben zur Zeit. Siehe die Szene von Buballa. Wenn der das normale Ego hat, dann lässt er entweder den Regensburger aussteigen und dribbelt nach vorne oder er ballert das Ding über das Tribünendach. Und wenn ihn irgendwer für letzteres kritisiert, dann zuckt er mit den Schultern und sagt „Digga, halt die Fresse, ich bin der Geilste.“ Zur Zeit denkt aber aber „bloss kein Fehler, bloss kein Fehler“ und macht gerade deswegen den Fehler.

Ja, dieser Kader hat Fehler. Ja, unsere Verantwortlichen haben Fehler gemacht. Nein, dieser Trainer scheint nicht der Beste zu sein. ABER! Es ist das, was wir jetzt für drei und vielleicht fünf Spiele haben. Nein, wir glauben nicht, dass nun eine panische Trainerentlassung irgendetwas fundamental ändert.

Und daher

Es gibt zwei Arten, mit dieser Situation umzugehen. Möglichkeit A wäre, dass wir nun 11 Kreuze auf den Trainingsplatz stellen, die Mannschaft schon beim Auflaufen auspfeifen, sie mit „Scheiss Millionäre“ beschimpfen und am besten noch mit „Wenn ihr absteigt, schlagen wir euch tot“ verabschieden.

Wir wollen keinen verurteilen, wer der Meinung ist, dass dies seine Reaktion als Fan ist.

Unsere ist es nicht. Und wahrscheinlich ist es auch nicht die, die zum FCSP, seiner Tradition und seinen Fans passt.

Unsere ist eher die, die ein Verein vom Weserdeich in einer ähnlichen Situation gemacht hat. In Bremen half man sich über die eigene Verzweiflung mit einer „Green White Wonderwall“ (bei Sport1 etwas detaillierter nachlesbar.  ).

Vielleicht sollten wir beim FCSP das auch versuchen? Kritiker werden nun sagen „das wäre dann ja geklaut“, aber erstmal gilt immer „lieber gut geklaut als schlecht selber gemacht“ und der kleine Weserverein hat ja auch genügend Melodien bei uns geklaut.

Wir wissen nicht, wann und wie unsere Spieler zu den beiden nun ausstehenden Heimspielen reisen, wir wissen nicht, ob das eine Idee ist, die Leute gut finden. Wir sind auch nicht die Institution, die Massen organisieren und mobilisieren kann. Wir regen es an.

Wir wissen aber eines ganz genau: Wir haben nun zwei Heimspiele, diese sind super wichtig, wir haben bisher nichts gerissen bei Heimspielen und die Lethargie im Stadion ist bis in den Volkspark spürbar. Das müssen wir aufreißen und einen neuen Impuls setzen.

Daher: Hände aus den Taschen, Mund auf, brüllen, singen, tanzen, positive Stimmung verbreiten. Auch wenn es nicht sofort läuft. Das gilt für dich, lieber GG-Steher, für dich lieber Süd-am-Rand-Steher, für dich lieber Haupt-Sitzer und für dich lieber Nord-Gucker. Wir schaffen das. Gemeinsam. Ohne irgendein leeres Marketinghashtag, ohne von oben verbreiteten Optimismus. Dieser Verein hat schon immer seine besten Momente gehabt, wenn von unten der Antrieb kam.

Lasst uns Fans die Mauer sein, an der Fürth und Bielefeld abprallen! Lass uns die Hände sein, die unsere Spieler tragen! Lass uns über alle Spektren, Tribünen, Lebensumstände und Frustlevel eine positive Stütze sein.

Aux Armes!

 

Es schrieb auch

Der Übersteiger und das solltet ihr auch gelesen haben.

Flattr this!

Apr 112018
 

Fakten

Fangen wir mit einem Zitat an:

„Zauberhaft und liebenswürdig – die neue Kollektion Ruby

Hot Pink ist die Farbe des Sommers 2018 und das verbinden wir mit einem edlen hellen Grau. An den Artikeln selber haben wir im Vergleich zu den letzten Jahren nur ein wenig geschraubt. Zum Frauenshirt mit weitem Halsausschnitt und dem Basic Hoody gesellt sich ein Frauenkleid aus leichtem Baumwoll pique.

Viel Spaß beim Einkauf am ersten warmen Wochenende. Wie immer in den Shops eures Vertrauens und unter www.fcsp-shop.com“

So steht es in einem Facebook-Post vom 08.04.2018 auf der offiziellen Präsenz des FC St. Pauli.

Zauberhaft und liebenswürdig – die neue Kollektion Ruby Hot Pink ist die Farbe des Sommers 2018 und das verbinden wir…

Gepostet von FC St. Pauli am Sonntag, 8. April 2018

Beworben wird die Kollektion „Ruby“, die a. einen ganz üblen Kaiser-Chiefs-Ohrwurm auslöst und b. sich anscheinend nur an Frauen (man entschuldige uns bitte die bigeschlechtliche Aufteilung) wendet.

Die Produkte sind entweder in Grau, in „Hot Pink“ (wir Antimodemenschen würden sagen „Rosa“) oder in beidem gleichzeitig. Sie zeigen eine Variation des beliebten Totenkopfmotivs. Könnt ihr euch alles unter dem genannten Link ansehen.

Soweit wir das sehen können, findet sich der oben zitierte Text in der Werbung in Social Media und auf der offiziellen Homepage. Im Shop ist das Ganze ohne weitere Beschreibung (Korrektur: Doch Text findet sich auch dort).

Allgemeines

Wir sind garantiert nicht die richtigen, um eine vollständig perfekte Kritik an Gender-Marketing und sexistischem Marketing hin zu bekommen. Dafür gibt es genügend Seiten, die man echt sich mal in Ruhe durchlesen kann. Nehmen wir doch mal z. B. pinkstinks , die sind garantiert nicht die Einzigen, aber da sie mal mit dem FCSP was zusammen gemacht haben, seien sie hier genannt. Wir haben ihn eben auf die Schnelle nicht gefunden, aber es gibt wohl auch einen offenen Brief von denen (Korrektur: einer Einzelperson)  mit einer Stellungnahme der Marketing. Screenshot hier

Kurzer Exkurs: Es gibt auch feministische Stimmen, welche sich dieser Farbe annnehmen und versuchen, sie positiv zu besetzen. Hauptargument dabei ist, dass in linken/alternativen etc. Gruppen immer noch Männer dominieren und damit auch eine männliche (oder als männlich verstandene) Ästhetik vorherrsche. Farben wie Pink (und eben auch exklusiv auf Frauen zugeschnitten) könnten dabei helfen, Frauen oder Weiblichkeit in diesen Gruppen stärker sichtbar zu machen. Man kann das hier offen lassen, was nun richtig oder falsch ist. Denn das antiquierte Frauenbild, welches beim FCSP noch mit transportiert wird, z. B. durch die Attributisierungen, zeigt, dass da niemand dran saß, der das vor genau dem Hintergrund als feministisch versteht. Eine Hot-Pink-Kollektion mit feministischen Motiven und Slogans wäre daher wahrscheinlich ganz anders zu sehen, selbst wenn sie Girls only wäre. Exkurs Ende.

Uns ist auch klar, dass wir in einer Welt leben, in der gerade solche Produkte hart nachgefragt werden. Und wo schon Kinder in eine rosa und eine blaue Welt eingeteilt und genau diese „nur für Mädchen“- oder „nur für Jungs“-Produkte am meisten nachgefragt werden. Und bei aller Kritik, die nun folgt: Keine Frau ist weniger emanzipiert, weil sie gerne Rosa mag. Siehe auch der Exkurs eben. Oder weil sie diese Klamotten kauft, weil sie die cool findet. Darum geht es schlichweg nicht. Geschmäcker sind verschieden und die eine mag rosa Frauenkleider aus Baumwoll pique und die andere mag den schwarzen True Rebel Hoodie. Alles cool.

Und gilt genauso für Kerle und alle anderen Menschen. Kerl X mag rosa Hemden, Kerl Y blaue und Kerl Z gar keine. Das sind unsinnige Äußerlichkeiten, nach denen man einen Menschen nur beurteilen sollte, wenn man unbedingt in heutigen Polizeistrukturen arbeiten möchte.

ABER!

Entscheidend ist etwas anderes. Entscheidend ist die Rolle, das Klischee was – mal wieder- in diesem Text verbreitet wird.

Zauberhaft, liebenswürdig, Hot Pink wird alles mit „Frau“ verbunden in diesem Post. Oh je. Müssen wir hier eigentlich den Erklärbären machen? Eigentlich nicht, oder? Daher nur kurz:

Rosa gleich Mädchen, nech? Und „echte Kerle“ bekommen das Braun. Außer vielleicht sie sind schwul. Dann „dürfen“ sie Rosa tragen.

Und „zauberhaft“ und „liebenswürdig“? „Weiche“, weibliche Attribute … argh … Würde man damit eine Kerle-Kollektion verkaufen? Wohl kaum. Warum eigentlich nicht? Eigentlich möchte man schreien „Wir wollen unsere Mädels aber so, dass sie gehasst werden und kratzbürstig sind!“, aber auch das wäre natürlich ein Klischee. Wir finden vielmehr: Sei weich, sei hart, sei was auch immer, aber sei FCSP-Fan.

Ja, ihr merkt es selber, da schwingen so viele Klischees in diesem Post mit und die muss gerade der FCSP einfach nicht bedienen. Nicht immer die weichen Attribute nur für Frauen. Nicht immer „Hot Pink“ nur für Frauen.

Warum nicht mal „Hot Pink“ für genderneutral? Gerade der Ruby-Kapu würde sich dafür geil eignen! Das Shirt auch! Warum nicht mal ein genderneutraler Text in der Werbung? Warum die Produkte (die wahrscheinlich ja modisch sind) auch noch in einer „neutralen“ Farbe? Grün, Gelb, wie wäre es – Achtung revolutionär – in Braun? Muss ja nicht immer unser Vereinskackbraun geben. Kann ja auch ein helles sein. Erdfarben sind doch gerade im Kommen, oder Gehen? Keine Ahnung!

Pink? Gerne! Cool. Z. B. wäre ein pinkes Herrenhemd mit Totenkopf mal was richtig Cooles. Ein Shirt, eine Hose, ein Hoodie für alle. Und natürlich ein pinkes Hassi.

Wir sind da echt keine konservativen Knochen, die nun fordern, alles nur in Braun-Weiß zu machen. Soll doch jeder seine Vereinsliebe zeigen, wie er will. Aber in der Werbung einfach mal ein „Hey Loide, wir haben jetzt die „Hot Pink“ Kollektion für modische Kiezmenschen“ raushauen, ist doch gar nicht so schwer, oder? Ja klar, ist jetzt auch nicht der super Werbespruch, aber wir sind ja auch Historiker, Juristen und Metal-Texter und keine Werber. (Suchmaschinenoptimierung zählt nicht.) Und wirklich feurig ist das Zitierte nun auch nicht.

Oder mal so etwas wie die „Tommy Adaptive“-Kollektion! (Googelt das mal, ist ziemlich cool.)

Ja klar, Pink for all humans oder adaptive Kleidung ist vielleicht auch mal ein Nischengeschäft. Aber der FCSP darf einfach nicht nur eine Profitmaximierungsgesellschaft sein. Er muss Zeichen setzen, neue Wege gehen und für alle eröffnen. Das ist nämlich sein Markenkern, sein USP.

Auch wenn es einfach nur um Stoff geht.

Positiv möchten wir bemerken, dass die Bildsprache – zumindest aus unserem bescheidenen Blickwinkel – recht okay ist. Da hat man schon ganz andere, schlimme, sexualisierte Posen gesehen, mit denen Frauenklamotten beworben werden. Hier ein Haar in der Suppe zu suchen, wäre unfair.

Noch was

Der Totenkopf war mal rebellisch. Er war mal Punk. Er war mal beim FC Bayern verboten und bayerische Zeitungen haben Angst vor den linksautonomen Horden gehabt. Er ist jetzt nur noch ein leeres Symbol einer guten Vergangenheit. Niemand – auch wir nicht – wollen ihn abschaffen. Man kann sich auch mal in wohlfühlenden Erinnerungen kleiden. Aber er sollte nicht das einzige, immer wieder in jeglicher Variation durchgekaute Element auf allen Klamotten sein, die wir herausbringen.

Liebes Merch, sucht euch mal ein paar fähige Leute aus der Szene und entwickelt Alternativen. Entwickelt coole Sachen in unzähligen Farben. Setzt wieder Trends bei den Klamotten für Fußballverrückte. Das wäre cool.

(Danke an alle Menschen, die uns für diesen Artikel Stichworte und Meinungen gaben, bevor er erschien.)

Flattr this!

Apr 072018
 

Wir sind es leid. Wir haben keine Lust mehr. Keine Lust mehr auf Polizisten, die unseren Bus „mal eben betreten“ wollen. Keine Lust mehr auf Ordner, die Menschen aussondern und hinter Sichtschutz durchsuchen wollen, und die an Frauen eine gynäkologische Untersuchung an den Brüsten vornehmen.

Wir sind es leid von arroganten unfreundlichen Polizisten, aufgrund ihres katastrophalen Versuchs einer Fantrennung, hin und her geschubst zu werden. Wir sind es leid unter Generalverdacht gestellt zu werden, weil wir ein verrücktes Hobby haben. Begründet wird der Verdacht damit, dass wir 600 km einer Trümmertruppe hinter her fahren.

Wir sind leid ein „wenn du nichts gemacht hast, musst du nichts befürchten“ zu ernten. Oder ein „der wird schon was gemacht haben“. Dafür werden wir zu unfreundlich, zu willkürlich und wie ein Stück Scheisse vom „Freund und Helfer“ behandelt.

Wir sind froh, dass es immer noch Menschen gibt, die dieses System boykottieren, die zeigen, dass dieser ganze Mist Pyro nicht verhindert, sondern provoziert. Wir sind froh, dass es Menschen gibt, die es verstehen, weil sie es fühlen. Die 90 Minuten trommeln, singen, Fahnen wehen und ihre Welt leben. Trotz aller Schikane.

Mehr gibt es zu Aue nicht zu schreiben. Außer, dass es die Nudeln noch gibt. Und inzwischen ordentliche und ausreichend Toiletten. Schön.

 

Flattr this!