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Mai 072018
 

Erstmal zum Spiel gegen Bielefeld

Oh je, eigentlich ist ja schon vor dem Spiel alles klar. Meint der Senior des Blogs. Jedem, der ihn nervös anspricht, sagt er nur, dass nichts schief gehen könne, er habe Stutzen an. Die Glücksstutzen des vorherigen Wochenendes. Ungewaschen. Gut, dass wir einer Freiluftsportart beiwohnen. Sowieso versuchen so viele Leute vor dem Stadion unfassbar viele Dinge genau so zu machen wie die Woche davor. Wir sind alles rationale Menschen und natürlich glauben wir überhaupt nicht an höhere Mächte und an Aberglaube. Aber die Glückssocken müssen sein.

15:30 ist eine sehr schöne Anstoßzeit. Klar, wenn man auswärts fährt, dann wird das am Sonntag ganz schön spät, bis man wieder zu Hause ist. Aber besser als dieses „direkt nach dem Aufstehen Fußball spielen“ ist es allemal.

Der späte Anpfiff führt auch zu einer frühen Füllung der Plätze am Millerntor. Die Mannschaft wird wieder schon beim Warmmachen mit Anfeuerungen bedacht. Dazu noch eine Topchoreo auf der Haupt, die von Edelfan N. nahezu alleine durchgezogen wurde. Geiler Typ. Klasse Nummer.

Bielefeld. Auf der einen Seite beeindruckend, wie da echt noch Leute ankommen, die Sinnbild einer alten proletarischen Fußballkultur sind. Wie erzählte ein FCSPLer so schön vor dem Spiel? „Ich saß mit so einer Truppe 50-Jähriger in der Bahn. Freundlich, aber auch alte-Schule-ruppig. Irgendwie verlorene Fußballkultur.“ Anderseits bringt so ein Verein auch so viel unterstes Niveau mit, dass man nur den Kopf schütteln kann. Bielefeld ist nun wirklich kein Gegner, der bei dem geneigten FCSPler Hass auslöst (Ausnahmen bestätigen hier die Regel), und auch die 80er-Jahre-Hoolfreundschaft mit den Volksparkfreunden ist nun auch keine wirklich tragfähige Argumentation, um sich an denen noch abzuarbeiten. Wenn man aber sieht, wie die schon beim Einlauf der Heimmannschaft zum Warmmachen auf Hasslevel 1905 sind, dann fragt man sich echt, was man Sinnvolles alles mit Testosteron machen könnte.

Ansonsten gibt es heute in Bielefeld wohl gut gegarte Hühnerbrust, so viele wie da im Gästeblock in die Sonne gehalten werden. Dieser ganze „Oberkörper frei“-Kram ist sowieso etwas fragwürdig, aber das könnt ihr gerne an anderer Stelle nachlesen.

Auf dem Platz das letzte Aufgebot und das schlägt ichh in einem Kampf- und Krampfspiel wirklich wacker. Natürlich hat Bielefeld gefühlt 99 Prozent Ballbesitz und natürlich ist das letztendliche 1-0 etwas glücklich, aber ähnlich wie gegen Fürth hat man wieder das Gefühl, dass hier eine Mannschaft von 1 bis 11 ihr Glück erzwingen will.

Klar, du kannst so eine Intensität nicht jedes Spiel abrufen. Dafür reiben dich 34 Spiele zu doll auf. Aber wenigstens ein bisschen dieser Intensität hätte vielen Heimspielen eine ganz andere Wendung gegeben. Mal ein Sonderlob an Koglin und Zehir, die nun wirklich nicht viel Spielzeit in der ersten Mannschaft gesehen haben bisher und die beide ihre Sache sehr tapfer machen. Das macht doch Hoffnung, dass die Jungs knapp dran sind am Kader und zumindest von hinten mal Druck machen können. Park hingegen ist diesen kleinen Schritt gegangen und wird immer mehr zur defensiven Allzweckwaffe unseres Vereines. Seine Durchbruchsaison krönte er an diesem Tag mit einem Tor der Marke „arschcool“.

Ach ja, Freiburg und Rest der Welt: Dieser Mats, der kann gar nix. Ihr wollt den am Millerntor lassen, ja? Seufz, viel verletzt der Junge diese Saison, aber was der für ein Potential hat, wenn man ihm die zentrale offensive Position überträgt, das hat er in zwei Spielen wieder einmal unter Beweis stellen können. Einer der größten Fehler dieser Saison war es, dass dies nicht erkannt wurde und er sich irgendwo außen versuchen musste. Nicht seine Stärke.

Wo auch immer du landest, Mats, danke für die Jubelsprünge und für intensive 1 1/2 Saisons. Und falls du keinen Verein findest: Komm gerne noch länger zu uns.

Lasse sitzt jetzt erstmal eine Saison in Köln auf der Bank und dann leihen wir ihn wieder aus, dann machen wir wieder irgendeinen komischen Vertrag und dann spielt er endlich bis zum Ende seiner Karriere bei uns. Und falls es so nicht kommt, dann sei ihm der Erfolg in Köln gegönnt. Kann er gerne mit 96 Punkten aufsteigen. Die 6 anderen bleiben aber bei uns.

Damit ist alles gesagt, der Rest ist Jubel und purzelnde Steine. Und nun können wir nächsten Sonnabend ganz in Ruhe verfolgen, ob sich der lokale Rivale erfolgreich drückt oder nicht.

Das so ein „Stadtderby“ schon jetzt seine unangenehmen Seiten hat, sei nur am Rande erwähnt. Menschen wegen der falschen Schalfarbe aufs Maul zu hauen, wird nie in unseren Kopf kommen.

Was es nun zu tun gibt

Erstmal Frodo im Katzenkostüm im Sonderzug. Liebe Leute, er hat gewettet, er hat verlorengewonnen und wer ihm im Sonderzug doof kommt, der kommt uns doof. Und das mögen wir nicht. Krault ihm lieber die Öhrchen. Danke, liebe Mannschaft, dass das geklappt hat. Gebt ihm eine Mil äh ein Bier aus:

Und dann müssen wir was tun für die neue Saison.

Klar, man kann so einen Fokussierung und so eine Leidenschaft nicht für 34 Spiele durchhalten. Aber sowohl auf Fan- als auch auf Vereinsseite müssen wir wieder mehr Leidenschaft und Fokus entfachen. Der Verein muss es schaffen, klare Vorgaben zu definieren und auch hart durchzusetzen, wenn jemand sich nicht dran hält. Es muss da Zug rein. Jeder, der unseren Präsidenten kennt, weiß, dass er eher ein kooperativ führender Mensch ist. Und das ist ja auch modern und in vielen Zusammenhängen richtig.

Aber im Fußball hast du es halt mit Hochleistungssport und mit extremen Führungsansprüchen zu tun. Gerade bei einer Meute von jungerwachsenen Männern. Hier werden sich auch Oke und der ganze Verein anpassen müssen. Das heißt aber nicht, dass nun Oke hier der Zampano der Marke Kind oder Tönnjes werden sollte. Das ist nicht St. Pauli.

Wir und er müssen hier unseren eigenen Stil entwickeln und auch weiterentwickeln. Denn wie wir schon im JHV-Bericht schrieben: Wir haben hier ein ganz starkes Alleinstellungsmerkmal und gehen bewusst den Weg, den alle anderen nicht gehen. Die uns in zehn Jahren entweder auslachen und wir sie. Etwas dazwischen gibt es nicht. Wir haben 2030 ein Date mit dem Champions-League-Pokal, insofern lass uns die Welt auslachen.

Dazu müssen Prozesse hinterfragt werden, analysiert werden und vielleicht auch radikal geändert werden. Wir müssen uns ganz klar Ziele vornehmen, was wir in einem, in drei und in fünf Jahren für ein Fußball am Millerntor haben wollen. Nein, solche „in drei Jahren steigen wir auf“-Pläne sind Bullshit, aber es muss klar ersichtlich sein, was wir wollen. „Ausbildungsverein“ wäre z. B. ein Stichwort. Und gerade mit einem Jugendjahrgang im B-Jugend-Bereich, die sehr gut sein sollen, müssen wir sehen, ob wir diese in den Herrenbereich überführt bekommen. Wenn wir diesen Weg dann gehen wollen.

Erstmal: Das heißt nicht, dass Personal ausgewechselt werden soll. Und das heißt auch nicht, dass wir nun die unpolitischen Party-Paulis sind, die zwar „gegen Nazis“ sind, aber nur wenn es nicht weh tut, nicht aneckt und bitte auch sonst die Fresse halten. Das kommt nicht in Frage. Der FCSP muss und sollte Fußball mit einer gesellschaftlichen Verantwortung und einem rebellischen Auftreten sein. Der FCSP muss für einen anderen Fußball kämpfen und ihn leben.

Wir werden auch unbequemen externen Rat uns einholen müssen. Nicht über Boulevardzeitungen. Aber intern.

Auch wir Mitglieder und Fans müssen uns ändern.

Da ist dieses unbestimmte „ach zweite Liga reicht ja und wir wollen ja gar nicht aufsteigen und mal sehen“, was auch an der Misere der letzten Jahre schuld ist. Diese Genügsamkeit mit Platz 9 ist nicht zielführend. Da gehören wir nicht hin. Auch nicht in einer zweiten Liga mit Köln und Wolfsburg. Wenn es am Ende Platz 5 wird, dann kann man nichts sagen, aber unser Anspruch sollte und muss Top 23 sein. Dafür werden wir hart arbeiten müssen. Und wir Mitglieder werden mitarbeiten müssen, denn z. B. wählen wir im November einen Aufsichtsrat.

Und wenn ihr, ja ihr liebe Mitglieder, dann irgendwen wählt, der per Boulevardzeitung ein „ich führe Pauli in den sportlichen Erfolg“ wählt, dann kündigen wir euch die Freundschaft.

Und noch mal sei auf den JHV-Bericht verwiesen: Dieser Verein ist ein Mitmachverein, es gibt so viele Dinge, die von unten bewegt werden können. Und es gibt genügend Organisationen, wo ihr alle mitmachen könnt. Seien dies nun Ultras, Fanräume, Museumsvereine oder andere Stellen. Und damit bekommt ihr alle auch genügend Einblicke, um an anderer Stelle zu helfen.

Ebenso muss das lethargische Nichtsupporten und Allagui in Minute 5 Anpöbeln ab jetzt Geschichte sein. Das Millerntor kann dir bei richtiger Stimmung drei bis vier Spiele gewinnen, aber dafür müssen auch wir Fans was machen. Der USP-Vorsänger sagte zu Beginn der Saison immer „wir gewinnen zusammen, wir verlieren zusammen“. Diese Einheit brauchen wir auch auf den Rängen. Nicht jedes Mal dieses Feuer, das geht nicht. Aber ein gewisses Feuer bei Heimspielen.

Klar hat Allagui seine Fehler, aber daran muss er, sein Trainer und alle sportlichen Verantwortlichen mit ihm arbeiten. Wir glauben, er kann das. Aber der Junge kann mit seiner Technik und seiner Lässigkeit in einer spielarmen zweiten Liga noch ein Pfund werden. Das sollten wir auch sehen. Und das geht nur, wenn wir ihn nicht schon runter ziehen, wenn er nur seine Schuhe anzieht.

Wir glauben an den Kader, der bisher feststeht für die nächste Saison. Wir glauben, dass ihr Leistungen der Fürther und Bielefelder Art regelmäßiger umsetzen könnt. Ja, dafür müsst ihr euch auch mehr auf den Arsch setzen und vielleicht auch mal euch richtig anbrüllen, aber ihr könnt das. Und dann wird alles gut. Und wenn Köln und Wolfsburg ihre 90-Mio-Etats nicht gut einsetzen, dann sind wir da und nutzen die Chance aufzusteigen.

Wir als Blogger müssen uns verpflichten, diese Absätze immer wieder in Erinnerung zu bringen und alle an diese Ziele zu erinnern.

So

Wir sehen uns im Sonderzug. Ach ja: Inoffizielles Motto seit gestern „wer sich dran erinnern kann, der war nicht dabei.“

Es schrieben auch

Der Frodo freute sich über eine erfolgreiche Mission Katzenbabys.

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Mai 042018
 

Liebe Lesende, wir wollen nicht verspätet vergangenen Samstag rekapitulieren, sondern uns kommendem Sonntag zuwenden. Teil 2 ist angesagt. Noch mal gilt es: Die Mannschaft tragen, dass sie alle Unsicherheiten, Fehler und Wehwehchen vergisst und ein letztes Mal dieses Jahr zeigen kann, was in ihr steckt. Machen wir uns nichts vor. Fortsetzungen von Erfolgsstreifen sind häufig schlechter als das Original. Die Ausnahmen sind selten, dann sind es aber häufig Klassiker, wie z.B. „Der Pate 2“. Und natürlich kann man nicht das Drehbuch des letzten Samstags noch mal verfilmen. Nicht erneut wird man einen Regisseur haben, der jede Blutgrätsche als „Ball gespielt“ beurteilt und auch der Gegner wird ein anderes Kampf- und Spiellevel haben als Fürth.

Aber! Wir lassen uns unseren Film nicht durch Nebendarsteller in schwarz-weiß-blau kaputt machen. Die Hauptdarsteller sind wir. Wir haben gezeigt, dass wir eine Heimmannschaft tragen, dass wir kleine anfängliche Unsicherheiten überbrüllen und Spieler immer wieder aufrütteln können. Lasst uns die Kulisse des Filmes so magisch machen, dass unsere Hauptdarsteller auf dem Platz gar nicht anders können, als ein brillantes Spiel abzuliefern. Und nicht vergessen: Es werden auch Fehler passieren, brenzliche Situationen entstehen. Das ist kein Grund zu nörgeln oder zu verstummen. Es ist die Aufforderung noch lauter und aufbauender zu werden.

Klar, letzter Samstag war schon richtig gut. Immer wieder kam aus ganz vielen Richtungen Lärm, kam Anfeuerung. Aber so ganz zufrieden sind wir noch nicht. Das geht noch lauter und auch etwas koordinierter. Achtet auf eure Nebenleute, die Vorsänger, die Stimmungszentren. Und brüllt.

Oder um es frei nach unserem letzten Aufstiegstrainer zu formulieren:

Rausgehen – Warmtrinken – Wegbrüllen!

P.S.: Wir sind natürlich null abergläubisch, aber mit den Spieltagsritualen haltet ihr es wie letzten Samstag, ja?

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Apr 272018
 
 
 
 
Wir sind Fans. Fans neigen dazu, nicht rational zu handeln. Sie haben Hoffnung, wo es keine Hoffnung mehr gibt, sie lieben, wo Liebe nicht mehr angebracht ist. Daher erwartet jetzt keine nüchternen Worte in diesem Artikel. 
 
Heimspiel. Zweimal innerhalb von 8 Tagen. Und mit zwei Siegen die Möglichkeit diese ganze Scheiße noch zu einem guten Ende zu führen.  Zwei Siege. Das klingt einfacher als es bei bisher drei Heimsiegen in 15 Versuchen ist. Aber wir als Fans können helfen, das Unmögliche möglich zu machen. 
Daher: Seid laut, seid positiv, lasst den Funken überspringen, bejubelt jeden Einwurf, jede noch so kleine gelungene Aktion. Gebt den Jungs eine Rückendeckung, die sie nicht ablehnen können. 
 
Meckern? Nächste Saison wieder. Oder nach der Saison. Und zu Recht! Aber jetzt nicht! Diesmal nicht! Ja, es wird Fehlpässe geben. Ja, es wird nicht gelungene Aktionen geben. Egal! Feuer! Alles raushauen! 
 
Ändert eure Routine! Die Spieltage müssen sich frisch anfühlen, wie ein neuer Start, wie Frühling, wie neue Liebe. Der Supportblock z.B. ruft dazu auf, um 11 Uhr am Stadion zu sein. Redet mit eurer Bezugsgruppe, weckt eure alten Knochen. Nehmt Bonbons mit und brüllt euch zweimal heiser. Ihr habt den Aberglaubenschlüppi jahrelang nicht getragen? Jetzt ist die Zeit ihn anzuziehen. 180 Minuten, die eine Saison ändern können. 180 Minuten, in der wir die Saison ändern können. Die Fürther müssen Angst haben. Die kennen so etwas nicht, wir müssen in deren Kopf kommen. 
 
Lasst uns beweisen, dass wir einzigartig sind, dass das Millerntor immer noch ein magischer Platz ist und Spiele gewinnen kann. 
 
Wir sind St. Pauli! Und wir steigen nicht ab! 

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Apr 232018
 

 

Zum Spiel

Man muss vielleicht nicht viel zum Spiel sagen. Es läuft nichts zusammen und in den entscheidenden Szenen hat der Fußballgott auch etwas gegen uns. Verliefe das Spiel anders, wenn nicht gleich der erste Schuss des Gastgebers säße? Oder wenn der Torwächter von denen nicht brillant retten würde Aber da wir es nie hinbekommen, wirklich mal 90 Minuten konstant und konzentriert zu spielen, ist die Niederlage komplett verdient.

Die beiden Roten Karten sind auch aus der Kategorie „darfst du dich nicht wundern“. Mal eine allgemeine Anmerkung zu der zweiten Roten Karte: Es ist eine allgemeine Sucht im Fußball, dass Spieler bei Fouls so tun, als ob sie gleich sterben. Erste Diagnose beim Regensburger: „Da wird eine Wohnung frei.“ Nur das Wunderwasser des Physios kann Schlimmeres verhindern. Und man kann nicht mal den Spielern einen Vorwurf machen. Immer wieder hat man den Eindruck, dass die Schiedsrichter von den Saltos beeindruckt sind. Aber wenn man mal genau hinsieht, dann ist es meistens so, dass die Spieler, die sich wirklich verletzen, einfach nur hinfallen und liegen bleiben. Und nicht noch drei Saltos und vier Schreie von sich geben. Ändert nichts daran, dass die Rote Karte zumindest vertretbar ist, weil Cenk da in einer Mischung aus Frust und Übermotivation rein geht, die sich gewaschen hat.

Und als wäre all dies nicht genug, ist es ja auch noch so, dass wir uns alle Tore selber einschenken. Besonders übel das 2-0 und 3-0. Beim 2-0 macht Buballa einen Jahrhundertfehler und beim 3-0 gucken viele Offensive aus sicherer Entfernung zu, wie Kalla das „wie verteidige ich zwei Spieler gleichzeitig?“-Rätsel versucht zu lösen. Dieses Rätsel ist alleine unlösbar. Und all diese Situationen entstehen nicht dadurch, dass Regensburg nun tollen Tempofußball spielt, der den Gegner auch zu Fehlern zwingt.

Das Stadion ist neu gebaut, an der Autobahn, irgendwie 08/15, der Gästeblock in die Ecke gequetscht und eng. Für die Gästeautos besteht ein eigener Käfig (!) und die Ordnerinnen überschreiten in aller Seelenruhe sämtliche intimen Grenzen beim Abtasten. Es ist zum Kotzen.

 

Gute Sicht gibt es nicht

Nach dem Spiel

Nach dem Spiel kommt es mehr oder minder zu einem Plenum zwischen dem, was wir jetzt mal als „Ultrà-Szene“ umschreiben möchten, und den am Zaun verharrenden Spielern. Buballa, Flum und Schnecke gehen dann auch noch direkt an den Block und diskutieren mit einzelnen Leuten, während der Rest der Mannschaft inklusive Trainer- und Betreuerteam vor dem Zaun verharrt.

Von unserer Perspektive läuft das ganze ganz gesittet ab. Wir zumindest erleben da keine „wüsten Beschimpfungen“, die von einigen Zeitungen herbeigeschrieben werden. Und wenn dann waren das ganz einzelne Personen. Wir wissen aber nicht, was wie genau besprochen wird.

Als wir dies auf den diversen Kanälen mit einer deutlichen „Respekt dafür an die Mannschaft“ Nachricht teilen, bekommen wir neben vielen positiven Rückmeldungen auch viele „Interessiert mich nicht“-, ‚“Bedeutet nix“-, „Sollen lieber besser spielen“- oder „Haben keinen Respekt verdient“-Nachrichten.

Unser Senior geht nun gut 30 Jahre zu diesem Chaotenverein. Er hat genügend Spieler gesehen, die mehr oder minder desinteressiert abgestiegen sind. Spieler, die mitgereiste Fans nach so einem Spiel mit dem Arsch nicht angesehen haben. Alleine deswegen bedeutet es ihm was. Und er hat eine ähnliche Situation wie in Regensburg mal in der dritten Liga gesehen, als sich Eger und ein bekannter Fan in der Nachspieldiskussion selbst richtig in die Haare bekamen. Direkt danach drehte sich das Blatt und wir siegten u. a. in Wiesbaden. Insofern: Vielleicht ist dies der Wendepunkt?

Fußballspieler sind Arbeitnehmer. Und MÜSSEN auch wie Arbeitnehmer denken. Und kein Arbeitnehmer der Welt schlägt sofort in einen neuen Vertrag ein, wenn der Arbeitgeber sagt „du bekommst nun eine deutlich uninteressante Position zu weniger Geld“. Das mal so am Rande.

Und Fußballspieler sind keine Maschinen. Man stellt sie nicht an. Sie sind Menschen, junge, unerfahrene Menschen. Die im Hochleistungssport ein derbes Ego brauchen. Und dies einfach nicht haben zur Zeit. Siehe die Szene von Buballa. Wenn der das normale Ego hat, dann lässt er entweder den Regensburger aussteigen und dribbelt nach vorne oder er ballert das Ding über das Tribünendach. Und wenn ihn irgendwer für letzteres kritisiert, dann zuckt er mit den Schultern und sagt „Digga, halt die Fresse, ich bin der Geilste.“ Zur Zeit denkt aber aber „bloss kein Fehler, bloss kein Fehler“ und macht gerade deswegen den Fehler.

Ja, dieser Kader hat Fehler. Ja, unsere Verantwortlichen haben Fehler gemacht. Nein, dieser Trainer scheint nicht der Beste zu sein. ABER! Es ist das, was wir jetzt für drei und vielleicht fünf Spiele haben. Nein, wir glauben nicht, dass nun eine panische Trainerentlassung irgendetwas fundamental ändert.

Und daher

Es gibt zwei Arten, mit dieser Situation umzugehen. Möglichkeit A wäre, dass wir nun 11 Kreuze auf den Trainingsplatz stellen, die Mannschaft schon beim Auflaufen auspfeifen, sie mit „Scheiss Millionäre“ beschimpfen und am besten noch mit „Wenn ihr absteigt, schlagen wir euch tot“ verabschieden.

Wir wollen keinen verurteilen, wer der Meinung ist, dass dies seine Reaktion als Fan ist.

Unsere ist es nicht. Und wahrscheinlich ist es auch nicht die, die zum FCSP, seiner Tradition und seinen Fans passt.

Unsere ist eher die, die ein Verein vom Weserdeich in einer ähnlichen Situation gemacht hat. In Bremen half man sich über die eigene Verzweiflung mit einer „Green White Wonderwall“ (bei Sport1 etwas detaillierter nachlesbar.  ).

Vielleicht sollten wir beim FCSP das auch versuchen? Kritiker werden nun sagen „das wäre dann ja geklaut“, aber erstmal gilt immer „lieber gut geklaut als schlecht selber gemacht“ und der kleine Weserverein hat ja auch genügend Melodien bei uns geklaut.

Wir wissen nicht, wann und wie unsere Spieler zu den beiden nun ausstehenden Heimspielen reisen, wir wissen nicht, ob das eine Idee ist, die Leute gut finden. Wir sind auch nicht die Institution, die Massen organisieren und mobilisieren kann. Wir regen es an.

Wir wissen aber eines ganz genau: Wir haben nun zwei Heimspiele, diese sind super wichtig, wir haben bisher nichts gerissen bei Heimspielen und die Lethargie im Stadion ist bis in den Volkspark spürbar. Das müssen wir aufreißen und einen neuen Impuls setzen.

Daher: Hände aus den Taschen, Mund auf, brüllen, singen, tanzen, positive Stimmung verbreiten. Auch wenn es nicht sofort läuft. Das gilt für dich, lieber GG-Steher, für dich lieber Süd-am-Rand-Steher, für dich lieber Haupt-Sitzer und für dich lieber Nord-Gucker. Wir schaffen das. Gemeinsam. Ohne irgendein leeres Marketinghashtag, ohne von oben verbreiteten Optimismus. Dieser Verein hat schon immer seine besten Momente gehabt, wenn von unten der Antrieb kam.

Lasst uns Fans die Mauer sein, an der Fürth und Bielefeld abprallen! Lass uns die Hände sein, die unsere Spieler tragen! Lass uns über alle Spektren, Tribünen, Lebensumstände und Frustlevel eine positive Stütze sein.

Aux Armes!

 

Es schrieb auch

Der Übersteiger und das solltet ihr auch gelesen haben.

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Apr 112018
 

Fakten

Fangen wir mit einem Zitat an:

„Zauberhaft und liebenswürdig – die neue Kollektion Ruby

Hot Pink ist die Farbe des Sommers 2018 und das verbinden wir mit einem edlen hellen Grau. An den Artikeln selber haben wir im Vergleich zu den letzten Jahren nur ein wenig geschraubt. Zum Frauenshirt mit weitem Halsausschnitt und dem Basic Hoody gesellt sich ein Frauenkleid aus leichtem Baumwoll pique.

Viel Spaß beim Einkauf am ersten warmen Wochenende. Wie immer in den Shops eures Vertrauens und unter www.fcsp-shop.com“

So steht es in einem Facebook-Post vom 08.04.2018 auf der offiziellen Präsenz des FC St. Pauli.

Zauberhaft und liebenswürdig – die neue Kollektion Ruby Hot Pink ist die Farbe des Sommers 2018 und das verbinden wir…

Gepostet von FC St. Pauli am Sonntag, 8. April 2018

Beworben wird die Kollektion „Ruby“, die a. einen ganz üblen Kaiser-Chiefs-Ohrwurm auslöst und b. sich anscheinend nur an Frauen (man entschuldige uns bitte die bigeschlechtliche Aufteilung) wendet.

Die Produkte sind entweder in Grau, in „Hot Pink“ (wir Antimodemenschen würden sagen „Rosa“) oder in beidem gleichzeitig. Sie zeigen eine Variation des beliebten Totenkopfmotivs. Könnt ihr euch alles unter dem genannten Link ansehen.

Soweit wir das sehen können, findet sich der oben zitierte Text in der Werbung in Social Media und auf der offiziellen Homepage. Im Shop ist das Ganze ohne weitere Beschreibung (Korrektur: Doch Text findet sich auch dort).

Allgemeines

Wir sind garantiert nicht die richtigen, um eine vollständig perfekte Kritik an Gender-Marketing und sexistischem Marketing hin zu bekommen. Dafür gibt es genügend Seiten, die man echt sich mal in Ruhe durchlesen kann. Nehmen wir doch mal z. B. pinkstinks , die sind garantiert nicht die Einzigen, aber da sie mal mit dem FCSP was zusammen gemacht haben, seien sie hier genannt. Wir haben ihn eben auf die Schnelle nicht gefunden, aber es gibt wohl auch einen offenen Brief von denen (Korrektur: einer Einzelperson)  mit einer Stellungnahme der Marketing. Screenshot hier

Kurzer Exkurs: Es gibt auch feministische Stimmen, welche sich dieser Farbe annnehmen und versuchen, sie positiv zu besetzen. Hauptargument dabei ist, dass in linken/alternativen etc. Gruppen immer noch Männer dominieren und damit auch eine männliche (oder als männlich verstandene) Ästhetik vorherrsche. Farben wie Pink (und eben auch exklusiv auf Frauen zugeschnitten) könnten dabei helfen, Frauen oder Weiblichkeit in diesen Gruppen stärker sichtbar zu machen. Man kann das hier offen lassen, was nun richtig oder falsch ist. Denn das antiquierte Frauenbild, welches beim FCSP noch mit transportiert wird, z. B. durch die Attributisierungen, zeigt, dass da niemand dran saß, der das vor genau dem Hintergrund als feministisch versteht. Eine Hot-Pink-Kollektion mit feministischen Motiven und Slogans wäre daher wahrscheinlich ganz anders zu sehen, selbst wenn sie Girls only wäre. Exkurs Ende.

Uns ist auch klar, dass wir in einer Welt leben, in der gerade solche Produkte hart nachgefragt werden. Und wo schon Kinder in eine rosa und eine blaue Welt eingeteilt und genau diese „nur für Mädchen“- oder „nur für Jungs“-Produkte am meisten nachgefragt werden. Und bei aller Kritik, die nun folgt: Keine Frau ist weniger emanzipiert, weil sie gerne Rosa mag. Siehe auch der Exkurs eben. Oder weil sie diese Klamotten kauft, weil sie die cool findet. Darum geht es schlichweg nicht. Geschmäcker sind verschieden und die eine mag rosa Frauenkleider aus Baumwoll pique und die andere mag den schwarzen True Rebel Hoodie. Alles cool.

Und gilt genauso für Kerle und alle anderen Menschen. Kerl X mag rosa Hemden, Kerl Y blaue und Kerl Z gar keine. Das sind unsinnige Äußerlichkeiten, nach denen man einen Menschen nur beurteilen sollte, wenn man unbedingt in heutigen Polizeistrukturen arbeiten möchte.

ABER!

Entscheidend ist etwas anderes. Entscheidend ist die Rolle, das Klischee was – mal wieder- in diesem Text verbreitet wird.

Zauberhaft, liebenswürdig, Hot Pink wird alles mit „Frau“ verbunden in diesem Post. Oh je. Müssen wir hier eigentlich den Erklärbären machen? Eigentlich nicht, oder? Daher nur kurz:

Rosa gleich Mädchen, nech? Und „echte Kerle“ bekommen das Braun. Außer vielleicht sie sind schwul. Dann „dürfen“ sie Rosa tragen.

Und „zauberhaft“ und „liebenswürdig“? „Weiche“, weibliche Attribute … argh … Würde man damit eine Kerle-Kollektion verkaufen? Wohl kaum. Warum eigentlich nicht? Eigentlich möchte man schreien „Wir wollen unsere Mädels aber so, dass sie gehasst werden und kratzbürstig sind!“, aber auch das wäre natürlich ein Klischee. Wir finden vielmehr: Sei weich, sei hart, sei was auch immer, aber sei FCSP-Fan.

Ja, ihr merkt es selber, da schwingen so viele Klischees in diesem Post mit und die muss gerade der FCSP einfach nicht bedienen. Nicht immer die weichen Attribute nur für Frauen. Nicht immer „Hot Pink“ nur für Frauen.

Warum nicht mal „Hot Pink“ für genderneutral? Gerade der Ruby-Kapu würde sich dafür geil eignen! Das Shirt auch! Warum nicht mal ein genderneutraler Text in der Werbung? Warum die Produkte (die wahrscheinlich ja modisch sind) auch noch in einer „neutralen“ Farbe? Grün, Gelb, wie wäre es – Achtung revolutionär – in Braun? Muss ja nicht immer unser Vereinskackbraun geben. Kann ja auch ein helles sein. Erdfarben sind doch gerade im Kommen, oder Gehen? Keine Ahnung!

Pink? Gerne! Cool. Z. B. wäre ein pinkes Herrenhemd mit Totenkopf mal was richtig Cooles. Ein Shirt, eine Hose, ein Hoodie für alle. Und natürlich ein pinkes Hassi.

Wir sind da echt keine konservativen Knochen, die nun fordern, alles nur in Braun-Weiß zu machen. Soll doch jeder seine Vereinsliebe zeigen, wie er will. Aber in der Werbung einfach mal ein „Hey Loide, wir haben jetzt die „Hot Pink“ Kollektion für modische Kiezmenschen“ raushauen, ist doch gar nicht so schwer, oder? Ja klar, ist jetzt auch nicht der super Werbespruch, aber wir sind ja auch Historiker, Juristen und Metal-Texter und keine Werber. (Suchmaschinenoptimierung zählt nicht.) Und wirklich feurig ist das Zitierte nun auch nicht.

Oder mal so etwas wie die „Tommy Adaptive“-Kollektion! (Googelt das mal, ist ziemlich cool.)

Ja klar, Pink for all humans oder adaptive Kleidung ist vielleicht auch mal ein Nischengeschäft. Aber der FCSP darf einfach nicht nur eine Profitmaximierungsgesellschaft sein. Er muss Zeichen setzen, neue Wege gehen und für alle eröffnen. Das ist nämlich sein Markenkern, sein USP.

Auch wenn es einfach nur um Stoff geht.

Positiv möchten wir bemerken, dass die Bildsprache – zumindest aus unserem bescheidenen Blickwinkel – recht okay ist. Da hat man schon ganz andere, schlimme, sexualisierte Posen gesehen, mit denen Frauenklamotten beworben werden. Hier ein Haar in der Suppe zu suchen, wäre unfair.

Noch was

Der Totenkopf war mal rebellisch. Er war mal Punk. Er war mal beim FC Bayern verboten und bayerische Zeitungen haben Angst vor den linksautonomen Horden gehabt. Er ist jetzt nur noch ein leeres Symbol einer guten Vergangenheit. Niemand – auch wir nicht – wollen ihn abschaffen. Man kann sich auch mal in wohlfühlenden Erinnerungen kleiden. Aber er sollte nicht das einzige, immer wieder in jeglicher Variation durchgekaute Element auf allen Klamotten sein, die wir herausbringen.

Liebes Merch, sucht euch mal ein paar fähige Leute aus der Szene und entwickelt Alternativen. Entwickelt coole Sachen in unzähligen Farben. Setzt wieder Trends bei den Klamotten für Fußballverrückte. Das wäre cool.

(Danke an alle Menschen, die uns für diesen Artikel Stichworte und Meinungen gaben, bevor er erschien.)

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Apr 072018
 

Wir sind es leid. Wir haben keine Lust mehr. Keine Lust mehr auf Polizisten, die unseren Bus „mal eben betreten“ wollen. Keine Lust mehr auf Ordner, die Menschen aussondern und hinter Sichtschutz durchsuchen wollen, und die an Frauen eine gynäkologische Untersuchung an den Brüsten vornehmen.

Wir sind es leid von arroganten unfreundlichen Polizisten, aufgrund ihres katastrophalen Versuchs einer Fantrennung, hin und her geschubst zu werden. Wir sind es leid unter Generalverdacht gestellt zu werden, weil wir ein verrücktes Hobby haben. Begründet wird der Verdacht damit, dass wir 600 km einer Trümmertruppe hinter her fahren.

Wir sind leid ein „wenn du nichts gemacht hast, musst du nichts befürchten“ zu ernten. Oder ein „der wird schon was gemacht haben“. Dafür werden wir zu unfreundlich, zu willkürlich und wie ein Stück Scheisse vom „Freund und Helfer“ behandelt.

Wir sind froh, dass es immer noch Menschen gibt, die dieses System boykottieren, die zeigen, dass dieser ganze Mist Pyro nicht verhindert, sondern provoziert. Wir sind froh, dass es Menschen gibt, die es verstehen, weil sie es fühlen. Die 90 Minuten trommeln, singen, Fahnen wehen und ihre Welt leben. Trotz aller Schikane.

Mehr gibt es zu Aue nicht zu schreiben. Außer, dass es die Nudeln noch gibt. Und inzwischen ordentliche und ausreichend Toiletten. Schön.

 

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Apr 032018
 

 

Das eigentliche Spiel

Fußball ist in erster Linie Unterhaltung. Sandhausen spielt einen grundsätzlichen Ball, der nicht geeignet ist, viel Unterhaltung zu bieten. Defensiv sehr stabil, im Herausspielen aus der Abwehr ohne Fehler, vorne aber ohne irgendeine Durchschlagskraft oder Kreativität. Taktisch super eingestellt, eine homogene Einheit.

Dagegen haben wir keine Mittel. Wäre das nur dieses eine Spiel, so wäre das vielleicht mit einem unangenehmen Gegner ausreichend erklärt, aber es zieht sich leider durch die Saison. Wir treten auf der Stelle. Und könnten aufgrund der komischen Situation in der Liga selbst noch in Abstiegssorgen kommen. Der Platz auf dem wir stehen, sieht nicht so aus und auch die Punktzahl ist eigentlich ausreichend, aber da schon Platz 17 31 Punkte sein Eigen nennt, reicht eine schlechte Phase, um noch mal richtig reinzurutschen.

Das Erstaunliche dabei: Wir sind 5. der Rückrundentabelle. Mit 13:12 Toren.

Konzept?

Trotzdem ist es alles uninspiriert. Ein taktisches Konzept ist nicht erkennbar. „Karo einfach“ oder „Fußball der 90er“ waren Kommentare nach dem Spiel. Leider wird in den – ziemlich aussagslosen – Pressekonferenzen auch nie nachgefragt, was denn die Idee für ein Spiel, für die Mannschaft im Allgemeinen sein soll. Soll das eigentlich offensiv sein? Oder defensiv? Warum schaffen wir es trotz schneller Spieler nicht, ein Kontersystem zu entwickeln? Ist das alles nur Verunsicherung?

Wie ist es zu erklären, dass man gegen Sandhausen erneut den Eindruck hat, dass ab der 70. Minute bei unseren Jungs körperlich nichts mehr geht? Und warum wird dann nicht aggressiver gewechselt? Neudecker und Schneider brachten noch kurze Impulse, aber insgesamt sind diese 85. Minute-Wechsel nur dann sinnvoll, wenn man ein Ergebnis halten will. Sie unterbrechen doch stark den Spielverlauf.

Auch bei einzelnen Spielern seien Fragen erlaubt, ohne in ein Bashing übergehen zu wollen: Letzte Saison ging Aziz in jeden Zweikampf, in jeden Kopfball. Das „Bande auf die Außenspieler“-System der letzten Saison war nur durch seinen unfassbaren Einsatz spielbar. Es war zwar auch nicht gerade die hohe Fußballkunst, aber wenigstens ein System. Zur Zeit geht bei ihm gar nix. Man verstehe uns nicht falsch, ein Stürmer muss nicht jeden Weg gehen, aber der Unterschied ist schon auffällig. Gehemmt? Falsche Anweisungen? Oder ist körperlich irgendwas?

Lieblingsopfer aller im Stadion ist Allagui, aber das ist auch nicht immer fair. Er hat halt seine lässige Spielweise, natürlich produziert das mal Fehler und leider wirkt es immer noch nicht so, als ob er und seine Mitspieler voneinander wissen, was der andere jeweils plant. Immerhin ist er langsam regelmäßig an Toren beteiligt und die große Jubeltraube nach dem Tor spricht auch dafür, dass er in der Mannschaft nicht isoliert oder irgendwas ist. Was er sich aber abgewöhnen muss, ist „Air Allagui“ nach einem Foul zu machen. Egal ob das nun ein Elfmeter war oder nicht, der Absprung war einfach zu theatralisch und wir sind nicht Fortuna Düsseldorf. Und so etwas wird sein Image am Millerntor nicht aufpolieren.

Drei Heimsiege sprechen Bände. Klar kann man heutzutage keinen reinen Kampffußball mehr spielen. Das Spiel, die Ausbildung der Spieler und die Welt haben sich weiter gedreht, aber es fehlt einfach das kleinste Fünkchen, was das Millerntor und die Spieler sich gegenseitig aufstacheln hilft. Und wenn es mal kommt, wie der Ellenbogencheck eines Sandhäusers, dann verpufft das in Lethargie auf dem Platz und auf den Rängen. Wir sind hier auch in einem Teufelskreis gefangen, Routine auf dem Rasen, Routine auf den Rängen. Leider gibt es zur Zeit kein Funken, wie damals Block 1 oder wie damals die Gründung der Ultras. Keine Ahnung, wo der herkommen soll, aber es muss was passieren.

Was machen wir nächste Saison?

Bisher haben wir mit Flum und Waldemar zwei relativ alte Spieler verlängert. Mit Sobiech verlieren wir einen mittelalten Spieler, der Abgang von MMD wirkt wahrscheinlich, auch ein Abgang von Nehrig ist wohl gut möglich. Wie ersetzen wir diese Abgänge? Gibt es eigenproduziertes Talent, was in die Lücken springen kann? Park macht insgesamt eine gute Saison als Feuerwehrmann, auch wenn er gegen Sandhausen mal mies aussah. Kann z.B. er den nächsten Schritt gehen? Und ist das überhaupt unser Konzept? Junge Mannschaft mit ein paar alten Recken, die nicht nur auf, sondern auch neben dem Feld führen sollen?

Weswegen hier auch Schnecke nicht genannt ist. Die ganze Konstruktion klingt nach Teilzeitprofi mit langsamen Übergang in die Zeit nach der aktiven Karriere. Nun kann man so etwas nicht jedem verdienten Recken anbieten, aber wenn es einen Kandidaten für einen solchen Übergang und die weitere Beschäftigung im Verein gibt, dann wäre das Timo Schu.. äh Schnecke. Und sollte er plötzlich seinen dritten Frühling erleben, verdientermaßen die Mannschaft als Kapitän aufs Feld führen und das Derby mit vier Toren ganz alleine entscheiden, dann sagen wir nicht nein.

Und übernächste Saison?

Wir befinden uns im Umbruch. Das klingt komisch, oder? Aber man muss es wohl so sehen. Das Stadion ist gebaut, aber trotzdem sind wir noch lange nicht fertig mit Steinen, die wir brauchen, damit die Beine besser werden. Zu viel Kunstrasentraining, Abschlusstrainings im Stadion (mit entsprechendem Acker dort) und ein Brummerskamp, der eher befriedigend als gut ist, sind ganz große Baustellen. Die sich nicht sofort, aber doch relativ schnell auf das Produkt im Millerntor auswirken. Wir sind wirtschaftlich konsolidiert und müssen hier nun Schritte nach vorne machen.

Und nebenbei eine sportliche Identität entwickeln. Wofür wollen wir stehen? Für Angriffsfußball? Für Ausbildungsverein? Für Aufstiegshoffnung, die nie aufsteigt? Hier bedarf es noch mehr Führung und Vorgabe. Sozusagen eine Vision und eine Zielvorgabe. Man mag Orths „Top 25″ belächeln, aber das war immerhin eine Zielvorgabe light.

Dazu gehört es, auch unser Scouting zu hinterfragen. Denn selbst wenn wir den Schwerpunkt auf Eigenentwicklungen legen (und dazu muss man auch mal die Schneiders dieser Welt zählen), so wird in einem Kader doch immer eine Lücke sein. Und die müssen wir noch viel präziser und besser füllen. Klar, selbst der beste Einkäufer hat im Profifußball eine Erfolgsquote von vielleicht 60 %, aber da müssen wir zumindest nah dran sein. Uns fehlen die Insiderinfos um zu wissen, ob das alles nicht vielleicht unser Scouting leistet und es an anderen Dingen scheitert; z.B. daran, dass Mainz oder Freiburg mehr Geld haben als wir.

Kein Fazit

Wir sind zur Zeit ratlos. Und mit Aue steht der nächste unangenehme und langweilige Gegner ins Haus. Also: Alle hin da und daraus ein Heimspiel machen. 

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Mrz 142018
 

Ihr fehlt uns

Wir sind als Blog ja schon ein bisschen älter und unser Gründungsvater schreibt seit gut 20 Jahren irgendwas über den FCSP in dieses Internet. Zur Zeit sind wir beinah konkurrenzlos, wenn man an einen Fußballfan(!)blog den Maßstab anlegt, dass seine Macher zumindest ein bisschen in der aktiven Fanszene des jeweiligen Vereines verwurzelt sein sollten.

Das war früher ™ mal anders. Da hätten wir das nun Folgende gar nicht schreiben müssen, denn so schöne Blogs wie „After changes“, „Dingediedasind“, „Lichterkarussell“ oder „Es lebe das Laster“ hätten schon einen rausgerotzt und wir hätten im nächsten Spielbericht geschrieben „ja, haben Recht, unsere Ultrafreunde, lest das einfach“. Aber leider haben all diese Blogs ihr Schaffen eingestellt, gehen nun wahrscheinlich bürgerlichen Jobs nach und haben ein Leben neben dem Fußball und Bloggen.

Aber wir sind immer noch da. Feiern unseren 10. Geburtstag. UND MÜSSEN JETZT ALL DIESEN SCHEISS ALLEINE KOMMENTIEREN!!!!

Worum geht es eigentlich?

Um die neue Kampagne „50+1 muss bleiben“, die in den letzten Tagen an die Öffentlichkeit gegangen ist. Die Liste der Erstunterzeichner liest sich wie das who is who der aktiven Fanszenen Deutschlands und auch viele gute Gruppen und Bündnisses haben unterschrieben. Aber eben auch der who is who der rechtsradikalen und rechtsoffenen Fangruppen. Und da müssen wir ganz ehrlich sagen „dann halt ohne uns“. Daher hier auch kein Link zur Internetseite, sucht sie euch selbst.

Die Diskussion gab es schon mal beim Pyrotechnik-Bündnis 2010 und eigentlich ist schon damals alles dazu gesagt worden. Von den Deviants Münster. Aber leider haben die ihre Internetseite eingestellt. Gibt es die Gruppe überhaupt noch? Egal, wer also damals schon dabei war, der wird nun eine Wiederholung lesen.

Im Nachfolgenden sprechen wir etwas kurz von Nazis. Wir unterstellen gar nicht mal allen Mitgliedern von allen dieser Gruppen, dass sie knallharte Nazis sind. Einige sind auch einfach nur dumm, ignorant oder gewaltgeile Machos denen alles andere Egal ist. Aber wer sich mit Nazis gemein macht, der soll bitte nicht über fehlende Differenzierung jammern.

Warum nicht?

1. Wie soll denn das konkret aussehen? Diese Frage stellte 2010 „Afterchanges“ schon zu Recht.  Sollen wir nun bei Faschotruppe XYZ anrufen und diskutieren, welche Aktion wir beim gemeinsamen Spiel zeigen? Und danach lassen wir uns wieder als „Zecken“ durch die Stadt jagen und eine Woche später sind die bei Pegida und Co wieder vorne mit dabei? Soviel verbiegen kannst du nicht mal Gummi.

Sowieso, woher kommt eigentlich immer diese deutsche „möglichst breites Bündnis“? Nein, wir müssen nicht alle sofort Freunde werden, weil wir in einem Bündnis sind, aber es gibt Grenzen. Und mit Adolf H. und seinen Freunden sind diese Grenzen weit überschritten.

2. Wer Nazis sich gesellschaftlich beteiligen lässt, der macht sie hoffähig. Und macht sie damit mächtiger. Das ist wie die freiwillige Feuerwehr, der örtliche Sportverein, die Blaskapelle. Erst ist es einer, dann zwei und dann setzen sie unliebsame Personen unter Druck. Dem kann man nur entgegen wirken, wenn man sie isoliert. (Nebenbei mal eine dicke Solifaust nach Appen, ihr macht das komplett richtig. ). Ein „der ist doch hier ganz nett“ gibt es nicht. Die vertretene „Meinung“ ist eben nicht eine von vielen im demokratischen Diskurs.

3. Es gibt auch kein Thema, was so wichtig ist, dass man es mit Nazis in einem Bündnis bearbeiten muss. Sorry, auch wenn wir verstehen können, wie wichtig vielen dieses Anliegen ist und wie sehr sich der Fußball weiter verändern würde, so gibt es eben doch Grenzen, wenn es um Bündnisse geht. Mal ganz davon ab, dass es eben „nur“ Fußball ist und man nicht den Kampf dagegen mit einer erheblichen Aufwertung von Nazigruppen erkaufen kann.

4. Der FCSP steht wie kein zweiter Verein dafür, dass man eben nicht seinen Kopf und seine politische Meinung abgibt, wenn es um Fußball geht. Und das gilt eben auch hier. Fußball ist nicht alles, 50 +1 ist nicht alles.

 

5. Zuletzt folgendes (nochmal)  klar und deutlich: wir sehen da auch Namen vieler korrekter Leute. Die werden vielleicht ihre Gründe haben warum sie trotzdem unterschrieben haben. Oder sie haben in der Eile es nicht überlegt.   Sie sind deswegen trotzdem nicht in einen Topf zu werfen mit den rechten  und rechtsoffenen Gruppen. Nur damit das niemand falsch versteht. 

 

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Mrz 062018
 

Montage sind ohnehin keine guten Tage. Wenn sich mittlerweile zum vierten Mal eine unangenehme Mischung aus diversen rechten und neurechten Strömungen zur „Merkel muss weg“-Demonstration trifft, macht das den Tag auch nicht zwingend besser. Dennoch schafft es ein wenig Hoffnung, dass es zum vierten Mal gelungen ist, die Rechten quantitativ zu übertrumpfen und ihre Kundgebung zumindest zu isolieren. Nachfolgend also ein paar Gedanken zum Abend des 05.03.18.

Ein neuer Ort

Nicht der Gänsemarkt, sondern der Dag-Hammarskjöld-Platz hinter dem Dammtor-Bahnhof hat die zweifelhafte Ehre, die rechte Kundgebung zu beherbergen, da die VVN eine eigene Kundgebung am Gänsemarkt angemeldet hat und den Rechten zuvorgekommen ist. Zwar gelingt es so, AfD und Co. in den toten Winkel zwischen einem abgeriegelten Bahnhof, der CCH-Baustelle und Planten un Blomen zu drängen; andererseits kann ihre Kundgebung auf diese Weise ungestört und mit wenig sicht- oder hörbarem (hörbar schon, ergänzt der Ergänzer) Protest abgehalten werden. Makabere Fußnote: Nazis, die unter dem Lessing-Denkmal demonstrieren, kann man vielleicht noch witzig finden. Hinter dem Dammtor aber steht ein Denkmal für deportierte jüdische Kinder im Holocaust. Da vergeht einem das Lachen.

Die Einsatztaktik

Die Hamburger Polizei ist ja nicht gerade für ihr Fingerspitzengefühl bekannt und dieser Eindruck bestätigt sich leider auch hier wieder. Nach eigenen Angaben ca. 1100 Beamte trennen die Lager, womit sie diesmal knapp den Titel der am stärksten vertretenen Partei an die so bezeichnete „Protestklientel (aus dem linken Spektrum)“ (Zitat Polizeitwitter) abtreten muss. So eine Niederlage lässt man natürlich nicht auf sich sitzen und verlautbart über die eigene Gewerkschaft bei Twitter noch am selben Abend, dass personelle Verstärkung dringend gebraucht werde. Das lässt tief blicken. Einen unfreundlichen Umgangston sowie ein rüdes Verhalten Unbeteiligten gegenüber müssen wir ebenfalls miterleben. Abgesehen davon verläuft der Abend übrigens komplett friedlich. Wie schon alle vorher. Ob man dann wirklich vier Wasserwerfer und eine Betreuung von einem Beamten pro Teilnehmer braucht, sei mal sehr stark hinterfragt. Zumindest wenn man nicht in der verdrehten Welt von Polizeigewerkschaften lebt.

Unbeteiligte meint hier nebenbei Leute, die offensichtlich nur mit ihrem Koffer nach Hause wollen. Wird in der Polizeischule eigentlich jeder freundliche Umgangsform abtrainiert? Siehe zum Umgang mit Demo-Teilnehmern den Text von Georg E Moeller auf Facebook. Selbst miterleben können wir auch noch, wie ein Demonstrationsteilnehmer im Dammtor-Bahnhof aufgefordert wird zu gehen, dann mit erhobenen Armen (!) in Richtung Ausgang geht und trotzdem meinen nun einige Bundespolizisten, dass es doch polizeilich unbedingt nötig sei, ihn noch drei bis viermal zu schubsen und zu ziehen.

Die übrigen Akteure

Auf Seite der Nazis finden sich letztlich nach Polizeiangaben 350 Leute ein, andere Schätzungen liegen teilweise deutlich darunter. Obwohl in den sozialen Medien schnell diverse Teilnehmende als Funktionäre von NPD, AfD, Identitärer Bewegung und so weiter ausgemacht sind, hält das die Hamburger Medien nicht davon ab, diese Klientel als „besorgte Bürger“ zu beschreiben. Diese Woche allen voran die Morgenpost. Versteht uns nicht falsch, mit Sicherheit sind dort „Bürgerliche“ anwesend, aber was soll das rechtfertigen? Wer bei den dort kommunizierten rassistischen, antidemokratischen, nationalistischen Inhalten mit NPD-Funktionären zusammen applaudiert, bewegt sich für uns nicht im gesellschaftlichen Minimalkonsens und widerspricht ja selbst der bürgerlichen Selbstdefinition.

Kleiner optimistischer Punkt auch hier: Offenbar hatten einige Teilnehmer einen weiteren Anreiseweg, es wurde demnach nicht nur in Hamburg geworben. Das macht Hoffnung, dass das Mobilisierungspotenzial langsam an seine Grenzen stößt.

Apropos bürgerlich: Die von der Polizei bei Twitter so wunderbar pejorativ als „Protestklientel“ bezeichnete Gegenseite wirkt deutlich bürgerlicher als in den vergangenen Wochen. Auch das ist eine gute Entwicklung, würden wir behaupten. Wenn Rechte es schaffen, immer mehr ins Bürgertum einzuwirken, freuen wir uns über jeden, der sich dem verwehrt und zu einer antifaschistischen Kundgebung kommt.

Darüber hinaus ist es ermutigend, so viele Gesichter aus der Fanszene zu sehen. Aber da geht noch mehr! Auf geht’s, Sankt Pauli! Antifa Ultrà mit Leben füllen! Und auch ihr, Gegengerade, Nordkurve, Haupttribüne seid gefragt! Kommt nächsten Montag vorbei, es wird wieder eine Demo geben. Wir hören auf zu nörgeln, wenn da 30.000 Gegendemonstranten stehen.

Die Nachbetrachtung

Es ist ausgesprochen unheimlich, im Nachhinein in den sozialen Medien nach Hashtags wie #nonazishh oder #hh0503 zu suchen. Dort tobt längst der rechte Mob, er verbreitet Hass und Diskriminierung, streut bewusste Falschmeldungen und phantasiert in abstoßendster Weise. Schaut es euch an, wenn ihr wissen wollt, um welches politische Programm es diesen Menschen geht. Es sollte unser moralischer Imperativ sein, das nicht länger unkommentiert zu lassen. Oder um es mit Karl Popper zu sagen: „Im Namen der Toleranz sollten wir uns das Recht vorbehalten, die Intoleranz nicht zu tolerieren.“ Wir sehen uns hoffentlich am Montag. Achtet auf entsprechende Ankündigungen

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