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Mrz 042017
 

Spiele die nicht wirklich sofortige Begeisterung beim braun-weissen Mob auslösen: 1860 München.

Unsere Reisegruppe machte sich bereits am Freitag auf den Weg und legte bereits gut 600 Kilometer bis zu den besten Gastgebern der Welt zurück. Die in der Marktgemeinde Feucht leben.

Samstag morgen also erholt und frisch gestärkt in Richtung München. Am Wochenende des Ferienbeginns in Hamburg und des Ferienende in Bayern. Das konnte nur schief gehen und so bewegten wir uns in einer wandernden Staublase über die A9. 144 KM in 2:30 sprechen Bände.

Danke nochmal an unseren Kartenbesorger, der auf uns heldenhaft wartete.

Der Einlass wurde schnell überwunden, die Kontrollen waren eher gelangweilt pflichtschuldig, als genau. Im Block erstmal die Pöbelcrew getroffen, gesabbelt und dann war auch die Bezugsgruppe auf einem guten Platz angekommen.

In dieser fehlte F. der gar nicht nach München gefahren war und J. der woanders stand. Da fehlte richtig der Eckenvibe.

Spät ankommenden Ultras machten ein bisschen Sorgen, aber außer wohl einer komischen Leitung durch die Polizei ist für Münchener Verhältnisse wenig passiert. Das es trotzdem super nervig ist, dass massenweise Polizei teilweise behelmt mitten im Gästebereich steht (gerne auch mal im Weg). Und sich nach dem Spiel mit Kräften auf die Treppe zu stellen ist einfach nur alberne Scheisse.

Die Arena am Kurt Landauer Platz ist unglaublich stimmungsfeindlich. Oben im Block kommt von dem Gesang unten nix an. Nur der Vorsänger kommt an. Das führt eher zu mauer Stimmung, auch wenn die diesmal für Münchener Verhältnisse wirklich okay war. Aber Achtung: Das ist von ganz geringem Niveau her.

Zum Spiel: PUH! 1860 hat das, was Trainer immer „individuelle Qualität“ nennen. Ballsicher, schnell, technisch wirklich klasse.

Und so sah das die ersten Minuten nicht gut aus. Wir liefen massiv hinterher und der Gastgeber hatte das Übergewicht. Unsere Jungs hielten echt gut läuferisch dagegen aber spielerisch ging wenig.

Und gerade als man dachte, wir haben uns gefangen, da kommt es im Mittelfeld zu einem Zweikampf, Aziz bleibt liegen und während ungefähr 2 Minuten vorher 1860 lautstark auf das „ins Aus spielen“ bestand, lies man sich jetzt nicht darauf ein und spielte zu Ende. Dazu noch ein Abwehrfehler und schon steht es 1-0.

Man verstehe uns nicht falsch: Dieses rausspielen, wenn jemand liegen bleibt ist ein freiwilliger Service. Aber wenn man selber drauf besteht und es bekommt, sollte man es auch selber machen.

Was wir nicht sagen können, da nicht im Fernsehen gesehen, ob es ein Foul war.

Aber wisst ihr was? Karma is a Bitch. Und so gibt es kurze Zeit Handelfmeter, den Lasse entspannt ins Netz drosch.

Und dann kam Sahin. Ungefähr 100 Flanken heute, davon 99 übelst ins Nichts. Aber egal. Wenn halt die eine entscheidende Flanke den Schädel des Stürmers findet. BÄÄÄMMM 2-1.

Karma is a bitch.

Der Rest des Spieles ist eigentlich schnell erzählt. Wir igelten uns immer mehr ein, 1860 fand kein Mittel wirklich gefährlich zu werden und unsere Konter endeten alle in den 99 anderen Flanken von Sahin.

Noch was zu Bibi: Jo, auch die pfeift mal nicht so toll, aber diese entspannte Souveränität ausstrahlende Spielführung ist viel besser, als andere Bundesligaschiedsrichter.


Ende, Jubel und ab nach Hause. Mehr gibt es aber nun auch wirklich nicht zu berichten.

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Feb 212017
 

(Wie üblich viel zu spät, aber hier unser Blick auf das Spiel in Bielefeld.)
Ab nach Bielefeld. Gibt es die Stadt. Wir waren da.Es ist 7:45 und nachdem wir eine Mitfahrerin aus dem Bett klingeln mussten, waren wir unterwegs nach Bielefeld. Anderseits: 75jährige Geburtstage des Onkels, die bis halb vier gehen, sind eine absolut akzeptable Ausrede.

Die Fahrt wird von der Playlist des Todes begleitet, die durch wirre Sprünge und viel Post-Punk glänzt. Sonst passiert aber nix wirklich Bemerkenswertes.

In Bielefeld fängt der frühe Wurm den guten Parkplatz und so stehen wir perfekt in der Nähe des Gästeblocks. Leider hat der Almblick durch einen Todesfall den Wirt gewechselt und mag nicht mehr Gästefans bewirten. Das ist echt bedauerlich. Das war immer einer der Highlights im jährlichen Auswärtskalender. Nun gut, man kann niemanden zwingen sich auf Fußballfans (die nicht immer einfach sind) einzulassen. Schade ist es trotzdem. Und vielleicht denkt man ja um? Zu der etwas weiter entfernten Bar celona (dieser Name gehört verboten) durften wir noch gehen, etwas später meinte die Polizei wieder dieses „wir müssen Fantrennung machen, weil das steht irgendwo als super schlau“ Spiel spielen zu müssen. Es nervt! Auch gerade weil alles in Stresslevel minus 1 abging an diesem Tag.

Der Gästeeingang hat nun keine riesige Personenvereinzelungsanlage mehr, sondern einen Vorplatzkäfig. Nun gut. Und dafür mussten nun irgendwelche Amateurvereine ihre Plätze aufgeben. Sinnvoll und irgendwie notwendig ist das alles nicht.

Viele liebe Menschen getroffen, viel gesabbelt und dann war auch schon Anpfiff. Und 45 Minuten später wusste man, warum beide Mannschaften da unten stehen. Das war keine Feinkost. Nach der Halbzeit übernehmen wir das Kommando, gehen verdient in Führung, nur um dann in einer Mischung von Angst, zu doller Absicherung und schwindenden Kräften 20 Minuten gefühlt keinen Ballbesitz mehr zu haben. Wenn du dann noch die wenigen Konterchancen übelst verdaddelst, dann bekommst du irgendwann die Ausgleich. Zwar versieben die Bielefelder noch eine 100 % ige, bekommen einen Elfmeter nicht (im Stadion 120 Meter weg vom Geschehen war der Konsens „niemals!“, die Fernseher hatten da wohl doch den besseren Blick), aber irgendwann haut Klos ihn dann doch rein. Nebenbei ein echter Unsympath. In Zeiten wo langsames Wechseln IMMER nachgespielt wird so durchzuticken und sich da mit Cenk anzulegen ist einfach nur albern. Aber nun gut, Sympathiepreise gibt es im Abstiegskampf der 2. Liga nicht zu gewinnen.

Zur Länge der Nachspielzeit: Wir machen uns im Stadion immer ein Spaß daraus ab Minute 85 diese zu schätzen. Und wir waren alle so bei 3 bis 4 Minuten. Und das war bevor einer unserer Spieler noch länger behandelt werden musste, weil er den Ball in die Fresse bekam. 5 Minuten sind also nicht komplett aus der Welt. Mal ganz davon ab: Er trifft nach 3 Minuten. Und das wird heute bei jedem Spiel nachgespielt.

Ball in die Fresse ist ein gutes Stichwort: Liebe Bielefelder. So ein bisschen Feingefühl wäre auch bei Fußballfans okay. Wenn jemand einen Ball volley aus 5 Metern ins Gesicht bekommt, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass er simuliert, äußert gering. Ihr müsst den nicht bepöbeln.

Im Gästeblock herrscht die normale Durchschnittsstimmung der letzten Zeit. Nix was man berichten muss. Und das Plakat haben wir nicht gesehen und wollen nun auch hier kein Plakatdeutungsblog werden. Häufig wird nach Vorsänger A. gefragt und warum er nicht mehr auf den Zaun ist. Soweit wir das wissen, ist dies wohl ein normaler Generationswechsel, denn seien wir ehrlich: Jede Woche in eure gelangweilten Hackfressen zu gucken und euch zum Support zu animieren, macht man auch nicht ewig. Und er hat es knapp 10 Jahre gemacht (Unfassbar, wie schnell die Zeit vergeht, oder?). Deswegen an dieser Stelle mal an ihn und an alle Jungs (warum eigentlich nicht mal ein Mädel?): Vielen Dank, dass ihr das macht/gemacht habt/machen werdet.

Mal ein Wort zu einem einzelnen Spieler von uns: Wer uns vor der Winterpause gesagt hätte, dass man aus Dudziak einen Außenverteidiger machen kann, der nahezu jeden Zweikampf defensiv gewinnt und super stark ist, den hätten wir für verrückt erklärr. Der Positionswechsel hat aus Bruder Lustlos (so immer der Eindruck) eine Kampfmaschine gemacht. Top!

Schnell weg. Ereignislos geht es wieder zurück. Die Bahnfahrer hatten wohl noch irgendein Generve, aber Details wissen wir leider nicht.

Wenn ihr noch was lesen wollt:

LeWi war bei der Hertha (oder so)

(Huch, mehr gibt es anscheinend nicht)

 

 

 

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Okt 242016
 

Es ist immer so einfach im Fußball. Der Sportdirektor, der Trainer, der Investor, wer auch immer ist schuld. Und der muss dann gefeuert werden und alles wird gut.

Dass dies so einfach nicht der Fall ist, beweisen die Abgründe im Volkspark. Denn dort geht es auch unter dem 100sten Manager und dem 1000sten Trainer drunter und drüber. Der einfache Austausch der handelnden Personen hat also eigentlich gar nix gebracht.

Aber wir wollen nicht über den Volkspark reden. Wir stecken bis zum Hals in der Scheiße. Wir haben gerade gegen ein extrem schwaches Sandhausen verloren und haben auch gegen Aue nicht wirklich gut ausgesehen. Der Trend geht in die falsche Richtung, und Leben ist in der Mannschaft nicht zu erkennen.

Man macht sich daher natürlich so seine Gedanken. Die vielleicht nix mit der Wahrheit zu tun haben, denn wir wissen nicht, was hinter verschlossenen Türen so passiert. Wir können es vermuten, aber wissen tun wir es alle nicht.

Was gibt es nun zu tun?

Arbeiten alle?

Erstmal abchecken, ob jeder seine tägliche Arbeit macht. Einen Kaffeetrinker, Lowperformer, was auch immer können wir uns zur Zeit nicht leisten. Wir gehen erst einmal davon aus, dass sowohl Manager als auch Trainer als auch Spieler jeden Tag ihr Bestes geben. Ist dies nicht der Fall, dann muss man da handeln.

Man muss sich so einen Mannschaftskader als nicht unproblematische Gruppe vorstellen. Um die 30 Egos, 30 Ideen und 30 Einstellungen müssen sich zusammenraufen, und der Stürmer muss den Fehler des linken Verteidigers ausbügeln, auch wenn der Grün wählt und man selber Linkspartei. Oder so. Dass eine solche Gruppe sowohl gute als auch schlechte Dynamiken entwickeln kann, weiß jeder, der schon mal einen Mannschaftssport betrieben hat. Sollte es hier Spieler geben, die sich als toxisch beweisen, dann muss man die bei allem Personalmangel eingrenzen und aus der Gruppe entfernen. Und das ist nicht mal ein persönlicher Vorwurf. Spieler A kann in Gruppe 1 super ankommen, aber in Gruppe 2 kann er sich als absolut fehl am Platz beweisen. Dies vorher zu erahnen ist nebenbei die hohe Kunst des Managers und Trainers bei Neuzugängen. Eine Kunst, die niemand fehlerfrei spielen kann.

Was macht der Trainer?

Unser Trainer ist ein Querkopf. Das ist wohl aus allem, was man so von ihm erlebt, eine feste Tatsache. Man muss sich immer fragen: Wirkt dieser Trainer noch auf die Mannschaft ein? Zu Beginn der Saison hatte man uneingeschränkt dieses Vertrauen, denn obwohl nicht immer die Ergebnisse da waren wurden taktische Änderungen übernommen und ausgeführt. Man kann das bei Spielverlagerung nachlesen. Ist dies noch der Fall? Kann man aus der Mannschaft noch etwas rausholen?

Erneut: Auch hier gibt es wenig persönliche Vorwürfe. Mal passt ein Trainer wie Arsch auf Eimer, mal passt er nicht. Und man arbeitet hier in einem Bereich der Hochleistung, wo Motivation teilweise auch kurzfristig und über Adrenalin gesteigert wird. Eine flammende Rede kann einmal wirken, zweimal, aber irgendwann nutzt sie sich vielleicht ab. Die Kunst des Trainers ist dann noch eine zweite, dritte, vierte Art der Motivation zu finden. Ihr selber wisst das. Was heute noch einen richtig kickt und motiviert, das ist morgen schon fade und langweilig.

Und kommt nun nicht mit dem „aber die verdienen viel Geld damit“. Springt Ihr des Montags morgens immer jubelnd aus dem Bett, weil Ihr nun zu dem Job müsst, der „viel Geld“ – hoffentlich – einbringt? Nein! Tut niemand.

Und etwas ist auch klar: Ist erstmal eine miese Dynamik drin wird die Motivationsansprache schwieriger. Weil sie bisher schon nicht funktioniert hat. Da stimmt dann der Spruch der neuen Besen, die gut kehren.

Wir können hier Ewald nicht beurteilen. Wollen wir nicht. Aber das gilt es zu überprüfen.

Klar hat auch Lienen offensichtliche Fehler gemacht. Dies fängt schon damit an, dass er die jungen Nachwuchsspieler bringt, um sie dann zur Halbzeit auszuwechseln. Viel deutlicher kannst Du so einem Spieler nicht das Vertrauen entziehen. Und gerade bei einem Nachwuchsspieler wird dies nicht zu einer Steigerung der Leistung beitragen.

Manager?

„Die Öffentlichkeit“ hat sich auf den Manager eingeschossen. Klar, das mit dem fehlenden zentralen Mittelfeldspieler sieht jeder. Ist dies der Fehler des Managers? Hat Thomas Meggle das verschlafen? Leute, dieser Gedanke ist schon ein bisschen naiv, oder? Mal ganz davon ab, dass er in der Winterpause 14/15 und in der Saison 15/16 noch für seine super Transfers gefeiert wurde. Zum einen entscheidet den Einkauf eines Spielers ein Manager nicht mehr alleine in einem dunklen Zimmer. Auch der FC St. Pauli hat Analysten – Leute, die beobachten, Leute die Kader planen und einen ganzen Stab an Leuten, die sich mit dem Thema „wie plane ich eine Truppe“ auseinandersetzen. Sind die alle unfähig? Wissen wir nicht, wenn ja, dann haben sie schon viele Körner als blinde Hühner gefunden. Selbst wenn man jetzt Meggle vor die Tür setzen würde, könnte ein neuer Manager nur auf den Daten dieser Truppe aufbauen. Oder wieder wie in der Steinzeit arbeiten und sein individuelles Notizbuch abarbeiten und Spieler holen, die er – ohne Rücksprache mit einem Team – für geil findet. Mal so gefragt: Welche Methode haltet Ihr denn für langfristig erfolgreicher?

Und wie sichere ich eine längerfristige Spielerbeobachtung und Entwicklung, wenn der neue Manager aus seinem Notizbuch alleine im dunklen Zimmerchen arbeitet und irgendwann geht? Fang ich dann immer wieder von Null an? Ja, so ist lange genug beim FCSP gearbeitet worden. Einer der Hauptpersonen, die dieses gerade ändert, ist ein gewisser Thomas Meggle. Wahrscheinlich zu spät. Was der so im Hintergrund anstößt kann man u.a. beim Millernton aus dem November 2015 nachhören.

Und wisst ihr, ob wir nicht den super-duper-zentralen Mittelfeldspieler an der Angel hatten? (oder ihn selbst mit Schahin verpflichtet haben, der Junge aber leider nicht so schnell fit geworden ist, wie alle erhofft haben?) Und dann kam Mainz und bot das Doppelte? Zu einfach ist es da, Ratsche oder Alushi nachzutrauern. Bei beiden gab es Gründe, warum man sich nicht auf eine weitere Zusammenarbeit einigen konnte, und so etwas passiert zwischen Himmel und Hölle. Dass für beide der Wechsel nicht wirklich super gelaufen ist, macht das ganze noch bitterer. Ratsche wärmt die Bank, und seitdem sich Alushi verletzt hat, läuft es bei Nürnberg.

Erzählen wird man uns das nicht. Wie sähe es aus, wenn man nun sagen würde „wir hatten XYZ an der Angel, aber dann kam Mainz“? Viel schlimmer kann man in das Selbstvertrauen der Truppe nicht reinhauen.

Was auffällt: Man wollte definitiv eine offensivere Spielidee umsetzen. Dafür waren die ganzen schnellen technischen Außen gedacht. Diese Idee und diese Spieler haben bisher nicht funktioniert. War die Spielidee ein Fehler? War das Meggles Idee? Lienens Idee? Die Idee des ganzen Stabes? Sie ist in die Hose gegangen. Das muss man sich ehrlich zugestehen.

Nein, das ist kein absolutes Plädoyer für den Verbleib von Meggle. Denn wir wissen nicht, ob er auf seine Kaderplaner hört und welche Kompetenzen wer hat. Wir wissen nur, dass ein eventueller Ersatz jemand sein müsste, der genau diese ganzen Strukturen weiter nach vorne bringt. Kaffeetrinker, die bei Schalke 04 alle Spieler ausleihen, hatten wir lange genug.

Spieler?

Es ist offensichtlich, dass viele Spieler nicht annähernd die Form der letzten Saison wiederholen können. Ob da was im Training schief läuft? Keine Ahnung. Ob da einfach auch die erfahrenen Leute fehlen?

Fakt ist: Wir sind – wenn wir es richtig sehen – bisher nicht zwei Mal hintereinander über 90 Minuten mit der gleichen Viererkette gekommen. Gerade in diesem Bereich, in dem Eingespieltheit und Vertrauen ein extrem hohes Gut ist, haben wir nicht annähernd eine Formation gefunden. Meistens durch Verletzungen, Sperren oder Erkrankungen. Hier wäre Konstanz Gold wert. Und hier passieren auch die meisten haarsträubenden Fehler, die eben aus ganz vielen schlechten 0-0-Spielen ganz viele schlechte Niederlagen machen.

Denn seien wir ehrlich: Auch letztes Jahr hat uns nach Vorne meistens ausschließlich der liebe Gott geholfen. Aber hinten standen wir eben extrem sicher. Auch, weil wir eine relativ feste Formation hatten.

Hinzu kommt, dass ein Spieler wie Avevor, der – so erkennen wir es wenigstens – als Backup für all diese defensiven Positionen geholt wurde, zur Zeit gar nicht funktioniert. Keine Ahnung, wie der Junge an sich und der Welt arbeitet. Persönliche Vorwürfe wären absolut fehl am Platz. Aber auf demselben funktioniert er nicht.

Das Gleiche gilt aus unserer Sicht für Dudziak. Der Junge hat alles, was man eigentlich für einen Offensiven braucht, könnte mit seiner Technik garantiert auch zentral was reissen. Aber er bringt seine PS nicht auf dem Platz. Warum nicht? Das gilt es zu intern erörtern.

Die Mittelfeldzentrale ist mit Buchtmann und Nehrig mit zwei Spielern besetzt, die letzte Saison super funktioniert haben. Aber zur Zeit? Kommt da nix. Deswegen mal ehrlich: Wer hätte gedacht, dass trotz dieser beiden Namen dies unser absoluter Schwachpunkt werden würde? Klar „Qualität“ auch im Sinne von „Kadertiefe“ ging verloren, aber so extrem?

Wie voran?

Erstmal die oben angerissenen Fragen beantworten. Das können wir Externen nicht, intern muss aber dran gearbeitet werden und wird dran gearbeitet werden. Da sind wir sicher.

Was noch?

– Kick!

Die Jungs brauchen einen Kick. Klassische Art, diesen Kick zu holen, ist ein Trainerwechsel. Geht es auch anders? Irgendjemand schlug vor, dass die Jungs mit dem Bus nach Stuttgart fahren und den dort verlorenen Spirit abholen sollten, anstatt zu trainieren. Das ist natürlich etwas radikal, aber vielleicht bringen ja die 30 Minuten schweigender Gästeblock und die anschließende Diskussion im ICE etwas. Respekt nebenbei an allen Spielern, die sich dieser Diskussion stellten. Die weiteren Klassiker: Mannschaftsabend, Aussprache etc. pp. Vielleicht wäre ein Besuch am Mittwoch beim USP-Treffen auch das Richtige? Mal sehen, was Leute so Verrücktes machen für diesen Verein? Keine Ahnung.

Fakt ist: Die normale Trainingsroutine wird diesen Kick nicht bringen.

So kommt das Pokalspiel vielleicht doch nicht zur Unzeit? Sicher, man kann nicht an Fehlern trainieren, aber das haben die sowieso schon getan. Die sollten einfach rausgehen und Fußball spielen. Ohne Druck des gewinnen Müssens.

Sportpsychologe? Vielleicht ist das ein Weg. Aber da ist in dem veralteten Führungsstil des Fußballs wahrscheinlich der Trainer gefragt, dass er dies nicht als Untergraben seiner Kompetenz auffasst.

– Fehler abstellen!

Aus den oben beschriebenen Fehlern muss gelernt werden. Das ist einfacher gesagt als getan, muss aber Priorität sein. Nicht das Ergebnis zählt, nicht der schöne Fußball – die Null hinten. Die zählt. Das muss erste Bürgerpflicht von 1 bis 11 sein. Und jeder muss bereit sein, für den anderen zu arbeiten. Über die Kotzgrenze hinaus. Nur so geht es. Wer dies nicht will und kann, der ist fehl am Platz. Aber erstmal trauen wir das jedem zu.

– Zusammenhalten

Wir wissen nicht, wie es im Kader aussieht. Aber was wir wissen ist, dass wir eine Wohlfühloase sind und auch bleiben sollten am Millerntor. Auspfeifen oder beleidigen wird die Jungs nicht weiterbringen. Und intern muss eben an diesem Zusammenhalt gearbeitet werden. Klar, das ist alles pfeifen im dunklen Walde.

– Don’t panic!

Noch ist genug Zeit und auch nach der Winterpause gibt es diesmal 17 Spiele, so dass wir doch mehr Zeit haben als in den letzten Saisons. Ja, es ist gerade alles Scheisse, aber wir haben immer noch nix verloren.

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Okt 222016
 

Ich sah zwei Tore. Sie standen auf dem Platz.

Ja liebe Leser, was will man eigentlich schreiben? Habt ihr schon mal versucht einem Nichtsportfan zu erklären, warum ihr da immer wieder hin geht? Oder wie weh es tut in Sandhausen in die Fresse zu bekommen?

„Du wirst hier heute verlieren; wirst dich wieder mal blamieren; hinten Tor um Tor kassieren; Voran FC St. Pauli“

Ja liebe Leser Sandhausen spielte Fußball der Marke Steinzeit. Elf Mann igeln sich ein und man hofft auf den Ballverlust und die Konterbewegung. Die nicht mal gut vorgeführt wird. Aber für uns reicht das. Der Höhepunkt der Unzulänglichkeiten ist ein Arschwackler der Marke „das funktioniert in der Freizeitliga nicht“. In der Freizeitliga vielleicht nicht. Bei uns schon. Bumm. Tor.

„OH ARMES OH ARMES OH ARMES ST PAULI GEWINNEN WIRST DU NIE“

Ja wir haben Ballbesitz ohne Ende aber Tempo Druck all das haben wir nicht. Erst als Ryo und Fafa kommen gibt es mal Spieler auf dem Platz die ein schnelleres Tempo wenigstens versuchen (!) Aber sonst? Jungs! Ja verunsichert, läuft nicht, alles klar. Aber dann tretet den wenigstens mit Macht die Kno äh den Rasen kaputt. Geht mit Blut im Mund raus. Macht. Irgendwas.

„Oh St Pauli wir folgen dir egal wohin, in 19 Stadien der dritten Liga sind wir dabei und singt die ganze Ultragruppe nur für dich, ja dann wirst du an diesem Tag der Verlierer sein“

Nach 60 Minuten stellten unsere Vorsänger den Support ein. Und das zu Recht. Keine Diskussion. Das sind ja keine Supportmaschinen und auch wenn man immer Details kritisieren kann (heute die Liedauswahl Anm. der Mitfahrerin: Nö!), so ist das Engagement der Jungs (warum sind das eigentlich nur Jungs auf dem Zaun?) echt toll. Diese Emotionen, dieses Feuer mal auf dem Platz.

„Hilfe blanker Fußballhorror; das ist unser St. Pauli; Zitterpässe Gegentore; Zweitligaspiel allesamt Fehlpassspiel und Ballverstolpler; keine Chance auf Raumgewinn; Hilfe blanker Fussballhorror; lala“

Wie nun weiter? Wisst ihr 2014 gab es irgendwie die einfache Antwort. Der Truppe damals fehlte jede Kraft und nach 20 Minuten war sie platt. Da ist es einfach dies zu ändern. Aber nun? Klar ein dominanter Mittelfeldspieler in der Winterpause muss her. Aber wie bekommst du sonst die Zitterfüsse wieder in Zauberfüsse?

Die Mechanismen des Geschäftes fordern schon wahlweise den Job des Trainers und/oder Sportdirektors. Das ist ja immer die einfache Lösung. Hat so etwas von „Verhaften sie die üblichen Verdächtigen“. Und wir wissen was das  in dem zitierten Film gebracht hat. Nix! Außer  einen schönen Titel für einen anderen wunderbaren Film. Aber während der Teufel die Welt davon überzeugen konnte, dass er nicht existierte, sind wir von dieser Lösung nicht überzeugt. Klar wir kennen das Geschäft lang genug um zu wissen was kommen kann und wahrscheinlich ohne drei Punkte gegen Nürnberg kommen wird, aber wer sind wir denn hier jemanden den Verlust seines Jobs zu wünschen?

Und so sitzen wir hier im ICE mit der Mannschaft (anderer Wagen) und dichten Lieder um. Aber so negativ wollen wir nicht enden. Sondern damit was uns aus der Krise bringen wird:

„WIR SIND OOOOOOOOOOOOOHHHH ST. PAULI!“


 

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Sep 232016
 
Liebe Freunde des braun-weißen Kicks. Fassen wir das Geschehen von gestern Abend schnell und griffig zusammen: 
Auf dem Platz
1860 ist garantiert eine der besseren Truppen dieser zweiten Liga. Die Ballsicherheit in eigenen Angriffen ist für die zweite Liga schon bemerkenswert. Und das bei einer hohen Geschwindigkeit. Das ist schon eine ganz andere Nummer als z.B. Stuttgart gegen uns, die auch schnell spielten, dabei aber häufig genug den Ball vergassen. 
Unsere Jungs haben jetzt 5 Punkte aus 6 Spielen. Das ist erstmal richtig Mist und in einer zweiten Liga, in welcher der Start viel ausmacht, nicht wirklich schön. Anderseits haben unsere Jungs auch 5 Punkte aus 3 Spielen, was sie in ein gutes oberes Drittel packen würde. 
Und da wir heute mal optimistisch sind, klammern wir uns an die letzten drei Spiele und nehmen die 5 Punkte aus diesen. Die nebenbei mit etwas mehr Fortune auch 9 hätten sein können. 
Was sich bei unseren Jungs auf dem Platz abspielte sieht nach einer kontinuierlichen Steigerung aus. Nach dem Tiefpunkt in Dresden werden unsere Jungs sicherer, stärker und griffiger. Wenn dieser Trend anhält, dann werden auch die Ergebnisse folgen. 
Man darf nicht vergessen: Trotz einer guten Leistung unserer Gäste benötigten diese einen zumindest diskussionswürdigen Elfmeter und einen Sonntagsschuss, um einen Punkt aus Hamburg mitzunehmen. Klar die hatten auch noch ein, zwei andere Chancen, und eine davon killte Himmelmann in absoluter Weltklassemanier, aber auch wir hatten noch unsere Abschlüsse, die leider nicht rein gingen. 
Und: Endlich mal Tore ohne Aziz. Nein, nicht dass wir ihm nicht 30 Saisontore und 40 Vorbereitungen gönnen würden, einer Unberechenbarkeit sind aber mehr Torschützen und Vorbereiter nicht ganz abträglich. 
Ach ja zu der angeblichen SobiechTätlichkeit und weiteren Szenen, welche die Presse heute Morgen aufgreift: Haben wir nicht gesehen, können wir nix zu sagen. 
Neben dem Platz
Sport 1 ist bei uns nicht wirklich gern gesehen, auch wenn die absurde Anstoßzeit Donnerstag am mittleren Abend besser ist als die „normale“ Anstoßzeit der 2. Liga in einer englischen Woche. Normal ist hier in Anführungszeichen gesetzt, weil wir uns nicht damit abfinden wollen, 17:30 als irgendetwas Normales zu empfinden. 
Trotzdem sind Sport 1Spiele gerne mal die lautesten am Millerntor. Und wir haben lange nicht so einen Druck von der Tribüne erlebt. Gerade auch in den letzten Minuten, als alle im Stadion noch mal den Siegtreffer hereinbrüllen wollten. 
Vor dem Spiel soll es noch Ärger mit Sechzig gegeben haben, was leider vorhersehbar war, da von Seiten der offiziell nicht mehr existenten SechzigUltras schon mehrfach versucht wurde, Stress zu finden. Dass dieses auf-dickeHosemachen einfach nur noch nervt sei wiederholt erwähnt. ALLE Fußballfans sollten sich mal fragen, ob das alles so notwendig oder ob nicht ein verbales gegeneinander hobeln mehr als ausreichend ist. 
Nicht wirklich aufzuklären war die spontane Fahnenumdrehaktion in der Süd. Wir wollen hier jetzt keine halbgaren Informationen weitergeben oder veröffentlichen, alleine schon wegen eines gewissen Persönlichkeitsschutzes, würden uns aber irgendwie ein internes „Meldesystem“ und Absprachesystem wünschen, damit eine breite sichtbare Solidarisierung im Fall der Fälle möglich ist. Aber das ist ein altes Problem, für das wir nun auch keine Patentlösung haben... Das ist auswärts, wenn alle in einem Block stehen, schon deutlich einfacher. Hoffen wir, dass die Situation sich aufgelöst hat. 
Eigentlich war unser liebster Glücksbringer aus MeckPomm anwesend, der eigentlich immer nur 1-0 Siege von uns sieht. Ja, der hängt sonst diesem komischen Verein aus der Landeshauptstadt an, aber gerade nach dem oben Gesagten sei erwähnt, dass man sich auch über alle Grenzen hinweg schätzen kann und sich über beide Vereine und das gemeinsam Erlebte von beiden Seiten unterhalten kann. Top Ebayer, komm immer wieder gerne vorbei. 
Und sonst? 
Ja, da gibt es so zwei neue BGH Urteile, und Ihr werdet auch an dieser Stelle noch eine Bleiwüste darüber lesen. Aber am 05.10.2016 ist unser Hausjurist erstmal beim Millernton und versucht, vielleicht ein bisschen Licht in das Dunkel zu bringen. Wer den Millernton noch nicht kennt: Das ist der Modepodcast vom Millerntor

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Sep 192016
 
Kurze Vorbemerkung: Ein Drittel dieses Blogs ist im Stress, ein Drittel sucht Gold da, wo plenty of Gold im Hamburger Veermaster besungen wird und ein Drittel hält die Fahne hier hoch. Daher danke an die externe Korrektur. Nun aber zu Karlsruhe: 
Liebe Leser, man ist ja schon so ein bisschen verrückt. Irgendwas um 1100 KM an einem Sonntag abzureißen, um 3 Uhr aufzustehen und ganz viel Geld auf Deutschlands Autobahnen zu verheizen. 
Aber wir sind so. Wir, die ungefähr 2.000 Leute, die sich im Karlsruher Gästeblock zum Gastspiel unseres FC einfanden. 
Wir, die drei Menschen und ein Teddybär, die sich um kurz nach 4 Uhr aus Hamburg auf dem Weg machten. Die musikalische Untermalung aus bekannter und bewährter Playlist und ein Mitfahrer, der nach eigenem Gefühl viel zu früh aufgestanden war. Und nein, dies war nicht der Teddy. Die anderen beiden Menschen warfen ihm erstmal ein freundliches „Fahr mal auswärts, Digga“ entgegen. 
Bis Karlsruhe rechnet man eigentlich mit einem Stau. Oder mit irgendwas. Aber was bekamen wir? Beste Bedingungen, eine freie Bahn und deswegen eine frühe Ankunftszeit. Nun gut, wird dann halt mit gutem Parkplatz belohnt. 
Und mit Hamburger Wetter in Karlsruhe. Es galt wieder der alte – und inhaltlich natürlich nicht ernst gemeinte – Spruch, dass über Hamburg die Sonne lacht und über Karlsruhe die ganze Welt. 
Viele Reisende hatten Karlsruhe in ihre Wetterapp aufgenommen, viele hatten es vergessen. So machte der mitgereiste Verkaufswagen des Modellabels mit Fußballabteilung einen ordentlichen Umsatz in Plastikregenponchos. Ratet mal, wer nun auch so ein formschönes Ding hat, weil er nur in der Fanladen-Collegejacke angereist war? 
Die Internet-Twitter-laberGang traf sich, laberte und ließ die Zeit verstreichen, denn so spannend ist es im Stadion nun auch nicht. Selbst hartgesottene „wenn das Stadion auf ist, dann gehe ich sofort rein“Dogmatiker fanden erst 50 Minuten vor dem Spiel ihren Weg ins Stadion. 
Wisst Ihr, woran man sieht, dass man zuviel auswärts fährt? Wenn man in Gästeblöcken Stammplätze hat. Wir gaben unseren aber diesmal auf und stellten uns an den Stammplatz der Veteranen. 
Das Wildparkstadion ist aus der Zeit gefallen. Große unüberdachte Kurven, eine ehemalige Laufbahn, die aber auch nicht mehr gepflegt wird, und sanitäre Anlagen, die schon 1970 alt waren. Die Stadiondiskussion in Karlsruhe ist eine äußerst komplexe, aber mit der Kiste wird man keinen Blumentopf mehr gewinnen können. Das schlimme daran ist, dass es trotzdem mal wieder eine Abwechselung zu diesen ganzen gleich aussehenden Kisten der Neuzeit darstellt. 
Als so 40 Minuten vor Anpfiff vielleicht 3.000 der späteren 14.000 Zuschauer ihre Plätze eingenommen hatten, war unser Blick von Tristesse geprägt. Man stelle sich mal 14.000 Zuschauer in einem engen 28.000 Personen Stadion vor. Das rockt irgendwie mehr. 
Das war auch so ein bisschen die Befürchtung vor dem Spiel. Wenn es etwas an unseren Jungs in den letzten 1,5 Jahren zu bemängeln gibt, dann dass sie in so leeren Stadien nicht so gut funktionieren als wenn alles brennt. Aber zum Spiel später. 
Viel Interaktion mit dem Heimblock passiert in Karlruhe nicht, da dieser weder in Hör- noch in Sichtachse steht. Mögen die Jungs und Mädels da drüben richtig wild abgehen, so richtig mitbekommen tut man dies im Gästeblock nicht. Nur das eher routinemäßige „Scheiß St. Pauli“ war zu hören. Zitat: „Haben sie das auch von der to do Liste abgehakt.
Sowieso ist die Beschallung der Hamburger Ohren in diesem Stadion gewöhnungsbedürftig. Es ist ja schön, wenn man zweimal AC/DC bekommt, aber sorry liebe Badener, dieses Badenerlied ist sowohl inhaltlich als auch musikalisch akustische Körperverletzung. Man muss sich echt wundern, dass dieser fragwürdig rückwärts gewandte lokalpatriotisch überhöhte Text so kritiklos mitgesungen wird. 
Die Mannschaftsaufstellung des Gastes wird dann von der Trauerhilfe Stier präsentiert. Dieser doch etwas makabere Gag ließ uns dann aber schon wieder lachen. 
Kommen wir zum Spiel. Es lässt sich eigentlich in einem Satz zusammen fassen: Machst du sie vorne nicht rein, kommen sie halt hinten rein. Ganz einfach. 
Ja, unsere Chancenauswertung war mehr als schlecht. Unser einziges Tor wurde durch dankende Mithilfe der Karlruher Hintermannschaft erzielt. Lustige Nebengeschichte: Als der Verteidiger gerade zum Torhüter spielen will, brüllt hinter uns jemand „Mach uns den Golz“ und schon machte der Torhüter den Golz. Für die Jüngeren unter euch: Golz verhalf uns mal durch einen eleganten Fehler zu einem späten Derbyausgleich.
Danach war Karlruhe mausetot und unsere Jungs spielten Chance auf Chance heraus. Aber eine Mischung von Unvermögen, Unsicherheit und Unglück sorgten dafür, dass der Karlruher Torhüter ungefähr 5 mal sich nicht bewegen musste und trotzdem den Ball hielt. Ausgleichende Gerechtigkeit?
Und so kam es, wie es kommen musste: Eine halbwegs gelungene Aktion, ein Schuss, 1-1. Hornschuh war da schon sehr selbstkritisch, passiert. Man spielt halt nicht immer zu Null.
Nun sehen wir es aber mal positiv. Der FCSP hat es eigentlich in seiner DNA, genau solche Spiele gegen einen Gegner, der mit dem Rücken zur Wand steht und bis zum Ausgleich wirklich schlecht spielt, noch elegant zu verlieren. Das passierte nicht. Nach einer weiteren Chance für Karlsruhe bekamen die Jungs das Spiel wieder in den Griff und hatten auch noch Chancen auf das 2-1. Das fanden wir gut. 
Und so muss man dann einfach auch mal ein 1-1 mitnehmen. Wir sind halt nicht Bayern München, deren Stürmer ungefähr 99 Prozent aller Chancen rein machen. Und eine gewisse Verunsicherung ist bei unseren Jungs halt auch immer noch zu spüren. Und da nimmt man doch ein Unentschieden, bei dem die anderen Statistiken wie Chancen, Ballverluste etc. in die richtige Richtung zeigen, als positiven Zwischenschritt mit. 
„Ja, aber das war gegen einen schwachen Gegner!“ werden nun die dauernden Nörgler sagen. Also einmal ist ein Gegner immer nur so stark, wie man ihn macht. Und gerade gegen Braunschweig haben wir diese sehr stark gemacht mit unserem eigenen Spiel. Und zum anderen ist der Abstand in Liga 2 eben nicht so groß, dass man jemanden einfach so weg haut. Das macht die Liga doch auch spannend. 
Wir haben in 5 Spielen bisher weder ein Team gesehen, das uns deutlich überlegen ist, noch kein Spiel, in welchem wir deutlichst überlegen waren. Das ist für die Spannung doch nicht schlecht. BayernFans wissen, was sie bekommen, wenn sie ins Stadion gehen wir nicht. 
Lange Rede, kurzer Sinn: Mundabwischen und gegen 1860 wieder alles reinwerfen und weiter Punkte sammeln. 
Noch ein paar Worte zum drum und dem Herum. 3,50 für schlecht geschenkte 0,4 Liter Wasser sind akute Landräuberei, lieber KSC. 
Die Stimmung im Gästeblock war schlecht. Viel zu geringe Mitmachquote, viel verebbte im Nichts. Und doch war sie für Karlsruher Verhältnisse gut. Ja, das klingt jetzt Paradox, aber so war es. 
Es schrieben auch (mensch wir vergessen das viel zu oft):

  

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Aug 222016
 

Leute, dieses Pokalding ist ja eigentlich nicht so unser. Statistisch sind wir zwar „nur“ 14 mal bei 30 Versuchen in der ersten Runde gescheitert. Dies ist jedoch nicht wirklich eine gute Quote, wenn man bedenkt, dass wir meistens der deutlich Klassenhöhere waren. Sagen wir es mal so: Die Quote von Bayern ist garantiert ein bisschen besser.

Das Losglück wollte es aber, dass wir nach Lübeck durften. Und so schön ja all diese überdachten Arenen sind, so schön ist es mal wieder ein richtiges Oldschool-Stadion zu sehen.

Die Anreise unserer Vertretung war einmal sehr spontan, einmal sehr geplant. Die geplante Reise wurde aber eine doch sehr spannende Angelegenheit, da Schleswig-Holstein eine einzige Baustelle ist. So waren wir am Ende in solchen Orten wie Klein Gladebrügge. Was will man eigentlich mehr? Spontan mit dem Zug fahren ist hingegen ganz angenehm. Zumindest wenn man die Polizei ein wenig hintergeht und sich in den fast menschenleeren Waggon setzt, der von staatlicher Seite für Heimfans ausgelegt war. „Die Lübecker erkennen Sie an den grün-weißen Sachen. Wenn Sie Hilfe brauchen, können Sie ja zu uns kommen“, sagte ein Beamter.

Nun gut, irgendwann waren wir in Lübeck, stehen da am Kreisel und warten auf den Marsch. Zu viert, daher noch neutral, denn ganz ehrlich: Wenn man zu viert ist und nicht wirklich so die Streetfighter-Qualitäten hat, dann verhält man sich so. Mit uns stehen da noch ca. vier andere Leute. Lübecker oder wer auch immer. Der Marsch kommt, schweigt, bleibt stehen, guckt in unsere Richtung und brüllt „Lübecker Arschlöcher“. Damit war dann das Niveau für diesen Abend bestimmt. Mal ehrlich Leute, wann sind wir eigentlich auf dieses Pimmelfechten der gegenseitigen niveaulosen Beleidigungen abgebogen? Ich mein, Lübeck ist echt nicht die hellste Kerze am Weihnachtsbaum (zu allem anderen siehe den Bericht des Übersteigers), aber muss man sich dann gleich auf dieses Niveau begeben? Und das bei einer Gruppe die zu 50 % aus FCSP besteht?

Ansonsten gab die Stadt sich provinziell. Traurig das leider. Bei Twitter wußte auch niemand eine Antwort auf die Frage, wann Lübeck eigentlich jegliche kulturelle Relevanz verloren hat und nur noch nostalgisch verklärter Kitsch geblieben ist. In der Weimarer Republik war Lübeck noch ein Zentrum kulturellen Lebens und heute stehen die EinwohnerInnen an den Fenstern und begutachten den Marsch, so wie man es eher in Sandhausen oder Heidenheim erwartet. Welch ein Treppenwitz der Geschichte wäre es, wenn die in der Heimkurve heißgeliebten Nationalsozialisten letztlich die Stadt in die Bedeutungslosigkeit getrieben hätten!

Zurück zum eigentlichen Spiel. Der Eingang zum Gästeblock erwies sich als ordentliches Nadelöhr und neben genauen Kontrollen war da auch eine gewisse Überforderung Grund. Mal ganz ehrlich: Wir sind nun garantiert niemand der Pyro ablehnt. Und wir amüsieren uns immer wieder, dass genau dann gezündelt wird, wenn am Eingang die super derben Kontrollen aufgefahren werden und Polizisten mit Sturmhaube und Helm auf (!) diesen Eingang sichern. Trotzdem darf man hier mal die „Muss es wirklich so sein?“-Frage stellen. Dies als Teaser für später.

Wir wissen ja nicht viel über Sicherheit und Fluchtwege und so, aber bei einem vollen Gästeblock den Getränkestand so zu stellen, dass seine Schlange mitten im Hauptfluchtweg steht, das kann nicht im Lehrbuch für Sicherheit stehen. Das vier Verkaufsleute für 2.200 durstige Gästefans mehr als zu wenig sind, war jedem außerhalb Lübecks klar.

Nun denn, im Block ging man zu den förmlichen Begrüßungen über, die sich auf ähnlichem Niveau wie oben dargestellt bewegten. Wann haben wir eigentlich jegliche Hemmungen verloren uns da mit in die Niveauspirale nach unten zu begeben? Haben denn alle schon die Zeiten vergessen, als wir noch Mentalitätsbananen in den Volkspark schicken wollten und infantilen Lübeckern eine Prise Stil wünschten? Mentalität und Stil erscheinen immer mehr als Fremdwörter, wenn man das so betrachtet.

Immerhin sorgte die Rauten Sexmachines (so zumindest seine Zaunfahne) für Erheiterung mit seiner Fahne und seinem Rumgeprolle neben dem Gästeblock. Was aber echt Abzüge im Style gibt war, dass sein Rautentrikot nicht die Rückennummer 69 hatte. Wenn schon dann konsequent. Die Zaunfahne wurden übrigens nach wenigen Sekunden von Ordnern entfernt. Aber er ist sicher der Typ Fußballfan, der auch die ganzen gruseligen deutschsprachigen Party-Fußball-Songs zuhause im Regal stehen hat, die im Stadion angehört werden mussten und gegen die sich jedes ästhetische Empfinden sträubt.

Die Stimmung war eher so naja und auch das Spiel auf dem Rasen kam über das Niveau eines netten lockeren Trainingsspiel selten hinaus. Dass man als Profiverein Probleme hat, in solchen Spielen eine gewisse Intensität zu erreichen, ist geschenkt, aber auch Lübeck entwickelte nie irgendeinen Pokalfight. Was aber auch daran lag, dass nie irgendwas wie eine wirkliche Stimmung aufkam. Im Heimblock sang man Schmähgesänge gegen den FCSP und auf der sonstigen Tribüne träumte man von Marzipan. Wieviel Dampf entwickelte gerade die neue Haupttribüne früher bei Spielen gegen den FCSP? Nicht im Sinne von Dauersupport, aber da klingelten die Ohren vom bepöbeln. Auch wenn im Gästeblock wenig verständlich war, erzählten „Zecken“ (die trotz aller Ankündigung nicht verwiesen wurden!) aus dem Heibereich später, dass rechtsextremen und antisemitischen Repertoire nicht viel fehlte. Nicht wirklich verwunderlich, traurig trotzdem. Provinzialität und so.

Kommen wir zum Pyro. Irgendwie steht bei uns Pyro für Feuer, für Energie, für Emotionen. Aber wenn man bei einem Buchmacher getrost 1.000 Euro darauf setzen kann, dass beide Seiten zündeln werden und dies auch teilweise komplett unabhängig von Spielgeschehen passiert, dann nutzt sich das ab. Es fehlt dann genau diese Emotion und irgendwie auch der Nervenkitzel, das Adrenalin. Und mal ganz ehrlich liebe Lübecker, diese „wir schmeißen Kram auf den Platz“ Nummer, die macht man entweder so konsequent, dass das eine „Sieg oder Spielabbruch“ Nummer wird, oder man lässt es.

MagischerFC VFB Lübeck FC St. Pauli August 2016 Pyro

Weiterhin nervt es, dass es bei Pyroaktionen immer ein paar Trottel gibt, die nicht wissen, dass es auch hier einfach Grenzen gibt, die man auch aus guten Gründen einhalten sollte. Und dazu gehört es diese komischen Leuchtraketen/Leuchtstifte/Leuchtkugeln, was auch immer das für Dinger waren, zu Hause zu lassen. Weil man die in einer sich bewegenden Menge eben nicht kontrolliert abschießen kann. Und dann gehen die flach weg und in einen Block. Und da gehen wir jetzt mal davon aus, dass niemand absichtlich auf den Polizeiblock gezielt hat. Auszuschließen ist dies natürlich auch nicht. Aber Leute, da stehen auch unsere Rollis und ihr seid alle nicht Olympiasieger im Schießen. Also lasst es einfach. Mal ganz davon ab: Wenn die BFE Eutin soviel Bock gehabt hätte, wie bei anderer Gelegenheit, wäre ein flächendeckendes Pfeffer für alle passiert und das ist auch nicht wirklich schön.

MagischerFC VFB Lübeck FC St. Pauli August 2016 Polizei

Nach dem Spiel 30 Minuten Blocksperre wurden angekündigt, dann aber nicht eingehalten. Der Sinn dieser organisierten Freiheitsberaubung wird sich uns nie erschließen, denn weder sind dann alle Leute von Heimseite abgezogen, noch bringt es sonst irgendwas.

Noch was zur Mentalitätsbanane? Wann genau ist es eigentlich cool geworden sich wie 80er Jahre Hooligans zu kleiden und einen auf klandestine Gruppe zu machen? So mit „ey hier stehen wir schlecht, wenn noch was gehen soll, lass uns mal in die Büsche“ (sinngemäßes Originalzitat). Und dass diese Gruppe ordentlich riesig geworden ist bei uns, lässt auch ein Fragezeichen in unserem Gesicht.

Man muss aber auch erwähnen, dass nix mehr passierte und so die besondersten Vorkommnisse eine geworfene Mateflasche blieben. Nun gut. Auch die Polizei verhielt – sofern für uns übersehbar – in den meisten Situationen vergleichsweise besonnen. So war auch der Großteil des Rückwegs zum Hauptbahnhof absolut entspannt. Ein auch sehr witziges Bild waren die langen Schlangen, die sich vor den Getränkeautomaten an den Bahnsteigen bildeten um noch was zu trinken und Müsliriegel zu bekommen. Um Freitag Mitternacht hat in Lübeck nämlich auch nichts mehr auf bis auf die Filiale einer Kette, die nicht gerade für ethisch vertretbares und delikates vegetarisches Essen bekannt ist. Auch während der Heimfahrt herrscht nicht gerade Feierlaune. Ganz ehrlich, hier mussten wir gewinnen. Mal sehen, wer als nächstes kommt. Unser Tipp: Mittwoch Abend nach Stuttgart.

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Aug 032016
 

Aus gegebenen Anlass heute mal ein kleiner Zwischenruf:

Wie ihr bei den hochgeschätzten Straßenbloggern im Detail nachlesen könnt, ist ein Journalist einer nicht sehr beliebten Zeitung erneut in Klamotten aufgelaufen, die äußerst zweifelhaften Kreisen zuzuordnen sind. Und wir formulieren ab jetzt bewusst vorsichtig und zurückhaltend. Auch weil wir eben nicht diese komische Zeitung sind.

Die Betonung liegt hier auf „erneut“, weil schon vor einiger Zeit ein Vorfall ähnlicher Art von Fans dokumentiert wurde. Es entzieht sich unserer Kenntnis, was damals vom Verein (von der Pressestelle, von wem auch immer) mit dieser Person (oder seiner Redaktion) besprochen wurde. Geht uns im Notfall auch nix an.

Nun also erneut so eine Klamottenwahl. Wir verlangen von niemanden, dass er jede Klamotte kennt, die gerade bei Hooligans, Nazis und anderen finsteren Personen in Mode ist. Das mal vorab. Anderseits ist es ja auch so, dass diese ganzen Klamotten so aussehen und so gestaltet sind, dass sie angeblich „harten Jungs“ gefallen und sie in diesem sehr zweifelhaften Umfeld, produziert, vertrieben und getragen werden. Anders gesagt: Man bekommt so etwas nicht einfach mal so bei C & A. Thor Steinar sollte jetzt auch der letzte Trottel mitbekommen haben, aber bei Yakuza hätten wir auch eher gesagt, dass diese Marke doll nach Türsteher, Muskelprotz, Bodybilder und Hooligan aussieht und daher eher zweifelhaft ist, als dass wir sicher gesagt hätten „beliebt bei Neonazis“. Wobei diese ganze Türsteher- etc. Szene für uns schon eklig genug wäre, um so einen Schund nicht anzuziehen.

Daher ist zumindest eine Sache beweisbar: ein Hang zu hässlichen Klamotten aus hässlichen Umfeldern.

Was im Kopf so eines Menschen vorgeht, das wissen wir nicht. Vier Erklärungsmuster gibt es.

  1. Er ist extrem unsensibel und einfach unfassbar dumm, was die Klamottenauswahl angeht.
  2. Er hat einen Hang zu der „harten Jungs“ Szene, denn nur in diesen Shops bekommt man so einen Kram.
  3. Er ist überzeugter Neonazi.
  4. Er weiß schon ganz genau was er da trägt und will provozieren.

Können wir nicht wissen und wir wollen auch nix unterstellen. Wir sind eben keine Zeitung mit vier Buchstaben.

Aber was wir wissen, ist, dass ein Mensch mit solcher Vorliebe für diese Klamotten nix beim FCSP zu suchen hat. Alleine schon weil unsere Stadionordnung natürlich auch gegenüber Pressevertretern gilt. Und diese in diesem Punkt bewusst allgemein und deutlich formuliert ist. Nun wollen wir – bei aller Sympathie für diese Forderung – nicht gleich schreiben „Schmeißt die Blöd raus und alle ihre Reporter“, aber bei aller Pressefreiheit könnte auch diese Zeitung mal überlegen, ob sie nicht noch irgendeinen jungen Reporter hat, der besser zu uns passt. Und vielleicht kann der Verein diesen Gedanken in aller angemessenen Form unterstützen? Informiert sind die zuständigen Stellen bei unserem liebsten Verein und man wollte das „prüfen“.

Und für den Herren gibt es doch garantiert andere Aufgaben im Konzern Axel Springer. Wie wäre es mit Hauptarchivar? Da werden Klamotten wenigstens schnell dreckig.

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Jul 152016
 

Worte vor den Worten

Gestern war die Pressekonferenz zur Trikotvorstellung und wie es langsam gute Praxis ist, wurden neben der versammelten Presse auch Blogger eingeladen.

Empfangen wurde man im Vorraum der Geschäftsstelle, wo Under Armour (UA ab jetzt) aufgefahren hatte. So reichte man kleine Cocktailhappen. Ein Vorgeschmack auf das, was man wohl so ein bisschen mit Clash of cultures beschreiben kann. Klar, das ist ein leeres Stichwort und sehr plakativ, aber wir wollen es trotzdem mal benutzen.

So richtig denkt man beim FCSP ja immer noch nicht an Cocktailhappen und hochwertiges Fingerfood. Aber nun gut. Das ist ein Sponsor und der will sich damit natürlich auch ein bisschen wohlwollende Presse erkaufen. Das ist aus unserer Sicht vollkommen legitim, aber man muss das eben auch werten können.

Die Kampagne

UA hat die ganze Kampagne unter das Stichwort „Welcome hell“ gestellt. Warum man hier das „to the“ weggelassen hat, wissen wir nicht, es waren auch auf dem Podium keine Nachfragen vorgesehen, sonst hätten wir mal gefragt. Kann natürlich rechtliche, inhaltliche oder auch werbetechnische Gründe haben. Diese Sponsorenschlagwörter existieren, man kann sie nervig finden, man muss sie aber wohl als Realität hinnehmen. Sie müssen einen ja nicht ansprechen. Und besser als „First never follows“ ist das definitiv.

Oke begrüßte den Mob (Achtung: Alle Zitate bitte mit Vorsicht, weil wir nur ganz schnell mit-geschrieben haben und Fehler absolut nicht auszuschließen sind. Einen unserer Fehler korrigierte Oke gestern schon per Twitter, danke dafür. In Klammern ein paar Anmerkungen von uns.) mit den Worten, dass dies unsere Heimat sei (war das so eine kleine Spitze gegen die Happen?) Dies sei eine Partnerschaft wo man sich auch in einigen Dingen gegenseitig herausfordern würde. (Für einen reinen Werbetermin wurden die gewissen Zweifelsfragen die man bei UA haben kann doch relativ deutlich und offen angesprochen. Das gefiel.)

Gehen wir durch den Gang

Das Programm startete mit einer Führung durch einen massiv umgestalteten Kabinengang. Ach ja, wir verzichten jetzt mal größtenteils auf Fotos, die findet ihr viel besser auf der offiziellen HP und in der Presse.

Man hat nicht nur Heim- und Auswärtskabine getauscht, was einem Wunsch der sportlichen Leitung entsprach, sondern man hat auch den Kabinengang umgestaltet. Sven Brux erläuterte dieses und meinte, der Gang hätte vorher ja den Charme eines UKE (Universitätsklinikum Eppendorf für die Nicht-Hamburger) Kellerganges gehabt. Nun sei das mehr St. Paulimäßig. Man habe das sowieso umgestalten wollen und da UA sich dort auch habe präsentieren wollen, hat man das gemeinsam gemacht. Dann wären die Werber gekommen und hätten einige crazy Ideen gehabt, die man auch teilweise hätte wieder einfangen müssen, weil es gewisse Vorgaben bei Laufwegen und ähnlichem gäbe.

Ja will so man nun den Kabinengang beschreiben? Schwarz, auf der linken Seite ein „I will“ (als Trademark gekennzeichnet) und darum Unterschriften unserer Spieler. Das ist natürlich SEHR amerikanisch, wo solche Motivationssprüche im Kabinengang bei Sportteams die Regel und auch eine lang gepflegte Übung sind (in Europa fällt uns gerade spontan nur das „This is Anfield“ Schild als Klassiker ein.), es sollen dort weitere Spielerunterschriften über die Jahre gesammelt werden. Dann viele Künstler, die sich an der Wand verewigt haben. Sven Brux sprach von einem Drogentrip („Wobei ich natürlich nicht weiß, wie sich das anfühlt“, fügte er unter Gelächter hinzu) und das trifft es schon sehr gut. Letztendlich ist ein dreidimensionaler Totenkopf aufgebracht, der in die Mix-Zone endet. Diese ist nun wie ein Bolzkäfig (das ist nicht unsere Beschreibung, sondern die von Brux benutzte, unsere Assoziation war eher Kaiserkeller, der sah mal ganz früher so aus, wie unser Opi sagte) gestaltet. Gitter und Metall prägen das Bild. Auch der Spielertunnel hat nun eine entsprechende Optik und ist aus Metall und auch hier ist ein dreidimensionaler Totenkopf verewigt.

Hm. Ja, ganz nett. Wie immer auch sehr Geschmackssache. Diese Spielertunnel mit dem Charme des UKE haben natürlich auch irgendwie was bodenständiges, nicht vermarktetes, ursprüngliches. Aber anderseits ist schwarz, Metall und Totenkopf natürlich auch eine nette Optik.

Wie UA sich sieht

Im Spielertunnel dann die Pressekonferenz. Geleitet von Sascha Bandermann (Sky), was wir erstmal erstaunlich fanden, dass man für so etwas einen externen Moderator engagiert. Aber nun gut. Das ist halt eine Show. Ob eine solche Show für eine Trikotpräsentation notwendig und angemessen ist, sei mal jedem selbst überlassen.

Natürlich folgte nun kein journalistisches Interview, sondern Sascha Bandermann betätigte sich als eloquenter Stichwortgeber. Das machte er selbst nicht extrem anbiedernd, sondern sachlich und elegant. Und machte über seine Rolle noch kleine Witzchen. Dazu noch in einem sehr flüssigen gutem Englisch.

Es gab erstmal ein Werbefilm über UA, der halt amerikanisch war. Freunde des gepflegten Antiamerikanismus werden hier Millionen Angriffspunkte finden (wie in ganz vielen anderen Dingen), ist definitiv nicht unser Ding. Der Film, aggressiv geschnitten, ganz viel Training und „work hard“-Ethos und ganz viel „winning“ und „Team“ etc. Auch sehr amerikanisch, was jetzt keine inhaltliche Abwertung ist, sondern eine rein sachliche Feststellung. Da muss man sich nur die Social Media Auftritte von Amis vs. Europäern angucken. Bei den Amis wird dieses „work hard“ vielmehr nach vorne geholt, als bei den Europäern. Das heißt nicht, dass die nun weniger arbeiten, es wird halt anders verkauft. Und ist natürlich jetzt nur unser subjektiver Eindruck. Dazu wurde die Marke immer als „young“ und „agressiv“ dargestellt und diese Stichworte zogen sich durch die Präsentation. „Make athletes win“ ist so ein anderer Spruch. Das dann relativ schnell gesagt wurde, das würde ja von der „Marke“ zum FCSP fassen, lies uns ob der ja bekannten sportlichen Erfolge des FCSP doch ein bisschen schmunzeln. UA empfindet sich aber als anders und will sich auch so ein bisschen als kleiner, schneller, aggressiver Konkurrent zu den Schwergewichten der Branche präsentieren. Das passt dann natürlich schon zum FCSP.

Die Erfolge nun runter zu reissen, die UA Athleten in den USA erreicht haben, sparen wir uns mal. Der für europäische Ohren wahrscheinlich bekannteste Athlet ist Steph Curry, aber auch Bryce Harper (BÄÄÄÄH sagt unser Baseballexperte) und andere Superstars des amerikanischen Sportes.

Danach sagte Chris Bale (Europachef UA) ein paar Worte (auf englisch, so dass hier die Zitate bitte noch mehr mit Vorsicht zu genießen sind). Er begrüßte die Leute mit „Moin Moin“ und sagte dann, dass dies sein ganzes Deutsch sei (Okay, der weiß wie er Leute begeistert). UA sei 20 Jahre als, der Gründer habe College Football gespielt und damals gab es noch nicht mal Kompression Unterwäsche. Dies habe er dann entwickelt und habe damit Freunde und Teamkollegen ausgestattet, da sein College Team sehr gut gewesen sei und 10 Spieler in die NFL gekommen sei, habe sich die Marke schnell rumgesprochen und damit sei der Beginn gelegt. (Ob dieser Gründungsmythos stimmt, ist wie bei allen Mythen um Gründungen schwer zu sagen, lassen wir mal so stehen).

Man habe vor zwei Jahren begonnen eine Europastrategie zu entwickeln und sei dann schnell auf den FCSP gekommen, weil man „something different“ gesucht habe. Man habe etwas gesucht, was man den US-amerikanischen Direktoren, die keine Ahnung haben von Fußball habe verkaufen können. Als erstes habe man in Europa Memphis Depay unter Vertrag genommen, der sei „our kind of athlete“ er sein nicht der talentierteste, aber würde hart arbeiten. Gleiches wurde über Andy Murray gesagt. Lustigerweise wurde als Fußballer auch Tah genannt.

Danach habe man Vereine gesucht und auf Southampton und St. Pauli gestoßen. (Wo die Gemeinsamkeiten dieser beiden Vereine sind, könnt ihr mal versuchen zu ergründen. Uns ist das unklar.) Was aber hier von allen betont wurde und wohl auch richtig ist UA ist wohl frühzeitig und aggressiv auf den FCSP zugekommen. Das ist wohl eher ungewöhnlich in diesem Geschäft.

Man habe dann über Weihnachten abgeschlossen. Lustig: Das ganze wird mit einem Foto des Bunkers mit Pyro (ihr erinnert?) unterlegt und Chris Bale spricht von „our kind of communication“. Ich hoffe der FCSP hat eine Klauseln drin, dass die ab jetzt die Pyrostrafen zahlen, dann liefern wir denen gerne noch ein bisschen ihrer Art der Kommunikation. 😉

Insgesamt sei es ein „perfect match“

Man wolle dem Team helfen zu gewinnen (wir lachen), dies nicht nur über Textilien, sondern auch über die geplanten und schon vorhandenen Apps. (Zur Erklärung: UA hat auch so ganz viele Fitness Tracker und Fitness Seiten im Angebot und will das alles mit dem reinen Textil vernetzen (sic!) und alles in einem anbieten.) UA hat Fitnessplattformen mit ungefähr 160 Millionen Nutzern weltweit. U.A. auch 20.000 in Hamburg, was ein guter Start sei. Die Genderbalance sei 50/50 (wir könnten nicht so richtig erahnen, ob nun weltweit oder in HH), was sehr ungewöhnlich für solche Seiten sei und toll. (Das so etwas in den Vordergrund gestellt wird, ist auch sehr amerikanisch, wo Firmen zumindest in ihrer Präsentation so etwas wie Gender Gleichheit hoch halten.)

In der Zukunft wolle man, dass bei einem Fitnessnetzwerk an UA gedacht werde, so wie man bei Social Network an Facebook denke.

Er fragte dann die Leute, ob sie wüssten, was ihre Blutgruppe sei. Es gingen vielleicht zwei Arme hoch. Und er sagte dann, dies sei normal, die Leute wüssten mehr über ihr Auto, als über ihren Körper. Dies wolle man ändern. (Jo, der Junge kann sich und die Idee seiner Firma verkaufen, das muss man absolut ihm lassen.)

Was wir als nervig empfanden: Man hatte natürlich ganz viele Helfer engagiert, die sich um die Gäste kümmerten und die hier auch als Stichwortklatscher fungierten. Das ist in einer Pressekonferenz eher komisch.

Mehr als ein Sponsor?

Als Willkommensgeschenk bekam dann Oke ein Modell des neuen Gitterraumes überreicht, was er nach eigenem Bekunden in das Museum bringen werden. Oke selber überreichte ein Refugees Welcome-Shirt.

Oke sagte dann, das dies mehr als ein Sponsor sei, man wolle Ideen miteinander anschieben und sei im direkten Dialog miteinander soziale Projekte anzuschieben und habe dafür auch einen eigenen Etat im Vertrag. (Auch dies ist gerade im US amerikanischen Sport absolut Gang und Gäbe.) Details wurden nicht erläutert. (Und natürlich muss man auch abwarten, ob und was sich aus diesen Worten entwickelt. Erstmal sind das nur leere Ankündigungen. Ob die dann mit Inhalt gefüllt werden oder ob man in drei Jahren enttäuscht getrennte Wege geht wird sich zeigen.)

Man habe von einem Sponsor einen so umfassenden Support noch nicht erlebt, dies werde die Spieler auch körperlich besser machen.

Weiterhin habe man vereinbart ein Budget für Nachwuchsspieler zu haben, die man (wie später Rettig ergänzte) so auch hofft an den Verein binden zu können. So nach dem Prinzip „ihr bekommt hier zwar nicht die riesige Kohle, aber die geilste Ausrüstung und Unterstützung“. Auch dieses Budget sei außergewöhnlich, meinte Oke, er habe da auch mal in die Historie der Ausrüsterverträge geguckt.

Man war mit 16 Leuten bei UA (wir verstanden erstmal 60, man entschuldige unser Roggnrollgehör) gewesen, Vertretern von Fanszene, AFM und Amateurabteilungen. Man habe da unterschiedliche Blickwinkel gehabt und auch Dinge kontrovers diskutiert. „Wir haben uns nicht nur gegenseitig auf die Schultern geklopft“. Man habe auch Sachen gegenüber UA kritisch hinterfragt. (Was genau und ob es da nach einer Ansprache auch Bewegung bei UA gibt, wurde nicht gesagt.)

Dann wurde noch die Mannschaft zugeschaltet, so ein bisschen so getan, als ob live, war natürlich nicht live. Unsere Aufzeichnungen dazu lesen sich wie folgt: „blablupp“. Einzige Aussage, die bei uns hängen blieb „das ist schön eng, da ist man nicht so gut zu greifen“. Worauf Spieler so achten. Welcher Spieler da was gesagt hat, war von unserem Platz nicht so schnell mitzuschneiden, wenn wir es richtig gesehen haben, hatte man Lasse, Schnecke, Bernd da platziert, aber unsere Sicht war relativ eingeschränkt.

Danach wurde dann die Optik präsentiert, habt ihr gesehen, Rettig sagte, man habe vom Verein eher schlicht gewollt und habe dies auch verwirklichen können. Geschmacksdiskussionen könnt ihr im Forum führen.

Danach gab es noch eine Führung durch die Millerntor-Gallery und eine „After Show Party“ im Ü&G, wir mussten jedoch aufgrund anderer Termine dies ausfallen lassen.

Bleibt nur noch eines zu erwähnen: Es gab für jeden ein Trikot mit Wunschbeflockung (immerhin ein 75 Euro Gegenwert), was wohl auch ein relativ simpler Versuch ist Sympathie zu erkaufen. Nun können wir lange über unmoralisch diskutieren, aber hey, wer schlägt schon ein geschenktes „Kalla“-Trikot aus? Wir und der hochgeschätzte Übersteiger Frodo nicht.

Der subjektive Stofftest sagt, dass das relativ dünner, angenehm sich anfühlender Stoff ist. Die Größe L passt unserem Längsten (1,90) und Dicksten (wir schweigen hier über Daten), ist dann immer noch sehr lang, aber auch eng.

Das zur Dokumentation der Vorstellung. Falls ihr Tippfehler oder ähnliches findet, dann be-haltet sie einfach. Wir haben das jetzt für eure Info ganz schnell zwischendurch runtergetippt, so dass es natürlich ein bisschen fehlerhaft sein kann.

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Apr 292016
 

 

„Auch durch Platz 4 wird kein Milch und Honig fließen“

In so einem Fußballverein ist es eine besondere Kunst das Gleichgewicht zwischen Transparenz und Betriebsgeheimnis zu finden. Der FCSP versucht dieses Gleichgewicht herzustellen, in dem er mit Presse, Funk und Bloggern regelmäßig Gespräche vereinbart, die mal ab vom offenen Mikrofon stattfinden und die auch über das Tagesgeschäft hinaus gehen sollen. Vielen Dank an den FCSP, dass er hier Blogger genauso wie die Presse behandelt.

So ein Gespräch fand letztens wieder statt und führt zu diesen allgemeinen Überlegungen über den FC St. Pauli.

Zum Zeitpunkt, wo diese Zeilen geschrieben werden, sind wir auf dem vierten Platz in Liga zwei. Der letzte Platz, der zum Ligaverbleib zwingt oder berechtigt. Je nachdem wie man das gerne sehen möchte. Wir machen kein Geheimnis daraus, dass in diesem Blog eher ein „zwingt“ gesehen wird und wir schon gerne mal wieder Bayern München schlagen würden.

Wenn man so auf Platz 4 steht, dann könnte man relativ schnell zu der Idee kommen, dass man ja eigentlich „nur“ ein paar Verstärkungen braucht, um dann Platz 3 oder 2 zu erreichen. Man investiert also kurzfristig in die Mannschaft um aufzusteigen und an die Töpfe der 1. Liga zu kommen. So wird es immer wieder gerne vertreten und das ist ja auch relativ naheliegend.

Aus diversen Faktoren ist das natürlich nicht ganz so einfach. Es ist schon deswegen nicht so einfach, weil nicht jeder Transfer sofort einschlägt. Gerade der FCSP hat mit der Zahlung hoher Ablösesummen nicht wirklich gute Erfahrungen gemacht. Weder Inceman, noch Budimir konnten am Millerntor die in sie investierten Gelder wirklich rechtfertigen. Wenn 70 % aller Transfers gelingen, dann hat man als Verein wahrscheinlich schon sehr viel Glück.

Auf der anderen Seite muss man als Verein seinen Spielern, seinen Fans auch etwas anbieten. Denn seien wir ehrlich ein „wir wollen nur mitschwimmen“ geht im Fußball nicht. Es geht insbesondere auch deswegen nicht, weil immer Platz 16 bis 18 droht, der die Katastrophe Abstieg zur Folge hat.

Hinzu kommt, dass Spieler spätestens nach 2 bis 3 Jahren frei den Verein wechseln können. Man kann das gut finden und es ist wahrscheinlich auch entsprechend dem Verständnis von Arbeitnehmerrechten in der EU. Aber ob ein Fußballprofi wirklich immer so ein schützenswerter „schwacher“ Arbeitnehmer ist, sei mal dahin gestellt. Aber anders als im US-amerikanischen Sport, wo Spieler teilweise 5 bis 7 Jahre zwingend unter „Team Control“ sind, kann ich eben nicht Spieler so lange an mich binden und sie gemächlich entwickeln.

Dies alles vorausgeschickt muss ich als Verein eine Strategie finden, wie ich überleben und wie ich mich weiter entwickeln möchte.

Ich kann dies mit externen Geldgebern machen und mir so eine Hebelwirkung erkaufen. Das mag funktionieren, man kann dies in Hoffenheim oder Leipzig bewundern. Es mag aber auch schief gehen, wie man bei 1860 sehr eindrucksvoll sehen kann. Egal, es ist nicht der Weg des FC St. Pauli. Man hat sich aus guten Gründen dafür entschieden ein Verein ohne Ausgliederung und ohne Investor zu bleiben.

Fernsehgeld regiert die Welt

Unseren Weg kann man schlagwortartig mit den Worten „Steine statt Beine“ zusammenfassen. Aber im Einzelnen:

Gucken wir uns die Einnahmenseite an. Wenn man sich das so anguckt, dann haben 8 Vereine mehr als 21.000 Zuschauer. Den höchsten Schnitt hat der Club mit 29.500 Zuschauern. Wir sind knapp dahinter. Selbst wenn man einen durchschnittlichen Ticketerlös von 20 Euro annehmen würde, wäre das gerade mal eine Spanne von 2,72 Millionen Eur Einnahmen zwischen Nr.1 und Nr. 8 auf dieser Liste.

Dann verkauft der eine vielleicht ein bisschen mehr Business Seats, der andere vielleicht ein paar weniger. Der eine verkauft für eine Million seinen Stadionnamen, der andere nicht. Der nächste verkauft ein bisschen mehr Merch, der andere ein bisschen weniger. Egal, wie man es dreht und wendet, wenn man die Fernsehrechte mal außen vorlässt, dann ist das Einnahmepotential dieser Vereine vielleicht 3 bis 4 Millionen Euro auseinander. Alle spielen irgendwo in einer Liga um die 25 Millionen Euro Einnahmen, wenn man mal das Fernsehen außen vor lässt.

Und nun kommen die Fernsehgelder hinzu. Diese werden nach einem etwas komplizierten Schlüssel verteilt, der die Leistung in den letzten 5 Jahren berücksichtigt. Guckt man dies in den letzten 5 Jahren für die 8 Vereine mit den höchsten Fernsehgeldern an (das sind nicht die 8 mit den größten Zuschauerzahlen!), dann liegt hier zwischen Platz 1 und 8 unfassbare 60 Millionen. D.h. 12 Millionen pro Jahr. Wenn ich in 5 Jahren 60 Millionen mehr eingenommen habe, als ein anderer Verein, dann kann ich mir (außer ich schmeiß das jede Saison für irgendwelche Vollpfeifen raus, wie es gerne im Volkspark gemacht wird) auch ein gewisses Polster für schlechte Zeiten anfuttern oder auch in Steine investieren, die sich andere mühsam von der Hand absparen. Und wenn ich dann wie der SC Freiburg in der Bundesliga garantiert nicht am Limit gearbeitet habe mit meinen Kaderkosten, dann kann ich eben auch mal einen Petersen so finanziell für 2. Liga entschädigen, dass er mich zum Aufstieg schießt. Das ist natürlich einmal gut haushalten, es ist aber auch diese starke Spreizung der Einnahmen, die durch die Fernsehgelder entsteht.

Und dies wird sich ja auch erst langsam ändern, denn man schleppt Bundesligasaisons 5 Jahre mit sich. Klar, die zählen langsam weniger, aber sie zählen halt immer noch. Kurz: Ein SC Freiburg würde selbst dann vor uns in dieser Wertung bleiben, wenn er nicht wieder aufsteigen würde. Wir hingegen ersetzen für die nächste Saison gerade mal einen herausfallenden Platz 4 hoffentlich mit einem neuen Platz 4.

Es werden also selbst bei Platz 4 diese Saison Vereine voraus bleiben, die nicht nur in den letzten Jahren viel mehr Geld bekommen haben, sondern auch in der Saison 2016/17 deutlich mehr bekommen werden. Und zwar soviel mehr, dass es egal ist, ob wir unseren Stadionnamen verkaufen, die Ticketpreise verdoppeln oder keine Pyrostrafen mehr zahlen. Es wird diese Lücke nicht ausgleichen. Dies sollte man dann auch immer im Hinterkopf behalten, wenn man Entscheidungen wie „kein Verkauf Stadionname“ „keine Goliathwache“ „Investition in ein Museum“ sieht. Selbst alles verkaufen, würde wahrscheinlich wenig ändern.

Zusammenfassend: Egal wie wir es drehen und wenden, wenn die Absteiger nicht doch noch Ingolstadt und Darmstadt heißen, dann gibt es mindestens vier oder fünf Vereine, die alleine durch die Fernsehgelder so viel mehr finanzielle Mittel haben, dass wir sie selbst bei geilsten Vermarktungserfolgen nicht einholen würden. Frankfurt, Bremen, Hannover wären da natürlich die Gorillas unter den Zweitligisten, da sie nahezu nur Erstligajahre in diese Wertung schieben würden.

Wir werden also zumindest kurzfristig oder mittelfristig keinen Etat haben, der weit von dem Mittel der zweiten Liga entfernt ist. Wir werden also andere Wege finden müssen.

Steine immer noch nicht abgeschlossen

Diesen Weg haben wir 2007 eingeschlagen, indem wir ein Stadion geschaffen haben, was erstmal genug Platz für den gemeinen Pöbel hat, aber auch ordentlich hochpreisige Sitze beinhaltet. Das ist aber erstmal eine Investition, die irgendwann gute „Zinsen“ bereit hält, aber kurzfristig und mittelfristig ist das Geld weg und kann eben nicht in Messi investiert werden. Teilweise waren solche Investitionen auch einfach deswegen notwendig, weil der alte Status Quo Schrott war. Kollaustraße Funktionsgebäude. All diese Steine haben wir – anders als vielleicht der SC Freiburg – in 10 Jahren aufgebaut, in denen wir gerade mal ein Jahr in der 1. Liga gespielt haben. All diese Investitionen sind daher härter zu tragen, als bei anderen Vereinen. Das ist eine bewusste, richtige und auch gute Entscheidung, sie geht aber immer zu Lasten unseres Gehaltsgefüges. Insgesamt hat der FCSP 60 Millionen in Steine investiert, die jeder sehen kann und jeder im Stadion nutzt. Nun sind von diesen 60 Mio auch schon wieder eine gute Hälfte getilgt und 2018 tilgt der Verein noch einmal 8 Millionen Fananleihe. Aber auch das sind Kapitaldienste, die wir leisten müssen und die ausschließen, dass wir jetzt mal kurz Messi loseisen.

Wenn man aber diese Tilgungen leistet und nicht immer rausschiebt oder umschuldet, wie unser Nachbar aus dem Volkspark, dann ist irgendwann die Hütte auch bezahlt und unser. Dann lohnt sich die Investition. Das ist aber ein geduldiger Weg.

Der Weg der Steine ist aber noch nicht abgeschlossen. Auch im Fußball kommt man immer mehr dazu, dass man Spielerleistungen analysiert, in Details zerlegt und per Computer vergleicht. Videoanalyse ist da ein Stichwort. Da wird ja nicht einfach das Skybild gezeigt und ein bisschen geredet, sondern es geht da auch um detaillierte Laufweganalysen, etc pp. In der geschätzten Leserschaft wird sich nur ein geringer Teil mit dem wundervollen Spiel des Baseballs beschäftigen, aber in diesem analysiert man selbst die Umdrehungszahl bei geworfenen Bällen und versucht daraus für sich Schlüsse und Vorteile zu ziehen. Dieser Trend der mikroskopischen Detailanalyse beginnt im Fußball erst und wird in der nächsten Generation Spielern auch eine viel höhere Spielintelligenz und Spielflexibilität einfordern.

Diesen Trend muss der FCSP mitmachen und in entsprechende Systeme und Software investieren. Und er muss in Personal investieren, welches diese Erkenntnisse auswertet und den Spielern mundgerecht serviert. Gerade bei den Systemen und der Software steht der FCSP noch am Anfang. Personell leistet man sich schon ein sehr umfangreiches Scouting, aber bei den Systemen hapert es noch. Das sind dann Investitionen in Steine, die man nicht sieht. Es bleibt ein blinkender Kasten mit einem Monitor, aber er leistet für Thomas Meggle gleich viel mehr. Und dies müssen wir jetzt bezahlen.

Ziel solcher Systeme ist es auf der einen Seite Spieler zu finden, die perfekt zu uns passen und auf der anderen Seite den jeweiligen Gegner so zu analysieren, dass man eine Schwäche findet, die er selber noch nicht kannte.

Das ist natürlich alles eine Idealidee und man darf den Faktor Mensch nicht vergessen, aber wenn man die Systeme gar nicht hat, dann fährt man blind und muss sich nur auf den Menschen verlassen. Der dann nicht einmal eine informierte Entscheidung treffen kann.

Zum Glück ist sich die Leitung aller Ebenen beim FCSP einig, dass dies notwendige Investitionen sind, die man nun machen muss. Die Alternative „kurz mal einen teuren Stürmer holen und hoffen“ sieht man bei uns im Verein nicht. Wir finden das richtig.

Aber auch weitere Baustellen bleiben. Unser Nachwuchsleistungszentrum ist garantiert schon nicht schlecht, aber auch noch nicht perfekt. Ebenso die Kollaustraße. Hier wäre mehr garantiert möglich und auch wünschenswert. Und muss eben auch bezahlt werden.

 
 

Die Ausgaben

Fußball ist wie jeder Profisport so, dass der mit den höchsten Einnahmen mittelfristig auch am meisten Erfolg haben wird. Wenn er denn seine PS auf die Straße bekommt. Dies sichert uns nach unten erstmal ab. Denn viele Vereine in Liga 2 haben gar nicht die Einnahmemöglichkeiten eines FCSP. Z.B. weil sie zwar ein sehr liebenswerter Dorfverein sind, aber eben doch nur 5.000 Leute zu den Heimspiel kommen. Und Logen? Ja, hat man schon mal von gehört.

Dies begrenzt uns aber auch nach oben. Wir werden Bayern München nicht als Rekordmeister ablösen in den nächsten 20 Jahren.

Man kann nur versuchen aus dieser Situation das Beste zu machen. Und dazu muss ich eine Leitlinie beim Spielerkauf und bei der Spielerentwicklung entwickeln und durchziehen. Ajax legendäres 4-4-2 ab der E-Jugend ist die krasse Form einer solchen Idee.

Unsere Vorstellung kann man immer wieder bei den Stimmen zu Einkäufen herauslesen. Es werden flexible Spieler gesucht. Spieler, die nicht nur eine Position bekleiden können oder nur einen „Look“ haben. Man versucht die perfekte Mischung hin zu bekommen. Zwischen Jung und Alt, zwischen neu im Verein und lange im Verein, zwischen Links- und Rechtsfuß, zwischen offensiv und defensiv etc. pp.

Die Idee ist erstmal gut, wenn man z.B. mit Buballa, Hornschuh, Keller (wenn er denn bleibt) und Hedenstad vier Außenverteidiger sein eigen nennt, wo einer klein, einer groß, einer offensiv stark, einer defensiv stark ist. Man kann den Gegner überraschen und mit anderen Systemen auftreten. Auch dies ist im US-Sport nicht unüblich.

Aber auch hier darf man nie den Faktor Mensch vergessen. Nicht nur, dass unser Trainer ein großer Freund von „never chance a winning team“ ist, man stelle sich mal vor, der FCSP würde in Hannover eine große Abwehrschlacht 1-0 gewinnen, Marc Hornschuh macht das Spiel seines Lebens und nächste Woche gegen Sandhausen sitzt er auf der Bank und Hedenstad spielt, weil er offensiv stärker ist und man gegen Sandhausen eben keine Abwehrschlacht erwartet. Das Presse, Funk, Spieler und Fan zu erklären wird nicht ganz einfach.

Aber: Es ist immer noch besser als vier Außenverteidiger zu haben, die alle vier rechtsfüßig sind, alle vier defensiv stark und offensiv schwach sind und alle gleich alt sind. Das kann schon auf dem Papier nicht funktionieren.

Daher leistet man sich ein großes Scouting, damit diese Papierform zumindestens stimmt und ich eben aus meinem Geld das beste machen kann. Das ist richtig und da sind wir schon gut aufgestellt. Und holen eben plötzlich Waldemars aus Belgien. Das sind keine Zufallstreffer, sondern auch Folge einer besseren Organisation in diesem Bereich. Es ist gar nicht so lange her, da holten wir Spieler z.B. nur aus dem Umkreis eines Rainer Adrions oder nur vom BvB II. Das zeigt dann eben, dass das Scouting da noch nicht ausgereift war. Und so waren und sind da Investitionen in Personen und ihre Ausstattung notwendig.

Irgendwann wird dann kein Spieler mehr in Tonga (Fifa Weltranglisten Platz 204) gegen den Ball kicken, ohne dass der FCSP ihn auf dem Schirm hat, aber so weit sind wir noch nicht. Da wird man auch heimliche Steine investieren müssen.

Hat man nun dieses Scouting und damit immer einen Pool von Spielern, die man anfunken will, wenn man einen Stürmer sucht, kommt der schwierige Part des Ganzen. Der muss auch noch menschlich passen. Wer kann denn beurteilen, ob ein Bouhaddouz am Ende menschlich passt? Das ist die Kunst, die auch eher ein Bauchgefühl ist. Habe ich aber gar keinen Pool an Spielern, die ich gescoutet habe, kann ich hier einem schlechten Bauchgefühl nicht folgen. Weil ich keine Alternativen habe.

Dieses Bauchgefühl ist dann aber die absolute – nebenbei auch nicht wirklich kontrollierbare– Kompetenz des Sportdirektors und Trainers. Man kann nur durch genormte Abläufe (der Spieler muss mal in Hamburg gewesen sein, er muss mit Trainer und Sportdirektor gesprochen haben etc. pp) versuchen Fehlerquellen so gering wie möglich zu halten. Passieren werden sie trotzdem. Und wenn Ewald Bouhaddouz geil findet und Bouhaddouz Ewald geil findet, heißt das noch lange nicht, dass Stanislawski Bouhaddouz geil gefunden hätte.

Wir haben mit Hornschuh ja einen Spieler im Kader, der am eigenen Leib erfahren hat, dass die Chemie zwischen Trainer und Spieler auch aus Gründen nicht stimmen kann, die sich nicht zwingend an objektiven Leistungsdaten fest machen.

Hier muss man insbesondere als Fan auch unserer Leitung vertrauen. Und der bisherige Erfolg gibt ihnen Recht. Das man so ein Team dann auch kontinuierlich arbeiten lassen muss, ist die Kunst. Deswegen haben Vereine wie Mainz, Freiburg etc. eben viel Erfolg für wenig Geld.

Zielsetzung?

Es gab mal diese Top 25 Zielsetzung beim FCSP und wenn man sieht, dass wir in einem Pool von ca. 8 Vereinen in der zweiten Liga sind, die ungefähr auf einer Ebene finanziell sind, dann ist dies garantiert keine falsche Zielsetzung. Man kann es auch anders ausdrücken: Man muss sich dann ärgern, wenn ein Verein mit weniger Geld vor einem steht. Sprich letzte Saison musste man sich sehr ärgern, diese Saison etwas weniger. Mittel- bis langfristig muss man dann versuchen die Lücken zu schließen, die Vereine wie Mainz aufgerissen haben. Denn zwingend müssen die nicht vor uns stehen. Aber von heute auf morgen geht dies auch aufgrund von sehr späten (und wenig fremdsubventionierten) Investitionen in Steine nicht.

Schlusswort

Ob eine solche „kleine Schritte“-Haltung in einer selbsterklärten Medienstadt wie Hamburg durchzuhalten ist, wird die Zukunft zeigen. Man darf nicht vergessen, dass vor der Saison 14/15 die MoPo ihre FCSP Beilage schon mit „Saison zum Aufstieg“ (sinngemäß) betitelte. Wo wir geendet sind, weiß jeder. Der äußere Druck wird vielleicht nicht von Seiten der „aktiven Fans“ kommen, anders als bei anderen Vereinen (hallo 1860), aber er wird an den Verein herangetragen werden.

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