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Nov 122018
 

Kommunistische Nörgler

Wir sind ja als kommunistisches Propagandamedium und ewige Nörgler bekannt.

Und auch der Spieltag gegen Heidenheim erbrachte Optimierungsbedarf. Sowohl auf dem Feld, als auch daneben.

Unser Gegner

Heidenheim. Kann wahrscheinlich niemand von euch blind auf einer Karte einzeichnen. Und ohne den Zweitligisten würde niemand das Dorf kennen. Man muss dem 1. FC Heidenheim von 2007 (auch wenn sie 1846 behaupten. Was mit dem Namen “FC” schon Bullshit ist) Kontinuität zugute halten. Denn Frank Schmidt ist seit kurz nach der Gründung Trainer der ersten Herren. Stark. Dass Frank Schmidt auch noch gebürtiger Heidenheimer ist, setzt dem ganzen noch die Krone auf. Gerade bei solchen Emporkömmlingen sitzt der Entlassungsknopf ja häufig sehr locker, sodass dies echt bemerkenswert ist. Genauso bemerkenswert ist, dass im Gemeinderat der Stadt Heidenheim die DKP mit einem Sitz vertreten ist.

Kommen wir aber zum Tagesgeschehen

Die Menschen dieses Blogs sind als Kartendealer bekannt und das nimmt auch heute inklusive interner Deals wieder großen Raum ein. Am Ende hat aber jeder die Karte seines Vertrauens.

Im Stadion ist es auf der GG rappelvoll diesmal.

Sowieso GG: Leute, so geht das nicht. Das ist zu lahm, zu leise und zu wenig. Viel zu wenig. Vielleicht finden sich auch mal gefühlt 150 Leute, die den Supportblock wieder auffüllen? Und eine Trommel mitnehmen? Vielleicht sollten wir doch mal eine Vorsängerin probieren? Wir erleben hier doch im Augenblick Spitzenfußball der 2. Bundesliga, zumindest nominell.
In der Süd dafür ist die Stimmung zumindest phasenweise besser als die meisten Heimspiele dieser Saison. Besser, nicht bombastisch, was eigentlich immer der Fall sein sollte. Aber wir wollen auch mal lobend positiv verstärken – mehr davon.

Werbung

Wir spielen im Profifußball und da gehört Werbung dazu. Wir betreiben neben “normaler” Werbung auch unsere “Weltverbesserer”-Kampagne mit der Techniker Krankenkasse, die gerade für “Netz gegen Plastik“ sammelt.

Plastik aus den Meeren zu sammeln ist gut (Infos im Link), weniger Plastik zu nutzen und zu verbrauchen wäre noch viel besser.

Und da ist es dann schon nicht ganz optimal (freundlich formuliert), wenn einem Helfer*innen in EinmalplastikjackenAufkleber aus Plastik in die Hand drücken. Genrell wirkt die Kampagne sehr stark nach Eigenwerbung; wenn man so will, Greenwashing. Sicher sind ein paar Euro für eine gute Sache nicht falsch, aber ein bisschen weniger offensichtliche PR für private Unternehmen wäre schon ganz nett, wenn der FCSP seinen Namen dafür bereitstellt.

Grundsätzlich können wir da auch vor der eigenen Haustür kehren. Dass die elendigen Einwegbecher auf der Gegengerade der Vergangenheit angehören, ist ein guter Anfang, wird aber konterkariert, wenn ein Sponsor vor einem Spiel Einweg-Plastikflaschen verteilt. Wir können übrigens auch mal über anderen Einwegmüll oder den gigantischen Fleischkonsum während der Spiele sprechen. Nein, der Öko-Club sind wir sicher nicht.

Nicht zu optimieren ist die (Nicht-)Werbung von Congstar auf den Werbebanden. “Hey Werbung, mach mal Platz für Vielfalt” und dann ein Regenbogen einmal ganz rum, ist schon echt gut. Da hatte jemand echt eine kreative Idee, die positiv im Kopf bleibt. (Werbung ist natürlich trotzdem kapitalistische Scheiße.)

Dagegen echt lahm sind die immer auf den Gegner bezogenen Spruch von Fritz Kola. Mal ganz davon ab stand der Spruch mit den “Heiden heim schicken” schon vor Jahren genau hier. Aber da war das unser Flachwitzgott umsonst und nicht eine teure Werbeagentur.

Zum Glück hat Media Markt seine “Männer”-Kampagne heute nicht im Stadion geschaltet.

Auf dem Platz

Heidenheim ist eingespielt, definitiv eine der Qualitätsmannschaften der Liga und der Schnatterer ein personifizierter Stachel im Fleisch.

Dass wir da über 90 Minuten echt gut dagegen aussehen, zeigt auch, dass wir echt Qualität haben. Nur die brauchen halt 1,5 Chancen für ein Tor und wir Millionen. Seien es nun Ecken, die echt ungefährlich sind, sei es, dass wir zu kompliziert spielen. Da kann man Dinge echt noch optimieren. Mit Henk haben wir (endlich?) wieder einen richtigen (Mittel-)stürmer. Der bei jedem 5,5. Ballkontakt selbst schießt oder einem Mitspieler den Ball auflegt. Und alle 130 Minuten ein Tor macht und alle 175 Minuten einen Assist abgibt. Oder anders gesagt: Alle 75 Minuten an einem Tor beteiligt ist.

Letztendlich bleibt es beim gerechten Unentschieden. Aber wir sind schon gut unterwegs diese Saison.

In zwei Wochen geht es dann nach Oberbayern, genauer nach Regensburg. Flum hat sich gegen Heidenheim die fünfte Gelbe abgeholt. Alles deutet auf den ersten Profistartelfeinsatz von Ersin Zehir hin, der diese Saison bereits sechs Mal Flum ersetzt hat. Der #Sektionsportwetten legen wir einen 2:0-Tipp nahe – und hoffen natürlich, dass Ersin seine weiße Weste behält.

Sonst so?

Einen eigenen Artikel bekommt in der nächsten Woche der Sicherheitsapperat.

Freitag war das Polizeiorchester im Ballsaal zu Gast. Ganz ehrlich: dDas ist echt unschön. Duddes Schergen sind auch dann unerträglich, wenn sie in ein Horn blasen. Das Ganze war nach unserem Kenntnisstand eine Fremdvermietung und die bekommen als Grenzen Stadionordnung und Leitlinien an die Hand gegeben. Und da sind Polizeiorchester nicht verboten.

Klar kann man da was juristisch konstruieren, aber ausdrücklich wäre deutlicher.

So sehr das in einer klaren Welt wünschenswert wäre, dass kein Polizist unser Stadion in Uniform betritt, so sehr müssen wir uns da wohl immer wieder den faulen Kompromiss “Profifußball” vor Augen führen. Kein richtiges Leben im falschen, nech?

Viva la Bernie? Hintergründe zu den auffälligen grünen Plakaten findet ihr hier.

Nov 112018
 

Ich lernte dich vor ca. 15 Jahren auf dem Geburtstag unseres OL kennen. Düsseldorferin durch und durch.

Und schnell verstanden wir uns, und hatten immer wieder Kontakt. Nicht jeder kam mit deiner Art zurecht. „Kurz“ und „halb“ gab es bei dir nicht. Wenn du dich für etwas interessiertest, dann wolltest du alles wissen. ALLES! Wir Fußball Fans neigen ja dazu, die Stadt zu ignorieren, in die wir fahren. Das war nicht deine Welt. Wenn du nach Duisburg gefahren bist, dann hattest du vorher alle Museen und Sehenswürdigkeiten heraus gesucht und per E-Mail verschickt.

So lebtest du auch den FCSP. Wenn, dann richtig. Mitgliedschaft und Dauerkarte waren für dich eine Selbstverständlichkeit. Und das in Jahren, in denen der FCSP in der Regionalliga um sein Überleben kämpfte. JHV? Dann komm ich aus Düsseldorf, lese vorher den magischenfc.de Bericht vom Vorjahr und war wahrscheinlich besser vorbereitet, als andere anderen. Wir sind ja immer erstaunt, dass überhaupt jemand diese 35 Seiten liest. Aber die vom Vorjahr? Ganz oder gar nicht. Wenn dein Herz irgendwo war, dann mit aller Leidenschaft.

Für Düsseldorf warst du ein wandelndes Lexikon. Das mit einer Meinung und einer Liebe für die Stadt. Mit einem „Kölle Alaaf“ am 11.11. konnte man einen liebevollen Vortrag über Karneval gewinnen. Immer auch mit einem Schalk im Nacken, wie es sich für eine Rheinländerin gehört.

Mit deiner unstillbaren Neugier konntest du auch anecken. Nicht jeder konnte damit umgehen. Und so hattest du auch mal Probleme mit der Welt und mit dir.

Gerade als du die alle halbwegs in den Griff bekommen hattest, deine Neugier wieder richtig blühte, kam der Krebs. Du hattest noch soviel, was du wissen wolltest und erleben wolltest. Dazu kommt es jetzt nicht mehr. Krebs ist ein Arschloch.

Rest in Neugier. Wenn es einen Gott gibt, dann frag ihm Löcher in den Bauch.

Der Blogsenior

Nov 072018
 

Einheitsbrei

„Da hätte ich ja auch kandidieren können, ein weiterer alter weißer Mann wäre da gar nicht aufgefallen“, kommentierte unser Blogsenior die am 07.11.2018 veröffentlichte Kandidatenliste für unseren Aufsichtsrat. 12 Kandidaten, davon eine Frau. Durchschnittliches Alter der Kandidaten ist 56, gerade mal zwei Kandidaten sind unter 40 und so etwas wie einen sogenannten Migrationshintergrund* sucht man vergeblich. Auch die Abteilungen sind unfassbar divers, sind immerhin einmal Marathon und einmal Handball dabei. Jeweils bei einem Kandidaten, der nebenbei noch in der AFM oder den Fußballherren ist. Mit dem Ergebnis, dass alle Kandidaten entweder in der AFM oder in den Fußballherren sind.

Puh, bei aller Liebe Freunde, das ist peinlich für uns, für unsere Weltsicht und als Vorbild.

Nicht Gott gegeben

Kandidaten für Ämter fallen nicht vom Himmel. Sie werden bestärkt von Interessenten an einem Ergebnis. Das ist nichts schlimmes und Teil eines demokratischen Prozess. Und natürlich gibt es auch in unserem geliebten Verein Interessengruppen, die sich Kandidaten aussuchen und diese auch moralisch und mit Stimmen unterstützen. Warum denn nicht?

Wenn wir aber der Stachel, das Vorbild, das richtige Leben im falschen Leben sein wollen, dann genügt es nicht nur, dass wir uns von Investoren fern halten und Fans in den Aufsichtsrat wählen.

Dann müssen diese Personen auch diverser besetzt sein. Wo ist z.B. eine Dame aus den Fußballfrauen? Wo ist der Migrationshintergrund? Frauen sind in unserer Mitgliedschaft und in unserer Fanschaft garantiert mit 40 Prozent vertreten. Das muss sich in den Gremien auch widerspiegeln. Da mag Sandra noch so toll sein. Es reicht nicht!

Der Migrationshintergrund wird bei beiden sehr viel geringer sein. Was die Frage aufwirft: Warum eigentlich? Und gerade wenn dies so ist, dann sollten wir doch umso bemühter sein, Kandidaten aus diesem (kleinen) Kreis zu bekommen, um auch auf diese Problematik hinzuweisen.

Hinter die Ohren schreiben!

Alle Hinterzimmerdiplomaten, alle Menschen, die Wahlen in diesem Verein vorbereiten, alle Wähler im Verein schreiben sich ab jetzt bitte das Wort „divers“ hinter die Ohren und fördern ab jetzt bitte Kandidaten, die genau diesem Profil entsprechen, damit wir nicht noch mal so auf die Nase fallen.

Noch was: selbst wenn man von einem “freien Melden” ausginge, gibt es genügend Mechanismen, dass man trotzdem Frauen und andere diverse Gruppen zu einer Bewerbung ermutigt. Ein “es haben sich halt nur weiße Männer gemeldet” ist zu einfach. Zu bequem.

Wenn so etwas selbst die Ärztekammer als Ziel formulieren kann und Maßnahmen ergreift, dann müssen wir das auch können.

Noch viel schlimmer: Selbst der DFB hat so ein Programm.

St. Pauli wir haben da ein riesiges Problem und erkennen es nicht einmal, wie man auf Twitter erkennen kann. (Tweet und die ersten Antworten) .

Aufsichtsratkandidaten beim #fcsp:
11 Kandidaten, 10 Männer. 🤷🏼‍♀️

Läuft ja super!

— Anna-Maria (@amhass) November 7, 2018

PS: Das es auch anders geht, beweist z.B. die Triathlonabteilung unseres FCSP 5 Frauen und 4 Männer im Vorstand. Und da der Platz der Frauenwärtin zur Zeit unbesetzt ist, müsste es theoretisch selbst noch eine mehr sein. Macht die Diversitywärtin zur Zeit mit. So eine Diversityvorständin stünde dem Hauptverein nebenbei auch mal SEHR gut zu Gesicht.

*das der Begriff Migrationshintergrund nicht unproblematisch ist, hatten wir letztens erst erläutert.

Nachtrag 07.11.18 21:49

Woanders sieht das auch nicht besser aus:

Nov 052018
 

 
oder

Warum Petitionen und Under Armour etwas komplexer sind

Petition? Klopapier!

Oliver, wir wollen dir gar nicht absprechen, dass du was bewegen willst. Und bei der inhaltlichen Kritik, die gleich folgt, ist es grundsätzlich begrüßenswert, wenn sich Leute um ihren Verein sorgen, die Richtung vorgeben wollen und mitentscheiden wollen. Nur warum eine Petition bei chance.org? Es gibt Gremien, es gibt Gruppen, es gibt eine Jahreshauptversammlung, bei der jedes Mitglied Anträge stellen kann. Da gehört so etwas hin. Da kann man ernsthaft „Druck“ aufbauen oder Dinge ändern.

Und ganz ehrlich: Was sind 20.000 Unterschriften wert? Nix, wenn sie von irgendwelchen Rübennasen kommen, die im besten Fall Sympathisant sind und im schlechtesten Fall Rautenfan, die mal geil gegen Pauli hetzen wollen. Onlinepetitionen sind das Klopapier des 21. Jahrhunderts. Wenn es dabei bleibt, dann ist das nix wert.

Bevor wir konkret inhaltlich werden

Wir sind der FC St. Pauli. Wir versuchen das richtige Leben im Falschen zu leben. Das ist nicht widerspruchsfrei möglich. Das wollen viele Leute nicht verstehen, suchen jedes Haar in der Suppe, während in ihren eigenen Vereinen nicht Haare, sondern ganze Perücken in der Suppe schwimmen. Dogmen sind cool, wenn man andere kritisieren will, aber sie praktisch leben ist beinah unmöglich. Wer das nicht sieht, der kann zu Altona 93 gehen und dort den puren Fußball sehen. Der von einem Mäzen am Leben gehalten wird.

Das heißt jedoch nicht, dass wir nun Narrenfreiheit haben oder jede Kritik an uns abprallen lassen sollten. Wir müssen jeden Tag unsere Grenzen definieren und überprüfen. Das gilt insbesondere bei der Wahl unserer Partner. So schön es wäre, wenn PinkMacabre die Trikots fertigen und die Kehrwiederbrauerei unser Bier liefern würde, es ist unrealistisch. Leider alleine deswegen schon, weil PinkMacabre leider nicht mehr tätig ist.

Warum aber nun gerade UA?

So muss man auch die Partnerschaft mit Under Armour sehen. Das ist kein Unternehmen, welches unsere Ideale zu 100 % lebt. Wahrscheinlich nicht mal zu 50 %. Es gibt Kritikpunkte, die man offen ansprechen muss und die jeder für sich anders gewichten wird. Sei es nun „Jagd“ oder „Ausrüstung von Militär“ oder oder oder. Man muss aber jeden Kritikpunkt auch mal in einen vernünftigen Kontext setzen und Diskussionslinien erkennen und wissen. Und das lieber Oliver, lässt du komplett außer Acht. Vielleicht wären die drei Stunden Millernton vor dem Schreiben der Petition wirklich gut investierte Zeit gewesen? Erneut: Was nützt mir eine Petition, die schlichtweg weit an der Realität und am Diskussionsstand vorbei geht?

Um diesen zu verstehen, wollen wir zwei Dinge machen. Erstens unsere anderen Partner betrachten und zweitens auf einzelne Argumente eingehen.

Unsere anderen Partner sind keine Engel

Wir haben bis vor kurzem mit Lagardère zusammen gearbeitet, die lange genug gleichzeitig ein riesiger Rüstungskonzern waren. Und hier sprechen wir nicht nur um die Kooperation mit der US-Armee, sondern Geld verdienen mit Diktaturen der Welt. Und bei aller Kritik an den USA: Das war die USA damals nicht und ist sie wahrscheinlich auch heute (noch) nicht.

Oder nehmen wir das coole Astra. Die sexistischen, rassistischen und geschmacklosen Werbungen dieser Marke aufzuzählen, würde Bücher füllen. Und Astra gehört zum Carlsberg-Konzern, der auch nicht gerade für eine faire, nachhaltige Politik steht.

Oder was ist mit Fritz Kola, die ebenfalls schon mehrfach mit zweifelhafter Werbung „glänzten“ und am Markt ganz klar als Verdränger kleiner regionaler Marken auftreten ?

Oder nehmen wir Hummel, die in einer Petition als (Zitat) „regionaler, nachhaltiger, wirtschaftender Sportartikelhersteller“ dargestellt wird. Regional ist eine künstliche Ausgrenzung und absolut kein Argument. Wäre eine Sportartikelmarke, die in einem israelischen Kibbuz schlechter als eine Marke, die in Hamburg von Klaus-Michael Kühne hergestellt wird? Wohl kaum! Nachhaltig? Puh, gerade Hummel ist nun alles, aber nicht nachhaltig wirtschaftend. Vielmehr drückt sich der Konzern in diesem Bereich seit Jahren um eine Aussage, labert was von Karma und hält sich an keine Standards. Das ist das genaue Gegenteil. Und tötet direkt Mensch und Natur. Das ist zwar nicht so schön in Fotos zu packen, wie Jäger, aber bringt auch sicher genug um. UA ist in diesem Bereich nebenbei solides Mittelmaß, wie viele andere Sportartikelhersteller Das ist auch nicht toll, aber eben doch besser als Karma.

Hummel liefert angeblich auch an Nordkorea und seine Armee. Ein bisschen Solidarität mit unseren kommunistischen Brüdern und Schwestern in Nordkorea hat noch nie geschadet.

Wenn man dies so sieht, dann hätte jeder dieser Partner seine eigene Petition verdient. Vielleicht sollte man den ganzen Kapitalismus boykottieren? Hate the game, not the player? Nur dann müssen wir den Weg von Corinthian-Casuals gehen und uns dem Profifußball komplett verweigern. Zitat aus diesem Artikel: „To this day, no one at the club gets paid, with the exception of a part-time physiotherapist, and the club is run entirely by volunteers“. Das ist moralisch garantiert besser, aber führt nicht gerade zu Zweitligafußball.

Oder ist es am Ende die Nationalität des Unternehmens, die gerade hier eine Petition befeuert? Antiamerikanismus geht immer?

Jedoch: Kritik ist bei allen genannten Unternehmen UND auch bei UA notwendig und muss geäußert werden.

Die Argumente, die genannt werden, sind allerdings nicht gut:

Auf die Belieferung von Militär sind wir schon eben bei Lagardère eingegangen. Noch etwas sollte man in diesem Zusammenhang bedenken: Die Wahrnehmung von Militär ist in den USA eine andere. Viele – beinah alle – Unternehmen arbeiten mit dem Militär zusammen und/oder gewähren Mitgliedern der Armee sowie ihren Familien Rabatte. Man kann – und sollte – diese Militärisierung der Gesellschaft hinterfragen, sie ist aber nicht gerade für UA singulär. Sollte man deswegen keine amerikanischen Partner als FCSP haben? Schwierig. Keine Reise in die USA, wo Menschen unsere Ideale zu großen Teilen teilen und sich über Support und Gelegenheit freuen? Wir zweifeln stark. Einen „bei uns ist aber alles cool“-Nationalismus, ist schon angesichts von AfD und Co äußerst fragwürdig. Es ist der perfekte “Running Gag” jeder Gruppenreise in die USA die geläuterten Deutschen zu sehen wie sie sich über die amerikanische Begeisterung für Waffen und Militär auslassen.

Thema Waffenlobby: Hat dafür eigentlich irgendwer eine US-Quelle? Wir sind ziemlich schlecht im Google nutzen, aber eine Suche nach UA in jeder Schreibweise und NRA in jeder Schreibweise findet nichts. Nur in deutschen Texten taucht diese Behauptung immer wieder auf. Komischerweise immer im Zusammenhang mit der Partnerschaft FCSP und UA. Was man auch hier nicht vergessen darf: Bis Februar dieses Jahres haben unfassbar viele US Unternehmen NRA Mitgliedern Vorteile versprochen und/oder Verträge mit der NRA gehabt. Wir hoffen, ihr habt die alle immer boykottiert.

Arbeiten an unserem Weg

Man sollte alle Menschen einladen an unserem Weg mitzuarbeiten. Nur so lange wir Profifußball spielen wollen, wird Dogma nicht gehen. Es wird – auch schmerzhafter – Kompromisse bedürfen, um sich zu behaupten. Zumindest bis wir den Warp-Antrieb erfunden haben und die kommunistische Weltrevolution.

PS: Wundert euch nicht über die Überschrift, wir hatten Spaß auf Slack. Und sie ist sowieso die logische Konsequenz aus diesem Artikel.

Nov 042018
 

 

Wenn das Sportliche zur Nebensache wird

Fußballfans sind keine Waisenkinder und in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht jedermanns Sache.

Auch wird sich im Suff nicht immer an so etwas wie ein Rauchverbot gehalten.

Was genau den Polizeieinsatz in Bielefeld verursacht hat, wissen wir nicht zu 100 Prozent. Augenzeugen sprechen von “Rauchen im Zug” und dann ohne Vorwarnung Pfeffer. Auch eine spätere Weigerung, Personalien abzugeben, wurde laut Augenzeugen mit Pfeffer für alle beantwortet.

Danach wurden gut 300 Bahnfahrer gekesselt und nicht zum Stadion gelassen.

Unverhältnismäßig

Um es mal deutlich zu sagen: Es muss schon verdammt viel vorfallen, damit man auch nur annähernd eine solche Maßnahme als „verhältnismäßig“ bezeichnen könnte. Und wir sprechen hier von Mord und Totschlag. DEUTLICH (!) mehr als Rauchen im Zug allemal.

Wir haben keine Sorge, dass die Polizei in ihrer Pressemitteilung dies herauf beschwören, der deutsche Redaktionsmichel es abschreiben und der deutsche Spießbürger es glauben wird.

Wieder haben die mutigen Polizisten den Bürgerkrieg verhindert. Am Arsch!

Wir haben übrigens trotzdem immer noch die Bombe. Was im Abgang auch so gesanglich kommentiert wurde.

Unsere Waffe heißt Solidarität

Die im Stadion entschlossen sich auf Support zu verzichten, ihrem Unmut über die Polizei kund zu tun und in Solidarität den Block zu verlassen. Danke an das AFM Radio für zeitgenaue Berichterstattung und an Sky Go, wo man dann eine Minute später das Tor sehen konnte.

Auch du, @fcstpauli

Wer es nicht schaffte, sich über die Situation zu informieren, war unsere Social-Media-Truppe. Erst nach dem Spiel gab es Infos auf diesem Kanal.

Ganz ehrlich: Am Arsch! Da stehen Funktionäre unseres Vereins unter der Tribüne, da ist die sportliche Leitung informiert und unsere Social-Media-Truppe schafft nicht einmal, einen “Fans von uns haben anscheinend Schwierigkeiten in der Anreise gehabt, deswegen ist der Gästeblock ungewohnt leise. Wir klären das und melden uns.”-Tweet/Facebook Nachricht.

Und das obwohl Leute von Beginn an nachfragen und um Infos bitten oder eine Solidarisierung fordern. Und im Nachhinein als Begründung für das Schweigen zu dem Thema zu bringen, dass man sich erstmal informieren müsse, ist einfach zu wenig. Schnelle Krisenkommunikation ist in Social-Media-Zeiten eine Notwendigkeit und hier schnell gemacht. Und sowas kann und sollte man in einer ungeklärten Situation auch schreiben, ohne alle Details zu den Vorkommnissen zu haben.

Stattdessen dann noch ein Halbzeit-Tweet, wo noch der tolle Support der mitgereisten Rabauken gefeiert wird.

Wenn ich heile Welt Social Media will, dann gehen wir zum FC Bayern. Oh wait.

 

Die Mannschaft schaffte nach Abpfiff eine spontane Solidarisierung. Danke dafür.

 

Noch was

Es ist uns egal, was da passiert ist. Wenn da jemand Scheiẞe gebaut hat, dann klären wir das. Aber auswärts gilt: Alle oder keiner und unsere Leute gehören zu uns in den Gästeblock.

Das Sportliche

Gewonnen, Tabellenführer für einen Tag. Egal. Diffidati con noi!

PS: mit Dank an @amhass

Nov 012018
 

​Er drückt sich

Wie aufmerksame Gäste unseres Geburtstags mitbekommen haben, pflegen wir freundschaftliche Kontakte zu einem Blogger aus der Hansestadt, in der niemals Ebbe ist.

Und da er mit uns schon mehrfach unterwegs war, wurde es langsam Zeit für einen Gegenbesuch.

Der dann nichts wurde, denn unser geliebter Hanseator wurde lieber krank als uns in seinem Wohnzimmer zu begrüßen.

Spaß beiseite. Wir sind wahrscheinlich häufig nicht einer Meinung mit der Rostocker Südtribüne, aber diese Tapete unterschreiben wir zu 100 %. Komm schnell wieder auf die Beine, Hanseator.

Die Kartenübergabe wurde anders organisiert, dazu aber später.

Hubschraubereinsatz

Als wir um 11 in Rostock eintrafen, begrüßte uns der Polizeihubschrauber. Demo? Was ist hier los? Erst später kam bei uns an, dass eine ordentliche Anzahl Nürnberger früh angereist war und versuchte den Gruppenraum von Rostock zu besuchen. Ob nun auf Einladung oder spontan, wissen wir nun natürlich nicht.

Die beiden Gruppen hatten schon immer ein etwas komisches Verhältnis zueinander, was früher auch mal zu einer Einladung zu einem letztendlich abgesagten Testspiel gegen Rapid führte. Details uns natürlich unbekannt. 

Man muss sich das aber mal reinziehen: Da fährst du einmal quer durch Deutschland, um fünf Minuten zu prollen, dich eine Minute zu hauen und dann wahrscheinlich stundenlang Gewahrsam zu ernten und kein Spiel zu sehen. Ganz ehrlich: Uns ist da die Kosten-Nutzen-Rechnung nicht wirklich klar. Aber wir sind auch keine Ultras.

Aus neutraler Sicht blieb damit das Messen im Stadion leider aus.

Unterkunft klar gemacht und dann zum Treffpunkt mit dem Kartenorganisator. Bisschen mulmig ist einem schon. Immerhin ist man hier im “Feindesland” und genügend Menschen unterwegs, die einem die Vereinswahl übel nehmen würden.

Guter Mensch

Der Mensch mit der Karte jedoch war ein Guter. Raute und Hansa Fan und beinah direkt aus Wiesbaden zum Spiel gekommen. Bekannt mit Gott und Lotte und ein Kenner von Fanszenen und Hamburgern Amateurgrounds. Da hat man schnell ein Thema und beim Bier in der Trotzenburg wurde entspannt gefachsimpelt.

Man muss sich Rostocker Publikum schon anders vorstellen, als das Publikum am Millerntor. Aber entgegen der Vorurteile rennt hier auch nicht jeder Dritte in Thor Steinar rum. Wir sahen diese sehr eindeutige Marke genau einmal. „Alle in Schwarz“scheint aber eine Daueransage zu sein.

Beste Plätze direkt an der Südkurve, sodass man einen guten Blick auf das Geschehen hatte. Auf allen Plätzen im Stadion fanden sich blaue und weiße Umhänge, die auf Ansage des Stadionssprechers auch von 99 % der Zuschauer bis zur Halbzeit getragen wurden. Klar, Pokalspiele sind natürlich Highlights und mit dem Ligaalltag nicht zu vergleichen. Aber die Mitmachquote in der Süd und auch im Rest des Stadions war schon beeindruckend. In der Verlängerung saß niemand mehr auf den Sitzen.

Nürnberg verzichtete auf alle Fahnen und Zaunlappen und war nur selten zu hören. Ob da noch jemand Support organisiert hat, war nicht erkennbar.

Pyro und Geprolle

Zum Intro gab es einen Blockfahne und dann die üblichen Pyro. Bemerkenswert: kein Umziehen danach. Vielmehr blieben Leute das ganze Spiel vermummt in der Kurve stehen. Und so wurde auch das Spiel über gezündet. Was irgendwann selbst der Stadionsprecher ignorierte.

Aber nett aussehen tat das Intro.

“Wir werden den Gegner schlagen, die Wessis jagen”; ach Rostock. Wollen wir mal was von künstlichen Identitäten und Abgrenzungen im Fußball diskutieren? Oder ketzerisch gesagt: Hamburg und Rostock sind sich immer schon näher, als Hamburg und Nürnberg. Aber nun gut, wenn das und “Hurensöhne” das schlimmste bleibt, dann muss man das nicht mögen, muss es aber auch einordnen.

Sowieso wurde in Richtung Gästeblock beinah null geprollt, was wahrscheinlich an dem Fehlen eines Gegners lag, denn das kennen wir natürlich anders.

Auf dem Platz

Auf dem Platz entwickelte sich ein echter Pokalfight, in dem der Underdog zweimal in Führung geht. Einmal durch einen Slapstick-Einlage eines Nürnbergers, in der Verlängerung dann durch einen tollen Freistoß. Nürnberg extrem schwach und hatte Glück, dass Rostock die Kraft ausging und diese in der 90. Minute den Ball nicht weg bekamen.

Im Elfmeterschiessen, ließen sich zwei Rostocker ablenken durch Schiedsrichter, geworfenen Gegenständen und einer entsprechenden Show des Nürnberger Torhüters. Beide vergaben mit Schwung, während alle Nürnberger trafen.

So blieb es beim üblichen “tapferer Underdog kämpft und verliert unglücklich”, was im Pokal zu häufig geschrieben wird.

Immerhin war der Abend sein Geld wert. Danke noch mal an Kartenorganisator und alle anderen Leute, die wir getroffen haben. Und da wir immer noch Uwe mal besuchen müssen, sehen wir uns wieder. Garantiert.

Okt 232018
 

Vorwort

Da nimmst du Urlaub, willst nach Duisburg, willst dich betrinken, willst feiern, willst eine Woche danach im Bett liegen und dann in Frankfurt Marathon laufen. 

Und dann beim letzten ernsten Lauf legst du dich auf glatter Fahrbahn auf die Fresse und haust dir so den Ellenbogen auf, dass der Schleimbeutel operativ entfernt werden muss. Gips und montäglicher Arztbesuch statt Duisburg und Marathon. So genießt ihr nun einen Gastbericht, der wie üblich nicht zwingend unsere Meinung wiedergibt, den wir aber gerne veröffentlichen, weil die Schreibenden cool sind. Danke dafür. Und Happy Birthday 😉

 

Lest selbst

Aufn Montag im Ruhrgebiet zu spielen, ist ’ne Entscheidung, die man so fällen kann. Macht man sich bloß nicht allzu beliebt mit. Wieso so ein Spiel nicht aufn Freitag gelegt wird, dass unkomplizierteres an- und abreisen möglich ist, wird der geneigte Fußballfan wohl nie verstehen.

Aber kurz auf Anfang.

Duisburg. Umgeben von Bottrop-Boy und der echten Liebe Schalke.

Der Pöbelvolvo

Gutgelaunte Besatzung des Auswärtsgefährts, eine Playlist, die ihresgleichen sucht, vorzügliches Catering – alles wie immer.

Zum Glück sind Fußballfans nicht abergläubisch, sonst wäre das Auslassen der üblichen Route über Allertal ein schlechtes Omen.

Auf der weiteren Fahrt wurde noch diskutiert, welchen Gegenwert eine der Mitfahrerinnen wohl hat – es wird sich auf eine dreibeinige Ziege geeinigt (= süß, aber meckert viel). Außerdem werden die herausragenden Sehenswürdigkeiten bestaunt und wieder mal eine Autobahn-Museen-Denkmäler-Tour geplant. Tuchmuseum, Mittelalterliches wasauchimmer, Betonmuseum, Knödelmuseum und natürlich das schon oft bestaunte Panzermuseum.

Das Stadion Drumherum

Ein architektonischer Traum in Beton und Stickerresten. Wieso Architektinnen von Stadien immer ihre autoritären Sehnsüchte ausleben müssen, wird die Schreiberin dieser Zeilen nicht verstehen. Fanbriefe betonten vorher UN-BE-DINGT den P1 anzufahren – als vorbildliche Auswärtsfahrerinnen taten wir das und wurden mit einem Marsch ums Stadion belohnt, der auch noch etwas davon weg führte, aber so kamen wir in den Genuss eine Wasserski-Anlage im Halbdunkeln zu bepöbeln.

Vorm Eingang noch die üblichen Verdächtigen ge-flausch-tackle-t, nach qualitativ unterschiedlicher Kontrolle durch den traumhaften Betontunnel und Plätze eingenommen.

Auswärtsbericht – Sportlich

Man merkte dem MSV an, dass sie bisher nicht so recht in der Saison angekommen sind. Die Duisburger standen sehr tief und versuchten über die Außen ins Spiel zu kommen. Der FCSP stand hinten an sich sehr sicher. Die Duisburger Offensive schien da keine großen Herausforderungen zu bieten. „Feldüberlegen“ sagt man da wohl…60% Ballbesitz. Offensiv versuchten wir über die flinken Außen (MMD, Miyaichi) nach vorne zu kommen, was auch mehrfach gelang. 
Allein die Qualität der Flanken ließ leider zu wünschen übrig. Keine großen Chancen für uns bis zur Pause. 

Teilweise hätte ein langer Pass über die dann doch aufgerückte Duisburger Abwehr Potential gehabt. Gerade Ryo versuchte häufiger im richtigen Moment steil zu gehen, aber Ziere verpasste den Moment und spielte dann doch lieber hinten herum weiter. 

Nach der Pause verflachte das Spiel etwas. Dazu passt auch, dass Duisburg und der FCSP jeweils 50% Ballbesitz hatten. 

Der MSV kam zu zwei etwas besseren Chancen, eine davon fischte Himmelmann aus Gästeblockperspektive gerade so noch aus dem Winkel. 

In der 60. Minute kam dann Veermann für den glücklosen, aber unermüdlichen, Diamantakos (der große alte Mann dieses Blogs wird zu Recht anmerken, dass seine Zweikampfführung aussieht wie kurz vor ner Kneipenkeilerei), kurz darauf Neudecker für den verletzen Myiaichi. 

Änderte erstmal wenig am schwächerem Offensivspiel. 

Aber dann, 83. Minute, Buchtmann (hatte meiner Meinung nach nen etwas gebrauchten Tag und haderte recht viel mit allem) ging und für ihn kam Allagui.

Ecke, Kopfball, Tor! 1:0 für die Guten!

Danach noch 10 Minuten darauf warten, dass nix passiert. Abpfiff. Alle Glücklich. 

Wenn uns diese Saison was ausmacht, dann die Fähigkeit zum Ende zuzuschlagen. 
Keine Ahnung, wie/warum, aber an sich auch egal. Ich war wirklich die ganze Zeit optimistisch, dass wir noch einen reinmurmeln, sehr komisches Gefühl. Aber toll. 

Die Tabelle lügt nicht und sagt Relegationsplatz 3 und das vorm Lokalrivalen. 

Nächstes Spiel nun also Störche rupfen. (Curi)

 

Im Block

Loide. Ihr fahrt mehr oder weniger weit, um euch das Spiel anzusehen, habt also entweder nix besseres zu tun oder wirklich Bock aufs Spiel. Bekommt dann mal euren Arsch und die Hände hoch und supportet. Das obere Drittel im Stehbereich war gedanklich ganz woanders, so dass zwei der Mitfahrerinnen ihre Stimmen nun auf den Betonstufen des Gästeblocks suchen müssten. Wasn lahmarschiger Haufen ihr manchmal seid.

 

Schöne Tapete von uns.

 

https://twitter.com/Darijouu/status/1054475431137738753

 

Stabile Choreo auf der anderen Seite.

 

https://twitter.com/ultraschoen/status/1054447242134851584

 

Der Rest

Abpfiff, Glückstaumel, Blick auf die Tabelle, breites Grinsen und die Antwort auf die Frage, wieso wir uns den Scheiß immer wieder antun. Genau deshalb.

Dezimierte Anzahl der Mitfahrerinnen, noch ein kurzes Aufstocken der Matevorräte und ab dafür. Die Rückfahrt verläuft ohne Zwischenfällt, die Playlist packt die richtigen Hits aus, Schwertransporter werden weiterhin angepöbelt.

Fazit? Bis zum nächsten Mal.

 

Es schrieben: Curi & Elo.

 

Post Skriptum: Der geneigten Leserin fällt die Wahl der grundsätzlich weiblichen* Form garantiert auf. Aber Männer* sind natürlich mit gemeint. (Anmerkung des Online Stellers: und dann Bottrop-Boy erwähnen?)
 

Okt 172018
 

Du sollst auf Hetze nicht mit Fakten antworten, du sollst auf Hetze nicht mit Fakten antworten. Schreiben wir jetzt 100 Mal an die Tafel und stellen dann doch fest, dass in diesem Bericht auch Fakten einfließen.

Unser Ex-Präsident hat ein Interview gegeben und vorher anscheinend zu häufig der AfD zugehört. Das Interview könnt ihr hier nachlesen.

Das entscheidende Zitat findet ihr bei Elo. 

Ist der Littmann nun endlich von allen guten Geistern verlassen? „Rein deutsche Mannschaft“? Am deutschen Wesen soll die Homophobie genesen? Es schüttelt einen! Gut, dass dieser Mensch mit diesem Verein nur noch als Ex-Präsident in Zusammenhang gebracht wird und gut, dass die JHV sich damals gegen einen „Ehrenpräsidenten“ Littmann ausgesprochen hat. Das ist das große Problem bei der Ehrung von lebenden Menschen. Die haben danach noch ganz viel Zeit, ganz viel Bullshit zu reden.

Als wäre es einfacher, sich im TV Altöttingen zu outen, als beim SV St. Georg! Ja ne, ist klar Corny! Immer wohl gesagt, diese beiden Vereine entsprechen dem Klischee, welches man gerne über die genannten Städte bzw. Stadtteile hat. Da wir beiden Vereinen nicht zu nahe treten wollen, sei betont, dass dem wahrscheinlich nicht so ist.

Aber vielleicht sind diese „nicht deutschen“ Spieler voll das Hindernis? Nehmen wir doch unseren Mats mal als Beispiel, der zu dem gleichen Kinofilm auch eine deutliche Meinung kundgetan hat. Man lese sie auf der offiziellen Homepage nach. Spoiler: Homophob äußert er sich nicht, dabei müsste er das doch als „nicht deutscher“? 

Und dann ist es wieder ganz schnell so, dass „nicht deutsche Spieler“ nur ein Deckmantel ist. Ein Deckmantel um nicht „die Muslime sind schuld“ zu sagen und seine eigene rassistisch, islamophobe Grundannahme zu deutlich werden zu lassen.

Da ist er wieder der „Migrationshintergrund“, der einem Özil auch in der 5. Generation aufgelabelt wird, dem Podolski aber nicht in der 1.

Nun kann man Vorurteile nicht mit Fakten widerlegen, denn das ist für Hetzer wahrscheinlich Fakenews. Nun ist es aber so, dass die Frage der Migranten und ihrer Einstellung zu Homosexuellen schon wissenschaftlich untersucht wurde. Nun können und wollen wir die Qualität dieser Studien nicht werten, aber ein paar interessante Zitate und Erkenntnisse wollen wir dann doch weiter geben:

„ob Migranten homophober seien als autochthone Deutsche, spätestens seit dem Kölner Silvester 2015 politisch heiß diskutiert wird. Küpper hält die Gruppe, die dieses Kriterium zusammenfasst, für „zu heterogen“ weil sie Neueingewanderte und die Enkelinnen von Migranten, europäische, afrikanische und asiatische Wurzeln in einen Topf werfe.“ Gefunden im Tagesspiegel

Projektion von Vorurteilen auf eine angeblich homogene Gruppe. Na toll, Corny.

Homophobie ist ein Problem in unserer Gesellschaft. Unter Deutschen, unter „Migranten“ und überall und insbesondere im Fußball mit seiner Machokultur und seinem öffentlichen Brennglas. Und insbesondere junge Männer sind  homophob, was das Outing in einer Männer(!)fußballmannschaft eben noch schwieriger macht.

Homophobe Ansichten sind laut der Studien prozentual in „migrantischen“ Gruppen weiter verbreitet, als in nicht migrantischen. Wie auch immer man diese definiert. JEDOCH! Das ist kein 90 % aller Migranten vs. 1 % aller Deutschen. Mitnichten. Siehe Tagesspiegel Link, oder siehe queer.de siehe auch den Deutsche Welle Link von eben. Religiosität ist  z.B. eine andere häufig genannte Triebfeder für homophobe Ansichten. Komisch, dass Corny und andere nicht sagt „Outen kannst du dich nur beim Atheisten e.V.“. Warum bloß nur?

Spannendes Zitat noch aus der bei DW.com zitierten Studie:

„Doch die Studie zeigt auch, dass viele Jugendliche offen und tolerant mit dem Thema Homosexualität umgehen. Auch unter den Migranten verbessert sich das Verhältnis zu Homosexuellen, wenn sie sich selbst als Teil der Gesellschaft fühlen und von der Gesellschaft akzeptiert werden.“

Sollten wir noch mal über Akzeptanz für Menschen mit „Migrationshintergrund“ reden, liebe „Deutsche“?

Okt 082018
 

 

Oder

Erzwungenes Glück

Liebe Lesenden,

fragt am Ende der Saison überhaupt jemand, wie diese drei Punkte zustande gekommen sind? Würden wir nicht drauf wetten. Jo, für den Moment wird im Kreise unserer Sportverantwortlichen darüber zu reden sein, warum sich der FCSP gegen ein schwaches Sandhausen über weite Strecken zahm wie Lämmer präsentierte. Wenn da die nächsten Tage ein bisschen Dampf auf dem Trainingsplatz gemacht wird, können wir das natürlich nur begrüßen. Für die Wochenrückschau sagen wir aber nur: Nicht übel, so zehn Punkte aus vier Partien mitzunehmen. Und auch bei einem scheinbar auf (bestenfalls) Unentschieden hinauslaufenden Spiel am Ende doch noch den nötigen Biss zu haben, um den Sieg zu erzwingen. Das hätte es vergangene Saison wohl nicht gegeben.

Zurück zum Anfang

Spiel 1 nach dem Derby. Egal? Alles wie immer? Ja, schön wär’s. Wir haben bereits weit vor Anfang die Befürchtung, dass sich auf Rasen und Rängen jetzt ein Druckabfall in Sachen Kampfgeist zeigen könnte. Das wichtigste Spiel der Hinrunde liegt hinter uns; dass wir uns da nicht ganz billig verkauften, steht außer Frage. Und nun haben wir mit dem SV Sandhausen eine schwarzweiße Maus der zweiten Liga als Gegner. Reality Check.

 

Und so wirkt einiges an diesem Spieltag so, als ob jetzt der Ernst bei der Sache etwas flöten gegangen wäre. Zwar ist das Millerntor trotz Hamburger Herbstferien am Ende doch ausverkauft, aber die Stufen füllen sich nach unserem Eindruck spät. Die Süd singt sich mit dem länger nicht gehörten “Heute knallen wir uns zu / mit Marihuana / Tonnenweise THC / für Sankt Paulianer / Hektoliterweise Bier / für eine Kurve völlig außer Kontrolle” warm. Auch da kann man nach dem glimpflich verlaufenen Derby mal etwas Dampf beziehungsweise Rauch ablassen.

I can’t fucking hear you!

Kauczinski scheint inzwischen so etwas wie seine Startelf gefunden zu haben. Mit Ausnahme von Miyaichi für Şahin keine Veränderung. Sollte passen. Und Sandhausen als Kellerkind der Liga ist nach ein paar schwereren Geschützen der vergangenen Wochen ein machbarer Gegner – also, ihr wisst schon, Leute, da können wir ja fast nur verlieren!

Achja: Die Hymne von Sandhausen kommt offenbar nicht aus dieser einen mittelständischen Fußball-Powerballaden-Schmiede, die für 95 Prozent der deutschen Vereinshymnen verantwortlich ist und bestimmt irgendwo in einem Kaff in der Mitte Deutschlands sitzt. Man gönne sich noch mal Sandhausens Lied mit den glorreichen Zeilen “Unsre Farben sind Schwarz-Weiß / darauf sind wir alle heiß / Es sind die Farben der Nation / die sind bei uns schon Tradition”. Oder vielleicht auch einfach nicht.

Braunweiß nimmt aber erst mal das Heft in die Hand und netzt tatsächlich nach nicht mal zwanzig Minuten. Diamantakos steht dort, wo ein Stürmer stehen muss, drin ist das Ding. Wer unseren FCSP kennt, weiß, jetzt müsste man nachlegen, sonst kann das alles noch völlig in die Binsen gehen. Macht man nicht. Ist ja klar, dass es da irgendwann doch noch mal auf der falschen Seite scheppert, gerade bei einem Standard. Insgesamt möchten wir über Minute 20 bis 85 lieber den Mantel des Schweigens hüllen. Apropos Schweigen: Genau so ideen- und harmlos wie der Kick auf dem Rasen ist in dieser langen Phase auch der Support. Selbst von der Süd sind streckenweise nur die Trommeln, kaum mehr aber eine Stimme zu hören. Uff. Da muss wieder mehr gehen, liebe Lesenden! Gegen Paderborn haben wir tatsächlich mal gesehen, was passieren kann, wenn sich das gegnerische Team bei besonders lauten Heimfans vor Angst beinahe in die Büx kackt. Da müssen wir öfter wieder hin, wenn wir irgendwie Einfluss auf das Geschehen nehmen wollen.

Springen wir aber nun zum Ende des Sandhausen-Spiels. Wie so oft wechselt Kauczinski spät, sehr spät. Heute aber scheint er ein ziemlich gutes Händchen dabei zu haben: Die Einwechslung von Sami Allagui löst bei den meisten Millerntor-Gästen zwar nicht gerade Jubelschreie aus. Doch Sami straft heute alle seine Kritiker Lügen und zeigt in dieser Phase, wo wir uns schon eher auf ein Gegentor als auf einen Lucky Punch einstellen, was er kann, wenn es bei ihm läuft. Und dann macht Buchti auch noch mit einem starken Abschluss eines absurden und schon scheinbar gescheiterten Konter der Deckel drauf. Der Rest ist Jubel.

Wir stellen fest …

… dass die Mannschaft zwar über weite Strecken Fußball zum Vergessen spielt, aber in einem wirklich entscheidenden Moment noch mal den unbedingten Willen zum Sieg zeigt. Das ist verdammt wichtig. Drei Punkte sind von größerer Bedeutung als ein schönes oder auch nur besonders cleveres Spiel. Wir sind hier immer noch in der zweiten Liga, vergessen wir das nicht.

Glas halb voll…

Wir stehen ein Punkt hinter dem Tabellenzweiten. Wir haben 16 Punkte. Wir haben bereits 11 Punkte zu Platz 16.* Wir haben die fünft beste Offensive der zweiten Liga. Wir haben die Plätze 1-3 bereits gespielt. Wir spielen nun gegen die Plätze 18 (Wunder in Köln mal außen vor), 11, 12. Wir haben 4 der ersten 8 gespielt. Wir haben bereits 4 Tore und 4 Vorlagen zu Toren von Einwechselspielern erhalten. Ein Wert, der zeigt, wie viel Qualität wir nachlegen können. Die Kondition stimmt, wir haben relativ wenige Verletzungen. Es bleiben echt gute Spieler (Park z. B.) auf der Tribüne. Das ist gut. Hashtag: Konkurrenzkampf

*Dazu folgende Anmerkung: dieses sehr weit verbreitete Schielen, ob wir schon 40 Punkte haben, nervt. Das kann und sollte eine Selbstverständlichkeit sein, mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Sollte eine Saison anders laufen, kann man gerne das Rechnen anfangen. Aber nicht jetzt. Das ist kontraproduktiv.

Glas halb leer…

Wir spielen keinen konstant guten Fußball über 90 Minuten. Wir haben die zweitmeisten Gegentore bekommen. Nur Ingolstadt und Duisburg haben mehr Tore gefangen. Wir sind sehr abhängig von Avevor und bekommen den nicht ersetzt. Mit ihm: 4 Siege, ein Unentschieden, 3 Gegentore. Ohne ihn: 3 Niederlagen, 12 Gegentore (!!!). Irgendwann ist das Glück der späten Tore aufgebraucht. Auch letzte Saison sind wir 5-1-3 mit 16 Punkten gestartet. Und dann begann der Abstieg. Wir spielen nun beim Tabellenletzten (Wunder in Köln mal außen vor). Hashtag: Aufbaugegner

Okt 012018
 

Verzweifeifelt in der Vorbereitung

Tja, was ist das Derby im Vorfeld hochgeschrieben worden. Die Polizei rechnete mindestens mit einem mittelschwerem Bürgerkrieg und behaupten nun das Sicherheitskonzept sei aufgegangen, die Medien haben ihre Panikrhetorik ebenfalls vergessen und vermuten jetzt eine allgemeine Enttäuschung. Aber man wird ja noch die Frage stellen dürfen, wer hier von was enttäuscht ist. Sportlich, ja meine Güte, who cares?

Mit dem Ergebnis können wir leben. Dass es nicht eskaliert ist? Sicher nicht im Interesse der Sicherheitsbehörden, die jetzt mit ihrem schönen Portal gerade mal ein nach paar Pyromanen fanden können; den Medien fehlt die Schlagzeile, tja nun. Ob man auf Heimseite durch das Ergebnis sehr verzweifelt ist? Sicherlich mehr als in FCSP-Kreisen, nehmen wir an. Der „hanseatische Vorzeigeclub“ könnte seine Vorherrschaft in dieser Stadt zumindest nicht demonstrieren.

Aber rollen wir den Tag doch zeitlich von vorne auf.

Verzweifeifelt in der Anfahrt

Wir waren nach Bahrenfeld auf unterschiedlichen Wegen gelangt und haben uns dann dort gesammelt. Viele auswärtige FCSP Fans haben die Gelegenheit genutzt, dort in der Gegend ihre Fahrzeuge zu parken und insbesondere der örtliche P+R Parkplatz war gut frequentiert. Das hat alles problemlos geklappt.

Der örtliche Bäcker ist traditionell schon immer serviceschwach und verzweifeifelte auch an den jetzt plötzlich ankommenden Menschenmassen sichtlich. Gab anderseits aber Porzellantassen für den stilvollen Kaffee aus.

Irgendwelche Blitzbirnen hatten in der Nacht vor dem Derby im Bahnhof Bahrenfeld und später auch vor dem Gästeeingang Buttersäure (oder Ähnliches) verschüttet. Danke, dass es in dieser Stadt immer weht. Und garantiert auch ein riesiges Dankeschön von dem Kioskbetreiber im Bahnhof Bahrenfeld, denn der hat von dem Gestank nun tagelang gut.

Die anreisenden FCSPler hingegen nur ganz kurz.

Verzweifeifelt durch den Volkspark gehen

Es soll einen Busshuttle gegeben haben. Menschen, die diesen genutzt haben und schnell hin- und weggekommen sind, haben wir nicht getroffen. Die aktiven Gruppen des FCSP und der weltbeste Fanladen hatten zu einer kleinen Frühsportübung „Wanderung durch den Volkspark“ aufgerufen. Und damit man seine Mitwanderer auch gleich von weitem erkennt, hatten unsere Ultras noch weiße Shirts für Alle besorgt.

Das einige junge Herren meinten, aus diesem Design aussteigen zu müssen und anstatt eines braun-weißen „Forza St. Pauli“ lieber dieses Hooligan „H“ als Frontdruck ihrer weißen Shirts nutzen zu müssen, kann man zumindest diskutieren. Die Symbolik, die “Marke” erinnert doch sehr an die Nazi durchsetzte deutsche Hoolszene, auch wenn auf St. Pauli das “h” anders genutzt wird. Stichwort “Rotsport”. Anderes “Branding”?

Es begann der lange Spaziergang. Und wer nun einen Marsch mit vielen Pausen, Pyro, Ufftas, Gebrülle und Gemackere erwartet hätte, der wurde enttäuscht. Es wurde ein ruhiger, sehr entspannter Spaziergang.

Auf dem Rückweg erfuhren wir, dass dies auch so geplant und besprochen war, da man zu 100 % sicher ins Stadion gelangen wollte.

Plan aufgegangen. Dabei waren Gelegenheiten genug da, den Ablauf zu stören oder das ganze hektischer zu machen. Liefen wird doch teilweise ohne Polizei in Sichtweite durch den Volkspark. Wer da also auf irgendeiner Seitenstraße hätte verschwinden wollen, hätte dies machen können.

Die Anwohner genossen ihr Sonntagsspektakel. Von Kindern und Plüschpinguinen wurden wir begeistert gefeiert, Menschen hielten braun-weiße Schals aus den Fenstern und die gelegentlichen Rauten, die wir trafen wurden ignoriert oder noch freundlich gegrüßt.

Aggressionen aus dem Marsch? Null.

Auf dem Rückweg kam es dann auch an der einen Rautenkneipe auf dem Weg zu einer lustigen Gegebenheit. Links in der Kurve stand der Wasserwerfer und sollte die Gruppen trennen. Rechts auf der anderen Seite des Weges saßen 5 Rauten auf ihrer Parkbank, tranken ihr Bier und guckten sich die FCSPler an. Ohne Polizei um sie rum. Ohne irgendwelche Aggression. Nicht mal ein Spruch haben die auf unserer Höhe kassiert. Ob das andersherum auch so entspannt gegangen wäre? Kindern am Rand mit FCSP Schildern wurden noch Shirts geschenkt.

Verzweifeifelt an dem Andrang

Wenn von den insgesamt 5000 FCSPlern im Gästebereich ungefähr 2/3 gleichzeitig ankommen, dann sind Wartezeiten programmiert. Wenn dann aber der Einlass noch schlecht organisiert ist, dann dauert das. Okay, es war genug Zeit und nur der Gestank von unten nervte etwas. Irgendwer meinte noch auf dem Friedhof und hinter dem Kartenhäuschen Pyro zünden zu müssen, aber das war eher auch skurril als gefährlich. Ach ja: In der Schlange des Gästeeingangs lag auch ein Beutel aus dem noch Pyro raus guckte. Entweder irgendwer hatte den verloren, oder aber es war einfach genug drin.

Die Abtastqualitäten waren sehr unterschiedlich. Typ A guckte sich seine Leute eher oberflächlich an, Typ B filzte jeden, als ob er einen Schwerverbrecher vor sich hatte. Das gleiche bei den Damen. Einige beschwerten sich zu Recht über eine gynäkologische Untersuchung, andere wurden vollkommen halbherzig kontrolliert.

Das so etwas letztendlich null nützt und natürlich trotzdem alles Pyro, was man möchte drin ist, macht das ganze noch absurder.

Verzweifeifelt am Blocksystem

Es ist echt nett, dass man uns neben den üblichen 14ern Blöcken noch die 15c und die 13c zur Verfügung gestellt hat. Aber man muss sich dann auch Gedanken machen, wie man all diese Menschen in den Block und wieder aus dem Block bekommt. Und nein, der eine Aufgang reicht dann nicht aus. Eine Entfluchtung, eine Panik, irgendwas hätten wir hier nicht sehen wollen. Das viele Leute aus A nach B gewechselt sind, macht das ganze nicht besser.

Wir haben uns brav in unsere Reihe gestellt und da sich in 14 B der Kern zusammengefunden hatte, hatten wir ganz viel Platz.

Und am Ende bei uns auch gar nicht so schlechte Stimmung. Wir wissen, dass wir hier eine Mindermeinung vertreten und ganz viele Leute sehr doll über den Support des Gästeblocks gemeckert haben und besser geht immer. Jedoch das war schon viel schlimmer bei früheren Derbys. Mal ganz davon ab: Die Dachkonstruktion frisst auch alles, was gesungen wird. Deswegen kommt auch von drüben so gut wie nix an. Und die Sitzplätzblöcke der Rauten neben uns hatten anscheinend Valium ins Bier gemischt bekommen. Kein Geprolle in Richtung Gästeblock, kein Support, nahezu keine Emotionen für die eigene Mannschaft. Dieser „neue“ 22C Block ist jedoch ein Schatten des alten, wirklich motivierten Blocks unter Chosen Few Leitung. Das was da jetzt abgeht, versteckt sich zu Recht in einer dunklen Ecke.

Aber ab der 30. Minute wurde jeder Rückpass mit Seufzen und Pfiffen kommentiert.

Verzweifeifelt an der eigenen Choreo

Derby ist immer auch Choreozeit. Auf Seiten von braun-weiß setzte man auf besagte weiße Shirts, auf braune Plastiktüten, auf ein „FCSP“ vor dem Block und Pyro im Block. Das sieht auf den Fotos alles okay aus, ist solide, ohne nun den Kreativpreis des Jahrhunderts zu gewinnen.

Spruchbänner für die Gegenseite haben wir nur eines mitbekommen und das „[Dreibuchstaben,die in diesem Blog nicht geschrieben werden], Liebe so käuflich wie in der Herbertstraße“ ist aus unserer Sicht doch problematisch. Der Bezug auf Sexarbeit grundsätzlich schwierig und hier auch nicht wirklich gelungen. Liebe wird in der Herbertstraße z.B. nicht wirklich zum Kauf angeboten und Sexarbeit durch diesen Kontext stigmatisiert.

Ob es noch weitere Texte in Richtung Heimkurve gab, wissen wir gerade nicht.

Tief Luft hol

Die Gegenseite präsentierte Bücher voll von Tapeten. „Das war zuviel zu lesen, ich warte auf das Hörbuch“ war nur eine Aussage von vielen zu diesem Thema. Wir wollen nun gar nicht alle auseinander nehmen und vielleicht mag da ja noch ein ganz cooler Insider versteckt gewesen sein, aber insgesamt wirkte es wie „scheiße wir finden keinen Angriffspunkt, also versuchen wir alle angeblichen Widersprüche auf irgendeiner Tapete zu kritisieren, vielleicht haben wir ja mit einer Recht“. Masse ersetzt eben nicht Klasse und das verzweifelte äh oh Entschuldigung das verzweifeifelte Abarbeiten an einem Gegner, den man offensichtlich nicht zu greifen bekommt, ist schon peinlich. Irgendwie wirkt das ganze nach einer ziellosen und verzweifeifelten Suche einer neuen Identität via Abgrenzung gegenüber eines Gegners, den man nicht fassen kann, der immer wenn man meint, dass man ihn gegriffen habe, einem durch die Hände gleitet. Sitzt der Dinoverlust so schwer? Eigene Identität nur über Abgrenzung?

Auch immer lustig: Es wird der FCSP Kosmos für die angebliche Nichteinhaltung politischer Korrektheiten angegriffen, die man selber gar nicht einhalten will. Dazu ist das eigene Lieblingsschimpfwort noch „F…“, was das ganze noch überzeugender macht. Da sind ja FCSP Meckereien von Altona 93 Fans überzeugender.

Im Volkspark gibt man ja sehr viel auf die eigene Tradition. Sei es nun bei Lottos Lied (später dazu mehr) oder eben bei Derbychoreos. Nur liebe Rauten, in Stein gemeißelt werden eigentlich zwei Dinge: Grabsteine oder Denkmäler. Beide Arten der Erinnerung haben gerade in Hamburg eine Grundvoraussetzung: Der jeweils Geehrte ist verstorben oder zumindest uralt und scheintot. Das Grundkonzept der Choreo ist also nicht gerade sehr überzeugend. Mal ganz davon ab: Wie wäre es mal mit einer positiven Message für die eigene Mannschaft? Wenn eure Größe denn so in Stein gemeißelt ist, warum dann immer an der kleinen Zecke abarbeiten?

Das man dann noch an der Rechtschreibung verzweifeifelte* und auch die Ausführung sehr schief und krumm war, setzte dem ganzen dann noch die Krone auf.

*in diesem Internet wird behauptet, dass die Schreibweise Absicht gewesen sei und durch zwei Punkte das “eif” (für Eifersucht) abgetrennt sei. Wir geben das jetzt so mal weiter und mit gutem Willen mögen da auch zwei Punkte erahnen zu sein. Ob das so stimmt? Die „Fanbetreuung“ des Lokalrivalens behauptet via MoPO (!!!) etwas anderes. Nicht unser Problem.

Verzweifeifelt an Lotto

Die Stadionanimation hat Großraumdiscofeeling. Aber das passt in seiner Gesamtheit auch sehr in die Stadt, in der Menschen in ihrer Freizeit sich gerne animieren lassen, im gleichmäßigen Rhythmus zu klatschen und dann Lotto King Karl mitzusingen, der es lustig findet, dass die Lausitz schon fast in Polen liegt. Wir finden das maximal vor dem Hintergrund witzig, dass die deutsche Grenze früher deutlich weiter östlich lag.

Eigentlich wunderten wir uns erst, als wir vermehrt auf Twitter lesen, dass man als FCSP-Fan im Volkspark immer noch antisemitisch, rassistisch, sexistisch beleidigt wird, aber wenn man sich dann doch mal die Hymne in voller Länge zwangsläufig geben muss, erscheint es durchaus folgerichtig bei dieser widerlichen Zelebration ekeliger, kleinbürgerlicher Lokalidentität. Genau das ist Deutschland und ja, das ist auch Hamburg. Daher kann man auf braun-weißer Seite auch gerne mal reflektieren, ob man das Label Hamburg gerne besetzen möchte. Der Volkspark ist ein zehn mal besserer Kristallisationspunkt was diese Stadt ausmacht als das Millerntor. St. Pauli, die Schanze, Wilhelmsburg, die coolen Ecken Altonas, das ist nicht Hamburg allein. Klar, es wäre sehr schön, das Label Hamburg für z.B. die Proteste gegen G20 zu besetzen, aber die Mehrheit hier geht lieber Sparkassen putzen oder Lotto mitsingen.

Verzweifeifelt auf dem Platz

Ja Fußball war auch und wirklich viel passiert ist nicht auf dem Platz. Daher sparen wir uns das beinah vollständig. Wen das interessiert, der sei an den Millernton Blogeintrag verwiesen, Verlinkung am Ende des Textes.

Wenn Cenk in der 92. Minute nicht den Kunstschuss versucht, sondern quer zu Neudecker legt, dann hätte das noch mal sehr interessant werden können, aber sonst gab es auf beiden Seiten nicht DIE Chance um das Spiel zu entscheiden.

Wichtig dabei: In Liga 2 ist der Gast nicht für Entertainment und schönen Fußball zuständig. Wir sind also sehr zufrieden.

Verzweifeifelt im Abgang

Hin ging es wie zurück, man war guten Mutes, es war ein langer Spaziergang, passiert ist nix mehr.

Und bevor sich die Hamburger Polizei was von „aufgegangenem Konzept“ und „Abgeschreckt“ in die Tasche lügt: Dies lag auch am meisten daran, dass niemand irgendwas an diesem Tag geplant hatte oder durchführen wollte. Siehe auch diverse Videos in denen der FCSP-Mob null auf irgendwelche pöbelnden Rauten eingeht.

Letztendlich

Sind wir weiterhin Stadtmeister. Wir sehen uns beim Rückspiel. An dieser Stelle auch noch mal ein Dank an unsere Bezugsgruppe, in der wir uns für alle Fälle zusammen gefunden hatten. Hat alles super geklappt und war angenehm. Danke!

Es verzweifeifelten noch…

… der Millernton am Spiel

… der Kiezkieker am Älterwerden (großartiger Text, absolute Leseempfehlung)

Ian Joy ist immer noch voll dabei. Herzchenaugen bei uns: